HÖR – Hochschüler*innenschaft Österreichischer Rom*nja sagt erstmals 2. Aguust-Gedenken am Ceija-Stojka-Platz ab.
„Um vor einem Denkmal für unsere Toten stehen zu können, muss ich dorthin gehen, wo meine Familie ermordet wurde. In das KZ Auschwitz, das meine Urgroßmutter Ceija überlebt hat. Wozu sollen wir noch Reden halten auf ihrem Platz, wenn es in Wien immer noch kein zentrales Denkmal gibt? Es ist alles gesagt!“ so zitiert die HÖR – Hochschüler*innenschaft Österreichischer Rom*nja in einer Aussendung an Medien ihren Präsidenten, Santino Stojka. Und begründet damit ihren Protest mit der erstmaligen Absage der jährlichen Gedenkkundgebung am Ceija-Stojka-Platz in Wien Neubau am 2. August.
„Seit mehr als einem Jahrzehnt erinnern junge Rom*nja und Sinti*zze, Überlebende des Genozids sowie ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen jährlich am Ceija-Stojka-Platz an den nationalsozialistischen Völkermord, bei dem 90 Prozent der Volksgruppe ermordet wurden. Die HÖR beteiligt sich seit ihrer Gründung an diesem Gedenken und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen. Heuer ist das anders. Heuer stehen wir nicht auf diesem Platz“, erklärt die HÖR.
Nach jahrelangem Einsatz von Organisationen wie der HÖR, sowie zahlreicher Aktivist*innen wurde der 2. August im Jahr 2023 vom Nationalrat als nationaler Gedenktag anerkannt. Bereits zum zweiten Mal begeht die Republik Österreich den Gedenktag mit einer offiziellen Kranzniederlegung des Parlaments – übrigens offenbar wegen Wochenendtagen bisher nie am Jahrestag der Ermordung von rund 4000 Angehörigen der Volksgruppe im Vernichtungslage Auschwitz, sondern davor.
Die HÖR kritisiert und protestiert, dass die Errichtung eines zentralen Denkmals für die im Faschismus ermordeten Rom*nja und Sinti*zze in Wien weiterhin aussteht. Trotz eines einstimmigen Nationalratsbeschlusses, trotz des beschlossenen Standorts vor dem Justizministerium auf Vorschlag der HÖR und trotz jahrelanger Forderungen der Volksgruppe und zivilgesellschaftlicher Initiativen, trotz Politiker:innen-Aussagen bei vergangenen Gedenkveranstaltungen, „im kommenden Jahr…“, ist das Denkmal bis heute nicht errichtet worden.
Laut Nationalfonds sei die Fertigstellung der Gedenkstätte für 2029 geplant. „Wir sind nicht die erste Generation, die für ein Denkmal kämpfen muss. Die meisten Überlebenden des Genozids sind schon tot. Und Österreich hat unseren Vorfahren, die sie ermordet haben, nach über 80 Jahren noch immer kein Mahnmal in Wien gestellt“, so Martha Darvas, Vorstandsmitglied der HÖR.
Aus diesem Grund verzichtet die Organisation heuer bewusst auf Reden und eine Kundgebung am Ceija-Stojka-Platz. Stattdessen befinden sich Aktivist*innen der HÖR am 2. August in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, wo sie der rund 500.000 ermordeten Rom*nja und Sinti*zze gedenken.
Nicht nur die Gedenkpolitik wird kritisiert. Auch die Förderung junger Volksgruppenangehöriger sei prekär. Nach Angaben der Organisation wurde ihr jährliches Budget aus der Volksgruppenförderung heuer um über 80 Prozent gekürzt. Trotz der im Bundeskanzleramt koordinierten Strategie zur Inklusion der Roma in Österreich, die auch die Stärkung der Jugend umfasst, verfüge der einzige Jugendverein der Volksgruppe derzeit über so geringe Ressourcen wie noch nie. Das führe dazu, dass der Verein sein Büro schließen und den Großteil seiner Aktivitäten und seiner Arbeit einstellen müsse.
Am Ceija-Stojka-Platz stellt die HÖR am 2. August 2026 ab 18 Uhr Kerzen für Passant:innen bereit, die als Zeichen des Gedenkens und gegen das Vergessen entzündet werden können. An die mehr als 4.000 Rom*nja und Sinti*zze, die in der Nacht vom 2. auf den 3. August in Auschwitz ermordet wurden, wird außerdem im Stephansdom in Wien erinnert. Das Gedenken wird von zahlreichen Organisationen der Rom*nja und Sinti*zze veranstaltet.
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