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Szenenfoto aus "Oachkatzlschwoaf"
Szenenfoto aus "Oachkatzlschwoaf"
15.11.2021

Buschiger Schwanz oder nicht – das ist hier das Machtsymbol

„Oachkatzlschwoaf oder die Rebellion der Ratten“ – sozialpolitisches, humorvolles Figurentheater im Wiener Schuberttheater.

Aufstieg und Fall, Kämpfe um Macht – „Königsdramen“ dominieren viele Streaming-Serien. Sie sind auch seit Jahrhunderten Stoff auf Bühnen – Stichwort Shakespeare. Spielt sich solches unter Plüschtieren ab wie in „Oachkatzlschwoaf“ im Wiener Schuberttheater, ist dies möglicherweise eine Premiere. In kleiner, aber auch ziemlich großer Form dominieren Eichkätzchen, manchmal auch als Eichhörnchen bekannt, den „Park der Enten“. Die gibt’s schon längst nicht mehr hier. Die Umweltkrise hat den Teich austrocknen lassen und damit die Schwimmvögel vertrieben.

Zu ebener Erd und im ersten Stock – auf den Bäumen – leben sie, einen Stock drunter – vor allem in der Kanalisation wohnen die Ratten. Das passt lange für beide Arten von Nagetieren. Aber wie sie’s von den Menschen abgeschaut haben, pochen die „Einheimischen“ auf Vorrechte. Irgendwann beginnen die Benachteiligten zu rebellieren.

Gleiche Rechte für alle Nager, oder?!

Machtkämpf, Intrigen – auch unter den Herrschenden selbst -, Bündnisse – Das alles bringen die drei Figurenspieler:innen – Andrea Köhler, Michaela Studeny, Thomas Huber – mit kleinen und großen Plüsch-Nager:innen auf die Bühne. Obwohl sie selbst immer zu sehen sind, lassen sie den Puppen den Vortritt, die große Bühne: Adivina, der weißfelligen Parkkönigin mit Hang zu lila Accessoires – und seien es nur glänzende Verpackungen von Süßigkeiten; Sandrito und Yoyo sowie als Gegenspieler:innen, zweitweise auch Verbündete die Ratten Ramona, Rot und Ciro – mit Brille.

Mit dem einen oder anderen Satz, einer Szene, der Art und Weise von Reden und Ansprachen verzückt das Stück das Publikum, das so manchen Anklang ans Hier und Jetzt erkennt. Zeitweise regieren Eichkätzchen und Ratten in einer – phasenweise dann doch wackeligen – Koalition.

Dabei wurde das Stück „Oachkatzlschwoaf oder die Rebellion der Ratten“ von Roberto Duarte Lemus und Daniel Ferreira Aparicio (Übersetzung: Irene Palmetshofer und Rodrigo Martinez) ursprünglich für Mexiko geschrieben. Mitübersetzer und Regisseur Rodrigo Martinez, der in dem mittelamerikanischen Land Regie studierte und danach in Wien Bühnen- und Filmgestaltung an der Angewandten abschloss, greift auf so manches aus der Geschichte seiner ersten Heimat zurück: Jahrzehntelang regiert(e) die „Partei der institutionellen Revolution“, entfernte sich immer mehr von ursprünglichen Zielen und konzentrierte sich auf Machterhalt samt Korruption.

Park der Tiere

Da dies in der Geschichte ein immer wiederkehrendes Phänomen ist, siehe auch George Orwells „Farm der Tiere“ bei dem das Stück Anleihe genommen hat, kommen auch alle Facetten von nicht nur Intrigen, sondern tieferliegenden Konflikten und Gegensätzen – von herrschend und beherrscht, Privilegien und Unterdrückung, Diskriminierung, Kolonialisierung, kaufen oder blenden lassen vom Abfall der Menschen usw. – bei dieser ersten Zusammenarbeit von Martinez mit dem Schubert-Theater zur Sprache oder viel mehr ins Spiel. Und das mit einigem Witz und viel Humor.

Allein schon der Titel – oft als DAS Zeichen sprachlicher Integration wenn es ausgesprochen werden kann – und DAS Unterscheidungsmerkmal der beiden Nagetiere – buschiger Schwanz oder nicht -sorgt schon fürs erste Triggern des umfassenden Themas.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Oachkatzlschwoaf oder Die Rebellion der Ratten

105 Minuten (inkl. Pause)

Regie: Rodrigo Martinez
Text: Roberto Duarte Lemus und Daniel Ferreira Aparicio
Übersetzung: Irene Palmetshofer und Rodrigo Martinez

Puppenspiel: Andrea Köhler, Michaela Studeny, Thomas Huber

Dramaturgie: Jana Schulz
Puppenbau & Ausstattung: Rodrigo Martinez, Lisa Zingerle
Assistenz: Marvin Schriebl
Grafik: Rodrigo Martinez, Ilkhan Erdoğan

Wann & wo?

Bis (zumindest) 31. Jänner 2022
Schubert-Theater: 1090, Währinger Straße 46
Telefon: 0676 443 48 60
schuberttheater -> Oachkatzlschwoaf/

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!