Musical von Profis mit Kindern und Jugendlichen entwickelt spielte im Theater am Spittelberg (Wien).
Ein junges Mädchen kann – und will vielleicht auch – noch nicht wirklich einschlafen. Ja, stimmt, „Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel“ (nach dem Bilderbuch von Mira Lobe, illustriert von Winfried Opengenoorth) „ewig“ lang vom Schmetterlinge Kindertheater gespielt, nun von „Papperlapapp“, gastiert unter anderem auch hier im Theater am Spittelberg (Wien-Neubau).
Aber jetzt geht’s um eine andere Geschichte, eine die sich weniger an (sehr) junge Kinder richtet und eine, die von älteren Kindern und jungen Jugendlichen gespielt, gesungen und getanzt wird, pardon wurde. „Buch der Träume“ lief – leider – nur drei Mal über die Bühne des schon genannten, feinen Theaters mit seinem eigenen Charme eines Holzbaus, einer sogenannten Pawlatschenbühne.
Somna, so der Name der Hauptfigur, der sich vom lateinischen Wort für Schlaf ableitet, aber auch schon für einen Horror-Comic rund um Hexenverfolgung verwendet wurde, ist dieses aufgeweckte Kind. Das die Märchen knapp zu erzählen anfängt, anders, als sie allgemein bekannt sind. Weil sie vor den originalen Versionen Angst kriegt und „weiß, wie’s besser geht“. Ihre ältere Schwester – beide auf dem Klavier auf der Bühne sitzend – meint, ob sie nicht doch einfach aus dem Buch vorlesen solle, damit Somna einschlafen könne.
Und natürlich wird in deren Träumen alles gaaaanz anders. Figuren aus bekannten Märchen tauchen auf, führen sich anders auf, als die Grimms und andere sie aufgeschrieben haben. Ein zusätzliches gekröntes Paar gibt sich als Herrscher:innen der Märchenwelt aus, bestraft etwa Rumpelstilzchen, ab nun keinen Namen mehr zu haben, Tinkerbell verliert die Feenkraft und wird lediglich zu Prinz Tinker und noch ärger, damit zu einem Menschen, nicht einmal einer Menschin.
Und das ist noch längst nicht alles. Immerhin spielen, singen und tanzen insgesamt 15 Kinder und Jugendliche knapp mehr als 1¼ Sunden auf der Bühne und wirbeln hin und wieder auch rund und diese herum. Werfen Märchen(figuren) aus bekannten, vorgegebenen Bahnen. Die vermeintlich Guten werden böse. Manch stets Böse – hier zwei Werwölfe – werden gut, sind dabei, sich zum Positiven zu verändern. Was wiederum andere ihnen nicht abnehmen wollen ja Vorurteile über Bord zu werfen, fällt nicht immer leicht. Rotkäppchen sei auf Rachefeldzug, weil der Werwölfe Opa ja ihre Großmutter vergewaltig habe. Manch eine will auch andere gegeneinander ausspielen.
Die Märchenfiguren wollen in die reale Welt – um vielleicht der einen oder anderen Figur so helfen zu können, andererseits taucht Somna, das Menschenmädchen, in der Märchenwelt auf… Neben Spiel rund um und mit Vorurteilen und deren Demaskierung wurden mehrfach auch Wünsche thematisiert – nach ewiger Jugend, Schönheit und – siehe Rumpelstilzchen – auch einem Namen, dabei aber auch, ob die Erfüllung wirklich von außen kommen kann / soll…?
Eingebaut sind 13 Songs aus mehr oder weniger bekannten Musicals – u.a. aus „Frozen“, „Mulan“, „König der Löwen“, „Elisabeth“ – sind in dieses Musical der Gruppe DraMotion eingebaut. Mit Profis aus Schauspiel, Regie, Choreografie und Kostüm haben die 15 Kinder und Jugendlichen die Story entwickelt, die Profis sie dann geschrieben und über Monate hinweg im Musischen Zentrum erarbeitet und geprobt. Und nun das – großteils sehr junge – Publikum mitgerissen. Zuschauer:innen spendeten immer wieder schon zwischendurch Szenen-Applaus.
Das Musical; ca. 1¼ Stunden
Besetzung (in alphabetischer Nachnamens-Reihenfolge):
Almeda Aichberger: Grimhild, Schneewittchens Stiefmutter
Alexander Cerny: Vero, ein Werwolf
Vanessa Deimbacher: Gretel
Maya Dittami: Cinderella
Justin Frantes: Herr Holle
Maria Kuznetsova: Somna
Julina Mohr: Maleficent (dunkle Fee)
Livia Nenescu: Gothel, Rapunzels Mutter
Valentino Pölzl: Rumpelstilzchen
Svenja Schmetterer: Peter Pan
Sarah Schuster: Frau Holle
Sophie Siquans: Hänsel / Hanna
Sebastiano Steinwender: Wolfi, ein Werwolf
Johanna Stockinger: Rotkäppchen
Madita Thill: Tinkerbell / Prinz Tinker
Leading Team:
Idee und Buch: Domenika Arnetzeder, Clara Montocchio, Richard Schmetterer
Regie: Richard Schmetterer
Musikalische Leitung, Kostüm: Clara Montocchio
Choreographie, Organisation: Domenika Arnetzeder
Songs:
1. „Millionen Träume Reprise“ aus „The Greatest Showman“ (Benj Pasek, Justin Paul)
2. „Spooky Dunkler Wald“ aus „Book of Mormon“ (Trey Parker, Matt Stone, Robert Lopez)
3. „Zum ersten Mal seit Ewigkeiten“ aus „Frozen“ (Christophe Beck, Robert Lopez, Kristen Anderson-Lopez)
4. „Sei ein Mann“ aus „Mulan“ (David Zippel, Matthew Wilder)
5. „Wenn du ew’ge Schönheit suchst“ aus „Death Becomes Her“ (Julia Mattison, Noel Carey; Übersetzung: Justin Frantes)
6. „Seid bereit“ aus „König der Löwen“ (Elton John, Tim Rice)
7. „Die Schatten werden länger“ aus „Elisabeth“ (Sylvester Levay, Michael Kunze)
8. „Pass auf was du dir wünschst“ (Clara Montocchio, DraMotion Company)
9. „Domino“ aus „& Juliet“ (Jessica Cornish, Lukask Gottwald, Claude Kelly, Max Martin, Henry Walter)
10. „Takedown“ aus „KPop Demon Hunters“ (Melanie Joy Fontana, Michel Sabastian, Maximilian Schulz)
11. „Ist viel jemals genug“ aus „Maria Theresia“ (Dieter Falk, Paul Falk, Jonathan Zelter)
12. „Monster“ aus „Frozen“ (Robert Lopez, Kristen Anderson-Lopez)
13. „Millionen Träume“ aus „The Greatest Showman“ (Benj Pasek, Justin Paul)
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