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Szenenfoto aus "Frühlings Erwachen" von theater.wozek
Szenenfoto aus "Frühlings Erwachen" von theater.wozek
03.07.2026

Ständiger Seitenwechsel zwischen Garderobe und Bühne

Spannende Version des Pubertäts-Klassikers „Frühlings Erwachen“ von theater.wozek mit drei jungen Schauspieler:innen.

„Nicht schon wieder“, war – ich geb’s zu – das war meine erste, spontane, innere Reaktion auf die Ankündigung einer (weiteren) Aufführung von „Frühlings Erwachen“. Gut ein Dutzend Versionen dieses Klassikers eines, zugegeben DES, Pubertäts-Dramas von Frank Wedekind hab ich schon gesehen und besprochen. Das reicht(e) von klassisch ganz nah am Original inszenierten Stücken bis zu ziemlich frei in die Gegenwart übertragenen Fassungen.

ABER, diese – von theater.wozek – wurde / ist doch noch einmal ganz anders, also durchaus selbst für jene empfehlenswert, die den Text gelesen oder / und die eine oder Inszenierung schon gesehen haben:

Auf der Bühne spielt sich sozusagen die Garderobe einer „Frühlings Erwachen“-Vorstellung ab, Szenen aus dem Original erklingen aus dem Off, wenn die eine oder der andere aus der „Garderobe“ entschwindet. Allerdings ist auch das Spiel in der Garderobe von Szenen und Stellen aus dem Stück selbst durchdrungen. Jene die Text und / oder eine Stückversion kennen haben ein Aha-Erlebnis nach dem anderen über das Verschwimmen von Rolle und Rolle-Rolle. Andere werden dies vielleicht – angeregt durch diese Aufführung – beim Nachlesen des Originals haben. Für alle anderen sind’s zwei Handlungssträngen, die dennoch Parallelen aufweisen.

Wobei in den dichten, knappen 1¼ Stunden auch oft weniger gespielte Textstellen vorkommen, etwa das kurze Märchen von der Königin ohne Kopf, die auf einen König mit zwei Köpfen trifft.

Szenenfoto aus
Julai Wozek als Wicky, die Wendla Bergmann spielt

Wendla

Schauspielerin Wicky (Julia Wozek), die in die Rolle von Wedekinds Wendla Bergmann eintaucht, unterhält sich via Handy mit einer Freundin über ihren kurzen Rock. Und schließt damit an den Original-Disput mit Wendlas Mutter an. Und obwohl mehr als 130 Jahre zuvor geschrieben, spielt der an sich jenseitig überholt erscheinende Gedanke, dass Kleidung von Frauen Männergewalt „provoziere“, noch immer oder schon wieder eine Rolle.

Szenenfoto aus
Ben Schidla las Maurice, der Melchior Gabro spielt – mit Julia Wozek/Wicky/Wendla

Melchior

Ben Schidla spielt als Darsteller Maurice den Melchior Gabor aus „Frühlings Erwachen“ und möglichen Mitverursacher der Schwangerschaft Wendlas, der dafür erst keine Verantwortung übernehmen möchte, ständig auf locker und cool spielt, sich dann jedoch sehr schwer tut, seine Haltung zu reflektieren.

Szenenfoto aus
Daniel Willinger als Michi, der Moritz Stiefel spielt

Moritz

Die tragische Figur des Moritz Stiefel gibt Daniel Willinger als Akteur Michi bis hin zum Fußball mit einem Abbild seines Kopfes unterm Arm als Symbol für seinen Suizid. Übrigens ein echter Moritz, namens Dürr, der Wedekind seine Suizidgedanken anvertraut hatte, war (Mit-)Auslöser dafür, dass er „Frühlings Erwachen“ 1890/91 geschrieben hat.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Frühlings Erwachen“ von theater.wozek

Trotz alledem, noch immer so manches zeitlos

Wenngleich die drei Schauspieler:innen – sowohl in echt als auch im Spiel – ihre Pubertät schon ein paar Jahre hinter sich haben, wirken sie in ihrem Agieren dennoch authentisch – und transportieren damit die (leider) immer noch Zeitlosigkeit (Konzept und Regie: Karl Wozek). Trotz aller Aufgeklärtheit, Ent-Tabuisierung von Sexualität in vielen Teilen der Welt usw. seit der Veröffentlichung (zunächst auf eigene Kosten des Autors, weil der Verlag ablehnte; Erstaufführung erst 15 Jahre später; Regie: Max Reinahrdt), bleibt so manches aktuell. Und das sind Gedanken, die Wedekind schon einigen seiner Protagonist:innen in verschiedener Version in den Mund gelegt, bzw. auch in anderen Werken formuliert hat: „Die Dinge gingen darum von Generation zu Generation ihren unabänderlichen Gang, und mich träfe nur Schimpf und Spott von Seiten aller derer, die nie in ihrem Leben über das, was sie selber erlebt haben, einen Augenblick nachdenken…“ (aus Mine-Haha oder Über die körperliche Erziehung der jungen Mädchen“, Frank Wedekind).

kijuku_heinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Frühlings Erwachen

frei nach Frank Wedekind

Konzept und Regie: Karl Wozek

Wicky als Schauspielerin und Wendla Bergmann als Figur aus dem Original: Julia Wozek
Michi als Schauspieler und Moritz Stiefel als Figur: Daniel Willinger
Maurice als Schauspieler und Melchior Gabor als Figur: Ben Schidla

theater-wozek –> frühlingserwachen