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Szenenfoto aus "Little Women" von "teatro" in Mödling
Szenenfoto aus "Little Women" von "teatro" in Mödling
14.08.2021

Großartige Bühnenshow der „kleinen Frauen“ in Mödling

Rund zwei Dutzend Kinder, Jugendliche und einige Erwachsene spielen, singen und tanzen das neue „teatro“-Musical „Little Women“ als Plädoyer für Gelichberechtigung, starke Frauen und danach „selbst zu sein“.

Ein Riesenspektakel an Schauspiel-, vor allem aber Gesanges- und Tanzkunst, vielen unterschiedlichen Kostümen samt Verwandlungstricks, Live-Musik vor allem neben der Bühne und zum Drüberstreuen üppigen Licht-Shows – das zaubert das „teatro“-Ensemble seit Freitag, dem 13. August 2021 in die Sport- und Turnhalle der Europa-Mittelschule in Mödling (Niederösterreich). Noch üppiger, noch professioneller als schon im Vorjahr, wo Pandemie-bedingt aus dem engeren Stadttheater in diese Halle übersiedelt worden war. (Proben-Reportage samt Interviews mit jungen Darsteller:innen – siehe Link unten.)

„Little Women“ begeisterte das Premierenpublikum. Zurecht. Wenngleich erwachsene Zuschauer:innen sich einmal mehr als weniger sensibel erweisen sollten als Kinder. Als eine der vier Schwestern, Betty (titelgebend in einer der deutschsprachigen Übersetzungen), stirbt – Applaus. Sicher gut gespielt auch dieser stille Moment, doch als in einer Voraufführung von „Bambi“, dem Musical für die Jüngeren, die Mutter des Junghirsches stirbt – Stille!

Szenenfoto aus

Auch ruhige Momente

So turbulent, verspielt, lautstark, kraftvoll die rund zwei Dutzend Kinder und Jugendlichen samt einer Handvoll Erwachsener die Geschichte der vier starken, selbstbewussten, emanzipierten Schwestern spielen, singen und tanzen, so stark lassen sie auch Raum für Momente des Innehaltens – die sich die Ruhe des Publikums verdient hätten 😉

Das was seit gut zwei Jahrzehnten als Coming-of-Age, vormals Entwicklungsroman, von Louisa May Alcott – mit stark autobiographischen Zügen -, vor mehr als 150 Jahren geschrieben worden ist, hat leider von seiner Aktualität nicht so viel eingebüßt, wie es wünschenswert wäre. Eltern, die ihre Kinder darin bestärken, zu ihren eigenen Träumen und Wünschen zu stehen – auch wenn die Gesellschaft rundum sie eher belächelt bis für unmöglich hält. Jo(sephine), sozusagen Alter Ego der Autorin, will erst Journalistin und dann Schriftstellerin werden, Amy liebt die Malerei, Meg das Schauspiel, Betty hat vor allem das soziale Engagement der Eltern zu ihrer Sache erklärt.

Eh schon Prinzessin

In der nicht ganz zweieinhalbstündigen Inszenierung (Norbert Holoubek, Choreografie: Katharina Strohmayer) sehen wir nicht nur zwei _ jugendlich und erwachsen -, sondern sogar drei Generationen der Schwestern. „teatro“ hat Erinnerungen an die Kinder lebendig gemacht. Sehr verspielt, wirbeln die vier ganz jungen Schwestern – Ariella und Aresu Eskandari, Anna Fabrizy sowie Catarina Rachoner – über die Bühne. Und spielen da schon Geschichten, die sich die ganz junge Jo ausgedacht hat. In jener in deren Rollen sie schlüpfen, sagt schon das ganz junge Mädchen als Prinzessin, dass sie, nachdem sie ohnehin schon so eine sei, gar keinen Prinzen mehr brauche!

Zwei Superkniffs seien in der Inszenierung noch hervorgehoben: Die vier eben genannten Kinder der Familie March tauchen in genau derselben Zusammensetzung nur unwesentlich verändert – etwa Haarschnitt – noch einmal als vier Kinder einer der vier Schwestern (Meg) auf. Außerdem knüpfen die jugendlichen Schwestern – Anna Fleischhacker, Maddalena Bertassi, Leonie Beetz, Kimiyah Eskandari – bei einer ihrer ersten Bühnenaktionen beim Märchenspiel ihrer jüngeren Selbst an.

Tricky Kostüme

Apropos drei Generationen dreier – Setareh Eskandari (großartig auch in hohem Alter), Nicole Klünsner und Corinna Schaupp – der Schwestern (Betty stirbt noch als Jugendliche – wobei nicht nur, siehe oben, das Publikum mit Applaus die Stimmung trübt, sondern irritiert, dass der Vater, Arzt von Beruf, nicht wirklich handelt): Mit dieser großen Zeitspanne – die noch gedehnt wird, indem Jo anfangs als alte Frau auftritt, die einen Literaturpreis bekommt und von dort aus die Erinnerung beginnt -, ergaben sich weitere Anforderung an die Kostüme. So viele verschiedene gab es bei den immer schon üppigen „teatro“-Produktionen wahrscheinlich noch nie. Bravourös gemeistert von Brigitte Huber, assistiert von Timea Sziber und Hanna Dillitzer. Genial die Ballroben, die nach den Ausruf „Let’s Fetz“ mit einem kräftigen Klett-Ritsch zu Disco-Kleidern werden.

Disco-mäßig auch die dazu passende Lichtstimmung – nicht nur in dieser Szene. Licht und Tontechnik – Johannes Platter, Christoph Manß, Leon Leitner, Manuel Dworak, Paul Formanek – sind ganz wesentlich nicht nur für die Stimmungen auf der Bühne, sondern tragen mit dazu bei, dass in der Turn- und Sporthalle Theateratmosphäre erzeugt wird.

Mutig

Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren spielte die Kinder- und Jugend-Musicalgruppe ein wenig(er) bekanntes Stück. Stehen meist Klassiker wie Peter Pan, der Kleine Prinz, Alice im Wunderland, heidi oder im Vorjahr Tom Sawyer und Huckleberry Finn auf dem Programm, so wählte Intendant Norberto Bertassi das – hierzulande – kaum bekannte „Little Women“. Während es in den USA ein klassischer Bestseller ist, kennt es selbst unter dem Titel „Betty und ihre Schwestern“ hier kaum jemand. Die mehrfach Oscar-nominierte Verfilmung fiel, knapp nachdem sie in die Kinos kam, den ersten Lockdowns zum Opfer.

Leider noch immer brandaktuell

Übrigens: Wie aktuell eine der Kern-Botschaften – es braucht noch einiges an Wegen bis zur Gleichberechtigung der Geschlechter – ist, zeigte eine TV-Talkrunde im öffentlich-rechtlichen ORF am Vorabend der Premiere: DIE Wetter-Moderatorin (Christa Kummer) zu erleben, wie sie sich an ihre erste Begegnung mit DEM großen Wettermoderator (Carl Michael Belcredi) erinnerte als sie vor erst einem ¼ Jahrhundert erinnerte. Er stellte sich vor, bevor sie ihren Namen sagen konnte, wies er ihr einen Platz in einer Ecke zu und meinte, es reiche, wenn eine Frau hier in der Redaktion sei, sie müsse nicht auch noch was sagen ;(

Und das ist keine 30 Jahre her. Und noch viel kürzer liegen jene Chat-Nachrichten zurück, in denen eine Vertraute des österreichischen Bundeskanzlers sich einerseits über Frauenquoten aufregte und andererseits Frauen für Führungspositionen suchte, die „steuerbar“ sind. Alcotts Roman mit einer der Aussagen: Geh‘ und umarme deine Freiheit!“ entstand vor mehr als 150 Jahren!

„teatro“ entschied sich übrigens, das schnulzige Ende der Hollywood-Verfilmung zu canceln, in dem nach Meg und Amy auch Jo heiratet. Sie bleibt die, die unter anderem sagt: „Ein Mann ist nur die Kirsche auf er Torte. Aber ich bin die Torte und auch ohne Kirsche einfach großartig!“

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Little Women

Musicalversion von „teatro“ nach dem Roman von Louisa May Alcott

Textbuch und Regie: Norbert Holoubek
Musik: Norberto Bertassi
Choreografie Katharina Strohmayer
Musikalische Leitung & Arrangements: Walter Lochmann

Besetzung
Jo March als Kind/ Zeitungsjunge Bert/ Sara: Ariella Eskandari
Jo als Jugendliche: Anna Fleischhacker
Jo als Erwachsene: Setareh Eskandari

Meg March (KInd) / Zeitungsjunge Bob/ Angie: Anna Fabrizy
Meg (jugendlich): Maddalena Bertassi
Meg als Erwachsene/ Camilla/ Mrs. Sunshine: Nicole Klünsner

Amy March (Kind) / Zeitungsjunge Brandon/ Klein Betty: Aresu Eskandari
Amy (jugendlich): Leonie Beetz
Amy March (erwachsen)/Caitlin: Corinna Schaupp

Betty March (Kind) /Zeitungsjunge Bernie/ Lisa: Catarina Rachoner
Beth bzw. Betty (jugendlich): Kimiyah Eskandari

Mommy March: Jana Werner
Laurie Laurence: Moritz Mausser
Mr. Laurence/Mr. Fantastic: Peter Faerber
John Brooke: Nicolas Vinzenz
Mr Challenge: Lorenz Pojer
Angel: Jan Ungar
Daddy March: Norberto Bertassi
Tante March: Lena Mausser
Mrs. Correct: Caroline Smith
Linda: Sabrina Zettl
Mrs. Betsy/ Mr. Small: Bernadette Prader
Kilian/ Zeitungsjunge Bill: Jan Wetzel
Patrick/ Zeitungsjunge Ben: Niklas Ott
Brianna/ Zeitungsjunge Brian: Milena Mörkl
Sharni: Léna Sophie Lochmann

Orchester
Keyboard: Walter Lochmann
2. Keyboard: Christian Skokan
Gitarre: Wilfried Modlik
Bass: Stephan Först/Thomas Hierzberger
Schlagzeug: Max Haas
Querflöte: Katrin Weninger
Reed: Christine Lochmann
Trompete: Marcus Racz
Posaune: Simon Fröstl
Violoncello: Elisabeth Zeisner/Alexander Rauscher

Weiters im Leading-Team
Dramaturgie, Redaktion Programmheft: Ella Wolff
Kostümbild: Brigitte Huber
Maskenbild: Renate Harter
Ton- und Lichtdesign: Richard Redl
Projektionen: Moritz Mausser
Bühnenbild: Norberto Bertassi/Richard Redl
Fotografie: Helmut Rasinger
Art Direction: Mick Gapp

Technische Leitung: Johannes Plattner, Christoph Manß
Bühnentechnik, Verfolgerscheinwerfer: Paul Formanek
Produktionsleitung: Claudia Nebdal-Plosinjak
Regieassistenz, Social Media: Lena Mausser
Assistenz Choreografie: Beatrix Gfaller
Dance Captain: Corinna Schaupp, Lorenz Pojer
Assistenz Maske: Ursula Riedl-Prenner, Sabine Molitor, Eva-Maria Prenner, Christina Bauer
Assistenz Lichtdesign: Leon Leitner

Wann & wo?

Bis 29. August 2021
Europa Halle Mödling (Mehrzweckhalle der Sportmittelschule Mödling)
2340, Lerchengasse 18 A, 2340 Mödling

Kartenverkauf
Die Stadtgalerie Mödling
Telefon: 0660/8 2340 10 (Mi, Fr 9 bis 12 Uhr)
persönlich: Fr 9.30 bis 12.30 Uhr
eMail: teatro@diestadtgalerie.at
stadtgaleriekultur.info

Oeticket
01 960 96
oeticket – Little Women

teatro.at

Das Buch

Louisa May Alcott
Kleine Frauen
aus der Reihe: Classics to go
eBook: 0,99 €
Thalia.at -> Kleine Frauen

Little Women Kleine Frauen
Illustrierte Fassung
eBook: 0,99 €
Leseprobe

Szenenfoto aus "Lust"
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