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Prompt für die Erstellung dieses KI-Bildes: "Hausaufgaben sind für viele reine Zeitverschwendung:• Nur ein Drittel der Jugendlichen hält Hausaufgaben für sinnvoll• Smartphone ist zugleich Problemlöser und störende Ablenkung• Eltern nehmen Belastungen kaum wahr"

Schüler:innen fragen zuerst KI / Internet, dann Mitschüler:innen

Wo und wann tritt der Sinneswandel ein? So wie sich viele Kinder in einem unaufgeräumten, bespielbaren Kinderzimmer wohlfühlen, während die Eltern auf Zusammenräumen drängen, spielt sich ähnliches in so mancher Haltung rund um Schule ab. Während knapp mehr als ein Drittel von 1.194 befragten Schüler:innen (10 bis 19 Jahre) Hausübungen für sehr (7,4%) bzw. eher (26,9%) „sinnvoll“ halten, meinen mehr als zwei Drittel der 404 Eltern dies (44,6% sehr; 22,5 % eher).

Durchgeführt wurde die Umfrage vom Nachhilfeinstitut Lernquadrat  gemeinsam mit dem Bundeselternverband, die Ergebnisse wurden nun (letzte Ferbruarwoche 2026) vorgestellt.

Hausübungs-Umfrage: Sinnfrage
Hausübungs-Umfrage: Sinnfrage

Weniger weit auseinander lagen die Einschätzungen des Zeitaufwandes: Rund ein Fünftel schätzte diesen auf weniger als eine halbe Stunde, rund die Hälfte auf bis zu einer, nochmals ein Fünftel bis zu 1½ Stunden. Wobei sowohl bei Schüler:innen als auch bei Eltern jeweils knapp mehr als 50 % die Hausübungsmenge für o.k. hielten; doch mehr als vier von zehn Kindern bzw. Jugendlichen diese als „zu viel“ einschätzen, während fast 13 % der Eltern „bitte mehr“ angaben.

Rund ein Fünftel fragt Eltern

Übrigens sind Eltern auch nicht die erste Anlaufstelle, wenn Schüler:innen Hilfe bei Hausübungen brauchen – Mütter zu 23,5, Väter zu 19 Prozent. An der Spitze der „Ratgeber:innen“ liegen Internet und da KI (Künstliche Intelligenz: 52,9%), aber schon bald gefolgt von Mitschüler:innen (44,6%) und Freund:innen (32,1%). Lehrer:innen wurden von 11 Prozente und Nachhilfe-Lehrer:innen von 7,7% genannt;  Mehrfachnennungen war da möglich 😉

Hausübungs-Umfrage: Wen fragen Schüler:innen um Hilfe
Hausübungs-Umfrage: Wen fragen Schüler:innen um Hilfe

Wobei das Werkzeug zum ersten Ratgeber – Smartphone – allerdings auch als die größte Ablenkung angegeben wurde, interessanterweise von den Schüler:innen in einem deutlich höheren Ausmaß als von den Eltern. Letztere nannten nur zu rund einem Viertel Handys als (sehr) häufige Ablenkung ihrer Kinder, diese selbst räumen fast zur Hälfte ihren Geräten diese unerwünschte Funktion zu.

Prompt für die Erstellung dieses KI-Bildes:
Prompt für die Erstellung dieses KI-Bildes: „In Sachen Hasuübungen leben Schüler:innen und Eltern auf veschiedenen Planeten“

Was soll mehr gelernt werden

Die genannte Umfrage wollte neben Fragen rund um Hausübungen auch noch wissen „Was würdest du gerne in der Schule noch lernen, was derzeit nicht unterrichtet wird?“ Wobei dies als offene Frage – ohne mögliche Antworten gestellt wurde. Ergebnis: Kompetenzen fürs Leben (19 %), Finanzen (10,1%), Kochen / Backen / Ernährung (7,1%), Psychologie / Mentale Gesundheit (4,3%), Politik ebenso 4 Prozent wie Soziale Kompetenzen / Rhetorik / Selbstmanagement, Digitales /KI / Medienkompetenz (3,3%) sowie Wirtschaft (3,1%).

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Birgit Satke (Rat auf Draht), Alexander Pröll (Staatssekretär), Barbara Buchegger (Safer Internet) und Stefan Ebenberger (ISPA - Internet Service Providers Austria)

„Bei KI nicht dieselben Fehler machen wie bei (un-)sozialen Medien“

„Gekommen, um zu bleiben“ seien die eher schon unsozialen Medienplattformen ebenso wie „KI, die größte technische Disruption“, so der unter anderem für Digitalisierung (neben Verfassung, öffentlichem Dienst und Kampf gegen Antisemitismus) zuständige Staatssekretär Alexander Pröll am Montag. Seine Aussagen erfolgten beim Mediengespräch zur aktuellen Studie von Safer Internet.at zu KI-Chatbots, die von 94 Prozent der befragten 500 Jugendlichen (11 bis 17 Jahre) genutzt werden – ausführlicher Beitrag zu dieser Studie weiter unten verlinkt.

Großes mediales Interesse für die Safer-Internet-Studie
Großes mediales Interesse für die Safer-Internet-Studie

Digitale Kompetenzbildung

Während er (1990 geboren also ein Mitt-30er) sich noch per Telefon mit Freunden zum Fußballspielen verabredet habe, würden heutige Kinder und Jugendliche stundenlang am Handy abhängen. „Im Idealfall wird es – gemeinsam mit dem Koalitionspartner – eine europäische Regelung zur Altersbegrenzung des Zugangs zu Social Media geben.“ Wenn dies zu langsam kommen würde, dann lieber ein österreichischer Alleingang, so Pröll.

Aber noch wichtiger sei die „digitale Kompetenz-Initiative mit Gratis-Workshops und mehr digitale Bildung in den Schulen. Als Gesellschaft haben wir alle miteinander Verantwortung, Kinder und Jugendliche bestmöglich zu schützen. Die KI bietet enormen Chance, die sollten wir nutzen, aber auch die Risiken bestmöglich“ in den Griff kriegen, so der Staatssekretär.

Vorsicht vor Datenweitergabe

Die vielen Ergebnisse und Antworten der befragten Jugendlichen präsentierten Barbara Buchegger von Safer Internet, Birgit Satke von Rat auf Draht und Stefan Ebenberger von ISPA – Internet Service Providers Austria. Buchegger, die übrigens vorschlug, statt Social Media bzw. soziale Netzwerke „Kurzvideoplattformen“ zu sagen, wies unter anderem darauf hin, dass viele der Befragten blauäugig viel zu viele private Daten und Informationen in Gesprächen mit KI-Chatbots preisgeben.

„Wir müssen transparenter machen, warum es nicht gescheit ist, allerpersönlichste Informationen weiterzugeben, bewusster machen, dass KI ein Werkzeug ist und dürfen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz nicht die Fehler wiederholen, die wir bei den Plattformen gemacht haben“, nämlich sie mehr oder minder laufen zu lassen. Es brauche taugliche Schutzmaßnahmen („Safeguards“), Werbung müsse ebenso als solche gekennzeichnet werden, wie Bilder, Videos, Material, das mit KI erstellt wurde. Neben diesbezüglicher Bildung in Schulen und für und durch Eltern brauche es auch die entsprechende Vorbildwirkung Erwachsener.

Buchegger thematisierte aber auch noch die Gefahr einer neuen digitalen Kluft, denn die „Kommunikation mit KI-Chatbots erfordere, gut beim Formulieren zu sein, hohes Sprachvermögen und -gefühl“.

Grafik aus der Studie
Grafik aus der Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“

Scheu und Angst vor realen Gesprächen

Birgit Satke von Rat auf Draht berichtete unter anderem, dass im Gegensatz zu früher, wo viele Jugendliche sich mit klassischen Teenager-Fragen an die kostenlose, rund um die Uhr erreichbare Hotline 147 gewandt haben, heute oft Anfragen kommen, „wie kann ich ein Gespräch beginnen“ mit vielen Ängsten vor Zurückweisungen oder gar komplizierten Gesprächen“. Dies erkläre, warum sich der Umfrage zufolge viele der 500 Jugendlichen lieber an KI-Chatbots wenden als mit echten Menschen zu reden. „Wobei wir oft am Beginn gefragt werden, ob wir echt oder KI sind.“

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Hier unten geht’s zur ausführlichen Darstellung der Umfrage unter 500 Jugendlichen (11 bis 17 Jahre)

Grafik aus der Studie "KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche"

94 von 100 Jugendlichen nutzen KI-Chatbots

Während die (mediale) Öffentlichkeit heftig über den Plan des Bildungsministers diskutiert, Künstliche Intelligenz in die schulischen Lehrpläne aufzunehmen und dafür Lateinstunden zu kürzen, nutzen Jugendliche längst KI – in einem vielleicht sogar überraschend hohem Ausmaß. Dies ergab die aktuelle für den Safer Internet Day, den mittlerweile 23. dieser von der EU-Kommission ins Leben gerufenen Initiative: Mehr als neun von zehn (94 Prozent) der – online – 500 befragten 11- bis 17-Jährigen nutzen KI-Chatbots; und da wiederum üüüberwiegend (89,9%) ChatGPT, gefolgt von Alexa, Siri, Gemini … (rund ein – weiteres – Viertel). Und dennoch stimmten 53 Prozent der Aussage zu „ich würde gern mehr dazu lernen, wie KI eigentlich funktioniert“. Und zu zwei Drittel wünschen sich die Befragten, dass sie dies in der Schule lernen sollten (66,3%), gefolgt von einem Drittel durch die Eltern sowie einem Fünftel (Mehrfachnennungen waren möglich) durch Videos, Foren usw. im Internet.

Großes Vertrauen

Als Motiv, weshalb sie KI-Tools nutzen, meinten fast ¾ (71%) „aus Neugierde“, mehr als die Hälfte – Mehrfachnennungen (!) – „für Ratschläge und Tipps zu verschiedenen Lebensbereichen“ (55%), „zur Unterhaltung, gegen Langeweile“ (43%), „um Sorgen, Probleme oder Gefühle zu besprechen“ (30 %), „um Stress oder Ärger abzubauen“ (26 %), „für freundschaftliche Gespräche“ (24 %), „um Gespräche mit echten Menschen zu üben“ (23 %) sowie „für romantische oder flirtende Gespräche“ (19 %).

Ratschläge von ChatGPT schätzten fast sechs von zehn (57%) als gut ein, auch noch mehr als die Hälfte (52%) „vertrauen darauf, dass KI-Tools wie ChatGPT richtige Antworten liefern“.

Hauptsächlich für die Schule

Bei der Frage nach den Anwendungsgebieten bzw. Zwecken nannten fast drei Viertel Schule und Hausaufgaben, fast die Hälfte (natürlich überschneidende Auskünfte) „Informationen suchen oder zusammenfassen“ und noch ein Drittel „Erklärungen“. Als Übersetzungswerkzeug bedient rund ein Fünftel (18,3%) künstliche Intelligenz. Jede/r Fünfte nutzt KI als Gesprächspartner:in, fünf Prozent auch um „persönliche oder ernste Themen zu besprechen“ – was allerdings widersprüchlich wirkt zu den oben zitierten Angaben von den selben Befragten in der selben Studie.

Übrigens ergab die von Safer Internet.at in Auftrag gegebene und vom Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung durchgeführte Online-Umfrage (Oktober und November 2025), dass Mädchen öfter täglich ChatGPT nutzen (25,7%, Burschen: 21,6%) und bei schulischen und Haus-Aufgaben bzw. zu Zusammenfassungen von Informationen deutlich öfter die künstlichen Werkzeuge bedienen (78,1 sowie 50,8% vs. 68.1 und 44 %). Sie sind allerdings auch skeptischer, was die Antworten / Ergebnisse betrifft. „Sehr hilfreich“ fanden nur 29,4% der Mädchen die KI-Antworten, während dies fast vier von zehn ihrer männlichen Kollegen taten (39,3%). Dafür fühlten sich Jungs fast zu einem Viertel (23,2%) „schon einmal bei etwas, das die KI gesagt oder getan hat, unwohl“, bei den Kolleginnen lag dieser Anteil mit 13 Prozent deutlich darunter. Und, Mädchen prüfen öfter nach, „ob Ergebnisse von KI-Chatbots stimmen“ – zu fast einem Viertel (24,4 Prozent) gegenüber nur einem Fünftel (20%) bei Jungs.

Gutgläubig

Die oben schon genannten hohen Vertrauenswert auf die Antworten künstlicher Intelligenzen schlägt sich auch in einem anderen Bereich nieder. Mehr als ein Viertel der Befragten stimmt sehr bis eher zu, dass die via KI-Chatbots gemachten Eingaben vertraulich wären und „von niemandem gelesen oder genutzt werden können“.

Grafik aus der Studie
Chancen einer- und Risiken andererseits – die Antworten hier zusammengfasst

Vereinsamung?

491 der 500 Jugendlichen beantworteten auch mit stimme (eher) zu auf die Aussagen, ob KI-Chatbots zu fragen „oft hilfreicher“ sei „als einen Menschen zu fragen“. Vier von zehn bejahten dies. Mehr als ein Viertel (28 %) vertraut einem Chatbot „eher intime Dinge an“. Und für gar 29 Prozent der 11- bis 17-Jährigen kann KI ein Freund / eine Freundin sein und fast glich viel (28%) erwarten sich Trostspenden, ein Viertel (26%) „glauben, dass sich Jugendliche in einen Chatbot verlieben können“.

Als Gründe für diese hohen Werte nennen die Befragten vor allem, dass die KI immer und zu jeder Zeit antwortet (fast 60%), „es ist unkompliziert“ (38,6%) UND“KI verurteilt mich nicht“ (14,7%).

Grafik aus der Studie
Chancen und Gefahren – für sich selber sowie die Gesellschaft

Viel Chancen, wenig Gefahren

Gefragt wurden die 11- bis 17-Jährigen, wie sie KI einschätzen. Und da meinten mehr als die Hälfte (55,1%) „als Chance für sich persönlich“, aber „nur rund vier von zehn als Chancen für die Gesellschaft (41,7%). „Als Gefahr“ aber schätzen die befragten 500 Jugendlichen KI für die Gesellschaft lediglich zu 14,8%, für sich persönlich gar nur zu 6,5%.

Altersgrenzen

Nachdem ja seit Monaten intensiv über Altersgrenzen für Social Media diskutiert wird, wurden die 500 Jugendlichen auch nach Limits in Sachen KI-Chatbots befragt. Mehr als die Hälfte (53%) sprachen sich dafür und konkret mehrheitlich für 14 Jahre aus. Aber, so die 11- bis 17-Jährigen „ab 10 Jahren soll der Umgang mit KI erlernt werden“.

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safer-internet-day –> österreich

saferinternetday –> international

Mit KI (Canva.com) erstelltes Bild zum Prompt: Test zur sicheren Nutzung von Smartphones durch Kinder und Jugendliche; "Handy-Führerschein"

„Gemeinsam für ein besseres Internet“

Social Media Verbote, Altersgrenzen, wie sie eingehalten werden können oder soll(t)en, mitunter doch auch Appelle samt dem einen oder anderen vorschlage, die Plattformen selber in die Pflicht zu nehmen. Doch aber auch mehr Unterricht in digitalem Wissen bzw. Medienkompetenz… schwirren durch, vor allem zunächst einmal Medien. In dieser fast aufgeheizten Atmosphäre wirft der von der EU-Kommission ausgerufene, kommenden Dienstag (10. Februar 2026) zum 23. Mal ausgerufene Safer Internet Day sozusagen Schatten voraus. Dessen internationales Motto lautet dieses Jahr: „Together for a better internet“.

Mit KI (Firefly Gemini von Adobe) erstelltes Bild zum Prompt: Test zur sicheren Handy-Nutzung
Mit KI (Firefly Gemini von Adobe) erstelltes Bild zum Prompt: Test zur sicheren Handy-Nutzung

Künstliche Intelligenz-Nutzung steigt, Social Media nehmen ab

Die heimische Initiative saferinternet.at wird – wie jedes Jahr, am Vortag eine eigene in Auftrag gegebene Studie vorstellen. Nach dem kürzlich veröffentlichten regelmäßigen Jugend-Internet-Monitor hat sich das Tummeln auf Social Media-Plattformen junger Menschen – auf hohem Niveau – um einige wenige Prozentpunkte verringert. Stark zugenommen hat die Verwendung von künstlicher Intelligenz – und diesem Bereich ist die aktuelle Studie gewidmet.

Mit KI (Canva.com) erstelltes Bild, in dem Fall eine grafische Lösung zum Prompt: Test zur sicheren Nutzung von Smartphones durch Kinder und Jugendliche;
Mit KI (Canva.com) erstelltes Bild, in dem Fall eine grafische Lösung zum Prompt: Test zur sicheren Nutzung von Smartphones durch Kinder und Jugendliche; „Handy-Führerschein“; die Schrift war englisch orientiert, teilweise aber mit Nonsens-Wörtern bzw. Wortteilen, daher über einen Photoshop-Filter verpixelt

Digitaler Kinderschutz im Kinderzimmer

Unmittelbar danach lädt die Österreich-Sektion des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen Unicef zu einer Aktion mit ihrem neuen Jugendbeirat zum Thema digitaler Kinderschutz im Kinderzimmer. „Eine inklusive, respektvolle und gerechte Onlinewelt ist kein Privileg, sondern ein Recht jedes Kindes. Ein sicherer digitaler Raum entsteht dort, wo junge Menschen ernst genommen werden und ihre Perspektiven einbringen können sowie die notwendigen Fähigkeiten erhalten, um sich online sicher zu bewegen. Gleichzeitig müssen technische Schutzmaßnahmen entwickelt werden, die die Kinderrechte stärken und nicht einschränken,“ wird in der Ankündigung des (Medien-) Termins Klara Krgović-Baroian, die stellvertretende Leiterin der Abteilung Advocacy und Kinderrechte von Unicef-Österreich, zitiert.

Cybersicherheit

Schon vor dem Wochenende, am Freitag (6. Februar 2026) meldeten sich die heimischen Mobilfunknetzbetreiber per Aussendung zu Wort und schrieben, dass sie Cybersicherheit sehr ernst nehmen würden und „deshalb Lösungen anbieten, die das digitale Leben sicherer machen“.

Mit Verweis auf Bedrohungen – Viren, Datendiebstahl, Betrug beim Online- Shopping, Missbrauch von Zahlungsdaten und Identitätsdiebstahl und damit technischer Art einerseits sowie Cybermobbing und Hass im Netz, aber auch zu langen Bildschirmzeiten als andererseits gesellschaftlicher Natur – priesen die Mobilfunkbetreiber „Sicherheitslösungen für Smartphones, Tablets, Computer und Router“ an. „Das Forum Mobilkommunikation (FMK) empfiehlt Nutzer:innen dringend, die Sicherheitsangebote der Netzbetreiber zu nutzen.“

Handy-Führerschein

Das FMK habe deshalb den offiziellen FMK-Handyführerschein für Schüler:innen ins Leben gerufen. „Die Basis für die Prüfung zum Handyführerschein bildet der interaktive Tablet-Kurs „Mobile Generation“, der für die 6. bis 8. Schulstufe entwickelt wurde. Begleitendes Lehrmaterial steht kostenfrei und ohne Registrierung online zur Verfügung. Ziel ist es, Jugendlichen niederschwellig praxisnahes Wissen zu vermitteln und sie für Themen wie Datenschutz, digitale Sicherheit und die reflektierte Nutzung der sozialen Medien zu sensibilisieren.

Die Prüfung ist als Online-Quiz mit 25 Fragen konzipiert, die den kritischen Umgang mit mobilen Endgeräten und deren Möglichkeiten im Fokus haben. Wer mindestens 22 der 25 Fragen korrekt beantwortet, erhält den offiziellen FMK-Handyführerschein in Form einer personalisierten Urkunde.“ Link zum Kurs und zur „Führerscheinprüfung“ unten am Ende des Beitrages, ebenso ein Link zu einem YouTube-Video, das schon einige Fragen des Tests vorwegnimmt.

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FMK –> Handyführerschein

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Mehr Informationen
Symbolfoto: Ein Mädchen in Äthiopien mit ihrem Smartphone

Neue Missbrauchsform: Fotos von Millionen von Kindern per KI sexualisiert

„Zunehmend alarmiert über Berichte von einem rasanten Anstieg der Menge an KI-generierten sexualisierten Bildern… darunter auch Fälle, in denen Fotos von Kindern manipuliert und sexualisiert wurden“, zeigt sich das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef in einer Medien-Aussendung wenige Tage vor dem Safer Internet Day (immer am zweiten Dienstag im Februar).

Deepfakes – Bilder, Videos oder Audiodateien, die mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt oder manipuliert werden und real erscheinen sollen – werden zunehmend zur Herstellung sexualisierter Inhalte mit Kindern genutzt, unter anderem durch sogenannte ‚Nudification‘, bei der KI-Werkzeuge Kleidung auf Fotos entfernen oder verändern, um fingierte Nackt- oder sexualisierte Bilder zu erzeugen.

Per KI generiertes Foto zum Prompt
Per KI generiertes Foto zum Prompt „Stopp digitalen sexualisierten Missbrauch durch KI-generierte Fotos“

Studie weist auf ungeheure Ausmaße hin

In einer Studie in elf Ländern (Armenien, Brasilien, Dominikanische Republik, Kolumbien, Mexiko, Montenegro, Marokko, North Mazedonien, Pakistan, Serbien, Tunesien) gaben im vergangenen Jahr mindestens 1,2 Millionen Kinder (12 bis 17 Jahre) an, dass ihre Bilder zu sexuell expliziten Deepfakes manipuliert worden seien. In manchen Ländern entspricht dies einem von 25 Kindern, also etwa einem Kind in einer durchschnittlichen Schulklasse. Erstellte wurde die Erhebung von Unicef, Ecpat (End Child Prostitution, Child Pornography & Trafficking of Children for Sexual Purposes;internationales Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen für die Beendigung sexueller Ausbeutung von Kindern) und Interpol (Teil von „Disrupting Harm Phase 2“, Link am Ende des Beitrages).

Bis zu zwei Drittel der Kinder haben Angst davor

Auch Kinder selbst sind sich dieses Risikos sehr bewusst. In einigen der untersuchten Länder sagten bis zu zwei Drittel der Kinder, sie hätten Angst davor, dass KI zur Erstellung gefälschter sexueller Bilder oder Videos verwendet werden könnte. Das Ausmaß der Sorge variiert stark zwischen den Ländern und unterstreicht den dringenden Bedarf an verstärkter Aufklärung, Prävention und Schutzmaßnahmen.

Per KI generiertes Foto zum Prompt
Per KI generiertes Foto zum Prompt „Stopp Missbrauch von Kinderfotos durch KI“

Das ist Missbrauch

Sexualisierte Bilder von Kindern, die mithilfe von KI-Werkzeugen erzeugt oder manipuliert werden, sind Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern (Child Sexual Abuse Material, CSAM). Deepfake-Missbrauch ist Missbrauch – und an dem Schaden, den er verursacht, ist nichts ‚fake‘.

Wenn das Bild oder die Identität eines Kindes verwendet wird, wird dieses Kind direkt zum Opfer. Selbst ohne identifizierbares Opfer normalisiert KI-generiertes Material sexuellen Missbrauchs von Kindern die sexuelle Ausbeutung, befeuert die Nachfrage nach missbräuchlichen Inhalten und stellt Strafverfolgungsbehörden vor erhebliche Herausforderungen bei der Identifizierung und dem Schutz von Kindern, die Hilfe benötigen.

Sicherheit durch systemische Vermeidung

Unicef begrüßt daher Bemühungen jener KI-Entwickler, die Security-by-Design-Ansätze und robuste Schutzmechanismen einbauen, um den Missbrauch ihrer Systeme zu verhindern. Zu viele KI-Modelle werden jedoch ohne ausreichende Schutzvorkehrungen entwickelt. Die Risiken können sich weiter verschärfen, wenn generative KI-Werkzeuge direkt in soziale Medien integriert werden, wo sich manipulierte Bilder rasend schnell verbreiten.

Unicef-forderungen

Titelbild zur #aufstehn-Petition Elon Musks KI Grok zu stoppen
Titelbild zur #aufstehn-Petition Elon Musks KI Grok zu stoppen

Petitionen

Unicef hat schon vor einigen Wochen eine Petiton „Online sicher – für jedes Kind“ für einen besseren Kinderschutz im digitalen Raum initiiert – Link ebenfalls am Ende des Beitrages.

Außerdem läuft seit einiger Zeit eine Petition der Plattform #aufstehn.at speziell gegen Elon Musk KI Grok. „Wer für seine Plattform X (früher: Twitter) zahlt, kann Kinder und Frauen auf hochgeladenen Bildern entkleiden und damit sexualisieren. Das verstößt gegen Gesetze“, merkt aufstehn an. „Die EU zieht aber bislang keine klaren Konsequenzen – weil man US-Präsident Donald Trump nicht verärgern möchte. Doch Österreich kann handeln“, verlangt die Initiative und weist darauf hin, dass „Malaysia Grok bereits gesperrt hat. In Frankreich ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die KI.“

Die EU‑Kommission sammle zwar Beweise für den Bildmissbrauch durch Grok. „Das Problem: Personen, die mit Grok Kinder und Frauen entkleiden und entstellen, holen keine Einwilligung für verwendete Bilder ein. Betroffene können also nicht wissen, ob die Missbrauchs‑KI auch eigene Fotos verfälscht hat. Darum fordern wir mit unserem Appell Missbrauch stoppen, Grok sperren!, dass auch Österreich tätig wird und die Missbrauchs-KI abdreht.“
Mehr als 25.000 Menschen haben den Appell bereits unterzeichnet, „aber damit der für KI zuständige Staatssekretär Alexander Pröll rasch handelt“, bräuchte es noch rund 5000 Unterschriften. „Bei 30.000 Unterschriften tragen wir unsere Botschaft vor Prölls Büro“, so #aufstehn.at

Eine weitere Initiative, „Die schweigende Mehrheit“ startete eine ähnlich genannte Petition wie Unicef „Kinderrechte im digitalen Raum schützen“, aber mit weiterreichenden Forderungen, u.a. EU-weites Verbot von Tiktok – ebenfalls unten verlinkt.

kijuku_heinz

unicef –> petition

aufstehn.at –> Stoppt Grok

petition –> kinderrechte-im-digitalen-raum-durchsetzen

safeonline.global

Die sechs unter Jugendlichen beliebtesten Obnline-Plattformen im Zeitraum von 2016 bis 2026

Mehr KI, weniger Plattformen: Österreichs Jugendliche nutzen Social-Media weniger

Während Australien seit knapp eineinhalb Monaten Jugendlichen bis 16 Jahre Social Media verbietet, andere Länder, darunter auch Österreich über Ähnliches diskutiert, ging im Vorjahr die Nutzung ohnehin zurück. Dies ergab der jüngste Jugend-Internet-Monitor der EU-geförderten Initiative Saferinternet.at. lediglich per Künstlicher Intelligenz getriebene Chatbots wie Chat GPT weisen Zuwächse auf, alle anderen Plattformen verlieren Zugriffszeiten.

Bereits zum elften Mal erhob das Institut für Jugendkulturforschung für Saferinternet.at in einer repräsentativen Studie mit Unterstützung der EU und der FFG (Österreichische ForschungsFörderungsGesellschaft) die Social-Media-Favoriten der österreichischen Jugendlichen – befragt wurden 500 Jugendliche zwischen 11 bis 17 Jahren aus ganz Österreich. Die Top 6 der beliebtesten Plattformen sind gleichgeblieben, auch in der Reihenfolge gibt es kaum Veränderungen. Allerdings verlieren alle Plattformen an Nutzerinnen und Nutzern.

Weniger Austausch, mehr Scrollen

Der Schwerpunkt sozialer Netzwerke hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben: Direkter Austausch mit Freundinnen und Freunden verliert an Bedeutung. Stattdessen rückt das endlose Durchscrollen von Kurzvideos in den Vordergrund.

Jugendliche, die intensiv auf SmartPhones schauen
Jugendliche, die intensiv auf SmartPhones schauen

WhatsApp, YouTube, SnapChat

WhatsApp bleibt auch 2026 die Nummer eins – trotz rückläufiger Nutzung. Mit 82 Prozent Nutzung (davon 84 % tägliche Nutzung) führt der Messenger-Dienst das Ranking an, gefolgt von YouTube mit 76 Prozent (50 % tägliche Nutzung). Während WhatsApp im Vergleich zum Vorjahr 5 Prozentpunkte verliert, büßt YouTube 4 Prozentpunkte ein. Auf dem dritten Platz liegt die Messenger-App Snapchat mit 65 Prozent Nutzung (davon 85 % tägliche Nutzung).

Damit landet Snapchat nur knapp vor TikTok und Instagram, die jeweils von 64 Prozent der Jugendlichen genutzt werden, wobei TikTok (83 % tägliche Nutzung) den vierten und Instagram (77 % tägliche Nutzung) den fünften Platz belegt. Alle Plattformen verzeichnen deutliche Rückgänge im Vergleich zum Vorjahr: Snapchat und Instagram verlieren je 9 Prozentpunkte, TikTok 8 Prozentpunkte. Auch Microsoft Teams, mit einer Nutzung von 31 Prozent auf Platz sechs, ist um vier Prozentpunkte rückläufig.

Das nicht ganz ernst gemeinte Gerät in einer Vitrine in der U19-Ausstellung in der Post City (Linz)
Das nicht ganz ernst gemeinte Gerät in einer Vitrine in der U19-Ausstellung in der Post City (Linz)

Nach den „Großen“: vielfältig

Abseits der großen Netzwerke ist die App-Landschaft der Jugendlichen vielfältig. 31 Prozent der Jugendlichen nutzen die digitale Pinnwand Pinterest. Weiters werden die Spieleplattform Roblox von knapp einem Viertel (23 %) und die Kommunikationsplattform Discord von knapp einem Fünftel (18 %) genutzt. Die Streamingplattform Twitch kommt auf 14 Prozent. Auch diese Plattformen verzeichnen Rückgänge gegenüber dem Vorjahr. Lediglich der Messenger-Dienst Signal sowie das Internetforum Reddit (jeweils 9 %) müssen keine Verluste hinnehmen.

Der größte Verlierer des Jahres ist BeReal: Die Instant-Foto-App, die 2024 noch von knapp einem Drittel der Befragten genutzt wurde, verliert seither kontinuierlich an Bedeutung und wird 2026 nur noch von 7 Prozent der Jugendlichen verwendet.

Nur mehr wenig Unterschiede zwischen Geschlechtern

Bei den beliebtesten sozialen Netzwerken fallen die geschlechtsspezifischen Unterschiede insgesamt gering aus. YouTube (Jungs: 79 %, Mädchen: 73 %) und TikTok (Jungs: 67 %, Mädchen: 61 %) werden zwar weiterhin etwas häufiger von Jungs genutzt. Bei WhatsApp, Snapchat und Instagram zeigen sich 2026 hingegen keine Unterschiede mehr – ein deutlicher Wandel im Vergleich zum Jahr 2025, als Snapchat vor allem bei Mädchen klar dominierte. Microsoft Teams wird, wie bereits im Vorjahr, häufiger von Mädchen (35 %) als von Jungs (27 %) genutzt.

Bild generiert mit der Künstlichen Intelligenz von Adobe Firefly mit Begriffen aus den Kinder-Ideen
Bild generiert mit der Künstlichen Intelligenz von Adobe Firefly mit Begriffen aus den Kinder-Ideen

Deutlicher werden die Unterschiede bei Video-Streaming- bzw. Gaming-Plattformen: Discord (Jungs: 28 %, Mädchen: 8 %) und Twitch (Jungs: 23 %, Mädchen: 5 %) bleiben klar männlich dominiert. Bei der Spieleplattform Roblox ist die Differenz weniger stark ausgeprägt: Ein Viertel der Jungs (25 %) nutzt Roblox, aber auch über ein Fünftel der Mädchen (21 %). Erhebliche Unterschiede gibt es dagegen bei der Nutzung der digitalen Pinnwand Pinterest, die über die Hälfte der Mädchen (55 %) anspricht, aber nur 8 Prozent der Jungs. Weitere deutliche Unterschiede zeigen sich bei Reddit (Jungs: 14 %, Mädchen: 3 %) und X (Jungs: 12 %, Mädchen: 4 %).

Algorithmus statt Austausch

Der Schwerpunkt sozialer Netzwerke hat sich – wie oben schon erwähnt – in den vergangenen Jahren deutlich verschoben. Austausch mit Freund:innen, über das eigene Umfeld informiert zu bleiben oder bestimmten Personen gezielt zu folgen, gehen zurück. Stattdessen rückt das endlose Durchscrollen von Kurzvideos in den Vordergrund. Dieses Prinzip, das vor allem TikTok geprägt hat, bestimmt inzwischen die Funktionsweise fast aller großen Social-Media-Plattformen. Jugendliche konsumieren deren Content überwiegend passiv und lassen sich von Inhalten, die der Algorithmus vorschlägt, berieseln. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass viele von ihnen kaum mehr benennen können, welchen Content-Creatorinnen und -Creatoren sie tatsächlich folgen. Der algorithmische Konsum ersetzt zunehmend das bewusste Abonnieren und Verfolgen einzelner Persönlichkeiten.

ChatGPT & Co.: Neue Stars

KI-Chatbots sind im Alltag von 11- bis 17-Jährigen bereits fest verankert. Aus diesem Grund hat Saferinternet.at diesem Thema eine zusätzliche Erhebung gewidmet. Diese ergab: Bereits 94 Prozent der Jugendlichen nutzen Chatbots, was den beobachteten Rückgang der Social-Media-Nutzung zum Teil erklären dürfte. Hinzu kommt die enorme Vielfalt digitaler Angebote: Neben sozialen Netzwerken werden auch Streaming-Dienste wie Spotify, Netflix oder Disney+ genutzt. Unter den Jugendlichen zeigt sich zudem ein zunehmendes Sättigungsgefühl: Obwohl soziale Netzwerke weiterhin ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags sind, äußern viele junge Menschen in Fokusgruppengesprächen mit Saferinternet.at Kritik. Als besonders störend empfunden werden die große Menge an Werbung und die ähnlichen Inhalte auf den verschiedenen Plattformen. Auch belastende Inhalte und Hasskommentare machen soziale Netzwerke für viele Jugendliche unattraktiv.

kijuku_heinz

saferinternet.at

Ellen Wollmann vor einigen der Bilder, an deren Erstellung sie mitgewirkt hat

Hammerhai ist für Künstliche Intelligenz Hammer + Hai

„Ein Mann chillt mit einem Hammerhai“ – zwei Mal gaben unterschiedliche Jugendliche in einem KI-Workshop diesen Prompt (Ein- oder Aufgabe für das Programm) ein. Beide Male „spuckte“ die mit „künstlicher Intelligenz“ arbeitende Fotobearbeitungs- und -erstellungs-Software Canva Bilder mit einem Hai und einem Mann aus – und jedes Mal mit einem Hammer. In einem Fall hält der Mann – bärtig wie der zweite – das Werkzeug in Händen; beim anderen Bild schwebt der Hammer über den Wellen, dafür neben definitiv einem Hammerhai 😉

Es sind dies zwei von Dutzenden Fotos, die Jugendliche im KI-Medienlabor seit Beginn des Schuljahres in Workshops erstellt haben – teil einzeln, immer wieder aber auch in Gruppen. Ein Teil dieser Jugendlichen befindet sich in einer AusbildungsFit-Maßnahme der ÖJAB (Österreichische JungArbeiterBewegung), andere verbringen Lern- und Freizeit mit der Vienna Hobby Lobby, die mit ÖJAB zusammenarbeitet. Manche hatten sich schon selbstständig (Vor-)Wissen in Sachen KI beigebracht, für andere boten die Workshops die ersten Einstiege in diesen relativ neuen Zweig der digitalen Welt. Der aber sicher unerlässlich sein wird in der gegenwärtigen und noch viel mehr zukünftigen Arbeits- und Berufswelt und darüber hinaus im (Alltags-)Leben.

Galerie – Leistungsschau

In der Woche vor Weihnachten lud die ÖJAB-Zentrale in Wien zu einer Veranstaltung, in der Ergebnisse dieses KI-Medienlabors präsentiert wurden und viele der Bilder – leider nur für einen Nachmittag – in einer Ausstellung zu sehen waren, „AI × Youth Gallery – Jugend gestaltet Zukunft“.

Das was als „Katzenvideos“ seit vielen Jahren sprichwörtliche Attraktionen an Bewegtbildern auf Social Media Plattformen sind, fand auch in so manchen der mit Artificial Intelligence, der englischen Version von KI, produzierten Bilder in den Workshops seinen Niederschlag: Von der gekrönten Stubentigerin und ihrer fast identen Gefolgschaft, die Canva zum Prompt „Katzen übernehmen die Weltherrschaft 2“ kreiierte bis zur Golf-spielenden Katze vor einer im Hintergrund explodierenden Sonne.

Drei Jugendliche in Interviews

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… präsentiert hier nicht nur viele dieser Bilder der Ausstellung, drei Jugendliche erklärten sich bereit für kurze Interviews. Die 18-jährige Ellen Wollmann nutzte vor den Workshops „vor allem Chat GPT für Alltagsfragen, zum Beispiel wollte ich einmal wissen, wie lange Milch in einem schon geöffneten Packerl haltbar ist; aber auch für schulische Sachen wie Referate und Präsentationen. In den Workshops, die vier Mal fünf Stunden dauerten, haben wir mit Fotos und Videos gearbeitet, was für mich neu war. Zuerst haben wir mit Vorgaben für Bilder gelernt mit diesem Werkzeug umzugehen und dann konnten wir frei arbeiten“, freut sie sich über etliche der Ergebnisse, die sie mit Kolleg:innen erstellt hat und präsentiert sich zwischen solchen Fotos.

Zuerst Flop

Raphael (19) gesteht, dass der erste Versuch eigentlich ein Flop war. „Ich hab als Prompt geschrieben: Mann, der mit einer Ameise am Strand chillt. Aber die Ameise ist nicht und nicht zu finden, sie ist einfach zu klein.“ Dafür freut er sich umso mehr über den sehr gelungenen Erdbeer-Elefanten, der gleich drunter hängt.

Eine anonym bleiben wollende Jugendliche zeigt das Ki-generierte Foto, das sie mit den Angaben Zukunft Mödling erhalten hatte
Eine anonym bleiben wollende Jugendliche zeigt das Ki-generierte Foto, das sie mit den Angaben Zukunft Mödling erhalten hatte

Zukunft –> düster

Ein Teil der Workshops fand in Wien-Brigittenau in Räumen der Hobby Lobby, der andere in Mödling im ÖJAB-Haus statt. „Zukunft Mödling“ mit diesem kurzen Begriffspaar fütterten verschiedene Jugendliche die KI – und beide Mal waren seeeehr düstere Bilder das Ergebnis. Womit das Internet zu Mödling und der Zukunft dieser Stadt gefüllt ist?

Eine der Jugendlichen, die anonym bleiben will, zeigt dem Journalisten das Bild, das auf ihre Zwei-Wort-Angabe hin von der KI angefertigt worden ist. „Trotzdem hat die Arbeit mit diesen KI-Werkzeugen Spaß gemacht, es war überraschend, was da oft mit der Eingabe von einem Satz oder nur höchstens drei Wörtern an Bildern rauskommt“, resümiert sie bei der Präsentation der Ergebnisse der Workshops.

Rausfinden, was wie (nicht) funktioniert

„Die KI wird die Zukunft sein und wir werden sehr abhängig von ihr sein! Deswegen sollten wir uns jetzt schon mit der KI beschäftigen, um herauszufinden wie sie funktioniert, was sie gut machen, was sie nicht gut machen kann, damit wir sie positiv einsetzen können!“, wurde bei den Präsentationen Emanuel zitiert. Er ist jugendlicher Leiter bei Hobby Lobby und Co-Workshop-Leiter des Medienlabors.

„Es waren sehr coole und spannende Workshops! Die Jugendlichen zeigten Interesse und hatten viel Spaß mit den KI-Gestaltungsmöglichkeiten. Sie setzten sich auch sehr reflektiert und kritisch mit KI auseinander“, meinte der erwachsene Workshop-Leiter Markus Toth.

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Melissa Sakić im Interview mit KiJuKU-heinz

Je mehr du weißt, umso besser kannst du KI verwenden

Eine kleine Gruppe aus der 7. Klasse des Franziskaner-Gymnasiums in Hall in Tirol präsentierte auf der 46. Interpädagogica in der Messe Wien Erfahrungen und Erkenntnisse, die sie im Umgang bzw. Einsatz von KI (Künstlicher Intelligenz) bisher gewonnen haben: Melissa, Gernot, Philipp, Jakob, noch ein Philipp, Matteo und Sura sowie Lehrerin Ilka.

Melissa Sakić (17) besucht den naturwissenschaftlichen Zweig ihrer Schule und hat gleichzeitig mit dem Gymnasium begonnen, Geige zu spielen. Sie wählte aus den vielen Zusatzangeboten noch Sport, spielt Volleyball und nahm an der Physikolympiade teil. Außerdem belegt sie das Wahlfach Humanbiologie, „weil ich Medizin studieren will“. Und sie ist zweisprachig aufgewachsen – meine Eltern sind aus Bosnien, meine erste Sprache war aber Deutsch, erst dann hab ich Bosnisch gelernt, das ich fließend kann, auch Lesen und Schreiben. Sie gab Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… ein kurzes Interview als sie und ihre Kolleg:innen am Stand der Janusz-Korczak-Gesellschaft an einem kleinen Ballwurf-Spiel teilnahmen.

KiJuKU: Wo und wie verwenden Sie KI?
Melissa Sakić: In vielen Gegenständen, Mathe, Deutsch und mehr und auch in fächerübergreifenden Workshops.

KiJuKU: Lassen Sie dann Hausübungen sozusagen von ChatGPT schreiben?
Melissa Sakić: Nein, wir verwenden sie zum Beispiel in naturwissenschaftlichen Projekten, wenn wir viele Daten von Messungen über die Luft im Klassenzimmer und anderes sammeln, um diese Daten einfacher und schneller verarbeiten und mit Vergleichswerten zu überprüfen. Oft schauen wir auch genauer, um mögliche Fehlerquellen der KI zu finden.

KiJuKU: Und sie selber, wo und wie greifen sie zu KI-Tools?
Melissa Sakić: Ich verwende sie sehr oft, in der Schule aber hauptsächlich als Hilfsmittel. Sie ist oft ganz nützlich, aber du musst wissen, wie du mit ihr umgehst. Copy & Paste bringt nicht mehr Wissen. Je mehr du weißt, umso besser ist es und umso mehr kannst du sie wirklich sinnvoll einsetzen.

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Ergebnisse des Jugend-Internet-Monitors 2025

Wieder Sieg für WhatsApp, Insta nur Platz 4 und TikTok Fünfter

WhatsApp vor YouTube und Snapchat. Instagram nur auf Platz 4, nach „Silber“ im Vorjahr und das knapp vor TikTok. Dies ist das Ergebnis des aktuellen Internet-Monitors unter Jugendlichen in Österreich. Zum zehnten Mal wurde im Vorfeld des internationalen Safer-Internet-Days das Nutzungsverhalten von 11- bis 17-Jährigen erhoben.

Fast neun von zehn (87 Prozent) der befragten 405 Jugendlichen (Institut für Jugendkulturforschung mit Unterstützung der EU und der Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) nutzten WhatsApp; wobei anzumerken ist, dass viele schulische Angelegenheiten kommunikativ über dieses „Werkzeug“ abgewickelt werden. Damit ist WhatsApp übrigens Seriensieger – seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2016, wobei 2021 nahezu alle – 98% der Befragten – dieses Tool nutzten.

Knapp mehr als acht von zehn (82%) nutzen WA täglich, das damit von SnapChat überholt wird (insgesamt 74%, aber täglich 89%). Gesamtplatz 2 erreicht YouTube (80%, davon 47% täglich); Instagram (gesamt 73%, davon 78% täglich); TikTok (knapp ¾ – 72 Prozent, davon 87% täglich). Im Vergleich zum Vorjahr haben alle Plattformen einen Zuwachs verzeichnet. Neu im Ranking ist die Plattform Microsoft Teams, die von 35 Prozent der Jugendlichen genutzt wird und es damit auf Platz sechs schafft – oft auch im schulischen Zusammenhang genutzt.

Funktions-Angleichungen

„Bei WhatsApp ist eine Angleichung der Funktionen an die Konkurrenz zu beobachten“, erklärt Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at. „Dieser Trend ist auch bei vielen anderen sozialen Netzwerken erkennbar. Die Möglichkeit, Bilder zum einmaligen Betrachten zu versenden sowie neue Kommunikationsmöglichkeiten über Kanäle und Communitys dürften die Beliebtheit von WhatsApp wieder gesteigert haben.“

An zweiter Stelle im Ranking steht die Videoplattform YouTube, die acht von zehn Jugendlichen nutzen. Während Snapchat (89% täglich), TikTok (87% täglich) und Instagram (78% täglich) von einer großen Anzahl der Befragten täglich verwendet wird, gibt nur knapp die Hälfte der Jugendlichen (47%) an, das auch bei YouTube zu tun. „Die im Vergleich geringe Nutzungsintensität lässt sich möglicherweise durch den starken Konsum anderer videozentrierter Plattformen wie TikTok und mittlerweile auch Instagram erklären“, so Buchegger.

Eigenwahrnehmung

In der Eigenwahrnehmung der Jugendlichen gibt es Unterschiede betreffend der Nutzungsintensität zwischen Snapchat, Instagram und TikTok: 65 Prozent geben an, viel oder sehr viel Zeit auf Snapchat und TikTok zu verbringen, während es bei Instagram nur knapp über die Hälfte der Befragten (53%) sind. Auch bei YouTube sind etwas mehr als die Hälfte (54%) der Jugendlichen der Meinung, viel oder sehr viel Zeit dort zu verbringen.

Ab- und Aufsteiger

Verluste hinnehmen musste heuer die Instant-Foto-App BeReal: Wurde sie im Vorjahr von knapp einem Drittel der Befragten genutzt, verliert sie 2025 sieben Prozentpunkte (Nutzung insgesamt: 24 %). Auch die aus dem Gaming-Bereich stammende Plattform Discord, 2024 ebenfalls von einem Drittel der österreichischen Jugendlichen genutzt, verzeichnet einen Rückgang um sechs Prozentpunkte (Nutzung insgesamt: 26%). Die Spieleplattform Roblox hingegen konnte im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozentpunkte zulegen (Nutzung insgesamt: 24%). Neu im Ranking ist die „Walkie-Talkie-App“ TenTen, die bereits von 13 Prozent der Befragten genutzt wird. Aus den Top 6 verdrängt wurde mit einem Minus von acht Prozentpunkten die digitale Pinnwand Pinterest (Nutzung insgesamt: 34%), die aber mit nur einem Prozentpunkt Abstand dicht auf den Neuzugang Microsoft Teams folgt.

ChatGPT

Bei der Befragung zum Thema Chatbots zeigte sich, dass drei Viertel der befragten Jugendlichen (75%) bereits mindestens einmal KI-Chatbots wie ChatGPT genutzt haben. Mit einer Nutzungsrate von 78 % liegen die männlichen Jugendlichen hier um sechs Prozentpunkte vor den weiblichen (72%). Große Unterschiede in der Nutzung von KI-Chatbots gibt es zwischen der Altersgruppe der 11- bis 14-Jährigen (67%) und jener der 15- bis 17-Jährigen (84%).

Am häufigsten wird ChatGPT direkt auf der Plattform OpenAI genutzt (92%), gefolgt vom Snapchat-Chatbot MyAI (45%). Nur zwölf Prozent der Befragten nutzen den KI-Chatbot von Microsoft über die Suchmaschine Bing. Geschlechterspezifische Unterschiede zeigen sich vor allem beim Chatbot MyAI, der von mehr Mädchen (50%) als Jungs (41%) genutzt wird.

Saferinternet

Saferinternet.at unterstützt Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrende beim sicheren, kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien. Auf der Website – Link am Ende des Beitrages – gibt es aktuelle Informationen und praktische Tipps zu Themen wie soziale Netzwerke, Cybermobbing, Sexualität & Internet, Datenschutz, Urheberrechte, Internet-Betrug, Medienerziehung etc. Zusätzlich bietet die Initiative (österreichische Informationsstelle im entsprechenden Netzwerk der EU) maßgeschneiderte Workshops in Schulen oder bei Elternabenden sowie kostenlose Ratgeber, Broschüren und vieles mehr an.

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Die Umfrage-Ergebnisse 2024 bis 2016

saferinternet.at

Szenenfoto aus "Höhere Wesen befehlen: KI!"

„Wir sind der Stoff, aus dem die Pixel sind…“

23 weiße, neutrale Köpfe wie sie aus Schaufenstern oder von Modepuppen bekannt sind, „bevölkern“ die Bühne auf Podesten auf mehreren Ebenen der Bühne (Bühnen- und Kostümbild: Alexandra Pitz) im Zirkus des Wissens auf dem Gelände der JKU, der Johannes-Kepler-Universität am Rande von Linz. Dahinter eingeblendet der Titel des aktuell dort laufenden Stückes „Höhere Wesen befehlen: KI!“ Dieses hatte Mitte November (2024) Premiere.

Zwischen diesen Köpfen platzieren sich die beiden Schauspieler:innen auf Podesten als ihren wissenschaftlichen Arbeitsplätzen und beginnen wie wild mit ihren Fingern auf imaginäre Tastaturen zu tippen, hacken, hämmern.

Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Wandern, tanzen, rappen

Dazu kehren sie im Laufe der Stunde immer wieder zurück, nachdem sie sich erhoben haben, zwischen den Köpfen wandern, tanzen, rappen, Weisheiten zitieren bzw. aus Büchern – scheinbar – lesen. Alles dreht sich – nona, wozu sonst der Titel, sehr, vielleicht ein bisschen zu dicht, rund um KI, wobei gegen Ende vor allem der zweite Buchstabe hinterfragt wird. Künstlich wohl, im Sinne von Menschen geschaffen sicher, aber Intelligenz?

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Überhöhte und abgeschoben

Wird da nicht wieder – wie so oft im Laufe der Menschheitsgeschichte – etwas überhöht, auf zu hohe Podeste gestellt, fast angebetet? Und damit die Verantwortung ab- oder mindestes weggeschoben.

Alles was KI kann, schöpfe sie ja nur aus schon vorhandenen Daten und Materialien wird mehrfach in dieser und anderer Form erklärt, postuliert, ja fast schon beschworen. Kreativ sein könne nur der Mensch. Und der Text für dieses Stück – von Gerhard Willert, der auch Regie führte – sei „einhundertprozentig frei von sogenannter Künstlicher Intelligenz“. Ja selbst ein hochqualitatives Übersetzungsprogramm habe es nicht geschafft die wortspielerischen poetischen Passagen des Textes, einige davon im oberösterreichischen Dialekt, in brauchbares Englisch zu übertragen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Haben nur einen Planeten

Eingebaut ins Stück sind Hinweise auf manche Autor:innen, etwa Dürrenmatt und seine „Physiker“, wenn es um die Verantwortung von Wissenschafter:innen für ihre Forschungen und Erkenntnisse geht. Oder von – und das sehr spannend – dem viel zu wenig bekannten Alexander Grothendieck. An sich wissenschaftlicher, hochdekorierter, Mathematiker, hat er sich vor mehr als einem halben Jahrhundert ungefähr zeitgleich mit dem Club of Rome („Grenzen des Wachstums“, 1972) sehr kritisch mit dem Umgang der Menschheit mit der Erde auseinandergesetzt. Ohne dies so zu formulieren was die Fridays For Future-Bewegung mit „es gibt keinen Planeten B“ auf den Punkt brachte, hat er genau damit argumentiert, dass in vielen Bereichen nicht experimentiert werden dürfe, weil diese Versuche eben nicht wiederholt werden könnten, wenn die Lebensgrundlagen des Planeten vernichtet werden.

„Wir sind in einer Situation, in der uns die Methoden der experimentellen Wissenschaften in der Praxis nicht weiterhelfen. Es gibt nämlich nur einen Planeten Erde, und die Krisensituation, in der wir jetzt sind, findet in der Geschichte der Evolution nur ein einziges Mal statt. Wir haben es also hier nicht mit einem Experiment zu tun, das wir nach Belieben wiederholen könnten, um anschließend unsere operationellen Modi zu optimieren.“

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Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Aus dessen Werk zitieren sie mehr – mit einem Fake-Schmäh. Nach der sogenannten Voltaire-Methode – Finger zwischen Buchseiten und genau das lesen -, schlagen sie aber schon zuvor festgelegte Seiten auf, oder zitieren auswendig gelernten Text, ist ihr auf die Bühne geworfenes Grothendieck-Buch doch im französischen Original 😉

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Glühwürmchen

Mehrmals verwandelt sich die Bühne licht- und stimmungsmäßig in eine Art Disco, das Duo tanzt ab zu einem Vierzeile: „Und dann tanzten sie wie Glühwürmchen in der Nacht / Doch Glühwürmchen gibt es nicht mehr /Wer hat sie eigentlich umgebracht? / Und bringt sie was wieder her?“ Und kommt scheinbar erst viel später drauf, dass mit diesem Song das menschengemachte Artensterben angesprochen wird.

Gesamte Wertschöpfungskette

Zurück zu den begrenzten Ressourcen: Neben dem Absaugen aller Daten und deren Verwertung, was doch recht oft thematisiert wird, werde noch kaum bis nicht in Betracht gezogen, dass die KI-Entwicklungen und Anwendungen so viel Energie benötigen, dass der Ressourcenverbrauch ins Unermessliche steige. Weswegen die Großunternehmer im Silicon Valley sich auch Energie-Quellen unter den Nagel reißen würden.

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Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

In Abwandlung des alten römischen Cato-Spruchs, dass das feindliche Karthago zerstört werden müsse (was Falter-Herausgeber Armin Thurnher rund zwei Jahrzehnte lang zur Abwandlung seiner wöchentlichen Kolumne mit einem Satz gegen die heimischen Printmedien-Konzentration inspiriert hatte) wirft Fadi Dorninger, seitlich neben der Bühne agierender Ton- und Licht-Master, mehrmals ein: Silicon Valley muss zerstört werden.

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Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Shakespeare

„Wir sind der Stoff, aus dem die Pixel sind“, wirft Barbara Novotny in den Bühnenraum. „Stop. Moment. Was soll das heißen: Wir sind der Stoff, aus dem die Pixel sind?“, fragt ihr Bühnenkollege Peter Pertusini.

„Ich war im Theater. Hab „Der Sturm“ von Shakespeare gesehen. Da sagt der alte Zauberer: „Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind… Und da hat hat es bei mir plötzlich klick gemacht und ich hab mir gedacht: genau. Nicht die Träume sind das Problem. Wir sind das Problem. Nicht die Algorithmen… Nicht die KI ist das Problem. Wir sind das Problem…“

… „Wenn ich ein Werkzeug als Lösung betrachte, wird das Werkzeug zu Gott. Damit bin ich fein raus und verantwortlich bin ich für nichts mehr. Wenn ich aber für nichts mehr verantwortlich bin: wer bin ich dann noch?“

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Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Und noch ein schönes Zitat aus dem Stück für das die Quelle im Dunklen bleibt: „Jeder dreht so gut er kann / Seine Träume in Realitäten um. / Vor Wahrheiten ist der Mensch aus Eis; / Feuer fängt er für Lügen.“

Screenshot der Webiste zackzack.at mit dem Teaser zu dem Interview mit Hannes Werthner zu
Screenshot der Webiste zackzack.at mit dem Teaser zu dem Interview mit Hannes Werthner zu „digitalem Humanismus“

Digitaler Humanismus

Hannes Werthner, früherer Professor für Informatik an der Technischen Universität Wien (2016 bis 2019 Dekan an der Fakultät für Informatik) sagte kürzlich in einem Interview mit Daniel Pilz auf zakckack.at: „Wir – und nicht Konzerne und Technologien – sollten bestimmen, wie die Welt um uns aussieht und gestaltet werden sollte. Der Mensch hat die Freiheit und Verantwortung zu entscheiden. Diese Verantwortung nimmt ihm auch niemand ab… Außerdem ist der Digitale Humanismus nicht gegen die Natur gerichtet. Es geht dabei um Nachhaltigkeit. Ein Aspekt ist ein kritischer Blick auf den Ressourcenverbrauch von modernen Technologien. Insofern ist der Digitale Humanismus ein Rahmenwerk um das Verhältnis zwischen Mensch, Gesellschaft, Natur und Technologie zu verstehen, sich einzumischen und dieses Verhältnis unseren Werten entsprechend zu gestalten… Ich will aber Soziale Medien nicht verteufeln. Diese bieten auch die Chance, sich an der Demokratie zu beteiligen, beispielsweise durch Bürgerinitiativen. Es geht darum, wie Technologien, wie Soziale Medien gestaltet sind und wer über diese Gestaltung bestimmt…“

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Szenenfoto aus "Kim" - ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Verliebt in eine KI? Geht das?

Wo ist sie da hineingeraten? Die junge Frau betritt den Bühnenraum – kleiner roter Teppich, zwei durchsichtige Kunststoff-Sessel, drei weiße Stellwände. Auf einer hängte eine Überwachungskamera. Zuvor blubbernde Geräusche, als würde Gewaltiges in einem zähflüssigen Sumpf verschlungen werden – die übrigens später immer wieder erklingen. Sie stellt sich bald als Lotte vor und vermittelt – zunächst mehr zwischen den Zeilen -, dass sie von ihrem gewohnten Umfeld weggelaufen wäre und einen neuen Platz für sich sucht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Tut sie auch. Sie befindet sich aber nicht, wie vermuten lässt, im Wartezimmer einer Psychotherapie, sondern in „Wahlheim“, wo sie Praktikant:innen suchen – wie Professor Wilhelm, der bald zwischen Schnürlvorhängen auftaucht, erklärt. Der ist wie aus dem Klischee-Bilderbuch eines verwirrten Wissenschafters, der’s mit dem Kommunizieren mit Menschen nicht so wirklich groß hat.

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Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Gefühle lernen

Natürlich weiß das Publikum mehr, ist es doch bewusst zu „KIM“, einem Stück über künstliche Intelligenz (geschreiben von Flo Staffelmayr; Regie: Birgit Oswald), ins THEO, den Theaterort Perchtoldsdorf (bei Wien-Liesing) gekommen. Nein, der Professor ist nicht diese KI in Menschengestalt. Er ist nur der Leiter des Versuchs. Neue Roboter – sehr wohl in Menschengestalt – sollen trainiert werden für den Assistenz-Einsatz vor allem im Pflegebereich. Und dazu heuern sie Menschen an, um von diesen das Erkennen von Emotionen zu erlernen. Aber auch auf diese Gefühle möglichst angemessen zu reagieren…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Digitalisiertes Wissen aufsaugen

Und so schiebt der Prof einen Büro-Dreh- und Rollsessel mit einer jungen Frau auf die Bühne. In sich zusammengesunken scheint sie zu schlafen. Eine Handbewegung vor ihren Augen – und sie „erwacht“. Spricht und bewegt sich maschinen-ähnlich. Aber: Sie lernt ur-schnell, kann sie doch in Sekunden-Bruchteilen das ganze Internet durchforsten, wenn Lotte ihr von ihrer Lektüre „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang Goethe erzählt, lädt sie ihre Festplatte mit Infos dazu auf und verkündet anderntags stolz, sich sämtliche Goethe-Werke reingezogen zu haben.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

So ideal…

Außerdem hört KIM einfach zu – egal was Lotte zu erzählen hat. Obendrein noch, ohne das Gehörte zu beurteilen. Erkennt immer präziser die Gefühle der menschlichen Trainerin, kann darauf immer besser reagieren. Wird für Lotte zu DER Bezugspartnerin, über die sie einerseits Macht hat – etwas, das klassisch patriarchal ist, wie Miro Gavran in seinem Stück „Die Puppe“ herr-lich demaskiert (Links dazu am Ende des Beitrages) – und andererseits sich von ihr wahr- und angenommen fühlt, bis sie sich schließlich in sie verliebt…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Schauspielerinnen machen’s glaubhaft

Klingt in der vorab- Stück-Beschreibung vielleicht unglaublich – eine junge Frau verliebt sich in eine Maschine; Hääääh, wirklich jetzt??? Doch das Schauspiel von Inés Cihal als diese Roboterin – Kim, weil das ein Name ist, der nicht nur KI für künstliche Intelligenz beinhaltet, sondern auch in vielen Kulturen und Sprachen echt existiert – und von  Isabella Kubicek als Lotte mit ihrer schrittweisen Annäherung bis zum Nahekommen hinter den Stellwänden machen diese emotionale unglaubliche Entwicklung sehr glaubhaft nachvollziehbar. Und damit auch mit den emotionalen Brüchen am Ende. Victor Kautsch als der eingangs beschriebene Leiter des Experiments ist von seinem Typ her schon eine Idealbesetzung für solch eine Figur.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Wermuts-Tropfen

Mehr als irritierend ist die Nebenbemerkung, die Lotte in den Mund gelegt wird, dass sie sich vor ihrer Ankunft in Wahlheim nicht zuletzt deswegen so einsam und alleingelassen fühlt, weil ihr bester Freund sich das Leben genommen hat. So hingeworfen in einem Stück für Jugendliche? Und auch von der Dramaturgie her gar nicht wirklich erforderlich. Ihre ausführlicheren Schilderungen, dass er sich emotional von ihr distanziert hat, hätten für die Logik der Psyche Lottes und ihres Weggangs aus dem alten Heimatort vollauf gereicht.

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Ein Interview mit „Kim“-Darstellerin Inés Cihal folgt späääter hier.

Szenenfoto aus "Kassandras Geheimnis" von Theater Delphin Basis 2

Trojanischer Krieg plus KI aus der Galaxie Starfish

Die Göttinnen – in langen weißen Kleidern, Aphrodite (Julia Gassner, die später zur Helena wird), Athene (Andrea Mačić) und Hera (Gabriele Weber, auch Co-Regie) – stehen beisammen, kleine Kelchlein in die Höhe gereckt. Sie warten aufs Anstoßen. Knapp daneben ein junger Mann mit metallen wirkendem Oberkörper-Panzer (Romanelli Alessio). Ein paar Treppen darunter ein langer schwarzer Laufsteg.

Gegenüber hängen zwei senkrechte Projektionsflächen mit eingeblendeten Statuen. Dazwischen – noch im Hintergrund – ein Mann im Rollstuhl, der später hin und wieder weiter nach vorne fährt und mit blinkendem Techno-Tablett agiert (Marcell Vala). Auf seiner Seite kommt wütend eine Frau hervor: Was die Göttinnen gegenüber feiern wollen, ist die Hochzeit von Thetis und Peleus. Und sie, Göttin Eris (Anna Fellner, später tritt sie immer wieder als Mundschenkin auf), ist als einzige nicht eingeladen. (Hat da das Märchen Dornröschen mit der 13. Fee die Inspiration her?)

Apfel der Zwietracht

So, da habt ihr einen goldenen Apfel! Den rollt Eris über den Laufsteg. Na also, gar nicht so böse! Oder vielleicht doch? Auf dem Apfel klebt, dass er der Schönsten gehören möge. Also Streit des Göttinnen-Trios. Und wer soll – und wonach – urteilen? Genau, der junge Mann, genannt Paris…

Soweit die Ausgangs-Szene von „Kassandras Geheimnis“, einer inklusiven Produktion von und im Theater Delphin (Wien-Leopoldstadt; 2. Bezirk). Die Theatergruppe hat diesen antiken griechischen Stoff um die Entstehung des zehn Jahre dauernden Kriegs zwischen Griechen und Trojanern um so manch eigene sehr fantasievolle Geschichten zu erweitern.

Weder Weisheit noch Macht…

Zunächst zurück zur mythologischen Story: Paris entschied sich weder für die von Athene im Gegenzug angebotene Weisheit, noch die Macht, die Hera ihm als Bestechung in Aussicht stellte, sondern für Aphrodites Versprechen, die Liebe der schönsten (irdischen) Frau der Welt. Doch blöd, dass diese Helena schon mit dem griechischen König Menelaos verheiratet war. Und Paris ein Trojaner.  Und so – zumindest der mythologischen Legende nach – kam’s zur Belagerung Trojas, natürlich Unmengen von Toten, Verletzten, Leid und was sonst noch alles zu Kriegen dazugehört.

Blinde Seherin

Eine große tragische Person in dieser bekannten Geschichte: Kassandra (Iris Zeitlinger), die später zur sprichwörtlichen Figur wurde. Sie hatte zwar die Gabe, vieles vorauszusehen, aber als Rache von Gott Apollon dafür, dass sie sich von ihm nicht verführen ließ, sollte niemand ihren Weissagungen glauben…

Künstliche Intelligenz

Diese weithin bekannte Geschichte / Legende mischten die Schauspieler:innen des Inklusiven Theaters Delphin mit einer eigenen Fantasie /Utopie. Das Universum ist weitgehend kriegsfrei, nur da in irgendeiner Ecke des Alls, auf der Erde herrschen noch bewaffnete Auseinandersetzungen, stellt der Chef der Galaxie Starfisch fest. Mittels Künstlicher Intelligenz regiert Zeurelius (der schon oben genannte Marcell Vala). Um auch dort für Frieden zu sorgen, schickt er Möskin Odur (Judith Czerny) aus der Spezialeinheit von Melva auf die Erde.

Auch wenn aktuelle Kriege vielleicht oder wohl mitgemeint sein könnten, landet die Spezialperson inmitten des Trojanischen Krieges, versucht sich Vertrauen zu erwerben – vor allem beider Kurtisane Neaira (Hanna Schnitt), die halt alle und jeden gut „kennt“ und kommuniziert in unbeobachteten Momenten hin und wieder mit dem Chef via Leucht-Smart-Armband…

Künstlicher Mensch

Gleichzeitig trachtet Kassandra auf einem anderen Weg den Krieg zu beenden – durch Sieg mittels einer Achilla, einer künstlichen Person, die sie aus einer Leiche mittels Zaubertinkturen zum Leben erwecken will. Wobei das Zusammenspiel mit Sklave Werwolf Fenris (Bianca Brucker) recht humorvoll, fast kabarettistisch angelegt ist und immer wieder für Lacher im Publikum sorgt, das in dem kleinen Theater in Wien-Leopoldstadt (2. Bezirk) links und rechts des Laufstegs sitzt.

Konsum-Pferd

Für mindestens ebenso viele Schmunzler bis Lacher sorgt das berühmte Trojanische Pferd, das hier auf einem Einkaufswagerl mit Holz, Drahtgitter und einem Kunststoff-Ross-Kopf in die Szenerie gefahren wird. Und sich zeitweise sozusagen als Figuren-Konkurrenz der aufrecht an einem Seil baumelnden Achilla gegenübersieht.

Möskin Odur entledigt sich letztlich der Verbindung zu Zeurelius und damit der totalen Kontrolle durch die KI – und großer Jubel für alle Mitwirkenden (Co-Regie, Bühnenbild, Visuals, Technik: Georg Wagner) nach knapp 1¼ Stunden.
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Szenenfoto aus "D.A.R.K. – Das All im Reiskocher" im Zirkus des Wissens in Linz

KI-Stimme aus ungewöhnlichen Orten irritiert in Sachen Zukunfts-Dystopien

Befinden wir uns in einer Wohnung? Georg kocht gerade Schwammerl-Erdäpfel-Gulasch. Oder doch eher in einem Labor? Viele kleine Pilzkulturen in mehreren Behältern auf einem Regal im Hintergrund, dazu Blumentöpfe, die auch eher nach Zuchtpflanzen wirken, Metallfolien, Wannen, Kübel, verschiedenfärbige Lichter, mehrere Monitore. Gut, die spielen nur – nach Sprachbefehl – Nachrichten ab; von einer KI-geführten Landwirtschaft, von einem bevorstehenden Prozess gegen einen Autofahrer, der eine Klima-Kleberin totgefahren hat, von  geklonten Menschen in China…

Miranda kommt abgespannt von der Arbeit nach Hause. Schiebt den vorbereiteten Teller weg, klappt den Laptop auf, um nur noch schnell eine eMail schreiben zu müssen, und bittet ihren Lebenspartner genervt, diese grauslichen Nachrichten abzudrehen. Sie hatte ohnehin einen stressigen Tag, arge Verhandlung als Staatsanwältin und dann wurde ihr noch ausgerechnet der oben genannte Prozess entzogen, um ihn eher einem alten männlichen Staatsanwalt zu überantworten…

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Szenenfoto aus „D.A.R.K. – Das All im Reiskocher“ im Zirkus des Wissens in Linz

Dies ist das Ausgangsszene für „D.A.R.K. – Das All im Reiskocher“. Dies ist ein schräges, satirisches Stück rund um Klimakrise, Künstliche Intelligenz und mögliche dystopische Zukunftsszenarien der Welt, viel mehr der möglichen Vernichtung der Menschheit. Gespielt wird es nun – bis 13. Februar 2024 – im Zirkus des Wissens in Linz. Auf dem Gelände der JKU (Johannes Kepler Universität) spielt sich in diesem umgebauten ehemaligen Stadel ein Mix aus Kunst und Wissenschaft ab, meist in theatraler Form.

Schwammerl-Forschung

Georg (Max J. Modl) nennt irgendwann am Beginn als aktuelles Datum 24. August 2026. Dabei bleibt es im Lauf des Stückes nicht – wir hören als weitest in der Zukunft liegendes Datum das Jahr 2120. Was Miranda (Julia Frisch) schon ziemlich anzweifelt, ist sie doch 1995 geboren, wäre dann also 125 Jahre alt/jung (?). Und wir hören Stimmen aus dem Reiskocher. Aber nicht dieser spricht, sondern „Das All“, das sich zweitweise dort niedergelassen hat, aber auch schon mal aus Mirandas Tasche, dem Kühlschrank oder wo auch immer her ihre Sprüche loslässt (Eszter Hollosi – live in jeder Aufführung und nicht voraufgenommen eingespielt).

Achja, Georg ist Forscher an Pilzkulturen (die höchst interessante, liebevoll bis ins kleinste Detail gestaltete Ausstattung stammt von Nora Scheidl). Am Tag mit dem das Geschehen beginnt, hat er eine spezielle Kreuzung erfolgreich gezüchtet, die er für DIE Abhilfe gegen den Klimawandel hält…

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Szenenfoto aus „D.A.R.K. – Das All im Reiskocher“ im Zirkus des Wissens in Linz

Schafft KI zum Schutz des Klimas Menschen ab?

Dieser ist zentrales Thema der knapp 1 ¼ Stunden – aber immer wieder in einer fast kabarettistisch-paradoxen Variante – Details seien nicht gespoilert (Text und Regie: Michael Scheidl). So viel aber schon, dass zwecks Überleben der Menschheit die KI, die mehr oder minder die Macht übernommen hat, der (Selbst-)Zerstörung ein Ende setzen, oder sie wenigstens beschränken will und dafür eine eigene Sorte „Homo Utilis“ gezüchtet hat – ein solches Exemplar tauch auf (Eric Lingens). Und bringt das Leben des Paares noch mehr durcheinander als es ohnehin schon angesichts des Streits darum, Kinder in die Welt zu setzen oder nicht, der Fall ist.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „D.A.R.K. – Das All im Reiskocher“ im Zirkus des Wissens in Linz

Schauspiel, Musik, Ausstattung

Schon verraten wird hier: Neben dem Schauspiel im durchaus skurrilen Ambiente runden noch Musik und Klang (Komposition: Martin Kaltenbrunner, Klangskulptur: Michael Kramer) und Visuals im „großen Fenster“ nach draußen (Max Scheidl) „D.A.R.K.“ ab – ein Stück, das so gebaut ist, dass es keine Antworten geben will, sondern definitiv Fragen und Beschäftigung damit richtiggehend anstößt.

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Interaktives Spiel: Welche Felder führen zu welcher Ziffer...

Rutsche schlägt ChatGPT

„Ist da KI drin?“ ist als große Schrift – mit wechselnden Bildern im Hintergrund – auf der großen Wand zum Eingangsbereich der Ausstellung „Smart World – Wie künstliche Intelligenz unsere Welt verändert“ zu lesen. Der Bogen spannt sich von Bekanntem – Saugroboter, selbstfahrenden Autos, selbst lernende Gesichts-Erkennungs-Software und natürlich Chat GPT über weniger Bekanntes. Und die Ausstellung – insbesondere bei geführten Touren mit Vermittler:innen des Technischen Museums – bleibt nicht bei der technischen Dimension hängen.

Immer wieder werden die Schüler:innen einer vierten Klasse des Gymnasiums Wenzgasse (Wien-Hietzing), die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… in der ersten Schulwoche des neuen Jahres (2024) begleiten darf, gebeten zu diskutieren, welche Fragen der Einsatz der einen oder anderen KI aufwerfe. Etwa als es ums autonome Fahren – vor einer großen hölzernen Auto-Silhouette – geht. Wer ist bei einem eventuellen Unfall schuld? Wonach entscheidet die KI, wenn an einer Abzweigung auf der einen Straße ein Hund auf der anderen eine Katze quert und das Fahrzeug für ein rechtzeitiges Bremsen zu schnell unterwegs ist?

Da Programme ja anhand von Millionen von Daten bzw. Texten lernen, bauen sie dann auf vorhandenen Diskriminierungen auf? Aktuell waren ja gerade die Berufsempfehlungen des AMS-Infomaten genau deswegen in Diskussion.

Chat GPT

Die meisten der Schüler:innen haben Chat GPT zumindest schon einmal ausprobiert. „Ich habe auch für eine Hausübung die Aufgabe bei Chat GPT eingegeben. Aber ich hab mich dann nicht getraut das so zu verwenden, weil die Formulierungen nicht so geklungen haben, als hätte das eine 13-Jährige geschrieben“, meint Mia Mende. „Außerdem hab ich dann noch im Internet auf anderen Seiten zum selben Thema gesucht. Und alles zusammen dann einfach als Quelle und Basis genommen und davon ausgehend meinen eigenen Text geschrieben.“ Und die Art wie sie das sagt, wirkte nicht so, als würde sie einfach eine erwünschte Antwort geben. Es schwang gleich eine gewisse Skepsis gegenüber der KI-Antwort mit.

Die Lehrerin gab allerdings zu, dass sie von Chat GPT gelieferte Hausübungen, obwohl darauf sensibilisiert, wahrscheinlich nicht immer erkennen würde.

Lieber selber was tun

Vieles was in der Ausstellung gezeigt und angesprochen wurde, war den Jugendlichen schon bekannt. „Das meiste haben wir schon in digitaler Grundbildung besprochen, aber es war, interessant wie die Zusammenhänge erklärt worden sind, insbesondere das mit der Gesichtserkennung“, lobt Aleksandr die Führung. „Am spannendsten fand ich die Station wo wir selber was machen konnten – das mit den Zahlen erkennen.“ Damit spricht er die schematische Darstellung neuronaler Netze an. Auf der einen Seite gibt es 20 Felder, die einzeln aktiviert werden können, auf der anderen leuchtet dann auf, welche der Ziffern von 0 bis 9 sich daraus ergeben. Das heißt eigentlich ist die Herausforderung umgekehrt: Welche der Felder musst du drücken, damit hinten ein 5er, 9er oder was auch immer aufleuchtet. Es war jene Station, bei der sich die meisten am längsten in der Ausstellung aufhielten. Manche auch an der Station mit uralt-Computerspielen.

Bei der „schlauen“ Zahnbürste

Schon auch Neues

„Nicht alles war mir bekannt; die Zahnbürste, die prüft und Rückmeldung gibt, ob mit dem richtigen Druck und lange genug geputzt wird, war für mich neu. Die fand ich spannend“, sagt Liam im Erdgeschoß knapp vor dem Ein-/Ausgang des Museums. „Interessant war auch das mit den menschlichen Masken für Roboter“, meint er weiter. Auf die Frage, was an KI ihm im Alltag begegne, fällt ihm als erstes ein: „Wenn ich auf Social Media oder im Internet was suche oder Videos anschaue, dann tauch sofort die dazu passende Werbung auf. Mir ist auch komisch vorgekommen, dass das sogar passiert, wenn wir in der Familie über irgendwas geredet haben. Jetzt hab ich bei Gesprächen einfach Siri abgedreht. Und ich schau auch auf meine Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken.“

Rutsche

Apropos Foyer. Gleich nach dem Eingang tummeln sich übrigens viele seiner Kolleg:innen bei der Rutsche, die die Geschwindigkeit misst und automatisch Fotos aufnimmt. Über das Display vor der metallenen Röhre können die Bilder per eMail verschickt werden. Die Jugendlichen, die gar nicht so sehr auf die angezeigten km/h schauen, sondern viel mehr großen Spaß am Rutschen haben und ausprobieren, wie’s ist, zu zwei oder gar zu viert auf einmal runterzusausen, zücken aber viel mehr ihre Handys um Fotos von den Fotos auf dem Display zu machen 😉

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Szenenfoto aus 1/01/-Robots von "manufaktor" BErlin

Kann KI helfen, Utopien zu verwirklichen?

Fahrende Roboter, die immer umfallen, wenn sie die Balance verlieren, die aber aufeinander reagieren und immer wieder gemeinsam fast tänzerische Choreografien ausführen – das war teilweise in dem dokumentarischen Film 1/0/1 von „manufaktor“ aus Berlin zu sehen, der im Rahmen des Future Lab-Festivals im Wiener Schuberttheater über die Leinwand flimmerte.

Wege zu einer besseren Welt?

Als Mittelding aus Live- und Streaming-Performance hatten die Figurentheater-Künstler:innen aus der deutschen Hauptstadt in einem zweieinhalbjährigen Prozess das Zusammenspiel von Menschen und Robotern erarbeitet. Aber nicht nur das, ihnen ging’s/geht’s – wie sie in im Film eingebauten Interviews und einem anschließenden Online-Video-Talk erzählten – auch darum im Theater und der Gesellschaft herr-schende Normen zu hinterfragen, „auszuhebeln“ in Richtung einer vorurteils- und hierarchiefreien Gesellschaft. Dazu arbeiten die Künstler:innen selbst immer kollektiv – was mitunter auch mühsam sei, aber den eigenen Zielen, Utopien eben durch viel Kommunikation, Ausdiskutieren usw. näher komme.

Szenenfoto aus 1/01/-Robots von
Szenenfoto aus 1/0/1 – Robots von „manufaktor“ Berlin

„Utopie-Maschine“ nennen sie ihre Bühne, den Auftrittsraum für Roboter und Menschen, die teils robotermäßig android-artig kostümiert sind. In Künstlicher Intelligenz zeige sich immer wieder ein sogenannter Bias – u.a. Diskriminierung nicht-weißer Menschen, weil hauptsächlich von weißen Cis-Männern programmiert ;(

Virtuelle Rundgänge im digitalen Museum

Das Schuberttheater selbst experimentiert auch schon länger mit dem Zusammenspiel von analog und digital und lädt unter anderem zu virtuellen Rundgängen – mit vor Ort ausleihbaren VR-Brillen – im digitalen Puppenmuseum ein. Für dies aktuelle Ausgabe des Zukunfts-Labors wurde dafür ein eigener, zusätzlicher Raum geschaffen, z. B. „Insight:Aaron Swartz”. Der viel zu früh verstorbene (1986 – 2013) US-amerikanische Programmierer oft auch als Hacktivist bezeichnet, verstand das Internet als eine demokratische Plattform und war auch federführend mitbeteiligt an der Entwicklung von Creative Commons, nicht profitorientierter Gemeinschafts-Urheberrechten.

Im Rahmen des Festivals noch zu sehen sind „Blade Runner – Das Märchen Mensch“, ein hauseigenes Figurentheater das von dem gleichnamigen (ersten Teil des Stücktitels) Roman und Filmklassiker ausgeht – Link zu einer Stückbesprechung auf dieser Homepage weiter unten. Außerdem noch zu erleben die VR-Installation „Echtzeitkunstwelt“ und ein VR-Circus sowie vor Ort die Museumsführung mit VR-Brille  und die Puppenserie „En Würstelstand auf Weltreise“ – siehe Infobox.

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