Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag des Atombombenabwurfs mit Transparenten, Plakaten, Reden und japanischer Tradition; Aufrufe gegen alle Kriege und (wieder) zunehmende Militarisierung. Viele Buchtipps dazu.
Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung setzten Teilnehmer:innen – wie jedes Jahr am 6. August – Laternen in den Teich vor der Wiener Karlskirche. Dieses Mal bildeten auch bemalte durchscheinende Papiere von Kindern einer Schule in Hiroshima die Umgrenzungen einiger der Kerzen auf Holzgestell. Und stellten damit den direkten Bezug zum Anlass her, dem 81. Jahrestag des ersten Abwurfs einer Atombombe – zynisch „Little Boy“ genannt – der USA auf diese japanische Stadt. Dem trotz des Infernos mit rund 100.000 Toten auf der Stelle – viele davon nicht einmal mehr als Leichen erkennbar – drei Tage später ein weiterer Massenmord durch die Bombe „Fat Man“ in Nagasaki folgte.
Tōrō nagashi heißt ein alter Brauch auf japanisch, am letzten Abend des O-Bon-Festes der Toten Laternen aufs Wasser zu setzen, um sie treiben zu lassen, damit sie ihren Weg zurück finden. Menschen kommen aus dem Wasser – wie alles Leben. Weltweit bekannt wurde diese Tradition als Gedenken an die Atombombenabwürfe, nicht zuletzt, weil viele die noch die brennheißen Folgen spürten, sich in Flüsse stürzten, um nach Abkühlung zu suchen.
Den Kontakt zu der Schule in Hiroshima hatte Pax Christi International hergestellt, deren Vertreter:innen auch eine Botschaft Kazumi Matsuis, des Bürgermeisters dieser japanischen Stadt, – auf Englisch und in deutscher Übersetzung – verlasen. Bei der Gedenkveranstaltung in Hiroshima selbst, die traditionell zum massentödlichen Zeitpunkt 8.15 Uhr mit dem Läuten der Friedensglocke mit einer Schweigeminute begann, hatte er auch schon gesagt: „Wer die Unmenschlichkeit von Atomwaffen herunterspielt, und Gewalt akzeptiert, um den eigenen Wohlstand zu sichern, riskiert Spiralen gewaltsamer Vergeltung, die am Ende zu einem neuen Hiroshima oder Nagasaki führen könnten.“ Er spricht sich auch dagegen aus, dass – wieder – „nukleare Abschreckung“ in der internationalen politischen Diskussion zum Denk-Szenario wird.
Wobei auch Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi, die erstmals als Regierungs-Chefin an der Friedensfeier teilnahm, schon mehrmals für eine solche Stellung genommen hatte.
Zurück zum Wiener Karsplatz. Vertreter:innen verschiedenster – religiöser und anderer NGO waren mit Transparenten, Fahnen, Tafeln – mit Fakten aber auch satirischen Sujets – präsent; siehe Fotos und Videos und hielten – teils recht lange und sich wiederholende – Reden.
Gemeinsam war praktisch allen, nicht nur an den historischen Schrecken und die jahrzehntelangen Folgewirkungen der Tage 6. und 9. August 1945 zu erinnern, sondern sich vor allem gegen die aktuelle Strömung der Re-Militarisierung zu wenden.
Eine Sprecherin aus dem medizinischen NGO-Bereich formulierte unter anderem eine grundsätzliche Erkenntnis aus der eigenen Arbeit: „Verhindern was nicht heilbar ist!“
Rosa Logar, jahrzehntlang Vorkämpferin in Sachen Gewaltschutz für Frauen, Mitbegründerin des ersten Frauenhauses in Österreich, hatte unter anderem vor fünf Jahren die Österreich-Sektion der bereits 1915 (!) gegründeten „Women’s International League for Peace and Freedom“ reaktiviert. Sie zitierte unter anderem Ingeborg Bachmanns Gedicht „Alle Tage“, das mit den Sätzen beginnt „Der Krieg wird nicht mehr erklärt, sondern fortgesetzt. Das unerhörte ist alltäglich geworden…“ (aus: Die gestundete Zeit, 1953 veröffentlicht); weiter unten, gegen Ende des Beitrages ein Link zu diesem Gedicht, gelesen von Ingeborg Bachmann selbst (NDR, 1952).
Zur Kundgebung gesellten sich auch internationale Teilnehmer:innen der laaaaangen Friedens-Wanderung „Peace-Walk“. „Die ersten sind im Februar in Spanien aufgebrochen, andere in Paris, Amsterdam, Berlin, im Norden Polens, jetzt wandern wir einige Tage durch Österreich, dann geht’s weiter nach Ljubljana. In Sarajevo treffen sich alle Peace-Walker:innen“, so Jonas Gröner vom Civilaction-Netzwerk in Österreich. „Manche gehen lange Strecken mit, andere nur den einen oder anderen Tag.“ 20 bis 25 Kilometer täglich stehen im Schnitt auf dem Programm, bei der brütenden Hitze der vergangenen Tage mitunter weniger. Ziel des Peace-Walks ist im Juni des kommenden Jahres Jerusalem – auf dem Landweg über Griechenland, Türkei, Syrien…
„Regierungen versprechen Frieden, investieren aber in Kriege. Es ist an der Zeit, in Friedensstifter zu investieren, die tagtäglich ihren Einsatz leisten. Wir folgen ihren Spuren“, heißt es übersetzt aus dem Englischen auf der Peacewalk-Website für die geplanten rund 14.000 Kilometer durch 24 Länder. Das Motto: Die Zukunft ist Frieden.
Am Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Nagasaki (9. August) begleitet die österreichische Initiative „Wandern für den Frieden“ die internationalen Peace-Walker:innen rund 22 Kilometer vom Wiener Stephansplatz bis Schwechat.
„Alle Tage“, gelesen von Ingeborg Bachmann selbst
civilaction.net –> peacewalk-2026-in-vienna
Internationale Frauen-Friedens-Liga
Österreich-zweig der internationalen Frauen-Friedens-Liga
Text: Ingrid und Christian Mitterecker
Cover, Gestaltung und Layout: Gerri Zotter
Sadakos Plan
120 Seiten
Buchklub Verlag
8 €
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Text: Masahiro Sasaki
Aus dem Japanischen übersetz von Mio Aizawa
Kalligraphien: Hiromu Morishita
Herausgegeben von Ingrid und Christian Mitterecker
Meine kleine Schwester Sadako
160 Seiten
Verlag Bibliothek der Provinz
20 €
Zu einer Leseprobe geht es hier
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Text: Karl Bruckner
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Sadako will leben
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G & G Verlag
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Text: Heinz Janisch
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Der Kranich und das DU
24 Seiten + 1e Seite über die Friedensburg in Stadt Schlaining (Burgenland) und QR-Codes dazu sowie zu einer Faltanleitung für Papier-Kraniche und die Originalkraniche von Sadako Sasaki
Verlag lex liszt
16 €
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Bücher über Sadako
1 Ingrid und Christian Mitterecker, Brief an Satoru-San, Begleitheft zu den Impulsworkshops zu „Sadakos Plan“, BM:UKK 2009
2 Ingrid und Christian Mitterecker, Die Dankbarkeit des Kranichs. Von Hiroshima bis Fukushima, Wieser Verlag 2011
3 Ingrid und Christian Mitterecker, Sadako lebt, Wieser Verlag 2011
4 Ingrid und Christian Mitterecker, Sadakos Plan, Buchklub Gorilla 2004
5 Ingrid und Christian Mitterecker, Sadakos Plan, Bibliothek der Provinz 2009
6 Masahiro Sasaki, Hg. Ingrid und Christian Mitterecker, Meine kleine Schwester Sadako, Czernin Verlag 2004
7 Masahiro Sasaki, Hg. Ingrid und Christian Mitterecker, Übersetzung: Mio Aizawa
Kalligraphie: Hiromu Morishita, Meine kleine Schwester Sadako, Bibliothek der Provinz 2004
8 Ingrid und Christian Mitterecker, Sadakos Plan, Verlag *ingridundchristian.at* 2015
9 Ingrid und Christian Mitterecker, Sadakos Plan, Verlag *ingridundchristian.at* 2016
10 Masahiro Sasaki, Hg. Ingrid und Christian Mitterecker, Meine kleine Schwester Sadako, Verlag *ingridundchristian.at* 2014
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