Über die erwachsenen Preisträger:innen des 14. Global Peace Photo Awards; Teil 2 über den Friedensfotopreise 2026.
Sechs Frauen recken ihre Arme in die Höhe. In ihren Fäusten halten sie Föhns wie andere vielleicht Bohrmaschinen oder wieder andere, in der Regel Männer, Gewehre. Die Frauen sind aus Afghanistan ins Nachbarland Pakistan geflüchtet. In ihrer Heimat hatten sie Friseursalons betrieben. Wie den Besuch weiterführender Schulen für Mädchen haben die seit knapp mehr als fünf Jahren wieder landesweit herrschenden Extremisten der Taliban neben vielen anderen auch diese Berufe für Frauen verboten. In ihrem Zufluchtsland haben sie improvisierte Friseursalons aufgebaut.
Dieses Foto, aufgenommen von Silvia Alessi wurde von der Jury des Global Peace Photo Awards in seiner 14. Ausgabe, zum Einzelbild des Jahres 2026 gewählt – aus 27.846 eingereichten Bildern. Und die Juror:innen belohnten „Cut“ (Schnitt) wie die Fotografin ihr Werk nannte, aus allen Kategorien-Gewinner:innen-Fotos als Symbol einer lustvollen Selbstermächtigung auch mit dem Hauptpreis.
Der Laudator für alle Kategorien, Peter Matthias Gaede (GEO-Chefredakteur 1994 – 2014) spannte eine Brücke zur Biographie der Fotografin. „Die 1975 im norditalienischen
Brescia geborene Fotografin hat über zehn Jahre lang selber als Hairstylistin gearbeitet, bevor sie 2004 bei einer Asien-Reise ihr Interesse an der Reportage-Fotografie entdeckte. Seither hat sie unter anderem in Japan, in Indien, im Irak gearbeitet, blickt auf
Veröffentlichungen in allen großen europäischen Ländern, dazu in Israel und den Philippinen zurück. Und ist mehrfach bei Fotowettbewerben ausgezeichnet worden.“
Menschen, die sich teils sehr zurückhaltend, angstvoll Wasser nähern, dann doch zu schwimmen versuchen… – eine Serie solcher Fotos dokumentiert eine italienische Initiative, die sich zum Ziel setzt „Frieden mit dem Meer“ zu machen und „Il Mare in Mezzo“ (Das Meer in der Mitte) nennt. Menschen aus Afrika, die über das Mittelmeer geflüchtet sind – auf klapprigen Booten, ständig der Gefahr des Kenterns ausgesetzt, vielleicht sogar andere ertrinken gesehen haben, sollen ihre Ängste vor der See verlieren können.
„Der italienische Dokumentarfilmer und Fotograf Antonio Denti hat Migrant:innen auf diesem Weg begleitet und sie nun, teils Jahre später, von zuhause bis an den Strand und in die Tiefe bei ihren Anstrengungen verfolgt, die Scheu vor dem Wasser zu verlieren, das
Meer nicht mehr als Feind zu empfinden. Eingefangen hat er dabei Augenblicke der Entspannung, des Genießens, des Wagnisses wie auch solche, die noch immer anmuten, als sei die Furcht noch nicht verschwunden und besiegt“, begründet der Laudator die Entscheidung der Jury, ihn dafür mit einem der drei Bildserien-Preise.
Und zitiert den im sizilianischen Catania geborenen Reportage-Fotografen, dass er „kein Eindringling in das Leben anderer sei“, sondern „wenigstens für Momente zu spüren versuche, was sie selber spürten. Fotografie muss ein Ausdruck von Humanität sein“.
Alessi hat die Selbstermächtigung der Frauen über ihre in die Höhe gereckten Föhns, Denti die Überwindung der Ängste vor dem lebensbedrohenden Meer sichtbar gemacht. Ganz anderes „Unsichtbares“ gelang der Warschauer (Polen) Fotografin Aleksandra Kossowska. Sie versucht mit ihren – ebenfalls mit dem Bilderserienpreis ausgezeichneten – Fotos die Welt von Blinden und hochgradig Sehschwachen zu vermitteln. Schwarz-Weiß-Fotos von Kindern einer Blinden-Schule in Sabbataa (südwestlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba) hat sie blitzende Sternenwolken hinzugefügt. „Sie visualisieren eine Aura, vielleicht Erkenntnisblitze, die auch ohne das Sehen möglich sind. Vielleicht Gefühle. Vielleicht eine Interaktion zwischen Innen- und Außenwelt. Vielleicht auch etwas von Sehenden nur schwer zu Benennendes“, nannte dies der Laudator. Und zitiert die Künstlerin selber: „Die Welt berührt uns, wenn wir sie berühren.“
Damit die Fotografierten selber auch die Bilder be-greifen können, hat Kossowska Abzüge der Fotos händisch gelöchert, eine Art fotografischer Braille-Schrift sozusagen.
Schaukelnde, spielende, fröhliche Kinder, ein Geige spielender Jugendlicher. Das kann schon vielerorts Frieden ausdrücken. Wäre aber vielleicht nicht preiswürdig. Jene Fotos, die den dritten – aber alle gleichwertig – Preis für Bildserien einbrachten, spielen sich in extrem gegensätzlichem Ambiente ab: Im kriegs-zerstörten Gaza. Mahmoud Abu Hamda hat seine Bildreportage „Wings of Childhood and Peace“ (Flügel der Kindheit und des Friedens) genannt.
„Kindheit hier, das zeigt der palästinensische Fotograf Mahmoud Abu Hamda in seinen anrührenden Bildern, ist nicht komplett verschwunden, nicht vollständig ausgelöscht. Sie hat sich nur unter immensem Druck zu behaupten. Tapferkeit inklusive und sicher auch die Fähigkeit, vergessen und verdrängen zu können“, begründete der Laudator die Jury-Entscheidung für die Serie des 36-jährigen palästinensischen Fotografen und Fotografie-Unilehrers, der auch schon von der berühmten Agentur Magnum geehrt wurde, unter anderem.
Der jahrzehntelange GEO-Chefredakteur als wiederkehrender Laudator erwähnte bei dieser Lobrede auch die Schwierigkeit einer „balancierten Debatte über Gaza“. Auf die der abschließende Keynote-Speaker, der bekannte Burgtheater-Schauspieler Cornelius Obonya, der sich oft zivilgesellschaftlich, unter anderem als Ehrenbeauftragter von Unicef sowie als Präsident gegen den Antisemitismus in Österreich, engagiert einleitend einging. „Nach dem feigen Mord an über 1000 friedlichen Israelis am 7. Oktober 2023 und der beginnenden entsetzlichen Militäraktion in Gaza stieg der Antisemitismus in Österreich und Deutschland sprunghaft an. Es sind die österreichischen Schüler, denen die Kippa vom Kopf gerissen wird, es sind die hiesigen Mädchen, die an den Haaren gezogen und bespuckt werden.
In jeder Debatte über dieses Thema sollte bitte darauf hingewiesen werden, dass es, wenn man die schrecklichen Bilder von Gaza vor Augen hat, nie „die Juden“ oder „die Israelis“ sind, sondern nur die derzeitig Radikalen und die radikalisierte Regierung, die unendliches Leid unter den Palästinensern hervorruft.“
In rund zehn Minuten thematisierte Obonya dann vor allem die Frage, ob die Menschheit, ob Menschen gerade in Sachen Frieden, Freiheit und Demokratie aus der Geschichte lernen (könnten) mit eher pessimistischer Schlagseite. Immerhin zitierte er den antiken griechischen Historiker Polybios (ca. 220 bis 120 vor unserer Zeitrechnung), den er erst am Ende nannte, weil er sich leider so aktuell liest.
„Aber vielleicht muss jede Generation es (Lernen aus der Geschichte) zumindest versuchen und so diesen Kreislauf immer kleiner werden lassen. Bis er vielleicht einmal ganz verschwindet und es keine Friedens-Photo-Awards mehr geben muss, weil es keine Bilder vom Krieg mehr gibt…? Nun ja. Das wird man ja nochmal träumen dürfen…“
Die Gewinnerin des Children’s Awards und ihr Foto sind in Teil 1 der Bereichte über den Global Peace Photo Award 2026; Überblick in der Info-Box.
Dieser Preis, der 2013 als Alfred-Fried-Fotografie-Preis (benannt nach dem Friedensnobelpreisträger 1911 – gemeinsam mit Tobias Michael Carel Asser -, sechs Jahre nach Bertha von Suttner) ins Leben gerufen wurde „zeigt die vielfältigen Facetten des Friedens“, heißt es auf der Homepage dieser Initiative von Lois und Silvia Lammerhuber. „Er vervollständigt das Bild vom Menschen, indem er dessen gute Seiten hinzufügt. Er würdigt Bilder, die von Erfolgen statt von Misserfolgen erzählen; von Empathie statt von Hass; von Erhaltenswertem statt von Zerstörung; von Ermutigung statt von Qual; und vom Menschenrecht auf Schönheit.
Der Global Peace Photo Award wird in Kooperation von Edition Lammerhuber, Photographischer Gesellschaft (PHG), UNESCO, Österreichischem Parlament, der Vereinigung der Parlamentsredakteurinnen und -redakteure, des Internationalen Press Institute (IPI), World Press Photo Foundation, POY LATAM, APA – Austria Presse Agentur, der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh), Unicef Austria und Vienna Insurance Group ausgelobt.
Für den Award 2026 wurden 27.846 Fotos aus 144 Ländern der Welt eingereicht. Die meisten Einreichungen kamen aus Indien, USA, China, Italien, Deutschland, Frankreich, Nigeria, Russland, Bangladesh und Pakistan.
Juriert wurden die Einreichungen von einer hochkarätigen, internationalen recht großen Jury –> globalpeacephotoaward –> jury
Und hier die
Children’s Award:
Sesilia Shainidze (Georgien), „Mehr-Generationen-Frieden“
Kategorie Einzelbilder UND Friedensbild des Jahres:
Silvia Alessi (Italien): The Cut (Der Schnitt)
Kategorie Bildserien:
Alred Fried Friedensmedaille, Reportagen
Antonio Denti (Italien), Il Mare Mezzo (Das Meer in der Mitte)
Aleksandra Kossowska (Polen): The World by Touch (Die Welt durch Berührung)
Mahmoud Abu Hamda (Gaza / Palästina): Wings of Childhood and Peace (Flügel der Kindheit und des Friedens)
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen