Wenn die Krise das eigene Wohngebiet erreicht – Schauspiel-Zirkus-Duo „Concreto Theatre“ mit englisch-deutscher Performance beim Kultursommer Wien.
„Nau was jetzt?“, würde es vielleicht auf Wienerisch heißen. Das wäre allerding mit einem – ebenfalls in diesem Dialekt – g’feanzt’n“, also spöttischen, Unterton. Ein solcher schlägt zwar hin und wieder auch in dem Mix aus Englisch und Deutsch in „Now What?“ von Concreto Theatre beim Gastspiel im Rahmen des Kultursommer Wien auf der Bühne im Reithofferpark (Rudolfsheim-Fünfhaus; 15. Bezirk) durch.
Aber selbst in den sarkastischen Momenten schimmert eher Unglück bis Verzweiflung durch wenn es im letzten Viertel der rund einstündigen – durchaus mit dramaturgischen Längen – Performance eher darum geht: Wohin jetzt? Oder doch bleiben?
Die Brüder Tom und Paul – so die Protagonisten, gespielt von Nikos Wölfl und Francesco Procopio, haben nun beide keine Jobs mehr. Maiks Minisupermarkt, wo – meist Tom – einkauft, hat auch kaum mehr Waren. Das Stadtviertel – vielleicht auch die Stadt oder das ganze Land ist von der (Wirtschafts-)Krise erfasst. Kaum bis keine Perspektive. Also die oben gestellten Fragen.
Die beiden Schauspieler mit Zirkus-Hintergrund, die sich selbst als „Künstlerkollektiv mit Sitz in Europa“ bezeichnen, verbergen ihre Mimik hinter ¾-Gesichtsmasken, die sie – angeleitet und supported von ihrem Regisseur und Maskenbauer Matteo Destro – selbst aus Neopren gemischt mit Lattex geformt haben. Damit lebt ihr Spiel vor allem durch dessen Körperlichkeit, mit der sie die beiden genannten Sprachen mehr als unterstützen.
Die beiden spielen im genannten stück aber nicht nur die Brüder, sondern auch deren Oma sowie den Ladenbesitzer Maik. Mit letzterem spielt Tom gemeinsam in der 2-Mann „Rock-Coverband“. Musik wird immer wieder angespielt, eher weit entfernt von Rock wie etwa Frank Sinatras berühmtes „My Way“ schon gleich zu Beginn. Die Band – oder auch der verträumte Blick in die Berge – lassen Tom mitunter fast alles vergessen, was er im Auftrag der Oma einkaufen soll, damit diese den wöchentlichen Kuchen backen kann. Dafür versucht er sich mit der Dutzendfach vorgesagten Liste vom Publikum helfen zu lassen. Nicht nur die – doch mehr als ein wenig zu gedeeeeehnte – Szene rund um diese „Vergesslichkeit“ ist dann doch auch mit humorvollen Elementen gewürzt.
Concreto Theatre
Regie: Matteo Destro
Schauspiel mit Masken: Francesco Procopio und Nikos Wölfl
Musik: Boris Ruge
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