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Szenenfoto aus "Ramis Reise"
Szenenfoto aus "Ramis Reise"
16.11.2022

Träume von Freiheit und Hoffnungsfunken

Träume von Freiheit und Hoffnungsfunken

„Ramis Reise“ – szenische Erzählung mit sehr viel Musik und ein wenig Tanz übersetzt das Buch „Der Klang der Freiheit“ in eine poetische Bühnenversion. Derzeit im Wiener WuK.

Was das Buch mit seinen Bildern schafft, das kann hier die Musik – und das entspricht dem Titel der Geschichte von Gill Lewis ja noch viel mehr, „Der Klang der Freiheit“ – Link zur Buchbesprechung unten am Ende dieses Beitrages – ist in einer Bühnenversion als „Ramis Reise“ derzeit im Wiener WuK (Werkstätten- und Kulturhaus) zu erleben.

Es verbindet zwei extrem traurige Geschichten mit einer in dieser Ausweglosigkeit erstaunlich Hoffnung gebenden Erzählung, noch dazu voller Poesie. Wir erleben – und das nicht nachgespielt, sondern zum Einen einfühlsam erzählt (Noah Fida, erst 20), andererseits durch Musik und Videos atmosphärisch begleitet zunächst Rami mit seiner Familie und einigen anderen Personen in einem kleinen auf den Wellen dahinschippernden Schlauchboot. Er friert, hat Hunger und Durst – die anderen teilen sich das Wenige, das sie haben, die Mutter will ihm eine Decke umlegen.

Das rund 80-seitige Buch und die Inszenierung betten die gefährliche Flucht in diesem Boot – „nur zwei Schichten Plastik und Luft liegen zwischen seinen Passagieren und dem Grund des Meers“ – in eine sehr poetisch geschriebene bzw. gespielte Erzählung ein, in der trotz der trostlosen Ausgangssituation stets so etwas wie Hoffnung mitschwingt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ramis Reise“

Ein und Alles

Rami verweigert und klammert sich an einen Holzkasten. Er habe nichts, das er im Gegenzug für die milden Gaben geben könne. Der Kasten beinhalt alles – was er hat und nie und nimmer opfern würde: Eine Geige. Die können Geschichten erzählen.

Mongolische Sage

Ob er nicht wenigstens diese teilen könne. Und so erzählt er die mongolische Sage, wie die Pferdekopfgeige entstanden sei. Ein junger Schafhüter-Bub rettet das weiße Fohlen einer Wildpferdstute, die unter der Schneedecke schon gestorben ist. Er zieht es – entgegen den Ratschlägen (fast) aller anderen auf, gewinnt damit das traditionelle Wettrennen gegen den Fürst der Finsternis. Der ihm den weißen Hengst entreißt. Und weil sich das Pferd von dem Bösling nicht reiten lässt, soll es sterben. Mit letzter Kraft kann der Hengst entkommen, findet den einstigen Buben wieder und bittet ihn im Sterben, aus seinen Knochen ein Instrument zu schnitzen sowie die Schweifhaare für den Geigenbogen zu verwenden…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ramis Reise“

Stimmungen erzeugen

Bewusst habe das Team von „Theater Zeppelin“ aber nicht auf Geigenspiel gesetzt, so Regisseurin Yvonne Zahn, die auch die Idee zu diesem Stück hatte. Und so erzeugen die beiden Musiker – Wolfgang Köck auf der E-Gitarre samt Sound-Effekt-Maschinen sowie Christoph Sztrakati auf einem modularen Synthesizer sowie einer Hand-Pan (metallenen Halbkugeln mit eingehämmerten Vertiefungen) – die passenden atmosphärischen Stimmungen und Klänge. Ob als Spielball der Meereswellen im Schlauchboot oder auf den Hochebenen der mongolischen Wüste, ob Phasen der Trauer oder der Hoffnung, des Aufbruchs oder der Niedergeschlagenheit.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ramis Reise“

(Wirbel-)Wind

Wind spielt in den Erzählungen eine große Rolle. Hin und wieder taucht vom Eingang her wie ein Wirbelwind die Tänzerin Juliett Zuza auf und füllt die Bühne zwischen den beiden Musikern mit ihren Bewegungen. Mitunter reißt sie den Schauspieler mit und wirbelt auch ihn herum.

Zwei Mal taucht auch die Schülerin Ella Köck-Zahn auf der Bühne auf, um Passagen der Sage vorzulesen.

Es sei wie „Kopfkino“ meinte eine der Schüler:innen bei der ersten Vorstellung der jetzigen Aufführungsserie im Wiener WuK, dass der Schauspieler eben nicht in die Rolle Ramis und anderer schlüpfe, sondern die Geschichte „nur“ erzähle, „so kann sich jede und jeder eigene Bilder im Kopf machen“.

Als Untertitel steht auf dem Buchcover der deutschsprachigen Ausgabe: „Ein kleines Boot. Ein Funken Hoffnung. Ein Traum von Freiheit.“

Die Theaterversion (Dramaturgie: Stephan Lack) beginnt mit einer Frage, die auf die Leinwand eingeblendet wird: „was braucht man?“. Der Schauspieler beginn aufzuzählen was er alles auf der Bühne sieht und findet und reicht dann das Mikrophon den (jungen) Zuschauer: innen, und so wird sicher in jeder Vorstellung durchaus auch anderes genannt, was es benötigt – für die Geschichte UND fürs Leben.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Ramis Reise

Theater Zeppelin
Elektronisch-musikalisches Bildertheater nach dem Buch „Klang der Freiheit“ von Gill Lewis
Ab 8 Jahren; 50 Minuten

Konzept und Regie: Yvonne Zahn
Schauspiel, szenische Erzählung: Noah Fida
Tanz: Juliett Zuza
E-Gitarre, Sounds: Wolfgang Köck
Modularsynth, Electronics: Christoph Sztrakati
Vorleserin: Ella Köck-Zahn

Dramaturgie: Stephan Lack

Wann & wo?

Bis 19. November 2022
WuK (Werkstätten- und Kulturhaus): 1090, Währinger Straße 59
Telefon:  01 401 21-0

wuk -> ramis-reise

Podcast-Interview der Regisseurin mit dem jungen Schauspieler Noah Fida

Szenenfoto aus "Lust"
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