Ein Monster bringt einen Jungen ständig in herausfordernde Szenen; Autorin baut ein bisschen Sachinformationen über Leben in Indien ein.
Ein wenig diktatorisch beginnt diese Story rund um den Buben Moin und ein Monster – beide sind ja schon im Buchtitel „verewigt“. Bevor noch der erste Satz die knapp mehr als 100-seitige Geschichte zu erzählen beginnt, seht in einer grauen, gewellt umrandeten Box: „Monsterregel 1: Monsterregeln sind zu befolgen, ohne unpassende Fragen zu stellen.“
Na hallo.
Dann erst startet Anushka Ravishankar mit der Erzählung, wie das Monster in Moins leben kommt und dieses dann ziemlich durcheinanderbringt: „Eines Nachts, in der Finsternis seines Zimmers, hörte Moin ein Geräusch. Etwas schniefte und schnüffelte unter seinem Bett. „Wer ist da?“, quiekte er.
„Ei’ Bonster“, quäkte eine hohe Stimme.
Moin leuchtete mit seiner Taschenlampe überallhin. Doch da war nichts.
„Wo bist du, Eibonster“, flüsterte er.
„Ein Monster, Dummi, nicht Eibonster.“
„Ein M-Monster? Wo denn?“, fragte Moin.
„U’ter deibeb Bett, wo denn sonst? Bit deideb sehr staubigeb Koffer und blaueb Sock’n, die tiemlich stinken. De’halb halte ich beine Nase zu.“
Furcht dichtet die Autorin dem Buben keine an. Neugierig will er seinen nächtlichen Gast sehen. Kann er nicht. „Das ist auch eine Regel. Du kannst mich erst sehen, wenn du mich zeichnest.“
Oje, Moin – und wie sich herausstellen wird, nicht nur er, findet, diese Fähigkeit zählt nicht gerade zu seinen Stärken. Und das gilt schon für Dinge, die er sehen kann, erst recht- bitte, wie soll das gehen. Gut, das Monster sagt an, wie es aussieht – und klar, es kommt wie’s kommen muss, sozusagen „vorgezeichnet“, das Wesen ist mit dem wie es von Moin (Illustration: Anitha Balachandran) ziemlich unzufrieden.
Muss nun aber mit diesem Erscheinungsbild leben – auch so eine der Regeln, die die Autorin an verschiedenen Stellen einbaut. „Monsterregel 54: Ein Monster bleibt für immer bei dem Menschen, der es gezeichnet hat (siehe auch Regeln Nr. 71, 228 und 364).“
Und dann lässt die Autorin Moin dank des Dauergastes Kapitel für Kapitel in eine herausfordernde Szene nach der anderen schlittern. Monster, das namenlos bleibt, will natürlich essen. Und das massenhaft, ausgerechnet Bananen kiloweise.
Jetzt ist aber der neue Mitbewohner – oder „bist du ein Mädchen?“, fragt er ungefähr am Beginn des letzten Buch-Viertels – sein Geheimnis, das er vor den Eltern hüten will. Die wundern sich nun über seinen Bananenkonsum, auf die Moin vorher nicht wirklich Lust hatte.
Warum übrigens in unterschiedlichen Monster-Büchern und -Geschichten diese Wesen so auf diese Frucht fixiert sind? Selbst vom Keks-liebenden Sid, besser bekannt als Krümelmonster, aus der Uralt-TV-Serie „Sesamstraße“ (ab 1969) existiert ein Video, in dem es mit diesem Obst erst zu telefonieren versucht, um es dann zu verspeisen und schmackhaft zu finden.
Weil das Monster liebend gern und naja wie auch immer singt, muss Moin nun also auch singen, um es zu übertönen. Und schon haben Mr. und Ms. Kaif – seine Eltern – die Idee, ihn nun in Gesangsunterricht zu schicken… Uff.
Um seine Troubles nicht ganz alleine schultern zu müssen, lässt die Autorin Moin seinen Schulfreund Tony und seine genauso gute Schulfreundin Parvati einweihen. Noch dazu, wo Monster unbedingt mit in die Schule will, weil’s ihm / ihr auf die Dauer in Moins Zimmer versteckt zu fad ist. Gut, dass sich das Monster flach wie ein Blatt Papier machen kann – und prompt in der Schule für Chaos sorgt.
Nicht nur dort. Abenteuerliche, ver-rückte, leicht und gut lesbare Kapitel sorgen immer wieder für Abwechslung, oft auch Aufregung und mitunter Überraschung.
Und so „nebenbei“ streut Anushka Ravishankar knapp mehr als ein Dutzend – über Fußnoten erklärte – Begriffe aus Indien ein, vor allem Speisen und Getränke. ein bisschen mehr über das mittlerweile bevölkerungsreichste Land der Welt findet sich nicht im Buch, sondern im Unterrichtsmaterial zu diesem, das ansonsten hauptsächlich auf (Lese-)Verständnis der Geschichte fokussiert und darauf zielt, abgeleitet davon eigene Gedanken und Bilder zu entwickeln bzw. in der Klasse zu besprechen.
Nicht plakativ aber doch dreht sich die Story natürlich auch darum, jemanden zu akzeptieren, der so ziemlich anders tickt und recht fremd ist. Oder vielleicht auch „nur“ Seiten an sich selbst, die einen irritieren?
Ach ja, übrigens sei hier – obwohl viel Spannendes verheimlicht wird -, die Antwort des Monsters auf Moins weiter oben zitierte Frage, ob es ein Mädchen sei, verraten: „Bei uns Monstern gibt es diese alberne Unterscheidung nicht.“
Text: Anushka Ravishankar
Übersetzung aus dem Englischen: Barbara Brennwald
Illustration: Anitha Balachandran
Moin und das Monster – eine Erzählung aus Indien
104 Seiten
ab 9 Jahren
Baobab Books
19,60 €
Zu einer Leseprobe geht es hier
Zu (kostenlosen) Unterrichtsmaterialien zum Buch (Arbeitsblätter, Kopiervorlagen) geht es hier
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