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Doppelseite aus "Max und Murat"
Doppelseite aus "Max und Murat"
11.08.2026

Egal was passiert ist, „du warst es!“

Mit Anleihe bei Wilhelm Busch berühmten Reimen über „böse“ Buben, zerlegt dieses Buch auch humorvoll Vorurteile.

Vielleicht sind dir die Reime über „böse Kinder“ und deren Streiche schon einmal untergekommen. Die beiden Buben, deren Vornamen jeweils mit M beginnen, stellen alles Mögliche an. Abgesehen davon, dass jene Erwachsene, denen „Max und Moritz“ Streiche spielen, auch nicht unbedingt die nettesten Menschen sind, bleibt das Schlimmste doch das Ende, das sich der bekannte Dichter und Zeichner Wilhelm Busch (1832 – 1908) für die beiden einfallen hat lassen. Mehr als grausam.

Mitunter wird diskutiert, ob Busch damit vielleicht gar veraltete Erziehungsmethoden bitterböse und überspitzt kritisieren wollte.

Max und Murat

Wie auch immer – im Stile seiner Reime verfasste Eva Rottmann das kürzlich erschienene Buch „Max und Murat“. Illustriert ist es jedoch ganz anders, und zwar von Jokin Michelena – nicht selten humorvoll wie auch die eine oder andere textliche Episode; auch wenn die Zeichnung von Seite 43 eigentlich zum Text auf der nächsten gehören würde.

Die Autorin lässt die beiden außer in einem Fall nicht wirklich Streiche verüben. Beim Fußballtraining legen sie sich nur ins Gebüsch (!), weil der Trainer die Kinder nicht spielen lässt, sondern nur zum Runden laufen abkommandiert, um unter anderem ungestört aufs Handy zu schauen. Natürlich checkt er’s dann doch. Aber Schimpfer kriegt nur Murat.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Max und Murat“

Und so geht das Kapitel für Kapitel. Er, der Schlauere in Mathe, macht den halben Test auch für seinen Freund Max. Dieser kriegt einen 1er und Murat nur einen 2er. Jede gereimte Episode: Eine Ungerechtigkeit nach der anderen.

Anleihe bei Buschs Figuren

Für manche der gereimten Geschichten hat sich die Autorin auch Figuren aus Wilhem Buschs „Streichen“ als Animation geholt. Ob beim Lehrer oder der „Witwe Bolte“ mit den Hühnern. Ihr entspricht die ältere Frau B., die Nerze hält, aus deren Fell verbotenerweise noch immer Mäntel geschneidert werden…

Als die beiden Buben – auf Vorschlag von Murat, aber mit Einverständnis und Mitwirkung von Max heimlich die Tiere freilassen, wird – na, wer wird wohl – angeklagt? Trotz Wendung in diesem Fall, endet – so viel darf sicher verraten werden – die Story letztlich wieder unfair.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Max und Murat“

Hintergrund

Könnte das möglicherweise übertrieben und einseitig wirken, so legt Autorin Eva Rottmann im dreiseitigen Nachwort auch den Anlass dar, wie sie auf die Idee zum Buch – und sogar dessen Titel – gekommen ist: „Den Anstoß für dieses Buch hat eine Studie gegeben, die 2018 von der Uni Mannheim veröffentlicht und im deutschsprachigen Raum unter dem Titel „Max vs. Murat – Effekte des Migrationshintergrunds bei der Diktatbeurteilung“ bekannt wurde. Für diese Studie korrigierten und benoteten 204 Lehramtsstudierende die Diktate von 8-jährigen Kindern. Die Fehlerzahl der Diktate in den Vergleichsgruppen war jeweils identisch, und sie wurde auch gleich häufig von den Lehramtsstudierenden angestrichen – die Bewertung jedoch fiel deutlich schlechter aus, wenn ein Migrationshintergrund des Kindes angenommen wurde. Im mittleren Leistungsniveau wurde ein Kind ohne Migrationshintergrund im Durchschnitt mit 1,93 bewertet, ein Kind mit angenommenem Migrationshintergrund mit 2,27. Bei schlechtem Leistungsniveau war der Unterschied sogar noch deutlicher (ohne Migrationshintergrund: 3,32 mit: 4,22). „Den Befund eines stärkeren Einflusses des Migrationshintergrunds auf die Note bei tatsächlich schlechtem Leistungsniveau deuten wir als Hinweis auf stereotypbasierte Urteile“, schreibt Meike Bonfeld, die zusammen mit Oliver Dickhäuser für die Studie verantwortlich zeichnet. …
Rassismus wirkt noch immer stark in alle Lebensbereiche hinein, das ist ein Fakt. Er zeigt sich nicht nur in der Schule, sondern auch bei Wohnungsvergaben, bei Jobbewerbungen, im racial profiling der Polizei, in der Geschichtsschreibung, in Alltagssituationen, in politischen Diskussionen…“

Lasst euch nix einreden

Und im letzten Absatz wendet sich Rottmann dann noch an die jungen Leser:innen: „Euch, liebe Kinder und Jugendliche, gehört diese Welt genauso wie den Erwachsenen. Wenn nicht sogar ein bisschen mehr. Wer, wenn nicht ihr, hat ein Recht darauf, die Zukunft und unser Zusammenleben mitzubestimmen?!  Lasst euch nichts anderes erzählen. Mischt euch ein.  Glaubt den Vorurteilen der Erwachsenen nicht, … bildet euch immer eure eigene Meinung über eure Mitmenschen…“

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Titelseite des Buches
Titelseite des Buches „Max und Murat“
BUCH-INFOS

Text: Eva Rottmann
Illustration: Jokin Michelena
Max und Murat
65 Seiten + 3 Seiten Nachwort der Autorin, u.a. darüber, wie es zu diesem Buch gekommen ist
Ab 8 Jahren
Verlagshaus Jacoby & Stuart
12,40 €
Zu einer Schau- und Leseprobe geht es hier

Einer der drei Hauptpreisträger: Kurt Engleder
21.03.2026

Seelenritter