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Einer der Jugendlichen erklärt seinen Altersgenoss:innen im kolumbianischen Amazonsgebiet auf dieser Schautafel die Entwicklung der Pflanzen
Einer der Jugendlichen erklärt seinen Altersgenoss:innen im kolumbianischen Amazonsgebiet auf dieser Schautafel die Entwicklung der Pflanzen
16.10.2026

Wie aus kleinen Samen Nahrung wächst

Welternährungs- bzw. -hungertag: Konkrete Hilfsprojekte in Kolumbien und Äthiopien von Projektpartner:innen österreichischer Hilfsorganisationen.

Gemeinsam mit Kindern legen im kolumbianischen Amazonasgebiet die Projekt-Partner:innen der österreichischen Dreikönigsaktion Schul- und Pfarrgärten an. Mit Vicaría Sur erleben die Kinder, wie aus einem Samen eine Pflanze und schließlich eine gesunde Mahlzeit wird. Sie lernen, welche Pflanzen in ihrer Region gut wachsen, wie Wasser und Böden geschützt werden und warum eine vielfältige Ernährung gesund und wichtig ist.

Viele Familien haben nur wenig Geld. Gesunde Nahrung und sauberes Wasser sind Mangelware. Klimaveränderungen, zerstörte Böden und fehlendes Saatgut verschärfen die Situation. Vicaría Sur-mitarbeiter:innen begleiten auch die Familien der Kinder. Sie bauen verschiedene dort heimische Pflanzen an, bewahren eigenes Saatgut, nützen natürlichen Dünger und recyclen so viel wie möglich, um den Müll zu reduzieren. So können sie ihre Ernährung verbessern und gleichzeitig Wasser, Böden und Wälder schützen.

Das gemeinsame Gärtnern verbindet obendrein. Kinder erfahren, dass ihre Fähigkeiten zählen, sie erleben Gemeinschaft, lernen ihre Rechte kennen und entdecken, dass sie selbst etwas zum Schutz ihrer Umwelt beitragen können. Das gibt Halt und stärkt die Verbundenheit mit ihrer Heimat.

Der 13-jährige Andi liebt die Natur. Er möchte später Zoologe werden und Tiere und ihre Lebensräume schützen. Heute gibt er bereits jüngeren Kindern weiter, was er über Saatgut und den Schutz des Wassers gelernt hat – und erklärt ihnen dies auf einer Karte – siehe Foto.

Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar schickte diese Informationen in ihrem Newsletter zum Welternährungstag (16. Oktober) aus, um zu zeigen, wie und was Spenden wenigstens in kleinen regionalen oder lokalen Initiativen bewirken können.

Aufmerksame Zuhörer des Vortrages ihres Alterskollegen
Aufmerksame Zuhörer des Vortrages ihres Alterskollegen

Menschenrecht

„Ernährung ist ein grundlegendes Menschenrecht“, sagte UNO-Generalsekretär António Guterres anlässlich dieses internationalen Tages, der oft auch Welthungertag genannt wird. Und immerhin, so die UNO, litten im Vorjahr 645 Millionen Menschen Hunger. Weitere fast 3 Milliarden Menschen (2,7) können sich keine gesunde Ernährung leisten.

Der internationale Tag wurde übrigens 1979 eingeführt, als Erinnerung an die Gründung der internationalen Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) am 16. Oktober 1945.

Ausgabe von Trinkwasser
Ausgabe von Trinkwasser in Tigray (Nord-Äthiopien)

Dürre und neue Kämpfe in Tigray

Jugend Eine Welt warnt anlässlich des „Welternährungstags“ vor einer drohenden Hungerkatastrophe in Nordäthiopien. Ausgebliebener Regen, massive Ernteausfälle und erneut aufgeflammte bewaffnete Auseinandersetzungen verschärfen die humanitäre Krise in der nordäthiopischen Region Tigray. Beispielgebend für eine „vergessene Krise“ warnt die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt daher anlässlich des Welternährungstags vor einer weiteren dramatischen Verschlechterung der Versorgungslage.

„Nach dem Bürgerkrieg und all seinen schrecklichen Auswirkungen haben die anhaltende Trockenheit und die nun wieder aufgeflammten Kampfhandlungen die äußerst prekäre Nahrungsmittellage in der Tigray-Region zusätzlich verschärft. Lebensmittel und sauberes Trinkwasser sind vielerorts kaum noch verfügbar, die Preise für verbliebene Waren steigen und Transportwege sind durch Straßensperren und Sicherheitsrisiken blockiert“, erzählt Wolfgang Wedan, Globaler Nothilfe-Koordinator von Jugend Eine Welt. Der erfahrene Katastrophenmanager machte sich erst vor weniger Tagen, gemeinsam mit Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Reinhard Heiserer und Philippa Belcredi, Leiterin der Programm-Abteilung der österreichischen Entwicklungsorganisation, vor Ort ein Bild der Lage. „Die Menschen kämpfen wirklich ums tägliche Überleben.“

Ausgebliebener Regen lässt Ernten verdorren

Die Folgen des Wetterphänomens El Niño sind in Tigray deutlich spürbar. In Teilen der Region sind die lebenswichtigen Regenfälle ausgeblieben. Die Ernte des traditionellen Getreides Teff, aus dessen Mehl unter anderem das äthiopische Fladenbrot Injera hergestellt wird, ist stark beeinträchtigt. Für viele Familien fehlt damit eine zentrale Grundlage ihrer Ernährung. Auch die Nutztiere leiden unter dem Mangel an Wasser und Futter. Kühe und Ziegen verhungern oder müssen notgeschlachtet werden, weil ihre Versorgung nicht mehr gewährleistet ist.

Besonders prekär ist die Lage im Norden und Osten Tigrays, unter anderem rund um die Stadt Adigrat, wo die langjährigen Jugend Eine Welt-Projektpartner, die Salesianer Don Boscos, seit Jahrzehnten tätig sind. Lebensmittel sind auf den Märkten kaum erhältlich oder für viele Menschen unerschwinglich. Geschlossene Banken erschweren den Zugang zu Bargeld. Selbst wer noch über finanzielle Mittel verfügt, kann sich daher oft nicht ausreichend mit dem Lebensnotwendigen versorgen.

Verteilung von Brot
Verteilung von Brot in der umkämpften Region Tigray

Nothilfe trotz neuer Kämpfe

Gemeinsam mit den Salesianern setzt Jugend Eine Welt die bestehenden Hilfsmaßnahmen in Tigray fort. Das Programm „Hope for Tigray“, das von der Austrian Development Agency im Rahmen von International Partnerships Austria gefördert wird, verbindet akute Nothilfe mit Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung von Kindern und Jugendlichen. Zu den Hilfsleistungen gehören die Versorgung mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser sowie die Bereitstellung von Nahrungsergänzung für mangelernährte Kinder, Schwangere und stillende Mütter. „Bei Säuglingen und Kindern ist die Mangelernährung mittlerweile stark ausgeprägt, es fehlt ihnen an Supplementär-Nahrung. Babys sind zu klein, zu leicht und oft krank. Stillende Mutter verfügen über weniger Muttermilch“, schildert Wedan seine Eindrücke.

„Schauen Sie nicht weg, sondern helfen Sie!“

Darüber hinaus bleiben die derzeit aus Sicherheitsgründen geschlossenen Schulen der Salesianer weiterhin eine wichtige Anlaufstelle. „Die Lehrkräfte sind vor Ort. Gemeinsam bieten sie Nachmittagsunterricht und Nachhilfe an“, so der Globale Nothilfe-Koordinator von Jugend Eine Welt. Zudem erhalten Betroffene psychosoziale Unterstützung und Kinder finden in eigens gestalteten Bereichen – sogenannten Child Friendly Spaces – geschützte Räume zum Spielen, Lernen und zur Verarbeitung belastender Erlebnisse. „Unsere Partner vor Ort lassen die Menschen nicht im Stich. Sie bleiben an der Seite der notleidenden Bevölkerung und setzen ihre Arbeit trotz der schwierigen Umstände fort“, fasst Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt, zusammen. „Doch ohne fremde Unterstützung geht das nicht. Es braucht dringend Spenden, damit Nahrung, Wasser und lebensnotwendige Hilfe die Menschen erreichen. Ich bitte Sie: Schauen Sie nicht weg, sondern helfen Sie!“