„Kampfbaukasten in 4K“, letzte der sechs Performances, die sich im Nachwuchsbewerb von Dschungel Wien und Drama Forum Graz, Magma 2026, nun präsentierten; sechste und letzte Folge.
Triggerwarnung vorweg. Die sechste und in der Reihenfolge – nicht nur hier, sondern auch am vergangenen Wochenende als sich die jeweils rund 174-stündign Stückentwürfe in der dritten Ausgabe des Theater-Nachwuchsbewerbs im Dschungel Wien – gemeinsam mit dem Drama Forum (Graz) präsentierten: Erst ab 12 Jahren und mit kriegerischen Kampf-Szenen. Letztere nicht als Schauspiel, sondern in einem Set von Legofiguren als Video projiziert: „Kampfbaukasten in 4K“ (Text: Laura Bernhardt; Regie und Sound: Lori Brückner).
Constanze Winkler verkriecht sich als zockender sehr junger Bub, angegeben wird weniger als die 12, die als untere Altersgrenze fürs zuschauen gilt, in einer Art Zelt (Bühne und Kostüm: Julie Fritsch, Stefanie Edlhofer), in dem gleichsam Video gekämpft wird. Mit einschlägigen Sounds und Wortfetzen.
Als reale Gegenspieler:innen treten Merle Zurawski als Mutter, Jakob merkle als älterer Bruder sowie Alexandru Weinberger-Bara als Vater in Erscheinung. Alle drei mit Ganzkopf-Masken, die jede Mimik verbergen. Was einerseits noch präziseres Spiel erfordert. Aber andererseits auch von vornherein eine extreme noch dazu paradox erscheinende Distanz aufbaut. Da die Schauspielerin, die einen Jungen darstellt, der eigentlich in der virtuellen Welt unterwegs ist und dort die in der Realität angesiedelten Figuren, engste Verwandte, die durch die Masken eher künstlich wirken.
Der Kampf des Gamers in der scheinbar digitalen, jedenfalls via Film übertragenen Schlachtenwelt setzt sich in der realen Welt vor allem als Fight mit dem älteren Bruder, dessen (Geld-)Forderungen und Sagern aus seinen aufgesaugten Manosphere-Influencer-„Weisheiten“ fort. In dieser Familie herrscht eine Atmosphäre nicht nur ausgesprochener Feindseligkeiten, die im Raum schwebenden „unsichtbaren“ sind die viel brutaleren.
Doch irgendwie fragwürdig wirkt der mehrfache Bezug der Lego-Maxerl-Videoschlacht auf Stalingrad. Das mögen vielleicht auch schon Jugendliche dieses Alters das eine oder andere Mal, insbesondere im Zusammenhang mit World War II Videospielen gehört haben. Die historische Einordnung dieser Entscheidungsschlacht zwischen der Wehrmacht Nazideutschlands gegen die Armee der Sowjetunion im zweiten Weltkrieg fehlt jedoch meist. Von den Faschisten als die Eroberung des bolschewistischen Feindes gedacht, wurde dieses Gemetzel zum Wendepunkt. Die Rote Armee gewann und so begann – später im Bündnis mit alliierten Kräften aus dem Westen (USA, Großbritannien und dem befreiten Frankreich) – die Niederringung der Nazi-Herrschaft und die Befreiung weiter Teile Europas von der faschistischen Diktatur. Und das in irgendeiner Form einzubauen wird schwierig, Stalingrad ist noch immer eine Art Mythos. Und wäre wohl verzichtbar, Krieg ohne ihn zu verorten als Produzent menschlichen Leids, würd’s auch tun. Noch dazu, wo derzeit allgegenwärtig eine neue Aufrüstungsspirale in Gang gesetzt wurde und wird.
Übrigens, am 12. Februar ist – seit mehr als 20 Jahren – der Red Hand Day, der internationale Gedenktag an das Schicksal von Kindersoldat:innen. Rote Handabdrücke werden auf Transparenten, Plakate usw. als Aktion gemalt, gedruckt, gezeigt, um diesen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zu stoppen.
Ab 12 Jahren
Text: Laura Bernhardt
Regie und Sound: Lori Brückner
Schauspiel
Zockender Bub: Constanze Winkler
Mutter mit Maske: Merle Zurawski
Älterer Bruder mit Maske: Jakob Merkle
Vater auch mit Maske: Alexandru Weinberger-Bara
Bühne und Kostüm: Julie Fritsch, Stefanie Edlhofer
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