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Szenenfoto aus "Kleiner Schritt, großer Sprung" von kollektiv kunststoff
Szenenfoto aus "Kleiner Schritt, großer Sprung" von kollektiv kunststoff
14.06.2026

Aufbruch in eine neue „Dimension“

Eine Theater-Performance rund um ein Weltall-Trainingszentrum als Übung für große Sprünge mit kleinen Schritten.

Manches Mal können auch ganz kleine Schritte einen Riiiiiesensprung bedeuten. Sie sind mit Angst besetzt. Beispielsweise, wenn wer zum ersten Mal von einem Brett ins Wasser springt. Noch viel früher, wenn Kinder zum ersten Mal vom Krabbeln ins aufrechte Gehen kommen. Auch wenn sie da diese Ängste noch nicht als solche äußern. Da eher Neugier, wackeliges Ausprobieren im Vordergrund stehen.

Von einem „großen Sprung“ ausgehend – dem Übergang vom Kindergarten in die Schule – hat das kollektiv kunststoff sein jüngstes Stück „Kleiner Schritt, großer Sprung“ entwickelt und es in ein Weltraum-Trainingszentrum verlagert (Konzept und Choreografie: Stefanie Sternig). Auch wenn der Hintergedanke eher „nur“ mitzukriegen ist, wenn die Info zur Performance gelesen wird. Und weiters damit zusammenhängt, dass im heimischen Bildungssystem dieser und andere Übergänge bruchhaft erfolgen.

Szenenfoto aus

Zu erleben sind die angehenden Astronautinnen und ihr Bodenpersonal derzeit im Dschungel Wien – in einer ersten Spielserie bis 15. Juni 2026, Details, siehe Info-Box am Ende des Beitrages.

Publikum muss / darf helfen

Bei den zu übenden Bewegungen, einzulernenden genauen Beobachtungen, exaktem Achten auf Geräusche, dem schnellen Reagieren braucht die künftige Astronautin Su Huber immer wieder die Energie des Publikums, das zu Beginn vor dem Theatersaal über Farben und Symbole in mehrere Gruppen eingeteilt wird. Und am Rande der den ganzen Raum füllenden Installation Platz nimmt. Ihre Trainingspartnerin für den All-Flug, Khadijah Pamelia Stickney, erzeugt als Meisterin an einem großen Theremin (elektronisches, berührungslos zu spielendes Instrument, erfunden 1920), sphärische Klänge.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kleiner Schritt, großer Sprung“ von kollektiv kunststoff

Musikalische All-„Atmosphäre“

Zu der von ihr gespielten Musik gesellen sich eine „Weltraumharfe“, ein klangvoller Helm und weitere klingende und tönende Installationen, die über Abstands- oder Lichtsensoren in Schwingungen gebracht werden und die sich Peter Plos ausgedacht und gebaut hat. Das und ein riesiger Bogen, auf dem immer wieder unterschiedlich bunte Lichtabschnitte tanzen, runden das Weltraum-Feeling ab (Kostüme, Rauminstallation, Ausstattung: Sophie Baumgartner, Jo Plos).

Angst

Und so gern Su das Abenteuer in Angriff nehmen will und dafür – mit ihrer Kollegin, unterstützt vom „Bodenpersonal“ (Christina Aksoy und Stefanie Sternig) – trainiert, sich ins Zeug legt, so geht ihr knapp bevor’s losgehen soll der Reis. Nein. Angst. Ich mach das nicht. Ich will das nicht. Und Abgang durch die Tür, die schon für die Besucher:innen zur Schleuse ins Trainingszentrum geworden ist.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kleiner Schritt, großer Sprung“ von kollektiv kunststoff

Klar, so kann’s nicht bleiben. Aber akzeptiert werden sollte das schon einmal. Erst das ermöglicht Su, dass sie dann … – gut, Szenenfotos verraten ohnehin, dass sie letztlich doch – angegurtet – tänzelnd schwebt – dank des Zusammenspiels der Kolleg:innen auf und rund um die Bühne und natürlich nicht zuletzt der Unterstützung durch das Publikum …

Echte Weltraumflüge und Aufenthalte funktionieren – wie viele auch auf der Erde – nur durch Zusammenspiel und Miteinander. Die internationale Raumstation wird seit jahrzehnen von Astronaut:innen und Kosmonaut:innen aus verfeindeten Ländern bevölkert und die wissenschaftlichen Forschungen betrieben.

Erste Schritte und Spuren von Menschen auf dem Mond - im Juni 1969
Erste Schritte und Spuren von Menschen auf dem Mond – im Juni 1969

Weltberühmtes Zitat

Der Stücktitel ist eindeutig inspiriert von jenem weltberühmt gewordenen Spruch: „Dies ist ein kleiner Schritt für [einen] Menschen, aber ein Riesenschritt für die Menschheit!“ Vor fast 60 Jahren – genau am 21. Juli 1969 um 02:56:20 Uhr UTC (Weltzeit, 03:56:20 Uhr Mitteleuropäischer Zeit; in den USA war es noch der 20. Juli), nach der Landung der

Mondfähre „Eagle“ (Adler) der Apollo 11 auf dem Mond, hat Neil Armstrong, diesen gewichtigen Satz gesagt. Der ging um die Welt, war er doch der erste Mensch, der seine Füße auf einen Boden außerhalb der Erde gesetzt hat. Wenngleich sich um diesen Satz Legenden ranken, ob er wirklich nur auf dem Mist Armstrongs gewachsen ist oder nicht doch auch literarische Vorbilder hatte.

So heißt es in Tolkiens Buch „Der Hobbit“ über Bilbo Beutlins Sprung über Gollum „kein großer Sprung für einen Menschen, aber ein Sprung ins Ungewisse“. Und Neil Armstrong nannte immerhin seine Farm nach der Astronautenzeit „Rivendell“ (nach einem Tal in Tolkiens Werken). Und NASA-Administrator Willis Shapley bezeichnete drei Monate vor der Mondlandung die bevorstehende Mondlandung als „historischen Schritt für die gesamte Menschheit“.

kijuku_heinz

wikipedia.org –> One_small_step_(Apollo_11)

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Kleiner Schritt, großer Sprung

Interaktive Performance mit Livemusik; 5 ‒ 10 Jahre; ca. ¾ Stunde

Konzept: kollektiv kunststoff
Choreografie: Stefanie Sternig
Choreografische Mitarbeit UND Performance
Raumfahrerinnen: Su Huber und Khadijah Pamelia Stickney
Bodenpersonal: Christina Aksoy und Stefanie Sternig

Theremin: Khadijah Pamelia Stickney
Stimme: Jeschka Oszilat
Kinderstimme: Rosa Noventa
Soundkonzept und -Installation: Peter Plos
Dramaturgie: Christina Aksoy
Outside Eye (dramaturgische Beratung): Waltraud Brauner
Technische Leitung und Licht: Bartek Kubiak
Kostüme, Rauminstallation, Ausstattung: Sophie Baumgartner, Jo Plos
Produktion: Raffaela Gras, Stefanie Sternig

Wann & wo?

Bis 15. Juni 2026
Bis 14. Juni ist es möglich, die Installation zu begehen und die Stationen auszuprobieren (ca. 30 Minuten).
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien –> kleiner-schritt-grosser-sprung
kollektivkunststoff –> kleiner schritt, großer sprung