Junior-Firmen-Bundesfinale: Die besten von Schüler:innen geführten Unternehmen aller Bundesländer präsentierten ihre Produkte; Teil 2: Drei Companys mit Stoff-Recycling-Produkten.
Neue, teils neuartige Produkte aus Reststoffen und zwar im wahrsten Stinn des Wortes stellten die Jugendlichen zweier Junior-Companies – für ein Schuljahr gegründete Schüler:innen-Firmen – her.
Ähnlich wie bei den Skistock-Halterungen – siehe Teil 1 über das diesjährige Finale der Bundesland-Sieger:innen – stand am Beginn die Leidenschaft eines Team-Mitglieds der Company Book Warrior. Melanie Hummer liest und liest und liest. Unterwegs in Bus, Bahn… aus der Tache raus nehmen, beim Aussteigen schnell wieder einstecken… Das sollte doch einfacher, besser, praktischer gehen, dachten sie und ihre Kolleginnen Samara Egger, Karma Gölzner, Carina Hagmüller und Helen Wagner aus der HBLA Lentia (Linz, Oberösterreich), einer Modeschule.
Die Idee: Ein Buch-Einband – noch dazu aus Stoffresten- wird zur Umhänge-Tasche. An ihrem Stand beim Bundesfinale, das wie immer traditionell in der Zentrale der Wirtschaftskammer stattfand, haben sie an ihrer Pinwand auch die ersten beiden Prototypen hängen, mit denen sie noch nicht zufrieden waren. Vor sich auf dem Tisch – und für die Fotos auch in Verwendung – die Buch-Einband-Umhängetaschen, sogar mit Lesebändchen. Da Bücher ja unterschiedlich dick sind, gibt es mehrere Druckknöpfe, um den Einband zu einer schmäleren oder breiteren „Tasche“ zu machen. Und wer da auch noch gleich zusätzlich was einstecken will – „Book Warrior“ gibt es auch mit hinten oder vorne aufgenähtem Täschchen – für 5 € Aufpreis zum Verkaufspreis von 28 €.
„Laufend sammeln wir in der Schule Stoffreste, aus denen wir die Taschen selber nähen, wir sind ja eine Modeschule“, so die Buch-Verbinderinnen.
Ebenfalls aus Reststoffen fertigten die Jugendlichen der HLW Ferrarischule – ja die heißt wirklich so, hat mit den Rennautos aber nichts zu tun – in Innsbruck (Tirol) Hängematten, Pölster, zusammenrollbare Taschen für Schlüssel, Geldbörse, Handy und anderes in einem, Netze mit Karabinern für Thermosflaschen her. Einige von den Schüler:innen samt ihren Produkten mit der Junior-Company Hangout sind hier auf KiJuKU.at schon vorgekommen anlässlich des Berichts über die international Handelsmesse im März in der Wiener Millennium-City – Bericht unten am Ende des Beitrages verlinkt.
Dieses Mal (wieder) mit dabei Elias Brassé-Luxbauer und Sena Kovačević, dazu noch Sophie Kurz, Adriana Moser und Lena Vogel. Als Produkt auch wieder mit dabei – und nicht aus Stoff: Tee in speziellen Papierbeuteln. So sind sie – das erklärten die Jugendlichen damals schon im März nach Gebrauch kompostierbar, „in herkömmlichen Teebeuteln ist oft Mikroplastik“, erklärten sie den Unterschied.
Zu Spezialstoffen griffen die Produzent:innen von CordBuddys aus der Landwirtschaftlichen FachSchule Hollabrunn (Niederösterreich): Para(chute) Cord, der Stoff aus dem Fallschirme hergestellt werden. Reste davon verwerteten Sarah Greil, Nina Käppler, Viola Biringer, Carolin Schwarz, Magdalena Gutruf, Viktor May und Sarah Wagner, die ihre – mit ihnen insgesamt 29 Klassenkolleg:innen – im Wiener Finale vertraten in erster Linie zu Hundeleinen und Halsbändern – individuell gefertigt, farblich aufeinander abgestimmt, dauerhaft halt- und vor allem auch waschbar.
„Die meisten von uns haben Hunde, Leinen werden oft schnell grausig“, erklären sie, die im Rahmen ihrer Ausbildung auch Kleintierhaltung und -pflege lernen, dem Journalisten den Ausgangspunkt für die Überlegungen zu ihrem Business. „Und dann haben wir uns noch überlegt, für Hundehalter:innen auch noch zu Leine und Halsband dazu passende Handyleinen zu knüpfen“, führen sie für die üblichen Handyketten einen neuen, auf ihre Produkte abgestimmten, Begriff ein.
Schlüsselanhänger und Spielzeuge komplettieren das Sortiment für Hunde-Halter:innen, „wir haben aber auch noch Pferdehalfter gemacht“, ergänzen sie am Ende des Gesprächs.
… sind von SchülerInnen – für ein Schuljahr – gegründete Unternehmen, die mit realen Produkten oder/und Dienstleistungen handeln. Das unterscheidet sie von den Übungsfirmen (ÜFA) in den Handelsakademien und -schulen, die dort im Lehrplan verankert sind, aber „nur“ virtuell handeln.
Für diese Schüler:innen-Firmen gelten vereinfachte Steuer- und andere Regelungen. Der Grundsatz leitet sich von den Erfindern von vor mehr als 100 Jahren – siehe weiter unten – ab: Wirtschaft lernen durch eigenes Wirtschaften sozusagen.
In Österreich beteiligten sich erstmals im Schuljahr 1995/65 Junior Companys an dem Bewerb. In diesem Schuljahr nennt die Homepage des österreichischen Projekts 5490 beteiligte Schüler:innen in 527 Junior Companies, unterstützt von 315 Lehrpersonen und 475 Volunteers (Freiwillige)
Die Idee geht auf drei US-Amerikaner zurück: Horace Moses, Theodore Vail und Winthrop M. Crane gründeten vor mehr als 110 Jahren (1919) „Junior Achievement“ (JA). Ziel: Verbesserung der Wirtschaftsbildung in US-amerikanischen Schulen. Der Leitspruch lautete: „Learning business by doing business“.
Vor mehr als 30 Jahren (1990) wurde „Junior Achievement International“ (JAI) als weltweiter Dachverband gegründet. Damals gab es bereits in 15 Ländern Junior Companies. Im Jahr 2002 kam es zur Fusion von Young Enterprise Europe und Junior Achievement International. 2004 wurde der Dachverband in Junior Achievement Worldwide umbenannt.
Heute zählen bereits über 100 Staaten zu den Mitgliedern von JA Worldwide!
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