Junior-Firmen-Bundesfinale: Die besten von Schüler:innen geführten Unternehmen aller Bundesländer präsentierten ihre Produkte; Teil 1.
Der elfte Prototyp war’s schließlich für den sich die Jugendlichen aus der HTL Mössingerstraße in Klagenfurt entschieden. Mit dem gingen sie in Serienproduktion – mittlerweile hergestellt von einem Profi-Unternehmen, das 300 Stück pro Tag 3D-drucken kann. Das Produkt ihrer Junior-Firma: Kippe’s, ein neuer mobiler Aschenbecher.
Was das neu(artig)e an ihrer Erfindung ist – denn Taschenaschenbecher gibt’s ja schon seit „ewig“ -, erklären und zeigen Emily Knes, Milica Stanković, Jonathan Löcker und Fabian Ćerić, stellvertretend für alle beteiligten Kolleg:innen an ihrem, dem Kärntner, Stand im Bundesfinale von JA (Junior Achievement) Austria.
„Bei bisherigen hast du immer ein zweites Teil neben der Zigarettenpackung, weißt vielleicht nicht, wo du’s vorhin eingesteckt hast… Daher wollten wir ihn direkt mit der Packung verbinden. Und so haben wir von Prototyp zu Prototyp probiert, wie’s am besten klappt.“ Nun wird der schmale aus recyceltem, aber hitzebeständigem (bis 100 Grad) Filament, gedruckte „Tschick-Tegel“ direkt bei der offenen Packung eingehängt. Bis zu acht Stummel haben Platz.
„Wir rauchen selber alle nicht!“, betonen die Jugendlichen, die von der Jury zum siegreichen Schüler:innen-Unternehmen 2025/26 gewählt wurden. „Aber bei einem von uns war es zu Hause am Esstisch ein häufiges Thema aus der Arbeit der Eltern.“ Und sie, so die genannten vier Schüler:innen, „wir sind schon wegen einer Kooperation in Gesprächen mit einem großen Zigarettenhersteller. Schließlich kommt es immer wieder auch zu Waldbränden weg weggeworfener noch glühender Stummel. Unser Taschen-Aschenbecher (6,50 € pro Stück) hält die aber aus.“
Ein ebenfalls praktisches, neuartiges Ding haben sich die Jugendlichen aus der Handelsakademie Liezen (Steiermark) einfallen lassen und ebenfalls 3D gedruckt: Eine Halterung für Skistöcke direkt neben und gemeinsam mit den Skiern. „Polemotion“ nennen sie ihre Erfindung, die von der Jury auf Platz 2 gewählt wurde.
Den Anstoß gab die Geschäftsführerin ihrer Junior-Company. „Sie ist eine leidenschaftliche Skifahrerin“, schildern Kolleg:innen am Stand, wo Felix Beutelbeck (mit Ski, Stöcken in der Halterung und Skibrille im Haar), Tobias Stangl, Marie Gürtler (CEO), Klara Schröfl und Carolin Fraydl das Unternehmen im Bundesfinale vertreten. Das robust wirkende Teil aus carbonfaserverstärktem Filament, das auch temperaturbeständig ist und sogar mit dem Sportgerät im Schnee liegen kann, aber auch starker Sonneneinstrahlung standhält, kostet im Verkauf 15 €.
Platz 3 – wie übrigens auch schon in der Vorwoche bei Jugend Innovativ – räumten Schülerinnen der HTL Dornbirn (Vorarlberg) ab. Freya Berger, Lisa Bühler, Antonella Gasparević, Kim Vonbank und Katharina Müller produzieren mit „Lunara“ (abgeleitet vom lateinischen Wort für Mond bzw. Zyklus) mit regionalen Materialien (Biobaumwolle und Elastan) modische Slips mit Täschchen für wieder verwendbare (Knick-)Wärmepads gegen Regelschmerzen.
Solche gibt es zwar am Markt, gestehen die fünf Jugendlichen, „aber meistens mit Wegwerfpads, die mit wiederverwendbaren sind erstens viel teurer – unsere kosten 30 € – und außerdem nicht so stylisch.“
Noch haben sie bisher alle Slips selber genäht und bisher 70 verkauft. Sie seien aber, so berichten sie dem Journalisten, in Gesprächen mit einem Hersteller in Kroatien.
… sind von SchülerInnen – für ein Schuljahr – gegründete Unternehmen, die mit realen Produkten oder/und Dienstleistungen handeln. Das unterscheidet sie von den Übungsfirmen (ÜFA) in den Handelsakademien und -schulen, die dort im Lehrplan verankert sind, aber „nur“ virtuell handeln.
Für diese Schüler:innen-Firmen gelten vereinfachte Steuer- und andere Regelungen. Der Grundsatz leitet sich von den Erfindern von vor mehr als 100 Jahren – siehe weiter unten – ab: Wirtschaft lernen durch eigenes Wirtschaften sozusagen.
In Österreich beteiligten sich erstmals im Schuljahr 1995/65 Junior Companys an dem Bewerb. In diesem Schuljahr nennt die Homepage des österreichischen Projekts 5490 beteiligte Schüler:innen in 527 Junior Companies, unterstützt von 315 Lehrpersonen und 475 Volunteers (Freiwillige)
Die Idee geht auf drei US-Amerikaner zurück: Horace Moses, Theodore Vail und Winthrop M. Crane gründeten vor mehr als 110 Jahren (1919) „Junior Achievement“ (JA). Ziel: Verbesserung der Wirtschaftsbildung in US-amerikanischen Schulen. Der Leitspruch lautete: „Learning business by doing business“.
Vor mehr als 30 Jahren (1990) wurde „Junior Achievement International“ (JAI) als weltweiter Dachverband gegründet. Damals gab es bereits in 15 Ländern Junior Companies. Im Jahr 2002 kam es zur Fusion von Young Enterprise Europe und Junior Achievement International. 2004 wurde der Dachverband in Junior Achievement Worldwide umbenannt.
Heute zählen bereits über 100 Staaten zu den Mitgliedern von JA Worldwide!
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