Demo-Puzzle – eine neue Form von Demonstrationen statt eines Sternmarsches? Vorstellung neu(artig)er Puzzles?
Keineswegs, es handelt sich tatsächlich um klassische 2D-Puzzles, drei verschiedene, noch dazu in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Alle drei fertigen Bilder haben mit Demo-kratie zu tun. Demonstrationen gehören gewiss dazu, sind aber nur ein Teil davon. Und – im Singular – übrigens eines der Wörter das im Bild mittlerer Schwierigkeit neben Gerechtigkeit, Mitbestimmung und Meinungsfreiheit rund um eine geballte Faust stehen – alles im Grafitti-Style. Wie auch die anderen sowie die jeweiligen Doppelbilder eines Demo-rys.
Die Fachstelle Demokratie hat jüngst ein umfangreiches Paket mit Materialien fertig- und vorgestellt, die spielerisch zentrale Begriffe und Methoden von Mitbestimmung (Partizipation) und Teilhabe vermitteln wollen und sollen. Natürlich gehören dazu auch Wahlen, Parlament, Parteien, Politiker:innen, Kandidat:innen und so weiter.
Memory, Puzzles und Scrabble sollen und wollen aber nicht als pädagogische Vorbereitung für Tests (miss-)verstanden werden, sondern als spielerische Anreize sich ausgehend von den Begriffen mit den Themen und möglicher Praxis zu beschäftigen. In geringerer Auflage, weil doch deutlich aufwändiger in der Gestaltung, gibt es auch ein Jenga mit einigen der zentralen Demokratie-Begriffe.
Erstens ist Demokratie mehr als alle paar Jahre die Stimme abzugeben – oder sollte es jedenfalls sein. Zweitens dürfen gerade viele Jugendliche – auch wenn in Österreich vor fast 20 Jahren (2007) das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt wurde – nicht wählen, weil sie nicht die „richtige“ Staatsbürger:innenschaft haben. Dies stellte übrigens knapp vor den Osterferien der bekannte ORF-ZiB2-Anchorman Armin Wolf in einem ausführlichen Social Media-Posting erstaunt fest, nachdem er mit Jugendlichen einer Polytechnischen Schule diskutiert hatte. Auf BlueSky meinte er unter anderem: „Das (!) man dort wählen darf, wo man lebt, scheint mir vernünftig. Es ist absurd, dass Österreicher, die seit 20 Jahren im Ausland leben, hier wählen dürfen, aber viele Menschen, die seit 20 Jahren hier leben, nicht.“
Die Wiener Jugendzentren, zu denen die Fachstelle Demokratie gehört, die aber für die gesamte offene, außerschulische Jugendarbeit zuständig ist, haben schon unter anderem bei den beiden vergangenen Wien-Wahlen mit Plakaten und Aktionen darauf hingewiesen, dass 2024 mehr als die Hälfte (55 Prozent) jener Wiener:innen ab 16 Jahren (Wahlalter), die nicht wahlberechtigt sind, schon mindesten zehn 10 Jahre in Wien leben. Elf Prozent der bei der Wiener Gemeinderatswahl 2025 nicht wahlberechtigten 16 bis 30-Jährigen sind bereits in Österreich geboren worden!
Im Demokratie-Monitor 2024 – erhoben von Foresight für das Parlament – zeigten sich neun von zehn jungen Menschen (16- bis 26) „von der Demokratie als bester Staatsform überzeugt. Dass das politische System in Österreich gut funktioniert, denken derzeit jedoch nur 44% – im Jahr 2018 lag dieser Wert noch bei 69%.“
Das umfangreiche Paket an Materialien der genannten Fachstelle beinhaltet aber auch spielerische Denkanstöße zur eigenen Reflexion für Vereine, Institutionen, Einrichtungen, Initiativen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Kärtchen und eine 1 bis 10 Partizipations-Skala wollen und sollen die Mitarbeiter:innen in den Teams anregen, zu überprüfen, wieweit die jungen Menschen in dieser Einrichtung wirklich mitbestimmen können – und wobei. Und ob es da nicht auch so manchen Verbesserungsbedarf in der (täglichen) Praxis geben könnte… – Bei der Erstellung der Materialien übrigens gab es diese Partizipation nicht, da hätten die Ressourcen dazu gefehlt, wurde Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auf die entsprechende Frage geantwortet.
Die genannten Spiele können bei der Fachstelle Demokratie – Link unten am Ende des Beitrages in einer Info-Box – ausgeborgt werden. Es gibt sie aber auch als Druckvorlage zum Downloaden – nur das Jenga natürlich nicht.
Soft startet die in der Folge über weite Strecken (mehr als) rasante Tanzperformance des Kollektivs „remi demi“ (ausgelassenes Treiben) zum Abschluss des Theaterfestivals für junges Publikum im Schweizer St. Gallen. Schon während das Publikum den Saal betritt, ertönt Musik, links und rechts stehen wie in einem sportlichen Spielfeld je drei Tänzer:innen, schwingen hin und her, stimmen sich – und die Hereinkommenden -gewissermaßen ein.
Ein wilder Mix aus unterschiedlichen Hip*Hop-Stilen samt artistischen Breakdance-Szenen reißt das Publikum rund eine Stunde lang mit, das dies immer wieder auch spontan lautstark bekundet; vielleicht auch, weil kurz vor dem echten Start eine Mitarbeiterin des Kollektivs rund um die Performer:innen selbst erklärt, dass dies durchaus erlaubt sei; ebenso wie fotografieren und filmen – nur ohne Blitz und Auslöser-Klick-Geräusche.
Atemberaubende Moves im Zeitraffer-Modus werden aber auch mehrmals von fast stillen, jedenfalls langsamen Momenten bis hin zu Tanzbewegungen in SloMo (Slow Motion) unterbrochen: Oder ist dies gar nicht das passende Wort? Sind doch die Zeitlupen-Szenen genauso Teil des Gesamtkonzepts. Denn „remi demi“ will mit den „Großen Schritten“, nicht nur eine artistische, körperliche Tanzshow auf höchstem Niveau liefern. Das Kollektiv, das „Giant Steps“ in einem langen, nicht immer einfachen, gemeinsamen demokratischen Prozess erarbeitet hat, will mit wenigen Worten – unter anderem einer Leuchtschrift-Botschaft am Ende – vor allem aber durch ihre Körpersprache einerseits Mut machen, „bitte, groß zu träumen“. Und dafür durchaus Risiko einzugehen.
Aber sich gleichfalls Momente der Ruhe zu gönnen, sich aus dem daily Struggle – immer besser, immer schneller, immer funktionieren zu müssen, wie es andere wollen – rauszunehmen. Sich eng umschlungen als Gruppe gegenseitig zu stützen, Halt zu geben, Kraft zu tanken – um den eigenen Weg zu suchen, zu finden, zu gehen. Wobei diese (tänzerischen) Wege nicht „lonely wolves“-Fährten sein müssen. Wenngleich immer wieder die eine oder der andere der Tänzer:innen kurze Solo-Auftritte auf den roten Tanzboden zaubert, so verstehen die anderen dies praktisch immer als Einladung, davon zu lernen, die entsprechenden Moves aufzunehmen, mitzumachen.
Plötzlich landen, nicht prall aufgepumpte, vorher an einzelne Zuschauer:innen verteilte, Bälle bei den Tänzer:innen, die sie in mehreren Szenen auf unterschiedlichste Arten mit in ihre Bewegungen integrieren. Und damit eine – immer wieder auch sonst mehr als nur durchblitzende – Facette von „Giant Steps“ offensichtlich zeigen: Verspieltheit, spielerische Leichtigkeit trotz oder gerade bei hochprofessioneller Performance: Leistung, aber aus eigenem, gemeinsam beschlossenem, erarbeitetem Antrieb und nicht wegen Vorgaben einer sogenannten Leistungsgesellschaft, die eher auf Funktionieren-sollen als Rädchen fremdbestimmter Maschinerien setzt.
Übrigens steht in riesengroßen weißen Buchstaben zu Beginn in der Mitte „des roten Tanzteppichs „Keep on“ geschrieben. Wie sich – so viel darf durchaus verraten werden, selbst wenn du die Chance haben solltest, die Produktion „Giant Steps“ (große Schritte) irgendwo irgendwann zu erleben, dass die Buchstaben mit Hilfe einer Schablone mit Kreide gesprayt sind. Und damit natürlich im Laufe der vielen nicht nur Tanzschritte, sondern Ganzkörperbewegungen auf dem Boden nach und nach verschwinden – weitermachen aber nicht auf schreiende (Großbuchstaben gelten in Social-Media-Posting ja als solche) Aufforderung;)
Ein wenig ins Grübeln und Zweifeln ist der Rezensent allerdings gekommen, bei dem – schon zu Beginn – Einsatz eines ferngesteuerten Autos. Verspielt kokettiert es über Vorderradbewegungen mit einem Tänzer, stößt immer wieder an die Notausgangs-Tür im Hintergrund der Bühne – bis diese geöffnet wird und der Bolide ab ins Freie düsen kann. Diese Botschaft schon – aber warum ausgerechnet ein Auto, eines DER Symbole dieser Rädchen getriebenen „Leistungsgesellschaft“?!
Mehrere „remi demi“-Mitwirkenden räumten danach diesem Einwand ein gewisses Nachdenkpotenzial ein und meinten, es sei eine Reminiszenz an Kindheitsspiele – und der Vater einer Tänzerin hätte gemeint, seine Tochter agiere auf der Bühne rasant wie ein Rennwagen.
„remi demi“ sind übrigens nicht nur die Tänzer:innen – bei dieser Produktion Astro Scheidegger, Elina Kim, Elisa Eloy Pinos Serrano, Egon Gerber, Giulia Esposito, Louis Lüthard, Robin Waldburger und Sophie Chioma Gerber (sortiert nach den Anfangsbuchstaben der Vornamen).Sie haben die rund einstündige Performance in enger Zusammenarbeit mit den beiden Choreografinnen Jana Dünner und Ariana Qizmolli, von der die Idee und das Konzept stammt, über viele Monate hinweg in mehreren bezahlten (was in der Szene nicht immer üblich ist) erarbeitet. Teil des Kollektivs sind genauso der Musiker Claudius „Vlaude“ Leopold, Dramaturgin Arlette Dellers, Szenograf:innen Harumi Mummenthaler, Moa Bomolo sowie Giulia Esposito, Jana Dünner, Marc Jenny (Kostüm, Styling), Phoebe Wong (Lichtdesign) sowie – später dazugestoßen Eva Cabañas, die gemeinsam mit Tänzer Astro Scheidegger für die Produktion verantwortlich wurde. Die übrigens eine von zwei ausgeschriebenen Koproduktionen des Festivals Jungspund war / ist (die andere war „Heidi“ – Stückbesprechung unten verlinkt).
Compliance-Hinweis: Die Berichterstattung kann nur erfolgen, weil das Festival „Jungspund“ Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … für vier Tage nach St. Gallen (Schweiz) eingeladen hat.
Sticker unter anderem mit pochenden offenen Herzen und dem berühmt gewordenen Spruch „Pumpaj“ (pumpen), der immer wieder auch laut gerufen wurde, erklang Sonntagmittag in der kleinen Ölzeltgasse in Wien-Landstraße. Wieder hatte Blokada Beč (Blockade Wien), eine Initiative der Diaspora, aus Solidarität mit den Protesten eingeladen. Unermüdlich wie ein Herz pumpt und pumpen muss, um dessen Besitzer:in am Leben zu erhalten, organisieren Aktivist:innen Kundgebungen, Demos und andere Aktivitäten zur Unterstützung all jener, die gegen Korruption und für ein demokratisches Serbien kämpfen und eintreten.
Anlass für die jüngste Kundgebung – zwar nicht mehr wie bei einer großen Kundgebung vor mehr als einem Jahr (KiJuKU berichtete) direkt vor dem Gebäude der serbischen Botschaft, aber bei der Kreuzung mit der Lagergasse am Eck des besagten Hauses – war der ersten Jahrestag einer Großdemo in Niš, der drittgrößten Stadt Serbiens. Und diese wiederum hatte ihren Ursprung in dem Einsturz des Vordachs in Novi Sad am 1. November 2024, bei dem 16 Menschen starben. Ein Unfall der kein Naturereignis war, sondern Folge von Korruption und Misswirtschaft beim Bau dieses Vordaches.
Noch immer warten die Angehörigen der 16 Todesopfer auf Gerechtigkeit durch Verurteilung der für den tödlichen Dach-Einsturz Verantwortlichen.
Die beiden Rednerinnen auf einem improvisierten Podest in Sicht-und Hörweite der Botschaft, Katarina Milisavljević (serbisch) und Anastasija Stojanović (deutsch) wiesen bewegend aber auch auf die Ausweitung der Protestgründe hin: Verbindungen zu und Solidarität mit Aktionen von Freund:innen über Serbien hinaus wie in Griechenland anlässlich des zweijährigen Gedenkens der Eisenbahntragödie in Tempi, aus Nordmazedonien nach der Tragödie in Kočani, aus Zagreb nach dem Mord an der Grundschule Prečko, aus Cetinje nach der Massenschießerei, die viele Leben forderte, und aus Bosnien und Herzegowina nach der Tragödie in Jablanica. „Dieses Mal stehen wir im gemeinsamen Schmerz an der Seite unserer Freundinnen und Freunde aus Sarajevo nach dem schweren Straßenbahnunfall, der das Leben mehrerer Menschen gefährdete, leider aber auch einem jungen Mann das Leben nahm.“
Der zuletzt genannte Unfall war Anlass, die bisher bei den Kundgebungen üblichen 16 Schweigeminuten für die Novi-Sad-Opfer auf dieses Mal 17 Minuten für zusätzlich Erdoan Morankić aus Sarajevo zu verlängern.
„Im vergangenen Jahr haben wir erlebt, dass Stille uns oft mit einem noch größeren Schmerz konfrontiert als jedes ausgesprochene Wort. Deshalb laden wir euch ein, gemeinsam einen Ausweg aus diesem Schmerz zu finden – indem wir jetzt, indem wir heute so laut wie möglich sind, mindestens so laut, dass man uns bis nach Niš hören kann!“ – und dann setzten die „Pumpaj“-Rufe mehr als lautstark ein, andere Losungen, unter anderem „ruke su vam krvave“ (deine Hände sind blutig – an die politisch Verantwortlichen bis hinauf zum Staatspräsidenten) folgten.
Und die Hoffnung, dass die Proteste – in Serbien sowie in der Diaspora – das „Potenzial haben, das gesamte System und die Gesellschaft zu heilen, die bedroht war, vollständig unterzugehen durch unzählige Skandale, Machtmissbrauch, Erpressung, Nötigung, Einschüchterung, brutale, organisierte Gewalt, Korruption und kriminelle Netzwerke, die an der Spitze des Staates Serbien stehen… Lasst uns daran erinnern und es uns einprägen – die scheinbare Minderheit, geführt von der Kraft der Gemeinschaft, im Bewusstsein ihrer Stärke und ihres Potenzials, ist genau diejenige, die den Grundstein für eine neue Gesellschaft aus Freiheit, Würde, Gerechtigkeit und Solidarität legt.“
„Blokada Beč“ will aber nicht nur zu Kundgebungen aufrufen, sondern startet demnächst mit Vernetzungstreffen und vor allem Diskussionen auf verschiedenen Ebenen – und bei Weitem nicht nur für Serbien relevant. So wurde auf die beginnende Veranstaltungsreihe „Days of Attention“ hingewiesen, „die vom Team aus Studierenden und Dozenten der geschichtswissenschaftlichen Institute der Universität Wien organisiert wird und sich den Protesten in Serbien widmen wird. Der Leitgedanke der Veranstaltungen wird sich auf folgende Fragen konzentrieren: Auf welche Weise werden zivile Proteste Teil politischer Veränderungsprozesse, wie funktioniert Aktivismus ohne konkrete Führungspersönlichkeiten, und welche Rolle können Universitäten dabei als Orte demokratischen Engagements spielen?“
Über den universitären Rahmen hinaus wird es ab 4. April jeden ersten Samstag im Monat ab 11.30 Uhr zwanglose Zusammenkünfte im Wiener Stadtpark geben mit „Raum für Dialog, den Austausch von Ideen und Erfahrungen sowie für Begegnung, um gemeinsam Strategien und Pläne zu entwickeln, wie wir die Unterstützung aus Wien auf ein noch höheres Niveau heben können. Wichtig ist uns zu betonen, dass die Treffen einen informellen Charakter haben – mit dem Ziel, Gleichgesinnte zu vernetzen und sich für zukünftige Aktionen zu verbinden“ – Infos werden auf dem Insta-Kanalgeteilt, Link am Ende des Beitrages.
Gesungene Liebe
Für einen höchst emotionalen Abschluss der Kundgebung sorgte Sänger Aleksa Jevtić, der mit dem vertonten Auszug aus dem Gedicht „Ljubav“ („Liebe“) des serbischen Dichters Djura Jakšić, manche Teilnehmer:innen sogar zu Tränen rührte – Video-Ausschnitt unten.
Bukephalos, das sagenumwobenen Pferd von Alexander dem Großen hatte es einem 11-jährigen Buben im Archäologiemuseum Neapel (Italien) besonders angetan. Er entdeckte auf dem großen Mosaik, das in Pompeji ausgegraben worden war, „dass es auf dem Mosaik die gleichen Haare wie Alexander habe und ein wenig traurig aussehe. Das war mir nie aufgefallen, Kinder sehen die Welt ganz anders als Erwachsene.“ So erzählte es der bekannte Autor Ferdinand von Schirach dem Verlag (Penguin Junior). Diese Begebenheit ist letztlich „schuld“ daran, dass der Anwalt und Schriftsteller, Pate des damals 11-Jährigen, nach vielen anderen – auch verfilmten – Büchern, nun sein erstes (nicht nur) für Kinder eben druckfrisch bzw. als eBook und als Hörbuch (sowohl CD als auch Downloads) veröffentlicht hat.
Die geschilderte Episode liegt 30 Jahre zurück, die Betrachtungen seines Patenkindes, hätten ihn damals veranlasst, dem Buben mehr über Alexander – wohl Historisches sowie Legenden – zu erzählen. Bei einem Familientreffen vor einem Jahr erzählte der längst erwachsene und in New York verheiratete Patensohn, dass er sich noch immer an die Geschichten erinnere, sie gern seiner zehnjährigen Tochter vorlesen wolle. Dafür aber müsse dieser sie erst aufschreiben 😉
Nun liegt sie druckfrisch vor – und könnte vielleicht kaum aktueller sein. Denn Schirach baute nicht nur die Legende ein, dass der Alexander aus seiner Erzählung so manches Abenteuer des Großen Alexander erlebte, sondern auch ein Lehrstück in Sachen Demokratie und Friedenswillen – und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger.
In dem erfundenen Ort Kaliste sitzt der Bub am liebsten ganz weit draußen auf einer kleinen Mauer am Meer, hält eine Angel ins Wasser. Ohne wirklich zu fischen, aber damit er hier in Ruhe sitzen und in die Ferne blicken kann. Und er wolle keine Fische töten. Es gäbe schon genug Tote durch den Krieg, den der Tyrann von Kaliste gegen die Nachbarregion führte. Auch Alexanders Vater wurde dabei das Leben genommen.
Ein neuer Krieg droht, sollte die Stadt nicht dauerhaft Tyrannen-frei bleiben. Es brauche gute Gesetze, um eine solche künftige Schreckensherrschaft zu verhindern. Und dazu solle jemanden aus Kaliste durch die Welt ziehen, um sich nach solchen Gesetzen umzuhören.
Dass dies letztlich Alexander werden würde, liegt bald auf der Hand. Schirach lässt ihn dazu als einzigen des Städtchens das bekannte Rätsel der Sphinx (Löwenkörper, Flügel, Menschenkopf) lösen: Was geht morgens auf vier, mittags auf zwei und abends auf drei Beinen? Aus der Beobachtung eines Babies, von Erwachsenen und einem alten Mann mit Stock wusste der junge „Angler“ Bescheid.
Und so zieht der Junge los, trifft auf der Reise die unterschiedlichsten interessanten Menschen, erfragt deren Ansichten über „gute Gesetze“ – von der Gleichheit bis zur Meinungsfreiheit, wird hin und wieder auch vor fast unlösbare Rätsel gestellt und …
Die Zeit wird knapp, erst sollte nach sieben Tagen zurück sein. Da trifft er auf Bukephalos – die einzige Rettung, doch noch rechtzeitig zurückzukommen. Aber keine und keiner kann dieses Pferd reiten, so wild ist es. Und weil diese Legende sehr bekannt ist, kann sie hier auch – ohne allzu viel zu spoilern, ist doch ohnehin klar, dass Alexander rechtzeitig wieder in Kaliste ist – jenen verraten werden, für die es noch ein Geheimnis ist: Der Bub beobachtet wie es so seine Art ist genau und checkt: Das große Pferd hat Angst vor seinem Schatten, so redet er gut auf Bukephalos ein, der Hengst bewegt sich so, dass der Schatten hinter ihm liegt – und los geht’s.
Probleme tauchen sozusagen in letzter Minute ohnehin noch mit einem Ober-Militär auf, bevor…
Ferdinand von Schirach hat mit eineinhalb Dutzend Zeichnungen die leicht und locker geschriebenen fast 150 Seiten auch illustriert; leider darf hier aus rechtlichen Gründen seitens des Verlages nur eine einzige – außer der auf der Titelseite – veröffentlicht werden. Vielleicht sind die weltpolitischen Krisen, die „Zeitenwende“ in Richtung Militarisierung und Bedrohung von Demokratien der Anlass gewesen, es jetzt zu veröffentlichen. Immerhin erfindet er für eine Begegnung Alexanders wohl in Delphi, denn hier sucht er nach dem Orakel, den „Schaumschläger“ (mit gelbem Haarschopf). Dies ist ein ehemaliger Tyrann, den sie in eine riesige Badewanne mitten auf dem Marktplatz setzten. „Jetzt muss er dort den ganzen Tag Schaum schlagen… damit man nicht sieht, dass er nackig ist…. Schaumschlagen kann er wirklich gut… Er mag es, wenn man ihm zusieht… jetzt ist er harmlos in seiner Badewanne. Er kann uns nicht mehr gefährlich werden.“
Auf einem Kasten mit etlichen Klappfenster liegt ein großes Schachbrett. Auf dem Feld nur mehr die beiden Könige, dazu noch bei Weiß ein Pferd / Springer, ein Läufer und drei Bauern; Schwarz verfügt nur mehr neben dem König über einen Bauern. Im Hintergrund steht mit Kreide geschrieben: „Matt in 8“.
Neben dem Kasten steht noch ein Sessel mit kleinem, handelsüblichem Schachbrett.
So präsentiert sich die Bühne – auf einem geknüpften Teppich – für das Stück „Der kleine Diktator“ mit Untertitel „Chef werden – eine Anleitung“ der vor allem auf Objekt- und Figurentheater spezialisierten Gruppe „Die Kurbel“. Derzeit gastiert sie mit dem Stück bei „Junge Theater Wien“, tourt aber gern auf Anfrage auch durch Schulen und andere Orte.
Am Anfang Schnarchgeräusche aus dem Hintergrund, die Figuren beginnen scheinbar zu sprechen und versetzen und in eine Schulstunde. Der Läufer jammert, die Hausübung nicht gemacht zu haben, das Pferd wiehert, irgendwer ruft warnend „er kommt“. Der Schachlehrer taucht auf, und versucht nach der Lösung für Lektion 421 zu fragen – der Ausgangsposition die zu Schachmatt in acht Zügen führen soll. Im Schnelldurchlauf erklärt er’s einmal, zwei Mal, drei Mal samt „vergifteten“ Zügen, die scheinbar harmlos wirken, aber dann…
Figuren wandern irgendwie magisch über Felder und lehnen sich gegen den Lehrer auf. „Ich mag nicht mehr hier stehen“, bewegt sich der Turm wie von Geisterhand von seiner auf die gegenüberliegende Grundlinie – inzwischen hat der „Lehrer“ (Schau- und Figurenspieler Fabricio Ferrari) alle weißen Figuren in die Ausgangsposition gestellt, der Bauer vor dem Turm hat sich selber entfernt. Aus einem der Klapp-Fenster taucht der Kopf eines zweiten Spielers auf (David Fuchs), was auch die Magie der Figurenbewegungen erklärt. Und an den legendären „Schachtürken“ erinnert – einen angeblichen mechanischen Schachroboter aus 1769, in dem aber ein menschlicher Schachspieler versteckt war.
Der Widerpart aus dem Kasten lässt die Figuren sagen, dass sie nicht tun müssen, was der Schachlehrer anordnet, sie hätten die Wahl, das sei eben Demokratie. Was der Lehrer zunächst mit dem Wortspiel Wahl = Qual beantwortet, um hernach dem König den Kopf abzubeißen, ihm einen Luftballonkopf zu verpassen und diesem aufgeblasenen Kopf auch die Luft auslässt.
Mit der Demokratie hat’s der Herr Lehrer nicht so, aber die alte Monarchie habe auch ausgedient. Er selbst wolle sich gern wählen lassen – zum Chef. Und zwar zu einem unumschränkten – womit wir beim Titel des Stücks „Der kleine Diktator“ und seinem Untertitel wären.
Und – ohne es im Stück anzusprechen – bei einer der Inspirationen für das Stück, neben der anderen von Charlie Chaplins „großem Diktator“: Das Buch der italienischen Autorin Michela Murgia „Faschist werden – Eine Anleitung“ (Übersetzung ins Deutsche: Julika Brandestini, Verlag Klaus Wagenbauch, Berlin).
Ihre acht Schritte absoluter, unumschränkter Chef zu werden – klingt ja viel moderner als Diktator – verwandelt „Die Kurbel“, die als Figurentheater rasch Schach als DAS Machtspiel gefunden hatte, in acht Züge
1. Feindbilder: In diesem Fall wird eine übergroße Playmobilfigur aufs Feld gestellt. Erstens bunt, zweitens Arme und Beine – also anders. Schuld an allem.
2. Angst bei den eigenen Figuren gegenüber diesem Angehörigen der „anderen“ schüren
3. … ach nein, alles soll hier sicher nicht gespoilert werden, das Stück ist spannend zu erleben, auch wie die beiden auf der Bühne im immer stärker werden Wechsel- und Kontraspiel der eine die acht Züge entwickelt, der andere doch versucht dagegen zu halten.
Angeteasert werden sollen hier nur lediglich zwei der weiteren Schritte / Züge: Popolismus – bewusst mit diesem einen anderen Buchstaben gespielt und dem einander nicht zuhören – das beide meisterhaft bis hin zum Schrei-Duell exerzieren. So manches kommt einem da aus dem Gruselkabinett der aktuellen (Welt-)Politik mehr als bekannt vor.
Wobei das Stück viel öfter und leichter die satirisch überhöhte Darstellung bricht als das Buch, das durchaus dazu verleiten könnte, auf diese Ideologie auch reinzukippen.
Verraten möchte ich dennoch, dass Fabricio Ferrari am Ende aus seiner Rolle aus- und in sein Leben einsteigt. Dabei schildert er berührend, wie er als Kind in Uruguay (Südamerika) südlich von Brasilien, östlich von Argentinien, in den 13 Jahren Militärdiktatur aufgewachsen ist. Wie er riesengroße Angst der Menschen aber auch beginnenden und schließlich erfolgreichen Widerstand der Donnerstags-Protestaktionen erlebte, die letztlich zum Sturz der Diktatur und Rückkehr zur Demokratie führten.
Konzept, Dramaturgie und der immer wieder auch gruselig-humorvoll Text stammen von Lisa Fuchs, Regie und Gestaltung von Erik Etschel; Figuren-, Kostüm- und Bühnenbau haben neben Fabricio Ferrari, der ja auch spielt, Emanuela Semlitsch und Sofie Pint vorgenommen – Schachfiguren aus Pappmaschee und die übergroße Playmobilfigur aus dem 3D-Drucker.
Ausgehend von dem angeblichen, so manche meinen eher inszenierten, Putschversuch Mitte Juli 2016 in der Türkei, beschreibt Ece Temelkuran in „Wenn dein Land nicht mehr dein Land ist oder Sieben Schritte in die Diktatur“ die Entwicklung ihrer Heimat in ein autoritäres System unter Recep Tayyip Erdoğan.
„Die Verwandlung des Populistenführers von einer Witzfigur in einen furchteinflößenden Autokraten vollzieht sich meiner Erkenntnis nach in sieben Schritten, mit denen er die gesamte Gesellschaft seines Landes von Grund auf korrumpiert“, schreibt die Autorin. Und warnte damals schon, Trump war erstmals Präsident (2017-2021), Großbritannien hatte mehrheitlich für den Austritt aus der EU gestimmt, dass ähnliche Szenarien auch „dem Westen“ nicht erspart bleiben würden. „Ob Sie es glauben oder nicht – das was in der Türkei passiert ist, blüht Ihnen erst noch. Dieser politische Irrsinn ist ein globales Phänomen…“ – und das wurde vor sieben Jahren veröffentlicht.
Gründen Sie eine Bewegung / Zersetzen Sie das Vernunftprinzip und terrorisieren Sie die Sprache / Schaffen Sie das Schamgefühl ab: Im postfaktischen Zeitalter ist unmoralisches Verhalten gefragt / Demontieren Sie die rechtlichen und politischen Grundlagen / Entwerfen Sie Bürger nach Ihrem Geschmack / Sollen sie über das Grauen lachen! / Erschaffen Sie sich Ihr eigenes Land – heißen die einzelnen Schritte / Kapitel ihres Buches – Details unten in der Info-Box.
„So entsteht ein neuer Zeitgeist, ein historischer Trend, der die Banalität des Bösen (Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen von Hannah Arendt, Anm. der Redaktion) in das Böse der Banalität verwandelt.“
„Jin îyan, Azadî“ (Frau – Leben – Freiheit), die Demonstrations-Losung, die nach dem gewaltsamen Tod der kurdischen Iranerin Jîna Mahsa Amini 2022 weltweit bekannt wurde, war Samstagnachmittag (17. Jänner 2026) vielfach und lautstark am Wiener Stephansplatz zu hören. Eine andere der Losungen bei dieser Kundgebung „für Freiheit im Iran“ war: „Nieder mit der Diktatur!“ Und natürlich durfte der All-Time-Slogan-Hit „Hoch die internationale Solidarität!“ nicht fehlen.
Iranische Flaggen – ohne das vom Mullah-Regime eingeführte Hoheitszeichen in der Mitte bzw. ältere Versionen der Fahne -, und viele kurdische Flaggen hatten Teilnehmer:innen mitgebracht. Erinnert wurde dabei nicht nur an den oben erwähnten Tod der 23-Jährigen in der „Obhut“ uniformierter Kräfte, die sie bei einer Demonstration festgenommen hatten. Kurd:innen sind eine der Volksgruppen im Iran, die diskriminiert werden. Angesprochen wurde aber auch, dass die neue syrische Regierung ebenfalls Kurd:innen bekämpft. Ähnliches gilt für die Türkei. Wo die Kampfparole „Jin îyan, Azadî“ (Frau – Leben – Freiheit) schon jahrzehntelang erklingt. Dort wo linksdemokratische, kurden-affine Parteien – die müssen sich in der Türkei immer wieder neu gründe, weil das dortige autoritäre Regime Erdoğans sie häufig verbietet – bei Wahlen antreten, tun sie das übrigens stets mit einer gleichberechtigten Doppelspitze aus weiblichen und männlichen Kandidat:innen.
Zur Kundgebung – eine von vielen Aktionen in den vergangenen Tagen – und weitere folgen – aufgerufen hatten mehrere säkular-demokratische Gruppen. Sie klagen nicht nur das seit fast 50 Jahren herrschende Regime, sondern verlangen nach Demokratie und wenden sich auch gegen die vielfach ins Spiel gebrachte Wiederinstallierung des Kaiserhauses Pahlavi.
„In diesen schicksalhaften Augenblicken hat die Regierung der Islamischen Republik einen Massenmord unmenschlicher Natur begangen. Um ihre Repression fortzusetzen und das Ausmaß ihrer Verbrechen zu verschleiern, hat dieses Regime das Internet und den freien Informationsfluss gekappt, um die Stimmen der freiheitsliebenden und wehrlosen Menschen zum Schweigen zu bringen.
Wir, die iranischen säkularen Demokrat*innen in Österreich, stehen an der Seite aller freiheitsliebenden Kräfte, an der Seite der Protestierenden im Iran. Wir sind entschlossen, die Stimme der Menschen zu sein, die sich mutig der Tyrannei widersetzen. Lasst uns der Welt zeigen, dass das verbrecherische Regime im Iran illegitim ist.
Mit internationaler Solidarität kann unser Ruf nach Freiheit das Ende der Tyrannei und den Beginn von Freiheit, Demokratie und nationaler Souveränität einläuten und ein Licht in der Dunkelheit sein.“
Auf diese tödliche Aktualität hätte die Theatergruppe liebend gern verzichtet. So widmen „Die Fremden“ ihr jüngstes Stück „Fighting Dušman“ im Wiener Off-Theater den mutigen Menschen im Iran. Trotz massenmörderischer Schüsse des wankenden Systems der Ajatollahs gehen sie zu Zehntausenden auf die Straße. Protestieren nicht nur wegen der unleistbaren Preissteigerungen, sondern fordern immer wieder auch das Ende der Diktatur.
Und dennoch ist das aktuelle Stück, an dem die multikulturelle außerberufliche (früher Amateurtheater) Gruppe intensiv ein Jahr lang gearbeitet hat, nicht (nur) auf dieses Land, das derzeit im Fokus der Nachrichten steht, fokussiert. Die Story des rund 1½-stündigen Stücks richtet sich gegen jede Form undemokratischer Herrschaft. So tritt Herr Dušman (Markus Payer), der gern Länder annektieren bzw. Wahrheit oder Pflicht spielt samt Todesschüssen für unerwünschte Anworten, tritt in einer antiken Toga auf; mit Blumentopf als Krone auf dem Kopf. Lächerlich machen ist schließlich eine Form des Widerstandes. Frau Dušman (Sabrina Bee) ist mit einer Art Turban bestätigend an seiner Seite.
Das Wort steht sowohl in den BKS-Sprachen (Bosnisch, Kroatisch, Serbisch) als auch im Türkischen (Düşman) sowie auf Farsi / Persisch als Dashman) für Feind.
Alle Protagonist:innen treffen zu Beginn immer wieder auf einem Flachdach aufeinander – mit guter Aussicht ins gegenüberliegende Theater bis hinein zur Bühne. Die beiden Mädchen Elena (Rabia Alizada) und Pegah (Yasmin Navid) sind Vorkämpferinnen gegen das Regime; Letztere ein bisschen mutiger, erstere rät immer wieder zur Vorsicht.
Das Flachdach ist nicht nur Aussichts„warte“. In der Fantasie der hier aufeinander Treffenden mutiert es mitunter zum fliegenden Teppich oder zum Nest für Greifvögel.
Pegah landet eines Tages im Gefängnis, dessen Wärter Yuri (Garegin Gamazyan) lange Zeit nicht einmal mit ihr spricht, sie dafür aber immer wieder, wenn sie auch hinter Gittern sich nicht einschüchtern lässt, schlägt. Wobei die Schläge völlig kontaktlos gespielt werden, weit voneinander entfernt führt der Wärter Schlag-Bewegungen aus. Armbewegungen des einen und das Zusammenzucken samt Schreien der anderen reichen aus, um die Zuschauer:innen bis tief unter die Haut zu berühren.
Zeitsprung: 30 Jahre später, Elena und Pegah haben unterschiedliche Entwicklungen durchgemacht und sich weit voneinander entfernt, nachdem Erstere die Freundin, die sich bei ihr vor Verfolgung versteckte, weggeschickt hatte. Die ältere Pegah (Sofie Leplae) ist nach wie vor Widerständlerin – und jetzt im Gefängnis. Elena (Katerina Rumenova Jost) ist nun mit dem regimetreuen, speichelleckenden Theaterregisseur Andrej (Armen Abisoghomyan) verheiratet. Seine Sklavin trifft’s viel eher. Dass sie ab 5 Uhr früh in der Fabrik arbeitet, ist ihm egal, sie muss ihm sein Hemd richten, im Theater in der Garderobe einspringen, seine Texte korrigieren und noch der immer wieder anrufenden Tochter Miriam (Bojana Djogović) helfen und für die Star-Schauspielerin Olga (Vanda Sokolović) noch deren Lieblings-Bluse umschneidern, damit diese beim Treffen mit dem Präsidenten und seinen Freunden glänzen kann.
Vom Treffen mit den hohen Herren kommt Olga sehr zerstört wieder bei Elena an, die hohen Herren interessierte die Schauspielkunst nicht im Geringsten, sie dürften sich an der Künstlerin heftig „vergriffen“ haben. Elena hat mittlerweile in alten Sachen gekramt und einen Rucksack ihrer damaligen Freundin Pegah gefunden – mit Heften, in denen diese kritische Texte aufgeschrieben hatte – von den beiden damals Jugendlichen. Und nun einen neuen Text für den Monolog der Schauspielerin ergibt.
Und zum Wiedersehen (nicht nur) dieser beiden, sondern der einstigen Flachdach-Gemeinschaft führt – ein trotz der herrschenden Verhältnisse Mut machendes Symbol.
Übrigens: Die Requisiten – ob Leiter, Kübel, Holzböcke, gewellte Kunststoffwand oder Betonziegel – haben alle etwas mit den persönlichen, von den Mitwirkenden erzählten und ins Stück eingebrachten, Erlebnissen zu tun.
Und: Was ansatzweise in professionellen Theaterhäusern als relativ junge Errungenschaft eingebracht wird, spielt bei dieser 1992 von Dagmar Ransmayr gegründeten und seither geleiteten Gruppe „Die Fremden“ gegründeten Theatergruppe von Anfang an eine große Rolle: Verschiedene (Herkunfts-)Sprachen der Mitwirkenden sind – neben hauptsächlich auf Deutsch gespielt – zu hören; dieses Mal Armenisch, Bulgarisch, Farsi, Flämisch, Italienisch, Kroatisch und Slowakisch.
Die Leiterin führte auch bei „Fighting Dušman“, das sich gegen jede Version undemokratischer Herrschaft bzw. autoritäre Anwandlungen richtet, Regie, für die Choreografie – in einigen Szenen spielt sich Erzähltes fast wortlos in Tänzen ab – sorgte Garegin Gamazyan.
KiJuKU: du hast die Stückversion nach Robert Musils Roman vor rund 25 Jahren geschrieben und sie damals dann auch hier inszeniert. Was ist der wesentliche Unterschied deiner Herangehensweise von damals im Vergleich zu heute?
Thomas Birkmeir: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, wusste schon der englische Philosoph Thomas Hobbes. Dieses Thema wird immer wieder auf Bühnen dargestellt, aber es wird allzu leicht verdrängt. Die Gefahr ist, dass vieles weggewischt wird oder wie C.G. Jung (Schweizer Psychiater, Begründer der analytischen Psychologie, 187 – 1961, Anm. der Redaktion) sagt: Schau dir deine Schattenseiten an. So lange du nicht checkst, dass auch in dir eine Bestie steckt, bist du kein ganzer runder Mensch.
KiJuKU: Aber das gilt ja über alle Zeit hinweg…
Thomas Birkmeir: Ja, aber Törleß wird von vielen als Pubertäts- und Entwicklungsroman gesehen und ich weiß nicht, warum man Entwicklung mit Pubertät gleichsetzt, das ganze Leben ist eine Entwicklung – hoffentlich.
KiJuKU: Wobei Törleß hier ja schon fast so endet, er wird dann zum angepassten, nützlichen Teil der Gesellschaft…
Thomas Birkmeir: Das haben wir bei Büchner (Georg, Schriftsteller, Mediziner, Revolutionär, 1813 – 1837) geklaut: Die drei werden zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft.
Und Verwirrungen – auch das beschränkt sich nicht auf Pubertät. Wenn du dir die heutige Weltlage anschaust, sind doch die allermeisten verwirrt, ich selber bin es auch. Stichworte Trump Venezuela und Grönland, Putin Ukraine, China und Taiwan. Das Zusammenbrechen jeglicher halbwegs erarbeiteter Ordnung. Da kommt das Gefühl auf, Europa ist fast noch die letzte Bastion der Vernunft und Demokratie. Auch da bin ich schon vorsichtig.
KiJuKU: War dies der Grund für die Auswahl dieses Musil-Romans für eine Bühnenversion gerade jetzt, in dieser Saison?
Thomas Birkmeir: Ja, wir haben diese Spielzeit ja unter das Motto Antifaschismus gestellt. Wir hatten „Der überaus starke Willibald“ (Stückbesprechung unten am Ende verlinkt), haben jetzt den Törleß, dann „König Gilgamesch“ (Mitte Februar bis Mitte März) und „Er ist wieder da“ im April. Und dann spielten auch die Vorwürfe gegen meine Person mit in einer Art Selbstjustiz wirst du an den Pranger gestellt. Da laufen noch meine Klagen.
KiJuKU: Zurück zur ersten Frage: Was war der wesentliche Unterschied im Herangehen an die Inszenierungen vor einem Vierteljahrhundert und heute?
Thomas Birkmeir: Damals hab ich das viel mehr als Pubertätsdrama gesehen. Jetzt ist es die Frage, wie kann man sich gegen solche Menschen, die wie die Ajatollahs im Iran für die der Beineberg mit seinem religiösen Wahn steht oder Machtmenschen wie der Reiting und die Indifferenz vom Törleß, der genauso gefährlich ist wie die Täter, wehren. Solche Typen werden ja sogar in demokratischen Systemen gewählt, was bei Trump für die Hälfte der US-Amerikaner:innen gilt.
Was ist dieses Gewaltsame – auch ein ähnliches kolonialistisches Herangehen, siehe Grönland?! Nicht wenige meinen ja, vieles davon erinnere an die Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Und Musil hat seinen Roman ja nicht zuletzt geschrieben unter dem Eindruck dieser patriarchalen Gesellschaft, die später auch im Faschismus mündete. Wir haben als 16-Jährige in der Schule Klaus Theweleit „Männerphantasien“ gelesen, uns mit patriarchalem Verhalten auseinander gesetzt und wie solche Strukturen in den Faschismus geführt haben.
KiJuKU: Geht so etwas verloren?
Thomas Birkmeir: Du hast jetzt immer mehr das Gefühl, es gibt rundum kaum mehr Moralkodizes – und darum geht’s auch im Törleß-Stück. Es erzählen uns Lehrer:innen, dass Jugendliche sagen, warum soll ich mich moralisch verhalten, Herr Trump gebärdet sich unter anderem so, dass er eine Journalistin als Schwein beschimpft (Die Bloomberg-Reporterin Catherine Lucey hatte eine kritische Frage zu den Epstein-Akten gestellt und der US-Präsident sie mit „Quiet, piggy“ / „Sei still, Schweinchen“ angeherrscht).
KiJuKU: Noch eine Frage, die Musikauswahl für die jetzige Inszenierung war anders als vor 25 Jahren?
Thomas Birkmeir: Die war neu, das heißt deckungsgleich waren die Sones „Tears go by“.
Zur Stückbesprechung – samt Detailinofs, wer, wo bis wann spielt im ersten Link unten.
Ein bunter „Fallschirm“ wie er vor allem von Kinderfesten bekannt ist, wird von einigen, auch meist farbenfroh gekleideten, Menschen vor dem Seitentrakt des Burgtheaters aufgespannt. Kinder laufen drunter hin und her. Ein bemalter Regenschirm tanzt auf dem abwechselnd rauf und runter gezogenen bunten Tuch auf und ab. Viele Touris fotografieren und filmen die kleine Gruppe, nicht selten von anderer perspektive mit Blick auf den erleuchteten Christkindlmarkt vor dem Wiener Rathaus.
Hin und wieder, leider zu selten, rufen einige aus der Gruppe den Grund ihrer fröhlichen Aktion – mit ernstem Hintergrund: „Amerlinghaus muss bleiben!
Es geht um dieses unabhängige Kulturzentrum im nahegelegenen siebenten Bezirk, Wien-Neubau, für das die Stadt Wien die Subvention so stark kürzen will, dass es im Frühjahr 2026 mehr oder minder den Betreib einstellen müsste.
Wenige Tage zuvor, in der ersten Dezemberwoche, gab es eine Demo mit mehr als 500 Teilnehmer:innen für den Erhalt des Amerlinghauses als Kulturzentrum. „Mei Deitschkurs is net deppat!“, war wohl das kreativste der Protestplakate bei der Demonstration gegen die massive Subventionskürzung für das unabhängige Kulturzentrum Amerlinghaus in Wien-Neubau. Vor 50 Jahren durch die Besetzung des damals eher baufälligen Hauses überhaupt erst – so wie die anderen alten Häuser am „Spittelberg – heute längst als mustergültige Sanierung eines Viertels gefeiert.
Budgetnot ist überall. Daher sparen, sparen, sparen! Kürzen, kürzen, kürzen! Aber wo?
Nun, selbst in der Stadt Wien, die immer Wert darauflegt, sozial und kulturell zu sein, wird bei Beschäftigungsprojekten in der Suchthilfe, Deutschkursen, der Unterstützung für Menschen die aus Ländern flüchten mussten, in denen sie Gefahren ausgesetzt sind, aber dennoch kein Asyl bekommen haben, und vielem mehr der sprichwörtliche Rotstift zur Hand genommen.
Eines dieser Projekte, das bedroht ist: Das Amerlinghaus. Es bietet physisch und geistig Raum für Dutzende kulturelle, politische, soziale Initiativen und Vereine, viel Diskussionen, Deutschkurse, eine selbstverwaltete reformpädagogisch Kindergruppe und, und, und…
Erst Anfang Oktober wurde ein fast 300 Seiten starkes Buch mit 50 Kapiteln zur Geschichte, Philosophie, einzelnen Initiativen und Bewegungen, u.a. Frauenbewegung, Kampf um demokratische Mitbestimmung, Kinderrechte, zivilgesellschaftliches Engagement, solidarisches Zusammenleben, Diversität und vieles andere präsentiert – nicht zuletzt mit vorweihnachtlichen Keksen, entsprechend dem Buchtitel: „Spekulatius statt Spekulation!“ Einem der Sprüche, die irgendwann bei einer Aktion in den Anfangsjahren – wo es ja um die Rettung des gesamten Spittelbergs und seiner – heute längst geschätzten – renovierten alten Häuser ging, die vor einem halben Jahrhundert bedroht waren aus Spekulationsgründen alle abgerissen und durch – höhere – Neubauten ersetzt zu werden.
Bei dieser Buchpräsentation waren natürlich Finanzen auch ein Thema, weil das Kulturzentrum in den 50 Jahren seines Bestehens immer wieder darum kämpfen musste. Doch, so hieß es Anfang Oktober noch hoffnungsfroh, das Jahr 2026 wäre gesichert. Nun will die Stadt Wien die Unterstützung auf unter 150.000 Euro und damit rund die Hälfte der erforderlichen Mittel wie Energie, knappe Personalressourcen kürzen. Was übrigens wahrscheinlich sogar weniger ist als der zweite – ohne Ausschreibung – bestellte Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien, der ehemalige ÖVP-Wien-Chef Manfred Juraczka – kosten wird.
„Dass wir in einer Demokratie leben können, ist ein hart erkämpfter Glücksfall und eine Riesenchance. Das sollten wir niemals wieder aus der Hand geben. Deshalb gilt es, unsere Demokratie noch widerstandsfähiger zu machen und sie lebendiger, solidarischer und inklusiver zu gestalten!“ Dies schreibt Alexander Pollak, Sprecher der NGO (Nicht-Regierungs-Organisation), in einer Aussendung an Medien zum internationalen Tag der Demokratie am 15. September, den die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNO) seit 2007 begeht.
Viele sehen derzeit – so ziemlich weltweit – demokratische Entwicklungen in Gefahr. Selbst demokratisch gewählte Politiker:innen zeigen autoritäre Tendenzen und drängen Errungenschaften von Demokratie, Rechtsstaat und Gewaltentrennung zurück.
Konkret fordert SOS Mitmensch von der verantwortlichen Politik die bessere verfassungsrechtliche Absicherung der Unabhängigkeit der Justiz, die stärkere Förderung seriöser Medien, den aktiven Kampf für Verteilungsgerechtigkeit, den Schutz einer freien Zivilgesellschaft, den inklusiven Zugang hier lebender Menschen zu demokratischer Beteiligung, klare rote Linien gegen antidemokratische, rassistische, fundamentalistische und korrupte politische Kräfte sowie die stärkere Verankerung von neuen Formen der demokratischen Beteiligung, wie etwa Bürger:innenräten.
„Demokratie ist nicht perfekt und dennoch etwas Großartiges. Es ist die einzige Staatsform mit allgemeingültigen Freiheits- und Grundrechten, funktionierender Rechtsstaatlichkeit, vertrauenswürdigen Medien, einer freien Zivilgesellschaft sowie Schutz vor politischer, rassistischer oder religiöser Verfolgung. All das ist keine Selbstverständlichkeit und kein Selbstläufer, sondern Auftrag, für den Fortbestand und die Verbesserung der Demokratie zu kämpfen“, so SOS Mitmensch-Sprecher Pollak abschließend.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… veröffentlichte kürzlich eine Besprechung es Buches „Wer hat hier das Sagen?“, das umfangreich und doch leicht verständlich die unterschiedlichsten Staats- und Herrschaftsformen beschreibt – Link unten am Ende des Beitrages. Außerdem war und ist KiJuKU Teil des praktischen Demokratie-Lernens für Kinder in der Kinderstadt im Wiener Rathaus, wo 8- bis 13-Jährige unter anderem eine Tageszeitung gestalten – auch dazu.
Vor knapp mehr als einer Woche wurden Jugendliche beim weltweit wohl renommiertesten Preis für digitale Kunst, dem Prix Ars Electronica in Linz für ihre Web-Plattform SOMES (Social Media Frames) mit einer von zwei Auszeichnungen gewürdigt, überreicht vom Geschäftsführer des OeAD (Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung, vormals AuslandsDienst), Jakob Calice. Schon im Frühjahr hatten die Schüler damit im Bundesfinale von Jugend Innovativ den dritten Platz in der Kategorie ICT & Digital erreicht.
Damals hatte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… mit ihnen über ihr Projekt gesprochen und dies berichtet: „Politik – ein garstiges Geschäft, meinen viele. Nicht wenige in diesem aber entscheidenden Feld Tätige befördern dies durch ihr Agieren und / oder ihre Äußerungen. Was zu dem Phänomen führt, das „Politikverdrossenheit“ genannt wird, aber eher Politiker:innen-Verdrossenheit heißen müsste. Denn als der Schulsprecher der HTL Hollabrunn (Niederösterreich), Clemens Bauer, über seine Arbeit regelmäßig auf Social Media informierte, stiegen seine Zustimmungswerte enorm, berichtet er über die Anfänge des Projektes „Somes“ (Social Media Frames).
Gemeinsam mit den ebenfalls an Politik, insbesondere österreichischer Innenpolitik interessierten Mitschülern Tim Herbst, Florian Nagy und Lukas Zöhrer woll(t)en sie mit übersichtlicher, vereinfachter Darstellung von Fakten zum Beispiel über das Abstimmungsverhalten der 183 Abgeordneten im Nationalrat informieren statt polemisieren.
„Klar, auf der Homepage des Parlaments findest du viele Informationen, aber selbst wenn du – wie wir – interessiert bist, ist es schon seeeehr kompliziert“, meinen die Burschen und gaben auf dem Laptop an ihrem Stand den einen oder anderen Einblick in die übersichtlich gestaltete Website.“ Link weiter unten. Was sie natürlich in Linz im Rahmen der U19 – Create Your World-Ausstellung auf einem größeren Stand tun konnten. Und wo ersichtlich war / ist, dass am 11. Juli dieses Jahres – mit Ausnahme der Grün-Abgeordneten – alle anderen gegen die „Unterstützung der Demokratiebewegung in Serbien“ mit der Forderung nach einer „klaren Haltung der österreichischen Bundesregierung zu den jüngsten Entwicklungen“ gestimmt haben.
Mit einer üppigen quantitativen und qualitativen Bilanz über fast ein ¼ Jahrhundert seiner Direktions-Ära und dem Ausblick auf die letzte von ihm geleitete Spielzeit füllte Thomas Birkmeir die Medienkonferenz des Theaters der Jugend in Wien am Donnerstag um die Mittagszeit – neben dem Plakat mit dem Spruch „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit!“.
Die acht Stück dieser Saison in den beiden Häusern Renaissancetheater und Theater im Zentrum sind weiter unten kürzest – mit den Ankündigungsfotos und -bildern – vorgestellt. Leitgedanke von ihm und seinem Stellvertreter in der Funktion künstlerischer Leiter sowie Chefdramaturgen Gerald Maria Bauer: „Die Protagonist*innen dieser Spielzeit kämpfen darum, gehört zu werden, begeben sich auf die Suche nach dem eigenen Ich, entdecken die Kraft des Mutig-Seins, überwinden Diskriminierung und lernen Toleranz, übernehmen Verantwortung und erfahren Zivilcourage. Dabei bezwingen sie auch echte Ungeheuer und lassen selbst das kleinste Ökosystem zur großen Weltbühne werden!“
Neben der Vermittlung von Zivilcourage sei ein zweiter Pfeiler dieser, seiner letzten Saison, bei der Auswahl der Stücke antifaschistische Haltung gewesen, denn, so zitierte er den einstigen US-amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower (1953 bis 1961): „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“; ein Spruch der übrigens vielfach – fälschlicherweise Goethe zugeschrieben wird.
Trotz oder gerade wegen der ernsten Themen angesichts der Weltlage und der im Land werden etliche dieser Stücke vom Element Humor als Waffe durchzogen sein, so Birkmeir; der übrigens mehrfach auf seine Nachfolgerin Aslı Kışlal und deren Stellvertreterin Bérénice Hebenstreit verwies – und diese sich am Rande des Mediengesprächs gegenüber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… über die wohlwollende Aufnahme und vorbildliche Einarbeitungs- und Übergabezeit äußerte.
Nun recht verknappt die Eckpunkte aus der Bilanz der Ära Birkmeir: 194 Produktionen, davon 58 Uraufführungen, 26 österreichische Erstaufführungen, 18 deutschsprachige Erstaufführungen, 4 europäische Erstaufführungen.
Hinter diesen Zahlen stehen Menschen: Beinahe 1.600 Darsteller*innen und 1.200 Mitglieder der Produktionsteams.
Und auf der „anderen Seite“: Mehr als 828.000 Abonnent*innen, davon mehr als 650.000 Schüler*innen aus Volksschulen, Mittel- und Oberstufen. Dazu kommen 117.000 Jugendliche und fast 60.000 Städter*innen mit eigenen Abonnements. 2,78 Millionen Tickets für Eigenproduktionen und 3,12 Millionen Tickets für zugekaufte Vorstellungen (in anderen Theatern; Stand Juli 2025) – insgesamt werden – nach Ende dieser Saison – etwa 6,1 Millionen Besucher*innen in den beiden Spielstätten, (Renaissancetheater und Theater im Zentrum).
Stolz verwies der TdJ-Direktor auf zahlreiche Nestroy-Theaterpreis-Nominierungen und -Auszeichnungen, Preise beim Deutschen Musical Theater Preis, Broadway-World Austria Awards und viele weitere Ehrungen. Außerdem „wurden viele unserer am Theater der Jugend entwickelten Stücke von anderen Theatern im In- und Ausland nachgespielt – ein Zeichen dafür, dass unser Wirken weit über die Stadt- und Staatsgrenzen hinausstrahlt“.
Die Zahlen aus der vorigen Spielsaison präsentierte der kaufmännische Direktor Ronald Hora: 193.650 Besucher:innen, Auslastung: 95,59%, positives Betriebsergebnis – 160.000 Euro Überschuss, nunmehr 2,8 Millionen € Eigenkapital „auf der hohen Kante“; hoher Eigendeckungsgrad; über die vergangenen 24 Jahre im Schnitt an die 50 Prozent, wo andere Sprechtheater wenn’s hochkommt bei 20 bis 30 % liegen, manche sogar nur bei 8 Prozent.
Letztere Zahlen veranlassten Birkmeir dies sogar als „Schweinerei“ zu bezeichnen, dass die Subventionsgeber angesichts dieses hohen Eigendeckungsgrades nicht endlich den schon längst überfälligen Umbau des Publikumssaals im Renaissancetheater in Angriff zu nehmen. Schon in der Ära seines – erst vor wenigen Tagen verstorbenen – Vorgängers und Mentors Reinhard Urbach gab es dafür fix fertige Pläne und den Beginn – mit dem Umbau im Keller zu Proberäumlichkeiten.
Acht Neuproduktionen, darunter zwei Uraufführungen, inklusive einem Musical, einer österreichischen Erstaufführung und fünf Premieren stehen auf dem Programm von Birkmeirs und Bauers letzter Saison, allerdings mit dem Wermutstropfen, der auch in den vergangenen Tagen für alle Wiener Bühnen erschreckend niedrigen Quote von Frauen – keine Autorin, zwei Regisseurinnen.
Das Geheimnis der verzauberten Stimme
von Alan Ayckbourn / Deutsch von Inge Greiffenhagen
Regie: Nicole Claudia Weber
4. Oktober bis 16. November 2025
Ab 6 Jahren
Renaissancetheater
Der Junge mit dem längsten Schatten
von Finegan Kruckemeyer / Deutsch von Thomas Kruckemeyer
Regie: Gerald Maria Bauer
10. Oktober bis 14. Dezember 2025
Ab 11 Jahren
Theater im Zentrum
Der überaus starke Willibald
von Willi Fährmann
Bühnenfassung und Regie: Sebastian von Lagiewski
11. Dezember 2025 bis 25. Jänner 2026
Ab 6 Jahren
Renaissancetheater
Die Verwirrung des Zöglings Törleß
nach Robert Musil
Bühnenfassung und Regie: Thomas Birkmeir
10. Jänner bis 20. März 2026
Ab 13 Jahren
Theater im Zentrum
König Gilgamesch – das größte Abenteuer der Welt
Bühnenfassung und Regie: Michael Schachermaier
Vorstellungen von 18. Februar bis 15. März 2026
Ab 6 Jahren
Renaissancetheater
Er ist wieder da
von Timur Vermes
Bühnenfassung und Regie: Thomas Birkmeir
8. bis 29. April 2026
Ab 13 Jahren
Renaissancetheater
Wolf
von Saša Stanišić
Bühnenfassung und Regie: Claudia Waldherr
18. April bis 21. Juni 2026
Ab 11 Jahren
Theater im Zentrum
Die Wiese
Musical von Thomas Zaufke (Musik) und Peter Lund (Text)
Regie: Peter Lund
Vorstellungen von 19. Mai bis 21. Juni 2026
Ab 6 Jahren
Renaissancetheater
Was machst du vor der Wahl zur Klassensprecherin oder zum Klassensprecher, wenn du selbst kandidierst?
„Bereitest du eine überzeugende Rede vor?“ oder „bestichst du Schüler*innen, damit sie dir ihre Stimme geben?“ oder „mobilisierst du deine supermuskulöse Gang mit ihren Baseballschlägern und drohst den anderen Kandidat*innen, damit sie sich nicht zur Wahl stellen?“
Dies ist Frage vier – von acht – in einem humorvollen „Psycho-Test: Welche Art von Diktator*in bist du?“. Dieser findest sich im Anhang zu dem – großteils von Elīna Brasliņa gemäldeartig illustrierten umfangreichen, leicht lesbaren Sachbuch „Wer hat hier das Sagen? – Tauche ein in die Welt der Diktatoren, PräsidentInnen, Könge und Co.“, geschrieben von Caroline Stevan im französischen Original und auf Deutsch übersetzt von Silv Bannenberg.
In sieben Kapiteln beginnt das Buch bei der Frage, wie Macht entsteht, zieht einen historischen Bogen von ersten menschlichen Gruppen bis in die Gegenwart, beschreibt unterschiedliche Herrschaftsformen von Diktatur bis Demokratie, portraitiert mehr als ein Dutzend teils sehr bekannte, teils (zu) wenig bekannte „Anführer*innen“ ebenfalls aus Geschichte bis Gegenwart – aus allen Teilen der Welt – samt symbolischem Monitor von „eher demokratisch“ bis „autoritär“ und als drittes „dazwischen“.
Die Autorin, die für denselben Verlag (Helvetiq) auch schon ein Buch für „Kinder (und ihre Eltern“ zur Geschichte des Frauenwahlrechts verfasst hat – mit Bilder derselben Illustratorin wie das jetzt hier besprochene Buch – achtete natürlich auch darauf, hier nicht nur Männer, auch wenn die meistens Machtpositionen innehaben, zu portraitieren. Ein Kapitel widmet sie der Teilhabe von Frauen, Kindern, Ausländer*innen und Minderheiten an Wahlen in ihren Ländern. Und eines sogar der Frage, ob eine Welt ohne Anführer*innen möglich ist. Darin beschreibt sie – teils kurzzeitige – sehr gleichberechtigte Gemeinschaften wie etwa die selbstverwaltete Kindergemeinschaften in den von Janusz Korczak gegründeten und sogar unter den Bedingungen des Freiluft-Konzentrationslagers Warschauer Ghetto existierenden Waisenhäusern, aber auch das philippinische indigene Volk der Aeta – in isolierten Bergregionen der Insel Luzon, wo Frauen und Männer gleichermaßen jagen, sammeln, ernten… „Konflikte werden durch Gespräche gelöst, was auch mal länger dauern kann“.
Schließlich widmet das Buch ein Kapitel auch den Tieren – mit unterschiedlichen Entscheidungsritualen. „Bei den Bisons (Wildrinder) beispielsweise beginnt es damit, dass ein Tier seinen Kopf in eine Richtung dreht. Wenn es ihm zwei Drittel der Herde nachtun, setzen sich alle dorthin in Bewegung. Bei den Wildhunden, einer afrikanischen Hunderasse, gilt zehnmaliges Niesen als endgültige Entscheidung… Allerdings sind diese Verhaltensweisen weniger einem Willen zu Demokratie und Gleichberechtigung geschuldet als der Notwendigkeit, in der Gruppe zusammenzubleiben und als solche Raubtieren gegenüber sicher zu sein“, schlussfolgert die Autorin. Dennoch spannend und interessant, dass nicht, wie oft angenommen, im Tierreich immer die Größten, Stärksten und so weiter das „Sagen“ haben.
Zwar das ganze Jahr aktuell, vielleicht aber gerade passend rund eine Woche vor dem 15. September, der seit 2007 – nach einem Beschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNO) „internationale Tag der Demokratie“ ist. In Wien gibt’s dazu eine Reihe von Veranstaltungen, siehe einen der Links unten. Verlinkt sind auch Beiträge zur kürzlich – wie jedes Jahr in der vorletzten Sommerferienwoche (Ostösterreichs) – im Wiener Rathaus stattgefundenen Kinderstadt, wo die 8- bis 13-Jährigen täglich ihre Regierung wähl(t)en und Medien, unter anderem eine Tageszeitung, produzier(t)en.
politik-lernen.at -> tagderdemokratie
demokratiewebstatt – der Demokratiewerkstatt des österreichischen Parlaments
Wien hatte – eine Arbeitswoche lang – nicht nur ein neues, zusätzliches Ortsschild. Es lag noch dazu mitten in der Stadt. Im Arkadenhof des Rathauses und lautete Wienopolis. Regelmäßige Leser:innen dieser Seite wissen, so heißt nach 22 Jahren die Kinderstadt, vormals „Rein ins Rathaus“ – Bericht über Neuerungen in einem der Beiträge darüber und immer wieder in den vor Ort von Kindern befüllten Tageszeitung (alle gesammelt als Flip-Book zum Durchblättern ebenfalls am Ende hier verlinkt).
Und in dieser Kindestadt gibt es auch einen Hauptplatz für den am ersten Tag ein Name gesucht, aus den sechs Vorschlägen am zweiten Tag abgestimmt wurde. Der heißt, bzw. hieß – am Freitag ging Wienopolis 2025 zu Ende, aber 2026 findet’s wieder statt: City Square – mit verschiedenen, bunten, handgemalten Schildern.
Zu Ende ging die Kinderstadt in diesem Jahr übrigens nicht wie all die Jahre zuvor mit dem berühmten „Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon zu spät“ und dem sogenannten „Pferderennspiel“, einem gemeinsamen Kreisspiel, sondern mit einer Party mit Disco-Tänzen und angehaucht akrobatischen Bewegungsspielen – samt dem verkleideten Holli, dem Maskottchen des Wiener Ferienspiels.
Aber schon viele Stunden davor lieferten einige Kinder eine akrobatische Bühnen-Show samt mitreißender Moderation. Sowohl zur Party als auch zur Bühnenshow kurze Videos unten verlinkt.
Auf dem Nachhause-Weg von Wienopolis bei Wien Mitte auf das Landstraßenfest getroffen – und siehe da: Auch hier gibt’s ein neues Platz-Schild, benannt nach dem aktuellen Bezirksvorsteher. Seltsam, üblicherweise werden Plätze oder Straßen nur nach toten Personen benannt.
Damit mehr Jobs für die Kinderstadt zur Verfügung stehen, wurde die Höchst-Arbeitszeit in Wienopolis am Donnerstag auf zwei Stunden begrenzt. Der Regen führte auch dazu, dass beispielsweise das Smoothie-Rad verlegt werden musste – in den Teil des Arkadenhofes im Wiener Rathaus, der mit einem Faltdach geschützt wird.
Und: Am Donnerstag gewann Lino zum vierten Mal – und damit jeden bisherigen Tag – den Autoreifen-Wechsel-Wettbewerb der Wiener Linien. 82 Sekunden brauchte er beim ersten, 50 beim zweiten, 48 beim dritten und nun gar nur mehr 40 Sekunden beim vierten Mal.
Der 12-Jährige ließ sich danach sogar im Wellness-Bereich ein recht großes Tattoo der Wiener Linien auf die linke Wange malen. Vier Muttern müssen aufgeschraubt, der Reifen von der Wagenachse gehoben werden. Er muss den Boden berühren und danach wieder befestigt werden. Die 40 Sekunden sind auch für die Profis von den Wiener Linien eine Herausforderung.
Motivation, um täglich einen neuen Rekord aufzustellen, sei für ihn gewesen, damit in die Zeitung zu kommen, gesteht der Schnell-Schrauber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Diese Internetplattform betreut auch di Station der Kinderstadt-Zeitung, die täglich erscheint.
In der Station der Wiener Linien in der Nähe des Verkehrsgartens in einem großen Raum bei den Arkadenhof-Gängen liegen auch Schienen – ein Stück U-Bahn- sowie ein Stück Straßenbahn-Gleise neben der Vorrichtung, in der eine Wagen-Achse mit zwei Autoreifen hängt. Eine weitere Aktivität hier ist eine Metallkiste mit verschieden großen und dicken Schrauben und Muttern. Der Deckel mit Scharnier gehoben, reinschauen dürfen, Deckel zu und über ein Loch in der Seitenwand müssen dann mit einer Hand nur mit Greifen ohne zu sehen die richtigen Muttern auf die fixierten Schrauben bzw. andere Schrauben in die Löchter gedreht werden. Das findet die neunjährige Asil, die KiJuKU dabei fotografieren darf – und wo für Fotos ausnahmsweise der Deckel wieder aufgemacht wird – „sehr cool“.
Zuvor hatte sie schon eine Fixierung bei einer Koppelung von U-Bahn-Waggons (die älteren, „Silberpfeile“ genannt) gelockert und wieder festgezogen.
Mit Feuereifer, hin und wieder angestrengter Mine aber voller Lust lockern und fixieren wiederum Nora (9), Carolin (8) und Felix (ebenfalls 8) Muttern bei den beiden Gleisstücken mit Hilfe von langen „Ratschen“, die damit eine größere Hebelwirkung erzielen. „Schön und lustig“, sagen die beiden Mädchen zwischendurch auf die Frag, wie sie den doch großen körperlichen Einsatz hier finden. Dabei sind solche Aktivitäten für die beiden neu. Felix hat zwar Zugang zu einer Werkstatt, „aber da fehlt immer was, Schrauben oder Holz“.
Mit mindestens ebenso viel Freude betreuen Jessi, Owen, Valentino, Adelisa, Vesna, Daniel, Markus, Raphael, Eray, Lilly, Bojana und Noel diese technischen Stationen. Sie alle sind Lehrlinge im ersten oder zweiten Jahr ihrer Ausbildungen in Gleisbau, KFZ-Mechanik. Einige Lehrlings-Ausbildner:innen helfen ebenfalls mit. Wobei etwa Anna Grbić schon ein Jahr nach dem Abschluss ihrer Lehre bereits jüngere Kolleg:innen ausbildet. „Ich hab in der 6. Klasse das Gymnasium abgebrochen, mich im Internet nach einer Lehre umgeschaut, ich wollte irgendwas Handfestes tun. Zuerst wollte ich Betontechnik machen, aber da war keine Stelle frei, dann hab ich Gleisbau gelernt.“ Und sie lächelt strahlend bei der Schilderung, wie ihr das taugt.
„Ich bin eine Nachteule“, verrät Jessi dem Reporter, warum sie sich für die Lehre als Gleisbauabeiterin beworben hat. „Ich bin in der Nacht gern draußen und kann nicht ruhig sitzen.“ Die Arbeit mit den Kindern hier – sie ist wie andere ihrer Kolleg:innen schon das zweite Jahr in der Kinderstadt – „mag ich sehr, mir gefällt, wie sie sich für diese handwerklichen, doch anstrengenden Tätigkeiten begeistern“.
Von allen Ecken und Enden tauchte am Mittwoch, dem dritten Tag der Kinderstadt im Wiener Rathaus (Wienopolis, neuer Name 2025), die Forderung nach Bio-Tonnen auf. In der Stadt achten die Kinder, die bei der der Station Müllabfuhr arbeiten, auf Mülltrennung. Ein Junge lief sogar mit einem selbstgeschriebenen Plakat und der Forderung nach einer Bio-Tonne durch die Stadt. In der Redaktion der Tageszeitung verfassten drei Jung-Reporter Beiträge dazu. Einer befragt die Station, weil es so schien, als gäbe es doch schon eine. Die sei aber nur für Küchenabfälle, womit sich die 48er nicht zufrieden zeigt.
Preise in der Gastro und im Shop bzw. auch für Veranstaltungs-Tickets waren auch ein mehrfach für die Tagezeitung – Link zu einem Durchblätter-PDF der Ausgabe unten am Ende des Beitrages – beschriebenes Problem; Popcorn sei sogar teurer als Pizza, klagte ein Reporter.
Da mancherorts sogar Wasser verkauft wurde, beschloss die Bürger:innen-Versammlung – Regierung und alle interessierten Kinder von Wienopolis ein Gesetz: Wasser muss gratis sein!
Beschlossen wurde außerdem, dass ab Donnerstag jedes Kind zu den 3 Holli-Cent Startgeld zusätzlich einen Holli-Cent bekommt.
Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, verabschiedeten die Versammlungs-Teilnehmer:innen auch noch, dass Rad- und Scooter-fahren nur mehr im Bereich des Verkehrsgartens erlaubt ist und nicht im ganzen Hof oder gar in der Halle.
Der Mittwoch war – traditionell – auch vom Besuch des Bürgermeisters von ganz Wien gekennzeichnet. Eine Runde von Jung-Reporter:innen pilgert immer in dessen Büro, stellt dort Fragen, wird auch von Reporter:innen erwachsener Medien dabei gefilmt, fotografiert und interviewt. Und anschließend kommt das Stadt-Oberhaupt in die Kinderstadt. Hier wurde er von der amtierenden Wienopolis-Bürgermeisterin Theresa begleitet. Für den KiJuKU-Fotografen ging er sogar in die Knie, um halbwegs auf Augenhöhe zu sein.
Auf die Frage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, wann es endlich auch in der Stadt Wien eine Bürgermeisterin gäbe, meinte er spontan: „Na, jederzeit!“
Die Nachfrage, ob seine Partei beim nächsten Mal eine Frau an die Spitze stelle? „Jetzt bin ich ja erst vor ein paar Wochen gewählt worden, bis zur nächsten Wahl ist noch viel Zeit!“
Die Kinderstadt bietet im Arkadenhof etliches an Bewegungsmöglichkeiten an, unter anderem können Smoothies er-radelt werden. Das Stand-Rad kurbelt einen Obstmixer an!
Ach ja, wie überall, schwirren auch in der Kinderstadt alle möglichen Gerüchte umher, von Skandalen ist hin und wieder in Gesprächen und sogar in anonymen Infos an die Medien die Rede und Schreibe. Die Kinderstadtzeitung – von KiJuKU betrieben – geht damit um, wie immer: Gerüchte selbst werden nie veröffentlicht. Wenn sich eine Jungreporterin oder ein -reporter findet, der recherchiert und der jeweiligen Sache auf den Grund geht, kann daraus natürlich ein Beitrag werden – mit dem was sich als echt erweist – oder auch als Lüge entlarvt wird.
Das war’s vorerst für heute, Fortsetzungen folgen!
Aufruf, das Wahlrecht zu nutzen, das alle Bürgerinnen und Bürger der Kinderstadt im Rathaus haben – zierten titel- und letzte Seite der zweiten Ausgabe der Kinderstadt-Tageszeitung. Drei Kinder – 10 bis 12 Jahren schrieben den „Aufmacher“, wie Zeitungen ihre Schlagzeile und Hauptgeschichte nennen dazu. Sie argumentierten das wichtige Recht, über die Politik der Kinderstadt – täglich wird eine neue Regierung gewählt – mitzubestimmen.
Ansonsten kursierten Gerüchte, die Stadt würde bankrott gehen, weil die Arbeitszeit verkürzt bei gleichem Lohn und außerdem am ersten Tag beschlossen wurde, das bei der Bank angelegte Geld werde verzinst. Diese Zinsen von 2 Holli-Cent (Währung der Kinderstadt, die seit heuer „Wienopolis“ statt wie bisher „Rein ins Rathaus“ heißt) wurden bei der Bürger:innen-Versammlung am Dienstag auf Vorschlag der gewählten Regierung auf die Hälfte, also ein Holli Cent gesenkt. An der Bürger:innen-Versammlung können alle interessierten Kinder ihrer eigenen Stadt teilnehmen.
Großes Ärgernis für viele Kinder ist, dass viele Eltern oder andere Erwachsene die Kinderstadt immer wieder überlaufen und sich nicht in dem für sie vorgesehenen eigenen „Elterngarten“ im Arkadenhof aufhalten. Darüber verfassten mehrere Jung-Journalist:innen Beiträge für die Zeitung. Und die beiden 12-jährigen Emma und Chiara präsentierten ein wunderschön gebasteltes buntes Schild „Keine Eltern“. Was allerdings auch noch nicht die erwünschte Wirkung zeigte. Dabei gibt es ab heuer die Regel, dass Erwachsene ein Visum brauchen – und dieses ist nur eine halbe Stunde gültig!
Vielleicht sollte sich wer in der Kinderstadt überlegen, die achtjährige Hannah durchgehen zu lassen und darauf hinzuweisen. Sie schaffte es mit ihrer kräftigen Stimme mitten in der doch von einem gewissen Lärmpegel erfüllten Volkshalle vielfach lauauauautstark auf ein Bingo-Spiel am Nachmittag (siehe und höre Video am Ende des Beitrages!) hinzuweisen! 😉
Am Montag ging’s dann, mit wenigen Minuten Verspätung, knapp nach 10 Uhr endlich los. Viele Kinder hatten sich schon für die diesjährige Kinderstadt im Wiener Rathaus angelmeldet. Und jene, die schon in Vorjahren da waren, hatten gleich beim Empfang des Startgeldes gemerkt, die Scheine schauen neue aus.
In der Start-, oder Willkommens-Zeitung konnten sie in der Wartezeit auch die wichtigsten der Neuerungen lesen und sehen. Aus der im Vorjahr am Freitag, dem letzten Tag, gewählten Kinderstadt-Regierung waren sieben der damals gewählten acht Kinder gekommen, um ihre Ämter bis zur neuen Wahl Montagnachmittag auszuüben.
Verstärkt wurden Zara, Hannah, Leander, Mia, Luan, Charlotte und Mauro durch zwei Kinder aus der Planungswerkstatt. Mamadou und Nicolas hatten gemeinsam mit rund fünf Dutzend anderen Kindern diese Neuerungen mitbeschlossen. Die beiden zeigen sich mit dem dabei gewählten Namen Wienopolis alles andere als glücklich, verraten sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Aber es war eben die Mehrheit dafür“, räumen sie ein – und zeigen für die Kameras alte und neue Holli-Cent-Scheine – eine weitere der Änderungen. „Da haben wir alle Entwürfe gezeichnet und aus allen dann sind dann die neuen Geldscheine entstanden.“
„Und die Hinweis- und Wegweiser-Schilder haben wir auch alle in der Planungswerkstatt geschrieben“ – gut sichtbare mit großen Buchstaben handgemalte Kartons.
KiJuKU darf auch wieder die Zeitungs-Station betreuen, bei der Kinder Beiträge verfassen, die am Ende, in der Nacht zur nächsten Tageszeitungs-Ausgabe ausgedruckt werden – die am ersten Tag entstandene achtseitige Zeitung ist unten am Ende des Beitrages zum Durchblättern als PDF zu lesen.
Unter anderem gibt es Artikel über die Wichtigkeit der Arbeit von Müll-Sammler:innen, die sich auch um die Trennung in Papier-, Rest- und Plastikmüll kümmern. Zwei, die diesen Job ausübten, Annika und Rafael waren auch bei der Redaktion unterwegs und wurden da natürlich auch gleich befragt. „Hier in der Kinderstadt ist’s eh nicht so arg wie auf den Straßen, aber ich finde es wichtig, den Müll aufzuheben – dafür gibt es Greifarme an Stangen – und auch richtig zu trennen“, findet Annika viel Sinn in ihrer Arbeit. Ihr Kollege meint hingegen: „Ich mach einfach so mit!“
In eine auch wichtige Arbeit stürzte sich der achtjährige Oliver. Kaum ist er erkennbar, „verkleidet“ in Schutzmantel, Überzieher über die Schuhe und dünne Kunststoff-handschuhe. „Ich bin Hygiene-Kontrollor“, erklärt er seinen Job und zeigt wie er unter anderem im Gasthaus mit einem Messgerät die Temperatur von Lebensmitteln in Kühlschränken aber auch Obst auf den Anrichte-Tischen. „Stimmt alles, aber es ist gut, dass es kontrolliert wird“, sagt er genauso ernst wie er seine Kontrollen verrichtet.
Spannendes Detail am Rande der Wahl: Luan wurde mit den meisten Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Und das obwohl seine Wahlwerbung irgendwie verloren gegangen ist und der darüber klarerweise sehr traurig war, weil viele seiner Konkurrent*innen ziemlich viel an Werbemitteln unter die Bürger:innen brachten!
Übrigens wurde gleich am ersten Tag beschlossen, dass die Mindestarbeitszeit von einer halben Stunde halbiert wurde. Für die ¼ Stunde gibt es den gleichen Lohn wie davor fürs Doppelte: 3 Holli-Cent, einer davon wird als Steuer vom Finanzamt abgezogen, also zwei Holli-Cent. Die Änderung baut auf einer Umfrage des Statistik-Amtes auf, wonach eine relative Mehrheit mit den Löhnen unzufrieden waren.
Traditionell regieren Kinder seit mehr als 20 Jahren (Start war 2003) im Wiener Rathaus in der Volkshalle und einem Teil des Arkadenhofes. Dieser wird heuer noch größer. Hier üben sie alle Jobs aus, kandidieren für die tägliche Wahl, bei der Bürgermeister oder Bürgermeisterin und Stadträt:innen gekürt werden.
„Rein ins Rathaus“ hieß dieses Demokratie- und Wirtschafts-Rollenspiel bis zum Vorjahr, für 2025 gibt’s einige Änderungen. Rund fünf Dutzend Kinder haben ab Herbst des Vorjahres an Neuerungen getüftelt. Das nach außen auffälligste: Der Name ist neu, die Kinderstadt heißt nun Wienopolis. Die Holli-Cent-Scheine – die Währung der Kinderstadt – wurden neu gestaltet und es gibt nun auch einen 2-Holli-Cent-Schein.
Für altes Geld – Kinder, die schon in früheren Jahren bei „Rein ins Rathaus“ waren – gibt es einen Wechselkurs 3:1, maximal 30 alte für 10 neue HolliCent; wer mehr hat, kann es auf ein Bankkonto legen, mit begrenzter Abhebung – 30 HolliCent pro Tag, sozusagen eine Art Reichen-Steuer.
Um kandidieren zu können, mussten Kinder bis voriges Jahr Ehrenbürger:innen werden; die Voraussetzung dafür: in drei verschiedenen Jobs gearbeitet und zwei Studien absolviert zu haben.
Dies wurde auch geändert – von den schon genannten rund 60 Kindern in insgesamt sieben Workshops seit Oktober 2024: Wer nun kandidieren will, brauch zwei Ausbildungen – als Stadtkenner:innen sowie zur Streitschlichtung. Überhaupt gibt es nun mehr Ausbildungen, aber auch mehr Kulinarisches im Gasthaus, ebenfalls mehr an Veranstaltungen.
Damit die Kinderstadt noch mehr in Kinderhänden liegt, wurden – wie auch in anderen Kinderstädten – die Besuchszeit von Erwachsenen begrenzt: Ein Visum, auf eine halbe Stunde begrenzt. Dafür gibt es für sie einen „Elterngarten“: Bereich mit WLAN und Kaffee im Arkadenhof.
Andere Erwachsene, die die Stationen betreuen und Kinder bei ihren Aktivitäten unterstützen, haben Mitte dieser Woche alle Stationen aufgebaut; Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… betreut – wie schon in den Vorjahren und davor als Kinder-KURIER – die Kinderstadt-Tageszeitung. Und hat wie auch seit vielen Jahren die Willkommens-Ausgabe mit Stadtplan, Verfassung und wichtigsten Neuerungen als Basis-Information gestaltet – Link zu dieser Ausgabe unten.
Sind es bei Janosch kleiner Tiger und kleiner Bär, so bevölkert Jörg Mühle, der auch viele Bücher anderer Autor:innen illustriert, einige seiner Bücher, für die er auch die Geschichte erfindet und schreibt, mit großem Bär und kleinem Wiesel sowie oft auch Dachs und Fuchs.
Wie schon bei seinem „Zwei für mich, einer für dich“, drehen sich die Szenen der Doppelseiten um Streits zwischen den Hauptfiguren wie sie im (nicht nur) kindlichen Alltag recht häufig vorkommen.
Geht’s beim zuletzt genannten Bilderbuch ums Teilen, wie und was gerecht ist oder sein könnte, so beim hier vorgestellten darum, wer bestimmen darf. Zu Beginn kommt Wiesel nach Hause, Dachs ist zu Besuch und spielt mit dem Bären, der von Wiesel gerne hätte, dass dieses etwas kocht.
Das tut Wiesel – aber ganz anders, vor Wut. „Der Dachs ist mein Freund! Du darfst nicht einfach mit ihm spielen!“
„Der Dachs gehört dir nicht. Du kannst morgen mit ihm spielen“, kontert Bär.
Sozusagen zwischen den Stühlen hat der Dachs eine zündende, verbindende Idee: Spiel zu dritt.
Und schon hat Wiesel einen Vorschlag: „Vatermutterkind!“ Selbst will es Mutter sein, Dachs kriegt die Vaterrolle und zu Bär gewandt: „Du wärst das Kind… und müsstest jetzt ins Bett!“
So hatte sich Bär das gar nicht vorgestellt. Wie aus dieser Nummer rauskommen? Dem Autor und Illustrator sind ganz schön viele Wendungen eingefallen – aber die seien hier natürlich nicht verraten…
Macht Spaß sie zu sehen und lesen – oder vorgelesen zu bekommen; und vielleicht mit Freund:innen, Eltern, (Elementar-)Pädagog:innen zu diskutieren, möglicherweise auch heftig, wer, wann, worüber bestimmen darf. Da Jörg Mühle scheinbar kleine und doch so große, nicht selten schmerzhafte Konflikte für junge Seelen – in einfachen Worten und szenischen gezeichneten Bildern darstellt, die immer wieder auch mögliche Auswege andeuten, aber nie belehrend und fix was vorgeben, regen sie an, selber zu sinnieren, was würde ich jetzt tun, oder gar, wie könnten wir gemeinsam aus dem Schlamassel raus?
„Es sollte in der Schule, aber nicht nur dort, Automaten mit gesundem Essen wie Obst und Gemüse geben und weniger mit süßen Sachen“, sagten Kinder der Offenen Volksschule Wagramer Straße am Rande des Kinder- und Jugendparlaments, das nach mehrmonatiger Tätigkeit am Donnerstag (10. April 2025) zu Ende ging. Unter anderem hatten sich diese Volksschüler:innen mit Gesundheit beschäftigt.
In neun Themenbereichen erarbeiteten rund 300 Kinder und Jugendliche aus Wiener Schulen ihre Forderungen – Fotos der Plakate mit den Ergebnissen weiter unten in einer Bilder-Galerie.
Der Abschluss mit der Übergabe des in den vergangenen Monaten erarbeiteten Forderungskatalogs von Kindern und Jugendlichen war sehr interaktiv gestaltet. Im Wappensaal standen Karton-Würfel und anderen Elemente neben einer großen weißen Fläche auf dem Boden, in Boxen warteten vor allem bunter Filz als Material für Blumen und Bäume darauf, etappenweise zu einer Wunsch-Stadt verbaut zu werden. Dazu gehörte auch ein „lost place“, eine alte leerstehende Fabrik-Halle.
Ein Jugendlicher benannte ein Hochhaus „Ministerium für alles“ – was den Reporter an eine wahre Anekdote erinnerte: Vor vielen Jahren meinte ein Ministerialrat im Bildungsministerium, das immer wieder unter anderen Bezeichnungen firmiert und damals „Bundesministerium für Unterricht, Kunst und kulturelle Angelegenheiten“ betitelt wurde: „Nennen wir es doch einfach Ministerium für Angelegenheiten, dann müssen wir es nie mehr umbenennen!“
Gleich daneben lag eine schwarze Folie, auf der Kinder bzw. Jugendliche aus großen Spritzen mit weißem „Pulver“ ihre wichtigsten Anliegen schreiben konnten. Das „Pulver“ war Salz, die Aktion nannte sich „Salz der Demokratie!“
Im Raum mit Bewegungsspielen konnten Gruppen gemeinsam nur mit Hilfe von vernetzten Seilen einen Turm aus hölzernen Klötzen bauen – das lässt sich dabei eben nur miteinander schaffen! Wie vieles andere der Wünsche und Forderungen auch, die am Ende Vizebürgermeisterin und u.a. Bildungsstadträtin Bettina Emmerling und Gesundheits- und Sportstadtrat Peter Hacker übergeben wurden. Die versprachen, dass diese Ergebnisse in die nächste Kinder- und Jugend-Strategie der Stadt Wien einfließen werden.
Da die Delegierten des Kinder- und Jugendparlaments nur zu einem der Themen gearbeitet hatten, konnten sie nun die Forderungen auch aller anderen Ausschüsse lesen und dazu ihre Gedanken äußern.
„In der Schule sollten mehr die Stärken gefördert werden, statt immer nur die Schwächen hervorzuheben“, lautete die erste Antwort auf die Frage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… an eine Runde von Gymnasiast:innen aus einer vierten Klasse in der Bernoullistraße. „Und es wäre sehr schön, wenn wir mehr bei der Gestaltung vom Unterricht mitreden können“, nannte eine Mitschülerin eine weitere Forderung. „Einige Lehrer:innen sind dafür schon offen, aber leider bei Weitem nicht alle.“
Da wollte der Reporter vor allem – nicht zuletzt im Sinne des Schüler:innen-Wunsches Stärken zu fördern – wissen, ob und welche positiven Beispiele es dafür gibt.
„Wir haben in einer Stunde Stadt – Land – Fluss gespielt“, tönte es aus der Runde. Sicher lustvoller als andere Test-Formen. „In Chemie haben wir vorgeschlagen ein Experiment vorgeschlagen, Lipgloss herzustellen“, kam ein weiters Beispiel. „Und in Kunst und Gestaltung (früher BE – Bildnerische Erziehung) haben wir gelernt Podcasts zu erstellen!“ Das dürfte so spannend gewesen sein, dass die Runde nun ins Schwärmen und Schildern kommt. Beispielsweise, so erzählen sie, hat ein Mitschüler vor der Nationalratswahl im Herbst Politiker eingeladen, „die wir dann interviewen durften“.
Dieses Gespräch darüber mit dem Journalisten war so anregend, dass Ilya, Malek, Tobias und Mario sich gleich zu einer eigenen interviewrunde zusammensetzten für einen Teil eines Podcasts über das eben stattfindende Kinder- und Jugendparlament. Tobias, der davor schon Videos am Computer geschnitten hatte, und ein Mitschüler machten sich auf, um noch weitere der jungen und jüngsten Abgeordneten vor das Smartphone-Mikro zu holen.
Mehr Indoor-Spielplätze, aber auch mehr Möglichkeiten für verschiedene Ballsportarten draußen wünschen sich Schüler:innen der MSi (Mittelschule mit Informatik-Schwerpunkt) in der Leopoldstädter Feuerbachstraße im kurzen Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
Einige Jugendliche waren nicht mit ihrer Klasse gekommen – Vier Mädchen aus dem Gymnasium Geringergasse (Simmering) und der VBS Schönborngasse waren schon im Bericht im Februar auf KiJuKU.at vorgekommen (Warisha, Anna, Shivani und Nepheli) – und natürlich auch dieses Mal dabei. Stärkung von Frauenrechten, aber auch anderen diskriminierten Gruppen sind ihr wichtigstes Anliegen. So lange es noch keine verwirklichte Gleichberechtigung gibt, brauche es Quoten in Unternehmen – für Frauen, aber auch für Menschen mit Behinderung. Möglichst früh in Schule und Kindergarten solle es Präventions-Workshops geben, um die Entstehung von Gewalt zu verhindern. Einerseits brauche es mehr Frauenhäuser, aber viel eher müssten Gewalttäter zum Beispiel mit Fußfessel daran gehindert werden, in die vorigen gemeinsamen Wohnungen zurückzukommen. Und es sollten schon möglichst früh Kinder aufgeklärt werden, dass die Menschen vielfältig sind und Diversität – auch was Geschlechter und Sexualitäten betrifft – normal ist.
… alle sind in den Fotos der Plakate in der Bilder-Galerie zu sehen, einige – aus den verschiedenen Themenbereichen – seien hier aber auch noch aufgeführt: Ausreichende und leistbare Psychotherapie, kinderfreundliche(re) Krankenhäuser und ärztliche Praxen, mehr Fitness-Stationen im öffentlichen Raum, mehr Infos über gesunde Ernährung, mehr konsumfreie Aufenthaltsräume, mehr öffentliche Klos, mehr autofreie Bereiche, SOS- Knöpfe und Notrufstellen – wie in U-Bahn-Stationen auch auf öffentlichen Plätzen und in Parks, mehr junge Menschen in Entscheidungspositionen, TikTok nicht verbieten – diese und andere Social-Media-Plattformen haben große Bedeutung für junge Menschen -, aber „mehr Schutz und Sicherheit im digitalen Raum“ und „eine sichere Online-Plattform für Kinder“ sowie „mehr freizugängliches Internet in der Stadt“, Senkung der Lebenshaltungskosten, mehr Kindegeld für Familien, die es brauchen, Vermögens- und Erbschaftssteuern, mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Arbeitsplätze und praktikumsstellen für Jugendliche in den Ferien, Praktika müssen bezahlt werden…
In der Vor-Euro-Zeit zierte ihr Porträt von 1966 bis 1997 den 1000-Schilling-Schein (umgerechnet 72,67 €): Bertha von Suttner, erste Friedens-Nobelpreisträgerin 1905, Journalistin und Schriftstellerin, berühmt geworden nicht zuletzt für den Roman „Die Waffen nieder“ dessen Titel sich als Losung verselbstständigte (1889 veröffentlicht) in dem sie unter anderem die grausamen Folgen von Krieg drastisch schilderte.
Die in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts geborene fiktive Fine sitzt an ihrem Laptop und versucht an ihrer Dissertation über diese berühmte Friedenskämpferin zu schreiben. Auf dem Tisch daneben einige Bücher Suttners. So beginnt das 1½-stündige Stück „Bertha von Suttner. Ein Traum von Krieg und Frieden“ des „Lichtzeit.Ensembles“ (Text und Regie: Paula Kühn) im Linzer Theater Phönix – im kleineren Raum auf dem Balkon.
Irgendwie kommt die „Studentin“ nicht weiter. Ihr Freund Sami will zum Militär. Nein, er sei nicht kriegslüstern, argumentiert er. Aber die aktuelle neue geopolitische Lage samt Bedrohungen der Werte wie Freiheit und Demokratie erfordere die Bereitschaft, diese auch zu verteidigen, zur Not auch mit militärischen Mitteln. Irgendwann fällt auch der Name des überfallenen Landes „Ukraine“.
Das blockiert Fine. Konsequent Kriege und Waffen ablehnen und dann sch… der eigene Lebensgefährt auf dieses Konzept. Und ist seine Argumentation nicht ganz so von der Hand zu weisen? Fine pendelt zwischen Zweifel und konsequentem Festhalten an ihrer Überzeugung. Doch passt diese noch in die radikal, ja extrem veränderte Zeit bzw. Weltenlage?
Da taucht Nergal auf, so etwas wie ihre innere Stimme, die immer wieder zu von ihr geäußerten oder auch nur gehegten Gedanken den Widerpart spielt. In dieser Anfangs-Sequenz führt er sie „zurück, an den Anfang“ und mit Hilfe eines äußerlich einfachen Tricks – Jacke weg, geblümtes Schaltuch her – verwandelt sich Stefanie Altenhofer von Fine in Bertha von Suttner. Und spielt so einige der Lebensstationen jener Bertha durch, die ihrer Zeit auch in Sachen eigenständiger Frau weit voraus war: Trotz eigener Heiratssehnsucht, zog sie Unabhängigkeit einer untergeordnete Rolle in einer Ehe vor. Von zweifelnd über betrübt, kämpferisch, wütend bis zu glücklich in ihrer nun erfüllten gleichberechtigten Liebe mit Arthur Suttner lässt Altenhofer jede der unterschiedlichen Emotionen spüren.
Auch Simon Brader switcht gekonnt zwischen dem liebenden Arthur, der entgegen den Weisungen der wohlhabenden Frau Mutter, sogar die Familie verlässt, um mit Bertha zusammen zu sein, sowie Sami, der Fines Friedensüberzeugung für naiv und aus der Zeit gefallen hält. Fast ängstigend wirkt er in einer Szene, in der er eine Waffenübung für richtiggehend geil findet, viel besser als jedes Action-Computerspiel.
Irgendwie mit einem Hauch von nicht ganz fassbarem Geheimnis legt Michael Glantschnig die Rolle der inneren Stimme Fines an, überzeugt aber auch als Alfred Nobel und sorgt im einzigen Auftritt von Arthurs Mutter mit einem Pelzimitat um den Hals (Kostüme: Ronja Christof) für schmunzelnde Distanz zu dieser hoch„feinen“ Art.
Sehr cool ist, dass das Stück letztlich keine dogmatische Antwort gibt, sondern den Zweifel sensibler Menschen, das mit sich Ringen jeder und jedem Einzelnen überlässt. Und dennoch die Botschaft mit auf den Weg gibt mit Fragen wie, ob sich für den Frieden wirklich mit Waffen kämpfen lassen kann. Darüber hinaus redet das Stück trotz der aktuell schieren Aussichtslosigkeit dem Optimismus das Wort: Nicht aufgeben und wenigstens für die eine oder andere Hoffnung spendende positive Veränderung im Kleinen einzutreten, am besten selber zu sorgen. Aber es bleibt den Zuschauer:innen überlassen, was sie damit anfange oder daraus machen.
Übrigens: Heute findet sich Suttners Konterfei auf der Österreich-Vorderseite der 2 €-Münze. „Werte-Verfall“?
Maschinengewehrfeuer, Lärm, Krach… ein Mann hetzt vom Seiteneingang im „Zirkus des Wissens“ auf die Bühne, rennt – um sein Leben. Vergeblich. Getroffen stürzt er zu Boden. Sekunden später steht er wieder auf, ruft – scheinbar zur Regisseurin – in Wirklichkeit zum Publikum, dass dies nur die Probe für eine Szene war, die auch gar nicht die erste des Stücks sei.
„WIR! Eine Solo-Show“ heißt dieses und trägt noch den Untertitel „Sie müssen ja nicht meiner Meinung sein…“, womit klar wird, dass es irgendwie mit Demokratie zu tun hat. Andreas Pfaffenberger, der eben ein Solo spielt, hat es gemeinsam mit Martina Winkler entwickelt. Der scheinbare Widerspruch im Titel veranlasst manche Besucher:innen, es als Majestätsplural zu interpretieren, steht doch auch von Anfang an eine Papierkrone im Zentrum eines großen Podests auf der Bühne. Könnte sein, muss aber nicht. Er selber und das ‚Stück wolle das gar nicht vorgeben, möge jede und jeder den eigenen Schluss daraus ziehen, so Pfaffenberger in einer Spezialführung vor der Vorstellung – dazu mehr in einem eigenen Beitrag, der am Ende unten verlinkt sein wird.
Der Solist schlüpft in gut mehr als zwei Dutzend Rollen – als Schau-, ebenso wie als Figurenspieler und spannt einen 2500-jährigen Bogen vom antiken Athen bis zur Gegenwart. Wird Letzteres doch immer wieder als „Wiege der Demokratie“ bezeichnet.
Volks-herrschaft, doch was war mit den Frauen Griechenlands? Die ebenso wie Sklaven und „Fremde“ kein Mitspracherecht hatten.
Ein Thema, das sich übrigens immer wieder durchzieht. Wichtige Stationen der Geschichte – antikes Rom, England im 13. Jahrhundert (King John), französische Revolution, Nordamerika mit der US-Verfassung, die mit den berühmten Worten „We the People of the United States…“ (Wir, das Volk der Vereinigten Staaten… beginnt, werden durch das Bühnenspiel – mit kleinem Papier-theater, Schattenspiel ebenso lebendig wie mit großem immer wieder auch bewusst überhöhtem Schauspiel. Der Kampf um Demokratie und Mitsprache gegen Monarchie, Diktatur und neuerdings wieder zunehmende autoritäre Bestrebungen wird als nie endendes Ringen durchgängig spürbar.
Immer wieder auch mit so manchen mehr oder minder große Lücken. Wie schon eingangs bei der Athener Demokratie angemerkt, bleiben von dieser Mitbestimmung meist mehr oder minder große Gruppen ausgeschlossen. Selbst in der französischen Revolution wurde Olympe de Gouges, Verfasserin der „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ nach einem Schauprozess ermordet.
Zum Volk der US-Verfassung zählten offenbar jene Bevölkerungsgruppen, die seit Jahrtausenden hier lebten, die Indigenen, nicht. Bürgerliche Revolution 1848, Habsburgerreich – natürlich wieder nix…, Große Rückschläge – für (fast) alle durch die (austro-)faschistische Herrschaft in den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts – noch dazu mit dem Anspruch für „das Volk“ zu herrschen.
Der Kampf um Demokratie ist nie zu Ende. Selbst dann, wenn wirklich alle mitsprechen dürften, gelte es wachsam zu sein und gegen das Zurückdrängen von schon Erreichtem aufzutreten. Und Demokratie ist mehr als nur einmal alle paar Jahre wählen zu dürfen, es umfasst das ständige Aushandeln und Diskutieren um die Gestaltung des Zusammenlebens. Solches steht am Ende des knapp 1 ¼-stündigen Stücks im Zirkus des Wissens an der JKU, der Johannes-Kepler-Universität in Linz, als dezidiert ausgesprochener Appell da. Fast ein bisschen zu draufgedrückt und zu wenig vertraut auf das deutliche Spiel davor. Auch im Sinne von Demokratie-Bildung könnte der Erkenntnisprozess, sozusagen die Lehre daraus, dem Publikum selbst überlassen bleiben.
Ein bisschen fehlt hingegen zumindest das Antippen, dass in Österreich bei den jüngsten Wahlen im Vorjahr und den künftigen gut ein Drittel der Bevölkerung von der Teilnahme an Wahlen ausgeschlossen ist. Oft hier geboren, zumindest aber jahr(zehnte)lang hier lebend, arbeitend, Steuer zahlend, sehen sie sich dem restriktivsten Staatsbürgerschaftsrecht gegenüber, werden mitunter über mehrere Generationen zu „Fremden“ gemacht.
Außerdem schmerzt das Ausblenden eines Gutteils der Welt, bleibt reduziert auf Europa und das von Europäern eroberte Nordamerika. Dabei war Vélez in Kolumbien 1853 die erste Stadt der Welt in der Frauen wählen durften. Auf den Cookinseln in der Südsee waren 1890 vier der fünf Häuptlinge von Rarotonga Frauen. Und dort konnten Frauen auch schon vor den Neuseeländerinnen wählen, wo deren Recht 1893 – vor allen Europäerinnen Gesetz geworden ist. Was in Europa erst im darauffolgenden Jahrhundert begann, in der Schweiz beispielsweise überhaupt erst viele Jahrzehnte später (landesweit 1971, im Kanton Appenzell Innerrhoden gar erst 1990).
„Das ist wie wenn du als Kind auf den Spielplatz gehst, aber nur zuschauen und nicht (mit-)spielen darfst!“ So brachte Ahmad, einer von fünf Jugendlichen es auf den Punkt, dass rund vier von zehn 16- bis 24-Jährigen bei der kommenden Wien-Wahl (27. April 2025) nicht mitbestimmen darf.
Witold, polnischer Staatsbürger, darf als Bürger der Europäischen Union zwar die Bezirksvertretung mitwählen ebenso wie im Vorjahr die österreichischen Abgeordneten zum EU-Parlament, „aber über Gemeinderat und damit auch den Wiener Bürgermeister darf ich nicht mitbestimmen!“
Yurdanur musste darüber hinaus schon früher ihren ersten Berufswunsch kübeln.
Fünf Jugendliche – die schon genannten und dazu noch Yurdanur, Daniel und Monsef (Einzelinterviews mit diesen drei in eigenen, unten verlinkten, Beiträgen) sowie die Geschäftsführerin des Vereins Wiener Jugendzentren (JuZ), Manuela Smertnik und der Politikwissenschafter mit Expertise für Staatsbürgerschafts- und Wahlrecht, Gerd Valchars, luden eineinhalb Monate vor der Wien-Wahl zu einem Mediengespräch in den Jugendtreff J.at am Volkertmarkt in der Leopoldstadt (2. Bezirk).
Der Politologe präsentierte einige bemerkens- und bedenkenswerte Fakten: Während die Wiener Bevölkerung im Wahlalter (ab 16 Jahren) in den vergangenen fünf Jahren um fast 100.000 Menschen (97.503) gewachsen ist, ist der Anteil der Wahlberechtigten um 23.074 Menschen gesunken. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Prozentsatz der – wegen ihrer Staatsbürgerschaft – nicht wahlberechtigten Wiener:innen gar verdoppelt (von 17,5 auf 35,4 %). „Und das sind heuer 600.000 Menschen – so viel wie Graz, Linz und Klagenfurt oder das Bundesland Salzburg insgesamt an Einwohner:innen hat“, stellte der Wissenschafter fest.
Außerdem komme es zu einer zunehmenden Verzerrung zwischen Bevölkerung und Wahlberechtigten. So stellen die 16- bis 44-Jährigen zwar die Hälfte der Einwohner:innen Wiens, aber nur 43 Prozent der Wahlberechtigten, hingegen die Ü-60 ein Drittel der Wahlberechtigten, aber nur knapp mehr als ein Viertel (27%) der Bewohner:innen. Lücken tun sich auch in Sachen Einkommen und anderer Parameter zwischen Bevölkerung und Wähler:innen auf.
Obendrein habe Österreich einer Studie zufolge eines der einschränkendsten Staatsbürgerschaftsrechte, „nur die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudiarabien haben einen noch restriktiveren Zugang“. In der Europäischen Union liegt die durchschnittliche Einbürgerungsrate bei 2,6 Prozent, in Deutschland bei 1,5 % und in Österreich bei 0,7%. Hohe Einkommenshürden – netto müssen rund 1.100 Euro übrigbleiben nach Abzug von Wohn- und anderen Fixkosten – sowie hohe Gebühren erschweren den Zugang, um rechtlich Österreicherin oder Österreicher zu werden.
Unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist der Anteil jener, die nicht wählen dürfen, noch höher, so die Wiener JuZ-Chefin. „Bei der Nationalratswahl im Herbst waren es rund 41 Prozent. „In den mehr als drei Dutzend Einrichtungen erleben wir, dass sich viele Jugendliche in ihrem Umfeld engagieren, ob für Umwelt oder soziale Anliegen. Die meisten wachsen den Großteil ihres Lebens hier auf, viele sind schon in Österreich geboren und wollen auch politisch teilhaben.“ Dass sie vom Wahlrecht ausgeschlossen sind, sei (nicht nur ) für sie frustrierend, ungerecht und damit auch letztlich desintegrierend. Smertnik zitierte einen Jugendlichen, der es so treffend formulierte: „Wir werden künstlich fremdgemacht“. Die Wiener Jugendzentren verstehen sich als „Stimmenverstärker“ auch dieses jugendlichen Wunsches nach Mitbestimmung.
Die Wiener Jugenzentren präsentierten bei diesem Mediengespräch auch ihre neu Plakatkampagne gegen dieses Demokratie-Defizit. Auf einem sind drei gleich Fußbälle, auf zwei anderen jeweils drei gleiche Kopfhörer sowie Spraydosen zu sehen. Jeweils eines der Objekte ist eingeringelt. Darüber steht die Frage: „Siehst du einen Unterschied?“ und am unteren Rand des Plakats die Frage Warum nicht GLEICH? Mit einem Kästchen und einem Kreuzerl wie er von Stimmzetteln bekannt ist.
Vor fünf Jahren war jeder dritte Buchstabe aus einem Plakat entfernt worden, um rund ein Drittel Nicht-Wahlberechtigter optisch einfach hinzuweisen.
warum-duerfen-wir-nicht-waehlen <- damals noch im Kinder-KURIER
gewaehlte-sprecherinnen-wollen-auch-ausserhalb-der-schule-waehlen-duerfen <- auch damals im KiKu
Monsef wählt für das Foto jenes Plakat mit den drei gleichen Fußbällen, von denen einer eingeringelt ist als Symbol für ein Drittel der Wiener Bevölkerung, die vom Wahlrecht ausgeschlossen ist. „Ich liebe Fußball“, beginnt der 20-jährige zu erzählen. „Ich hab bei Hellas Kagran gespielt und dann zu Rapid gewechselt.“ Der beidbeinige Flügelspieler und Stürmer hat drei Jahren HTL in der Ettenreichgasse absolviert und wechselte danach als Elektro-Lehrling zu Wien-Energie. „Dort bin ich jetzt im zweiten Lehrjahr, meine Kolleginnen und Kollegen haben mich zum Jugendvertrauensrat gewählt, auch in der Berufsschule wurde ich Schulsprecher und bin Stellvertreter in der Bundesschülervertretung.“
Schon in Syrien – die Familie flüchtet aus dem total zerstörten Homs zuerst in die Türkei und später nach Österreich, wo Monsef nun seit acht Jahren lebt – war er Klassensprecher, „weil ich mutig bin, offen sage, wenn ich etwas unfair finde und mich gern für andere einsetze“. Das hat er offensichtlich beibehalten, woraus sich die einigermaßen absurde Situation ergibt, dass er von Mitschüler:innen und Kolleg:innen zu ihrem Vertreter bzw. Sprecher gewählt wird, aber selber weder in der Stadt noch in dem Land, in der bzw. dem er lebt, arbeitet und damit auch Steuern zahlt, wählen darf.
Übrigens ist der nicht nur beidbeinig, spielt – nun bei Wien Energie – sowohl am linken als auch am rechten Flügel, sondern auch vielsprachig: Neben Deutsch noch Arabisch, Türkisch, Französisch und von Freunden lern ich noch Russisch und Bosnisch.
Übrigens kamen in dem Beitrag zur Wien-Wahl vor fünf Jahren auch zwei Jugendliche zu Wort, die damals von Mitschüler:innen gewählt wurden, aber selber nicht in der Stadt wahlberechtigt waren – Link zu diesem Artikel damals noch im Kinder-KURIER unten am Ende des Beitrages.
gewaehlte-sprecherinnen-wollen-auch-ausserhalb-der-schule-waehlen-duerfen <- auch damals im KiKu
„In der Volksschule so mit sieben oder acht Jahren haben wir unsere Berufswünsche gezeichnet. Ich habe eine Polizistin mit Polizeihund gemalt. Die Lehrerin hat daraufhin gesagt: Lass es, du hast nicht die österreichische Staatsbürgerschaft“, beginnt die 17-jährige vielsprachige Yurdanur das Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
Die Absolventin der Mittelschule Greisenecker Gasse in der Brigittenau (20. Bezirk) unterrichtet derzeit als Assistentin bei der „Hobby Lobby“ Kinder beim Tanzen bzw. Töpfern. „Und ich suche eine Lehrstelle, am liebsten als Zahnarztassistentin oder als Augen-Optikerin.“ Aber oft wird – obwohl das unzulässig ist – auch da die österreichische Staatsbürgerschaft verlangt.
Gäbe es nicht so viele Hürden für die Staatsbürgerschaft, würde sie diese gern haben und dann sowohl wählen dürfen als es auch bei der Lehrstellensuche leichter haben, hofft Yurdanur. Die Jugendliche könnte übrigens neben Deutsch noch Türkisch und Bulgarisch als Kompetenz im Umgang mit Klient:innen / Kund:innen einbringen.
Witold (19) steht wenige Monate vor seiner Matura in der HLW (Höhere Lehranstalt für wirtscahftliche Berufe) Straßergasse (Döbling, 19. Bezirk), eine der ersten, die sich einen Europa-Schwerpunkt gegeben hatte. „Europa, Wirtschaft, nationale und internationale Sicherheit sind mein Ding“ nennt er im KiJuKU-Gespräch als Themen, die ihn schon lange interessieren und über die er im Familien- und Bekanntenkreis auch oft diskutiert.
Seine (berufliche) Zukunft sieht der eloquente, kämpferische Jugendliche „in der Diplomatie“.
„Dass ich bei der EU- und der Bezirksvertretungswahlen meine Stimme abgeben darf, ist nur eine halbe Sache, wenn ich nicht darüber mitbestimmen darf, wer in Wien Bürgermeister wird.“
Rund um Halloween spielte das Ensemble Voraufführungen (eine davon durfte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… miterleben), die Premiere fand am Abend des zweiten Totengedenktages statt. Bühnenreifes Sterben spielt in der witzig-schockigen „Werwolf-Komödie“ eine große, nein die zentrale Rolle. Das Theater an der Gumpendorfer Straße benannte sich in der Ankündigung von „Der Sumpf des Grauens“ sogar auf „Tod an er Gumpendorfer Straße um.
Bevor in der rund zweistündigen Performance (Text, Regie und Ausstattung: Kaja Dymnicki, Alexander Pschill) das gruselige Dahinmetzeln mit genialen Special-Effect-Requisiten (Mary-Jane Fritsch) beginnt, wird schon selbstironisch sozusagen theater-gemetzelt. Regisseur Lasko Vogelsang (Stefan Lasko) spricht zwar mehrmals von demokratischem, gleichberechtigtem Miteinander, aber es zählt sein Diktat.
Geprobt wird Shakespeares Klassiker Macbeth. Vom Balkon aus agiert Schoko Wendrinski (Ida Gold) mit zwei Puppen als die drei Hexen, mit ihrer Prophezeiung für die Titelfigur, König von Schottland zu werden.
Eine ganz junge Schauschspielerin namens Sophia Salbei Hostia (Lisa Weidenmüller) wird vom Regisseur mit der Rolle der Lady Macbeth betraut. Im Übrigen spricht er sie konsequent als Sophie an und ignoriert ihren Einwand, dass sie am Ende ein a hat. Das gibt natürlich Ärger. Die angestammte, spät auftauchende Star-Spielerin des Ensembles, Andräa-Miguella Kasperov (Michaela Kaspar) beansprucht diese zentrale Rolle – wie könnte es anders sein – für sich…
Jeder Konflikt, jedes (mögliche) Missgeschick bei den Proben sei eine Chance, teilweise sogar ein Juwel, das es gelt, in das Spiel zu integrieren, das Gefühl, die Stimmung – ob von Scheitern oder Verzweiflung – es müsse eingebaut werden… Und dennoch sch… der so auf Demokratie bedachte Regisseur einen Mitspieler völlig zusammen, macht ihn zur Sau… Pausen? Nichts da. Kein Entkommen, schließlich steht die Premiere bald an. Und so versperrt er alle Türen und verschluckt die Schlüssel.
Zu diesen – und den bekannten weiteren Schauspielern des TAG-Ensembles Georg Schubert als „nie ohne mein Schwert“ Schubert Schuberdt, Jens Claßen als ge-chillter Ramses Joobst, Emanule Fellmer als Ulrik Flaan gesellen sich im „Sumpf des Grauens“ wichtige Playerinnen aus dem Hintergrund ins zweitweise Bühnenspiel: Lichtmeisterin Katja Thürrigl als Gersti, die mitten im Geschehen, hoch auf die Leiter klettert und Filter für Scheinwerfer anbringt. Regie-Assistentin Renate Vavera bringt als Irene Margit Ingrid mit den Worten, „wer kotzt, wischt!“ Kübel und Wisch-Mob als eine Schauspielerin ebensolches vollführt…
Und sie ist die erste, die verschwindet. Dabei wird sie so dringend gebraucht. Ohne sie läuft nichts. Wer souffliert bei Text-Hängern? Das Grauen beginnt als ihre Leiche – oder Teile davon auftauchen. Panik. Aber nichts da. Kein Entkommen. „The Show must go on!“ Eine Person nach der anderen – tot, massakriert. Der Mörder – oder die Mörderin? -muss ja wohl unter uns sein, sind doch alle Türen verschlossen… Immer mehr verdichten sich die Anzeichen auf Werwolf. Aber wer? Ins komplette Kostüm dieses mörderischen Wesens schlüpft schließlich Ausstattungs-Hospitantin Helena Hutten. Aber wessen Alter Ego ist sie?
Alles sei hier sicher nicht gespoilert, verraten ist schon genug. Mörderisch witzig und vor allem selbstironisch ist dieser „Sumpf“, bei dem sogar der Intendant Gernot Plass als „Pongo, der Intendant“ – meist als Stimme aus dem Off wie das Anrufen eines Deus ex machina – in Erscheinung tritt.
Während ein derzeit häufig gesendeter Werbespot auf allen Kanälen bösartige Streitereien zwischen Vertreter:innen politischer Parteien als „Kindergarten“ scheinbar lustig zeigen will, versuchen einige Programme im ORF-Kinderfernsehen sachlich und doch spannend zu erklären, wie wichtig Wahlen und Demokratie sind.
Beginnend mit Montag, 23. September erklären fünf ZiB Zack Mini-Spezialausgaben vor der Nationalratswahl am Sonntag (29. September 2024) vieles dazu. Zwei Tage später startet eine zehnteilige fiktive Serie mit Schauspiel und Animationsfiguren namens „Demokratino“, einem vorerst unbekannten Land, in das die drei Kinder-Protagonist:innen während eines Besuches im österreichischen Parlament gebeten werden.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte die erste Folge vorab sehen – und aus dieser hier schildern, sowie den Erfinder derselben, Thomas Brezina, per eMail einige Fragen stellen – dieses Interview in einem eigenen Beitrag – unten verlinkt.
Zunächst sind Doro, Leopold und Niko mehr als unzufrieden. In ihrer Schulklasse hat die Lehrerin die Kinder in verschiedene Exkursions-Gruppen eingeteilt. Neben Team Tiergarten und Team Kanal gibt’s auch eine Spezialtour im Parlament. Die haben diese drei zugeteilt bekommen. Das stellen sie sich viel weniger abenteuerlich vor als das was ihre Kolleg:innen erkunden dürfen.
Natürlich kommt dann alles ganz anders. Aber mit diesem Trick startet die zehnteilige Serie im ORF-Kinder-Fernsehen. Mastermind hinter der Serie namens „Demokratino“ ist wie schon erwähnt der bekannte Autor, TV-Format-Erfinder und Ausdenker diverser Erlebniswelten Thomas Brezina. Für die drei Kinder, die durch die Geschichte führen, hat er drei unterschiedliche Rollen geschrieben. Doro (Nora Riedl) fotografiert alles – digital klarerweise. Ihr Kollege Leopold (Matteo Haudeck) schreibt die Notizen auf ein großes Tablet und Niko (Sam Göll) ist der Verträumte, der immer wieder da und dort stehen bleibt, sich Objekte in dem historischen Gebäude genauer anschaut. Und auf einmal etwas von einer bläulich schimmernden Lichtkugel erzählt. Die die anderen – natürlich – nicht sehen, du aber als Zuschauerin oder Zuschauer siehst sie sehr wohl 😉
Plötzlich beginnt’s aus der Kugel zu sprechen – eine animierte Zeichentrickfigur namens Max, die von ihren Kleidungsfarben ein wenig an Pinocchio erinnert -, versucht das Trio zu sich nach „Demokratino“ zu holen. Und so rasen sie wie durch eine Röhren-Rutsche in diese Welt.
Sie müssten dieses – für alle vorerst unbekannte – Land vor dem bösen Diktatos retten…
Einige dafür notwendige Informationen über das Parlament als Sitz der Demokratie in Österreich haben sie schon von den beiden Guides, gespielt von Magdalena Bönisch und Christian Dobler, erfahren. Andere werden sie in „Demokratino“ in den weiteren Folgen ausspielen können – die in Form von Rückblenden auch den Zuschauer:innen vermittelt werden – über Gesetze, Wahlen, politisch Parteien, Regierung, Abgeordnete, Opposition oder Steuern…
Zum eMailigen Interview mit Thomas Brezina über „Demokratino“ geht es hier unten.
KiJuKU: Ging die Initiative zu Demokratino von dir aus oder wurdest du vom Parlament gefragt, dir etwas zum Thema einfallen zu lassen?
Thomas Brezina: Demokratino ist eine Geschichte, die ich schon vor vielen Jahren erfunden habe. Mir geht es darum, das Thema Demokratie auf eine Weise zu schildern und zu erklären, die nicht belehrend ist, sondern Demokratie erlebbar macht
KiJuKU: Wie bist du auf die Idee der „Entführung“ gekommen?
Thomas Brezina: Aus diesem Grund werden die drei Hauptpersonen in die Welt von Demokratino versetzt, wo ein Diktator versucht die Macht an sich zu reißen und sie ihre Erfahrungen von einem Besuch des Parlaments nun in diesem Land umsetzen müssen, damit es eine Demokratie bekommt und nicht Dikataturia wird. Ich freue mich, dass Demokratino jetzt auch auf den Bildschirm kommt.
KiJuKU: Wird ausgehend vom Konzipieren dieser Serie auch etwas in Buch-Form erscheinen?
Thomas Brezina: Dazu habe ich schon vor rund zehn Jahren ein Buch gemacht, es gibt aktuell Überlegungen, dass wir begleitend Demokratino auch in Buchform wieder zurückbringen – aber mehr kann ich dazu noch nicht sagen.
Einschub: Peinlich, gestehe als Journalist von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – und davor eben schon beim Kinder-KURIER – habe ich dies offenkundig versäumt – und auf Nachfrage beim Management erfahren, dass dies auch nicht mehr verfügbar ist ;(
KiJuKU: Das Parlament hat seit mehr als 15 Jahren die Demokratie-Werkstatt – hast du mit diesen Workshops bei der Arbeit an „Demokratino“ Kontakt gehabt, Erfahrungen ausgetauscht?
Thomas Brezina: Die Zusammenarbeit mit dem Parlament war großartig. In der Vergangenheit habe ich persönlich schon mehrere Videos zu verschiedenen Themen für das Informationsbüro auf Social Media gemacht.
KiJuKU: Kommen in den Folgen demokratische Möglichkeiten direkt für Kinder vor – von Klassen- über Schulsprecher:innen, Mitbestimmungsmöglichkeiten in Gemeinden und Städten wie Kinder- und Jugend-Million in Wien …?
Thomas Brezina: In diesem Jahr habe ich die Drehbücher für eine TV-Fassung geschrieben. Im Sommer wurde im Parlament und im Studio gedreht. Derzeit werden die Folgen fertiggestellt, die eine Menge Aufwand an Animation haben, da die Demokratino-Welt gezeichnet ist, die drei Hauptdarsteller aber real. Die TV-Serie soll für alle eine Möglichkeit sein, das Thema Demokratie zu erleben und zu erfassen. Daraus ergeben sich viele Möglichkeiten und ich sehe es als Aufgabe von Schulen etc. darauf aufbauend mit Schülerinnen und Schülern zu erarbeiten, was alles im eigenen Umfeld in die Tat umgesetzt werden kann.
Da das Interview nicht live – weder telefonisch noch online-video-mäßig möglich war, weil der Autor derzeit in London weilt, und dort viel am Schreiben ist, sondern es nur möglich war, Fragen per eMail über das Management zu übermitteln und auf diesem Weg auch die Antworten kamen, konnte hier nicht nachgefragt werden, weil die letzte Antwort auf einen Teil der Frage nicht eingeht – und nicht alle Folgen zur Sichtung vorlagen/ vorliegen, sondern nur die allererste.
Im Folgenden undauch schon weiter oben übrigens einige Links zu Storys über Aktionen und Möglichkeiten, wo Kinder Demokratie wirklich selber (mit-)erleben können.
Die am Montag beschlossene Arbeitszeitverkürzung in der Kinderstadt zeigte, dass es den Kindern nicht um weniger Arbeiten geht, sondern darum, dass sie schneller wechseln können, um neue Jobs auszuprobieren.
Und sie hielt am Dienstag außerdem auch nicht davon ab, dort, wo sie gern arbeiten auch viiiiel länger ihre Tätigkeit auszuüben.
Dennoch diskutierten Regierung und Abgeordnete aus den einzelnen Bereichen, ob es nicht bei sehr überlaufenen, weil beliebten, Jobs, eine Höchstarbeitszeit geben sollte. Damit auch diese Arbeitsstellen wieder frei werden…
Und wie schon am ersten Tag wurlte es auch in den Medien der Kinderstadt. Nicht zuletzt war die Redaktion der Stadt-Zeitung sehr oft sehr überlaufen. Die Beiträge mussten dennoch auf acht Seiten Platz finden, um mit der Beilage Rathausreport bei 12 Seiten auszukommen. So mussten so manche Fotos auch recht klein zusammengeschnitten werden. Einige Beiträge beschreiden auch die Arbeit im Radio sowie in der Nachrichten-Redaktion.
Aber sieh selbst. Natürlich gibt’s auch heute wieder die ganze Zeitung plus das Plakat der Kandidat:innen mit ihren Forderungen für die Wahl sowie das Regierungsplakat nach der Wahl zum Blättern – und Runterladen – auf „Inhalt laden“ klicken 😉
Ach ja, solltest du gerade in Wien sein oder in der Nähe – die Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ läuft noch bis einschließlich Freitag – immer von 10 bis 17 Uhr – Infos in dem verlinkten Artikel „Kinder – eure Stadt wartet auf euch!“
Hier geht’s zur – mit Hilfe von KiJuKU – erstellten Dienstag-Tageszeitung der Kinderstadt
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Montag, es wird 10 Uhr, die ersten Kinde, die ihre eigene Stadt, die sie nun eine Woche im Wiener Rathaus regieren dürfen / können / sollen, betreten wollen, warten vor dem roten Absperrband. Die offiziellen Eröffner:innen – die Vizebürgermeisterin aus dem Vorjahr, Allessandro, sowie ihre beiden Regierungskolleg:innen Marie und Leander, werden von Christoph, dem Vizebürgermeister des „alten“ Wien noch in Gespräche verwickelt. Die Wartenden sind – zurecht – ungeduldig, es ist zehn Uhr vorbei. „Öffnen, öffnen, öffnen!“, erschallen Rufe.
Und schon kommen die vier Genannten herbei, wirklich sehr kurze Reden und dann geht’s los! Und wie! Bald wurlt es in der Volkshalle und im Arkadenhof. Die jungen Bürgerinnen und Bürger haben – nach nicht allzu langem Warten in der Schlange vor dem Arbeitsamt ihre ersten Jobs angetreten. Und bis Mittag melden auch schon sieben Parteien ihre Kandidatur an.
Viiiiel länger als die Arbeitsamt-Schlangen waren die beiden vor den Wahlkabinen – eine drinnen, eine draußen. Weil so viele Bürger:innen gewählt haben, dauerte es auch länger bis zur Verkündigung des Wahlergebnisses. Die am letzten Tag des Vorjahres gewählte Vizebürgermeisterin wurde nun ihre Vorsilbe los und ist – zumindest bis Dienstag, bis zur nächsten Wahl, die neue Bürgermeisterin.
Gemeinsam mit den Abgeordneten aus allen Bereichen hatte – noch die alte Regierung beschlossen, die Mindest-Arbeitszeit von einer halben auf eine Viertelstunde zu verkürzen – bei vollem Lohn übrigens. Begründet wurde die Arbeitszeitverkürzung vor allem damit, dass damit jede und jeder mehr verschiedene Jobs ausprobieren können soll.
Mehrheitlich abgelehnt wurde hingegen der Gesetzesvorschlage wonach Politiker:innen nebenbei auch noch arbeiten oder studieren sollten, auch wenn ohne Bezahlung. Sie sollen sich auf ihre Aufgabe konzentrieren, für die sie gewählt wurden, beschlossen die Abgeordneten.
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40 Jung- und Jüngst-Studierende haben sich an diesem vorletzten Tag der Kinderuni Wien für die Lehrveranstaltung „Stadt der Kinder: Wie funktioniert Demokratie?“ entschieden. „Partizipation“ also Mitbestimmung war / ist in diesem 22. Jahr der Kinderuni an den Wiener Universitäten ein Schwerpunkt – dazu gab’s auch Pausenspiele auf dem Campus im sogenannten Alten AKH.
Nach einer kurzen Einleitung – von Anarchie über Monarchie bis zur Demokratie und Abstimmungen ging’s rein in das angekündigte Planspiel „Stadt der Kinder“. Ein fiktiver Plan einer kleinen Stadt an der Tafel – mit zwei noch freien Flächen. Was soll dort hin?
Dazu konnte sich ein Teil der Kinderuni-Studierenden zu fiktiven Parteien zusammenschließen, beraten, Vorschläge unterbreiten, um sich anschließend einer Wahl zu stellen.
Die andere Hälfte der Kinder ging in die „Schule“ und bearbeitete Aufgaben mit Fahnen-Zuordnungen, Rechnungen, in denen die Summe von Wahlstimmen eine Rolle spielte – natürlich ebenfalls wahlberechtigt.
Während mit „Partypatai“ mit Parkplatz und Autos um Stimmen warb, erhob „Austria“ Wald und Spielplatz zu ihrem Programm. Als dritte im Bunde kandidierte eine von vornherein schon aus vielen Mitgliedern zusammengesetzte Partei namens „Samsung Partei“ mit dem Motto „je grüner, desto besser“. Neben einem Spielplatz für das eine freie Gelände und einem Park mit viel Wald auf dem zweiten Grundstück hatten sich diese Politiker:innen noch für billigen Döner (2 €), Schule von 9 bis 13 Uhr, mehr Gehalt für Lehrer:innen ausgesprochen. In der Runde, bevor sie mit ihren Forderungen an die Öffentlichkeit gingen, war noch „weniger Autofahren“ ein Thema gewesen, dem viele zustimmten.
Die drei Parteien wählten Vorsitzende, die ihre Forderungen dem gesamten Volk – den 40 Mitstudierenden sowie den zuhörenden Lehrenden, Helfer:innen und dem Journalisten von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… vortrugen; übrigens trotzt vieler Mädchen zumindest in einer Partei – drei männliche Vorsitzende. Angenehm unaufgeregt, ganz ohne Kampf, selbst ohne Zwischenrufe erfolgte die Vorstellung der Wahlprogramme. Und dann ging’s auf – zwei lange Schlangen, alle wollten wählen. Übrigens auch in der Kinderstadt „Rein ins Rathaus“, die wie (fast) immer in der vorletzten Woche der Sommerferien im Wiener Rathaus stattfindet, ist die Schlange vor der Wahlzelle meist am längsten.
Ergebnis: 4 Stimmen und damit 10 % für die „Partypatai“, also für Autos und Parkplätze, 15 Stimmen (38 %) gingen an „Austria“ und mit 21 Stimmen sogar eine absolute Mehrheit (52%) für „Samsung Partei“. Die die beiden zuletzt Genannten sich in der Stadtplanung praktisch einige waren also neun von zehn für Spielplatz, Park und Wald.
Damit war die Lehrveranstaltung aber noch nicht zu Ende. Die Lehrenden – Jule Kegel, Julia Partheymüller und via Video-Botschaft Sylvia Kritzinger, Fakultät für Sozialwissenschaften, Institut für Staatswissenschaft – hatten sich noch eine Reflexionsrunde einfallen lassen – mit der Frage, ob die Wahl fair war. Und da kam es dann schon auch zu Diskussionen. Was ist mit den Autos, die ja da sind. Könnte vielleicht unter dem Spielplatz eine Park-Garage errichtet werden? Gegenargument einer Kinderuni-Studierenden: Aber Parkplätze heißt wieder mehr Autos.
Was ist mit Pferden (die es zuvor schon in der Stadt gab)? Für Pferde sei die Stadt gar nicht geeignet, meinten einige.
Jedenfalls zeigten sich alle begeistert vom Planspiel. Leider wurde vergessen, darauf hinzuweisen, dass es – wie schon oben erwähnt – ziemlich gleich lang wie die Kinderuni auch die Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ gibt – hier weiter unten in der Info-Box die Details.
Vor dem Planspiel stand eine kurze mit grafischen Bildern aufgelockerte Einleitung über verschiedene mögliche Staatsformen auf dem Lehrplan. Ein bisschen plakativ vereinfacht – so fehlte bei der griechischen „Wiege der Demokratie“, dass dort ein Großteil der Menschen unter anderem Frauen völlig ausgeschlossen waren. Aber es zeigte sich auch, dass so manche der Kinderuni-Studierenden viel mehr wissen, als ihnen Lehrende oft zutrauen…
Auf dem Weg zur Straßenbahn trifft KiJuKU zufällig noch Marlene und Nuria, zwei Kinderuni-Studentinnen, die schon am Tag zuvor diese Lehrveranstaltung – und am Donnerstag dafür die gleichzeitig stattgefundene „Meine Stadt, deine Stadt, unsere Stadt“ (mit Lehrenden vom Institut für Geographie und Regionalforschung, Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie) besucht hatten. „Sehr cool war das“, meinten beide spontan – zu den zwei Lehrveranstaltungen. „Gestern konnten wir selber wählen! Und wir hatten mit unserer Naturpartei die meisten Stimmen für einen Spielplatz und einen Wald!“, so eine der Antworten. „Und heute haben wir jede und jeder einen eigenen Plan für einen Spielplatz basteln dürfen“, so die Auskunft über die zweite Lehrveranstaltung und beide zeigen Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… ihre Pläne, wobei Nuria bedauert „ein bisschen was von meinem Plan ist schon verloren gegangen, da hat der Kleber nicht so gut gehalten“.
Am Samstag endet die diesjährige Kinderuni Wien mit mehreren Durchgängen von Sponsionen. Die jungen Studierenden müssen geloben, dass sie nie aufhören Fragen zu stellen und Antworten auf diese zu suchen. Dafür gibt’s die Titel Magistra oder Magister der Kinderuni (universitatis iuvenum).
Aber schon am Montag startet die diesjährige Kinderuni on Tour in einem Simmeringer Park, die Woche drauf beim Wasserturm in Favoriten usw. Bis Ende August finden in Parks der Bezirke 10, 11, 15, 21, 22 und 23 Experimente und Forschungen statt – Details siehe Info-Box.
Fast alle der befragten 660 Kinder in Deutschland (6 bis 11 Jahre) sagen auf die Aussage „Ich werde wütend, wenn ich ungerecht behandelt werde“ mit „eher ja“ (94 Prozent). Aber auch kaum weniger Kinder werden auch „wütend, wenn andere ungerecht behandelt werden“ (83 Prozent sagen da ebenfalls „eher ja“.
Dies ist eines von vielen Ergebnissen der Studie „Wie gerecht ist Deutschland“, die Mitte Juli 2024 vorgestellt wurden. Die Universität Bielefeld hatte – (mit-)finanziert von der Bepanthen-Kinderförderung (im Bereich Gesundheit und Ernährung wirtschaftender Konzern Bayer) 660 Kinder sowie 570 Jugendliche (12 bis 16 Jahre) repräsentativ ausführlich befragt.
Zur Ausgangsfrage stellten die Studienautor:innen (Fakultät für Erziehungswissenschaft; Leitung Prof. Holger Ziegler) den Jugendlichen die Frage offenbar ein bisschen differenzierter: „Ich bin empört und wütend…“ mit mehr Antwortmöglichkeiten – trifft eher zu/ voll und ganz / überhaupt nicht bzw. eher nicht. Voll und ganz empört und wütend bei eigener ungerechter Behandlung sind demnach knapp mehr als die Hälfte (56 %) und wenn andere betroffen sind knapp mehr als ein drittel (34 Prozent). Aber die Summe aus „voll und ganz“ plus „trifft eher zu“ ergibt dann im individuellen Fall auch 93 Prozent und bei anderen 86 Prozent also ähnlich viele wie bei den Kindern mit „eher ja“.
Auch bei anderen Fragen zeigen die Antworten, dass viele Kinder und Jugendliche sich offenbar von der Ellenbogen-Mentalität und der Ich-AG wie sie der Neoliberalismus prägt, entfernen. So sehen die Befragten (in dem Fall Jugendlichen) Handlungsbedarf der Politik nicht nur in Sachen „Bildung von Kindern und Jugendlichen“ und „Chancengleichheit von Kindern“, sondern auch in mindestens gleichem Ausmaß für Rentner*innen, gleiche Lebensbedingungen, Arme, Gleichverteilung von Vermögen und Einkommen – all die genannten Themen erhalten Zuspruch zwischen 60 und 65 %.
Mehr als ¾ der befragten Jugendlichen fühlt sich aber von politischen Entscheidungsträger:innen nicht wahrgenommen. „Leute wie ich, haben keinen Einfluss darauf, was die Regierung macht“ meinen fast acht von zehn 12- bis 16-Jährigen „eher“ (32%) bzw. „voll und ganz“ (46%).
Einfluss auf die Meinung der befragten Kinder bzw. Jugendlichen haben einerseits die wirtschaftliche Situation der eigenen Familie sowie die gesellschaftspolitische Haltung der Eltern. So finden 87 Prozent der Kinder (6 bis 11 Jahre), deren Eltern mit der Demokratie in unserem Nachbarland zufrieden sind Deutschland „eher“ (71 %) bzw. „sehr gerecht“ (16%). Die vergleichbaren Anteile bei Kindern, deren Eltern mit der Demokratie im Land unzufrieden sind liegen bei 44 bzw. 6 – in Summe also nur bei der Hälfte (50 Prozent).
Als Unterscheidungskriterium in Sachen „sozialökonomischer Status“ (SOES) wollten die Studienautor:innen von den Befragten wissen: „Für unsere Familie ist es manchmal finanziell schwierig, alle Dinge zu bezahlen, die wir für die Schule brauchen“ vs. „Unsere Familie kann es sich leisten, Markenklamotten zu kaufen“.
So erleben nicht einmal zwei von zehn Jugendliche (12 bis 16 Jahre) mit hohem SOES in ihrem Leben Ungerechtigkeiten im eigenen Leben, während dies auf mehr als ein Drittel (37%) Jugendlicher mit Familien, die’s finanziell schwer haben, erleben muss.
Insgesamt finden jedoch die befragten – in dem Fall – Kinder (ein bisschen mühsam an der Studie ist, dass offenbar nicht jede Frage jeweils Kindern und Jugendlichen gestellt wurde), dass es in Deutschland viel eher gerecht zugeht als in der ganzen Welt (zwei Drittel zu einem Viertel).
Besonders überraschend fand der Leiter der Studie, Holger Ziegler von der Universität Bielefeld, „dass Kinder und Jugendliche zwar ein differenziertes Bild davon haben, wie eine gerechte Gesellschaft aussieht, diese Komponenten in ihrer Lebensrealität aber gar nicht unbedingt wahrnehmen. Sie fühlen sich von der Gesellschaft und der Politik nicht genug gesehen. Trotzdem machen sie sich auch Sorgen um andere Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel Rentner*innen. Die Vorurteile der neuen Generation gegenüber, diese „würden sich nur für sich selbst interessieren“ können in unserer Studie keinesfalls bestätigt werden.“
Nun, eine direkt vergleichbare Studie fand Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nicht. Die BundesJugendvertretung – gesetzliche Interessensvertretung aller Menschen in Österreich bis 30 Jahre – verwies einerseits auf den „Jugendmonitor“ der Arbeiterkammer (1200 befragte 16 bis 29-Jährige; Institut Foresight). Neben dem herausragenden Ergebnis, dass die soziale Schere weiter auseinandergeht und Teuerung und Krise Jugendliche bzw. junge Erwachsene besonders stark trifft, wurde auch andere Themen wie etwa Mitbestimmung abgefragt.
„Menschen wie ich können etwas bewirken, wenn sie sich politisch beteiligen“ beantwortete die Hälfte mit „stimme sehr zu“ (16%) bzw. „ziemlich“ (34%). „Gar nicht“ fanden 13 % und „wenig“ 28% – 9 Prozent gaben dazu nichts an oder „weiß nicht“. Allerdings klafft auch hier eine Lücke zwischen Reicheren und Ärmeren: So finden fast sechs von zehn der „oberen 30%“, dass ziemlich bzw. sehr etwas bewirken können (57%), während dieser Anteil beim unteren nicht ganz Drittel nur bei 42 Prozent liegt.
Im Vorjahr erhob das Institut Sora die Einstellung junger Menschen zu Demokratie und veröffentlichte im November 2023 die Ergebnisse der Telefon- bzw. Online-Befragung von 343 16- bis 26-Jährigen, die in Österreich wohnen. 48 Prozent bewerten die Funktionsfähigkeit des politischen Systems sehr (11%) bzw. ziemlich (37%) gut. Was allerdings im Vergleich zu 2018 einem doch deutlichen Rückgang entspricht – damals: 13 und 56, also in Summe 69%.
Aus diesen und anderen Studien und Umfragen schlussfolgert die BundesJugendVertretung: „Die Wahlbeteiligung junger Menschen entspricht aus den Erfahrungen und Wahlstudien der vergangenen Jahre dem Durchschnitt der Bevölkerung, bei Erstwähler*innen liegt er sogar darüber. Jugendliche sind politisch interessiert und engagiert. Rund die Hälfte aller Jugendlieben engagiert sich ehrenamtlich. Und jene, die in Vereinen und Organisationen, die unter dem Dach der BJV versammelt sind, aktiv sind, halten die Demokratie noch höher als Nicht-Mitglieder. Gleiches gilt fürs Zugehörigkeitsgefühl zur österreichischen Gesellschaft.
Alterung der Gesellschaft und daher weniger Gewicht von „jungen Stimmen“ und fehlendes Wahlrecht für Nicht-Staatsbürger*innen sei eine große Herausforderung für die Demokratie und nicht zuletzt dafür ausschlaggebend, dass junge Menschen immer weniger den Institutionen der Politik vertrauen und sich zu wenig mit ihren Sorgen ernst genommen fühlen. Die Demokratie als Staatsform wird aber wenig in Frage gestellt.“
„Hoch den Zusammenhalt, nieder mit der Hetze!“ schallte es über den Wiener Heldenplatz. Samstagnachmittag strömten – trotz strömenden Regens – Tausende Demonstrant:innen aller Altersstufen hierher. Es war die zweite unter dem Motto „Demokratie verteidigen – gegen Rechtsextremismus“ innerhalb von zwei Monaten.
Ausgangspunkt im Jänner war das von der Plattform Correctiv aufgedeckte Geheimtreffen bekannt gewordenen Rechtsextremer mit Konservativen als Plan massenhafter Deportierungen von Menschen aus Deutschland – sogar mit deutscher Staatsbürger:innenschaft.
Und da in diesem Jahr, in dem in vielen Ländern – und in der EU insgesamt das Parlament gewählt wird – Koaltionen mit rechtsextremistischen Kräften drohen, fanden sich für die jüngste Demonstration sogar mehr als 100 Organisationen, Vereine, Initiativen zusammen.
Tenor war aber nicht nur gegen, sondern vor allem eben für: Zusammenhalt, Gemeinsamkeit, Solidarität, Verteidigung der Demokratie. Was natürlich auch gegen – Hetze und Rechtsextremismus bedeutet.
Auch wenn der Sozialarbeiter freundlich und empathisch die beiden Buben zu fragen beginnt – die Szene in dem kahlen Büro mit kräftiger Schreibtischlampe vermittelt schon, die beiden haben Angst. Verstehen offenbar die Sprache nicht. Just als Fabian – der Einfachheit halber hat er im Film seinen echten Vornamen – versucht zu erfragen, welche Sprache die beiden mitbringen, stürmen zwei Polizisten in den Raum und nehmen die Jungs gewaltsam mit.
So beginnt der knapp mehr als 20-minütigen Film „Im Schatten von Wien“, entstanden im Projekt „Demokratie, was geht?“.
Gedreht von Profis hinter der Kamera, gespielt zum Großteil von Jugendlichen aus den beiden großen Wiener Gemeinde-Wohnhausanlagen Am Schöpfwerk (Meidling, 12. Bezirk) und Rennbahnweg (Donaustadt; 22. Bezirk). Diese Jugendlichen waren es auch, die in Workshops ihre Ideen für die Story sowie für viele der Szenen einbrachten. Aus den Inputs der Jugendlichen schrieben Ibrahim Amir und Mahir Yıldız das Drehbuch; Letzterer führte auch Regie.
Yousef und Mo – so die beiden Buben im Film – sind beide geflüchtet – und so manches aus der Story hat auch mit den jugendlichen Darstellern zu tun. Abdulsattar Qasimi, der den späteren jugendlichen Yousef überzeugend und ganz und gar nicht laienhaft spielt, obwohl dies seine erste Arbeit vor der Kamera war, hat afghanische Wurzeln. Die Familie seines Kollegen Ali Saykhan Khazaev, ebenso hervorragender Darsteller des jugendlichen Mo, kommt aus Tschetschenien. Zu Interviews mit diesen beiden geht es in einem eigenen Beitrag.
Die beiden eingangs geschilderten Buben – die Protagonisten im Kindesalter – wurden natürlich von anderen gespielt, von Yasir Arman sowie Valerian Vallant. Auch sie beeindrucken – insbesondere wie sich die Angst in ihren Augen, in ihrer Mimik spiegelt.
Die beiden Jungs im Film, schon kurz nach der Flucht trotz der dabei aufgesammelten Traumata brutal be- bis misshandelt, werden im Verlauf der Story Kleinkriminelle. Zentral dreht sich die Story trotz der Action-Szenen aber um die Frage von Ver- und Misstrauen.
Der Polizist in Zivil, der seinen Namen auf Antonio geändert hat, versucht erst im Verhör Mo dazu zu bringen, Yousef zu verraten. Als der sich nicht darauf einlässt, besucht der Polizist jene Moschee, in der er Yousef trifft und dessen Vertrauen gewinnen möchte. Er sei ja selber vor 35 Jahren nach Österreich geflüchtet…
Doch Yousef lässt sich darauf nicht nur nicht ein, er erkennt und sagt, dass Antonio ja zu einer ganz anderen Zeit geflüchtet wäre, wahrscheinlich sogar mit dem Zug angekommen sei und die Lage von Yousef, Mo und den anderen gar nicht verstehe. „Weißt du, wir haben keine Chance, wir waren schon tot, bevor wir überhaupt geboren worden sind…“
Apropos Antonio und Namensänderung. Als Yousef mit Mo neben den Abstellgleisen eines Bahnhofs dahingeht und sich über die „Drecksratten da“ beschwert, meinte Mo: „Ein bisschen Respekt, du bist zu Gast bei den Ratten, immerhin schauen sie nicht so komisch, wenn sie deinen Namen hören!“
Im Bühnengespräch nach dem Film erläuterte Mo-Darsteller Ali Saykhan Khazaev, dass es zu diesem Satz kam, weil er immer wieder erlebe, dass Leute komisch reagieren, wenn sie seinen Namen oder den so mancher Freunde zum ersten Mal hören… – Erlebnisse von Alltags-Rassismus.
Und das bezieht sich dann nicht nur auf die Namen – sondern auf das Gefühl, nicht dazugehören zu dürfen.
Die große Filmpremiere mit Hunderten begeisterten Kino-Besucher:innen bildete da übrigens ein Gegengewicht – ebenso wie schon die Arbeiten mit den Profis an dem Film.
Großer Jubel des vollbesetzten Saals für den Film und die darstellerische Leistung der Jugendlichen, die fast ausnahmslos zum ersten Mal vor der Kamera spielten. Immer wieder jedoch gab’s Bedauern, dass sich praktisch alles um Burschen drehte. Der Grund: Für die Workshops hatten sich fast ausschließlich solche gemeldet. „Demokratie, was geht?“ ließ jedoch anklingen, der nächste Film solle sich vor allem um Mädchen drehen.
Wenige Minuten nach 18 Uhr war es schon schwierig aus der U3 bei der Station Volkstheater auszusteigen. Der Bahnsteig ging sozusagen über. Nur im Schritttempo drängten sich die Massen die Stufen bzw. Rolltreppe hinauf, um zur Demonstration, um die „Demokratie zu verteidigen“ und „gegen Rechts“ zu gelangen. Aufgerufen hatten unter anderem Black Voices, Fridays for Future, die Plattform für eine menschliche Asylpolitik unterstützt von weiteren zivilgesellschaftliche Organisationen aber auch ÖGB, Caritas, Künstler:innen, der jüdischen sowie der muslimischen Gemeinschaft, den Grünen und der SPÖ – teils mit prominenten Demo-Teilnehmer:innen.
Die Straßenbahnen konnten nicht mehr verkehren – die Wiener Linien ließen das auch schon in den U-Bahnen durchsagen. Die Straße vor dem Parlament war voll – auch die rund um das Gebäude in dem das Herz der Demokratie den Sitz hat. Ständig strömten Menschen herbei – trotz teils starken Regens. Von den Reden war schon bei Straßenbahnstation beim Aufgang der U3 kaum mehr etwas zu hören. Dafür begannen dort Trommler:innen mit Samba-Rhythmen zu musizieren – mit aufgedruckten Sprüchen „Die versteinerten Verhältnisse zum Tanzen bringen“.
„Aufstehen gegen Rechts“ war schon am Nachmittag das Motto einer Demonstration in Innsbruck mit 3000 Teilnehmer:innen, rund 1500 Menschen demonstrierten unter ähnlichen Losungen in Salzburg. In Wien waren übrigens die meisten Tafeln der letztlich rund 80.000 Demonstrant:innen selber gebastelt und handgeschrieben auf Kartons – Slogans wie „Hass ist keine Meinung“, „Unsere Geschichte ≠ Unsere Zukunft“, „Wann haben wir angefangen zu vergessen?“…
* Aktualisierte Teilnehmer:innen-Zahl zwei Stunden nach Demo-Start
Auf der Bühne im Ankersaal in der Brotfabrik proben BeatBoxer:innen für ihren Auftritt beim Festival „DWG – Demokratie, was geht?“. Danach zeigen Breakdancer:innen ihre tänzerisch-akrobatischen Moves. Gleichzeitig kommt die Bitte, die Lautsprecher abzudrehen, weil auf der großen freien Fläche des Saals – üblicherweise für Publikum gedacht – eine Fashion-Performance erstmals geprobt werden will.
Ein bissl ist schon angespannte Hektik zu spüren. Immerhin sind es nur mehr wenige Tage bis zu den Live-Auftritten vor Publikum.
Das Festival bei dem insgesamt mehr als 100 Jugendliche ihre unterschiedlichsten künstlerischen Statements mit Gedanken, Wünschen, Forderungen zu (mehr) Demokratie, Teilhabe, Partizipation zeigen und zu Gehör bringen steigt vom 21. bis 23. September im Wiener MuseumsQuartier (Details in der Infobox am Ende des Beitrages).
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte am Wochenende vor dem Festival im Kulturareal Brotfabrik in Wien-Favoriten ein paar Stunden bei Proben zuschauen und -hören; vier der jugendlichen Künstler:innen gaben auch kurze Interviews. Die Fashion-Performance ist eine ziemlich komplizierte. Leopold hat ein weißes kleidartiges Gewand an, aus dem fast ein Dutzend urlange Stoffrollen laaaangsam abgewickelt werden sollen/müssen. Wer gerade Hände frei hat und nicht anderweitig im Einsatz ist, greift sich eine der Rollen. Langsam und würdevoll schreitet Leopold vom hinteren Ende des Saals in Richtung Bühne.
Auf dem Boden sind die Teile der Ovalhalle des MQ mit weißen Klebestreifen markiert. Die Rollen werden Drehung für Drehung abgewickelt, schwarze Schrift kommt zum Vorschein, verschiedene Alphabete – lateinisch, arabisch, kyrillisch – in vielen Sprachen. Auf Deutsch ist – sobald das Banner einigermaßen abgerollt ist u.a. zu lesen: „Mitreden, wenn ihr über uns redet“. Ähnliches bedeuten die Losungen und Forderungen auf Arabisch, Farsi, Ukrainisch, Türkisch… Viele dieser Jugendlichen dürfen, auch wenn sie schon 16 Jahre sind, nicht wie ihre Alterskolleg:innen wählen. Selbst solche nicht, die schon praktisch das ganze Leben hier verbringen, weil ihnen die österreichische Staatsbürgerschaft fehlt/verwehrt wird.
In einer Ecke im Vorraum malt jemand ein weiteres Plakat, dahinter lehnt eines zum Trockenen auf dem steht: Jede Stimme braucht eine Bühne. Hinter einem Vorhang eines anderen Bereichs des Ankersaal-Vorraums ertönt afghanische Musik. Der Reporter darf Blicke dahinter werfen. Einige Jungs üben einen Tanz ein. Beim Festival werden sie selber einen Workshop anbieten, bei dem Besucher:innen, die Interesse haben, spielerisch die Grundschritte eines ihrer Volkstänze kennenlernen können. Solche Workshops wird es auch für serbische und jemenitische Tänze geben.
Die Jugendlichen, die ihre Kunst(werke) – von gemalten Bildern über Skulpturen bis zu Tänzen, Theaterstücken, Songs, und in anderen Performances (etwa Fashion) – vorstellen und vorführen, haben diese in den vergangenen Monaten in wöchentlichen – elf verschiedenen – Workshops entwickelt und erarbeitet. Kreativ-Mentor:innen und Jugendarbeiter:innen waren/sind die Coaches, die sie dabei unterstützten. Das Festival dient damit aber nicht nur der Präsentation dessen, was diese mehr als 100 Jugendlichen geschafft haben, sondern will auch jenen jungen Leuten, die zu Besuch kommen, sich die Kunst anschauen und -hören oder gar in Workshops mitmachen, in Talks mitdiskutieren, Mut machen, auch selber aktiv zu werden, sich auszudrücken, zu engagieren…
So manche der Jugendlichen sind erst hier in den Workshops draufgekommen, welche Talente in ihnen gesteckt haben. So schildert Kristina, mit 14 einer der Jüngsten, dass er zunächst über TikTok-Videos auf das Projekt aufmerksam geworden „bin und mir das dann bei einer Open Stage angeschaut und ich probiert habe, ein Lied zu covern. Da hab ich mich dabei wohlgefühlt, auf der Bühne gestrahlt.“ Als dann die Workshop-Leiter:innen sich von seinem Auftritt beeindruckt gezeigt haben, „bin ich beim Singen geblieben. Und als ich von meinem Traum erzählt habe, einmal eine Gitarre spielen zu lernen, wurde mir eine geborgt. Jetzt lern ich mit. YouTube- und tikTok-Videos Gitarre spielen!“
Ob er nicht bei seinem genannten allerersten Bühnenauftritt ein wenig Schiss hatte, will KiJuKU wissen: „Ein bisschen schon, aber ich hab’s gepackt und als mich dann alle gefeiert haben, war’s ein tolles Gefühl, das mich motiviert hat, weiterzumachen.“ Überhaupt fühle er sich in diesen Workshops hier sehr wohl, viel besser als in der Schule. „Hier kann man auch über alles reden, über Diskriminierungen oder dass eben alle gleichberechtigt sein sollen und können – egal welches Geschlecht, welche oder keine Religion und so weiter.“
Auch die 23-jährige Ida entdeckte erst in diesen Workshops ihre Talente. „Ich hab vorher nie Theater gespielt und nie gebreackdanced“. Jetzt legte sie nicht nur akrobatische Tanz-Bewegungen aufs Parkett, sondern spielt auch in einem Theaterstück, „da bin ich eine toughe Immobilienmaklerin und kann meine böse Seite ausleben“, verrät sie dem Journalisten. Auf DWG ist sie zufällig gestoßen, „durch ein Insta-Reel vom Theater der Unterdrückten bin ich auf die Schnupperworkshops gestoßen“ – und wie zu sehen dabeigeblieben!
Evray zückt fast gleichzeitig mit dem Beginn des Gesprächs sein Handy, scrollt durch einige Musik-Clips, verbindet das SmartPhone via Bluetooth mit einer kleinen Lautsprecher-Box und beginnt zu singen – in dem Fall Arabisch. Der 22-jährige ist im syrischen Afrin erst mit Kurdisch, dann noch mit Arabisch aufgewachsen. Diese Stadt im autonom unter kurdischer Führung verwalteten Rojava wurde vor mehr als einem halben Jahrzehnt von türkischem Militär überfallen.
„Schon mit acht, neun Jahren hab ich zu schreiben begonnen, wollte dann auch singen. Aber meine Stimme find ich nicht so gut, darum hab ich mit Hip*Hop begonnen. Ich schreib Texte über das, was ich erlebt habe und erlebe – oder zum Beispiel darüber, dass ich meine Familie schon seit fünf Jahren nicht gesehen habe und sehr vermisse.“
Er selbst war schon vor der Besetzung Afrins in die Türkei geflüchtet, wo er in Istanbul jahrelang als Jugendlicher gearbeitet hat, „als Schneider und Kellner“. Seit knapp einem Jahr lebt er in Österreich. Deutsch ist seine zweite Fremdsprache, die er neben Englisch lernt, „Kurdisch, Arabisch und Türkisch kann ich wie Muttersprachen. Ich lern jetzt intensiv im Deutschkurs, dann will ich eine Ausbildung machen und am liebsten später mein eigenes Tonstudio gründen“, erzählt Evray, der mit eigenen Hip*Hop-Nummern beim DWG-Festival auftreten wird.
Kurz kommt auch Leopold – genau der in dem Gewand schreiten wird, dessen Schriftrollen schon oben geschildert wurden – zum Interview-Tisch: „Ich fühl mich sehr wohl dabei, auch wenn ich langsam und vorsichtig gehen muss“, sagt er zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Und er freue sich schon auf den Auftritt im MuseumsQuartier.
„Wir sind immer wieder begeistert von der kreativen Energie junger Leute. Sie kann Berge versetzen und wir brauchen mehr davon, wenn wir uns ein harmonisches und vielfältiges Miteinander wünschen.“ Mit diesem Satz wird Mahir Yıldız, der Leiter und Erfinder des Projekts DWG – Demokratie, was geht?“ in der Presseaussendung zum Festival zitiert. Yıldız hat übrigens davor schon mit Jugendlichen vor allem partizipative Filmprojekte initiiert und geleitet wie „Echte Helden sind anders“ oder gemeinsam mit der Arbeiterkammer „Lockdown-Stories“ – die ihren Niederschlag in Berichterstattung auf KiJuKU.at gefunden haben.
Die jungen Bürger:innen – 6 bis 13 Jahre – beschlossen auch am vierten Tag neue Gesetze und Verordnungen. Weiterbildung soll gefördert werden. Hier wird übrigens Studium ebenso bezahlt wie Arbeit. Die Regierung brachte in die öffentliche Stadtratssitzung (bei ihr bestimmen Abgeordnete aus allen rund drei Dutzend Bereichen mit) ein, dass jene Kinder, die schon zehn Mal studiert haben, den Titel Professor/Professorin kriegen; Doktor:innen-Titel gab es schon bisher – für fünf Studien.
Kind „Fessa“ (in vielen Schulen hört sich’s für Lehrer:innen ja immer Frau Fessa und Herr Fessa an) wird auch finanziell lohnen. Denn „Profs“ ernten pro Job, den sie in der Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ ausüben zwei Holli Cent zusätzlich. 30 der 37 Abgeordneten und Regierungsmitglieder stimmten für diesen Antrag.
Außerdem wurde diskutiert, die Verfassung zu erweitern. So soll es nun auch neben Volksbegehren – die gehen von Bürger:innen aus – auch Volksbefragungen geben. Deren Ergebnisse sind nicht verbindlich, aber die Politiker:innen der Kinderstadt können zusätzlich Stimmungen ausloten. Dafür stimmten 35 der 37 Teilnehmer:innen der öffentlichen Stadtratssitzung am Donnerstag, dem vorletzten Tag der diesjährigen Wiener Kinderstadt.
Außerdem erließ schon zuvor die Regierung ein Verordnung: In sehr überlaufenen Jobs wurde eine Höchstarbeitszeit von einer Stunde eingeführt, damit diese Stellen früher wieder für andere Kinder frei werden.
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Die 20 Prozent Zinsen auf Sparbücher, die die Kinder in ihrer Stadt „Rein ins Rathaus“ am Dienstag beschlossen haben, waren dann doch insgesamt zu hoch. Daher beschlossen Regierung und die Abgeordneten aus allen Bereichen am Mittwoch eine Anpassung nach unten, bzw. eine flexiblere Lösung, aber noch immer mindestens 10 Prozent.
Der Mittwoch war full house, viele Kindergruppen „eroberten“ die Stadt, in der sie selber (mit-)bestimmen können. Und so manche, auch ziemlich neu angekommenen machten davon auch Gebrauch. So wurde etwa Marie gleich bei ihrem ersten Antreten auf Anhieb Vizebürgermeisterin.
Zuvor hatte sie noch in der Kinderstadt-Zeitung einen kleinen Artikel verfasst, dass in dieser Stadt Kinder eben Demokratie lernen und leben können. Bürgermeister wurde zum dritten Mal hintereinander Xaver. Jene oder jener mit den meisten Stimmen übernimmt dieses Amt. Er hatte sich – wie schon im Artikel am Dienstag zu lesen war – schon in den zwei Jahren, in denen es wegen der Pandemie keine Kinderstadt gab, ausführlich vorbereitet, Forderungen überlegt und in ein Büchlein geschrieben.
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Während in manchen Gebäuden zwei Schulen fast vollkommen getrennt sind und zwei Direktionen haben, gibt es beispielswiese zwei Schulen, die eine Viertelstunde voneinander entfernt liegen – acht Busstationen – und doch zusammengehören. Die kleinste Schule Wiens in den Weinbergen von Neustift am Walde in der Celtesgasse gehört zur Volksschule Krottenbachstraße, genannt Krotti. Bis jetzt, denn die beiden Schulen, vielmehr die Kinder der Schulen haben einen gemeinsamen Namen gesucht. In Ateliers und Arbeitskreisen neue Vorschläge erarbeitet. Namen und Logo wurden entworfen. Die Idee rechten von „Die-5-Sterne-Schule“ über Schulen des Friedens, der Freundschaft, Interessen, Gerechtigkeit, Demokratische Schulen Wien bis zu „Activity Mint Grätzl 19“ – wobei die zuletzt genannte Zahl für jene des Bezirks Döbling steht.
Viele der vorgeschlagenen Begriffe stecken nun sozusagen in Untertiteln des neuen Schulnamens: „Schulen der Superkräfte“ – mit einem knallbunten Logo und den in farbenfrohen Sprechblasen, -Sternen und -Blitzen stehenden Wörtern Gerechtigkeit, Kreativität, Freundschaft, Begabung, Mint, Natur.
Der neue Schulname und das dazugehörige Logo sind aber „nur“ Teil eines umfangreichen dauerhaften Demokratieprojekts. So wie die Namens- und Logo-Findung von vielen von den Schüler:innen eingebrachten Ideen bis zum Ergebnis unter ständiger Mitwirkung der Kinder stattgefunden hat, so wurden und werden diese laufend einbezogen, Ideen für Verbesserungen einzubringen. Solche reichen vom großen Schulsportplatz über die Außenwände bis zu den Klassenzimmern, den Speisesaal, der nun „Kinderrestaurant“ heißt, bis zu Unterrichtsinhalten und den Umgang miteinander.
So heißt es in der – in den ersten Monaten dieses Demokratieprozesses ebenfalls entstandenen eigenen Verfassung unter anderem:
* Alle Kinder sollen die gleichen Rechte und Pflichten haben.
* Wir nehmen alle Kinder so an wie sie sind, auch wenn sie anders aussehen, anders denken oder anders handeln als wir.
* Wir schließen niemanden aus, halten zusammen und helfen einander.
* Ich will mitfühlend sein und nehme Rücksicht auf andere. Denn jede und jeder verdient es, geliebt zu werden, auch wenn sie mich manchmal nerven.
* Ich löse meine Probleme, indem wir miteinander reden und ohne zu schlagen.
* Ich bedrohe, beschimpfe und schlage niemanden
Aber auch
* Lehrer und Lehrerinnen dürfen mich nicht anschreien
Für die Gestaltung des großen Sport- und Freizeitbereichs im Grünen außerhalb des Schulgebäudes haben die Kinder Ideen zusammengetragen und in Ateliers in einer Projektwoche auch Modelle gebastelt. Die Ateliers, für die sie sich selbst einteilen konnten, sollten aber von vornherein keine einmalige Sache bleiben. Die Mitbestimmung – wie sie ja eigentlich die Kinderrechtskonvention generell seit mehr als 30 Jahren Kindern zugesteht – wird als langfristiges dauerhaftes Element in den Schulalltag eingebaut. So gibt es seither wöchentliche Klassenrats-Sitzungen, die von Kindern abwechselnd geleitet werden und wo alles besprochen wird, was sich auf die jeweilige Klasse bezieht und auch dort selbst gelöst werden kann.
Fragen, Vorschläge, Ideen, Anregungen, Forderungen, die mehrere Klassen oder gar die ganze Schule bzw. sogar beide Schulstandorte betreffen, werden entweder in themenbezogenen Arbeitskreisen weiter behandelt oder sie kommen ins übergreifende Schulparlament. Jede Klasse hat zwei Vertreter:innen gewählt, aber es sollen auch möglichst viele andere Kinder immer wieder einbezogen werden, beispielsweise in den Arbeitskreisen.
Zudem sieht die – von den Kindern selbst erarbeitete – schon erwähnte Verfassung auch ein „erweitertes Schulparlament“ vor, in dem dann auch (Freizeit-)Pädagog:innen, Direktorin und Eltern-Vertreter:innen sowie andere Mitarbeiter:innen der Schule gemeinsam mit den Kindern Themen besprechen und beschließen.
Dass Demokratie nicht eine einfache Friede-Freude-Eierkuchen-Sache ist, zeigte sich an Wünschen vieler Kinder, die Straße vor der „Krotti“ in der Zeit bevor die Schule in der Früh beginnt, und in der Hauptabholzeit am Ende des verschränkten Ganztagsbetriebs jeweils rund eine halbe Stunde autofrei zu machen. Alle würden sich dann sicherer und freier fühlen. Halt, nicht alle, manche meinten, aber ihre Eltern würden sie ja mit dem Auto bringen und holen. Und schon entstanden Diskussionen darüber und über die Busverbindungen usw.
Ähnliches erlebte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … beim Lokalaugenschein Mitte Mai am Arbeitskreis-Mittwoch auch bei Diskussionen im Speisesaal an einem der Tische. Auf die Frage, was sie sich beim Essen vor allem wünschen, waren sich alle sofort einig: „Mehr Abwechslung beim Obst, nicht immer fast nur Äpfel!“ Aber gleich danach wollte ein Mädchen „Burger“, was andere sofort ablehnten, „das hat zu viel Fett“. Dafür schlug eine andere Schülerin vor, „es wär ganz schön, wenn es hin und wieder Karotten zum Knabbern geben würde“. Sofort einig waren sich jedoch alle wieder als es um die Jausen ging: „Bitte, nicht immer das Gleiche!“, „Und keine harten Nudeln!“ Außerdem mehr und bunte Dekoration im „Kinderrestaurant“ hätten alle gern sowie „zum Beispiel zu Weihnachten Lichterketten“.
Mitte Juni gibt es ein großes Schulfest, bei dem die Kinder ihre bisherige und noch bis dahin erarbeiteten Wünsche, Vorschläge und Forderungen allen – Eltern sowie den Gäst:innen aus Schulverwaltung und Bezirks- und Stadtpolitik – vorstellen werden. Bis dahin – so hat der Bezirksvorsteher, der am Tag des kijuku.at-Lokalaugenscheins ebenfalls anwesend war und sich Vorschläge von Arbeitsgruppen, insbesondere Schulgarten, anhörte – und dann doch aufschrieb – werde er für etliche Wünsche und Forderungen schon Antworten haben.
Ach, übrigens hat diese Schule mit zwei Standorten jetzt nicht nur einen gemeinsamen Namen und ein dazugehöriges Logo, sondern auch eine Hymne. Wie bei anderen Ateliers und im gesamten Prozess holte sich die Schule Unterstützung von außen, von Theater Ansicht, das schon etliche partizipative (Theater-)Projekte gemacht hatte. Und in einem solchen Atelier entstand die fröhliche Hymne, in der Kinder auch etliche ihrer Familiensprachen einbringen konnten und so wird u.a. von 1 bis 3 auf Deutsch, Englisch, Türkisch, B/K/S (Bosnisch/ Kroatisch/ Serbisch) Farsi bzw. Kurmandschi, Ungarisch und Arabisch gezählt gesungen.
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