Trotz dem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr ab 2027 wird es schon ein Jahr danach in Wien kleinere Gruppen geben – als Einstieg in einen Stufenplan für verschiedene Verbesserungen. Das versprachen Freitagvormittag Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling und SPÖ-Gemeinderätin Astrid Pany im Bildungscampus in der Simmeringer Rappachgasse. Dieser ist nach DER Pionierin der Elementarpädagogik in Österreich, Heidemarie Lex-Nalis, benannt. Ob und wie viel mehr Personal es dafür geben wird, konnte auch auf Nachfrage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „nicht seriös beantwortet“ werden.
Anlass für das Versprechen war die Präsentation der Ergebnisse einer großen Umfrage unter Wiener Elementarpädagog:innen – sowohl in städtischen als auch von privaten Trägerorganisationen. Von 8.866 Personen, die den Fragebogen zwischen 9. März und 12. April 2026 „besucht“ haben, füllten 2434 (knapp mehr als ein Viertel) die vielen Fragen nach Zufriedenheit in verschiedensten Bereichen, Wünschen für Verbesserungsbedarf, Zusammenarbeit mit Eltern sowie der nächsten Stufe im Bildungssystem, also der Volksschule, sowie ihrer eigenen Ausbildung usw. aus.
Mehr als die Hälfte der Antwortenden hat eine BafEP (Bildungsanstalt für Elementarpädagogik) bzw. die Vorformen BAKiP absolviert, fast ein Viertel ein Kolleg besucht und 9 Prozent kamen als Quereinsteiger:innen in dieses Berufsfeld. Fast neun von zehn (88,7%) gaben als Grund für ihre Berufswahl „Arbeit mit Kindern“ an, wobei mehrere Gründe angekreuzt werden konnten. So nannten 41,4 % auch Sinn bzw. gesellschaftlicher Beitrag als Berufswahl-grund, ein Viertel „sicherer Arbeitsplatz sowie 16,3 % „Vereinbarkeit von Familie und Beruf / Arbeitszeiten“.
„Kindergarten neu denken“ – unter diesem Titel läuft die angekündigte Reform, die sich nicht zuletzt aus den Ergebnissen der Umfrage ergibt, so die Koalitionärinnen. Fast die Hälfte (45,9%) wünscht sich eine geringere Gruppengröße, um mehr und besser auf jedes einzelne Kind eingehen zu können.
Dem werde – wie schon eingangs kurz erwähnt – beginnend mit 2028 nachgekommen, so das Versprechen. Im Verlauf von zehn Jahren sollen dann die Kindergartengruppen 83 – 6 Jahre) um drei Kinder und die Familiengruppen (0 – 6 / 2 -6) um zwei Kinder pro Gruppe kleiner werden.
Wie viel Personal dann dafür gebraucht werde, könne seriös nicht gesagt werden, meinte die Vizebürgermeisterin – wie schon erwähnt – auf KiJuKU-Anfrage. Auch die Nachfrage, jene Kinder, die dann verpflichtend in elementarpädagogischen Einrichtungen sein werden, sind ja jetzt schon auf der Welt, erfuhr eine eher ausweichende Beantwortung: Es seien ja nicht alle Gruppen überall ausgelastet… Also vielleicht doch nicht mehr Personal?
Auch fast die Hälfte – 47,8 Prozent – der Anwortenden bei der Umfrage fänden höhere und bessere Gehälter als eines der Mittel, den Beruf attraktiver zu machen – was im Stufenplan kein Thema ist. Immerhin auch noch 12,6% wünschen sich mehr Wertschätzung und Anerkennung für Elementarpädagogik.
Mehr Zeit werde es für die Pädagog:innen jedenfalls für Vor- und Nachbereitung geben, so wird – ab dem Sommer 2027 – eine Konzeptionswoche (zusätzlich zu den bisherigen pädagogischen Tagen) eingeführt – für Reflexionen, fachlichen Austausch und guter Vorbereitung des kommenden Kindergartenjahres, so Astrid Pany. Auch das „On-Boarding“, die Eingliederung neuer Kolleg:innen soll hier gut vorbereitet und nicht im laufenden Betreib so nebenbei erfolgen. Dies würde sicher auch zu höherer Zufriedenheit und längerer Verweildauer im Beruf führen können.
4 Wochenstunden als gesetzliche Vorbereitungszeit werden vorgesehen.
An weiteren großen Themenfeldern – sowohl aus der Umfrage als auch dem „neu denken“-Plan seien
Zur ganzen Umfrage geht es hier
Inklusive Bildung entscheidet mit darüber, wer dazugehört, wer gemeinsam lernen kann / darf und welche Chancen Menschen später im Leben haben. Denn Bildung ermöglicht es Menschen, ihre Fähigkeiten und Talente zu entfalten, und ist somit ein wichtiger Teil von Empowerment und Selbstbestimmung.
Sätze, denen in ihrer Allgemeinheit wohl kaum wer widersprechen würde. Was aber heißt das konkret in und für Österreichs Bildungslandschaft bzw. -politik. „Inklusive Bildung jetzt?! Lernwelten von morgen heute gestalten“, lautete das Motto des fünften Dialogforums von „Licht ins Dunkel“, das jahrzehntelang mit Inklusion selber wenig bis nichts zu tun hatte. Allerdings nach und nach Kritik von Organisationen und Aktivist:innen in diesen Fragen zunehmen aufgriff.
Rund sieben Dutzend Teilnehmer:innen am Forum kamen aus den Bereichen der Behindertencommunity, Selbstvertreter*innen, Pädagog:innen von der Elementarpädagogik bis zur Oberstufe, Expert:innen aus Forschung und Lehre, aus Politik und Verwaltung, von der Bildungsdirektion sowie nicht zuletzt auch Schüler:innen und Elternvertreter:innen disktuierten diese Woche (zweite Juniwoche 2026) im BG/BRG (Bundes(Real-)Gymnasium Kirchengasse in Graz. Themen waren, wie kann und muss inklusive Bildung gelingen, welche Hürden gibt es noch und müssen beseitigt oder überwunden werden, wird in einer Meldung für Medien von „Licht ins Dunkel“ berichtet.
Teilnehmer:innen wiesen darauf hin, dass inklusive Bildung und Förderung so früh wie möglich beginnen müsse. Wichtig seien aber auch inklusive außerschulische Angebote, um den Weg in Richtung einer inklusiven Gesellschaft weiterzugehen. Damit junge Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt lernen können, müssen sie zunächst einmal als Individuen mit ihren jeweiligen Stärken ebenso akzeptiert werden wie mit dem, was sie speziell brauchen. Gerade bei jungen Kindern dürfen die Eltern aber nicht außer Acht gelassen werden. Es fehlt etwa eine zentrale Anlaufstelle, an die sich Eltern eines Kindes mit einer Behinderung wenden können.
Eine Haltung, die alle Menschen willkommen heißt, ist eine Grundvoraussetzung für gelingende Inklusion. Aber es braucht auch die Bereitschaft, die „Extrameile“ zu gehen, denn Inklusion kostet mehr Anstrengung. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden: Inklusion ist ein Bildungsauftrag für alle, denn alle Kinder profitieren von einer inklusiven Haltung – und letztlich damit auch die Gesellschaft. Ein teilnehmender Schüler betonte, dass neben der Haltung auch die Räumlichkeiten wichtig sind. So bräuchte es Rückzugsorte für Menschen im Autismus-Spektrum wie ihn, aber auch Orte zum Austoben für andere Kinder. Mit Sorge blickten die Teilnehmenden auf die Ressourcenknappheit und den teilweise fehlenden politischen Willen, die notwendigen Rahmenbedingungen für Inklusion zu schaffen.
Die größte Hürde auf dem Weg zur inklusiven Bildung ist das „Mindset“ des Bildungssystems, das davon ausgeht, dass es Durchschnittsmenschen gibt. Dabei zeigt die Realität vielmehr, dass Kinder die Welt sehr unterschiedlich wahrnehmen und auch nicht alle mit den gleichen Rahmenbedingungen gut lernen können. Eine wichtige Rolle kommt hierbei den Pädagog:innen zu. Aber auch Schulassistent:innen sind wichtige Bezugspersonen und sollten entsprechend geschult sein. Eine weitere Barriere in den Köpfen ist die teilweise bestehende Angst vor Technologie. Dabei kann diese Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, etwa mit einer Sehbehinderung, hervorragend unterstützen.
Sonderschulen in ihrer jetzigen Form müssen auslaufen, inklusive Bildung ist angesagt, bei der alle gemeinsam mit- und voneinander lernen. Das Wissen darüber, wie Inklusion funktionieren kann, ist bereits vorhanden, es hapert jedoch an den Rahmenbedingungen – das verlangten die Teilnehmer:innen des Dialogforums. „Man kann es sich nicht leisten, auf die Talente von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen zu verzichten.“
Ein weiterer Punkt: Inklusion muss fixer Bestandteil der Ausbildung von Pädagog:innen werden, um zur Selbstverständlichkeit zu werden. Zudem braucht es mehr Lehrende mit Behinderung, die den Kindern als Vorbilder (Role Models) dienen (können). Auch das Mindset muss sich ändern: Inklusion sollte vom Wert her mit Demokratie gleichgesetzt werden. Denn beides funktioniert nur, wenn alle die Möglichkeit haben, daran teilzunehmen.
Mit den Dialogforen will „Licht ins Dunkel“ – das in den Anfangsjahren wegen seiner Nicht-Inklusion oft auch als „Nicht ins Dunkel“ kritisiert wurde – einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung. Die Dialogforen selbst sind Beispiele gelebter Inklusion, finden an einem baulich barrierefreien Ort statt, es gibt Dolmetschung in Österreichischer Gebärdensprache, Live-Schrift-Dolmetschung, eine grafische Zusammenfassung in einfacher Sprache und einen Ruheraum. Vor allem aber werden Menschen mit Behinderungen aktiv eingebunden.
Manches Mal können auch ganz kleine Schritte einen Riiiiiesensprung bedeuten. Sie sind mit Angst besetzt. Beispielsweise, wenn wer zum ersten Mal von einem Brett ins Wasser springt. Noch viel früher, wenn Kinder zum ersten Mal vom Krabbeln ins aufrechte Gehen kommen. Auch wenn sie da diese Ängste noch nicht als solche äußern. Da eher Neugier, wackeliges Ausprobieren im Vordergrund stehen.
Von einem „großen Sprung“ ausgehend – dem Übergang vom Kindergarten in die Schule – hat das kollektiv kunststoff sein jüngstes Stück „Kleiner Schritt, großer Sprung“ entwickelt und es in ein Weltraum-Trainingszentrum verlagert (Konzept und Choreografie: Stefanie Sternig). Auch wenn der Hintergedanke eher „nur“ mitzukriegen ist, wenn die Info zur Performance gelesen wird. Und weiters damit zusammenhängt, dass im heimischen Bildungssystem dieser und andere Übergänge bruchhaft erfolgen.
Zu erleben sind die angehenden Astronautinnen und ihr Bodenpersonal derzeit im Dschungel Wien – in einer ersten Spielserie bis 15. Juni 2026, Details, siehe Info-Box am Ende des Beitrages.
Bei den zu übenden Bewegungen, einzulernenden genauen Beobachtungen, exaktem Achten auf Geräusche, dem schnellen Reagieren braucht die künftige Astronautin Su Huber immer wieder die Energie des Publikums, das zu Beginn vor dem Theatersaal über Farben und Symbole in mehrere Gruppen eingeteilt wird. Und am Rande der den ganzen Raum füllenden Installation Platz nimmt. Ihre Trainingspartnerin für den All-Flug, Khadijah Pamelia Stickney, erzeugt als Meisterin an einem großen Theremin (elektronisches, berührungslos zu spielendes Instrument, erfunden 1920), sphärische Klänge.
Zu der von ihr gespielten Musik gesellen sich eine „Weltraumharfe“, ein klangvoller Helm und weitere klingende und tönende Installationen, die über Abstands- oder Lichtsensoren in Schwingungen gebracht werden und die sich Peter Plos ausgedacht und gebaut hat. Das und ein riesiger Bogen, auf dem immer wieder unterschiedlich bunte Lichtabschnitte tanzen, runden das Weltraum-Feeling ab (Kostüme, Rauminstallation, Ausstattung: Sophie Baumgartner, Jo Plos).
Und so gern Su das Abenteuer in Angriff nehmen will und dafür – mit ihrer Kollegin, unterstützt vom „Bodenpersonal“ (Christina Aksoy und Stefanie Sternig) – trainiert, sich ins Zeug legt, so geht ihr knapp bevor’s losgehen soll der Reis. Nein. Angst. Ich mach das nicht. Ich will das nicht. Und Abgang durch die Tür, die schon für die Besucher:innen zur Schleuse ins Trainingszentrum geworden ist.
Klar, so kann’s nicht bleiben. Aber akzeptiert werden sollte das schon einmal. Erst das ermöglicht Su, dass sie dann … – gut, Szenenfotos verraten ohnehin, dass sie letztlich doch – angegurtet – tänzelnd schwebt – dank des Zusammenspiels der Kolleg:innen auf und rund um die Bühne und natürlich nicht zuletzt der Unterstützung durch das Publikum …
Echte Weltraumflüge und Aufenthalte funktionieren – wie viele auch auf der Erde – nur durch Zusammenspiel und Miteinander. Die internationale Raumstation wird seit jahrzehnen von Astronaut:innen und Kosmonaut:innen aus verfeindeten Ländern bevölkert und die wissenschaftlichen Forschungen betrieben.
Der Stücktitel ist eindeutig inspiriert von jenem weltberühmt gewordenen Spruch: „Dies ist ein kleiner Schritt für [einen] Menschen, aber ein Riesenschritt für die Menschheit!“ Vor fast 60 Jahren – genau am 21. Juli 1969 um 02:56:20 Uhr UTC (Weltzeit, 03:56:20 Uhr Mitteleuropäischer Zeit; in den USA war es noch der 20. Juli), nach der Landung der
Mondfähre „Eagle“ (Adler) der Apollo 11 auf dem Mond, hat Neil Armstrong, diesen gewichtigen Satz gesagt. Der ging um die Welt, war er doch der erste Mensch, der seine Füße auf einen Boden außerhalb der Erde gesetzt hat. Wenngleich sich um diesen Satz Legenden ranken, ob er wirklich nur auf dem Mist Armstrongs gewachsen ist oder nicht doch auch literarische Vorbilder hatte.
So heißt es in Tolkiens Buch „Der Hobbit“ über Bilbo Beutlins Sprung über Gollum „kein großer Sprung für einen Menschen, aber ein Sprung ins Ungewisse“. Und Neil Armstrong nannte immerhin seine Farm nach der Astronautenzeit „Rivendell“ (nach einem Tal in Tolkiens Werken). Und NASA-Administrator Willis Shapley bezeichnete drei Monate vor der Mondlandung die bevorstehende Mondlandung als „historischen Schritt für die gesamte Menschheit“.
„Kinder und Jugendliche mit Behinderungen erleben nach wie vor erhebliche Barrieren, insbesondere in der Bildung, beim Übergang in Ausbildung und Arbeit, in der Gesundheitsversorgung und in der sozialen Absicherung. Das ist kein Randphänomen, sondern betrifft zahlreiche Familien in ganz Österreich.“ So fasst Christine Steger, die Anwältin für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen, den Erfahrungsaustausch mit mehrere hundert Vertreter:innen von Behindertenorganisationen, Beratungsstellen und Behörden aus ganz Österreich zusammen.
Inklusion bedeutet, dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam aufwachsen, zusammen lernen und selbstverständlich dazugehören. Doch die Realität sieht in Österreich oft anders aus. Bereits im Kindergarten beginnt die Ausgrenzung, weil Plätze fehlen, Einrichtungen nicht barrierefrei sind oder das nötige Unterstützungspersonal nicht vorhanden ist. Kinder mit Behinderungen können so nicht gleichberechtigt mit Gleichaltrigen aufwachsen. Die Folgen ziehen sich dann durch das gesamte spätere Leben.
In der Schule setzt sich dieses Muster fort. Obwohl Eltern in Österreich gesetzlich das Recht haben, zwischen Regelschule und Sonderschule zu wählen, besteht diese Wahlfreiheit in der Praxis oft nicht. Es fehlt an Unterstützungspersonal in der Regelschule, barrierefreier Nachmittagsbetreuung und den nötigen organisatorischen Voraussetzungen. Eltern werden dadurch faktisch gezwungen, ihre Kinder in Sonderschulen einzuschreiben, nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Alternativen. Das verstärkt die Trennung von Kindern mit und ohne Behinderung weiter.
Besonders schwierig sei die Lage für Kinder mit chronischen Erkrankungen oder unsichtbaren Behinderungen. Für diese Kinder gibt es kaum flexible Bildungsangebote, die ihrem Alltag gerecht werden. Wer nicht täglich physisch in die Schule kommen kann, läuft Gefahr, vom Unterricht ausgeschlossen zu sein und damit in Isolation zu geraten.
Auch nach der Schule tun sich gefährliche Lücken auf. Jugendlichen mit Behinderungen wird früh bescheinigt, nicht arbeits- oder vermittlungsfähig zu sein. Das schränkt ihre Möglichkeiten auf Jahrzehnte ein. Dazu kommt ein weiteres Problem: Wer eine Beschäftigung aufnimmt, riskiert, wichtige Unterstützungsleistungen zu verlieren, etwa die erhöhte Familienbeihilfe oder finanzielle Hilfen der Bundesländer. Das macht den Schritt in die Arbeitswelt zur finanziellen Falle.
„Es ist paradox. Das System, das Jugendliche mit Behinderungen absichern soll, hält sie gleichzeitig vom Arbeitsmarkt fern. Hier braucht es eine strukturelle Entkoppelung existenzsichernder Leistungen von der Erwerbstätigkeit,“ so die Behindertenanwältin in einer Medien-Aussendung am Montag (8. Juni 2026). Das heißt konkret: Wer arbeiten geht, darf deswegen nicht seine Grundabsicherung verlieren.
Wenn das System versagt, springen Familien ein und das hat einen Preis. Weil Betreuungsangebote, Schulassistenz oder therapeutische Versorgung fehlen oder nicht ausreichend sind, übernehmen Angehörige diese Aufgaben selbst. Das sind in Österreich überwiegend Mütter. Sie reduzieren ihre Arbeitszeit, geben ihren Beruf auf oder verzichten auf eigene Vorsorge mit langfristigen Folgen für ihre finanzielle Unabhängigkeit und Gesundheit. Mehr Fachpersonal in Bildung und Betreuung würde deshalb nicht nur Kindern nützen, sondern auch Frauen entlasten und zur Gleichstellung beitragen.
Die Anwältin für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen richtet daher konkrete Empfehlungen für strukturelle Reformen an die Politik:
„Die Vernetzungstreffen haben gezeigt, dass Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen eine gesamtstaatliche Aufgabe ist. Einzelmaßnahmen reichen nicht aus. Es braucht strukturelle Reformen entlang der gesamten Lebensphasen mit einer konsequenten menschenrechtsbasierten Ausrichtung. Ich appelliere an alle zuständigen Ministerien und Länder, gemeinsam zu handeln,“ so Steger.
Mittlerweile schon fast zur Tradition geworden sind diesen besonderen Salzburger Festspiele – nicht in der gleichnamigen Landeshauptstadt, sondern im kleinen Hüttschlag (rund 900 Einwohner:innen) im Bezirk St. Johann im Pongau: Bilingual in Österreichischer Gebärden- sowie deutscher Lautsprache findet nun zum fünften Mal ein visueller Musiktheaterabend im Turnsaal der örtlichen Volksschule statt.
Schauspieler:innen und Musiker:innen gestalten ein vielschichtiges, inhaltsreiches Programm, das sich vor allem gegen Krieg(slust) richtet. In diesem Jahr wird unter anderem „Kriegsschweine“ mit Szenen und Gedichten von August Stramm (Patrouille, Sturmangriff, Kriegsgrab), „Schwarzer Sabbath“ mit Szenen und Gedichten von Giuseppe Ungaretti (Veglia / Nachtwache); Musik von Ozzy Osbourne, Terence Michael Butler, Willaim T. Ward, F. Frank Iommi, „Sabbath blutiger Sabbath“ mit Szenen und Gedichten von Paul Scheerbart (Kriegstheater) und den schon Genannten inszeniert.
Ferner wird unter dem Titel „Wir genießen die himmlischen Freuden“ visuelles Theater und Musik in Bewegung nach Gustav Mahlers vierter Symphonie bearbeitet für Stimme, Kammerensemble und Gebärdensprach-Chor komponiert von Werner Raditschnig gegeben – mit Werner Mössler, Markus Rupert, Markus Pol und Rita Luksch; für die Musik sorgt das arbos-ensemble: Thomas Trsek (Violine), Nicola Vitale (Klarinette, Saxophon und Bass-Klarinette), Bojana Foinidis (Akkordeon) und Adi Schober (Schlagwerk); Kostüme und Objekte: Burgis Paier; Regie: Herbert Gantschacher.
(Halb-)Kreise, Drei-, Vierecke und weitere geometrische große Formen – in gelb, orange und himmelblau zieren Gehsteig und Straße zwischen Volks- und Volkshochschule in der Galileigasse in Wien-Alsergrund. Seit kurzem. Und sie laden Kinder ein, die für Lauf- und Hüpfspiele zu verwenden. Junge Leute laden aus einem Transporter hölzerne Möbel aus – Sitzbänke ebenso wie große Blumentröge. Am Eck zur Dreihackengasse liegt ein riesiger Berg Erde. Lokalaugenschein von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… in einer neu entstehenden Spiel-, Wohn-, Lebensstraße nahe der Wiener Volksoper.
Kaum sehen zwei vorbeigehende Kinder mit ihrer Mutter, dass die jungen Erwachsenen mit Scheibtruhen und Blumentöpfen Erde vom großen Berg einschaufeln, zu hölzernen neuen Blumentrögen bringen und dort einfüllen, drücken sie der Mutter die Eis-Stanitzel in die Hand. Sie wollen ihre Hände frei haben, um selbst vom Erd-Berg Einschaufeln zu können und neue Heimstätten für Blumen schaffen.
Es ist Freitagnachmittag, Mitte Juni. Zwei Tage später – am Sonntag – werden noch viel mehr be-sitz- und -spielbare hölzerne Möbel hier stehen, alle großen Kisten mit Blumen bepflanzt sein. Und der Lebensraum für Menschen statt des Fahr- und Stellplatzraumes für Autos wird offiziell eröffnet, unter anderem von Bezirksvorsteherin Saya Ahmed. Die vormals von Autos befahrene Gasse wird so zum Lebensraum – nicht nur für die Kinder der Schule, Lernwillige allen Alters in der Volkshochschule, sondern natürlich auch für die Anrainer:innen dieser und benachbarter Gassen.
Freitagvormittag hatten schon Volksschulkinder ein essbares Beet bestückt – unter anderem mit Paradeis- oder wie viele sagen Tomaten-Pflanzen, Melonen und weiterem Obst und Gemüse. Für dieses Beet hatten einige ein Schild gemalt: „Kinderrecht = Bildung“.
Die farbenfrohe, umwelt- und lebensfreundliche Umgestaltung dieses Straßenabschnitts erfolgte als (lebens-)praktischer Teil einer Lehrveranstaltung der Technischen Universität Wien (TUW). 23 Studierende aus den Fachbereichen Architektur sowie Raumplanung haben diese Verwandlung sozusagen von der Pieke auf bis zur nunmehrigen Endfertigung durchgezogen.
Am Beginn standen wissenschaftliche Grundlagenforschung wie Verkehrserhebung, Befragungen der Anrainer:innen, der Lehrer:innen – mit der Einladung, dass die Kinder der Schule ihre Wünsche sowohl schreiben als auch zeichnen konnten. Auf diesem Fundament an Erkenntnissen wurde ein gesamtes Leitbild für diesen öffentlichen Raum erarbeitet – mit Details für Möblierung, Bepflanzung und nicht zuletzt die bunte Bodenbemalung, die auch nicht wahllos erfolgte; sondern Anleihe beim Formen in der Gasse nahm.
… nennen Katrin Hagen, Wissenschafterin und Lehrende am TUW-Institut für Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen sowie Jan Gartner, Verbindungsglied zwischen der Uni, der lokalen Agenda Alsergrund und seiner Agentur „Raumpioniere“, die Interessierten hilft, urbane Projekte umzusetzen, diese Taktik bzw. Methode, städtischen Raum (wieder) lebenswerter zu machen im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
Die Galileigasse ist das zweite Projekte, das im Rahmen dieser studienrichtungs-übergreifenden Lehrveranstaltung (Mit-Betreuerinnen Lena Hohenkamp und Bianca Pfanner) umgesetzt wird/wurde. Im Jahr davor gelang dies im Vorarlberger Hard. Stellvertretend für die 23 Student:innen schilderten Sarah Milian und Alexandra Weber ihre Beteiligung. Letztere hatte schon im Vorjahr beim ersten Projekt mitgemacht und nun freiwillig diese Lehrveranstaltung wiederholt. Erstere meinte: „Es war die coolste Lehrveranstaltung in meinem ganzen Studium.“ Und sie steht nach knapp vier Jahren fast am Ende desselben. Und dass es der Zweitgenannten mindestens genauso erging, ergibt sich von selbst, „weil’s einfach was bringt, du siehst einen Erfolg deiner Arbeit. Und die macht den Leuten Freude“.
Und sie hätten auch Praktisches für ihr Leben gelernt. „Bevor wir begonnen haben, die Möbel zu bauen, haben wir vom Tischler – Paul Amann – eine genau Einführung in die Handhabung all der Werkzeuge bekommen“, verraten die beiden. Und dass dies nicht nur für sie beide, sondern auch für viele ihrer Kolleg:innen, ziemliches Neuland war.
Gesägt, gebohrt, geschraubt, geschliffen, lackiert bzw. die Blumentröge innen mit Teichfolie ausgekleidet haben die Studis übrigens in der „Garage Grande“, einem ehemaligen Parkhaus in Wien-Ottakring (Deinhardsteingasse/Abelegasse). Nachdem die Garage für die immer größer und breiter werdenden Autos zunehmend unbrauchbar geworden ist, hat die Gebietsbetreuung Stadterneuerung das mehrstöckige Gebäude übernommen und es zu einer Brutstätte für nachhaltige Projekte und Ideen gemacht. Die reichen von einer Fahrradwerkstatt über Pläne und Modelle für Umgestaltungen von Stadträumen – unter anderem den Westbahnpark -, künstlerische Gestaltungen, Pflanzen- und Kräuterzucht… und eben den Bau der hölzernen Stadtmöbel für die Galileigasse. Motto der „Garage Grande“: „Ideen für das Stadtklima von morgen entstehen in einer Garage von gestern.“
Während in manchen Gebäuden zwei Schulen fast vollkommen getrennt sind und zwei Direktionen haben, gibt es beispielswiese zwei Schulen, die eine Viertelstunde voneinander entfernt liegen – acht Busstationen – und doch zusammengehören. Die kleinste Schule Wiens in den Weinbergen von Neustift am Walde in der Celtesgasse gehört zur Volksschule Krottenbachstraße, genannt Krotti. Bis jetzt, denn die beiden Schulen, vielmehr die Kinder der Schulen haben einen gemeinsamen Namen gesucht. In Ateliers und Arbeitskreisen neue Vorschläge erarbeitet. Namen und Logo wurden entworfen. Die Idee rechten von „Die-5-Sterne-Schule“ über Schulen des Friedens, der Freundschaft, Interessen, Gerechtigkeit, Demokratische Schulen Wien bis zu „Activity Mint Grätzl 19“ – wobei die zuletzt genannte Zahl für jene des Bezirks Döbling steht.
Viele der vorgeschlagenen Begriffe stecken nun sozusagen in Untertiteln des neuen Schulnamens: „Schulen der Superkräfte“ – mit einem knallbunten Logo und den in farbenfrohen Sprechblasen, -Sternen und -Blitzen stehenden Wörtern Gerechtigkeit, Kreativität, Freundschaft, Begabung, Mint, Natur.
Der neue Schulname und das dazugehörige Logo sind aber „nur“ Teil eines umfangreichen dauerhaften Demokratieprojekts. So wie die Namens- und Logo-Findung von vielen von den Schüler:innen eingebrachten Ideen bis zum Ergebnis unter ständiger Mitwirkung der Kinder stattgefunden hat, so wurden und werden diese laufend einbezogen, Ideen für Verbesserungen einzubringen. Solche reichen vom großen Schulsportplatz über die Außenwände bis zu den Klassenzimmern, den Speisesaal, der nun „Kinderrestaurant“ heißt, bis zu Unterrichtsinhalten und den Umgang miteinander.
So heißt es in der – in den ersten Monaten dieses Demokratieprozesses ebenfalls entstandenen eigenen Verfassung unter anderem:
* Alle Kinder sollen die gleichen Rechte und Pflichten haben.
* Wir nehmen alle Kinder so an wie sie sind, auch wenn sie anders aussehen, anders denken oder anders handeln als wir.
* Wir schließen niemanden aus, halten zusammen und helfen einander.
* Ich will mitfühlend sein und nehme Rücksicht auf andere. Denn jede und jeder verdient es, geliebt zu werden, auch wenn sie mich manchmal nerven.
* Ich löse meine Probleme, indem wir miteinander reden und ohne zu schlagen.
* Ich bedrohe, beschimpfe und schlage niemanden
Aber auch
* Lehrer und Lehrerinnen dürfen mich nicht anschreien
Für die Gestaltung des großen Sport- und Freizeitbereichs im Grünen außerhalb des Schulgebäudes haben die Kinder Ideen zusammengetragen und in Ateliers in einer Projektwoche auch Modelle gebastelt. Die Ateliers, für die sie sich selbst einteilen konnten, sollten aber von vornherein keine einmalige Sache bleiben. Die Mitbestimmung – wie sie ja eigentlich die Kinderrechtskonvention generell seit mehr als 30 Jahren Kindern zugesteht – wird als langfristiges dauerhaftes Element in den Schulalltag eingebaut. So gibt es seither wöchentliche Klassenrats-Sitzungen, die von Kindern abwechselnd geleitet werden und wo alles besprochen wird, was sich auf die jeweilige Klasse bezieht und auch dort selbst gelöst werden kann.
Fragen, Vorschläge, Ideen, Anregungen, Forderungen, die mehrere Klassen oder gar die ganze Schule bzw. sogar beide Schulstandorte betreffen, werden entweder in themenbezogenen Arbeitskreisen weiter behandelt oder sie kommen ins übergreifende Schulparlament. Jede Klasse hat zwei Vertreter:innen gewählt, aber es sollen auch möglichst viele andere Kinder immer wieder einbezogen werden, beispielsweise in den Arbeitskreisen.
Zudem sieht die – von den Kindern selbst erarbeitete – schon erwähnte Verfassung auch ein „erweitertes Schulparlament“ vor, in dem dann auch (Freizeit-)Pädagog:innen, Direktorin und Eltern-Vertreter:innen sowie andere Mitarbeiter:innen der Schule gemeinsam mit den Kindern Themen besprechen und beschließen.
Dass Demokratie nicht eine einfache Friede-Freude-Eierkuchen-Sache ist, zeigte sich an Wünschen vieler Kinder, die Straße vor der „Krotti“ in der Zeit bevor die Schule in der Früh beginnt, und in der Hauptabholzeit am Ende des verschränkten Ganztagsbetriebs jeweils rund eine halbe Stunde autofrei zu machen. Alle würden sich dann sicherer und freier fühlen. Halt, nicht alle, manche meinten, aber ihre Eltern würden sie ja mit dem Auto bringen und holen. Und schon entstanden Diskussionen darüber und über die Busverbindungen usw.
Ähnliches erlebte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … beim Lokalaugenschein Mitte Mai am Arbeitskreis-Mittwoch auch bei Diskussionen im Speisesaal an einem der Tische. Auf die Frage, was sie sich beim Essen vor allem wünschen, waren sich alle sofort einig: „Mehr Abwechslung beim Obst, nicht immer fast nur Äpfel!“ Aber gleich danach wollte ein Mädchen „Burger“, was andere sofort ablehnten, „das hat zu viel Fett“. Dafür schlug eine andere Schülerin vor, „es wär ganz schön, wenn es hin und wieder Karotten zum Knabbern geben würde“. Sofort einig waren sich jedoch alle wieder als es um die Jausen ging: „Bitte, nicht immer das Gleiche!“, „Und keine harten Nudeln!“ Außerdem mehr und bunte Dekoration im „Kinderrestaurant“ hätten alle gern sowie „zum Beispiel zu Weihnachten Lichterketten“.
Mitte Juni gibt es ein großes Schulfest, bei dem die Kinder ihre bisherige und noch bis dahin erarbeiteten Wünsche, Vorschläge und Forderungen allen – Eltern sowie den Gäst:innen aus Schulverwaltung und Bezirks- und Stadtpolitik – vorstellen werden. Bis dahin – so hat der Bezirksvorsteher, der am Tag des kijuku.at-Lokalaugenscheins ebenfalls anwesend war und sich Vorschläge von Arbeitsgruppen, insbesondere Schulgarten, anhörte – und dann doch aufschrieb – werde er für etliche Wünsche und Forderungen schon Antworten haben.
Ach, übrigens hat diese Schule mit zwei Standorten jetzt nicht nur einen gemeinsamen Namen und ein dazugehöriges Logo, sondern auch eine Hymne. Wie bei anderen Ateliers und im gesamten Prozess holte sich die Schule Unterstützung von außen, von Theater Ansicht, das schon etliche partizipative (Theater-)Projekte gemacht hatte. Und in einem solchen Atelier entstand die fröhliche Hymne, in der Kinder auch etliche ihrer Familiensprachen einbringen konnten und so wird u.a. von 1 bis 3 auf Deutsch, Englisch, Türkisch, B/K/S (Bosnisch/ Kroatisch/ Serbisch) Farsi bzw. Kurmandschi, Ungarisch und Arabisch gezählt gesungen.
Download eines Videos über das/zum Projekt
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