In ihrer letzten (Volks-)Schulwoche besuchten rund 150 Kinder aus Kärnten bei der „UNI für Kinder“ die Universität Klagenfurt.
In ihrer letzten Schulwoche wechselten rund 150 Kärntner Kinder die Klassenzimmer mit Hochschul-Hörsälen. Fragen stellen und Antworten suchen bzw. finden, stand in erster Linie auf dem „Stundenplan“ der „UNI für Kinder. Kinderuniversität für Volksschulen“ an der Universität Klagenfurt.
Vier Mal im Jahr laden Lehrende der Uni in der Kärntner Landeshauptstadt Kinder von dritten und vierten Volksschulklassen ein. Zwei der Termine fanden nun in der letzten Schulwoche statt, in der die Kolleg:innen im Osten Österreichs schon ihre erste Woche der Ferien haben (in denen übrigens dort dichte Kinderuni-Wochen beginnen). Kinder der Volksschulen Obermühlbach, Frantschach-St.-Gertraud, Moosburg, VS 6 Villach und der Waldorfschule Klagenfurt waren dieses Mal die Gast-Jung-Studierenden.
Warum Menschen schreiben, wie unser Alphabet entstanden ist und was der Buchstabe A mit einem Stier zu tun hat, erzählte beispielsweise der Germanist Johannes Waßmer.
Daraus ließen sich von den Kindern eine Vielzahl von sprachwissenschaftlichen Fragen ableiten. „Warum nennen wir ein Haus nicht Baum?“, war nur eine von vielen Fragen, die von den jungen Forscher:innen kamen. Übrigens eine Frage, der sich in spannender, literarischer Form der Schweizer Autor Peter Bichsel (1935 bis 2025) in einer seiner (1969 erschienen) „Kindergeschichten“ widmete.
In „Ein Tisch ist ein Tisch“ ließ er einen Mann grübeln und sagen: „Immer derselbe Tisch … dieselben Stühle, das Bett, das Bild. Und zu dem Tisch sage ich Tisch, zu dem Bild sage ich Bild, das Bett heißt Bett, und den Stuhl nennt man Stuhl. Warum denn eigentlich?“ Die Franzosen sagen zu dem Bett „li“, zu dem Tisch „tabl“, nennen das Bild „tablo“ und den Stuhl „schäs“, und sie verstehen sich. Und die Chinesen verstehen sich auch. Warum heißt das Bett nicht Bild“, dachte der Mann und lächelte, dann lachte er, lachte, bis die Nachbarn an die Wand klopften und „Ruhe“ riefen. „Jetzt ändert es sich“, rief er, und er sagte von nun an zu dem Bett „Bild“. „Ich bin müde, ich will ins Bild“, sagte er, und morgens blieb er oft lange im Bild liegen und überlegte, wie er nun zu dem Stuhl sagen wolle, und er nannte den Stuhl „Wecker“. Hie und da träumte er schon in der neuen Sprache, und dann übersetzte er die Lieder aus seiner Schulzeit in seine Sprache, und er sang sie leise vor sich hin.“
Auf mindestens genauso großes Interesse wie die Entwicklung von Sprache(n) stieß der Historiker Martin Gabriel mit seinem Vortrag, der sich mit Farben, Tieren und Göttern und mit dem Zusammenspiel zwischen Mensch und Umwelt in früheren Zeiten beschäftigte. „Warum wurde der Hund zum Begleiter des Menschen und warum mögen die meisten von uns Panda-Bären?“
Den Beginn der Veranstaltung bildete an beiden Tagen ein Vortrag zur Frage „Woher wissen wir überhaupt, was wir wissen?“, in dem die Kinder selbst zu Forschenden wurden und kurz erprobten, wie der Wissenschaftsbetrieb funktioniert – von der Beobachtung über das Einsetzen von wissenschaftlichen Instrumenten bis hin zur Publikation und Tagungsteilnahme.
Ein Programmpunkt der Klagenfurter Kinderuni ist immer auch eine Führung durch die Bibliothek, in der sich die Kinder auf Büchersuche durch die Magazin-Räumlichkeiten begeben und die wertvollsten Bücher in den Sondersammlungen besichtigen können.
Den Abschluss bildeten an beiden Tagen Beiträge der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik (GMPU). Cornelia Doppelhofer, Patricia Gallob und Dieter Bucher gestalteten Workshops, bei denen die Kinder am eigenen Leib erfuhren, aus welchen Grundbausteinen Musik besteht.
„Morgen schließen unsere Viertklässler:innen die Volksschule ab – und schon heute gehen einige mit einer Sponsionsrolle nach Hause“, freute sich eine der teilnehmenden Lehrerinnen – und sichtlich auch die Kinder, die mit Urkunden-Rolle und aus US-Filmen und Serien bekannten Doktor:innen-Hüten ausgestattet für Fotos posierten.
Im Herbst 2026 erfolgt die Einladung an die Kärntner Volksschulen für die Termine im Februar und Juli 2027; die Teilnahme an der „UNI für Kinder. Kinderuniversität für Volksschulen“ ist nur im Klassenverband möglich. Bei den Kinderunis an den Wiener Hochschulen können in den Ferien alle Kinder – auch jenseits ihrer Klasse teilnehmen. Zum Abschluss der Wiener Kinderuni – ohne die erwachsenen Symbole – müssen die Kinder geloben, nie aufzuhören, Fragen zu stellen und Antworten darauf zu suchen.
Eine Überblicksseite zu allen österreichischen Kinder- und Jugend-Universitäten ist unten am Ende des Beitrages – nach einigen Reportage-Links zu anderen Kinderuni-Kursen und -Workshops – verlinkt.
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