Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Meist in Gruppen zeichnen und schreiben Kinderuni-Studierende Ideen für die Weiterentwicklung von Tapir Fridolins Kaufmannsladen
Meist in Gruppen zeichnen und schreiben Kinderuni-Studierende Ideen für die Weiterentwicklung von Tapir Fridolins Kaufmannsladen
23.07.2026

Tapir und Eichhörnchen als Kaufleute sowie friedliche Giraffen-Sprache

Kinderuni Wien: Bericht über zwei ganz unterschiedliche Lehrveranstaltungen an der Wirtschaftsuniversität mit symbolischen Tieren.

Tierisch geht’s in einem der beliebtesten Wirtschafts-Workshops der Kinderuni an der WU (Wirtschafts-Uni) in Wien zu. Die eineinhalb Dutzend Jung-Studierenden werden vom Vortragenden Michael König, an diesem Tag assistiert von der 13-jährigen Emma, im Lehrsaal 417 im lichtdurchfluteten „Teaching Center am Wiener Welthandelsplatz 1, im 4. Stock, immer wieder einbezogen in die Entwicklung eines „Kaufmannsladens“. Den hat sich Tapir (ein schweinsähnliches, aber mit Pferd nd Nashorn verwandtes Kurzrüsseltier aus Süd- und Mittelamerika bzw. Südost-Asien) Fridolin gemeinsam mit Eichhörnchen Lotti mitten im Wald einfallen lassen.

Ein Elefant fehlt(e) noch

Und wie es in einer märchenhaften Geschichte möglich ist, leben in diesem Wald eben so ganz unterschiedliche Tiere wie die beiden genannten, aber auch Löwe, Giraffe, Schnecken, Hirsch, Maus, Ameisen, Wurm und noch mehr zusammen.

„Da fehlt ein Elefant!“, merkt ein Kinderuni-Student an, als der Lehrende aus der Abteilung Strategie und Innovation seine eigenhändige Zeichnung via Beamer projiziert. Ruck-zuck zeichnet der nun an den Rand des Bildes ein solches Lang-Rüsseltier und meint dabei, dass es eher ein Ottifant werde.

Dialogisch

Schon in der ersten Hälfte läuft die Lehrveranstaltung „Tapir Fridolin und der neue Kaufmannsladen“ sehr dialogisch ab. Bei der Frage nach der Preisgestaltung für einen Apfel nennen die Jung-Studis Faktoren wie „kommt drauf an, ob Bio oder nicht“ und „hängt davon ab, wie schwierig die Ernte ist“.

Ein Gutteil des Gesprächs dreht sich dann um Ideen, wie Fridolin und Lotti ihr Geschäft bekannt machen könn(t)en: Werbung auf so Kritzelpapier, Zettel verteilen, Plakate auf Bäumen aufhängen, Zettel in die Briekästen der Leute in der Stadt stecken, bei Hörspielen Werbung ansagen, …

Eigene Ideen

Und dann überlässt der Vortragende gut ein Drittel der Zeit den Kindern. Denn via schlauer Eule Eulalia lässt er ausrichten: Eure Zukunft liegt in eurer Hand – ihr könnt sie selbst gestalten!“

In Gruppen, wer will aber auch ganz alleine, zeichnen und schreiben die Jung-Student:innen auf großen Plakaten Ideen für die Weiterentwicklung des Geschäftes von Tapir Fridolin und Eichhörnchen Lotti. Ein Mädchen malt ein Handy – über das Infos und Werbung über den Laden läuft und ergänzt, dass auch Briefe an die Leute in der Stadt geschickt werden können. Andere haben eine Drohne gezeichnet, die Waren zu den Kund:innen transportieren soll. Beim Geschäft sollte es auch Räder zum Ausborgen geben, um damit den Einkauf nach Hause zu bringen. In der Stadt sollte es einen Bus geben, mit dem Leute zum Laden kommen. In Bild und Wort kamen noch Ideen wie ein eigenes Geschäft für Kuscheltiere, „ein Shop für Basketball-Sachen und der Verkäufer ist ein Teddybär“. Jedenfalls aber sollte es auch „ein Eis-Geschäft geben, und jeden Tag andere Sorten, sonst wird es langweilig“.

Und das war’s auch definitiv für die Kinderuni-Student:innen sicher nicht.

Giraffensprache

Ein ganz anderes Tier – und das auf völlig andere Weise – steht im Zentrum einer großen Philosophie des Umgangs miteinander. Die sogenannte Giraffensprache als Symbol für gewaltfreie Kommunikation. Berühmt gemacht hat es sein Erfinder, der US-amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg, der von 1934–2015 lebte. „Mit der schlauen Giraffe zum Kommunikationsprofi werden“ nannten Alina Bot und Ilse Pachinger, Lehrende am Institut für Wirtschaftspädagogik, ihren Kinderuni-Workshop.

Papierstreifen mit verschiedenen Sätzen, ein Kamera-Symbol auf einen Beleistift geklebt sowie eine papierene Giraffe und einen ebensolchen Wolf hatten sie für alle der Jung-Studierenden vorbereitet.

Beobachten, zuhören

Die Kamera steht bei der Sprache, die ohne Gewalt auskommen will, dafür, erst einmal zuzuschauen bzw. noch mehr zuzuhören. Und das möglichst, ohne gleich zu bewerten, was die / der andere sagt oder macht. Beim Beobachten spielt natürlich nicht immer nur Gesagtes oder Gemachtes eine Rolle, sondern nicht selten auch das eine oder andere Gefühl. Um solches (leichter) erkennen zu können, baten die beiden Lehrenden die Kinderuni-Student:innen sich in Zweier-Teams zusammen zu finden. Eines der Kinder sollte Augen verschließen oder Blick von der Tafel abwenden. Dort wurden Gefühle eingeblendet – von glücklich bis langweilig, die eben von einem der Kinder gespielt, vom anderen (meist) erkannt wurden.

Wirklich bitten

Nach Beobachten und Gefühle erkennen ist der nächste Schritt in Richtung Giraffensprache: Bedürfnisse erkennen – was brauchst du, was brauche ich. Um zu guter Letzt in Stufe 4 zu bitten, statt zu fordern – aber in echt. „Kannst du jetzt bitte aufhören zu nerven!“- dieses Beispiel der beiden Vortragenden erkannten ihre jungen Student:innen klar als alles andere als eine Bitte, auch wenn dieses Wort in der Forderung drinsteckt – und gar nicht klar ist, was die / der andere wirklich meint – denn was macht dieses „nerven“ aus?

Großherzig mit Überblick

Ach ja, warum „Giraffensprache“: Rosenberg zog dieses Tier als Symbol heran, weil dessen langer Hals den Tieren einen großen Überblick verschafft UND sie über das größte Herz aller Landtiere verfügen. Dass er das Gegenteil „Wolfssprache“ nannte ist im Grunde genommen ein Widerspruch zur gewaltfreien Kommunikation, weil hier ein Tier als Bösewicht bewertet wird. Was obendrein diese Vorfahren des treuesten Freundes der Menschen (Hund) gar nicht verdienen.

kijuku_heinz

Berichte über eine weitere Lehrveranstaltung folgt.

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Kinderuni Wien

13. bis 25. Juli 2026
Programm – voraussichtlich – ab 1. Juni 2026 online
Anmeldung – voraussichtlich – ab 16. Juni 2026
kinderuni –> wien

Kinderuni Kunst

6. bis 17. Juli 2026
Programm bereits online
Anmeldungen ab 19. Mai 2026, 10 Uhr
kinderunikunst –> programm

Kinder Business Week

20. bis 24. Juli 2026
WKO-Zentrale: 1040, Wiedner Hauptstraße 63
Anmeldung schon möglich
kinderbusinessweek –> Anmeldungen

Kinder- und Jugenduniversitäten

Überblicksseite für ganz Österreich mit zwei Einschränkungen
* nur Projekte, die von OeAD (Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung; vormals Österreichischer AuslandsDienst)
* derzeit noch mit Titel 2025; erst ab der kommenden Woche – bis 22. Mai – aktualisiert für das heurige Jahr
youngscience.oead –> kinder-und-jugenduniversitaeten