Zum Weltalphabetisierungstag – 8. September – verweist die Entwicklungsorganisation „Jugend Eine Welt“ auf die von ihr unterstützten Bildungsprojekte – „als Weg aus der Armut“.
„Bildung bedeutet nicht nur, lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Sie bedeutet, die eigenen Fähigkeiten zu entdecken, Selbstvertrauen zu entwickeln und eine echte Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu bekommen“, dies schreibt die Entwicklungsorganisation „Jugend deine Welt“ am Montag (7. September 2026) nicht zum Schulanfang in den drei östlichen Bundesländern Österreichs (Burgenland, Niederösterreich, Wien), sondern zum „Welt-Alphabetisierungstag“ am 8. September. Der wird seit 1966 begangen und war ein Beschluss der Weltkonferenz zur Beseitigung des Analphabetentums im September 1965 in der iranischen Hauptstadt Teheran.
Das Recht auf Bildung, das in Österreich seit mehr als 250 Jahren selbstverständlich ist, gilt noch immer für rund 273 Millionen Kinder und Jugendliche vor allem im globalen Süden, nicht. Diese Zahl (zum Vergleich: die EU hat insgesamt 450 Millionen Einwohner:innen!) stammt von der für Erziehung, Wissenschaft und Kultur zuständigen Organisation der Vereinten Nationen, Unesco (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization). Besonders betroffen sind Länder in Subsahara-Afrika und Süd- und Zentralasien.
Armut, Kinderarbeit, fehlende Schulen, Konflikte, Flucht oder soziale Ausgrenzung sind die Hauptgründe für fehlende Bildung von Kindern und Jugendlichen in Ländern des Globalen Südens. Genau hier setzen die von Jugend Eine Welt unterstützten Bildungsprojekte an. „Unsere Projektpartner vor Ort leisten oft bei Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken können oder wollen, wichtige Überzeugungsarbeit. Manchmal geht es den Familien so schlecht, dass sie es sich schlichtweg einfach nicht leisten können, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Damit meine ich nicht nur mögliche Schulkosten, sondern auch die Tatsache, dass die Kinder mit ihrer Arbeit zum finanziellen Überleben beitragen müssen. Manchmal scheitert es aber auch am grundlegenden Verständnis der Eltern, dass Bildung für ihre Kinder der Schlüssel zu einem besseren Leben ist“, wird der Geschäftsführer dieser Entwicklungsorganisation, Reinhard Heiserer, zitiert.
Erst vor wenigen Tagen besuchte Pater Noel Maddhichetty, langjähriger Projektpartner von Jugend Eine Welt in Indien, das Büro der österreichischen Entwicklungsorganisation in Wien. Im Zuge dessen überbrachte er auch Erfolgsgeschichten von in Not geratenen Jugendlichen, denen, dank der Unterstützung von Jugend Eine Welt, durch Bildung der Weg aus der Armutsspirale gelang. „Die Lebenswege der Mädchen und Buben sind unterschiedlich. Chantamma wuchs zum Beispiel in einer armen Familie auf, die sich mit Landwirtschaft über Wasser hielt. Auch sie musste schon als Kleinkind am Feld mithelfen. Anfangs ging sie noch parallel zur Schule. Im Alter von neun Jahren wurde sie krank, ihre Eltern nahmen sie aus der Schule und sie arbeitete nur noch auf dem Feld. Als einer unserer Mitarbeiter sie fand, konnte sie nicht einmal das Alphabet. Mit der Einwilligung ihrer Eltern bekam Chantamma die Chance, in eine Don-Bosco-Schule zu gehen. Sie lernte schnell, war eine der Klassenbesten, gewann ein Stipendium für eine berufsbildende Schule und arbeitet nun als Software-Entwicklerin“, erzählt der Salesianer.
Chantamma ist eines von zehntausenden Mädchen und Buben, die dank Bildung der Armutsspirale entkommen sind. Die Jugend Eine Welt-Projektpartnerinnen und -partner weltweit begleiten Kinder und Jugendliche nach Möglichkeit auf ihrem gesamten Bildungsweg, bis sie beruflich und sozial auf eigenen Beinen stehen können. „Im Mittelpunkt unserer Arbeit vor Ort steht dabei ein ganzheitlicher Bildungsansatz ganz nach unserem Organisations-Patron Don Bosco: Kinder und Jugendliche sollen nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Sie sollen ihre Talente entwickeln, Selbstvertrauen gewinnen und jene Fähigkeiten erwerben, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen“, so der organisations-Sprecher.
Dabei gilt prinzipiell: Kein Kind soll zurückgelassen werden, jedes verdient immer wieder eine neue Chance. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, dass ein Kind, welches die Grundschule aus unterschiedlichen Gründen nicht abschließen konnte, eingeladen wird, eine Lehre zu machen. Oder dass ein Jugendlicher, der noch nie eine Schule besucht hat, auch nach dem schulpflichtigen Alter den Grundschulabschluss nachholen kann. Die Don Bosco-Bildungsmaßnahmen umfassen beispielsweise Vorschulförderung, Alphabetisierungskurse, Brückenkurse zum Wiedereinstieg ins Regelschulsystem, Nachhilfe bzw. Förderunterricht, Grundschulen, Sekundarschulen, Weiterführende Schulen und Unis bzw. Berufsausbildung und Arbeitsvermittlung. Auch Gesundheitsvorsorge, Ernährung, Kinderschutz und die Zusammenarbeit mit Familien und Gemeinschaften sind wichtige Bestandteile der Projekte.
„Kinderarbeit und fehlende Bildung verstärken sich gegenseitig. Wer als Kind arbeiten muss und deshalb nicht regelmäßig zur Schule gehen kann, hat später schlechtere Chancen auf eine qualifizierte Arbeit. Und wer als Erwachsener in Armut lebt, kann wiederum gezwungen sein, seine eigenen Kinder arbeiten zu lassen“, fasst Heiserer die Situation zusammen. „Dank Ihrer Unterstützung schaffen wir es diesen Kreislauf zu durchbrechen. Denn Bildung überwindet Armut“, so der Jugend Eine Welt-Geschäftsführer abschließend.
Als Bündnispartner der Initiative „Kinderarbeit stoppen!“ – zu deren Mitgliedern neben Jugend Eine Welt auch die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, FairTrade Österreich, Kindernothilfe Österreich und solidar Austria gehören – setzt sich Jugend Eine Welt, gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern in Ländern des Globalen Südens, für den Schutz von Kinderrechten, für gerechte Lieferketten und für ein Ende ausbeuterischer Kinderarbeit ein. Die Initiative „Kinderarbeit stoppen!“ wird von der Austrian Development Agency (ADA) im Rahmen von International Partnerships Austria gefördert.
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