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Szenenfoto aus "Wolf" im Theater im Zentrum (Wien)

„Wolf“ – als Albtraum-Tier für unterschiedliche Ängste

Wolf – sinnbildliches Tier für das Böse. In Märchen. Und in so manch österreichischer Bundesland-Politik, wo die erst mühsam nach fast-Ausrottung wieder angesiedelten Tiere gern dem Abschuss freigegeben werden. Mittlerweile auch schon ohne, dass sie das eine oder andere Schaf gefressen haben.

„Wolf“ hat Saša Stanišić in seinem – auch preisgekrönten – Jugendroman zu einem Albtraumbild zweier Außenseiter und zum Symbol für deren – unterschiedliche – Ängste gemacht. Da ist zum einen ein klassisch Gemobbter: Jörg (Jonas Graber), der gern wandert und einen völlig uncoolen uralten Rucksack schleppt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ im Theater im Zentrum (Wien)

Bewusst bis zum Ende ohne Namen

Und zum anderen die Hauptfigur, ein 13-Jähriger, der nur widerwillig und mütterlicherseits zwangsweise auf dieses Ferienlager im Wald mitgekommen ist. Seinen Namen gibt sowohl der Roman-Autor als auch die Stück-Textversion demgemäß erst ganz am Ende Preis. Blöderweise nennen ihn sowohl das Theater der Jugend als auch das NÖ-Landestheater, wo das Stück schon vor mehr als einem Jahr in einer anderen Version lief, gleich in den Infos – und damit auch die meisten Kritiker:innen. Hier wird er gar nicht verraten, selbst in den Infos unten verheimlicht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ im Theater im Zentrum (Wien)

Anders, andersiger

Mino Dreier spielt diese Figur, die auf ur-cool und lässig tut, alles in Frage stellt, selbst an den Rand gedrängt wird, sich aber im Außenseiter-Tum eigentlich meist ganz wohl fühlt. Dann aber doch zunächst nicht gerade angetan ist, ausgerechnet mit Jörg die Unterkunft teilen zu müssen. Aber doch recht froh ist, dass der noch „andersiger“ ist.

Erst spät, als er doch mit Jörg mehr redet, kommt er drauf, dass der ebenfalls immer wieder von einem gefährlichen Wolf träumt.

Und dennoch steht ein und derselbe Wolf für unterschiedliche Ängste. Sind es für Jörg die auch ganz real erlittenen Attacken vor allem von Marko (Valentin Späth), so bei der Hauptfigur eher jene, kaum bis nichts zu tun, wenn er die Gemeinheiten anderer erlebt. Obwohl er nicht nur vom Kopf weiß, sondern es auch spürt: Jetzt müsstest du doch endlich was sagen, was tun…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ im Theater im Zentrum (Wien)

Großartige Puppe

In der Bühnenversion (Claudia Waldherr), die bis fast Ende Juni im kleineren Haus des Theaters der Jugend in Wien, siehe Info-Block – läuft wird Wolf immer wieder äußerst lebendig: Eine große Puppe aus den Händen von Soffi Povo, die hier auch schon grandios gespielt hat und nun Figuren vor allem für das Schubert Theater baut und dort spielt, taucht immer wieder wie fast aus dem Nichts auf. In Bewegung gesetzt wird dieser Wolf von bis zu drei Schauspieler:innen, die gerade nicht in ihren Rollen agieren.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ im Theater im Zentrum (Wien)

Rollenwechsler:innen

Der schon genannte Valentin Späth als Obermobber Marko schlüpft auch in die Rolle des ganz auf lässig tuenden „Piet“, der sich als Betreuer genauso wenig um die Jugendlichen schert wie seine Kollegin Bella, die auf esoterisch angehauchte dauerfröhliches Hippie-Girl macht, gespielt von Sascia Ronzoni. Sie verkörpert auch die Mutter, die den Jungen auf das Wald-Camp schickt und dort aber auch Benisha, ein Mädchen, auf das der 13-Jährige irgendwie steht. Und letztlich dann doch das Kletter-Duo mit ihr sausen lässt, weil er Angst hat, dass Makro als dem Jörg zugeteilter Kletterpartner dabei etwas Ernsthaftes antun könnte.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ im Theater im Zentrum (Wien)

Als fünfter auf der Bühne agiert Frank Engelhardt als mehr als grantelnder Koch, der aber als einziger der Erwachsenen ein Herz für die Jugendlichen hat, das er allerdings mehr als zu verbergen weiß. Außerdem gibt er noch den Kletterlehrer Axel und eine bitterböse satirisch-autoritäre Waldlehrerin Beate.

Das Theater roch zumindest in den ersten Tagen in den vorderen Reihen stark nach Wald, da „wir frisch geschnittene Bäume bekommen haben“, wie Bühnenbildner Daniel Sommergruber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… anvertraute.

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Szenenfoto aus "Wolf trifft Nager" von "Gustavs Schwestern"

Alternder Wolf in Sinnkrise und Hasen-Doktor

Ein Tisch, dahinter etliche – noch leere – Bilderrahmen, ein Schild mit rotem Kreuz und ein Ring-Block mit Nummern. Nach und nach lassen die Schau- und Figurenspielerinnen Sibylle Grüter und Jacqueline Surer zunächst kleine Tierfiguren auftauchen – mit dem einen oder anderen Schmerz oder auch „nur“ Wehwechchen. Mit ihrem „Theater Gustavs Schwestern“ laden sie das Publikum im FigurenTheater St. Gallen (Schweiz) beim aktuell laufenden „Jungspund Festival“ ein in eine (tier-)ärztliche Praxis am Rande des Märchenwaldes. Und deswegen findet sich in „Wolf trifft Nager“ unter den Patient:innen auch eine menschliche Prinzessin.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf trifft Nager“ von „Gustavs Schwestern“

Irgendwann lassen die beiden Spielerinnen, die nicht nur die Figuren führen, sondern – so das Konzept dieser Gruppe – immer wieder auch selbst direkt ins Geschehen eingreifen, einen viel größeren Wolf auftauchen. Im Kostüm der Großmutter aus dem bekannten Märchen Rotkäppchen schleppt er sich ins Wartezimmer der Ordination. Es tut ihm mehr oder minder alles weh. Statt vom Block eine Nummer zu ziehen, er wäre als Nummer 30 dran, klaut er dem daneben wartenden – auch großen – Hasen dessen Zettel und drängt sich somit als 29. vor.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf trifft Nager“ von „Gustavs Schwestern“

„Sie sind alt!“

Dem – recht kleinen – Arzt klagt er seine Beschwerden. So musste er beim Verzehr der Großmutter schon ordentlich würgen, vor den Geißlein gruselt es ihm sogar schon…

Gründliche Untersuchung – inklusive Röntgen, womit noch ein drittes Element nämlich Schattentheater ins Spiel kommt – und dann die Diagnose: „Sie sind alt!“
„Ist das ansteckend, gar tödlich?“, will der Patient wissen.
Das muss der Arzt natürlich bejahen.
Was ihm sofort das Leben kostet, der Wolf verschlingt ihn.

Obwohl recht klein, liegt ihm der aber doch im Magen. Er leieieidet. Da kommt der Hase angehoppelt. Als täglicher Gast in der Ordination mit immer wieder anderen – echten und eingebildeten Krankheiten – hat er sich schon ordentlich viel medizinisches Wissen angeeignet, setzt vor allem auf natürliche Heilmittel. Er schickt den Wolf ins Bett, bringt ihm eine Wärmflasche. Und legt sich zu ihm.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf trifft Nager“ von „Gustavs Schwestern“

Hin- und hergerissen

Nach und nach kann er dem neuen Gefährten, irgendwie sogar Freund, sogar beibringen, dass der eben wirklich alt wird oder schon ist. Als er dem Wolf eine Brille übereicht, wundert der sich, was er alles (wieder) sieht – sogar die kleinen Waldameisen auf dem Boden. Aber nein, abfinden will er sich doch (noch?) nicht, er ist doch DER Ober-Bösewicht, wild und arg und überhaupt der, der im Märchenwald aufräumen muss.

Sein Aufbäumen, sein altes Gehabe, auch das Fortschicken des Hasen … – wenn der Körper nicht mehr so mitspielt!?

Schweren Herzens beginnt sich Wolf damit anzufreunden, im jetzigen Lebensabschnitt eine neue Aufgabe zu suchen. So hilft er dem Hasen die ärztliche Praxis zu übernehmen, nachdem’s im Märchenwald schon Tumult gibt, weil die Warteschlange der unbehandelten Patient:innen immer länger geworden ist. Mit immer gleichen Floskeln begrüßt der die „Kranken“, sogar einen in der Ordination eintrudelnden Baum 😉

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf trifft Nager“ von „Gustavs Schwestern“

Ausgehend vom eigenen Altern … und warum „Gustavs Schwestern“

Die beiden Spielerinnen des ¾-stündigen, kurzweiligen, abwechslungsreichen Stücks mit so mancher überraschenden Wendung (Regie: Sebastian Ryser; Dramaturgie: Dominik Busch, Musik: Roland Bucher, illustrierte Bilder, die nach und nach die Rahmen füllen: Lisa Walder) verraten Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… dass der Ausgangspunkt für „Wolf trifft Nager“ die eigene Frage „wie gut altern“ war. Daraus ergab sich aber nicht nur ein Stück zur Auseinandersetzung mit (eigenem) Altern, sondern so „nebenbei“ stellt sich rund um den Wolf auch das Hinterfragen der gängigen Rollenzuschreibung ein. Ist er so böse? Oder steht er gewaltig unter Druck, dem Bild entsprechen zu müssen oder wenigstens sollen, das alle anderen von ihm zeichnen? Schlägt sich das auf seinen Magen und die ganze Gesundheit?

Die Akteurinnen lüften übrigens auf Nachfrage auch das Geheimnis des Theaternamens „Gustavs Schwestern“: „Wir haben beide nur Schwestern und hätten uns immer einen großen Bruder gewünscht.“ Mit dem Gruppennamen „haben wir uns eben einen ausgedacht“.

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Compliance-Hinweis: Die Berichterstattung kann nur erfolgen, weil das Festival „Jungspund“ Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … für vier Tage nach St. Gallen (Schweiz) eingeladen hat.

Doppelseite aus dem Bilderbuch "Mahlzeit!"

Der Wolf und ein kleines Haserl

„Grauschnauz“ – auch wenn er auf der Titelseite ziemlich schwarz ist – will nicht mit den anderen Wölfen gemeinsam den Mond anheulen. Er möchte dem hell scheinenden Himmelskörper lieber ein eigenes, schönes Lied singen, verkriecht sich im Wald, um ganz allein mit dem Mond zu sein.

„Wie klar und rein das klang. Jeder einzelne Ton war perfekt! Selbst der Mond schien ein bisschen heller zu scheinen“, schreibt Larysa Maliush, die sich das Bilderbuch „Mahlzeit!“ ausgedacht und auch gezeichnet hat (Übersetzung aus dem Englischen: Anna Schaub). „Das war vollkommen falsch“ wird er da unterbrochen. Nicht von in den Wald zurückgekehrten anderen Wölfen, sondern von einem kleinen Häschen. Das heulte auch, aber anders, weil es ganz allein war.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Mahlzeit!“

Zum Fressen gern?

Üblicherweise ein Fressen für einen Wolf. Was hier natürlich nicht passiert, obwohl er es versucht.

Knuffel, so der kleine, weiße Hase kitzelt mit seinem Puschelschwänzchen Grauschnauz‘ Nase, der Wolf muss niesen – alles rundum erzittert, der Hase verliert einen Zettel – gerichtet an Finder, die gebeten werden, den kleinen Hasen nach Hause zu begleiten und als Dank winkt ein gemeinsames Essen. Auf das will sich die Titelfigur durchaus einlassen, an dem kleinen Häschen ist ja nicht viel dran…

Wie und was sich weiter abspielt – nein, wird hier sicher nicht gespoilert. Grau ist kein Zufall für des Wolfes Schnauze, die Autorin und Illustratorin wendet sich gegen die – im übertragenen Sinn – Schwarz-Weiß-Zeichnung von Verhältnissen 😉

Übrigens: Aktuell läuft im Mödlinger Stadttheater von der Gruppe teatro eine Musicalversion des Dschungelbuchs nach Rudyard Kipling, dessen Hauptfigur Mogli ja in der „Wildnis“ von Wölfen aufgezogen wird (Besprechung hier demnächst).

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Mahlzeit!“

Schlechtes Image bleibt kleben

Obwohl tausendfach von Fachleuten erklärt, dass Wölfe sehr sozial sind, Dutzende neuere (Kinder-)Bücher und Theaterstücke die vielen Geschichten vom „bösen Wolf“ zurechtrücken, leiden diese Verwandten der oft vermenschlichten Hunde noch immer an schlechtem Image. Den wiederangesiedelten in Mitteleuropa schon fast ausgerotteten Wölfe geht es in jüngster Zeit wieder mehr an den Kragen. Lobbys verlangen „Entnahmen“ wie Abschüsse verschleiert genannt werden.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Mahlzeit!“
Louis und Linus vor dem Schloss-Eingang

Erstmals eine kleine Sprechrolle

Viele Märchen spielen in oder rund um Schlösser. Dieses zählt nicht dazu: Rotkäppchen. Zum „Glück“ gibt es auf dem Areal des Schlossgartens vom Poysbrunn (Niederösterreich), der natürlich über etliche Bäume, die an Wald erinnern, verfügt, auch eine Art große hölzerne Hütte. Die ist einer der Spielorte – auf der Veranda davor als Großmutters Waldhäuschen.

Wie schon in den vergangenen Jahren wird nicht einfach die Story aus der Sammlung der Gebrüder Grimm oder eine andere Geschichte (es gab schon Alice im Wunderland, die Lewis Carroll erfunden hatte) inszeniert, sondern die Geschichte neu und ziemlich verändert erzählt, gespielt, gesungen und getanzt. Gerade für Rotkäppchen gibt es übrigens zahlreiche veränderte Versionen – in Büchern und auf Bühnen – Links zu einigen Besprechungen am Ende dieses Beitrages.

Probenbesuch

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte knapp eine Woche vor der Premiere von „Rotkäppchen – neu verirrt“ einer der Proben, bei der alles durchgespielt wurde, zuschauen. Rund um wurde noch gebohrt, geschraubt, gehämmert, Holzplatten für Kulissenteile gemalt…

Und während die sieben erwachsenen Darsteller:innen alle spielten, waren nur zwei der Kinder im Einsatz. Junge und jüngste Mitwirkenden übernehmen bei den Inszenierungen im Märchensommer immer nur die Rolle von Zauberblumen, Trolle, Glimmer und andere, also eher Statist:innen. Im Gegensatz etwa zu den Aufführungen von teatro im Stadttheater Mödling wo Kinder und Jugendliche gemeinsam mit erwachsenen Profis die Musicals prägen.

Als Ausgleich …

… dafür kommen hier ausschließlich die beiden Kinder des Proben-Sonntagmittags zu Wort: Louis (10) und Linus (8), ersterer spielt einen Glimmer, Zweiterer die Hausmaus bei Oma. Und als solche kommt er auch mehr zum Einsatz und darf sogar den Wolf vertreiben, der hier übrigens – so viel sei hier schon verraten, weder Oma noch Rotkäppchen frisst.

Beide sind „heuer schon zum dritten Mal dabei“, erzählen sie im Journalist:innen-Gespräch (eine Kollegin war auch dabei), und erinnern sich an frühere Rollen als Teil der Crazy Chickens bzw. als Gnom bei Rapunzel.

Freude über kleine Sprechrolle

Sehr schwierig seien die Proben nicht gewesen, aber schon ein bisschen, lassen sie durchklingen, „aber ich freu mich, wenn ich’s dann kann“, meint Linus, der sich freut, „dass ich zum ersten Mal auch eine kleine Sprechrolle habe“, wobei er „hofft, mich nicht zu verhaspeln, das wäre nicht so cool.“

Übrigens haben die beiden wie fast alle ihre Alterskolleg:innen zwei verschiedene Rollen, die sie abwechselnd übernehmen; „jedes Wochenende spielen andere Kinder“, so Louis. „Das Wechseln ist aber nicht so schwer“, versichern sie beide in dem Interview, das sie beide gemeinsam vor dem Eingang zum Efeu-verhangenen Schloss vor der Probe führen.

„In der Wildnis“

Beide sind aus Wien – im Gegensatz zu einigen anderen der mitwirkenden Kinder, die in der Gegend wohnen, „aber wenn wir spielen, bleiben wir hier“.

Auf die Frage wie der Wechsel von der Großstadt in den kleinen Ort ist, schätzen beide die viele Natur und das Grün hier. „Ich wollt immer schon einmal in der Wildnis wohnen“, meint etwa Linus.

KiJuKU will auch wissen, ob Theater, Schauspiel ein möglicher Berufswunsch sein könnte?
Louis, schon ziemlich überzeugend: „Ich will Kellner werden!“ Und sein Kollege Linus träumt eher vom Fliegen als Pilot, schaut später zum Himmel und berichtet ganz aufgeregt, dass in dem kleinen Flugzeug das zu sehen und zu hören ist, „mein Vater fliegt, der macht gerade den Pilotenschein“.

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Mehr zur Story und der Inszenierung „Rotkäppchen – neu verirrt“ (3. Juli – 24. August 2025; an den Wochenenden) in einem weiteren, eigenen Beitrag – dann auch mit allen Detail-Infos -, der noch folgt.

neu-ertraeumte-alice-mal-3-im-wunderland <- damals noch im Kinder-KURIER

Doppelseite aus "Max, der Gemüseheld"

Ein Fuchs als Gemüsetiger

„Ha, ha, ha, Gemüseheld, Suppenlöffler, Salatpflanze! Das ist alles andere als normal und schon gar nicht lecker, was du da futterst!“
Das kriegt Max offenbar immer wieder von anderen Tieren des Waldes an den Kopf geworfen. Max ist – im Buch kommt’s textmäßig erst ungefähr in der Mitte vor, aber schon die Zeichnung auf der Titelseite zeigt es – ein Fuchs.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Max, der Gemüseheld“

Seine Leidenschaft ist garteln und er steht auf Obst und Gemüse. Doch eines Tages machen ihm all die Vorwürfe der anderen zu schaffen, „hat Max eines Tages wirklich das Gefühl, dass ihm etwas fehlt. Er fasst einen Entschluss.“

Auf den folgenden Seiten ist zu sehen, wie der Fuchs sich aufmacht durch den Wald und von einem Bauernhof sich durch den Zaun ein Huhn krallt. Wilma nimmt er mit sich nach Hause.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Max, der Gemüseheld“

Überraschung

Na endlich hat er seine Natur ge-checkt, meinen Wolf und Bär und laden sich mir nichts dir nichts zum Essen ein, das Max nun kocht.

Dabei erleben sie eine Überraschung 😉 Die hier, im Gegensatz zur Verlagsseite selber, aber nicht verraten sei!

Neben einem Plädoyer für „Gemeüsetiger“ schwingt so unterschwellig auch das in jüngster Zeit wieder stärker aufgepoppte Thema mit, was denn „normal“ wäre.

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Titelseite von
Titelseite von „Max, der Gemüseheld“
Szenenfoto aus "Rotkäppchen – Wer tanzt hier mit dem Wolf?"

Wenn der Wolf ein Vegetarier ist…

Zu einem Tanz oder auch nur Tänzchen mit dem Wolf kommt es in den nicht ganz 1½ Stunden doch nicht. Dennoch legt die Botschaft aus dem Untertitel („Wer tanzt hier mit dem Wolf?“) dieser Rotkäppchen-Version im Rabenhof-Theater (Wien-Landstraße) schon nahe, dass es nicht ums Auffressen von Menschen geht. Übrigens auch nicht um den Abschuss von Wölfen. Und das, obwohl Marie Jägerin werden will.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Rotkäppchen – Wer tanzt hier mit dem Wolf?“

In der rhythmischen und von den Bewegungen dann oft doch fast tänzerischen, lustigen „Rotkäppchen“-Version im Wiener Rabenhof-Theater hat die Hauptfigur endlich einen Namen. Im Grimm’schen Märchen wird sie ja immer nur mit ihrer auffälligen Kopfbedeckung genannt.

Mehrere Neu-Versionen

Und sie hält sich bewusst nicht an die weit verbreitete Märchen-Version. Das taten übrigens auch schon andere Versionen – vom mitreißenden für das Grazer Next Liberty geschriebenen Musical „Grimm! – Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf“ (Musik: Thomas Zaufke, Text: Peter Lund) , das vor acht Jahren dann auch im großen Haus des Theaters der Jugend lief bis zu „Das Rotkäppchen und der gar nicht so böse Wolf“ im Wiener WuK (Theater Zeppelin; Text: Stephan Lack, Regie: Yvonne Zahn).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Rotkäppchen – Wer tanzt hier mit dem Wolf?“

Wolfram, der Vierte

Zurück in den Rabenhof: Hier ist eine Wolfsfamilie neu in jenen Wald gezogen, in dem Maries Großmutter ihr Häuschen hat. Marie trifft mit ihrem Korb – in dem Fall übrigens ohne Wein und Kuchen, nur mit Obst – auf Wolfi, das Kind von Wolfram, dem 3. und Sylva. Der junge Wolf ist eher schreckhaft. Marie und Wolfi spielen miteinander, freunden sich an. Er nimmt sie nach einigen Treffen sogar zu seinen Eltern mit. Die aber bald überreißen, dass sie vor sich das Objekt ihrer Rache haben. Ist Marie doch die Urenkelin jenes Jägers Jörg, der einst sechs der sieben Geißlein verspeiste (fälschlicherweise ist im Stück hier immer die Rede, dass er sieben gegessen hätte).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Rotkäppchen – Wer tanzt hier mit dem Wolf?“

Rache über Generationen hinweg

Das Jüngste hatte sich ja im Uhrkasten versteckt und überlebt. Statt wie bei Grimm die Geißenmutter, ist es hier der besagte Jäger, der dem Wolf den Bauch aufschlitzt, schwere Steine reinsteckt und zunäht. Mit dieser schweren Last im Bauch fällt der Wolf beim Versuch, Wasser zu trinken in den Brunnen. Aus. Ende. Und daher Fortsetzung – nämlich Rache. Hat es sich doch bei diesem Wolf um Wolfram, den Ersten, Großvater von Wolfis Vater gehandelt. Und so muss nun Wolfram, der Vierte, also Wolfi, schwören, diese Rache auszuüben.

Vegetarier

Seine Eltern sind ein wenig verzweifelt. Wolfi will weder ein Schaf, noch eine Ziege reißen; Menschen fressen übrigens auch nicht, ist er doch Vegetarier. Und obendrein – wie auch sein Vater – ein wenig schwer von Begriff – zum Gaudium des Publikums.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Rotkäppchen – Wer tanzt hier mit dem Wolf?“

Übrigens weder Oma noch ihre Eltern glauben Marie, dass sie einem Wolf begegnet ist. „Bei uns im Wald gibt’s keine Wölfe“, Vater Wilhelm tut’s als Fantasiegeschichte ab. Außerdem will er, dass seine Tochter die rote Mütze ablegt, wenn sie schon Jägerin werden will. Sie aber will sich nicht vorschreiben lassen, was sie anziehen oder aufsetzen darf.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Rotkäppchen – Wer tanzt hier mit dem Wolf?“

Rollen-Wechsler:innen

Auch dieser Vater ist nicht der Schlaueste, womit Bernhard Majcen, der beide Väter spielt, mehr oder minder in seiner Rolle – nur mit anderen Kostümen (Julia Klug) bleiben kann. Regisseur und Autor dieser Version, Roman Freigaßner-Hauser hat darüber hinaus sowohl dem jungen Wolf als auch Maries Bruder Moritz für Lacher sorgende geistige Beschränktheit in die Rollen geschrieben. „Nicht die hellste Kerze auf der Torte“, beschreibt Marie ihren Bruder, den Christoph-Lukas Hagenauer ebenso spielt wie den Wolfi. Letzterer ist allerdings gutmütig angelegt, ersterer als rechthaberischer Bruder.

Elena Hückel ist die einzige aus dem Bühnen-Quartett, die „nur“ in eine Rolle, die der Marie, schlüpft. Bettina Schwarz gibt Großmutter und die beiden Mütter – jene von Marie, sowie die von Wolfi.

Viel Spiel- und so mancher Wortwitz durchzieht diese „Rotkäppchen“-Fassung mit einem Ende, das hier nicht verraten werden soll, vielleicht so viel doch: Zu Schaden kommt niemand; vielleicht abgesehen davon, dass alle männlichen Rollen durchgängig ein bisschen blöd, wenngleich mit einer ordentlichen Portion Schmäh, daherkommen. Und Wolfi jedenfalls genauso sympathisch rüberkommt wie Marie, die allerdings um etliches schlauer.

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wenn-der-wolf-dann-doch-nicht-vegan-isst <- damals noch im Kinder-KURIER

musical-gegen-vorurteile-lass-dir-nichts-erzaehlen <- auch noch im KiKu

Doppelseite aus dem Bilderbuch "Bär"

Der lange Weg, Nein-Sagen zu lernen

„Oje“, denkt der gemütlich mit einem Buch, einem Keks und einem Luftballon an einer Schnur auf einer Bank sitzende, aber ein wenig ängstlich in die Welt schauende Bär. Aber „na klar“ sagt er zum Fuchs, der sich zu ihm setzen will.

Als der Wolf kommt und vom Keks des Bären abbeißen will, denkt er „nie im Leben“ – und was er sagt, ist hingegen „gern“.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Bär“

Erwünschtes Verhalten

Ähnlich geht’s die nächsten Doppelseiten weiter. Das von vielen bis allen anderen erwartete erwünschte Verhalten – in dem Fall teilen – macht er, obwohl es gar nicht möchte, sozusagen das „Drama des begabten Kindes“ (Alice Miller, Psychologin und Autorin, 1923 – 2010).

Natürlich belässt es die Autorin und Illustratorin Natalia Shaloshvili (Übersetzung aus dem Englischen: Ebi Naumann) nicht dabei. Irgendwann lernt der unfreiwillig großzügige – wollig-ausgefranst und fast ein wenig unförmig gemalte, ähnlich illustriert sind auch die anderen Tiere – Bär auch seine eigenen Bedürfnisse zu äußern. Und dabei, dass es doch auch ein „nein“ geben kann.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Bär“

Schon als Kind

Shaloshvili, auf der ukrainischen Krim aufgewachsen, später im russischen St. Petersburg beheimatet und nun schon länger in London lebend, „wollte schon als Kind Illustratorin werden. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist, dass ich davon träumte, Kinderbücher zu illustrieren“, sagte sie in einem englischen Interview mit der Website childrensillustrators. „Ich habe ein Architekturstudium abgeschlossen und kam nach der Geburt meiner Tochter wieder auf die Idee, Kinderbuchillustratorin zu werden. Sie hat mich also wohl inspiriert.“

Lange Zeit habe die studierte Architektin „digital gearbeitet, als ich Zeitschriften illustrierte. Vor ein paar Jahren habe ich angefangen, mit traditionellen Medien zu arbeiten, und bin daher immer noch dabei, meinen eigenen Stil zu entwickeln… Ich arbeite gerne mit Acrylfarben, Aquarellstiften und Buntstiften.“

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Bär“

Szenenfoto aus "Wolf" in der Bühne im Hof (St. Pölten; Gastspiel des NÖ Landestheaters)

Wie könnte der „Wolf“ besänftigt werden?

Ein stilisierter Wald – aus vor allem sechseckigen geschlossenen und röhrenförmigen hölzern wirkenden Elementen sowie im Hintergrund ebenfalls sechs hohen Stoffröhren mit Blätter und Rindenmuster (Bühne und Kostüme: Thorben Schumüller). Hier spielt sich „Wolf“ in der Bühne im Hof (St. Pölten ab). Es ist das jährliche Jugendstück-Gastspiel des nahegelegenen Landestheaters. Und es ist eine von mehr als einem halben Dutzend Dramatisierungen (in deutschen Städten) des gleichnamigen Erfolgsromans von Saša Stanišić – mit Illustrationen von Regina Kehn, von denen eine (Seite 67) offenbar die Formen der Bühnen-Elemente inspiriert hat.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ in der Bühne im Hof (St. Pölten; Gastspiel des NÖ Landestheaters)

Ferienlager, noch dazu im Wald, das hasst der ich-erzählende Jugendliche, der seinen Namen sowohl im Buch als auch folgerichtig auf der Bühne erst im allerletzten Satz Preis gibt; was blöderweise der Programmzettel konterkariert; weshalb er hier, aber auch in der Info-Box am Ende nicht genannt wird. Die Mutter hat ihn angemeldet, weil es sich für sie betreuungsmäßig nicht anders ausgegangen ist. Also muss er wohl mit – gemeinsam mit den meisten aus seiner Klasse. Was er sich ebenfalls lieber sparen würde.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ in der Bühne im Hof (St. Pölten; Gastspiel des NÖ Landestheaters)

Albträume

Als Außenseiter profitiert die Hauptfigur „nur“ davon, dass ein weiterer Mitschüler namens Jörg noch mehr „andersiger“ (Wortschöpfung von Stanišić) ist, das Opfer des Ober-Mobbers und dessen Kumpanen. Und klar landen Jörg und der Erzähler gemeinsam in einer der Hütten. Wolf – die Titelfigur – taucht in (Alb)Träumen des zentralen Jugendlichen auf – und, das sei gespoilert, auch in solchen von Jörg. Angst – des einen, ständig gemobbt bis gewalttätig behandelt zu werden; des anderen vor allem vor der Feigheit, nichts dagegen zu sagen oder gar zu tun.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ in der Bühne im Hof (St. Pölten; Gastspiel des NÖ Landestheaters)

Während Roberto Romeo ausschließlich diesen einerseits zwiegespaltenen, andererseits doch rebellischen Jugendlichen gegen die vorgegebenen Zwänge des Ferienlagers spielt, schlüpfen seine drei Schauspiel-Kolleg:innen in alle anderen Rollen aus denen sie – meist mit andere Kleidung, aber auch anderem Tonfall und Gehabe wieselflink switchen. Wobei manche Figuren mehrmals von anderen Spieler:innen dargestellt werden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ in der Bühne im Hof (St. Pölten; Gastspiel des NÖ Landestheaters)

Drei Schauspieler:innen mit vielen Rollenwechseln

So gibt Marthe Lola Deutschmann nur zu Beginn die Mutter der Hauptfigur, dann eine der Ferienlager-Betreuerinnen namens Bella, aber auch hin und wieder deren Kollegen Piet und mindestens noch eine Mitschülerin namens Benisha, vom Erzähler ein bisschen angehimmelt. Deutschmann wird aber auch der Ober-Mobber Marko. Den verkörpert aber meisten Michael Scherff, der wiederum auch noch den Koch, den einzigen, der den Hauptdarsteller zu verstehen scheint, ebenso spielt wie den Klettertrainer den Betreuer Piet und noch Zora. Vierter im Bunde auf der Bühne ist Tobias Artner als in anderen Szenen ebenfalls Betreuer Piet, Klettertrainer, vor allem aber Jörg, das Mobbingopfer.

Projizierte Ängste

Der Wolf taucht in Projektionen (!) – auf einer ebenfalls sechseckigen Fläche im Hintergrund – auf, oft nur als überdimensionales Angst einflößendes aufgerissenes Auge, gegen Ende als animierte Zeichnung und da als sanftes fast Haustier, dazwischen mit Karton-Maske – wie andere Tiere – auf den Köpfen der Schauspieler:innen. Die so ernste Story wird schon im Buch, auf der Bühne vielleicht sogar noch mehr, neben dem Spielwitz von Humor durchzogen. Für Lacher sorgen auch am stilisierten Lagerfeuer uralt-Songs wie „Marmor, Stein und Eisen bricht…“

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Doppelseiten aus dem dreisprachigen Buch mit tschtschenischen Märchen

Ein Märchen mit Frage am Ende, ein anderes, dem die wichtigste Frage fehlt

Drei Märchen aus Tschetschenien versammelt dieses bebilderte Buch. In allen spielen Tiere – wie in vielen Märchen auf der Welt – die zentralen Rollen. Besonders macht dieses Buch, dass alle drei Märchen jeweils in drei Sprachen aufgeschrieben sind: Deutsch, Tschetschenisch und Italienisch.

Doppelseiten aus dem dreisprachigen Buch mit tschtschenischen Märchen
Doppelseite aus dem dreisprachigen Buch mit tschtschenischen Märchen

Die auch dem Buch den Titel gebende Geschichte lautet: „Wer ist der Größte?“ In vielen Märchen verschiedenster Länder und Sprachen geht es um eine ähnliche Frage. Hier stehen ein Stier, ein Adler, ein Ziegenbock, ein Fuchs im Zentrum, aber auch ein Schäfer und vor allem die Jüre Baba (alleinstehende ältere Frau) spielen wichtige Rollen. Adler fängt Stier, lässt sich zwischen den Ziegenbock-Hörnern nieder… mehr von der durchaus harten Story sei nicht verraten – dafür aber der Schluss. Der ist höchst ungewöhnlich. Noch nie ist mir ein Märchen untergekommen, das so endet:

„Nun, liebe Kinder, verratet ihr mir, wer von allen, von denen ich euch erzählt habe (dann werden die Erwähnten und noch weitere alle noch aufgezählt), ist der Größte?“

Doppelseiten aus dem dreisprachigen Buch mit tschtschenischen Märchen
Doppelseite aus dem dreisprachigen Buch mit tschtschenischen Märchen

Ausnahmsweise böser Wolf

Das eben beschriebene Märchen bildet den Schlusspunkt des Buches „Mulscha shilla iokkscha? / Wer ist der Größte? / Chi è il più grande?“. Im zweiten Märchen geht es um drei Zicklein und einen Wolf – der in diesem Fall der Böse ist, was für tschetschenische Märchen und Geschichten sonst eher unüblich ist.

Doppelseiten aus dem dreisprachigen Buch mit tschtschenischen Märchen
Doppelseite aus dem dreisprachigen Buch mit tschtschenischen Märchen

Ameise und eine Kettenreaktion

Eröffnet wird das Buch mit einer aus dem Winterschlaf erwachenden Ameise. Als sie aus dem Bau kriecht, hindert ein großer, fetter Grashalm sie an der Arbeit. Und so krabbelt sie zu einem Schaf, bittet es, den Halm zu fressen. „Ameise, lass‘ mich i Ruh!“, bekommt sie zur Antwort. Gleichlautendes bzw. Ähnliches hört sie, als sie den Wolf bittet das Schaf zu fressen, die Schäferhunde, den Wolf zu verspeisen usw. Der Schäfer will lieber Detschik-Ponder (drei-saitiges tschetschenishces Instrument) spielen, die Maus nicht dessen Saiten anknabbern, die Katze nicht die Maus fangen. Erst der Wind half – zwar nicht gleich aber doch – der Ameise. Nein er blies nicht den Hal weg, sondern setzte die Kette retour in Gang, zerzauste der Katze ihr Fell und so weiter…

Aber weshalb die Ameise, die ja ein einzelgängerisches Tier ist, sondern ganz im Gegenteil mit Tausenden anderen zusammenlebt und arbeitet nicht ihre Artgenoss:innen gebeten hat?

Dies ist eine Frage, die nicht gestellt wird 😉

Historische Einleitung

Als Art Vorwort liefert das Buch – ebenfalls in den drei Sprachen eine historische Einleitung – samt Landkarte – dieser Kaukasus-Republik namens Nochtschitschö (so der tschetschenische Name, der auf „Nachfahren Noahs“ zurückgeht) und ihrer wechsel-, oftmals leidvollen Geschichte.

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Titelseite des dreisprachigen Buches mit tschtschenischen Märchen
Titelseite des dreisprachigen Buches mit tschtschenischen Märchen
Doppel-Vorsatzseite mit Wolf in 54 Sprachen

Kurt, Lupo, Lang – ein kleiner Wolf in vielen Sprachen

Ein kleiner, freundlich und neugierig dreinschauender Wolf – aufrecht gehend – schleicht sich am Sonntag in das „Kinderhaus“, einen Kindergarten, schnuppert an Spielzeug, fühlt sich wohl und entschließt sich: „Hier will ich bleiben“.

Selbst als er auf der nächsten Doppelseite von einem Turm aus Bauklötzen auf den er klettert, runterfällt. Er bleibt. Und erlebt an den Tagen der folgenden Woche die Kinder bei unterschiedlichsten Spielen – stets aus einem Versteck heraus…

Achtsprachig im Bilderbuch

Die Geschichte „Besuch vom kleinen Wolf“, die sich die Autorin Silvia Hüsler einfallen hat lassen – und auch selber dazu bunte Bilder gezeichnet hat – weist noch eine Besonderheit auf. Spezialität der gelernten Elementarpädagogin ist seit Jahrzehnten die Förderung von Mehrsprachigkeit. Und so gibt es diese Geschichte vom kleinen Wolf im Kindergarten gleich auf jeder der Doppelseiten in acht verschiedenen Sprachen. Immer wieder wird die Reihenfolge von Albanisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Serbisch (in lateinischer Schrift), Tamilisch und Türkisch verändert. Jede der Farben ist schon zu Beginn mit einer anderen Farbe eines Wolfs-Pfoten-Abdrucks gekennzeichnet – und so im Buch auf den 17 Doppelseiten auch für all jene, die die jeweiligen anderen Sprachen nicht kennen zu verorten 😉

Screenshot der Homepage von Silvia Hüsler
Screenshot der Homepage von Silvia Hüsler

Zum Hören

Für jene, die lieber hören, als (vor-)lesen gibt es auch eine Audio-CD, die „nebenbei“ den Vorteil hat, auch die Melodien jener Sprachen vernehmen zu können, die einer/einem nicht geläufig oder ganz fremd sind; Wobei als „Bonustrack“ auf der CD die Geschichte zusätzlich auf einer „neunten“ Sprache erzählt wird, auf Schweizerdeutsch.

Auf der ersten und letzten Innenseite (üblicherweise auch als Vorsatzseiten bezeichnet) findest du das Wort für Wolf sogar in 54 Sprachen – und in jenen, die in anderen Schriften geschrieben werden steht es sozusagen in lateinischer Transkription (Umschrift) daneben. Und so stößt du vielleicht auf Verblüffendes: Kurt (Türkisch), Lang (Mandarin-Chinesisch), Ulv (Norwegisch), Hunt (Estnisch), Lupo (Italienisch) – sie alle stehen für Wolf in den in Klammern angegebenen Sprachen.

Text-Download in 22 weiteren Sprachen

Der Verlag bietet übrigens auf der Homepage – Link unten in der Info-Box am Ende des Beitrages – zusätzlich als (kostenlose) Download-PDF die Texte des Bilderbuchs in weiteren 22 (!) Sprachen an: Arabisch, Mandarin-Chinesisch, Englisch, Finnisch, Hebräisch, Kapverdisches Kreol, Kroatisch, Kurdisch Kurmanci, Kurdisch Sorani (in arabischer Schrift), Luxemburgisch, Farsi (Persisch), Polnisch, Romanisch, Rumänisch, Russisch, Schwedisch, Serbisch (Kyrillisch), Somali, Spanisch, Thai, Tigrinya (Äthiopien und Eritrea), Ukrainisch.

Umschlag - Titel- und Schlussseite des Unterrichtsmaterials
Umschlag – Titel- und Schlussseite des Unterrichtsmaterials

Pädagogisches Material

Die Autorin, die gleichzeitig auch Illustratorin hat – gemeinsam mit Ursina Gloor – auch umfassende Unterrichtsmaterialien erarbeitet. Diese reichen von Kopiervorlagen über Bastelanleitungen bis zu Vorschlägen für pädagogische (spielerische) Einheiten, Rätsel, Gedichte, Lieder, Hinweise für den Unterricht Deutsch als Zweitsprache, (weiterführende) Literaturtipps und nicht zuletzt Inputs über Wolf in Mythologien, Sagen und Märchen verschiedener Sprach- und Kulturräume.

Tag der Muttersprachen

Diese Buchbesprechung erscheint übrigens nicht zufällig heute, am 21. Februar (2024). Seit dem Jahr 2000 wird immer am 21. 2. Der Internationale Tag der Muttersprache begangen. Die Unesco, die Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen (UNO), hat den ins Leben gerufen, weil rund die Hälfte aller weltweit verwendeten Sprachen vom Aussterben bedroht ist.  Dies betrifft die sogenannten Minderheiten-Sprachen, die von weniger als 10.000 Menschen (noch) gesprochen werden. Die Unesco will mit diesem Internationalen Tag aber auch Mehrsprachigkeit und Fremdsprachenunterricht ins Rampenlicht rücken. Noch immer gibt es ja (politische) Tendenzen, Mehrsprachigkeit als „Problem“ und nicht als Bereicherung zu sehen, dabei ist „Einsprachigkeit heilbar!“

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Besuch vom kleinen Wolf“ in acht Sprache
Moritz Krainz als Wolf im Kampf mit Rex, dem Dorfhund, gespielt von Nathan Mitterbauer

Durch das Musicalprojekt den eigenen Weg gefunden

Als Freitagabend im Central im Zentrum von Linz bei der Stella-Gala der Preis für das beste partizipative Projekt verkündet wurde, sprangen einige im Saal auf, der größte Jubel kam von der Galerie. Dort standen die Jugendlichen, die in „Grimm! – Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf“ (von Peter Lund und Thomas Zaufke) gespielt, gesungen, getanzt und musiziert hatten. Auf der Bühne nahm das Leading Team (Regie: Heidi Leutgöb, Choreografie: Daniel Feik) die Statue – einen auf einer Feder schwingenden metallenen Stern – entgegen und deutet sofort auf die Galerie.

Zwei Dutzend Jugendliche hatten – noch in Coronazeiten und -bedingungen und damit mit Maske – sechs Monate lang an den Wochenenden geprobt. Einer davon pendelte jeweils von Wien nach Linz: Moritz Krainz. Der 19-Jährige hatte den Wolf, der von so manchen Verschwörungstheoretiker:innen im Dorf verleumdet wird, aber alles andere als böse ist, gespielt.

Moritz Krainz als Wolf - schon im Kostüm kurz vor einer der Vorstellungen
Moritz Krainz als Wolf – schon im Kostüm kurz vor einer der Vorstellungen

Krainz sprach Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … nach der Gala an und machte darauf aufmerksam: „Du hast schon einmal über ein Musical geschrieben, in dem ich als Kind mitgemacht habe – von „Rabauki“ (Leitung: Juci Janoska).“

Im folgenden Gespräch erzählte er zunächst: „Meine Mutter hat mir von dem Casting in Linz erzählt. Erst wollte ich nicht, dann bin ich doch gefahren, wurde genommen und durfte sogar eine der Hauptrollen, den Wolf, spielen, singen und tanzen.“ Da er in Linz eine Tante hat, konnte er do übernachten.

Das Projekt habe ihn so angefixt, „dass ich beschlossen habe, die Schule (7. Klasse Gymnasium) abzubrechen, weil ich so gespürt habe, dass ist das unbedingt machen will. Ich hab mich bei der MuK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien), in München und Essen beworben und nehm bis dahin privat Unterricht. Musical ist einfach mein’s, das hab ich in und durch das Grimm-Projekt so gespürt.“

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Doppelseite aus "Der Wald heult"

Kinder und Tiere – der Mix für eine neue Krimi-Serie

Kinder lieben Tiere. Meistens, oder sehr oft. Viele Kinder mögen auch Krimis, in denen Altersgenoss:innen die Fälle aufklären. Beides kombiniert ein Duo im Auftakt zu einer neuen Serie. Martha und Mischa sind Zwillinge und fast elf Jahre. Bevor sie zu ihrem ersten Detektiv-Abenteuer kommen – und das mehr als zufällig -, haben sie zunächst einmal eine Leidensgeschichte. Sie müssen ihre geliebte Großstadt-Umgebung verlassen, weil die Eltern beschlossen haben, aufs Land zu ziehen. Die Mutter ist Tierärztin und will eine eigene Praxis am besten inmitten der Natur. Der Vater ist Journalist – und offenbar einer, der Themen bearbeitet, die er auch ausschließlich aus dem Home-Office schreiben kann. Und er sorgt immer wieder für Aufregung, weil er ziemlich patschert ist, sich da und dort anhaut, einmal sogar einbandagiert werden muss wie eine Mumie, worauf ihn Mischa ab dann meist „Tut-latut-fatut“ nennt, „die erste Mumie, die neben Altägyptisch auch noch recht passabel Deutsch sprechen kann“.

Lange kein Trost

Obwohl die Eltern liebevoll und einfühlsam sind, haben sie den Kindern von ihrem Plan nicht so bald was erzählt. Das ist die erste – noch gar nicht als Krimi angelegte detektivische Aufgabe des Geschwisterduos. Sie merken, irgendwas ist im Busch. Bis sie die Eltern direkt ansprechen und fordern, ihnen zu sagen, was los ist. Die Zwangsübersiedlung können die ihren Kindern auch nicht damit schmackhaft machen, dass sie endlich jede und jeder ein eigenes Zimmer kriegen – in der Stadtwohnung müssen sie sich eines teilen. Auch die Handys, die sie nun im Dorf Krähfeld – mit „exakt sechsundzwanzig Menschen unter achtzehn Jahren“ – kriegen, obwohl Papa vorher immer dagegen war, können Martha und Mischa (noch) nicht trösten.

Klar, irgendwann wird sich das ändern – das ist schon von Anfang an zu erwarten. Auch wenn sie, als sie beginnen nicht mehr alles abscheulich zu finden, das den Eltern gegenüber noch gar nicht zugeben können. Bald finden die Zwillinge Anschluss bei einer, der vielleicht einzigen Gruppe von Kindern von „Krächzfeld“, wie sie die neue Heimat lange abschätzig nennen.

Wolfsgeheul

Schon in den ersten Nächten macht ihnen ein unheimliches Wolfsgeheul aus dem nahegelegenen Wald ein bisschen Angst. Mit den neuen Freund:innen trauen sie sich aber in Zelten im Garten ihres Hauses mit Tierärztinnen-Praxis zu übernachten und mit Taschenlampen den Wald abzusuchen.

Eines Tages machen sie sich gemeinsam mit ihrer Mutter und dem Opa eines der neuen Freunde, der auch Tierarzt ist – für die größeren, die Nutztiere (Kühe, Schweine usw.), während sich Leyla Aslan-Jeschek um die Haustiere kümmert – auf den Weg zu einem „Tierheim“. Ach nein, sie betreue nur drei Hunde von Freunden meint die Bewohnerin. Doch Mischa muss angeblich dringend aufs Klo und entdeckt ein Geheimnis…

Davon erzählt er – das vielleicht ein wenig nicht ganz schlüssig – weder Mutter noch dem anderen Tierarzt. Es ist der Beginn des gar nicht ungefährlichen Krimis, bei dem die Kinderschar hinter das Geheimnis des Wolfsgeheuls kommt und etliche Hunde rettet.

Zufall

Petra Hartlieb, Buchhändlerin und Autorin sowie Hubert Flattinger, früherer Journalist und davor unter anderem auch Tierpfleger, trafen zufällig aufeinander und begannen an dieser Geschichte zu „spinnen“, die der Auftakt für eine Serie sein soll. Abwechselnd erzählen sie – in dem Fall in 23 Kapiteln – die Geschichte jeweils aus der Sicht Marthas bzw. Mischas. Somit wird nicht nur die spannende Geschichte mit der sich schrittweise an die neue Umgebung gewöhnende Situation erzählt, sondern auch die – mitunter recht unterschiedliche Perspektive von Martha und Mischa und deren Blick auch aufeinander – geschildert.

Schwarz, weiß, grün

Ulrike Halvax zeichnete für beide Kinder Strichporträts, die schon am Beginn des jeweiligen Kapitels die Stimmung anzeigen – von fröhlich bis sehr angefressen. So manche der Text-Doppelseiten wird von Zeichnungen zur jeweiligen Situation – oder anderer handelnder Personen – aufgelockert. Neben schwarzen und grauen Strichen immer wieder auch mit grünen Flächen.

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Titelseite des Kinderkrimis
Titelseite des Kinderkrimis „Der Wald heult – Ein Fall für Martha & Mischa“