Die besten der besten Science-Projekte; Teil 8 der Berichte über das Bundesfinale von „Jugend Innovativ“ 2026.
Am 8. Juni (2026) wurden 42 Schulen aus sieben österreichischen Bundesländern von Wissenschafts-/Forschungs-Frauenministerium und OeAD (Agentur für Bildung und Internationalisierung) mit dem Young-Science-Gütesiegel ausgezeichnet. Diese Schulen – aller Typen – haben entsprechende Schwerpunkte – in Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Forschungs-Einrichtungen.
Vor knapp eineinhalb Wochen stellten sich im – mittlerweile 39. – Bundesfinale von Jugend Innovativ auch wieder die fünf besten der besten Projekte in der Kategorie Science (Wissenschaft) vor. Die Jury würdigte sie mit Preisen.
Platz 1 ging an ein Projekt, mit dem zwei Jugendliche der HTL Bregenz den Rahmen der Schule praktisch sprengten. Eineinhalb Monate lang studierten Jonas Stadelmann und Julian Übelher an der Virginia Tech Uni in den USA, um weiter an einem internationalen Problem eines Tiefpunkt in einem Algorithmus eines Quantencomputers. Was fast unaussprechlich „Analyzing and Overcoming Optimization Obstacles in Adaptive Variational Quantum Algorithms“ und selbst in der Übersetzung „Analyse und Überwindung von Optimierungshindernissen in adaptiven variationalen Quantenalgorithmen“ für Laien „nur“ hochkomplex klingt, können die beiden auf praktische einfache Art andeuten:
„Die Entwicklung neuer Medikamente … scheitert oft an der Rechenleistung klassischer Computer, wenn es darum geht, komplexe Molekül-Strukturen zu simulieren. Quantencomputer versprechen hier die Lösung.“ Dabei gibt es einen „vielversprechender Algorithmus… doch er bleibt oft in … Phasen stecken, in denen die Berechnung stagniert und wertvolle Quantenressourcen verschwendet werden…“
Und siehe da, das Duo aus Vorarlberg machte sich auf den Weg, diesen Algorithmus (ADAPT-VQE) aus dieser bisherigen Sackgasse herauszubringen – und dies ist ihnen, nicht zuletzt dank ihres Forschungs-Aufenthalts in den USA gelungen. Ihre Diplomarbeit ist dabei, als Peer Review-Papier veröffentlicht zu werden – Schüler im Kreis der internationalen Quantenforschung!
Neben dem Science-Sieg dürfen sich die beiden auf die Reise zum chinesischen Wissenschafts- und Technologie-Innovationsbewerb in Xi’an City in der Provinz Shaanxi freuen.
Zu recht regelmäßigen Teilnehmer:innen im Jugend-innovativ-Finale zählen unter anderem Wissenschaftsprojekte aus dem (Real-)Gymnasium Schloss Wagrain im oberösterreichischen Vöcklabruck. Das diesjährige Team – Tim Schachinger, Elias Todjeras, Munachukwuso Chijioke, Jwan Rasheed sowie ihre Koordinatorin Salome Daniels, die in Wien verhindert war – aus dem Wahlpflichtfach Biologie legen nur die Forschungsfragen fest und koordinieren die Experimente rund um die sogenannte Quaggamuschel im Attersee.
Rund 100 weitere Jugendliche der Schule beteiligen sich an en Forschungen rund um diese invasive Art. Zum einen sind ihre scharfkantigen Schalen für Badende und Schwimmende höchst schmerzhaft – an Füßen und da sich diese Muscheln auch an Stegen ansiedeln, auch für Hände beim Festhalten, um den See zu verlassen.
Das ist aber bei Weitem noch nicht alles, Filteranlagen könn(t)en so nach und nach verstopft werden.
Zum einen haben Schüler:innen Sedimentproben aus verschiedenen Tiefen entnommen und daraus die Belastung hochgerechnet. Fast eine halbe Million dieser Muscheln pro Quadratmeter errechneten sie. Eine andere Gruppe untersuchte, wer als Fressfeinde in Frage kämen. In Zusammenarbeit mit BirdLife gibt es erste Vermutungen, dass Blässhühner und Tauchenten Geschmack an Quaggamuscheln finden könnten. Eine andere Gruppe arbeitet mit Fischern zusammen, um den Magenhinhalt von Rotaugen und Karpfen zu analysieren – vielleicht…?
Eine weitere Gruppe versucht einen ganz anderen Weg zu erforschen: Gibt es Materialien, an denen sich diese Muschelart nicht festsetzen kann, dann…
Und neben den Vor-Ort-Proben im See kann fast ständig auch in der Schule beobachtet werden. Seit einigen Monaten steht in der Aula ein Aquarium mit Exemplaren der lebendigen Forschungsgegenstände der mehr als 100 beteiligten Schüler:innen. Die Quaggamuschel-Forschund der AHS läuft bis 2028.
Silbrig glänzte der Umschlag, den Mr. Cube samt Statue für den zweiten Science-Platz überreichte.
Recht spektakulär ging’s zeitweise beim Stand von Johannes Schneider, Vanessa Moosmann und Robin Pregler aus der HTL Dornbirn (Vorarlberg) zu. Grad, dass nicht mit Spritzpistolen herumgeschossen wurde. Aber Wasser rann und floss – nicht nur auf einem kleinen Stück Stoff über einem Auffangbecken, sondern auf größeren regenmantelartigen blauen Stoffen.
So demonstrierte das Trio, dass alles unter dem Stoff trocken bleibt, wenn dieser mit ihrer Erfindung zuvor besprüht worden war – am Ende des Beitrages gobt’s auch ein Video dazu.
Und was ist das Neue, schließlich gibt es Imprägniermittel läääängst.
Die herkömmlichen verdanken ihre Fähigkeit allerdings sogenannten Ewigkeits-Chemikalien- PFAS – per- und polyfluorierten Alkylverbindungen. Da diese Chemikalien eben wie ihr Spitzname sagt, laaaaange nicht abgebaut werden können, ist eine EU-weite Regulierung zur Beschränkung derselben in Vorbereitung.
Gut, es gibt bereits PFAS-freie Imprägniermittel, gestehen die drei Schüler:innen zu, „doch im direkten Leistungsvergleich halten sie mit den fluorhaltigen Produkten meist nicht mit“. Das Trio setzt auf „eine Kombination aus Silikonöl (Polydimethylsiloxan) mit einem speziellen Silikonharz und Isoparaffin als Trägerflüssigkeit“.
Testete, testete und testete. Fast zwei Dutzend unterschiedliche Mischungen unterzogen sie verschiedenen Prüfungen, wieweit das Material Wasser abweist und nicht durchlässt – und verglichen dies mit dem PFAS-Testsieger.
„Ein vierstündiger Langzeit-Beregnungsversuch (beim Projekt „Aqua Shield – PFAS freier Imprägnierspray für Textilien“) machte den Unterschied sichtbar: Rezeptur 18 ließ kein Wasser durch, beim PFAS-Spray sickerten knapp 50 Milliliter hindurch. Und die Materialkosten sanken von anfänglich 6,32 Euro pro Liter auf 4,49 Euro, bei besserer Wirkung und ohne Ewigkeitschemikalien.“
Also besser und billiger – Die Schüler:innen denken – mit einer Partnerfirma – die Produktion über ein reines Wissenschaftsprojekt hinaus, in Angriff zu nehmen. Neben Platz 3 gewannen die drei Schüler:innen auch die Einladung zur Luxembourg International Science Expo 2026.
Ein durchaus funktionierendes Kleinstmodell einer Brennstoffzelle aus Hefe und Zucker präsentierten Jana Pfeiffer und Max Schneeberger von der HTL im oberösterreichischen Braunau an ihrem Stand im Jugend-Innovativ-Finale. Die Computermessungen zeigten praktisch laufend – natürlich winzige, aber doch vorhandene Strommengen.
Hefe als Prototyp für einen Pilz und Zucker verwendeten sie aber „nur“ stellvertretend für ihre eigentliche wissenschaftliche Forschung, „weil wir aus gesundheitlichen und hygienischen Gründen hier nicht mit wirklichen organischen Abfällen arbeiten wollen / dürfen / können“.
Denn um solche kreist ihre Arbeit: In jeder Kläranlage braucht es viel Energie, um organisch Abfälle abzubauen. Könnten diese nicht eher genutzt werden, um Energie zu erzeugen?
„Mikroorganismen bauen organisches Material ab und geben dabei Elektronen frei. Leitet man diese Elektronen über eine Elektrode ab, fließt Strom. An der gegenüber liegenden Kathode reagieren sie mit Sauerstoff, und der Stromkreis schließt sich“, so die Überlegung des Duos. Die beiden Jugendlichen beließen es mit „Microbial Fuel Cell“ allerdings nicht „nur“ bei der theoretischen Überlegung und der Anfertigung des eingangs beschriebenen Modells, sondern bauten in der Schule unterschiedliche Versuchsanordnungen – die funktionierten und Strom erzeugten.
Neben einem der Anerkennungspreise gewannen sie damit vor allem – neben der Tremo-Cup-Erfinderin – die Reise zur Taiwan International Science Fair 2027 (TISF) in Taipei.
Hinterlassen Abgase Spuren in Böden und den darauf wachsenden Pflanzen? Dieser Frage sind Fabian Kaltenbrunner, Max Lehner und Timo Haydter aus der HLUW (Höherer Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft) Yspertal (Niederösterreich) auf den Grund gegangen.
An mehreren Punkten rund um ihren Schulstandort entnahmen sie vor mehr als einem Jahr Bodenproben, die Pflanzen unterzogen sie dem „Braun-Blanquet-Verfahren, einem etablierten Schätzsystem für Pflanzengesellschaften“. Wobei sie die Untersuchungsorte einteilten in nahe der Bundesstraße (B36), Güter- sowie Feldwege. Im schuleigenen Labor analysierten sie die Stichproben.
Über ihre Ergebnisse schreiben sie in der Kurz-Darstellung: „An der Bundesstraße beträgt die Naphthalin-Konzentration 2,8 mg/kg trockener Boden, deutlich erhöht gegenüber Feldwegen. Auch bei den Schwermetallen, insbesondere Barium und Zink, zeigt sich ein Gefälle mit abnehmender Entfernung zum Verkehr. … Überraschend positiv fielen die biologischen Tests aus: Trotz der verkehrsnahen Standorte fanden die Schüler keine Pflanzen, die auf Versalzung durch den Winterstreudienst hindeuten. Die Vegetation zeugt stattdessen von gut durchfeuchteten, nährstoffreichen Böden.“
… wird im Auftrag der Bundesministerien für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET); Bildung (BMB) sowie Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) von der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) abgewickelt und von der Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative (nach einigen Jahren Absenz wieder Kategorie-Patin Sustainability) unterstützt.
Der Sonderpreis für das beste Lehrlingsprojekt wird ermöglicht durch die Kooperation mit der Austria Marshall Plan Foundation und dem AFS – Austauschprogramme für interkulturelles Lernen.
Seit 1987 haben mehr als 12.300 Projekt-Teams mit knapp 58.100 Schüler:innen am Wettbewerb teilgenommen. Der Wettbewerb wird laufend von Workshop-Angeboten sowie Qualifizierungsmaßnahmen (z. B. Beratungen zum Innovationsschutz, etc.) für Schüler:innen und Lehrer:innen begleitet.
Weitere Infos: jugendinnovativ.at
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