\n\n Hin“reißende“ Reise ins Alles-Möglich-Land | KiJuKu - Kinder Jugend Kultur Und mehr
Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Szenenfoto aus "Hannes uns ein Bumpam" im Linzer Theater des Kindes

Hin“reißende“ Reise ins Alles-Möglich-Land

Ein Kinderbett, eine Wand, ein großes Fenster mit Wolken. Unter der Decke bewegt sich was, Hannes wird wach – und beginnt zu träumen. Der Blick auf die Wolken lässt ihn ein Segelschiff erblicken und er wird flugs zum Kapitän mit gelber Segeljacke, rotem Hut und später gelben Gummistiefeln. Von Reisen über die Weltmeere erzählt und singt Lena Matthews-Noske, die den Kindergartenbuben Hannes seit Kurzem im Linzer Theater des Kindes spielt.

Da kommt die Mutter mit Zahnbürste im Mund und treibt den Sohn an. Er solle endlich weitertun, sie seien schon spät dran und so weiter. Kennt wohl jedes Kind. Keine Zeit zum (Tag-)träumen – oder Trödeln wie dies Erwachsene meist bezeichnen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Hannes uns ein Bumpam“ im Linzer Theater des Kindes

Regen-Stunde

Im Kindergarten ist dann beim Blick aus dem Fenster starker Regen zu beobachten. Was die Pädagogin veranlasst, Kinder – auch im Publikum – zu fragen, wie Regen entsteht. Um gleich danach anhand gezeichneter Bilder dieses Naturphänomen zu erklären.

Den Hannes aber, der sich schon vorher schwertut mit ruhig sitzen, regt das Nass von oben an, sich eine Regenfrau auszumalen. Und diese zu basteln – aus Knetmasse, Papier und was er gerade in seiner Materialkiste für das „Kleid aus Wasser“ findet. Doch irgendetwas scheint ihm noch zu fehlen. Grübel, grübel…

Der Zwischenruf „Haare“ eines Kindes bei jener Vorstellung in den Osterferien, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… besuchte, wird „überhört“. Möglicherweise kannte das Kind die Vorlage für das Stück – das Bilderbuch „Hannes und sein Bumpam“ von Mira Lobe und Susi Weigel – Buchbesprechung am Ende des Beitraes verlinkt. So wie dort, schneidet sich Hannes Haare ab – im Stück trickst die Schauspielerin mit einer künstlichen, ins eigene Haar geklemmten, Strähne, um die Regenfrau zu vollenden. Sie hat’s gebraucht und er hat eh so viele davon.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Hannes uns ein Bumpam“ im Linzer Theater des Kindes

Schere weg

Die Folge aber ist die gleiche wie im Buch: Die Kindergärtnerin nimmt Hannes die Schere weg – hier allerdings mit einem Schuss selbstbezichtigender Reflexion. „Langsam wird‘ ich zu alt für diesen Job“, sinniert Margarethe (im Buch Grete und dort noch längst überholt, aber schon vor 65 Jahren geschrieben, als „Tante“ tituliert). Weil sie nicht aufgepasst habe, konnte das passieren und Hannes‘ Mutter werde sicher schimpfen. Was sie dann übrigens nicht wirklich tut, nur meint, fürs Haareschneiden gäb’s eben Friseure.

Natürlich findet Hannes es unfair, dass ihm die Schere weggenommen wird, aber er kommt – in der Stückversion – selber auf die Alternative. So reißt er eben drauflos, um die Bilder zu kriegen, die er sonst aus Papier geschnitten hätte. Unter anderem erschafft er Bumpam – hier als Menschen in weißem Frack und so manch buntem Accessoire. Im Buch ist es ein Tier – ein Mix aus Hund und Katz und irgendwas…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Hannes uns ein Bumpam“ im Linzer Theater des Kindes

Traumreise

In der Nacht taucht dieser Bumpam auf und lädt Hannes zu einer Reise ein. Die führt nicht mit dem Wolken-Segelschiff übers Meer, sondern in das „gerissene“ Land – alle und alles – Landschaft und Tiere sind aus Papier gerissen: Ein Elefant mit Giraffenhals, ein Kaninchen mit Tigeraugen, ein kletternder Wal. Hannes und Bumpam leben sich und ihre Fantasie aus. Samt Gesang und Tanz. Im „gerissenen“ Land aus Papier ist eben alles möglich.

Rollenwechslerin

Diesen Bumpam verkörpert Simone Neumayr, die noch Mutter, Elementarpädagogin und die Regenfrau spielt. Mitunter muss sie dabei in Sekundenschnelle von einer in die andere Rolle – samt dazugehöriger Kostüme schlüpfen – und verwandelt sich jedes Mal glaubhaft wunderbar – hin„reißend“ sozusagen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Hannes uns ein Bumpam“ im Linzer Theater des Kindes

Feuerdrache

Guruboo, den Feuerschnauber aus dem Buch, vor dem Ziegelmauer-Fleckentiere flüchten, machen Caroline Richards, die auch Regie führte und Chili Tomasson, der für die Musik verantwortlich zeichnet, in ihrer Bühnenversion zum feuerspeienden Drachen im „gerissenen Land“. Da dort alles aus Papier ist herrscht höchste Gefahr. Alarm.

Was könnte helfen? Nun, was sich Hannes und Bumpam dafür ausdenken und spielen – das wird hier sicher nicht gespoilert. Verraten wird nur, dass der große Bumpam da ganz schön ängstlich zittert, während der sonst zögerliche, verträumte Hannes mutig die überraschende Initiative ergreift…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Hannes uns ein Bumpam“ im Linzer Theater des Kindes

Reißerin

Die Bühne, die das spielfreudige Loblied auf (Tag-)Träumen und Fantasie, unterstützt, wurde von Ragna Heiny gestaltet, nur das Pferd als Wächter des Reiß-Landes hat glatte Konturen. Hannes-Darstellerin Lena Matthews-Noske entwickelte sich übrigens während der Proben zur ergänzenden Reiß-Meisterin und steuerte so manche der Papierfiguren für die Szenen im Kindergarten bei. Das gab ihre Kollegin – Bühnen-Mutter, -Elementarpädagogin, Regenfrau und gerissener -Spielgefährte Bumpam – Simone Neumayr nach der Vorstellung preis, wo Kinder Fragen stellen und die Bühne inspizieren können.

kijuku_heinz

Szenenfoto aus "Der fabelhafte Die", Linzer Landestheater in den Kammerspielen

Wer ist wer oder wir und warum vielleicht doch nicht ;)

Die ersten ausgelassenen Lacher erntet die jüngste Premiere für Kinder des Linzer Landestheaters in den Kammerspielen noch beim geschlossenen, edlen, samt wirkenden roten Vorhang. Aus dem Off ertönen Werbesprüche die eindeutig schon zum Stück gehören: „Dieses Ereignis wird Ihnen präsentiert von Matschis süßem Kribbel-Schleim… Kommt oben in die Öffnung rein!… Kann bei „übermäßigem Konsum“ zu unangenehmem Völlegefühl, Übelkeit und Magendruck ohne erlösendes Erbrechen führen… Weiterhin wird Ihnen dieses Ereignis präsentiert von Köttelspeiers Rülpskompott… Kaum gerochen, schon erbrochen!…“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der fabelhafte Die“, Linzer Landestheater in den Kammerspielen

Rülpsen und Furzen zieht allemal. Doch die Sprüche – wie der Großteil des gesamten einstündigen Stücks in Reimen – ertönen selbstironisch und spielen damit schon mit Schein und Sein. „Der fabelhafte Die“, verfasst vom deutschen Schauspieler, Regisseur und Erfolgsautor junger Stücke Sergej Gößner ist in einem zirkus-artigen Setting angesiedelt und jongliert mit Rollen, Identitäten und vielen Wechseln und Wandlungen. Ein, nein DAS Ur-Ding des Theaters an sich: In (andere) Rollen und Geschichten schlüpfen!

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der fabelhafte Die“, Linzer Landestheater in den Kammerspielen

Rollenwechsel

Zwei bunt gekleidete und geschminkte clowneske Figuren stürmen links und rechts neben den Sitzreihen die Tribüne hinunter zur Bühne, die dritte Figur schwebt in einem großen leuchtenden Ring aus dem Zirkushimmel hernieder (Bühne und Kostüme: Anne Horny). Die drei Figuren vom Stück und im Programmheft – auf der Bühne jedoch so nie aus- oder angesprochen – tragen jeweils nur einen Buchstaben als Rollennamen: W (Levi R. Kuhr), I (Jakob Schmölzer) und R (Alexandra Diana Nedel) – unschwer als ein Gemeinsames zu erkennen. Alle drei spielen jeweils mehrere Figuren:

W: DIE / eine der klassischen Zirkusfiguren als der stärkste Mann der Welt / einen Jungen namens Ben sowie Fisch Kim namens Barsch;
I: Ente Klaus, den alle nicht zuletzt aufgrund seines Kostüms für einen Schwan halten und Frau Zahn sowie Verein fürs Richtgsein
R: F. Meyer-Schmitt / das aufgeweckte Mädchen Ayla, ein Vetterlein und ebenfalls vom Verein fürs Richtgsein.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der fabelhafte Die“, Linzer Landestheater in den Kammerspielen

Stärkster Mann liebt Socken stopfen

So verwirrend das aufs Erste klingen mag, so lustvoll und spielfreudig wechseln die Figuren ihre Rollen, spielen Szenen, die immer wieder zum Lachen anregen. Aber auch zu mehr. Denn das Stück selbst (Regie in Linz: Swaantje Lena Kleff) bricht auch noch in sich mit vermeintlichen Rollenzuschreibungen: „Hinter all den Muskeln, tief in der behaarten Brust / schlug ein musisch talentiertes Herz“ beim stärksten Mann der Welt.

Seine Hobbies: Socken stopfen, Fashion und blonde Locken. Doch das muss er lange verbergen, tanzen doch die beiden anderen mit großen Maßbändern und Linealen an als Leute vom „Verein fürs Richtigsein“, um Normen zu vermessen.

Während Mädchen spätestens seit Pippi Langstrumpf stark sein dürfen, ist es für Buben und Männer noch immer – und in jüngster Zeit erst recht wieder erneut – schwierig, sich offen sanft und fürsorglich zu zeigen. Da hilft zunächst nicht einmal die Ermutigung, dass dem stärksten Mann der Welt doch egal sein könne, was die anderen sagen. Aber natürlich gibt’s in diesem Erzählstrang ein mutiges Outing und nichts da mit den einschränkenden Vorschriften. Und wird dennoch auch wieder relativiert: Alles inszeniert und einstudiert 😉

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der fabelhafte Die“, Linzer Landestheater in den Kammerspielen

Alles nur erfunden, oder?!

Der Stücktitel kommt gegen Ende direkt ins Spiel. Was ist mit Herrn F Punkt Meyer-Schmitt? „Vielleicht arbeiten die zwei inzwischen zu dritt… oder er als Schaufensterpuppe … und ganz vielleicht, man weiß ja nie, nennt er sich inzwischen Die. Und fabelhaft obendrein…“

Um gleich danach in weiteren Reimen wieder gebrochen zu werden: „Das kann nur erfunden sein. Bei aller Liebe zur Fantasie. Das ist Quatsch. Das macht er nie…“ Und gleich nochmals eine Wendung… – aber die wird jetzt hier nicht gespoilert.

Szenenfoto aus „Der fabelhafte Die“, Linzer Landestheater in den Kammerspielen

(Weiter-)Spinnen

Jedenfalls ein kurz(weilig)es Fest fantasievoller Wort-, Bilder- und Rollenspiele das dank des mitreißenden Schauspiels und der teils ohrwurmtauglichen Reime – samt Musikalität (Musik und Sounddesign: Ludwig Peter Müller) vielleicht noch zum „weiterspinnen“ animiert. Apropos Spinnen – die kommen – textlich – auch recht witzig vor: „I bzw. Ente Klaus: „Was mich an Spinnen stört / Ist, dass man sie schlichtweg nicht hört“ 😉

kijuku_heinz

Szenenfoto aus "Digital Shadows" im Zirkus des Wissens" an der JKU Linz

Humorvolle Show samt Kämpfen und Dating – mit sich selbst

Eine in buntem Body Suit gekleidete Person mit VR-Brille sitzt auf dem Tanzboden, ein Leuchtband schlängelt sich auch noch über ihren Körper. Auf der Brille, die ihr virtuelle Welten zeigen könnte oder auch tut – wer weiß -, hat sie noch ein Tablet geschnallt – Code-Zeilen erscheinen – Mensch oder Android, Cyborg? Am anderen Bühnen-Ende im „Zirkus des Wissens“ hockt ein Typ auf einem weißen Container mit einigen Fenster- und Tür-Öffnungen und scheint in ein Smartphone zu tippen – zumindest ertönen massiv verstärkt Tipp-Geräusche. Wort- und Satz-Fetzen erfüllen den Raum in der äußersten Ecke des Geländes der JKU, der Johannes Kepler Universität am Rande von Linz: Alles wird zu Zahlen, jeder Wert ein Code, Messung von Norm und Abweichung, jedes Wesen ein Datensatz, jede und jeder ent-ziffer-bar…

Elon und Mark…

Was eher atmosphärisch auf „Digital Shadows“ einstimmt, nimmt in den nächsten Szenen Gestalt an in Form von Schauspieler:innen und Tänzer:innen (Doris Roth, Valerio Iurato, Selina Nowak, Alina Lugovskaya), die fast immer in überdimensionalen Masken (Ethem Saygieder-Fischer) als Personifizierung auftreten. Zunächst als drei anonymisierte Typen mit silbrig glänzenden Aktenkoffern, die ein wenig an die grauen Herren Zeitdiebe in Michael Endes Klassiker „Momo“ (derzeit in einer Neuverfilmung im Kino) erinnern. Das Trio erscheint analog, real auf der Bühne und digital vervielfältig im Video auf die Bühnenrückwand projiziert.

Die anonymer Datensammler werden abgelöst von einem Schaukampf der Giganten Elon Musk und Mark Zuckerberg, inszeniert als Show-Wrestling mit Ringrichter, der das Publikum zum Partei-ergreifen oder wenigstens Stimmung machen animieren will. Etwas, das im Rahmen des Ars Electronica Festivals im September in der großen Halle in der Post City einen riesigen Anziehungspunkt in einer Art Kampfring mit Publikum rundum gebildet hat. In geordneten Sitzreihen läuft’s anders.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Digital Shadows“ im Zirkus des Wissens“ an der JKU Linz

Die wahren Herrscher

Und dennoch ist der Schaukampf der Giganten „nur“ eine Art Vorspiel zum Zusammenspiel der weniger Bekannten, aber viel Mächtigeren, nicht nur krasser Daten Sammelnden, sondern auch konkret politischen Strippenzieher, die ebenfalls in Masken auftauchen: Alexander Caedmon Karp und Peter Thiel, beide Mitbegründer von Palantir, einem auf Analyse von Software und Daten spezialisierten Unternehmen, Meister des Durchleuchtens, so dass, wer dies beherrscht, mehr oder minder alles von dir weiß.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Digital Shadows“ im Zirkus des Wissens“ an der JKU Linz

Durchleuchtet

Was sich im Folgenden in einem witzig inszenierten Spiel (Regie: Ilona Roth) mit einer Dating-App, samt Einbeziehung des Publikums, gruselig materialisiert. Einige persönliche Fragen zur Ablenkung dienen zur Stimmaufzeichnung und bald danach begegnet die Spielerin, hier immer die Regisseurin, beim Ars Electronica Festival waren’s wirklich Menschen aus dem Publikum, dem „perfekten“ Match begegnet – einem digitalen Zwilling von einem selbst, geschaffen aus den im Netz hinterlassenen Spuren. Spooky. Und so fast provokativer Anstoß, über Preisgabe eigener Daten, Netzsicherheit, Überwachung, Algorithmen und (digitale) Macht weiter zu reflektieren, diskutieren…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Digital Shadows“ im Zirkus des Wissens“ an der JKU Linz

Teil eines Wissenschaftsprojekts

Das jetzige Stück im Zirkus des Wissens – bis 15. November 2025 (Details, siehe Info-Box) ist in der darstellenden Art eine Fortführung der Performance am Ars Electronica Festival und beide sind eine künstlerische Umsetzung gemeinsam mit Transitheart Productions eines seit sechs Jahren an der JKU laufenden wissenschaftlichen Projekts mit dem Ziel, global erfasste Daten zu dezentralisieren, demokratisieren und den User:innen mehr Selbstbestimmung über die Verwendung ihrer Daten zu(rück) zu geben.

kijuku_heinz

Szenenfoto aus "Der Hase und der Igel"

Trick zugegeben – Freundschaft gewonnen

Ätsch, ausgetrickst. Bis der Hase sich totläuft, narren ihn Igel und Igelfrau mit ihren „ich bin schon da!“-Rufen. Wobei der Igel und seine Frau dies nicht aus Bösartigkeit tun, hat der Hase die Gattung der Stacheltiere zuvor aufs Übelste verspottet. Nein, so soll’s auf keinen Fall im Theater des Kindes zugehen, wenn die bekannte Fabel, die Eingang in die berühmte Sammlung der Gebrüder Grimm gefunden hatte, auf die Bühne kommen soll; wurde doch schon vor ziemlich genau einem Jahr auch das Bilderbuch „Wenn zwei sich streiten“ dramatisiert, um Konkurrenzkampf mit Augenzwinkern zu inszenieren – es wird in dieser Saison wieder aufgenommen; Link zur Stückbesprechung gleich hier unten.

Schlechtes Gewissen

Und so freut sich zwar Igel Igor (Christian Lemperle), dass er das Wettrennen gegen den viel Schnelleren Hasen Harry (Katharina Schraml) gewonnen hat, weil am Ziel Igelin Inge aus dem Gebüsch hüpft – diese übrigens als Schattenfigur. Als solche ist sie in einer früheren Szene auch mit Igor als solch Laser-ge-cuttete Figur samt den drei Igelkindern Ilvy, Ida und Ivo an anderer Stelle der Bühne (Harald Bodingbauer) in Erscheinung getreten.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der Hase und der Igel“

Zurück zum „Wettlauf“: Igor kriegt aber mit, wie niedergeschlagen sein Konkurrent ist – und daraufhin ein ziemlich schlechtes Gewissen. Ängstlich aber doch, gesteht er den Trick. Und siehe da, der Hase triumphiert nicht, zeigt sich „nur“ erleichtert.

Beide erkunden in der Folge gemeinsam, was sie gut können und was genau nicht, im Schmatzen sind sie Weltmeister, im Jonglieren Nieten… Eine wunderbare Freundschaft der beiden beginnt – alle haben gewonnen, „Neu-Deutsch“ würde das wohl „win-win“ heißen (Regie: Sarah Gaderer).

Ängste

Das seit mehr als 50 Jahren bestehende Linzer Theater machte der Autorin Nora Dirisamer, an die sie – wieder einmal – den Auftrag vergab, keine Vorgaben, wobei schon klar war – siehe Einleitung. Einerseits mögen doch schon sehr junge Kinder Wettbewerbe, beginnt diese im Gespräch nach der Premiere mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, aber andererseits sollte es natürlich eine Wende geben. Der Hase ist so schnell, weil er ein Fluchttier – und damit auch ängstlich ist. Und der Igel hat Angst, zuzugeben, dass er – gemeinsam mit der Igelin – getrickst hat.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der Hase und der Igel“

Sich zu entschuldigen, um Verzeihung zu bitten, einen Fehler zuzugeben bedeutet (fast) immer große Überwindung. Nicht zuletzt auch aus der Angst vor der (möglichen) Reaktion. Dies rücken Autorin, Inszenierung und das Schauspiel der beiden Protagonist:innen ziemlich unaufgeregt ins Zentrum des Geschehens, aber „nur“ als Ausgangspunkt für die neu-gewonnene Freundschaft.

Sportarten

Schon bevor es zur Begegnung und zum „Wettrennen“ kommt, dreht Katharina Schraml als Hase Laufrunden nicht nur auf der Bühne, sondern zwischen den Publikumsreihen die Stufen hinauf, ins Theaterfoyer und wieder zurück. Und mit diversen Stangen und Bällen spielt sie noch so manch andere Sportart – vom Gewichtheben bis zum Kugelstoßen. Christian Lemperle als Igor Igel sollte eigentlich Nahrung für die Igelfamilie – als wie oben schon erwähnt Schattenfiguren – holen, trifft aber eben auf Harry, der ihn wegen seiner Kleinheit auslacht und böse Sprüche über ihn und seinesgleichen loslässt. Was erst den Plan des Tricks beim Wettlauf reifen lässt.

kijuku_heinz

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der Hase und der Igel“
Titelseite des Saison-Programmheftes des Linzer Theater des Kindes für 2025/26

So kann Konkurrenz auch sein, rund um Geschenke und ein sehr junger Tagträumer

20.000 Besucher:innen in 232 Vorstellungen – dies ist die zahlenmäßige Bilanz des Linzer Theater des Kindes für die vergangene Saison 2024/25, womit die Bühne in der Langgasse auf eine Gesamtauslastung von 97 % gekommen ist, wie unlängst bei der Vorstellung des Programms der neuen Saison der künstlerische Leiter, Andreas Baumgartner stolz bekanntgab.

„Sherlock Holmes“ lockte in 54 Vorstellungen 6.611 Besucher:innen an, gefolgt von „Moby Dick“ (3.765 / 46 Vorstellungen und „Der Maulwurf und die Sterne“ (1.930 / 23). Insgesamt standen elf verschiedene Stücke auf dem Spielplan – zehn davon Ur- bzw. Erstaufführungen.

Ausblick auf 2025/26

Der Hase und der Igel

Link zur Stückbesprechung der Premiere hier unten

Ein Stück Weihnachten

Manche Geschenke lassen sich nicht verpacken; das Ensemble des Theater des Kindes macht sich mit dieser Stückentwicklung auf eine Reise, in der Geschichten, Bräuche und persönliche Erfahrungen um Weihnachten ein wesentlicher Teil sein werden.
Stückentwicklung von Lena Matthews-Noske / Simone Neumayr / Katharina Schraml / Andreas Baumgartner / Harald Bodingbauer / Christian Lemperle; zu sehen ab 28. November 2025.

Sujetfoto zur Stückentwicklung
Sujetfoto zur Stückentwicklung „Ein Stück Weihnachten“

Hannes und sein Bumpam

Eine traumhafte Freundschaft; Uraufführung nach dem Buch von Mira Lobe
Hannes kann gut tagträumen. Wenn er aus dem Fenster im Kindergarten auf die Hausmauer schaut, sieht er viele Tiere, die Wolke am Himmel ist ein Segelschiff und der Regen, der kommt von der Regenfrau. Genau diese will er basteln – und dafür braucht er Haare, darum schneidet er sich einfach eine seiner schwarzen Locken ab! Da wird ihm die Schere weggenommen. Und als die Kinder mit Buntpapier basteln, muss Hannes das Papier reißen, statt zu schneiden. Er rupft und zupft und plötzlich kommt ein Tier dabei heraus: der Bumpam! …

Regie: Caroline Richards; Dramaturgie: Peter Woy; Schauspiel: Lena Matthews-Noske, Simone Neumayr; ab 6. März 2026

Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Hannes uns sein Bumpam“ nach Mira Lobes Bilderbuch

Wiederaufnahmen

Wenn zwei sich streiten

Link zur Stückbesprechung von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hier unten

Die Schnecke und der Buckelwal

Link zur KiJuKU-Stückbesprechung hier unten

Das rote Paket

Ausgehend von einer Besprechung des Bilderbuchs von Linda Wolfsgruber und Gino Alberti, Vorausgeschichte Link hier unten

Der Maulwurf und die Sterne

Zur Stückbesprechung von KiJuKU geht es hier unten

Robin Hood

Link zur Stückbesprechung von KiJuKU.at hier unten

Moby Dick

Nach dem Buch von Herman Melville
Stückfassung, Regie und Bühne: Mechthild Harnischmacher; Schauspiel: Lena Matthews-Noske, Simone Neumayr, Katharina Schraml; Kostüme: Hisu Park; Musik: David Baldessari; Choreografie: Izabela Soldaty; Dramaturgie: Peter Woy Lichtdesign: Natascha Woldrich; Regieassistenz und Requisiten: Felix Gfällner
Ab 7 Jahren; eine Stunde; ab Herbst 2025

Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Hannes uns sein Bumpam“ nach Mira Lobes Bilderbuch

Die Ersten

Link zur Stückbesprechung von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hier unten

kijuku_heinz

Team des Linzer Theater des Kindes (von links nach rechts): Andreas Baumgartner (künstlerische Leitung, Geschäftsführung), Lena Matthews-Noske (Schauspielerin), Harald Bodingbauer (Assistenz künstl. Leitung, Dramaturgie, Produktion, Auswärtsvorstellungen), Christian Lemperle (Schauspieler) Peter Woy (Dramaturgie, Vorstellungsdienst), Katharina Schraml (Schauspielerin), Simone Neumayr (Schauspielerin), Gabriele Barth (Assistenz künstlerische Leitung, Produktion, Verkauf, Administration), Natascha Woldrich (Vorstellungstechnik), Franz Flieger Stögner (Technische Leitung, Vorstellungstechnik, manchmal auch Musik)
Team des Linzer Theater des Kindes (von links nach rechts): Andreas Baumgartner (künstlerische Leitung, Geschäftsführung), Lena Matthews-Noske (Schauspielerin), Harald Bodingbauer (Assistenz künstl. Leitung, Dramaturgie, Produktion, Auswärtsvorstellungen), Christian Lemperle (Schauspieler) Peter Woy (Dramaturgie, Vorstellungsdienst), Katharina Schraml (Schauspielerin), Simone Neumayr (Schauspielerin), Gabriele Barth (Assistenz künstlerische Leitung, Produktion, Verkauf, Administration), Natascha Woldrich (Vorstellungstechnik), Franz Flieger Stögner (Technische Leitung, Vorstellungstechnik, manchmal auch Musik)
Besucher:innen der U19-Ausstellung spieln schon mit einer weiterentwickelten Version des barrierefreien Brettspiels

Jugendliche entwickelten Projekte für mehr Barrierefreiheit

Ein weiterer „Happen“ über von der Jury (Vivian Bausch, Clara Donat, Jan G. Grünwald, Katharina Hof und Conny Lee) aus den 520 Einreichungen der Jugendkategorie beim Prix Ars Electronica „ausgezeichnet“ oder zumindest „anerkannt“ worden sind; heutiger Schwerpunkt: Barrierefreiheit; sowie zwei Projekte, die bereits im Frühjahr auch im Bundesfinale von Jugend Innovativ erfolgreich waren – und damals schon von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… beschrieben worden sind, eines davon kam schon in einer weiteren Story zum heutigen (15. September) internationalen Tag der Demokratie vor, SOMES, die einfache, übersichtliche Plattform unter anderem über das Abstimmungsverhalten der gewählten österreichischen Nationalratsabgeordneten – Link unten am Ende des Beitrages.
Genug der langen Einleitung 😉

Brettspiel mit weniger Barrieren

Was für die meisten einfach erscheint, stellt für so manche Menschen fast unüberwindbare Hürden dar. Ob Multiple Sklerose, Parkinson oder altersbedingte Bewegungseinschränkungen … – das Greifen von Schach- und / oder anderen Figuren gestaltet sich schwierig bis unmöglich. Das war alltägliche Praxis im Hause eines der Schüler des Projektteams „Boards without Barriers“ aus dem Mechatronik-Zweig der HTL Rennweg (Wien). Dessen Vater, an Multipler Sklerose erkrankt, brachte dessen Sohn auf die Idee, Figuren anders, leichter bewegen zu können.

Über Tasten am Rande des Spielfelds werden die Figuren nun bewegt. Wobei Samuel Brunner, David Chencean, Georg Kotzian und Michal Sysel bereits für die „U 19 – Create Your World“-Ausstellung den für den Bewerb eingereichten Prototypen verbessert haben – waren dort die Tasten doch noch recht eng beisammen, so weist die nächste Version schon deutlich noch weniger Barrieren auf.

Bildbearbeitung über Gesten und Sprache steuern

Ebenfalls mit einer Anerkennung belohnt wurde das Projekt von Benjamin Gruber, Schüler des Zweigs Medientechnik in der IT-HTL in Ybbs (Niederösterreich). Mit „Humanoid“ schuf er eine Version eines Bildbearbeitungsprogramms, das über gesprochene Sprache bzw. mit Hilfe von Gesten dank Unterstützung Künstlicher Intelligenz gesteuert werden kann.

Die Bewegungen der Hände werden per Kamera erfasst, wobei das Zusammenführen der Fingerspitzen einen „primed“-Zustand aktiviert, der mit einem Mausklick vergleichbar ist. Mit beiden Händen können virtuelle Boxen erstellt und verschoben werden. Deren Inhalt lässt sich anschließend per Sprachbefehl als Foto speichern. Ein sprachbasierter KI-Assistent reagiert auf englische Befehle wie „pin“, „fix“ oder „take a screenshot“ und gibt akustisches Feedback.

Vorstellung und Urkundenverleihung an Benjamin Gruber für
Screenschot aus „Humanoid“

Ziel des Projekts, heißt es in der Beschreibung, „war es, eine zugängliche, intuitive Softwarelösung zu entwickeln, die die Arbeit mit Bildern, etwa während Meetings oder Gruppenarbeiten, erleichtert. Langfristig soll „Humanoid“ die Grundlage für ein vollständig gesten- und sprachgesteuertes System für die Bildbearbeitung und Modellierung in 2D und 3D bilden.

Die Jury begründete die Anerkennung so: „Das Projekt beeindruckt durch seine innovative Kombination von Hand-, Gesten- und Gesichtserkennung mit Sprachsteuerung – umgesetzt als lokal laufende Python-Anwendung, die ganz auf immersive und intuitive Interaktion mit digitalen KI-Umgebungen setzt. Besonders hervorzuheben ist der Fokus auf Barrierefreiheit: Die Idee, Menschen mit Einschränkung durch gesten- und sprachbasierte Interfaces den Zugang zu digitalen Inhalten zu erleichtern, zeigt gesellschaftliches Bewusstsein und Weitblick. Obwohl sich das Projekt noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet, überzeugt es durch technisches Verständnis und einen bemerkenswert eigenständigen Zugang. Humanoid überzeugt auch durch die vielversprechenden Anwendungsmöglichkeiten einer Weiterentwicklung. Die Kombination der eingesetzten Technologien – von MediaPipe über OpenCV bis zur sprachgesteuerten Interaktion – ist beachtlich!“

Bessere und leichtere Starthilfe für Drohnen bzw. Leichtflugzeuge

Eines von zwei Projekten, die es bei U 19 – Create Your World“ von den 520 Einreichungen ins Spitzenfeld geschafft haben und ausgezeichnet bzw. anerkannt worden sind, war auch schon im Frühjahr im Bundesfinale von Jugend Innovativ; und dort von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… besucht und beschrieben worden. Dort – in Wien in der einstigen Ankerbrot-Expedithalle hatte die Projektgruppe MagLift ihre Konstruktion sogar vor Ort aufgebaut und einen Flugversuch gestartet.

KiJuKU schrieb damals: „Was wie eine Art Abschussrampe am Stand von einem von sieben (!) Projektgruppen aus der HTL am Wiener Rennweg aussieht, ist auch eine solche – für ein drohnenartiges Kleinstflugzeug. Solche, die in größerer Ausführung, Dinge wie unter anderem Medikamente in Gegenden transportieren können, die verkehrsmäßig schlecht bis nicht erschlossen sind, brauchen bisher entweder große, schwere Akkus, um die Energie zum Start zu erreichen oder Startrampen mit Stahlseilzug. Womit – das stand dort nicht – natürlich auch, in anderem Sinn, Barrieren überwunden werden.

Ben Trumler, Max Zerovnik, Daniel Ezike und Philipp Weissenbach (HTL Rennweg) tüftelten, recherchierten, rechneten, konstruierten am Computer und kamen innerhalb von neun Monaten auf eine neuartige Lösung: Elektro-Magnetismus. Das Flugzeug wird auf die Rampe gesetzt, auf kurzer Strecke so beschleunigt, dass er abfliegen kann – ob per Fernsteuerung oder schon vorprogrammiert schwebt und fliegt die Maschine in Richtung Ziel.

Das ist aber noch nicht alles, die vier Schüler haben ihre Konstruktion sehr praktikabel gebaut: Die zerlegbaren Schienen der Abschussrampe und alles Drum und Dran – einschließlich der von ihnen gebauten Steuerung passen in eine Metallkiste, die nur 110 Kilo wiegt. „Wir haben die mit Leichtigkeit hier herein getragen“, erzählen sie im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Mehr über „MagLift – Where Innovation Takes Flight“ auf der projekteigenen – unten am Ende des Beitrages verlinkten – Homepage.

kijuku_heinz

Wird fortgesetzt mit weiteren U19-Projekten

Da drinnen unter anderem das U19-Projekt SOMES

Einige U19-Projekte

Zu den U14-Projekten

Zu den U12-Projekten

Ein weiteres U12-Projekt

Zu den U10-Projekten

ars.electronica.art -> barrierefreie Spielbretter

ars.electronica.art -> Humanoid

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

maglift

Drei der vier Schülerinnen mit ihrem Küchenkastl mit digitalen Inhalten zum Thema "Die moderne Hausfrau"

Traditionelle Rollenbilder ganz unterschiedlich aufs Korn genommen

Nach den Berichten über die besten der 520 eingereichten Arbeiten von Kindern und Jugendlichen der Unter-gruppen U 10, U 12 und U 14 präsentiert Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… klarerweise – und wie angekündigt – die Top-Projekte von 14- bis 19-Jährigen der Kategorie „U 19 – Create Your World“ beim weltweit sicher renommiertesten Preis für digitale Kunst, dem Prix Ars Electronica, ausgehend vom „Museum der Zukunft“, dem AEC in Linz.

Da es bei den Ältesten (Young Professionals) immerhin zehn Anerkennungspreise, zwei Auszeichnungen und natürlich – wie auch in den (Erwachsenen-)Kategorien „New Animation Art“, „Artificial Life & Intelligence“, „Digital Musics & Sound Art“ – den absoluten Hauptpreis, die Goldene Nica gab, würde ein Beitrag zu lange und vielleicht unübersichtlich werden. Daher wird hier die Vorstellung der künstlerischen Arbeiten aufgeteilt, aber nicht nach Hauptpreis, Auszeichnungen und Anerkennungen, sondern zunächst für die ersten beiden Teile davon mit inhaltlichen Schwerpunkten; heute drei Projekte, die – zwei dezidiert, eines weitgehend – noch immer vorhandene, teils auch wieder zunehmende – überholte Geschlechter-Rollenbilder thematisieren, demaskieren und dies auf künstlerisch ziemlich unterschiedliche Art und Weise mach(t)en.

Schubladen

Klischees und Vorurteile sind oft mit dem Bild von „Schubladen“ verbunden. Dies war für Rosa Gottwald, Luna Hörstlhofer, Lucia Kottar-Trimmel und Barbara Reiter, Schülerinnen der Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt (Wien-Penzing) der Ausgangspunkt für die analoge Präsentationsfläche ihrer digitalen Arbeiten, denen sie den Titel „Die moderne Hausfrau“ gaben. Ein uraltes, weißes Küchenkastl – mit Laden und einem Glastüren-Schrank beherbergt die filmischen, bildlichen und hörbaren Recherche-Ergebnisse zum Wandel der Rollen von Frauen in den vergangenen knapp mehr als 100 Jahren – sortiert nach Laden:

Alte Werbeanzeigen und einengende Rollenzuschreibungen vor allem auf Küche ertönen und werden sichtbar in Lade 1. Schon daneben finden sich Dokumente des Kampfes um Gleichberechtigung. Doch aus der dritten Schublade wabbert der neue Social-Media Tradwife-Trend als Wiederauferstehung der alten Klischees in neuem Gewande auf.

Drei der vier Schülerinnen mit ihrem Küchenkastl mit digitalen Inhalten zum Thema
Drei der vier Schülerinnen mit ihrem Küchenkastl mit digitalen Inhalten zum Thema „Die moderne Hausfrau“

„Angreifbar“

Die Installation – der Kasten stand in echt und „angreifbar“ in der U19-Ausstellung in der Post City beim Linzer Bahnhof – reagiert auf Besucher:innen – je nachdem welche Lade sie ziehen oder die Glastüren im oberen Teil des alten Kastls öffnen.

„Mit ihrer Installation Die moderne Hausfrau gelingt es den Künstlerinnen, jahrzehntealte, komplexe gesellschaftliche Narrative zur Rolle der Frau mit künstlerischem Feingefühl und analytischer Klarheit zu durchleuchten. Zwischen historischem Archivmaterial, symbolischer Objektanordnung und aktuellen Social-Media-Phänomenen entsteht ein Raum, der nicht belehrt, sondern zum Nachdenken einlädt. Das Werk zeigt, wie tief verwurzelt bestimmte Rollenbilder sind und wie sie sich heute in neuem Gewand reinszenieren. Es ist politisch, poetisch und konsequent komponiert. Ein bemerkenswerter Beitrag, der überzeugend die Brücke zwischen Kunst, Gesellschaft und individueller Reflexion schlägt“, befand die Jury ((Vivian Bausch, die die U19-Ceremony moderierte, sowie Clara Donat, Jan G. Grünwald, Katharina Hof und Conny Lee) – und vergab dafür eine von zwei Auszeichnungen.

Rollen-Tausch

Kampfbetontes Fußballspiel im Turnsaal, heftige Beschimpfungen, auf den Boden spucken… – wer sich so in diesem Fall aufführt, sind Mädchen. Als zwei Buben mitspielen, werden sie belächelt und mit „geht’s ham Wäsch waschen!“ weggewiesen.

„Wenn’s sein muss“ nannten Schüler:innen des BRG Hallein (Salzburg) ihren knapp mehr als dreiminütigen ironischen Spielfilm. Mit dem immer wieder wirkungsvoll eingesetzten Trick „verkehrte Welt“ werden so mit einem kräftigen Schuss Humor versehene Rollenklischees aufs Korn genommen.

Die 16-jährigen Amelie, Antonia, Christoph, Felix, Halime, Jana, Leon, Leonie, Lucia, Lucie, Marie, Paul, Sebastian, Tristan, Viktoria, Zoia drehten den Film im Rahmen eines Workshops mit – wie auch andere Top-Projekte „Shoot your Short“ – und sorgten sowohl für die Protagonist:innen vor der Kamera als auch jene, die dahinter agierten oder das gedrehte Material montierten (Schnitt).

Immer wieder verblüffend, wie allein durch den Rollentausch klassisch – noch immer vorhandenes – Rollenverhalten der Lächerlichkeit preisgegeben werden kann – vielleicht viel wirksamer als „bierernste“ Vorhaltungen mit erhobenem Zeigefinger.

„Kaffee verkehrt“

Was übrigens schon vor mehr als einem halben Jahrhundert (1974) die DDR-Schriftstellerin Irmtraut Morgner im Kapitel „Kaffee verkehrt“ in ihrem 680 Seiten-Buch „Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz…“ (btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House) schon vorgemacht hat, indem sie die Rollen in einem Kaffeehaus am Berliner Alexanderplatz vertauscht hat: „Als neulich unsere Frauenbrigade im Espresso am Alex Kapuziner trank, betrat ein Mann das Etablissement, der meinen Augen wohltat. Ich pfiff also eine Tonleiter rauf und runter und sah mir den Herrn an, auch rauf und runter. Als er an unserem Tisch vorbeiging, sagte ich „Donnerwetter“. Dann unterhielt sich unsere Brigade über seine Füße, denen Socken fehlten, den Taillenumfang schätzen wir auf siebzig, Alter auf zweiunddreißig… Ich ließ ihm und mir einen doppelten Wodka servieren und prostete ihm zu… In der Tür ließ ich meine Hand wie zufällig über eine Hinterbacke gleiten, um zu prüfen, ob die Gewebestruktur in Ordnung war…“

Grenzen ziehen

Gerade der letzte Satz der Autorin über den Griff an die Hinterbacke mit „verkehrten“ Rollen-Stereotypen knüpft einerseits an einem Teil des Inhalts im Video „Wenn’s sein muss“ an, wo Mädchen über einen knackigen Burschen-Po, sexy Hände eines anderen ablästern und schlägt die Brücke zu einem dritten hier vorgestellten Projekt, das es in die Top-Arbeiten bei „U19 – Create Your World“ geschafft hat: „Lines We Draw“. Die vier Schülerinnen der Graphischen Joy Grasser, Alica Hintermayer, Elina Kaufmann und Maya Neidhart bauten eine Installation mit einer weiblichen Schaufensterpuppe.

Insert zu
Insert zu „Lines we Draw“

Grenzverletzungen

In einer ersten Version wurden bei Berührungen der Figur über Sensoren Signale ausgelöst. Irgendwie kam den vier Jugendlichen dann – vor allem aufgrund von Interviews in denen viele über reale unangenehme unangebrachte Berührungen und oft davon ausgelöster eigener Art Lähmungen statt heftiger Widersprüche – diese Art der Interaktion erst recht nicht richtig vor. Die neue Version – schon in der U 19-Ausstellung in der Post City in Linz – reagiert via Kameras schon auf Annäherung an diese Puppe. Entsprechend der Grenzverletzung ertönen voraufgenommene Geschichten aus den Interviews.

Titelseite des Büchleins zur Installation und dem Projekt
Titelseite des Büchleins zur Installation und dem Projekt „Lines We draw“

Einige davon finden sich übrigens auch in einem broschürten Büchlein. Ein Zitat fasst vielleicht mit am heftigsten zusammen, was Opfer ungewollter Berührungen und Grenzüberschreitungen oft erleben: „Ich fühle mich, als würde ich für kurze Zeit meinen Körper verlassen. Ich empfinde alles und nichts gleichzeitig. Mein Kopf beginnt laut zu schreien, selber gebe ich aber keinen Mucks von mir. Ich verspüre Angst, Unsicherheit und Schwäche.“

Will kein wandelndes Sexualobjekt sein

Wobei derartige Grenzüberschreitungen oft schon viel früher beginnen. „Ich mag eine Straße entlang gehen, ohne als gehendes Sexobjekt betrachtet zu werden“, erzählte etwa Emilie Kutzenberger (ORG Hegelgasse, Wien) in ihrem Beitrag auf Deutsch und Dänisch beim mehrsprachigen Redebewerb „Sag’s Multi!“ vor ein paar Jahren (2020/ 21), in dem sie Femizide und die ihnen zugrunde liegende Struktur „eine Welt von Männern für Männer kreiert“ kritisiert.

kijuku_heinz

Wird fortgesetzt mit weiteren U19-Projekten.

ars.electronica.art -> die moderne Hausfrau

ars.electronica.art -> wenns sein muss

ars.electronica.art -> Lines we draw

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Leopold Kastler in der Ausstellung bei der Vitrine mit seinem handlichen, sauberen Kleinstkraftwerk

Tragbares, sauberes Kraftwerk und Karton-/Roboter-Modell einer Green City

Klein, handlich, tragbar – und kraftvoll, das ist WWS Power Cube, mit dem der Oberösterreicher Leopold Kastler (12) den Hauptpreis bei den U12 in der Prix-Ars-Electronica-Kategorie U 19 – create your world gewonnen hat.

In ein Holzgestell mit Metallfüßen hat der junge Erfinder aus scharfkantigen Metallplatten ein Wasserrad eingebaut, oben drauf zehn 5×5 Zentimeter kleine Solarzellen und an einer der Würfel-Seiten eine Halterung für eine Wind-Turbine. Auf der gegenüberliegenden Seite eine Halterung für die Rotorblätter sowie eine zusammenlegbare Zeltstange. In einem Video ist zu sehen, wie er diese Teile von seinem kleinen Wasser Wind Sonne Kraftwerk entnimmt, sie in wenigen Augenblicken zusammenbaut, den „Cube“ in einen Bachlauf stellt und so mit Hilfe dieser drei erneuerbaren Energien eine Powerbank in der Lade seines Energie-Würfels lädt.

Bei der Preisverleihung während der U19-Ceremony in der Post-City am vorletzten Tag des diesjährigen (2025) Ars Electronica Festivals – und im Video – meinte er locker, deswegen auf diese Idee gekommen zu sein, „weil ich hab gewusst, im Sommer fahren wir auf eine Alm und dort gibt’s keinen Strom“.

Der Power Cube stand in der U19-Ausstellung in einer Vitrine, war also nur von allen Seiten zu bestaunen, ohne ihn in Funktion zu sehen. Und Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… verriet er, dass das kleine Kraftwerk dann doch nicht mit in den Sommerurlaub kam, weil es eben schon für die Ausstellung beim Festival geparkt war. Es habe aber dann doch Strom vor Ort gegeben.

KiJuKU wollte auch noch wissen: „Hat auf Anhieb alles geklappt oder traten bei der Konstruktion unerwartete Hindernisse auf?“
Leopold Kastler: „Beim Wasserrad gab’s am Anfang Probleme mit dem Kugellager, aber das hab ich schnell lösen können!“

Für das Wasserrad hat er übrigens eine hölzern Schutzvorrichtung für den Transport gebaut. Derzeit besucht Kastler den Robotik-Zweig des Linzer BRG Fadingerstraße. Der diesjährige Preis ist übrigen schon sein dritter Hauptpreis beim Prix Ars Electronica.

Auszeichnung für „Handy Stopp“

Über die Handy-Box mit schlagendem Händchen und das (selbst-)ironische Werbevideo dazu hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schon berichtet – dazu geht es hier:

Anerkennung für „Unsere GreenCity“

Aus Kartons einer- und Robotern andererseits bauten der elfjährige Levin Du und der 12-jährige Chenming Wu aus Wien ihre utopische Traumstadt. Alle Energie ist erneuerbar – Solarpaneele auf jedem Haus, Windräder am Stadtrand, Autos und Handys laden sich kabellos auf, Energie ist teilbar. Es gibt mobile Batterien in den Windrädern, die man mit nach Hause nehmen kann. Autos können Häuser aufladen oder sich gegenseitig mit Energie versorgen. Und Straßenlaternen leuchten nur, wenn jemand vorbeigeht.

Das Modell der Gren City, zusammengestaucht, in einer Vitrine in der U19-Ausstellung in der Post City beim Linzer Bahnhof
Das Modell der Gren City, zusammengestaucht, in einer Vitrine in der U19-Ausstellung in der Post City beim Linzer Bahnhof

Alle Funktionen werden mit Microbit gesteuert – Roboterautos, Laufroboter, Greifarm und Windrad. Das Auto fährt auf einer Linie und aktiviert mithilfe eines Magneten die Lampen in den Häusern. Die Kommunikation zwischen den Robotern erfolgt über Funk. Wenn das Windrad Strom erzeugt, sendet es eine „1“ an das Auto. Das Auto fährt los und sendet bei Ankunft eine „2“ an den Laufroboter, der die Solarleuchten aktiviert und eine „3“ an das Pinguin-Licht sendet, das fröhlich leuchtet, woraufhin der Greifarm startet und viele künstliche Schmetterlinge als Symbole für saubere Energie freilässt.

Seit zwei Jahren programmieren beide, der Ältere schon Gymnasiast, der Jüngere noch Volksschüler (als sie das Projekt eingereicht haben). Und sie senden mit ihrer Arbeit, die bei der Ausstellung ein wenig zusammengestaucht in einer Vitrine zu sehen war – komplett samt detaillierter Erklärung ist es in ihrem Video (knapp mehr als drei Minuten) zu sehen (am Ende verlinkt), eine Botschaft: „Wenn Kinder aus Pizzakartons eine funktionierende Stadt bauen können, dann können Erwachsene es erst recht weltweit umsetzen!“

kijuku_heinz

Fortsetzungen mit den Gewinner:innen der älteren Kategorien folgen.

ars.electronica.art -> WWS Power-Cube-Video

ars.electronica.art -> GreenCity-Video

Kaum eine Frge bei der nicht (sehr) viele Kinder die Arme in die Höhe streckten

Ferien sind auch Kinderuni-Zeiten

Schon in der letzten Schulwoche (im Osten Österreichs, Ende Juni) meinten einige Volksschüler:innen am Rande eines Besuchs im „Curiosity Cube“ (Neugier-Würfel), der zwei Tage in Wien Station gemacht hat, dass sie durchaus auch lieber weiter lernen statt Ferien haben würden. Seit mehr als 20 Jahren stürmen Tausende Kinder in Wien in den Sommerferien zwei Wochen lang so ziemlich alle Universitäten und Hochschulen für die Kinderuni. Sie wollen in jenen Fachgebieten, die sie besonders interessieren mehr wissen, Experimente machen, Neues lernen.

Derzeit läuft in Wien auch schon die Kinderuni Kunst und aktuell drei Tage lang auch das KinderUNIversum im niederösterreichischen Waidhofen an der Ybbs, das auch „nichts anderes“ als eine Kinderuni ist, nur dass die Stadt selber über keine Universität verfügt. Zeitgleich mit Wien startet die Kinderuni in der oberösterreichischen Hauptstadt Linz, jene in Steyr im selben Bundesland gegen Ende der Sommerferien, in Krems (NÖ) steigt sie auch diese Woche, jene in der steirischen Landeshauptstadt Graz in der dortigen ersten Ferienwoche, jene in Salzburg hat schon während der Schulzeit begonnen, läuft aber auch noch in der ersten Ferienwoche, Innsbruck startet kommende Woche.

Diese Kinderuni mit Jahr für Jahr rund 200 neugierigen, wissbegierigen Jung- und Jüngst-Studierenden – Kurse in verschiedenen Altersgruppen von 5 bis 15 Jahre – feiert heuer den 10. Geburtstag. Zum Jubiläum kam die erste Garde der Kinderuni Wien, die in zwei Jahren ihr erstes ¼ Jahrhundert begehen wird.

Zwei Mal 1 – 2 oder 3

Nach einem Vortrage über Stahl von Axel Michels vom Hauptsponsor voestalpine mit Anleihe beim TV-Kinder-Klassiker 1 – 2 oder 3 mit babyleichten Fragen, spannte Karoline Iber von der Kinderuni Wien einen großen Bogen von kindlicher Neugier bis zu forschenden Wissenschafter:innen. In einem kleinen, handlichen Experiment ließ sie einen Tischtennisball schweben. Der „Zaubertrick“ – ein Föhn. Heiße Luft, kann aber auch kalte sein, hält den Ball in der Höhe.

Überraschende Auflösung

Die eine oder andere (Quiz-)Frage lief hier nicht mit Feldern, auf die es galt, sich zu stellen samt „wenn das Licht angeht“ ab, sondern mit bunten Karten – rot, grün, lila. Ihre Fragen waren nicht immer einfach. Und wahrscheinlich war auch für die wenigen Erwachsenen im Raum die Auflösung, welches die älteste Universität der Welt ist, verblüffend. Wien – gegründet 1365 – ist „nur“ die älteste deutschsprachige hohe Schule, Bologna – fast 300 Jahre früher, 1088 – ist „nur“ die älteste in Europa. Aber schon noch einmal mehr als 200 Jahre früher öffnete die Universität al-Qarawīyīn im marokkanischen Fès ihre Tore für Studierende, und natürlich Lehrende. Übrigens wurde diese Uni von einer Frau gegründet Fāṭima al-Fihrīya. Letzteres wurde leider gar nicht dazu gesagt.

Vielfältige Kurse

Handwerk und Technik, Wissenschaft unterschiedlichster Sparten, aber auch viel Kunst und Kultur spielt sich in Kursen des Waidhofener KinderUNIversums ab. Umwelt und Nachhaltigkeit sind ebenfalls Themen. Über so manches davon berichten auch junge Reporterinnen und Reporter in der Campus-Zeitung, die von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… mit betreut wird – wie in den Anfangsjahren vom KiJuKU-Vorläufer Kinder-KURIER. Mit im Betreuer:innen-Team ist übrigens mit Stefanie Grasberger eine Frau, die in den Anfangsjahren als Kind selber auch in der Campus-Zeitung als Kinder-Reporterin geschrieben hat 😉

Campuszeitung goes Stadtnachrichten

Erstmals wird die Campus-Zeitung aber Teil der offiziellen Stadtnachrichten von Waidhofen an der Ybbs, die dann in der kommenden Woche an alle Haushalte der Stadt gehen werden.

Übrigens: Im ersten Jahr von KinderUNIversum und der Campus-Zeitung hat ein junger Reporter in einem Beitrag erklärt, dass Ybbs nicht wie es die meisten Menschen außerhalb dieser Gegend als Übs, sondern als Ibs ausgesprochen wird 😉

kijuku_heinz

https://kinderuniversum.at

kinderuni wien

kinderunikunst-wien

kinderuni-ooe

junge uni krems

kinderunigraz

kinderuni salzburg

kinderuni innsbruck, tirol

Kinderprogramm am ISTA Klosterneuburg

Szenenfoto aus "Sin City, oder die salzigen Tränen der Edith Lot"

Mitreißend spielen, tanzen, singen, musizieren Studierende eine alte und doch zeitlose Story

In einem mitreißenden Mix aus unterschiedlichsten Tanzstilen von Musical bis Breakdance, begleitet von einer Live-Band, sowie Schauspiel und Videos in Comic- und Computerspiel-Ästhetik zauberten vor allem Studierende verschiedener Abteilungen der Anton Bruckner Privatuniversität Linz eine mit auch viel Witz gewürzte zeitlose Story, die vor allem Gier aufs Korn nimmt. „Sin City oder die salzigen Tränen der Edith Lot“ nimmt Anleihe bei der mehr als 2000 Jahre alten Geschichte der Stadt Sodom, die hier Sodor heißt. Sie ist DAS Symbol für Ansammlung sündiger, vor allem gieriger Menschen und findet sich sowohl im hebräischen Tanach als auch der christlichen Bibel und dem islamischen Koran – wie viele andere Geschichten der drei großen, monotheistischen Weltreligionen.

Auf halbem Weg hinauf auf den Linzer Pöstlingberg liegt diese Uni schön im Grünen, fast „paradiesisch“. In der Studiobühne „rockten“ die mehr als zwei Dutzend jungen Darsteller:innen, meist gleichzeitig auch Tänzer:innen diese Story, die – im Gegensatz zu den religiösen Büchern – der dort namenlosen Frau des Lot einen Vornamen, nämlich Editz, gaben und sie ins Zentrum rücken. Da es sich um eine reife Ensemble-Leistung handelt, seinen hier keine Mitwirkenden erwähnt – sie alle, auch das Leading-Team mit Idee, Konzept, Regie, Choreo und so weiter sind hier „nur“ in der Info-Box alle genannt.

„Aliens“ suchen Ladekabel

Die Stadt ist dem Verderben geweiht, der (jeweilige) Gott will wegen der Sündhaftigkeit ein Exempel statuieren und sie vernichten. Engel wollen wenigstens Edith Lot, hier eine Aktivistin gegen den Raubtier-Kapitalismus, samt ihrer Familie retten. Einerseits mit Flügel, andererseits wirken sie auf der Erde irgendwie wie Aliens und doch wieder wie heutige Menschen, suchen sie doch verzweifelt nach einem Ladekabel für ihr SmartPhone.

So alt die Geschichte in ihren Grundzügen, so praktisch zeitlos und besonders aktuell sind diese knapp mehr als 1½ Stunden gegen Menschheit und Planeten zerstörende „Sünden“ ebenso wie für den Widerstand dagegen und für eine (menschen-)freundlichere Welt. Denn hier ist Frau Lot nicht nur eine von einer himmlischen Macht Auserwählte „sündenfreie“, sondern eben eine Kämpferin für eine bessere Welt und Klima und dessen Rettung versus Zerstörung ein zentrales Thema.

Würde sich auszahlen, damit auf Tour zu gehen, oder die Story von anderen großen, jungen Ensembles eigenständig neu zu inszenieren.

kijuku_heinz

Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus "Deadly Poodles"

Sich auf„pudeln“ zwischen Skater-Ramp und Laufsteg

Ein langer Laufsteg – an beiden Seiten die Publikumsreihen; der Catwalk – in dem Fall phasenweise Dog-Walk 😉 – mündet in eine Art offener Halfpipe samt davor postierter Sieges-Treppe für 1., 2., 3. Wie sie von vielen Bewerben her bekannt ist.

Hier spielte sich bei Schäxpir Ausgabe Nummer 13 – Theaterfestival für (nicht nur) junges Publikum – von Anfang bis Ende „Deadly Poodles“ der Erfolgsautorin Barbi Marković ab. Eine schräg-witzig-bissige Satire auf (Selbst-)Optimierungswahn mit Anspielungen auf Castings-Shows à la Heidi Klum und Assoziationen an Goethes Faust – vom Seelenverkauf bis zu „des Pudels Kern“.

Das Landestheater – wegen Umbaus im Ausweichquartier Ursulinenhof-Saal – eröffnete als Mix aus Ensemblemitgliedern und Schauspielstudierenden der Anton Bruckner Uni mit diesem vordergründig heiteren und tiefgründig satirischen 1¼-stündigen Stück das Schäxpir-Festival und spielte auch noch am letzten Tag.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Deadly Poodles“

Unterschiedliche Typ:innen

Angesagt, erzählt und mitunter bewertet von Angela Waidmann, schlüpfen Markus Ransmayr in die Rolle eines Arztes, der so auf seine Fitness schaut, um ja nicht Patient zu werden, Lara-Luna Wojtkowika in die von Rebecca, einer übereifrigen, streb- und arbeitssamen, ja Workoholicerin, Vivian Micksch in die der alles mit Make-Up übertünchenden Lady Barbie mit ihren unbegrenzten Ansprüchen und schließlich Daniel Klausner als Contra-punkt, der als Dennis alles unheieieieimlich laaaaaangweilig findet. „Boring“ ist wohl das häufigste Wort in dieser Aufführung. Klausners Auftritte – als Dennis – gruppieren sich um den englischen Begriff für fad.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Deadly Poodles“

Des Pudels Kern

Nach dieser Ouvertüre der menschlichen Charaktere geht’s um „des Pudels Kern“. Die Stage verwandelte sich am Gipfel der Skater-Ramp in eine Tierhandlung mit bunten Pudel. Die vier Schauspieler:innen verwandeln sich abwechselnd in diese, immer ein Pudel für einen der Menschen. Alles Luxus-Tierchen mit dem Versprechen den Protagonist:innen zu mehr – vor allem – Ansehen zu verhelfen; mit elendslangen Verträgen voller „Kleingedrucktem“. Vor dem die Erzählerin warnt – und es dann doch zulässt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Deadly Poodles“

Besitz versklavt Besitzende

Und so tauschen die Menschen im Glauben, mit dem jeweiligen Luxushündchen stellvertretend Zaubermittel für die von ihnen gewünschten Eigenschaften zu kriegen, ihre Seele mit der Tierhandlung, machen sich zu Sklav:innen der durch den jeweiligen Pudel verkörperten Optimierungs-Strategie – (seelen-)tödliche schicke, zurechtfrisierte und -geschnittene Luxushündchen, die Macht über ihre Besitzer:innen gewinnen.

Diese Strategie aber verfängt bei Dennis gar nicht. Er der alles langweilig findet, will sozusagen nix, vor allem nichts kaufen, da beißen sich die Hündchen und Marketingstrategie sozusagen die Zähne aus 😉

Vor allem die vier Protagonist:innen – ob als Menschen oder als Hunde zeigen eine große Bandbreite an Können – Schauspiel, Tanz, ansatzweise auch akrobatisch auf der Skater-Ramp oder Rad schlagend auf dem Laufsteg, Gesang, manches auch chorisch aufgeführt – und „über“dressiert von der Erzählerin / Moderatorin / Bewerterin auf dem Thron, pardon dem Schiedsrichter:innen-Stuhl wie beim Tennis.

kijuku_heinz

Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus "Vakuum"

Kräftig getanzte Battles, noch heftiger, wenn die Luft zum Atmen wegzubleiben scheint

Michela Galiceanu, eine der vier Tänzer:innen der folgenden Performance „Vakuum“ von Potpourri Dance begrüßt – mitten auf der Bühne stehend mit Mikrophon die ankommenden Zuschauer:innen, ob in Gruppen oder einzeln. Freut sich spürbar, wenn die eine oder der andere darauf auch direkt reagiert.

Auf einander reagieren, das gilt für (Tanz-)Theater natürlich immer, in dieser dichten, heftigen ¾ Stunde erst recht. Unmittelbar. Erste Runde der unterschiedlichen Phasen der vom House-Dance kommenden, auch Hip-Hop-Elemente wie Breakdance, Locking, sowie afro- und lateinamerikanische Elemente einbauenden Körper-Akrobat:innen sind abwechselnde 1:1-Battles. Die eingangs Genannte ist zunächst Judge (Punkte-)Richterin, aber auch indieser Rolle wechselt sie sich mit Dominique Elenga, Rafael Hellweg und Rosa Perl ab. Die vier haben die Choreos gemeinsam mit Farah Deen, Olivia Mitterhuemer entwickelt. Diese beiden hatten die Idee und leite(te)n das Projekt künstlerisch.

Themen von Schüler:innen

Und – so berichten sie in einem rund zehnminütigen Gespräch vor der Vorstellung – sie haben in Salzburg mit Jugendlichen aus vier Schulen Workshops abgehalten. Dabei ging es zwar auch um Tanzen, aber in erster Linie um jene Themen, die die Schülerin beweg(t)en. DRUCK – von dem, ständig Leistungen erbringen zu müssen über jenen, immer im Vergleich mit anderen zu sein – off- und online – sowie gesellschaftspolitischem. Und das war schon deutlich nach der Corona-Pandemie als die Workshops stattgefunden haben.

Den Input von den Jugendlichen brachten die beiden Leiterinnen in den Probenprozess mit den vier Tänzer:innen, die einander alle vorher nicht gekannt hatten, ein. „und wir haben auch unsere eigenen Perspektiven mit eingebracht“, erzählen die vier im Nachgespräch unmittelbar nach der auspowernden Aufführung.

Atemlose Stille

Die unterschiedlichsten Formen von Druck sind noch viel stärker als in den Eröffnungsbattles in anderen Phasen zu erleben. Am heftigsten, wenn die vier in Super-Zeitlupe sich immer wieder auch synchron bewegen, minutenlang das eine oder andere Bein heben und verrenkt die Balance halten. Noch ärger in jener Szene, als sie fast keine Luft zum Atmen haben – und damit der gesamte Raum im Theater Phönix beim Linzer Schäxpir-Festival in gefühlt ewiger Stille verharrt.

Krass, dass die zweite der Aufführungen praktisch zeitgleich mit dem School-Shooting im Grazer BORG Dreierschützengasse stattgefunden hat.

kijuku_heinz

Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus "Büro für angemessene Reaktionen"

Wie könnte ich besser reagieren?

Wie soll oder könnte ich reagieren – in einer schwierigen, komplizierten, peinlichen oder wie auch immer nicht einfachen Situation?

Hast du dir / haben Sie sich schon einmal so etwas gefragt? Darüber Gedanken gemacht? Wahrscheinlich hat sich jede und jeder schon das eine oder andere Mal geärgert: „Ach, da hätte ich das doch heftiger oder entspannter, jedenfalls genau anders machen sollen…
Aber wie?
Nun, dafür gibt es derzeit – bis zum Ende des Schäxpir-Festivals – internationales Theater für (vor allem) junges Publikum – eine spannende, witzige Gelegenheit. BFAR – Büro für angemessene Reaktionen.

Kinder als Berater:innen

Acht Kinder und junge Jugendliche sind mit dem JES – Junges Ensemble Stuttgart – nach Linz gekommen: Charlotte, Frieda, Gesa, Greta, Josefine, Levi, Matilda, Vilna. Sie arbeiten inmitten von mobilen, flexiblen Wänden in Kojen mit Abteilungen, zwischen Karton-Kisten für und mit Akten, Schreibmaschine, Schredder, einer „Rohrpost“.

Am Start-Schalter empfängt dich eine der – mit hell-lila Kappe und ebenso gefärbten gerade aktuellen Schwebe-Patschen ausgestatten – Büro-Mitarbeiter:innen, dein Akt wird erstellt.

Kannst du dich an eine Situation erinnern, in der du gern anders gehandelt hättest, kannst du gleich zur Beratung. Fällt dir nichts ein oder traust du dich nicht eine solche Begebenheit preiszugeben, darfst du ins Archiv mit schon gesammelten Fällen und dich von einem dieser Akten inspirieren lassen.

Tierbilder und Durchspielen

In der Erstberatung geht es weniger um deinen „Fall“, sondern anhand von Tier-Bildern wird unter anderem erfragt, wie du allgemein reagierst; eher wie eine giftige Schlange oder eine Eule oder …

In einem der beiden Reaktor-Räumen kannst du dann deinen Fall besprechen. Wenn du willst, wirst du eingeladen, die entsprechende Situation nochmals hier unter den „Labor“-Bedingungen ohne den Stress durchzuspielen. Die Kinder bieten – zumindest taten sie bei dem hier rezensierenden Probanden – an, dass eine oder einer in deine Rolle damals schlüpft und du von außen zusehen kannst, wie eine andere, eine angemessene Reaktion, ablaufen könnte…

In einem weiteren Reaktor-Raum kannst du eine Art Telefonberatung durchspielen, oder etwas dazu schreiben, das du vielleicht gleich schreddern willst oder auch eine Postkarte an wen auch immer verfassen. Gegen Ende wird, so du zustimmst, dein Akt per Rohrpost – ein Laubbläser an einem durchsichtigen langen, breiten Schlauch, ins Archiv befördert und dort – entsprechend dem Inhalt in eine der Box eingeordnet.

Erleichtert für kommende herausfordernden Situationen, kannst du nach der ernsthaften, kompetenten und doch von Witz durchzogenen „Behandlung“ dieses Büro verlassen.

Intensive Vorbereitung

Dieses BFAR ist im Glaskubus am Linzer O.K.-Platz (für Offenes Kulturhaus) gegenüber dem Container mit Infos und Tickets fürs Schäxpir-Festival und angrenzend an das im Ursulinenhof gelegene Festival-Büro untergebracht.

Bobby und Chalodde – so ihre Spitznamen – sind zwei BFAR-Mitarbeiterinnen, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… ein bisschen zur Entstehungsgeschichte dieses „Büros“ erzählen: „Schon im Oktober des Vorjahres wurden wir vom JES, bei dem wir alle Theater-Workshops machen, gefragt, ob wir Lust haben, bei so einer Aktion mitmachen wollen. Im Herbst haben wir dann intensiv über Reaktionen geforscht, darüber viel geredet, Interviews mit Leuten geführt, die Erfahrungen mit Konflikten haben, und dann begonnen, verschiedene Situationen durchzuspielen. Im Jänner und Februar haben wir dann viel öfter geübt, weil wir dieses Büro schon in Stuttgart, nicht im Theaterhaus, sondern im Clubtopia, einem leeren Lokal, schon einmal aufgebaut hatten. Da waren zum Teil auch andere Kinder dabei. Wir haben auch besprochen und durchgespielt, was wir tun können, wenn jemand aggressiv wird. Dann können wir uns auch eine der Erwachsenen wenden, mit denen wir das BFAR aufgebaut haben (Larissa, Lilly, Frederic).

Anregung

Wäre spannend, so eine Einrichtung nicht nur im Rahmen eines Theaterfestivals und nicht nur für bereits interessierte Besucher:innen, die das schon bewusst buchen, zu eröffnen 😉

kijuku_heinz

Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus "Fell me"

Bunte getanzte Welt aus Fellen, Häuten, Schuppen…

Fell, Haut, Federn, Schuppen, Panzer… die äußere Schicht von Tieren kann – wie vieles andere – ganz schön unterschiedlich sein. Viele der vielfältigen schützenden oder / und verletzlichen Oberflächen – „übersetzt“ in Stoffe – zaubern Christine Kristmann, Anne Pretzsch in der rund ¾-stündigen tänzerischen Performance „Fell me“ aus… – nein, woraus das wird hier jetzt sicher nicht gespoilert. Vielleicht hast du ja einmal die Gelegenheit diese – für Kinder ab 3 Jahren gedachte, aber sicher auch (weit) ältere Besucher:innen faszinierende Stück irgendwo zu erleben.

Szenen foto aus
Szenenfoto aus „Fell me“

Manchmal tanzen sie mit kuschelligen, longzotteligen Kostümen als Bären, dann verwandelt sich ein Zebrakleid durch Wenden auf die Innenseite in ein Krokodil, das andere in einen Leoparden – und wieder zurück. Schlangen, Schnecken, Vögel, Walflosse, Qualle, eine Art Oktopus – aber mit vielen, fast unzähligen Tentakeln entstehen aus den Kostümen und den entsprechenden tänzerischen Bewegungen – schwebend, kriechend, schwimmend, anschleichend, rennend, springend… – vor den inneren Augen. Die Verwandlung einer Raupe in einen Schmetterling spielen die beiden ebenfalls. Dies ist eine der gaaaanz wenigen Szenen, in der die beiden auch etwas dazu sagen.

Auch zwei erklärende Sätze aus dem Ankündigungstext kommen zur Sprache und noch einige wenige Fakten aus dem Universum der Tierwelt.

Szenen foto aus
Szenenfoto aus „Fell me“

Neben der dominierenden Körpersprache spielt noch eine weitere eine große Rolle: Musik, live gespielt von Sebastian Russ mit Akustik-Gitarre sowie einer Reihe von Percussions-Instrumenten – und unterstützt von vielen aus dem Publikum an die die beiden Performerinnen, die auch die Show erfunden haben – Klangstäbe, Triangel, Kastagnetten und ähnliches verteilen.

Wichtig zu erwähnen ist als Vierte im Bunde Janina Capelle. Sie hat sich die Kostüme ausgedacht und auch geschneidert. Zum einen erinnern die verschiedenen Stoffe in den zurechtgeschnittenen und -genähten Formen an die jeweiligen Tiere, zum anderen geben sie aber dabei der Fantasie viel Raum.

Am Ende der Show – das sei schon verraten – laden die Tänzerinnen das Publikum ein, Eigenschaften zu nennen für ein Tier, das noch nie wer gesehen hat. Aus den vorhandenen Materialien versuchen die beiden dann solch eine Kreatur zu erschaffen.

Und so „nebenbei“ vermittelt „Fell me“, dass das Leben auf der Erde bunt und vielfältig ist und wie dies fasziniert; vielleicht aber auch, dass das englische „fell“ neben dem Substantiv Fell auch schlagen oder fällen bedeutet, was der Mensch mit so manchen „Fellwesen“ ja macht.

kijuku_heinz

Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus "ClayPlay" am Originalschauplat: Lentos Freiraum; bei Regen im Ursulinenhof / 1. Stock

Spiel mit formbarem Material und den eigenen Körpern

Auf dem ausgerollten Tanzboden steht in der Mitte ein Haufen Ton (Lehm), dahinter liegen zwei Menschen. Eine dritte Person formt Kügelchen, Schlangen und andere Kleinformen aus Stückerln von diesem formbaren Material. Irgendwann nimmt Efrat Vonsover Avni einen kleinen Brocken Ton, klatscht ihn auf eine der beiden Liegenden, zieht und zerrt an den Beinen von Gat Goodovitch und stopft sie mit deren Kopf in eine Höhle des großen Berges, formt ihre Arme und Beine zu einer Art liegender Skulptur. Ähnlich verfährt sie mit Roni Sagi. Ihn rammt sie weiter oben in den Berg.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „ClayPlay“ am Originalschauplat: Lentos Freiraum; bei Regen im Ursulinenhof / 1. Stock

Die beiden mit dem Kopf „Eingegrabenen“ beginnen ihre Beine zu heben, Kopfstände zu machen, Füße zu „verknoten“.
Natürlich verharren sie auch nicht in diesen Positionen, befreien sich aus ihren „Kopfgefängnissen“ und bemächtigen sich des Materials. Verspielt baut er sich aus einer schmalen Ton-Platte eine tierische Ganzkopf-Maske. Sie befreit ihn davon, beginnt dagegen ihn zu „formen“ und beide gehen zu Musik (Maya Guttmann) in gemeinsames Tanzen über.

Nach knapp mehr als einer ¼ Stunde steht sie in dem großen eingangs erwähnten Berg, ihr Kollege Roni Sagi sowie die erstgenannte Efrat Vonsover Avni, die in der Folge die meiste Zeit an der Seite beobachtet, drücken und treten auf den Ton ein, „verankern“ Gat Goodovitch recht fest darin und lassen sich von Kindern aus dem Publikum dabei helfen. Diese neue Standfestigkeit ermöglicht der Tänzerin fast unglaubliche Bewegungen, ohne hinzufallen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „ClayPlay“ am Originalschauplat: Lentos Freiraum; bei Regen im Ursulinenhof / 1. Stock

Objekte führen zu kurzen Szenen

Nach ihrer Befreiung schneiden sie und ihr Kollege ein Stück nach dem anderen mit einer Nylonschnur an zwei Holzgriffen – die übliche Methode, Ton zu teilen – ab. Aus einem Stück gestaltet er sich eine Irokesenfrisur bzw. Sekunden später zum Hahnenkamm. Sie baut sich ein Handy mit Klapp-Display, um für Selfies aller Art zu posieren… Augenblicke später werfen sie die Tonbatzen weg oder formen sie um, versinken ins formende Spiel oder spielerische Formen 😉

Dass ausgerechnet die Frau ein Baby formt und der Mann eine Schlange lässt sie als einzigen kleinen Wermutstropfen in Klischeerollen kippen. Danach gehen sie über in lustvolles Werfen und Schmeißen von Tonteilen, Efrat Vonsover Avni (Konzept & Choreografie) beginnt kleine Tonstückerl an Menschen im Publikum – nicht nur an Kinder – zu verteilen und animiert sie, diese ebenfalls auf die Spielfläche – wegen Regens nicht im Freiraum des Lentos-Museums am Donauufer, sondern einem großen Raum im Ursulinenhof, zu werfen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „ClayPlay“ am Originalschauplat: Lentos Freiraum; bei Regen im Ursulinenhof / 1. Stock

Spielfläche frei

Bald danach beenden die Performer:innen ihr Spiel und geben die Tanz- und Aktionsfläche frei für Zuschauer:innen, von denen die meisten schnell in kreativem Gestalten voll aufgehen.

Der englische Titel kann natürlich weit mehr als es die Übersetzung vermag: „ClayPlay“ von der Gruppe Lazuz (Österreich/Israel) sagt alles und ist verspielt wie das was die drei Performer:innen rund eine ¾ Stunde eben mit diesem Material Ton (Lehm) anstellen – und zwischendurch auch einige sowie nach der Show alle, die wollen.

kijuku_heinz

Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus "Höhere Wesen befehlen: KI!"

„Wir sind der Stoff, aus dem die Pixel sind…“

23 weiße, neutrale Köpfe wie sie aus Schaufenstern oder von Modepuppen bekannt sind, „bevölkern“ die Bühne auf Podesten auf mehreren Ebenen der Bühne (Bühnen- und Kostümbild: Alexandra Pitz) im Zirkus des Wissens auf dem Gelände der JKU, der Johannes-Kepler-Universität am Rande von Linz. Dahinter eingeblendet der Titel des aktuell dort laufenden Stückes „Höhere Wesen befehlen: KI!“ Dieses hatte Mitte November (2024) Premiere.

Zwischen diesen Köpfen platzieren sich die beiden Schauspieler:innen auf Podesten als ihren wissenschaftlichen Arbeitsplätzen und beginnen wie wild mit ihren Fingern auf imaginäre Tastaturen zu tippen, hacken, hämmern.

Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Wandern, tanzen, rappen

Dazu kehren sie im Laufe der Stunde immer wieder zurück, nachdem sie sich erhoben haben, zwischen den Köpfen wandern, tanzen, rappen, Weisheiten zitieren bzw. aus Büchern – scheinbar – lesen. Alles dreht sich – nona, wozu sonst der Titel, sehr, vielleicht ein bisschen zu dicht, rund um KI, wobei gegen Ende vor allem der zweite Buchstabe hinterfragt wird. Künstlich wohl, im Sinne von Menschen geschaffen sicher, aber Intelligenz?

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Überhöhte und abgeschoben

Wird da nicht wieder – wie so oft im Laufe der Menschheitsgeschichte – etwas überhöht, auf zu hohe Podeste gestellt, fast angebetet? Und damit die Verantwortung ab- oder mindestes weggeschoben.

Alles was KI kann, schöpfe sie ja nur aus schon vorhandenen Daten und Materialien wird mehrfach in dieser und anderer Form erklärt, postuliert, ja fast schon beschworen. Kreativ sein könne nur der Mensch. Und der Text für dieses Stück – von Gerhard Willert, der auch Regie führte – sei „einhundertprozentig frei von sogenannter Künstlicher Intelligenz“. Ja selbst ein hochqualitatives Übersetzungsprogramm habe es nicht geschafft die wortspielerischen poetischen Passagen des Textes, einige davon im oberösterreichischen Dialekt, in brauchbares Englisch zu übertragen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Haben nur einen Planeten

Eingebaut ins Stück sind Hinweise auf manche Autor:innen, etwa Dürrenmatt und seine „Physiker“, wenn es um die Verantwortung von Wissenschafter:innen für ihre Forschungen und Erkenntnisse geht. Oder von – und das sehr spannend – dem viel zu wenig bekannten Alexander Grothendieck. An sich wissenschaftlicher, hochdekorierter, Mathematiker, hat er sich vor mehr als einem halben Jahrhundert ungefähr zeitgleich mit dem Club of Rome („Grenzen des Wachstums“, 1972) sehr kritisch mit dem Umgang der Menschheit mit der Erde auseinandergesetzt. Ohne dies so zu formulieren was die Fridays For Future-Bewegung mit „es gibt keinen Planeten B“ auf den Punkt brachte, hat er genau damit argumentiert, dass in vielen Bereichen nicht experimentiert werden dürfe, weil diese Versuche eben nicht wiederholt werden könnten, wenn die Lebensgrundlagen des Planeten vernichtet werden.

„Wir sind in einer Situation, in der uns die Methoden der experimentellen Wissenschaften in der Praxis nicht weiterhelfen. Es gibt nämlich nur einen Planeten Erde, und die Krisensituation, in der wir jetzt sind, findet in der Geschichte der Evolution nur ein einziges Mal statt. Wir haben es also hier nicht mit einem Experiment zu tun, das wir nach Belieben wiederholen könnten, um anschließend unsere operationellen Modi zu optimieren.“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Aus dessen Werk zitieren sie mehr – mit einem Fake-Schmäh. Nach der sogenannten Voltaire-Methode – Finger zwischen Buchseiten und genau das lesen -, schlagen sie aber schon zuvor festgelegte Seiten auf, oder zitieren auswendig gelernten Text, ist ihr auf die Bühne geworfenes Grothendieck-Buch doch im französischen Original 😉

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Glühwürmchen

Mehrmals verwandelt sich die Bühne licht- und stimmungsmäßig in eine Art Disco, das Duo tanzt ab zu einem Vierzeile: „Und dann tanzten sie wie Glühwürmchen in der Nacht / Doch Glühwürmchen gibt es nicht mehr /Wer hat sie eigentlich umgebracht? / Und bringt sie was wieder her?“ Und kommt scheinbar erst viel später drauf, dass mit diesem Song das menschengemachte Artensterben angesprochen wird.

Gesamte Wertschöpfungskette

Zurück zu den begrenzten Ressourcen: Neben dem Absaugen aller Daten und deren Verwertung, was doch recht oft thematisiert wird, werde noch kaum bis nicht in Betracht gezogen, dass die KI-Entwicklungen und Anwendungen so viel Energie benötigen, dass der Ressourcenverbrauch ins Unermessliche steige. Weswegen die Großunternehmer im Silicon Valley sich auch Energie-Quellen unter den Nagel reißen würden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

In Abwandlung des alten römischen Cato-Spruchs, dass das feindliche Karthago zerstört werden müsse (was Falter-Herausgeber Armin Thurnher rund zwei Jahrzehnte lang zur Abwandlung seiner wöchentlichen Kolumne mit einem Satz gegen die heimischen Printmedien-Konzentration inspiriert hatte) wirft Fadi Dorninger, seitlich neben der Bühne agierender Ton- und Licht-Master, mehrmals ein: Silicon Valley muss zerstört werden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Shakespeare

„Wir sind der Stoff, aus dem die Pixel sind“, wirft Barbara Novotny in den Bühnenraum. „Stop. Moment. Was soll das heißen: Wir sind der Stoff, aus dem die Pixel sind?“, fragt ihr Bühnenkollege Peter Pertusini.

„Ich war im Theater. Hab „Der Sturm“ von Shakespeare gesehen. Da sagt der alte Zauberer: „Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind… Und da hat hat es bei mir plötzlich klick gemacht und ich hab mir gedacht: genau. Nicht die Träume sind das Problem. Wir sind das Problem. Nicht die Algorithmen… Nicht die KI ist das Problem. Wir sind das Problem…“

… „Wenn ich ein Werkzeug als Lösung betrachte, wird das Werkzeug zu Gott. Damit bin ich fein raus und verantwortlich bin ich für nichts mehr. Wenn ich aber für nichts mehr verantwortlich bin: wer bin ich dann noch?“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Höhere Wesen befehlen: KI!“

Und noch ein schönes Zitat aus dem Stück für das die Quelle im Dunklen bleibt: „Jeder dreht so gut er kann / Seine Träume in Realitäten um. / Vor Wahrheiten ist der Mensch aus Eis; / Feuer fängt er für Lügen.“

Screenshot der Webiste zackzack.at mit dem Teaser zu dem Interview mit Hannes Werthner zu
Screenshot der Webiste zackzack.at mit dem Teaser zu dem Interview mit Hannes Werthner zu „digitalem Humanismus“

Digitaler Humanismus

Hannes Werthner, früherer Professor für Informatik an der Technischen Universität Wien (2016 bis 2019 Dekan an der Fakultät für Informatik) sagte kürzlich in einem Interview mit Daniel Pilz auf zakckack.at: „Wir – und nicht Konzerne und Technologien – sollten bestimmen, wie die Welt um uns aussieht und gestaltet werden sollte. Der Mensch hat die Freiheit und Verantwortung zu entscheiden. Diese Verantwortung nimmt ihm auch niemand ab… Außerdem ist der Digitale Humanismus nicht gegen die Natur gerichtet. Es geht dabei um Nachhaltigkeit. Ein Aspekt ist ein kritischer Blick auf den Ressourcenverbrauch von modernen Technologien. Insofern ist der Digitale Humanismus ein Rahmenwerk um das Verhältnis zwischen Mensch, Gesellschaft, Natur und Technologie zu verstehen, sich einzumischen und dieses Verhältnis unseren Werten entsprechend zu gestalten… Ich will aber Soziale Medien nicht verteufeln. Diese bieten auch die Chance, sich an der Demokratie zu beteiligen, beispielsweise durch Bürgerinitiativen. Es geht darum, wie Technologien, wie Soziale Medien gestaltet sind und wer über diese Gestaltung bestimmt…“

kijuku_heinz/

Faszinierend wie die Figurentheaterspielerin Leben und Wirken von Ada Lovelace mit ihren unheimlich vielen, detailverliebten Objekten uund Figuren in Szenen setzt

Faszinierendes Spiel mit kleinen Dingen über große Forscherinnen

Obwohl es um eine große Mathematikerin geht, lassen sich die Figuren, Objekte, Bildertafeln und viel kleines verspieltes und bespielbares Krims Krams wahrscheinlich kaum zählen. Weit mehr als eine Stunde hat die Figurentheaterspielerin Alexandra Mayer-Pernkopf die kleine und dann doch scheinbar so große Bühne hier im Ludwig-Boltzmann-Hörsaal der Fakultät für Physik der Universität Wien aufgebaut.

Faszinierende, erstaunliche rund 50 Minuten lässt sie Figuren auftauchen, Drehorgel spielen, Kutschen über Schnüre bzw. Drähte fahren, füllt Teetässchen, blättert in Mini-Mini-Büchlein, um mit Worten und diesen und noch viel mehr Objekten kleine und große Geschichten zu erzählen.

„Ada Byron Lovelace & die Denkmaschine“ heißt die kunst- und fingerfertige Performance. In dieser spielt und schildert die Theaterfrau das Leben dieses wissenshungrigen und fantasievollen Mädchens von vor rund 200 Jahren (geboren 1815) und der späteren Frau (bis 1852).

Dennoch keine einfache Kindheit

Zwar hatte Ada den Vorteil wohlhabender gebildeter Eltern, die ihre Tochter – im Gegensatz zu vielen anderen Kindern dieser Zeit, vor allem Mädchen – Wissen zukommen zu lassen, aber einfach waren Vater und Mutter nicht drauf. Obendrein war Ada als Kind viel und oft lange schwer krank. Das tat ihrem Wissenseifer keinen Abbruch. Dass sie sich – lange vor dem ersten Flugzeug – eine Flugmaschine ausdachte und zeichnete, vermittelt die Theater-Künstlerin mit ihren vielen Gegenständen ebenso wie vor allem das wofür Ada Lovelace noch heute bekannt und berühmt ist: Die urdicke Gebrauchsanleitung für eine Steuerung einer gefinkelten Rechenmaschine, die Charles Babbage erfunden und gebaut hatte. Mit ihm hatte Ada viel daran getüftelt und war mit ihm in regelmäßigem Austausch. Diese ihre Steuerung – über Lochkarten, ein System wie es ähnlich auch bei halbautomatischen Webstühlen zur Anwendung kam -, gilt als eine Vorform einer Computersprache. Vor rund 50 Jahren wurde dann tatsächlich eine der ersten echten Computersprachen deshalb Ada genannt.

„Zirkus des Wissens“…

… steht in teils bunten, verschnörkelten und verdrehten Buchstaben auf einem schwarzen samtartigen Vorhang neben der „Hauptbühne“ des mobilen „isipisi“-Theaters. Dieser Teil, in dem unterschiedliche Bilder reingeschoben werden – in dem Fall aus einem der Bilderbücher über Ada Lovelace – nennt sich Kamishibai – ein aus Japan kommendes Papiertheater oder auch als Märchenbilderschaukasten genannt.

Der „Zirkus des Wissens“ ist eine eigene Einrichtung der Linzer Johannes-Kepler-Universität (JKU) in einer der äußersten Ecken des Hochschul-Campus am Rande der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Wissenschaft auf künstlerische, vor allem theatrale Weise wird dort vermittelt.

Die genannte Figurenspielerin aus dem ebenfalls oberösterreichischen Ottensheim hat mit ihrem Theater „isipisi“ das Stück für diesen „Zirkus“ entwickelt, tourt damit aber eben auch. Unter anderem trat sie kürzlich damit im besagten Hörsaal der Uni Wien auf – übrigens wenige Gehminuten entfernt vom Schubert Theater – Figurentheater für Erwachsene.

In einem Monat stellt Alexandra Mayer-Pernkopf im „Zirkus des Wissens“ eine bei uns kaum bekannte Wissenschafterin auf ähnliche Art und Weise vor: „Chien Shuing Wu – Königin der Physik“, die von 1912 in China geboren wurde und 1997 in den USA gestorben ist. Sie hat Wichtiges auf dem Gebiet der Teilchen- und Kern-Physik geforscht. „Madame Wu“, wie sie im Westen genannt wurde, erhielt manchmal den erklärenden Beinamen „chinesische Marie Curie“.

Follow@KiJuKUheinz

Szenenfoto aus "Faszination Haie" im Zirkus des Wissens an der JKU Linz

Bebildertes Sachbuch wird in Bühnenshow lebendig

Wunderbare Bilder von Michèle Ganser aus dem spannenden, vielseitigen Sachbuch – für praktisch alle Altersstufen – „Faszination Haie“ wurden und werden ab Herbst wieder vielfach lebendig. Einerseits digital animiert als Projektionen auf die breite Türwand – im „Zirkus des Wissens“ an der JKU, der Johannes Kepler Universität, am Rande der oberösterreichischen Hauptstadt Linz (Animationen & LED Technik, Bühnenbild: Bermo – Lichtkunst in Bewegung in Zusammenarbeit mit Rafal Fresel und maker austria). Andererseits durch Schauspiel, Tänze, Gesänge.

Helix projects ist auf die Umsetzung von bebilderten Büchern in theatrale Performances spezialisiert – eine Besprechung von „Panzerschloss“ ist am Ende dieses Beitrages verlinkt. Und die beiden Vorgänger-Bücher von Michael Stavarič und Michèle Ganser – Kraken und Quallen – wurden ebenfalls schon dramatisiert und – wie nun die Haie – im „Zirkus des Wissens“ aufgeführt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Faszination Haie“ im Zirkus des Wissens an der JKU Linz

Mit Kindern und Jugendlichen erarbeitet

Gemeinsam mit rund 80 Kindern und Jugendlichen wurde die rund einstündige Show entwickelt. Einige von ihnen spielten und tanzten bei einer Zusatzvorstellung am vorletzten Schulnachmittag (die Ferien beginnen in West- und Südösterreich übrigens eine Woche später als in Wien/NÖ und Burgenland) auch selber mit. Ansonsten agieren auf der Bühne nur vor allem Christine Maria Krenn und Christian Scharrer sowie die teils Live-Musikerin Martina Kneidinger al. Mintha.

Zu manchen der Sachinformationen aus dem Buch haben sich die beiden Erstgenannten – gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen in Workshops – Szenen ausgedacht. So spielt Krenn eine Zahnärztin und Scharrer den Patienten, um zu erklären, dass Haie so etwas nicht brauchen, weil sie dauern neue Zähne kriegen, gemeinhin Revolver- nach Stavarič lieber Rolltreppen-Gebiss haben.

3D-Hai-„Puppe“

Für die Show – eine Koproduktion von Helix projects und der Zirkus des Wissens eine beachtliche, bewegliche dreidimensionale Hai-Figur bauen lassen, die nicht nur über die Bühne, sondern auch auf der Galerie und der Tribüne getragen auftaucht (Design und Bau: Roger Titley). Und gegen Ende der Show – bei kurzer Öffnung der Tür – in die Weiten – abtaucht; auch wenn’s dort kein Wasser gibt 😉

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Faszination Haie“ im Zirkus des Wissens an der JKU Linz

Lichtdesign (Andreas Berhmani) – nicht zuletzt durch Armbänder, die junge und jüngste Besucher:innen der Show dafür bekommen – und Soundeffekte (Sound: Julius Zwirtmayr) runden den Besuch phasenweise zu einem Eintauchen in ein Riesen-Aquarium ab. Märchenhafte Songs ließen sich die Kinder und Jugendlichen einfallen, so schwimmen am Ende einer jener Haie, die nicht Plankton, sondern durchaus Robben fressen und eine solche gemeinsam durch die Weiten der Meere.

Ein bisschen mitmachen fürs junge Publikum

Für diesen Song und die eine oder andere Szene werden auch Kinder aus dem Publikum mit auf die Bühne gebeten. Mitmachen können sie auch bei einem Suchbild-Rätsel aus dem Buch. Die beiden Protagonist:innen schlafen dabei stehend, weswegen das Publikum gebeten wird sehr leise die sieben Hai-Eier-„Sackerln“ an Pflanzen zu entdecken. Bei jedem „Treffer“ trötet allerdings die Musikerin recht lautstark – was dann doch einigermaßen irritiert.

Ebenso wie übrigens die nicht ganz korrekte Schreibweise der Namen von Autor und Illustratorin bei der Einblendung zu Beginn. Aber dies könnte bis zum Start der neuen Aufführungsserie im Herbst wohl noch korrigiert werden 😉

Follow@KiJuKUheinz

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Faszination Haie“ im Zirkus des Wissens an der JKU Linz
Szenenfoto aus "Der Maulwurf und die Sterne"

Vom sternen-strahlenden Glanz des Teilens

Leuchtende Sterne, aber Kinder-Hochbett statt Maulwurfshügel? Wer das Bilderbuch „Der Maulwurf und die Sterne“ (Britta Teckentrup – Link zu einer Besprechung des Bilderbuchs am Ende dieses Beitrags) kennt, das die Vorlage fürs jüngste Stück im Linzer Theater des Kindes, ist vielleicht aufs erste verwirrt. Ohne allzu viel zu spoilern, der Beginn kann verraten werden. Am Hochbett oben liegt tatsächlich ein Kind – also nicht wirklich, sondern ein Schauspieler, der in die Rolle eines Kindes schlüpft. Aus dem Off kommt die Stimme seiner „Mutter“, die schon einige Geschichten vorgelesen hat, jetzt aber wäre endlich Schlafenszeit. Nur noch eine…

… nein, dies hier entwickelt sich nicht zu einer Variante von „Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel“, das übrigens derzeit im selben Theater auf dem Spielplan steht. Sondern wirklich nur noch eine einzige Geschichte – und zwar die Titelgebende. Und dazu „verwandelt“ sich das Kind in den Titelhelden Maulwurf. So wie auch all die anderen Tiere, die in der Geschichte vorkommen und im Bilderbuch namenlos bleiben, hat ihm die Stück-Autorin Nora Dirisamer benamst – ihn Mo.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der Maulwurf und die Sterne“

Ein Live-Schauspieler plus Stimmen seiner Kolleg:innen

Christian Lemperle bleibt der einzige Schauspieler auf der Bühne – die anderen Tiere des Waldes kommen – ebenso wie die Mutter – als voraufgezeichnete eingespielte Stimmen vor. Bei den Namen tobte sich Dirisamer mit Wortspielen ebenso fantasievoll aus wie beim Text vor allem mit gereimten Zeilen; im Buch ganz wenige Sätze, hier ziemlich – aber nicht zu – viele. High-Light an Namens-Wortspielen: Reh-bekka (Simone Neumayr, die u.a. die Mutter spricht) und ihr Kind Reh-Ne (David Baldessari, der auch noch Elli Eichkätzchen sowie (Stern-)Schnuppi und eine der vielen Ameisen die Stimme leiht).

Aus pragmatischen Gründen hatte sich Regisseur und Theaterleiter Andreas Baumgartner von Anfang an für ein Maulwurf-Solo entschieden, wie er nach der Premiere Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… anvertraute. „Wir hatten schon lange kein Solo-Stück für die Allerjüngsten (ab 3 Jahren). Außerdem ist im Buch ja der Maulwurf die zentrale Figur.“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der Maulwurf und die Sterne“

Mehr Eigenleben für die anderen Tiere

Die Stückversion, die den durchgängig poetischen Touch des Bilderbuchs – der dort vor allem auch in den Bildern zum Ausdruck kommt – aufnimmt, gesteht den anderen Tieren aber mehr Eigenleben zu – nicht nur durch die Namen, sondern auch durch die Auftritte als Figuren unterschiedlichster Art (Bühne Michaela Mandel; Kostüme: Anna Katharina Jaritz). Und so wird noch viel deutlicher, wieso Maulwurfs in Erfüllung gegangener Wunsch, alle Sterne für sich allein in seinem Bau zu haben, für andere bei Weitem nicht nur enttäuschend, sondern teils unbedingt notwendig ist.

Für Tiere, die in der Nacht aktiv sind, bedeuten Sterne viel mehr als eine nette nächtliche Beleuchtung! Und so lernt Mo hier noch viel stärker, weshalb sein Sternenklau alles andere als toll war. Ohne dass das Stück auch nur im Geringsten an einem erhobenen pädagogischen Zeigefinger anstößt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der Maulwurf und die Sterne“

Neu: Ameisen

Dirisamer hat ins Stück als Running Gag noch viiiiele Ameisen als Putztrupp des Waldes hieingeschrieben, die sich immer wieder zu Wort melden – materialisiert durch die verschiedenen Schauspieler:innen des Theaters, die ihnen ihre Stimmen – neben den schon genannten, leihen: Katharina Schraml (Flora Fledermaus / eine weitere Ameise / Sissi Waldspitzmaus, Harald Bodingbauer (Sigi Siebenschläfer / Ameisenchef), Peter Woy: Sir William Waldkauz / noch eine Ameise und nicht zuletzt Andreas Baumgartner, der neben einer Ameise noch Werner Wildschwein seine Stimme im oberösterreichischen Dialekt gibt: Letzteres übrigens einfach zwei üppige plüschige Schlapfen, in die Maulwurf Mo hin und wieder, wenn Werner an der Reihe ist, schlüpft.

Musik (David Wagner) und natürlich nicht zuletzt das Lichtdesgin (Natascha Woldrich) runden den Zauber dieser Geschichte mit Botschaft zu einem wunderbaren Theater-Vor- bzw. -Nachmittag ab.

Follow@kiJuKUheinz

Szenenfoto aus "D.A.R.K. – Das All im Reiskocher" im Zirkus des Wissens in Linz

KI-Stimme aus ungewöhnlichen Orten irritiert in Sachen Zukunfts-Dystopien

Befinden wir uns in einer Wohnung? Georg kocht gerade Schwammerl-Erdäpfel-Gulasch. Oder doch eher in einem Labor? Viele kleine Pilzkulturen in mehreren Behältern auf einem Regal im Hintergrund, dazu Blumentöpfe, die auch eher nach Zuchtpflanzen wirken, Metallfolien, Wannen, Kübel, verschiedenfärbige Lichter, mehrere Monitore. Gut, die spielen nur – nach Sprachbefehl – Nachrichten ab; von einer KI-geführten Landwirtschaft, von einem bevorstehenden Prozess gegen einen Autofahrer, der eine Klima-Kleberin totgefahren hat, von  geklonten Menschen in China…

Miranda kommt abgespannt von der Arbeit nach Hause. Schiebt den vorbereiteten Teller weg, klappt den Laptop auf, um nur noch schnell eine eMail schreiben zu müssen, und bittet ihren Lebenspartner genervt, diese grauslichen Nachrichten abzudrehen. Sie hatte ohnehin einen stressigen Tag, arge Verhandlung als Staatsanwältin und dann wurde ihr noch ausgerechnet der oben genannte Prozess entzogen, um ihn eher einem alten männlichen Staatsanwalt zu überantworten…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „D.A.R.K. – Das All im Reiskocher“ im Zirkus des Wissens in Linz

Dies ist das Ausgangsszene für „D.A.R.K. – Das All im Reiskocher“. Dies ist ein schräges, satirisches Stück rund um Klimakrise, Künstliche Intelligenz und mögliche dystopische Zukunftsszenarien der Welt, viel mehr der möglichen Vernichtung der Menschheit. Gespielt wird es nun – bis 13. Februar 2024 – im Zirkus des Wissens in Linz. Auf dem Gelände der JKU (Johannes Kepler Universität) spielt sich in diesem umgebauten ehemaligen Stadel ein Mix aus Kunst und Wissenschaft ab, meist in theatraler Form.

Schwammerl-Forschung

Georg (Max J. Modl) nennt irgendwann am Beginn als aktuelles Datum 24. August 2026. Dabei bleibt es im Lauf des Stückes nicht – wir hören als weitest in der Zukunft liegendes Datum das Jahr 2120. Was Miranda (Julia Frisch) schon ziemlich anzweifelt, ist sie doch 1995 geboren, wäre dann also 125 Jahre alt/jung (?). Und wir hören Stimmen aus dem Reiskocher. Aber nicht dieser spricht, sondern „Das All“, das sich zweitweise dort niedergelassen hat, aber auch schon mal aus Mirandas Tasche, dem Kühlschrank oder wo auch immer her ihre Sprüche loslässt (Eszter Hollosi – live in jeder Aufführung und nicht voraufgenommen eingespielt).

Achja, Georg ist Forscher an Pilzkulturen (die höchst interessante, liebevoll bis ins kleinste Detail gestaltete Ausstattung stammt von Nora Scheidl). Am Tag mit dem das Geschehen beginnt, hat er eine spezielle Kreuzung erfolgreich gezüchtet, die er für DIE Abhilfe gegen den Klimawandel hält…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „D.A.R.K. – Das All im Reiskocher“ im Zirkus des Wissens in Linz

Schafft KI zum Schutz des Klimas Menschen ab?

Dieser ist zentrales Thema der knapp 1 ¼ Stunden – aber immer wieder in einer fast kabarettistisch-paradoxen Variante – Details seien nicht gespoilert (Text und Regie: Michael Scheidl). So viel aber schon, dass zwecks Überleben der Menschheit die KI, die mehr oder minder die Macht übernommen hat, der (Selbst-)Zerstörung ein Ende setzen, oder sie wenigstens beschränken will und dafür eine eigene Sorte „Homo Utilis“ gezüchtet hat – ein solches Exemplar tauch auf (Eric Lingens). Und bringt das Leben des Paares noch mehr durcheinander als es ohnehin schon angesichts des Streits darum, Kinder in die Welt zu setzen oder nicht, der Fall ist.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „D.A.R.K. – Das All im Reiskocher“ im Zirkus des Wissens in Linz

Schauspiel, Musik, Ausstattung

Schon verraten wird hier: Neben dem Schauspiel im durchaus skurrilen Ambiente runden noch Musik und Klang (Komposition: Martin Kaltenbrunner, Klangskulptur: Michael Kramer) und Visuals im „großen Fenster“ nach draußen (Max Scheidl) „D.A.R.K.“ ab – ein Stück, das so gebaut ist, dass es keine Antworten geben will, sondern definitiv Fragen und Beschäftigung damit richtiggehend anstößt.

Follow@kiJuKUheinz

Moritz Krainz als Wolf im Kampf mit Rex, dem Dorfhund, gespielt von Nathan Mitterbauer

Durch das Musicalprojekt den eigenen Weg gefunden

Als Freitagabend im Central im Zentrum von Linz bei der Stella-Gala der Preis für das beste partizipative Projekt verkündet wurde, sprangen einige im Saal auf, der größte Jubel kam von der Galerie. Dort standen die Jugendlichen, die in „Grimm! – Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf“ (von Peter Lund und Thomas Zaufke) gespielt, gesungen, getanzt und musiziert hatten. Auf der Bühne nahm das Leading Team (Regie: Heidi Leutgöb, Choreografie: Daniel Feik) die Statue – einen auf einer Feder schwingenden metallenen Stern – entgegen und deutet sofort auf die Galerie.

Zwei Dutzend Jugendliche hatten – noch in Coronazeiten und -bedingungen und damit mit Maske – sechs Monate lang an den Wochenenden geprobt. Einer davon pendelte jeweils von Wien nach Linz: Moritz Krainz. Der 19-Jährige hatte den Wolf, der von so manchen Verschwörungstheoretiker:innen im Dorf verleumdet wird, aber alles andere als böse ist, gespielt.

Moritz Krainz als Wolf - schon im Kostüm kurz vor einer der Vorstellungen
Moritz Krainz als Wolf – schon im Kostüm kurz vor einer der Vorstellungen

Krainz sprach Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … nach der Gala an und machte darauf aufmerksam: „Du hast schon einmal über ein Musical geschrieben, in dem ich als Kind mitgemacht habe – von „Rabauki“ (Leitung: Juci Janoska).“

Im folgenden Gespräch erzählte er zunächst: „Meine Mutter hat mir von dem Casting in Linz erzählt. Erst wollte ich nicht, dann bin ich doch gefahren, wurde genommen und durfte sogar eine der Hauptrollen, den Wolf, spielen, singen und tanzen.“ Da er in Linz eine Tante hat, konnte er do übernachten.

Das Projekt habe ihn so angefixt, „dass ich beschlossen habe, die Schule (7. Klasse Gymnasium) abzubrechen, weil ich so gespürt habe, dass ist das unbedingt machen will. Ich hab mich bei der MuK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien), in München und Essen beworben und nehm bis dahin privat Unterricht. Musical ist einfach mein’s, das hab ich in und durch das Grimm-Projekt so gespürt.“

Follow@kiJuKUheinz

Szenenfoto aus „From Zero to Zack Prack! Oder heroisch in die Katastrophe“

Bringen’s Superheld:innen und braucht es solche?

Mit sehr vielen Wortspielen, Anspielungen auf Held:innen und extrem viel Spielfreude rocken Sarah Baum, Julia Frisch, Stefan Parzer, Felix Rank als (selbst-)ironische Held:innen die Bühne des Linzer Theaters Phönix in „From Zero to Zack Prack! Oder heroisch in die Katastrophe“. Zwei der vier Schauspieler:innen – Julia Frisch, Stefan Parzer – und dazu die Regisseurin Stefanie Altenhofer haben das lust- und kraftvolle Stück geschrieben, in dem die tickende Bombe entschärft werden soll/muss. Wer auch immer sie in Händen hält, gibt sie jedoch möglichst schleunigst weiter…

Also braucht es mindestens eine Heldin oder einen Helden. Die vier Bühnenfiguren wissen jede und jeder die besten Argumente dafür, warum gerade sie/er es jeweils genau nicht sein kann. Also her mit so richtigen Heroes 😉 In parodierten Super-, Spider- und sonst welchen (Wo-)Man-Kostümen erleben wir in den darauffolgenden Szenen A, Y, V und Q – Angstman, die superschlaue Doktorin Wy oder Why (?), also nur für den englischen Buchstaben Ypsilon oder doch gleich für warum auf Englisch?, die Frau mit Visionen und den super Quick (schnell)-Man. Tollpatschigkeit scheint deren zweiter Vorname zu sein. Und so spielt das Quartett verschiedenste Held:innen-Mythen ins Lächerliche.

Powermittelchen, Einheitsbrei…

Dann wiederum verwandeln sich der Reihe nach alle in Ebenbildern eines von ihnen. Aber egal ob mit oder ohne aufputschende Mittelchen – natürlich können sie allesamt weder Erde noch das Multiversum (und da ist sicher nicht das gleichnamige Veranstaltungszentrum in Schwechat mit all seinen mysteriösen Finanzgeschichten gemeint) retten…

Es kommt sozusagen auf vielfältige Held:innen des Alltags und ihr möglichstes Zusammenwirken an, um – und so weiter. Womit „From Zero to Zack Prack!” sich einreiht in jene „magischen“ Geschichten, die lustvoll und spielfreudig die wichtigen vor der Menschheit stehenden Troubles anspielen und nie auch nur als „Lehrstück“ oder mit erhobenem (pädagogischen) Zeigefinger daherkommen. Denn wie schon vor mehr als einem Vierteljahrhundert der damalige Direktor des Theaters der Jugend (Reinhard Urbach) vielfach sagte und schrieb: Wer Jugendlichen mit dem Zeigefinger komme, brauche sich nicht wundern, wenn sie den Mittelfinger als Antwort bekommen.

Gebärdensprache

„From Zero to Zack Prack!” bietet ein zusätzliches Goodie: Vorstellungen dieses Stücks werden live, analog und simultan in Österreichische Gebärdensprache mit Einsprengseln im oberösterreichischen Dialekt übersetzt. Vom Publikum aus gesehen links neben der Bühne steht Pam Eden, die bilingual – Laut- und österreichische Gebärdensprache -, die gesprochene, gerufene, geschriene Texte mit ihren Händen gebärdet, womit auch gehörlose Zuschauer:innen diese fulminante Aufführung miterleben können.

Follow@kiJuKUheinz

Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für die ersten vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Festivaleröffnung mit der Artistin Sophie Duncan und Moderatorin Nora Jacobs alias "Starlet"

Bühnen-Magie mit Selbstironie

Als Möchtegern-Zauberin mit perfekt eingebauten Ungeschicklichkeiten und einer gehörigen Portion Selbstironie sorgte Nora Jacobs, die Moderatorin des Auftakts zum zwölften „Schäxpir“ – Theaterfestival für junges Publikum in Linz für Schmunzeln bis Lachen und ein wenig Verunsicherung bei einigen ihrer Interviewpartner:innen auf der Bühne – außer den drei Festivalleiterinnen Julia Ransmayr, Sara Ostertag und Anja Lang. Den eigentlichen Auftakt-Act lieferte jedoch Sophie Duncan als Aerial Pole – artistische Kunststücke, die aus Zirkussen bekannt, dort aber meist an Seilen oder Tüchern ausgeführt werden, vollführte sie an einer Stange. Das sollte ein wenig und auf eher ungewohnte Art für das Theaterfestival das Motto des diesjährigen Festivals „magic – die Geschichte der Geschichten“ sinnlich erfahrbar machen.

Bis 24. Juni 2023 stehen zweieinhalb Dutzend verschiedene und recht unterschiedliche Produktionen mit rund 300 beteiligten Künstler:innen aus elf Ländern auf dem Programm des Festivals – in Theatern und anderen Spielorten. Compliance-Hinweise: Das Festival hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für die ersten vier Tage eingeladen – alle Stücke dieser Tage werden hier gefeatured.

Moderatorin
Moderatorin „Starlet“ (Nora Jacobs) im Gespräch mit den Festivalleiterinnen Sara Ostertag, Anja Lang und Julia Ransmayr

Das wirkliche Eröffnungsstück „Do the Calimero“ von LOD muziektheater & hetpaleis aus Belgien, eine Koproduktion mit dem Festival, das zwischen stillen, sehr persönlich-berührenden, offenherzigen Momenten und wildem choreografiertem Chaos pendelt, ist – wie alle folgenden Stücke – jeweils in einem eigenen Beitrage beschrieben – Links folgen laufend unten; außerdem Links zu Stückbesprechungen, die KiJuKU schon vorher andernorts gesehen hat.

Follow@kiJuKUheinz

Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für die ersten vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Schon andernorts gesehen

Beim Theaterfestival Schäxpir werden auch einige Stücke gezeigt, über die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schon anlässlich früherer Aufführungen andernorts geschrieben hat, hier die Links

The Milky Way

Rangeln

Hexen

Iwein

Mein AllesaufderWelt

Rosa – Ersatz für einige der ausgefallenen Termine von dÄmonen

Szenenfoto aus "Café Populaire" auf der Studiobühne des Linzer Landestheaters

Selbstironie über die Bobo-Blase

Zu Varieté-Musik präsentiert sich die im Hintergrund rot gestrichene Theaterlandschaft (Bühne und Kostüme: Dominik Freynschlag) mit „Zauberkasten“ aus dem Füße herausschauen. Soll da in „Café Populaire“ die klassische Nummer des „Zersägens“ einer Person stattfinden? Darunter und dahinter kugeln noch weitere Menschen auf dem Boden herum bevor’s so richtig losgeht. Nach und nach werden die vier Protagonist:innen auf der Studiobühne des Linzer Landestheaters lebendig, tauchen in einer Art altmodischer, überdimensionaler weißer Unterwäsche als Art Weiß-Clowns auf.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Café Populaire“ auf der Studiobühne des Linzer Landestheaters

Doch „zersägt“

Zentral erleben wir – hin und wieder mit roter Nase – Spitals-ClownIn Svenja, gespielt von Jonatan Fidus Blomeier. Das Einsatzgebiet, in dem er aufheitern soll, ist ein Hospiz, aus dem wir ausschließlich die älteste Insaßin kennenlernen, eine quicklebendige alte linke Kämpferin namens Püppi (Alexandra Diana Nedel). Für alle Arbeiten, die im Hospiz und im ganzen Ort namens Blinden anfallen ist der Dienstleistungsproletarier Aram zuständig, ihn verkörpert Joël Dufey. Nummer vier im eineinhalb-stündigen selbstironischen Stück von Nora Abdel-Maksoud (Inszenierung: Lisa-Katrina Mayer) ist „Der Don“ (Hanna Kogler – alle vier sind Schauspiel-Studierende des 3. Jahrgangs der Anton Bruckner Privatuniversität). Dies ist sozusagen eine fiktive Figur, das Alter Ego oder vielmehr die Gedanken von Svenja.

Und damit sind wir fast wieder bei der in Zirkusmanegen und auf Varieté-Bühnen „zersägten“ Person.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Café Populaire“ auf der Studiobühne des Linzer Landestheaters

Humornismus

Dieser Don schlägt Svenja, die so gut und völlig korrekt die Welt verbessern will, immer wieder ein Schnippchen. Und zunehmend mehr. Svenja versteht sich als Aufklärerin, die ihren Witz unbedingt einsetzen will, um Diskriminierungen aufzuzeigen – und zwar solche, die sich aufgrund sozialer-gesellschaftlicher Stellungen ergeben. Sie will den „Klassismus“ aufs Korn nehmen, das Runtermachen ärmerer Menschen durch sich besser fühlende reichere.

Dafür schafft die Clownin sogar einen eigenen Begriff: Humornismus – eine Wortschöpfung aus Humor und Humanismus.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Café Populaire“ auf der Studiobühne des Linzer Landestheaters

Die wahren Gedanken

Doch immer wieder kommen ihr Wörter und Sätze über die Lippen, die solchen Klassismus genau bedienen. Das bin nicht ich, das ist der Don – ist ihre Ausrede. Doch der ist genau ihre innere Stimme – nur in einer externen Figur auf der Bühne verkörpert. Und kann nicht nur aus einem herauskommen, was innen drinnen ist? Damit nimmt das von viel Wort- und einigem Spielwitz durchzogene Stück das aufs Korn, was landläufig oft Scheinheiligkeit genannt wird, oder Wasser predigen und Wein trinken. Und es bringt ihrem Vlog (Video-Blog)viel mehr Follower – was die entsprechende Dynamik weitertreibt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Café Populaire“ auf der Studiobühne des Linzer Landestheaters

Konkurrenz

Krasser wird der Widerspruch in sich, in Svenja, als es um das Veranstaltungslokal „Zur Goldenen Möwe“ geht. Das gehört Püppi und sie sucht einen Betreiber/eine Betreiberin. Svenja, die Aram in Filmen für ihren Vlog („gedreht“ in dem eingangs genannten „Kasten“) dazu nötigt, ihr Gut-Sein, ihre Aufklärungsarbeit zu unterstützen, sieht sich nun in Konkurrenz zu Arma, der sich selbst um die „Möwe“ bewirbt. Und da ist’s auf einmal mit der Solidarität mit dem Arbeiter, der im Hospiz und in der Stadt für alle niederen Jobs zuständig ist, aus. Ja, da deckt Svenja sogar auf, dass Aram gar kein Proletarier, sondern ein Studierter ist. Und nochmals gibt es eine Wendung im Stück, die hier ausgespart werden soll, hat sich die Aufführung doch auch einiges mehr als Zuschauer:innen verdient als beim Besuch von Kinder I Jugend I Kultur I und mehr…

Verraten werden darf ein entlarvender Gag, der im Stück gegen Ende vorkommt – weil er ohnehin auch in der Ankündigung des Landestheaters schon zu lesen ist: „Warum kann man im Theater so gut Witze über Arme machen? – Weil sie sich die Karten eh nicht leisten können.“

Follow@kiJuKUheinz

Szenenfoto aus "Die Schnecke und der Buckelwal" im Linzer Theater des Kindes

Die Reise zweier ungewöhnlicher Freund:innen

„Ich will fort, ich will weg!“/ sagt die kleine Schneck.“ Und nicht nur irgendwohin, das könnte sie ja selber kriechend tun. Der Wunsch ist riesengroß – und bald zu lesen: „Wer nimmt mich mit um die Welt?“ Ruck zuck geht der Wunsch in Erfüllung, schwimmt doch glatt ein Wal vorbei und die Schnecke darf auf seiner Schwanzflosse Platz nehmen. Und los geht’s.

Das spielt sich in den ersten Minuten des Stücks „Die Schnecke und der Buckelwal“ im Linzer Theater des Kindes ab – und auf den ersten Seiten des gleichnamigen Bilderbuchs (Beltz Verlag). Von dort stammt der gereimte Text – was das Theater durchaus anmerken könnte.

Bilder in den Köpfen

Die Bilder, die das Team – neben den beiden Schauspielerinnen Simone Neumayr (Wal) und Katharina Schraml (Schnecke) noch Regisseur Andras Baumgartner und Ausstatter Harald Bodingbauer – entwickelte sind allerdings ganz andere. Zeichnete Axel Scheffer für das Buch mit Julia Donaldson (Übersetzung aus dem Englischen: Mirjam Pressler) sehr realistische, naturnahe Bilder, so deuten die Theaterleute vieles nur an. Klar, ein großer Wal passt nicht nur nicht in den Theaterraum, sondern bräuchert halt Meerwasser und davon ganz schön viel.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Schnecke und der Buckelwal“ im Linzer Theater des Kindes

Das allein war’s aber gar nicht. Die Bühne bietet mit einem hölzernen Steg und einer Art Mast mit herabhängendem Segeltuch bewusst nur einen Hauch der Bilder – die werden durch Schauspiel und Text vor allem in den Köpfen der jungen Zuschauer:innen erzeugt. Und so reisen sie mit zu (noch) ewigem Eis und Schnee, um Pinguinen zu begegnen, die die beiden Schauspielerinnen, die eben hin und wieder aus ihren Rollen als Wal und Schnecke aussteigen – nein, nicht selber spielen: Schwimmflossen mit unterschiedlich gefüllten Fersen verwandeln sich sozusagen in ihren Händen zu watschelnden Frackträger:innen 😉

Schattentheater

Mit Hilfe des aufgespannten Segeltuches, Verdunkelung (Lichtkonzept: Franz Flieger Stögner) und kleiner Figuren zaubern die beiden Spielerinnen in einer Schattentheater-Szene so manches, das sich unter Wasser abspielt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Schnecke und der Buckelwal“ im Linzer Theater des Kindes

Natürlich darf eine, vielleicht die zentrale Szene aus dem Buch auch im Stück nicht fehlen. Der Wal verirrt sich, strandet am Sand – und ist damit in Lebensgefahr. So schnell sie kann kriecht die Schnecke, um Hilfe zu holen. Dabei landet sie in der vielleicht witzigsten Szenerie, der Schule knapp am Meeresufer – mit munteren, frechen Kindern aus bunten Federbällen und einer Lehrerin (Tennisschläger mit bunter Brille im Netz. Nicht nur die, sondern auch die Feuerwehr rückt an, um den Wal mit Wasser zu überschütten und anzuspritzen und ihn zurück ins Meer zu bugsieren – natürlich mit der Schnecke als Mitreisender.

Es ist eben niemand zu klein, um nicht auch ganz Großen helfen zu können!

Follow@kiJuKUheinz

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Schnecke und der Buckelwal“ im Linzer Theater des Kindes