„Laut, wo ihr schweigt!“, „Laut, wo ihr schweigt!“ … mit diesem SprechChor „störten“ sechs Mitglieder des Jugendbeirats von Unicef (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen) den Auftakt zu einer Podiumsdiskussion am zweiten Tag des „Klimagipfels“. Der fand im Rahmen der aktuell – bis 10. Mai – laufenden zweiten Klima Biennale im Funkhaus, einst ORF-Wien-Arbeits- und Sendestätte statt. Nur wenige Gehminuten entfernt vom Karlsplatz, einem der öffentlichen Hotspots des Festivals das sich vor allem künstlerisch mit Klimawandel, -krise, – katastrophe … auseinandersetzt.
Aley Jad Assi, Jasmin Ghashami, Michael Grieser, Simon Friedl, Florian Huber und Sarah Wittmann vertraten bei dieser Veranstaltung den 12-köpfigen Jugendbeirat und organisierten nicht nur diesen aktionistischen Auftakt, sondern moderierten auch abwechslungsreich das Panel „Wie kann eine sinnvolle und gesunde Rolle für junge Menschen im Klimaschutz aussehen?“
Sie selber mussten sich dabei aber auf Fragen an die eingeladenen Gäst:innen beschränken: Luisa Neubauer (bekannte Klimaaktivistin aus Deutschland), die (ober-)österreichische Fridays for Future Aktivistin Lea Moser, Jakob Wiesbauer-Lenz (Sachbearbeiter aus dem Klimaministerium), Anna-Sophie Prosquill (Exxpress-Redakteurin), Isolde Gottwald (Wissenschaftlerin an der Uni Wien) und den WU-Studenten Marco Bruno – die meisten jung, aber doch nicht mehr jugendlich.
Und dann kam doch noch eine recht junge Stimme – kürzest zu Wort. Der handschriftliche Brief einer 13-jährigen Maria wurde auszugsweise verlesen; hier dürfen wir ihn komplett veröffentlichen – als Foto und als abgetippten Text:
Lieber Jugendbeirat,
Meine persönliche Meinung zur Klimakrise ist, dass wir unbedingt etwas ändern müssen. Es ist traurig, unsere Welt so leiden zu sehen. Die Klimakrise ist generell ein Thema, das meine Generation direkt betrifft. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr diese Wünsche respektiert und vielleicht umsetzt.
Es ist Zeit, dass wir jeden Menschen anhören und nach seiner Meinung fragen. So können wir unsere Zukunft absichern.“
Unter ihren Vornamen und ihr Alter setzte die Briefschreiberin noch die koreanischen Schriftzeichen für Dankeschön (gamsahaeyo).
Apropos Aktivismus: Aus dem Publikum wurden noch zwei Aktionen angekündigt – der nächste (internationale) Aktionstag von Fridays For Future am 24. April 2026, 10 bis 12 Uhr, zwischen den beiden großen (Natur- und Kunsthistorischen Museen neben dem Maria-Theresia-Denkmal in Wien unter dem Motto „Geld für die Zukunft statt fossile Steuergeschenke“.
Und am Tag davor (23. April 2026, aber noch mit ungewisser Uhrzeit und ebenso offenem Ort) ausgehend von St. Marx für Alle, aber gemeinsam mit anderen lokalen Initiativen. Gegen die Räumung der Initiative in St. Marx wie sie just am Tag der Klima-Biennale-Eröffnung einige Stunden davor eben in St. Marx passiert ist. Und damit gegen weitere Versiegelung und mehr Klimaschutz.
fridaysforfuture.at –> Aktionstag 24. April 26
Aus brandaktuellen Anlässen fluten noch mehr Fotos, Bilder und Videos von Kriegen Medien. Und beängstigen damit Menschen auch in anderen Weltgegenden, oder lassen so manche auch abstumpfen. Da stellt(e) die jüngste Preisverleihung des Global Peace Photo Awards ein trotz allem optimistisches, Hoffnung gebendes Zeichen dagegen – oder vielmehr für das Leben dar.
Wie zwei – unabgesprochene und so besonders starke berührende symbolische Aktionen – Verteilung bzw. Überbringung von Origami gefalteten Papierkranichen – dabei darüber hinaus besonders bewegten, berichtet Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… in einem eigenen Beitrag – unten verlinkt.
Nun aber zu den ausgezeichneten Fotos – und noch dazu aus 24.189 eingereichten Bildern von Fotograf:innen aus 132 Ländern (kräftige Steigrungen gegenüber dem Vorjahr):
Der heute neunjährige Noa Hagemann aus Deutschland wurde von der Jury zum Gewinner der Kinder-Kategorie („The Children’s Peace Image of the Year 2025“) gekürt – für „Meine Schwester“. Bei einem Familienausflug in den Tiergarten drückte Noa (damals 8) den Auslöser auf seiner Kamera, als Lani (damals 5) zwischen Bäumen stand und es irgendwie auch ein bisschen nebelig war. Mit einem Auge für den Moment entstand so eine Art feenhafte Figur aus dem Märchenwald.
„Öfter fragt mich Noa ob ich mich so oder so hinstellen oder was machen kann, damit er mich dann so fotografiert“, verrät die zur Preisverleihung nach Wien mitgekommene Schwester KiJuKU. Und schüchtern vertraut sie dem Journalisten an, „ich fotografier auch schon, aber noch nicht so viel wie mein Bruder.“
„Mit meiner Kamera (bei der Preisverleihung gab’s übrigens neben dem Geldpreis eine neue) und viel auch mit dem Handy fotografier ich so alles, was ich cool finde“, antwortet er auf die Frage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
„Was findest du cool?“, ist natürlich die logische Folgefrage.
„Tiere und vieles mehr!“
„Hebst du alle Fotos auf, speicherst sie ab oder wählst aus und löscht manche?“
„Eigentlich nicht, aber für einen Wettbewerb wie diesen wähl ich natürlich schon genau aus!“
Bei der Laudatio hatte Jurymitglied Peter-Matthias Gaede (GEO-Chefredakteur 1994 – 2014) schon die Gedanken des jungen Preisträgers zu Frieden Preis gegeben: „Dass alle glücklich sind, niemand Streit hat und kein Krieg auf der Welt ist.“
Neben der Kinderkategorie gab / gibt es bei diesem internationalen Friedens-Foto-Award noch Preise fürs beste Einzelbild sowie für Bilderserien. Und aus den Kategorie-Sieger-Fotos wählt die Jury dann ein Top oft he Top aus und belohnt dieses mit dem Gesamtsieg. Dieser ging für die Tausenden Fotos (siehe oben bzw. auch in der Info-Box am Ende) an Mahdi Vaghari aus dem Iran für „No one can take my Soul“ (Keiner kann meine Seele besitzen).
Für die Jury begründete – wie für alle Entscheidungen der Fachleute, die es alles andere als leicht hatten – wieder der ehemalige jahrzehntelange Chefredakteur von GEO unter anderem so: „Eine iranische Frau… ohne Hijab. Keine Verschleierung, kein Verbergen. Keine Bescheidenheit, keine Traurigkeit. Eher Stolz auf das, was nicht gezeigt werden soll von einer Frau, auf dass sie die Männer nicht reizt. Ein Windstoß hat die prächtigen Haare dieser jungen Iranerin zu einem wilden Kranz aufgewirbelt. Sie geht gerade über eine Brücke, während ein Vogelschwarm den nahen Strand überfliegt. Freiheit auf zwei Ebenen.
Ein Bild von großer Kraft, das eigentlich – was Fotos so häufig nicht tun – ganz ohne Worte auskommt. Nur dass es im Iran entstanden ist, gibt ihm eben doch und einmal mehr eine besondere Bedeutung. Gemacht hat es ein Mann, der in unseren Breiten noch keine Bekanntheit hat: Mahdi Vaghari, geboren 1995 im Iran, der 2003 begonnen hat, sich für die Fotografie zu interessieren und sie sich vom Vater hat beibringen lassen.
Wer im Iran als Fotograf, als Fotografin tätig ist, hat es sicher mit ganz anderen Rahmenbedingungen zu tun als Fotoreporter bei uns. Zunächst mit einem anderen Verständnis von der Aufgabe der Medien. Mit einer anderen Art vielleicht auch, über Fotografie zu sprechen. So muss es dort, soll es nicht zur Konfrontation mit dem offiziellen Bild werden, das ein Land von sich haben soll, gewissermaßen übersetzt geschehen, nicht selten in Kunstprojekten verrätselt. Mit Andeutungen. Mit Symbolik. Offen für Interpretation. Und doch zugleich deutlich.
Ob das alles Madhi Vaghari umtrieben hat, wissen wir nicht. Er sah die fremde Frau bei einer Rast in der Nähe des Kaspischen Meeres, er fragte sie – „höflich“, wie er betont -, ob er sie fotografieren dürfe. Weil ihn der Wind im Haar, die ganze Szene an „Freiheit und Befreiung“ denken ließ. So einfach war das. So klar. „Niemand“, unterschrieb er sein Bild, so als spreche die Frau selber, „kann meine Seele besitzen“.
Wie der Gesamtsieger des Global Peace Photo Awards 2025 – siehe „Meine Schwester“ und „Niemand kann mir meine Seele nehmen“, unten verlinkt – kommt auch eine der Foto-Serien-Siegerin aus dem Iran. Die Fotografin Fereshteh Eslahi, die „natürlich“ auch nicht zur Preisverleihung kommen konnte, stellte ihre Bilder unter das Motto „But we were so strong“ (aber wir sind stark). In unterschiedlichsten, teils alltäglichen Szenen zeigt sie Frauen – allesamt mit offenem Haar. Und – von der Jury besonders in den Vordergrund gewählt – eine tanzende Frau auf einem Dach. „Ihr Sprung mit ausgebreiteten Armen ist Ausdruck einer Hoffnung, sich von Diktaten aller Art befreien zu können.“
Fereshteh Eslahi hat ein Masterstudium an der Universität von Teheran absolviert. Seit 2014 arbeitet sie für iranische Foto-Agenturen, seit 2017 ist sie Mitglied einer iranischen Pressefotografen-Vereinigung. 2021 wurde sie schon mit einem World Press Photo Award ausgezeichnet.
Bei der Preisverleihung bedankte sich stellvertretend die in Wien lebende aus dem Iran stammende Künstlerin Maryam Kouhestani mit einem friedlichen widerständigen Symbol, einem kleinen Papierkranich, gefaltet von einem verfolgten Künstler im Iran als Teil einer Aktion gegen die Todesstrafe eines anderen Künstlers – siehe auch Bericht über die bewegenden Kranich-Momente, unten verlinkt.
Um Kindern und Jugendlichen wenigstens für einige Stunden aus der ständigen Angst im Krieg zu gönnen hat der libanesische Fotograf Houssam Khatab einen bunten Bus organisiert, den „Art Peace Bus“, gefahren von syrischen Flüchtlingen, in dem die Kinder der Stadt Tyros (Südlibanon) in einen alten Theater-Palast gefahren werden, wo sie mit verschiedenen Darbietungen und Workshops unterhalten werden sollen. „Viele der Kinder haben alles verloren“, sagt der Schauspieler und Direktor des Theaters, Kassem Istambouli, „wir versuchen, den Kriegskreislauf zu unterbrechen und den Kindern Kunst anzubieten als ein Fenster zu größerer Widerstandsfähigkeit.“
Durch die wechselseitigen Angriffe der Hisbollah auf Israel und israelische Gegenschläge verloren schon im Oktober 2024 94.000 Menschen, darunter etwa 30.000 Kinder ihre Heimat – und aktuell hat sich die Lage noch verschlimmert.
Busfahrten und Aktivitäten hat der im Libanon lebende, in Spanien geborene Fotograf Diego Ibarra Sánchez festgehalten: „LBN: On the roaring of the bus“. Als Fotograf und Dokumentar-Filmer will Sánchez nach eigenen Angaben, die Jurysprecher Peter-Matthias Gaede (GEO-Chefredakteur 1994 – 2014) zitierte „mehr erreichen, als nur Ereignisse abzulichten. Er will vor allem zum Nachdenken über den Zustand unserer Welt anregen. Diese Welt hat er unter anderem in Lateinamerika abgebildet, in afrikanischen Ländern, Afghanistan, Pakistan oder den Libanon. Seine Arbeiten sind in der New York Times erschienen, im Spiegel und der NZZ und werden in vielen Ausstellungen gezeigt.“
Für die Reportage „Kenya’s Black Rhino Revival“ hat die US-amerikanische Fotografin Ami Vitale die komplizierte Umsiedlung von 21 Spitzmaulnashörnern, die vom Aussterben bedroht sind, in das Loisaba-Reservat im Norden Kenias begleitet.
Wilderei hat ihren Bestand um dramatische 96 Prozent dezimiert. Ihr Verhängnis: Einem Pulver aus den zwei großen langen Hörnern auf ihrem Schädel wird in Teilen Asiens unverändert zugetraut, eine fiebersenkende, entgiftende, gar krebsheilende Wirkung zu haben – was längst wissenschaftlich widerlegt ist.
Ami Vitales Reportagen – unter anderem für GEO und National Geographic – wurden schon vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Je länger sie fotografiert, umso mehr wurde für sie der „Krieg der Menscheng gegen die Natur“ zum Thema – und Gegenbeispiele gelungenen Miteinanders wie bei der besagten, nun preisgewürdigten Umsiedlungsaktion in eine Schutzgebiet – bei dem vor allem die lokalen Communities eingebunden waren.
Alle sind für Social-Media-Verbote für Kinder und junge Jugendliche. Diesen Eindruck könnte gewinnen, wer nur die mediale Berichterstattung verfolgt. Dass Kinder und Jugendliche selber es vielleicht nicht so sehen – kommt kaum vor. Und Fachleute, die mit jungen Menschen arbeiten und so manches nicht so eindimensional betrachten – nun auch sie werden selten zitiert.
Österreichs Kinder- und Jugendanwält:innen (KiJA), die einander von 16. bis 18. März – dieses Mal in Salzburg – zur sogenannten StändKo (Ständige Konferenz) trafen, widmeten den Großteil ihrer Tagung diesem hochaktuellen Thema. Und ließen die Öffentlichkeit über ein Mediengespräch wissen: Klar ist: Die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention (KRK) muss Maßstab allen staatlichen Handelns sein – auch in der Diskussion über ein allfälliges Social-Media-Verbot. „Ein solches Verbot greift massiv in zentrale Kinderrechte ein. Gefordert werden stattdessen eine konsequente Umsetzung bestehender Regelungen, Plattformregulierung, EU-weite Lösungen und eine Stärkung der Medienkompetenz.“
Es werde übrigens übersehen, so die Kinder- und Jugendanwaltschaften, „dass der Zugang zu Social Media für Minderjährige auf nationaler und europäischer Ebene längst streng geregelt ist. Gemäß dem österreichischen Datenschutzgesetz (DSG) besteht faktisch bereits ein Verbot der eigenständigen Nutzung für unter 14-Jährige, sofern keine elterliche Zustimmung vorliegt. Darauf hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schon in einem Beitrag vor dem Safer Internet Day hingewiesen – weiter unten verlinkt.
Übrigens „verpflichtet der europäische Digital Services Act (DSA) große Online-Plattformen ausdrücklich dazu, Risiken für Kinder gezielt zu minimieren und ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten“, ergänzten die unabhängigen Kinder- und Jugendanwält:innen.
Dass Plattformanbieter das Alter der Nutzer:innen derzeit oftmals durch die Abfrage hochsensibler, personenbezogener Daten – wie etwa durch KI-gestützte Gesichtserkennung oder Ausweisscans – überprüfen, ist aus datenschutzrechtlichen Gründen strikt abzulehnen und erweist sich zudem als kontraproduktiv, war ein weiteres Argument für die Skepsis gegenüber generellen Verboten. „Die aktuellen Herausforderungen lösen wir nicht durch reine Verbotsdebatten, sondern indem wir Betreiber algorithmusbasierter Plattformen zwingend in die Pflicht nehmen. Regulierung muss gezielt dort ansetzen, wo konkrete Gefährdungspotenziale bestehen – insbesondere bei Plattformdesigns, die auf maximale Verweildauer und Aufmerksamkeitsbindung ausgerichtet sind“, sagte Sebastian Öhner, Kinder- und Jugendanwalt aus Wien.
Zwar sind Risiken im digitalen Raum – wie Cybermobbing, Hassrede oder psychischer Druck – reale Gefahren, die konsequente Schutzmaßnahmen erfordern. Ein pauschales Verbot würde junge Menschen jedoch von der gesellschaftlichen Teilhabe ausschließen und wichtige Kinderrechte, wie das Recht auf Information, freie Meinungsäußerung sowie Freizeit und Spiel, unverhältnismäßig einschränken.
„Alle reden über ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige – bis jetzt fehlt uns jedoch eine Definition, welche Dienste von diesem Verbot umfasst sein sollen. Social Media reicht von problematischen Kurz-Videos bis hin zu seriöser Wissensvermittlung und Messenger- Diensten. Uns muss bewusst sein, dass es enorm schwierig wird, hier eine Trennlinie zwischen verbotenen Social-Media-Diensten und erlaubten – ja sogar erwünschten – Bildungs- und Teilhabeangeboten zu ziehen“, gab Salzburgs Kinder- und Jugendanwältin Johanna Fellinger zu bedenken.
„Wir dürfen nicht versuchen, einen gesamtgesellschaftlichen Mangel an Medien- und Handlungskompetenz einseitig jungen Menschen oder deren familiärem Umfeld zuzuschreiben. Wirksamer Schutz wird nicht durch Ausgrenzung, sondern durch Befähigung und Aufklärung nachhaltig erreicht. Ein Ausschluss aus der digitalen Welt würde grundlegende Kinderrechte massiv beschneiden. Was wir dringend benötigen, ist ein wirksamer Kinder- und Jugendschutz auf digitaler Ebene“, forderte Steiermarks Kinder- und Jugendanwältin Denise Schiffrer-Barac.
Übrigens haben am diesjährigen internationalen Safer Internet Day (10. Februar 2026, immer zweiter Dienstag im Februar) Jugendlichen des neuen Jugendbeirates der Österreich-Sektion von Unicef (United Nations International Children’s Emergency Fund; Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen) kurz gefasst gefordert: „Wir brauchen Medienbildung und -kompetenzen statt Verbote!“ (Link zum ausführlichen Beitrag oben.)
Die BundesJugendvertretung, die gesetzliche Interessensvertretung aller Kinder und Jugendlichen (übrigens gilt das bis 30 Jahre!) in Österreich, lädt in der ersten Junihälfte (10. – 12. Juni) zur Österreichischen Jugendkonferenz mit dem Thema „Social Media, digitale Teilhabe und EU“, dieses Mal in St. Pölten – Infos in einem Link am Ende des Beitrages.
Eine neue Herausforderung stellt mit Sicherheit auch die Nutzung KI-gestützter Algorithmen und Inhalte dar, die zunehmend die digitale Umgebung von Kindern und Jugendlichen und deren Informationsflüsse beeinflussen. Desinformation und Manipulation bergen immense Risiken und es braucht geeignete Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche auch im Umgang mit KI zu schützen und zu stärken. Gerade der Umgang mit Künstlicher Intelligenz sollte eine schulische Kernaufgabe werden, damit ungleiche Bildungschancen nicht zusätzlich befeuert werden.
„Wir als Kinder- und Jugendanwaltschaften haben nicht festgestellt, dass junge Menschen in den aktuellen, schon sehr weit fortgeschrittenen politischen Diskurs miteinbezogen wurden. Das wäre aber essentiell, da sie das verfassungsrechtlich verankerte Recht auf Beteiligung in dieser Debatte haben: Denn sie sind in erster Linie betroffen“, machte die gastgebende Salzburger Kinder- und Jugendanwältin Johanna Fellinger auf ein bisheriges großes Versäumnis in dieser Verbots-Debatte aufmerksam.
In den vergangenen zwei Jahren hat sich das Netzwerk der österreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaften personell stark erneuert: In fünf von neun Bundesländern stehen mittlerweile neue Kinder- und Jugendanwält:innen an der Spitze der jeweiligen Landeseinrichtungen. Nichts desto trotz betonen die neun Kinder- und Jugendanwält: innen gemeinsam: „Wir werden nicht lockerlassen und weiterhin geeint, laut und beharrlich für die Rechte der Kinder und Jugendlichen eintreten. Die UN-Kinderrechtskonvention muss in ganz Österreich die unumstößliche Basis unseres Zusammenlebens sein.“
In Zeiten multipler Krisen und knapper Kassen zeigt sich der wahre Stellenwert der Kinderrechte in unserer Gesellschaft. Derzeit wächst bundesweit der politische Druck, angesichts angespannter Budgets auch bei sozialen Ausgaben den Rotstift anzusetzen. Doch gerade jetzt, wenn finanzielle und personelle Ressourcen enger geschnürt werden und gesellschaftliche Spannungen zunehmen, muss der Fokus kompromisslos auf der Wahrung und Stärkung menschen- und kinderrechtlicher Standards liegen.
Alle neun Kinder- und Jugendanwält:innen fordern Bund und Länder auf, bei anstehenden Gesetzesreformen und Budgetentscheidungen die UN-Kinderrechtskonvention nicht als unverbindliche Empfehlung, sondern als verbindlichen Maßstab anzuwenden.
Stell dir vor, jedes einzelne Kind in den 27 Ländern der gesamten Europäischen Union müsste arbeiten. Unvorstellbar, oder?! Und dennoch käme diese Zahl – rund 67 Millionen (bis 14 Jahre) nicht einmal an jene heran, die auf der Welt wirklich arbeiten müssen und keine 12 Jahre jung sind (79 Millionen). Insgesamt müssen rund 138 Millionen Kinder arbeiten, um selbst überleben zu können oder mitzuhelfen, dass ihre Familien halbwegs was zu essen haben. 54 Millionen Kinder verrichten sogar Arbeiten unter gefährlichen Bedingungen, unter anderem in Minen, wo seltene Erden zu Tage gefördert werden, die zum Beispiel für Smartphones wichtig sind.
Dabei sollten gerade die zuletzt genannten Arbeiten – unter gefährlichen Bedingungen – schon im Vorjahr abgeschafft sein. Das haben Vertreter:innen vieler Länder in der Agenda 2030 in den 17 Nachhaltigkeitszielen (SDG – Sustainable Development Goals) unter anderem beschlossen, unter Ziel 8, Punkt 7. Das steht auch in der Konvention 182 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO.
Vor kurzem – 11. bis 13. Februar 2026 – kamen wieder einmal Vertreter:innen von Regierungen, aber auch Gewerkschaften und Unternehmerverbänden sowie NGO (Nicht-Regierungs-Organisationen) zu einer Konferenz zusammen. In Marrakesch, der viertgrößten Stadt Marokkos (Nordwest-Afrika) beschlossen 500 Teilnehmer:innen einen „globalen Aktionsrahmen gegen Kinderarbeit (Marrakech Global Framework for Action against Child Labour). Dieser sieht einerseits, wenn schon, dann Mindeststandards für Arbeiten vor, höhere Löhne für Erwachsene, bessere Sozialsysteme, sodass Kinder nicht (mehr) arbeiten müssen und den Zugang zu Bildung für diese Kinder.
Auch wenn Kinderarbeit vielleicht nicht in unmittelbarer Nähe stattfindet, so ist auch Österreich betroffen. Zur Herstellung von Schokolade braucht’s Kakao – die Früchte mit den Bohnen werden nicht selten von Kindern von den Bäumen gepflückt; und das ist nur ein Beispiel. Österreich ist übrigens nicht Teil der sogenannten „Alliance 8.7“, der internationalen Plattform, um dieses Nachhaltigkeitsziel eeeeendlich zu erreichen. Das offizielle Österreich war bei der Konferenz in Marokko nicht vertreten.
Das kritisierten – einem Bericht der Onlinezeitung „Unsere Zeitung -Die Demokratische“ untet anderem die Geschäftsführerin der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar (DKA), Sigrid Kickingereder. Dort wird auch berichtet: „Am selben Tag, an dem die Konferenz in Marrakesch begann, starteten der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB), solidar Austria und das Netzwerk International die ganzjährige Kampagne „Wir gegen Kinderarbeit!“.
„Kinderarbeit verschwindet nicht durch Verbote allein, sondern durch existenzsichernde Löhne für die Eltern. Wer Kinderarbeit wirklich beenden will, muss Gewerkschaften stärken und für faire Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern sorgen. Geht’s den Eltern gut, geht’s den Kindern gut“, wird dort Marcus Strohmeier, Internationaler Sekretär des ÖGB, dazu zitiert.
Weiterhin setzt sich natürlich die Initiative Kinderarbeit stoppen – DKA, Jugend Eine Welt, Kindernothilfe Österreich, solidar Austria und FAIRTRADE – seit Jahren dafür ein, dass Kinder nicht mehr arbeiten müssen.
„Wenn wir in Österreich Schokolade essen, Smartphones nutzen oder Kleidung kaufen, profitieren wir von globalen Lieferketten, in denen Kinder ausgebeutet werden. Freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen sind gescheitert. Österreich muss jetzt handeln“, fordert Peter Schissler, Vorsitzender von solidar Austria.
Österreich müsste Gesetze beschließen, dass der Verkauf von Waren aus Kinderarbeit verboten ist, lautet eine der zentralen konkreten Forderungen. Mit der Kampagne „Wir gegen Kinderarbeit!“ soll dieser Ungerechtigkeit, die natürlich auch gegen die Kinderrechtskonvention verstößt, die aus dem Fußball bekannte „Rote Karte“ für unsportliches Verhalten, gezeigt werden.
Unten geht’s zu einem rund 6½-minütigen grafischen Erklärvideo über den (neuen) Aktionsplan gegen Kinderarbeit, wie ihn 500 Vertreter:innen in Marrakesch beschlossen haben.
Gestern, heute, morgen, übermorgen … – jeden Tag wurde 2024 allein im südamerikanischen Kolumbien ein Kind mehr als gezwungen, schon ganz junger Soldat oder Soldatin zu sein. Auch auf der karibischen Insel Haiti hat die Zahl der Kindersoldat:innen deutlich zugenommen. Auf diese beiden länderspezifischen Beispiele weist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, am 12. Februar (2026) hin. Anlass: dieser Tag ist seit mehr als zwei Jahrzehnten der internationale Red Hand Day – mit runden Handabdrücken wird dagegen protestiert, dass Kindern als Soldat:innen ihre Rechte als Kinder, ihre Kindheit geraubt und sie unter Waffen gezwungen werden.
Und Anlass dafür war, dass am 12. Februar 2002 die UNO-Kinderrechtskonvention (schon 1989 beschlossen) um einen Vertrag erweitert wurde, sich aktiv gegen die Rekrutierung von Kindern als Soldaten einzusetzen.
„Kinder in Kolumbien geraten nicht nur ins Kreuzfeuer, sie werden seit Jahren aktiv rekrutiert und eingesetzt. Die Auswirkungen auf sie und ihre Familien sind verheerend“, sagte die UNICEF-Vertreterin in Kolumbien, Tanya Chapuisat. „Dringendes Handeln ist erforderlich, um Kinder vor Rekrutierung, sexueller Gewalt und anderen schweren Rechtsverletzungen zu schützen.“
Zehntausende Kinder sind durch die anhaltende Gewalt im bewaffneten Konflikt gefährdet. Besonders betroffen sind ländliche Regionen, in denen Armut, fehlender Zugang zu Bildung sowie eine unzureichende soziale Infrastruktur die Verwundbarkeit von Kindern weiter erhöhen.
„Kinder in Kolumbien geraten nicht nur ins Kreuzfeuer, sie werden seit Jahren aktiv rekrutiert und eingesetzt. Die Auswirkungen auf sie und ihre Familien sind verheerend“, sagte die UNICEF-Vertreterin in Kolumbien, Tanya Chapuisat. „Dringendes Handeln ist erforderlich, um Kinder vor Rekrutierung, sexueller Gewalt und anderen schweren Rechtsverletzungen zu schützen.“
Mehr als 1,4 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben, über die Hälfte davon Kinder. Sie sind mit sich überlagernden Krisen konfrontiert: bewaffnete Gewalt, Naturkatastrophen und extreme Armut. Diese Bedingungen haben das Wachstum bewaffneter Gruppen begünstigt und erhöhen den Druck auf Kinder, sich ihnen anzuschließen.
Kinder werden häufig unter Zwang angeworben, um ihre Familien finanziell zu unterstützen, aus Angst vor Gewalt im eigenen Umfeld oder aufgrund direkter Drohungen. Viele werden rekrutiert, nachdem sie von ihren Bezugspersonen getrennt wurden und ohne Schutz oder Überlebensmöglichkeiten sind. Bewaffnete Gruppen nutzen zunehmend soziale Medien mit falschen Versprechungen von Arbeit oder einem besseren Leben. Ein Austritt aus den Gruppen ist in der Regel nicht möglich.
Anlässlich des Red Hand Days, des internationalen Aktionstages gegen den Einsatz von Kindersoldaten, warnt Unicef vor einem sich verschärfenden Kreislauf aus Gewalt, Vertreibung, Armut und fehlenden Schutzmechanismen.
„Die Rechte von Kindern sind nicht verhandelbar“, sagte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Jedes Kind muss geschützt werden. Und jedes Kind, das von bewaffneten Gruppen rekrutiert oder eingesetzt wurde, muss freigelassen und unterstützt werden, damit es heilen, wieder lernen und seine Zukunft neu aufbauen kann.“
Die Rekrutierung und der Einsatz von Kindern durch bewaffnete Gruppen stellen eine schwere Verletzung ihrer Rechte dar und sind nach internationalem Recht – einschließlich des humanitären Völkerrechts und der internationalen Menschenrechtsnormen – verboten.
Kinder, die rekrutiert werden, sind vielfältigen Gefahren ausgesetzt: Verletzungen, Verstümmelung oder Tod in Kampfhandlungen, sexuelle, psychische und körperliche Gewalt, willkürliche Inhaftierung sowie der Verlust des Zugangs zu Bildung. Ihre Sicherheit, ihr Wohlbefinden und ihre gesamte Entwicklung werden nachhaltig beeinträchtigt.
Zu den sechs schweren Rechtsverletzungen gegen Kinder in bewaffneten Konflikten zählen: Tötung und Verstümmelung, Rekrutierung und Einsatz, Sexuelle Gewalt, Angriffe auf Schulen oder Krankenhäuser, Entführung, Verweigerung humanitären Zugangs
Kinder, die tatsächlich oder mutmaßlich mit bewaffneten Gruppen in Verbindung stehen – auch wenn ihnen Straftaten vorgeworfen werden –, müssen vorrangig als Opfer betrachtet werden, nicht als Täter.
Unicef arbeitet in beiden Ländern mit Regierungen, lokalen Institutionen, Zivilgesellschaft, UN-Organisationen und humanitären Partnern zusammen, um Rekrutierung zu verhindern und betroffene Kinder zu schützen.
Die Unterstützung umfasst unter anderem: Psychosoziale Betreuung, Fallmanagement und Überweisungen an Gesundheits- und Schutzdienste, Zugang zu Bildung und temporären Lernräumen, Familiensuche und -zusammenführung, wenn im besten Interesse des Kindes, Reintegration und Rehabilitation
In Haiti unterstützt das PreJeunes-Programm Jugendliche dabei, bewaffnete Gruppen zu verlassen oder schützt gefährdete Kinder durch Stärkung sozialer Inklusion und schützender Umfelder. Seit Unterzeichnung des Übergabeprotokolls im Januar 2024 konnten dort mehr als 500 Kinder mit spezialisierten Schutz- und Wiedereingliederungsdiensten unterstützt werden.
In Kolumbien hat die Präventionsarbeit zur Einführung einer nationalen Strategie zur Verhinderung von Kinderrekrutierung beigetragen. Unicef setzt auf einen systemischen Ansatz, der den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen innerhalb von Familien und Gemeinschaften stärkt und konfliktbedingte Risiken – auch unter Berücksichtigung ethnischer Perspektiven – gezielt adressiert.
Unicef ruft nationale Behörden und alle relevanten Akteure auf, Kinderschutzsysteme zu stärken, sicheren und nachhaltigen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen zu gewährleisten und Programme zur Prävention und Reintegration auszubauen.
Zugleich appelliert die UN-Organisation an Geberregierungen, den Privatsektor und die internationale Gemeinschaft, dringend benötigte Programme für von Gewalt betroffene Kinder und Familien finanziell zu unterstützen, da diese weiterhin erheblich unterfinanziert sind.
„Kinder dürfen nicht zum Ziel bewaffneter Gruppen werden. Ihr Schutz ist keine Option, sondern eine Verpflichtung!“, heißt es abschließend in der medien-Aussendung von Unicef anlässlich des Red Hand Days 2026.
Rote Handabdrücke werden auf Transparenten, Plakate usw. als Aktion gemalt, gedruckt, gezeigt, um diesen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zu stoppen. Die zentralen Forderungen zum Red Hand Day, dem internationalen Aktionstag an das Schicksal von Kindersoldat:innen im Folgenden
Der 12. Februar ist in Österreich der Jahrestag (1934), an dem die Führung des damals autoritären, austrofaschistischen (Stände-)Staates bewaffnete Einheiten (Polizei, Gendarmerie, Bundesheer) und die paramilitärische Heimwehr auf Gemeindebauten und aufständische Arbeiter:innen schießen ließ.
Dieser Tag ist aber auch seit mehr als 20 Jahren der „Red Hand Day“, Aktionstag dagegen, dass dass Kinder und Jugendliche zu Soldat:innen gezwungen werden. Anlässlich des Red Hand Days 2026 veröffentlicht KiJuKU hier einen recht alten Bericht aus der Zeit des Kinder-KURIER, gleichsam Vorläufer von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, verfasst und fotografiert aber eben von dem hier tätigen Journalisten. Dieser Bericht ist der einzige, noch online verfügbare auf kiku.at, obwohl nicht nur 2013, sondern einige weitere Jahre das Heeresgeschichtliche Museum in Wien sich an diesem Aktionstag beteiligte und jedes Jahr ehemalige Kindersoldat:innen einlud, über ihre bitteren Erfahrungen und den von verschiedenen Organisationen unterstützten Weg aus diesem brutalen Elend heraus schilderten.
Da die Berichte auf der kurier.at-Site (fast) alle nur mit Abo-Zugang verfügbar sind, erlaube ich mir hier, ihn – ein wenig verändert – Absatzreihenfolge und kleine Formulierungen – kopiert zu veröffentlichen; aber durchaus mit Link zum Original.
Wie alt, viel mehr jung er genau gewesen ist, das weiß John Kon Kelei gar nicht mehr. „Ich wurde entführt, als ich so irgendwas zwischen vier und fünf Jahren war. Ich kam in ein Camp mit vielen anderen Kindern. Und dachte eigentlich, dass ich am Abend wieder zu meiner Familie gebracht würde. Das war aber nicht so. Da war ich dann ganz traurig und trotz der vielen anderen Kinder fühlte ich mich einsam und verlassen. Wir wurden zum Soldaten-Dasein gezwungen, mit zehn hatte ich das Glück flüchten zu können. Ja, du bist nach diesen Jahren in Uniform und Drill kein Kind mehr, du bist schon sehr erwachsen. Ich konnte in die Hauptstadt Khartum (Sudan, Afrika) entkommen und dort dann in eine Schule gehen. Später konnte ich in die Niederlande kommen.“
Dort studierte er Jus, machte seinen Master im internationale europäischem Recht und gründete – gemeinsam mit Zlata Filipović und Ismael Beah, der Kindersoldat in Sierra Leone (Afrika) war, die Hilfsorganisation NYPAW (Network of Young People Affected by War – Netzwerk junger Leute, die Opfer von Kriegen wurden). John Kon Kelei gründete außerdem die Cuey Machar Secondary School Foundation im neuen Staat Süd-Sudan. „Ich hab die Chance auf höhere Schulbildung gehabt und so wollte ich helfen, dass in meiner Heimat auch andere Kinder mehr lernen können – das ist für sie gut, aber auch für die Entwicklung unseres jungen Staates.“
Auf der Homepage zu diesem Projekt zitiert er ein sudanesisches Sprichwort: „Gib einem hungrigen Menschen heute zu essen, er wird morgen wieder hungrig sein. Lehre ihn zu fischen und er kann auch morgen essen, aber schaffe Bildung für seine Kinder – dann hast du ihm eine Zukunft gegeben!“
„Eine ältere Schülerin hatte ein Tagebuch. Und das war sehr cool. Als ich ungefähr 8 oder 9 war, hab ich auch eines gekriegt und begonnen Tagebuch zu schreiben“, beginnt Zlata Filipović im Rahmen der Ausstellung über Kindersoldaten im Heeresgeschichtlichen Museum (HGM) in Wien zu erzählen. „Es war aber ziemlich langweilig, Sätze die ungefähr nur aussagten wie eh alles gut oder so. Und dann war von einem Tag auf den anderen alles anders. Aber nicht nur für mich kam der Krieg überraschend, auch meine Eltern hatten nicht im Geringsten damit gerechnet. Von einem Tag auf den anderen war das Leben ganz, ganz anders. Sarajevo war von den Bergen, die ringsum sind und vorher schöne Ausflugsziele warn, belagert.“
Bald waren die wichtigsten Versorgungsleitungen zerstört. „Wir hatten keinen Strom, kein Gas, kein Wasser. Wasser zu holen war aber sehr gefährlich, viele sind dabei durch Schüsse von den Bergen getötet worden. Bei Fliegerangriffen mussten wir in die Keller, um Schutz zu finden. Dort konntest du nichts machen, nur warten.“
Rund zwei Jahre – von 11 bis 13 – lebte Zlata Filipović mit ihrer Familie und anfangs auch noch einem gelben Kanarienvogel in der belagerten Stadt, „aber es gab kein Futter für ihn und außerdem war’s viel zu kalt für ihn, wir konnten ja nicht heizen“, erinnert sie sich traurig daran, dass er gestorben ist.
Auf die plötzlich spannenderen Einträge in ihrem Tagebuch hätte sie gern verzichten können, wenngleich die ihr und ihren Eltern das Entkommen aus dem Krieg ermöglichten. Journalisten aus Frankreich suchten nach Tagebüchern von Kindern, die die Schrecken des Krieges erzählen. Meines wählten sie dann aus – und dafür halfen sie unserer Familie rauszukommen, Wir lebten dann zuerst in Frankreich, bevor wir nach Irland übersiedelten.“
In Dublin lebt sie heute (2013) noch – als Dokumentarfilmerin, kommt aber seit bald nach dem Krieg möglichst jedes Jahr mindestens einmal nach Sarajevo, „wo viele Verwandte und Freundinnen und von mir leben“.
Nicht zuletzt die kriegerischen Auseinandersetzungen im vormaligen Jugoslawien zeigten die neuen Dimensionen: War im zweiten Weltkrieg jedes zweite Opfer eine Zivilistin/ein Zivilist (also Nicht-Soldaten), so waren hier – und in den meisten Kriegen heute – neun von zehn Toten KEINE Soldaten.
Viele kleine Fähnchen mit roten Händen als deutliches „Stopp“-Schilder stecken im Schnee vor dem Haupteingang zum Heeresgeschichtlichen Museum auf dem Gelände des Wiener Arsenal. Gebastelt wurden sie von Kindern am (damals an mehreren Jahren rund um den) Red hand Day – gegen Kindersoldaten. Es soll ein (kleiner) Beitrag dazu sein, dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten, dass schon ganz jungen Buben, aber auch Mädchen ihre Kindheit geraubt wird und sie zum Soldaten-Dasein gezwungen werden. Das Museum, das die Geschichte von Militär und Waffen zeigt, will damit nicht zuletzt zeigen, wie grausam Kriege sind.
Nicole Krenn, Katrin Frühaus und Tamara Milosavljević aus der2. Klasse der Berufsschule für Verwaltungsberufe in Wien, die der (damals) Kinder-KURIER beim eigenen Lokalaugenschein im HGM trifft, erzählen dem KiKu nach ihrem Rundgang in der Ausstellung und ihrer Diskussionsrunde mit Zlata Filipović über ihre Eindrücke. Und die waren einerseits bedrückend, andererseits aber auch sehr berührend, „weil es toll war, mit Menschen reden zu können, die das echt erlebt haben“. Deshalb sei dieser Besuch „überhaupt das interessanteste Museum, in dem wir bisher waren“ gewesen. „Es ist sehr schrecklich, dass sogar so junge Menschen schon so Grausames erleben mussten und immer wieder auch müssen“. „Und dass sie dann so einfach darüber erzählen können, dazu gehört schon viel Kraft und Mut, Respekt!“
„Irgendwie hat man ja schon vorher auch davon gehört, aber so viel haben wir nicht gewusst. Und außerdem ist es dann schon noch einmal etwas anderes, wenn du dann wen vor dir hast, die das echt erleiden musste. Das war schon auch schockierend. Und du fühlst dich dann doch richtig machtlos. So was aufzuhalten ist nicht leicht.“
„Außerdem ist das ja alles völlig sinnlos und unnötig, wir können nur froh sein, dass wir in einer Gegend leben, wo’s schon mehr als halbwegs harmonisch zugeht!“
Originalbeitrag erstveröffentlicht im Kinder-KURIER
unicef.de –> Ishmael Beah, ehemaliger Kindersoldat, heute Unicef-Botschafter
Eine kinderlebensgroße Puppe in einem Kinderbett starrt auf ein Handy, neben sich im Bett ein großes, grünes Stoff-Krokodil, vor dem Bett ein Stoffball. Rund um diese Installation auf dem Platz der Menschenrechte beim Wiener MuseumsQuartier stellten sich junge Erwachsene in roten bzw. hellblauen Westen auf. Sie sind Teil des neuen Jugendbeirates des Österreich-Zweiges von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Michael, Harleen, Naomi, Jad, Florian, Sabrina und Jasmin und dazu noch Charlotte (bei der UN-Organisation für Jugend-Partizipation und Engagement verantwortlich) wollten mit der auffälligen Aktion auf ihre Anliegen in Sachen Schutz und Sicherheit in der Online-Welt, insbesondere auf den unsozial gewordenen Plattformen hinweisen.
Zentrale Themen, die ihnen dabei besonders wichtig waren, fassten sie in Adjektiven zusammen – positive im Unicef-blau: Respektiert, informiert, geschützt und geliebt. Die negativen, Gefahren und Risiken trugen die Kolleg:innen in den roten Warnwesten in schwarzer Farbe: sexualisiert, desinformiert, ausspioniert und gemobbt.
Eine erste konkrete Sicherheitsmaßnahme setzten sie selber, indem sie für die Fotos mit den genannten Begriffen, ihre Gesichter gut zur Hälfte vermummten, um zu verhindern, dass ihre Fotos mit gut erkennbaren Gesichtern und diesen Begriffen missbräuchlich verwendet werden.
Mit der Aktion „Digitalen Schutz im Kinderzimmer“ im aktuellen Safer Internet Monat und vor dem internationalen Safer Internet Day (2026 am 10. Februar, immer am zweiten Februar-Dienstag) wollte bzw. will der Jugendbeirat, aber auch Unicef Österreich insgesamt „deutlich machen: Digitaler Kinderschutz ist kein Randthema, sondern eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Kinder und Jugendliche wachsen heute in dieser digitalen Welt auch online auf – doch Schutz, Aufklärung und klare Regeln halten damit oft nicht Schritt. Unser Ziel ist es, Bewusstsein für die Risiken digitaler Räume zu schaffen, Gespräche mit Passant:innen, Eltern und Großeltern anzuregen und gleichzeitig konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen. Wir wollen zeigen, dass echte Sicherheit nicht durch oberflächliche oder rein technische Maßnahmen entsteht, sondern durch Bildung, Aufklärung und klare politische Rahmenbedingungen“, wird die 20-jährige Sarah zitiert.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… interviewte selber drei der Jugendbeiratsmitglieder – das Gespräch mit Florian, Jad und Jasmin folgt in einem eigenen Beitrag, der am Ende unten verlinkt ist.
Jugendbeiratsmitglied Michael (19) betont die Wichtigkeit von Jugendpartizipation bei der Erarbeitung von Lösungen: „Junge Menschen wollen bewegen und mitgestalten. Egal ob es um moralische Fragen von Datenschutz und Kontrolle, um die Regulierung von Inhalten oder um den Schutz von Meinungen geht. Wir müssen eine digitale Welt schaffen, fernab von für Kinder schädliche Inhalte und mit Blick auf die mentale Gesundheit aller. Wir müssen den digitalen Raum aktiv mitgestalten dürfen und ihn gemeinsam mit anderen Generationen und Kulturen so einfordern wie wir ihn wünschen.“
Zur Aktion der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen auf dem Platz der Menschenrechte gesellte sich mit Barbara Meier, Schauspielerin, Model und Ehrenbeauftragte von Unicef-Österreich auch prominente Unterstützung. „Als Mama mache ich mir Sorgen, wie es künftig für meine beiden Töchter einmal in der digitalen Welt sein wird. Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass wir Kinder mit den Online-Gefahren nicht alleine lassen und dass wir sie als Eltern und als Gesellschaft zu Hause und in der Schule bei diesem Thema begleiten.“
Unicef Österreich fordert Regierungen, Regulierungsbehörden und Unternehmen auf, über einfache Slogans und pauschale Verbote hinauszugehen und gemeinsam mit Kindern, Familien und Fachexpert:innen daran zu arbeiten, Social-Media-Umgebungen zu schaffen und zu regulieren, die von Grund auf sicher, inklusiv und rechtskonform sind.
Außerdem verweist Unicef anlässlich des Safer Internet Days nochmals auf die eigene Petition „Online sicher – für jedes Kind“ für mehr Kinderschutzmaßnahmen auf Plattformen, digitale Bildung für jedes Kind sowie Einbeziehung junger Menschen, über die KiJuKU.at schon berichtet hat – Beitrag unten verlinkt; ebenso auf die Verurteilung von KI-generierten sexualisierten Bildern von Kindern – ebenfalls unten verlinkt.
Ein generelles Social Media Verbot unter einem gewissen Alter berge auch Risiken und könnte nach hinten losgehen, meinte Unicef Österreich rund um diese Aktion. „Wenn Kinderrechte missachtet werden, könnte das etwa dazu führen, dass Kinder von Informationen, Freundschaften und Unterstützung abgeschnitten werden, die sie anderswo nicht finden können – besonders bereits ohnehin marginalisierte Kinder. Junge Menschen könnten in unsichere, unregulierte Räume gedrängt werden und viele Kinder umgehen Altersgrenzen ohnehin.
Klara Krgovic-Baroian, stellvertretende Leiterin der Abteilung Advocacy & Kinderrechte, betont: „Es ist eine genaue Abwägung und ein ganzheitlicher Ansatz notwendig. Kinder bis zu einem gewissen Alter von Social Media auszuschließen kann zum Schutz beitragen, darf aber keine Ausrede dafür sein sonst keine weiteren Schutzmaßnahmen auf Plattformen zu setzen. Zudem muss sichergestellt sein, dass Kinder den Umgang mit Plattformen lernen, bevor sie Zugang zu diversen sozialen Netzwerken erhalten.“
Darüber hinaus braucht es bessere Moderation von Inhalten, altersgerechte Designs und vorgegebene Kinderschutzeinstellungen, die ihre Daten schützen. Bei der Umsetzung von Altersüberprüfungen müssen Kinderrechte wie Datenschutz und Nicht-Diskriminierung beachtet werden – es gilt genau hinzuschauen: Wie wird die Überprüfung durchgeführt? Welche Informationen über die Kinder erhalten die Plattformen? Haben alle Kinder die Möglichkeit, ihr Alter nachzuweisen, oder sind manche Kinder davon ausgeschlossen, weil etwa Dokumente fehlen oder nur eine einzige zu komplizierte Methode zugelassen ist?
Am Tag vor dem internationalen Safer Internet Day (heuer am 10. Februar 2026, zum 23. Mal, immer am zweiten Februar-Dienstag) stellte der – neue – Jugendbeirat von Unicef Österreich ein Kinderbett auf den Platz der Menschenrechte vor dem MQ-Wien. In das legten sie eine kindegroße Puppe, die in ihr Handy starrt – mehr dazu in einem eigenen Beitrag, am Ende des Interviews verlinkt. Dem Jugendbeirat gehören zwölf Jugendliche bzw. junge Erwachsene an, sieben konnten zur Aktion in Wien kommen. Florian, Jad und Jasmin sprachen mit KiJuKU.at
KiJuKU: Zunächst einmal, aus dem riesigen, umfangreichen Thema Sicherheit im Internet, digitaler Kinderschutz, wie haben Sie was ausgewählt, um es in dieser Aktion darzustellen?
Jad (18): Wir als Jugendbeirat haben uns im Unicef-Büro getroffen. Uns ist ein sicheres Internet, Safer Internet, ein riesengroßes Anliegen und dachten uns, wie können wir als Jugendliche dazu beitragen, dass es ein sicheres Netz für Kinder gibt. Wir haben diskutiert und dachten uns, dass eine öffentliche Aktion mit einem Kind auf einem Bett die beste Möglichkeit wäre, um so viel Aufmerksamkeit wie möglich zu schaffen. Damit Passant:innen darauf aufmerksam werden, dass Kinder auch in Gefahr sind, wenn sie auf dem Bett liegen – nur durch das Smartphone.
KiJuKU: Da war also die Umsetzung, die aufmerksamkeitserregende Aktion da. Was waren oder sind für Sie die wichtigsten Gefahren, die Sie thematisieren wollten?
Florian (20): Die, die man an den Schildern, die wir auf unseren Westen tragen, sieht: Ausspioniert, gemobbt, sexualisiert, desinformiert. Es war uns auch wichtig, das zu personifizieren, zu repräsentieren, dass also immer eine oder einer von uns stellvertretend eine solche Erfahrung zeigt. Um zu dokumentieren, wie alltäglich und wie nah diese Gefahren sind.
KiJuKU: Wie gehen Sie selber mit möglichen Gefahren um? Haben Sie schon ungutes in der Online-Welt erlebt?
Jasmin (18): Am besten umzugehen, finde ich, ist mit Desinformationen, weil man da mit Nachfragen, Recherchieren und Wissen dagegen ankann. Am schlimmsten ist es, glaube ich, bei Sexualisierungen. Natürlich sind eben auch ausspionieren, Absaugen persönlicher Daten und Mobbing große Gefahren. Da finde ich, ist immer die beste Lösung, mit anderen – echten Menschen, auch Erwachsenen – zu reden, Hilfe zu suchen…
KiJuKU: Und machen Sie das auch selber? Manchmal ist es ja so, dass du dir sagst, das wäre gut, aber in der Wirklichkeit, naja? Und bleibt dennoch auch auf unguten Videos hängen…?
Jad: Ich glaub, dass das vor allem bei KI-Videos passieren kann, wo du dann oft nicht weißt, ist das echt oder gefaked. Und das kann schon verunsichern.
KiJuKU: Nachdem derzeit ja massiv über Verbote und Altersgrenzen diskutiert wird, wie stehen Sie dazu?
Florian: ich denke, dass es zwar gut gemeint ist, es greift aber zu kurz. Meiner Meinung nach sind es oft oder fast immer die einfachsten Lösungen, die gut klingen, aber nicht so gut funktionieren.
Jad: Das ist meiner Meinung nach eine sehr oberflächliche Lösung, denn Jugendliche können sehr wohl VPN (virtuelle private Netzwerkverbindungen), Darknet nutzen oder was auch immer. Verbote werden nicht helfen. Was wir brauchen, ist Medienbildung und Medienkompetenzen, sodass Jugendlichen sich in Medien auskennen.
KiJuKU: Finden Sie, gibt es davon genug oder zu wenig? Und wenn zu wenig, wo und von wem sollten diese Kompetenzen vermittelt werden?
Jasmin: Es gibt zu wenig. Es gibt zwar das Fach digitale Grundbildung in dem Kinder ein bisschen über digitale Plattformen lernen, aber kaum bis nichts über Social Media. Da befinden sich aber Kinder und Jugendliche die meiste (Frei-)Zeit und nicht auf Word, Excel oder Powerpoint.
KiJuKU: Könnte das aber auch daran liegen, was die, die unterrichten selber wissen oder nicht wissen?
Florian: Auf jeden Fall, ich glaube, die Lehrerinnen und Lehrer, die uns heute unterrichten, haben ja eine ganz andere Digitalisierung mitbekommen. Und ich glaube, alles gleich zu verbieten, wäre der falsche Schritt. Aber man muss eben schauen, dass Lehrerinnen und Lehrer, Erziehungsberechtigte eben auf den neuesten Stand kommen bei der Digitalisierung, die sich eigentlich auch fast täglich verändert.
KiJuKU: Danke, Shukran Dzasilan, Modsha kheram / Kheli mamnoon / Sepaz
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„Zunehmend alarmiert über Berichte von einem rasanten Anstieg der Menge an KI-generierten sexualisierten Bildern… darunter auch Fälle, in denen Fotos von Kindern manipuliert und sexualisiert wurden“, zeigt sich das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef in einer Medien-Aussendung wenige Tage vor dem Safer Internet Day (immer am zweiten Dienstag im Februar).
Deepfakes – Bilder, Videos oder Audiodateien, die mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt oder manipuliert werden und real erscheinen sollen – werden zunehmend zur Herstellung sexualisierter Inhalte mit Kindern genutzt, unter anderem durch sogenannte ‚Nudification‘, bei der KI-Werkzeuge Kleidung auf Fotos entfernen oder verändern, um fingierte Nackt- oder sexualisierte Bilder zu erzeugen.
In einer Studie in elf Ländern (Armenien, Brasilien, Dominikanische Republik, Kolumbien, Mexiko, Montenegro, Marokko, North Mazedonien, Pakistan, Serbien, Tunesien) gaben im vergangenen Jahr mindestens 1,2 Millionen Kinder (12 bis 17 Jahre) an, dass ihre Bilder zu sexuell expliziten Deepfakes manipuliert worden seien. In manchen Ländern entspricht dies einem von 25 Kindern, also etwa einem Kind in einer durchschnittlichen Schulklasse. Erstellte wurde die Erhebung von Unicef, Ecpat (End Child Prostitution, Child Pornography & Trafficking of Children for Sexual Purposes;internationales Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen für die Beendigung sexueller Ausbeutung von Kindern) und Interpol (Teil von „Disrupting Harm Phase 2“, Link am Ende des Beitrages).
Auch Kinder selbst sind sich dieses Risikos sehr bewusst. In einigen der untersuchten Länder sagten bis zu zwei Drittel der Kinder, sie hätten Angst davor, dass KI zur Erstellung gefälschter sexueller Bilder oder Videos verwendet werden könnte. Das Ausmaß der Sorge variiert stark zwischen den Ländern und unterstreicht den dringenden Bedarf an verstärkter Aufklärung, Prävention und Schutzmaßnahmen.
Sexualisierte Bilder von Kindern, die mithilfe von KI-Werkzeugen erzeugt oder manipuliert werden, sind Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern (Child Sexual Abuse Material, CSAM). Deepfake-Missbrauch ist Missbrauch – und an dem Schaden, den er verursacht, ist nichts ‚fake‘.
Wenn das Bild oder die Identität eines Kindes verwendet wird, wird dieses Kind direkt zum Opfer. Selbst ohne identifizierbares Opfer normalisiert KI-generiertes Material sexuellen Missbrauchs von Kindern die sexuelle Ausbeutung, befeuert die Nachfrage nach missbräuchlichen Inhalten und stellt Strafverfolgungsbehörden vor erhebliche Herausforderungen bei der Identifizierung und dem Schutz von Kindern, die Hilfe benötigen.
Unicef begrüßt daher Bemühungen jener KI-Entwickler, die Security-by-Design-Ansätze und robuste Schutzmechanismen einbauen, um den Missbrauch ihrer Systeme zu verhindern. Zu viele KI-Modelle werden jedoch ohne ausreichende Schutzvorkehrungen entwickelt. Die Risiken können sich weiter verschärfen, wenn generative KI-Werkzeuge direkt in soziale Medien integriert werden, wo sich manipulierte Bilder rasend schnell verbreiten.
Unicef hat schon vor einigen Wochen eine Petiton „Online sicher – für jedes Kind“ für einen besseren Kinderschutz im digitalen Raum initiiert – Link ebenfalls am Ende des Beitrages.
Außerdem läuft seit einiger Zeit eine Petition der Plattform #aufstehn.at speziell gegen Elon Musk KI Grok. „Wer für seine Plattform X (früher: Twitter) zahlt, kann Kinder und Frauen auf hochgeladenen Bildern entkleiden und damit sexualisieren. Das verstößt gegen Gesetze“, merkt aufstehn an. „Die EU zieht aber bislang keine klaren Konsequenzen – weil man US-Präsident Donald Trump nicht verärgern möchte. Doch Österreich kann handeln“, verlangt die Initiative und weist darauf hin, dass „Malaysia Grok bereits gesperrt hat. In Frankreich ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die KI.“
Die EU‑Kommission sammle zwar Beweise für den Bildmissbrauch durch Grok. „Das Problem: Personen, die mit Grok Kinder und Frauen entkleiden und entstellen, holen keine Einwilligung für verwendete Bilder ein. Betroffene können also nicht wissen, ob die Missbrauchs‑KI auch eigene Fotos verfälscht hat. Darum fordern wir mit unserem Appell Missbrauch stoppen, Grok sperren!, dass auch Österreich tätig wird und die Missbrauchs-KI abdreht.“
Mehr als 25.000 Menschen haben den Appell bereits unterzeichnet, „aber damit der für KI zuständige Staatssekretär Alexander Pröll rasch handelt“, bräuchte es noch rund 5000 Unterschriften. „Bei 30.000 Unterschriften tragen wir unsere Botschaft vor Prölls Büro“, so #aufstehn.at
Eine weitere Initiative, „Die schweigende Mehrheit“ startete eine ähnlich genannte Petition wie Unicef „Kinderrechte im digitalen Raum schützen“, aber mit weiterreichenden Forderungen, u.a. EU-weites Verbot von Tiktok – ebenfalls unten verlinkt.
Mehr als (doppelt so viele) Kinder und Jugendliche wie in der gesamten Europäischen Union leben (rund 67 Millionen) leben weltweit mehr oder minder auf der Straße; zwischen rund 100 bis zu 150 Millionen Kinder und Jugendliche haben kein Zuhause, auch in einigen Ländern der EU, aber da noch am wenigsten. Der 31. Jänner gilt seit fast 30 Jahren (seit 1997) als „Tag der Straßenkinder“, ins Leben gerufen von der Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“, ausgehend von den Salesianern Don Bosco. Und dessen Namensgeber, den italienischen katholischen Priester, Jugendseelsorger und Reformpädagogen (1815 – 1888), der im Turiner Stadtteil Valdocco aus einem Schuppen eine Zufluchtsstätte für (Straßen-)Jugendliche machte uns später gemeinsam mit den Salesianern in weiteren Ländern Europas aber auch Lateinamerikas Häuser für Jugendliche aufbaute und (Aus-)Bildungen anbot.
Anlässlich des Straßenkinder-Tages 2026 ist Pater Rafael Bejarano Rivera aus Kolumbien zu Gast in Österreich. Seit vielen Jahren setzt er sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein. Besonders Kinder in Straßensituationen, junge Menschen in extremer Armut sowie ehemalige Kindersoldaten stehen im Mittelpunkt seines Wirkens.
„Pater Rafael kennt in seiner Funktion als Generalrat der Salesianer Don Boscos, als oberster Vertreter und Experte für Jugend- und Sozialarbeit, alle von Jugend Eine Welt unterstützten Projekte aus der Sicht eines Projektpartners. Er kann somit gute Einblicke in die weltweite Arbeit unserer Entwicklungsorganisation in den Bereichen Straßenkinder, aber auch Schul- und Berufsausbildung geben“, so Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt.
„Seit Beginn meines priesterlichen Wirkens habe ich stets im sozialen Bereich gearbeitet – dort, wo junge Menschen Begleitung brauchen, um ihre Rechte und ihre Würde wiederzuerlangen“, so Rafael Bejarano Rivera aus Kolumbien, einem Land, das über Jahrzehnte von Gewalt, sozialer Ungleichheit und bewaffneten Konflikten geprägt war. Früh entschied er sich für den Weg der Salesianer Don Boscos und stellte sein Leben in den Dienst junger Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen. Nach seinem Studium der Philosophie und Theologie sowie einer zusätzlichen Ausbildung im Bereich Soziales Management und Entwicklung übernahm er verantwortungsvolle Aufgaben in der Jugendarbeit der Salesianer.
Ein zentraler Meilenstein seines Werdegangs war seine Tätigkeit in der Ciudad Don Bosco in Medellín, einer der größten salesianischen Sozialeinrichtungen Kolumbiens, die auch von Jugend Eine Welt unterstützt wird. Dort arbeitete Bejarano Rivera über Jahre hinweg direkt mit Kindern und Jugendlichen, die auf der Straße lebten, aus zerrütteten Familien stammten oder Gewalt, Missbrauch und den Einsatz als Kindersoldaten erlebt hatten. „Heute sprechen wir bewusst von ‚Kindern in einer Straßensituation‘ und nicht mehr von reinen ‚Straßenkindern‘, da es sich um eine vorübergehende Lebenssituation handelt und ihre Rechte wiederhergestellt werden müssen“, so der Jugend Eine Welt-Projektpartner.
Viele Jahre lebte Michelle in Nairobi (Hauptstadt von Kenia, Afrika) dort, wo andere ihren Abfall entsorgen: auf Dandora, der größten Mülldeponie ihrer Heimatstadt. Zwischen meterhohen Müllbergen suchte sie nach Essen, Schutz und Hoffnung.
Dandora ist größer als 50 Fußballfelder. Verfaulte Essensreste und brennender Müll liegen in der Luft. Schweine und wilde Hunde streifen durch die Abfälle. Über allem kreisen Marabus, die nach Nahrung suchen. Bis zu 10.000 Menschen leben hier – ohne Sicherheit, ohne medizinische Versorgung, ohne Perspektive. Kinder sind dieser Realität besonders schutzlos ausgeliefert. Viele verlieren den Kontakt zu ihren Familien. Mädchen schließen sich Gangs an oder geraten in ausbeuterische Abhängigkeiten. Für die meisten scheint ein Ausweg unerreichbar.
Für Michelle aber änderte sich alles. Sozialarbeiterin Mary Gatitu ist täglich in Dandora unterwegs. Sie begleitet Mädchen wie Michelle, hört zu, stärkt sie – und greift ein, wenn Hilfe dringend nötig ist. Im Rescue Dada Center, Partner der Dreikönigskation, finden sie Schutz, regelmäßige Mahlzeiten, medizinische Versorgung und Zugang zu Schule und Ausbildung.
Michelle hat diese Chance genutzt. Heute geht sie in die Schule, wächst in Sicherheit auf und blickt mit Hoffnung in die Zukunft. Aus einem Leben im Müll wurde eine echte Perspektive. Für Michelle und anderen Kinder in vergleichbaren Situationen sammelt die DKA – mehr dazu im Link am Ende des Beitrages.
Zurück nach Kolumbien, wo – wie überall in nachhaltigen Projekten Bildung eine zentrale Rolle spielt. „In mehreren Städten begleiten wir diese Kinder. Während man früher Kinder dauerhaft auf der Straße lebend antraf, hat sich die Situation verändert: Heute haben viele von ihnen Familien, verbringen jedoch viel Zeit auf der Straße und sind dort großen Risiken ausgesetzt – insbesondere Gewalt, Drogenhandel und Prostitution.“, so Pater Rafael Bejarano Rivera. Ziel sei es, jungen Menschen Schutz zu bieten und ihnen durch Bildung, psychosoziale Begleitung und Berufsausbildung echte Zukunftsperspektiven zu eröffnen.
Viele der Kinder und Jugendlichen, die mehr oder minder auf der Straßen leben müssen, besitzen keine Geburtsurkunde, wurden nie offiziell registriert und haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung oder Schulbildung. „Diese Kinder bleiben oft unsichtbar, obwohl sie großen Risiken ausgesetzt sind“, so Bejarano Rivera.
Heute wirkt der Jugend Eine Welt-Gast auf internationaler Ebene. Als Generalrat für Jugendpastoral und soziale Werke im weltweiten Leitungsteam der Salesianer koordiniert er Bildungs- und Sozialprojekte in 138 Ländern. Mit Jugend Eine Welt verbindet Bejarano Rivera eine langjährige und enge Partnerschaft. Gemeinsam mit der österreichischen Entwicklungsorganisation arbeitet er daran, nachhaltige Bildungs- und Sozialprojekte für Straßenkinder und gefährdete Jugendliche umzusetzen – insbesondere in Lateinamerika.
„Über viele Jahre hinweg haben wir gemeinsam Programme entwickelt – zur Bewusstseinsbildung, zur Begleitung junger Menschen und zur Förderung von Bildung und Ausbildung. Dabei gab es Kooperationen mit österreichischen Unternehmen sowie zum Beispiel mit der österreichischen Botschaft in Kolumbien“, erzählt Bejarano Rivera.
„Die Unterstützung von Jugend Eine Welt ist von zentraler Bedeutung. Internationale Zusammenarbeit wirkt auf vielen Ebenen, doch entscheidend ist die Beziehung zwischen den Menschen. Spenderinnen und Spender – etwa in Österreich – können durch ihr Engagement Entwicklungsprozesse in ganz unterschiedlichen Realitäten ermöglichen. Jugend Eine Welt trägt dazu bei, jungen Menschen weltweit neue Hoffnung, neue Wege und neue Chancen zu eröffnen, ihre Träume zu verwirklichen und ihre Gemeinschaften zu stärken. Dafür bin ich sehr dankbar.“
Jugend Eine Welt unterstützt unter anderem technische Ausbildungsprogramme, Maßnahmen zur Arbeitsvermittlung und Projekte für Kinder in Straßensituationen. „Besonders wichtig ist auch der Einsatz von Freiwilligen im Rahmen der von Jugend Eine Welt und den Salesianern Don Boscos getragenen Entsende-Organisation ‚VOLONTARIAT bewegt‘, zum Beispiel in den Städten Medellín und Cali meiner Heimat Kolumbien“, unterstreicht der Salesianer. „Diese Einsätze gehen weit über finanzielle Unterstützung hinaus: Sie ermöglichen echte Begegnungen. Für viele junge Menschen, die viel Leid erfahren haben, ist es von unschätzbarem Wert, Menschlichkeit, Nähe und Solidarität aus anderen Kulturen zu erleben. Gleichzeitig ist Freiwilligenarbeit eine der schönsten Ausdrucksformen gelebter Solidarität. Ich habe viele junge Freiwillige, entsendet durch ‚VOLONTARIAT bewegt‘, aus Österreich in Kolumbien erlebt und gesehen, wie sie persönlich gewachsen sind. Sie haben – genauso wie Freiwillige aus dem Senior Experts-Programm von Jugend Eine Welt – unsere Projekte nachhaltig unterstützt. Es ist eine echte Win-Win-Situation – fachlich, menschlich und auch spirituell.“ Darüber hinaus hilft Jugend Eine Welt auch mit Stipendien für Bildung, Lernmaterialien, Lebensmittel und berufliche Qualifizierung.
Im Zuge des von Jugend Eine Welt ins Leben gerufenen „Tages der Straßenkinder“ am 31. Jänner 2026 berichtet Bejarano Rivera bei zahlreichen Veranstaltungen in Österreich aus erster Hand über die Lebensrealitäten von Kindern in Straßensituationen, spricht über globale Herausforderungen und zeigt, wie konkrete Hilfe wirkt. Einen eindrucksvollen und nachhaltigen Einblick in die Lebensrealitäten von Kindern in Straßensituationen lieferte der Gast aus Kolumbien am Tag vor dem Straßenkinder-Tag rund 100 Schüler:innen der fünften und sechsten Klassne des GRG13 Wenzgasse (im selben Bezirk Hietzing hat die Organisation Jugend Eine Welt ihren Sitz).
dka.at –> kenia-schutz-fuer-maedchen
jugendeinewelt –> tag-der-strassenkinder-2026
Hungersnot in Gaza, Gräueltaten im Sudan, der vierte Kriegswinter in der Ukraine, schwere Naturkatastrophen wie das Erdbeben in Myanmar und Afghanistan, dazu weltweite Kürzungen der Auslandshilfen. So fasst Unicef-Österreich in einem Blog auf seiner Website in einem der letzten Beiträge des Jahres 2025 zusammen.
Nicht ohne den Unicef-typischen Schlenker in Richtung doch-noch-Optimismus. „Es gibt auch Hoffnung! Mit der Waffenruhe zwischen Israel und Gaza konnten wir mit Ende dieses Jahres unsere Hilfe im Gazastreifen ausweiten. In Österreich engagiert sich außerdem ein neu gegründeter Jugendbeirat für die Rechte der Kinder. Und Sie an unserer Seite – als UNICEF Unterstützer und Spender – sind ein Grund zur Hoffnung. Es zeigt: Vielen Menschen ist es nicht egal, wie es den Kindern rund um die Welt geht. Diese Solidarität stimmt uns hoffnungsvoll, dass wir gemeinsam etwas bewirken können!“
Dennoch die nackten, tragischen Fakten: Die Zahl hungernder Menschen hat in den vergangenen fünf Jahren um 122 Millionen zugenommen. Hungerkrisen verschärfen sich rund um die Welt. Die Ursachen sind komplex: Von diversen Krisen bis zu Wetterextremen als Folge der Klimakrise. Weltweit sind rund 43 Millionen Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt und 150 Millionen chronisch mangelernährt.
Im Jahr 2025 wuchsen so viele Kinder in Krisen- und Konfliktgebieten auf wie nie zuvor. Fast jedes fünfte Kind, und damit fast doppelt so viele wie Mitte der 90er Jahre, war betroffen.
Kürzungen der Hilfsgelder durch Geberländer gefährden Fortschritte für Kinder und Familien in Not. 14 Millionen mangelernährte Kinder weltweit können deswegen nicht mehr behandelt werden.
Außerdem sei die Zahl schwerer Kinderrechtsverletzungen stark gestiegen, was konkret bedeutet, dass Zehntausende Kinder, „getötet, verstümmelt, von bewaffneten Gruppen rekrutiert oder eingesetzt, entführt oder Opfer sexualisierter Gewalt wurden, denen Bildung, Schutz, medizinische Versorgung oder humanitäre Hilfe fehlen“, wird Unicef in einer ORF.at-Meldung zusätzlich zitiert.
Zwölf junge Menschen aus sieben Bundesländern setzen sich seit Februar für die Kinderrechte in Österreich ein. Der neue Jugendbeirat ist nicht nur eine starke Stimme für Kinderrechte. Er plant darüber hinaus aktiv Veranstaltungen, um Kinderrechte in Österreich zu stärken.
Unicef-Blog-Beitrag: 2025 in Bildern
Australien hat es eingeführt. In der EU wird es diskutiert. In den letzten Tagen des Jahres 2025 meinten Vertreter von Regierungsparteien, wenn’s in der Europäischen Union zu langsam geht, könnte Österreich vorpreschen mit einer Social-Media-Beschränkung ab – das Alter blieb noch offen. Handyverbot in den ersten acht Schulstufen gilt schon seit einigen Monaten. Im Herbst startete eine Online-Petition unter dem Titel „Kinderrechte im digitalen Raum durchsetzen!“ in der ein generelles TikTok-Verbot in Österreich und idealerweise der EU, eine Altersbeschränkung für Social Media bis 16 Jahre verlangt wird. 876 von 1000 erforderlichen Unterschriften war der Stand am 27. Dezember Mittag.
„Diese Beschränkungen spiegeln eine echte Besorgnis wider: Kinder sind online Mobbing, Ausbeutung und schädlichen Inhalten ausgesetzt, mit negativen Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Der Status quo versagt gegenüber Kindern und überfordert Familien“, begrüßte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, erst kürzlich – zum Tag der Menschenrechte (10. Dezember) „das wachsende Engagement für die Online-Sicherheit von Kindern“, zeigt sich aber skeptisch in Sachen Verbote. Sie „könnten sich sogar als kontraproduktiv erweisen“, heißt es im Statement.
„Soziale Medien sind kein Luxus – für viele Kinder, insbesondere für jene, die isoliert oder marginalisiert sind, sind sie eine Lebensader, die Zugang zu Lernen, Verbindung, Spiel und Selbstdarstellung bietet. Darüber hinaus werden viele Kinder und Jugendliche weiterhin auf soziale Medien zugreifen, sei es durch Umgehungen, gemeinsame Geräte oder die Nutzung weniger regulierter Plattformen, was es letztendlich schwieriger macht, sie zu schützen“, wird argumentiert.
„Altersbeschränkungen müssen Teil eines umfassenderen Ansatzes sein, der Kinder vor Schaden schützt, ihre Rechte auf Privatsphäre und Beteiligung respektiert und sie nicht in unregulierte, weniger sichere Räume drängt. Regulierung sollte kein Ersatz dafür sein, dass Plattformen in die Kindersicherheit investieren. Gesetze, die Altersbeschränkungen einführen, sind keine Alternative dazu, dass Unternehmen das Plattformdesign und die Inhaltsmoderation verbessern.
Unicef fordert Regierungen, Regulierungsbehörden und Unternehmen auf, mit Kindern und Familien zusammenzuarbeiten, um digitale Umgebungen zu schaffen, die sicher, inklusiv sind und die Rechte von Kindern respektieren. Dies beinhaltet:
Unicef –> Onlinesicherheit für Kinder
1, 2, 3, 4, X, 6, 7, 8, 9, X, 11, 12, 13, 14, X – so wie hier an jeder fünften Stelle ein X steht, so ist jedes fünfte Kind in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in mindestens zwei lebenswichtigen Bereichen die für Gesundheit, Entwicklung und Wohlbefinden entscheidend sind, stark benachteiligt. Und das sind immerhin rund 417 Millionen Kinder – also fast so viele wie Menschen in der gesamten EU leben (450 Millionen). Diese Zahlen gab die Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen zum Kinderrechtetag (20. November, Jahrestag des UNO-Beschlusses über die Kinderrechtskonvention, 1989) bekannt.
„The State of the World’s Children 2025: Ending Child Poverty – Our Shared Imperative“ (Die Lage der Kinder in der Welt 2025: Kinderarmut beenden – Unsere gemeinsame Aufgabe) wie dieser Bericht offiziell heißt, stützt sich auf Daten aus mehr als 130 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, um das Ausmaß multidimensionaler Armut zu bewerten. Gemessen wird sie anhand von sechs Kategorien: Bildung, Gesundheit, Wohnen, Ernährung, sanitäre Versorgung und Wasser. Die Analyse zeigt, dass 118 Millionen Kinder drei oder mehr Deprivationen (Entbehrungen) erleben und 17 Millionen vier oder mehr (Anm.: Die Daten stammen aus dem Jahr 2023).
„Kinder, die in Armut aufwachsen und denen grundlegende Dinge wie gute Ernährung, angemessene sanitäre Versorgung und eine sichere Unterkunft fehlen, sind verheerenden Folgen für ihre Gesundheit und Entwicklung ausgesetzt“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Es muss nicht so sein. Wenn Regierungen sich dazu verpflichten, Kinderarmut durch wirksame politische Maßnahmen zu beenden, eröffnen sie Kindern eine Welt voller Möglichkeiten.“
Die höchsten Raten multidimensionaler Armut bei Kindern konzentrieren sich auf Subsahara-Afrika und Südasien. In Tschad beispielsweise erleben 64 % der Kinder zwei oder mehr schwere Deprivationen, und knapp 25 % sind drei oder mehr ausgesetzt.
Sanitäre Versorgung ist der am weitesten verbreitete schwere Mangel: 65 % der Kinder in Ländern mit niedrigem Einkommen haben keinen Zugang zu einer Toilette, 26 % in Ländern mit unterem mittleren Einkommen und 11 % in Ländern mit oberem mittleren Einkommen. Ein Mangel an angemessener sanitärer Versorgung erhöht die Gefahr, dass Kinder Krankheiten ausgesetzt sind.
Der Anteil der Kinder, die in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen mindestens eine schwere Deprivation erfahren, sank zwischen 2013 und 2023 von 51 auf 41 %, größtenteils dank der Priorisierung von Kinderrechten in nationalen Politiken und wirtschaftlicher Planung. Doch der Fortschritt stockt. Konflikte, Klima- und Umweltkrisen, demografische Veränderungen, steigende nationale Schulden und wachsende technologische Ungleichheiten verschärfen die Armut. Gleichzeitig drohen beispiellose Kürzungen der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance, ODA) die Deprivation von Kindern in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu vertiefen.
Dennoch ist Fortschritt möglich. Tansania etwa erzielte zwischen 2000 und 2023 eine Reduzierung der multidimensionalen Kinderarmut um 46 %, teilweise dank staatlicher Zuschüsse, die armen Haushalten finanzielle Entscheidungsspielräume eröffneten. In Bangladesch sank die Kinderarmut im gleichen Zeitraum um 32 %, dank staatlicher Initiativen, die den Zugang zu Bildung und Elektrizität ausweiteten, die Wohnqualität verbesserten und in Wasser- und Sanitärversorgung investierten. Offene Defäkation wurde so von 17 % im Jahr 2000 auf null Prozent im Jahr 2022 reduziert.
Armut beeinträchtigt die Gesundheit, Entwicklung und das Lernen von Kindern – mit Folgen wie schlechteren Berufsaussichten, kürzerer Lebenserwartung sowie erhöhten Raten von Depressionen und Angststörungen. Der Bericht betont, dass besonders junge Kinder, Kinder mit Behinderungen und Kinder in Krisenkontexten gefährdet sind.
Der Bericht untersucht auch monetäre Armut, die den Zugang zu Nahrung, Bildung und Gesundheitsdiensten weiter einschränkt. Laut aktuellen Daten leben mehr als 19 % der Kinder weltweit in extremer monetärer Armut, das heißt mit weniger als 3 US-Dollar (2,50 €) pro Tag. Fast 90 % dieser Kinder leben in Subsahara-Afrika und Südasien.
Der Bericht enthält außerdem eine Analyse von 37 Ländern mit hohem Einkommen. Rund 50 Millionen Kinder – oder 23 % der Kinderpopulation in diesen Ländern – leben in relativer monetärer Armut. Das bedeutet, dass ihr Haushalt deutlich weniger Einkommen hat, als die meisten anderen im jeweiligen Land, was ihre Fähigkeit einschränken kann, vollständig am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Während die Armut in den 37 Ländern zwischen 2013 und 2023 durchschnittlich um 2,5 % sank, stagnierte oder kehrte sich der Fortschritt in vielen Fällen um. In Frankreich, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich stieg die Kinderarmut beispielsweise um mehr als 20 %. Im gleichen Zeitraum senkte Slowenien seine Armutsquote um mehr als ein Viertel, vor allem dank eines starken Familienleistungssystems und Mindestlohnregelungen.
Laut den Daten des Berichts leben 17,9 % der Kinder unterhalb der Armutsgrenze (2023), ein Anstieg von über zehn Prozent seit 2018. Besonders besorgniserregend ist die Tiefe und Dauer der Armut: Kinder in einkommensarmen Haushalten liegen im Schnitt 19,8 % unter dem Schwellenwert, und 10,6 % sind von anhaltender Armut betroffen. Während die realen Einkommen leicht gestiegen sind, hat sich die relative Armut um mehr als 20 % verschärft, was auf wachsende Ungleichheit hinweist. Auch nicht-monetäre Aspekte zeigen Herausforderungen: 4,8 % der Kinder leben in Haushalten mit schwerer materieller Deprivation, 12,9 % der 15-Jährigen haben kein eigenes Zimmer, und 8,8 % der Jugendlichen berichten, mindestens einmal pro Woche nicht gegessen zu haben, weil kein Geld für Essen vorhanden war. Digitale Exklusion ist hingegen kaum ein Problem.
„Der Anteil der armutsgefährdeten Kinder ist im vergangenen Jahr gestiegen. Einer aktuellen Erhebung des Statistischen Bundesamts zufolge waren 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren betroffen – das entspricht einem Anteil von 15,2 Prozent, bezogen auf die Altersgruppe. Ein Jahr zuvor hatte der Anteil erst 14,0 Prozent betragen“, schreibt Spiegel Online vor wenigen Tagen auf der Basis aktueller Zahlen des deutschen Statistischen Bundesamtes.
Laut EU-SILC 2024 sind 344.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie 666.000 Frauen und 518.000 Männer ab 18 Jahren von Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung betroffen. 23 % aller Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten sind unter 18 Jahre alt. Das Risiko von Kindern und Jugendlichen für Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung beträgt 21 % und liegt damit über dem der Gesamtbevölkerung (16,9 %).
„Kinderarmut bedeutet gesellschaftlichen Ausschluss, raubt Perspektiven und hindert eine gesunde Entwicklung. Sie ist kein Schicksal, sondern eine Aufgabe, die entschlossen angepackt werden muss. Durch die konsequente Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Kindergarantie und die Einführung einer Kindergrundsicherung wird die Grundlage für eine Gesellschaft, in der jedes Kind die Chance erhält, sicher und gesund aufzuwachsen, geschaffen“, erklärt UNICEF Österreich Geschäftsführer Christoph Jünger.
The State of the World’s Children 2025 zeigt, dass die Beendigung der Kinderarmut erreichbar ist, und hebt die Bedeutung hervor, Kinderrechte – wie in der UN-Kinderrechtskonvention festgelegt – in den Mittelpunkt aller staatlichen Strategien, Politiken und Maßnahmen zur Armutsbekämpfung zu stellen, indem:
Der Bericht erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem viele Regierungen weltweit ihre Auslandshilfe zurückfahren. Laut The Lancet könnten Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit bis 2030 zum Tod von 4,5 Millionen Kindern unter fünf Jahren führen. Gleichzeitig zeigen aktuelle UNICEF-Schätzungen, dass infolge dieser Kürzungen bis nächstes Jahr sechs Millionen Kinder zusätzlich nicht zur Schule gehen könnten.
„Schon vor der globalen Finanzierungskrise hatten viel zu viele Kinder keinen Zugang zu ihren grundlegenden Bedürfnissen, nun droht sich die Lage deutlich zu verschlimmern“, sagte Russell. „Dies ist nicht der Moment, sich zurückzuziehen. Es ist die Zeit, auf den hart erarbeiteten Fortschritten für Kinder aufzubauen. Regierungen und Unternehmen können dazu beitragen, indem sie Investitionen in zentrale Dienste für Kinder stärken, um sie gesund und geschützt zu halten, und indem sie sicherstellen, dass sie Zugang zu essenziellen Dingen wie guter Ernährung haben – insbesondere in fragilen und humanitären Kontexten. Investitionen in Kinder schaffen eine gesündere und friedlichere Welt – für alle.“
„Ich schaffe das, ich schaffe das, ich bin doch ziemlich stark, wenn ich an mich glauben mag… ich brauch nur ein wenig Mut…“ So heißt es in dem Refrain eines Liedes, das der Herausgeber des hier besprochenen Buches (Link zur Buchbesprechung am Ende des Beitrages) passend dazu – in Zusammenarbeit mit der Musikerin und Pädagogin Judith Feichtinger (Komposition und Gesang) – aufgenommen hat. Neben der Musikerin singen auch Kinder von Freund:innen des Tonstudiobesitzers, die aber namentlich nicht genannt werden sollen.
Am Tag der Kinderrechte – 20. November (Jahrestag des UNO-Beschlusses über die Kinderrechtskonvention 1989) – wird „ich schaffe das!“ auf allen gängigen Streaming-Plattformen veröffentlicht.
Wiener Sängerknaben und Chormädchen werden am Tag der Kinderrechte – 20. November (Jahrestag des UNO-Beschlusses der Kinderrechtskonvention, 1989) im großen Festsaal des Rathauses gemeinsam zu Klängen des Pianisten Albert Frantz, dirigiert von Stefan Willich singen (Details – siehe info-Box am Ende des Beitrages).
Das Benefiz-Konzert sowie reden zu juristischen und medizinischen Themen rund um Kinderrechte – findet zugunsten von vier Organisationen statt, die sich für Kinderrechte engagieren: Unicef Österreich, Österreichsicher Kinderschutzbund, World Childhood Foundation und TvA International Foundation.
„Musik kann Brücken bauen, zwischen Kulturen, Generationen und Herzen. Mit diesem Konzert möchten wir Bewusstsein schaffen und gleichzeitig Hoffnung schenken“, sagt Christoph Jünger, Geschäftsführer von UNICEF Österreich. „Jedes Kind hat das Recht, in Sicherheit und Würde aufzuwachsen. Gewalt darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben, weder hier noch anderswo.“
Das Programm spannt einen Bogen von Franz Liszt über Robert Schumann bis hin zu George Gershwin – und nicht zuletzt im Jubiläumsjahr (200 Jahrestag seiner Geburt) Johann Strauß (Sohn).
Weltweit erleben mehr als eine Milliarde Kinder Gewalt, physisch, psychisch oder sexuell. UNICEF Österreich appelliert daher an Politik, Gesellschaft und jede Einzelne / jeden Einzelnen hinzusehen und aktiv zu werden. „Kinderschutz sollte für uns alle oberste Priorität haben, egal ob in Österreich oder in einem der 190 Länder und Territorien, in denen UNICEF aktiv ist“, lädt die Organisation zum Benefizkonzert ein, um neben dem musikalischen Genuss auch ihre und die Arbeit der anderen drei genannten in diesem Bereich aktiven Organisationen mit dem Ticket zu unterstützen.
Social Media Plattformen spielen eine große Rolle bei Kindern und Jugendlichen. Diese bieten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu lernen, sich zu informieren, sich mit Gleichaltrigen zu vernetzen und auszutauschen, sowie sich auszudrücken oder zu spielen. Gleichzeitig birgt die Onlinewelt viele Gefahren, wie Cybermobbing, unangemessene Inhalte sowie sexuelle Belästigung. Kinder und Jugendliche müssen vor diesen Gefahren geschützt und gut in der digitalen Welt begleitet und einbezogen werden – Kinderrechte gelten auch online.
In Diskussion sind derzeit häufig technische Schutzmechanismen wie eine verpflichtende Altersverifizierung oder die Anhebung des Alters für die Nutzung von Social Media, auch in Zusammenhang mit nicht-kindgerechter Algorithmen sowie Auswirkungen auf die mentale Gesundheit junger Menschen.
UNICEF Österreich begrüßt das Bestreben der Europäischen Kommission sowie der Bundesregierung digitale Plattformen für Kinder und Jugendliche sicherer zu gestalten. Es ist für Kinderschutz Online wichtig, nur altersadäquaten Zugang zu ermöglichen. Bei der Ausgestaltung und Wahl der Altersverifikation sind neben Kinderschutz jedoch weitere Kinderrechte zu berücksichtigen. So ist etwa darauf zu achten, dass Privatsphäre und Datenschutz sowie durch eine kindgerechte Ausgestaltung digitaler Räume das Recht auf Information aller Kinder ohne Diskriminierung gewahrt werden. Weiters sollten auf den Plattformen altersadäquate Inhalte zu finden sein. „Kinder können online wichtige digitale Skills erlernen – es gilt dafür altersgerechte geschützte digitale Räume zu schaffen. Altersbeschränkungen alleine sind jedoch nicht ausreichend, um Risiken zu begegnen. Es braucht zudem weitere Maßnahmen, wie die Förderung der Medienbildung bei Kindern, Eltern/Erziehungsberechtigten sowie Pädagog:innen“, so Klara Krgović-Baroian, stellvertretende Teamleiterin von Advocacy & Kinderrechte bei Unicef-Österreich.
Die verschiedenen Interessengruppen wie Politik und Unternehmen müssen mit Expert:innen und anderen Stakeholder:innen zusammenarbeiten, um mehr wissenschaftliche Grundlagen und Daten zu dem Thema zu generieren und in der Folge technisch realisierbare Lösungen für die Altersverifizierung angepasst an die einzelnen Plattformen und deren Inhalte zu entwickeln, welche die Rechte der Kinder respektieren. „Dabei ist es wichtig, auch die Meinung von Kindern und Jugendlichen einfließen zu lassen. Die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen stellen sicher, dass alle Maßnahmen ihren Ansichten, Bedürfnissen und Lebensrealitäten Rechnung tragen.“
Seit wenigen Tagen läuft online eine Petition des Künstler:innen-Kollektivs „Die schweigende Mehrheit“ zu noch weitergehenderen Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche im digitalen Raum. Unter anderem heißt es in der Begründung: „In zähem Ringen zwischen den Plattformen und Vertreter*innen eines den Menschenrechten und Kinderrechten verpflichteten Internets wurden letztes Jahr EU-weit gültige Regeln beschlossen. Doch noch beschränkt sich die Praxis darauf, dass Plattformen gemeldeten strafbaren Content löschen müssen.
Damit wird die Verantwortung dafür, Jugendschutz und Strafrecht auch online Geltung zu verschaffen, den Kindern und Jugendlichen selbst zugeschoben. Sie selber müssen Verstörendes melden, nachdem sie es gesehen und identifiziert haben. Damit verstoßen Plattformen und auch Gesetzgeber*innen, die sie nicht angemessen regulieren, gegen die UN-Kinderrechtskonvention insbesondere gegen die Artikel 3, 4, 16, 17, 18 und 19, die Staaten dazu verpflichten, mit ihrer Gesetzgebung für das Kindeswohl, den Schutz der Privatsphäre der Kinder und den Schutz vor geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung zu sorgen.
Wir sind überzeugt davon, dass sofortige Maßnahmen nötig sind, um Kinderrechte und Jugendschutz auch im digitalen Raum zu garantieren. Auch zum Schutze unserer Demokratie, damit junge Menschen ihr Weltbild aus gut recherchierten und juristisch verantworteten Informationen zusammensetzen können.“ – Mehr dazu in einem eigenen Beitrag, unten verlinkt.
Kinder, selbst in den wohlhabenderen Ländern der Erde, litten und leiden an den Folgen der Covid19-Pandemie. Dies ergab eine Analyse einer Abteilung des Kiknderhilfswerks der Vereinten Nationen, Unicef: Deutliche Rückschritte in ihrer schulischen Leistung, ihrem psychischen Wohlbefinden und ihrer körperlichen Gesundheit, veröffentlichte Unicef Innocenti – Global Office of Research and Foresight am Dienstag (13. Mai 2025).
„Report Card 19: Child Wellbeing in an Unpredictable World“ (Report Card 19: Wohlergehen von Kindern in einer unberechenbaren Welt) verglich Daten aus den Jahren 2018 und 2022 und zeigt durch diese auf, wie sich die Pandemie und die globalen Lockdowns auf Kinder in 43 OECD- und EU -Staaten ausgewirkt haben. Seit der letzten vergleichbaren Report Card vor fünf Jahren haben die Niederlande und Dänemark ihre Spitzenplätze als beste Länder für Kinder – gemessen an psychischem Wohlbefinden, körperlicher Gesundheit und Kompetenzen – behauptet. Auf Platz drei folgt Frankreich.
Schulschließungen zwischen drei und zwölf Monaten zwangen viele Kinder zum Fernunterricht, was zu Lernverlusten führte. Der Bericht schätzt, dass Kinder im Durchschnitt sieben Monate bis ein Jahr hinter dem Lernstand zurückliegen, den sie eigentlich erreicht haben sollten. Besonders stark betroffen sind Kinder aus benachteiligten Familien. Der Bericht warnt, dass viele Länder erhebliche Rückgänge bei den schulischen Kompetenzen von Kindern verzeichneten – insbesondere bei grundlegenden Fähigkeiten wie Lesen und Mathematik.
„Bereits vor der Pandemie hatten Kinder in vielen Bereichen Schwierigkeiten und keinen ausreichenden Zugang zu Unterstützungsangeboten – selbst in wohlhabenden Ländern“, sagte Bo Viktor Nylund, Direktor von Unicef Innocenti. „Angesichts zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit müssen Länder die Bildung, Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern priorisieren – zum Schutz ihrer Zukunftschancen und Lebenszufriedenheit, aber auch zur Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität unserer Gesellschaften.“
In den 43 untersuchten Ländern wurden rund acht Millionen 15-Jährige – etwa die Hälfte dieser Altersgruppe – als funktional nicht lese- und rechenschwach eingestuft, das heißt, sie konnten keinen einfachen Text verstehen. Das ist ein Anstieg um vier Prozent seit 2018. Dies wirft Fragen zu ihren langfristigen Perspektiven auf. Die höchsten Anteile fanden sich in Bulgarien, Kolumbien, Costa Rica, Zypern und Mexiko, wo mehr als zwei Drittel der 15-Jährigen in diese Kategorie fielen.
Der Bericht äußert zudem Bedenken hinsichtlich der psychischen Gesundheit. Die Lebenszufriedenheit von Kindern hat sich in diesem Zeitraum deutlich verschlechtert – in 14 von 32 Ländern mit verfügbaren Daten nahm sie erheblich ab. Japan war das einzige Land mit einer deutlichen Verbesserung in diesem Bereich.
In Bezug auf die körperliche Gesundheit zeigt der Bericht, dass der Anteil übergewichtiger Kinder in 14 der 43 Länder mit verfügbaren Daten erheblich zugenommen hat – ein Trend, der sich bereits seit Langem abzeichnet.
Österreich belegt Platz 12 von 39 untersuchten Ländern in Bezug auf das Wohlergehen von Kindern. Relativ gut schneidet das Land bei den Kompetenzen der Kinder ab (Platz 7), während im Bereich der mentalen (Platz 16) und körperlichen Gesundheit (Platz 20) Aufholbedarf besteht.
Die Lebenszufriedenheit von Jugendlichen ist seit 2018 deutlich gesunken – nur noch 71% geben an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Gleichzeitig berichten mehr als 21% der 15-Jährigen über häufiges Mobbing in der Schule. Ein weiteres Alarmsignal: Nur 71% der Jugendlichen sagen, dass ihre Eltern regelmäßig mit ihnen sprechen – ein vergleichsweise niedriger Wert im internationalen Vergleich. Positiv ist der Rückgang der jugendlichen Suizidrate auf 5,03 pro 100.000 (von 6,12), doch auch hier konnten andere Länder deutlich bessere Erfolge erzielen.
Im Bereich der körperlichen Gesundheit bleibt die hohe Übergewichtsrate von 28,5% bei Kindern ein ungelöstes Problem. Zwar ist die Kindersterblichkeit leicht gesunken (0,76 pro 1.000) und damit im Vergleich zu vielen anderen Ländern gering (der Medianwert der Report Card liegt bei 0,79), doch auch hier besteht weiteres Verbesserungspotenzial.
Besonders kritisch ist die wachsende Chancenungleichheit im Bildungssystem: Der Leistungsabstand zwischen sozioökonomisch benachteiligten und privilegierten Kindern in Mathematik hat sich seit 2018 um 13 Punkte vergrößert. Zudem fühlen sich nur 68,5% der Kinder sicher genug, um zu beurteilen, ob eine Website vertrauenswürdig ist – ein Hinweis auf mangelnde digitale Kompetenzen. Immerhin: 80,2 % der Jugendlichen sagen, sie knüpfen leicht Freundschaften – ein positiver sozialer Faktor.
„Der Report zeigt deutlichen Handlungsbedarf in Österreich – es braucht etwa dringend die Stärkung digitaler Skills, die Erhöhung der Chancengerechtigkeit im Bildungssystem und Maßnahmen zur Stärkung der mentalen Gesundheit sowie gegen Mobbing. Positive diesbezügliche Ansätze im Regierungsprogramm gilt es nun umzusetzen und dabei Kinder und Jugendliche einzubeziehen. Es geht um nichts Geringeres als Gesundheit, Wohlbefinden und grundlegende Kompetenzen unserer Jugend“, so Christoph Jünger, Geschäftsführer von Unicef Österreich.
Insgesamt zeigt der Bericht, dass selbst Länder mit hohem Einkommen zunehmend Schwierigkeiten haben, Kindern die Bedingungen für eine gute Kindheit und eine positive Zukunft zu bieten. Mit Blick auf die Auswirkungen der Pandemie auf Kinder warnt der Bericht, dass hart erkämpfte Fortschritte beim Kindeswohl in wohlhabenden Ländern immer anfälliger für globale Ereignisse und Krisen – wie etwa den Klimawandel – werden.
Der Bericht fordert Regierungen und Akteure zum Handeln in mehreren Politikbereichen auf, um dem Rückgang des Kindeswohls entgegenzuwirken, unter anderem durch:
„Nach der Pandemie setzen die vorliegenden Daten einen beunruhigenden Maßstab für das Kindeswohl – insbesondere bei benachteiligten Kindern“, sagte Bo Viktor Nylund. „Das Ausmaß der Herausforderungen, denen Kinder gegenüberstehen, erfordert einen zusammenhängenden, ganzheitlichen und kindzentrierten Ansatz, der ihre Bedürfnisse in jeder Lebensphase berücksichtigt.“
Mit großer Besorgnis betrachtet UNICEF Österreich die Budgetankündigungen der Bundesregierung, in denen deutliche Kürzungen im Bereich der humanitären Hilfe heuer und ab dem Jahr 2026 vorgesehen sind – für internationale Entwicklungszusammenarbeit ebenso wie bei der Unterstützung von Familien mit Kindern in Österreich.
„Die Budgetkürzungen kommen zu einem erdenklich schlechten Zeitpunkt. In der aktuellen Situation, wo wir eine Zunahme von humanitären Krisen verzeichnen und internationale Hilfe stärker gebraucht wird denn je, ist es ein Sparen an der falschen Stelle. Österreich setzt dadurch den alarmierenden globalen Trend bei der Kürzung der EZA (Entwicklungszusammenarbeit)-Mittel fort, wovon unzählige Kinder betroffen sein werden.“
Im vergangenen Jahr waren 470 Millionen Kinder von humanitären Krisen in Konfliktregionen betroffen. Die Kürzungen treffen eine besonders vulnerable (verletzliche) Gruppe, denn diese Kinder leben aktuell in einem Konflikt- oder Katastrophengebiet, wo internationale Hilfe oftmals die einzige Chance auf Überleben ist.
Familienleistungen sind wichtig zur Bekämpfung von Kinderarmut und eine Investition in die Zukunft. Kürzungen in dem Bereich würden zudem den Zielen und Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans Kindergarantie nicht entsprechen, zu dem sich Österreich verpflichtet hat. „Sparen darf nicht zu Lasten von Familien und Kindern gehen. Dadurch nehmen wir Kindern Zukunftschancen und verschärfen Kinderarmut, statt sie zu bekämpfen“, so Klara Krgović -Baroian, Interimistische Leitung des Bereichs Advocacy und Kinderrechte, anlässlich der Budgetrede der Regierung.
Österreich ist ein verlässlicher Partner in der globalen Krisenhilfe. Es ist essentiell, dass trotz angespannter wirtschaftlicher Lage hier weiterhin ein wichtiger Beitrag zur Sicherung und Stärkung von Zukunftschancen für Kinder in Österreich und weltweit zu leisten.
Internationale Kürzungen der Entwicklungshilfe schaffen einen globalen Notstand für Kinder. Das beispiellose Ausmaß und die Geschwindigkeit der Veränderungen stören lebenswichtige Dienste und gefährden das Leben und Wohlergehen von Millionen Kindern. Diese Kürzungen sind ohne Beispiel und stellen eine unmittelbare und schwerwiegende Bedrohung für das Überleben, den Schutz und die Bildung von Kindern dar. Wir rechnen mit einem Rückgang aller Einkommensquellen für UNICEFs humanitäre, Entwicklungs- und Kinderrechtsprogramme um mindestens 20 % im Vergleich zu 2024 – für das Jahr 2026.
Aufgrund dieser Kürzungen werden Kinder an völlig vermeidbaren Ursachen sterben – nicht nur durch Mangelernährung, sondern auch durch den Mangel an sauberem Wasser, sicherer Sanitärversorgung und grundlegenden Gesundheitsdiensten. Unzählige weitere Kinder werden keine Bildung erhalten und keinen Zugang zu Programmen haben, die sie vor Schaden und Missbrauch schützen.
Fast jedes Kinder auf der Welt lebt in einer der Konfliktregionen. Dies ergeben jüngste vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, veröffentlichte Daten. 473 Millionen Kinder und Jugendliche (Kinder im Sinne der UNO-Kinderrechtskonvention zählen bis 18 Jahre) sind von kriegerischen Auseinandersetzungen in ihrer Heimat betroffen – bei nicht ganz 2,5 Milliarden Kindern und Jugendlichen weltweit.
„In fast jeder Hinsicht war 2024 eines der schlimmsten Jahre für Kinder in Konfliktsituationen in der 78-jährigen Geschichte von UNICEF – sowohl was die Zahl der betroffenen Kinder als auch die Auswirkungen auf ihr Leben betrifft“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell laut einer ORF-Meldung. Diese 19 Prozent sind ungefähr eine Verdoppelung gegenüber den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. „Die Zahl der Konflikte ist laut Global Peace Index die höchste seit dem Zweiten Weltkrieg“, heißt es laut der schon zitierten ORF-Nachricht.
Dennoch gebe es – der Homepage von Unicef-Österreich zufolge „auch Positives zu vermelden. Bis inklusive Juni 2024 konnte UNICEF unter anderem
Mehr dazu ist auf der Homepage von Unicef-Österreich im Jahresrückblick zu finden, dem auch die hier veröffentlichten Fotos entnommen sind – Link dazu ganz am Ende des Beitrages.
Gleich in der Früh: Der Turnsaal ist zum Großteil mit den bekannten blauen Matten ausgelegt. Fast alle Kinder der Volksschule (192) Kronstorf (OÖ) sitzen, hockerln oder knotzen drauf. Einige ihrer Kolleg:innen stehen auf dem mattenlosen Teil des Turnsaals. Diese leiten an diesem Tag das einmal monatliche Schüler:innen-Parlament.
Auf der Tagesordnung stehen einerseits die Präsentationen einiger wichtiger Kinderrechte in Form von großen handgeschriebenen Plakaten sowie in gesprochenen Sätzen. Die demokratische Vollversammlung aller Kinder dieser Schule findet dieses Mal rund um den internationalen Tag der Kinderrechte – am 20. November 1989 haben (fast) alle Staaten in der Generalversammlung der UNO für die Kinderrechtskonvention gestimmt.
Gleichheit, Gesundheit, Freizeit und Spiel, Gesundheit, kein Ausschluss von Kindern mit Behinderungen… – eine lange Reihe fast quer über die gesamte Breite des Turnsaals zieren die hochgehaltenen Plakate.
Zum anderen greifen jene Kinder, die die Versammlung leiten, Themen auf, die in einem vorherigen Schüler:innen-Parlament aufgeworfen worden sind. Die fallen unter ein gegensätzliches Begriffspaar: Gerecht oder ungerecht. Und werden unter anderem in kleinen Rollenspielen dargestellt. Eine Lehrerin verteilt Zuckerln – aber wie? Eines der Kinder in dieser Reihe kriegt eines, ein anderes zwei, wieder andere vielleicht sogar drei. Und was und wie damit tun? Teilen, weitergeben – aber dennoch haben dann nicht alle mindestens eines.
Die davon ausgelösten Diskussionen werden durch ein weiteres – ausgedachtes, vorgetragenes – Beispiel noch intensiver: Ein Mädchen, das an einem Ausflug gar nicht teilnimmt, weil die Familie eine Tante aus dem Ausland zu Besuch hat, gewinnt aber bei diesem Ausflug ein Skateboard. Irgendwer hat einen Zettel auch mit ihrem Namen in den Los-Topf geworfen. Darf sie’s annehmen oder nicht? Viele melden sich zu Wort. Argumente werden ausgetauscht…
Schließlich kommt ein – ebenfalls vom vorigen Schüler:innenparlament aufgeworfenes Ärgernis zur Sprache: Schlapfen verstecken. Mach offenbar der einen oder dem anderen Spaß – und verärgert natürlich die betroffenen Kinder, die ihre Hausschuhe dann vergeblich suchen. „Das hat wirklich viele aufgeregt“, erklären später Schüler:innen der 3a dem Journalisten von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Gemeinsam mit den Kindern der 4a haben sie den Kinderrechte-Schwerpunkt für das Schüler:innen-Parlament vorbereitet.
Aber schon davor, so Elina, Lisa, Reinwald, Noah, Olivia, Jana, Magdalena, Theo, Johanna, haben sie – und das nicht nur einmal – von Kinderrechten gehört, darüber gelesen und so manches erfahren – in der Schule sowieso. Viele erzählen, dass sie darüber auch zu Hause mit den Eltern, meist nennen sie die Mütter, öfter geredet haben. Das führt mitunter doch zu heftigen Diskussionen, verrät Theo, ob er den Müll raustragen solle und wolle oder nicht.
Für das Parlament habe die Lehrerin „vorgeschlagen, große Zettel zu schreiben“ (Lisa). „Aber alle Kinderrechte konnten wir nicht aufschreiben“, so Noah „und so haben wir darüber geredet, welche uns am wichtigsten sind“, schildert Olivia das weitere Vorgehen – siehe das schon oben Geschriebene.
Die Gesprächspartner:innen für diese Reportage nach dem Schüler:innenparlament in der Klasse berichten auf Nachfragen von KiJuKU.at aber auch noch über einige Wünsche, die sie an die Schule haben und für deren Umsetzung sie sich einsetzen. Jana: „Wir wollten mehr Pflanzen in der Schule, weil’s schön und auch für die Luft gut ist und es gibt jetzt auch mehr.“
Reinwalds Wunsch nach mehr Fußballspielen im Turnunterricht scheint noch nicht ganz so erfüllt, wie es in seinen Worten durchklingt. Ob aus der Wasserballschlacht, die sich Olivia am Ende des Schuljahres wünscht, etwas wird?
Die Kinder hätten aber auch so manche Wünsche an die Grund 3500 Einwohner:innen zählende Gemeinde am südöstlichen Zipfel des Bezirks Linz-Land – nicht weit weg, fast sogar schon zusammengewachsen mit Steyr, aber auch nicht weit weg von Amstetten. Ein Schwimmbad wird öfter genannt. „Aber das wäre schon teuer, der Bürgermeister hat uns das einmal mit dem Beispiel von Eiskugeln erklärt. Wenn nicht genug Geld da ist, können alle vielleicht nur eine Eiskugel und nicht drei haben“, schildern einige Kinder fast im Chor das Bild von begrenzten finanziellen Mitteln.
An die Schule schließt sich derzeit übrigens eine Baustelle an. „Wir kriegen zwei neue Klassen“, erklärt Direktorin Daniela dem Journalisten und die drei Vertreter:innen des Kronstorfer Gemeinderates, die den Besuch aus Wien begleiten, berichten stolz: „Wir sind eine wachsende Gemeinde!“
Die Schule zieren übrigens in der obersten Etage Musiknoten. Die stammen aus der vierten Symphonie von Anton Bruckner, genannt „Die Romantische“. Der Komponist, dessen 200. Wiederkehr seines Geburtstages 2024 landauf landab gefeiert wird, war „Schulgehilfe“ in der Kronstorfer Volksschule, eine Art „Hilfslehrer“ (1843 – 1845). Und sein erleichterter Jubel über die Versetzung von Windhaag (wo er unter schlechten Bedingungen lebte und arbeitete) nach Kronstorf steht groß an der Schulmauer: „… wie im Himmel“. So habe er sich hier gefühlt, wird kolportiert.
Die von der kinderfreundlichen Gemeinde zusammengestellte Tour für den Journalisten führt ein paar Meter weiter zur Zusammenkunft von Kindergartenkindern mit älteren Menschen. In einem der Gebäude von AWIK (Alt werden in Kronstorf), wo ältere Menschen wohnen, backen junge und jüngste Kinder mit den Älteren Weihnachtskekse, walzen den Teig aus, stechen mit metallenen Formen Kekse aus, schon riecht es weihnachtlich – und das noch im November.
Ergänzt wird AWIK übrigens hier auch noch durch BEWIK (Betreut werden in Kronstorf), einer Tagesheimstätte, wo ältere Bewohner:innen nur von 9 bis 16 Uhr ihre Zeit hier verbringen – aber auch sie suchen immer wieder den Kontakt zu Kindern und besuchen im Kindergarten unter anderem Anfang Dezember das alljährliche Krippenspiel.
In fast jedem österreichischem Ort spielt die Freiwillige Feuerwehr eine große Rolle. Nur in wenigen Städten wie Wien werden diese wichtigen Aufgaben von angestellten Feuerwehrleuten ausgeübt. Und so gibt es fast überall auch Kinder und Jugendliche, die zu den Freiwilligen Feuerwehren kommen. Zum einen sind es Treffpunkte für gemeinsame Freizeitaktivitäten und sehr oft auch schon einer spielerischen Vorbereitung auf die spätere gemeinsame Hilfe in der jeweiligen Gemeinde. Das reicht von praktischen Übungen wie Schläuchen auf- und einrollen bis zu vielem Wissenswerten über mögliche Gefahren. Aber auch gemeinsamen Müll-Sammelaktionen oder Zielspritzen. Clemens, der die „Löschzwerge“-Gruppe leitet, der rund zwei Dutzend Kinder bzw. Jugendliche angehören, war selbst schon mit nicht einmal zehn Jahren als Kind bei der FF Kronstorf.
Viele der Kinder und Jugendlichen entscheiden sich dann, ab 16 zur (Grund-)Ausbildung als Feuerwehrfrauen und -Männer für den Echt-Einsatz.
Wenige Meter vom relativ neuen Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr mit seinen Einsatzfahrzeugen und an den Innenwänden großformatigen Fotos von Einsätzen der Mitarbeiter:innen entfernt steht ein umgestalteter Bau-Container mit einer Art Vorgarten. Das ist eine Einrichtung der Offenen Jugendarbeit der Stadt. Stefan, der sich vor ein paar Jahren selbst als Jugendlicher für solch einen Treffpunkt engagiert hat, öffnet für den Reporter die Tür zum – von Jugendlichen selbst gemeinsam innen ausgebauten Container. Jede und jeder der jungen Kronstorfer:innen kann per Whats-App-Meldung den Bedarf für sich und Freund:innen anmelden, kriegt den Zugangs-Code für die Schlüsselbox, um den Container nutzen zu können. Natürlich müssen die Jugendlichen nach ihrer Feier oder anderen Aktivitäten den Raum auch wieder aufräumen, schließlich wollen’s die nächsten ja auch gemütlich haben.
Neben allen möglichen (Beratungs-)Angeboten – Rund um die Uhr, 24 Stunden per Whats App – stellt die von einem Privatunternehmen gestellte Offene Jugendarbeit von Kronstorf und Nachbarsgemeinden aber ein ziemlich einzigartiges Highlight zur Verfügung: Einen großen alten gelben „School Bus“ wie sie vor allem aus Filmen bekannt sind. Der Bus, den uns Sascha, der Leiter der offenen Jugendarbeit in diesem Bezirk, zeigt, ist glich als Party-Bus eingerichtet mit Soundanlage und farbenfrohen Blink-Blink-Lichtern. „Wir bringen damit aber auch Jugendliche am Ende von Festen in anderen Locations nach Hause, so dass sie ja nicht mit Moped oder Auto fahren, nachdem sie was getrunken haben.“
Womit sie noch länger auf der Erde weilen, wennngleich sie und viele der Kinder der Gemeinde sich möglicherweise – wie einst Anton Bruckner – hier vielleicht im Himmel fühlen, weil so manche ihrer Wünsche gehört, berücksichtigt und umgesetzt werden 😉
Compliance-Hinweis: Unicef-Österreich hat die Aufwandskosten für diese Reportage-Reise übernommen
Homepage der Volksschule Kronstorf
Jugendgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Kronstorf
AWIK – Alt werden in Kronstorf
BEWIK -> Betreut werden in Kronstorf
Homepage der Gemeinde Kronstorf
Die Kronstorf-Reportage – kürzer und mit weniger Fotos – auf der Unicef-österreich-site
„Der diesjähriger Kinderjury-Preis geht an einen sehr schönen Film, der uns außergewöhnlich berührt hat. Er entführt uns auf einen anderen Kontinent und zeigt Kinder, die alleine klarkommen müssen. Ein wahrer Frauenpower-Film, in dem Geschlechterklischees keinen Platz haben. Aber auch Jungs spielen eine wichtige Rolle und wachsen letztendlich über sich hinaus.“ So begründeten Agathe, Alma, Keren, Luisa, Mila, Nils und Wenzel, die sieben Mitglieder der diesjährigen Kinderjury, die Entscheidung für den ihrer Meinung nach besten Film – „Fußball am Dach“ (aus China).
Mit den Entscheidungen endete das diesjährige internationale Kinderfilmfestival, das mittlerweile 36.in Wien; in der Steiermark hat das 16. erst am Sonntag begonnen (dauert bis 1. Dezember 2024).
Die Kinderjury hatte aber noch für einen weiteren Film eine „lobende Erwähnung“ parat, für den belgischen Film „Young Hearts“ (Junge Herzen). „Ein herzerwärmender Film mit großartiger Filmmusik über die erste Liebe, die anders verläuft als gedacht. Besonders die Beziehung zwischen Elias und seinem Opa hat uns sehr beeindruckt. Es ist sehr schön, wenn man zu seinen Gefühlen stehen kann“, begründeten die sieben jungen Film-Auskenner:innen ihr Urteil.
Seit vielen Jahren vergibt die Kinderjury auch einen Unicef-Preis. Unicef ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNO). Dieser Preis gebührt immer einem Film, in dem Kinderrechte eine wichtige Rolle spielten. Das Festival findet übrigens immer rund um den internationalen Kinderrechtetag (20. November) statt.
Die Juror:innen wählten für diesen Preis „Lars ist LOL“ (Norwegen) aus. „Lars wird aufgrund seines Down-Syndroms gemobbt und ausgegrenzt und dann sogar von einer Freundin verraten. Ein Film über Freundschaft, Ehrlichkeit und den Mut, zu sich selbst zu stehen. Wir finden es sehr schön, dass sich fast alle Figuren am Ende weiterentwickelt haben und füreinander einstehen“, lautet die Begründung für diese Wahl.
Auch beim Unicef-Preis hatte die Kinderjury eine „lobende Erwähnung“. Und die deckt sich übrigens mit dem Publikumspreis: „Grüße vom Mars“. Während das Publikum natürlich keine Begründung hatte, sondern „nur“ mit Hilfe der Abschnitte der Eintrittskarten abstimmte, lieferte die Kinderjury natürlich auch ein Statement zu ihrer Entscheidung: „Wir konnten uns in den Hauptdarsteller von Grüße vom Mars sehr gut hineinversetzen. Dabei geholfen haben uns die Kamera aus Toms Perspektive, die verstärkenden Geräusche und auch die schauspielerische Leistung. Es hat uns sehr bewegt, in die Welt eines autistischen Jungen einzutauchen und zu sehen, dass seine Familie immer für ihn da ist.“
In diese Rolle hineinzuschlüpfen war übrigens für den 12-jährigen Darsteller Theo Kretschmer, der nicht Autist ist und davor auch keinen Kontakt zu Autist:innen hatte, nicht einfach, wie er in einem Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schilderte – Link dazu unten am Ende des Beitrages.
Alle Preisträgerfilme sind am 1. Dezember nochmals auf der großen Leinwand zu erleben – Details siehe Info-Box.
Seit 35 Jahren gibt es die von der Generalversammlung der UNO beschlossenen Kinderrechte. Zu diesem Jahrestag stellte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, den Bericht „The State of the World’s Children 2024: The Future of Childhood in a Changing World“ (Der Zustand der Kinder in der Welt 2024: Die Zukunft der Kindheit in einer sich verändernden Welt) vor. Und beginnt mit den Mega-Krisen Klima, Umwelt, Ungleichheiten… womit „die Zukunft der Kinder auf dem Spiel steht“.
„Kinder sind bereits heute mit einer Vielzahl an Krisen konfrontiert, von Klimaschocks bis hin zu digitalen Gefahren, und diese werden in den kommenden Jahren noch intensiver“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Die Prognosen dieses Berichts zeigen, dass die Entscheidungen, die die weltweit Regierenden heute treffen – oder nicht treffen – die Welt definieren werden, die Kinder erben werden. Eine bessere Zukunft im Jahr 2050 zu schaffen, erfordert mehr als bloße Vorstellungskraft, es erfordert Handeln. Jahrzehntelange Fortschritte, insbesondere für Mädchen, sind bedroht.“
2023 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war. Laut dem Bericht werden sich in der Dekade von 2050 bis 2059 Klima- und Umweltkrisen weiter verschärfen: Achtmal so viele Kinder werden extremen Hitzewellen ausgesetzt sein, dreimal so viele extremen Flussüberschwemmungen und fast doppelt so viele extremen Waldbränden, verglichen mit den 2000er Jahren.
Ein Kind mit Zugang zu klimaresilientem Wohnraum, Kühlinfrastruktur, Gesundheitsversorgung, Bildung und sauberem Wasser hat eine größere Überlebens-Chance gegenüber klimatischen Erschütterungen im Vergleich zu einem Kind ohne diesen Zugang. Der Bericht unterstreicht die dringende Notwendigkeit zielgerichteter Umweltmaßnahmen zum Schutz aller Kinder und zur Abschwächung der Risiken, denen sie ausgesetzt sind.
Für die 2050er Jahre wird prognostiziert, dass Subsahara-Afrika und Südasien die größten Kinderpopulationen haben werden. Gleichzeitig zeigt sich eine alternde Bevölkerung, da der Anteil der Kinder in allen Weltregionen zurückgehen wird. In Afrika sinkt der Kinderanteil auf unter 40 % – von 50 % in den 2000er Jahren. In Ostasien und Westeuropa fällt er auf unter 17 %, wo Kinder in den 2000er Jahren noch 29 bzw. 20 % der Bevölkerung ausmachten.
Diese demografischen Verschiebungen stellen Herausforderungen dar: Während einige Länder unter Druck stehen, ihre Dienste für große Kinderpopulationen auszubauen, müssen andere die Bedürfnisse einer wachsenden älteren Bevölkerung ausbalancieren.
Der Bericht erkennt an, dass bahnbrechende Technologien – wie künstliche Intelligenz (KI) – sowohl Chancen als auch Gefahren für Kinder bieten, die bereits heute mit KI in Apps, Spielzeug, virtuellen Assistenten, Spielen und Lernsoftware interagieren. Doch die digitale Kluft bleibt stark ausgeprägt: Im Jahr 2024 sind über 95 % der Menschen in Hochlohnländern mit dem Internet verbunden, verglichen mit fast 26 % in Niedriglohnländern.
Der Bericht zeigt auf, dass ein großer Teil der jungen Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen Schwierigkeiten hat, Zugang zu digitalen Kompetenzen zu erhalten, was ihre Fähigkeit beeinflusst, digitale Werkzeuge in der Bildung und an zukünftigen Arbeitsplätzen effektiv und verantwortungsbewusst zu nutzen. Diese Barrieren stehen oft im Zusammenhang mit sozioökonomischen Rahmenbedingungen, Geschlecht, Sprachbarrieren und Zugänglichkeit.
Der Report enthält auch gute Nachrichten. Die Lebenserwartung bei der Geburt wird voraussichtlich steigen. Die Fortschritte im Bildungszugang für Kinder in den letzten 100 Jahren werden ebenfalls voraussichtlich anhalten, und bis in die 2050er Jahre werden fast 96 % der Kinder weltweit mindestens eine Grundschulausbildung erhalten – ein Anstieg von 80 % in den 2000er Jahren. Mit erhöhten Investitionen in Bildung und öffentliche Gesundheit sowie strengeren Umweltvorschriften könnten die Ergebnisse für Kinder deutlich verbessert werden. Beispielsweise würde sich der Geschlechterunterschied im Bildungsniveau verringern und die Exposition gegenüber Umweltgefahren reduziert.
The State of the World’s Children 2024 betont die Bedeutung der Berücksichtigung von Kinderrechten, wie sie in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sind, in allen Strategien, Politiken und Maßnahmen. Der Bericht fordert, den Herausforderungen und Chancen der drei Megatrends zu begegnen, indem:
* in Bildung, Dienstleistungen und nachhaltige und resiliente Städte für Kinder investiert wird;
* Klima-Resilienz in Infrastruktur, Technologie, wichtigen Diensten und sozialen Unterstützungssystemen ausgebaut wird;
* Konnektivität und sicheres Technologie-Design für alle Kinder gewährleistet werden.
Der diesjährige Weltkindertag, der jährlich von Unicef als Aktionstag für Kinder gefeiert wird, steht unter dem Motto „Listen to the Future“. Im Rahmen der Kampagne hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Kinder dazu aufgerufen, Briefe über die Welt zu schreiben, die sie sich im Jahr 2050 wünschen. Antworten kamen aus der ganzen Welt – darunter aus Gaza-Stadt, Haiti und Tansania – und äußern den Wunsch der Kinder, sicher, gesund und gebildet zu sein sowie vor Krieg und Klimakatastrophen geschützt zu werden. In Österreich bat Unicef die 15-jährige Luisa, ihre Gedanken zu äußern und zitierte sie so: „Es ist frustrierend, dass der Klimaschutz immer noch so zögerlich umgesetzt wird, obwohl längst klar ist, was auf dem Spiel steht. Ich möchte in einer Welt leben, in der die Luft frei von jeglichen Schadstoffen ist, Naturkatastrophen nicht zur Normalität werden und keine Tierarten vom Aussterben bedroht sind. Ich möchte in einem Land leben, das Verantwortung übernimmt und konsequent handelt, anstatt die Schuld von sich zu weisen und sich in leeren Versprechungen zu verlieren.“
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… darf den gesamten offenen Brief von Luisa veröffentlichen – in einem eigenen Beitrag hier unten verlinkt
„Der Internationale Tag der Kinderrechte ist ein Moment für die Politik, ihr Engagement für die Rechte und das Wohlergehen jedes Kindes zu zeigen“, sagte Russell. „Wir können eine bessere Zukunft für die Kinder von morgen gestalten, und wir müssen heute damit beginnen.“
„Listen to the Future bedeutet für UNICEF, Kindern und Jugendlichen und ihren Problemen mehr Gehör zu schenken. Die auch in Österreich immer stärker merkbaren Auswirkungen des Klimawandels zeigen uns, Zuhören alleine genügt nicht. Um 2050 einen lebenswerten Planeten für unsere Kinder und Kindeskinder zu haben, müssen wir als globale Gesellschaft nachhaltiger ins Handeln kommen. Entscheidungen zu Klimaschutzmaßnahmen werden regelmäßig vertagt, nicht weniger als die Zukunft unserer Kinder steht auf dem Spiel“, erklärt Christoph Jünger, Geschäftsführer von UNICEF Österreich.
Zu einigen Statements von Kindern bzw. Jugendlichen aus verschiedensten Ecken und Enden der Welt geht es hier
„Überall auf der Welt wirken sich Klimaschocks auf die Gesundheit und Entwicklung von Kindern, ihre Sicherheit und ihren Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen aus. Die Welt tut einfach nicht genug, um Kinder zu schützen“, schreibt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, anlässlich der aktuell laufenden Klimakonferenz COP29 in Baku (Aserbaidschan). Unicef-Vertreter:innen setzen sich – wie andere – bei der Konferenz ein, dass die Bedürfnisse, Rechte und Perspektiven von Kindern in die Klimapolitik, Maßnahmen und Investitionen auf allen Ebenen einbezogen werden.
„Kinder haben ein weiteres Jahr extremer Hitze, verheerender Überschwemmungen und lebensbedrohlicher Dürren und Hurrikans erlebt. Sie tragen die geringste Verantwortung für diese Krisen, aber die größte Last der Folgen“, sagte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Bei COP29 und durch die national festgelegten Beiträge müssen Regierungen die Kinderrechte priorisieren. Kinder müssen in die Lösungen einbezogen werden, und die globalen Führungskräfte müssen Gesundheitsversorgung, Bildung, Wasser- und Sanitärsysteme – Systeme, auf die Kinder angewiesen sind – widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen des Klimawandels machen. Jetzt ist es an der Zeit zu handeln.“
Parteien des Pariser Abkommens haben sich darauf geeinigt, dass bei Klimaschutzmaßnahmen die Rechte von Kindern sowie die Generationengerechtigkeit respektiert, gefördert und berücksichtigt werden sollen. Der „General Comment Nr. 26“ (Allgemeine Kommentar Nr. 26) des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes bekräftigt ebenfalls, dass die Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen müssen, um das Recht der Kinder auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt zu wahren.
„Die heißesten Sommertage scheinen jetzt normal zu sein“, sagte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Die extreme Hitze nimmt zu und beeinträchtigt die Gesundheit, das Wohlbefinden und den Tagesablauf der Kinder.“
Anhand eines Vergleichs zwischen dem Durchschnitt der 1960er Jahre und dem der Jahre 2020 bis 2024 kommt eine Analyse des Kinderhilfswerks der UNO zum Schluss, dass Geschwindigkeit und Ausmaß, in dem extrem heiße Tage – gemessen bei mehr als 35 Grad Celsius – für fast eine halbe Milliarde Kinder weltweit zunehmen. Noch dazu oft in Regionen ohne entsprechender Infrastruktur oder Dienstleistungen um dies zu ertragen.
Die Daten ergeben, dass Kinder in 16 Ländern heute mehr als einen Monat mehr extrem heiße Tage erleben als noch vor sechs Jahrzehnten. Im Südsudan zum Beispiel erleben Kinder in diesem Jahrzehnt im Jahresdurchschnitt 165 extrem heiße Tage im Vergleich zu 110 Tagen in den 1960er Jahren, während die Zahl in Paraguay von 36 auf 71 Tage angestiegen ist. In acht Ländern, darunter Mali, Niger, Senegal, Südsudan und Sudan, leben Kinder, die mehr als die Hälfte des Jahres bei Temperaturen über 35 Grad Celsius verbringen müssen.
In West- und Zentralafrika sind Kinder am stärksten der extremen Hitze ausgesetzt. 123 Millionen Kinder – oder 39 Prozent – erleben heute im Durchschnitt mehr als ein Drittel des Jahres – oder mindestens 95 Tage – Temperaturen über 35 Grad Celsius, und zwar an 212 Tagen in Mali, 202 Tagen in Niger, 198 Tagen im Senegal und 195 Tagen im Sudan. In Lateinamerika und der Karibik leben fast 48 Millionen Kinder in Gebieten, in denen die Zahl der extrem heißen Tage doppelt so hoch ist wie vor knapp mehr als einem halben Jahrhundert.
Hitzestress im Körper, der durch extreme Hitze verursacht wird, stellt eine besondere Bedrohung für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und schwangeren Frauen dar, insbesondere wenn keine kühlenden Maßnahmen zur Verfügung stehen. Er wird mit Schwangerschaftskomplikationen wie chronischen Schwangerschaftskrankheiten und ungünstigen Geburtsergebnissen wie Totgeburten, niedrigem Geburtsgewicht und Frühgeburten in Verbindung gebracht.
Übermäßiger Hitzestress trägt auch zu Unterernährung bei Kindern und nicht übertragbaren Krankheiten wie hitzebedingten Erkrankungen bei und macht Kinder anfälliger für Infektionskrankheiten, die sich bei hohen Temperaturen ausbreiten, wie Malaria und Denguefieber. Es ist erwiesen, dass er sich auch auf die neurologische Entwicklung, die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden auswirkt.
Extreme Hitze hat auch bedenklichere Auswirkungen, wenn sie über längere Zeiträume hinweg auftritt. Während extreme Hitze in allen Ländern weltweit zunimmt, zeigt die Analyse, dass Kinder auch schwereren, längeren und häufigeren Hitzewellen ausgesetzt sind. In mehr als 100 Ländern erlebt mehr als die Hälfte der Kinder heute doppelt so viele Hitzewellen wie vor 60 Jahren. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel sind 36 Millionen Kinder doppelt so vielen Hitzewellen ausgesetzt wie vor 60 Jahren, und 5,7 Millionen sogar viermal so vielen.
„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihr Körper ist viel anfälliger für extreme Hitze. Junge Körper heizen sich schneller auf und kühlen langsamer ab. Extreme Hitze ist für Babys wegen ihrer schnelleren Herzfrequenz besonders riskant, daher sind steigende Temperaturen für Kinder noch alarmierender“, sagt Catherine Russell.
Die Auswirkungen klimabedingter Gefahren auf die Gesundheit von Kindern werden dadurch vervielfacht, dass klimabedingte Gefahren die Lebensmittel- und Wassersicherheit sowie die Verschmutzung beeinträchtigen, die Infrastruktur beschädigen, Dienstleistungen für Kinder, einschließlich Bildung, unterbrechen und zu Vertreibungen führen. Darüber hinaus wird die Schwere dieser Auswirkungen durch die zugrunde liegenden Schwachstellen und Ungleichheiten bestimmt, denen Kinder aufgrund ihres sozioökonomischen Status, ihres Geschlechts, ihres Standorts, ihres bestehenden Gesundheitszustands und des Länderkontexts ausgesetzt sind.
In den kommenden Monaten müssen alle Mitgliedstaaten des Pariser Abkommens neue nationale Klimapläne – Nationally Defined Contributions (NDC 3.0) – vorlegen. Diese Pläne werden den Kurs der Klimapolitik für ein Jahrzehnt festlegen. Sie sind eine zeitlich begrenzte Gelegenheit, konkrete Pläne zur Verwirklichung der Ziele des Pariser Abkommens darzulegen. Unicef ruft Führungskräfte, Regierungen und den privaten Sektor dazu auf, diese Gelegenheit zu nutzen, um dringende und mutige Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen, die das Recht jedes Kindes auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt wahren, indem sie die folgenden Maßnahmen ergreifen:
„Die Regierungen müssen handeln, um den Temperaturanstieg in den Griff zu bekommen, und es gibt eine einzigartige Gelegenheit, dies jetzt zu tun. Da die Regierungen derzeit ihre nationalen Klimaschutzpläne ausarbeiten, können sie dies mit dem Ehrgeiz und dem Wissen tun, dass die Kinder von heute und künftige Generationen in der Welt leben müssen, die sie hinterlassen.“
Die Entfernung zwischen Wien und Khartum ist nur knapp länger als die nach Gran Canaria (3.791,59 zu 3.547,82 Kilometer). Zweitere ist eine bei Tourist:innen beliebte Insel, erstere die Hauptstadt des Sudan. Von der Weltöffentlichkeit kaum beachtet, herrscht seit mehr als einem Jahr in diesem ostafrikanischen Land im Süden Ägyptens Krieg. In dem Lager Zamzam, in dem mittlerweile fast eine halbe Million Menschen Zuflucht gefunden haben (400.000) droht Hungersnot.
Darauf machte das Kinderhilfswerk Unicef Anfang August (2024) aufmerksam. Das Famine Review Committee (FRC) ließ einen Warnruf los, dass im Lager Zamzam eine Hungersnot herrscht. Dies ist übrigens die erste Feststellung einer Hungersnot durch den Ausschuss seit mehr als sieben Jahren und erst das dritte Mal, dass eine Hungersnot festgestellt wurde, seit das Überwachungssystem vor 20 Jahren eingerichtet wurde. Der FRC warnt davor, dass in anderen Teilen des Sudan eine Hungersnot droht, wenn keine konzertierten Maßnahmen ergriffen werden.
Unicef und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) warnen vor der zunehmenden Gefahr für die Menschen im Sudan, insbesondere für die Kinder, wenn die dringende Hilfe für die in Konfliktgebieten wie Darfur, Khartum, Kordofan und Al Jazirah eingeschlossenen Gemeinschaften nicht ankommt. Die Lage ist im ganzen Land nach wie vor kritisch. Schätzungsweise 730.000 Kinder werden in diesem Jahr an schwerer akuter Unterernährung leiden, der lebensbedrohlichsten Form der Mangelernährung.
Der stark eingeschränkte Zugang für humanitäre Hilfe ist eine der Hauptursachen für die Hungersnot in Zamzam. Zwar konnte Unicef im Juli genügend lebensrettende therapeutische Fertignahrung (Ready-to-Use Therapeutic Food, RUTF) zur Behandlung von rund 4.000 akut unterernährten Kindern nach El Fasher liefern, einschließlich einer Zuteilung für das Lager Zamzam, doch der anhaltende Mangel an sicherem Zugang bedeutet, dass der Bedarf weiterhin enorm ist und die weitere Versorgung mit humanitären Hilfsgütern unvorhersehbar ist.
… waren rund 733 Millionen Menschen im Vorjahr (2023) von Hunger bedroht. Das entspricht einem von elf Menschen weltweit und einem von fünf in Afrika, so der jüngste Bericht über den Stand der Ernährungssicherheit in der Welt (State of Food Security and Nutrition in the World, SOFI), der kürzlich von fünf spezialisierten Organisationen der Vereinten Nationen veröffentlicht wurde.
Der Jahresbericht, der dieses Jahr im Rahmen des Ministertreffens der Task Force der Globalen Allianz gegen Hunger und Armut der G20 in Brasilien vorgestellt wurde, warnt davor, dass die Welt das Ziel der nachhaltigen Entwicklung (SDG) 2, keinen Hunger zu haben, bis 2030 deutlich verfehlt. Der Bericht zeigt, dass die Welt um 15 Jahre zurückgeworfen wurde und die Unterernährungsrate mit der von 2008-2009 vergleichbar ist.
Trotz einiger Fortschritte in bestimmten Bereichen, wie z. B. bei der Bekämpfung des Wachstumsmangels und dem ausschließlichen Stillen, ist eine alarmierende Zahl von Menschen weiterhin von Ernährungsunsicherheit und Unterernährung betroffen, da die weltweiten Hungerniveaus drei Jahre in Folge auf einem Plateau verharren.
Die regionalen Trends sind sehr unterschiedlich: Der Anteil der Bevölkerung, der von Hunger betroffen ist, steigt in Afrika weiter an (20,4 %), bleibt in Asien stabil (8,1 %) – obwohl dies immer noch eine große Herausforderung darstellt, da mehr als die Hälfte der weltweit Hungernden in dieser Region leben – und zeigt Fortschritte in Lateinamerika (6,2 %). Von 2022 bis 2023 hat der Hunger in Westasien, der Karibik und den meisten afrikanischen Subregionen zugenommen.
Steigende Temperaturen in Europa und Zentralasien haben im Jahr 2021 für das die Zahlen vorliegen schätzungsweise 377 Kinder das Leben gekostet. Dies ist das Ergebnis einer neuen Analyse von Daten aus 23 Ländern, die vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in der letzten Juli-Woche 2024 veröffentlicht wurde. Der Bericht stellt außerdem fest, dass extreme Hitze bei Kindern und Jugendlichen in der Region den Verlust von mehr als 32.000 gesunden Lebensjahren verursacht hat.
„Beat the heat: child health amid heatwaves in Europe and Central Asia“ (Der Hitze trotzen: Kindergesundheit bei Hitzewellen in Europa und Zentralasien) so der Titel der Analys, zeigt, dass die Hälfte dieser Kinder im ersten Lebensjahr an hitzebedingten Krankheiten starb. Die meisten Kinder starben in den Sommermonaten.
„Etwa die Hälfte der Kinder in Europa und Zentralasien – oder 92 Millionen Kinder – sind bereits häufigen Hitzewellen ausgesetzt, und das in einer Region, in der die Temperaturen weltweit am schnellsten ansteigen. Die immer höheren Temperaturen können bei Kindern, vor allem bei den Kleinsten, schon nach kurzer Zeit zu ernsten gesundheitlichen Komplikationen führen. Wenn sie nicht behandelt werden, können diese Komplikationen lebensbedrohlich sein“, sagte Regina De Dominicis, UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien.
Hitzeeinwirkung hat akute Auswirkungen auf Kinder, noch bevor sie geboren werden, und kann zu Frühgeburten, niedrigem Geburtsgewicht, Totgeburten und angeborenen Anomalien führen. Hitzestress ist eine direkte Ursache für Säuglingssterblichkeit, kann das Wachstum von Säuglingen beeinträchtigen und eine Reihe von Kinderkrankheiten verursachen. Der Bericht stellt außerdem fest, dass extreme Hitze bei Kindern und Jugendlichen in der Region den Verlust von mehr als 32.000 gesunden Lebensjahren verursacht hat.
Da die Temperaturen weiter steigen, fordert UNICEF die Regierungen in ganz Europa und Zentralasien dringend auf, Strategien zur Verringerung der Auswirkungen von Hitzewellen zu integrieren, u.a. durch
UNICEF arbeitet mit Regierungen, Partnerorganisationen und Gemeinden in der gesamten Region zusammen, um die Widerstandsfähigkeit gegen Hitzewellen zu stärken. Dazu gehört, Lehrer:innen, Gesundheitshelfer:innen und Familien die Fähigkeiten und das Wissen zu vermitteln, um auf Hitzestress reagieren zu können.
Seit der Corona-Pandemie sind die Durch-Impfungsraten auch bei vielen anderen (Kinder-)Krankheiten stark zurückgegangen. Und nach wie vor – auch bei den Covid-Impfungen gibt es einen tiefen Graben zwischen globalem Norden und Süden. Dies ist das zahlenmäßige Ergebnis einer Untersuchung von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef.
Mitte Juli veröffentlichten sie Schätzungen, die auf den von den Ländern gemeldeten Daten zu Impfungen gegen 14 Krankheiten aufbauen, die im Rahmen der regulären Gesundheitssysteme verabreicht werden – normalerweise in Kliniken, Gemeindezentren, aufsuchenden Diensten oder bei Besuchen von Gesundheitspersonal. Für das Jahr 2023 wurden Daten aus 185 Ländern zur Verfügung gestellt. Demnach stagniert der weltweite Durchimpfungsgrad bei Kindern im Vorjahr (2023), so dass im Vergleich zum Stand vor der Pandemie im Jahr 2019 2,7 Millionen zusätzliche Kinder nicht oder nur unzureichend geimpft sind.
Die Zahl der Kinder, die im Jahr 2023 drei Dosen des Impfstoffs gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP) erhalten haben – ein wichtiger Indikator für die weltweite Durchimpfung – lag bei 84 % (108 Millionen). Die Zahl der Kinder, die keine einzige Dosis des Impfstoffs erhalten haben, stieg jedoch von 13,9 Millionen im Jahr 2022 auf 14,5 Millionen im Jahr 2023. Darüber hinaus haben 6,5 Millionen Kinder ihre dritte Dosis des DTP-Impfstoffs nicht erhalten, der für den Schutz vor Krankheiten im Säuglings- und Kleinkindalter erforderlich ist.
Diese Trends, die zeigen, dass die weltweite Durchimpfungsrate seit 2022 weitgehend unverändert geblieben ist und – was noch alarmierender ist – noch immer nicht wieder das Niveau von 2019 erreicht hat, spiegeln die anhaltenden Herausforderungen wider, die mit Unterbrechungen der Gesundheitsversorgung, logistischen Herausforderungen, Impfstoffzurückhaltung und ungleichem Zugang zu Dienstleistungen verbunden sind. Die Daten zeigen auch, dass die Impfquoten gegen die tödliche Masernerkrankung ins Stocken geraten sind, so dass fast 35 Millionen Kinder nicht oder nur teilweise geschützt sind.
Im Vorjahr erhielten nur 83 % der Kinder weltweit ihre erste Dosis des Masernimpfstoffs im Rahmen der routinemäßigen Gesundheitsversorgung, während die Zahl der Kinder, die ihre zweite Dosis erhielten, im Vergleich zum Vorjahr geringfügig anstieg und 74 % der Kinder erreichte. Diese Zahlen reichen nicht aus, um eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent zu erreichen, die notwendig ist, um Ausbrüche zu verhindern, unnötige Krankheiten und Todesfälle zu vermeiden und die Ziele der Maserneliminierung zu erreichen.
In den vergangenen fünf Jahren wurden 103 Länder von Masernausbrüchen heimgesucht, in denen etwa drei Viertel der Kleinkinder der Welt leben. Eine niedrige Durchimpfungsrate (80 % oder weniger) war ein wichtiger Faktor. In 91 Ländern mit einer hohen Durchimpfungsrate kam es dagegen zu keinen Ausbrüchen.
„Masernausbrüche sind der Vorbote, der Lücken im Impfschutz aufdeckt und ausnutzt und die Schwächsten zuerst trifft“, sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Generaldirektor. „Dies ist ein lösbares Problem. Der Masernimpfstoff ist billig und kann selbst an den schwierigsten Orten verabreicht werden. Die WHO ist entschlossen, mit allen ihren Partnern zusammenzuarbeiten, um die Länder dabei zu unterstützen, diese Lücken zu schließen und die am meisten gefährdeten Kinder so schnell wie möglich zu schützen.“
Mehr als die Hälfte der nicht geimpften Kinder lebt in den 31 Ländern mit fragilen, konfliktbetroffenen und gefährdeten Verhältnissen, in denen Kinder aufgrund von Unterbrechungen und fehlendem Zugang zu Sicherheits-, Ernährungs- und Gesundheitsdiensten besonders anfällig für vermeidbare Krankheiten sind.
Die neuen Daten zeigen auch einige positive Beispiele bei der Durchimpfungsrate. Durch die kontinuierliche Einführung neuer und bisher wenig genutzter Impfstoffe, u. a. gegen humane Papillomviren (HPV), Meningitis, Pneumokokken, Polio und Rotaviren, wird der Impfschutz weiter ausgebaut, insbesondere in den 57 Ländern, die von Gavi, der Vaccine Alliance, unterstützt werden.
So ist beispielsweise der Anteil der jugendlichen Mädchen, die weltweit mindestens eine Dosis des HPV-Impfstoffs erhalten haben, der vor Gebärmutterhalskrebs schützt, von 20 % im Jahr 2022 auf 27 % im Jahr 2023 gestiegen. Dies ist vor allem auf die starke Einführung in den von Gavi unterstützten Ländern wie Bangladesch, Indonesien und Nigeria zurückzuführen. Die Verwendung des HPV-Impfschemas mit nur einer Dosis trug ebenfalls dazu bei, die Durchimpfungsrate zu erhöhen.
„Der HPV-Impfstoff ist einer der wirksamsten Impfstoffe im Portfolio von Gavi, und es ist unglaublich ermutigend, dass er jetzt mehr Mädchen erreicht als je zuvor“, sagte Dr. Sania Nishtar, CEO von Gavi, der Vaccine Alliance. „Da die Impfstoffe nun für mehr als 50 % der in Frage kommenden Mädchen in afrikanischen Ländern zur Verfügung stehen, bleibt noch viel zu tun, aber wir können heute sehen, dass wir einen klaren Weg zur Ausrottung dieser schrecklichen Krankheit haben.“
Die Durchimpfungsrate gegen HPV liegt jedoch weit unter dem Ziel von 90 %, um Gebärmutterhalskrebs als Problem der öffentlichen Gesundheit zu beseitigen. In Ländern mit hohem Einkommen werden nur 56 % der jugendlichen Mädchen geimpft, in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen 23 %.
Eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter mehr als 400.000 Nutzerinnen und Nutzern der digitalen UNICEF-Plattform für junge Menschen, U-Report, ergab, dass mehr als 3/4 nicht wissen oder nicht sicher sind, was HPV ist, was die Notwendigkeit einer besseren Zugänglichkeit von Impfstoffen und einer stärkeren Sensibilisierung der Öffentlichkeit unterstreicht. Als sie über das Virus, seinen Zusammenhang mit Krebserkrankungen und die Existenz eines Impfstoffs informiert wurden, gaben 52 % der Befragten an, dass sie den HPV-Impfstoff erhalten möchten, aber durch finanzielle Einschränkungen (41 %) und mangelnde Verfügbarkeit (34 %) daran gehindert werden.
Während in einigen Regionen, einschließlich der afrikanischen Region und der Länder mit niedrigem Einkommen, bescheidene Fortschritte zu verzeichnen sind, machen die jüngsten Schätzungen deutlich, dass die Anstrengungen beschleunigt werden müssen, um die Ziele der Immunisierungsagenda 2030 (IA2030) zu erreichen, nämlich eine Impfquote von 90 % und nicht mehr als 6,5 Millionen Kinder ohne Impfung weltweit bis 2030.
Der IA2030-Partnerschaftsrat ruft zu verstärkten Investitionen in Innovation und kontinuierliche Zusammenarbeit auf. Der Rat empfiehlt den Partnern außerdem, die Führungsrolle der Länder bei der Verbesserung der Routineimpfungen im Rahmen ihrer integrierten Programme für die medizinische Grundversorgung stärker zu unterstützen, und zwar mit solider politischer Unterstützung, kommunaler Führung und nachhaltiger Finanzierung.
„Die neuesten Trends zeigen, dass in vielen Ländern weiterhin viel zu viele Kinder nicht geimpft werden“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Um die Impflücke zu schließen, bedarf es einer globalen Anstrengung, bei der Regierungen, Partner und lokale Entscheidungsträger in die medizinische Grundversorgung und in die Gemeindearbeiter investieren, um sicherzustellen, dass jedes Kind geimpft wird und dass die Gesundheitsversorgung insgesamt gestärkt wird.“
1, 2, 3, 4, 5, 6 – und schon wieder ist ein Kind gestorben, bevor es seinen fünften Geburtstag erreicht hat. Zwar hat die Kindersterblichkeit 2022 – für das kürzlich die Zahlen veröffentlicht worden sind – den Tiefststand erreicht, aber fast fünf Millionen Kinder überlebten ihre ersten fünf Lebensjahr nicht. Und diese auch meist sehr unwürdig – unterernährt, in Angst und Schrecken vor Kriegen… Die jüngsten Zahlen wurden kürzlich von der Interinstitutionellen Gruppe der Vereinten Nationen für die Schätzung der Kindersterblichkeit (Inter-agency Group for Child Mortality Estimation, UN IGME) veröffentlicht.
„Hinter diesen Zahlen verbergen sich die Geschichten von Hebammen und qualifiziertem Gesundheitspersonal, die Müttern helfen, ihre Neugeborenen sicher zur Welt zu bringen, von Gesundheitshelferinnern und -helfern, die Kinder impfen und vor tödlichen Krankheiten schützen, und von Gesundheitspersonal in den Gemeinden, die Hausbesuche machen, um Familien zu unterstützen und die richtige Gesundheits- und Ernährungsversorgung für Kinder sicherzustellen“, sagte die Exekutivdirektorin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Unicef, Catherine Russell. „Durch jahrzehntelanges Engagement von Einzelpersonen, Gemeinschaften und Nationen, um Kinder mit kostengünstigen, hochwertigen und wirksamen Gesundheitsdiensten zu erreichen, haben wir gezeigt, dass wir das Wissen und die Mittel haben, um Leben zu retten.“
Aus dem Bericht geht hervor, dass heute mehr Kinder überleben als je zuvor, denn die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren ist seit dem Jahr 2000 weltweit um 51 Prozent gesunken. Mehrere Länder mit niedrigem und niedrigem mittlerem Einkommen haben diesen Rückgang übertroffen. Das zeigt, dass Fortschritte möglich sind, wenn ausreichend Ressourcen für die medizinische Grundversorgung, einschließlich der Gesundheit und des Wohlbefindens von Kindern, bereitgestellt werden. Die Ergebnisse zeigen beispielsweise, dass Kambodscha, Malawi, die Mongolei und Ruanda die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren seit 2000 um über 75 Prozent gesenkt haben.
Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass trotz dieser Fortschritte noch ein langer Weg vor uns liegt, um alle vermeidbaren Todesfälle bei Kindern und Jugendlichen zu beenden. Zusätzlich zu den 4,9 Millionen Todesfällen vor dem fünften Lebensjahr – fast die Hälfte davon waren Neugeborene – wurden weitere 2,1 Millionen Kinder und Jugendliche in dem Alter zwischen fünf und 24 Jahren aus dem Leben gerissen. Die meisten dieser Todesfälle ereigneten sich in Afrika südlich der Sahara und in Südasien.
Diese tragischen Todesfälle sind in erster Linie auf vermeidbare Ursachen oder behandelbare Krankheiten zurückzuführen, wie Frühgeburten, Komplikationen während der Geburt, Lungenentzündungen, Durchfallerkrankungen und Malaria. Viele Leben hätten gerettet werden können durch einen besseren Zugang zu einer hochwertigen medizinischen Grundversorgung, einschließlich der wichtigsten, kostengünstigen Maßnahmen wie Impfungen, Verfügbarkeit von qualifiziertem Gesundheitspersonal bei der Geburt, Unterstützung für frühes und kontinuierliches Stillen sowie Diagnosen und Behandlungen von Kinderkrankheiten.
„Auch wenn es begrüßenswerte Fortschritte gibt, leiden jedes Jahr noch immer Millionen Familien unter dem erschütternden Verlust eines Kindes, oft schon in den ersten Tagen nach der Geburt“, sagt WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Wo ein Kind geboren wird, sollte nicht darüber entscheiden, ob es leben oder sterben wird. Es ist von entscheidender Bedeutung, den Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung für jede Frau und jedes Kind zu verbessern, auch in Notfällen und in abgelegenen Gebieten.“
Die Verbesserung des Zugangs zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsdiensten und die Rettung von Kindern vor vermeidbaren Todesfällen erfordert Investitionen in Bildung, Arbeitsplätze und menschenwürdige Arbeitsbedingungen für das Gesundheitspersonal, das die medizinische Grundversorgung sicherstellt, einschließlich der Gesundheitshelfer:innen in den Gemeinden.
Als vertrauenswürdige Gemeindemitglieder spielen die Gesundheitshelfer:innen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Kinder und Familien in jeder Gemeinde mit lebensrettenden Gesundheitsdiensten wie Impfungen, Tests und Medikamenten gegen tödliche, aber behandelbare Krankheiten sowie Ernährungsberatung zu erreichen. Sie sollten in die Systeme der primären Gesundheitsversorgung integriert, fair bezahlt, gut ausgebildet und mit den Mitteln ausgestattet werden, die für eine qualitativ hochwertige Versorgung erforderlich sind.
Studien zeigen, dass die Zahl der Todesfälle bei Kindern in den Ländern mit dem höchsten Risiko erheblich zurückgehen könnte, wenn gemeindebasierte Überlebensmaßnahmen die Hilfsbedürftigen erreichten. Allein mit diesem Maßnahmenpaket könnten Millionen Kinder gerettet werden und die Versorgung würde näher am Wohnort erfolgen. Um die Gesundheit und Überlebensrate von Kindern zu verbessern, bedarf es einer ganzheitlichen Vorgehensweise gegen Kinderkrankheiten – insbesondere gegen die häufigsten Ursachen für Todesfälle nach der Geburt, akute Atemwegsinfektionen, Durchfälle und Malaria.
„Der diesjährige Bericht ist ein wichtiger Meilenstein, der zeigt, dass weniger Kinder vor ihrem fünften Geburtstag sterben,“ sagt Dr. Juan Pablo Uribe, Globaler Direktor für Gesundheit, Ernährung und Bevölkerung, Weltbank & Direktor der Globalen Finanzierungseinrichtung für Frauen, Kinder und Jugendliche. „Aber das ist einfach nicht genug. Wir müssen den Fortschritt durch mehr Investitionen, Zusammenarbeit und Konzentration beschleunigen, um dem vermeidbaren Tod von Kindern ein Ende zu setzen und unsere globale Verpflichtung zu erfüllen. Wir sind es allen Kindern schuldig, dafür zu sorgen, dass sie Zugang zu derselben Gesundheitsversorgung und gleiche Chancen haben, unabhängig davon, wo sie geboren wurden.“
Während die globalen Zahlen erfreuliche Anzeichen für Fortschritte zeigen, gibt es auch erhebliche Bedrohungen und Ungleichheiten, die das Überleben von Kindern in vielen Teilen der Welt gefährden. Zu diesen Bedrohungen gehören: die zunehmende Ungleichheit und wirtschaftliche Instabilität, neue und langwierige Konflikte, die sich verschärfenden Auswirkungen des Klimawandels und die Folgen von COVID-19, die zu einer Stagnation oder sogar zu einer Umkehrung der Fortschritte und zu weiteren unnötigen Verlusten von Kinderleben führen könnten. Bei Kindern aus den ärmsten Haushalten ist die Wahrscheinlichkeit, vor dem fünften Lebensjahr zu sterben, doppelt so hoch wie bei Kindern aus den wohlhabendsten Haushalten. Bei Kindern, die in fragilen oder von Konflikten betroffenen Gebieten leben, ist die Wahrscheinlichkeit, vor ihrem fünften Geburtstag zu sterben, fast dreimal so hoch wie bei Kindern in anderen Regionen.
Bei den derzeitigen Raten werden 59 Länder das Nachhaltige Entwicklungsziel für die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren und 64 Länder das Ziel für die Neugeborenen-Sterblichkeit verfehlen. Das bedeutet, dass bis 2030 schätzungsweise 35 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag sterben werden – eine Todesrate, die größtenteils von Familien in Afrika südlich der Sahara und in Südasien oder in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen getragen wird.
„Unsere Welt ist kunterbunt
und jeder ist froh und gesund
im Körper und im Geiste.
Wir wissen auch das meiste.
Ein jeder hat den anderen gern,
egal ob Nachbar oder fern.
Ob dünn, ob dick, ob breit, ob schmal,
schwarz, weiß, rot, gelb ist ganz egal.
Ob lesbisch, hetero oder schwul
wir finden wirklich jeden cool.
Nahrung ist für alle da:
Das ist doch wirklich wunderbar.
Das wäre unsere ideale Welt,
So wie sie uns sehr gut gefällt.“
Dieses Gedicht – handgeschrieben und jedes Wort in einem bunt umrandeten Feld, dazu noch gemalte Bilder der Weltkugel, eine Waage im Gleichgewicht, eines Kindes im Rollstuhl mit einem Teddybären in den Armen, einem fröhlich tanzenden einarmigen Mädchen und etlichen Hashtags, die für Gender-Gerechtigkeit, Menschenrechte, gegen Diskriminierung usw. stehen … – mit dieser Zeichnung plus Gedicht reihte sich die 13-jährige Cora in Lieste der Gewinner:innen der dritten Auflage des Kreativbewerbs „Denk dir die Welt“ der Österreich-Sektion des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Unicef, ein. Sie belegte den dritten Platz in der Altersgruppe der 11- bis 13-Jährigen.
„Ich wünsche mir Frieden – für immer und für alle. Manchmal bekomme ich Angst, wenn ich Nachrichten vom Krieg höre. Das muss aufhören!“
Corinna, 12 Jahre
Buntheit und Vielfalt dominierten viele Bilder. Sabrina (16), die mit „Meine Welt“ den zweiten Platz in ihrer Altersgruppe (14 – 17) belegte, erklärte auf der Bühne ihr Anliegen so: „Mein Bild ist ein farbliches Durcheinander“ – auf die Zwischenbemerkung der Moderatorin „das macht nix“, meinte die Jugendliche aber „das ist ja genau der Sinn, weil unsere Gesellschaft ist eben ein gemischtes Durcheinander. Es ist eben jede und jeder anders…“ Außerdem habe sie bewusst keine Ländergrenzen auf ihrer Weltkarte eingezeichnet. Es sei eben eine Welt und mit ihrem Bild wolle sie bestärken, „dass wir alle zusammenhalten sollen“.
Die Bilder aller jeweils fünf Gewinner:innen in den vier Altersgruppen – sowie Screenshots der jeweils vier Text- bzw. Video-Gewinner:innen sind hier auf dieser Seite in Bilder-Galerien veröffentlicht.
Die vier von der Jury ausgezeichneten Texte hier als Fotos, den Text des Siegers, Sebastian Knap (14), darf Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… in voller Länge – leichter als hier unten lesbar – veröffentlichen; der Übersichtlichkeit wegen in einem eigenen Beitrag, der weiter unten verlinkt ist.
Hier geht’s zum besser lesbaren Text „Club der Außenseiter“ von Sebastian Knap (14)
Noch viel mehr als die prämierten Werke – wie immer fiel die Auswahl sehr schwer (KiJuKU war auch Teil der Jury) – gibt es im Ideen-Katalog von Unicef, nämlich 126 Bilder bzw. Texte. Die ersten gedruckten Exemplare wurden am Freitag (25. November 2023) bei der Gala in der Erste-Bank-Hall, wo die besten der jungen Kreativen ausgezeichnet wurden, überreicht. Und diesen Katalog mit … Arbeiten gibt es auch online – bei den Screenshots aus den Videos jeweils dabei ein QR-Code, der zum jeweiligen Video führt.
„Ich bin zu schüchtern, um meine Wünsche laut rauszuschreien. Durchs Zeichnen konnte ich zeigen, was mir wichtig ist. Es war sehr schön dabei sein zu können! Es ist gut, dass Erwachsene auch mal auf Kinder hören!“
Nico, 8 Jahre
In der Jury, die aus allen – analog und digital – eingesandten Arbeiten die Top-Werke aussuchte, waren übrigens erstmals Kinder und Jugendliche aus allen vier Alterskategorien: Nico (8), Jakob (11), Luisa (13) und Nusaiba (17). Diese vier hatten zuvor bei der zweiten Ausgabe des Bewerbs Top-Plätze belegt. Kinder und Jugendliche waren auch Teil der beiden Diskussionsrunden zu „Frieden & ein gutes Miteinander“ sowie über „Klima- und Umweltschutz“. In Letzterer, in der auch die Umweltministerin Leonore Gewessler saß, verlangten vor allem die beiden Jugend-Delegierten bei der diese Woche in Dubai beginnenden 28. Welt-Klimakonferenz (COP – Convention on Climate Change) Jasmin Lang und David Jablonski, dass auch Österreich im Umweltbereich „seine Hausaufgaben“ machen muss. Immerhin warten alle seit mehr als 1000 Tagen auf ein Klimaschutzgesetz.
„Dass keine Papas und Kinder in den Krieg ziehen müssen, und andere auch nicht. Keine Kriege mehr und, dass der Frieden zurückkehrt.“
Michael, 12 Jahre
Klima- und Umweltschutz waren auch die meisten der Einsendungen gewidmet, gefolgt von Frieden & gutem Miteinander; Freundschaft, Zusammenhalt, Familie und Solidarität. Viele der Werke – ob in Bildern, Texten oder Videos durchzog auch der Wunsch, dass alle Menschen gleichwertig behandelt, niemand diskriminiert und ausgegrenzt wird. Und dabei gehe es um Chancen-Gerechtigkeit und nicht (nur) Gleichheit. Am besten drückten das ein Vergleichsbild aus, für das Muhammed Amir, Ahmad und Ismael aus einer Flüchtlingsunterkunft des Roten Kreuzes Anleihe bei einem bekannten Cartoon genommen haben. Unterstützt vom Graffitikünstler Manuel Skirl malten sie auf dem rechten Bild drei unterschiedlich große Menschen auf gleich hohen Kisten, die über eine Bretterwand schauen wollen. Und die drei gleichen Menschen – der Größte braucht gar keine Kist, der kleinste Mensch steht dafür auf zwei Kisten und kann auch drüber schauen!
Zu diesem Thema meinte vor allem Lisa Wolfsegger von der asylkoordination, dass endlich in Österreich alle Kinder und Jugendlichen gleichbehandelt werden sollten – also auch jene, die hier ihre Zuflucht finden. Wofür es besonders starken Applaus gab.
Kräftigen Beifall gab es auch für Yara-Lucia (9) und die gleichaltrige Amira, die ihre Songs aus ihren Videos live auf der Bühne performten. Musikalisch wurde übrigens auch eröffnet, von drei Sängerinnen mit dem Song „Past-Self“ aus dem Projekt „Demokratie, was geht?“
Mark ging los. Er ließ den Kopf hängen. Mark war ein schlaksiger Junge von 11 Jahren. Er hatte blondes Haar, eine kleine Stupsnase und viele Sommersprossen im Gesicht. Er sah sich um. Er sah Kinder aus seiner Schule, sie gingen zu zweit oder zu dritt und redeten miteinander. Aber ein paar gingen auch alleine. Mark wusste, sie trafen ihre Freunde in der Schule. Er nicht. Er seufzte und ging weiter. Sein bester Freund war vor drei Monaten weggezogen. Er hatte keinen Kontakt mehr zu ihm, da dieser kein Handy hatte und Mark seine Adresse nicht kannte.
Er ging ins Schulgebäude und setzte sich auf seinen Platz. Der Einzeltisch ganz hinten im Eck. „Oh nein.“, dachte er. „Da kommt Leo.“ Leo mobbte ihn andauernd. Mark zog den Kopf ein, doch es war schon zu spät. Leo hatte ihn bereits entdeckt. Er kam direkt auf Mark zu. Mark sah ihn an. Leo grinste. „Nanu Nana, wen haben wir den da? Ist das nicht unser lieber Freund Mark? Was machst du denn schon so früh in der Schule?“, fragte Leo hämisch.
„Ich wollte nur schon mal etwas lesen.“, meinte Mark. „Und was?“, fragte Leo immer noch grinsend. Mark war sich nicht sicher, was er sagen sollte, also holte er sein Buch hervor. „Leben in der Hölle Teil 5, Der letzte Schritt zum Guten.“ Kurz sagte keiner etwas. Dann lachte Leo los. „Hahahaha! Leben in der Hölle, so ziemlich die bekloppteste Buchreihe der Welt. Hahahaha!“
„Ich finde sie toll“, meinte Mark.
„Guten morgen liebe Schüler.“ Der Lehrer kam herein. Schnell setzte Leo sich auf seinen Platz. Mark seufzte erleichtert.
Nach der Schule ging er an der Infowand vorbei und dabei stach ihm ein Wort ins Auge: „Außenseiter.“ Er las sich alles durch: Club der Außenseiter. Du bist allein und möchtest es nicht mehr sein? Dann komm doch heute um 15:00 Uhr zum Rathaus Eingang 5 hinten. Wir reden über dich, deine Gefühle und laden andere Kinder ein, mit denen du dich anfreunden kannst. Das Rathaus.
Mark sah auf die Uhr. „Um Himmelswillen, ich muss mich beeilen.“ Er lief nach Hause und aß etwas zu Mittag. Dann erzählte er seinen Eltern von dem Aushang. Er durfte hingehen. Auf dem Weg wurde er immer nervöser. Er war sich sicher: „Ich bin doch der einzige Außenseiter der Gemeinde. Als er beim Rathaus ankam, sah er niemanden bei der Tür stehen. Er ging hinein, und konnte nicht glauben, was er da sah. 10 bis 15 andere Kinder saßen da, darunter sogar Leo. Mark war sich sicher, dass er eingeladen wurde. Mark setzte sich auf einen freien Sessel.
Kurz darauf kam eine Frau in den Raum. „Hallo, schon das ihr alle da seid. Ich bin Jasmin, ihr könnt ruhig du zu mir sagen.“ Keiner sagte etwas. Jasmin fuhr fort. „Na dann erzählt doch mal von euch. Ach ja, wir haben heute noch einen Gast. Hab ich ja voll vergessen. Lukas, sagst du mal hallo?“
Mark stutzte. Lukas? Nicht Leo? Ein Junge erhob sich. Er hatte braunes, wuscheliges Haar, große Augen und einen schmalen Mund. „Hi Leute. Ich hätte echt nicht gedacht, dass es so viele Außenseiter oder Leute, die sich alleine fühlen gibt. Ich hoffe, dass ihr alle Freunde finden könnt.“
Er setzte sich wieder hin. Jasmin ergriff wieder das Wort. „Danke Lukas. Ich würde sagen, wir machen zuerst etwas in der Gruppe. Erzählt ein bisschen von euch.“ Die Gruppenübung war super. Jasmin teilte anschließend alle in zweiergruppen ein. Mark war mit Leo in einer Gruppe.
Mark stutzte. Leo war gar nicht mehr der große Leo aus der Schule. Er sah ganz anders aus. Irgendwie klein und schwach. Mark beschloss, mit ihm zu reden. „Hi Leo, alles gut?“
„Ne.“ Leo sah richtig traurig aus. Die zwei setzten sich hin. „In der Schule wollen die alle doch nur etwas mit mir zu tun haben, weil meine Mutter eine berühmte Sängerin ist. Und mein Vater ist vor einem Jahr bei einem Unfall gestorben. Ich versuche einfach nur meine Trauer zu überspielen. Dabei verletze ich nur andere. Ich wollte einfach nur echte Freunde. Und ich komme einfach nicht mehr dazu „Leben in der Hölle“ zu lesen, weil alle ständig etwas mit mir machen wollen.“
„Leben in der Hölle? Ich dachte du magst diese Buchreihe nicht?“, fragte Mark verwirrt.
„Bist du verrückt? „Leben in der Hölle“ ist die beste Buchreihe die ich je gesehen habe. Ich habe die ersten Bände förmlich verschlungen.“
„Ich auch. Es ist einfach so spannend.“
„Vielleicht haben wir ja doch viel gemeinsam.“
„Ja“, meinte Mark nachdenklich.
„Freunde?“ Leo hielt ihm die Hand hin. Mark war überrascht, aber auch überglücklich. „Freunde.“ Mark schlug ein. Und fortan ging er nicht mehr alleine zur Schule. Er saß auch nicht mehr alleine im Eck. Er hatte seinen Tisch zu Leo geschoben. Denn jetzt, hat Mark endlich einen Freund.
ENDE
Diese Geschichte soll zeigen, dass selbst die härteste Nuss einen weichen Kern hat. Es gibt viele Außenseiter in dieser Welt, vielleicht würde ihnen so ein Club in der Gemeinde helfen, Freunde zu finden.
Angenommen du gehst in eine doch recht große Schule sagen wir mit ungefähr 30 Klassen, die alle jeweils von durchschnittlich 23 Kindern bzw. Jugendlichen besucht werden, dann kommst du auf eine Zahl von rund 700. Genau so viele Kinder wurden in den vergangenen Wochen seit Ausbruch neuer Konflikte im Sudan vertrieben – nicht insgesamt, sondern Stunde für Stunde, durch fast zwei Monate hindurch. Zwei Millionen Kinder mussten ihre Heimat verlassen, wurden vertrieben. Der Großteil musste in andere Landesteile flüchten, fast eine halbe Million sogar über die Grenze in Nachbarländer.
„Wir hören unvorstellbare Geschichten von Kindern und Familien, von denen einige alles verloren haben und mit ansehen mussten, wie ihre Angehörigen vor ihren Augen starben. Wir haben es schon einmal gesagt, und wir sagen es erneut: Wir brauchen jetzt Frieden, damit die Kinder überleben können.“ Das sagte kürzlich Mandeep O’Brien vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Er ist der Unicef-Länderbeauftragter im Sudan.
Aber nicht nur die geflüchteten Kinder und Jugendlichen, insgesamt fast 14 Millionen Kinder (eineinhalb Mal so viele wie ganz Österreich Einwohner:innen hat; Sudans Bevölkerung zählt fast 47 Millionen Menschen) brauchen dringend humanitäre Hilfe. Viele von ihnen sind täglich vielfältigen Bedrohungen und schrecklichen Erfahrungen ausgesetzt. Abgesehen von Konfliktherden wie Darfur und Khartum haben sich die schweren Kämpfe inzwischen auch auf andere bewohnte Gebiete ausgeweitet, unter anderem in Süd- und Westkordofan, wodurch die Bereitstellung lebensrettender Dienste für die enorm Bedürftigen und der Zugang zu diesen eingeschränkt werden.
Es wird geschätzt, dass zwischen Juli und September des heurigen Jahres 20,3 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen sind, was den Gesundheits- und Ernährungszustand von fast 10 Millionen Kindern weiter verschlechtert.
Mit dem Beginn der Regenzeit wurden viele Häuser durch Überschwemmungen zerstört, was dazu führte, dass immer mehr Familien aus ihren Gebieten flohen. Außerdem ist das Risiko des Ausbruchs von Krankheiten wie Cholera, Dengue, Rifttalfieber und Chikungunya-Fieber während der Regenzeit deutlich höher. Derzeit haben mehr als 9,4 Millionen Kinder im Sudan keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und 3,4 Millionen Kinder unter 5 Jahren sind stark gefährdet, an Durchfallerkrankungen und Cholera zu erkranken.
Die Gewalt behindert nach wie vor die Bereitstellung von Gesundheits- und Ernährungsdiensten, wodurch Millionen Kinder gefährdet sind. In Khartum sowie in den Regionen Darfur und Kordofan sind weniger als ein Drittel der Gesundheitseinrichtungen voll funktionsfähig. Unsicherheit und Vertreibung hindern Patient:innen und medizinisches Personal daran, Krankenhäuser zu erreichen, und viele Einrichtungen wurden Berichten zufolge angegriffen und zerstört.
Die Gesundheitssysteme in den anderen elf Bundesstaaten sind aufgrund der massiven Vertreibung der Bevölkerung aus den Krisengebieten in die weniger betroffenen Bundesstaaten überfordert. Nach Angaben von UNICEF berichten alle Regionen des Sudan über einen krassen Mangel an Medikamenten und Hilfsgütern, darunter auch lebensrettende Hilfsgüter, und über deren Verknappung.
In Gebieten, in denen es viele Binnenvertriebene gibt und die Gesundheitssysteme überlastet sind, wie in den Blauen und Weißen Nil-Staaten, kommt es immer wieder zu Krankheitsausbrüchen, darunter auch Masern, und es wird von Todesfällen berichtet.
Die tödliche Kombination von Masern und Mangelernährung gefährdet das Leben von Kindern in hohem Maße, wenn nicht umgehend Maßnahmen ergriffen werden. Da der Konflikt das Land weiterhin verwüstet, besteht für fast 700. 000 Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung ein hohes Risiko, dass sie ohne Behandlung nicht überleben, 1,7 Millionen Babys laufen Gefahr, wichtige lebensrettende Impfungen zu verpassen, und eine ganze Generation von Kindern wird wahrscheinlich keine Schulbildung erhalten. Millionen Buben und Mädchen werden auch keine Sicherheit und kein psychosoziales Wohlbefinden erleben.
In den letzten vier Monaten hat UNICEF mehr als vier Millionen Kindern, Müttern und Familien im Sudan Gesundheits-, Ernährungs-, Wasser-, Sanitär- und Hygienedienste (WASH) sowie Bildung und Schutz bereitgestellt. In den nächsten 100 Tagen benötigt UNICEF dringend 400 Millionen US-Dollar, um seine Krisenmaßnahmen aufrechtzuerhalten und auszuweiten und die am meisten gefährdeten Kinder zu unterstützen.
UNICEF appelliert weiterhin an alle Konfliktparteien, die Sicherheit und das Wohlergehen der Kinder in den Vordergrund zu stellen, ihren Schutz zu gewährleisten und den ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe in die betroffenen Gebiete zu ermöglichen. Lebensrettende humanitäre Hilfe muss unverzüglich geleistet werden, um die Rechte von Millionen gefährdeter Kinder zu schützen und zu wahren.
„Wir verpassen Schulstunden, weil wir Wasser holen müssen. Manchmal kommen wir zu spät zum Unterricht und der Lehrer schimpft mit uns. Wenn wir am Nachmittag vom Wasserholen kommen, sind wir oft zu erschöpft, um die Hausaufgaben zu machen. Während der heißen Jahreszeit ist der Bedarf an Wasser größer. Es gibt also Tage, an denen es schwierig wird, überhaupt in die Schule zu gehen.“ Diesen zusammengefassten Erlebnisbericht der 15-jährigen Roukaya aus dem Niger (von vor einigen Wochen, wobei sich nach dem aktuellen Putsch daran sicher nichts, jedenfalls nicht zum Besseren, verändert) stellte die Österreich-Sektion des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) der Information zu einer neuen Kampagne voran.
Fast ein Viertel der Weltbevölkerung (1,8 Milliarden Menschen) lebt in Haushalten ohne eigene Wasserversorgung, rund 771 Millionen Menschen (im Vergleich: Mehr als ganz Europa, also EU plus Großbritannien, Schweiz, die Nachfolgeländer Jugoslawiens, Albanien, Ukraine, Russland, Moldau …) haben gar keine Grundversorgung mit Trinkwasser. Das hat vor allem für Millionen Kinder, insbesondere Mädchen und junge Frauen, dramatische Auswirkungen auch auf ihre (Nicht-)Bildung.
Damit diese Kinder an Wasser gelangen, das sie und ihre Familien zum Überleben brauchen, müssen sie täglich enorme Lasten tragen. Im schlimmsten Fall bedeutet das für die Kinder, dass sie keine Zeit mehr haben, in die Schule zu gehen, weil sie stundenlang unterwegs sind, um Wasser von weit entlegenen Wasserstellen zu holen. Im Durchschnitt müssen sie dabei eine Last von 20 Litern in Wasserbehältern schleppen und das oft mehrmals pro Tag. Das Tragen dieser schweren Lasten auf langen Wegstrecken kann zu gesundheitlichen Problemen und Verletzungen führen und stellt für die Kinder auch eine schwere psychische Belastung dar. Meistens müssen Mädchen und junge Frauen Wasser holen, sie verpassen daher eher den Schulunterricht als ihre männlichen gleichaltrigen Kollegen und auch der Weg ist für sie oft viel gefährlicher. Dadurch wird die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern weiter verstärkt. Frauen und Mädchen tragen die Hauptlast der Wasserkrise.
Der Klimawandel verschärft diese Problematik zusätzlich, da extreme Wetterereignisse die Qualität und Menge des Wassers weltweit bedrohen und Millionen Kinderleben gefährden. Extreme Wetterereignisse wie Tropenstürme verschmutzen oft das Trinkwasser und bieten einen Nährboden für die Ausbreitung lebensgefährlicher Krankheiten wie Cholera. Gleichzeitig leben etwa 160 Millionen Kinder in Dürregebieten.
Wasser muss nicht nur sauber sein, sondern es muss „sicher“ sein. Unicef spricht dann von „sicherem“ Wasser, wenn es für Menschen in der Nähe ihres Zuhauses zugänglich, bei Bedarf verfügbar und sauber ist, also frei von Verunreinigungen.
In Konflikten und Krisen (aktuell ist Niger in den Blickpunkt gerückt) haben Kinder doppelt so häufig keinen Zugang zu Wasser. Länder wie Syrien, die Ukraine und aktuell der Sudan leiden besonders unter der Zerstörung der Infrastruktur. Beschädigte Wasserleitungen und Kläranlagen machen es fast unmöglich, sauberes und sicheres Wasser zu erhalten. Die Menschen sind von der Wasserversorgung abgeschnitten – mit allen Folgen für Gesundheit und Hygiene. Unicef arbeitet gemeinsam mit lokalen Partnern daran, Menschen auch an Kriegs- und Konfliktschauplätzen mit Wasser zu versorgen. Durch Wassertransporte, Reinigungstabletten und der Reparatur von Wassersystemen.
Die UNICEF Österreich Ehrenbeauftragten, darunter Ivona Dadić, Valerie Huber, Helge Payer und Yury Revich, unterstützen die Aktion #walk4water und gehen mit Beispiel voran, wie man einfach unterstützen kann. Sie rufen dazu auf, gemeinsam Kindern weltweit Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen, indem jede und jeder eine eigene Spendenaktion über die Unicef.at-Site erstellt, Freund:innen und Familien einlädt dafür zu spenden – unter dem Motto: Jeder Schritt zählt: Laufen oder wandern Sie alleine, gemeinsam, als Gemeinde oder als Unternehmen und posten Sie Ihren Erfolg mit dem Hashtag #walk4water auf Social Media – Link zur Aktion am Ende des Beitrages.
Neben der oben schon zitierte Roukaya, die Tag für Tag – und da gibt’s auch keine Wochenende – um fünf Uhr in der Früh aufstehen muss, um Wasser zu holen, findet sich – – hier unten auch verlinkt – das Video über einen Tag im Leben der 13-jährigen Aysha aus dem äthiopischen Afar.
In den drei Minuten siehst du, wie sie um 6.30 Uhr aufbricht mit einem spindeldürren, definitv unterernährten Kamel, dem sie Kanister umhängt. Rund vier Stunden später landet sie nach mühsamem Fußweg in Schlapfen – das Kamel würde sie sicher nicht tragen können – bei einer dürftigen Wasserstelle landet, wo sie erst einmal sich selbst das Gesicht abkühlt und reinigt, Wäsche säubert und die Kanister anfüllt. Und dann steht ihr noch der Rückweg in sengender Hitze bevor…
Wie weit gehst du für Wasser? Und wie viele Minuten?
Sollten anderen Kindern nicht stundenlanger, kilometerweiter Weg erspart werden?
„Die Zustände in Malawi nach dem Zyklon Freddy Anfang 2023 mit eigenen Augen zu sehen war ein einschneidendes Erlebnis für mich. Doch die großartigen Projekte von UNICEF, sei es die ADDA (African Drone and Data Academy) oder die Wasser und Hygiene Projekte schenken mir große Hoffnung in eine bessere, gerechtere Zukunft für alle, die von Armut, Hunger und den Auswirkungen des Klimawandels bedroht sind,“ sagte die Schauspielerin, Sängerin und Dokumentarfilmerin Valerie Huber anlässlich eines Besuchs mit Unicef-Österreich in diesem südostafrikanischen Land im Mai dieses Jahres. Nun, Ende Juli 2023, wurde sie Ehrenbeauftragte der heimischen Abteilung des UNO-Kinderhilfswerks.
Durch den Wirbelsturm zu Beginn dieses Jahres starben mehr als 1000 Menschen, 800.000 verloren ihr Zuhause, Cholera-Ausbrüche gefährdeten das Leben von Kindern und ihren Familien. In Malawi ist der fehlende Zugang zu sauberem Wasser ein zentrales Problem. Viele Kinder können deshalb nicht in die Schule gehen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Weil sie an Durchfallerkrankungen oder anderen Infektionen leiden, oder weil sie für das zeitaufwändige Wasserholen zuständig sind. Letzteres betrifft vor allem Mädchen. Die Versorgung von Schulen mit sauberem Trinkwasser ist entscheidend um einerseits Krankheitsfälle zur verringern und andererseits Mädchen wie Buben gleichermaßen durch Zugang zu Bildung eine selbstbestimmte Zukunft zu ermöglichen.
UNICEF fördert Wasserversorgungssysteme mit tieferen Bohrlöchern, die aus Grundwasser gespeist und mit Solarenergie betrieben werden. Damit werden sowohl periodische Schwankungen des Grundwasserspiegels ausgeglichen als auch die Abhängigkeit vom klimakrisenbedingten Absinken des Grundwassers verringert.
Über das eingangs genannte Drohnenprojekt, bei dem Studierende aus mehreren afrikanischen Ländern den Bau und Betrieb samt Wartung solcher Flugkörper erlernen, können nicht nur für die Landwirtschaft wichtige Daten leicht gesammelt, sondern auch beispielsweise kleine Mengen von Medikamenten transportiert werden. Gerade im Zuge der Zerstörung auch von Verkehrswegen durch den Zyklon eine wichtige Sache.
Valerie Huber, die ihre ersten sieben Lebensjahre in Uganda und der Elfenbeinküste aufwuchs, weil ihre Eltern für Entwicklungshilfeprojekte Deutschlands gearbeitet haben, beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit den bedrohlichen Folgen der Klimakrise und setzt sich bereits seit mehr als einem Jahr für die Arbeit von UNICEF Österreich und die Kinderrechte ein, u.a. im Rahmen vom „Kinderrechte-Picknick“ 2022. Sie persönlich fühlt sich vor allem mit Afrika und den Menschen dort verbunden: „Durch die zunehmende globale Ungleichheit ist die Arbeit von Unicef heute wichtiger denn je. Der Klimawandel stellt die Länder im globalen Süden vor noch größere Herausforderungen als bisher: Extreme Hitze, Dürren, Wasser- und Lebensmittelknappheit nehmen immer mehr Menschen die Lebensgrundlage. Und alles fängt bei den Kleinsten an. Bildung und Förderung von Kindern und Frauen sind die Grundlage für ein besseres Leben und oftmals der Schlüssel aus der Armut. Es ist eine große Ehre für mich als Ehrenbeauftragte zu agieren, da wir als Gesellschaft Themen wie soziale Ungleichheit in unsere täglichen Debatten und Gedanken einbetten müssen, um Ungerechtigkeit und möglichen katastrophalen Zukunftsszenarien entgegenzuwirken. Die Arbeit von Unicef ist absolut essentiell und deshalb braucht es höhere Finanzierung von allen reichen Ländern und von Konzernen, um Armut und Hunger effektiv bekämpfen zu können.“
Auch wenn – natürlich – die noch immer rekordverdächtig steigenden Preise die wichtigste Sorge Jugendlicher in Österreich ist, wie eine kürzlich vorgestellte Studie, ergab, so fand sich auch dort Klimawandel und Umweltschutz weiterhin im Spitzenfeld er Themen junger Menschen. Seit Monaten polarisieren manche Aktionen von Klima-Aktivist:innen. So manche politische Entscheidungsträger:innen versteigen sich angesichts Aufsehen erregender aber dennoch vollkommen friedlicher Aktionen zu Begriffen wie Terror zu greifen. Und gleichzeitig stöhnen und leiden Menschen unter den Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels.
Die Österreich-Sektion des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Unicef, veröffentlichte dieser Tage einen ausführlichen Blog-Beitrag, in dem u.a. auf die abgewiesene Klage von zwölf Kindern und Jugendlichen eingegangen wird.
„Franzi (17) und Smilla (15), zwei der engagierten Jugendlichen, fühlen sich von der Politik nicht ausreichend gehört und vertreten. Sie betonen die Unterrepräsentation von Kindern und Jugendlichen in der politischen Landschaft und fordern eine stärkere Berücksichtigung ihrer Meinungen und Beteiligung.
Die Klimakrise wird von ihnen als eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung betrachtet, bei der alle Generationen zusammenarbeiten müssen, um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Ihr Aufruf zur Teilnahme am nächsten Klimastreik ist eine Einladung an alle, gemeinsam für den Klimaschutz einzutreten.“
Zum ausführlichen Interview von Unice-Österreich mit den beiden Jugendlichen geht es hier
Nkosilathi Nyathi ist ein engagierter 18-jähriger UNICEF-Klimaaktivist in Simbabwe (Afrika). Vor allem will er unter Altersgenoss:innen das Bewusstsein für die dringende Notwendigkeit von Maßnahmen zur Verhinderung der globalen Erwärmung erhöhen.
Im Zuge von Umweltaktivitäten an der ZP-Schule in der Kolonie Taps im Bezirk Phalghar in Maharashtra (Indien), bewässern Kinder und Jugendliche Pflanzen in einem Schulgewächshaus. Dort haben sie eine kleine Baumschule eingerichtet, in der verschiedene Pflanzenarten gedeihen. Im Rahmen außerschulischer Aktivitäten säen sie Samen aus und pflegen Setzlinge liebevoll in der schuleigenen Baumschule heran.
Mehr zu jugendlichen Aktivitäten weltweit hier
Übrigens erinnert Unicef-Österreich daran, dass noch bis 31. Juli 2023 Kinder und Jugendliche beim Kreativwettbewerb „Denk dir die Welt“ mitmachen können – mehr dazu in diesem KiJuKU-Beitrag hier unten:
Corona-Pandemie, Wetterkatastrophen, (lokale und regionale Konflikte und der Ukraine-Krieg haben die Zahl hungernder Menschen innerhalb von drei Jahren deutlich wieder ansteigen lassen. Litten 2019 etwa 613 Millionen Menschen Hunger, so hat sich deren Zahl durchschnittlich auf 735 Millionen erhöht, was einer Steigerung um ein Fünftel (19,9 Prozent) entspricht und mehr als eineinhalb Mal der gesamten Bevölkerung der EU – zum rein zahlenmäßigen Vergleich!
Diese Zahlen präsentierten am Mittwoch (12. Juli 2023) die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF), das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem Bericht „The State of Food Security and Nutrition in the World“ (SOFI, Der Stand der Ernährungssicherheit und Ernährung in der Welt).
Obwohl die Zahl der Hungernden weltweit dann zwischen 2021 und 2022 annähernd glich geblieben ist, verschärfen sich Hungerkrisen an vielen Orten der Welt. Fortschritte bei der Bewältigung des Hungers waren in Asien und Lateinamerika zu beobachten. In Westasien, der Karibik und in allen Regionen Afrikas stieg der Hunger im Jahr 2022. Afrika ist nach wie vor die am stärksten betroffene Region: Jeder fünfte Mensch auf dem Kontinent ist von Hunger betroffen, mehr als doppelt so viele Menschen wie im weltweiten Durchschnitt.
„Es gibt Lichtblicke: Manche Regionen sind auf dem Weg, einige der Ernährungsziele bis 2030 zu erreichen. Jedoch braucht es eine intensive und sofortige globale Anstrengung, um die nachhaltigen Entwicklungsziele zu retten. Wir müssen die Widerstandsfähigkeit gegen die Krisen und Schocks stärken, die zu Ernährungsunsicherheit führen – von Konflikten bis zum Klima“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres in einer Videobotschaft bei der Vorstellung des Berichts am UN-Hauptsitz in New York.
„Zweifellos stellt die Verwirklichung des nachhaltigen Entwicklungszieles, den Hunger bis 2030 zu beenden, eine gewaltige Herausforderung dar. Tatsächlich wird prognostiziert, dass im Jahr 2030 noch immer rund 600 Millionen Menschen von Hunger betroffen sein werden. Die Hauptursachen für Ernährungsunsicherheit und Unterernährung sind unsere „neue Normalität“, und wir haben keine andere Wahl, als unsere Anstrengungen zu verdoppeln, um die Agrar- und Ernährungssysteme umzugestalten und sie für die Erreichung des zweiten Ziels für nachhaltige Entwicklung zu nutzen“, schreiben die Leitungen der fünf UN-Organisationen im Vorwort des diesjährigen Berichts.
Die Lage in Bezug auf die Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit war auch im Jahr 2022 düster. Dem Bericht zufolge hatten etwa 29,6 Prozent der Weltbevölkerung, d. h. 2,4 Milliarden Menschen, keinen steten Zugang zu Nahrungsmitteln. Darunter waren rund 900 Millionen Menschen von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen.
Währenddessen haben sich die Möglichkeiten, sich gesund zu ernähren, weltweit verschlechtert: Mehr als 3,1 Milliarden Menschen auf der Welt – oder 42 Prozent – fehlten die finanziellen Mittel für eine gesunde Ernährung im Jahr 2021. Dies entspricht einem Anstieg von 134 Millionen Menschen im Vergleich zu 2019.
Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden weiterhin an Mangelernährung: Im Jahr 2022 waren 148 Millionen Kinder unter fünf Jahren (22,3 Prozent) wachstumsverzögert, 45 Millionen (6,8 Prozent) waren akut mangelernährt und 37 Millionen (5,6 Prozent) waren übergewichtig.
Fortschritt wurde im Bereich des ausschließlichen Stillens verzeichnet: 48 Prozent der Kinder unter sechs Monaten wurden ausschließlich gestillt, was dem Ziel für 2025 nahe kommt. Nichtsdestotrotz sind weitere konzertierte Anstrengungen erforderlich, um die für 2030 gesteckten Ziele in Bezug auf Mangelernährung zu erreichen.
Der Bericht befasst sich auch mit der zunehmenden Urbanisierung als einem „Megatrend“, der sich darauf auswirkt, wie und was Menschen essen. Bis 2050 werden voraussichtlich fast sieben von zehn Menschen in Städten leben. Regierungen und andere Akteur:innen, die sich im Kampf gegen den Hunger, Nahrungsunsicherheit und Mangelernährung einsetzen, sollten daher versuchen, diese Urbanisierungstrends besser zu verstehen und sie bei ihren politischen Entscheidungen berücksichtigen.
Die Exekutivdirektorin des UNO-Kinderhilfswerks (Unicef) Catherine Russell sagte bei der umfangreichen Studienpräsentation: „Mangelernährung ist eine große Bedrohung für das Überleben, das Wachstum und die Entwicklung von Kindern. Das Ausmaß der Ernährungskrise erfordert deutlichere, auf Kinder ausgerichtete Antworten. Dazu gehören der vorrangige Zugang zu nährstoffreichen und erschwinglichen Nahrungsmitteln und grundlegenden Ernährungsdienstleistungen, der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor nährstoffarmen, stark verarbeiteten Lebensmitteln und die Stärkung der Lebensmittel- und Nahrungsversorgungsketten, einschließlich angereicherter und therapeutischer Nahrung für Kinder.“
Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) meinte: „Die Zahl der Kinder, die an schwerer akuter Mangelernährung leiden, ist nach wie vor inakzeptabel hoch, und bei der Verringerung von Übergewicht bei Kindern wurden keine Fortschritte erzielt. Wir brauchen gezielte öffentliche Maßnahmen, Investitionen und Aktionen, um ein gesünderes Ernährungsumfeld für alle zu schaffen.“
Zum vollständigen Bericht geht es hier
Ali Mahlodji, unter anderem EU-Jugendbotschafter, vielfacher Keynote-Speaker in Sachen Kinder- und Jugendrechte sowie Ehrenbeauftragter von UNICEF-Österreich nahm die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse der großen Ö3-Jugendstudie zum Anlass, um von der Politik zu fordern, sie solle „mehr Möglichkeiten schaffen, damit junge Menschen mitbestimmen können und, dass ihrer Meinung mehr Beachtung gezollt wird – immerhin sind sie diejenigen, die oft selbst durch die Entscheidungen der Politik betroffen sind.“
Lediglich 15 Prozent von 40.000 befragten jungen Menschen zwischen 16 und 25 Jahren gaben in der genannten Studie an, sich von der Politik sehr oder ziemlich gut vertreten zu fühlen. Nur 17 Prozent vertrauen der Politik, wobei sich zwei Drittel der jungen Menschen als politikinteressiert bezeichnen.
Bereits seit 2020 macht UNICEF Österreich im Rahmen des Kreativwettbewerbs „Denk dir die Welt”, bei dem unter anderem Ali Mahlodji fixes Jurymitglied ist (übrigens auch Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…), verstärkt auf das in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen (UNO) festgelegte Kinderrecht auf Partizipation aufmerksam. Im Artikel 12 dieser Konvention, die von fast allen Staaten der Welt auch unterschrieben worden ist, steht, dass jedes Kind (im Sinne der UN-Konvention bis 18 Jahre) das Recht hat, die eigene Meinung zu allen Fragen und Entscheidungen, die sie/ ihn selbst bzw. den eigenen Lebensraum betreffen, frei zu äußern bzw. danach gefragt zu werden. Die Sichtweise der Kinder und Jugendlichen muss dabei in Betracht gezogen werden, wo immer sie direkt betroffen sind – sei es in der Familie, in der Schule bzw. Ausbildung, bei der Gestaltung von Lebensräumen oder bei der Ausarbeitung von Gesetzen.
Ali Mahlodji fordert: „Junge Menschen müssen endlich von der Politik ernst genommen und gehört werden! Sie sind die Entscheidungsträgerinnen und -träger der Zukunft und sie sind es, die hoffentlich mit ihren Ideen, ihrer Kreativität und ihrer Innovationskraft die Welt trotz Klimakatastrophen zu einem lebenswerten Ort machen werden, die Kriege stoppen und gemeinsam nachhaltige Lösungen für alle auf diesem Planeten finden werden. Und, sie können uns bereits jetzt helfen, ‚out of the box‘ zu denken.“
Zu einer ähnlichen Einschätzung wie die Ö3-Jugendstudie kommt auch Petra Flieger, freie Sozialwissenschafterin und UNICEF Österreich-„Denk dir die Welt!“-Jurorin heuer: „Leider machen Jugendliche oft die Erfahrung, dass sie von Politiker:innen zwar angehört werden, dass dann aber nichts passiert. Es werden öffentlichkeitswirksam Fotos gemacht, aber die Forderungen der Jugendlichen werden nicht weiterbehandelt. Das hat mit Partizipation, so wie sie in den Kinderrechten verankert ist, nichts zu tun.“
Dass echte Teilhabe möglich ist, zeigt beispielsweise die von UNICEF ausgezeichnete „Kinderfreundliche Gemeinde“ Kufstein. Dort gibt es einen Jugendgemeinderat, in dem Jugendliche selbst über ein eigenes Budget verfügen. Neben Veranstaltungen für Jugendliche hat der Jugendgemeinderat mit Projekten wie Begrünung der Stadt oder bunten Zebrastreifen in Regenbogenfarben Zeichen gesetzt.
Mit dem Kreativwettbewerb „Denk dir die Welt!“ möchte UNICEF Österreich Kindern und Jugendlichen eine Plattform bieten, ihre innovativen Ideen, ihre Wünsche und Forderungen für eine faire, inklusive Welt zu artikulieren. „Wie sieht eine Welt aus, in der du gut wachsen kannst und alle eine Chance haben?“ Antworten auf diese Frage können bis 31. Juli 2023 in Form von Zeichnungen und Collagen, Kurzgeschichten und Gedichten, Songs oder Videos eingereicht werden.
Die in den Kunstwerken ausgedrückten Ideen und Forderungen werden in einem Ideenkatalog aufgearbeitet. Dieses wichtige Dokument übergibt UNICEF Österreich im Anschluss an den Wettbewerb gemeinsam mit jungen Menschen an politische Entscheidungsträger:innen, damit diese die Meinung von Kindern und Jugendlichen in ihren Entscheidungen berücksichtigen können – denn das ist ein Kinderrecht.
Detail-Infos in Sachen Einsendungen: unicef -> denkdirdiewelt
Eine – unerwartete – heftige Nebenwirkung der Corona-Pandemie ist eine stark verbreitete Skepsis – gegenüber bisherigen Routine-Impfungen für Kinder (Masern, Polio usw.). Das musste das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, im Bericht „Impfschutz: Für jedes Kind“ feststellen. Von 55 untersuchten Ländern (Argentinien bis Vietnam) sind nur China, Indien und Mexiko nicht vom „Virus“ der zunehmenden Ablehnung von Impfungen betroffen. In Südkorea, Japan, Ghana, Senegal und Papua-Neuguinea musste nach der Pandemie sogar ein Rückgang solcher Impfungen um rund ein Drittel festgestellt werden. Nur knapp darunter liegt Kroatien mit einem Impfrückgang um 29,2 Prozent, in Österreich hat sich die Bereitschaft, Kinder gegen vermeidbare Krankheiten impfen zu lassen um fast 11 Prozent verringert (10,7 %); in Italien minus 6,8 %, Deutschland: – 8,1 %, in Schweden, das oft für seine wenig restriktive und auf viel Eigenverantwortung setzende Corona-Politik kritisiert wurde beläuft sich der Rückgang bei Kinder-Impfungen auf nur 1,3 Prozent.
Alarmierend ist, dass das sinkende Vertrauen mit dem größten Rückgang bei Routineimpfungen von Kindern seit 30 Jahren einhergeht. Durch die Pandemie kam es in vielen Ländern zu Unterbrechungen bei Routineimpfungen, weil die Gesundheitssysteme überlastet waren und finanzielle Ressourcen umverteilt wurden, um Menschen gegen Covid-19 zu impfen. Der Mangel an Gesundheitspersonal sowie pandemiebedingte Bewegungseinschränkungen trugen ebenfalls zu dieser Entwicklung bei.
Rund 67 Millionen Kinder verpassten zwischen 2019 und 2021 Routineimpfungen, ergab die besagte Unicef-Erhebung. Die Durchimpfungsquoten sanken in 112 Ländern. Kinder, die kurz vor oder während der Pandemie geboren wurden, sind jetzt in einem Alter, in dem sie normalerweise einen Basisschutz erhalten haben sollten. Umso wichtiger ist es, dass Maßnahmen ergriffen werden, um die versäumten Impfungen nachzuholen und tödliche Krankheitsausbrüche zu verhindern. So war die Zahl der Masernfälle im Jahr 2022 bereits mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Die Zahl der Kinder, die durch das Poliovirus gelähmt wurden, stieg 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent.
„Der Basisimpfschutz für Kinder ist global und auch in Österreich von enormer Bedeutung, wie auch Masernausbrüche sogar in Österreich deutlich aufzeigen. Kein Kind soll an einer vermeidbaren Krankheit sterben müssen – deshalb setzen wir uns von UNICEF dafür ein, dass jedes Kind weltweit die notwendigen Routineimpfungen erhält,“ so Christoph Jünger, Geschäftsführer von UNICEF Österreich.
Gleichzeitig hat die Pandemie bereits bestehende Ungleichheiten verschärft. Für zahlreiche Kinder, insbesondere in den am stärksten benachteiligten Regionen, sind Impfungen immer noch nicht verfügbar, zugänglich oder erschwinglich. Schon vor der Pandemie stagnierten die Impffortschritte fast ein Jahrzehnt lang. Von den 67 Millionen Kindern, die zwischen 2019 und 2021 Routineimpfungen verpassten, erhielten 48 Millionen keine einzige Impfung („zero dose“). Ende 2021 verzeichneten Indien und Nigeria (beides Länder mit hohen Geburtsraten) die größte Zahl gänzlich ungeimpfter Kinder, aber auch in Myanmar und auf den Philippinen stieg die Zahl der Kinder, die gar nicht geimpft wurden.
Kinder ohne Impfschutz leben vor allem in den ärmsten und am stärksten benachteiligten Regionen, unter anderem in Kriegs- und Krisengebieten. Aktuelle Daten, die vom International Center for Equity in Health für Unicef erhoben wurden, zeigen, dass in den ärmsten Haushalten eines von fünf Kindern nicht geimpft ist, verglichen mit einem von 20 Kindern in den wohlhabendsten Haushalten. Sie leben häufig in schwer zugänglichen ländlichen Regionen oder Slums der großen Städte. Ihre Mütter konnten häufig nicht in die Schule gehen und haben wenig Mitspracherecht bei Familienentscheidungen. Diese Herausforderungen sind in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen am größten. Dort ist etwa eines von zehn Kindern in städtischen Gebieten und eines von sechs Kindern in ländlichen Gebieten nicht geimpft. In wohlhabenderen Ländern gibt es diese Unterschiede kaum.
„Impfungen haben Millionen von Menschenleben gerettet und tödliche Krankheitsausbrüche verhindert“, sagt Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Wir wissen nur zu gut, dass Krankheiten keine Landesgrenzen respektieren. Routineimpfungen und starke Gesundheitssysteme sind der beste Weg, künftige Pandemien, vermeidbare Todesfälle und Leid zu verhindern. Es ist Zeit, in nachhaltige Gesundheitssysteme für jedes Kind zu investieren und die verfügbaren finanziellen Mittel der weltweiten Impfaktion gegen Covid-19 umzuleiten, um Impfdienste zu stärken.“
Der seit mehr als einem Jahr dauernde Krieg in der Ukraine ist – zum Glück – immer wieder (medial) präsent. Andere, wie 12 Jahre Krieg in Syrien oder acht Jahre im Jemen sind schon lange aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit „verschwunden“. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen rief kürzlich die aktuellen Zahlen aus dem Jemen in Erinnerung.
Acht brutale Jahre des Konflikts haben das Leben von Millionen Kindern im Jemen zerstört und dazu geführt, dass
* 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche an akuter Mangelernährung leiden, darunter allein mehr als eine halbe Million (540.000 Kinder) Kinder unter fünf Jahren so stark, dass ihr Zustand lebensbedrohlich ist und alle 10 Minuten ein Kind an vermeidbaren Ursachen stirbt.
* 11 Millionen Kinder benötigen humanitäre Hilfe.
Die humanitäre Krise im Jemen ist das Ergebnis des Zusammentreffens von acht Jahren heftiger Konflikte, wirtschaftlichen Zusammenbruchs und einem lahmgelegten sozialen Unterstützungssystem, das die wichtigsten Dienstleistungen beeinträchtigt.
Die Vereinten Nationen haben festgestellt, dass zwischen März 2015 und November 2022 mehr als 11.000 Kinder getötet oder schwer verletzt wurden. Mehr als 4.000 Kinder und Jugendliche wurden von den Kriegsparteien rekrutiert und eingesetzt, und es gab mehr als 900 Angriffe auf Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und deren militärische Nutzung, was die Verwirklichung der Grundrechte der Kinder auf einen sicheren und angemessenen Zugang zu Gesundheit und Bildung behindert. Da dies nur die belegbaren Zahlen sind, wird eine viel größere Dunkelziffer befürchtet.
Auch die Lage der binnenvertriebenen Kinder gibt weiterhin Anlass zu großer Sorge. Mehr als 2,3 Millionen Kinder leben immer noch in Lagern für Geflüchtete, in denen ihr Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung, Ernährung, Bildung, Schutz und WASH-Diensten (Wasser und Hygiene) unzureichend ist.
„Nach 8 Jahren fühlen sich viele Kinder und Familien in einem ständigen Kreislauf der Hoffnungslosigkeit gefangen“, so der örtliche Unicef-Vertreter Peter Hawkins. „Als ich kürzlich eine Familie besuchte, die seit mehr als sieben Jahren aus ihrer Heimat vertrieben wurde, wurde mir klar, dass sich bei zu vielen Familien außer den Gesichtern der Kinder kaum etwas an ihrer Situation geändert hat. Die Kinder sind mit nichts anderem als Konflikten aufgewachsen, und es ist von entscheidender Bedeutung, diesen Kindern ein wenig Hoffnung auf eine friedliche Zukunft zu geben.“
UNICEF benötigt dringend 447 Millionen Euro, um seine lebensrettende humanitäre Hilfe für Kinder im Jemen im Jahr 2023 fortzusetzen. Wenn diese Mittel nicht zur Verfügung gestellt werden, könnte UNICEF gezwungen sein, seine lebenswichtige Hilfe für gefährdete Kinder einzuschränken. „Die Kinder im Jemen sollten mit Hoffnung in die Zukunft blicken können, nicht mit Angst. Wir rufen alle Parteien auf, uns dabei zu helfen, diese Hoffnung zu erfüllen, indem sie sich für das jemenitische Volk einsetzen und ein Land und eine erschöpfte Bevölkerung vom Abgrund zurückholen“, so Hawkins.
Trotz der Herausforderungen konnte UNICEF im Jahr 2022 Folgendes erreichen:
* Unterstützung der Behandlung von schwerer akuter Mangelernährung bei mehr als 375.000 Kindern in 4.584 Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung und 34 therapeutischen Ernährungszentren.
* Bereitstellung von Bargeld-Notfalltransfers für fast 1,5 Millionen Haushalte pro Quartal, wovon rund 9 Millionen Menschen profitieren.
* Zugang zu sicherem und nachhaltigem Trinkwasser für 6,2 Millionen Menschen durch ein breites Spektrum von Aktivitäten wie Wassertransporte, die Einrichtung von Wasserverteilungsstellen und den Ausbau von Wasserversorgungssystemen in Lagern für Binnenflüchtlinge. UNICEF stellt auch Treibstoff zur Verfügung, um die Produktion und Verteilung von sauberem Wasser an 36 lokale Wasser- und Abwasserunternehmen in 15 Gouvernements zu unterstützen.
* Impfungen gegen Masern und Polio für mindestens 2,1 Millionen Kinder, die kaum oder gar keinen Zugang zur medizinischen Grundversorgung haben.
* Psychosoziale Unterstützung für mehr als 478.000 Kinder und Betreuer:innen in Konfliktgebieten und lebensrettende Aufklärung von über 5,2 Millionen Kindern und Gemeindemitgliedern über Minenrisiken.
* Erreichen von mehr als 2,7 Millionen Menschen in abgelegenen ländlichen Gebieten mit Zugang zu öffentlichen Gesundheitszentren.
* Unterstützung der Gesundheitsdienste für Mütter, Neugeborene und Kinder in 24 Krankenhäusern durch Bereitstellung von operativer Unterstützung sowie von Ausrüstung und Medikamenten. Darüber hinaus wurden durch die Unterstützung von 4.500 stationären Zentren für ambulante therapeutische Programme (OTP) und 288 mobilen Teams die Dienste zur Behandlung und Vorbeugung von Mangelernährung ausgeweitet.
* Mehr als 538.800 Kinder erhielten individuelles Lernmaterial, mehr als 856.600 Kinder Zugang zu formaler und nicht formaler Bildung, einschließlich Früherziehung.
„Wenn es allen gut geht – Menschen, Tieren, der Umwelt und keine Unterschiede gemacht werden, wo jemand herkommt, welches Geschlecht und welche Religion Menschen habe, ob sie Vermögen haben oder nicht.“ So antwortete Nusaiba (17) auf die Frage „Wie sieht eine Welt aus, in der du gut wachsen kannst und alle eine Chance haben?“
Diese Frage ist gleichzeitig das Motto der dritten Ausgabe des Wettbewerbs „Denk dir die Welt“ von UNICEF-Österreich. Corinna (Geißler), eine der UNICEF-Mitarbeiterinnen, stellte diese Frage an die Schülerin der 7. Klasse des Gymnasiums Hagenmüllergasse in Wien-Landstraße am Podium, das Dienstagvormittag (28. März) die neue Runde des Bewerbs vorstellte. Diesmal können Kinder und Jugendliche (von 6 bis 18 Jahren) neben Zeichnungen und Texten auch Videos und Lieder/Songs einreichen. In der Jury wird u.a. die schon erwähnte Nusaiba sitzen, die dazu meinte: „Ich freue mich, die Einsendungen der Kinder und Jugendlichen zu sehen und zu erkennen, wie sie finden, dass so eine Welt ausschauen und sein soll und die Ideen dahinter zu erkennen.“
Zu ihrem Eisbär-Bild hatte die damals 14-jährie Nusaiba im Interview mit (damals noch dem Kinder-KURIER, Vorläufer von Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… geschildert. „Ich wollte einerseits etwas malen, das für mich eines der wichtigsten Probleme zeigt, aber auch wofür die UNICEF steht. Dann bin ich auf einen Eisbären gekommen, der symbolisiert die Klimakrise. Er sollte aber auch gleichzeitig so etwas wie ein Teddybär sein.“ Kinder würden sich bei und mit einem Kuscheltier ja oft geborgen fühlen.“
Heute würde sie die Eisscholle auf der der Eisbär steht, leider schon wieder ein wenig kleiner und dünner malen.
Ab sofort können Beiträge eingeschickt werden – bis 31. Juli 2023. Die Preisverleihung findet im Rahmen einer großen Veranstaltung am 24. November 2023 – vier Tage nach dem internationalen Tag der Kinderrechte statt, die am 20. November 1989 von der UNO-Generalversammlung beschlossen worden sind.
Unicef hatte den Ideenbewerb im ersten Corona-Jahr gestartet, weil gerade da insbesondere anfangs auf Kinder und Jugendliche besonders wenig Rücksicht genommen worden ist. Ihre Stimmen, Bilder, Texte sollten sichtbar gemacht und zu Gehör gebracht werden. Der Katalog mit vielen der besten Einsendungen wurde immer wieder – oft gemeinsam mit erfolgreichen Teilnehmer:innen an Politiker:innen herangetragen, u.a. an Bundespräsident Alexander van der Bellen, der dann auch alleine mit den Jugendlichen reden wollte.
Details zum Bewerb im UNICEF-Link unter dem Beitrag.
Zwischen Nusaibas Bild und einem einer weiteren Gewinnerin, Corinna (13) mit dem Titel „Ich puzzle mir die Welt“ fand Dienstagvormittag ein Mediengespräch in der Unternehmenszentrale der Post am Rochusplatz (Wien-Landstraße) statt – wo möglicherweise auch im kommenden Jahr beste Einsendungen hängen könnten, wie Post-Chef Georg Pölzl auf die Frage von Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… meinte.
Mit Nusaiba am Podium des Mediengesprächs saßen der Post-Generaldirektor Georg (Pölzl), der auch Vorstandsmitglied von UNICEF-Österreich ist, Marisa (Schiestl-Swarowski, Vorstandsvorsitzende der Swarowski Foundation) und Christoph (Jünger, UNICEF-Österreich-Geschäftsführer). Ali (Mahlodji, UNICEF-Ehrenbeauftragter, EU-Jugendbotschafter und „Geheimagent des Guten“) hatte eine Video-Botschaft geschickt, in der er engagiert dafür plädierte, dass Erwachsene defintiv mehr auf Kinder und Jugendliche hören sollten/müssten.
KiKu -> wenn-der-eis-zum-schuetzenden-teddybaeren-wird
Mehr als 1000 Kinder unter fünf Jahren sterben an Krankheiten, die durch dreckiges Wasser, fehlende Sanitäreinrichtungen oder mangelnde Hygiene-Möglichkeiten verursacht werden. Um sich das vielleicht vorstellen zu können: Das wären bei – sagen wir 20 Kindern pro Gruppe – also 50 Kindergartengruppen. Und das jeden Tag!
Wir leben in einer privilegierten Gegend dieser Welt, wir drehen den Wasserhahn auf und haben sauberes Wasser, spülen sogar Klos damit, haben Seife und so weiter. Aber in vielen Ländern und Gegenden der Welt ist das nicht so, soll aber bis 2030 – und das sind nur mehr sieben Jahre – anders sein, so das Ziel der vom 22 bis 24. März in New York am Sitz des UNO-Hauptquartiers stattfindenden Wasserkonferenz.
Darauf weist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, in einer Aussendung zum bevorstehenden Weltwassertag hin. Diesen hat die UNO vor 30 Jahren ausgerufen, um auf die Wichtigkeit von sauberem Wasser aufmerksam zu machen. Unicef schreibt in der aktuellen Medien-Ausendung, dass der Klimawandel das Wasserproblem verstärkt.
190 Millionen Kinder in zehn afrikanischen Ländern sind laut einer neuen Unicef-Analyse durch eine dreifache Wasserkrise besonders gefährdet. Bei ihnen kommen eine unzureichende Versorgung mit Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene (WASH), eine hohe Last an durch schmutziges Wasser verursachte Krankheiten und hohe Risiken durch den Klimawandel zusammen. Die dreifache Bedrohung ist in Benin, Burkina Faso, Kamerun, Tschad, Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste), Guinea, Mali, Niger, Nigeria und Somalia am dringendsten. Damit gehört West- und Zentralafrika zu den Regionen mit der größten Wasser- und Klima-Unsicherheit der Welt. Viele der am schlimmsten betroffenen Länder, insbesondere in der Sahelzone, leiden unter Instabilität und bewaffneten Konflikten, was den Zugang von Kindern zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zusätzlich erschwert.
„Afrika steht vor einer Wasserkatastrophe. Während klima- und wasserbedingte Schocks weltweit zunehmen, verschärfen sich die Risiken für Kinder nirgendwo sonst auf der Welt so stark wie in Afrika“, sagt Unicef-Programmdirektor Sanjay Wijesekera. „Verheerende Stürme, Überschwemmungen und historische Dürren zerstören bereits jetzt Einrichtungen und Häuser, kontaminieren Wasserquellen, verursachen Hungerkrisen und verbreiten Krankheiten. Aber so herausfordernd die gegenwärtigen Bedingungen auch sind, ohne massive Gegenmaßnahmen könnte die Zukunft noch viel düsterer aussehen.“
Für den Bericht hat das UNO-Kinderhilfswerk analysiert, welchen Zugang weltweit Haushalte zur Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung haben, wie viele Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten sterben, die im Zusammenhang mit verschmutztem Wasser stehen, und wie hoch die Klima- und Umweltgefahren sind. Dadurch wird sichtbar, in welchen Ländern und Regionen Kinder am stärksten gefährdet sind und wo dringend in Lösungen investiert werden muss, um unnötige Todesfälle zu vermeiden.
In den zehn Hotspot-Ländern hat fast ein Drittel der Kinder zu Hause keinen Zugang zu wenigstens einer Basis-Versorgung mit sauberem Wasser, und zwei Drittel haben nicht einmal einfache sanitäre Einrichtungen. Ein Viertel der Kinder hat keine andere Wahl, als die freie Natur als Toilette zu benutzen. Auch die Hygiene ist eingeschränkt, da drei Viertel der Kinder sich zu Hause die Hände nicht mit Wasser und Seife waschen können.
In der Folge tragen diese Länder auch die größte Last an Todesfällen bei Kindern aufgrund von Krankheiten wie Durchfallerkrankungen, die durch unzureichende Wasser- und Sanitärversorgung und Hygiene verursacht werden. Beispielsweise waren sechs der zehn Hotspot-Länder im vergangenen Jahr mit Cholera-Ausbrüchen konfrontiert.
Diese Hotspots gehören zu den Ländern mit besonders hohem Risiko, Klima- und Umweltbedrohungen ausgesetzt zu sein. Die Temperaturen steigen in Teilen West- und Zentralafrikas noch schneller an als im globalen Durchschnitt. Auch der Grundwasserspiegel sinkt, was einige Gemeinden dazu zwingt, doppelt so tiefe Brunnen zu graben wie noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig sind die Regenfälle unregelmäßiger und intensiver geworden, was zu Überschwemmungen führt, die die knappen Wasservorräte verseuchen.
Die Belastungen durch bewaffnete Konflikte drohen in einigen Ländern, bisherige Fortschritte bei sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zunichte zu machen. Beispielsweise haben in Burkina Faso Angriffe auf Wasseranlagen als Taktik zur Vertreibung von Menschen zugenommen. 2022 wurden 58 Wasserstellen angegriffen, im Vergleich zu 21 im Jahr 2021 und drei im Jahr 2020. In der Folge verloren mehr als 830.000 Menschen – mehr als die Hälfte davon Kinder – im letzten Jahr den Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Bei der oben schon genannten Welt-Wasserkonferenz kommen übrigens zum ersten Mal seit 46 Jahren führende Politiker:innen und wichtige Vertreter:innen von Organisationen zusammen, um die Fortschritte beim Ziel des Zugangs zu Wasser und sanitären Einrichtungen für alle zu überprüfen. UNICEF fordert dabei
„Investitionen in klimaverträgliche Wasser-, Sanitär- und Hygienedienste sind nicht nur eine Frage des Schutzes der Gesundheit von Kindern heute, sondern auch der Sicherung einer nachhaltigen Zukunft für kommende Generationen“, sagt Unicef-Programmdirektor Sanjay Wijesekera.
Mit der Kampagne „Be the change you want to see in the world“ werden alle Menschen zum Handeln aufgefordert – jede und jeder könne durch kleine Veränderungen im Umgang mit Wasser etwas bewirken, allerdings nicht die globalen Wasserprobleme lösen.
Kaum hast du „Kinder bis 5 Jahre“ gelesen, ist leider eines davon auf der Welt schon gestorben. Fünf Millionen Kinder (von rund 675 Millionen) weltweit starben 2021 (dafür liegen schon alle Zahlen vor) bevor sie ihren fünften Geburtstag erleben konnten. Weitere 2,1 Millionen Kinder und Jugendliche (bis 24 Jahre) verloren ihr Leben. Das bedeutet, dass alle 4,4 Sekunden weltweit ein Kind oder ein/e Jugendliche/r stirbt – anschaulich umgerechnet würden also in jeder Schulstunde (50 Minuten) rund 27 Klassen (bei durchschnittlich 25 Kindern) aussterben – und das rund um die Uhr – also 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr.
Außerdem wurden zusätzlich fast zwei Millionen weitere Babys tot geboren. Diese erschreckenden Zahlen veröffentlichte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) knapp nach den Weihnachtsferien.
Viele dieser Todesfälle hätten durch einen fairen Zugang und eine hochwertige Gesundheitsversorgung für Mütter, Neugeborene, Jugendliche und Kinder verhindert werden können weist Unicef auf die Zahlen und Erkenntnisse von UN IGME („Interinstitutionelle Gruppe für die Schätzung der Kindersterblichkeit“) hin.
Der Zugang zu und die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung sind für Kinder weltweit nach wie vor eine Frage von Leben und Tod. Die meisten Todesfälle bei Kindern ereignen sich in den ersten fünf Jahren, die Hälfte davon innerhalb des ersten Lebensmonats. Bei diesen Kleinkindern sind Frühgeburten und Komplikationen während der Geburt die häufigsten Todesursachen. Auch mehr als 40 Prozent der Totgeburten ereignen sich während der Wehen – die meisten davon sind vermeidbar, wenn Frauen während der Schwangerschaft und der Geburt Zugang zu einer hochwertigen Versorgung haben. Für Kinder, die die ersten 28 Tage überleben, stellen hingegen Infektionskrankheiten wie Lungenentzündung, Durchfall und Malaria die größte Gefahr dar.
„Jeden Tag sind viel zu viele Eltern mit der Angst konfrontiert, ihre Kinder zu verlieren, manchmal sogar, noch bevor diese den allerersten Atemzug machen“, sagt Vidhya Ganesh, Unicef-Direktorin der Abteilung für Datenanalyse, Planung und Überwachung. „Solche weit verbreiteten, vermeidbaren Tragödien sollten niemals als unvermeidlich akzeptiert werden. Fortschritte sind mit einem stärkeren politischen Willen und gezielten Investitionen in einen gerechten Zugang zur medizinischen Grundversorgung für alle Frauen und Kinder möglich.“
Die Berichte zeigen vermehrt positive Ergebnisse: Seit 2000 ist das Sterberisiko in allen Altersgruppen weltweit gesunken. Die allgemeine Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren ist seit Anfang des Jahrhunderts sogar um die Hälfte gesunken, während die Sterblichkeitsrate bei älteren Kindern und Jugendlichen um 36 Prozent und die Totgeburtenrate um 35 Prozent zurückgegangen sind. Dies ist auf die verstärkten Investitionen in die Stärkung der primären Gesundheitssysteme zum Wohle von Frauen, Kindern und Jugendlichen zurückzuführen.
Allerdings sind die Fortschritte seit 2010 deutlich zurückgegangen. Organisationen warnen, dass bis 2030 fast 59 Millionen Kinder und Jugendliche sterben und fast 16 Millionen Babys durch Totgeburten ihr Leben verlieren werden, wenn nicht rasch Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung ergriffen werden.
„Es ist zutiefst ungerecht, dass die Überlebenschancen eines Kindes allein durch seinen Geburtsort bestimmt werden können und dass es beim Zugang zu lebensrettenden Gesundheitsdiensten so große Ungleichheiten gibt“, sagt Dr. Anshu Banerjee, Direktor für Gesundheit von Müttern, Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen sowie Alterung bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Kinder brauchen überall starke primäre Gesundheitssysteme, die ihren Bedürfnissen und denen ihrer Familien gerecht werden, damit sie – egal wo sie geboren werden – sowohl den besten Start als auch Hoffnung für die Zukunft haben.“
Die Überlebenschancen von Kindern sind nach wie vor sehr unterschiedlich, je nachdem, wo sie geboren werden. Berichte zeigen, dass Afrika südlich der Sahara und Südasien die größte Last zu tragen haben. Obwohl die afrikanischen Länder südlich der Sahara nur 29 Prozent der weltweiten Lebendgeburten verzeichneten, entfielen im Vorvorjahr 56 Prozent aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren auf diese Region, und auf Südasien 26 Prozent der Gesamtzahl. Kinder, die in diesen afrikanischen Ländern geboren werden, sind weltweit dem höchsten Risiko ausgesetzt, im Kindesalter zu sterben – ihr Risiko ist in etwa 15-mal höher als jenes für Kinder in Europa und Nordamerika.
Mütter in diesen beiden Regionen erleiden auch den schmerzhaften Verlust von Babys durch Totgeburten in einer außergewöhnlich hohen Rate: 77 Prozent aller Totgeburten im Jahr 2021 ereigneten sich in Afrika südlich der Sahara und in Südasien, wobei die Hälfte aller Totgeburten allein in Subsahara-Afrika stattfanden. Das Risiko einer Frau, eine Totgeburt zu erleiden, ist in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara siebenmal höher als in Europa und Nordamerika.
„Hinter diesen Zahlen stehen Millionen Kinder und Familien, denen ihr Grundrecht auf Gesundheit verwehrt wird“, sagt Juan Pablo Uribe, globaler Direktor für Gesundheit, Ernährung und Bevölkerung der Weltbank und Direktor der Global Financing Facility. „Wir brauchen politischen Willen und Führungsstärke für eine nachhaltige Finanzierung der primären Gesundheitsversorgung, welche eine der besten Investitionen ist, die Länder und Entwicklungspartner tätigen können.“
Auch wenn COVID-19 die Kindersterblichkeit nicht direkt erhöht hat – die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben, ist bei Kindern geringer als bei Erwachsenen –, könnte die Pandemie ihr Überleben in Zukunft stärker gefährden. In den Berichten wird insbesondere auf die Besorgnis über die Unterbrechung von Impfkampagnen, Ernährungsdiensten und den Zugang zur medizinischen Grundversorgung hingewiesen, die die Gesundheit und das Wohlergehen der Kinder über viele Jahre hinweg gefährden könnten. Darüber hinaus hat die Pandemie zu dem größten Rückgang der Impfquoten seit drei Jahrzehnten geführt, weshalb die am meisten gefährdeten Neugeborenen und Kinder einem höheren Risiko ausgesetzt sind, an vermeidbaren Krankheiten zu sterben.
„Als Sportlerin habe ich die ganze Welt gesehen. Bildung, Gleichberechtigung, Sicherheit und Zugang zu sauberem Trinkwasser sind Themen, die für uns beinahe selbstverständlich sind. In vielen Ländern kämpft man aber immer noch um diese Themen. Viele Kinder und Jugendliche kennen kein sauberes Trinkwasser und für viele ist die Armut ihr täglicher Begleiter.“ So begründet die dreifache österreichische Olympia-Teilnehmerin (Leichtathletik – Siebenkampf) Ivona Dadic ihr Engagement für Kinderrechte in alle Welt. Kürzlich wurde sie deswegen zu einer der Ehrenbeauftragten der Österreich-Abteilung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Unicef, ernannt.
„Ich fliege seit Jahren ins Trainingscamp nach Südafrika. Dort sehe ich jedes Mal wie schlecht es auch dort noch vielen Familien und insbesondere den Kindern geht. Kein sauberes Trinkwasser im eigenen Dorf zu haben belastet die Menschen dort sehr. Um an sauberes Trinkwasser zu gelangen, müssen die Kinder und Jugendlichen einige Kilometer zu Fuß zurücklegen. Ich möchte etwas tun. Ich möchte helfen. … Das UNICEF-Solarpumpen-Projekt in Malawi ermöglicht es vielen Kindern, an sauberes Trinkwasser zu gelangen ohne kilometerlange Wege zurücklegen zu müssen. Ohne jeden Tag diese Wege bestreiten zu müssen, können die Kinder wieder die Schulen besuchen und die ihnen zustehende Bildung genießen. Ich bin froh und fühle mich geehrt Teil dieser Bewegung zu sein und freue mich, noch vielen Kindern helfen zu können.“
… im südöstlichen Afrika ist nach wie vor eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt und besonders stark vom Klimawandel betroffen. Dabei ist der fehlende Zugang zu sauberem Wasser ein zentrales Problem. Viele Kinder können deshalb nicht in die Schule gehen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Weil sie an Durchfallerkrankungen oder anderen Infektionen leiden, oder weil sie für das zeitaufwändige Wasserholen zuständig sind. Letzteres betrifft vor allem Mädchen.
Die Versorgung von Schulen mit sauberem Trinkwasser ist entscheidend um einerseits Krankheitsfälle zur verringern und andererseits Kindern gleichermaßen durch Zugang zu Bildung eine selbstbestimmte Zukunft zu ermöglichen.
Der größte Teil der Bevölkerung Malawis ist jedoch auf Grundwasser angewiesen, das mittels dieselbetriebener Handpumpen aus geringer Tiefe gewonnen wird. Aufgrund von Umweltzerstörung durch Klimawandel ist jedoch der Grundwasserspiegel in einigen Teilen des Landes weit unterhalb des erforderlichen Wertes gesunken und unterliegt periodischen Schwankungen.
UNICEF fördert Wasserversorgungssysteme mit tieferen Bohrlöchern, die aus Grundwasser gespeist und mit Solarenergie betrieben werden, denn Kinder haben das Recht auf Bildung und eine gesunde und sichere Umgebung.
„Die Klimakrise bedroht bereits jetzt das Leben von Millionen Kindern und Jugendlichen rund um die Welt. Aus diesem Grund sind Projekte wie jenes in Malawi von großer Wichtigkeit. Wir sind dankbar und schätzen den tatkräftigen Einsatz von Ivona Dadic für das Wohl und die Rechte der Kinder und freuen uns, sie nun offiziell als Ehrenbeauftrage im Einsatz von UNICEF Österreich zu wissen“, betont Christoph Jünger, Geschäftsführer des Österreichischen Komitees für UNICEF, seine Freude über die prominente, sportliche Unterstützung.
110 Millionen Kinder auf der Welt sind extrem in ihrer Existenz bedroht. Für sie und 63 Millionen Erwachsene bat, nein forderte, am Montag das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen dringende Nothilfe. Dafür bräuchte es fast zehn Milliarden Euro, so die Unicef, um
die von humanitären Krisen, den anhaltenden Auswirkungen der weltweiten COVID-19-Pandemie und der wachsenden Bedrohung durch klimabedingte Extremwetterereignisse Betroffenen in 155 Ländern und Gebieten zu retten.
„Heute sind mehr Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen als je zuvor in der jüngsten Geschichte“, setzte am Montag die Exekutivdirektorin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Catherine Russell, einen dringenden Notruf an die Welt ab. „Überall auf der Welt sind sie mit einer tödlichen Mischung aus Krisen konfrontiert, von Konflikten und Vertreibung bis hin zu Krankheitsausbrüchen und rasant steigender Mangelernährung. Gleichzeitig verstärkt Klimawandel diese Krisen und löst weitere aus. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir über die richtigen Hilfsmittel verfügen, um die Kinder mit gezielten und rechtzeitigen humanitären Maßnahmen zu erreichen“, so die Unicef-Vertreterin laut einer Medien-Aussendung.
Übrigens: In der gesamten EU leben rund 140 Millionen Kinder und Jugendliche. Also fast genau so viele in anderen Gegenden der Welt, vor allem dem globalen Süden, sind extremst (lebens-)bedroht. Allein fast 37 Millionen Kinder wurden aufgrund einer Vielzahl von Krisen aus ihren Heimatregionen vertrieben – so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.
Im Rahmen des „Humanitarian Action for Children“ („Humanitären Maßnahmenplan für Kinder“), der den Finanzmittelaufruf von Unicef für das Jahr 2023 enthält, plant das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Kinder wie folgt mit Hilfe zu erreichen
Die fünf wichtigsten Spendenaufrufe nach Finanzierungsbedarf für 2023 sind:
* Afghanistan: 1,65 Milliarden US-Dollar
* Ukraine und Hilfe für Menschen auf der Flucht aus der Ukraine: 1,058 Milliarden US-Dollar
* Syrische Flüchtlingskrise: 867 Millionen US-Dollar
* Demokratische Republik Kongo: 862 Millionen US-Dollar
* Äthiopien: 674 Millionen US-Dollar
„Die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels sind eine allgegenwärtige Bedrohung für Kinder“, sagt Russell. „Deshalb setzen wir im Rahmen unserer humanitären Hilfe einen Schwerpunkt auf Klimaanpassung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit. So können wir die Kinder erreichen, die die heutigen Krisen durchleben und ihnen und ihren Gemeinschaften helfen, sich auf die kommenden vorzubereiten.“
Unicef weist auch darauf hin, dass auf die Menschen in so manchen Regionen der Welt von der internationalen Gemeinschaft oft „vergessen“ wird, so sind die fünf am schlechtesten finanzierten Hilfsaufrufe von Unicef für das laufende jahr folgende:
* Libyen 91% unterfinanziert – sozusagen Hilfe für eines von zehn notleidenden Kindern!
* Kamerun 89% unterfinanziert
* Libanon 89% unterfinanziert
* Europäische Mehrländer-Hilfe für Menschen auf der Flucht: 88% unterfinanziert
* Guinea 85% unterfinanziert
Die Kinderrechte – oder vielmehr eine Variante wie es zu ihnen gekommen ist, gemixt mit erzählerischen Momenten wie es gewesen sein könnte, verpackt in eine spannende Geschichte. Das gibt es nun als Broschüre: „Abenteuer Kinderrechte“ – und (nur) für Schulen sogar gratis (auch versandkostenfrei) – siehe Info-Box am Ende des Beitrages.
Mia Kirsch und Wolfgang Hartl, die Autor:innen, haben das „Abenteuer“ rund um eine der – viel zu wenig bekannten – Vorreiterinnen der Kinderrechte gebaut, Eglantyne Jebb (1876 – 1928). Die englische Lehrerin und ihre Schwester Dorothy Buxton setzten sich für den Schutz von Kindern ein und gründeten 1919 – im Jahr nach dem ersten Weltkrieg, die später international gewordene NGO (Nichtregierungs-Organisation) „Save the Children“ (Rettet die Kinder), die vor allem nach dem Krieg Kinder vor Hunger retten wollten.
Für die abenteuerliche Geschichte haben die Autor:innen die Figur der Egi geschaffen, die mit einem Heißluftballon in einer Stadt landet. Den „Fahr“-Korb – für diese Luftgefährte wird nie das Wort fliegen, sondern immer nur fahren verwendet – baute sie eine Hütte um. Und begann ein rotes Papierband zu spannen. Irgendwie klappte das allein nicht. Zum Glück ließen sich die Buch-Macher:innen drei Kinder einfallen – Pia, Lara und Deniz – die ihr halfen.
Sie und ihre Schwester seine dabei, Wünsche der Kinder für eine bessere Welt zu sammeln, erklärte Egi ihr Vorhaben. Und nicht nur die drei genannten, sondern auch ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Schule tanzten schon am nächsten Tag mit selbst geschriebenen Tafeln ihre Wünsche an. Die rechten von „sicher leben“, über „spielen, tanzen, lachen“, „gesund sein“, „mehr grün“, bis zu „genug zu essen“. Die hatten sie in der Schule mit ihrem Lehrer Janusz angefertigt.
Gleich auf der folgenden der gezeichneten und collagierten Doppelseiten (Illustration und Design: Wolfgang Hartl und Erika Friedl) flattert ein ebenfalls rotes Banner mit weißer Schrift und einem weiteren, ganz großen Wunsch vieler Kinder: „Macht unsere Erde nicht kaputt. Wir brauchen sie!“ Und entrückt die Story sozusagen aus der Geschichte in durchaus eher aktuellere Themen.
Einmal umgeblättert: „Das Recht, meine Talente zu entfalten“, „sauberes Wasser“, „das Recht auf Frieden – Menschen sind verschieden“…
Bevor Egi mit dem Ballon wieder abfuhr, um auch andernorts Kinder-Wünsche zu sammeln, sangen alle noch gemeinsam „Wir sind frei“ – und dieser Spruch steht in verschiedenen Sprachen und Schriften auf vielen weiteren roten Ballons.
Der Text des Liedes, ebenso wie zweier weiterer – „Recht auf Sternenlicht“ und „Löwenherz“, das Klein Leo und mit ihm auch dir Mut machen möchte – finden sich auf weiteren Seiten des broschürten Buches, das vom Verlag später auch in einer Hard-Cover-Version, dann allerdings nicht gratis, veröffentlicht wird.
In einem Anhang sind auch die wichtigsten Artikel aus der Kinderrechtskonvention kurz zusammengefasst. Und davor auf einer Doppelseite schon die Geschichte Eglantyne Jebbs und ihrer „Erklärung der Rechte des Kindes“ die 1924 als „Genfer Erklärung“ in „Völkerbund“ kam – das war zwischen den beiden Weltkriegen so etwas wie der Vorläufer der nach dem 2. Weltkrieg gegründeten Vereinten Nationen (UNO).
Ein bisschen zu kurz und nicht vollständig gezeichnet ist dann die Brücke von dieser „Genfer Erklärung“ zur von der UNO 1989 beschlossenen Kinderrechtskonvention.
Jebbs Kinderrechte beschränkten sich auf den wichtigen Schutz und die körperlichen Grundbedürfnisse. Sogar ein paar Jahre vorher hatte in Polen der Arzt, Schriftsteller und Pädagoge Henryk Goldszmit, besser aber hierzulange auch viel zu wenig bekannt unter seinem späteren Namen Janusz Korczak, auch das Recht von Kindern auf Mitbestimmung und -Gestaltung in seine kurze knappe „Magna Charta Libertatis“ (Großes Papier der Freiheit) geschrieben (1919). Und nicht nur das, in den von ihm geleiteten Waisenhäusern hat der diese Mitbestimmung der Kinder auch in der Praxis gelebt. Und dies sogar unter schwierigsten Bedingungen beibehalten – das letzte Waisenhaus lag während der Nazi-Besatzung Polens im Freiluftgefängnis Warschauer Ghetto.
Sein Wirken – und Sterben (als die Nazis die Kinder ins Vernichtungslager abtransportierten, ging er mit ihnen und wurde ermordet, obwohl sie ihn wegen seiner Berühmtheit und dem Einsatz ausländischer Regierungen freigelassen hätten) – war mitentscheidend, dass Polen 1959 in der UNO einen ersten Entwurf einer Kinderrechtskonvention eingebracht hatte. In den folgenden 30 Jahren wurde zwischen den Länder-Vertreter:innen sehr heftig diskutiert – Schutzrechte, darüber herrschte schnell Einigkeit, aber die Rechte auf eigene Meinung, gar Mitbestimmung … – das dauauauauerte.
Übrigens gab es auch einen – ebenfalls zu wenig bekannten – Wiener Reformpädagogen, der schon 1934 vor den Austrofaschisten flüchten musste und dann in Frankreich in einem Kinder-Flüchtlingsheim ebenfalls deren Mitbestimmung groß gehalten hatte. Und später aus den USA wohin er nach Besetzung ganz Frankreichs durch die Nazis flüchten konnte, viele Kinder aus der Diktatur retten konnte. Besprechung des Buches „Auf Wiedersehen, Kinder!“ über Ernst Papanek unten verlinkt.
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