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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Bärisch vereint"

„Bärig“es Bilderbuch gegen Vorurteile

Elsa und ihre beiden Kinder Ella und Emil sind Eisbär:innen. Ihr Untergrund wird immer brüchiger – das arktische Eis schmilzt in Klimawandelzeiten. Sie müssen weg, ziehen weiter südwärts, wo’s eigentlich noch wärmer ist, aber finden Zuflucht in einem kühlen Wald.
So lassen sechs sehr junge Autorinnen und Illustratorinnen ihr Bilderbuch „Bärisch vereint“ beginnen.

Ein Wickel muss her…

Wie viele Geschichten bauen die Schüler:innen, die aus einer kleinen Idee eine Junior-Company („Bearunity“) machten und schon 190 Bücher verkauft haben, zwecks Spannung einen Konflikt ein. „Naja… von Eisbären habe ich noch nie viel Gutes gehört. Die sind ja faul, riesig und die fressen uns sicher alles weg“, wettert Braunbär Bobo. So wie die Namen der Eisbär:innen alle mit E anfangen, so die der Braunbär:innen jeweils mit B.

„Brauner“ Wald

Als Klein-Braunbär Bruno beim Ballspiel mit Ella und Emil stolpert und sich verletzt, organisiert Papa Boris einen Wutmarsch… Der Wald solle wieder braun werden, steht in englischer Sprache in einem Slogan, der an Trumps „Make America Great Again“ erinnert, auf einem der Protestplakate.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Bärisch vereint“

… ein Happy End natürlich ebenso

Natürlich braucht’s eine neuerliche Wendung – zum Guten, schließlich muss die Story so enden, dass sie zum schon zitierten Titel passt. Und vor allem war ja die Grundidee der vier Jugendlichen, ein stark bebildertes Buch zu schaffen, das schon jungen Kindern Vielfalt und Zusammenhalt näherbringt. Wie es etwa auch DER Klassiker in diesem Bereich, Mira Lobes und Susi Weigels „Die Geggis“ (seit 1985), macht oder das aktuell im Renaissancetheater, dem großen Haus des Theaters der Jugend in Wien, laufende Musical „Die Wiese“ – Buch- und Stückbesprechungen unten am Ende des Beitrages verlinkt.

Wie aber der Plot-Twist abläuft – das wird hier nicht gespoilert; nur so viel sei verraten: Hilfsbereitschaft von Elsa spielt eine große Rolle.

Der Weg zum Buch

Das Buch kann via eMail – in der Info-Box – bei den Jugendlichen bestellt werden; oder bei Veranstaltungen direkt gekauft weden. Es gab schon diverse Lesungen in Vorarlberg (die sechs Buch-Autor:innen und -Illustrator:innen sind aus der HTL Dornbirn) und derzeit sind einige von ihnen in Wien beim Bundesfinale von Jugend Innovativ (sie in der Kategorie Design); am Freitag, 29. Mai 2026 ist Open Day samt Award-Show – Link in der Info-Box.

Jugend Innovativ-Projekte

PS: Natürlich berichtet Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – wie jedes Jahr und zuvor im Vorläufer Kinder-KURIER – über möglichst alle Finalprojekte, heuer 36 – nach den Preisverleihungen; wobei hier nicht nur die Erstplatzierten vorkommen, denn schon alle, die’s soweit geschafft haben, sind Gewinner:innen!

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Das Bilderbuch
Das Buch „Bärisch vereint“, hier die Titelseite zu sehen

Doppelseite aus dem Bilderbuch "Schluss. Aus. Basta!"

„… oder wir kacken unter deinen Baum“

Fast wie die sogenannten Bremer Stadtmusikanten bilden Tiere einen Turm auf der Titelseite. Sie wollen hier nicht größer wirken, um Räuber zu erschrecken. Aber die drei – in dem Fall alles – verschiedenste – Hunde wollen das recht weit oben im Baum sitzende Eichhörnchen einschüchtern.

Oder viel mehr anlocken: „He, Eichhörnchen, kommst du mit uns spielen?“, rufen sie dann auf der ersten wirklichen – nach auch schon spannenden Vorsatz- und Titel-Deckblättern – hiiiinauf; der Verlag hat ein schmales überhohes Buch aus Text und Illustrationen von Nina Wehrle gemacht.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Schluss. Aus. Basta!“

Entweder… – oder…

Das angesprochen, eher angeschriene kleine Nagetier scheint aber keine Lust zu haben – wenigstens einige Doppelseiten lang. „Entweder du kommst runter oder wir kacken unter deinen Baum“, drohen die drei Vierbeiner; zwei davon tun das auch schon.

Das rüttelt Eichhörnchen aus seiner Ruhe: „Entweder ihr hört sofort auf, den Wald zu verschmutzen, oder ich schieße“, ist es auch schon dabei die erste Nuss runter zu ballern.

„Schluss. Aus. Basta!“ führt die in der Folge aber – wie zu erwarten – schon zu gemeinsamen Spielen der vier Tiere. Immer wieder aber doch auch mit weiteren Streitereien mit frech-witzigen Streitereien: „Wasserschlacht! Oder Furzdiscooooooo!“

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Schluss. Aus. Basta!“

Ende, oder doch nicht… 😉

Und einem Ende – mit dem Buchtitel (das Italienische Basta steht für „genug“ bz. „es reicht!“), das sich dann beim Umblättern noch gar nicht als das „Aus“ der Geschichte herausstellt. Und selbst dann nochmals weiterläuft bzw. springt.

So schnell die Story vielleicht auch beim ersten Mal gelesen werden kann, so sehr lädt sie auch dazu ein, das Buch dann mindestens noch ein weiteres Mal durchzublättern, auf der einen oder anderen Doppelseite „übersehene“ Details sich zu Gemüte zu führen…

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Szenenfoto aus "Wolf" im Theater im Zentrum (Wien)

„Wolf“ – als Albtraum-Tier für unterschiedliche Ängste

Wolf – sinnbildliches Tier für das Böse. In Märchen. Und in so manch österreichischer Bundesland-Politik, wo die erst mühsam nach fast-Ausrottung wieder angesiedelten Tiere gern dem Abschuss freigegeben werden. Mittlerweile auch schon ohne, dass sie das eine oder andere Schaf gefressen haben.

„Wolf“ hat Saša Stanišić in seinem – auch preisgekrönten – Jugendroman zu einem Albtraumbild zweier Außenseiter und zum Symbol für deren – unterschiedliche – Ängste gemacht. Da ist zum einen ein klassisch Gemobbter: Jörg (Jonas Graber), der gern wandert und einen völlig uncoolen uralten Rucksack schleppt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ im Theater im Zentrum (Wien)

Bewusst bis zum Ende ohne Namen

Und zum anderen die Hauptfigur, ein 13-Jähriger, der nur widerwillig und mütterlicherseits zwangsweise auf dieses Ferienlager im Wald mitgekommen ist. Seinen Namen gibt sowohl der Roman-Autor als auch die Stück-Textversion demgemäß erst ganz am Ende Preis. Blöderweise nennen ihn sowohl das Theater der Jugend als auch das NÖ-Landestheater, wo das Stück schon vor mehr als einem Jahr in einer anderen Version lief, gleich in den Infos – und damit auch die meisten Kritiker:innen. Hier wird er gar nicht verraten, selbst in den Infos unten verheimlicht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ im Theater im Zentrum (Wien)

Anders, andersiger

Mino Dreier spielt diese Figur, die auf ur-cool und lässig tut, alles in Frage stellt, selbst an den Rand gedrängt wird, sich aber im Außenseiter-Tum eigentlich meist ganz wohl fühlt. Dann aber doch zunächst nicht gerade angetan ist, ausgerechnet mit Jörg die Unterkunft teilen zu müssen. Aber doch recht froh ist, dass der noch „andersiger“ ist.

Erst spät, als er doch mit Jörg mehr redet, kommt er drauf, dass der ebenfalls immer wieder von einem gefährlichen Wolf träumt.

Und dennoch steht ein und derselbe Wolf für unterschiedliche Ängste. Sind es für Jörg die auch ganz real erlittenen Attacken vor allem von Marko (Valentin Späth), so bei der Hauptfigur eher jene, kaum bis nichts zu tun, wenn er die Gemeinheiten anderer erlebt. Obwohl er nicht nur vom Kopf weiß, sondern es auch spürt: Jetzt müsstest du doch endlich was sagen, was tun…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ im Theater im Zentrum (Wien)

Großartige Puppe

In der Bühnenversion (Claudia Waldherr), die bis fast Ende Juni im kleineren Haus des Theaters der Jugend in Wien, siehe Info-Block – läuft wird Wolf immer wieder äußerst lebendig: Eine große Puppe aus den Händen von Soffi Povo, die hier auch schon grandios gespielt hat und nun Figuren vor allem für das Schubert Theater baut und dort spielt, taucht immer wieder wie fast aus dem Nichts auf. In Bewegung gesetzt wird dieser Wolf von bis zu drei Schauspieler:innen, die gerade nicht in ihren Rollen agieren.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ im Theater im Zentrum (Wien)

Rollenwechsler:innen

Der schon genannte Valentin Späth als Obermobber Marko schlüpft auch in die Rolle des ganz auf lässig tuenden „Piet“, der sich als Betreuer genauso wenig um die Jugendlichen schert wie seine Kollegin Bella, die auf esoterisch angehauchte dauerfröhliches Hippie-Girl macht, gespielt von Sascia Ronzoni. Sie verkörpert auch die Mutter, die den Jungen auf das Wald-Camp schickt und dort aber auch Benisha, ein Mädchen, auf das der 13-Jährige irgendwie steht. Und letztlich dann doch das Kletter-Duo mit ihr sausen lässt, weil er Angst hat, dass Makro als dem Jörg zugeteilter Kletterpartner dabei etwas Ernsthaftes antun könnte.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ im Theater im Zentrum (Wien)

Als fünfter auf der Bühne agiert Frank Engelhardt als mehr als grantelnder Koch, der aber als einziger der Erwachsenen ein Herz für die Jugendlichen hat, das er allerdings mehr als zu verbergen weiß. Außerdem gibt er noch den Kletterlehrer Axel und eine bitterböse satirisch-autoritäre Waldlehrerin Beate.

Das Theater roch zumindest in den ersten Tagen in den vorderen Reihen stark nach Wald, da „wir frisch geschnittene Bäume bekommen haben“, wie Bühnenbildner Daniel Sommergruber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… anvertraute.

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Fritzi Furchtlos - Von einer, die auszog, das Fürchten zu lernen"

Ziege Fritzi hat vor gar nix Angst…

Furcht und Angst – eine Reihe von (Bilder-)Büchern erzählen Geschichten, wie die eine oder der andere – ob Kind oder Tier – mit Angst umgehen lernt, sich ihr stellte, sie verarbeitet… Dieses über Fritzi, die Ziege geht vom Gegenteil aus. Denn dieses Tier ist, wie schon der Titel klar macht, „Furchtlos“.

Was aufs erste super wirkt, ist für die Hauptfigur alles andere als toll. Weder „vor der D-d-dunkelheit“ noch „vor dem sch-sch-schrecklichen Schrei der Eule“ ängstigt sich Fritzi. Auch Gedanken an einen Wolf können ihr nichts anhaben.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Fritzi Furchtlos – Von einer, die auszog, das Fürchten zu lernen“

Gefahr für sich und alle

Die Ziege ist damit aber nicht nur Außenseiterin in ihrer Herde, die anderen Ziegen fürchten, dass Fritzi nicht nur Gefahren für sie selbst unterschätzt, sondern die ganze Gruppe gefährdet sein könnte. Und so wollten alle Fritzi das Fürchten lernen. Es begann damit, dass der alte Bock Zecke der ganzen Schar Schauergeschichten erzählte.

Doch – und das ist jetzt sicher keine Überraschung – während die anderen heulten, deren Zähne klapperten und sie letztlich gar davonrannten, meinte Fritzi: „Eigentlich war deine Geschichte ja recht lustig… aber wann, verflixt, sträuben sich bei mir endlich die Haare?“

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Fritzi Furchtlos – Von einer, die auszog, das Fürchten zu lernen“

Auf dem Weg

Nächster Versuch: Fritzi sollte eine Nach allein im Wald verbringen. Selbst wenn du das Buch noch nicht kennst, kannst du dir wahrscheinlich denken, hilft auch nix in Sachen Furcht lernen. Erschrecken mit Wolfsmaske – auch Fehlanzeige. Wäre da jetzt ein echter Wolf – dann große Gefahr für die ganze Herde. Und so schickten sie Fritzi in die weite Welt – ganz allein – um… eh schon wissen.

Und klar, irgendwann wird das Buch „Fritzi Furchtlos – von einer, die auszog, das Fürchten zu lernen“ genau damit enden, dass die angstbefreite Ziege sich das aneignet. Dass dies nicht über Grusel, Grausamkeiten und Finsternis passiert, sondern aus Angst um einen Weggefährten, den sie kennenlernt, ist nur folgerichtig von der Autorin Katja Reider mit gezeichneten Bildern von Thorsten Saleina.

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Das Eisbärfell wird schon im Buch ziemlich lebendig, als Puppe erst recht, auf ihr reitet Finja durch Fantasiewelten

Mit und ohne Puppen lassen Autor:innen Bücher lebendig werden

Schreien dürfen, ja sogar erwünscht – das ist beim Eröffnungsfest des Wiener Ferienspiels seit  viiiilen Jahren beim Eröffnungsfest des Wiener Ferienspiels ein Hit. Als Wutbox – mit der Zusatz-Chance, auch aufzuschreiben, was du dir an utopischer Veränderung wünscht – gibt es sie bei der Buch Wien auch schon ein paar Jahre. Heuer nach dem großen Buch-Shop zu Beginn der neuen Kinder- und Jugendhalle. Wenngleich der Durchgang dazu ein wenig verwirrend ist, weil auf den Glastüren nur auf den Ausgang / Exit hingewiesen wird.

Wie auch immer, die meisten jungen Buch-Fans und solche, die es vielleicht noch werden, haben am ersten Tag dann doch den Weg ins Gewusel zwischen der eingangs genannten Wutbox, Bücherständen mit Plüschtieren, einer Karton-Wand mit Waben als gemütlichen Rückzugsorten und der Bühne gefunden.

Bücher werden lebendig

Auf letzterer lasen Autorinnen und Autoren im Halbstundentackt das eine oder andere ihrer Bücher lebendig werden. Die einen durch fast performative Lesungen, andere gar mit Figuren in Szene gesetzt. Stefan Karch etwa räumt zunächst den Boden hinter einem Tisch mit schwarzem Filz voll mit großen Stoffpuppen. Davor sagt er Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…: „Du hast geschrieben, dass mein Buch „nach einer Theaterversion schreit“ und jetzt ist es so weit!“

Finja, ihr Vater der König, ein Diener, ein Berater, ein Hauptmann und der Riese werden vom Autor und Illustrator des Buches „Finja und der Riese“ je nach Kapitel in szenischem Spiel vom Boden aufgeklaubt und spielen ihre Dialoge von Stefan Karch gesprochen und als Handpuppen geführt. Natürlich verrät er nicht, wie die Geschichte ausgeht, das erfolgte auch in dieser Buchbesprechung – unten am Ende verlinkt – nicht.

Vier Kinder lassen Papierpuppe „tanzen“

Übrigens: Noch bevor der Autor der wilden Geschichte, die er im Gegensatz dazu mit eher fein gezeichneten Figuren und Szenen illustrierte, der auch Puppenspieler ist, mit den dafür genähten Stofftyp:innen die Story spielt, lud er vier Kinder auf die Bühne. In null komma nix vermittelte er ihnen, wie sie mit einer aus Papier und Klebebändern gebastelten Puppe gemeinsam eine Szene spielen konnten, ja die Puppe sogar zur „Seiltänzerin“ auf einem Papierstreifen wandeln ließen.

Heute anfangen

Morgen ist ein Superwort, weil morgen ist immer. Morgen kann aber auch dazu verleiten, heute nix zu tun. Dieses Dilemma spielt in „Wer fängt an?“ von Lena Raubaum eine große Rolle. Die Autorin vielfältigster Geschichten hat diesen genannten Beitrag für den Sammelband „Lesen, checken, Klima retten!“ des Buchklubs verfasst, das vor rund einem Jahr vorgestellt wurde. Und gerade jetzt aktuell zur Weltklimakonferenz im brasilianischen Belem sehr gut passt. Bei der Versammlung der Tiere im „Ewigen Wald“ handelt der Buchfink statt zu schnattern, pfeifen oder „reden“. Und …

Wenn Raubaum liest, dann wird die Szene allein durch ihre Stimmvariationen, Mimik und Gestik lebendig – und schon reicht sie das Wort an die Kinder weiter, die ihre Ideen zur Klimarettung zum Besten geben – weniger mit dem Auto, mehr mit dm Rad fahren, Müll nicht achtlos wegwerfen, sondern trennen, nicht zu viel Wasser verbrauchen, mehr umweltfreundlicher Strom …

Du als Pippi Langstrumpf

Übrigens, wenige Schritte hinter der Wutbox kannst du, so du klein bist – oder dich niederkniest bzw. hockerlst – sehr stark fühlen. Am Beginn einer kleinen Astrid-Lindgren-Ausstellung ist an Stelle von Pippi Langstrumpfs Kopf ein Fotowand-Loch; statt der selbstbewussten Heldin vieler Kindergenerationen kannst du ihr Pferd „Kleiner Onkel“ sozusagen hochstemmen – siehe Foto.

Am Samstag, 15. November 2025, wird auf der Bühne in der neuen Kinder- und Jugendbuchhalle 80 Jahre Pippi Langstrumpf und genauso viele Jahre Mumins gefeiert – siehe Infobox am Ende.

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Mehr Informationen

Doppelseite aus dem Bilderbuch "Mahlzeit!"

Der Wolf und ein kleines Haserl

„Grauschnauz“ – auch wenn er auf der Titelseite ziemlich schwarz ist – will nicht mit den anderen Wölfen gemeinsam den Mond anheulen. Er möchte dem hell scheinenden Himmelskörper lieber ein eigenes, schönes Lied singen, verkriecht sich im Wald, um ganz allein mit dem Mond zu sein.

„Wie klar und rein das klang. Jeder einzelne Ton war perfekt! Selbst der Mond schien ein bisschen heller zu scheinen“, schreibt Larysa Maliush, die sich das Bilderbuch „Mahlzeit!“ ausgedacht und auch gezeichnet hat (Übersetzung aus dem Englischen: Anna Schaub). „Das war vollkommen falsch“ wird er da unterbrochen. Nicht von in den Wald zurückgekehrten anderen Wölfen, sondern von einem kleinen Häschen. Das heulte auch, aber anders, weil es ganz allein war.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Mahlzeit!“

Zum Fressen gern?

Üblicherweise ein Fressen für einen Wolf. Was hier natürlich nicht passiert, obwohl er es versucht.

Knuffel, so der kleine, weiße Hase kitzelt mit seinem Puschelschwänzchen Grauschnauz‘ Nase, der Wolf muss niesen – alles rundum erzittert, der Hase verliert einen Zettel – gerichtet an Finder, die gebeten werden, den kleinen Hasen nach Hause zu begleiten und als Dank winkt ein gemeinsames Essen. Auf das will sich die Titelfigur durchaus einlassen, an dem kleinen Häschen ist ja nicht viel dran…

Wie und was sich weiter abspielt – nein, wird hier sicher nicht gespoilert. Grau ist kein Zufall für des Wolfes Schnauze, die Autorin und Illustratorin wendet sich gegen die – im übertragenen Sinn – Schwarz-Weiß-Zeichnung von Verhältnissen 😉

Übrigens: Aktuell läuft im Mödlinger Stadttheater von der Gruppe teatro eine Musicalversion des Dschungelbuchs nach Rudyard Kipling, dessen Hauptfigur Mogli ja in der „Wildnis“ von Wölfen aufgezogen wird (Besprechung hier demnächst).

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Mahlzeit!“

Schlechtes Image bleibt kleben

Obwohl tausendfach von Fachleuten erklärt, dass Wölfe sehr sozial sind, Dutzende neuere (Kinder-)Bücher und Theaterstücke die vielen Geschichten vom „bösen Wolf“ zurechtrücken, leiden diese Verwandten der oft vermenschlichten Hunde noch immer an schlechtem Image. Den wiederangesiedelten in Mitteleuropa schon fast ausgerotteten Wölfe geht es in jüngster Zeit wieder mehr an den Kragen. Lobbys verlangen „Entnahmen“ wie Abschüsse verschleiert genannt werden.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Mahlzeit!“
Szenenfoto aus "Wo ist Wald?" von makemake produktionen

Im zugeschnittenen Holz den Wald erkennen lernen

Ein stilisierter Wald aus flachen, geschätzt A4-formatigen, hölzernen Bausteinen liegt im Halbdunkel einer erhöhten Bühne – mit ein bisschen Einblick in das Darunter. Leise, sanfte, atmosphärische Töne. Vier Schauspielerinnen bewegen sich in etwas, das Schneckentempo genannt werden könnte. Laaaaangsam kriechen, klettern, rollen sie zwischen diesen „Bäume“ und bringen – beim ersten Mal überraschend und erschreckend – einen solchen hölzernen „Turm“ zum Einsturz. Es ist nicht der letzte, der „dran glauben muss“.
„Wo ist Wald?“ heißt die neueste Performance von makemake produktionen.

Pam Eden, Nora Jacobs, Martina Rösler und Johanna Wolff bewegen sich nicht nur in unterschiedlichsten Geschwindigkeiten auf, unter, neben der Bühne, sie haben das Stück auch mit entwickelt (Text & Dramaturgie: Anita Buchart, Mika Tacke; Komposition: Elise Yuki Mory; Bühne: Mirjam Stängl; Kostüm: Maria-Lena Poindl; Endregie: Kathrin Herm). Die vier verwandeln sich in Käfer, Eule, Fuchs, Tausendfüßler, eine Eintagsfliege, einen Stein, Knöllchen-Bakterien, Pilze, die ihre Mycel-Fäden ziehen, zwei von ihnen werden eine Spinne, zwei andere wollen Baum werden…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wo ist Wald?“ von makemake produktionen

Mehrsprachig

Im Laufe der knapp 1¼ Stunden lassen sie viel von dem, das in, um, unter und über einem Baum und seinen Artgenossen, die gemeinsam einen Wald ergeben, abspielt vor allem über ihre Bewegungen und ihr Spiel mit den Holzplatten lebendig werden. So manches erzählen sie – in österreichsicher Gebärden- sowie deutscher Lautsprache. Oft kommen erst die Gebärden und für jene, die diese Sprache nicht können, kommt das Gesagte danach in der Antwort auf eine Frage oder im Dialog in hörbaren Sätzen zur Sprache.

Letzteres dokumentiert, dass hier die Gebärdensprache nicht „nur“ der Übersetzung dient, sondern eigenständiges Element der Inszenierung ist. Schön langsam kommt der Gedanke von Inklusion auch in der heimischen Theaterlandschaft an. Wobei das internationale Festival für visuelles Theater von Arbos, das am Abend vor dem hier besprochenen KiJuKU-Besuch im Linzer Phönix-Theater mit „Der kleine Prinz“ in eigenständiger Gebärdensprache, die auch nicht „nur“ das Gesprochene gedolmetscht hat, in Wien zu Ende ging, aber schon vor mehr als einem ¼-Jahrhundert als Gehörlosentheater-Festival begonnen hatte – da folgt noch eine Stückbesprechung.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wo ist Wald?“ von makemake produktionen

Aus Tier-, Pflanzen- und Steine-Sicht

Obwohl die Performerinnen natürlich Menschen sind, spielt sich das Stück vor allem aus Blickwinkeln von Pflanzen und Tieren, die vielfach in Symbiose Wälder bevölkern, ab. Samt Kopfschütteln darüber wie Menschen mit diesen Lebensräumen umgehen, sie zerstören, ja gar vernichten und seltsam über so manches denken. Während diese Wesen einen umgefallen, geknickten Baum „Totholz“ nennen, ist dieser doch voller Leben!

Hin und wieder jedoch switchen die Schauspielerinnen auch in den Rollen von Tieren in menschliche Perspektiven – etwa, wenn die Borkenkäfer den Tausendfüßler mit einem „Witz“ über die vielen Schuhe aufziehen wollen. Und geben erst recht damit solche menschlichen Überheblichkeiten der unfreiwilligen Lächerlichkeit preis 😉
Irgendwie erinnern wohl auch die Szenen zu Beginn, wo die „Tiere“ einen Baum nach dem anderen „schlägern“, an unseren Umgang mit Wald. Gegen Ende kommen auch noch die von Menschen gepflanzten monokulturellen Fichtenbaum-Plantagen zur Sprache, während die Performerinnen als „Tiere“ ganz unterschiedliche Bäume aus den Holzbausteinen wieder – und anders – aufbauen.

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Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wo ist Wald?“ von makemake produktionen
Szenenfoto aus "Ich bin der Wald"

Mit „Rotkäppchen“ einen magischen Wald erleben

Am Rande der Prater Hauptallee – stadtauswärts nach der Kreuzung mit der Meiereistraße an der auch das Ernst-Happel-Stadion liegt – starten derzeit bis 10. Mai 2025 (Details Info-Box am Ende des Beitrages) theatrale Hörspiel-Abenteuer-Touren. Beim Treffpunkt der Performance „Ich bin der Wald“ (VRUM Performing Arts Collective für den Dschungel Wien) kriegt jede und jeder einen Kopfhörer, und wartet auf Tänzerin und Schauspielerin Jolyane Langlois, die als „Rotkäppchen“ (allerdings bis zu den Schuhen ganz in Rot, nur die Socken lugen schwarz hervor) die Gruppe auf eine rund 50-minütige Expedition mitnimmt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin der Wald“

Fast ein Urwald

Und was für eine. Selbst regelmäßige Läufer:innen, Radler:innen, selbst Spaziergänger:innen in der Hauptallee sind erstaunt und verzückt über diesen magischen Urwald zwischen den Baumreihen und dem nahegelegenen „Rosenwasser“. So manch knorriger Baum, urige in die Höhe ragende Wurzelgeflechte, quer liegende Totholz-Stämme und Äste, die fast aus illustrierten Märchenbüchern stammen könnten, tun sich vor allen Sinnen des mitwandernden Publikums auf.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin der Wald“

Spüren

Wäre allein schon das Schauen, Hören, Riechen, Spüren, bewusstes Ein- und Ausatmen dieses kleinen und doch so großen „Paradieses“ ein Erlebnis für sich, so passen die stimmungsvollen, fantasiereichen und doch auch informativen Texte (Cornelius Edlefsen) extrem angepasst an die Landschaft dazu. Die Performerin als Guide leitet die Gruppe an, lädt sie ein, sich mit der umgebenden Natur vertraut zu machen und zu verbinden. Kleine Baum-Sämlinge zu spielen, die nach und nach – natürlich trotz Langsamkeit viel schneller wachsen als deren echte Vorbilder. Oder, darauf zu achten, was sich unter den Füßen der Wanderenden (be-)findet, sich wie Wurzeln oder Pilzfäden miteinander zu verbinden…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin der Wald“

Erkunden

Rotkäppchen will hier – wie in so manch anderen, neueren (Theater-)Versionen des alten Märchens – natürlich vom sogenannten rechten Weg abkommen und die Natur erkunden, den Wald und seine fast geheimnisvollen Kräfte samt dem vielfältigen Leben in ihm entdecken (Konzept: Sanja Tropp Frühwald, die auch Regie führte und für die Choreografie verantwortlich ist, sowie Till Frühwald).

Wissen sinnlich wahrnehmen

Wie wichtig Bäume und Wälder für das gesamte Weltklima im Allgemeinen und für Menschen im Besonderen sind, mussten und müssen sich vor allem Stadtbewohner:innen schön langsam wieder aneignen. Das Wissen über die „grünen Lungen“ wurde nicht zuletzt über die vor allem junge Klimaschutzbewegung verbreitet – ob das zuletzt Fridays for Future war oder schon vor rund 20 Jahren die von Kindern gegründete Initiative Plant for the Planet. Deren kurz zusammengefasster Grundgedanke „Bäume sind DIE Maschinen gegen den Klimawandel“ führte auch zu ihren tatkräftigen Hands-on-Aktionen, selber für das Pflanzen möglichst vieler Bäume aktiv zu werden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin der Wald“

Achtsamkeit mit Hindernissen

„Ich bin der Wald“ will durch die Verknüpfung des konkreten Wald-Erlebnisses mit Geschichte(n) rundum diese natürliche Gegend die Achtsamkeit auf diese unsere (externe) Lunge fördern – ohne belehrend zu sein oder Ver- und Gebote aufzustellen.

Einzige Schwäche: Diese Expedition kann nicht barrierefrei stattfinden, es müssen querliegende Baumstämme überklettert oder -stiegen, auf Wurzeln und Äste geachtet werden… Und – eine große Gruppe sowie vorgegebenes Hörspiel-Tempo verhindert individuelles Verweilen und Eintauchen in die natürliche Umgebung. Aber letzteres lässt sich ja bei einem späteren Wiederkommen nachholen.

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kinder-pflanzten-baeume-fuer-klimaschutz <- damals noch im Kinder-KURIER

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin der Wald“
Regenbogenwurm und die Kasperl

Das neue Wesen im Wald soll ein Monster sein…

„Das ist kein Monster!“ Immer und immer wieder rufen Kinder dies in Richtung der Kasperlbühne auf Bühne 3 im Dschungel Wien. Der Regenbogenwurm hat Angst vor einem solchen. Auch die Kasperl, seine Begleiterin, glaubt anfangs das, was Schlotter-Otter über ein furchterregendes Wesen im kuschelig-plüschigen Wald erzählt.

Gesehen hat er’s nicht, aber der Dachs hat davon erzählt, weil die Eule Etienne darüber berichtet hat. Und möglicherweise hat auch sie’s nicht aus eigener Anschauung…

Der genannte bunte Wurm – Kind von Regenwurm und Regenbogen – und die Hauptfigur wollen eigentlich zu einer Party bei Mika Maus. Da taucht eben der Otter mit seinem Gerücht auf. Und darum kreist „Die Kasperl und ihre Abenteuer“ für Besucher:innen ab 3 Jahren nicht ganz eine ¾ Stunde.

Kuschelwuschel, gerüchteweise von einigen Tieren des Waldes als
Kuschelwuschel, gerüchteweise von einigen Tieren des Waldes als „Monster“ bezeichnet

Kuschelwuschel

Natürlich haust kein Monster im Wald. Was auftaucht ist ein haariges grünes Wesen mit Glubschaugen, das ein wenig an das alte Kinder-TV-Maskottchen Confetti (gelb mit grünen Haaren, 1994 – 2008) erinnert. Es hat zwar zwei lange gebogene Zähne ähnlich von Elefanten, aber ist wie auch der dazu passende Name „Kuschelwuschel“. Und neu hier im Wald. Nach Schrecksekunden bei der ersten Begegnung, freunden sich natürlich Regenbogenwurm und die Kasperl mit dem neu zugezogenen Wesen an. Noch dazu wo sie draufkommen, es ist kuschel-wuschelig wie Kasperls Haare und dessen Höhle farbenfroh wie Regenbogenwurm.

Die Kasperl

Die Titelfigur mit Wuschelhaar, die gern klettert und „Astronautin oder Chefin“ werden möchte, ist nach Jahrhunderten nun eben einmal weiblich – auch wenn das Rechtschreibprogramm oder gar die Autokorrektur den bestimmten Artikel als Fehler anzeigt oder gar gleich auszubessern trachtet 😉

Das Trio von
Das Trio von „Die Kasperl und ihre Abenteuer“: Thomas Kolle, Simon Scharinger, Benita Martins

Benita Martins und Thomas Kolle, die sich das Stück ausgedacht haben und die Figuren auf der kleinen Puppenbühne führen, sie immer wieder aber auch darüber hinaus auftauchen lassen, nennen es im Untertitel „feministisches Puppenspiel“, was vielleicht doch ein wenig hoch angetragen ist: müsste doch sonst jede Geschichte mit einem Mädchen oder einer Frau in einer traditionell männlichen Rolle schon feministisch sein, aber bitte.

Großes Instrumentarium

Zu den beiden Puppenspieler:innen gesellt sich als Dritter im Bunde – und das neben der Bühne mit Simon Scharinger ein Live-Musiker: Ukulele, Gitarre, „singende“ Säge mit Geigenbogen gespielt, Rassel, Miniatur-Synthesizer, Loop-Station und ein Nussknacker sind sein vielfältiges Instrumentarium mit dem er Melodien für – selber gesungene – Lieder ebenso wie unterschiedlichste Geräusch-Kulissen erzeugt.

kijuku_heinz

Live-Musiker Simon Scharinger des Stücks
Live-Musiker Simon Scharinger des Stücks „Die Kasperl und ihre Abenteuer“
Szenenfoto aus "Wolf" in der Bühne im Hof (St. Pölten; Gastspiel des NÖ Landestheaters)

Wie könnte der „Wolf“ besänftigt werden?

Ein stilisierter Wald – aus vor allem sechseckigen geschlossenen und röhrenförmigen hölzern wirkenden Elementen sowie im Hintergrund ebenfalls sechs hohen Stoffröhren mit Blätter und Rindenmuster (Bühne und Kostüme: Thorben Schumüller). Hier spielt sich „Wolf“ in der Bühne im Hof (St. Pölten ab). Es ist das jährliche Jugendstück-Gastspiel des nahegelegenen Landestheaters. Und es ist eine von mehr als einem halben Dutzend Dramatisierungen (in deutschen Städten) des gleichnamigen Erfolgsromans von Saša Stanišić – mit Illustrationen von Regina Kehn, von denen eine (Seite 67) offenbar die Formen der Bühnen-Elemente inspiriert hat.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ in der Bühne im Hof (St. Pölten; Gastspiel des NÖ Landestheaters)

Ferienlager, noch dazu im Wald, das hasst der ich-erzählende Jugendliche, der seinen Namen sowohl im Buch als auch folgerichtig auf der Bühne erst im allerletzten Satz Preis gibt; was blöderweise der Programmzettel konterkariert; weshalb er hier, aber auch in der Info-Box am Ende nicht genannt wird. Die Mutter hat ihn angemeldet, weil es sich für sie betreuungsmäßig nicht anders ausgegangen ist. Also muss er wohl mit – gemeinsam mit den meisten aus seiner Klasse. Was er sich ebenfalls lieber sparen würde.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ in der Bühne im Hof (St. Pölten; Gastspiel des NÖ Landestheaters)

Albträume

Als Außenseiter profitiert die Hauptfigur „nur“ davon, dass ein weiterer Mitschüler namens Jörg noch mehr „andersiger“ (Wortschöpfung von Stanišić) ist, das Opfer des Ober-Mobbers und dessen Kumpanen. Und klar landen Jörg und der Erzähler gemeinsam in einer der Hütten. Wolf – die Titelfigur – taucht in (Alb)Träumen des zentralen Jugendlichen auf – und, das sei gespoilert, auch in solchen von Jörg. Angst – des einen, ständig gemobbt bis gewalttätig behandelt zu werden; des anderen vor allem vor der Feigheit, nichts dagegen zu sagen oder gar zu tun.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ in der Bühne im Hof (St. Pölten; Gastspiel des NÖ Landestheaters)

Während Roberto Romeo ausschließlich diesen einerseits zwiegespaltenen, andererseits doch rebellischen Jugendlichen gegen die vorgegebenen Zwänge des Ferienlagers spielt, schlüpfen seine drei Schauspiel-Kolleg:innen in alle anderen Rollen aus denen sie – meist mit andere Kleidung, aber auch anderem Tonfall und Gehabe wieselflink switchen. Wobei manche Figuren mehrmals von anderen Spieler:innen dargestellt werden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wolf“ in der Bühne im Hof (St. Pölten; Gastspiel des NÖ Landestheaters)

Drei Schauspieler:innen mit vielen Rollenwechseln

So gibt Marthe Lola Deutschmann nur zu Beginn die Mutter der Hauptfigur, dann eine der Ferienlager-Betreuerinnen namens Bella, aber auch hin und wieder deren Kollegen Piet und mindestens noch eine Mitschülerin namens Benisha, vom Erzähler ein bisschen angehimmelt. Deutschmann wird aber auch der Ober-Mobber Marko. Den verkörpert aber meisten Michael Scherff, der wiederum auch noch den Koch, den einzigen, der den Hauptdarsteller zu verstehen scheint, ebenso spielt wie den Klettertrainer den Betreuer Piet und noch Zora. Vierter im Bunde auf der Bühne ist Tobias Artner als in anderen Szenen ebenfalls Betreuer Piet, Klettertrainer, vor allem aber Jörg, das Mobbingopfer.

Projizierte Ängste

Der Wolf taucht in Projektionen (!) – auf einer ebenfalls sechseckigen Fläche im Hintergrund – auf, oft nur als überdimensionales Angst einflößendes aufgerissenes Auge, gegen Ende als animierte Zeichnung und da als sanftes fast Haustier, dazwischen mit Karton-Maske – wie andere Tiere – auf den Köpfen der Schauspieler:innen. Die so ernste Story wird schon im Buch, auf der Bühne vielleicht sogar noch mehr, neben dem Spielwitz von Humor durchzogen. Für Lacher sorgen auch am stilisierten Lagerfeuer uralt-Songs wie „Marmor, Stein und Eisen bricht…“

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Seiten aus "Wolf"

Wenn Angepasste wen „andersiger“ machen und ein weiterer Außenseiter schweigt

Wolf – in praktisch allen Märchen ein ur-Böser. Und seine Schon- und Schutzzeit in den Wäldern, wo er erst wieder angesiedelt wurde, ist auch schon wieder in Gefahr. „Problem-Wölfe“, die Schafe fressen, sind der Vorwand für Jagdwütige, zumindest das eine oder andere Exemplare wieder auf die Abschussliste zu setzen. „Entnahme“ wird die nicht selten beschönigend, verharmlosend genannt. …

Ob das Gründe für Saša Stanišić waren, seinen Roman für junge Jugendliche (ab 11 Jahren) so zu nennen und einen solchen geheimnisvollen im Ferienlager – in den Träumen von Jörg und dem Erzähler auftauchen zu lassen? Und er taucht immer wieder in den entweder schwarz-weiß oder gelb gehaltenen Comic-artigen Zeichnungen von Regine Kehn auf.

Seiten aus
Seiten aus „Wolf“

Übrigens, der Name des erzählenden Jungen wird hier nicht gespoilert, nennt ihn der Autor doch erst im allerletzten Satz der rund 180 Seiten.

Ängste

Der Wolf könnte hier für Ängste stehen. Ängste hat jeder, erklärt der Protagonist den Betreuer:innen im Ferienlager im Wald. Auf das er so überhaupt nicht wollte. Aber die alleinerziehende Mutter hatte für diese Sommerwoche keinen anderen Plan, niemanden, der sich um die Hauptfigur kümmern könnte. Den Ferienhort fand er noch abstoßender.

Rausdrängen und mobben

Natur im Allgemeinen und Wald im Besonderen lehnte er ab. Schlau und eloquent versucht er sich allen Zwangs-Gemeinschafts-Aktivitäten zu entziehen. Dabei würde er – so liest es sich zwischen den Zeilen und gar nicht so selten auch aus seinen Gedanken, die ihn der Autor äußern lässt – doch nicht gern immer der Außenseiter und allein sein. Sein „Glück“ ist, dass ein anderer Junge im Ferienlager, zu dem fast alle aus seiner Klasse mitkommen, der schon zuvor immer markierte Außenseiter ist. Dieser Jörg wurde schon davor von Mitschülern gemobbt, drangsaliert…

„Jörg ist wie alle eigen, er wird aber von den anderen nochmal andersiger gemacht, verstehst du? Man kann jemanden nämlich absichtlich verandern. Sorry, mir fallen nur erfundene Wörter ein.“

Seiten aus
Seiten aus „Wolf“

Ich sollte doch was sagen…

Somit ist der „Wolf“-Erzähler die meiste Zeit aus dem Schneider. Irgendwie entstehen in ihm Gefühle, diesen Jörg beschützen zu sollen/ wollen, mal da oder dort einzuschreiten. Aber meist bleibt‘s bei den Gedanken und Gefühlen: Sollte, wäre angebracht… Selten bis gar nie  sagt oder tut er wirkliche etwas in dieser Richtung. Was auch zu seinem Unwohlsein mit beiträgt.

Plastische Schilderung, anregend für eigene Fragen

Saša Stanišić fühlt sich in diese seine erzählende Hauptfigur extrem gut ein, schildert das Ferienlager samt den jungen Jugendlichen, den Betreuer:innen und nicht zuletzt den Koch, den einzigen der den Erzähler zu verstehen scheint, so plastisch, dass sich das Geschehen vor dem eigenen geistigen Auge abzuspielen scheint. Und du dich als Leserin oder Leser vielleicht immer wieder selbst fragst, würd ich es schaffen, Zivilcourage zu zeigen? Und das alles kommt aber ganz ohne erhobenen Zeigfinger aus.

Seiten aus
Seiten aus „Wolf“

Übrigens: Eine dramatsierte Fassung von „Wolf“ kommt als Gastspiel des NÖ-Landestheaters im Jänner auf die „Bühne im Hof“ (St. Pölten) – siehe Link in der Info-Box am Ende.

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Titelseite von
Titelseite von „Wolf“
Doppelseite aus "Komm, wir spielen, kleiner Fuchs"

Hase stibitzt Schneetiers Nase

Mehr als eineinhalb Dutzend (Papp-)Bilderbücher rund um einen, nein „den“ kleinen Fuchs haben Florence Dailleux in Bildern und Ulrike Motschiunig in Texten schon veröffentlicht. Manche drehen sich ums gleiche Thema oder spielen im selben Ambiente. Fast immer gibt es dennoch Neues zu entdecken. In „Komm, wir spielen, kleiner Fuchs!“ freut sich der kleine Fuchs – wie auch in anderen der Bücher, die im Winter spielen, über Schnee und zugefrorene Wasser, auf denen er dahinlaufen kann.

Gemeinsam mit Reh und Hase – alle drei ernähren sich vegetarisch – spielen sie – im von Weiß dominierten Winterwald. Und dann entdeckt das Trio ein für alle drei noch nie gesehenes „Tier“. Selbst wenn du in schneearmen Gegenden aufwächst, erkennst du die drei aufeinander geschichteten Schneekugeln sofort.

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Doppelseite aus
Doppelseite aus „Komm, wir spielen, kleiner Fuchs“

Dieses Tier rührt sich nicht und der Hase stibitzt die orange-rote Nase. Immerhin teilt er die Karotte mit seinen Spielkameraden. Als sie satt und ein bisschen schläfrig sind, rührt sich bei der Hauptfigur dieses und der vielen Bücher dieses Duos schlechtes Gewissen. Und Füchslein findet eine Ersatznase und sogar noch mehr fürs Gesicht des Schnee-„tieres“…

Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Komm, wir spielen, kleiner Fuchs“

Szenenfoto aus "Wenn Schnecken hausen"

Lebendig gewordenes Wald-Wimmelbuch auf der Bühne

Gut ein Dutzend unterschiedlicher Körbe sind das zentrale verwandelbare Material (Bühne & Kostüme: Salha Fraidl) dieses gespielten und musizierten fantasievollen kindlichen Spiels. So wie Kinder aus Sesseln, Schüsseln, Pölstern, Sesseln, Decken oder was immer sie zur Hand haben ihre eigenen Welten bauen, so entführen Katharina Schwärzer und Amedeo Miori das (sehr junge) Publikum in einen Zauberwald. In „Wenn Schnecken hausen“ verwandeln die beiden die Körbe verschiedener Größen, Formen, Farben werden nach und nach zu einem Baum, manche zu Ameisen- oder Käfer-Köpfen, und einige von ihnen auch zu einem Schneckenhaus.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wenn Schnecken hausen“

Viele Theatermitteln

Die beiden Bühnenkünstler:innen arbeiten neben Schauspiel viel mit fast tänzerischen Bewegungen, Musik – Katharina Schwärzer spielt Ukulele, Gitarre, Geige, ihr Kollege am Ende gar mit einer ziemlich großen Marimba, einer Verwandten des Xylophons. Und mit zwei Sprachen – Deutsch und Italienisch. Und das funktioniert wunderbar, vor allem bei den Kindern, weil ohnehin durch das Spiel immer ziemlich klar ausgedrückt wird, was auch sprachlich gemeint ist. Amedeo Miori, der vom Zirkus kommt (Circo Paniko) bringt auch ein paar Jonglage- und Balance-Kunststückerln mit ins Spiel – und ein Eichhörnchen als Handpuppe. Die beiden haben das Stück gemeinsam mit Laura Nöbauer und Uschi Oberleiter, Co-Direktorinnen des Jungen Tiroler Landestheaters entwickelt. Die beiden zuletzt Genannten sind für Regie und Dramaturgie  von „Wenn Schnecken hausen“ zuständig.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wenn Schnecken hausen“

Entdeckungslust

Wie in einer Art lebendig gewordenem Wimmelbuch gibt es eine Stunde lang – für manche der jüngeren Kinder doch ein bisschen zu lang – viele zu schauen, zu hören, zu entdecken. Welches Tier könnte das nun sein, das da mit einer Art Irokesenfrisur, Reifrock und Art Federboa aufkreuzt? „Und Käfer, welche Arten kennt ihr denn?“, werden etwa die Kinder gefragt. Neugier wird nicht zuletzt durch einen irgendwo zwischen dem Publikum auftauchenden kleinen alten Köfferchen geweckt, das ein großes Geheimnis umweht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wenn Schnecken hausen“

Gemeinsam entwickelt

Das mobile Stück für schon sehr junges Publikum tourt vor allem durch Kindergärten des besagten Bundeslandes, aber auch im benachbarten Südtirol (Italien, womit die Zweisprachigkeit auf der Bühne noch einmal eine andere Bedeutung bekommt). Da es von der Jury des Stella, Theaterpreis für junges Publikum, als eine der herausragenden Produktionen für Kinder nominiert wurde, war es nun beim Festival in Kärnten, in diesem Fall im Bambergsaal in Villach zwei Mal zu sehen.

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Compliance-Hinweis: Zur Berichterstattung vom Stella-Festival wurde KiJuKU.at von der ASSITEJ-Austria eingeladen.

Doppelseite aus dem Bilderbuch "Das Tännchen Felix"

Immer auf die Kleinen losgehen…

Kurt ist eine große, mächtige Tanne. Und stolz darauf. Aber auch mehr als überheblich. Grausam macht er sich lustig über seinen Artgenossen Felix, nur weil der viel kleiner ist und deshalb – nicht nur von Kurt Tännchen genannt wird. Was Felix verständlicherweise sehr kränkt.

Kurt hört rein gar nicht auf die Ermahnung der Lehrerin Immergrün, einer Bärin, in der Baumschule: „Nett sein ist was für alle“ – so die Aufforderung der Lehrerin. Aber schon auf der nächsten Doppelseite, in der es um die Vorbereitung der Tannen auf Weihnachten geht. Wobei all diese Nadelbäume des Waldes das Glück haben, nicht abgeholzt und nur für wenige Tage oder zwei, Wochen in einem Wohnzimmer stehen zu müssen. Sie dürfen im Wald bleiben, werden dennoch geschmückt – damit Tiere hier dieses Fest feiern können.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Das Tännchen Felix“

Weshalb die Lehrerin dann allerdings den Bäumen die Aufgaben gibt: „gerade stehen“, „möglichst wenig Nadeln verlieren“ entzieht sich doch der Logik. Dass sie nicht mitsingen sollen – gut, das passt dazu, dass die Tannen auch für die Tiere hier geschmückt werden wie in Wohnungen.

Und es kommt wie fast vorauszusehen – zur Freude Kurts – Ob Familie Fuchs, Dachs, Maulwurf, Reh, Specht und so weiter – alle „übersehen“ Felix.

Natürlich nur fast alle, Happy End muss her und – nein, welches Tier sich gerade darüber freut, dass Felix nicht größer ist, das wird nicht gespoilert. Nur so viel: Dieses Tier kann auch die eigene Familie davon überzeugen, rund um diese kleine Tanne zu feiern.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Das Tännchen Felix“
Szenenfoto aus "Solastalgia"

Fällt der Baum, stirbt der Mensch

Gleich vorweg: Dieses Stück und mindestens genauso die Umsetzung durch der fünf Schauspielstudierenden samt Regie, Choreografie und Bühnenbild verdienen sich mehr Publikum als bei der zweiten Aufführung im Kasino am Schwarzenbergplatz. Definitiv. Ob’s daran lag, dass es Sonntagabend war oder eventuell auch am sperrigen Titel sei dahingestellt.

Stirbt der Baum, stirbt der Mensch – so beginnt das kurze (knapp mehr als eine Stunde) Spiel fast schockierend. Der erste (Tristan Witzel) kommt auf die Bühne – wie später auch seine Kollg:innen mit Dreadlock-Perücke, die an eine Baumkrone erinnert – geht einige Schritte und fällt. Ähnlich Sophie Borchhardt, Laura Schlittke, Flo Sohn und – in diesem Fall die Dramaturgn Christina Schlögl, die spontan für die erkrankte Sarah Wockenfuss einspringt und deren Rolle einliest.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Solastalgia“

Tafelbilder

Alles spielt sich auf grünen Teppichen mit weißer alter Schrift ab – Kunstrasen, Spielfeld oder Schultafel? Das – inhaltsstarke – Programmheft verrät: Bühnen- (und Kostümbildnerin) Kathrin Krumbein „zitiert die Ästhetik der Handschriften von Joseph Beuys (1921 – 1986) und David Mowaljarlai (1925 – 1997)“. Im Hintergrund steht im Zentrum ein halbkreisförmiges Metallgerüst über einer verrosteten großen Schiffsschraube – aus Styropor gebaut). Immer wieder erklettert die eine und der andere der Schauspieler:innen den Bogen, um von oben zu sprechen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Solastalgia“

Baum und Mensch

Thomas Köck hat in „Solastalgia“ (Begriffsklärung weiter unten) den großteils noch unsichtbaren Tod der natürlichen Wälder mit einem sterbenskranken „Vater“ verknüpft – Ignoranz in beiden Fällen (in letzterem mit persönlichem Bezug des Autors). Dem Quintett gelingt es den – teils doch sperrigen, immer wieder sehr reflexiven – Text von seiner Schwere befreit zwar bedeutungsschwanger aber doch mit einer spielerischen Leichtigkeit zu transportieren. Der Ernst der Lage landet im Kopf des Zuschauern/Zuhörers (in dem Fall männlicher Singular, weil nur das eigene Erlebnis beschreibend) und berührt durch die Art der Inszenierung (Regie: Christina Rast) ohne je niederschmetternd zu wirken. Wobei hier die Musik von Bo Wiget einen nicht unwesentlichen Beitrag liefert.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Solastalgia“

Der Abend thematisiert zentral – und doch nicht belehrend – die Absurdität, dass auf der einen Seite Aufenthalt im Wald als so erholsam („Waldbaden“) promotet, mit „Heimat“ ideologisch aufgeladen wird. Andererseits existieren kaum mehr wirklich natürliche Wälder, sondern praktisch nur mehr wirtschaftliche „Nutzflächen“ monokultureller Bäume. Die noch dazu so gepflanzt wurden, um sie möglichst effizient schlägern zu können. Übrigens erlauben erst die Monokulturen (übrigens vorwiegend aus Skandinavien importierte Fichten) den großflächigen Befall von Schädlingen wie dem so berühmt gewordenen Borkenkäfer. Zusätzlich verlangt der Klimawandel, dass neue Baum-Arten angepflanzt werden müssen, die dem Temperaturanstieg standhalten.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Solastalgia“

Solastalgia …

… – viele mussten/müssen sich vor dem Besuch der gleichnamigen Vorstellung erst schlau machen, dass dies für „Verlorengehen eines trostspendenden, geliebten Ortes“ steht, wie es in der Kurzbeschreibung des Burgtheaters zum Stück heißt. Oder wie wikipedia schreibt: „Solastalgie bezeichnet ein belastendes Gefühl des Verlustes, das entsteht, wenn jemand die Veränderung oder Zerstörung der eigenen Heimat bzw. des eigenen Lebensraums direkt miterlebt. Geprägt wurde der Begriff 2005 durch den australischen Naturphilosophen Glenn Albrecht. Der Begriff Solastalgie ist ein Neologismus, eine Kombination aus dem lateinischen Begriff sōlācium (Trost) und der griechischen Wurzel -algia (Schmerz, Leiden, Krankheit).“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Solastalgia“

Trost spendet die Aufführung nicht, könnte sie auch nie und nimmer, ist die Lage doch in der Wirklichkeit ziemlich grenzwertig. Den Schmerz über das Leiden und die Krankheit – sowie die mangelhafte Gesundungsstrategie – greift das Stück auf und verschafft Hilfe bei der Bewältigung durch das Herstellen größerer Zusammenhänge. Die eine oder andere kleine Maßnahme wird keine Abhilfe schaffen, es bräuchte Umdenken in Richtung grundsätzlicherer Systemänderungen.

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Szenenfoto aus "Wald - ein interaktives Hörerlebnis"

Eintauchen ins Wood (!) Wide Web

Auf der Hinterbühne des Linzer Schauspielhauses Eintauchen in einen Wald samt „sprechender“ auch „weinender“ Bäume – das ermöglicht die rund einstündige Performance „Wald – ein interaktives Hörerlebnis“ von Diana Rojas-Feile aus der Schweiz (mit dem Weg vom Treffpunkt zum Performance-Ort und Schuhe-Ausziehen usw. ca. ¼ Stunde mehr. Und dafür hat sie natürlich keine Topfpflanzen in den Raum gestellt und ihnen Mikrophone umgehängt 😉

Dennoch kommt dir die Welt der Bäume vielleicht so nahe wie sonst „nur“ noch bei einem Ausflug in einen echten Wald. Mit Kopfhörern ausgestattet und in Überzieh-Socken wanderst du in dem – meist – sehr dunklen Raum nein, auch nicht auf einem aufgeschütteten Waldboden, sondern mit Ausnahme einer kleinen Kiesgrube über glatten Boden – entlang oranger Linien, die wiederum plüschige kleine Inselchen verbinden, sozusagen stilisiertes Moos (Raumkonzept, Kostüme & Licht: Theres Indermaur).

Fühl dich in einen Baum rein

Und du wirst zu einem der nun vielen Bäume, die entlang der genannten Linien miteinander vernetzt sind – im Wood Wide World. Mit Bewegungen, wenn der Wind durchs Gehölz rauscht, du mit anderen Bäumen in wortlosen Austausch trittst, Schmerzen empfindest…

Gedanken – von Kindern und von den professionellen Künstler:innen – live von Diana Rojas-Feile, von der die Texte stammen und die Regie führte, sowie von Victor Moser, der Musik und Sounddesign einbrachte, beide mitunter mit verzerrten Stimmen – fließen über deine Ohren in dein Gehirn. Gedanken, die mögliche Gefühle von Bäumen ausdrücken, die die meisten von uns in ihrer überheblichen westlich angeblich zivilisierten Welt kaum bis nicht wahrnehmen. Im Gegensatz zu Menschen, die sich viel mehr als Teil der Natur und des Universums fühlen. Und so hat die Stück-Autorin auch mit Indigenen aus dem brasilianischen Amazonas gesprochen und deren Sichtweisen einfließen lassen. Ohne die Performance auch nur im Geringsten ins Belehrende kippen zu lassen.

Die beiden Künstler:innen führen unter anderem mögliche Dialoge zwischen Mensch und Baum. Auf die Frage, wie es für Zweiteren ist, wenn Ersterer ein Blatt ausreißt: „Wie ist es für dich, wenn dir ein Haar ausgerissen wird?“ Beispielsweise.

„Eine westliche Frage“

Auf die Frage an die Indigenen aus dem Regenwald, ob sich die Natur vielleicht an der Menschheit rächen könnte, erntete die Stück-Autorin Unverständnis samt dem Sager, dies sei westliches Denken. Sie und jene Menschen, die im Einklang mit der Natur leben kennen solche Gedankengänge und Sichtweisen nicht: „Wir kennen diese Trennung, diese Widersprüche nicht – wir sind doch gleichwertige Teile des gemeinsamen Ganzen wie Bäume, Flüsse usw.“ Und selbst das kommt weder esoterisch noch belehrend daher – einfach ein bisschen den größeren Zusammenhang mehr beachten wird so „nebenbei“ vermittelt, eben Wood Wide World – so wie auch Bäume über ihre Wurzeln unter- und miteinander vernetzt sind 😉

Und dem Hinweis, dass die Natur, trotz Zerstörungen durch die Menschheit, sicher auch ohne Menschen leben können und werden. Umgekehrt hingegen nicht, noch dazu wo die Bäume sozusagen die (natürlichen) „Maschinen“ gegen den Klimawandel sind, wie die von Kindern und Jugendlichen vor mehr als 15 Jahren (2007) gegründete längst weltweite Initiative „Plant fort he Planet“ hinweist.

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Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für die ersten vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus "A forest to grow people"

Mix aus Live-Malerei und Tanz über ein wahrhaftiges Aufforstungsprojekt

Ein auf den Kopf gestellter Baum, der Strich für Strich live auf der Bühne weitergezeichnet und groß auf die halbrunde Leinwand projiziert wird, entpuppt sich bald als so etwas wie Lungenflügel. Mit Wasserfarben „zaubert“ Luciana Bencivenga diese Bild in „A forest to grow people“ auf Papier. Den rechten Lungenflügel – aus der Sicht der Malerin und somit der Betrachter:innen – malt sie vor allem grün zu einem Wald aus – auch mit bunten Blüten. Der zweite wird grau und gräulicher, als würde dieser Mensch rauchen. Tut es auch – aus Schloten und Rauchfängen kantiger unpersönlicher Wolkenkratzer-Klötze. Auf der anderen Seite wächst ein junger Mensch heran.

Getanztes Bilderbuch

Und damit wird das erste – ständig erweiterte Bild zum Symbol für die Wirklichkeit, in der Shalev Anandi Rozin ab 2008 aufgewachsen ist. Sie kommt spät von hinter dem Publikum auf die Bühne und beginnt zu tanzen, teils tanzen auch die projizierten Bilder auf ihrem Körper. Die beiden erzählen live – vor allem in Bildern und Bewegungen, hin und wieder auch gesprochen (auf Englisch) und wie eine ganz andere Art von untertiteln – als deutscher Text in einer Bilderbuchversion vom Wieder-Aufforstungsprojekt Sadhana-Forest in Südindien.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „A forest to grow people“

1300 km2 (ungefähr drei Mal die Fläche Wiens) riesiger Wald wurde in der besagten Gegend vor rund 200 Jahren von den Kolonialbesitzern abzuholzen begonnen. Übrig blieb – nichts. Leere, Ödland, trockene Erde. Shalev Anandi Rozins Eltern zogen aus Israel in diese Gegend, wo sie in einer Gemeinschaft mit einer Handvoll anderer Menschen begannen, die ersten neuen Bäume zu pflanzen. Als die nunmehrige 15-jährige Tänzerin geboren wurde, gab es bereits 11.000 Bäume, heute sind es 150.000 „Maschinen gegen den Klimawandel“.

Zufall

Choreografin Elda Gallo war vor einigen Jahren zufällig in Indien auf dieses Projekt gestoßen und hatte die Idee geboren, daraus ein Stück zu machen. Diess schaffte es im Vorjahr ins Finale des Dschungel-Wien-Nachwuchsbewerbs „Try Out!“. Dort gewann es zwar nicht, konnte aber dennoch vom Team zu einer Vollversion weiterentwickelte werden, die nun im Theaterhaus für junges Publikum im Wiener MuseumsQaurtier in seiner rund ¾-stündigen Vollversion eine Aufführungsserie bis 7. Juni 2023 erlebt – Details siehe Infobox.

Gebannte Jugendliche

Das Zusammenspiel von Live-Malerei und Tanz entlang der wahren Geschichte verschmilzt und verschwimmt zu einer berührenden Einheit, die Freitagvormittag als Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… die Aufführung besuchte, die voller Jugendlicher war, dieses junge Publikum völlig in den Bann gezogen hat. Im anschließenden Publikumsgespräch wollte abschließend Elda Gallo von den Jugendlichen wissen, was ihnen spontan zu dem Stück einfalle. Nach vielen „super“ und „perfekt“ meinte eine Schülerin, das erste Wort das ihr dazu einfalle sei „Wahrheit“.

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „A forest to grow people“
Doppelseite aus dem Bilderbuch "Superglitzer"

Was macht das Handy im Wald – und mit den Tieren?

Im Sachbilderbuch „Schau wie schlau“ ging die Autorin menschlichen Erfindungen nach (Illustrationen Kukas Vogl, Tyrolia Verlag), die diese sich von Tieren abgeschaut haben (Bionik). Im Jahr darauf dachte sich Melanie Laibl fast ein umgekehrtes Szenario aus. Ein Glitzerding landet mitten im Wald. Eine – eh kloar – Elster ist völlig spitz darauf.

Du weiß natürlich spätestens auf der zweiten Doppelseite von „Superglitzer“, dass es sich um das handelt, was wir Handy nennen. Zu dem angeblich auf glänzende und glitzernde Dinge abfahrenden Vogel gesellt sich hier ein neugieriger Fuchs – knallig, fast neonrosa gezeichnet von Nele Brönner.

Die Geschichte beginnt nicht nur schräg, sie wird immer ver-rückter als noch weitere Tiere auftauchen, rätseln, worum es sich bei dem Ding handeln könnte. Es plötzlich „Kuck Kuck Kuck“ zu „rufen“ und später zu „schauen“ beginnt. Die zu Hilfe gerufenen Ameisen – damit sie es transportieren sollen – wissen angeblich alles. Und stoßen auch die Frage an, darf die Elster, nur weil sie „Superglitzer“ gefunden hat, dieses auch behalten.

Vielleicht werden aber auch Diskussionen oder Weiterspinnen angeregt, ob – siehe Beginn des Beitrages – umgekehrt auch Tiere etwas von menschlichen Erfindungen lernen können oder die für die Natur weniger brauchbar sind, sogar eher das Gegenteil?

Übrigens: So wie „Schau wie Schlau“ ausgezeichnet worden ist, so bekam „Superglitzer“ kürzlich einen der vier Österreichischen Kinder- und Jugendbuch-Hauptpreise.

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Doppelseite aus dem Kinderroman "Kaiserschmarrn - Mein grandioser Sommer mit Ziege"

Wenn eine Ziege spricht und noch dazu Kaiser ist

Es wäre eine ganz normale Geschichte von Neuankömmlingen in einem kleinen Dorf. Arthur, der Erzähler, muss mit dem älteren Bruder Ossi und seinen Eltern in eine vom Vater entworfenes schachtelförmiges Haus an einem Waldrand übersiedeln. Der Architekt liebt die Natur, sagt er.

Arthur, aus dessen Sicht und Gedanken wir diesen Kinderroman lesen, ja verschlingen, erlebt gleich im ersten Kapitel einen Schock. Ein „Waldmensch“ erschreckt ihn. Das – so erfahren die Leser:innen in der Folge – ist der Vater von Fanny und Freddy, die am anderen Ende des Waldes wohnen.

Zwischen den beiden Vätern wird es noch einen argen Streit geben, der sich um ein geplantes Riesen-Baumhaus dreht. Aber keine Details. Die knapp mehr als 200 Seiten lesen sich nicht nur flott, sondern immer wieder taucht die eine oder andere kleine oder größere Überraschung auf, die der Geschichte eine spannende Wendung gibt.

Die allergrößte kündigt die Autorin und Illustratorin in Personalunion, Leonora Leitl, schon im Titel an: „Kaiserschmarrn – Mein grandioser Sommer mit Ziege“. Diese, im Taufnamen Seppi, kann von einem Moment auf den anderen sprechen und stellt sich als Kaiser namens „Cäsar Napoleon Alexander der Größere“ vor. Auch das darf schon verraten werden, begrüßt er doch als solcher das lesende Publikum gleich auf der ersten Seite in einer Art Vorwort vor.

Und so schräg dies wirkt, der sprechende Bock passt wunderbar in die an sich eher normale Geschichte, sorgt für das eine oder andere Abenteuer, aber im Kern geht’s um die Freundschaft der Kinder. Den sich aufbauenden oben angesprochenen Streit. Und der dreht sich wiederum im Wesentlichen um den Umgang mit den Bäumen des Waldes. „Natürlich“ samt Happy End – und das mit Kaiserschmarrn-Rezept – mit „kaiserlichen“ Wortspielen 😉

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Titelseite des Kinderromans
Titelseite des Kinderromans „Kaiserschmarrn – Mein grandioser Sommer mit Ziege“
Doppelseite aus dem Bilderbuch "Piepmatz macht Wald aus euch!"

Nehmt das, ihr kopflistigen Menschkauzigen!

„Klimakleber pfui!“, schrei(b)en alle möglichen Leute, nur weil sich ein paar – meistens – junge Menschen kurzzeitig auf der Straße festsetzen und so den Autoverkehr kurzfristig zum Stehen bringen. Ein Stau mehr.

„Aber“, so sagen diejenigen, die wie sprichwörtliche Rohrspatzen schimpfen, für die Umwelt wären sie ohnehin und für den Klimaschutz sowieso. Ach, was würden die erst sagen, wenn der Eichelhäher aus dem Buch von Michael Stavarič und Stella Dreis in der Wirklichkeit machen würde, was in starken, explosiven Bildern und sprachverspieltem Text ankündigt?

„Piepmatz macht Wald aus euch!“ rückt die „Maschine gegen den Klimawandel“ ins Zentrum der Geschichte. So nennt „Plant for the Planet“, die von Kindern und Jugendlichen ausgehende und getragene Initiative, Bäume. Also, mit der Hauptperson des Bilderbuches, einem Vogel der Art der Eichelhäher, kannst du dich ärgern, dass aus Wäldern Autobahnen, Einkaufszentren und sonst noch alles mögliche wird, das Menschkauzige, Aufrechtgestaltige, Kopflistige aushecken. Mit solchen und weiteren Wortschöpfungen lässt der Autor den „Piepmatz“ die angebliche Krone der Schöpfung bezeichnen.

Was wächst denn da?

Das führt übrigens zu ganz schön absurd anmutenden Bildern, die sich Stella Dreis ausgedacht hat: Etwa ein Reh, das durch einen „Wald“ wandert, der nur mehr aus Baumstümpfen besteht, auf denen verschiedenste TV- und Computermonitore thronen. Das und all die anderen oft fantasievollen Bilder – mitunter mit „Spreng“kraft -, die zeigen, was Menschen mit der Natur anrichten, bringt den Eichelhäher dazu, nach Rache zu sinnen.

Und die findet er just in Auswüchsen von Abfällen, die Menschen im Wald vergraben haben. Per Zufall fällt eine Eichel in die Flüssigkeit einer solch verbuddelten Tonne – und die rausgefischt und gepflanzt lässt Monsterbäume rasend schnell wachsen.

Soweit die Story. Stavarič lässt den Eichelhöher in einer eigenen – in Wörtern und Satzstellungen verspielten Sprache reden, die ein wenig an Christine Nöstlingers legendäre Radiofigur Dschi Dsche-i Wischer Dschunior erinnert. Und warum sollen nur Menschen verschiedene Sprachen haben? So variiert er die Sprachspielereien, wenn er andere Waldbewohner:innen zu Wort kommen lässt 😉

Das kunterbunte Kunstwerk aus Sprache und Bildern ist übrigens jüngst in die Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis gewählt worden. Und die Illustratorin ist außerdem für den Astrid Lindgren Memorial Award nominiert.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Piepmatz macht Wald aus euch!“
Doppelseite aus "Der Wald heult"

Kinder und Tiere – der Mix für eine neue Krimi-Serie

Kinder lieben Tiere. Meistens, oder sehr oft. Viele Kinder mögen auch Krimis, in denen Altersgenoss:innen die Fälle aufklären. Beides kombiniert ein Duo im Auftakt zu einer neuen Serie. Martha und Mischa sind Zwillinge und fast elf Jahre. Bevor sie zu ihrem ersten Detektiv-Abenteuer kommen – und das mehr als zufällig -, haben sie zunächst einmal eine Leidensgeschichte. Sie müssen ihre geliebte Großstadt-Umgebung verlassen, weil die Eltern beschlossen haben, aufs Land zu ziehen. Die Mutter ist Tierärztin und will eine eigene Praxis am besten inmitten der Natur. Der Vater ist Journalist – und offenbar einer, der Themen bearbeitet, die er auch ausschließlich aus dem Home-Office schreiben kann. Und er sorgt immer wieder für Aufregung, weil er ziemlich patschert ist, sich da und dort anhaut, einmal sogar einbandagiert werden muss wie eine Mumie, worauf ihn Mischa ab dann meist „Tut-latut-fatut“ nennt, „die erste Mumie, die neben Altägyptisch auch noch recht passabel Deutsch sprechen kann“.

Lange kein Trost

Obwohl die Eltern liebevoll und einfühlsam sind, haben sie den Kindern von ihrem Plan nicht so bald was erzählt. Das ist die erste – noch gar nicht als Krimi angelegte detektivische Aufgabe des Geschwisterduos. Sie merken, irgendwas ist im Busch. Bis sie die Eltern direkt ansprechen und fordern, ihnen zu sagen, was los ist. Die Zwangsübersiedlung können die ihren Kindern auch nicht damit schmackhaft machen, dass sie endlich jede und jeder ein eigenes Zimmer kriegen – in der Stadtwohnung müssen sie sich eines teilen. Auch die Handys, die sie nun im Dorf Krähfeld – mit „exakt sechsundzwanzig Menschen unter achtzehn Jahren“ – kriegen, obwohl Papa vorher immer dagegen war, können Martha und Mischa (noch) nicht trösten.

Klar, irgendwann wird sich das ändern – das ist schon von Anfang an zu erwarten. Auch wenn sie, als sie beginnen nicht mehr alles abscheulich zu finden, das den Eltern gegenüber noch gar nicht zugeben können. Bald finden die Zwillinge Anschluss bei einer, der vielleicht einzigen Gruppe von Kindern von „Krächzfeld“, wie sie die neue Heimat lange abschätzig nennen.

Wolfsgeheul

Schon in den ersten Nächten macht ihnen ein unheimliches Wolfsgeheul aus dem nahegelegenen Wald ein bisschen Angst. Mit den neuen Freund:innen trauen sie sich aber in Zelten im Garten ihres Hauses mit Tierärztinnen-Praxis zu übernachten und mit Taschenlampen den Wald abzusuchen.

Eines Tages machen sie sich gemeinsam mit ihrer Mutter und dem Opa eines der neuen Freunde, der auch Tierarzt ist – für die größeren, die Nutztiere (Kühe, Schweine usw.), während sich Leyla Aslan-Jeschek um die Haustiere kümmert – auf den Weg zu einem „Tierheim“. Ach nein, sie betreue nur drei Hunde von Freunden meint die Bewohnerin. Doch Mischa muss angeblich dringend aufs Klo und entdeckt ein Geheimnis…

Davon erzählt er – das vielleicht ein wenig nicht ganz schlüssig – weder Mutter noch dem anderen Tierarzt. Es ist der Beginn des gar nicht ungefährlichen Krimis, bei dem die Kinderschar hinter das Geheimnis des Wolfsgeheuls kommt und etliche Hunde rettet.

Zufall

Petra Hartlieb, Buchhändlerin und Autorin sowie Hubert Flattinger, früherer Journalist und davor unter anderem auch Tierpfleger, trafen zufällig aufeinander und begannen an dieser Geschichte zu „spinnen“, die der Auftakt für eine Serie sein soll. Abwechselnd erzählen sie – in dem Fall in 23 Kapiteln – die Geschichte jeweils aus der Sicht Marthas bzw. Mischas. Somit wird nicht nur die spannende Geschichte mit der sich schrittweise an die neue Umgebung gewöhnende Situation erzählt, sondern auch die – mitunter recht unterschiedliche Perspektive von Martha und Mischa und deren Blick auch aufeinander – geschildert.

Schwarz, weiß, grün

Ulrike Halvax zeichnete für beide Kinder Strichporträts, die schon am Beginn des jeweiligen Kapitels die Stimmung anzeigen – von fröhlich bis sehr angefressen. So manche der Text-Doppelseiten wird von Zeichnungen zur jeweiligen Situation – oder anderer handelnder Personen – aufgelockert. Neben schwarzen und grauen Strichen immer wieder auch mit grünen Flächen.

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Titelseite des Kinderkrimis
Titelseite des Kinderkrimis „Der Wald heult – Ein Fall für Martha & Mischa“