Wohnung, Großstadt, eine Bar, Picknick am Stadtrand – was auch immer als Bühnenbild gebraucht wird, läuft im Comic-Stil animiert (Viktoria Strehn) als Projektion an der Rückwand der Bühne. Die Titelheldin trägt eine gelbe Papierschnipsel-comicartige Perücke – was die Brücke zum rund einstündigen Geschehen bildet. Wirkt aber ansonsten alles andere als comic-artig, quicklebendig als Mensch – bzw. Menschen. Denn es gibt die junge Frau gleich dreifach.
Die (sehr) jungen Darstellerinnen Valentina Selimi, Laura Wimmer und Amelie Wolf – allesamt über öffentliche Castings engagiert – schlüpfen in die Rolle dieser „Agathe Bauer“. So heißen Figur und Stück. Dieses Konzerttheater wurde von Julia Meinx und Flo Staffelmayr (Theater Ansicht) geschrieben, komponiert und inszeniert.
Ihre Gedanken und Gefühle, die sie dem Publikum mitteilt, – aufgeteilt immer wieder wechselnd, wer gerade Wort führt -, vertraut Agathe Power dramaturgisch zunächst nur ihrem Tagebuch an. Denn sie fühlt sich – nach außen hin – sprachlos.
In (fast) jeder Situation – ob in privater Anmache oder bei politischer Hetz-Propaganda – weiß sie zumeist, was sie sagen wollen würde. Aber so sehr sie’s auch will, es kommt dann kaum bis nix aus dem Mund heraus. Auf der Bühne klarerweise schon, es ist sozusagen ein Audio-Tagebuch, oft reitend auf einer Welle von Musik.
Natürlich kann’s dabei nicht bleiben. Immer stärker wird der Drang der Titelheldin, nicht nur ihr „Schweigen zu erbrechen“, sondern „zu leben, jeden Tag die Stimme zu erheben. Es ist an der Zeit, dass ihr meine Stimme hört – ich singe für eine bessere Welt!“ Nun kann sie sozusagen den Spruch hinausrufen, der hinter dem „Schmäh“ Agathe Bauer steckt, der seit Jahrzehnten kursiert: Die schlecht ausgesprochene Version des englischen „I’ve got the Power!“ (Ich habe die Kraft).
Nach der Premiere in Wien-Floridsdorf in der Volkshochschule Großfeldsiedlung (1966 -1973 errichtet, 21.000 Einwohner:innen) tourt die Performance mit Junge Theater Wien in die anderen vier Bezirke dieses dezentralen Spielbetriebs (Simmering, Donaustadt, Liesing und Favoriten – Termine und Orte in der Info-Box am Ende des Beitrages.
Übrigens: Kraft zu sagen, was Jugendliche bewegt – das stellten mehr als eindrucksvoll am Tag nach der „Agathe-Bauer“-Premiere die zehn Finalist:innen des mehrsprachigen Redebewerbs (aus allen neun Bundesländern plus Italiens zweisprachigem Südtirol) im großen Festsaal des Wiener Rathauses unter Beweis. Inhaltsstarke, berührende, mitreißende oder bewegende eigene Reden in jeweils einer anderen (mitgebrachten oder erlernten) Sprache und Deutsch immer wieder mit Gänsehaut-Feeling und Tränen in den Augen von Zuhörerer:innen, nicht zuletzt der prominenten Jury. Dazu folgen hier auf KiJuKu.at demnächst mehrere Beiträge.
Klima – das Thema ist in den vergangenen Jahren weniger „sexy“ geworden als am Höhepunkt der Fridays for Future Bewegung. Und das obwohl gerade der aktuelle neueste – kurzfristig durch einen gleich wieder brüchigen Waffenstillstand – unterbrochene Krieg abseits der direkten Folgen für die betroffenen Menschen beweist: Fossile Energielieferanten wie Öl und Gas verschärfen neben ökologischen auch ökonomisch Krisen.
Selbst unter Jugendlichen hat Klimaschutz an Aufmerksamkeit verloren, ergibt die Anfang dieser Woche vorgestellte umfangreiche Studie „Lebenswelten 2025“ mit Umfrage unter 15.000 Schüler:innen in ganz Österreich – Link zum KiJuKU-Bericht darüber am Ende des Beitrages.
Andererseits präsentierten viele Jugendlichen erst bei der jüngsten internationalen Juniorfirmen-Handelsmesse nachhaltige Produkte bzw. solche, die Umweltlernen fördern. Und nicht nur dort, auch schon bei vorangegangenen solcher Messen und Bewerbe, aber auch bei vielen Projekte in den Bundesfinali von Jugend Innovativ stellen Jugendliche auf Re- und Upcycling, Ressourcen-Schonung und andere nachhaltige Aspekte fokussierte Arbeiten vor, und dies nicht nur in der Kategorie Sustainability – Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hat berichtet; Links am Ende.
Über die Wichtigkeit des Themas, wenn es ums Überleben vieler Tier- und Pflanzenarten sowie der Menschheit geht, gibt es – faktenbasiert – keinen Zweifel. Viele Künstler:innen setzen sich mit unterschiedlichsten Aspekten rund um Natur, Klima, Zusammenleben zum Teil schon jahrzehntelang auseinander und gestalten dazu und daraus ihre Werke unterschiedlichster Art. Von verspielt über sehr subtil bis plakativ. Geballt kommen solche nun – bis 10. Mai 2026 in Wien in den öffentlichen Raum – und das (groß-)teils in zentraler Lage. Und ins Kunsthaus Wien zwischen Donaukanal und Hundertwasserhaus.
Spielte sich Wiens erste Klima Biennale vor zwei Jahren vor allem auf dem Brach-Gelände des einstigen Nordwestbahnhofes ab – immerhin kamen mehr als 225.000 Besucher:innen dorthin -, so ist ein zentraler Ausstellungs- und Aktionsraum heuer der Karlsplatz. Anknüpfend an ihr „Kaorle am Karlsplatz“ von vor mehr als 40 Jahren (1982) mit Strand am Teich, lässt Margot Pilz heuer dort unter anderem ein kleines Boot „srranden“. Wenige Meter weiter liegt ein toter Baum mitten im Sand. Und alles überragt eine „Palme“ aus grünlichen Kunststoff-Streifen, die an Kran-Armen hängen und einen ziemlich welken Eindruck machen (von Pia Sirén). Zheng Mahler verhüllte eine der Säulen der Karlskirche bunt, nennt die Installation Plague Columns (Pestsäule).
Dazu schwimmt ein großer Plastik-Wal mitten im Teich – und erinnert unfreiwillig und ungeplant an den kürzlich in der Ostsee gestrandeten Buckelwal, der laut Fachleuten derzeit im Sterben schwebe.
Im Laufe der ein Monat dauernden zweiten Klima Biennale Wien wird das Areal zum einmonatigen Begegnungsort künstlerischer Positionen – und hoffentlich mit vielen Stadtbewohner:innen. Dazu laden auch eine Reihe von Performances ein – vom Pop-Up-Chor der NEST – Neue Staatsoper bis zur Silent Disco. Zum Start gibt’s Walgesänge und Posaunenklänge.
Die Arbeiten auf dem Karlsplatz sind Teil der Ausstellung im öffentlichen Raum unter dem Titel „(No) Funny Games oder Wie wir lernten, fürsorglich zu sein und die Dystopie zu lieben“ – an 18 Orten im Wiener Stadtraum (ein Folder mit Plan markiert diese Plätze). Vielleicht am plakativsten manifestiert sich (keine) spaßigen Spiele am Rande des Karlsplatzes in der Installation „Maaaaash!“. Folke Köbberling hat auf ein Rasenstück bei der stark befahrenen Straße einen Geländewagen hingestellt – aus einem von ihr entwickelten biobasierten Verbundstoff. Und das als „Kopie“ eines Luxus-SUV. Ihr Bio-SUV wir auch einen biologischen Verwitterungs- und Abbauprozess erleben – und damit gleichzeitig zum neuen Lebensraum für Kleinstlebewesen und Pflanzen werden – was für eine symbolträchtige Arbeit!
Plakativ im eigentlichen Wortsinn ist ein großes Transparent – aus Gras im Kunsthaus Wien, das in diesem Jahr zu Festivalzentrale wurde / wird. Das Duo Ackroyd & Harvey hat mit Freiräumen in gesäten Gras-Samen englische Begriffe zu Saatgut, Basisdemokratie bis hin zur Weigerung, sich an ausbeuterischen Systemen mitschuldig zu machen, „geschrieben“.
Einen Stock drunter lässt Tue Greenfort auf einem Dreieck die Gräser von Mais, Weizen, Gerste, Soja und Sommertriticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen). „Monoculture“ nennt er seine wachsende, sprießende und wieder vertrocknende Arbeit, die er als symbolische Kritik an industrialisierter Landwirtschaft mit eben vereinheitlichter ein- statt vielfältiger, wild wuchernder Sorten versteht. Beim Medientermin im Kunsthaus schilderte er, wie er als Kind in Dänemark noch durch wilde hochwachsende solcher Pflanzen sich Wege bahnen oder um diese Felder eher herumgehen musste.
An der Wand hängt gleich noch ergänzend eine laaaange Rote Liste von Farn- und Blütenpflanzen in Österreich – solche sind in Videoprojektionen zu sehen.
Gleichzeitig ist der Mix aus fünf Pflanzen wiederum ein natürlicher Widespruch zu Monokulturen 😉
Diese beiden Arbeiten sind mit Werken von Maria Thereza Alves, Alexandra Baumgartner, Kapwani Kiwanga, Dominique Koch, Jumana Manna, Christian Kosmas Mayer, Marzia Migliora, Lucía Pizzani, Michaela Putz, Cecilia Vicuña und Munem Wasif Teil der von Sophie Haslinger kuratierten Ausstellung „Seeds. Reclaiming Roots, Sowing Futures“ (Samen. Zu den Wurzeln zurückkehren, Zukunft säen) auf mehreren Ebenen im von Friedensreich Hundertwasser gestalteten Museum – und dies nicht nur für den Zeitraum der Klima Biennale Wien, sondern bis Mitte Februar des kommenden Jahres (14. 2. 2027).
Saatgut ist für die diese Künstler:innen aber kein pflanzlich-biologisches Thema, sondern „Ausgangspunkt für Arbeiten zu Migration und Kolonialismus, indigenem Wissen und Biodiversität, ebenso wie zu Widerstand, solidarischer Praxis und regenerativen Zukünften“.
Zum Kunsthaus gehört auch – erstaunlicherweise – eine Garage, die allerdings seit „ewig“ als künstlerischer Projektraum genutzt wird. Hier zeigt nun „The Institute of Queer Ecology“ die Ausstellung „I Wish We Had More Time“. Mit Skulpturen, Bildern, Musik, Literatur und Wissenschaft thematisieren sie sinnlich und vielfältig die gestörten Beziehungen von Mensch und Natur generell und speziell als Folge des Klimawandels. Zusätzlich sind „Brüche queerer Geschichte und Erzähltraditionen, die durch gesellschaftliche Krisen wie die AIDS-Epidemie verursacht wurden, und zwischenmenschliche Verluste – verpasste Begegnungen und Liebeskummer“ Ausgangspunkte für Kunstobjekte in diesem Teil des Kunsthauses Wien.
Die Festivalzentrale der aktuellen wurde auch literarisch-optisch szenographisch gestaltet: Das Duo Jascha & Franz (Hamburg/Berlin) entwickelte gemeinsam mit der österreichischen Schriftstellerin Andrea Grill „eine räumliche Erzählung – ihre Texte bilden die inhaltliche und visuelle Grundlage der Inszenierung“. Diese Szenographie „übersetzt das Leitthema Unspeakable Worlds (Unbeschreibliche Welten) in eine poetische Raum- und Textsprache“.
Grills poetische Texte – manchmal auf Italienisch, Französisch, Albanisch, Englisch, BKS (Bosnisch / Kroatisch / Serbisch), Griechisch und in Wiener Dialekt -, immer wieder in geschwungener Form, mitunter wie Wellen oder wachsende Pflanzen, stellen immer wieder Fragen zu unserem, dem menschlichen, Umgang mit unserer Umwelt. Und stellen vieles davon in Frage, etwa im folgenden Textbeispiel:
„banker sagen, sie legen wert auf natur, sie haben berechnet, wie viel insekten kosten würden im vergleich zu dem was an 1 tag an der börse umgesetzt wird, unterm strich: so gut wie nichts
aber: ich sage: DAS STIMMT NICHT
ich sage: EURE RECHNUNGEN SIND FALSCH
ich würde gern honorar für käfer bezahlen“
Darüberhinaus thematisieren die Texte immer wieder auch, dass Wörter, unsere Sprache nicht hinlänglich beschreiben kann, was sich abspielt:
„du, ich, er, sie steh(s)t sprachlos vor den bildern des klimawandels“
„Die gegenwärtige globale Dynamik politischer Eruptionen und eskalierender Klimakatastrophen lässt viele von uns sprachlos zurück“, meint Festivalleiterin Sithara Pathirana. „Umso dringlicher ist die Suche nach einer neuen Sprache – und nach erweiterten Räumen der Verständigung. Die Bewältigung der Klimakrise ist untrennbar damit verbunden, wie wir als Gesellschaft für einander einstehen und das Leben als verwoben begreifen. Die Klima Biennale Wien ist mehr als nur ein Festival – sie ist eine Bewegung, sie ist ein Wir. Wir stellen Fragen, öffnen Räume für Visionen und begreifen Kunst als Werkzeug der notwendigen Transformation.“
Wie widersprüchlich der Umgang mit Natur, Freiflächen, Versiegelung und so weiter ist, zeigte sich einmal mehr ausgerechnet am Tag der Eröffnung der zweiten Klimabiennale in Wien. Zum einen sprach Wiens Kulturstadträtin beim Medientermin am Vortag der Eröffnung von der Wichtigkeit nicht nur des Festivals, sondern des Themas. Die Festivalzentrale ist im Kunsthaus Wien, einem Unternehmen der Wien Holding. Zum anderen ließ genau dieses Unternehmen im Eigentum der Stadt Wien Donnerstagvormittag einen Protest der Zwischennutzer:innen „St. Marx für Alle“, aber auch von Lobau lebt in St. Marx polizeilich räumen. Dort soll eine – umstrittene – Eventhalle hinkommen – zu einem ORF-Bericht darüber unten in den Links.
ORF-Bericht über polizeiliche Räumung der „St.Marx für Alle“-Proteste
Zuckerlrosa – wie eine bekannte Konditorei-Kette (seit 1913; die Ehefrau des Gründers Josef Prousek hieß Rosa Nerad) bzw. noch naheliegender die Welt der fast 70-jährigen wohl meistverkauften Puppe er Welt – dominiert die jüngste Produktion von das.bernhard.ensemble in der White Box des Wiener Off-Theaters – bis hin zum Programmfolder. Als „Schmuckfarben“ kunterbunt verspielter Touch (Ausstattung: Eva Grün & Ernst Kurt Weigel; Kostüme: Julia Trybula)
Die ultraschlanke, kurvige, anatomisch kaum mögliche Puppe bzw. der Kinofilm (2023) rund um sie, der teilweise „feministisch“ geframt wurde, ist das eine Element des jüngsten Mash-Ups der Theatergruppe. Seit vielen Jahren entwickelt die Gruppe aus einem bekannten Kinofilm und einem Theaterstück jeweils eine eigene Performance – sehr körperlich, sehr humorvoll, nicht selten auch ziemlich schräg. Also „Barbie“, aber in der häufig verwendeten österreichischen Form des Vornamens Barbara, nämlich Babsie. Und die Theaterkomponente für die Collage: Elfriede Jelineks „Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte; oder Stützen der Gesellschaften“ (1979 als Buch veröffentlicht und im selben Jahr in Graz uraufgeführt). Übrigens selber eine Art Mash-Up aus Henrik Ibsens „Nora oder Ein Puppenheim“, ihrem eigenen Roman „Die Liebhaberinnen“.
In der Collage „Was geschah, nachdem Babsie ihren Ken …?“ wird die dominante Babsie – es gibt deren mehrere in unterschiedlichen Ausprägungen von der „verrückten“ bis zur neuerdings boomenden Tradwife – zum Internet-Star. „Hi Babsies!“ begrüßt sie ihre Millionen Follower:innen, um ihnen als Art Live-Hacks Tipps fürs Leben zu posten, stets mit der Schlussbemerkung: „Haltet die Beine steif, stay hydrated“. Meist mit Kauf-Empfehlungen eigener Produkte 😉
Mit einer Art (pseudo-)feministischem Touch, nicht selten inspiriert von der Influencerin Tara-Louise Wittmer (bürgerlicher Name Manière), die als „wastarasagt“ auf Instagram und TikTok postet, aber auf kommerziell gespült.
Als diese Haupt-Babsie tobt sich Rina Juniku als Parodie auf Barbie aus. Schickt ihren Nice-Ken (Christian Kohlhofer) ins Verkaufsregal (zurück), versucht irgendwann den eigenen Verkaufszwängen zu entkommen. Statt wie Elfriede Jelineks Nora als Fabriksarbeiterin, heuert sie als Supermarktkassiererin an. Und wird dort vom Chef, der Karikatur eines Superprolo-Kens (Ernst Kurt Weigel, der gemeinsam mit der Stückautorin Sophie Resch für die Dramaturgie verantwortlich zeichnet), zu sich und die Karriereleiter hochgehoben.
Leonie Wahl, Yvonne Brandstetter und Ylva Maj, die einerseits die Babsie-Variationen Eva, Weird und die dauergebärende Tradwife sowie bedingungslose Followerinnen der zentralen Basie spielen, schlüpfen auch in die Rolle „richtiger“ Männer, entsprungen aus dem Kosmos der Menosphere. Echte kleine rosa Puppen werden zu ihren Schwänzen, über den Softie Nice-Ken machen sie sich erst lustig, bedauern ihn dann, um ihn bekehren zu wollen.
Der Kult um vorgeblich feministisches Marketing, das nicht viel mehr will, als auch kritisch denkende Frauen zum Kauf der „richtigen“ Produkte zu verführen wird ebenso witzig aufs Korn genommen wie die Welle der Retro-Rolle, der Boom der Tradwifes auf der einen Seite. Und das (Wieder-)Aufkommen des Macho-Gehabes des überkommenen Männlichkeitswahns. Ein häufiges Lachen, das mitunter doch im Hals stecken bleibt angesichts der rückwärtsgewandten Entwicklungen in der realen Gegenwart.
Wenn es fast unglaublich wirkt, dass die Babsies ratlos den Kopf schütteln angesichts des Namens Elfriede Jelinek, deren genanntes Buch von der Decke fällt, so kann nur auf eine Folge der Millionenshow rund um die Premiere von „Was geschah, nachdem Babsie ihren Ken …?“ hingewiesen werden. Einer jungen Lehrerin sagten die Namen der österreichischen Autorinnen Julya Rabinowich, Eva Rossmann, Angelika Hager und Martina Parker genau nichts.
Aus brandaktuellen Anlässen fluten noch mehr Fotos, Bilder und Videos von Kriegen Medien. Und beängstigen damit Menschen auch in anderen Weltgegenden, oder lassen so manche auch abstumpfen. Da stellt(e) die jüngste Preisverleihung des Global Peace Photo Awards ein trotz allem optimistisches, Hoffnung gebendes Zeichen dagegen – oder vielmehr für das Leben dar.
Wie zwei – unabgesprochene und so besonders starke berührende symbolische Aktionen – Verteilung bzw. Überbringung von Origami gefalteten Papierkranichen – dabei darüber hinaus besonders bewegten, berichtet Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… in einem eigenen Beitrag – unten verlinkt.
Nun aber zu den ausgezeichneten Fotos – und noch dazu aus 24.189 eingereichten Bildern von Fotograf:innen aus 132 Ländern (kräftige Steigrungen gegenüber dem Vorjahr):
Der heute neunjährige Noa Hagemann aus Deutschland wurde von der Jury zum Gewinner der Kinder-Kategorie („The Children’s Peace Image of the Year 2025“) gekürt – für „Meine Schwester“. Bei einem Familienausflug in den Tiergarten drückte Noa (damals 8) den Auslöser auf seiner Kamera, als Lani (damals 5) zwischen Bäumen stand und es irgendwie auch ein bisschen nebelig war. Mit einem Auge für den Moment entstand so eine Art feenhafte Figur aus dem Märchenwald.
„Öfter fragt mich Noa ob ich mich so oder so hinstellen oder was machen kann, damit er mich dann so fotografiert“, verrät die zur Preisverleihung nach Wien mitgekommene Schwester KiJuKU. Und schüchtern vertraut sie dem Journalisten an, „ich fotografier auch schon, aber noch nicht so viel wie mein Bruder.“
„Mit meiner Kamera (bei der Preisverleihung gab’s übrigens neben dem Geldpreis eine neue) und viel auch mit dem Handy fotografier ich so alles, was ich cool finde“, antwortet er auf die Frage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
„Was findest du cool?“, ist natürlich die logische Folgefrage.
„Tiere und vieles mehr!“
„Hebst du alle Fotos auf, speicherst sie ab oder wählst aus und löscht manche?“
„Eigentlich nicht, aber für einen Wettbewerb wie diesen wähl ich natürlich schon genau aus!“
Bei der Laudatio hatte Jurymitglied Peter-Matthias Gaede (GEO-Chefredakteur 1994 – 2014) schon die Gedanken des jungen Preisträgers zu Frieden Preis gegeben: „Dass alle glücklich sind, niemand Streit hat und kein Krieg auf der Welt ist.“
Neben der Kinderkategorie gab / gibt es bei diesem internationalen Friedens-Foto-Award noch Preise fürs beste Einzelbild sowie für Bilderserien. Und aus den Kategorie-Sieger-Fotos wählt die Jury dann ein Top oft he Top aus und belohnt dieses mit dem Gesamtsieg. Dieser ging für die Tausenden Fotos (siehe oben bzw. auch in der Info-Box am Ende) an Mahdi Vaghari aus dem Iran für „No one can take my Soul“ (Keiner kann meine Seele besitzen).
Für die Jury begründete – wie für alle Entscheidungen der Fachleute, die es alles andere als leicht hatten – wieder der ehemalige jahrzehntelange Chefredakteur von GEO unter anderem so: „Eine iranische Frau… ohne Hijab. Keine Verschleierung, kein Verbergen. Keine Bescheidenheit, keine Traurigkeit. Eher Stolz auf das, was nicht gezeigt werden soll von einer Frau, auf dass sie die Männer nicht reizt. Ein Windstoß hat die prächtigen Haare dieser jungen Iranerin zu einem wilden Kranz aufgewirbelt. Sie geht gerade über eine Brücke, während ein Vogelschwarm den nahen Strand überfliegt. Freiheit auf zwei Ebenen.
Ein Bild von großer Kraft, das eigentlich – was Fotos so häufig nicht tun – ganz ohne Worte auskommt. Nur dass es im Iran entstanden ist, gibt ihm eben doch und einmal mehr eine besondere Bedeutung. Gemacht hat es ein Mann, der in unseren Breiten noch keine Bekanntheit hat: Mahdi Vaghari, geboren 1995 im Iran, der 2003 begonnen hat, sich für die Fotografie zu interessieren und sie sich vom Vater hat beibringen lassen.
Wer im Iran als Fotograf, als Fotografin tätig ist, hat es sicher mit ganz anderen Rahmenbedingungen zu tun als Fotoreporter bei uns. Zunächst mit einem anderen Verständnis von der Aufgabe der Medien. Mit einer anderen Art vielleicht auch, über Fotografie zu sprechen. So muss es dort, soll es nicht zur Konfrontation mit dem offiziellen Bild werden, das ein Land von sich haben soll, gewissermaßen übersetzt geschehen, nicht selten in Kunstprojekten verrätselt. Mit Andeutungen. Mit Symbolik. Offen für Interpretation. Und doch zugleich deutlich.
Ob das alles Madhi Vaghari umtrieben hat, wissen wir nicht. Er sah die fremde Frau bei einer Rast in der Nähe des Kaspischen Meeres, er fragte sie – „höflich“, wie er betont -, ob er sie fotografieren dürfe. Weil ihn der Wind im Haar, die ganze Szene an „Freiheit und Befreiung“ denken ließ. So einfach war das. So klar. „Niemand“, unterschrieb er sein Bild, so als spreche die Frau selber, „kann meine Seele besitzen“.
Wie der Gesamtsieger des Global Peace Photo Awards 2025 – siehe „Meine Schwester“ und „Niemand kann mir meine Seele nehmen“, unten verlinkt – kommt auch eine der Foto-Serien-Siegerin aus dem Iran. Die Fotografin Fereshteh Eslahi, die „natürlich“ auch nicht zur Preisverleihung kommen konnte, stellte ihre Bilder unter das Motto „But we were so strong“ (aber wir sind stark). In unterschiedlichsten, teils alltäglichen Szenen zeigt sie Frauen – allesamt mit offenem Haar. Und – von der Jury besonders in den Vordergrund gewählt – eine tanzende Frau auf einem Dach. „Ihr Sprung mit ausgebreiteten Armen ist Ausdruck einer Hoffnung, sich von Diktaten aller Art befreien zu können.“
Fereshteh Eslahi hat ein Masterstudium an der Universität von Teheran absolviert. Seit 2014 arbeitet sie für iranische Foto-Agenturen, seit 2017 ist sie Mitglied einer iranischen Pressefotografen-Vereinigung. 2021 wurde sie schon mit einem World Press Photo Award ausgezeichnet.
Bei der Preisverleihung bedankte sich stellvertretend die in Wien lebende aus dem Iran stammende Künstlerin Maryam Kouhestani mit einem friedlichen widerständigen Symbol, einem kleinen Papierkranich, gefaltet von einem verfolgten Künstler im Iran als Teil einer Aktion gegen die Todesstrafe eines anderen Künstlers – siehe auch Bericht über die bewegenden Kranich-Momente, unten verlinkt.
Um Kindern und Jugendlichen wenigstens für einige Stunden aus der ständigen Angst im Krieg zu gönnen hat der libanesische Fotograf Houssam Khatab einen bunten Bus organisiert, den „Art Peace Bus“, gefahren von syrischen Flüchtlingen, in dem die Kinder der Stadt Tyros (Südlibanon) in einen alten Theater-Palast gefahren werden, wo sie mit verschiedenen Darbietungen und Workshops unterhalten werden sollen. „Viele der Kinder haben alles verloren“, sagt der Schauspieler und Direktor des Theaters, Kassem Istambouli, „wir versuchen, den Kriegskreislauf zu unterbrechen und den Kindern Kunst anzubieten als ein Fenster zu größerer Widerstandsfähigkeit.“
Durch die wechselseitigen Angriffe der Hisbollah auf Israel und israelische Gegenschläge verloren schon im Oktober 2024 94.000 Menschen, darunter etwa 30.000 Kinder ihre Heimat – und aktuell hat sich die Lage noch verschlimmert.
Busfahrten und Aktivitäten hat der im Libanon lebende, in Spanien geborene Fotograf Diego Ibarra Sánchez festgehalten: „LBN: On the roaring of the bus“. Als Fotograf und Dokumentar-Filmer will Sánchez nach eigenen Angaben, die Jurysprecher Peter-Matthias Gaede (GEO-Chefredakteur 1994 – 2014) zitierte „mehr erreichen, als nur Ereignisse abzulichten. Er will vor allem zum Nachdenken über den Zustand unserer Welt anregen. Diese Welt hat er unter anderem in Lateinamerika abgebildet, in afrikanischen Ländern, Afghanistan, Pakistan oder den Libanon. Seine Arbeiten sind in der New York Times erschienen, im Spiegel und der NZZ und werden in vielen Ausstellungen gezeigt.“
Für die Reportage „Kenya’s Black Rhino Revival“ hat die US-amerikanische Fotografin Ami Vitale die komplizierte Umsiedlung von 21 Spitzmaulnashörnern, die vom Aussterben bedroht sind, in das Loisaba-Reservat im Norden Kenias begleitet.
Wilderei hat ihren Bestand um dramatische 96 Prozent dezimiert. Ihr Verhängnis: Einem Pulver aus den zwei großen langen Hörnern auf ihrem Schädel wird in Teilen Asiens unverändert zugetraut, eine fiebersenkende, entgiftende, gar krebsheilende Wirkung zu haben – was längst wissenschaftlich widerlegt ist.
Ami Vitales Reportagen – unter anderem für GEO und National Geographic – wurden schon vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Je länger sie fotografiert, umso mehr wurde für sie der „Krieg der Menscheng gegen die Natur“ zum Thema – und Gegenbeispiele gelungenen Miteinanders wie bei der besagten, nun preisgewürdigten Umsiedlungsaktion in eine Schutzgebiet – bei dem vor allem die lokalen Communities eingebunden waren.
24.189 Fotos aus 132 Ländern der Welt wurden im Vorjahr für den Global Peace Photo Award (Weltweiter Friedensfoto-Preis) eingereicht – eine deutliche Steigerung gegenüber 2024 (21.220 Fotos aus 112 Ländern). Am vorletzten Märztag 2026, am Montag der Karwoche und damit in den Osterferien fand die feierliche Preisverleihung im Wappensaal des Wiener Rathauses statt.
Bewegend wurde sie nicht nur durch die beeindruckenden Fotos die in Zeiten aktueller neuer Kriege und zunehmender kriegerischer Stimmung und verstärkter undemokratischer Tendenzen und Herrschaftsformen ein starkes Zeichen von friedlichen Gegenmodellen setz(t)en – dazu mehr in einem eigenen Beitrag.
Für berührende Gänsehautmomente sorgten einerseits Schüler:innen mit der Verteilung von gefalteten großen Friedenskranichen an alle Festgäst:innen – die diese dann fliegen ließen. Seit fast 20 Jahren ist die Mittelschule (damals noch Hauptschule) Seitenstetten Biberbach (Mostviertel, Niederösterreich) Friedensschule. Alle Kinder bzw. Jugendliche der Schule lesen das Buch „Sadakos Plan“ von Ingrid und Christian Mitterecker. Die haben die echte Geschichte des Mädchens Sadako Sasaki, die zehn Jahre nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima an den Spätfolgen gestorben ist, neu erzählt, nachdem sie den überlebenden Bruder Masahiro in Japan getroffen hatten. Und der kam 2009 nach Österreich, um einen Originalkranich seiner mit 12 Jahren verstorbenen Schwester vorübergehend in die Schule, letztlich ins Friedensinstitut Schlaining (Burgenland) zu bringen – Kinder-KURIER, Vorläufer von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hat darüber berichtet, Story dazu unten am Ende des Beitrages verlinkt.
„Wir haben aber die Kraniche nicht nur gefaltet, wir alle kennen die Geschichte von Sadako Sasaki, weil wir sie in der Schule gelesen und darüber gesprochen haben“, verraten heimlich Mathilde Sindhuber und Emma Gelbenegger aus der genannten Schule KiJuKU.at vor Beginn der Veranstaltung. Und ganz kurz lüften sie für Fotos das Tuch über den papierenen, Origami-gefalteten Friedensbotschaftern. Zu diesem Zeitpunkt durften die anderen Festgäst:innen noch nichts von der überraschenden Aktion am Ende der Preisverleihung wissen. Christoph Gelbenegger – „wir sind verwandt“ – zeigt auch seinen Korb mit den Kranichen in verschiedenen Farben und ergänzt: „Wir haben in der Schule auch einen Friedenslauf am 5. Mai.“
Übrigens waren die Schüler:innen der 3a und 3b samt Lehrer:innen an einem Ferientag für diese Aktion zwei Stunden mit dem Bus nach Wien und genauso lange natürlich auch wieder zurück gefahren.
Und – völlig unabgesprochen und zufällig – spielte ein weiterer, diesfalls kleiner Papierkranich eine große Rolle – gefaltet aus einer iranischen Banknote. Wie zwei andere Preisträger:innen des 2013 als Alfred-Fried-Fotografiepreis (benannt nach dem österreichischen Friedensnobelpreisträger 1911, sechs Jahre nach Bertha von Suttner) ins Leben gerufenen Bewerbs, konnte Fereshteh Eslahi aus (nicht nur brandaktuellen kriegsbedingten) Gründen nicht nach Wien kommen.
Stellvertretend nahm die in Wien lebende, im Iran geborene, Multimedia-Künstlerin Maryam Kouhestani, die auch an Unis im Iran und Afghanistan gelehrt hat als das noch möglich war, den Preis entgegen. Auf Umwegen hatte sie, der angesichts der dramatischen Lage oppositioneller Künstler:innen und des Krieges immer wieder Tränen kamen, einen kleinen Origami-Kranich mit der Nummer 222 aus einer gefalteten iranischen Banknote vom Künstler Isa Choulandim bekommen. Der will 1000 Kraniche falten, um den nicht einmal 30-jährigen Schauspieler Hossein Mohammadi, der zunächst vom Regime zum Tode verurteilt worden war, zu retten. Den kleinen so symbolträchtigen Kranich überreichte Maryam Kouhestani dem „Vater“ des Global Peace Photo Awards, Lois Lammerhuber.
Einer japanischen Legende kriegt wer 1000 Kraniche – an sich schon ein Symbol für Glück und Langlebigkeit – faltet von den Göttern einen Wunsch erfüllt (Senbazuru – 1000 Kraniche).
Aufs erste mag es vielleicht eine ungewöhnliche Kombination sein: Als Jugendlicher begann er sich selber das Programmieren von Computerspielen beizubringen, erfand mit „Prince of Persia“ eine langanhaltende weltberühmt gewordene Erfolgsserie mit Animationstechnik die damals sogar bahnbrechend war. Nun ist – in einem kleinen niederösterreichischen Verlag seine auf Deutsch (nach Französisch, Englisch, brasilianischem Portugiesisch) übersetzte – Familiengeschichte als Graphic Novel erschienen: Replay – Erinnerungen einer entwurzelten Familie“.
Der gebürtige New Yorker Jordan Mechner, der später in Kalifornien wohnte und seit fast einem Jahrzehnt in Frankreich lebt und arbeitet, weilte kürzlich in St. Pölten und Wien, wo er das druckfrische Buch vorstellte, unter anderem im Jüdischen Museum in der Dorotheergasse (Wiener Innenstadt), wo auch die Fotos zu diesem Beitrag entstanden sind.
Für den Schöpfer viele Computerspiele, Drehbücher, Comic-Schöpfer und fast andauernden Skizzen-Zeichner gibt es – wie er sagte eine große Gemeinsamkeit: „Ich liebe Story-Telling. Für mich ging es auch in den Computerspielen – vor „Prince of Persia“ (das erste 1989) entwickelte er schon „Karateka“ (1984) und später „The Last Express“ (1997) – nicht um Punktsammeln, sondern eben darum, eine Geschichte zu erzählen.“
Doch während in seinen Computerspielen die Storys erfunden sind – wenngleich „natürlich überall auch Erlebnisse, Begegnungen, Bilder aus dem eigenen Leben einfließen“ auch als „Echo der Geschichte“ – ist „Replay“ die reale Lebensgeschichte seiner Familie. Großeltern, die vor den Nazis, unter anderem aus Wien, flüchten mussten – und, mit Hindernissen und Umwegen (u. a. Kuba) – auch konnten… Der Großvater väterlicherseits hat viel schriftlich festgehalten, Fotos aufgehoben. Später gescannt, digitalisiert für die Familie, als Website erstellt, macht sich der Autor und Illustrator auch im Buch selbst an manchen Stellen auf die Suche nach einer fehlenden Seite 305A.
Der Großvater Adolf, Spitzname Bubi, vielleicht weil auch schon sein Vater, also Jordans Urgroßvater Adolf hieß, musste schon als Kind zum ersten Mal flüchten – im ersten Weltkrieg aus Czernowitz, damals noch in Rumänien, heute in der Ukraine. Sein Sohn, Francis, genannt Franzi, wurde dann als junger Volksschüler in Wien, wo die Familie zuerst Zuflucht gefunden hatte, zum Flüchtling und landete zunächst in Frankreich, später in den USA.
Wobei wie – in den meisten Familien -, bei Weitem nicht alle Mitglieder der Familie Mechner / Bayer / Ziegler / Feingold / Weitzberg Ermordung durch die Faschisten entgehen konnten.
Die immer wieder auch abenteuerliche Familiengeschichte konnte nicht selten nur dank des Zusammenspiels von Zufällen überhaupt weitergehen – und so erst die Geburt von Jordan und seiner drei Geschwister Linda, Emily und David ermöglichen. Die teils filmreife, aber eben echte, Story lässt der Dauer-Zeichner auf 315 Seiten in spannenden, lebendigen Bildern lebendig werden, die immer wieder die jeweilige – nicht selten lebensbedrohliche – Situationen noch mehr erahnen lassen als die dazugehörigen Texte (Übersetzung ins Deutsche: Lucia Engelbrecht).
Jordan Mechner springt auf den mehr als 300 Seiten immer wieder hin und her zwischen der großväterliche, der väterlichen und seiner eigenen Geschichte. Um jedwede mögliche Verwirrung zu verhindern, hat er sich einen durchgängigen Farbcode ausgedacht, der auf der Rückseite des Buches mit – passend zu Flucht- und Umzugsgeschichten – mit Gepäckstücken symbolisiert ist: Gelb für die Gegenwart, blau für die Erinnerungen an seine Kindheit und Sepia – wie alte Fotos – für die Passagen mit Erinnerungen seines Vaters bzw. Großvaters.
Onkel Joschi fand eines Tages in seinem Keller zwei gemalte Bilder, die er viele Jahre vorher in Wien vor dem Ersten Weltkrieg einem unbekannten, erfolglosen Künstler abgekauft hatte – Adolf Hitler. Mit diesen erwirkte er bei einem begeisterten Nazi-Funktionär Visa für ihn, seine Ehefrau und den gemeinsamen Sohn für Frankreich. (S. 18)
Jordan ist Vater von Jane und Ethan. In einer Episode (S. 208 und 209) treffen Vater und Tochter den (Ur-)Großvater. Sie ist urangefressen über den schulischen Geschichtsunterricht, wo sie gerade Frankreich zur Zeit der Nazibesetzung behandeln – bei Jordans Opa könnte die Schülerin Infos aus erster Hand erfahren. Jane aber ist noch viel erboster über die sexistischen, antisemitischen und rassistischen Anspielungen und Äußerungen des Lehrers und zitiert Sager wie „Ihr wisst ja, wie die Juden sind… Bei Muslimen ist es noch ärger. Die beiden algerischen Jungs regen sich immer auf und diskutieren mit ihm, und er schickt sie aus dem Klassenzimmer.“
Auch Jane hat gesagt: „Das geht gar nicht!“ – „Er (der Lehrer) hat mich zur Direktorin geschickt…“
Ein dunkler Erdhügel, allerlei Grünzeug sprießt daraus hervor und einige Karotten schauen aus der Erde, verstreut kugeln zwei grüne Gummistiefel irgendwo in der Gegend und eine Gießkanne ist von einer Art Hut mit schneckenförmigem Muster bedeckt (Bühnenbild: Gernot Ebenlechner). Gina, so heißt die Schnecke, die Schauspielerin Cordula Nossek (Regie: Beate Sauer) hervorzaubert – unter dem Hut mit ihrer Hand und zwei Fingern, die dank Fingerhüten mit Augenpunkten zu deren Fühler werden.
Fast eine ¾ Stunde zieht sie in dem Stück, mit dem sie derzeit durch einige Spielorte von Junge Theater Wien tourt (siehe Info-Box am Ende des Beitrages), junges und jüngstes Publikum in ihren Bann. Lässt die Schnecke Salat speisen – zum Gaudium der Zuschauer:innen dabei rülpsen.
Doch hat es nun schon lange nicht mehr geregnet, Trockenheit droht. Vielleicht hilft eine Art Regentanz. Und in der Tat „zaubert“ sie Wasser herbei – was bei einer Aufführung in der VHS Großjedlersdorf Kinder fragen ließ „ist das echtes Wasser?“ In ihrem Spiel spricht Nossek immer wieder das eine oder andere Kind mit Merkmalen der T-Shirts oder deren Bewegungen an.
Lediglich der Stücktitel ist mit „Schneckenalarm“ naja verwirrend, bedeutet er doch für Gärnter:innen eher Angst, dass die (behausten) Weichtiere über das Gemüse herfallen, weshalb die zu unterschiedlichen Fallen und Abwehrmitteln greifen. Das (Schau-)Spiel hingegen macht Lust auf gärtnern, Gemüse und auch auf lebendige Schnecken.
„1, 2, 3, 4, vorwärts, Rückschritt…“ zum rasend schnellen, live gespielten, Rhythmus exerziert die erste Performerin, die die Bühne entert, gehetzte Tanzbewegungen. Und schon schwingt Doppeldeutigkeit mit. Werden hier nicht nur Moves gezählt und vorgegeben, sondern auch gleich ein Kommentar zur (gesellschafts-)politischen (Welt-)Lage?
„Speed (kills content)“ heißt die jüngste Produktion vom aktionstheater ensemble beim Wiener Gastspiel. Traditionsgemäß spielt die Gruppe die erste Serie der neuen Stücke in Vorarlberg, wo Mastermind – jeweils Konzept und Regie – Martin Gruber in Dornbirn lebt. Im Herbst war die Gruppe mit „All about me“ übrigens sogar am Off-Broadway in New York eingeladen – mit etlichen Triggerwarnungen für das dortige Publikum.
Die Aufführungen der Gruppe gehen immer von sehr persönlichen, nicht gerade ruhmvollen Situationen aus, die tief berühren. Dennoch bedienen sie nie Voyeurismus, weil die eine oder andere auch vielen im Publikum gleichermaßen bekannt sein dürften. Keine (Welt-)Erklärungen von oben oder außen, sondern aus dem tiefsten Inneren – (Bauch-)Gefühl + hirnige Reflexion miteinander unmittelbar verwoben – und dies symptomatisch für gesellschafts(-politische) Zustände und Entwicklungen.
Das gemeinsam Erarbeitete wird nicht selten auch zum szenischen Gegeneinander. Männer die Frauen erklären, dass sie depressiv oder sicher nicht glücklich seien. Körperliche und seelische Entblößungen inklusive. Aktionstheater-Performances vereinen Gefühl, Geist und (extrem) starke Körperlichkeit miteinander. Dieses Mal vom Tempo her noch heftiger, noch rasanter eben „Speed“ und der killt den Inhalt – scheinbar.
Letzterer manifestiert sich vor allem in Szenen, die den in den Mittelpunkt der meisten Menschen gerückten Kampf mit den Kosten des täglichen Lebens betreffen. Vom unmöglichen Auszug aus einer gemeinsamen Wohnung trotz Trennung, weil die Kosten für eine neue Unterkunft nicht leistbar sind bis zum fast entwürdigend erscheinenden Ringen um Rabattpunkte im Supermarkt.
Oder die auf durchaus tiefstem, untergriffigen Niveau ausgetragene Schrei-Orgie zwischen Klientin und Arbeitsamts-Mitarbeiterin, bei der Isabella Jeschke beispielsweise echte Tränen aus den Augen schießen. Und die trotz der Heftigkeit ihrer Schimpfkanonade dem fiktiven Gegenüber von unbändiger Verzweiflung Zeugnis geben.
Und schon im nächsten Moment wieder kraftvolle Tanzschritte von ihr und den fünf begeisternd mitreißenden Kolleg:innen Zeynep Alan, Thomas Kolle, Kirstin Schwab, Tamara Stern, Benjamin Vanyek auf sowie der drei musizierenden Kollegen Andreas Dauböck, Pete Simpson und Jean Philipp Oliver Viol am Rand der Bühne. Und trotz der rasenden Geschwindigkeit, der volle pulle Power kein Schritt weiter – das aktuelle Lebensgefühl. What the fuck ist auf dieser Welt los? Undenkbares wird Wirklichkeit, Unsagbares poppt in der Mitte vermeintlich aufgeklärter Gesellschaften auf, Teuerungen, Demokratie-Abbau, kaum Hoffnung und DAS große, die Menschheit insgesamt bedrohende Thema Klimakrise – rückt in den Hintergrund.
Überforderung im Großen, die sich im alltäglichen Leben im scheinbar Kleinen, niederschmetternd, niederdrückend auswirkt. Druck, Druck, Druck. Angst. Angst. Angst.
Angst auch vor Stillstand und gar Rückschritt. Hilft da Tempo, Tempo, Tempo? Oder killt die ziel- und planlose Geschwindigkeit eben die Inhalte?
Immerhin aber sind viele der rasanten Gruppenpassagen des gesamten Ensembles Momente der gemeinsamen Bewegung – immer auch synchron zur Live-Musik – ein Hoffnungsbild das wenngleich kraftvoll laut aber doch subtil ins Publikum schwappt.
Von Beginn an tauchen die live auf der Bühne Performenden auch noch in projizierten Bewegtbildern auf durchscheinenden Wänden im Hintergrund auf. Für diese Videos hat die Künstlerin Resa Lut die Darsteller:innen schon im Vorfeld gefilmt, die Videos verfremdet, diffus gemacht, solarisiert – anfangs erscheinen diese schemenhaft, gegen Ende immer klarer, naturlaistischer.
„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr Frauen das Leben klaut!“ Diesen Spruch riefen Freitag um die Mittagszeit Dutzende Jugendliche der AHS-Oberstufe Geringergasse in Wien-Simmering zwischen den großen metallenen Buchstaben die gemeinsam „Information“ ergeben und der Glasfassade dieser Schule, die neben der eigenen noch eine Handelsakademie beherbergt.
Die allermeisten Gymnasiast:innen der 6. bis 8. Klasse strömten in der Pause vor der vierten Schulstunde vor ihr Gebäude, viele hielten handgeschriebene Plakate auf Karton oder weißem Papier hoch. Mit vielfach bekannten, aber auch neuen, kreativen Variationen von Sprüchen gegen Gewalt an Frauen und deren Spitze des Eisbergs, Femizide. Die Bandbreite reiche von „Gewalt hat viele Gesichter, oft ist es ein bekanntes“, „Man(n) tötet nicht aus Liebe“, „Girls just wanna have fun(damental human rights)“ bis „Femizide sind die Probleme von allen“.
„Wir sind heute laut, weil Schweigen tötet, weil Wegschauen tötet und weil Ignoranz tötet. Dieser Protest ist für Gerechtigkeit, für Schutz, für ein Leben ohne Angst. Und wir hören nicht auf, bis Gewalt gegen Frauen beendet ist!“, rief Schulsprecherin Lea Schraufek, verstärkt durch ein Megaphon aus der Schuldirektion, die die Aktion ebenso unterstützt wie so manche Lehrer:innen – mit Plakaten oder mit Bodenmalkreiden. Und so wurden sogar auf dem regennassen Boden sichtbar manche der Plakat- und Sprech-Chor-Losungen von Jugendlichen aufgemalt.
„Die Aktion war spontan innerhalb von wenigen Tagen von Schüler:innen der Peer-Mediations- bzw. Projektmanagement-Teams ausgegangen“, berichtet die schon genannte Schulsprecherin Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… „Wir haben die Aktion nur für Schülerinnen und Schüler der sechsten bis achten Klassen zugänglich gemacht, weil die ja nicht mehr schulpflichtig sind und selber entscheiden können, ob sie mitmachen oder nicht. Am Mittwoch hatten wir dann noch einen gemeinsamen kreativen Plakatmal-Termin angeboten.“
Die Schulsprecherin machte in einer kurzen Rede auf einige der erschreckenden Fakten aufmerksam, dass jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen ist. Dass dies sich vor allem aber nur dann ändern wird, wenn es nicht ein „Frauenthema“ bleibt, sondern Männer sich gegen gewalttätige Handlungen ihrer Geschlechtsgenossen engagieren, stellten teilnehmende Burschen mit unterschiedlichsten Plakaten klar. Vom bekannten „Man(n) tötet nicht aus Liebe“ bis zu einer schnell hingekritzelten Penis-Zeichnung mit der Frage „Rechtfertigt das Deine Gewalt?“
Schon die Tage vor dieser Aktion gab es dann in den Oberstufenklassen so manche Diskussionen zum Thema, die Plakate sollen im Schulhaus angebracht werden, um es nicht bei dem einstündigen Streik zu belassen, sondern noch länger und intensiver darüber zu diskutieren.
Gesprächsrunde mit einigen Schüler:innen in einem weiteren Beitrag.
Eine andere Schule, die Marketing-Handelsakademie im steirischen Fürstenfeld, beteiligte sich schon vor zwei Wochen an der internationalen Aktion „16 Tage Gegen Gewalt an Frauen“ (25. November bis 10. Dezember) mit Plakaten, einem Banner an der Schulfassade „Stoppt Gewalt gegen Frauen“ und einem beeindruckenden rund 1½-minütigen YouTube-Video – unten verlinkt.
Nach den ersten 20 Sekunden, in denen eine Jugendliche über diese Gewalt als großes, fast unsichtbares Problem spricht, kommt’s im ersten Moment zu einer Art irritierendem Mansplaining: Ein Bursch grätscht ins Bild: „Stopp! …“
Doch es kommt tatsächlich ganz anders. „Das ist kein Frauenthema, das ist jetzt reine Männersache!“, bringt er ins Spiel. „Wir Männer sind das Problem und deshalb auch Teil der Lösung…“ Später meint ein Kollege: „Wenn wir nicht eingreifen und nicht widersprechen und einfach nur wegschauen, dann werden wir Teil des Problems…“
Ein bunter „Fallschirm“ wie er vor allem von Kinderfesten bekannt ist, wird von einigen, auch meist farbenfroh gekleideten, Menschen vor dem Seitentrakt des Burgtheaters aufgespannt. Kinder laufen drunter hin und her. Ein bemalter Regenschirm tanzt auf dem abwechselnd rauf und runter gezogenen bunten Tuch auf und ab. Viele Touris fotografieren und filmen die kleine Gruppe, nicht selten von anderer perspektive mit Blick auf den erleuchteten Christkindlmarkt vor dem Wiener Rathaus.
Hin und wieder, leider zu selten, rufen einige aus der Gruppe den Grund ihrer fröhlichen Aktion – mit ernstem Hintergrund: „Amerlinghaus muss bleiben!
Es geht um dieses unabhängige Kulturzentrum im nahegelegenen siebenten Bezirk, Wien-Neubau, für das die Stadt Wien die Subvention so stark kürzen will, dass es im Frühjahr 2026 mehr oder minder den Betreib einstellen müsste.
Wenige Tage zuvor, in der ersten Dezemberwoche, gab es eine Demo mit mehr als 500 Teilnehmer:innen für den Erhalt des Amerlinghauses als Kulturzentrum. „Mei Deitschkurs is net deppat!“, war wohl das kreativste der Protestplakate bei der Demonstration gegen die massive Subventionskürzung für das unabhängige Kulturzentrum Amerlinghaus in Wien-Neubau. Vor 50 Jahren durch die Besetzung des damals eher baufälligen Hauses überhaupt erst – so wie die anderen alten Häuser am „Spittelberg – heute längst als mustergültige Sanierung eines Viertels gefeiert.
Budgetnot ist überall. Daher sparen, sparen, sparen! Kürzen, kürzen, kürzen! Aber wo?
Nun, selbst in der Stadt Wien, die immer Wert darauflegt, sozial und kulturell zu sein, wird bei Beschäftigungsprojekten in der Suchthilfe, Deutschkursen, der Unterstützung für Menschen die aus Ländern flüchten mussten, in denen sie Gefahren ausgesetzt sind, aber dennoch kein Asyl bekommen haben, und vielem mehr der sprichwörtliche Rotstift zur Hand genommen.
Eines dieser Projekte, das bedroht ist: Das Amerlinghaus. Es bietet physisch und geistig Raum für Dutzende kulturelle, politische, soziale Initiativen und Vereine, viel Diskussionen, Deutschkurse, eine selbstverwaltete reformpädagogisch Kindergruppe und, und, und…
Erst Anfang Oktober wurde ein fast 300 Seiten starkes Buch mit 50 Kapiteln zur Geschichte, Philosophie, einzelnen Initiativen und Bewegungen, u.a. Frauenbewegung, Kampf um demokratische Mitbestimmung, Kinderrechte, zivilgesellschaftliches Engagement, solidarisches Zusammenleben, Diversität und vieles andere präsentiert – nicht zuletzt mit vorweihnachtlichen Keksen, entsprechend dem Buchtitel: „Spekulatius statt Spekulation!“ Einem der Sprüche, die irgendwann bei einer Aktion in den Anfangsjahren – wo es ja um die Rettung des gesamten Spittelbergs und seiner – heute längst geschätzten – renovierten alten Häuser ging, die vor einem halben Jahrhundert bedroht waren aus Spekulationsgründen alle abgerissen und durch – höhere – Neubauten ersetzt zu werden.
Bei dieser Buchpräsentation waren natürlich Finanzen auch ein Thema, weil das Kulturzentrum in den 50 Jahren seines Bestehens immer wieder darum kämpfen musste. Doch, so hieß es Anfang Oktober noch hoffnungsfroh, das Jahr 2026 wäre gesichert. Nun will die Stadt Wien die Unterstützung auf unter 150.000 Euro und damit rund die Hälfte der erforderlichen Mittel wie Energie, knappe Personalressourcen kürzen. Was übrigens wahrscheinlich sogar weniger ist als der zweite – ohne Ausschreibung – bestellte Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien, der ehemalige ÖVP-Wien-Chef Manfred Juraczka – kosten wird.
Er spielt und singt im seit dem Feiertag (8. Dezember 2025) im Wiener Raimund Theater nicht nur den „kleinen Stanislaus“ im Musical „Die drei Stanisläuse“, das die Kinderfreunde heuer – wie jedes Jahr ein anderes – rund 6000 Kindern schenken. Simon Malleczek hat auch zwei Auftritt mit verschiedenen Saxofonen. Und er ist erst 17, also nur wenige Jahre älter als sein Publikum. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… führte kurz nach der umjubelten Premiere und vor einer zweiten Vorstellung am Nachmittag ein kurzes Interview mit dem Newcomer.
KiJuKU: Seit wann machen Sie Musik und Schauspiel?
Simon Malleczek: Eigentlich schon immer.
KiJuKU: Was heißt immer?
Simon Malleczek: Ich hab mit drei angefangen mit Geige, ich hab Fagott gespielt, ich spiel Saxofon, was ich heute auch spielen durfte. Ich hab im Kindergarten zu singen angefangen.
KiJuKU: Wie kommt man mit drei auf die Idee, Geige zu spielen?
Simon Malleczek: Das ist eine sehr gute Frage. Angeblich – ich hab keine Erinnerung daran, aber so wurde es mir immer wieder erzählt – sobald ich stehen konnte, stand ich vor der Übertragung des Neujahrskonzerts, hab mich auf Bücher gestellt und versucht das zu dirigieren. Das heißt die Begeisterung für Musik war irgendwie schon immer da.
KiJuKU: Ist nicht Geige gerade zum Beginnen schwierig?
Simon Malleczek: Es gibt auch schon kleine Geigen.
KiJuKU: Aber bei einer Flöte oder einem Tasteninstrument ist es schon leichter, bald einmal Töne zu spielen, was bei Geigen ja nicht so einfach ist?
Simon Malleczek: Ich war auch nicht besonders gut, aber die Schwierigkeit hat das gefördert, ich wollt einfach Töne rauskriegen.
KiJuKU: Und dann haben sie Musikschulen besucht?
Simon Malleczek: Ja, zuerst mit Fagott und dann mit Saxofon.
KiJuKU: Jetzt gehen Sie noch in die Schule, oder?
Simon Malleczek: Nein, ich bin nicht mehr in der Schule, ich hab in der 7. Klasse abgebrochen, ich hab schon so viele Projekte gespielt, dass ich gesagt hab, ich hör mit der Schule auf.
KiJuKU: Sie wechseln in eine Schauspiel-, Musik oder kombinierte Ausbildung?
Simon Malleczek: Genau, das Ziel ist eine professionelle Ausbildung, vorerst Schauspiel.
KiJuKU: Wie sind Sie zum Kinderfreund-Musical gekommen?
Simon Malleczek: Das war ganz witzig, ich kenn die Stella Kranner, die die jüngste Veronika spielt, schon ganz lang. Die hat mich angerufen: Ich hab ein Casting für dich! Dann war ich auf einer Konzertreise in Vorarlberg und hab ein WhatsApp-Nachricht bekommen: Heute 12.30 Uhr eCasting, geht klar? Dann bin ich von der prob weg ins Hotel gegangen, hab das eCasting gemacht und wurde genommen.
KiJuKU: Was haben Sie im eCasting gemacht – schon Texte aus den Stanisläusen?
Simon Malleczek: Nein, zwei Lieder gesungen, einen Monolog aus meinem Repertoire, ich glaub es war auch was aus dem Phantom der Oper dabei, aber ich weiß es nicht mehr.
KiJuKU: Kannten Sie die Stanisläuse-Geschichten?
Simon Malleczek: Ich bin voll mit diesen Büchern aufgewachsen, zuerst vorgelesen, dann selber gelesen. Und ich war jedes Jahr beim Kinderfreunde-Weihnachts-Musical. Ich hab im Dezember Geburtstag, war jedes Jahr – meistens genau an meinem Geburtstag mit meinen Freunden in der Vorstellung, nachher sind wir zum Christkindlmarkt gegangen. Das ist jetzt so ein kleiner Kreis, der sich gerade schließt, dass ich da mitspielen darf. Heuer ist leider an meinem Geburtstag keine Vorstellung.
Gespielt wird bis 20. Dezember – Infos im unten verlinkten Beitrag, in dem das Musical besprochen wird.
„… und natürlich den drei Veronikas!“ – schon in der mehrfach wiederholten Ansage im sich füllenden Raimund Theater ertönt eine Ergänzung zum Titel des Musicals „Die drei Stanisläuse“, das am Feiertagsvormittag seine umjubelte Uraufführung erlebte (Details in der Info-Box ganz am Ende des Beitrages). Einige der sechs Bilderbücher – geschrieben von Vera Ferra-Mikura und illustriert von Romulus Candea zwischen 1962 und 1995 – werden immer und immer wieder neu aufgelegt – Buchbesprechungen auf KiJuKU.at am Ende des Beitrages verlinkt.
Wie die Protagonist:innen aus drei Generationen greifen offenbar heutige Großeltern zu den Büchern aus ihrer Kindheit, um sie ihren Enkelkindern vorzulesen oder zu schenken. Schon die Einleitung oben deutet den wesentlichen Unterschied zwischen den Büchern und dem Musical an – nicht nur die schwungvolle, ins Ohr gehende Musik: Geschrieben und in Bildern sind Bub, Vater und Großvater die aktiven, die abenteuerlustigen, die Entdecker, die drei Generationen Veronikas sind eher die Randfiguren und treten in althergebrachten Rollen mit überholten Aufgaben in Erscheinung.
Auf der Bühne singen und spielen sie gleichberechtigt, lassen sich nicht alles gefallen. Stella Kranner als die Jüngste, das Kind Veronika, gibt ihrem Bruder, dem jüngsten Stanislaus (Simon Malleczek) schon recht früh zu verstehen, das mit der „kleinen Schwester“ könne er sich abschminken, sei sie doch größer als er. Und wenn Georg Hasenzagl als mittlerer Stanislau neben dem Wäschekorb auf unschuldig singt „ich hab ja nichts gemacht“, kontert ihm Anna Knott (die auch gemeinsam mit Janine Hickl für die Choreo zuständig ist) als Ehefrau und damit mittlere Veronika: „ja eben, das ist ja das Problem“, denn im Haushalt mit anpacken wäre ja wohl angesagt.
Was noch in einem der Songs mit teilweise Ohrwurm-Potenzial verstärkt und unterstrichen wird, wenn es heißt, dass die Welt nur ändern kann, der sich selber ändern kann. Andere Texte besingen vor allem das, was auch die Autorin der Bücher so toll in Szenen verpackt hat: Fantasie schafft Abenteuer. „Es braucht nicht viel, nur Fantasie und jedes Spiel wird schön wie nie: Wir stellen’s uns vor!“ kommt in mehreren Liedern vor – mit dem Versuch das Publikum gerade in den letzten Satz miteinstimmen zu lassen.
Die schon genannten vier Darsteller:innen – und dazu noch Elena Schreiber und Martin Petraschka als das älteste eh klar Veronika und Stanislaus-Paar – schlüpfen aber auch noch in andere Rollen. So geben die drei Frauen auch Feen, die die Stanisläuse – und das auch schon im sechsten Buch, in dem die Veronikas es auf den Titel geschafft haben – dazu bringen, Küche zu putzen und Kekse zu backen. Die drei Männer treten als diebische Mäusefänger auf.
Die Bühnenfassung hat – wie schon im Vorjahr bei „Die Omama im Apfelbaum“ nach Mira Lobe und Susi Weigel – Stephan Lack geschrieben, für Regie und künstlerische Leitung zeichnet wieder Caroline Richards verantwortlich. Die Songs komponiert und die Live-Musik geleitet hat erneut Michael Hecht, der auch Bass spielt; an den Keyboards Ed Reardon und Benjamin Alan Kubaczek und das Schlagzeug bedient wieder Lukas Schlintl. Wobei zusätzlich zu den vier Musikern der Jüngste auf der Bühne Simon Malleczek (17 – Interview in einem eigenen Beitrag) neben Schauspiel und Gesang in zwei Szenen Saxofon bzw. Sopransaxofon spielt.
Das vor allem dank – teils überraschender (Malereien!) Videoeinspielungen – wandelbare Bühnenbild stammt von Alois Ellmauer bzw. Videoproduktion: Alexander Trinkl, Lisa Punz. Da die Schauspieler:innen, die gleichzeitig auch Sänger:innen sind – eben Musical – natürlich nicht Kinder / Eltern bzw. Großeltern sind, hilft auch die generationenmäßig unterschiedliche Kleidung mit, niemanden durcheinander zu bringen (Kostüme: Natalie Pedetti Prack).
Die Kinderfreunde schenken seit fast 40 Jahren in der Vorweihnachtszeit Tausenden Kindern ein Musical, seit langem im Raimund Theater. Bis vor zwei Jahren war es fast immer ein eigens dafür geschriebenes Stück Musiktheater. Im Vorjahr wurden Konzept und Leading-Team – Bühnenfassung, Regie, Musik – verändert, seither werden Bilderbücher aus dem zu den Kinderfreunden zählenden Verlag Jungbrunnen dramatisiert. War es im Vorjahr „Die Omama im Apfelbaum“ vom Duo Mira Lobe und Susi Weigel, so bildeten heuer die sechs Bücher über die drei Generationen Stanisläuse – und in der Musicalversion viel stärker als in den Büchern die drei Veronikas, ebenfalls Großmutter – Mutter -Kind – die Grundlage für das vorweihnachtliche für Kinder kostenlose Musiktheater.
Übrigens: Dem Verlag wurde erst in der Vorwoche der Bruno-Kreisky-Preis (nach dem Bundeskanzler von 1970 bis 1983) des Karl-Renner-Instituts überreicht. In der Begründung heißt es unter anderem: „Jungbrunnen überzeugt durch seinen Mut, auch schwierige und kontroverse Themen wie Inklusion, Diversität und Nachhaltigkeit in seinen Publikationen aufzugreifen, ohne dabei die Magie kindlicher und jugendlicher Erzählwelten zu verlieren. Der Verlag setzt konsequent auf hochwertige Illustrationen, innovative Ansätze und literarische Qualität und erreicht so Generationen von Jugendlichen, die durch die Bücher nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken angeregt werden… Die Jury würdigt den Verlag Jungbrunnen für sein nachhaltiges Engagement, kulturelle und politische Bildung zu fördern. Er ermöglicht durch seine unermüdliche Arbeit Kinder- und Jugendliteratur auf höchstem Niveau. Der Verlag ist ein Leuchtturm für die Bedeutung von Literatur als Werkzeug politischer Bildung, demokratischen Bewusstseins und gesellschaftlichen Zusammenhalts.“
Warum dann ausgerechnet Bücher für das aktuelle Musical ausgesucht wurden, die zwar Fantasie fördern, aber ein überholtes Frauenbild – auch schon in den Entstehungszeiten; 5. Buch 1974, 6. Buch 1995 – verbreiten? Na gut, immerhin hat die Musicalversion den einen oder anderen kleineren Ansatz neuerer Sichtweisen aus diesen Büchern vergrößert bzw. hinzugefügt – siehe oben.
Geschätzte fünf Dutzend der weltberühmten, fast allgegenwärtigen Kunststoff-Sessel – „Monobloc“ ist das meistverkaufte Möbelstück aller Zeiten – auf einem Sandstrand. Manche einzeln stehend, andere gestapelt, etliche durcheinander gewirbelt – was die Assoziationen zum Stücktitel herstellt: „Richterskala 7,8“.
Mit Letzterem wird bekanntlich die Stärke von Erdbeben angegeben, die genannten Größe wird mit „Zerstörung über weite Gebiete“ am oberen Ende der Skala – 10 wurde noch nie registriert – angegeben. Und natürlich – angesichts der beiden Schauspielerinnen Elif Bilici & Özge Dayan-Mair, die das Stück auch entwickelt haben, ergibt sich sofort die Assoziation zu den Erdstößen, die am 6. Februar 2023 den Südosten der Türkei und den Norden Syriens erschütterten. Ein zweites Erdbeben am selben Tag erreichte noch immer die Stärke 7,5. Folgen: mehr als 62.000 Tote, mehr als 125.000 Verletzte.
Doch das steht gar nicht im Zentrum der rund einstündigen Performance mit Sprechpassagen auf Deutsch, Wienerisch und Türkisch, Musik und einem an Derwisch erinnernden Tanz der Erstgenannten gegen Ende der Aufführung im Kabelwerk (Theater am Werk).
Durcheinander im Leben der beiden Künstlerinnen, die in Wien ihre Parallelen – erst bei Solidaritäts- und Charity-Aktionen für überlebende Opfer des genannten Erdbebens – kennengelernt haben, prägen das atmosphärisch, über weite Strecken sehr unaufgeregte Schauspiel, die Dialoge. Beide kommen aus Izmir (Ägäis-Küste), mit drei Millionen Einwohner:innen drittgrößte Stadt der Türkei, eine in der – so betonen sie -, Erdoğan noch nie eine Wahl gewonnen hat.
Altgriechisch hieß sie Smýrna, was antiken Quellen zufolge der Name einer Amazone war. Neben der Multikulturalität (Griechisch, Türkisch, Armenisch, Levantinisch) interpretieren die beiden Künstlerinnen dies als feministisches Signal. Bilici und Dayan-Mair fanden aber noch mehr Gemeinsamkeiten, so ist beider erste Heimat der Stadtteil Karşıyaka. Ebenso wollten sie beiden nach Europa und vermissen hier vor allem Meer und Sonne.
Aber nicht nur das, ihre Träume wurden immer wieder durch Ähnliches erschüttert. In der Türkei erworbenen Qualifikationen zählten ebenso wenig wie ihre Sprachkenntnisse. So hatte Özge Dayan-Mair in Istanbul Klassik-Konzerte organisiert, meldete sich auf ein Inserat der Staatsoper für eine Managementposition. Und wurde in einen Raum mit Barockkleidern gebeten, um auf der Straße Tickets zu verkaufen. Deutsch in und durch Sprachkurse stießen auf die Grenzen der Umgebung, die eine ganz andere Sprache zu verwenden scheinen – schau ma amoi.
Irgendwann dazwischen wird auch das besagte Erdbeben angesprochen – wobei in dieser Szene der „Saal oben“ im Kabelwerk in Dunkel getaucht wird -, aber auch damit verbunden, dass ein Gutteil der Zerstörungen auf illegale, nicht erdebeben-sichere Wohnbauten „dank“ korrupter Politiker zurückzuführen war, staatliche Hilfe kaum ankam und noch immer ein Gutteil der Überlebenden in Containern wohnen muss.
Der Ärger darüber und über die ablehnenden Erfahrungen und Erlebnisse in der neuen Heimat lässt vor allem in Elif Bilici bühnenreif Wut zum Beben bringen. Gibt es Hoffnung – und was ist eine solche überhaupt? Bin ich ein Mensch? Gehöre ich zu ihnen? Müssen wir bei jeder Wahl zittern? Und warum darf ich gar nicht wählen?
Philosophisch-politische Fragen verpacken die beiden Schauspielerinnen in diesem über lange Zeit entwickelten Stück (Martina Gredler; Dramaturgie: Anna Schober) mit Musik von Emanoel Bruckmüller, Çağrı Beklen, Dario Moreno (Her Akşam Votka, Rakı Ve Şarap / Sarhoş – Wodka, Raki und Wein jeden Abend / Betrunken) in teils poetische, mitunter wütende, aber auch weich-liebevolle Szenen (Nicht-Türkisch-Sprachler:innen lernen zwei türkische Wörter für Liebe kennen: Aşk & Sevgi), die immer wieder auch viel Raum und Zeit für mögliche eigene Assoziationen geben.
Ob das Ortsschild vor dem Wiener Rathaus fürs kommende Jahr verändert werden muss, stand nach zwei Tagen noch nicht fest. Bis Sonntag 19 Uhr können Fans und Interessierte von vor allem Computer- und Videospielen noch ihrer Leidenschaft kostenlos in vielen Räumen des Rathauses und dem Platz davor frönen. Zum 16. Mal findet – wie immer bei gratis Eintritt – die 16. Game City von wienXtra, dem Freizeitprogramm für Kinder und Jugendliche der Bundeshauptstadt statt. Mit zuletzt 85.000 Besucher:innen in den drei Tagen wurde sie zur siebentgrößten Stadt Österreichs wie auf dem blau umrandeten Ortsschild steht. Die Vorstandsvorsitzende von weinXtra, Neos-Gemeinderätin Dolores Bakos, hofft, dass bald einmal die 100.000er-Grenze überschritten werde – Klagenfurt mit knapp mehr als 105.000 Einwohner:innen liegt auf Platz 6.
Aber ob mehr, gleich viele oder gar weniger – die Homepage zeigt übrigens via Ampelsystem an, ob gerade minimale oder längere Wartezeiten beim Eingang in Kauf zu nehmen sind. Geboten wird einerseits etliche Turniere in eSports-Bewerben, ein besonders „Zuckerl“ bietet ein großer Glas-Container schon am Platz vor dem Rathaus. Das alte, aber immer noch sehr beleibte Spiel Tetris, ermöglich jenem halben Dutzend mit den höchsten Scores zum Weltfinale nach Dubai zu fliegen. Wo 2000 Drohnen so programmiert werden, dass sie die jeweiligen fallenden Spielsteine am Himmel abbilden.
Österreich war übrigens eines der ersten Länder mit einem eigenen eSports-Verband, in dem unter anderem Riesen-LAN-Partys mit bis zu 1000 Spieler:innen organisiert wurden und federführend mitbeteiligt am Aufbau des internationalen Verbandes. Neben Turnieren gab und gibt es fast ständig in der Game-City auch zwischendurch kleinere Bewerben und Wettkämpfe. Manche davon werden auf der großen Bühne im Arkadenhof ausgetragen, was und wie die Spieler:innen dabei schaffen, wird auf große Monitore übertragen und live kommentiert.
Eine, die sich dabei die Seele aus dem Leib zu schreiben scheint ist Rebecca Raschun, besser bekannt unter ihrem Gamerinnen-Namen JustBecci. Sie kennt sich auch voll aus, war und ist sie doch schon seit ihrer Schulzeit kompetente und leidenschaftlicher Spielerin. „Meine Eltern haben mir damals zwar immer wieder gesagt, mit Videospielen kannst du kein Geld verdienen, aber seit einigen Jahren ist das Gegenteil der Fall“, sagt sie in einem kurzen Interview zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
Manchmal sei damals im Gymnasium schon zu wenig Zeit fürs Lernen geblieben, dann gab’s Gaming-Verbot, aber nach der Matura das Studium von Medien- und Eventmanagement.
2012 startete sie auf Twitch ihren Kanal „Basicplayground“, mittlerweile mit 40.000 Followern. In Streams unterhält sie diese – entweder beim selber Zocken, macht aber auch die Moderationen beim Kommentieren von Spielen anderer zur unterhaltsamen, mitreißenden Show.
„Ich hab immer schon in der Schule gern vor Leuten geredet, Referate geliebt und ähnliches. So hab ich begonnen die beiden Dinge, die ich liebe – Gaming und Reden – beim Moderieren zu verbinden. Davon kann ich ganz gut leben, ich komm nur für meinen Geschmack nicht mehr so viel zum Spielen, halte dafür aber auch Vorträge vor Unternehmen über die Bedeutung von Gaming.“
„Gaming verbindet“ – über viele Grenzen hinweg. Das ist der Leitspruch der Veranstaltung und damit ein Gegengewicht zu Vorurteilen und Schuldzuweisungen, wie sie sehr oft dann kommen, wenn Jugendliche etwas anstellen. Aber das war schon davor beim Fernsehkonsum und noch 100 Jahre früher gab es ähnliche „Argumente“ gegen zu viel Lesen, wie Armin Maiwald, federführender Miterfinder der „Sendung mit der Maus“ vor gut 20 Jahren in einer TV-Diskussion in den Bavaria-Studios von München erzählte.
Seit 2017 findet in der Game-City auch eine starke inhaltliche internationale Konferenz – FROG (Future and Reality of Gaming) statt, heuer unter anderem mit der Präsidentin von „Games for Change“, Susanna Pollack aus den USA. „Wir setzen aber auf positiven Wechsel, nicht auf den, den wir gerade in unserem Land erleben“, sagt sie kurz und bündig zu KiJuKU.at
Aber auch wer nicht bewerbsmäßig spielen, sondern „nur“ das eine oder andere ausprobieren will, kann sich jedes Jahr an diesen drei Tagen im Wiener Rathaus richtiggehend „zu Hause“ fühlen. Unterschiedlichste Spiele – großer Hersteller, aber auch von kleinen unabhängigen Entwickler:innen und in der Kinderzone sogar Brettspiele mit der wienXtra-Spielebox können ausprobiert werden. In einer eigenen Retro-Zone gibt es uralte Spiele und Konsolen, nicht zuletzt Ur-Versionen von Tetris.
Samstag gab’s nicht nur die aus Wien-Mariahilf zum Rathaus führende Cosplay-Parade. Figuren aus Games und Animes tummeln sich ohnehin immer wieder auf der Game-City, die 2007 zum ersten Mal stattfand – und Pandemie-bedingt natürlich Pausen einlegen musste. Zum dritten Mal wählt die Community auch Bürgermeister:innen, heuer mit Lukas Jobst alias Siptom zum ersten Mal einen jungen Mann. Der Einzelhandelskaufmann in einer großen Supermarktkette wurde gleich noch von einer Kollegin als Vizebürgermeisterin begleitet, Carolin Pawel wählte Fantasy Heaven zu ihrem alter ego.
Der doch kräftige Temperatursturz am Tag nach dem Herbstbeginn ließ viele am Platz vor dem Wiener Hauptbahnhof einigermaßen bibbern – und den Flashmob Dienstagvormittag kürzer ausfallen als geplant. Einige der Kinder, insbesondere jene, die an ihren weißen T-Shirts mit Aufdruck als Schüler:innen des BIG (Bundesinstitut für Gehörlosenbildung, Wien 13) erkennbar waren, begannen schon zu tanzen und sich intensiv zu bewegen. Das vertrieb bei ihnen nicht nur die Kälte, sie bereiteten sich auf ihren Bühnenauftritt vor.
Sie performten in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS; weltweit gibt es rund 300 Gebärdensprache, in Österreich ist sie seit 1. September 2005 verfassungsgesetzlich verankert wie andere Minderheitensprache etwa Slowenisch, Burgenlandkroatisch, Ungarisch, Romani, Tschechisch, Slowakisch) einen eigenen von einigen Kindern der Schule geschaffenen Song, zu dem vor der Bühne einige kräftig trommelten. Nach einem Tanz Jugendlicher erklärten Schüler:innen der HLMW (Höhere Lehranstalt für Mode und Bekleidungstechnik sowie wirtschaftliche Berufe) Michelbeuern (Wien 9; dort werden übrigens seit mehr als 60 Jahren auch hörbeeinträchtigte Jugendliche unterrichtet, Gebärdensprache ist Pflichtfach für alle, auch hörende Schüler:innen) die seit zwei Jahren international gebräuchliche Flagge der weltweiten Gehörlosen-Gemeinschaft.
Eine in gelben dicken Linien stilisierte Hand als Symbol für das zentrale Sprechwerkzeug sowie die Farben Türkis innen und Blau außerhalb der Finger bilden diese Fahne: Türkis steht schon lange für Gebärdensprache, dunkelblau für Menschlichkeit und ist Signalfarbe des Weltverbandes gehörloser und schwerhöriger Menschen (WFD – World Federation of the Deaf) und gelb steht für Hoffnung und Erleuchtung. Die Schüler:innen erklärten – in Gebärdensprache, die in Lautsprache gedolmetscht wurde – auch, dass die Flagge auf den Entwurf eines taubblinden Designers zurückgeht.
Arnaud Balard (geboren 1971 im französischen Toulouse, gehörlos und später als Erwachsener de facto erblindet) ist Künstler und Aktivist für Gleichberechtigung. Für die Gestaltung der Fahne hatte er zwei Jahre alle Flaggen der Welt, ihre Bedeutungen und Entstehungsgeschichten studiert. Der französische Gehörlosenverband verwendet die von ihm geschaffene Flagge bereits ab 2014. Vor zwei Jahren (2023) beschloss der internationale Verband auf dem Weltkongress im südkoreanische Jeju in einer Abstimmung seinen Entwurf als Internationales Zeichen zu verwenden, knapp vor Entwürfen aus dem Libanon und Russland.
In Reden forderten Vertreter:innen und Vertreter – jeweils in Gebärdensprache – unter anderem Helene Jarmer (Präsidentin des Gehörlosenbundes, von 2009 bis 2017 Nationalratsabgeordnet der Grünen) die gleichberechtige Teilhabe auch von gehörlosen und schwerhörigen Menschen, was noch immer nicht überall der Fall ist. Auch die Diversity- und Inklusions-Leiterin bei den Österreichischen Bundesbahnen (Traude Kogoj), erwähnte, dass zwar 88 % der Angebote der ÖBB barrierefrei seien, aber eben dadurch noch einiges zu tun bleibe.
Worauf viele durch die Ankündigung des Flashmobs fast sehnsüchtig gewartet hatten, bildete (fast) den Abschluss: Pharell Williams „Happy“. Als Draufgabe gab es noch eine Kürzestversion von Coldplays „Humankind“ mit einem eigene, neuen Text, der – englisch und gebärdend besagt, „Ich weiß, wir sind alle verschieden, aber wir alle sind Menschen“, was der Intention des Original-Lyrics entspricht. Moderiert hat di dann auf knapp eine ¾ Stunde verkürzt Aktion Amanda Jovanović.
Die Kinder- und Jugendkategorie des Prix Ars Electronica, des wohl weltweit renommiertesten Bewerbs für digitale Kunst unterscheidet sich nicht nur vom Alter der Einreicher:innen her von den altersunabhängigen „New Animation Art“, „Artificial Life & Intelligence“, „Digital Musics & Sound Art“. Der Untertitel „create your world“ für den U19-Bewerb (aufgeteilt in U10, U12, U14 und eben 14 bis 19) umfasst unter den 520 Einreichungen (alle U19-Arbeiten) auch immer wieder analoge, real-life-Projekte, auch wenn sie „nur“ mit digitalen Videos begleitet werden.
Besonders eines der ausgezeichneten Projekte bei den U14 spielt(e) in der echten Welt, darum sei dieses hier als erstes vorgestellt; U10 und U12 gab es schon in früheren – am Ende unten verlinkten – Beiträgen, die noch Älteren werden in weiteren Artikeln auf Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… vorgestellt; hier sind die 13- und 14-Jährigen dran – Hauptpreis, Auszeichnungen und Anerkennung.
Also rein in die reale Welt: Karim Naim, Dominik Pichler, Mathilde und Lieselotte Prichenfried (Reihenfolge alphabetisch nach Nachnamen) spielten auf einer Wise in ihrer Wohnhausanlage in Wien-Brigittenau immer wieder Fußball. Was nicht alle Bewohner:innen schätzten. Schimpfereien bekamen sie zu hören. Die schrieben sie auf Zettel, schnitten diese als Sprechblasen aus und bauten sie in das nicht ganz zweiminütige Video ein, das sie über ihr Kicken – und eine folgende Aktion – ein.
Das Spannende kommt danach. Als ein Fußball-Verbots-Schild aufgehängt wurde, begannen sie einfach alle Bewohner:innen zu befragen und sammelten Unterschriften dafür, dass sie doch Ball spielen durften – mit der Verpflichtung, sich um den Rasen zu kümmern, Rücksicht auf Wände und Balkone zu nehmen sowie die Ruhezeiten einzuhalten. 41 von 43 Hausparteien unterstützten den Wunsch der Kinder, ihrem Bewegungsdrang in unmittelbarer Wohnnähe nachgehen zu dürfen. Was auch die Hausverwaltung überzeugte – bis spätestens 20 Uhr war nun das Kicken erlaubt.
Die – erfolgreiche – Aktion nutzten die genannten Kinder – und drehten darüber den Film „Über’s Redn kumman d’Leid zaum. Fußballspielen im Hof“ mit teils elterlicher Hilfe.
Doch bei der Preisverleihung im Rahmen des Ars Electronica Festivals in der Post City beim Linzer Bahnhof musste sie traurigerweise bekanntgeben: „Leider ist das Fußballspielen jetzt schon wieder verboten!“
Der Hauptpreis bei den U14-Jährigen – wie auch die beiden anderen jüngeren Kategorien mit dem Untertitel „Young Creatives“, wurde von den Juror:innen an acht Schüler*innen der Allgemeinen Sonderschule Klosterneuburg für das Video „B-VENGERS“ vergeben. Begleitet und unterstützt von zwei Jugendsozialarbeitern (von OMAi – Office for Media and Arts International und GEH.BEAT Klosterneuburg) produzierten die Jugendlichen die animierte Geschichte eines Weihnachtsmanns, der während seinen Sommerurlaubs vom bösen, genialen Fritz, der von Weltherrschaftsfantasien geplagt ist, in ein überdimensionales Monster verwandelt wird. Dieses droht, die Stadt Klosteraltburg in Schutt und Asche zu legen. Und dies wird zum Fall für die B-Vengers – die Superheld:innen ohne Hirn.“
Sechs Wochen lang hatten die acht Schüler:innen an Charakteren und einem Plot dafür gearbeitet. Sie entwickelten dabei eigenständig Superhelden, denen sie Superkräfte, Namen, Aussehen und persönliche Schwächen (sozusagen ihr jeweiliges Kryptonit) gaben und gestalteten einen trashigen Katastrophen-Clip in der Tradition der B-Movies. Erstellt wurde alles mit einem digitalen Zeichenwerkzeug, das es ermöglicht, Figuren, Formen und Farben auf iPads zu gestalten und zu animieren. In der letzten Workshop-Einheit wurden die Szenen mit den Teilnehmenden live animiert und von ihnen vertont.
„Ein rotzfrecher, wunderbar absurder Animationsfilm, der das Superhelden-Genre auf links dreht – mit anarchischem Humor, visueller Klarheit und erzählerischem Tempo“, befand die Jury.
Wie der Titel des hier eingangs beschriebenen Projekts ist auch das zweite ausgezeichnete Video im Dialekt: „Damma Zukunft – Ganz ohne Hass“ entstand in der Sozialpädagogische Wohneinrichtung Schloss Leonstein (OÖ) – Projekt „Dammawos“ (Verein zur Förderung der Entwicklung von Jugendlichen in Jordanien, Tschad und Österreich).
In dem nicht ganz sieben-minütigen Musikvideo springen, laufen, singen – teils rap-artig gereimt – die Protagonist:innen und über die Wichtigkeit, Träume zu haben und diese, vor allem deren Realisierung, zu verfolgen. An einer Stelle heißt es: „Jeder braucht Träume. Ohne Träume wäre unsere Welt nur finster und hoffnungslos.“
An anderer: „Daraus können Ideen und diese wiederum riesengroß werden. Einst starben Menschen an kleinen Dingen, heutige Medizin kann vieles heilen…“ Die Jugendlichen transportieren in ihrem Traum-„Loblied“ aber auch die Botschaften „Denk in deinen Träumen nicht nur an dich, träum auch für ein gute Welt, für uns alle!
Und diese „gute Welt“ definieren sie auch als eine „ohne Hass“, denn wir alle (die Menschheit) sitzt im selben Boot – filmisch umgesetzt in zerbrechlichen Papierschiffchen auf Wasser.
„Aufgenommen wurde alles mit Smartphones, den Beat hat das Team mit BandLab gestaltet und nebenbei die Melodie zum Refrain entwickelt. Das Cutting übernahm einer der Jugendlichen in mühsamer Kleinarbeit. Jedes Teammitglied hat mit seiner unverwechselbaren Art dazu beigetragen, den Rap zu dem zu machen, was er ist“, heißt es in der Beschreibung auf der Ars-Electronica-Website. Zur technischen Umsetzung meinte di Jury: „Die Kombination aus dem Einsatz digitaler Tools zum Generieren des Beats, dem Heranziehen von KI als Unterstützung beim Schreiben des gemeinsamen Refrains und den authentischen Stimmen ist jedenfalls sehr gelungen.“
Ein Jugendlicher wird von einer Lehrerin verbal niedergemacht. Aber auch als zwei Mitschüler:innen ihm ihre Hilfe anbieten, zeigt das Schauspieltalent mit einem Blick in die ferne Leere oder leere Ferne: „Ich versteh genau gar nix von dem, was ihr sagt!“
Und die wiederum agieren, als würden sie ihn und sein Verhalten nicht verstehen (wollen).
Dies sind die Ausgangs-Szenen eines heftig beeindruckenden Videos mit dem Titel KOMA der Halleiner Gymnasiast:innen Elias, Güven, Helena, Laura, Luca, Kaan, Muhammed, Paul, Simon, Simon, Sophia und Thomas. Kosta, so der geschilderte Protagonist, kann auch in einem Telefonat mit seinem Vater keine Unterstützung bekommen, der hat keine Zeit für den Sohn. Der psychische Stress überfordert den Jugendlichen mehr als, er spinnt sich in eskalierende Gedanken und vor dem Kaffee-, Kakao-Automaten in der Schule mit dem handschriftlichen aufgeklebten Zettel „kaputt“ überlegt er in Gedanken die Namen seiner Opfer…
„Im Rahmen eines Workshops mit „Shoot your Short“ setzten sie sich erstmals intensiv mit dem Medium Film auseinander. Dabei entwickelten sie gemeinsam die Idee zu ihrem Kurzfilm, übernahmen eigenverantwortlich Aufgaben in Regie, Kamera, Drehbuch und Schauspiel und lernten, ihre Vision als Team umzusetzen“, steht in der Beschreibung auf der Ars-Electronica-Seite. Zur Preisverleihung – Anerkennung in der (Unter-)Kategorie U14 konnten niemand von ihnen kommen.
Die Jugendlichen versahen ihren, teils im Dialekt gesprochene Szenen glich mit englischen Untertiteln und bauten einen türkischen sowie einen englischen Song ein.
Im Abspann blenden sie die Opferzahlen einiger School-Shootings (oft fälschlicherweise Amok bezeichnet, obwohl die alle ja geplant sind) ein und die Frage „Wo?“ mit der Antwort darauf: „Darum geht es nicht…“
Fortsetzungen mit den Gewinner:innen der älteren Kategorien folgen.
ars.electronica.art -> B-Vengers
ars.electronica.art -> Über’s Redn kumman d’leid zaum
Kunterbuntes, lustiges, teils ausgelassenes Treiben samt hin und wieder Musik, Gesang und Tanz herrschte Samstagabend (6. September 2025) zwischen Karlskirche und dem Teich davor mit seinem derzeit dort auf dem Wasser schwebenden großen luftgefüllten – zeitweise begehbaren – Oktopus (Klanginstallation im Rahmen des Johann-Strauss-Jahres von God’s Entertainment): Clown:innen hatten zu einer Kundgebung aufgerufen.
„Es geht uns darum, ein schwereloses, aber starkes Gegengewicht zum aktuellen Weltgeschehen zu bilden“, hatte das Team des Theaters Olé Menschen eingeladen, „der Welt ihr bezauberndstes Lächeln zu schenken“. Manifestiert wurden diese Gedanken unter anderem in kleinen und größeren handbemalten Schrifttafeln. „Ein Lächeln für Dich…“ und auf der Rückseite „und viele Luftballons“ stand auf einem sehr großen Plakat. Luftballons wurden viele aufgeblasen, manche auch in Herzform. Immer wieder schwebten auch Seifenblasen durch die Lüfte.
„Kann bitte wer zurücklächeln? Danke“ samt gemaltem Herzerl, Blume und Smilie zierte eine andere große Tafel auf braunem Karton. Apropos Smilie – der weltbekannte Song „Smile“, zunächst wortlos als Schlusslied in Charlie Chaplins berühmtem Film „Moderne Zeiten“ und später (Mitte der 50er Jahre) von John Turner und Geoffrey Parsons mit dem ebenfalls berühmt gewordenen Text versehen, wurde in verschiedenen Versionen, unter anderem einer mit österreichischem Text gesungen, wo es unter anderem heißt: „Lach… Jammern macht des leben doppelt schwer…“.
Clownin Zilly trug auch eine Tafel mit direkt politischer Botschaft: „Frieden für alle“.
Im Laufe der einstündigen Kundgebung, die auch viel Aufmerksamkeit bei vorübergehenden oder -radelnden Tourist:innen erregte und sicher viele Fotos und Videos weltweit ergeben wird, gab es auch drei Reden, nicht nur von Clown:innen.
„Meiner Meinung nach gibt es unglaublich viele schlimme Sachen in unserer Welt und natürlich auch schöne“, begann Anna, eine Zwölfjährige ihre Gedanken ins Mikrofon zu sagen. „Gute Menschen wie meine Großeltern (die diese Kundgebung federführend organisiert hatten), aber auch schlechte. Was ich zum Beispiel schlimm finde, ist, dass es so viele Menschen auf der Welt gibt, die sich nur um sich selbst kümmern und nie an die Flüchtlinge, an Menschen, die nichts zu essen haben oder denen’s einfach psychisch nicht gut geht, denken. Es gibt Leute, die so viel Geld haben, um nicht nur ihnen ein gutes Leben zu finanzieren, sondern auch noch so vielen anderen Menschen. Leider kann man es nicht ändern, aber statt an diese schlimmen Sachen zu denken, einfach mal lachen. Das hat noch niemandem geschadet!“
Charlotte Zorell, eine junge Schauspielerin (u.a. in der vorigen Saison in einer Hauptrolle im Theater der Jugend) hielt eine sehr starke inhaltsreiche Rede, die sie so begann: „Wir sind hier, weil wir uns an einer gemeinsamen Schwelle befinden. Das spüren wir. Die Zukunft scheint in der Schwebe. Taumeln wir in weitere Katastrophen. Oder gehen wir in eine gerechtere Zukunft.“ Die ganze Rede stellte sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zur Verfügung und wird hier – in einem eigenen, unten verlinkten Beitrag – veröffentlicht.
Dennoch sei auch gleich hier noch zitiert: „Clowns legen die Maske der Perfektion ab und setzen sich eine Nase der Zärtlichkeit auf. Wir wollen eine clowneske Welt… Wir wollen Verantwortung, füreinander, Empathie und Liebe. Eine Utopie wird nicht bestehen, solange wir sie nicht behutsam zusammenbasteln. Es ist eine Utopie der
Fürsorge – jenseits von Besitz- und Machtverhältnissen, hin zu gegenseitiger Sorge, Verbundenheit und kollektiver Heilung.“
Postkarten mit dem Spruch „Immer wenn wir lachen, stirbt ein Problem“ brachten eine Grundhaltung dieser Kundgebung zum Ausdruck – mehr in den rund 120 Fotos, und demnächst auch in einigen Videos.
Der zeitweise Regen führte zwar dazu, dass sich etliche Besucher:innen unter Bäume oder Regenschirme begaben, aber der festlichen Stimmung konnte das nicht viel anhaben. Wasser sprudelte übrigens beim zweiten Straßenfest in der kleinen Sackgasse, die großspurig Baumannstraße (Wien-Landstraße), auch von unten nach oben. Mitorganisator:innen von „Die Werkstatt – Baumanstraßen-Verschönerungsverein“ hatten ein kleines Planschbecken mit Springbrunnen gebaut.
Von dort zog sich schräg über die Gasse ein breiter grüner Teppich – und so manch handbemalte Holztafel verbreitete auch die Botschaften, unter anderem „Stadt für Menschen statt für Autos“.
Am anderen Ende der Sackgasse, knapp vor den Stiegen und der Rampe in den Sünnhof wartete ein Tischtennis-Tisch und mehr als ein halbes Dutzend Schläger. Immer wieder spielten Anrainer:innen und Besucher:innen, mitunter auch sogenannte Ringerln- mehrere spielen und laufen nach dem Schlag weiter in der Rund, um von der anderen Tisch-Seite den kleinen Ball zu treffen.
Der große autofreie Platz daneben war für mehrere Stunden einem Fahrrad- und Scooter-Parcours gewidmet. Davor standen ebenfalls wie schon im Vorjahr Kleiderständer für Tausch-Möglichkeiten.
Das Straßenfest dient einerseits der Pflege der Nachbarschaft dient und führt andererseits anschaulich und spürbar vor Augen, wie lebenswert städtische Gassen und Straßen sein können, wenn sie nicht als Auto-Abstellflächen genutzt werden müssen.
Eine neue Initiative bei dem Straßenfest lieferten einige Kinder. Sie boten bei einem Flohmarkt Spielzeug an, von dem sie sich trennen wollen – wie der Kleidertausch ein kleines Element zur Nachhaltigkeit. Abseits des Straßenfestes bietet auch eine der wahrscheinlich schönsten und einladendsten Grätzl-Oasen der Stadt ganzjährig gemütliches Verweilen – ebenfalls vom oben schon genannten „Verschönerungsverein2 gestaltet und eigenhändig gebaut und bepflanzt. Eine ebenfalls aus Holz gezimmerter offener Bücherschrank rundet die Initiative ab.
PS: Verspätetes Update: Das Ende des Straßenfestes fiel ins Wasser, recht heftig einsetzender Regen vertrieb die Besucher:innen aber nciht vollständig, mnache fanden in Hauseingängen tratschenden Zuflucht, andere versammelten sich im Lokal der Werkstatt der Organisator:innen, die selber eifrig alles ins Trockene wegräumten.
Damit mehr Jobs für die Kinderstadt zur Verfügung stehen, wurde die Höchst-Arbeitszeit in Wienopolis am Donnerstag auf zwei Stunden begrenzt. Der Regen führte auch dazu, dass beispielsweise das Smoothie-Rad verlegt werden musste – in den Teil des Arkadenhofes im Wiener Rathaus, der mit einem Faltdach geschützt wird.
Und: Am Donnerstag gewann Lino zum vierten Mal – und damit jeden bisherigen Tag – den Autoreifen-Wechsel-Wettbewerb der Wiener Linien. 82 Sekunden brauchte er beim ersten, 50 beim zweiten, 48 beim dritten und nun gar nur mehr 40 Sekunden beim vierten Mal.
Der 12-Jährige ließ sich danach sogar im Wellness-Bereich ein recht großes Tattoo der Wiener Linien auf die linke Wange malen. Vier Muttern müssen aufgeschraubt, der Reifen von der Wagenachse gehoben werden. Er muss den Boden berühren und danach wieder befestigt werden. Die 40 Sekunden sind auch für die Profis von den Wiener Linien eine Herausforderung.
Motivation, um täglich einen neuen Rekord aufzustellen, sei für ihn gewesen, damit in die Zeitung zu kommen, gesteht der Schnell-Schrauber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Diese Internetplattform betreut auch di Station der Kinderstadt-Zeitung, die täglich erscheint.
In der Station der Wiener Linien in der Nähe des Verkehrsgartens in einem großen Raum bei den Arkadenhof-Gängen liegen auch Schienen – ein Stück U-Bahn- sowie ein Stück Straßenbahn-Gleise neben der Vorrichtung, in der eine Wagen-Achse mit zwei Autoreifen hängt. Eine weitere Aktivität hier ist eine Metallkiste mit verschieden großen und dicken Schrauben und Muttern. Der Deckel mit Scharnier gehoben, reinschauen dürfen, Deckel zu und über ein Loch in der Seitenwand müssen dann mit einer Hand nur mit Greifen ohne zu sehen die richtigen Muttern auf die fixierten Schrauben bzw. andere Schrauben in die Löchter gedreht werden. Das findet die neunjährige Asil, die KiJuKU dabei fotografieren darf – und wo für Fotos ausnahmsweise der Deckel wieder aufgemacht wird – „sehr cool“.
Zuvor hatte sie schon eine Fixierung bei einer Koppelung von U-Bahn-Waggons (die älteren, „Silberpfeile“ genannt) gelockert und wieder festgezogen.
Mit Feuereifer, hin und wieder angestrengter Mine aber voller Lust lockern und fixieren wiederum Nora (9), Carolin (8) und Felix (ebenfalls 8) Muttern bei den beiden Gleisstücken mit Hilfe von langen „Ratschen“, die damit eine größere Hebelwirkung erzielen. „Schön und lustig“, sagen die beiden Mädchen zwischendurch auf die Frag, wie sie den doch großen körperlichen Einsatz hier finden. Dabei sind solche Aktivitäten für die beiden neu. Felix hat zwar Zugang zu einer Werkstatt, „aber da fehlt immer was, Schrauben oder Holz“.
Mit mindestens ebenso viel Freude betreuen Jessi, Owen, Valentino, Adelisa, Vesna, Daniel, Markus, Raphael, Eray, Lilly, Bojana und Noel diese technischen Stationen. Sie alle sind Lehrlinge im ersten oder zweiten Jahr ihrer Ausbildungen in Gleisbau, KFZ-Mechanik. Einige Lehrlings-Ausbildner:innen helfen ebenfalls mit. Wobei etwa Anna Grbić schon ein Jahr nach dem Abschluss ihrer Lehre bereits jüngere Kolleg:innen ausbildet. „Ich hab in der 6. Klasse das Gymnasium abgebrochen, mich im Internet nach einer Lehre umgeschaut, ich wollte irgendwas Handfestes tun. Zuerst wollte ich Betontechnik machen, aber da war keine Stelle frei, dann hab ich Gleisbau gelernt.“ Und sie lächelt strahlend bei der Schilderung, wie ihr das taugt.
„Ich bin eine Nachteule“, verrät Jessi dem Reporter, warum sie sich für die Lehre als Gleisbauabeiterin beworben hat. „Ich bin in der Nacht gern draußen und kann nicht ruhig sitzen.“ Die Arbeit mit den Kindern hier – sie ist wie andere ihrer Kolleg:innen schon das zweite Jahr in der Kinderstadt – „mag ich sehr, mir gefällt, wie sie sich für diese handwerklichen, doch anstrengenden Tätigkeiten begeistern“.
Aufruf, das Wahlrecht zu nutzen, das alle Bürgerinnen und Bürger der Kinderstadt im Rathaus haben – zierten titel- und letzte Seite der zweiten Ausgabe der Kinderstadt-Tageszeitung. Drei Kinder – 10 bis 12 Jahren schrieben den „Aufmacher“, wie Zeitungen ihre Schlagzeile und Hauptgeschichte nennen dazu. Sie argumentierten das wichtige Recht, über die Politik der Kinderstadt – täglich wird eine neue Regierung gewählt – mitzubestimmen.
Ansonsten kursierten Gerüchte, die Stadt würde bankrott gehen, weil die Arbeitszeit verkürzt bei gleichem Lohn und außerdem am ersten Tag beschlossen wurde, das bei der Bank angelegte Geld werde verzinst. Diese Zinsen von 2 Holli-Cent (Währung der Kinderstadt, die seit heuer „Wienopolis“ statt wie bisher „Rein ins Rathaus“ heißt) wurden bei der Bürger:innen-Versammlung am Dienstag auf Vorschlag der gewählten Regierung auf die Hälfte, also ein Holli Cent gesenkt. An der Bürger:innen-Versammlung können alle interessierten Kinder ihrer eigenen Stadt teilnehmen.
Großes Ärgernis für viele Kinder ist, dass viele Eltern oder andere Erwachsene die Kinderstadt immer wieder überlaufen und sich nicht in dem für sie vorgesehenen eigenen „Elterngarten“ im Arkadenhof aufhalten. Darüber verfassten mehrere Jung-Journalist:innen Beiträge für die Zeitung. Und die beiden 12-jährigen Emma und Chiara präsentierten ein wunderschön gebasteltes buntes Schild „Keine Eltern“. Was allerdings auch noch nicht die erwünschte Wirkung zeigte. Dabei gibt es ab heuer die Regel, dass Erwachsene ein Visum brauchen – und dieses ist nur eine halbe Stunde gültig!
Vielleicht sollte sich wer in der Kinderstadt überlegen, die achtjährige Hannah durchgehen zu lassen und darauf hinzuweisen. Sie schaffte es mit ihrer kräftigen Stimme mitten in der doch von einem gewissen Lärmpegel erfüllten Volkshalle vielfach lauauauautstark auf ein Bingo-Spiel am Nachmittag (siehe und höre Video am Ende des Beitrages!) hinzuweisen! 😉
Am Montag ging’s dann, mit wenigen Minuten Verspätung, knapp nach 10 Uhr endlich los. Viele Kinder hatten sich schon für die diesjährige Kinderstadt im Wiener Rathaus angelmeldet. Und jene, die schon in Vorjahren da waren, hatten gleich beim Empfang des Startgeldes gemerkt, die Scheine schauen neue aus.
In der Start-, oder Willkommens-Zeitung konnten sie in der Wartezeit auch die wichtigsten der Neuerungen lesen und sehen. Aus der im Vorjahr am Freitag, dem letzten Tag, gewählten Kinderstadt-Regierung waren sieben der damals gewählten acht Kinder gekommen, um ihre Ämter bis zur neuen Wahl Montagnachmittag auszuüben.
Verstärkt wurden Zara, Hannah, Leander, Mia, Luan, Charlotte und Mauro durch zwei Kinder aus der Planungswerkstatt. Mamadou und Nicolas hatten gemeinsam mit rund fünf Dutzend anderen Kindern diese Neuerungen mitbeschlossen. Die beiden zeigen sich mit dem dabei gewählten Namen Wienopolis alles andere als glücklich, verraten sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Aber es war eben die Mehrheit dafür“, räumen sie ein – und zeigen für die Kameras alte und neue Holli-Cent-Scheine – eine weitere der Änderungen. „Da haben wir alle Entwürfe gezeichnet und aus allen dann sind dann die neuen Geldscheine entstanden.“
„Und die Hinweis- und Wegweiser-Schilder haben wir auch alle in der Planungswerkstatt geschrieben“ – gut sichtbare mit großen Buchstaben handgemalte Kartons.
KiJuKU darf auch wieder die Zeitungs-Station betreuen, bei der Kinder Beiträge verfassen, die am Ende, in der Nacht zur nächsten Tageszeitungs-Ausgabe ausgedruckt werden – die am ersten Tag entstandene achtseitige Zeitung ist unten am Ende des Beitrages zum Durchblättern als PDF zu lesen.
Unter anderem gibt es Artikel über die Wichtigkeit der Arbeit von Müll-Sammler:innen, die sich auch um die Trennung in Papier-, Rest- und Plastikmüll kümmern. Zwei, die diesen Job ausübten, Annika und Rafael waren auch bei der Redaktion unterwegs und wurden da natürlich auch gleich befragt. „Hier in der Kinderstadt ist’s eh nicht so arg wie auf den Straßen, aber ich finde es wichtig, den Müll aufzuheben – dafür gibt es Greifarme an Stangen – und auch richtig zu trennen“, findet Annika viel Sinn in ihrer Arbeit. Ihr Kollege meint hingegen: „Ich mach einfach so mit!“
In eine auch wichtige Arbeit stürzte sich der achtjährige Oliver. Kaum ist er erkennbar, „verkleidet“ in Schutzmantel, Überzieher über die Schuhe und dünne Kunststoff-handschuhe. „Ich bin Hygiene-Kontrollor“, erklärt er seinen Job und zeigt wie er unter anderem im Gasthaus mit einem Messgerät die Temperatur von Lebensmitteln in Kühlschränken aber auch Obst auf den Anrichte-Tischen. „Stimmt alles, aber es ist gut, dass es kontrolliert wird“, sagt er genauso ernst wie er seine Kontrollen verrichtet.
Spannendes Detail am Rande der Wahl: Luan wurde mit den meisten Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Und das obwohl seine Wahlwerbung irgendwie verloren gegangen ist und der darüber klarerweise sehr traurig war, weil viele seiner Konkurrent*innen ziemlich viel an Werbemitteln unter die Bürger:innen brachten!
Übrigens wurde gleich am ersten Tag beschlossen, dass die Mindestarbeitszeit von einer halben Stunde halbiert wurde. Für die ¼ Stunde gibt es den gleichen Lohn wie davor fürs Doppelte: 3 Holli-Cent, einer davon wird als Steuer vom Finanzamt abgezogen, also zwei Holli-Cent. Die Änderung baut auf einer Umfrage des Statistik-Amtes auf, wonach eine relative Mehrheit mit den Löhnen unzufrieden waren.
Zirkus im Doppelpack. Als Clown mit buntem Hemd und orangefarbenen Crocs stets auf der Jagd nach Beifall aus dem Publikum, das er dazu immer wieder, teils massiv, animiert zeigt Philippe Ducasse in „Ah Bah Bravo!“ Kunststücke wie Jonglieren mit bis zu fünf Bällen, balanciert einen langen dünnen Stock, den einige Kinder im Publikum zunächst für einen Riesen-Zauberstab halten, sogar im Handstand mit seinen Füßen und einen Hulla Hoop-Reifen rund um seinen weit nach hinten gestreckten Po.
Was bei der Kultursommer-Wien-Bühne am Nordwestbahnhof (warum vom Mortarapark in den beiden vergangenen Jahren, den die lokale Bevölkerung ohnehin gut besuchte, abgegangen wurde, war nicht wirklich in Erfahrung zu bringen) nicht beim ersten, und nicht einmal beim zweiten Versuch, sondern erst im dritten Anlauf klappte.
Aber so ist live nun einmal – oder war’s sogar geplant. In so manche Zirkusarena dieser Welt gehen hin und wieder Tricks zunächst bewusst schief, um die Schwierigkeit erst recht zu unterstreichen.
Im Hintergrund auf der Bühne selbst hängt schon ein – ganz unüblich – schwarzer Vorhang und die – noch nicht leuchtende – Schrift „Pupa Circi“ (Zirkuspuppe oder Puppen-Zirkus). Ein solcher löst den eben beschriebenen akrobatischen Clown-Auftritt – oder clownesken Akrobatik-Act ab.
Michael Pöllmann, Leiter des Marionetten Theaters Schwandorf (Deutschland) führt den frech dreinschauenden Igel Riccio Ricci an Fäden an einem Holzkreuz in die „Manege auf der Bühne“. Der – nicht der Puppenspieler, sondern der Igel – bleibt nicht der einzige, wenngleich alle kommenden Figuren auch ihre Solo-Auftritte haben. Riesen-Stoffschlang Agatha Magnolia erobert praktisch die gesamte Bühne, Stinkwanze Stepolino wandert an den Fäden gar durch die Publikumsreihen, während Adelheid, die rosa spinnenbeinige Königin der Lüfte geschickt als Seiltänzerin balanciert.
Die ungewöhnlichste der Figuren – alle erdacht, entworfen und geschickt und bespielbar gebaut von Scarlett Köfner – ist eine Geige namens Ann-Sophie. Die Musik dazu spielt allerdings eine solche aus Fleisch und Blut: Johanna Kugler live in einer Ecke der Bühne sitzend – und nicht nur während des Auftritts der Marionetten-Geige, die übrigens noch eine kleine Baby-Geige aus ihrem Umhang hervor„zaubert“.
Die Live-Musik erfolgt im Duo – neben der Geigerin sitzt Bläser Daniel Moser, der abwechselnd Saxofon, Bass-Klarinette und Holz-Querflöte spielt.
Wild, aufgeweckt, neugierig voller Entdeckungsdrang – das war auch Ida. Alles wollte sie wissen und erforschen, vor allem in der Natur. Sie war mit ihren Brüdern auf „Expeditionen“ und sammelte Insekten. Das war vor mehr als 200 Jahren in Wien und sie hieß mit Nachnamen Reyer – das kommt erst ganz hinten im (Bilder-)Buch „Ida und die Welt hinterm Kaiserzipf“.
Vorne dreht sich alles inmitten kunterbunter Bilder, die sehr viel zum Schauen und Entdeckten bieten, um dieses besondere, aber grundsätzlich vielleicht um jedes Kind. Und auch das Schicksal vieler Mädchen, nicht selten sogar heute. Hier taugte der Mutter die Lebendigkeit der Tochter nicht so wirklich, sie sollte ein biederes, angepasstes Mädchen, später eine Frau werden, die heiratet und Kinder kriegt. Dem ordnete sie sich unter, wurde zu Frau Pfeiffer.
Aber als ihre beiden Söhne erwachsen waren, erwachte in ihr wieder der alte Forschungsdrang – und sie machte sich auf, die Welt zu erkunden. Zwei Weltreisen mit viele Entdeckungen und Erkenntnissen – eine Zeitlang lebe sie bei einer indigenen Gruppe auf einer indonesischen Inselgruppe. Vieles aus ihren Er-fahrungen verarbeitete sie zu mehreren Büchern und wurde bekannte Reiseschriftstellerin.
Aber auch wenn du vielleicht, sogar wahrscheinlich wie sehr viele Menschen, von dieser Frau noch nie gehört hast, kannst du mit diesem Bilderbuch von Linda Schwalbe selber auf eine spannende, Entdeckungsreise gehen – selbst beim 17. Mal Durchblättern werden dir vielleicht noch immer wieder neue Details auffallen.
Erstveröffentlicht damals noch im Kinder-KURIER
Hinter dem mächtigen eBike, das aufs erste fast wie ein Motorrad wirkt, hat Andras Farkas aus der HTBLA Eisenstadt 3D-gedruckte weitere „Fahrrad-Rahmen“ mit anderen Sportgeräten. Weil er selbst gern radelt, wakeboardet und Ski fährt, hat er sich – unabhängig aber vielleicht vergleichbar wie Emanuel Ullmann für seine Küchengeräte, ein modulares System ausgedacht, entwickelt und eben auch schon ansatzweise gebaut. Für das eBike, das er Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… erklärt, werde die jetzige Verbindung zu den Rädern noch auf Schnellverschlüsse umgebaut. Dann werde der Umbau zu einer Art Jet-Ski auf dem Wasser und einem Bob auf der Schneepiste leichter und natürlich rascher erfolgen können.
Der Rahmen aus Carbonfasern kombiniert große Festigkeit und geringen Materialeinsatz. Verschiedene modulare Schnittstellen machen „EcoMorph“ in weiterer Folge zu einem Hybrid aus eBike, eSchneemobil und eHydrofoil-Wasserfahrzeug. Der Ladestand der Batterie soll in Echtzeit überprüfbar. Beim Wechsel auf das E-Foil etwa muss die Bremsleitung dank eines Schnellverschlussmechanismus nicht komplett entfernt werden.
Passiert in einem Autobahntunnel ein Unfall, werden beide Richtungs-Röhren gesperrt, die Feuerwehr rast an den Ort des Geschehens, Rettung und Polizei in die zweite Röhre – über sogenannte Querschläge kommen sie an den Unfallort. Doch welches ist der nächstgelegene Durchgang zur anderen Röhre?
Bisher können wertvolle, weil mitunter lebensrettende Minuten mit dieser Suche bzw. mit Hin- und Herfunken vergehen. Nicht so, wenn künftig vielleicht das Projekt „LifeSaverOverview: AI-supported emergency services coordination“ der beiden Maturantinnen Johanna Maier und Alina Nessel aus der HTL Mössingerstraße in Klagenfurt (Kärnten) umgesetzt wird. Sie trainierten die Künstliche Intelligenz mit rund 80.000 Fotos von Einsatzfahrzeugen – aus jedwedem Blickwinkel.
Dieses nunmehrige Wissen der KI ermöglicht via Kameras in allen Tunnels das Erkennen, welches Fahrzeug ist eine Feuerwehr, eine Rettung, ein Polizeiauto – und so kommen diese Informationen an die rettenden Kräfte.
Was vom Prinzip her vielleicht einfach klingt, war – und das neben allen schulischen Aufgaben – mordsmäßig viel Arbeit mit den schon genannten vielen Fotos. Aber der Projektbetreuer von der ASFINAG, der alle drei Jugend-Innovativ-Finaltage mit den beiden Schülerinnen an ihrem Stand verbrachte, strahlte angesichts der so gut brauchbaren, einsatzbereiten von den beiden entwickelten Unterstützung bei rettenden Einsätzen.
Ein beachtliches Trum aus Metallgestell, Rädern unten dran, einer Kiste – ebenfalls aus Metall und vielen Drähten zieht bei einem der Ausstellungsständer der 35-Finalprojekte viele Blicke auf sich. „AgrarBot“ nannten bzw. nennen Erik Steger, Benjamin Kerschner, Milan Sebastian und Burhan Özbek, ein Team aus HTL Rennweg diesen Roboter. Der kann Unkraut jäten – und zwar indem er die Wurzeln derselben zerschneidet. Wie ihre Kolleginnen aus Kärnten den Tunnelkameras sozusagen per KI das Erkennen von Einsatzfahrzeugen beigebracht haben, so lehrten die vier Rennweger HTL’er ihrem Roboter mit Hilfe von KI zu checken, was Unkraut ist und welche Pflanzen nicht zerstört werden sollen.
Im Gegensatz zu schweren Maschinen, die das vielleicht auch könnten, schont dieser Leichtroboter die Felder – denn dies war einer der Ausgangspunkte des Projekt: Erik Stegers Bruder hatte Praktika auf einer Biolandwirtschaft in Niederösterreich gemacht und davon berichtet.
Der Roboter kann aber auch neben dem Unkrautzerschneidern auch mit anderen Werkzeugen und Messgeräten bestückt werden, etwa bewässern, säen oder „nur“ Messdaten über den Boden sammeln – und über einen Kleincompter an eine Website senden, mit der Landwirt:innen Bodenqualität überprüfen können.
Dass es in der Expedithalle in der Brotfabrik, in der die Ausstellung der Finalprojekte und schließlich auch die Award-Show mit Würdigung aller Arbeiten samt Auszeichnung der von Jurys nochmals um den Tick herausragender befundenen Arbeiten viel zu heiß war und alles andere als gesunde Luft hatte, das spürten (fast) alle. Die neuartige Wanduhr des Teams von „LifeWatch“ aus der HTL Rennweg zeigte es auch, sobald sie im Einsatz war.
Thomas Rödler, Maximilian Ihl, Christoph Ballensdorfer und Paul Exler hatten erfahren, dass stickige Luft in Klassenzimmern die Konzentration rapide verschlechtert. Dazu gab es übrigen schon vor Jahren ein Jugend-Innovativ-Finalprojekt aus Linz: Ergebnis: In einer durchschnittlich besetzten Schulklasse sollte jede Stunde sechs bis sieben Mal gelüftet werden. Die HAK (Handelsakademie) Pernerstorfergasse in Wien-Favoriten hat seit Jahren neben jeder Tür ein CO2-Messgerät mit Ampelsystem: Bei Rot dringend lüften, bei Gelb wäre es angebracht…
Die genannten Rennweg-Schüler verbauten in ihre Wanduhren Sensoren – und die entsprechende Anzeigen – für Kohlendio- sowie -monoxid und Stickoxiden, aber auch für Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lautstärke; die Uhrzeit natürlich auch 😉
„The Hexaframe – intelligente Sonnenbrille“ wählte Laurin Röblreiter aus der Sir-Karl-Popper-Schule als Titel für seine – eben Sonnenbrille. Das „intellgente“ daran: in beiden Bügeln sind Platinen sowie – so der Plan – minimalistische Lautsprecher. Diese „Kopfhörer“ transportieren den Schall nicht ins Ohr, sondern über die Schädelknochen an denen die Bügel anliegen. Noch ist es „nur“ eine Idee und die Vorarbeit für einen Prototypen. „Solche kleinen Akkus habe ich noch nicht“, gesteht er dem Reporter. „Und im Gegensatz zu (rausch-unterdrückenden) Kopfhörern bist du dann zum Beispiel beim Musikhören nicht ganz abgeschnitten von deiner Umwelt, kannst damit auch Radfahren und gleichzeitig auf den Verkehr achten.“
Dass Menschen, die Brillen brauchen, um gut sehen zu können, müsse kein Hindernis sein, meint er zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „dieses High-Tech-Brillengestell könnte sicher so konstruiert werden, dass auch optische Gläser eingesetzt werden könnten – vielleicht nicht bei einer Fassung wie Ihrer“, spielte er auf die John-Lennon-mäßige des Journalisten an – laur.in/
Wird forgesetzt – weitere Kategorien sowie Preisträger:innen
Die Reihenfolge, in der hier die fünf Finalprojekte aus der Kategorie Engineering I vorgestellt werden, ist keine Wertung, sondern ergibt sich aus der übersichtlichen Liste, die das Jugend-Innovativ-Team Journalist:innen und Fotograf:innen zur Verfügung gestellt hat.
Florian Gaisberger hält Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… einen kleinen blau-weißen Kunststofffisch vor die Kamera. Und dazu einen nicht gerade kleinen Plastiksack mit Abfällen. Der Fisch – nicht einmal handgroß – wurde 3D-gedruckt, die Abfälle aus dieser Produktion machen ein Vielfaches davon aus.
Und so dachte sich der genannte Schüler der HTL aus dem oberösterreichischen Innviertel-Nord in Andorf gemeinsam mit seinem Kollegen Alexander Eggetsberger: Das kann, nein das darf nicht sein. Große Unternehmen recyceln Filament, das beim 3D-Druck abfällt, aber was ist mit all jenen Kunststoffteilen, die dabei in privaten Haushalten, Schulen oder auch in kleinen Firmen an- bzw. abfallen, vor allem bei Farbwechseln.
Das Duo plante gleichsam Klein-Recycling-Anlagen – und baute schon eine solche, die in der schuleigenen Werkstatt „seit voriger Woche fertig ist“. Die Abfälle werden erst auf klitzeklein geschreddert, dann erhitzt, geschmolzen und zu neuem Filament aufgerollt, das wieder bei späteren 3D-Drucken eingesetzt werden kann.
Die Frage, ob sie diese ihre Erfindung zum Patent angemeldet haben, verneinten die beiden: „Wir wollen, dass jede und jeder das auch nachbauen kann, es soll ja möglichst viel Abfall vermieden werden.“ Eines von vielen Beispielen bei Jugend-Innovativ-projekten egal welcher Kategorie wo Schüler:innen Nachhaltigkeit mitdenken oder sogar ins Zentrum stellen.
Eggetsberger und Gaisberger wollen die mit ihrem Projekt „PrintReclaim“ Bauanleitung online stellen, so dass sie für alle zugänglich ist.
Vor einigen Jahren hatten Jugendliche eins Finalprojekts sogar ein Filament, das zur Hälfte aus Sägespänen und Holzabfällen bestand zum 3D-Drucken präsentiert.
Holz steht im Zentrum der (Ausbildung im Salzburger Kuchl, die dortige HTL heißt nicht zufällig Holztechnikum. Alexander Wenger, Paul Wimmer, Manuel Mirocha und Lukas Schöller konzipierten für ein großes Holzunternehmen (Hasslacher Norica Timber) eine Konstruktion für Träger einer Kranbahn. Üblicherweise sind diese aus Stahl.
Kann eine solche Traglasten von mehr als zwölf Tonnen aushalten? Wie müssen diese Träger dimensioniert werden? Wie schaut’s bei einem Brand aus?
An all diesen und noch weiteren Fragen tüftelten die vier Schüler, programmierten auch eine Excel-Liste mit der sogar Nicht-Statiker arbeiten können – UND: Eine solche Hallen-Kranbahn ist um rund zwei Drittel billiger als eine vergleichbare aus Stahl; abgesehen davon, dass sie natürlich aus dem nachwachsenden Rohstoff ökologischer ist.
Max Sauer wohnt nahe der A 21 (Wiener Außenring-Autobahn) womit er bei offenem Fenster oder gar im Garten praktisch nie ohne Verkehrslärm auskommt. Kopfhörer mit Noise Cancellation waren das Vorbild für ihn und seinen Kollegen Felix Malits aus der HTL Mödling für deren Forschungsprojekt.
Nicht aufsetzen, weil sich die beiden oder noch mit anderen vielleicht unterhalten wollen, sondern das Prinzip Lärm durch Gegenschall in gleicher Frequenz zunichte zu machen, müsste doch auch so funktionieren. „Outdoor-Noise-Cancellation: Reduktion von Straßenlärm durch aktiven Gegenschall“ nannten sie ihre Arbeit.
„Was leicht geklungen hat, wurde es dann nicht. Wir haben viel geforscht, aber es ist schwieriger als gedacht. Einen großen brummenden lautstarken LKW kannst du aufnehmen und den entsprechenden Gegenschall erzeugen, aber das Dauerrauschen auf unterschiedlichen Frequenzen ist nicht so leicht zu bekämpfen“, schlussfolgern die beiden gegenüber KiJuKU.at aus ihren umfangreichen Forschungen, um aber gleich nicht ganz resigniert zu enden: „Wir schließen aber nicht aus, dass es doch möglich ist – bei weiterer Forschung.“
Manche der Projektteams haben ziemlich mächtige Konstruktionen in die Ausstellungs- und Veranstaltungshalle in der Brotfabrik (Wien-Favoriten) mitgebracht. Was wie eine Art Abschussrampe am Stand von einem von sieben (!) Projektgruppen aus der HTL am Wiener Rennweg aussieht, ist auch eine solche – für ein drohnenartiges Kleinstflugzeug.
Solche, die in größerer Ausführung Dinge wie unter anderem Medikamente in Gegenden transportieren können, die verkehrsmäßig schlecht bis nicht erschlossen sind, brauchen bisher entweder große, schwere Akkus, um die Energie zum Start zu erreichen oder Startrampen mit Stahlseilzug.
Ben Trumler, Max Zerovnik, Daniel Ezike und Philipp Weissenbach (HTL Rennweg) tüftelten, recherchierten, rechneten, konstruierten am Computer und kamen innerhalb von neun Monaten auf eine neuartige Lösung: Elektro-Magnetismus.
Das Flugzeug wird auf die Rampe gesetzt, auf kurzer Strecke so beschleunigt, dass er abfliegen kann – ob per Fernsteuerung oder schon vorprogrammiert schwebt und fliegt die Maschine in Richtung Ziel.
Das ist aber noch nicht alles, die vier Schüler haben ihre Konstruktion sehr praktikabel gebaut: Die zerlegbaren Schienen der Abschussrampe und alles drum und dran – einschließlich der von ihnen gebauten Steuerung passen in eine Metallkiste, die nur 110 Kilo wiegt. „Wir haben die mit Leichtigkeit hier herein getragen“, erzählen sie im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
Mehr über „MagLift – Where Innovation Takes Flight“auf der projekteigenen Homepage: maglift.at
Und noch ein Projekt aus der HTL Rennweg (Wien-Landstraße), aus der es rekordmäßige sieben Projekte ins Bundesfinale dieses 38. Durchgangs von Jugend Innovativ geschafft haben, vier sogar aus einer Klasse!
Die Idee zu „SkyScrubber“, einem Roboter für – zugegeben nur große, hohe, gerade -Fensterfronten begann mit Videos über Fensterputzer als einem der gefährlichsten Berufe weltweit, die Stefan Radović im Internet gesehen hatte. Seine drei Kollegen Moritz Dwulit, Alexander Sallans und Enis Feraj griffen mit ihm den Gedanken auf, einen entsprechenden Putz-Roboter zu erfinden – erstaunlich, dass bisher noch nie wer auf diese Idee gekommen ist.
Die vier Jugendlichen stellen nun eine große Metallkiste vor, auf der Vorderfront haben sie eine Rolle aus Mikrofaser eingebaut, über Düsen kommt das Seifen-Wasser-Gemisch auf die Glasfront; in der Kiste ist der Motor, auf dem Deckel Solarpaneele, die für die Versorgung mit dem erforderlichen Strom sorgen.
Die Kiste hat das Quartett so dimensioniert, dass sie genau in die Krankörbe für menschliche Putzkräfte passt.
Wird fortgesetzt um weitere Berichte über die weiteren sechs Kategorien, wenn KiJuKU die jeweils fünf Projekt-Teams getroffen hat.
Seit Dienstag der ersten Juni-Woche 2025 präsentieren Jugendliche aus ganz Österreich ihre – teils patentreifen – Erfindungen, Entwicklungen in Hard- und Software, Maschinenbau, Elektrotechnik, wissenschaftliche Erkenntnisse, Lernspiele – digitale und manche kombiniert mit mehr oder minder viel analogem Material und vieles mehr. Zum 38. Mal steigt das Bundesfinale von Jugend Innovativ – auch wenn das deutsche Pendant „Jugend forscht“ vielen in der Öffentlichkeit bekannter ist.
Erstmals findet es in der Expedithalle des Kultur- und Bildungszentrums „Brotfabrik“ in Wien-Favoriten statt. Mehr als 100 Jahre wurde hier Brot gebacken und von hier in die ganze Stadt ausgeliefert – aus der genannte Halle weg. Nun stellen 35 Teams die besten der besten von 440 Projekten mit 1137 beteiligten Schüler:innen drei Tage lang vor – zunächst den Fachjurys, die über die Vergabe von Preisen entscheiden, sowie interessierten Journalist:innen. Am Donnerstag öffnen sich die Türen für alle interessierten Besucher:innen und anschließend steigt – gleich in dieser Halle – die Gala mit Preisverleihung (Summe der Preisgelder: 53.000 Euro), wobei noch beleibter als die Geld- sind die „Reise“-Preise zu internationalen Bewerben und Messen, die vor allem hervorragende Vernetzungsmöglichkeiten mit forschungs- und erfindungsreichen Jugendlichen aus fast der ganzen Welt sind.
Je fünf Projekte schafften es in den sieben Kategorien ins österreichweite Finale: Design (Gestaltung – 42 Projekte starteten), Engineering I (Maschinenbau – 59 Projekte) und II (Elektrotechnik – 78 Projekte), Entrepreneurship (Unternehmertum – 54), ICT & Digital (109) sowie Science (Wissenschaft -27) und nur dem Alphabet nach zuletzt Sustainability (Nachhaltigkeit – 71).
Wie (fast) jedes Jahr wird Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… (bis vor vier Jahren als Kinder-KURIER) praktisch alle Finalprojekte in Text und Fotos vorstellen – der besseren Übersichtlich- und Lesbarkeit aufgeteilt auf sieben Beiträge in den oben schon genannten Kategorien; dazu gesellt sich dieser einleitende Überblicks-Artikel sowie am Ende auch noch ein weiterer mit allen Beiträgen; die alle nach und nach das Licht der Online-Welt erblicken – und dann jeweils hier verlinkt – werden.
Ein rundes Konglomerat aus Stacheldraht, ziemlich viel Kunststoff-Zeugs davor und im Hintergrund laufen Videos, teilweise in Schwarz-Weiß. Aus dem Durcheinander in der Bühnenmitte – so viel darf schon gespoilert werden – schält sich eine junge, langhaarige Frau – zunächst mit einer Ganzgesichtsmaske mit aufgemaltem, kräftigem Rufzeichen. Der Strich von der Stirn einschließlich der Nase, der Punkt als Mund.
Ist sie diese Danica Brdar, von der im Ankündigungstext die Rede ist und über die nun eine Stimme aus dem Off (Barbara Angermaier) erzählt? Oder „nur“ eine Projektion für dieses 1993 im kroatischen Karlovac (an die 50.000 Einwohner:innen in ähnlich viele wie St. Pölten, die NÖ-Landeshauptstadt) geborene Mädchen, das stellvertretend steht für alle, die in dieser (Nach-)Kriegs-Zeit im ehemaligen Jugoslawien steht?
Mit einem „Dad, who was in the war“ (einem Vater, der im Krieg war) und einer heranwachsenden jungen Frau, die mehr, die alles wollte – „The Girl Who Wanted It All“ heißt die beeindruckende, vielseitige, berührende und doch nie pathetische oder tränendrüsen-drückende Performance von Kasija Vrbanac Strelkin. Sie spielt, tanzt, turnt auf der Bühne, spielt zudem Gitarre und schmeißt mit fast einem Dutzend Barbie-Puppen, die für Figuren aus der Erzählung stehen, mitunter um sich.
Immer wieder wechselt sie sich in der Erzählung mit der Off-Stimme ab, wenn sie in die jeweilige Szene eintaucht, agiert. Die Off-Stimme ist nicht nur verbindende Erzähl-, sondern auch Stimme der Gedanken der Protagonistin. Und sie nennt die beiden erwähnten Sätze als adjektive Zuschreibungen bei praktisch jeder Erwähnung sowohl des Mädchens als auch des Vaters – vielleicht ein bisschen zu oft.
Ivan Strelkin hat aus echten, wahren Geschichten und Personen, die die Performerin erlebt hat oder kennt eine dichterisch freie Story geschrieben und inszeniert.
Von Nachwirkungen des Krieges, Träumen, Wünschen, Hoffnungen und Sehnsüchten dieser Danica, Enttäuschungen, die sie in der Begegnung mit männlichen Freunden erlebt, von anderen, die frühzeitig die Erde verlassen haben und von einigen Hunden als viel treueren Weggefährten.
Mit 18 Jahren – so der Ankündigungstext – geht Danica nach Wien zum Studium und kehrt erst zehn Jahre später zum ersten Besuch in die alte Heimat zurück. Darum kreisen viele der mit sparsamen Worten und umso intensiverer, oft sehr körperlicher Darstellung gespielten Szenen. Wobei dieser Teil des Plots später wieder relativiert wird – war sie überhaupt je weg?
Zwischen da und dort pendelt auch unausgesprochen die gute, intensive Stunde – einerseits kommen die kleinen Episoden mit so großen Gefühlen einem bekannt vor und gleichzeitig schwingt auch eine Distanz mit – wie ein Blick auf doch nicht ganz Vertrautes, Nahes und doch Fremdes…
Vielfalt ist nicht nur ein Schlagwort – sie war am Freitag (16. Mai 2025) vom späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag hör-, sicht-, spür- und erlebbar im großen, prunkvollen Festsaal des Wiener Rathauses. Es war wieder „Sag’s Multi“-Time. Der mehrsprachige Redebewerb fand seinen 16. Abschluss (wieder) hier.
397 Jugendliche aus allen neun österreichischen Bundesländern und dazu noch dem italienischen zweisprachigen Südtirol hatten in diesem Schuljahr aus AHS, BHS und MS (allgemein- und berufsbildenden höheren sowie Mittelschulen) teilgenommen. Neben Lob, Anerkennung von Politik, Wirtschaft und Interessensvertretungen für die vielseitigen Redetalente – alle eingeladenen hatten es ins Finale geschafft und sind somit Gewinner:innen – gab es traditionell noch spezielle Auszeichnungen für Preisträger:innen, die Besten der Besten. Die von der Jury dafür Auserkorenen wussten davon im Vorfeld noch nichts und waren jeweils mehr oder minder sehr überrascht. Sie alle werden in den nächsten Tagen hier in weiteren Beiträgen vorgestellt.
Bei der Preisverleihung von Sag’s Multi reden immer aber nicht nur Erwachsene über die Jugendlichen, sondern stellvertretend für alle Teilnehmer:innen halten einige ihre Reden hier auf der Bühne hinter dem hölzernen Podium noch einmal (in gekürzter Version).
Da saßen nun gleich in einer der schräg gestellten ersten Reihen Sviat Kolodii, Alexander Unger, Naya Okla, Anna Schraufek und Henna Islamović nebeneinander. Sie – und dazu noch Fatima Sajad (die bei ihrer Klasse aus Bozen (Italien) saß – wussten, dass sie im Laufe der Veranstaltung diese Bühne betreten und zu ihren Mit-Sag’s-Multianer:innen sowie deren Begleiter:innen (stolze Eltern, Geschwister, Freund:innen und Mitschüler:innen) und nicht zuletzt einem viel größeren Publikum im Live-Stream (kann auch nach-gesehen werden) sprechen werden. Der eine oder andere Blick in die ausgedruckte Rede, aber kaum Nervosität, eher Vorfreude darauf, dass eben noch viel mehr zuhören, was sie jeweils zu sagen haben.
Hier in diesem Bericht – weitere werden in den kommenden Tagen noch folgen – finden sich hier einerseits Zitate aus den Reden der sechs genannten Jugendlichen sowie Links zu eigenen Beiträgen mit der jeweils gesamten Rede, um diese bewegenden, tiefschürfenden Gedanken junger Menschen lesen zu können – in den kommenden Tagen folgen noch Video-Ausschnitte dazu, um auch die jeweils zweite Sprache neben Deutsch auch hören zu können. Die Reihenfolge hier ist – anders als zuvor nicht alphabetisch, sondern nach dem Alter.
Der Jüngste (und auch Kleinste, er sah nur knapp über das Redepult in den großen Saal) war der 13-jährige Alexander Unger, Schüler des Schottengymnasium der Benediktiner, Wien. Auf Deutsch und Russisch, das er ab dem fünften Lebensjahr gelernt hat, um mit seiner Oma in deren Sprache reden zu können. Bald danach lernte er auch Schach und tritt bei Turnieren und Meisterschaften an.
Unter anderem sagte er: „Sprache ist mehr als nur Wörter. Sie ist Musik, Melodie, Rhythmus. … Jede Sprache singt ihr eigenes Lied! Sprache ist der Schlüssel zur Freundschaft, zu neuen Entdeckungen, zu einer neuen Welt! Es ist wichtig nicht nur, was wir sagen, sondern auch wie wir es sagen.“
Schon vor ihm sprach als jugendlicher Eröffnungsredner sozusagen sein Sitznachbar in der ersten Reihe, Sviatoslav Kolodii (15) aus der Modularen Mittelstufe Aspern (Wien) auf Ukrainisch. So wunderbar kann eben Weltoffenheit, Mehrsprachigkeit und Vielfalt sein – übrigens nur wenige später wurden zwei Stock tiefer auf dem Platz vor dem Wiener Rathaus die Festwochen unter dem Motto „Republik der Liebe“ eröffnet 😉
Er hatte seine Rede in Gedichtform verfasst, unter anderem heißt es darin – Link zum vollständigen Gedicht unten:
„Aber das ist nicht nur jetzt passiert,
Wir hatten nicht nur jetzt mit diesem Land Krieg.
Und all diese Jahre gab es Menschen,
die von ihrer Heimat weggezogen sind.
Sie haben ihre Häuser verlassen,
ihr Volk, ihre Freunde, ihren Ort.
Sie haben fast nichts mitgebracht,
nur ein paar Sachen und ein Passport.
Und ich habe mir gedacht
Ich werde niemals mein Land verlassen
aber jetzt lebe ich in zwei Ländern
Und ich will so die Dinge mal zulassen.“
„Damals saßen wir alle an einem Tisch – egal, welcher Name und welches Religionsbekenntnis auf unseren Papieren stand. Doch was wäre, wenn wir noch immer, zusammen – als Familie an diesem Tisch sitzen würden? Nicht getrennt durch Vorurteile und Hass, sondern durch unsere Menschlichkeit und Liebe vereint?“, erinnerte die 16-jährige Henna Islamović aus dem niederösterreichischen BG/BRG Purkersdorf auf Bosnisch und Deutsch, um so fortzusetzen: „Jelena sitzt heute in Graz, Marina in Linz, und ich, Henna, stehe hier vor euch. Wenn wir drei auf dieser Bühne stünden, könntet ihr uns nicht unterscheiden. Serbin, Kroatin, Bošnjakin. – Wir sind eins.“
Anna Schraufek (16), aus dem (Real-)Gymnasium Geringergasse in Wien-Simmering schilderte in eine anschauliche Geschichte – unter Verwendung von Englisch als erlernter Sprache – verpackt widersprüchliche Parallelwelten: Hier die Schüler:innen im Lern- und Schulstress, da die Erwachsenen, deren Ansprüchen Jugendliche nie zu genügen zu scheinen. „Also, an alle Erwachsenen da draußen, glauben Sie mir, wenn ich sage: Es ist nicht einfach und wir sind nicht die Besten – Nein – das kann nicht wahr sein, wir sind die Besten, wir sind die einzige junge Generation, die es gibt und wir arbeiten jeden Tag hart daran zurechtzukommen, zu wachsen und uns zu entwickeln, in einer Welt in der niemand Antworten auf gegenwärtige sowie zukünftige Probleme hat. Wir versuchen die Zukunft zu verändern, aber auch die Perspektiven der Erwachsenen, die nicht einmal die Hälfte darüber wissen, was in unserem Leben passiert.
Deswegen appelliere ich an Sie alle: Hören Sie zu, wenn Ihr Kind Ihnen etwas zu sagen hat. Hören Sie zu, wenn Schüler und Schülerinnen um eine spätere Abgabe bitten. Hören Sie zu! Zeigen Sie Verständnis!“
„Liebe Jugendliche lest nicht nur Erfolgsgeschichten, sondern erstellt euch auch eine eigene. Denkt daran: Das Leben ist euer Leben, und die Geschichte ist eure Geschichte. Versucht es, probiert es aus, macht Fehler und scheitert, aber gebt niemals auf!… Jeden Morgen habt ihr zwei Möglichkeiten: Drückt die Schlummertaste und bleibt bequem, träumt weiter, oder wacht auf, betet und lasst eure Träume Wirklichkeit werden.
Unsere Träume können nicht von allein fliegen und wahr werden. Wir sind es, die sie zum Fliegen bringen, mit unserem Streben, unserem Mut und unserem Lernen.
Kein Ziel ist unerreichbar, wenn wir den Mut haben, es anzustreben“, vermittelte in einer mitreißenden Art mit Humor grundiert die 17-jährige Naya Okla, die darauf hinwies, dass sie ursprünglich aus Syrien kommt, von der BHAK im Osttiroler Lienz – auf Arabisch und natürlich Deutsch, das alle Teilnehmer:innen immer mit einer anderen Sprache (ob aus der Familie mitgebracht oder erlernt) im Bewerb verwenden (müssen).
Die 17-jäherige Fatima Sajad aus Der IISS Claudia de Medici in Bozen (Südtirol, Italien) schilderte was schwere Erkrankungen ihrer Mutter in der Familie auslösten – vor allem aber auch das Bewusstmachen, dass dies Anlass war, daran zu denken, geliebte Menschen im Umfeld im Hier und Jetzt zu schätzen – auf Urdu (und natürlich Deutsch): „Es gibt Menschen, die würden alles dafür geben, auch nur eine Stunde mehr mit ihrer Mutter oder ihrem Vater oder einem anderen geliebten Menschen verbringen zu dürfen.
Wir wissen nicht, was morgen passiert. Also bitte: Lernt, jeden Moment zu schätzen, den wir mit denen verbringen, die wir lieben, bevor es zu spät ist. Denn keiner von uns ist für immer da.“
Am Rande der peruanischen Hauptstadt Lima konnte eine Familie in einem der Slums dankt der Spenden im Rahmen des Projekts von Schüler:innen der dritten Klasse (A, B, C) Handelsschule nun ein neu gebautes Haus beziehen. Das Geld dafür – 1500 Euro – trieben die Teilnehmer:innen über ein Faschings-Buffet, Sponsoren sowie eine Friseurs-Aktion eines der Projektmitglieder auf, der – gegen Spenden – anderen die Haare schnitt. Dass das Geld auch wirklich bei den Bedürftigen ankam, zeigten sie bei der Präsentation in einem Video einer Betreuerin von vor Ort.
Aus keiner Klasse, sondern fächerübergreifend haben Schüler:innen aus dem katholischen, dem islamischen sowie dem Ethik-Unterricht in Zusammenarbeit mit dem Jugendrotkreuz 75 Kinder bzw. Jugendliche, die aus ihren Heimatländern flüchten mussten, zu Weihnachten 2024 beschenkt.
Schüler:innen des 1. und zweiten Aufbaulehrgangs – nach der Handelsschule im Übergang zur Handelsakademie – organisierten die Unterstützung einer Alleinerzieherin mit zwei Kindern. Sie besorgten Kindermöbel, malten selber Kinderzimmer aus, reparierten den Abfluss im Badezimmer und konnten noch Geschenke für die Kinder und ihre Mutter auftreiben.
Gemeinsam mit einem Sonderpädagogischen Zentrum (SPZ) Wiens, mit dem es schon eine längere Kooperation mit der HAK 1 gibt, organisierten Handelsschüler:innen der 1. und 2. Klassen ein inklusives Spielefest mit Stationenbetrieb für Kinder mit Behinderungen im Dehnepark (Wien-Penzing; 14. Bezirk).
Schüler:innen der 1B sowie 1 D der HAK organisierten gemeinsam mit Caritas Socialis ein Faschingsfest in einem von dieser Organisation betriebenen Mutter-Kind-Heim.
Patenschaft auf Zeit, Spendensammlungen unter Schüler:innen und Lehrer:innen der HAK 1 organisierten die Jugendlichen der zweiten Klassen (A bis D) der Handelsakademie, um zwei Dutzend (genau 25) Waisenkinder in ihrem Heim in Upendo (Tanzania) zu unterstützen. Die Patenschaften sind mehr als Geld zu überweisen, sondern eine direkte gegenseitige Kommunikation und damit Verbindung aufzubauen.
19 Schüler:innen der 3AK (das K steht immer für HAK – Handelsakadmie, das S damit klarerweise für Handelsschule) investierten 60 Arbeitsstunden für einen Weihnachtsmarkt, mit dem sie 500 Euro einnahmen, und an „Ärzte ohne Grenzen2 übergeben konnten.
HAK-Jugendliche der 3B sowie 3 E verbanden das Kennenlernen neuer Länder und ihrer Menschen – u.a. Lettland und Italien – im oben genannten Projekt mit der Stärkung von Gemeinschaften, der Vertiefung ihres Glaubens, sogar Survival-Skills und nicht zuletzt dem neuen Schwerpunkt in den VBS Logistik.
Andere Schüler:innen der eben genannten Klassen halfen bei der Ausgabe von Essen bis hin zum Abwasch des Geschirrs in der Pfarre „Heilige Mutter Theresa“ in Wien-Penzing (14. Bezirk) und nannten ihr Projekt mit oben erwähntem Titel. Dabei erlebten sie – wie die meisten ihrer Kolleg:innen in allen Projekten – besondere Begegnungen, Empathie, Respekt, erlernten nicht zuletzt mitunter Geduld, was Hilfsbereitschaft bei anderen und einem selbst auslösen kann, Nächstenliebe… Und sie benannten ihre Arbeit mit dem Spruch: „Wie können kleine Taten große Wirkung zeigen?“, den sich Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… erlaubt für den Titel (die Überschrift) des ganzen Beitrages zu verwenden.
Die Jugendlichen der privaten Handelsschulen und -akademien erlernen nicht nur einen wirtschaftlichen Schwerpunkt, sie haben das Privileg einer qualitativ hochwertigen (Aus-)Bildung, wie er weitgehend allen Kindern und Jugendlichen in Österreich zugutekommt. Selbst in Österreich haben Kinder aus finanziell benachteiligten Familien im Durchschnitt drei bis vier Schuljahre weniger als Sprösslinge aus besser gestelltem Umfeld und 15 Prozent der heimischen Kinder sind armutsgefährdet.
Aber noch krasser: Weltweit gibt es jedoch mehr als eine Viertelmilliarde Kinder und Jugendliche, die gar nie eine Schule besuchen können. Vor diesem Hintergrund entwickelten Jugendliche der 4B und 4D der HAK 1 ihr oben genanntes Projekt – gemeinsam mit der NGO (Nicht-Regierungs-Organisation) „PC für alle“.
Kinder und Jugendliche der Arhuaco (auch Ika bzw. Bintuka), eines 6000 Mitglieder zählenden indigenen Volkes der Arhuaco an der südwestlichen Seite der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien sollten – und wurden – mit Laptops ausgestattet, um auf digitalem Weg zu Schulbildung zu kommen. Projektmitglieder sammelten in der Schule und vom Träger der VBS (Fonds der Wiener Kaufmannschaft) insgesamt rund 150 Laptops, Handys, Taschenrechner und andere digitale Geräte, brachten sie zu „PC für alle“ und halfen dort mit, sie neu aufzusetzen. Die Geräte wurden schließlich – Transportkosten unter 1000 Euro – nach Kolumbien gebracht. Für die Verteilung sorgt die Organisation Nawona, die auch eine Hebammenausbildung in der Sierra Nevada de Santa Marta, die Schule Selvatorium unterstützt sowie mit den gespendeten Laptops die Digitalisierung von sieben Schulen der Region vorantreibt und den Vertreib indigener Kunstwerke betreibt.
Beim Hochwasser im Herbst des Vorjahres packten an drei Tagen – jeweils sieben bis neun Stunden – Schüler:innen der 4A und 4E sowie der Islamgruppe an, halfen Schlamm wegzuräumen und das Haus einer Familie trocken zu schaufeln. Obendrein organisierte diese Projektgruppe ein Buffet mit traditionellen Speisen aus verschiedenen der Kulturen dieser Schule sowie zwei Benefizkonzerte, bei denen 42.780 Euro gesammelt und an Hochwasseropfer übergeben werden konnten.
Obwohl (Aus-)Bildung in wirtschaftlichen Fächern im Zentrum von Handelsakademien und -schulen steht, legen die sechs Standorte der privaten VBS (Vienna Business School) immer auch Wert auf soziale Projekte. Bei der jährlichen Merkur-Gala (heuer zum 28. Mal) wird eine der echt gewichtigen Statuen wieder neben einem für das beste wirtschaftliche und innovative Projekt an jenes gehen, das die Jury für „best ethical & social“ hält. Eine der Schulen, jene im ersten Bezirk (Innere Stadt) in der Akademiestraße hat darüber hinaus fast genauso lange einen eigenen schulinternen Bewerb um Sozialprojekte, den Amicus.
Zum 22. Mal wurden knapp vor dem 1. Mai diese – vom katholischen Religionslehrer Piotr Kubiak initiierten, längst nicht auf diese Religion beschränkten – Projekte vorgestellt. Drei davon wurden von der Jury, einer von den Gäst:innen der Präsentation mit Engels-Statuen ausgezeichnet. Alle elf erhielten Urkunden, unter anderem aus den Händen der Schuldirektorin. Voll verdient.
Übrigens auch noch Schüler:innen der 3A und 3F, die den Abend der Projektpräsentationen organisiert haben – einschließlich der mehrfachen, umjubelten, teils mit Hand-Taschenlampen wie einst mit Feuerzeugen stimmungsvoll begleiteten Auftritte der jungen Band Ironix (Gesang: Julia Schuster, eGitarre: Elena Kostka, Piano: Nils Bolt, eBass: Elina Arabella Blach sowie Schlagzeug – und Trommelwirbel bei der Eröffnung im Stiegenhaus sowie der Preisverleihung: Paul Gall)
Übrigens: Mit Abschluss des 22. Durchgangs des Amicus-Awards wurden 260 Projekte mit rund 2600 beteiligten Schüler:innen durchgeführt. Aktuell besuchen Jugendliche mit 33 unterschiedlichen nationalen Hintergründen und 16 verschiedenen Religionen diese Schule gegenüber dem Künstlerhaus und dem gleichnamigen Kino.
Alle Projekte – in der Reihenfolge nach den Klassen aufsteigend von den ersten der Handelsschulen bis zu den vierten der Handelsakademie (die fünften befinden sich im Maturajahr) sowie einem fächerübergreifenden – sind in einem eigenen Beitrag mehr oder minder kurz dargestellt.
Die Jury – alphabetisch sortiert: Fabian Beltinger (Schuslprecher der HAK 1), Markus Ernst (Elternverein), Martin Schenk (stv. Direktor der evangelischen Deiakonie und Sozialexperte), Helmut Schramm (Präsident des Schulerhalter, Fonds der Wiener Kaufmannschaft), Béla Szegedi-Székely (führender Manager der Raiffeisen Factor Bank – UND – ehemaliger Schüler der HAK 1, damals selber in einem Amicus-Award-Projekt), Christine Wogowitsch (Präsidentin des internationalen Bildungsnetzwerks Pilgrim) sowie Renate Wolf (Lehrer:innenvertretung der HAK 1) – vergab drei der vier Amicus-Statuen, die vierte wurde vom Publikum gevotet. Infos über die Projekte in einem eigenen – am Ende verlinkten Beitrag.
Die mit der Engelsfigur ausgezeichneten Projekte sind die folgenden
In knapp mehr als einer Woche, am 27. April 2025, findet die Wahl in Wien statt. Da die Bundeshauptstadt auch gleichzeitig eines der neun Bundesländer ist, sind Gemeinderat und Landtag praktisch ident – von den Mandatar:innen her, nicht von den Vorsitzenden. Gewählt werden nicht nur die Gemeinderät:innen = Landtagsabgeordnete über die bei der Wahl antretenden Parteien samt Möglichkeit, Kandidat:innen mit Vorzugsstimmen auszustatten, sondern auch die 23 Bezirksvertretungen. Für letztere sind auch die rund 265.000 Bürger:innen aus den anderen 26 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wahlberechtigt. Was der 19-jährige Maturant Witold (polnischer Staatsbürger) vor kanpp einem Monat in einem Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „nur eine halbe Sache“ nannte „wenn ich nicht darüber mitbestimmen darf, wer in Wien Bürgermeister wird.“
Weder da noch dort wahlbrechtigt sind mehr als ein Drittel der Wiener:innen, die keinen österreichischen bzw. EU-Pass haben. Unter den jüngsten und jungen Bewohner:innen Wiens sind es gar 44 Prozent (16 bis 30-jährige) bzw. fast die Hälfte (46 Prozent bei den 31- bis 44-Jährigen), die oft jahr(zehnt)elang hier leben, oft schon hier geboren sind, aber nicht ihre Stimme abgeben dürfen.
Im Vorjahr lebten mehr als die Hälfte (55 Prozent) jener Wiener:innen ab 16 Jahren (Wahlalter), die nicht wahlberechtigt sind, schon mindesten zehn 10 Jahre in Wien. Elf Prozent der bei der Wiener Gemeinderatswahl 2025 nicht wahlberechtigten 16 bis 30-Jährigen sind in Österreich geboren.
Yurdanur und Monsef – zwei Jugendliche, die das betrifft, kamen wie der oben schon zitierte Witold in Interviews auf dieser Seite hier vor als die Wiener Jugendzentren in einem Mediengespräch auf diese demokratiepolitische große Lücke und Ungerechtigkeit für die Betroffenen hinwies – alle diese Beiträge am Ende dieses Artikels verlinkt. In dem Überblicksartikel dazu sagen auch Expert:innen, dass Österreich eine der allerhöchsten Hürden beim Zugang zur Staatsbürger:innenschaft haben!
In einer Aussendung am Gründonnerstag werden Vizebürgermeisterin und Integrationsstadträtin Bettina Emmerling sowie der für Umwelt, aber auch die Wahlen zuständige Stadtrat Jürgen Czernohorszky zitiert, die auf eine „kleine Wahlhilfe“ in einigen EU-Sprachen – der sieben größten Zuwanderungsgruppen – neben jenen aus Deutschland: Bulgarisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Rumänisch, Slowakisch und Ungarisch. Zusätzlich findet sich die „kleine Wiener Wahlhilfe“ auf der entsprechenden Rathaus-Website – Link in der Info-Box am Ende des Beitrages – auch auf Englisch für wohl alle anderen zugewanderten EU-Bürger:innen sowie auch in einer (deutschsprachigen) „Leicht lesen“-Version.
Die oben zitierten Fakten über die nicht-wahlberechtigten Wiener:innen finden sich übrigens ebenfalls auf einer Stadt-Wien-Site, wurden – abgesehen vom einfachen Link (ebenfalls in der Info-Box) – in der Aussendung „verschämt“ verschwiegen.
Weil immer mehr Bürger:innen in Österreich, in diesem Fall in Wien, ihre Stimme nicht abgeben können, organisierten zivilgesellschaftliche Organisationen seit vielen Jahren „Pass Egal Wahlen“ in Vereinen und Einrichtungen – u.a. in der Kinderinfo im Wiener MuseumsQuartier und an einigen Schulen – Link zur Liste in der Info-Box Ende des Beitrages.
Erstmals machen Würstelstände als Wahllokale mit – Motto: „Gib deinen Senf dazu“ (21. und 22. April 2025):an fünf Wiener Würstelständen gewählt werden.
Außerdem gibt es am 22. April 2025 um 19 Uhr – in Kooperation mit dem Stadtkino – ein exklusives Screening des Films „Noch lange keine Lipizzaner“ (über den extrem hürdenreichen Weg zur österreichischen Staatsbürgerschaft und zum Wahlrecht) der Regisseurin Olga Kosanović mit anschließendem Publikumsgespräch.
Als Höhepunkt und Abschluss der Wiener Pass Egal Wahl veranstaltet SOS Mitmensch am Mittwoch, 23. April 2025, von 15 bis 20 Uhr am Yppenplatz ein großes Demokratiefest. Anschließend werden die Stimmen aus dieser Wahl, bei denen Staatsbürgerschaft keine Rolle spielt, ausgezählt und bekanntgegeben. Die Links zu diesen Events ebenfalls in der Info-Box am Ende des Beitrages.
948 Plätze in zweiwöchigen Kursen, die auch mit einem Schwimmabzeichen absolviert werden können, sowie noch einmal 100 Wassergewöhnungskurse für Kleinkinder mit Eltern sind in den Sommerferien 2025 – erstmals – kostenlos. Die Idee kam von Kindern und Jugendlichen im Rahmen des großen Mitbestimmungsprojekts „Kinder- und Jugend-Million“. Ein einzelner Bub sowie Jugendliche des Jugendzentrums Just Wienerberg hatten diese Idee vorgeschlagen. Und so viel Unterstützung in der Online-Abstimmung dafür bekommen, dass es diese Kurse nun gibt. Immerhin zählt Ertrinken zu den meisten Todesursachen bei sehr jungen Kindern.
Ein weiteres – schon umgesetztes – Projekt, das Jugendliche aus einem der von Juvivo betreuten Treffs (Juvivo.06) vorgeschlagen hatten – Apfelbäume mit Früchten zum freien Ernten – wurde ebenfalls bei dem Medientermin Dienstagfrüh auf der Wiener Donauinsel – bei der U6-Station neue Donau – präsentiert. 40 junge Bäume – mit Schutzanstrich und Drahtgitter um den noch dünnen Stamm, damit sie vor Bibern und anderen Nagern geschützt sind (Gesamtkosten: 30.000 €), stehen nun auf der Wiese gleich bei der U-Bahnstation sowie einige weiter entfernt beim nahen Spielplatz: je zehn Elster- und Jonagold dazu jeweils fünf Bäume mit Notaris, Roter Boskop, Cox Orange sowie Schöner von Boskop. Nachdem einige der Bäumchen, die vor weniger als einem Monat gesetzt wurden, schon Blüten tragen, könnte es sein, dass schon im Herbst die ersten Äpfel verzehrt werden können.
Da der Termin in den Osterferien stattfand, mussten die Medienmenschen Vorlieb nehmen mit verantwortlichen Politiker:innen – Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Bildung, Jugend, Integration und Transparenz, Bettina Emmerling, Floridsdorfs (21. Bezirk, zu dem die Donauinsel in diesem Bereich gehört) Bezirksvorsteher Georg Papai, Gemeinderat Jörg Neumayer (SPÖ), dem Leiter der MA 45 (Wiener Gewässer) Gerald Loew sowie Vučko Schüchner, wienXtra-Geschäftsführer. Dieser Verein trägt die Mitbestimmungsprojekte wie Kinder- und Jugendparlament sowie die Million, die heuer in die dritte Runde geht. Neben den Genannten tummelten sich noch Mitarbeiter:innen aus den zuständigen Magistratsabteilungen 44 und 45 – Gewässer sowie Bäder – bei dem Medientermin und standen für konkrete Realisierungsfragen bereit.
Kinder und Jugendliche schlagen Projekte vor, die – eben bis zur genannten Höhe – auch tatsächlich umgesetzt werden. In der zweiten Runde waren 148 Projekte eingereicht, wovon es 49 in die engere Wahl schafften, über die dann online abgestimmt werden konnten. 4700 Stimmen wurden abgegeben – die ersten zehn Projekte wurden / werden realisiert, zwei davon sind die hier Genannten.
Zu den Schwimmkursen und Details dazu führte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… ein Interview mit dem für die Öffentlichkeitsarbeit der Wiener Bäder zuständigen Leiter, Martin Kotinsky – das, zwecks Vermeidung langen Runter-Scrollens, in einem eigenen hier gleich untern verlinkten Beitrag zu finden ist.
Nach heftigen Auseinandersetzungen, die nicht nur in Wortgefechten, sondern auch in einer Reihe von Schlägen, Kinnhaken und ähnlichem zwischen Karagöz (schwarzäugig heißt dieses türkische Wort) und seinem Nachbarn Hacivat (hässlich), macht sich erster auf, um mit einem kleinen Boot Fische zu fangen. Die beiden sind in der Türkei bei (fast) allen Kindern bekannt wie bei uns Kasperl, Petzi & Co.
Für sein Boot verwendet Karagöz einen großen Bottich, aus einem Stock macht er seine Angel und auch sein Angelhaken scheint eine Notlösung zu sein. Dennoch gelingt es ihm nach und nach drei kleinen roten Fische zu fangen – oder ist es nur immer wieder ein und derselbe? Außerdem trifft er einen Hammerhai, einen Sägefisch sowie einen Delfin (yunus) und eine Meerjungfrau. Irgendwie erzählen die auch von einem Monster und plötzlich erscheint eine Art riesiger Drache als dieses See-Ungeheuer. Dieses lässt sich nur einigermaßen besänftigen, indem ihm Karagöz die roten Fische zuwirft, die sich durch die grünen Kugeln schlängeln und „verdaut“ werden.
Das Monster steht stellvertretend für Meeresverschmutzung erzählten die Künstler:innen zu Beginn.
In knapp mehr als einer halben Stunde spielen und erzählten Nazım Öney Olcaytu und Müzeyyen Aslan (Technik: Güçlü Aslan) von der Theatergruppe Karagöz’ün Kukla Atölyesi aus dem türkischen Çanakkale (wo einst das antike Troja lag) diese Geschichte (Karagöz Balıkçı /Karagöz, der Angler) mit den bunten Schattenfiguren beim Lesofantenfest von Wiens städtischen Büchereien.
Gespielt wurde in der Hauptbücherei in türkischer Sprache mit kurzer deutscher Einführung. Einige Kindergartenkinder verstanden alles und manches Mal übersetzten sie gleich für die umsitzenden Kolleg:innen bzw. versprachen, danach im Kindergarten alles zu erzählen, was andere nur sehen konnten.
Nach der Vorstellung nutzten die jungen Besucher:innen die Chance, hinter die hell erleuchtete weiße Stoffwand zu kommen und selber die eine oder andere an Holzstäben befestigte Figur im Schatten spielen zu lassen.
Zwei Tage vorher hatte die Gruppe im Wiener Figurentheater Lilarum im Rahmen der zentral- und osteuropäischen Kooperation dieses Theaters eine Karagöz’sche Liebesgeschichte für Erwachsene – in englischer Sprache gespielt (Karagöz the swing operator).
WTF – diese vor allem online bekannte und vielbenutzt Abkürzung steht für „Who the Fuck“, was im Deutschen am ehesten „Wer zum Teufel ist…“ entsprechen würde. Einer überragenden Persönlichkeit, die – hierzulande – viel zu wenig bekannt ist, widmet sich das jüngste Figuren- und Objekt-Theaterstück von „isipisi“, gebaut und gespielt von Alexandra Mayer-Pernkopf: Chien Shuing Wu. Weil sie hierzulande viel zu wenig bekannt ist, fügte die Puppenspielerin ihrem Stück über diese exzellente Wissenschafterin (1912 – 1997) noch einen ihrer informellen Titel hinzu: „Königin der Physik“.
Im Auftrag des Zirkus des Wissens an der Linzer Johannes-Kepler-Universität vertiefte sich die Künstlerin in die Biographie von Chien Shuing Wu, um daraus ihr neuestes, nicht ganz einstündiges Stück zu entwickeln.
Mit Schiebebildern in einem Rahmen (japanisches Papiertheater – Kamishibai) und unzähligen kleinen Objekten und Figuren, die die Künstlerin selbst ausgeschnitten, mit Hakerln und Magneten versehen hat, erzählt das Stück vor allem den beeindruckenden Lebensweg der Atomphysikerin. Geboren in einer damals noch Kleinstadt Liuhe, Taicang (in der Nähe von Shanghai), konnte sie nur deswegen Bildung erlangen, weil ihre Eltern schon Jahre vorher eine Schule für Mädchen, denen damals Schulbesuch noch nicht erlaubt war, gegründet hatten.
Chien Shuing Wu war von Lernen, Lesen und vor allem Rechnen und Mathe so angefixt, dass sie weit über das Schulische hinaus Wissen aufsaugte, später in eine weiterführende Schule in ein Internat und anschließend an die Uni in Nanjing ging. Stets zählte sie zu den besten ihres Jahrgangs, war aber keine verstockte Streberin, sondern auch führend aktiv gegen ungerechte Regierungsmaßnahmen unter Marschall Tschiang Kai-schek und bei Demonstrationen federführend beteiligt.
Danach fuhr sie mit dem Schiff in die USA, studierte an der kalifornischen Universität von Berkely, übersiedelte nach New York wo sie Studierende unterrichtete und forschte, unter anderem am Manhattan-Projekt, das allerdings auch zum Bau der Atombombe führte.
So manche ihrer Forschungsarbeiten hätten – fanden schon damals und finden heute noch viel mehr – den Nobelpreis verdient. Den haben andere an solchen wissenschaftlichen Projekten eingeheimst wie Tsung-Dao Lee und Chen Ning Yang für den theoretischen Nachweis der Paritätsverletzung bei schwachen Wechselwirkungen, während sie die Experimente dazu machte. Viele sahen und sehen den Grund für die Missachtung ihrer Leistung darin, dass sie eine Frau war – und ihre Leistung damit weniger anerkannt worden ist. Was heute zwar weniger, aber doch auch noch immer wieder vorkommt.
Zwar hat sie letztlich doch etliche große Auszeichnungen bekommen, doch der Nobelpreis blieb ihr versagt. Was sie einmal – der Überlieferung nach, die die Künstlerin erst nach der Vorstellung zitiert – zu dem Ausspruch getrieben haben soll: Den Atomen ist es doch egal, ob ein Mann oder eine Frau an ihnen forscht.
In China sowieso – wo auch einige Denkmäler ihr zu Ehren errichtet worden sind – aber auch in der Physik-Wissenschaftsgemeinde sind ihre Forschungen im Bereich der Teilchenexperimente sehr berühmt, aber erst die Puppen- und Objekttheater-Aufführungen von Alexandra Mayer-Pernkopf machen sie über diese Gemeinschaft hinaus bekannt. Trotz der vielen magischen Momente in der dunklen Atmosphäre, den verspielten Szenen der Biographie und Andeutungen des hochkomplexen Forschungsbereiches scheint die Altersangabe ab 6 zu niedrig angesetzt. Bei der ersten ihrer Vorstellungen im Rahmen des aktuellen Lesofantenfestes von Wiens städtischen Büchereien (bis 8. März 2025 – Details siehe Info-Box) begann sich etwa ab der Hälfte bei doch nicht wenigen der Volksschulkinder einigermaßen Unruhe einzustellen.
„Wir würden gern auch öffentliche Schulen haben, in denen wir eine Lehrberuf erlernen und Matura machen könnten“, berichten Schüler:innen des Bernoulli-Gymnasiums in der Donaustadt Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… bevor das jüngste Kinder- und Jugendparlament im großen Festsaal des Wiener Rathauses beginnt. „In ein paar Privatschulen gibt’s das, wieso aber in keinem öffentlichen Gymnasium?“, wundern sich die Jugendlichen einer vierten Klasse dieser AHS nahe dem Donauzentrum im 22. Bezirk. Die von ihnen auf Frage des Journalisten genannten Wunschberufe: Gärtnerei, Tischlerei, jedenfalls was Handwerkliches, einige würden gern etwas im Medizin-nahen Bereich erlernen und ein oder zwei auch im IT-Sektor.
Weiters hatten sich diese Jugendliche überlegt: „Mehr kleinere Tests zu bestimmten Themen statt der großen Schularbeiten; statt Noten nur bestanden oder nicht bestanden; Kennenlerntage am Anfang des Schuljahres, um die Klassengemeinschaft zu stärken und mindestens fünf Ausflüge pro Schuljahr.“
Mittwochvormittag diskutierten rund 300 Kinder und Jugendliche (235 Kinder, 60 Jugendliche) des aktuellen Wiener Kinder- und Jugendparlaments in mehreren Arbeitsgruppen ihnen wichtige Themen und Forderungen. Und diese werden in die neue, die mittlerweile zweite, Kinder- und Jugendstrategie 2025 bis 2030 der Stadt Wien einfließen. Das versprachen neun Stadt- und Gemeinderät:innen, die mit den jungen Delegierten gegen Ende der Arbeitsgruppen diskutierten und verkündete nicht zuletzt der (noch?) Wiener Vizebürgermeister und für Kinder, Jugend, Integration, Bildung zuständige Stadtrat (Christoph Wiederkehr, der in Medien heftig als neuer Bildungsminister gehandelt wird).
„Eure Ideen sind nicht nur wichtig, sie sind entscheidend! Ihr seid die Architekt*innen, Drehbuchautor*innen und Komponist*innen dieser Stadt. Heute geht es darum, eure Stimme zu erheben, um Wien zur kinder- und jugendfreundlichsten Stadt der Welt zu machen. Gemeinsam gestalten wir eine Zukunft, in der eure Visionen gehört werden und echte Veränderungen passieren. Denn Wien braucht euch – eure Kreativität, euren Mut und eure Entschlossenheit“, so der genannte Stadt-, vielleicht künftig Bundes-Politiker.
Zurück zu jungen Delegierten mit denen KiJuKU.at gesprochen hat: Aus dem Gymnasium Geringer Gasse (Simmering, 11. Bezirk) sowie der VBS Schönborngasse (private Handelsakademie im 8. Bezirk, Josefstadt) berichteten die vier Schülerinnen Warisha, Anna, Shivani und Nepheli, die sich für verschiedene Arbeitskreise mit Kolleg:innen schulübergreifend vorbereitet hatten:
Für die Themen Klima und Natur wollen wir mehr autofreie Zonen in der Stadt, den Ausbau von Öffis auch über die Stadtgrenze hinaus nach Niederösterreich wie es u.a. die geplante Straßenbahnlinie 72 war, die bis nach Schwechat fahren sollte. Außerdem sollen Klimaförderungen ausgebaut und nicht eingeschränkt, aber sozial gerechter gemacht werden. Und Öffis sollen nur grünen Strom, also aus erneuerbaren Energien verwenden.
Ganz wichtig und engagiert sprachen alle vier, auch die für andere Arbeitsgruppen, über Frauenrechte. Von Gratis-Hygieneartikeln in den Schulen bis zu mehr Forschung wie sich Medikamente und medizinische Behandlung auf Frauen auswirken. Für mehr Sicherheit für Frauen in der Stadt soll es mehr öffentliche Beleuchtung geben und vielleicht in den Öffis auch eigene Safe Spaces.
Politisch Bildung sollte ein eigenes Fach sein, war die Forderung an die Arbeitsgruppe Bildung – wo andere dem widersprachen und meinten, die Belastung für Schüler:innen wäre ohnehin schon genug, da würde ein weiteres eigenes Fach den Stress nur erhöhen. Eine andere Forderung dieses Quartetts in Sachen Bildung: Ethik als verpflichtendes Unterrichtsfach schon in der Unterstufe und dafür Religion als unverbindliche Übung – um das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen.
Gesundheit war das Thema der Kinder der Offenen Volksschule Wagramer Straße, die sich für die Eröffnungsrunde aller Delegierten in den ersten beiden Reihen der mittleren Stuhlreihen platziert hatten. „Statt Süßgetränken sollte es Automatin mit gesunden Sachen geben, zum Beispiel Obst“, vertrauen diese Kinder dem Reporter an.
Groß und breit ist die Palette der Forderungen und Themen von Jugendlichen der Mittelschule Gundäckergasse (Favoriten, 10. Bezirk): Mehr Grün und mehr Spielplätze, Gleichberechtigung, keine Kinderarbeit und Preise für Lebensmittel sollen billiger werden.
Mehr Indoor-Spielplätze für Schlechtwetter, Spielplätze auch für ältere Kinder waren noch weitere Wünsche, die in der Eröffnungsrunde im vollbesetzten großen Festsaal des Wiener Rathauses erhoben worden sind.
Seit einigen Jahren bringen junge Stadtbewohner:innen in regelmäßigen wienweiten Kinder- und Jugendparlamenten, aber auch in Bezirken, ihre Ideen ein – so manches davon fließt in die Arbeit der Abteilungen der Stadt Wien auch ein. Die Diskussionsergebnisse vom Mittwoch werden am 10. April im selben großen Festsaal des Wiener Rathauses vorgestellt und wie schon erwähnt Teil der nächsten Kinder- und Jugendstrategie der Stadt.
Die Teilnehmer:innen des aktuellen Wiener Kinder- und Jugendparlaments haben sich im Herbst online für die Teilnahme am Parlament angemeldet, bereiteten sich seit Dezember in zwei Sitzungen intensiv auf ihre Themen vor. Die Kinder des Kinderparlaments – Vertreter:innen von einem Kindergarten und jeweils einer Klasse bis zur 8. Schulstufe – entwickelten ihre Anliegen in jeweils drei Workshops an ihren Schulen und im Kindergarten.
Grundlage für die Themenschwerpunkte waren die Ergebnisse einer von Wienxtra beauftragten Kinder- und Jugendstudie aus dem Vorjahr.
Beim Abschlusstermin im Wiener Rathaus am 10. April 2025 werden die gesammelten, verschriftlichten Themen an die Stadtregierung übergeben und sollen in weiterer Folge in die neue Kinder- und Jugendstrategie der Stadt Wien für die Jahre 2025-2030 integriert werden. Dieser Prozess wird von der Koordinationsstelle Junges Wien (Wienxtra und Stadt Wien) geleitet. „Mit dem Kinder- und Jugendparlament schaffen wir eine Plattform, die jungen Menschen eine echte Stimme gibt. Ihre Anliegen werden gehört und fließen direkt in die Stadtpolitik ein“, so Benjamin Schmid, Leiter der Koordinationsstelle Junges Wien bei Wienxtra.
Um die Vielfalt der Themen aus allen Lebensbereichen der jungen Generation zu berücksichtigen, waren für die Ausschüsse Vertreter:innen aller Geschäftsgruppen der Stadtregierung anwesend und hier die Zusammenfassung aus der Rathaus-Medien-Aussendung
* Arbeit und Wirtschaft – Stadtrat Peter Hanke/ Gemeinderätin Katharina Weninger
Senkung der Lebenserhaltungskosten, bessere Bezahlung für Zivildienstleistende, sichere Arbeitsplätze für Jugendliche und vieles mehr (uvm.)
* Demokratie, Teilhabe und Inklusion – Gemeinderätin Nina Abrahamczik
Erleichterter Zugang zur Staatsbürgerschaft, Wahlen für alle, verstärkte politische Inklusion uvm.
* Frauen, LGBTQI+, Gleichberechtigung – Stadträtin Kathrin Gaál
Präventionsarbeit gegen Gewalt, Gutscheine für Menstruationsprodukte, Frauen und Behindertenquoten in Betrieben uvm.
* Gesundheit und Soziales – Stadtrat Peter Hacker
Zukunft des Gesundheitssystems sichern, einfacherer Zugang zu psychischer Hilfe, kostenlose Verpflegung für Jugendliche und bezahltes Mittagessen für Lehrlinge uvm.
* Klima, Natur und Umwelt – Stadtrat Jürgen Czernohorszky
Sozial gerechte Klimaförderungen, bessere Mülltrennung in Wohnanlagen, Erhalt der Donauinsel als frei zugänglichen Naturraum uvm.
* Öffentlicher Raum und Mobilität – Gemeinderat Jörg Neumayer
Mehr autofreie Zonen, Ausbau von Fahrradwegen, mehr Grünflächen für Sport, Ausbau von Spielstraßen uvm.
* Bildung und Schule – Gemeinderätin Dolores Bakos
Mehr Demokratiebildung an Schulen, ein eigenes Schulfach für Berufsorientierung, Stärkenförderung an Schulen, Maßnahmen gegen Leistungsdruck uvm.
* Freizeit und Kultur – Gemeinderätin Marina Hanke
Mehr Sicherheit im Internet, Ausbau von Treffpunkten für Jugendliche und Spielplatz-Angebote, zugängliche und bezahlbare Sportmöglichkeiten uvm.
* Gemeinschaft und Sicherheit – Gemeinderätin Dolores Bakos
Maßnahmen gegen Rassismus und Mobbing, bessere Beleuchtung öffentlicher Plätze für mehr Sicherheit.
Ein Clown im Handstand – oder täuscht das Kostüm das nur vor? Kleine reitende Dinos, eine Familie – Kind Schmetterling, Mutter Blumenkranz im Haar und Vater als Imker verkleidet -, Hexenhüte, Feuerwehrhelme und dann sind sehr viele Minions zu sehen (vor allem ehrenamtliche Mitarbeiter:innen der Wiener Kinderfreunde) bevölkerten den Platz nach dem Eingang des Wiener (Wurstel-)Praters Sonntagnachmittag. Und das trotz nasskalten Wetters. Und dann zogen sie – begleitet von einer großen lautstarken Gruppe von Trommler:innen mit mitreißenden Rhythmen.
In einem laaaaangen Zug wanderten die Verkleideten zwischen Geisterbahnen, Autodrom und Achterbahnen auf den Wegen durch die Praterbelustigungen, angeführt von einer Mini-Lokomotive auf Autoreifen mit vollbesetzten Anhänger-Wagen, mitten im Zug auch Traktoren mit Kostümierten. Ausgelassene Stimmung auch bein Abschlusskonzert mit Kinderliedermacher Bernhard Fibich.
Theaterhotel – Verknüpfung von Kulinarik und Kultur, obendrein kommen die beachtlichen Einnahmen (in den vergangenen Jahren stets mehr als 30.000 Euro) sozialen Zwecken zugute. Schüler:innen nun erstmals der Tourismusschule Modul, davor eineinhalb Jahrzehnte der Bergheidengasse, verbinden ihre Ausbildungsschwerpunkte – vom Kochen und Servieren bis zum Organisieren – für dieses Projekt; seit weit mehr als einem Jahrzehnt immer im Austria Trend Hotel Savoyen am Rennweg (Wien). Reportage über die Vorbereitungsarbeiten in einem Beitrag, der Freitagnach online gegangen ist – Link am Ende des Beitrages. Hier nun einige Interviews mit federführenden Schüler:innen des Projekts sowie dem Direktor der Schule.
Anna Schaider ist gemeinsam mit Leopold Blazek oberste Finanzverantwortliche des TheaterHotels 2025. Dazu gehören Vorbereitung von Rechnungen bis zur Abrechnung, die Verwaltung der Abendkassa samt Buchhaltung mit Einnahmen und Ausgaben.
„Ich hatte schon Erfahrung aus einer Junior Company von vor zwei Jahren wo wir in einem kleinen Team ein Gschnas vorbereitet haben, aber dies hier ist dann doch eine viel größere Sache.“
Auf die Frage, ob sich das alles im Maturajahr und mit den Vorbereitungen für die Abschlussprüfungen ausgehe, meint sie locker „Klar. Wichtig war uns auch, dass dies ein nachhaltiges Projekt wird. So empfehlen wir zum Beispiel den Besucherinnen und Besuchern, dass sie öffentlich anreisen oder wenn sie mit dem Auto kommen, Fahrgemeinschaften bilden. Wir hatten uns auch überlegt, die Anreise mit dem Fahrrad vorzuschlagen, aber als wir gesehen haben, dass es hier vor dem Hotel keine Fahrradständer gibt, haben wir das fallengelassen. Durch die Größe dieses Projektes haben wir alle und auch ich viel Erfahrung in Eventmanagement gemacht, weil so etwas Großes konnten wir vorher noch nie umsetzen. Außerdem finde ich gut, dass die Einnahmen sozialen Zwecken zu Gute kommen, einerseits einem der indischen Dorfprojekte des Entwicklungshilfeklubs und andererseits in Kooperation mit Ströck der Erforschung der Long Covid-ähnlichen Krankheit.“
Fast noch entspannter wirkt ihr Finanz Co-Chef Leopold Blazek, der gleichzeitig auch -gemeinsam mit Arina Ehmoser das gesamte Projekt leitet, und die Abendmoderation übernommen hatte. Auch er war im vorvorigen Schuljahr Teil einer Junior Company und konnte dort bereits Erfahrungen sammeln, damals schon als Geschäftsführer. „In so einer führenden Rolle ist es schön, jeden Tag mit neuen Herausforderungen umgehen zu müssen – bei so einem großen Projekt wie diesem kommt es immer wieder vor, dass von einem Tag auf den anderen sich viel ändert. Aber das ist schön da bleibst du lebendig.“
Blazek hat nebenbei auch noch die Regie für den diesjährigen Maturaball übernommen, „und ich hab 3 kleinere Geschwister“.
Auf die Frage, ob er seine Gelassenheit angesichts der großen Verantwortung und der ständigen Herausforderungen nur „gut spiele“, verrät der Schüler Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr, „ich habe auch wirklich gespielt, bei der Theatergruppe „Gut gebrüllt“ von Maria Köstlinger, die am Samstagvormittag hier auftritt.“
Kurz lässt sich auch noch das Trio des Guest-Managements, Viktoria Berger, Marlies Neuwirth und Benjamin Richter, beim Interview-Tisch von der Arbeit abhalten – noch ist Zeit bis zum Beginn der Veranstaltung.
„Wir sind für die Akkreditierung das Ticket-Scannen, im Vorfeld für die Gästeliste bis hin zur Sitzplatzeinteilung zuständig. Gäste konnten per eMail ihre Wünsche für die Sitzplätze mitteilen und wir haben versucht, diese nach Möglichkeit zu berücksichtigen.“ Sollte – wie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wissen wollte, Samstagvormittag Änderungswünsche geben, so verraten die Drei: „Wir haben auch noch einen Reservetisch, wo wir ausweichen können.“
Direktor Werner Schnabel, der das TheaterHotel schon von etlichen Besuchen in früheren Jahren kannte, entschloss sich ziemlich schnell das Projekt mit „seinen“ Schüler:innen und Lehrer:innen fortzuführen, nachdem die vorherige Schule Bergheidengasse es nicht mehr fortführen wollte. Jugendliche fast aller Klassen sind in das Projekt im Rahmen ihrer verschiedenen Unterrichtsfächer eingebunden, investieren aber darüber hinaus auch Freizeit. „Für mich war darüber hinaus noch wichtig, dass wir aus der Veranstaltung ein Green Event machen, sprich Zutaten möglichst regional beschaffen, die Garnelen zum Beispiel aus der Steiermark. Außerdem wollte und will ich mit diesem Projekt, dessen Einnahmen für soziale Projekte gespendet werden, meinen Schüler:innen, die gut aufwachsen, zeigen, dass es auf der Welt auch Kinder und Jugendliche gibt, denen es dreckig geht.“
Aus dem vielumjubelten Auftritt von „Velvet Elevator Orchester“ beim Theaterhotel 2025
Video made by Renate Sponer
In himmelblauen Jacken mit dem Schriftzug „Zeitenwalzer“ schon beim Zugang zum Riesenrad im Wiener Prater bringen dich Guides zu dieser speziellen Riesenrad-Tour im Wiener Prater. Vier Runden kreist du mit je einem anderen der roten Waggons in dem Stahlgerüst mit weiter Aussicht. Die gibt’s aber „nur“ obendrein. Denn in den Waggons bieten dir Performer:innen in unterschiedlichster Form szenische Zeitreisen an.
Um nicht eeewige Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen, kann nur ein Viertel der Besucher:innen die Rundreise in der chronologischen Reihenfolge absolvieren, die anderen drei Gruppen steigen in späteren Jahren ein und erleben die historische Station Nummer 1 – 1867, das Geburtsjahr des berühmten Donauwalzers – erst später oder gar am Ende. Zwei Gruppen starten sogar in der Zukunft.
Die Besprechung der rund 1½-stündigen vierfachen Tour sei hier aber der Chronologie entsprechend beschrieben. Im Jahr als der Donauwalzer erstmals erklang bespielen die Musikerin Emily Stewart (alternierend bei anderen Touren Matthias Jakisić) nicht unbedingt das auch mit dem Jahreswechsel verknüpfte Musikstück, aber immer wieder Strauss’sche Klänge. Auch wenn einige auf einer „Strohgeige“ gefidelt werden, die es zu dessen Zeit noch gar nicht gab. Diese wurde erst in Strauss‘ Todesjahr (1899) in London von Johannes Matthias Augustus Stroh entwickelt. Statt eines Resonanzkörpers hat sie einen metallenen Schalltrichter. Andere Musikstücke werden auf einer eGeige gespielt. Gegenüber in der anderen Ecke des Waggons erzählt ein Herr in Frack und mit Zylinder über die Entstehung des Donauwalzers, den Bau der Ringstraße, über den er sich sehr freut, ist er doch ein Ziegelfabrikant und scheffelt damit viel „Kohle“. Nicht zuletzt, weil seine Arbeiter schlecht bezahlt werden…
„Die Figur des Ziegelfabrikanten hat einen historischen Hintergrund, ist für die Erzählung aber fiktionalisiert worden“, beantwortet Claudia Seigmann die entsprechende Frage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Sie führte Regie beim „Zeitenwalzer“ und hat diesen gemeinsam mit Markus Zett konzipiert und die Stücktexte verfasst.
Mehr als 100 Jahre später – 1973 – erzählt Miriam Fussenegger gekleidet und mit Accessoires im typischen 70er-Jahre-Stil (Kostümbild: Kollektiv Ruschka, Regula, Buffetrille) als Lehrerin und leidenschaftliche Autofahrerin, dass sie so gern mit dem Riesenrad fährt, weil sie – wie alle anderen in Österreich – ihren PKW einmal in der Woche nicht benutzen darf und dies per großem zweibuchstabigem Wochentagspickerl auch an der Scheibe des Vehikels anzeigen muss. Ölpreisschock, Energie-Krise – die ihr aber dafür immerhin die Energieferien (die heute manchmal noch so genannten Semesterferien) eingebracht haben.
In einem Mix aus orientalisch und futuristischer Kleidung setzt Roxana Stern (Regie-Assistentin und Co-Produktion) den utopisch/dystopischen Text über Wien im Jahre 2049 in Szene (für die erkrankte Performerin Sarah Scherer). In der Rolle einer Klimasoziologin schildert sie die katastrophale Klima-Erwärmung, aber auch Gegenstrategien samt Pflanzung vieler kleiner Urwälder in der Stadt Wien – bei der „Einweihung“ immer begleitet mit Johann Strauss‘ Frühlingsstimmenwalzer.
Noch krasser die Zukunfts-Story im vierten der Waggons. Der spielt im Jahre 2125. Die Performerin (Sophie Netzer) zieht sich hier auf die fast wortlose Begleitung der Runde. Die futuristische Geschichte kommt aus Kopfhörern, die die Rundreisenden aufsetzen. Und sie hören als Erzählerin Claudia Seigmann (Sounddesign: Abby Lee Tee, Christian GC Ghahremanian). Utopisch nachhaltig ist die Stadt in der noch heißeren Welt gestaltet samt Untergrund- sowie vertikal-Farmen, Energie kommt aus Thermosolar-Kraftwerken, technische Lösungen wie „Living Overalls“ – Gewand, das sich den Wetterbedingungen automatisch anpasst…
„Zeitenwalzer“ ist einen spannende Zeitreise durch rund 250 Jahre in eineinhalb Stunden – aufgeteilt auf vier Stationen in vier Waggons – mit unterschiedlichen Performance-Arten, immer wieder mit Anklängen an Johann Strauss Sohn bringt so manch Überraschendes.
Im Hintergrund in luftiger Höhe ein riesiger Kleiderständer, eigentlich -hänger bzw. Kostümgarderobe. Davor sechs Notenständer. Links und rechts davon zwei ziemlich angeräumte Tische. Einer mit Keyboard und liegender eGitarre, der andere mit vielen, teils mit Wasser befüllten Gläsern. Und eine eher ältere Tonregler-Anlage. So präsentiert sich die Bühne im TAG, dem Theater an der Gumpendorfer Straße (Wien) bevor das Gastspiel von Theater im Bahnhof (Graz) mit „Herbstfest auf dem Lande“ startet.
Zwischen den Publikumsreihen eilt ein Mitglied der Theatergruppe zur Bühne, klopft an eine der Türen im Hintergrund, die Schauspieler:innen kommen raus und – nein, sie haben keine Blasinstrumente dabei. So viel darf sicher gespoilert werden. Obwohl Fest und Land im Titel dienen die Notenständer „nur“ als Halterungen für Texte.
Juliette Eröd, Gabriela Hiti, Lorenz Kabas und Martina Zinner nehmen Platz und starten in pathetisch-schwülstig formulierten Landschaftsschilderungen die Einleitung eines Hörspiels. Jacob Banigan und Frans Poelstra sorgen auf den seitlichen Tischen für die akustische Untermalung. Obwohl alles zu sehen, beginnt im Kopfkino tatsächlich ein Hörspiel. Auf der Bühne sozusagen das Making of desselben zu sehen, nein zu erleben.
Und erst die Geschichte: Die vier Erzähler:innen schlüpfen in die Rollen vier erwachsener Geschwister. Ihr Vater wird demnächst 80 (Text: Monika Klengel und Ensemble; Regie und Konzept: Frans Poelstra, Monika Klengel). Zur Vorbereitung eines Geburtstagsfestes gründen sie ein WhatsApp-Gruppe. Samt gesprochener Verschreiber und deren Korrekturen: „Ich freude mich… nein freue mich“. Oder nachdem – auch ausgesprochen – Hochladen eines alten Familienfotos mit der mittlerweile verstorbenen Mutter: „Da hat sie das letzte Mal gelästert…“ – „Freud‘scher Fehler: gelächelt“. Die jüngste Schwester, offenbar schon eine mit Social Media aufgewachsene jüngere Erwachsene, die immer wieder englische Begriffe in ihre (Halb-)Sätze in die Gruppe schreibt und mit vielen Rufzeichen arbeitet, bei denen sie nicht immer die Caps-Lock-Taste (Shift, Feststelltaste, Großbuchstaben) und daher !!!111 verlesen wird.
Wer organisiert was? Wo soll das Fest stattfinden? Viele Fragen und so scheint ein direktes, persönliches Vorbereitungstreffen notwendig – in einem Gasthaus: Da mischen sich Gesprächsfetzen mit Geräuschen von Teller- und Besteckklappern, Suppe löffeln und Bestellungen beim Wirtshauspersonal… und obwohl du nur die beschriebene Szenerie siehst und das Gesprochene hörst, fühlst du dich fast in diese Wirtsstube hineinversetzt, kannst fast den Geruch der genannten Speisen wahrnehmen. Köstlich und so perfekt gesprochen, szenisch gespielt und soundmäßig mit fast unbeschreiblichen „Tricks“ akustisch kreiert.
Natürlich ist bald nicht alles eitel Wonne. Erst recht nicht beim Fest mit der Überraschung eines auf dem Dachboden gefundenen alten Super-8-Millimeter-Films und einem dafür aufgetriebenen Projektor. Was da als Bruch des Bildes der heilen Familie ins Bild kommt, wird hier aber nicht verraten. Dass es damit auch zum Wickel unter den Geschwistern kommt, drängt sich auf.
Der genialen – trotz so manch bitterböser Familien-Auseinandersetzung über weite Strecken witzigen Live-Aufnahme des Hörspiels folgt nach der Pause ein zweiter, zunächst spartanisch wirkender Teil vor einem Schnürlvorhang. Wortlos bewegen sich die Protagonist:innen immer wieder tänzerisch zum Abspielen des zuvor Aufgenommenen. Mit ihren teils zeitlupenartigen Moves drücken sie die jeweiligen Stimmungen und Gefühle bzw. das Verhältnis zueinander aus – manchmal sehr eng, dann wieder ziemlich vereinzelt und abweisend.
Eine metaphorische „Nebengeschichte“ handelt von Ameisen, die sich im Falle einer Überschwemmung zu einer Art lebendigem Floß ineinander verhaken. Für die Illustration dieser Passage schlüpfen die zuvor fast ausschließlich schwarz gekleideten Schauspieler:innen nun in bunte Gewänder vom eingangs genannten Kleiderständer und werden zu der entsprechenden Einheit, die das Überleben der Gruppe sichert. Bevor sie – wieder in Menschengestalt – auseinanderdriften. Und – zumindest – einer die WhatsApp-Gruppe verlässt.
2.008 junge Wiener:innen im Alter von 5 bis 20 Jahren haben im Herbst ihre Wünsche und Visionen eingebracht. Knapp vor Weihnachten begann die zweite Phase dieses Mitbestimmungsprozesses. Das Wiener Kinder- und Jugendparlament nachm in der Woche vor den Winterferien die Arbeit in neun Ausschüssen auf.
Die Umfrage ergab, dass sich fast neun von zehn Kindern und Jugendlichen, die an der Befragung teilgenommen haben, wohlfühlen und gerne hier leben. Besonders positiv bewertet wurden die Infrastruktur und das Freizeitangebot der Stadt, vor allem Parkanlagen, Spielplätze, öffentliche Verkehrsmittel und Kulturangebote. Gleichzeitig wurden in diesen Bereichen auch die größten Verbesserungswünsche geäußert.
Als Herausforderungen wurden zudem die steigenden Lebenshaltungskosten genannt. Kinder und Jugendliche wünschen sich
Zu allen Ergebnissen der Umfrage geht es in einem Link am Ende des Beitrages.
Das Wiener Kinder- und Jugendparlament tagte zum dritten Mal. 90 Jugenddelegierte und 235 Kinder arbeiten ab nun an der Kinder- und Jugendstrategie 2025-2030. Auf Basis der genannten Umfrage und eigener Ideen formulieren sie Themen und Ziele für Wiens Zukunft.
Die erste Sitzung des Jugendparlaments im Musischen Zentrum Wien wurde eröffnet, während rund um diese Zeit auch die Kinderparlamente in Wiener Schulen und einem Kindergarten tagen. Womit sie auch unter Beweis stellen, dass sich junge Menschen gesellschaftspolitisch engagieren, wenn sie das Gefühl haben, echt gehört zu werden und mitsprechen zu können.
In neun Ausschüssen – Klima, Natur und Umwelt, Öffentlichem Raum und Mobilität; Freizeit und Kultur, Bildung und Schule; Arbeit und Wirtschaft; Gemeinschaft und Sicherheit, Gesundheit und Soziales; Demokratie, Teilhabe und Inklusion; Frauen, LGBTQI+ und Gleichberechtigung – diskutieren die jungen Delegierten der Kinder- und Jugendparlamente die Ergebnisse der Umfrage, tauschen sich mit Fachleuten aus und erarbeiten Ziele und Handlungsfelder. Die Ergebnisse werden in weiteren Sitzungen bis April 2025 vertieft und im Rathaus präsentiert.
Die Delegierten vom Kinder- und Jugendparlament kommen am 26. Februar mit der Stadtregierung bei der Dialogveranstaltung ins Gespräch. Die finale Plenarversammlung findet am 10. April 2025 im Wiener Rathaus statt. Dort präsentieren die Kinder und Jugendlichen der Stadtregierung die Ergebnisse.
Das Wiener Kinder- und Jugendparlament wurde 2020 im Rahmen der ersten Kinder- und Jugendstrategie der Stadt Wien etabliert und tagt seit 2022. In den Plenarsitzungen entwickeln Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 20 Jahren Handlungsempfehlungen und Forderungen für die Wiener Stadtregierung.
Dieses Jahr steht eine besondere Aufgabe im Fokus: Die Teilnehmer:innen erarbeiten gemeinsam mit Fachleuten und Vertreter:innen der Stadtregierung die zentralen Ziele und Handlungsfelder der neuen Kinder- und Jugendstrategie 2025-2030. Die Strategie bezieht sich auf zentrale Bereiche wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Stadtplanung sowie weitere wesentliche Gesichtspunkte städtischen Lebens. Sie stellt sicher, dass die Anliegen und Ideen von Kindern und Jugendlichen bei diesen Themen Gehör finden und aktiv in die Gestaltung der Stadt einfließen.
Der Prozess zur Erstellung der Kinder- und Jugendstrategie 2025-2030 wird von der Koordinationsstelle Junges Wien bei Wienxtra und der Stadt Wien geleitet. „Mit dem Kinder- und Jugendparlament und der Erarbeitung der neuen Kinder- und Jugendstrategie schaffen wir eine Plattform, die jungen Menschen in Wien eine echte Stimme gibt. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass die Anliegen und Ideen der Kinder und Jugendlichen Gehör finden und direkt in die Stadtpolitik einfließen“, so Benjamin Schmid, der neue Leiter der Koordinationsstelle Junges Wien bei Wienxtra.
Alle Ergebnisse der Umfrage unter Kindern und Jugendlichen – Herbst 2024
Junge Detektiv:innen lösen Kriminalfälle schon seit Jahrzehnten in Büchern, oft in der Folge auch in Filmen oder manchmal auch auf Bühnen. „The Three Investigators“ (die drei Ermittler aus den USA ab der ersten Hälfte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts) wurden in den deutschen Übersetzungen zu „Die drei ???“. Seit fast 20 Jahren kommen „Die drei !!!“ dazu. Nächstes Jahr feiert Thomas Brezinas „Die Knickerbocker-Band“ ihren halbrunden 45. Geburtstag! Der Erfinder vieler Kinderbuchfiguren und -Serien dachte sich für seine Krimis vier junge Kriminalist:innen aus.
Im Ambiente des bekanntesten Wiener Christkindlmarkts, jenem auf dem Rathausplatz, spielt sich großteils ein neuer Kinderkrimi ab. In der Beschreibung erklären die Autorinnen Anna und Sarah Fröhlich (Mutter und Tochter) „Tatort Christkindlmarkt“ sogar zum 1. Fall der Wiener Wunderwuzzis (für Nicht-Kenner:innen des Wienerischen so etwas wie Tausendsassa).
Wienerisch geht’s auf den rund 130 Seiten vielfach zu. Bekannte und teils auch alte Ausdrücke dieses Dialekts haben die beiden – und das nie krampfhaft – eingebaut; und mit Fußnoten zur Erklärung versehen. Und sie verklickern die einen und anderen vielleicht gar nicht allgemein bekannten Fakten über die Bundeshauptstadt, wobei leider nicht alle stimmen – dazu weiter unten.
Der Kriminalfall spielt sich um (angebliche) Kindesentführungen an. Erst sorgt schon das Verschwinden eines der Wiener Sängerknaben namens Luis für große Aufregung – auch in den Medien. Klar, nicht gerade alltäglich. Und dann ist auch „Wiens Next Christkindl“, im Jahr des Kriminalfalls ist es Luise, wie vom Erdboden verschluckt.
Das aber darfst zwar du als Leserin oder Leser wissen. Vor der Öffentlichkeit aber muss das lange geheim gehalten werden, damit’s zu keiner vorweihnachtlichen Panik kommt. Du erfährst es natürlich von den Autorinnen, aber über die drei Kinder-Detektiv:innen, die sich am Ende „Wunderwuzzis“ nennen, davor aber lange Zeit keinen „Banden“-Namen haben. Die drei sind übrigens: Jenny, Herbert, genannt Harry, und sein Zwillingsbruder Roland, Spitzname Rowie (aus den Anfangsbuchstaben des Nachnamens).
Dass das „Christkindl“ vielleicht (auch) entführt worden ist erfahren die drei zufällig. Jenny würde gern für die Schülerzeitung diese Luise und den Wiener Bürgermeister interviewen. Warum dieser in seinem gezeichneten Aussehen stark an den vorigen erinnert? Er war zwar 23½ Jahre lang Stadtoberhaupt Wiens, aber nur bis 2018, was auch schon so lang her ist, dass damals geborene Kinder heute in die Volksschule gehen. Wie auch immer, viele große und jede Menge kleiner Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Irene Pöttler lockern den schon recht flüssig und einfach zu lesenden Text noch einmal auf.
Wie die drei Detektiv:innen zufällig drauf kommen, dass das „Christkindl“ auch verschwunden ist, sei hier sicher nicht verraten. Auch wenn ein gut geschriebenes Buch an sich Lesevergnügen bereitet, bei einem Krimi spielen Spannung, zu der auch überraschende Wendungen gehören, klarerweise eine zentrale Rolle. Und fast nix ist öder, als wenn Leser:innen im Vorhinein schon wichtige Wendepunkte der Geschichte verraten bekommen haben.
Schon gespoilert werden darf, was sich ohnehin jede und jeder denkt: Natürlich tauchen beide Kinder – und sogar noch ein vermeintlich drittes Entführungsopfer – wieder auf – aber Happy End versteht sich von selbst. Ebenso klar: Das Trio leistet einen Großteil der kriminalistischen Arbeit, wird dabei aber nicht unwesentlich, aber unfreiwillig, von einem eher faulen Hund, dem Rauhaardackel Falco, unterstützt.
Auf der Website zum Buch gibt es Leseproben – im Pressebereich – und drei Quizzes. Viele Fragen testen dein Wissen übers Buch, andere, was du über Wien weißt. Da bleibt allerdings bei Frage 3 der Quiz stecken, wenn du die eigentlich einzige richtige Antwort anklickst.
Leider verbreitet das Buch manche falsche (Wien-)Informationen. Dass die Wiener Sängerknaben, auch wenn sie den Namen nicht verändert haben, seit 20 (!) Jahren den Wiener Mädchen-Chor – auch mit öffentlichen Auftritten – haben, wird ignoriert. Die Porträts der vormaligen Wiener Bürgermeister – übrigens erst nach dem jeweiligen Tod – hängen im Wiener Rathaus im Stadtsenatssitzungs-Saal und nicht im Büro des Bürgermeisters. Und Falco – nicht der Hund aus dem Buch – war zwar weltberühmt, aber nicht der erste Rapper weltweit.
Übrigens: Ein Hinweis, dass es die Aktion „Wiens Next Christkindl“ gar nicht mehr gibt, wäre auch nicht schlecht gewesen, es gibt nur mehr „Wiener Christkind“, aber ganz ohne Casting. Es „wird aber inzwischen intern ausgewählt“, lautet die Antwort von stadt wien marketing, Träger des Christkindlmarkts am Wiener Rathausplatz, auf die Frage von KiJuKU, ob es „Wiens Next Christkindl“ noch gebe, weil im Netz dazu nichts zu finden war.
Ungewöhnlich früh, schon knapp nach dem ersten Adventsonntag gab es in diesem Jahr Buchgeschenke für kranke Kinder in der Klinik Ottakring, immer noch als Wilhelminenspital bekannt. So früh deshalb, weil der „Weihnachtsmann“, der Autor der Bücher himself, Thomas Brezina schon diese Woche in seine zweite Heimat, London, abdüst.
In den meisten der vergangenen 28 Jahre lag der Besuchstag des Erfolgsautors in der Kinderabteilung des Krankenhauses im 16. Bezirk knapp vor Weihnachten. Aber so wie schon vor dem Wiener Rathaus und nicht nur dort steht auch in der Klinik Ottakring schon jetzt der eine oder andere festlich geschmückten Nadelbaum, womit doch auch die passende Stimmung verbreitet wird. Brezina und Kinderfreunde besuchen kranke Kinder, bringen Bücher – und doch auch ein wenig Zeit für das eine oder andere Gespräch mit den jungen Patient:innen mit.
Brezina freut sich über die Freude der Kinder an den Begegnungen und den Büchern. Und an dem Engagement des Personals – ob Ärzt:innen oder Pfleger:innen. Neben den Büchern für kranke Kinder, schenken die Wiener Kinderfreunde einigen Tausend gesunden Kindern Jahr für Jahr ein Musical. Dieses Mal wird übrigens eine bekannte bebilderte Buchgeschichte des berühmten Duos Mira Lobe und Susi Weigel musikalisch in Szene gesetzt: „Die Omama im Apfelbaum“ im Raimundtheater; allerdings sind die meisten der 6000 kostenlosen Zählkarten schon weg, Restkarten gibt es noch für die Vorstellung (1¼ Stunden) am 28. Dezember um 14 Uhr – siehe Info-Box.
brezina-schenkt-kranken-kindern-buecher-und-zeit <– damals noch im Kinder-KURIER
Ein Riesenhallo als es im größten Wiener Volkshochschul-Saal finster wird. Fast 500 Kinder sind in der Volkshochschule Floridsdorf aus dem Häuschen, ja toben in Erwartung was sich da auf der Bühne abzuspielen beginnt. Noch taucht weder der alte, leicht grantige, irgendwie schrullige Mann namens Petterson oder gar die Katze Findus auf. In Erscheinung tritt die Regisseurin dieser Version drei Geschichten dieses beliebten Duos von Sven Nordquist.
Als Kind habe sei in einem Zimmer gewohnt, wo auch nicht viel mehr als Bett, Kasten und ein Tisch standen. Aber unter ihrer Matratze habe sie ein Geheimnis versteckt – ein Buch. Und dessen Geschichten haben ihre Fantasie angeregt. Aus einer Hose, Socken und allem möglichen Zeugs habe sie die unterschiedlichsten Wesen und Welten entstehen lassen und so viele Spielgefährt:innen gefunden, das heißt, selbst geschaffen.
Und genau so inszenierte Mechthild Harnischmacher diese Stunde aus den Nordqvist-Geschichten „Wie Findus zu Pettersson kam“, „Findus zieht um“ und „Armer Pettersson“. Gleich zu Beginn und zwischendurch manches Mal erzählt die Regisseurin live auf der Bühne auch ein bisschen übers Theater, u.a., dass jene Abteilung und Räume, in denen Kostüme lagern „Fundus“ genannt wird. Aus dem U macht sie in I, schleudert ein Kapperl mitten auf die Bühne und so wird daraus Findus 😉
Da ist natürlich der alte Grantler Petterson längst auf der Bühne. Samouil Stoyanov spielt den. Er würde sich so gerne einen Gefährten zum Reden und für gemeinsame Aktivitäten wünschen. Also kommt die Kappe. Und diese, sowie eine überdimensional große Version der Kappe (Bühne und Kostüm: Julia Rosenberger) bringt derselbe Schauspieler – in anderer Stimme, anderen Bewegungen, zum Reden und Leben. Gekonnt switcht Stoyanov sehr oft, nicht selten auch fast in Sekundenbruchteilen von der einen in die andere Rolle. Als Findus, manches Mal auch als Pettersson verlässt er die Bühne und tummelt sich zwischen und neben den Reihen der Zuschauer:innen.
Letztere werden übrigens kurzerhand zu „Mucklas“ ernannt. Solche bevölkern in den geschriebenen Geschichten des schwedischen Autors als kleine Wesen versteckt Petterssons Haus. Sie können unterschiedliche Gestalten und Farben haben. Und sie sind nicht selten ein bisschen schadenfroh, wenn Pettersson ein Missgeschick passiert. Der alte Mann kann sie übrigens nicht sehen – im Gegensatz zu Findus, der mit ihnen sogar befreundet ist.
Vor 40 Jahren erblickte das Duo sozusagen das Licht der Welt – der alte irgendwie kauzige, weil schon lange einsame, Mann und ein ihm zugelaufener Kater. „Pettersson und Findus“ (im schwedischen Original: Pettson och Findus) tourt seit kurzem – bis in den März des kommenden Jahres – durch Wiens Bezirke. Das Volkstheater tourt mit drei der millionenfach in Buchform sowie in Filmen und Theaterstücken umgesetzten Geschichten von Sven Nordquist durch Säle von Volkshochschulen bzw. Häusern der Begegnung – ein Loblied auf Fantasie und fürs Miteinander auskommen sowie gegen Einsamkeit. Wenngleich das Konzept, dass einer beide Figuren spielt – und das mehr als überzeugend – mehr für die Fantasie als gegen die Einsamkeit spricht 😉
Suboptimal sind die meisten Spielorte fürs (Kinder-)Publikum angesichts der einen Ebene an Sitzen. Immer wieder müssen die jungen Zuschauer:innen aufstehen, um halbwegs gut sehen zu können, was die Sicht der Kolleg:innen dahinter erst recht wieder behindert. Und: Nicht immer ist alles akustisch zu verstehen.
Am Ende bietet diese Aufführung eine lichtvolle Überraschung, wenn Pettersson und Findus beginnen, den Sternenhimmel zu betrachten.
„Der diesjähriger Kinderjury-Preis geht an einen sehr schönen Film, der uns außergewöhnlich berührt hat. Er entführt uns auf einen anderen Kontinent und zeigt Kinder, die alleine klarkommen müssen. Ein wahrer Frauenpower-Film, in dem Geschlechterklischees keinen Platz haben. Aber auch Jungs spielen eine wichtige Rolle und wachsen letztendlich über sich hinaus.“ So begründeten Agathe, Alma, Keren, Luisa, Mila, Nils und Wenzel, die sieben Mitglieder der diesjährigen Kinderjury, die Entscheidung für den ihrer Meinung nach besten Film – „Fußball am Dach“ (aus China).
Mit den Entscheidungen endete das diesjährige internationale Kinderfilmfestival, das mittlerweile 36.in Wien; in der Steiermark hat das 16. erst am Sonntag begonnen (dauert bis 1. Dezember 2024).
Die Kinderjury hatte aber noch für einen weiteren Film eine „lobende Erwähnung“ parat, für den belgischen Film „Young Hearts“ (Junge Herzen). „Ein herzerwärmender Film mit großartiger Filmmusik über die erste Liebe, die anders verläuft als gedacht. Besonders die Beziehung zwischen Elias und seinem Opa hat uns sehr beeindruckt. Es ist sehr schön, wenn man zu seinen Gefühlen stehen kann“, begründeten die sieben jungen Film-Auskenner:innen ihr Urteil.
Seit vielen Jahren vergibt die Kinderjury auch einen Unicef-Preis. Unicef ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNO). Dieser Preis gebührt immer einem Film, in dem Kinderrechte eine wichtige Rolle spielten. Das Festival findet übrigens immer rund um den internationalen Kinderrechtetag (20. November) statt.
Die Juror:innen wählten für diesen Preis „Lars ist LOL“ (Norwegen) aus. „Lars wird aufgrund seines Down-Syndroms gemobbt und ausgegrenzt und dann sogar von einer Freundin verraten. Ein Film über Freundschaft, Ehrlichkeit und den Mut, zu sich selbst zu stehen. Wir finden es sehr schön, dass sich fast alle Figuren am Ende weiterentwickelt haben und füreinander einstehen“, lautet die Begründung für diese Wahl.
Auch beim Unicef-Preis hatte die Kinderjury eine „lobende Erwähnung“. Und die deckt sich übrigens mit dem Publikumspreis: „Grüße vom Mars“. Während das Publikum natürlich keine Begründung hatte, sondern „nur“ mit Hilfe der Abschnitte der Eintrittskarten abstimmte, lieferte die Kinderjury natürlich auch ein Statement zu ihrer Entscheidung: „Wir konnten uns in den Hauptdarsteller von Grüße vom Mars sehr gut hineinversetzen. Dabei geholfen haben uns die Kamera aus Toms Perspektive, die verstärkenden Geräusche und auch die schauspielerische Leistung. Es hat uns sehr bewegt, in die Welt eines autistischen Jungen einzutauchen und zu sehen, dass seine Familie immer für ihn da ist.“
In diese Rolle hineinzuschlüpfen war übrigens für den 12-jährigen Darsteller Theo Kretschmer, der nicht Autist ist und davor auch keinen Kontakt zu Autist:innen hatte, nicht einfach, wie er in einem Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schilderte – Link dazu unten am Ende des Beitrages.
Alle Preisträgerfilme sind am 1. Dezember nochmals auf der großen Leinwand zu erleben – Details siehe Info-Box.
Rund 150 kunterbunte, spielerische und doch inhaltsreiche Partys feierten Kinder in den Horten und Kindergärten der Kinderfreunde dieser Tage rund um den 20. November, den mittlerweile 35. Geburtstag der internationalen Kinderrechts-Konvention.
In Wien-Donaustadt, dem 22. Und bevölkerungsreichsten Bezirk der Bundeshauptstadt verteilen Kindergartenkinder selbstgebackene Kekse auf öffentlichen Plätzen als süße schon vorweihnachtliche Kinderrechte-Geburtstags-Grüße. Gleichzeitig fanden im Kindergarten Doningasse Stationentage zu den Kinderrechten für alle Kinder im letzten verpflichtenden Kindergartenjahr statt. Sie wissen also, worum es bei diesem Geburtstag geht.
In Wien-Penzing zogen Kinder durch einen Teil dieses, des 14. Bezirks, um Passant:innen auf wenigstens einige der Kinderrechte aufmerksam zu machen. Mit dabei: Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner sowie der Bundesvorsitzende der Kinderfreund und Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky.
Die Aktionstage zu Kinderrechten beschließen die beiden Geschäftsführer:innen der Wiener Kinderfreunde, Alexandra Fischer und Daniel Bohmann, indem sie Kasperl und seine Gefährt:innen im Jugendzentrum friends zu diesen Themen spielen.
Die Kinder des Leuchtturmkindergartens in Sachen Inklusion in Wien-Favoriten machten am Tag der Kinderrechte selbst (20. November) einen Ausflug ins Parlament. Kinder aus anderen elementarpädagogischen Einrichtungen trafen im Wiener Rathaus den u.a. für Kinder und Bildung zuständigen Stadtrat und Vizebürgermeister sowie Gemeinderät:innen. Dort stand Inklusion, eines der Kinderrechte – Teilhabe aller Kinder – im Zentrum des Treffens; einschließlich des Hissens von Kinderrechtefahnen beim Eingang zum Wiener Rathaus – Bericht unten verlinkt.
„Mit der Gesetzesnovelle zur Inklusion im Elementarbereich wird die Betreuung von Kindern mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen in Kindergärten, Kindergruppen und bei Tageseltern geregelt, damit auch abseits von speziellen Gruppen – etwa Integrationsgruppen oder Heilpädagogische Gruppen – Bildungs- und Betreuungsplätze angeboten werden können. Dies ist ein wichtiger Meilenstein hin zu einer inklusiven Stadtgesellschaft, in der Kinder mit und ohne Behinderungen von Anfang an miteinander lernen sollen. Damit stärken wir das Recht auf Inklusion!“, meinte Wiens Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr am Mittwoch, dem 35. Geburtstag der Kinderrechtskonvention (beschlossen am 20. November 1989 von der UNO-Generalversamlung).
Aus diesem Anlass wurde neben dem Eingang ins Wiener Rathaus auch zwei Kinderrechte-Fahnen aufgehängt. Gemeinsam mit Kindern aus Kindergärten der Wiener Kinderfreunde stellten sich der genannte Politiker sowie einige seiner Kolleg:innen (SPÖ-Gemeinderat und Bildungssprecher Jörg Neumayer, NEOS Wien-Klubdobfrau Bettina Emmerling) sowie der Wiener Menschenrechtsbeauftragten Shams Asadi und dem Wiener Kinder- und Jugendanwalt Sebastian Öhner für Gruppenfotos auf.
„Kinderrechte sind nicht verhandelbar – sie sind das Fundament für eine gerechte und solidarische Gesellschaft. Wir in Wien arbeiten Schulter an Schulter daran, jedem Kind die gleichen Chancen auf Bildung, Schutz und Teilhabe zu ermöglichen. Denn nur, wenn Kinderrechte konsequent gelebt werden, können wir eine lebenswerte Zukunft für alle gestalten“, so SPÖ-Gemeinderat und neuer Bildungssprecher Jörg Neumayer.
Mit der oben angesprochenen Novelle wird es für private Kindergärten, Kindergruppen und Tageseltern leichter möglich, Kinder mit Behinderung und chronischen Erkrankungen betreuen und fördern zu können. Da diese Einrichtungen nicht über die personellen und fachlichen Anforderungen von Integrationsgruppen bzw. Heilpädagogischen Gruppen verfügen, wird eine finanzielle Förderung geschaffen, um in diesen Gruppen Unterstützungsmaßnahmen dem individuellen Bedarf und der Situation entsprechend umsetzen zu können.
Damit steht allen Kindern elementare Bildung gleichermaßen offen. Gleichzeitig wird die Anzahl an zur Verfügung stehenden Inklusionsplätzen in Regelgruppen erhöht. Die Maßnahme trägt so insgesamt zur Verbesserung der Betreuungsqualität bei und wirkt sich positiv auf die frühkindliche Bildung aus.
Am Samstag zur Eröffnung des 36. Internationalen Kinderfilmfestivals im Wiener Gartenbaukino – mit dem Film „Grüße vom Mars“ kam der 12-jährige Hauptdarsteller Theo Kretschmer aus Berlin. Es war / ist sein erster Wien-Besuch, aber nicht der erste eines internationalen Filmfestivals. Bei dem vielleicht bekanntesten im deutschsprachigen Raum, dem Festival „Goldener Spatz“ (seit 45 Jahren), das in den Städten Gera und Erfurt (Bundesland Thüringen) stattfindet, wurde er mit dem Preis als bester Darsteller ausgezeichnet – von Kinder-Juror:innen.
Übrigens, trotz der wirklich überzeugenden schauspielerischen Leistung war es Theo Kretschmers erster und (bisher) einziger Film – zu einer Besprechung des Films geht es im Link unten am Ende des Beitrages.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte diesen Darsteller in diesem großen, ehrwürdigen Wiener Kino zum Interview treffen.
KiJuKU: Zuerst einmal Gratulation zu deinen sehr gelungen darstellerischen Künsten.
Theo Kretschmer: Danke.
KiJuKU: Wie kam’s überhaupt dazu, hast du vorher schon mit Freunden Filme gedreht oder Theater gespielt?
Theo Kretschmer: Das nicht, aber ich hatte schon immer Spaß daran, in Rollen zu tauchen, auch Theater. Dann hab ich gedacht, Film wäre was für mich und dann hab ich’s halt ausprobiert.
KiJuKU: Theater hast du in der Schule gespielt?
Theo Kretschmer: Nein, so zwischendurch, es hat einfach Spaß gemacht.
KiJuKU: War das schwierig, in die Rolle eines Jungen zu schlüpfen, der ganz anders tickt, als man’s meistens gewohnt ist?
Theo Kretschmer: Wir haben viel darüber geredet über Autismus, ich hab mir viel dazu angeguckt und gelesen. Vor Ort beim Dreh wurde mir auch vieles dazu gesagt, was ich wie vielleicht anders machen oder spielen sollte. Dann ist das schon wie von alleine gekommen.
KiJuKU: Hattest du vorher schon einmal etwas von Autismus gehört?
Theo Kretschmer: Nee, eigentlich gar nicht.
KiJuKU: Und bei der Vorbereitung auch niemanden mit Autismus getroffen?
Theo Kretschmer: Nee, aber beim letzten Filmfestival, dem in Zürich, war ein Mädchen mit Autismus im Publikum. Die hat mir gesagt, dass der Film sehr gut bei ihr angekommen ist. Das war die erste betroffene Person, die ich getroffen habe.
KiJuKU: Das ist ja dann die größte Auszeichnung.
Theo Kretschmer: Ja, das war ganz cool.
KiJuKU: Als du das Drehbuch gelesen hast, war für dich klar, dass du das schaffst?
Theo Kretschmer: Dadurch, dass ich bis dahin nichts von Autismus wusste, war’s schon aufregend. Und auch generell, weil’s ja der erste Film war. Aber ich hab mich halt ausprobiert, mir eine Chance gegeben und mit der Zeit ging’s immer besser.
KiJuKU: Wurdest du gleich ausgewählt oder hattest du mehrere Casting-Runden?
Theo Kretschmer: s gab zuerst ein eCasting, also digital und dann ein Live-Casting und noch eines. Beim letzten Live-Casting wäre ich eigentlich Zweiter gewesen, aber weil der Erste schon davor gedreht hatte und Kinder nur höchstens 30 Tage im Jahr drehen dürfen, konnte er diese Hauptrolle nicht übernehmen.
KiJUKU: Was hattest du beim eCasting eingeschickt?
Theo Kretschmer: Ich bin bei einer Frau, die hilft mir dabei (eine Art Schauspiel-Trainerin), gibt mir professionelle Tipps.
KiJuKU: Waren das schon Szenen aus dem Film?
Theo Kretschmer: Ja schon, aber die und auch aus dem Drehbuch wurden beim dreh Szenen immer wieder auch umgeändert.
KiJuKU: Wie viele Drehtage hattest du?
Theo Kretschmer: Ich glaub, es waren sechs Wochen – die ganzen Sommerferien im Vorjahr.
KiJuKU: War das schwierig, dann gar keine Ferienzeit zu haben, Dreh ist ja sicherlich zumindest teilweise ganz schön anstrengend?
Theo Kretschmer: Ja, schon. Wir haben teilweise auch sehr spät gedreht. Das war schon recht anstrengend. Ich hatte dann nur diese zwei Tage, das Wochenende frei. Da sind wir dann immer von Hamburg nach Berlin gefahren, das dauert nicht so lange. Aber trotzdem waren es auf jeden Fall ganz andere Ferien als ich sonst gehabt habe.
KiJuKU: Ist dir das dann abgegangen, als das nächste Schuljahr begonnen hat?
Theo Kretschmer: Nach den Ferien war ich schon sehr durch, weil ich keine wirkliche Erholung gehabt habe. Es war dann schon ein bisschen schwierig, wieder in die Schulzeit reinzukommen.
KiJuKU: Was sind deine Vorlieben in der Schule und was magst du gar nicht?
Theo Kretschmer: Ich mag ganz gerne Kunst, Sport mag ich auch. Mathe, Physik oder Chemie ist nicht so mein Ding.
KiJuKU: Also nicht so wie beim Tom im Film, eher so, wie dessen Bruder Elmar.
Theo Kretschmer: Ja so ungefähr.
KiJuKU: Was machst du in deiner Freizeit am liebsten?
Theo Kretschmer: Ich treff mich natürlich gern mit Freunden. Ich zeichne gern, ich male viel.
KiJuKU: Ist Schauspiel so etwas wie eine Perspektive, dass das einmal ein möglicher Beruf für dich werden könnte?
Theo Kretschmer: Ich weiß halt nicht, wie das weitergeht. Es wär schon ganz cool. Als Hauptberuf wäre es halt schon recht schwierig. Du bist halt dann darauf angewiesen, was machst du, wenn du keine Rollen hast?! Aber so nebenbei als Hobby wär’s schon ganz cool.
KiJuKU: Zurück zum Film. War der Dreh hauptsächlich anstrengend oder mitunter schon auch witzig?
Theo Kretschmer: Es war schon ganz schön, aber es gab dann auch so manche Szenen, wo’s anstrengend wurde. Umso mehr in einer Szene spielen, umso schwieriger wird es halt. Alle müssen dann alles richtig machen. Wenn auch nur eine oder einer etwas falsch macht, müssen’s halt alle wieder und immer wieder machen. Manches war schon sehr anstrengend. Und nach ein paar Stunden Dreh am Tag, ist manchmal auch die Konzentration draußen. Es gab aber auch ein paar Szenen, die haben voll Spaß gemacht. Aber auch einige, die ich gar nicht mochte.
KiJuKU: Und zwar welche?
Theo Kretschmer: Eine ganz am Schluss, die sah gar nicht so schwer aus, aber… Auf der Mauer, wo meine Mutter zurück aus China war, wo ich Apfelkuchen bekam. Die musste oft wiederholt werden und ich musste so oft Apfelkuchen essen, dass mir schlecht geworden ist. Und dann waren da im Sommer überall die Bienen. Das war so nervig und anstrengend. Am Ende hatte ich gar keinen Bock mehr auf Apfelkuchen.
Aber was sehr viel Spaß gemacht hat, war die Szene auf dem Schulhof. Da hat auch mein Bruder mitgespielt. Die ganze Familie war da, auch mein Hund.
KiJuKU: Deine echte Familie, nicht die aus dem Film?
Theo Kretschmer: Ja, mein Bruder hat da eben mitgespielt in der Szene. Dieser Drehtag hat auch nicht lange gedauert, so dass wir danach gemeinsam Zeit hatten.
KiJuKU: Wie oft hast du den Film selber schon gesehen?
Theo Kretschmer: Ich glaub drei Mal. Das erste Mal hab ich ihn erst bei der richtigen Premiere gesehen, weil ich so eine Überraschung haben wollte.
KiJuKU: Wie ist es dann ihn, beim zweiten, dritten Mal zu sehen? Wird das dann langweilige, weil du ja alle schon kennst?
Theo Kretschmer: Es ist schon noch ganz cool. Mir wird da nicht wirklich langweilig, es ist ja ein ganz guter Film.
KiJuKU: Wie haben Klassenkolleg:innen oder Freund:innen reagiert?
Theo Kretschmer: Meine engsten Freunde haben sich schon mit mir gefreut. Niemand war so richtig eifersüchtig. Aber ich häng das ja auch nicht so an die große Glocke, weil am Ende ist es ja auch nur ein Film. Was heißt nur, aber nur weil ich einen Film gemacht hab, bin ich ja nicht anders als andere Kinder.
KiJuKU: Danke sehr, thank you very much, dziękuję – nachdem im Agenturprofil von Theo Kretschmer steht: Englisch und Polnisch Grundkenntnisse.
Theo Kretschmer: Naja, eigentlich kann ich’s nicht. Meine Mutter wurde in Polen geboren, meine Eltern sind auch ein bisschen traurig, dass ich die Sprache nicht gelernt habe, ich find’s auch schade, aber vielleicht kommt das ja noch.
Versammeln sich die Jungs aus Longverne, um ihre Altersgenossen aus Velrans mit einem Transparent als „Hohsenscheisser“ zu beschimpfen – und sich nicht als die besten Rechtschreiber zu outen, so stürmen die Geschmähten zwischen den Publikumsreihen auf die Bühne der Wiener Volksoper.
Sonntagvormittag feierte eine spiel-, sanges- und musizier-freudige Version des französischen Klassikers der Bandenkonflikte, „Der Krieg der Knöpfe“ nach dem Roman von Louis Pergaud eine vielumjubelte Premiere mit standing ovations. Gegenüber dem Roman weist dieser musikalische „Krieg“ (Idee, Textfassung und Regie: Johanna Arrouas) einerseits eine viel stärkere, selbstbewusstere Rolle der Mädchen auf. Weder bei den Longvernern noch bei den Widersachern aus Velrans lassen sich die auf dienende Nebenrollen abschieben und glänzen mit mehr Schläue und Tatkraft.
Die 15 „Bandenmitglieder“ – Paulina Eder, Philippa Eisinger, Clemens Gruber, Camillo Kirchhoff, Michael Mocnik, Benjamin Ruzek, Hans Schmutzhard, Benjamin Wacks, Mara Westerkamp (Longverne) sowie Leon Forster, Maya Klipfel, Konstantin Pichler, Konstantin Scripcaru, Leopold Sommer, Leopold Wetter (Velrans) – stehen in Spiel- und Sangesfreude und -Können ihren erwachsenen Mitspieler:innen um nichts nach. Offenbar als Andenken an den Autor des Romans heißt der Lehrer hier übrigens Louis statt wie im Original Simon. Ihn verkörpert Nicolaus Hagg als den verständnisvollen unter den „Großen“, im Gegensatz zum strengen, verständnislosen Marcel Lebrac, Vater des Anführers (Peter Lesiak). Maries Mutter Jeanne (Julia Koci) ist im Dauer-Überlebenskampf und die Besorgte, die das aber nicht zugeben will. Den Gendarm Joseph (Florian Carove) hat die Regie – zum Gaudium des Publikums – als saufenden Dauerdeppen, aber doch – wie vieles andere mit Augenzwinkern – angelegt.
Weil schon das Original – übrigens längst mehrfach verfilmt – aus Frankreich kommt, sind in diese Fassung mehrere französische Chansons, manche auch in Originalsprache eingebaut, unter anderem als vielleicht bekanntestes „Les Champs Elysées“ über die gleichnamige berühmte Straße in Paris – hier mit einem neuen Text über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die der Lehrer den Schülern vermitteln will.
Musikalisch begleitet werden die Spieler:innen live von Musiker:innen, die sozusagen mitten im Dorf (Bühne und Kostüm: Christof Hetzer) sitzen bzw. wie der Kontrabassist (Antal Racz) zwischen Häusern stehen oder der Schlagzeuger (Michael Kahlig) am Rand zum Wald Platz nimmt: Akkordeon und musikalische Leitung: Helmut Stippich, Gitarre: Andrea Wild, Violine: Elena Krylova, Klarinette: Stephan Neubauer.
Deutlich stärker noch als im Roman schwingt in den 1¼ sehr kurzweiligen Stunden aber auch die Sinnlosigkeit des Bandenkrieges mit. Warum sind wir eigentlich Feinde? Weil schon unsere Väter, … Ururururgroßväter und so weiter. Wobei hier in einer klitzekleinen Szene sich uralte Dorfbewohner:innen an den Ausgangspunkt erinnern: Haben die einen um Regen gegen die Trockenheit gebetet, so wollten die aus dem Nachbardorf mehr Sonne.
… geistern immer wieder als Horrormeldungen durch Medien. Gewalttätige Auseinandersetzungen sind wirklich nicht lustig, gefährden Gesundheit, mitunter auch Menschenleben und das gar nicht nur der Beteiligten. Dazu kommt, dass immer wieder Kinder nicht nur zivile Opfer in Kriegen sind, sondern nicht selten zu Gewalttaten gezwungen werden – Stichwort Kindersoldaten.
Vor diesen Hintergründen schwingt eine beträchtliche Skepsis mit, wenn „Der Krieg der Knöpfe“, DER Klassiker der fast romantisierenden Schilderung eines Banden-Konflikts, als Musiktheater auf die Bühne kommt. Aber wenig Anlass zur Sorge: In Wahrheit ist schon der Roman von Louis Pergaud aus 1912 trotz aller Lust an List, Hauerei und Kraftausdrücken keine Verherrlichung der Gewalt, sondern – mehr zwischen den Zeilen – ein ständiges Hinterfragen des Sinns dieses Konflikts, bei dem nicht zuletzt ums Abschneiden von Knöpfen geht. Die Volksopern-Version durchzieht das noch um einiges stärker.
Die Bühne praktisch ein einziges üppiges Atelier. Schon gemalte Bilder hängen und stehen an Metallschienen. Ein Tisch voller Farben. Eine Frau (Eva Beresin) im weißen Mantel, versunken vor sich hin malend – auf weißem Leinen ebenso wie über schon vorhandene fast fotografische Bilder. Am vorderen Bühnenrand in „Alte Meisterin“ von makemake produktionen im Weiner Kosmos Theater die bekannte Musiker Clara Luzia vor einem kleinen „Cockpit“ an Instrumenten. In zwei Lehnstühlen die Schauspielerinnen Veronika Glatzner, Clara Liepsch.
Diese beiden schlüpfen in die Rollen von Studentinnen und Models der – erst im Alter wirklich groß gefeierten Malerin Maria Lassnig, himmeln diese an, verfluchen mitunter aber auch deren Launenhaftigkeit. Und sie werden von der Malerin Eva Beresin kräftig bemalt – Gesicht und schwarze, hautenge Kleidung (Kostüm: Mave Venturin), die gleichsam den Eindruck von Akt-Modellen erweckt – und werden so zu lebendigen dreidimensionalen Bildskulpturen; voller Körpereinsatz!
Schon hier ist Beresin aber nicht sozusagen eine Darstellerin Lassnigs, auch wenn es Anklänge an die vor zehn Jahren verstorbene, doch schon 1980 erste Professorin an der Angewandten und ihre Persönlichkeit gibt. Eher steht sie für die künstlerische Leidenschaft generell UND die – trotz Thematisierung – noch immer nicht gleichwertige Akzeptanz von Malerinnen. Und damit auch ihrer, Beresins, eigenen Kunst – und die Parallel zu Lassnig, auch erst spät „entdeckt“ worden zu sein.
Lassnig selbst wird in so manchen späteren Szenen von den beiden Schauspielerinnen verkörpert – wobei Veronika Glatzner eher die forsche Seite Lassnigs und Liepsch die mitunter frustrierenden Telefonate mit einem Galeristen spielt.
Und dann betritt noch die Fotografin Apollonia Theresa Bitzan in ihrer ureigensten Profession die Bühne (Bühne: Nanna Neudeck; Choreografie: Martina Rösler) – um im Atelier zu fotografieren – mit allen Einschränkungen, die Lassnig zugeschrieben werden (Text: Sara Ostertag, Anita Buchart).
Clara Luzia bestreitet als Live-Musikerin einerseits eine Erzähl-Rolle, in dem sie Stationen von Lassnigs Leben in Songs verpackt und anderseits „untermalt“ sie musikalisch so manche Szene.
Die eineinhalb Stunden sind weit mehr als ein spartenübergreifender Theaterabend über die erst sehr spät gefeierte Malerin Maria Lassnig, sondern „nur“ ausgehend von dieser, ein Gesamtkunstwerk darüber, dass Frauen – auch – in der Kunst noch immer zu gering geschätzt werden.
Das Wiener Rathaus öffnet seine Tore und Säle seit gut zwei Jahrzehnten mehrmals im Jahr vor allem für Kinder und Jugendliche. Nachdem in der vorletzten Sommerferienwoche Kinder ihre eigene Stadt in der Volkshalle und im Arkadenhof bei „Rein ins Rathaus“ regierten, gehört dieses Wochenende den Spielerinnen und Spielern. In kürzeren Ferien gibt es u.a. das Ramba-Zamba-Spielfest (Winter) oder die Märchentage (Frühjahr) bei denen Kinder das Rathaus zu ihrem Spielplatz machen dürfen.
Zum 15. Mal steigt die Game City. Computer-, Konsolen-, Tablet-, Video- und Brettspiele können in Volkshalle, Festsaal und Nebenräumen getestet und / oder bewerbsmäßig gespielt werden. Und nicht nur nebenbei gibt es jede Menge an Infos rund um empfehlenswerte Spiele und mehr.
Nicht zuletzt tummeln sich Menschen in Kostümen – aus Computerspielen und Anime zwischen den Spielewelten. Samstagmittag wandern sogar Hunderte Cosplayer:innen in ihren meist liebevoll detailverliebten Kostümen – gemeinsam mit Vienna Comix bei ihrer Parade durch die Wiener Innenstadt und das MuseumsQuartier zum Rathaus. Anführen wird diese Parade Vanessa Radosztics alias Vanesh. Online wählte sie die Community zur Game-City-Bürgermeisterin. Im Kostüm von Zelda aus dem berühmten Spiel „The Legends of Zelda“ eröffnete sie gemeinsam mit Wiens Vizebürgermeister und Stadtrat für die Bereiche Kinder, Jugend, Bildung, Integration die Spielstadt im Rathaus, die seit einigen Jahren auch ein eigenes Ortsschild hat – mit dem Hinweis, dass die – im Vorjahr – 70.000 Besucher:innen somit die 7.größte Stadt Österreichs ergeben (Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt). „Es ist eine Ehre, diese Position als Verbindungsstück zwischen der Gaming und Cosplay-Community zu übernehmen und gemeinsam mit meinen Freund:innen hier auf der Game City eine großartige Zeit zu erleben. Ich bin jedes Jahr dabei, und nachdem ich letztes Jahr schon kandidiert habe, freue ich mich umso mehr, dass ich dieses Jahr die Wahl gewonnen habe!“, wird sie in der Aussendung von wienXtra zitiert.
Bei der Game City erwartet die Besucher:innen die Österreich-Premiere von Super Mario Party Jamboree, das am Nintendo-Stand vor der offiziellen Veröffentlichung gespielt werden kann. Warner Bros bringt das magische Hogwarts-Feeling mit Spielen rund um Harry Potter in die Rathaushallen. In der FM4 Indie-Area gibt es zudem spannende Nachwuchs-Games von heimischen Entwickler:innen zu entdecken. In der Volkshalle geht’s e-sportlich zu – es ist der Ort der Turniere in digitalen Spielen. Auf der Bühne im Arkadenhof finden ebenfalls eSports-Wettkämpfe statt.
Neben dem Ausprobieren oder gar wettkampfmäßigem Spielen bietet die wienXtra-Spielebox aber auch jede Menge Brett-, Karten- und Ratespiele an – wovon beim Lokalaugenschein von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… am ersten Vormittag, den vor allem Schulklassen nutzten, viel Gebrauch gemacht wurde. So saßen vier Jugendliche um einen Tisch – jede von ihnen hatte an einer Art Stirnband eine Karte befestigt, die sie vorher nicht sehen durfte. Über Fragen an andere muss jede erst draufkommen, was sie da trägt – und das reicht von einem Paradeiser (Tomate) bis zu einem Zug. Und sie hatten – nicht nur auf die Frage des Reporters – sondern offensichtlich nach ihren lächelnden bis lachenden, jedenfalls entspannten Gesichtern mindestens so viel Spaß wie bei Bewegungsspielen vor Monitoren oder beim Gaming mit Tastatur, Maus oder Controller.
In den Gängen und kleineren Räumen des Rathauses warteten aber auch viele Info-Stände mit Wissenswertem zu Ernährung, Bewegung, mentaler Gesundheit oder auch Jobs und Ausbildungen. Suchtprävention – auch in Bezog auf digitale Medien durfte ebenso wenig fehlen wie Listen empfehlenswerter Spiele in verschiedenen Alterskategorien. Empfehlen statt verbieten ist das Motto der Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von digitalen Spielen (BuPP.at) – und genau solche gab es auf den Tablets bzw. Computern oder Konsolen auch gleich zu testen. Gemeinsam ist vielen dieser Spiele: Förderung und Herausforderung eigener Kreativität – komponieren, Städte bauen.
Traditionell gehört zur Game City auch die internationale Fachtagung FROG (Future and Reality of Gaming). Das Thema der parallel laufenden Fachmesse lautet „Gaming the Apocalypse“. Diskutiert wird unter anderem darüber, welche Fähigkeiten man in Spielen lernen kann, um besser mit den Herausforderungen der Zukunft umzugehen oder ob Games als Bildungstool eingesetzt werden können, um über Krisen zu informieren.
„Im Mittelpunkt der Game City steht das Gemeinsame – miteinander zu reden, zuzuhören, Zeit zu verbringen und einfach Spaß und Freude zu teilen“, meinte wienXtra-Geschäftsführer Vučko Schüchner. „Gerade in Zeiten, in denen oft Trennendes betont wird, ist es umso wichtiger, das Verbindende zu stärken. Als Veranstalter der Game City legen wir großen Wert darauf, die Freude am gemeinsamen und verantwortungsvollen Spielen zu fördern. Dass die Stadt Wien dieses Event im Rathaus ermöglicht – und das alles bei freiem Eintritt – macht die Game City zu einem ganz besonderen Erlebnis.“
Ein wenig befremdlich wirken dann allerdings doch viele Figuren mit martialischen Waffen oder auch das lustvolle Nachstellen von Szenen mit Schatten-Kriegern, war doch noch dazu am Freitag der Tag, an dem der Friedensnobelpreis vergeben wurde. Ohne allerdings in die falsche Kausalkette einzustimmen, Gewalt in Spielen würde Gewalt im wirklichen Leben auslösen, oft – richtig dosiert – hilft sie sogar, Aggressionen im Spiel abbauen zu können und nicht im echten Leben rauszulassen.
„Du hast Privilegien, ich hab Freunde dabei…“ ist mindestens so eine Hymne wie „OTK“ oder „Der Tschusch ist da!“ Das Duo Esra und Enes rappt seit eineinhalb Jahrzehnten kraftvoll und gibt Kraft – nicht zuletzt dem multikulturellem Wien. Die Rapper:innen haben aber immer wieder auch sanfte, leise Nummern. In der Woche vor der Nationalratswahl 2024 veröffentlichten sie eine neue Nummer, in der sie gestehen, nicht immer so stark zu sein: „Es tut so weh, anders zu sein“.
Im Rahmen eines Konzerts gemeinsam mit dem italienischen Pianisten Marino Formenti gaben sie die auf der Bühne des Wiener Volkstheaters zum ersten Mal zum Besten. Und dennoch war es letztlich ein ausgelassenes, Mut machendes Fest mit der neuen sanften vom Pianisten ins Mikro gehauchten ergänzenden Schluss-zeile: „Es ist so schön, anders zu sein!“
Das Konzert stand am Beginn der Reihe „Drei Tage für Österreich“, die am Wahltag selbst unter dem Motto „Bangen, wetten, hoffen“ zunächst im Café Liebig am Vormittag beginnen (ab 11 Uhr) und am Nachmittag mit einer „Wahlparty“ samt gemeinsam Hochrechnung schauen über di Bühne gehen werden, moderiert von Michael Ostrowski.
volkstheater -> drei-tage-fuer-oesterreich
Klassiker von Kinderfesten sind Kinderschminken und Hüpfburg. Auch die gab’s kürzlich in der Grünwaldgasse 4 in Wien-Margareten, nahe dem Matzleinsdorfer Platz. Dort steht Wiens ältestes Jugendzentrum – es feierte seinen 60. Geburtstag – für und mit Kindern, Jugendlichen und nicht zuletzt solchen Erwachsenen, die vor Jahrzehnten hier als Kinder und Jugendliche ein- und ausgegangen sind.
Neben den eingangs erwähnten Aktivitäten gab’s auch Palatschinken-Station, Quizrad, Fotobox und Street-Soccer, also Fußball. Auf der Bühne waren Breakdance, Rap und andere Gesangsauftritte zu bewundern.
Dani, Stammbesucherin der 90er Jahre, sagt laut Medieninformation des Vereins Wiener Jugendzentren: „Das 5erHaus gab uns ein Zuhause und war der größte emotionale Support in dieser Zeit.“ Auch Kemal, der das Haus schon als Kind besuchte, erzählt: „Alles, was ich jetzt mache, und den Mut, den ich jetzt habe, verdanke ich dem 5erHaus.“
An Gratulant:innen stellten sich die Bezirksvorsteherin Silvia (Janković), die Obfrau Marina (Hanke) sowie die Geschäftsführerin Manuela (Smertnik) des Vereins ein und nicht zuletzt Wiens für Kinder, Jugend, Bildung und Integration zuständiger Stadtrat und Vizebürgermeister Christoph (Wiederkehr) ein und hoben die Bedeutung dieser Einrichtung hervor. Auf 1.000 Quadratmetern können Kinder und Jugendliche ihre Freizeit verbringen – freiwillig, ohne Konsumzwang, begleitet von einem multiprofessionellen Team. Es gibt Kreativ- und Medienangebote, Sportaktivitäten, ein Tonstudio, Bandproberaum, Disco, Küche und ein Jugendcafé mit Tischfußball. Im Mittelpunkt stehen Spaß, Selbstorganisation, Mitbestimmung und Wertschätzung.
Apropos Medien, das 5er-Haus bot schon früh Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, selbst Medien zu produzieren. Besonders beliebt ist etwa CUtv, die medienpädagogische Einrichtung im Haus. Die Jugendlichen gestalten Video-Beiträge für Sendungen auf Okto-TV, demnächst wieder über die Gala von Kids in Fashion, dem riesigen Modedesign-Nachwuchsbewerb der Wiener Jugendzentren – am 5. Oktober, übrigens die Jubiläums-Gala nach 30 Jahren – siehe Link unten über eine Reportage in der Schneiderei-Werkstatt in den Sommerferien.
Vor gut einem Dutzend vertikalen Projektionsflächen in übergroßen Handyformaten setzen sich Nele Christoph und Crispin Hausmann al Mode-Influencer:innen in Szene. Das bekannte „Unboxing“ – also auspacken von Eingekauftem – steht am Beginn – da Schnäppchen, dort günstige Klamotten. Hin und wieder gefilmt sogar in stationären Kleidungs-Geschäften und nicht nur bei Online-Händlern.
Rasant wechselnde Projektionen von Mini-Clips im TikTok-Style mit teils tänzelnden Bewegungen des Duos bestimmen die Szenerie und (Regie und Bühne: Bianca Thomas; Media Design: Vince Varga) von „Who cares what you wear?“ (Wen kümmert’s, was du trägst). Diese Produktion für Jugendliche – eine Produktion der Austrian Fashion Association in Koproduktion mit Dschungel Wien basierend auf einer Idee von und in Zusammenarbeit mit Fashionclash (NL) und Mayke Roels (NL) – feierte am Eröffnungstag der neuen Saison, der 20., im Dschungel Wien umjubelte Premiere.
Real agiert das Duo praktisch immer im selben Outfit, die wechselnden Gewänder (Kostüme: Lisa Knoll) kommen über die eingespielten Videos. Je länger die Show dauert, desto kritischer setzen sich die beiden mit den „Fetzen“ auseinander, verklickern Infos über Arbeitsbedingungen der Näher:innen – meist in Fernost. Genauso setzen sie sich mit den umweltmäßig schädlichen Folgen von Fast Fashion auseinander und vermitteln so vielleicht gerade Mode-Fans Nachdenk-Momente in Sachen Nachhaltigkeit.
Gerade unter Jugendlichen spielen Klamotten eine nicht geringe Rolle, gleichzeitig engagieren sich viele in Sachen Klimakrise!
Warum zwischendurch ein ungarischer Spruch als Begrüßungsformel „verkauft“ wird, der das nicht ist, sondern eine Mutter-Beleidigung, erschließt sich nicht wirklich. Sollte es vielleicht eine Kritik an Fake News sein, so ist sie sehr versteckt – nur für jene verständlich, die diese Sprache kennen – oder wenigstens Grußformeln ;(
Wobei Gewänder schon in längst zu Klassikern gewordenen literarischen und auch bühnenmäßig umgesetzten Werken zentrale Rollen spielen. Ob in Gottfried Kellers Novelle „Kleider machen Leute“ (1874) oder in „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen (1837). Wobei der dänische Märchendichter in seinen Notizen schrieb, dass er dazu von Karl Eduard von Bülow und dessen Märchen „Was einem Könige mit drei Schälken begegnet“ inspiriert worden war.
Apropos junge Mode. Demnächst – am 5. Oktober 2024 – steigt die Jubiläums-Gala des größten Modedesign-Nachwuchs-Bewerbs „Kids in Fashion“. Seit drei Jahrzehnten rufen die Wiener Jugendzentren Kinder und Jugendliche (4 bis 21 Jahre) auf, eigene Entwürfe einzusenden. Fast jedes Jahr landen mehr als 2000 Zeichnungen in der Zentrale der Jugendzentren. Eine Jury wählt die rund fünf Dutzend kreativsten, ver-rücktesten, innovativsten aus, die in der Folge von Modeschüler:innen geschneidert und bei der Gala von jugendlichen Models vorgeführt werden – siehe Info-Box.
Nachhaltigkeit, Re- und Upcycling spielt in vielen dieser Mode-Entwürfe eine immer größere Rolle.
Während ein derzeit häufig gesendeter Werbespot auf allen Kanälen bösartige Streitereien zwischen Vertreter:innen politischer Parteien als „Kindergarten“ scheinbar lustig zeigen will, versuchen einige Programme im ORF-Kinderfernsehen sachlich und doch spannend zu erklären, wie wichtig Wahlen und Demokratie sind.
Beginnend mit Montag, 23. September erklären fünf ZiB Zack Mini-Spezialausgaben vor der Nationalratswahl am Sonntag (29. September 2024) vieles dazu. Zwei Tage später startet eine zehnteilige fiktive Serie mit Schauspiel und Animationsfiguren namens „Demokratino“, einem vorerst unbekannten Land, in das die drei Kinder-Protagonist:innen während eines Besuches im österreichischen Parlament gebeten werden.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte die erste Folge vorab sehen – und aus dieser hier schildern, sowie den Erfinder derselben, Thomas Brezina, per eMail einige Fragen stellen – dieses Interview in einem eigenen Beitrag – unten verlinkt.
Zunächst sind Doro, Leopold und Niko mehr als unzufrieden. In ihrer Schulklasse hat die Lehrerin die Kinder in verschiedene Exkursions-Gruppen eingeteilt. Neben Team Tiergarten und Team Kanal gibt’s auch eine Spezialtour im Parlament. Die haben diese drei zugeteilt bekommen. Das stellen sie sich viel weniger abenteuerlich vor als das was ihre Kolleg:innen erkunden dürfen.
Natürlich kommt dann alles ganz anders. Aber mit diesem Trick startet die zehnteilige Serie im ORF-Kinder-Fernsehen. Mastermind hinter der Serie namens „Demokratino“ ist wie schon erwähnt der bekannte Autor, TV-Format-Erfinder und Ausdenker diverser Erlebniswelten Thomas Brezina. Für die drei Kinder, die durch die Geschichte führen, hat er drei unterschiedliche Rollen geschrieben. Doro (Nora Riedl) fotografiert alles – digital klarerweise. Ihr Kollege Leopold (Matteo Haudeck) schreibt die Notizen auf ein großes Tablet und Niko (Sam Göll) ist der Verträumte, der immer wieder da und dort stehen bleibt, sich Objekte in dem historischen Gebäude genauer anschaut. Und auf einmal etwas von einer bläulich schimmernden Lichtkugel erzählt. Die die anderen – natürlich – nicht sehen, du aber als Zuschauerin oder Zuschauer siehst sie sehr wohl 😉
Plötzlich beginnt’s aus der Kugel zu sprechen – eine animierte Zeichentrickfigur namens Max, die von ihren Kleidungsfarben ein wenig an Pinocchio erinnert -, versucht das Trio zu sich nach „Demokratino“ zu holen. Und so rasen sie wie durch eine Röhren-Rutsche in diese Welt.
Sie müssten dieses – für alle vorerst unbekannte – Land vor dem bösen Diktatos retten…
Einige dafür notwendige Informationen über das Parlament als Sitz der Demokratie in Österreich haben sie schon von den beiden Guides, gespielt von Magdalena Bönisch und Christian Dobler, erfahren. Andere werden sie in „Demokratino“ in den weiteren Folgen ausspielen können – die in Form von Rückblenden auch den Zuschauer:innen vermittelt werden – über Gesetze, Wahlen, politisch Parteien, Regierung, Abgeordnete, Opposition oder Steuern…
Zum eMailigen Interview mit Thomas Brezina über „Demokratino“ geht es hier unten.
KiJuKU: Ging die Initiative zu Demokratino von dir aus oder wurdest du vom Parlament gefragt, dir etwas zum Thema einfallen zu lassen?
Thomas Brezina: Demokratino ist eine Geschichte, die ich schon vor vielen Jahren erfunden habe. Mir geht es darum, das Thema Demokratie auf eine Weise zu schildern und zu erklären, die nicht belehrend ist, sondern Demokratie erlebbar macht
KiJuKU: Wie bist du auf die Idee der „Entführung“ gekommen?
Thomas Brezina: Aus diesem Grund werden die drei Hauptpersonen in die Welt von Demokratino versetzt, wo ein Diktator versucht die Macht an sich zu reißen und sie ihre Erfahrungen von einem Besuch des Parlaments nun in diesem Land umsetzen müssen, damit es eine Demokratie bekommt und nicht Dikataturia wird. Ich freue mich, dass Demokratino jetzt auch auf den Bildschirm kommt.
KiJuKU: Wird ausgehend vom Konzipieren dieser Serie auch etwas in Buch-Form erscheinen?
Thomas Brezina: Dazu habe ich schon vor rund zehn Jahren ein Buch gemacht, es gibt aktuell Überlegungen, dass wir begleitend Demokratino auch in Buchform wieder zurückbringen – aber mehr kann ich dazu noch nicht sagen.
Einschub: Peinlich, gestehe als Journalist von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – und davor eben schon beim Kinder-KURIER – habe ich dies offenkundig versäumt – und auf Nachfrage beim Management erfahren, dass dies auch nicht mehr verfügbar ist ;(
KiJuKU: Das Parlament hat seit mehr als 15 Jahren die Demokratie-Werkstatt – hast du mit diesen Workshops bei der Arbeit an „Demokratino“ Kontakt gehabt, Erfahrungen ausgetauscht?
Thomas Brezina: Die Zusammenarbeit mit dem Parlament war großartig. In der Vergangenheit habe ich persönlich schon mehrere Videos zu verschiedenen Themen für das Informationsbüro auf Social Media gemacht.
KiJuKU: Kommen in den Folgen demokratische Möglichkeiten direkt für Kinder vor – von Klassen- über Schulsprecher:innen, Mitbestimmungsmöglichkeiten in Gemeinden und Städten wie Kinder- und Jugend-Million in Wien …?
Thomas Brezina: In diesem Jahr habe ich die Drehbücher für eine TV-Fassung geschrieben. Im Sommer wurde im Parlament und im Studio gedreht. Derzeit werden die Folgen fertiggestellt, die eine Menge Aufwand an Animation haben, da die Demokratino-Welt gezeichnet ist, die drei Hauptdarsteller aber real. Die TV-Serie soll für alle eine Möglichkeit sein, das Thema Demokratie zu erleben und zu erfassen. Daraus ergeben sich viele Möglichkeiten und ich sehe es als Aufgabe von Schulen etc. darauf aufbauend mit Schülerinnen und Schülern zu erarbeiten, was alles im eigenen Umfeld in die Tat umgesetzt werden kann.
Da das Interview nicht live – weder telefonisch noch online-video-mäßig möglich war, weil der Autor derzeit in London weilt, und dort viel am Schreiben ist, sondern es nur möglich war, Fragen per eMail über das Management zu übermitteln und auf diesem Weg auch die Antworten kamen, konnte hier nicht nachgefragt werden, weil die letzte Antwort auf einen Teil der Frage nicht eingeht – und nicht alle Folgen zur Sichtung vorlagen/ vorliegen, sondern nur die allererste.
Im Folgenden undauch schon weiter oben übrigens einige Links zu Storys über Aktionen und Möglichkeiten, wo Kinder Demokratie wirklich selber (mit-)erleben können.
Erwachsene sollen Kinder nach ihrer Meinung fragen und ernst nehmen. Menschen sollen Natur, Pflanzen und Tiere schützen. Es soll draußen genug Platz für Kinder und sichere Wege geben. – dies sind drei von acht möglichen Themen, die Kinder auf einem eigenen Stimmzettel mit bunten Zeichnungen ankreuzen können. Es finden sich noch Sätze und Bilder zu Schule und lernen, Familie und Freunde, Gesundheit, Spielen und Sport sowie Handy und Computer.
In Österreich dürfen Menschen ab 16 Jahren wählen – das gilt in Europa nur noch in Malta; und für die EU-Parlamentswahlen im Frühjahr wurde das Wahlalter auch in Belgien und Deutschland gesenkt. Viele nicht nur 16-Jährige, sondern auch viel ältere Menschen, die schon laaaaange in Österreich leben, dürfen dennoch nicht wählten, sie haben sozusagen den „falschen“ Pass, einen anderen als den österreichischen.
Wer – unabhängig von der Staatsbürger:innenschaft – nicht wählen darf sind jüngere Menschen. Da sind auch Wünsche und Forderungen von Kindergipfeln und Initiativen wie den „KinderRÄchTsZÄnkern“ (Deutschland), die sich für das Wahlrecht ganz unabhängig vom Alter einsetz(t)en, längst in „Vergessenheit“ geraten. Damals verlangten Kinder immer wieder „alle sollen wählen dürfen“. Und so manch beispielsweise erst 12-Jährige stellten unter Beweis, dass sie sich mindestens so viele Gedanken über ihre und die Zukunft der Gesellschaft mach(t)en wie Menschen, die schon Jah(zehnt)e älter sind.
So wie es die „Pass Egal“-Wahl als zivilgesellschaftliche Initiative gibt, so startete beispielsweise auch SOS Kinderdorf die Aktion „Kinderstimmen-Wahl 2024“.
Auf bunten Stimmzetteln mit Text und Zeichnungen sind acht Felder angeführt, von denen Kinder drei ankreuzen können – siehe Bild – und in einem weiteren Feld ganz anderes dazuschreiben oder -zeichnen können.
Darüber hinaus gibt es auch andere Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche direkt in ihren Gemeinden und Städten mitbestimmen zu können – von Kindergemeinderät:innen bis zur Partizipation an der Wiener Kinder- und Jugendstrategie – siehe Link unten – oder beim Einbringen von Ideen und Abstimmen über Projekte zur Wiener Kinder- und Jugend-Million.
Seit 17 Jahren dürfen in Österreich bei allen Wahlen Jugendliche ab 16 Jahren wählen. Aber nicht alle. Selbst solche, die ihr ganzes Leben – vielleicht mit Ausnahme von Urlauben oder Sprachwochen – in Österreich verbracht haben, dürfen ihre Stimme nicht abgeben, wenn sie nicht die österreichische Staatsbürger:innenschaft haben. Und die ist nicht einfach und auch nicht billig zu kriegen.
Und wer vielleicht mit zwölf, 13 oder 14 und 15 sehr interessiert und engagiert ist, hat gar kein Wahlrecht – was übrigens schon in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts bei Kindergipfeln in Österreich vor allem im steirischen Mürzsteg – gefordert worden ist.
Wo aber Kinder und Jugendliche sehr wohl – unabhängig von Staatszugehörigkeit und Alter – mitbestimmen können / dürfen / sollen ist unter anderem die erneuerte Kinder- und Jugendstrategie 2025 bis 2030 der Stadt bzw. des Bundeslandes Wien. Schon vor fünf Jahren hatten rund 22.500 Kinder und Jugendliche in mehr als 1300 Workshops der Aktion „Werkstatt Junges Wien“ ihre Ideen, Wünsche, Forderungen, Anregungen und Kritiken eingebracht, um die Stadt kinder- und jugendfreundlicher zu gestalten. Am 30. Geburtstag der Kinderrechtskonvention (20. November 2019) hatte die Aktion im großen Festsaal des Wiener Rathauses ihren demokratischen Abschluss gefunden.
Seither fanden als Ergebnisse und Fortsetzungen mehrmals Kinder- und Jugendparlament statt, ebenso konnten junge Menschen aus Wien über die Vergabe von jeweils insgesamt einer Million Euro bestimmen. Ebenfalls ein Ergebnis sind die Wiener Ehrenamtswochen und indirekt auch die Wiener Bildungs-Chancen.
Und nun haben alle Wiener:innen – wie schon erwähnt unabhängig von ihrem Pass – zwischen 5 und 20 Jahren die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen. Bis 18. Oktober 2024 werden über Fragebögen die Meinungen, Ideen, Anregungen und vieles mehr der Kinder und Jugendlichen zu Themen wie Freizeitangeboten, Mobilität, Klima, Sicherheit und vieles mehr erhoben – mehr dazu in der Info-Box.
Die ausgewerteten Fragebögen sind dann in der zweiten Phase bei Kinder- und Jugendparlamenten die Basis für konkrete Wünsche, Forderungen, Anregungen, die in die „Kinder- und Jugendstrategie“ bis 2030 einfließen.
Dabei soll’s aber nicht bleiben – in den Folgejahren verpflichtet sich Politik und Verwaltung, „jährlich mit dem Wiener Kinder- und Jugendparlament konkrete Maßnahmen zu den in der Kinder- und Jugendstrategie formulierten Handlungsfeldern zu erarbeiten“.
Abschluss von Werkstatt junges Wien <- damals noch im Kinder-KURIER
Dass der Job des Müll-Einsammelns und -Trennens neuerdings besser bezahlt wird, sein „nur ein klitzekleiner Mit-Grund“ gewesen, weshalb sich die neunjährige Caro und ihre Freundinnen Bianca und Jolanda (beide 10) für diese Arbeit entschieden hätten. „Wir wollten das machen, weil es der Umwelt hilft“, nennen sie als ersten Beweggrund im kurzen Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „UND“, so ergänzen sie sofort, „weil wir da gemeinsam zu dritte arbeiten können!“
Der fünfte und letzte Tag des diesjährigen einwöchigen Wiener Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ brachte am Nachmittag vor allem viele Events im Arkadenhof – Sport-Turnier, Bewerb der Spiele-Box, Auto-Rennen mit den Tret-Fahrzeugen und vor allem voll überzeugenden Moderator:innen. Hier hätte vielleicht der eine oder andere TV-Sender auf Nachwuchs-Suche gehen sollen! 😉
Wurden tags zuvor höhere Löhne für weniger beliebte Jobs beschlossen, so drehten sich Diskussionen in der Versammlung von Regierung und Abgeordneten aus den Bereichen um neue Regelungen für sehr beliebte Arbeitsstellen (Stylingzone, Bank, Finanzamt, Gasthaus und Shop). Damit hier Arbeitsplätze frei werden, sollte die Höchst-Arbeitszeit der Mitarbeiter:innen auf ¾ Stunde (45 Minuten und damit drei Mal Mindestarbeitszeit) begrenzt werden.
Am letzten Tag gab es die Höchst-Zahl an Kandidat:innen für die Wahl: Acht Parteien traten an. Bürgermeisterin – die damit bis zum Nachmittag des ersten Tages in der Kinderstadt 2025 im Amt ist – wurde Zara von der Partei Kunterbunt. Ihre Stellvertreterin, also Vizebürgermeisterin ist Hannah von der Popcorn-Partei. Alma (alma für die kinderstadt) wurde Finazstadträtin, Leander (Die Lohn Partei) bekleidet die Funktion des Stadtrats für Stadtenwicklung und Bürger:innen-Beteiligung, Lion (YoungChampions) ist für Wirtschaft & Arbeit zuständig, Mia (DGP – Die Gerechte Partei) für Gesundheit, Soziales und Umwelt, Yebai (Hollicent Partei) wurde Stadtrat für Justiz und Konsument:innen-Schutz, Luan (DZDK – Die Zukunft der Kinderstadt) ist für Kultur und Wissenschaft verantwortlich.
Vieles werde im kommenden Jahr „erneuert und verbessert“ sein bei „Rein ins Rathaus“ hörten Kinder beim Stadtplanungsamt. „Aber genauere Informationen gibt es nicht“, schrieb der zehnjährige Adrian Lorenz Koriska für die letzte – dünnere, weil glich am Nachmittag noch erschienene – Ausgabe der Stadt-Zeitung. Die gibt’s natürlich – wie auch schon die vorherigen – beim jeweiligen Artikel ganz am Ende als „Flip-Book“ zum Blättern; ganz unten auf „Inhalt laden“ klicken.
Special-Service: Darunter gibt’s den Link zu einem Sammel-PDF ebenfalls zum Blättern – fast am Ende.
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Zur Zeitung Nr. 5 der Kinderstadt 2024
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Adam (5), Dior (4) und Deni (11) sind die allerersten, die das kreative Kinderprogramm bei den diesjährigen Afrika-Tagen auf der Wiener Donauinsel in Anspruch nehmen. Knapp nachdem die Zugänge zum Jubiläums-Festival – heuer zum 20. Mal – geöffnet sind, beginnen sie mit den beiden Betreuer:innen der Kinderfreunde zu basteln.
Der Fünfjährige füllt vorsichtig Reiskörner in eine – unten natürlich zugeklebte – Kartonröhre zu füllen. Und upcycelt damit das Innere einer Klopapierrollen zu einem Musikinstrument.
Einer seiner Kumpels überzieht eine leere runde Konservendose mit einem zerschnittenen Luftballon – was die wohl einfachste Form einer Trommel wird. Der andere bemalt das Innere und Äußere eines metallenen Deckels, der einmal Gläser verschlossen hat. Als die Farbe trocken ist, spannt er Gummiringerl über den Deckel und befestigt mit Heißklebepistole bemalte Holzspateln auf die Deckel-Außenseite und die dort befindlichen Gummiringerln. Die Innenseite des Deckels ist somit die kleinste, leichteste Gitarre.
Während Farbe trocknet, begeben sich die drei zu einem anderen Tisch, um Memory und anderes zu spielen. Der Jüngste malt dazwischen noch eine papierene Maske an, seine Mutter schneidet Löcher hinein – dort wo die Augen sind, sodass ihr Sohn auch durchschauen kann.
In der Zwischenzeit kommen immer wieder Familien, um zu fragen, wo das Erzähl-Zelt ist. Das befindet sich gleich nebenan. Aber da der Autor und Erzähler eine weite Anreise – aus Linz – hat, öffnet es „aber nur am ersten Tag“ erst ein bissl später 😉
Dafür entschädigt Patrick Addai mit seiner ziemlich unnachahmlichen Art damit, dass er aus seinen Büchern nicht vorliest, sondern über Mimik, Gestik und mit dem ganzen Körper die Hauptfiguren, meist Tiere, richtiggehend lebendig werden lässt. Dazwischen trommelt er, reißt das Publikum zum Aufstehen und mittanzen oder zumindest im Sitzen zum mitfliegen – mit den Armen zu Adlerschwingen erhoben, wenn es um die Geschichte geht, dass ein Adler immer – im Herzen – ein Adler bleibt, auch wenn er im Hühnerhof landet.
Aus seinem jüngsten Buch „Sprich mit mir, Esel“ erzählt er auch noch eine Geschichte – Besprechung des Buches am Ende dieses Beitrages verlinkt.
Die Afrika-Tage bieten natürlich weit mehr als das Kinderprogramm – übrigens in der Nähe der Hauptbühne. Und auf dieser treten Abend für Abend musikalische Größen auf von Mamadou Diabate über Mjalisuso & Karo, Elvis Zjma & the Skypeace Band bis zu Oluchukwu Akusinana.
Und natürlich gibt es Kunsthandwerk bzw. Gewand aus den verschiedensten Ländern und Regionen Afrikas, Kulinarisches sowieso – und natürlich wollen die Afrika-Tage zwanglos und sehr sinnlich Vorurteile abbauen, friedliches Zusammenleben, Toleranz und Respekt (vor-)leben.
Zu einer Buchbesprechung des in der Passage übers Erzählzelt erwähnten Eselbuches geht es hier unten
Vor der Schule Hoefftgasse und dem Abgang zum Jugendzentrum (Wien-Simmering – 11. Bezirk) befindet sich aktuell eine Baustelle. Im Jugendzentrum – wie in den Jahren zuvor eine Werkstatt. Nähmaschinen, Tische mit Stoffen, Farben, Scheren, Nadeln. Ein Kleiderständer mit fertigen Kostümen. Schneiderpuppen mit halbfertigen Gewändern. Von einem Berg mit Stoffen und (halb-)fertigen Objekten schlängelt sich eine Stoff-Schlange bis auf den Boden und zu Füßen eines hellrosa luftigsten Kleides.
Regelmäßige Leser:innen von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… kommt das Ambiente vielleicht aus Reportagen vergangener Jahre einigermaßen bekannt vor. Genau – wie auch schon dem Untertitel zu entnehmen -, Treffpunkt Werkstatt für die rund fünf Dutzend besten von 2300 Mode-Entwürfen von Kindern und Jugendlichen.
Phase 2 von „Kids in Fashion“ – in diesem Jahr übrigens zum 30. Mal – und daher findet die Gala, bei der jugendliche Models die kreativen Kleidungsstücke am Laufsteg vorführen, wieder einmal im Wiener Rathaus statt – in diesem Fall im Arkadenhof (5. Oktober 2024 – Details siehe Infobox am Ende des Beitrages).
KiJuKU darf den Schneider:innen aber nicht nur auf die Finger, Nähmaschinen, Scheren und so weiter schauen und mit ihnen reden. Zu dem Reportagenbesuch kommt auch eine Preisträgerin. Elida Çulhacı kommt – und wird überrascht. Leo Oswald, der Erfinder und künstlerischer Leiter dieses größten Modedesign-Nachwuchs-Bewerbs, wahrscheinlich nicht nur Österreichs, setzt der 12-Jährigen einen silbernen Haarreifen mit großem glitzernden Stern auf den Kopf.
Einen solchen hat sie dem Model auf ihrer Zeichnung ins Haar gezeichnet. Und flugs ziehen die Werkstätten-Leiterinnen – Verena Draxler und Nina Mittendrein – vom Kleiderständer auch schon das bereits genähte Kleid nach dem Entwurf der jungen Modeschöpferin aus der Reihe jener schon fertigen Gewänder auf dem Kleiderständer.
Auf dem dunklen Stoff finden sich kleine und größere runde, ovale aufgenähte Objekte, eine Art Bommel in verschiedenen Größen und Farben. Und dies entspricht ziemlich genau dem Entwurf.
„Im Jugendzentrum (einem anderen, dem Si:Ju, aber auch im selben Bezirk) hab ich mir Farben und Material geholt, zurechtgelegt und dann zu zeichnen und kleben angefangen“, schildert Elida Çulhacı dem Journalisten. „Ich hab auch noch zwei andere Entwürfe eingeschickt, aber dieser hat mir schon am besten gefallen.“ Eigentlich hätte sie, so erzählt sie später im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr aber auch den Schneiderinnen, „gern noch Teddybären-Schuhe für dieses Kleid gehabt, aber ich hab nicht gewusst, wie ich die zeichnen soll“.
Und, so verrät sie, „ich zeichne auch zu Hause und schon lange immer wieder Models mit eigenen Mode-Designs“. Ob sie dann nicht auch – wie sowohl die Werkstätten-Leiterinnen oder die Praktikant:innen – nach der vierten Klasse in eine Modeschule wechseln möchte, will KiJuKU wissen. Und schon beginnt sie die Fachleute zu fragen, wie denn die Schule sei, was sie da alles können müsse…
Nina Mittendrein, eine der beiden Werkstätten-Leiterinnen in diesem Jahr, hat in Graz in der Modeschule auf dem Ortweinplatz maturiert und vor wenigen Wochen die Bühnen-Kostüm-Meisterklasse in der Wiener Herbststraße absolviert. „Das war richtig magisch, ich hab nicht nur neue Techniken gelernt, sondern auch eine neue Perspektive auf Material-Wahl und überhaupt aufs Nähen gewonnen“, strahlt sie richtig, als sie das dem Reporter erzählt. Und vertraut Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auch an, dass sie schon mit ihrer Klasse in der Mittelschule Zeichnungen für Kids in Fashion eingeschickt hatte. „Wir haben zwar nichts gewonnen, aber es war für uns schon eine große Sache, Entwürfe zu einem Bewerb nach Wien einschicken zu können.“
Ihre Kollegin als Leiterin – die sind dafür zuständig, dass die Zeichnungen und das möglichst originaltreu und das noch dazu tragbar verwirklicht werden – ist Verena Draxler. Sie hat das Kolleg in der Modeschule Herbststraße abgeschlossen – und nebenbei noch geringfügig als Ankleiderin in der Volksoper gearbeitet. . Im Vorjahr war sie schon als Praktikantin in der Kids-in-Fashion-Werkstatt an der Umsetzung beteiligt. Sie näht gerade mit einer der Maschinen Teile für ein luftig-lockeres pinkfarbenes Tüll-Kleid. Dutzende Längsnähte gilt es in diesen so rutschigen Stoff zu nähen – auch wenn’s mühsam ist – das Kleid soll ja dem Entwurf entsprechen. Übrigens, neues Wort gelernt: Biesen heißen in der Fachsprache diese vielen Nähte, die fast unzählige lange, kleine Säumchen ergeben.
Das sei aber noch gar nichts gegen – beginnen die beiden Leiterinnen und dazu noch von drei Praktikant:innen – und holen ein dunkelrotes Kleid mit schier unzähligen aufgenähten Stoff-Rosen hervor. „Das wird was ganz Spezielles, für eine special Guest, wir dürfen aber noch nicht verraten, wer das sein wird. Das soll eine Überraschung bei der Show werden!“
Jedenfalls haben – so berichten die drei – mehrere an den Rosen und diese auf das Kleid genäht. Ein paar hätten sie, gestehen sie, unten in Richtung Saum auch angeklebt. Und, so verraten sie ebenfalls, es hätten noch mehr Rosen werden sollen, aber erstens sei der Stoff ausgegangen und zweitens ist das Kleid so schon ziemlich schwer. Und immerhin muss ja jemand damit auch über den Laufsteg gehen können.
Die schon kurz erwähnte Praktikantin, Amelie Ullrich, besucht nun – nach der Matura an der Grafischen – das Kolleg an der Modeschule Herbststraße. „Da müssen wir 160 Stunden Pflichtpraktikum machen – und das mach ich jetzt eben hier, ich wollt immer schon was Kreatives machen. Als Kind hab ich mein Taschengeld gespart, weil ich später ein eigenes Modelabel gründen wollte“, erzählt sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
Im Nebenraum sitzen zwei weitere Jugendliche von der Herbststraße. Sie malen Linien auf blaue Stoff-Quadrate. Auf einigen dieser Jeans-blauen Stoff-Quadrate klebt dünner, feiner, gitterartiger Stoff. Vanessa und Adrian bringen dem Journalisten noch einen weiteren Begriff bei: „Hexenspucke“. Eine spezielle Schicht auf diesem Stoff, auch Viledon benannt, haftet nach dem Bügeln auf einem anderen Stoff.
Dass Kleider Leute machen wie es der Schweizer Schriftsteller Gottfried Keller in einer Novelle vor 150 Jahren geschrieben hat, ist zwar nicht fein, eine Sache von Vorurteilen – und dennoch kommt es viel zu oft immer wieder vor. Da helfen auch die vielen kreativen Outfits, die sich Kinder und Jugendliche für Kids in Fashion einfallen lassen, nicht so viel wie es wünschenswert wäre.
Dem Thema widmet sich eine Performance im Theaterhaus für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier, dem Dschungel Wien, zur Saison-Eröffnung (21. bis 24. September 2024 – Details siehe Info-Box).
„Who cares what you wear?“ („Wen interessiert was du trägst?“) will die Zusammenhänge von Kreativität, Mode, gesellschaftlichem Wandel und gerechter Nachhaltigkeit sichtbar machen, wie es in der Ankündigung der Koproduktion mit der Austrian Fashion Association – basierend auf einer Idee und in Zusammenarbeit mit Fashionclash und Mayke Roels (Niederlande) heißt. Begleitend sollen auch Workshops mit Mode-Designer:innen stattfinden.
Ob da eventuell auch einige der (sehr) jungen kreativen Designer:innen von Kids in Fashion angefragt werden? KiJuKU hat dies jedenfalls beim Dschungel angeregt…
Nach der vielumjubelten Aufführung von „Beograd – Beč“ (Belgrad – Wien) beim Wiener Kultursommer im Mortara Park (Brigittenau; 20. Bezirk) musste Marko Dimitrijević zunächst einmal für viele Selfies mit Fans vor der und rund um die Bühne posieren. Dann aber konnte er sich doch Zeit nehmen für ein Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Übrigens nicht zum ersten Mal. Vor zwei Jahren – im Sommer 2022 – spielte, sang und tanzte er im teatro-Musical „Schneewittchen“ im Stadttheater Mödling sowohl den Jäger als auch den Prinzen (Link zum damaligen Interview am Ende dieses Beitrages).
KiJuKU: Wie war das bei der Anfrage der Regisseurin vor rund einer Woche, so eine große Rolle kurzfristig zu übernehmen?
Marko Dimitrijević: Es war eine sehr große Herausforderung. Ich hab mir sehr viel Mühe gegeben.
KiJuKU: Aber haben Sie sofort zugesagt oder zunächst einmal tief geschluckt und gefragt, wie soll das gehen?
Marko Dimitrijević: Ich glaub, ich hab insgesamt ungefähr zehn Minuten darüber nachgedacht. Dann hab ich zurückgerufen und gesagt: Ich mach’s! Ich versuch’s! Ich hab so etwas bisher in meinem Leben noch nie gemacht – ich mein auf Serbisch zu spielen. Das kann ich lang nicht so gut wie Deutsch. Aber: Wieso nicht?!
Eine Herausforderung kann nicht schaden. Ich wollt’s unbedingt probieren.
KiJuKU: Und wie ging das dann, dass Sie so schnell den Text gelernt haben – ist ja doch ziemlich viel?
Marko Dimitrijević: Ich hab mir das Video von der Aufführung im Ateliertheater angeschaut – mehrmals. Immer ganz genau aufgepasst und hingehört und zugeschaut, wie der Schauspieler (Dorijan Bakoš-Dodek) sich bewegt, was er beim Sprechen macht und die Regisseurin gefragt, was sie noch von mir sehen will in dieser Rolle des Đorđe.
Ich hab wirklich Tag und Nacht gelernt. Aufgestanden, gegessen, hab gelernt, war Duschen, hab wieder gelernt…
KiJuKU: Lernen Sie grundsätzlich so schnell – auch in der Schule?
Marko Dimitrijević: Wenn ich was lernen will, dann schaff ich’s. Ich bin okay in der Schule. Aber ich will wirklich Künstler – Schauspieler oder Sänger werden. Ich will auf der Bühne stehen können und Menschen Spaß bereiten.
Eigentlich lern ich wirklich nur schnell, wenn ich was lernen will.
KiJuKU: Sie sind 16 und kommen jetzt in die 7. Klasse, oder?
Marko Dimitrijević: Ja, ich geh in die Hegelgasse, in den Polyästhetik-Zweig, wo wir jetzt auch in der 7. Klasse ein großes Theaterprojekt machen. Aber bei der Projektwoche in der letzten Schulwoche, wo schon damit angefangen wurde, war ich nicht dabei. Ich will ehrlich sein, ich war da Vorsprechen bei der MUK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) – ich war der Jüngste und bin von 300 Menschen immerhin in die zweite Runde gekommen, in die es nur 69 geschafft haben. Das ist schon ein großer Erfolg. Leider konnte ich deswegen nicht auf die Projektwoche mitkommen.
KiJuKU: Zurück zu diesem Stück, wie hat Ihnen die Rolle des Đorđe in „Beograd – Beč“ zugesagt?
Marko Dimitrijević: Der Charakter des Đorđe ist nicht so weit weg von mir – er ist nach Wien gekommen, um seinen Traum zu verwirklichen. Ich hab auch ein künstlerisches Ziel vor mir. Und deswegen hatte ich auf der Bühne auch so ein gutes Gefühl, ich war so locker. Und das, obwohl ich jetzt zum ersten Mal auf Serbisch gespielt habe – ein bisschen mit österreichischem Akzent, diese sch, dsch, tsch-Laute, die kann ich nicht so gut. Aber, ich darf im Oktober noch einmal ein anderes Stück auf BKS spielen.
Tanzende Bilder? Oder wollen einfach die „gemalten“ lebendigen Menschen raus aus ihrem Rahmen? Vielleicht auch „nur“ die Aufmerksamkeit der feinen Dame erregen, die dann in die Galerie stolziert? Und ist der Rahmen, den sie auf dem Boden findet, nicht zu klein für ihre große Persönlichkeit?
Mit „Galerie der Träume“ gastierte eine Kooperation aus der Gruppe Lemour (Miriam und Sarah Kerneza, Ben Petermichl) und dem Solo-Jonglage-Clown Marijan Raunikar beim Wiener Kultursommer – und ist mit diesem Programm diese Woche noch beim Kultursommer in Wr. Neustadt (Niederösterreich, wenige Minuten vom Bahnhof entfernt – siehe Info-Block) zu erleben.
Ganz ohne Wort kommen die vier Künstler:innen aus – erzählen mit ihren, teils akrobatischen, Bewegungen kunstvolle, verträumte, poetische Geschichten. In die können die Zuschauer:innen jeden Alters durchaus Unterschiedliches hinein-interpretieren oder aus ihnen herauslesen. So ziemlich alles ist möglich.
Da steigen die einen und anderen aus Rahmen heraus, in andere hinein oder hindurch. Neben ihren Körpern und deren Bewegungen erzählen sie viel aber auch mit ihren Augen – diese Blicke! Dieses lautlose Brüllen!
Neben den Rahmen-Handlungen, dreht sich eine lange Szene auch um – ebenso wortlose – Missverständnisse und Streitereien des Trios Lemour (ein Mischwort aus einem Lemur-Äffchen und dem französischen Wort für Liebe Amour) bei einem gemeinsamen Essen. Auch zu erleben: Über weite Strecken gekonnt ungeschickte Jonglier-Künste Marijan Raunikars, bevor er – wie zu erwarten – natürlich auch fünf Bälle gleichzeitig in der Luft halten kann 😉
Ein vor allem sprachliches Fest der Vielfalt war auh diese 15. Preisverleihung des mehrsprachigen Redebewerbs „Sag’s Multi“. Schon die Moderatorin Ani Gülgün-Mayr, jahrzehntelange ORF-Moderatorin begrüßte vielsprachig. Das ging ihr als Mehrsprachlerin auch leichter über die Lippen als der Wiener Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler, die sich aber immerhin Willkommensgrüße in mehreren Sprachen aufschreiben hatte lassen und sie bemüht ablas.
Die wahren Champions waren natürlich jene sieben Jugendlichen, die stellvertretende für die 168 Finalist:innen und die 35 Preisträger:innen daraus, gekürzte Versionen ihrer Finalreden vom Redepult im großen Festsaal des Wiener Rathauses hielten: Ukrainisch (Dymtro Muliar), Dari (eine der großen Sprachen Afghanistans, Sediqa Saeedi), Italienisch (Miriam Allegra Clari), Mandarin-Chinesisch (Zumin Jost), Brasilianisches Portugiesisch (Ana Maria Haas da Silva), Arabisch (Rawda Al Rawass) und Englisch (als erlernte Sprache, Zara Ağtaş); immer in Kombination mit Deutsch – dies ist eine Bedingung des Bewerbs; ihre Reden sind im schriftlichen Wortlaut auf KiJuKU nachzulesen – unten am Ende des Beitrages verlinkt.
Reden der Sag’s-Multi-Teilnehmer:innen sind meist aber nicht nur eine Art Redeübung, um die Kenntnisse der Sprachen unter Beweis zu stellen, sondern gedankliche und oft auch tief berührende und bewegende Erzählungen, Schilderungen und Statements. Die geben Einblicke in viele Kulturen – in den 15 Jahren des Bewerbs haben immerhin rund 7000 Jugendliche in 91 verschiedenen Sprachen Fenster zu für viele unbekannte Welten geöffnet. Teils mit Erlebnissen, die eigentlich keinem Kind oder Jugendlichen zugemutet werden sollten – Flucht vor lebensbedrohender Verfolgung etwa.
Die Stadt Wien war mit drei Stadträt:innen (neben der schon Genannten noch Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr und der für Wirtschaft zuständige Peter Hanke) ebenso hochrangig vertreten wie der ORF, der den Bewerb seit 2020 hostet – Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz, Stiftungsrats-Vorsitzender Lothar Lockl, Hauptabteilungsleiter Pius Strobl – und Interessensvertretungen (Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderle, Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Carmen Goby, Industriellenvereinigungs-Bereichsleiterin Bildung & Gesellschaft Gudrun Feucht) sowie Unternehmen, die Sag’s Multi sponsern. Sie alle wissen um den Vorteil von Mehrsprachigkeit und sprachen sich auch für diese aus und gegen die oft noch vorhandene Abwertung derselben.
Der ORF habe vor vier Jahren mit der Übernahme des Bewerbs eigentlich erst so richtig gemerkt, dass dem öffentlich-rechtlichen Sender, der immer mit „für alle“ wirbt, die Vielfalt der Gesellschaft doch fehle. Über die eloquenten jugendlichen Redetalente wolle man unter anderem da auch diese Lücken zu schließen versuchen.
Höchstranging auch eine – fast schon traditionelle – sehr wertschätzende Video-Botschaft des Bundespräsidenten Alexander van der Bellen.
Wer fehlt(e): Für Integration zuständige Politiker:innen im Bund ebenso wie jene, die Mehrspachigkeit nicht als Wert schätzen!
Als die Preisverleihung schon zu Ende ging, kündigte die Moderatorin noch eine Überraschung an: Es gab eine der – neu gestalteten – Sag’s-Multi-Trophäe auch für einen Erwachsenen: Den Erfinder des Bewerbs, der auch in diesem Jahr den Vorsitz der Jury führte, alle Reden hörte und federführend jene sieben auswählte, die bei der Gala Kurzfassungen ihrer Finalreden halten konnten; Peter Wesely wird heuer 65, verabschiedet sich in die Pension. Etliche Alumni – vormalige Preisträger:innen – hatten Video-Botschaften aufgenommen, Pius Strobl hielt eine Würdigungsrede und er selbst musste spontan um Worte in einer Dankesrede ringen.
„Lassen Sie uns nicht in die Ignoranz verfallen, wo die Angst vor dem Anderen herrscht. Das 21. Jahrhundert, unser Jahrhundert, wird ein Jahrhundert der Vielfalt sein, oder es wird nicht sein.
Lernen wir, dass uns nichts und niemand fremd ist.“
Ferdinand Tschol, 16 Jahre; Lycée Francais de Vienne mit der erlernten Sprache Arabisch in Kombination mit Deutsch.
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„Ich bin für jeden eine andere Person. Ärgerlich für den einen. Talentiert für den anderen. Ruhig für ein paar. Unbekannt für viele. Aber wer bin ich, für mich? Für mich selbst. Wer definiert, wer ich bin? Ich bin Europäer. Ich bin Weltbürger. Und wissen Sie, was wir zwei gemeinsam haben? Wir sind Menschen, ein wirres Konstrukt aus Gefühlen und Konflikten und diese Menschlichkeit, die kann uns keiner nehmen.“
Alejandro Dario Tomeniuc, 17 Jahre; HTL Spengergasse (Wien), Spanisch (eine seiner Erstsprachen) und Deutsch (erlernt).
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„Wissen Sie, was das Problem mit Zeit ist? Sie fragt nicht, welche Erinnerungen wir behalten wollen oder nicht. Sie fragt nicht, welche Details wir behalten wollen oder nicht. Sie beschließt es selbst und übrig bleibt nur ein Fragment jenes Glücks, das wir einmal verspürt haben. Aus diesem Grund will ich mit meiner Superkraft all jenen, die ihrer Jugendzeit nachtrauern, die Möglichkeit geben, den Geschmack ihrer Jugend erneut zu kosten.“
Arzu Akdemir, 18 Jahre; BRG Ettenreichgasse (Wien) mit Türkisch (Erst-/ Familiensprache und Deutsch.
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„Ich habe keine österreichischen Verwandten, meine Eltern sind ein paar Jahre vor meiner Geburt nach Wien gezogen. Manchmal fühle ich mich wurzellos. Manchmal habe ich das Gefühl, nirgendwo so richtig dazuzugehören. Aber dann tröste ich mich mit Wien. In Wien kenne ich mich aus.
Große Teile des U-Bahnnetzes kenne ich auswendig, freundliche Kellner irritieren mich und im „Motschgern“ bin ich auch nicht schlecht. In Wien geboren und aufgewachsen – born and raised in Vienna. Ich werde immer eine besondere Verbindung zu dieser Stadt haben. Hier sind meine Wurzeln. Ich bin nicht wurzellos. Ich bin eine Wienerin, durch und durch.“
Juliette – Jette – Heritage, 18 Jahre; GRG Franklinstraße in Wien-Floridsdorf mit Englisch (Ersts- /Familiensprache) und Deutsch.
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„Und da fragen Sie sich noch, warum Schüler und Schülerinnen schon mit 14 Jahren oder früher anfangen zu trinken und zu rauchen. Warum Depressionen, Angststörungen und ADHS immer weiter in den Vordergrund rücken. Das sind Kinder! Und diese Kinder werden jetzt schon mit Themen konfrontiert, die gar nicht erst sein sollten.
Es scheint, als ob die Gesellschaft vergisst, dass Kinder und Jugendliche Zeit brauchen, um zu wachsen, sich zu entwickeln und ihre Identität zu finden.“
Noemi (Helena Faye) Märzinger, 18 Jahre; Bildungsanstalt für Elementarpädagogik de la Salle in Wien-Strebersdorf mit Englisch (erlernt) und Deutsch.
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„Jede Sprache ist wichtig, jedes Land ist besonders und alle sind gleich viel wert. Es wird höchste Zeit, dass Schulen die Vielfalt Europas besser abbilden und das Fremdsprachenangebot erweitern. Denn Europa besteht eben nicht nur aus Spanien, Italien und Frankreich, sondern umfasst viele weitere Länder und Sprachen. Durch die Freiheiten, die wir in Europa genießen, wachsen wir zusammen – politisch, aber auch in Wirtschaft, Kultur und Bildung. Die Brücke dafür ist die Sprache.“
Belma Bukva, 17 Jahre; Gymnasium Werndlpark, Steyr (OÖ) mit Bosnisch und Deutsch.
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„Wir sind alle Menschen, egal ob Mann oder Frau. Und daher sollen wir alle gleich behandelt werden und die gleichen Rechte haben – nicht nur auf dem Papier.
Eltern: Achtet darauf was Sie Ihren Kindern beibringen. Denn Sie sind ein Vorbild.
Frauen erinnert euch, dass ihr alles werden könnt. Lasst euch nicht von der Gesellschaft beeinflussen und hinterfragt eure selbstgesetzten Grenzen.“
Maria Anastasia Anghel, 17 Schülerin; HAK (HandelsAkademie) Wiener Neustadt (NÖ) mit Spanisch (erlernt) und Deutsch.
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„Ich habe mich gefragt: Was kann ich, eine in Italien geborene Albanerin, tun, um zu einem positiven Wandel in beiden Ländern beizutragen?
Die Antwort ist einfach: sprechen. Ich bin bereit, über die Herausforderungen zu sprechen, mit denen Frauen in beiden Ländern konfrontiert werden. Ich bin bereit, meine Stimme für diejenigen zu erheben, die vom Schweigen und der Angst unterdrückt werden. Aber seid ihr auch bereit? Seid ihr bereit?“
Marissa Hoxha, 17 Jahre; Liceo Scientifico Evangelista Torricelli in Bozen (Südtirol, Italien) mit Albanisch und Deutsch.
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„Aber Frauen sind so viel mehr, mehr als nur Körper und Schönheit, nicht nur Liebe, sondern auch Talent und Ambition, Kreativität, wir haben wundervolle Köpfe und Herzen. Genau deswegen ist es mein Recht und meine Pflicht, Veränderungen zu verlangen. Ich verlange eine grundlegende Veränderung in unserer Gesellschaft, Veränderungen in der Medizin, Veränderungen in der Politik, Veränderungen in der Sprache, aber vor allem fordere ich eine Veränderung unserer Grundeinstellung.
Es braucht zweifellos eine grundlegende Veränderung in unseren Köpfen.“
Greta Lintner, 17 Jahre; Liceo Scientifico Evangelista Torricelli in Bozen (Südtirol, Italien) mit Italienisch und Deutsch.
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„Meine unmögliche Liebesgeschichte ist die mit der Nacht. Verliebt bin ich in sie. Unerreichbar bleibt sie für mich. Und eins ist mir mittlerweile klar geworden – ich und die Nacht sollen nichts miteinander zu tun haben. Denn ich bin ein Mädchen, eine junge Frau, und das bedeutet, dass die Nacht für mich nicht sicher ist, so sehr ich sie auch lieben mag.“
Sofia Elena Borghesi, 17 Jahre; Liceo Scientifico Evangelista Torricelli in Bozen (Südtirol, Italien) mit Italienisch und Deutsch.
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„Der Wald ist eine Generationensache, er geht uns alle etwas an. Denn in dem Wissen, dass aus einem einzelnen Sprössling, etwas so Mächtiges, Eindrucksvolles und Widerstandsfähiges entspringen kann, finde ich Sicherheit und finde ich Hoffnung.
Liebe Mitbewohner dieses Planeten! Bedenkt, dass alle heutigen Handlungen der Menschheit nicht morgen, auch nicht übermorgen, sondern erst in zwei bis drei Generationen wirksam werden.“
Katja Kronberger, 17 Jahre; BORG Deutschlandsberg (Steiermark heuer) mit Englisch und Deutsch.
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„Wir denken so weit, manchmal über das Ziel hinaus. Aber nicht an das Wesentliche: Unsere vergessene Superkraft namens Verstand. Der Mensch ist blind für das Greifbare. Dennoch ich bin ich der Überzeugung, dass der Verstand des Menschen allein die notwendige Superkraft darstellt, um aus diesem Abgrund hinauszukommen.
Es geht nicht darum, dass es keine Auswege gibt. Keine Lösungsansätze. Wir wollen sie nur nicht annehmen, durch unsere Blindheit nicht sehen. Ignoranz ist bekanntlich eine gute Eigenschaft des Bösen.“
Luisa Muchitsch, 18 Jahre; BORG Deutschlandsberg (Steiermark) mit Englisch und Deutsch.
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„Als Migrantin heißt es, mit meinem Opa durch die Stadt zu fahren und zu sehen das Funkeln in seinen Augen, und zu hören den Stolz in seiner Stimme, während er erzählt welches Gebäude er mitgestaltet hat. Wohin sein Blut und sein Schweiß geflossen sind.
Doch Migrantin zu sein heißt auch auf derselben Straße unsere Tränen fließen zu sehen, denn wir hören die Stimmen, die uns sagen, dass wir hier nicht hingehören. Und da stehen wir, auf der Straße wo hin geflossen sind sein Blut, sein Schweiß und seine Tränen.“
Nil-Zara Agtaş, 20 Jahre; Phoenix Realgymnasium (Wien) mit Englisch (erlernt) und Deutsch.
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„Ich möchte nicht im Herbst, nach dem ich mir die Ergebnisse der Nationalratswahl anschaue, feststellen, dass wir der Leitkultur, der Festung Österreich und dem Öxit näher gerückt sind. Meine persönliche Erfahrung zeigt mir, dass eine multi-kulturelle Gesellschaft eine Bereicherung für Europa ist, nicht eine Bedrohung.“
Fedir Bragar, 17 Jahre; Wiedner Gymnasium / Sir Karl Popper Schule (Wien) mit Russisch (Erstsprache) und Deutsch.
„Meine Identität ist kein Mantel, den man beliebig an- und ablegen kann. Sie ist vielmehr ein Mosaik, zusammengesetzt aus tausend Splittern meiner Erfahrungen und Erinnerungen. Für mich ist es schwierig, diese Identität zu bestimmen. Ich weiß ganz genau, dass ich keine Österreicherin bin und keine werde. Ich weiß aber genauso, dass ich keine 100%ige Syrerin bin und keine werde.“
Rawda Al Rawass, 19 Jahre; GRG10 Laaerberg (Wien) mit Arabisch (Familiensprache) und Deutsch.
„Für eine Zukunft mit weniger Rassismus und Diskriminierung sollte jeder und jede von uns stolz auf seine Kultur sein und diese auch richtig präsentieren, damit jeder merkt wie viel schöner eine vielfältige Gesellschaft eigentlich ist. Ein Regenbogen mit nur einer Farbe wäre doch auch nicht so schön.“
Alwaled Alkoud, 18 Jahre; Bertha-von-Suttner-Schulschiff in Wien-Floridsdorf mit Arabisch (Familiensprache) und Deutsch.
Mein Name ist, meine Pronomen sind sie/ihr, ich habe einen türkischen Migrationshintergrund, meine Muttersprache ist Zaza (kurdisch). Und meine Sexualität, die ist nicht hetero. In dieser Welt ist es oft verwirrend und gruselig für mich, aber wisst ihr wie es sich wirklich anfühlt?
Do you know what it feels like being me in this world. I am afraid as a woman, constantly navigating a landscape where gender-based violence remains pervasive, with one in three women experiencing physical or sexual violence in their lifetime.
I am afraid as a migrant, my heart trembles with uncertainty, knowing that globally, migrants face discrimination in employment, housing, and education, often relegated to the margins of society despite their contributions.
I am afraid as a queer person, the shadows of fear loom large, with over 70 countries criminalizing same-sex relationships, subjecting LGBTQ+ individuals to persecution, imprisonment, and even death simply for being who they are.
Do you know what it feels like being me in Austria
Als Frau heißt es, jahrelang zu kämpfen damit wir Seite an Seite, Hand auf der Brust zusammen singen „Heimat großer Töchter und Söhne“ anstatt nur Söhne, aber jetzt mit anschauen zu müssen wie wir europaweit nicht mehr das Land der Berge, Äcker, Dome sind, sondern das Land der Femizide.
Als Migrantin heißt es, mit meinem Opa durch die Stadt zu fahren und zu sehen das Funkeln in seinen Augen, und zu hören den Stolz in seiner Stimme, während er erzählt welches Gebäude er mitgestaltet hat. Wohin sein Blut und sein Schweiß geflossen sind. Doch Migrantin zu sein heißt auch, auf derselben Straße unsere Tränen fließen zu sehen, weil wir hören die Stimmen, die uns sagen, dass wir hier nicht hingehören. Und da stehen wir, auf der Straße wo hin geflossen sind sein Blut, sein Schweiß und seine Tränen.
Als queere Person heißt es, ganz genau zu wissen, wann und wo ich selbst sein kann. In Österreich, einem Land, das sich oft für Toleranz und Vielfalt feiert, bleibe ich dennoch oft im Schatten der Unsicherheit. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen Offenheit und Zurückhaltung, ich begebe mich auf den schmalen Grad von Angst und Akzeptanz.
But it’s not just me. The challenges I face are merely fragments of a larger narrative where diversity is systematically marginalized and erased. Instead of celebrating our differences as strengths, we live in a society where identities are dismissed, where voices are silenced, and where the vibrant tapestry of humanity is muted to shades of conformity. Our society should be a mosaic of colors, each shade contributing to the richness of our collective experience.
In einer Zeit, in der unsere Vielfalt von einigen als Bedrohung wahrgenommen wird, sollten wir sie als Quelle der Stärke und Inspiration betrachten. Wir sollten die Vielfalt nicht fürchten, wir sollten sie feiern. Wir sollten Vorurteile überwinden, wir sollten uns gegenseitig unterstützen. Wir sollten gemeinsam für eine gerechtere Welt kämpfen, wir sollten niemanden zurücklassen. Niemanden das Gefühl geben Vielfalt sei was Schlechtes.
Um die Zukunft mitzugestalten und sie zu verändern, in eine Welt wo Vielfalt gelebt und gefeiert wird, müssen wir zuerst empört sein.
Jedes Mal, wenn das Wort „schwul“ beleidigend gemeint ist, müssen wir empört sein.
Jedes Mal, wenn wir Rassismus erleben, müssen wir empört sein.
Jede Hand, die erhoben wird, jede Faust die geschlagen wir jeder Tritt der getreten wird, muss mit Empörung begegnet werden.
Wir müssen aufhören diese Sachen als normal anzusehen.
Wo ist die Empörung, wenn Politiker in der Öffentlichkeit zu Schüler:innen sagen können, Wien wäre noch Wien ohne euch.
Wo ist die Empörung, wenn die Regierung nichts unternimmt gegen das Sterben von Frauen, gegen Gewalt an Frauen.
Wo ist die Empörung?
Let us stand together in solidarity for diversity! For within our differences lies our greatest strength. Every background, every culture, every opinion enriches our world. By fostering and respecting diversity, we create a society where every individual has the opportunity to fulfill their potential.
Unsere Vielfalt ist das Schönste, was wir haben, aber auch nur solange wir sie noch haben.
Kämpfen wir zusammen für Vielfalt, Seite an Seite, Hand in Hand.
Seien wir zusammen empört! Wir müssen zusammen empört sein!
Vor zwei Wochen entbrannte eine hitzige Diskussion in meiner Umgebung. Eine Person versuchte, mir ihre Ansicht aufzudrängen, und behauptete mit Nachdruck, dass jede Person, die in Österreich geboren ist, auch eine Österreicherin oder ein Österreicher sei. Sobald man die Staatsbürgerschaft erhält, gehört man ihr zufolge nach Österreich und lässt automatisch seine Wurzeln hinter sich. Da habe ich mir die Frage gestellt: Wer oder was bestimmt über die Zugehörigkeit? Wer bestimmt über meine eigene Zugehörigkeit? Wer gibt jemandem das Recht, die Linien meiner Heimat neu zu zeichnen? Wer gibt jemandem das Recht, meine Wurzeln zu entwurzeln?
أعزائي المستمعين
Sehr geehrtes Publikum!
Meine Identität ist kein Mantel, den man beliebig an- und ablegen kann. Für mich ist es schwierig, diese Identität zu bestimmen. Ich weiß ganz genau, dass ich keine Österreicherin bin und keine werde. Ich weiß aber genauso, dass ich keine 100%ige Syrerin bin und keine werde.
لهذا السبب أجد نفسي بين متناقضات الثقافات والقيم، وكأنني ضائعة بين الأفكار المتضاربة، فأنا مزيجٌ لا يُمكن تصنيفه بسهولة
Ich, Rawda Al Rawass, wie ich gern angesprochen werden würde, ehemalige Schülerin des GRG10 Laaerberg Gymnasium, gehöre zu einer Generation, die es geschafft hat, dazwischen zu sein. Ich gehöre zu einer Generation, die einen kleinen Teil ihres Lebens in ihrem ursprünglichen Heimatland verbringen durfte, um dann hierher zu kommen und sich fremd zu fühlen. Um hierher zu kommen und in erster Linie aufgrund des Namens, meines Namens, nicht akzeptiert und gleich einer Kategorie zugeordnet zu werden. Aufgrund meines Aussehens, meiner Kultur, meiner Sprache, meines Glaubens. Aufgrund meiner Herkunft. Syrien.
من الطبيعي جدا أن نتوقع من بلاد الغرب التقبل التام، فإننا دائما ما نسمع عن تطور الإنسانية عندهم. ومن الطبيعي جدا أيضا ان نشعر
بالصدمة عندما لا نرى شيء من هذه الإنسانية
Ich weiß, dass wir hier nicht für alle willkommen sind. Ich weiß, dass es Syrer gibt, die sich hier unmenschlich verhalten und aufgrund ihres Verhaltens alle in einen Topf geworfen werden. Ich weiß, dass man damit nicht Unrecht hat. Ich weiß aber auch, dass das Bild dieser Bevölkerungsgruppe aufgrund einzelner Menschen nicht verallgemeinert werden darf. Denn: Es gibt die, die sich bemühen und integrieren wollen. Und daher auch die, die gekränkt sind, wenn sie das Gefühl bekommen, hier ungewollt zu sein.
مهما بذل المرء من جهد، مهما فعل، فإنه لا ولن يمكنه ارضاء الجميع. لأن هذا الجهد لا يكاد يرى بالمجهر حتى
Der syrische Flüchtling verspürt enorme Frustration, extreme Traurigkeit und den großen Wunsch, sich wie ein Mensch zu fühlen. Wie ein Mensch, nicht wie ein Flüchtling behandelt zu werden. Wussten Sie, ehrenwerte Zuhörerinnen und Zuhörer, dass der syrische Flüchtling nicht freiwillig in Ihr Land kam? Er würde Sie auf jeden Fall lieber als Tourist besuchen. Der syrische Flüchtling kam zu Ihnen auf der Suche nach Wärme. Nach Wärme, die er im Laufe der Geschichte jedem verliehen hat. Der syrische Flüchtling kommt aus Syrien, aus dem Land, das in der alten syrischen Sprache „Das Land der Sonne“ heißt. Doch leider ist es mittlerweile die Sonne, die ihre Wärme verloren hat.
هؤلاء السوريون اللاجئون.. هم لا يأتون بلدا ويأخذون حقوقها، هم لا يؤذون أهلها ويفسدون فيها، ولو فعلوا لكنت اول من عاداهم، إنما
هم هنا ليبنوا حياتهم من جديد
Stellen Sie sich vor, wie Sie von Ihrem eigenen Land, von Ihrem eigenen Besitz vertrieben werden. Wie Sie mit über 300 anderen Menschen Ihre Reise auf den Fluchtweg durch das Mittelmeer beginnen und zusehen, wie manche ertrinken. Nach vier Tagen kommen Sie endlich an der Küste Italiens an und dürfen im Gefängnis ausruhen. Eingesperrte Minderjährige. Ein bitteres Willkommen, nicht wahr?
هذا هو الموقف الذي لا يمكن أن ينسى، ابتسامة خفيفة وتوجيه إلى السجن ببرودة أعصاب
Die Reise wird fortgesetzt. Nach dem Ankommen im Zielland Österreich folgen die Schwierigkeiten der Integration. Doch was kann man tun? Denkt man an die Rückkehr, begegnen einem weitere Schwierigkeiten und viele Fragen. Wie viel ist dort noch übrig? Werde ich mein Land, meine Verwandten, meine Wohnung, meine Freunde, wiedererkennen? Existieren sie überhaupt noch?
هذا حالي وهذا حال أمثالي.. احلم باليوم الذي يأتي فيه طفل سوري ويسأل أمه: ماذا كان الحرب؟
Verehrtes Publikum: In den letzten Jahren habe ich gelernt, offen zu sein. Mit Menschen zu reden. Sie kennenzulernen, bevor ich sie in einer Schublade einordne. Ich habe gelernt, stark zu sein. Meine Ziele zu verfolgen. Spuren zu hinterlassen. Zu zeigen, wer ich bin.
In einer Woche erhalte ich mein Reifezeugnis. In einer Woche zeige ich, dass ich reif bin. Dass auch syrische Menschen reif sind. Dass sie trotz Schwierigkeiten weiterleben können. Ich habe vor, Pharmazie zu studieren. Ich habe vor, Österreich, dem Land, das uns aufgenommen hat, etwas zurückzugeben.
اشكر كل من استقبلنا من بلاد العالم.. اشكر كل من استضافنا بلطف واشكر كل من شعر بنا وحاول مساعدتنا
Ich erhebe somit meine Stimme für viele Menschen, die diese Möglichkeit nicht haben. Ich erhebe meine Stimme, weil ich nicht mehr schweigen kann. Denn: Worüber man nicht schweigen kann, darüber muss man reden. Die gesamte Menschheit muss begreifen, dass jede Person selbst bestimmen darf, wer sie ist, und nicht das ist, was andere aus ihr machen. Österreich ist eine Vielfalt – keine Einfalt.
شكرا لاستماعكم
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
„Lassen Sie uns nicht in die Ignoranz verfallen, wo die Angst vor dem Anderen herrscht. Das 21. Jahrhundert, unser Jahrhundert, wird ein Jahrhundert der Vielfalt sein, oder es wird nicht sein. Lernen wir, dass uns nichts und niemand fremd ist.“
Diese Sätze stammen aus einer der Reden der 35 Preisträger:innen, die Montag am frühen Nachmittag für die besten der besten mehrsprachigen Reden ausgezeichnet worden sind. Damit wurde der 15. Durchgang von „Sag’s Multi“ feierlich im großen Festsaal des Wiener Rathauses beendet.
Sieben Redner:innen der drei Alterskategorien (7./8., 9./10. sowie 11. bis 13. Schulstufe) durften vor rund 500 Gäst:innen – viele der 168 Finalist:innen, drei Wiener Stadträt:innen, hochrangige Vertreter:innen des ORF (seit 2020 Träger dieses mehrsprachigen Redebewerbs), von Kammern, Interessensvertretungen und Sponsor:innen – gekürzte Versionen ihrer siegreichen Reden nochmals halten.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wird all diese sieben Reden veröffentlichen – beginnend heute mit den beiden aus der jüngsten Gruppe – von Dymtro Muliar und Sediqa Saeedi. Ersterer sprach seine Erstsprache Ukrainisch und verblüffte die Zuhörer:innen vor allem genauso mit seinem gediegenen Deutsch wie seine Kollegin, die Dari, eine der großen Sprachen Afghanistans mitgebracht hatte. Ersterer seit zwei, Zweitere seit drei Jahren in Österreich – beide nicht freiwillig. Krieg im einen bzw. bildungsfeindliche Diktatur im anderen Fall zwangen die damals noch Kinder zur Flucht.
In einem weiteren Beitrag veröffentlichen wir Auszüge aus allen Finalreden der Preisträger:innen (samt übersichtlicher Liste) – heute zunächst ebenfalls aus der jüngsten Kategorie.
Ganze Reden bzw. Auszüge aus den besten der besten Reden der beiden älteren Gruppen folgen in den nächsten Tagen.
Ach, noch schnell die Aufklärung: Das Eingangszitat stammt von Ferdinand Tschol. Der 16-järige Schüler des Lycée Francais de Vienne trat bei Sag’s Multi mit der erlernten Sprache Arabisch an – natürlich in Kombination mit Deutsch (das ist eine der Bedingungen des Redebewerbs vom ersten Jahr an.
Spoiler: Wer alle Reden bzw. die Zitate aus den Reden liest – oder auf ORF.on gar alle 168 Finalreden nachschaut und hört – könnte gut meinen: Dürften diese Jugendlichen nicht nur Reden halten, sondern hätten auch das Sagen im Lande, Vielfalt würde stärker sein als Einfalt, Weltoffenheit Festungsdenken an den Rand drängen…
Ich kann mich noch genau an meinen ersten Schultag in Österreich erinnern. Es war der 12. September 2022 und ich zitterte am ganzen Körper, als ich meine neue Schule, das Europagymnasium Auhof in Linz betrat. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf: Hoffentlich sind alle nett zu mir, hoffentlich finde ich meine Klasse und hoffentlich kann ich alles verstehen. Alles war mir fremd, das Gebäude, die Lehrkräfte, die Mitschüler und Mitschülerinnen und ich dachte mir nur wie verrückt es eigentlich war, dass ich an diesem grauen Montag in der Schule war, da ich genau 2 Wochen zuvor noch in einem anderen Land gelebt hatte.
Meine sehr geehrten Zuhörer und Zuhörerinnen! Senhoras e Senhores! Mein Name ist Ana, ich bin 16 Jahre alt und vor fast 2 Jahren zog ich mit meiner Familie von Brasilien nach Österreich. Ehrlicherweise war der Anfang meines neuen Lebens in Linz schwer, Umzüge sind ja nie leicht. Aber ich hatte einen Vorteil, denn ich bin mehrsprachig.
Senhoras e Senhores, meu nome é Ana, tenho 16 anos e há quase dois anos atrás me mudei de Curitiba, no Brasil, para Linz na Áustria. Após somente duas semanas morando no novo país eu também tive que ir para a minha escola nova. Parece loucura, não? Mas tem um detalhe: Eu falo duas línguas, sou como dizem, multilíngue e eu consegui, mesmo sendo extremamente difícil. Senhoras e Senhores, das ist meine Geschichte und das ist meine Welt, essa é a minha história e esse é o meu mundo.
Meine Welt ist der Treffpunkt von zwei Sprachen: brasilianisches Portugiesisch und Deutsch. Und ich wusste schon immer, dass meine Mehrsprachigkeit meine größte Stärke ist. Seit ich klein bin, fühle ich mich mit zwei Kulturen verbunden, kann mich in zwei Sprachen ausdrücken und, ja, rede natürlich doppelt so viel. Aber ist das nicht wunderbar? Ich sehe unsere Welt, verschiedene Welten von mehrsprachigen Menschen, die sie auch so sehen wie ich. Die auch Hoffnung haben, sie zu einem besseren Ort zu machen, an dem alle, wirklich alle, sich respektieren und zusammenarbeiten. Daher ist es so wichtig Mehrsprachigkeit zu fördern. Fördert man Mehrsprachigkeit, so fördert man auch Toleranz, Respekt und Offenheit gegenüber anderen Menschen. Und eins ist klar: So können wir gemeinsam die Welt verbessern.
Minhas duas línguas, português e alemão se encontram, se misturam, se unem no meu mundo. Sempre soube que o meu multilinguismo era a minha maior qualidade. Cada dia as minhas línguas me fortalecem, me ajudam e enriquecem a minha vida. Foram elas que me ajudaram quando eu me mudei para o outro lado do oceano atlântico. Mas sabem, isso não é só sobre mim, isso é sobre todos nós. O nosso multilinguismo faz do mundo um lugar melhor, onde as pessoas se respeitam e trabalham juntas. Temos que continuar promovendo o nosso multilinguismo. Juntos. Por que somente juntos podemos mudar o mundo. Pouco a pouco.
Aber wie kann ich mir so sicher sein, dass wir es wirklich schaffen werden, die Welt zu verbessern? Weil es schon passiert. Vor 644 Tagen, vor ca. 1 Jahr 9 Monaten war mein erster Schultag in Österreich. Vor 644 Tagen schlug ich zittrig und ahnungslos ein neues Kapitel meines Lebens auf. Ich hatte Angst, Heimweh und fühlte mich unwohl. Und wissen Sie was? Heute, nur 644 Tage später, bin ich hier und halte eine Rede in meinen zwei Sprachen. Heute feiern wir alle die Mehrsprachigkeit. Wir verbessern somit die Welt. Zusammen. Und lasst uns sie weiterhin verbessern! Alle mehrsprachigen Menschen in Österreich, in Brasilien, überall auf der Welt möchte ich bitten, dass wir zusammenhalten. Dass wir uns gegenseitig helfen und zusammenarbeiten. Stehen wir zu unserer Mehrsprachigkeit, zu unseren Wurzeln, zu unseren Farben, zu unserer Welt. Von unseren Eltern, Lehrern und Lehrerinnen wünsche ich mir, dass ihr unsere Mehrsprachigkeit weiterhin fördert. Unsere Zukunft gehört uns. O nosso futuro está em nossas mãos. Und ich glaube an uns. Eu acredito em nós. An unsere Zusammenarbeit. An unsere Zukunft. An unsere größte Stärke, o nosso Multilinguismo, unsere Mehrsprachigkeit. Muito obrigada! Vielen Dank!
Sehr geehrte Jury, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Freunde der Mehrsprachigkeit!
Gestern ist in China ein Sack Reis umgefallen. Interessiert Sie nicht? Mich auch nicht. War ja nicht mein Sack. Und vor allem ist China echt viel zu weit weg, muss einen also nicht interessieren, oder? Mir gibt an der Sache eher zu denken, dass wir China in diesem Sprichwort einfach so als Inbegriff für etwas maximal Irrelevantes benutzen. In China leben 1,4 Milliarden Menschen, aus keinem Land der Welt importieren wir in der EU mehr Waren als aus China. Und außerdem komme ich zur Hälfte da her, habe fünf Jahre lang dort gelebt und natürlich spreche, denke und träume ich immer wieder gerne auf Chinesisch, auch heute, hier, vor Euch!
中国和欧洲之间相距万里,似乎毫不相关。但是真的是这样吗?中国有14亿人口,是欧盟最大的进口国。就我自己来说,我是半个中国人,在中国生活了五年,我说中文,用中文思考。今天,我也用中文演讲。
Ich freue mich immer sehr darauf, jedes Jahr ein paar Wochen in China zu verbringen, meine Verwandten zu treffen, das leckere Essen zu genießen und zu sehen, wie schnell sich dort die Welt verändert. In Europa gewinnt man aber oft den Eindruck, China sei die Hölle auf Erden. Wir hören und lesen von Umweltverschmutzung, der aggressiven Außenpolitik, einer katastrophalen Menschenrechtslage und so weiter… Manches stimmt natürlich schon und ich spüre auch, wie in China zum Beispiel die Regierung versucht, alles und alle zu kontrollieren, wenn ich nicht einmal meine eigenen Mails ohne VPN-Software abrufen kann. Doch immer wieder spüre ich selbst hier in Europa Augen auf mir, die fragen wollen „Wie könnt Ihr Chinesen nur so schlimm sein?“
可是,在欧洲,人们对中国的印象往往很差:环境污染、外交强硬、人权问题等等……我总感觉有人瞪着我,问:“你们中国人怎么这样?“
Ich weiß, dass in China vieles schief läuft, gleichzeitig möchte ich manchmal einfach schreien: „Ich bin nicht 1,4 Milliarden Chinesen, ich bin nicht die chinesische Regierung. Steckt mich nicht immer in einen Sack! Ich bin nicht für alles verantwortlich!“
我知道中国有很多问题,但同时我真想大喊一声:“我不代表14亿中国人,我不是中国政府,我不需要负责!“
Eigentlich fühle ich mich aber doch in gewisser Weise verantwortlich. Ich sehe, dass es zwischen meinen beiden Welten immer mehr Probleme gibt. Je länger ich von beiden Seiten auf diese Probleme schaue, desto mehr wird mir klar, wie kompliziert sie sind und wie schwierig es ist, sie zu lösen. Ein Grund dafür ist, dass die Menschen, die die Entscheidungen treffen, in ganz unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen sind und ganz selten in den gleichen Sprachen sprechen, denken und träumen.
但是,我觉得自己有责任。我可以看到,在我的两个世界之间存在着越来越多的问题,原因之一是这两个世界的人不能用相同的语言说话、思考和构想未来。
Ihr alle, die Ihr auch mit jedem Bein in je einer Welt steht, kennt das gut. Diese Probleme gibt es natürlich nicht nur zwischen Europa und China. Überall auf der Welt, oftmals sogar zwischen ganz nahen beieinander liegenden Ländern, lässt sich keine gemeinsame Sprache mehr finden und es funktioniert nur noch die Sprache der Gewalt und des Hasses! Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten ist das jüngste, erschreckende Beispiel.
这些问题不仅仅存在于欧洲和中国之间,而是在世界各地,甚至在距离很近的国家之间,也常常找不到共同语言,只有暴力和仇恨,中东地区的冲突就是最新的例子。
Wir alle wollen nicht, dass die Welt im Chaos versinkt. Wir alle wissen, dass die Menschheit dringende Probleme zu lösen hat, die sie nur gemeinsam lösen kann. Und gerade wir, die wir gewohnt sind, zwischen zwei Kulturen, zwischen zwei Sprachen zu leben, wissen genau, dass in solchen Konflikten keiner gewinnen kann, dass sie auf lange Sicht nur durch Sprache, durch Vermittlung gelöst werden können. Ob es uns gefällt oder nicht: Wir sind die Sprecher, wir sind die Vermittler und wir werden jeden Tag mehr. Die Welt wird jeden Tag kleiner und vernetzter. Kein Ort ist mehr zu weit weg, um uns zu interessieren. Wenn morgen in China ein Sack Reis umfällt, dann rollen uns hier die Reiskörner vor die Füße und wir rutschen auf ihnen aus!
我们都不希望世界变乱。人类的问题只能共同解决。而在两种语言、两种文化之间生活的我们,知道在这种冲突中,没有人会赢,只能依靠语言、依靠调解。而我们是发言人,是调解人,而且我们的人数会越来越多。未来世界会变成什么样子,是我们的责任。
Liebe Mehrsprachler, liebe Wanderer zwischen den Kulturen, macht Euch klar, dass es gerade unsere Verantwortung ist, die Welt von morgen zu gestalten. Wir werden es sein, die die scheinbar Unversöhnlichen miteinander versöhnen, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können. Die Welt wird noch froh sein, dass sie uns hat!
„Unsere Welt von heute ist voller falscher Information, aber wir haben die Macht, das zu überwinden, wenn wir uns nur die Mühe machen, zur Wahrheit zu gelangen. Lasst uns alle gemeinsam die Mühe machen, dass die Wahrheit ans Licht kommt, indem wir selber herausfinden, was wahr oder nicht wahr ist.“
Rupert Grischany, 14 Jahre;BG 8 / Wien-Josefstadt, mit seinen beiden Familiensprachen Englisch und Deutsch.
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„Ich möchte nicht, dass wir auf dem Weg zum technologischen Fortschritt unsere Menschlichkeit, unsere Freundlichkeit, und unser Mitgefühl verlieren. Und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der wir verlernt haben, kritisch zu denken, in der Maschinen anstelle von Menschen denken, in der wir Angst vor unseren eigenen Erfindungen haben.“
Marharyta Zaretska, 13 Jahre; GRG 11, Gottschalkgasse, Wien-Simmering) mit Ukrainisch und Deutsch.
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„Ich beschloss die deutsche Sprache zu erlernen…. und so war ich fit in drei Sprachen: Tigrinya, Englisch und Deutsch. Ich wurde stark, schaffte es zunehmend besser, mich nicht mehr über die rassistischen Äußerungen meines schulischen Umfeldes zu kränken. Klein beigeben, nur weil ich anders aussehe und aus einem anderen Land komme? Nein, das war nun keine Option mehr für mich. … Endlich konnte ich die Merci sein, die ich eigentlich tief in meinem Inneren schon immer war: Mehrsprachig, stark, mutig und lebensfroh.“
Merci Bekuretsion,14 Jahre; Mittelschule 12, Kneippgasse in Klagenfurt/ Kärnten; in zwei ihrer drei Sprachen – Tigrinya (Äthiopien) und Deutsch.
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„Worauf warten Sie? Wir leben nur entweder in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Die Zeit jetzt wird zur Vergangenheit. Und dann werden wir traurig sein. Wir können nicht zurück. Also müssen wir jetzt leben. Gestern war gestern. Morgen ist morgen. Jetzt leben Sie.
Warum rede ich darüber… Vor zwei Monaten ist meine Mutter gestorben. Trotz ihrer Krebserkrankung war sie immer glücklich mit dem Leben. Sie hat mir beigebracht, die kleinen Freuden im Leben wahrzunehmen und vor allem zu schätzen. In meinem Leben habe ich noch nie einen so fröhlichen Menschen getroffen wie sie. …
Ohne die Probleme des Lebens werden wir keine Leichtigkeit und kein Vergnügen erfahren.“
Milana Babii,14 Jahre; Mittelschule St. Peter in Klagenfurt (Kärnten) mit Ukrainisch und Deutsch.
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„Was bedeutet das überhaupt Menschenrechte? Und was sind Menschenplichten? Ich habe dazu mit Freundinnen und MitschülerInnen gesprochen. Zuerst in Österreich: Meine MitschülerInnen haben gesagt: Weiss ich nicht, was das ist? Ich kenne das nicht.
Und dann habe ich meinen Freundinnen in Afghanistan geschrieben. Und die haben das sofort gewusst: Menschenrecht bedeutet, dass wir die gleichen Rechte wie Männer haben, dass wir in Freiheit, in Sicherheit und in Frieden leben dürfen, und dass wir zur Schule gehen dürfen.
Wissen wir und schätzen wir erst dann, was Menschenrechte sind, wenn sie unsnweggenommen werden?“
Sediqa Saeedi, 15 Jahre; MS (Mittelschule) Feuerbachstraße in Wien-Leopoldstadt Dari (Afghanistan) und Deutsch.
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„Um in SICHERHEIT leben zu können, bin ich mit meiner Familie im Jahr 2015 aus Syrien zuerst in die Türkei geflüchtet und ca. 5 Jahre später nach Österreich gekommen. Meine Familie musste mir sehr früh beibringen, wem ich NICHT vertrauen durfte und wo ich nicht in Sicherheit war. Das heißt der Begriff „Sicherheit“ ist für mich immer mit dem Gefühl der „Unsicherheit“ verbunden.
Kriege, politische und wirtschaftliche Missstände, Naturkatastrophen, fehlende Schulbildung und Rassismus nehmen den Kindern ihre Kindheit und ihre Sicherheit.“
Nawar Idlbi, 14 Jahre; MS Junior High School Carlbergergasse in Wien-Liesing mit Türkisch und Deutsch.
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„Menschen werden bewundert und beneidet, wenn sie eine andere Sprache können – wie zum Beispiel Französisch oder Spanisch. Doch wenn es zu meiner Sprache kam, war dies nie so. Niemand würde jemanden bewundern, der Türkisch kann. Es schien mir so, als müsste ich es gar nicht erwähnen dass ich Türkisch kann, wenn mich jemand fragte wie viele Sprachen ich sprach.
Doch, heute habe ich den Wert meiner Sprache erkannt, denn es ist ein Teil von mir. Es ist eine Stärke von mir.“
Zeren-Rukiye Ekinçi, 13 Jahre; Phönix Realgymnasium in Wien-Simmering mit Türkisch und Deutsch.
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„Tradition statt Multikulti? Nein! Unsere neue Tradition wird es sein, multikulturell zu sein, indem wir mehrsprachig sind. Denn ich spreche, wir sprechen, also sind wir. Vor kurzem sagte man in Frankreich im Namen der Meinungsfreiheit: „Je suis Charlie“, „Ich bin Charlie“; also sage ich es, also sagen wir es heute laut und deutlich: „Ich bin Sag’s Multi“, „Je suis Sag’s Multi“. Multikulturell, multilingual, das ist unsere Stärke, unsere Macht.“
Vincent Pellegrini, 13 Jahre; Lycée de Francais de Vienne mit Französisch und Deutsch.
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„Wenn es auf der Straße zu Explosionen und Schüssen kommt und sie zu Hause sind, gehen Sie nicht an die Fenster. Wenn eine Raketengefahr besteht und Sie es nicht bis zum Luftschutzbunker geschafft haben, gehen sie in einen Raum ohne Fenster, so dass zwischen Ihnen und der Straße zwei Wände sind.
Ich möchte, dass alles was sie hören, in Ihrer Fantasie bleibt und nie einen Platz in ihrem wirklichen Leben findet.“
Dmytro Muliar, 13 Jahre; Mittelschule Fels-Grafenwörth in Niederösterreich, mit Ukrainisch und Deutsch.
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„Wir müssen achtsam sein und genau hinsehen! Psychische Probleme, Depressionen, Essstörungen, und, und, und haben nicht nur die anderen: Es gibt unter uns viele Freundinnen und Freunde, die leiden, ohne dass wir es merken. Oft kommt die Erkenntnis, dass etwas nicht stimmt, ganz einfach zu spät. Öffnen wir also unsere Augen und Herzen!“
Lena-Sophie Romirer, 13 Jahre; Mittelschule Ebenfurth (NÖ), wechselte zwischen der erlernten Fremdsprache Englisch und Deutsch.
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„Es ist gut, dass wir Burgenlandkroaten Fernsehen, Radio, Zeitungen und auch den Unterricht in unserer Muttersprache zugestanden bekommen haben, doch leider kam das alles wegen der Assimilation in den 70er- und 80er-Jahren zu spät. Unsere Sprache stirbt also offenbar langsam aus.
Daher appelliere ich an alle Burgenlandkroatinnen und Burgenlandkroaten, die sich ihrer Sprache und ihrer Identität bewusst sind, von ganzem Herzen: Sprecht und bewahrt eure Sprache!
Und das Wichtigste: Seid stolz auf eure Sprache, denn sie ist der größte Reichtum, den euch niemand nehmen kann.“
Lorenz Palatin, 13 Jahre; Zweisprachiges Bundesgymnasiums in Oberwart/Felsöör/Borta – im Burgenland mit Burgenlandkroatisch und Deutsch.
Alphabetisch sortierte übersichtliche Liste dieser Preisträger:innen in der Info-Box unten am Ende.
Sehr geehrte Damen und Herren!
Mein Name ist Dmytro, ich bin 13 Jahre alt. Дуже дякую за ще одну можливість бути почутим.
Ich kam zu Beginn einer umfassenden russischen Invasion im Jahr 2022 von der Hafen-Stadt Odessa nach Österreich.
Jetzt möchte ich Ihnen erzählen, wie es ist, in meiner Heimatstadt zu leben, die unter Beschuss von Raketen und Drohnen steht. Я б не хотів щоб в мене був такий досвід військового часу. Ich habe viel Wissen über den Krieg gewonnen, über Maßnahmen, die unter Beschuss Leben retten können, über das Überleben – dieses Wissen würde ich am liebsten vergessen.
Ich möchte, dass alles, was Sie hören, in Ihrer Fantasie bleibt und nie einen Platz in Ihrem wirklichen Leben findet.
In Odessa waren bereits am Morgen des 24. Februar 2022 die ersten Explosionen von Fliegerbomben und Raketen zu hören. В нашому сонячному, південому місці люди зрозуміли, що прийшла смерть і війна. Я вперше бачив, що мої рідні, мої дорослі – НАЛЯКАНІ. Весь час, як фон, твої думки супроводжує небезпека.
Alle versammelten sich, unser Volk und das Militär stoppten den russischen Angriff 100 km von Odessa entfernt und stoppten die Landung vom Meer aus. Було дуже небезпечно.Meine Mutter und ich kehrten erst im Sommer 2023 nach Odessa zurück, zu meinem Vater. Das Treffen war sehr emotional, da unsere Familie vor dem Krieg glücklich lebte und nie getrennt war!
Doch der Beschuss durch Raketen und Drohnen hörte nicht auf. Jeden Tag liefen wir zur Tiefgarage und saßen dort. Alarme traten 4 bis 5 Mal täglich für 1 bis 2 Stunden auf. Manchmal warteten wir nur auf zusätzliche Informationen darüber, WAS flog und WO wurde angegriffen.
WARUM fragen Sie sich vielleicht? Es ist logisch, sich zu verstecken, wenn Gefahr droht … Dazu gehört Erfahrung,
Der heftigste Beschuss findet meist nachts statt. Aber Sie verstehen, dass es unmöglich ist, JEDE NACHT wach zu bleiben. Der menschliche Körper hat seine Grenzen. Manchmal habe ich tief und fest geschlafen. Mein Vater legte sich neben mich und umarmte mich mit seinem Körper, als würde er mich mit einer Decke zudecken.
Kürzlich ereignete sich in meiner Stadt eine Tragödie – eine russische Drohne stürzte in ein Hochhaus. Als die Toten unter den Trümmern hervorgeholt wurden, lagen die Leichen so, dass die Eltern die Kinder mit ihren Körpern zudeckten. Damals starben 5 Kinder und 16 Erwachsene – normale, friedliche Familien.
Das ist eine schwierige Rede, aber es ist meine Mission, dass möglichst viele Menschen erfahren, wie die Ukrainer jeden Tag leben. In Odessa gibt es Flugabwehrmaßnahmen. Ohne diesen Schutz gäbe es meine Stadt nicht mehr. Es gibt viele Beispiele – als von ehemals blühenden Städten nur noch Ruinen übrig blieben.
Mein Vater bleibt in Odessa und hilft dem Militär, ich lerne online an der Schule in Odessa und sehe jeden Tag Informationen über Gefahren, Unterrichtsausfälle und Videos aus dem Luftschutzbunker der Schule. Die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer. Die Russen bombardieren unsere friedliche Stadt mit Streubomben. Friedliche Menschen sterben, Familien sterben, Kinder sterben.
Diesen Sommer beschlossen meine Eltern, mich nicht mit nach Hause zu nehmen. Ich werde meinen Vater diesen Sommer nicht umarmen können.
Nicht nur für die Fußball-Europameisterschaft der Männer können derzeit Pickerl gesammelt werden. Wiens städtische Büchereien starten mit 17. Juni (2024) den „SommerLeseClub“. In jeder der drei Dutzend Bücherei kannst du dir – wenn du zwischen 6 und 14 Jahren bist – ein Pickerlheft mit dem Titel „Auf der Suche nach dem Mut“ (gestaltet von Esma Bošnjaković) holen.
Um dir ein Pickerlheft holen zu können, brauchst du eine gültige Büchereikarte – die für alle bis 18 Jahre gratis ist. Dann suchst du dir in der Bücherei etwas aus – das muss gar nicht nur Gedrucktes (Bücher, Comics, Zeitschriften) sein, auch eBooks, Hörbücher, Musik, Konsolenspiele, Filme oder Veranstaltungen zählen.
Du gibst deine Meinung ab, wie dir das Ausgesuchte gefallen hat – in einem Bewertungsbogen. Für jede Bewertung kriegst du ein Kuvert mit drei Überraschungspickerl für das Heft.
Am Ende nehmen alle, die bis 14. September eine Bewertung in einer der Büchereien abgegeben haben, an einer Verlosung (kleine Preise, darunter natürlich viele Bücher) teil. Um das Heft leichter zu füllen, finden Tauschbörsen in den Büchereien statt. Gewinnen wirst du sowieso jedenfalls – Spaß beim Lesen, hören, spielen, kleben, vielleicht auch tauschen 😉
Übrigens: Diese Woche – am 19. Juni 2024 – gibt die Jury der jungen Leser*innen ihre Buch-Favoriten bekannt. Das ganze Schuljahr über haben lesefreudige Kinder bzw. Jugendliche in zwei Altersgruppen viele Bücher gelesen, darüber diskutiert und je ein Lieblingsbuch ausgewählt. – Link zu einem Bericht von einem Besuch bei dieser „Literaturbagage“ vor einigen Wochen unten.
buechereien.wien -> SommerLeseClub
Dalina Ugarte an der Geige, Joseph Avial an den Keyboardtasten und Santo Scala am Cello eröffneten als Tocuyito Trio (nach der venezolanischen Geburtsstadt der Geigerin) im Arkadenhof des Wiener Rathauses das Mediengespräch zum diesjährigen Kultursommer. 500 Veranstaltungen mit insgesamt 2000 Künstler:innen auf neun Bühnen bzw. mit dabei auch „Gartenkonzerte“ in den 29 „Häusern zum Leben“, die die Senior:innen-Heime heißen.
Geboren aus der Not der Pandemie – in erster Linie um Künstler:innen doch unter den engen Rahmenbedingungen Auftritte zu ermöglichen – hat der Kultursommer Wien die Corona-Zeit überlebt. Kultur in viele unterschiedlichen Bezirke bringen räumlich nahe und kostenlos – dieses niederschwellige Angebot wird nun zur Dauer-Einrichtung. Nicht mit gerechnet ist da übrigens das kreuz und quer durch Wien auf Plätzen und in Höfen spielende Utopia-Theater (heuer mit Dario Fos „Bezahlt wird nicht“).
Der Kultursommer Wien bespielt dieses Mal neun Bühnen – sechs „alte Bekannte“ und drei neue: Hyblerpark (Simmering; 11. Bezirk), Wilhelmsdorfer Park (Meidling, 12. Bezirk) und Großfeldsiedlung (21. Bezirk). Vor allem in den flächenmäßig großen Bezirken würden immer wieder Standorte gewechselt, hieß es auf Nachfrage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… von Caro Madl, Co-Geschäftsführerin des Wiener Kultursommers.
Das Budget – mittlerweile im regulären des Kultur-Ressorts – beträgt wieder vier Millionen Euro, in manchen Bezirken, sagte die zuständige Stadträtin Kaup-Hasler; manche Bezirke schießen für Zusatzangebote aus ihrem Budget dazu.
Auf dem Stadtplan hinter dem Podium des Mediengesprächs zum Programm des diesjährigen sechswöchigen Veranstaltungsreigens (27. Juni bis 11. August, immer donnerstags bis sonntags) waren deutlich mehr als neun der 14-zackigen gelben Sternderln zu sehen. Weil es nicht nur die neun Bühnen, sondern wie schon eingangs kurz angeführt, zusätzlich „Gartenkonzerte“ bei den Senior:innen-Häusern geben wird – niederschwellig ohne Anreise.
Das Programm – von Theater, Lesungen, Musik unterschiedlichster Genres, Tanz, Performance bis (zeitgenössischem) Zirkus – wurde von der bekannten Rapperin Esra Özmen (EsRap) und Sebastian Berger, Vertreter des zeitgemäßen Zirkusses, im groben Überblick vorgestellt. In allen Genres und Sparten gibt es sowohl Bekanntes bzw. von bekannten Künstler:innen als auch Neues, Experimentelles, Kunst und Kultur von Newcomer:innen. Vielfalt in Ausdrucksformen, Sprachen… ist den künstlerischen Boards der verschiedenen Sparten wichtig – wurde betont.
Neu: Für jede der neuen Bühnen gibt es einen übersichtlichen Programm-Folder.
Pilothaft befragten vier Sozialswissenschahfter:innen – Daniele Karasz, Slađana Adamović und Mark Scherner vom Institut „Search+Shape“ – im Vorjahr knapp mehr als 2000 Besucher:innen der Kultursommer-Bühne Reithofferpark im 15. Bezirk sowie Bewohner:innen des Grätzels. Mehr als die Hälfte (58%) waren extra für den jeweiligen künstlerischen Act zur Bühne gekommen, knapp mehr als vier von zehn (42%) wohnten in der Nähe; 7 Prozent waren zufällig vorbeigekommen und hatten zumindest zeitweilig das Bühnengeschehen verfolgt. Mehr als die Hälfte (54%) gab zudem an, das Programm konsumiert zu haben, weil es kostenlos ist.
In der Zusammenfassung der „Resonanzstudie als Evaluation und Potentialanalyse“ (so der Titel) heißt es: „Unsere Erhebungen zeigen, dass Personen, die sich regelmäßig im Park aufhalten, auch diejenigen sind, die sonst sehr wenig Berührungspunkte mit institutionalisiertem Kulturangebot haben. Fast keine dieser Personen gab an, sonst an Lesungen und zeitgenössischen Zirkusprogrammen teilzunehmen. Gleichzeitig besuchen sie kaum institutionalisierte Bühnenaufführungen, wie Theater, Kabaretts oder auch Konzerte in Wien. Der Kultursommer war für diese Personen einer der ersten Kontaktpunkte mit den angebotenen Formen der Bühnenkunst.“
Im weiteren Verlauf der Studien-Zusammenfassung heißt es allerdings auch, dass „Orte der Kultur in den Interviews nie auf geschlossene Räume beschränkt (waren). Ganz im Gegenteil, erscheint die Zugänglichkeit des Raumes als Schlüsselmerkmal vieler genannter Orte der Kultur. So gaben Bewohner*innen des Stadtteils verhältnismäßig oft an, nicht genug Zeit und Geld für kostenpflichtige kulturelle Veranstaltungen zu haben…
Hierbei spielen die Präferenz für die Muttersprache und die Verfügbarkeit von Kulturprogrammen in verschiedenen Sprachen eine entscheidende Rolle. Viele der befragten, indirekten Besucher*innen bevorzugen Veranstaltungen in ihrer Muttersprache oder zumindest in mehreren Sprachen. Dies unterstreicht, welches Potential darin liegen könnte, stärker auf die kulturelle Vielfalt im Park und im Quartier einzugehen und in unterschiedlichen Sprachen zu kommunizieren.“
Nun ja, zumindest spielt unter anderen das Jugendtheater Stanislavski „Belgrad – Wien; Beograd – Beč“ auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch im Mortarapark (20. Bezirk; 19. Juli), das vor zwei und einem Jahr mit anderen Stücken beim Birdie 15-Festival neben der Stadthalle aufgetreten ist.
Nicht ganz 100 Stunden umfasst das Programm für Kinder – und ihre Begleiter:innen – auf den neun Bühnen – meist Donnerstag bis Sonntag jeweils 10.30 bis 11.30 Uhr, manchmal auch nachmittags. So manches war schon im Vorjahr zu sehen – oder in Indoor-Bühnen, vor allem dem Dschungel Wien (Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier). Und wurde hier auf dieser Website schon besprochen – viele Links hier unten.
Über „Farbenreich“ <- damals noch im Kinder-KURIER
Über „rundum eckig“ <- damals ebenfalls noch im KiKu
Aufs erste wirkt der Titel des Stückes, das im bekannten Café Landtmann neben dem Burgtheater beginnt und in einem kleinen Theater in der Blumauergasse im 2. Wiener Bezirk endet, wie ein Wortspiel. Eines, das Fragezeichen auslöst. „Wir spielen die Spielrein rein“. WTF ist „die Spielrein“?
Und genau darum dreht sich vieles in den Szenen des Inklusiven Theaters Delphin sowohl in jenem Saal im berühmten Kaffeehaus, in dem oft Pressekonferenzen stattfinden, als auch in der Delphin-Homebase. „Die Spielrein“ ist keine fiktive Figur, sondern die Ärztin und Psychoanalytikerin Sabina Naftulowna Spielrein (1885 bis 1942). Geboren im russischen Rostow am Don, als eines von fünf Kindern einer Zahnärztin und eines Kaufmannes, kam sie mit 19 Jahren in die Klinik Burghölzli in Zürich (Schweiz) mit der Diagnose „Hysterie“. Der bis heute bekannteste Arzt dort war Carl Gustav Jung, ein früher Schüler des Wiener Erfinders der Psychoanalyse, Sigmund Freud.
Ein Jahr später schon begann Spielrein in Zürich Medizin zu studieren und promovierte sechs Jahre später mit einer Arbeit über den psychologischen Inhalt eines Falles von Schizophrenie zur Doktorin. Danach verbrachte sie auch einige Monate in Wien und wurde zu den legendären „Mittwochsgesellschaften“ der Wiener Psychoanalytische Vereinigung mit Freud eingeladen und dort erst als zweite Frau aufgenommen. 1923 kehrte sie mit ihrer Tochter in ihre Geburtsstadt, dann schon in der Sowjetunion, zurück, wo einige Jahre später Psychoanalyse verboten wurde, sie dann als Pädagogin und Ärztin arbeitete. Und 1942 im Zuge des Überfalls von Nazi-Deutschland gemeinsam mit Tausenden anderen Jüdinnen und Juden ermordet wurde.
Dennoch ist auch heute ihr Name weitgehend unbekannt. Das wollte Theater Delphin ändern. Bei Diskussionen, welche Stück als nächstes in Angriff genommen werden sollte, war – so die künstlerische Leiterin und Regisseurin dieses Stücks, Gabriele Weber, zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „klar, wir wollen eine starke Frau ins Zentrum stellen. Wir hatten verschiedene Vorschläge, Valentina nannte dann die Spielrein.“
Und diese Valentina Himmelbauer, die mehr über die in Vergessenheit geratene Pionierin in der Psychoanalyse, schrieb dann einen Text fürs Stück und schlüpft auch selber in die Rolle der Sabina Spielrein.
Die Inszenierung ist aber keine einfache Biographie dieser Wissenschafterin, die wichtige Aufsätze zur Kinderpsychologie geschrieben hat, vor allem aber auch zu Sexual- und Todestreib forschte. Das Stück ist einerseits rund um den Kampf um Anerkennung ihrer Arbeit gebaut. So beginnen zuerst vier Männer auf grauen Podesten: Sigmund Freud (Georg Wagner), C. G. Jung (Ante Pavković), Prof. Bleule, Leiter der Klinik Burghölzli (Rigel Flamond) sowie Dr. Otto Gross, ebenfalls ein Psychoanalytiker aus dieser Zeit rund um Burghölzli (Stefan Musil). Gscheit daherreden. Die Spielrein will sich – es soll doch um sie gehen – endlich Platz auf der kleinen Bühne im Landtmann verschaffen. Nix da. Kein Durchkommen. Irgendeine Randfigur soll sie spielen, wird ständig unterbrochen… Tragisch, dass dies – obwohl alle in Kostümen (Sigrid Dreger), die historisch wirken – gar nicht nur so vergangen wirkt!
Selbst Anna Freud (Ivana Veznikova; Anna als Kind wird von Anna Freud als Kind: Sinah Stamberg gespielt und getanzt) wird eher auf die Rolle als Tochter Sigmunds reduziert und der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf Kinderanalyse als „eh kloar, weil Frau…“ abgewertet. Und wenn überhaupt dann herrscht der Tenor „für eine Frau bist eh intelligent…“
Das Stück spiegelt nicht nur diesen damaligen – und heute gar nicht so viel weniger nötigen – Kampf von Frauen um Anerkennung ihrer Leistungen. Die Dynamik des Spiels lebt davon, dass die Schauspieler:innen immer wieder aus ihrer Rolle aussteigen und eben als Theaterleute agieren, die für ein Stück, ja eher sogar für einen Film proben. „Na geh, jetzt stört die schon wieder“, „so kommen wir nicht weiter“, „wir wollen doch auch fertig werden“. Wobei manche wie „halt doch endlich die Klappe“ oder „spar dir den Kommentar“ dann doch wieder gleich für beides gelten könnte. Immer wieder „muss“ die (Film-)Regisseurin im Stück (Bianca Bruckner) mahnen, dass, und wo jetzt weiter geprobt werden müsse.
Dieses Spiel im Spiel ist erst – so verraten Mitwirkende – erst bei den Proben entstanden.
Was vielleicht im Stück dann doch ein wenig zu kurz kommt, sind die Leistungen von Sabina Naftulowna Spielrein. Könnte aber sein, dass – angefixt von dem spannenden, vielschichtigen Spiel auf mehreren Ebenen, Besucher:innen das doch ausführliche Programmheft mit Zitaten aus Spielreins Tagebüchern genau zu lesen, bzw. danach zu suchen und lesen – Link zu einem wikipedia-Artikel, der einen guten Überblick verschafft, unten am Ende des Beitrages.
Was jedenfalls im Klinik-Teil im Theater dezidiert angespielt und -gesprochen wird ist die Legende von der sehr oft verbreiteten Geschichte, dass Spielrein Geliebte von C. G. Jung gewesen sein soll. Dies ist nicht sicher, basiert auf Tagebuch-Aufzeichnungen von engen, vertrauten Kontakten und auf Briefen von Jung mit Freud, in denen ersterer von sexuellen Begehren seiner Patientin schreibt. Aber was ist mit ihm? Als ihr Therapeut hätte er in so einem Fall ja das Autoritätsverhältnis missbraucht…
„Ich wollte schon mit sechs Jahren Spiele-Erfinder werden“, beginnt Kevin Trau seine Leidenschaft zu schildern, die ihn dazu führte, dem jahrzehntelang traditionellen Spielefest im Austria Center Vienna neues Leben einzuhauchen. Es findet am 15. Und 16. Juni 2024 in dem bekannten riesigen Veranstaltungsort statt. Im Zentrum stehen wird gleich im Erdgeschoß die Spielothek, wo 2000 Spiele darauf warten, von den Besucher:innen ausgeborgt und auf 750 Tischen auf dieser und der darüberliegenden Ebene ausprobiert werden können. Eine Ebene darüber findet das eSports-Festival statt. Und vor dem Eingangsbereich des Austria Centers gibt’s ein Open Air Food Festival, wo fahrende Essens-Händler:innen Speisen – wie es heißt zu „familienfreundlichen und fairen Preisen“ anbieten.
Beim Mediengespräch – in einer Gondel des Riesenrads am Eingang des Wiener Praters – wurden unter anderem die Fakten bekannt gegeben. Der neue Veranstalter, der schon genannte Kevin Trau, wurde als nicht Erfinder, blieb aber seiner Leidenschaft treu. Die bekam er vor allem von seinen Großeltern, die immer mit ihm spielten, mit auf den Lebensweg. Später gesellten sich zu Brettspielen Gambeoy und Co. dazu. Er selbst machte eine Ausbildung zum Jugendarbeiter und betreibt seit Jahren die Gaming Lounge Area 52, eine Wochenend-Jugendeinrichtung mit Schwerpunkt Spielen – Brett, Karten und eSports ums Eck vom Floridsdorfer Hallenbad – wenige Gehminuten vom S-/U-Bahnknotenpunkt Floridsdorf entfernt.
Für ihn steht der gemeinsame Spaß am Spielen, das Miteinander im Vordergrund betont er mehrfach und seine Augen leuchten dabei in der Riesenrad-Gondel kaum weniger als würde er wirklich gerade spielen. Natürlich sind auch alle möglichen Vereine und Einrichtungen wie etwa die wienXtra-Spiele-Box mit an Bord beim neuen Spielefest, erwähnt Trau noch.
Mit an Bord vom Waggon mit der Nummer 28 – auch wenn das bewegte Wahrzeichen nur 15 Wagen im Kreis führt – waren doch einige junge Spiele-Erfinder, die in der Enge, aber vor allem nach der Rund-Fahrt, am Boden mit doch mehr Platz ihre Kreationen den Medienleuten präsentierten.
Mit Martin Lenzenhofers „Unterwegs durch Atzgersdorf“ kann dieser seit 1954 zum 23. Wiener Bezirk gehörende Teil erkundet werden. Beim Würfelspiel kannst du auf Adressen landen, an denen es Parks, Schulen oder Unternehmen gibt – und dazugehörige Karten geben dir mehr Informationen dazu an. „Ich wohne schon lange in Atzgersdorf, spiele gern und hab mir gedacht, dann erfinde ich ein Spiel, in dem es um diesen Teil von Liesing geht. Er hat es im Eigenverlag (Red Caps – weil das sein Markenzeichen ist, das er allerdings beim Medientermin nicht aufhatte) herausgebracht. In den lokalen Buchhandlungen und Spielzeuggeschäften ist es erhältlich.
Raphael neben ihm zu ebener Erde unter dem Riesenrad hält eine graue Kartonschachtel in Händen. „Wir haben erst einen Prototyp“, beginnt er zu berichten. Gemeinsam mit Aaron und Thomas hat er sich – alle drei aus Südtirol (Nord-italien) – ein Strategie-Kampfspiel auf einer fiktiven Insel ausgedacht. „Unsere Idee dahinter: Ein Tech-Milliardär lässt seine Nachkommen um sein Erbe kämpfen. Zu Beginn ist das ganze Inselreich das Spielfeld und je länger das Spiel dauert, um so kleiner wird der Bereich, in dem sie einander bekämpfen.“
Simon Allmer hat zwei Kartenspiel-Kartons in Händen. „Futory ist eine Zusammensetzung aus Future und History, also Zukunft und Vergangenheit“, erklärt der Mehrfach-Erfinder. „Es ist ein intergalaktisches Deckbildungs-Kartenspiel. Du ziehst zum Beispiel aus der Zukunft eine Raumschiff-Karte und steckst sie in die Vergangenheit zu archaischen Kreaturen.“
Sein zweites Kartenspiel heißt „Elements“ und „funktioniert so ähnlich wie UNO nur mit anderen Symbolen (kreis, Drei-, Vier-, Sechs-Eck), aber es ist dynamischer, weil du mehr Karten ablegen kannst, und sonst sich noch mehr im Spielverlauf ändern kann.
Als drittes packt Allmer eine hölzerne dreistufige Pyramide samt weißen und braunen Scheiben aus, die an solche aus dem bekannten Dame-Spiel erinnern. Im Prinzip ist es eine Art dreidimensionales Dame-Spiel – mit dem Ziel vier der eigenen sieben Spielsteine auf die oberste Fläche der Pyramide zu bringen. Die Spielsteine sind übrigens aus Tierknochen, womit das gesamte Spiel aus natürlichen Materialien gestaltet ist.
Von Beruf ist sie Gesundheits- und Krankenpflegerin, übt die erlernte Tätigkeit auch in einem Wiener Krankenhaus aus – derzeit Teilzeit, weil der Sohn erst zwei Jahre ist. Als Kind habe sie zwar oft mit den Eltern gespielt, aber später waren Spiele kein Thema mehr für sie. Bis – bis Susanne Trau mit 18 Jahren ihren späteren Ehemann Kevin (genau, da war doch was mit diesem Namen, siehe oben) kennengelernt hat. „Als er mich auf eine Wochenende mit Brettspielen eingeladen hat, war ich anfangs skeptisch“, erzählt sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… bei dem besagten Medien-Event im und rund um das Riesenrad. Aber dann habe sie nicht nur erlebt, wie er im Spiel aufgegangen ist, sondern begeisterte sich selber wieder dafür. Die gemeinsame Tochter ist 13. „Und wir machen gemeinsames Brettspielen immer zu einem richtigem Miteinander-Event mit Snacks und allem Drum und Dran. Das ist jedes Mal – und das sehr oft – eine kleine Familien-Party.“
Vor zwei Jahren kam Susanne Trau dann „auf die Idee, Brettspiele anders zu präsentieren“. Auf ihrem Instagram-Account – smartboardgaming – stellt sie kurz und knackig auf Englisch Spiele vor, wie sie funktionieren, wie lang sie dauern…
Die Stimmen der beiden Solist:innen sind ebenso wie die des Erzählers mit Mikrophonen verstärkt. Die fast 100 Kinder und Jugendlichen im Chor lassen die Luft in der riesigen Halle des Wiener Stephansdoms – ohne Stimmverstärkung – um nichts weniger erzittern. Was da Montagnachmittag zu hören ist, klingt – zumindest für den Journalisten – schon sehr rund und fertig. Noch ist es „nur“ eine Probe von Schul-Chor, Musiker:innen (Violine: Ewa Joanna Skrzypacz, Katharina Hammerl; Viola: Elisabeth Basoff; Bass: Werner Laher; Schlagzeug: Bernhard Welz, Cello: Tristan Feichtner), Solo-Sänger:innen und dem Autor dieser Welt-Uraufführung – „Die Bibel im Reimen“.
Thomas Brezina hat das gleichnamige 360-Seiten-Buch (mit Illustrationen von Pablo Tambuscio vor drei Jahren veröffentlicht; jetzt in der 4. Auflage – Buchbesprechung siehe Link am Ende des Beitrages). Die Musik hat Reinhold Hoffmann komponiert.
Für dieses Konzert hat der bekannte Hundertfach-Autor zentrale Kapitel nochmals neu getextet: Zum einen sind das Erzählpassagen, die er selbst live auf dieser Bühne im vordersten Teil des Domes zwischen Musiker:innen und Chor rezitiert. Außerdem hat er eigene Liedtexte verfasst, die Anetta Klakow und Franky Schirz als Solist:innen abwechselnd singen – im Wechselspiel bzw. gemeinsam mit dem Chor aus Schüler:innen des Sacré Coeur Pressbaum.
Bibel-Geschichten erzählen nicht selten von sehr harten Prüfungen, durchaus Ungerechtigkeiten, die Menschen durchleben, ja leiden müssen. Die fürs Buch – und noch viel mehr für die Konzerte ausgewählten Geschichten und die daraus getexten Liedzeilen Brezinas sind von stark positiver Stimmung und Botschaften sowie Lebensfreude getragen.
„Wenn ich auf mich wütend bin,
bin ich trotzdem lieb zu mir.
Wenn ich auf dich sauer bin,
bin ich trotzdem lieb zu dir.
Hass zerstört / die Liebe heilt,
weshalb si so viel besser ist.
Liebe ist die größte Kraft im Leben.
Liebe macht leicht, so leicht,
man könnte schweben:
Liebe baut Brücken über Gräben.
Liebe wird – probier es aus –
Liebe wird doppelt groß beim Geben.“
Daniela, Danielle und Laurene, drei dieser fast 100 jungen Sänger:innen spendierten eine der Pausen zwischen den Proben, um Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zu berichten: „Wir proben schon seit Beginn dieses Schuljahres, also seit Herbst für diese beiden Konzerte.“ Sie und ihre Kolleg:innen aus dem Oberstufen- und dem Auswahl-Chor haben aber viel öfter unterschiedlichste Auftritte – in der Schule und auch in unterschiedlichsten Orten, sogar international. „Einig von uns waren in Estland, wo Kinder- und Jugend-Chöre aus mehreren Ländern zu einem Festival zusammengekommen sind. In Belgien haben wir in einem Altersheim gesunden. Das machen wir auch hier in Österreich öfter. Und andere waren in Kroatien. Und wir haben auch schon im Goldenen Saal im Musikverein gesungen.“ Aber das hier im Stephansdom sei schon auch was ganz Besonderes – große Halle, gute Akustik und obendrein sind viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung den jungen Sänger:innen gewiss.
Gesangsunterricht und Musikerziehung ist im Musisch-Kreativen Zweig ein wichtiges Fach. „Da haben wir sogar Schularbeiten – zu Theorie, aber auch Hörbeispiele, die wir erkennen müssen – wie auch in einer Fremdsprache“, berichtet das Trio dem Journalisten. Danielle will „auf jeden Fall etwas mit Musik machen, wenn ich erwachsen bin“. Daniela meint darauf angesprochen „vielleicht“ und Lauren: „Das weiß ich noch nicht“ mit einem durchklingenden nicht ausgesprochenen Zwischenton, dass es durchaus sein könnte etwas mit Musik auch beruflich tun zu wollen. Was dieser zweig im Übrigen nicht sei – „leicht, das glauben manche, aber Schularbeiten und Prüfungen sind ganz schön schwer“, verraten die drei noch am Rande.
Apropos am Rande: Bei den Proben ließen Organisator:innen anklingen, dass nach den beiden Konzerten am 16. und 17. Mai (2024; Details in der Info-Box samt Links zu Tickets) im Stephansdom es möglicherweise in einigen Bundesländern solche Konzerte mit dortigen Schul-Chören geben könnte.
Vorwiegend grau gekleidet, Bühne und Saal düster bis dunkel. Schauspieler:innen und Musiker wandern vor drei verschiebbaren, durchscheinenden Elementen kreuz und quer, besprechen, diskutieren, wer wen spielen soll / darf. Wie das mit dem Wolfsgeheul ist. Ob das so kommen soll, dass sich die Zuschauer:innen fürchten oder gar, dass sie bitten, das Heulen zu wiederholen…
Ein etwas ungewöhnlicher Einstieg für das folgende Theaterstück. Natürlich war von Anfang an klar, wer wen spielt, aber so manche Überlegungen bei der Entstehung eines Stückes wurden dabei transparent. Warum sollte nicht auch ein Mann (Roland Schumacher) eine Frau spielen, oder ist die Jugend der Schauspielerin (Ninon Perez) vielleicht sogar ein Hindernis, die junge Hannah zu spielen – weil sie dann weniger spielt als in der Tat noch (fast) ein Mädchen ist?
Das Theater Agora aus der Region der deutschsprachigen Minderheit in Belgien spielte „Hannah Arendt auf der Bühne“ für vor allem Jugendliche des anderntags folgenden Lehrlingsparlaments.
Basis für das Stück war/ist das gleichnamige bebilderte Buch von Marion Muller-Colard (Text, deutschsprachige Übersetzung aus dem französischen Original: Thomas Laugstien) und Clémence Pollet (Illustration) – Buchbesprechung am Ende dieses Absatzes verlinkt.
Am letzten Tag im Leben der kritischen Philosophin und Politikwissenschafterin (4. Dezember 1975 in New York) lassen Buch – und Stück – ein junges Mädchen namens Hannah auftauchen. Im philosophischen Diskurs zwischen den beiden und den Szenen, die sie spielen nachdem sie auf eine Theaterbühne gegangen sind, wird Hanna Arendts (gespielt von Karen Bentfeld) Denken – und Handeln, das ihr genauso wichtig war – sicht- und spürbar – Stück-Idee: Sascha Walters, Text: Ania Michaelis, die auch Regie führte, und Felix Ensslin.
Was das Theaterstück mehr bietet als das Buch ist einerseits das Live-Erlebnis samt wunderbar eingebauter Musik (Wellington Barros), die Teil des Geschehens wird, indem sie Stimmungen und Atmosphären nicht nur unter„malt“, sondern oft auch erst erzeugt. Und andererseits Ergänzungen, die die erzählte/gespielte Geschichte gegenüber dem Buch erweitern. Zunächst einmal fragt das Mädchen Hannah das Selbstverständlichste: Was ist auf der griechischen Agora mit den Frauen und den Kindern, wieso fehlen sie, warum reden und entscheiden nur Männer?
In dem Theaterstück von Agora – nicht in jenem im Buch – werden übrigens in einer Szene alle Spieler:innen zu Wölfen, stülpen sich die entsprechenden Masken (Céline Leuchter, die auch für Szenografie und Live-Technik zuständig ist und zeitweise mitspielt) über die Köpfe. Das könnte als Anspielung an den Gedanken gesehen werden, dass durchaus jede und jeder zur/zum Bösen werden könnte. Auch mit feinem Anzug und sogar vordergründig gesittetem Benehmen können Feinde der Demokratie ins Herz derselben stoßen – insofern auch ein sehr aktuelles Stück.
Als – nach dem Krieg – angeklagte Wölfe bringen sie eine Vielzahl von Ausflüchten, einige mehr als im Buch, alle aber laufen darauf hinaus, „nur“ den Befehlen von oben gehorcht zu haben, eigenständiges Denken oder gar Handeln – keine Spur.
Keine Spur? Erfreulicherweise wird aber auch von Roland Schumacher ein Gegenbeispiel erzählt. Mit den Worten „ich steige hier aus“, schlüpft er aus seiner Rolle und schildert den Fall, dass ein Einwohner in der Gegend, aus der er selber kommt, in der Nazizeit einerseits Mitglied der mit den Nazis verbündeten „heimattreuen Front“ war, aber andererseits ein jüdisches Kind gerettet hat. Ein Beispiel dafür, dass der Sager davon, man hätte nicht anders handeln können, eine Ausrede ist – anderes Handeln war doch möglich – auch wenn es riskant bis lebensgefährlich war.
Mit den genannten und noch vielen weiteren Szenen – nicht zuletzt um/mit dem Kuscheltier-Fuchs – dreht sich Stück (wie Buch) um Hanna Arendts ständige Auseinandersetzung mit Tendenzen und Ausprägungen von autoritären Strukturen, diktatorischer Herrschaft und dem Gegensatz dazu, dem erforderlichen ständigen Kampf um Demokratie, Diskussion. Nicht zuletzt auch mit sich selbst:
Große Hannah: „Ich bin nicht immer meiner Meinung.“
Kleine Hannah: „Aber – du bist doch du!“
Große Hannah: „Ja, und ich bin die geworden, die ich bin.“
Und noch lange nicht am Ende. Auch wenn ihr Leben an diesem 4. Dezember 1975 endete – sie lebt weiter – in ihren Schriften, Gedanken, die von anderen weitergetragen wurden und werden, nicht zuletzt der „kleinen“ Hannah – und dem Palindrom dieses Namens. „Ein Vorname, den man von links nach rechts und von rechts nach links lesen kann. Wenn ihr wieder angekommen seid beim ersten H, könnt ihr wieder anfangen zu lesen bis zum letzten H. Und so weiter, bis ihr nicht mehr wisst, ob nicht das Ende ein neuer Anfang ist.“
Technisch vielleicht der optimale Raum im Parlament, ist er doch fürs Publikum nicht ideal, weil es keine Tribüne gibt und die Zuschauer:innen in den hinteren Reihen manches nicht gut sehen konnten/können. Auch das – und offenbar kam Vorbereitung – sorgten für doch einigermaßen Unruhe. Gebannt und konzentriert wurde es in jener Szene, als neu Wolfs-Herrscher die anderen autoritär zu „Juden!“ erklärten und sie damit sozusagen zum Abschuss freigaben.
Die Bühne war aufgebaut im „Lokal 2“, einem Veranstaltungssaal im Parlament, das nach Elise Richter (1865 – 1943) benannt ist. Sie war die erste Frau, die sich an der Universität Wien zur Uni-Professorin habilitiert hatte. Die Unterstützerin der österreichischen Version der Diktatur (Austrofaschismus) wurde als Jüdin gemeinsam mit ihrer Schwester von den Nazis 1942 ins Ghetto Theresienstadt (eine Form der Nazi-Konzentrationslager) zwangsverschickt, wo sie im Jahr darauf zu Tode kam.
Übrigens: Die Aufführung fand zufällig an jenem Tag statt, an dem bekannt wurde, dass am Vortag die bekannte österreichische Widerstandskämpferin Käthe Sasso (geborene Smudits) im Alter von 98 Jahren gestorben war. Smudits wurde als 16-Jährige von der Gestapo (Geheime StaatsPolizei) der Nazis erstmals gefangen genommen, landete später im Konzentrationslager Ravensbrück und überlebte den „Todesmarsch“ in ein weiteres KZ (Bergen-Belsen) knapp vor Ende der faschistischen Diktatur und des zweiten Weltkrieges. Als Zeitzeugin trat sie unermüdlich in Schulen und Diskussionen mit Jugendlichen auf.
Obst, Gemüse, Pistazien, Süßspeisen, Fleisch, aber auch Blumen, Taschen, Lokale und am äußersten Ende des Marktes auch viele Stände mit Gewand. Das ist bei vielen Märkten so. Der Viktor-Adler-Markt in Wien-Favoriten (10. Bezirk) hat aber auch wie der Brunnenmarkt in Ottakring einen ganz besonderen Stand. Ist es im 16. Bezirk die große zur Brunnenpassage umgebaute Halle, so in Favoriten Stand 129, in dem – auf kleinerem Raum – ebenfalls viel Kultur stattfindet.
Mitte April lud die Initiative „Kulturen in Bewegung“ zu einem der „LaLaLa – Überall Musik!“ Kinderkonzerte für die ganze Familie. Dieses Mal gab’s eine Premiere. Noch nie zuvor waren die drei in Wien lebenden Musikerinnen Rina Kaçinari, Sakîna Têyna und Özlem Bulut gemeinsam aufgetreten. Sie hatten ein rund einstündiges Programm zusammengestellt, bei dem sie immer wieder Kinder zum Mitsingen und -Tanzen animierten. Die sehr junge Zeynep, ein wahres Springinkerl tat dies fast von Anfang an von sich aus – mit den ersten Tönen der Musikerinnen.
Rina Kaçinari am Cello, Özlem Bulut mit Gitarre und manches Mal Cachon sowie Sakîna Têyna mit ihrer umwerfenden Stimme sangen und spielten Lieder aus ihren Herkunftsregionen – Kosovo, Türkei bzw. in der Kurd:innen-Region der Türkei – aber auch Selbst-Komponiertes. Und so erklangen Lieder auf Albanisch, Türkisch und Kurmandscho
Zum Drüberstreuen lud das Trio alle Kinder und ihre erwachsenen Begleitpersonen auch noch zum bekannten deutschsprachigen Gute-Nacht-Lied „La – Le -Lu, nur der Mann im Mond schaut zu…“ ein. Was Noah, der sich bei manchen Liedern das Mikrofon mit seinem Mutter Özlem teilte, zu Beginn zur Bemerkung veranlasste, dass jetzt ja noch gar nicht Abend sei, dann aber doch auch eifrig miteinstimmte.
kultureninbewegung -> lalala-ueberall-musik
„Biloxi Blues“ von Neil Simon über Jungsoldaten, die in den USA auf den Kampfeinsatz im zweiten Weltkrieg vorbereitet werden, im Wiener Theater der Jugend.
Im militärischen Ton herrscht die Stimme des Ausbildners aus dem Off das Publikum an, elektronische Lärmmacher auszuschalten – Zuwiderhandelnde müssten 100 Liegestütze absolvieren. Der erste Gag gelandet. Wiewohl sich das Stück „Biloxi Blues“ fast durchgängig ums Erlernen militärischer Disziplin der neuen Soldaten für den Ernstfall dreht, bleibt in der Inszenierung im großen Haus des Theaters der Jugend (Wien) doch auch hin und wieder Zeit und Raum für Schmunzeln oder Lachen. Insbesondere zu Beginn, als eines der Stockbetten der Kaserne (Bühnenbild: Ulv Jakobsen; Kostüme: Irmgard Kersting) noch vor dem eisernen Vorhang Abteil des Zuges ist, der die neuen Soldaten nach Biloxi im Süden des US-Bundesstaates Mississippi bringt.
Viel öfter aber reißt’s dich in den folgenden zwei Stunden, wenn der Kommandant, Sergeant Toomey (Mathias Kopetzki), die Rekruten anbrüllt, niedermacht, fies und falsch nett die einen gegen die anderen ausspielt, aufhetzt… Doch selbst diese Figur ist im Stück von Neil Simon (Deutsch: Andreas Pegler; Regie: Folke Braband) nicht eindimensional angelegt. Selbst im Einsatz schwer verletzt (halbes Hirn weg), gelingt es ihm, zu vermitteln, dass – so krass es ist und so hart es klingt – im Schützengraben keine Zeit für Nachdenken und Diskussionen bleiben wird. Und diese Soldaten werden – 1943 – vorbereitet für den Einsatz zur Beendigung des zweiten Weltkriegs.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte übrigens schon vor mehr als einem Monat in einer frühen Probenphase der Erarbeitung der ersten beiden Szenen zusehen – Links zur Reportage und vielen Interviews am Ende dieses Beitrages.
Stück, Regie und Besetzung sowie Spiel der Soldaten-Darsteller erlauben unterschiedlichste Charaktere. Vom vordergründigen Loser, dem Hirn des Zimmers und auf seine Art Widerständigsten Arnold Epstein (Ludwig Wendelin Weißenberger) über den immer wieder aus der Soldatenrolle rausschlüpfenden Chronisten, der an seinen Memoiren schreibt (und damit eine Art Alter Ego des bekannten Theaterautors ist), Eugene Morris Jerome (Robin Jentys), den Zurück- und sich Heraushaltenden Don Carney (Christian Dobler), weil er ohnehin schon mehr als genug rassistische Attacken erlebt hat sowie Joseph Wykowski (Clemens Ansorg), der sich immer wieder besonders stark und männlich geben will/muss bis hin zu Roy Selridge (Curdin Caviezel), dem nicht gerade Hellsten der kleinen Truppe, der damit aber mehr Freiraum für sein Handeln hat.
Neben dem Übermaß an Testosteron kommen in diesem Stück zwei Frauen nur in Nebenrollen vor. Im zweiten, kurzen, Teil tauch Sophia Greilhuber als Klosterschülerin beim Ausgang in den Tanzpalast als Daisy Hannigan auf. Zwischen ihr und Eugene Morris Jerome, der so gar nicht tanzen kann und will knistert es vor allem intellektuell – und ein bisschen mehr.
Simone Kabst schlüpft in die Rolle von Rowena, einer Prostituierten, die ihre Dienstleistung den Soldaten verkauft – und in der einzig zu sehenden Begegnung mit dem schüchternen Chronisten humorvoll diesen aus der Reserve lockt.
Eine der spannendsten Szenen spielt sich gegen Ende ab, als der stockbesoffene Sergeant Toomey seinen intellektuell und moralisch haushoch überlegenen Widersacher Arnold Epstein zu einem gefährlichen (Gedanken-)Spiel herausfordert. Da bleibt immer wieder der Atem als Zuschauer fast stocken – doch Details seien hier nicht gespoilert.
Nur so viel – jenseits dieser Szene – immer wieder provozieren Stück und Inszenierung durchaus die innerliche Frage, wie würde ich da selber reagieren – in dieser oder einer anderen Zwangslage. Die so oder anders wohl unter weniger dramatischen Umständen und ohne Uniform, aber dennoch in einem Autoritätsgefälle, nicht so selten sind.
„Trampoline in Parks“ und „mehr Spielstraßen“ dringt es fast in kleinen Chören von Kindern der 2c der Volksschule Vorgartenstraße 42 (Wien-Brigittenau; 20. Bezirk) an die Ohren des fragenden Reporters. Sie sind eine der ersten Klassen, die am vorletzten Tag vor den Osterferien den großen Festsaal im Wiener Rathaus bevölkern. Sie und weitere rund 250 Kinder und Jugendliche sind zum Abschluss des aktuellen Wiener Kinder- und Jugendparlaments gekommen.
In den vergangenen Monaten haben junge Bürgerinnen und Bürger – übrigens, egal welchen Pass sie oder ihre Eltern haben! – Ideen, Vorschläge und Forderungen eingebracht. Wie ihr Leben und das ihrer Altersgenoss:innen (weiter) verbessert werden kann und soll / könnte und sollte. Aus den einzelnen Abteilungen der Stadt Wien kamen Antworten – und die wurden nun von Kindern und Jugendlichen mit Stadt- bzw. Gemeinderät:innen oder Beamt:innen diskutiert.
Die Allerjüngsten kamen übrigens von einer Kindergartengruppe – KiWi Floridusgasse (Floridsdorf; 21. Bezirk). Hier strahlt Nicole, als sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… als sie einen der Wünsche ihrer Gruppe anvertraut: „Wir hätten gern in einem Park eine Rutsche, die bis unter die Erde geht und über eine Treppe kommst du dann wieder rauf.“ „Außerdem hätten wir gern, dass es in Park Hasen gibt für Kinder, die keine Haustiere haben“, und „Karussells und Trampoline“ kommt es von verschiedener Seite. Als eine der begleitenden Elementarpädagoginnen fragt „ihr habt doch noch etwas Wichtiges vorgeschlagen, was viele brauchen könnten?“ schallt aus mehreren Mündern: „Klos!“
Letzteres war übrigens eine häufige Forderung: Klos für alle Parks – und zwar solche, die dann auch regelmäßig gereinigt werden! Ebenso vielfach gefordert: Alles sollte barrierefrei zugänglich sein – müsste es laut Behinderten-Konvention der UNO ohnehin schon längst. Da Parks aber nicht bei jeder Witterung der ideale Aufenthaltsraum sind, an dem nicht konsumiert werden muss, wünschen sich vor allem viele Jugendliche geschlossene, ebenerdige Räume etwa in Bauten von Wiener Wohnen oder Genossenschaften, die kostenlos benutzt werden können.
Mehr öffentliche Sportplätze und vor allem Hilfe für ärmere Menschen sowie ausreichend Informationen über schon bestehende Angebote direkt an die Betroffenen, wünsch(t)en sich die Volksschulkinder der 4d der Waldschule in der Nähe des Lainzer Tiergartens. „Und dass alle Menschen lieb zueinander sind!“
Jugendliche der Mittelschule Brüßlgasse (Ottakring; 16. Bezirk) schlagen eine eigene Jugend-App vor, „in der alle Angebote, die es für Jugendliche gibt, übersichtlich zu finden sind, und wo rasch Hilfe geholt werden kann. Oder wo Rechte, die wir haben, angezeigt werden“, schildern sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „So eine Jugend-App ist in Arbeit, wurde uns geantwortet.“
Eine solche App soll übrigens „in verständlicher Sprache wichtige Infos für Kinder und
Jugendliche auch ohne Profil-Registrierung zugänglich machen, digitale Beteiligung an Abstimmungen und Umfragen ermöglichen, Anreize schaffen, sich zu beteiligen“ und „Kinder und Jugendliche sind bei der Erstellung dabei. Die App informiert über Rechte. Videos statt Texte.“
Eine Runde engagierter Mädchen wünschte sich „mehr Hilfsangebote, zum Beispiel auch Selbstverteidigungskurse für Mädchen“ (Gamze). Oder „mehr Sensibilisierung in Schulen für das Thema Gewalt. Zum Beispiel gibt es in unserer Schule zwar rund 60 Peer-MediatorInnen, davon sind aber nur ungefähr vier bis 5 Burschen“, machte Sabrina aufmerksam. Womit der Handlungsbedarf klar sein müsste. Samantha, Mohadisa, Mia und Beyza ergänzen unter anderem, dass „Mental Health (psychische Gesundheit) ein dringend wichtiges Thema ist, das in Schulen behandelt werden müsste“.
Tara, Elias und Aleksei aus dem Gymnasium Wasagasse (Alsergrund; 9. Bezirk) nennen im Gespräch mit KiJuKU einerseits Digitalisierung und andererseits Integration als ihre wichtigsten Themen, wo viel mehr getan werden müsste. Gerade was Schüler:innen mit Migrations-Biographie betrifft, bräuchte es mehr Ressourcen und fairere Verteilung. Und Rassismus müsste angesprochen werden, hatte zuvor schon Aanab Mohamed, Schulsprecherin des Gymnasiums Geringergasse (Simmering; 11. Bezirk) in der Bildungsrunde eingebracht und berichtet: „Wir haben selber eine Ausstellung dazu erarbeitet.“
Das Kinder- und Jugendparlament ist ein Element, um Wien (noch) kinder- und jugendfreundlicher zu machen – und nicht nur paternalistisch sozusagen von oben Gaben zu verteilen, sondern die Expertise der Betroffenen miteinzubinden. Partizipation ist das Fremdwort dafür, dass – in dem Fall eben Kinder und Jugendliche selbst mitbestimmen. Schon im Jahr vor der Pandemie – ohne natürlich davon zu wissen – haben rund 22.500 Kinder und Jugendliche in Workshops „Werkstadt Junges Wien“ Ideen, Wünsche und Forderungen eingebracht.
Aktuell läuft etwa die Abstimmung über die zweite Runde der Kinder- und Jugendmillion. Die ersten Projekte der ersten Runde wurden /werden derzeit umgesetzt. Das Kinder- und Jugendparlament ist ein weiteres Element dieser Mitbestimmung der jungen und jüngsten Bürger:innen der Stadt – auch schon vor dem Wahlalter (16 Jahre) und vor allem unabhängig von der Staatsbürger:innenschaft.
Und der Prozess dieser Mitbestimmung hat auch bewirkt, dass derzeit die unabhängige Kinder- und Jugendanwaltschaft – gemeinsam mit jungen Menschen – tüftelt, einen Beirat aus 14- bis 21-Jährigen einzurichten und wie dieser zusammengesetzt und arbeiten soll. Motto: „Frag doch eigentlich Jugendliche!“ Das wurde beim Kinder- und Jugendparlament in der Vorwoche bekanntgegeben.
Und dieses Pilotprojekt soll dann auch – nach Rückmeldungen der Stadt-Abteilungen – Vorbild für die Mitbestimmungs-Elemente in der zu entwickelnden Jugend-App sein.
Reportage über eine der Werkstatt-junges-Wien-Workshops <- noch im KiKu
Aus dem Rathauskeller hinauf zu ebener Erd – in die große Volkshalle des Wiener Rathauses – wanderte in diesem Jahr die traditionelle Feier von Newroz, dem kurdischen Neujahr. Kurdischen Klängen von einem Buzuq-Spieler (Langhals-Laute), zu denen spät aber doch einige der Festgäst:innen zu tanzen begannen, verbreiteten Feststimmung. Kopien gemalter Bilder des Künstlers Doğan unter anderem über die Zerstörung der kurdischen Stadt Nusaybin durch türkisches Militär, verbreiteten aber auch die nicht-festlichen Hintergründe von Newroz.
Kurd:innen verknüpften das Neujahrsfest zu Frühlingsbeginn seit ewig mit ihrem Kampf gegen Tyrannen und für ein selbstbestimmtes, gleichberechtigtes Leben in Freiheit.
Der Legende nach soll an diesem Tag im Jahr 612 v. u. Z., also vor 2636 Jahren, ein Schmied namens Kava (Kaveh) sich dem Tyrannen Dehok widersetzt haben. Feuer auf Berggipfeln gaben das Signal zum Aufstand gegen die Willkürherrschaft. Und weil Kurd:innen auch heute noch in den meisten Ländern ihres Siedlungsgebietes (Türkei, Syrien, Irak, Iran, Aserbeidschan…) unterdrückt sind (nur im Irak Autonomie haben), ist für sie auch heute noch Newroz ein Tag des politischen Widerstandes (Anmerkung: dieser Absatz entstammt einem – eigenen – Artikel aus dem Vorjahr, Link unten).
Und so fanden auch die – von der Weltöffentlichkeit kaum beachteten – ständigen Angriffe und Bombardements türkischer Militärs gegen die in demokratischer Selbstverwaltung befreiten Gebiete in Nordsyrien (Rojava), die Inhaftierung demokratisch gewählter Abgeordneter und Bürgermeister:innen in der Türkei, Handshakes westlicher Politiker, auch des Wiener Bürgermeisters mit dem Autokraten Recep Tayyip Erdoğan Eingang in die Reden im Wiener Rathaus – unter anderem von Ewa Dziedzic-Ernst (Menschenrechtssprecherin der Grünen im Nationalrat), Andreas Schieder (EU-Parlamentarier, SPÖ), Walter Baier (Vorsitzender der Europäischen Linken und Spitzenkandidat bei der kommenden EU-Wahl).
„Jin îyan, Azadî“ (Frau – Leben – Freiheit), die Demonstrations-Losung, die nach dem Tod der kurdischen Iranerin Jîna Mahsa Amini weltweit bekannt wurde, war und ist schon jahrzehntelang eine Kampfparole in kurdischen Gebieten, wo auch stets bei Wahlen Frauen und Männer gleichberechtigt als Doppelspitze antreten.
Newroz, Nouruz, Nawriz, Nevruz – in den verschiedenen Regionen und Ländern des kurdisch-persischen Kulturbereichs – feiern rund 300 Millionen Menschen mit Beginn des Frühlings auch ihr neues Jahr.
Re- war die häufigste Vorsilbe für Produkte der Schüler:innen-Firmen bei der internationalen Handelsmesse in einem Wiener Einkaufszentrum am letzten (kalendarischen) Winter-Wochenende. Re- für RE-Cycling, was oft nicht (nur) wiederverwertet, sondern von den Jugendlichen sogar zu höherwertigen Produkten gemacht worden war, also Up-Cycling.
Zwar kein Re- im Titel aber PLANt Be deutet auch schon das Prinzip der Junior Company der Allerjüngsten bei dieser Handelsmesse an. Stavros Papageorgiou, Andreas Christou, Kirill Eni, Christos Loizou, Aris Pitsillides und Petros Loizou aus der Stavros Grundschule in Nikosia (Zypern) sind jeweils elf Jahre jung. Sie begannen vertrocknete Pinien-Nadeln zu sammeln, sie zu waschen, desinfizieren, trocknen, zerkleinerten sie und mischten sie mit einem „Kleber“, den sie selber aus Mehl, Wasser und Essig mischten. Dieses Gemisch füllten sie in Formen und produzierten so Schüsseln, Häferl, Flaschen, Löffel, Behälter mit Deckel. Manche davon bemalten sie mit ökologischen Farben. Die Teile sind somit lebensmittelecht und obendrein wärmedämmend.
Mit ihren Produkten schlugen sie sozusagen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: „Erstens wollten wir was herstellen, das Plastik vermeidet, weil das ein großes Umweltproblem vor allem für die Meere und ihre Tiere ist“, erklären sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Außerdem sind die vielen trockenen Nadeln auf dem Boden und an den Pinien eine große Gefahr für Waldbrände. Wenn wir die einsammeln und nur die frischen Nadeln an den Ästen bleiben, breiten sich bei einem Feuer die Brände nicht so leicht aus.“
Die Jury belohnte übrigens die Bühnen-Präsentation der Jungs aus Nikosia mit dem „Pitch Award“.
Ebenfalls einen Preis mitnehmen durften Jugendliche der Höheren Berufsbildenden LehrAnstalt (HBLA) Ferrarischule in der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck. 17 Schüler:innen schneiderten aus übrig gebliebenen Reststoffen für Markisen und Jalousien Reise-behälter – von der Passhülle über kleine Täschchen, Kulturbeutel in beachtlicher Größe bis zu großen Rucksäcken, die sich leicht in Umhängtaschen verwandeln lassen, wie Dina Elsawaf, Theresa Schlenker und Lena Kraler dem Reporter erklären und teilweise vorführen. Für einen Rucksack, der so konzipiert ist, dass beispielsweise ein Anzug so eingepackt werden kann, dass er nicht zernknittert, brauchen die Jugendlichen im Schnitt schon so sechs bis acht Stunden, schildern die drei Vertreterinnen von „mar.kess“ wie die 17 Jugendlichen ihr Unternehmen nannten.
Dafür bekamen sie den „Alumni-Award, vormaliger Junior-Company-Betreiber:innen.
Ebenfalls Taschen aus Alt- bzw. Wegwerf-Material verkaufen 15 Jugendliche aus dem tschechischen Hradec Králové in ihrer Junior Company „ReBan“. Lucie Fiedlerová, Daniela Kulhanková und Apolena Hejná vertraten ihre Kolleg:innen bei der internationalen Handelsmesse in dem Einkaufszentrum in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus (15. Bezirk). „Wir verwenden alte Werbebanner, aber wir hatten nur die Idee, organisieren alles und verkaufen die Taschen. Wir lassen sie aber herstellen von Menschen mit Behinderung in einer Werkstätte.
Ausgangspunkt für die Gründung des Unternehmens „ReBloom“ von elf Jugendlichen der alternativen Oberstufenschule W@lz (Wien-Penzing; 14. Bezirk) waren einige Mitschüler:innen, die an Wochenenden in Blumengeschäften gearbeitet haben. Und miterleben mussten, wie am Ende des Tages so manche Blumen drohten in den Mist zu wandern. Die Jugendlichen wollten den Pflanzen ein Weiterleben ermöglichen, baten darum, jene Blumen haben zu dürfen, die weggeschmissen worden wären. „Wir haben uns im Internet informiert, was und wie wir damit machen könnten, haben dann beschlossen sie zu trocknen und zu neuen Sträußen für Veranstaltungen zu binden.“ Stellvertretend für ihre Kolleg:innen, die einander am Messetag schichtweise abwechselten, berichten Julius Boesch, Emma Kulnigg und Wenzel Richard den Journalisten die Vorgangsweise. Und auf Nachfrage schildern sie, „dass wir in zwei Stunden so 14 oder 15 solcher üppigen Sträuße schaffen.“
ReBloom wurde mit dem Sustainability Award, also dem Nachhaltigkeitspreis, ausgezeichnet.
Als erstes fiel einigen der Gründer:innen von „Paperi²“ in ihrer Schule, der Chemie-HTL in der Wiener Rosensteingasse auf, „dass Unmengen von Fehldrucken im Chemie-Labor anfallen, Labor- und Experiment-Berichte und so weiter. Also wollten wir irgendwas mit papier-Recycling machen“, schildern Maya Knsut, Ekaterina Mazets, Sophie Willinger und Dorian Jarosch den Ausgangspunkt für diese spezielle Wiederverwertung. „Wir haben aber nicht nur das Altpapier zerschnipselt und mit Wasser vermengt, um es dann handzuschöpfen und zu verschiedenen Formen als Geschenkanhänger zu schneiden. Wir haben auch Blumensamen – Katzengras, Vergissmeinnicht und andere – und Naturdürfte wie Zimt, Zitrone, Rosen oder Lavendel hinzugefügt.“
Dieses Papier wird somit – hochwertig – wiederverwendet. Wenn die Grußkarte, der Geschenkanhänger oder was auch immer nicht mehr erwünscht ist, kann dieses Ding in kleine Futzerl zerrissen, in einem Topf mit Blumenerde geschmissen werden und – genau… Und deshalb fügten die insgesamt zehn Schüler:innen dem Namen ihrer Junior Company einen hochgestellten 2er hinzu – weil gleich noch ein Weiterleben in dem Fall im wahrsten Sinn des Wortes mit dem Altpapier verbunden ist. Und „Paperi“ selber ist das finnische Wort für Papier, und das hatte eine der Beteiligten mit in die Namensfindung eingebracht.
… verwendeten Jugendliche aus einer weiteren Schule in Zypern als Zusatz für Reinigungs-Schwämme – sowohl für Geschirr als auch für menschliche Haut. Bei Letzterer kombinieren wir die – natürlich gereinigten und sterilisierten Eierschalenteile mit einer Aloe Seife und einem naturschwamm“, erklären Aleksandra, Gerasimos und Konstantin für ihre Junior-Company „EGGSclusive“, ein Wortspiel, das in dem Fall nur im Englischen (Egg = Ei) funktioniert 😉
… ein Wortspiel, das in dem Fall im Deutschen eine ganz andere Bedeutung als das Produkt selbst hat, aber jedenfalls mindestens so auffällt wie die Verkleidung eines der Schüler für die Präsentation als wandelnde sozusagen Geh-, und fallweise Steh-Lampe. Acht Jugendliche der schon bei „Re-Bloom“ vorgekommenen alternativen Oberstufenschule W@lz (Wien 14) sammelten alte, formschöne Flaschen aus Bars ebenso wie alte Lampenschirme. Jeweils zwei solcher Teile kombinier(t)en sie, brachten sich vorher bei, wie sie da die Elektrik hineinbringen, wie Laurids Corti und Paul Fellner Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… erklären und zeigen. Und schon bringen Produkte von „Lampen-Fieber“ Licht ins Dunkel.
Verwenden die zuvor genannten Jugendliche ganze Flaschen, um sie als Teil eines Re- bzw. eigentlich Up-Cycling-Produkts einzusetzen, so zerschneiden Dima, Natalia, Krishna, Uliana – sie waren in Wien – und ihre Kolleg:innen im westukrainischen Ternopil fein säuberlich Flaschen. Die unteren Teile mit dem Boden verwenden sie als Gefäße für Kerzen, die sie aus natürlichem Soja-Wachs mit einem dünnen hölzernen Docht befüllen. „Svitochary“ (ukrainisch für Kerzenhalter) nannten sie ihre Junior Company und bewerben ihre Produkte, dass sie Licht ins Dunkel des Lebens bringen, was in ihrem Fall ja noch eine tiefere Bedeutung hat.
Nicht nur, aber viele Flaschen sind das Material für die Produkte von „Reborn Art“. Die wiedergeboren Kunst kommt aus dem italienischen Milano (Mailand) 18 Schüler:innen machten vor allem aus Falschenteilen und Scherben Kunstwerke in Bilderrahmen. „Wir mussten schon vorsichtig arbeiten, aber wir wollten von Anfang an etwas kreatives aus Trash (Mist) gestalten“, gestehen Matteo Maldis, Gian Pablo Andrade, Andrea Merlad und Marco Bassi dem skeptischen Journalisten angesichts der vielleicht doch hohen Verletzungsgefahr.
Weitere Berichte über die Schüler:innen-Firmen bei der kürzlich abgehaltenen internationalen Junior-Companies-Handelsmesse – meist thematisch zusammengefasst – erscheinen in den folgenden Tagen.
Die Revolution – ein Trauerspiel in vorgeblich lustiger Maske. (Traurige) Clowns spielen seit Kurzem im Wiener Burgtheater Georg Büchners „Dantons Tod“ – angereichert um Heiner-Müller-Zitate (Regie Johan Simons). Das Drama des Schriftstellers und Mediziners (1813 bis 1837), der selber wegen revolutionärer Flugblätter aus Deutschland ins französische Straßburg flüchten musste, konzentriert sich auf eine kurze Phase (24. März bis 5. April 1794).
Danton (Nicholas Ofczarek), der an der zum Terror ausgearteten Revolution mit massenhaftem Köpfe-Rollen zweifelt und dies kritisiert, steht auf der Abschussliste seines Gegners Robespierre (Michael Maertens), des „Blut-Messias“. Der sich als der wahre Revolutionär und seinen vormals Verbündeten nun als „Verräter“ sieht. Wobei auch der – das ist nicht mehr Teil von Büchners Drama – dreieinhalb Monate später selbst guillotiniert wird. Eine Ahnung davon spricht Danton jedoch schon an. Der berühmte Sager von „Die Revolution frisst ihre Kinder“.
Apropos „Fressen“- das Volk, in dessen Namen die Revolutionäre einst begonnen hatten, scheint ihnen ziemlich gleichgültig geworden zu sein. Während das Volk dringend nach Brot verlangt, bekommt es stattdessen Hinrichtungs-Spektakel serviert.
Die – auch heute noch – hehren Ziele, die sich in der Losung „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ manifestiert haben, wurden von den Revolutionären zwar heftig, ausführlich, grundsätzlich diskutiert, aber praktisch immer mehr missachtet.
Das Volk vertritt in dem Fall ein Einzelner, ein Regie- und Dramaturgie-Trick, der Anleihe nimmt, dass Büchner als einen aus dem Volk auch einen Souffleur nennt: Aus einem diesfalls relativ groß und glänzend gestalteten Souffleur-Kasten windet sich immer wieder ein – ebenfalls als (Weiß-)Clown geschminkter Schauspieler (Ole Lagerpusch) und konfrontiert die (anderen) handelnden Figuren mit den Nöten jener, in deren Namen die anderen ihre Kämpfe austragen. Gegen Ende lässt er sich aus der Soufflage-Box Teile eines Fahrrades reichen, die nie zu einem ganzen fahrbaren Untersatz werden und damit die Revolution auch nicht weiterbringen.
Alles spielt sich auf der großen Bühne, die eine kalte Atmosphäre aus einem Mix an Arena, Sporthalle und Manege ausstrahlt (Bühne und Video: Nadja Sofie Eller). Einige wenige Klappsessel an der halbrunden hölzern wirkenden Wand im Hintergrund, vorne spielen sich die Debatten, Dialoge, Konfrontationen ab – verbale Schlagabtäusche, durch die clowneske Schminke und Kostüme (Greta Goiris) – verfremdet aber durch das Spiel aller Schauspieler:innen nie auch nur ansatzweise ins Lächerliche gezogen. Wenngleich auch die Parallelen zwischen Politik und Theater, öffentlicher Darstellung wie auf einer Bühne, Masken hinter denen die wahren Gesichter verborgen werden usw. spielerisch und verbal thematisiert werden.
Welche Freiheit, was ist Gleichheit – das fechten die Kontrahenten Danton und Robespierre mit ihren Adjutanten Camille Desmoulins (Felix Rech), Jean-François Lacroix (Johannes Zirner), Pierre Philippeau (Maximilian Pulst) einer und Louis-Antoine-Léon de St. Just de Richebourg (Jan Bülow) andererseits aus – selten übrigens direkt, meist in Abwesenheit des/der anderen. Da das Ende feststeht, ergibt sich die Dynamik – wenngleich es insbesondere zu Beginn der zweiten Stunde (ohne Pause) Längen gibt – aus den Grundsatzdiskussionen. Und gegen Ende krass symbolisch als sich die Bühne zu drehen beginnt und die Dantonisten beim Voranschreiten gegen die Drehrichtung somit praktisch nicht vom Fleck kommen.
Georg Büchner hat für sein Stück, das zu seinen Lebzeiten (er wurde nur 23 ½ Jahre alt) nur zensuriert veröffentlicht wurde, viel Originalmaterial übersetzt verwendet – was die männlichen Haupt-Protagonisten betrifft. Die Frauenfiguren kamen bei ihm nur am Rande vor, teils auch historisch verfälscht; so folgte Julie nicht ihrem Mann Georg Danton freiwillig in den Tod, sondern überlebte ihn um Jahrzehnte. In der Burgtheater-Inszenierung haben Julie Danton (Annamária Láng), Lucile Desmoulins (Marie-Luise Stockinger) und Marion (Andrea Wenzl) zwar teils starke, aber doch nur wenige, kurze Auftritte. „Brüderlichkeit“ bleibt eine solche, wird nicht zu Geschwisterlichkeit ausgeweitet. Obwohl es da sogar historische Anknüpfungspunkte gegeben hätte, wie die feministische Philosophin und Autorin Eva von Redecker in einem Gespräch mit dem Dramaturgen Sebastian Huber für das Programmheft anmerkt: „Im Sommer 1793, also ein halbes Jahr bevor das Stück spielt, wurde in Paris ein aufsehenerregender Streit darüber geführt, ob und wie die Revolution auf die Frauen ausgeweitet werden soll. Das ist die Geschichte des republikanischen Frauenvereins unter der Schauspielerin und Frauenrechtlerin Claire Lacombe…“
Ein fulminantes, sinnliches, körperbetontes, oft scheinbar an Belastungsgrenzen gehendes und doch den Beteiligten offenbar viel Spaß bereitendes, mitreißendes Spektakel auf, in und rund um eine Drehbühne ist „Die Milchfrau“ im Wiener Kosmos Theater. Diese Inszenierung von makemake produktionen übersetzt den Roman „Milchfrau in Ottakring“ von Alexandra Galina Djuragina unter ihrem Künstlerinnen-Namen Alja Rachmanowa in das eingangs auf den Punkt gebrachte musikalisch-rhythmische tänzerische Schauspiel.
In den 1 ¼ Stunden fließen rund 2000 Liter Wasser in den inneren Kreis der Drehbühne bzw. werden sie vor allem auf- und übereinander geschüttet – aus fast zwei Dutzend alten Milchkannen. In etlichen Kannen ist das Wasser mit Lebensmittelfarbe, einmal auch mit Uranin gefärbt, was im Wannenrund zu wunderbaren Farb-vermischungs-Spielen führt. Und wenn gegen Ende noch Trockeneis reingeschüttet wird, entsteht fantastischer Bodennebel. Und dabei den ausgewählten Tagebuchaufzeichnungen der Autorin eine umfassende, tiefgehende fast mythologische Dimension hinzufügen.
Mag jetzt zunächst alles überschwänglich einerseits und irgendwie kryptisch andererseits klingen/sich lesen. Also vielleicht doch ein längerer Exkurs zum Ausgangspunkt von Stück bzw. noch mehr des Romans:
Die Autorin, im russischen Kasli geboren (1898), studierte Philosophie, Psychologie und Literatur, flüchtet mit ihrer Familie zwei Jahre nach der Oktoberrevolution (1917) nach Sibirien, wo sie den aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassenen Österreicher Arnuf (von) Hoyer heiratet (1921). Ein Jahr später wird ihr Sohn Jurka (Alexander) geboren. 1925 wird die Familie als Klassenfeinde aus der Sowjetunion ausgewiesen. Sie landen in Österreich, wo ihrer beider Studienabschlüsse nicht anerkannt werden. In Wien-Währing (Hildebrandgasse 16/ Ecke Schumanngasse) erwerben sie mit Geld eines Freundes des Ehemannes ein Milchgeschäft samt kleinem, finsterem Wohnzimmer.
„Djuragina, nunmehrige Hoyer, hatte zuvor schon in Russland ein Jugendtagebuch („Geheimnisse um Tataren und Götzen“) veröffentlicht. Später erschienen die russischen Tagebücher „Studenten, Liebe, Tscheka und Tod“ sowie „Ehen im roten Sturm“. Auch über ihre Wiener Zeit verfasste sie Tagebücher – auf Russisch, die ihr Ehemann auf Deutsch übersetzte. In diesen nennt sie sich Frau Wagner, ihren Mann Otmar und verlegt das Geschäft nach Ottakring. Dieser dritte Band der Tagebücher wird sogar in 21 Sprachen übersetzt und bis 1938 weit mehr als eine halbe Million verkauft – samt höchst erfolgreicher Lesereisen.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1927 übersiedelt die Familie nach Salzburg wo Arnulf Hoyer eine Stelle als Lehrer bekommt und sie später als Kinderpsychologin arbeitet. Die tiefreligiöse Frau fällt einerseits bei den Nazis in Ungnade, andererseits verteilen sie die ins Russische rückübersetzten Werke der Autorin als antibolschewistische Propaganda an die russische Bevölkerung entlang der Kriegsfront. Knapp vor Kriegsende, am 1. April 1945 stirbt ihr Sohn im Raum Wiener Neustadt auf Seiten der Wehrmacht und die Hoyers flüchten – aus Angst vor der heranrückenden Roten Armee der Sowjetunion – in die Schweiz.“ (Transparenz-Hinweis: Diese beiden Absätze „plagiiere“ ich von meinem Beitrag über eine herkömmliche Sprechtheater-Inszenierung der „Milchfrau“ im Theater Forum Schwechat im März 2019 – Link am Ende des Beitrages.
Die Inszenierung im Wiener Kosmos Theater – eine Wiederaufnahme wegen riesigen Erfolgs – in der Regie von Sara Ostertag zitiert zwar auch aus zentralen Tagebuchaufzeichnungen, die den schwierigen (Über-)Lebenskampf der Neu-Zugewanderten sowie Schlaglichter auf das Leben so manch anderer in der Vorstadt werfen, aber liefert weit mehr. Abgesehen von dem schon eingangs angedeuteten, bewegten und bewegenden Schauspiel, das immer wieder auch fast gemäldeartige kurzzeitige Standbilder oder Brunnenskulpturen zeigt, dreht sich alles um Milch (nein, es wird nicht wirklich mit Milch geschüttet). Milch als Verbindung zwischen Mutter und Kind(ern). Das große Rund in der Mitte der Drehbühne (Nanna Neudeck), in dem sich (fast) alles abspielt, aus dem alles entsteht… – vielleicht nicht zuletzt eine Verbindung zum Namen der Gruppe: makemake nach der Fruchtbarkeits- und Schöpfungsgottheit der Mythologie der Osterinsel (Südpazifik, geographisch zu Polynesien, politisch zu Chile gehörend) – nach der übrigens auch ein Zwergplanet der Plutoiden benannt wurde.
Neben Michèle Rohrbach (Milchfrau), Martin Hemmer (Kind Jurka) und Benedikt Steiner (Ehemann der Milchfrau) demonstrieren Barča Baxant, Felix Rank, Mave Venturin, Jeanne Werner und Verena Giesinger wahre Spielfreude in den verschiedensten Rollen von Kund:innen im Milchgeschäft. Die zuletzt genannte Giesinger fungiert auch als Chorleiterin und löst manches Mal den neben der Drehbühne agierenden Live-Musiker Paul Plut (Akkordeon, Piano, Harmonium) ab und setzt sich ans Piano. Immer wieder ertönen Sologesänge, teils fast wie Show-Auftritte.
Im Milchgeschäft treten die unterschiedlichsten Charakterzüge der Kund:innen zu Tage – von Neid, Missgunst, Vernaderung, Betrug, Fremdenfeindlichkeit bis zur Fürsorge, Hilfsbereitschaft usw. Und mit der Schilderung der Erlebnisberichte bzw. Gerüchte rund um den Justizpalast (15. Juli 1927) dringt auch die allgemeine politische Lage in die Tagebuchaufzeichnungen ein. Wenige später stammen die weiteren Aufzeichnungen aus Salzburg wohin die Familie zieht (siehe weiter oben).
übers-lebm-von-de-oamen-leit -> Stückbesprechung der Schwechater Version, damals noch im KiKu
In knapp weniger als einem Jahr, genauer geschrieben am 5. Oktober 2024 steigt die dann 30. Kids-in-Fashion-Gala – anlässlich des runden Jubiläums dann zum dritten Mal im Wiener Rathaus. Das wurde gegen Ende der diesjährigen 29. Show in der Mensa der Wiener WirtschaftsUniversität bekanntgegeben.
Zuvor führten jugendliche Models rund fünf Dutzend meist farbenfrohe, jedenfalls sehr kreative Gewänder – nicht nur aus Stoff – auf dem Laufsteg vor. Es handelt(e) sich wie immer um die verwirklichten Entwürfe von Kindern und Jugendlichen, die in diesem Jahr sogar mehr als 3000 schräge, ver-rückte Designs an die Wiener Jugendzentren eingeschickt haben.
Sozusagen Stammgästin mit ihren Entwürfen ist Sophie Zheng, mehrmals schon stachen ihre Designs der Jury ins Auge und wurden in den Sommermonaten von Modeschüler:innen in den Werkstätten verwirklicht. Sogar Preisträgerin war sie in mehreren Jahren; heuer nicht, aber wieder erregte eine Zeichnung von ihr so viel Aufmerksamkeit, dass sie Stoff wurde. Zwei riesige Tränen von den Augen ausgehend, werden zu einem riesigen Kleid. „Weinen war mir zu der Zeit als ich den Entwurf gezeichnet habe, sehr wichtig!“, verrät die nunmehr 14-Jährige Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… im Bereich der Ausstellung aller ausgewählten Designs. Um das Kleid tragbar zu machen, wurde in der Werkstatt aus den Tränen nicht das ganze Kleid, sondern diese wallern über einem Kleid in der Farbe der gemalten Tränen – tatsächlich unter den Augen wurden zwei feine, leichte Stofftücher fixiert, die bis zur Höhe des Kleidsaumes unter dem Knie immer breiter werdend „fließen“.
Ihre gleichaltrige Freundin Xu Xueli sorgte sowohl bei Schneider:innen als auch bei Jennifer Zenz, die als Model die zum Gewand gewordene Zeichnung präsentierte, für Verwirrung. Was alle als Haifisch sahen – das Model hatte sogar für die Stunden im Backstage-Bereich entsprechende Patschen mitgebracht – hatte die Designerin als Dinosaurier angelegt.
Modelkollegin Yasmin Bozkurt hatte beim Backstage-Besuch von KiJuKU schon bunte Würfel im Haar. Die sind die passende Kopfbedeckung zum aus verschiedenfärbigen Quadraten bestehenden Kleid, die in vielen bunten, langen Fransen enden. Modeschöpferin dieses Kleides war Isabella Gawin (9). „Mein Kleid sollte laut und bunt sein“, erläutert die Designerin dem Journalisten den Hauptbeweggrund für ihre Zeichnung. „Und ich mag diese viereckigen Formen“, ergänzt sie die zentralen Elemente ihres Mode-Entwurfes, der zu ihrer Freude auch verwirklicht wurde; was sie, ihre Schwester und die Eltern überhaupt erst zum Besuch der KiF-Gala brachte.
„Ozean überhaupt und Quallen besonders faszinieren mich“, so Valentin Steiner (13), der mit diesem Entwurf die mittlere Alterskategorie gewonnen hat. „Ich habe aber gleich mehrere Bilder eingeschickt und bin froh, dass wenigstens eines genommen worden ist. Und das sogar 1. Platz wurde.“
Das Werkzeug zum Inhalt gemacht hat Milena Gulshadayan. „Ich hab beim Zeichnen auf meinen Schreibtisch geschaut, überlegt und mir dann gedacht, ich mal ein Kleid als Buntstift.“ Und so spazierte bei der Show ein Stift über den Laufsteg 😉
KiJuKU schaute und hörte sich auch wieder ein wenig im Backstage-Bereich um, wo die Models, die die Gewänder am Laufsteig vorführen oft schon seit Stunden unterwegs sind. Bis alle kunstvollen Frisuren angefertigt sind – immer wieder auch Elementen aus den Kinder- bzw. Jugendzeichnungen angereichert, jede und jeder geschminkt ist – das dauert schon so seine Zeit.
Constantin Ruf (15) modelt seit rund fünf Jahren. Auftritte vor Publikum hat er aber auch als Schauspieler mit Theatergruppen. Die schon weiter oben erwähnte Yasmin Bozkurt hat schon 2019 bei Kids in Fashion ge-modelt. Heuer präsentierte sie ein Kleid mit bunten Würfeln auf dem Kopf (Zeichnung: Isabella Gawin). Sie sieht, „wenn ich mir die Entwürfe jetzt und vor der Pandemie anschaue, schon zum Teil ganz andere Perspektiven. So ein Kleid mit Riesentränen (Sophie Zheng) hätte es vorher wahrscheinlich nicht gegeben“, meint sie, die seit kurzem als Hortpädagogin arbeitet, weil sie Kinder mag und mit diesem Beruf „etwas total Sinnvolles tun kann“.
Wenngleich sie in einem ganz anderen Bereich tätig ist, schätzt Model-Kollegin Jennifer Zenz (19) aus genau demselben Grund ihren Job: Sie hat die Lehre als Orthopädie-Technikerin absolviert. „Ich wollte etwas im medizinnahen Bereich, aber jedenfalls etwas Handwerkliches machen. Ob Prothesen oder angepasste Rollstühle – du erlebst wie du mit deiner Arbeit das Leben von Menschen einfach erleichtern kannst.
Natürlich moderierten auch dieses Mal wieder Jugendliche die KiF-Show: Zum ersten Mal die 21-jährige Ronja Rößner und schon zum dritten Mal Fatih Yalcın – und sowieso in sehr kreativen, bunten Outfits. Es war übrigens – wie schon eingangs erwähnt – die bereits 29. – samt Ankündigung, dass die nächstjährige Jubiläums-Show im Wiener Rathaus über die Bühne gehen wird – 5. Oktober 2024, Arkadenhof mit Backstage-Bereich in der Volkshalle.
Hier eine Übersicht iüber die Hauptpreisträger:innen des diesjährigen (2023) Modedesign-Nachwuchsbewerbs Kids in Fashion.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… interviewte vor der Show einige der jungen Designerinnen und Designer – siehe Hauptartikel zu Kids in Fashion 2023 (Link unten am Ende dieses Beitrages). Danach fragte KiJuKU eine junge Modeschöpferin, die dadurch auffiel, dass sie auf dem Rücken ihres Oberteils einen Spruch trug, der selbst gestaltet aussah…
KiJuKU: Wie alt bist du und wie fühlt es sich an so einen Preis gewonnen zu haben?
Lila Noelle Raab: Ich bin 16 und find’s echt cool, denn ich habe ehrlich gesagt gar nicht damit gerechnet. Meine Lehrerin hat den Entwurf eingesandt, ich war ziemlich überrascht und deshalb freue ich mich umso mehr.
KiJuKU: Wie bist du zu der Idee für deinen Entwurf gekommen?
Lila Noelle Raab: Da bin ich zu Hause gesessen, wir hatten die Aufgabe „schwarz-weiß“. Mein Model hat bei dem Entwurf eigentlich nur zwei Abdeckungen auf den Brüsten, also eigentlich oberkörperfrei. Das konnten sie aber wegen der Kinder nicht ausführen. Ich wollte eine feministische Seite darstellen und mit Kreativität verbinden.
KiJuKU: Möchtest du auch beruflich Mode designen?
Lila Noelle Raab: Ich habe tatsächlich vor, Modedesign zu studieren, aber ich bin mir mittlerweile nicht mehr ganz so sicher, weil mich auch andere Sachen interessieren, zum Beispiel Tätowieren. Ich weiß noch nicht, in welche Richtung es geht.
KiJuKU: Hast du das erste Mal mitgemacht und wie lange hast du an dem Entwurf gearbeitet?
Lila Noelle Raab: Ja, das erste Mal. Ich habe gar nicht so lange daran gearbeitet. Die Idee habe ich in meinem Kopf gehabt und einfach auf Papier gebracht.
KiJuKU: Ist das sonst beim Zeichnen auch so?
Lila Noelle Raab: Ich habe meistens eine Emotion in mir, die bringe ich einfach auf Papier. Dann entwickelt sich alles, das war bei meinem Entwurf auch so. Ich hatte keine genaue Idee, sondern eine Emotion.
KiJuKU: Und die Emotion war bei deinem Design?
Lila Noelle Raab: Ich glaube Neugier und eine Frechheit wollte ich darstellen.
KiJuKU: Bist du heute besonders gestylt oder bist du immer durchgestylt?
Lila Noelle Raab: Ich liebe Mode und ich bin oft sehr bunt angezogen. Das würde ich normal auch tragen.
KiJuKU: Du hast hinten etwas draufgeschrieben, den Spruch „maybe you should eat some makeup so you can be pretty on the inside too“ (Vielleicht solltest du etwas Make-up essen, damit du auch von innen hübsch bist)
Lila Noelle Raab: Ja, den Spruch habe ich selber draufgestickt.
KiJuKU: Was ist deine Definition von einem guten Style?
Lila Noelle Raab: Man soll sich trauen und einfach das anziehen, was einem gefällt. Nicht auf die anderen achten. Hauptsache es gefällt einem selbst.
Stefanie Kadlec, 17 und
Follow@kiJuKUheinz
Nach der Show herrschte großes Gedränge am Eingang zum Backstage-Bereich. Wie schon im Vorjahr konnten junge Designer:innen, die das wollten – bzw. deren Eltern – die Stoff gewordenen Kleidungsstücke sehr günstig erwerben. Den meisten Models, die die kreativen Gewänder präsentiert hatten, war ihr vorheriger Job noch durch buntes Make-Up anzusehen. Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… nützte die Gelegenheit und sprach zwei der Models an. Mayvi (15) und ihre Schwester Angee (18) stellten sich einem gemeinsamen Interview.
KiJuKU: Wie seid ihr dazu gekommen, heute auf dem Laufsteg zu sein?
Angee: Ich habe letztes Jahr durch meine Schule mitgemacht. Dieses Jahr wurde ich angefragt, ob ich noch einmal mitmachen möchte, und ich habe mich wieder dafür interessiert. Dann habe ich auch gleich meine Schwester mitgenommen.
Mayvi: Wir wurden beide aufgenommen und jetzt sind wir zum Glück heute an diesem Abend dabei.
KiJuKU: Und ihr interessiert euch generell für Mode?
Angee: Ich schon, weil ich auch auf eine Modeschule gehe und generell in der Zukunft mehr mit Mode zu tun haben möchte, also auch in der der Modebranche bleiben will.
KiJuKU: Auch als professionelles Model arbeiten?
Angee: Wenn es sich ergibt, warum nicht, wenn nicht, auch okay. Aber ich designe und zeichne auch gerne.
KiJuKU: Habt ihr selber heuer Mode-Entwürfe eingeschickt?
Angee: Ich habe nichts eingeschickt, ich bin bei „Kids in Fashion“ nur Model. Die letzten Jahre habe ich paar Mal eingeschickt, meine Entwürfe wurden aber nicht genommen, weil sie wahrscheinlich zu kompliziert waren oder nicht dazu gepasst haben.
KiJuKU: Was macht für euch einen guten Style aus?
Angee: Auf jeden Fall, wenn man sich richtig wohlfühlt in der Kleidung und dass man das auch ausstrahlen kann. Dass man es auch einfach mit Freude trägt. Ich möchte nicht unbedingt das tragen, was „trendy“ ist, weil ich nicht gleich aussehen will wie alle anderen.Mayvi: Da kann ich nur sehr zustimmen, das gilt auch für mich.
Stefanie Kadlec, 17 und
Follow@kiJuKUheinz
Besonders auf Mädchen und Frauen, die – noch dazu widrigen Umständen zum Trotz – zu Heldinnen wurden/werden, setzt das Theater der Jugend in dieser nun anlaufenden Saison. Viele davon sind – wie auch ihre männlichen Kollegen in Hauptrollen natürlich außergewöhnlich, Außenseiter:innen. Erst das macht sie ja zu herausragenden Persönlichkeiten. Ob Mary im „Geheimen Garten“ oder „Lizzy Carbon“ mit dem von ihr gegründeten „Klub der Verlierer“, die mutige „Siri“ die sich mit den „Eismeerpiraten“ auf abenteuerliche Odyssee begibt, um ihre Schwester zu retten oder Jeanne d’Arc in „Johanna, Gotteskriegerin“… sie alle zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht dem entsprechen, was so manche als „normal“ verordnen wollen.
Thomas Birkmeir, Langzeit-Direktor des Theaters der Jugend in Wien, hielt im Mediengespräch zum Programm der neuen Saison am Donnerstagmittag ein engagiertes Plädoyer gegen die von Bundeskanzler Nehammer und der NÖ-Landeshauptfrau Mikl-Leitner verordnete „Normalität“, die zur Ausgrenzung und Spaltung einerseits und Nivellierung andererseits führe. In diese Auseinandersetzung streute er Zitate ein, unter anderem eines, das dem Top-Maler Vincent von Gogh zugeschrieben wird: „Die Normalität ist eine gepflasterte Straße, man kann gut darauf gehen – doch es wachsen keine Blumen auf ihr.“
„Deshalb wollen wir unsere Besucher*innen, die Kinder, die Jugendlichen und deren Eltern und Großeltern – ganz im Gegensatz zum österreichischen Bundeskanzler und allen Mikl-Leitners – mit unserem Saisonmotto ermutigen: Never be normal! Be yourself!“
Noch habe das Theater der Jugend in der vorigen Saison nicht die Zahl der Besucher:innen vor der Pandemie erreicht – 165.000 zu 252.500 (2018/19) – aber es war ein Aufwärtstrend gegenüber den Corona-Jahren zu verzeichnen und auch jetzt am Beginn der neuen Saison sei schon ein Plus von zehn bis zwölf Prozent zu verzeichnen. Die Auslastung habe sich übrigens sogar zu Vor-Coronazeiten gesteigert: 96,19 Prozent bei den Eigenproduktionen gegenüber 93,17 % (2018/19), konnte der neue kaufmännische TdJ-Leiter, Ronald Hora berichten.
Man kämpfe darum, den hohen Grad an Eigendeckung der Ausgaben (45 bis 47 % gegenüber anderen Theatern um die 20 Prozent) in Verhandlungen mit den Subventionsgebern Bund und Land/Stadt verringern zu können, wiewohl es von der Stadt Wien zuletzt eine Zusatzförderung für gestiegene Personal- und Energiekosten von rund einer halben Million Euro gegeben habe.
Die acht Neuproduktionen – fünf Uraufführungen, eine österreichische Erstaufführung und zwei Premieren – in der folgenden Bilderstrecke (Sujetfotos) mit Kürzest-Infos:
Ein Tanz-Workshop wäre super, oder ein Experimentierkurs, oder der Besuch eines Theaterstücks mit anschließendem Schauspiel-Workshop oder ein Kurs mit einem BeatBoxer oder einer Rapperin; vielleicht auch ein spannender Ausflug, eine interessante Exkursion…
Nicht zuletzt angesichts der Teuerung, sondern schon seit vielen Jahren scheitern – für viele Klassen – solche Angebote an der Kohle. Nicht alle Eltern haben neben den üblichen Kosten noch dazu zu Schulbeginn noch da mal zehn, dort gar 20 Euro für Extras, von externen Anbieter:innen, die wiederum ihre Mitarbeiter:innen anständig zahlen wollen.
Unter dem Titel „Mehr Chancengerechtigkeiten für Wiens Pflichtschulen“ gibt es nun ein Sonderbudget der Stadt Wien für solche Aktivitäten (4 Millionen Euro). Jede Schule bekommt ein Budget, das sie selbst verwalten kann. Dieses sieht 655 € pro Klasse und Schuljahr vor, das schulintern auch umgeschichtet werden kann. WienXtra hat eine Plattform erstellt, auf der aus Angeboten ausgewählt werden kann. Alle Anbieter:innen wurden zuvor fachlich geprüft – und sie müssen ein eigenes Kinderschutzkonzept haben.
Vorgestellt wurde dieses Programm am Montag um die Mittagszeit im Hof der Mittelschule mit Dual-Language-Programm in der Pazmanitengasse (Wien-Leopoldstadt). Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte schon vor dem Medientermin mit den bei dieser Gelegenheit anwesenden Schüler:innen sprechen.
Soraya Filca aus der 3b konnte berichten: „Wir hatten schon am Freitag Klassenrat, wo wir das begonnen haben zu besprechen, welche Kurse wir machen wollen. Bei Boxen haben fast alle aufgezeigt, bei anderen wie #Love gab’s viel peinliches Gelächter. Aber ich fände das auch wichtig. Boxen selber mag ich, ich boxe schon seit einiger Zeit immer zu Hause in Kissen, wenn ich wütend bin.
Das Trio aus der 4 a – David und Marko Lecjaks – „wir sind Zwillinge, nein eigentlich Drillinge, weil den und Omar Hmouni haben wir adoptiert“ – hatten zu diesem Zeitpunkt den Klassenrat noch vor sich. Diese schulparlamentarische Einrichtung gibt es seit diesem Herbst in dieser Schule nun in jeder Klasse, davor noch nicht in allen. Schon bei den drei Jungs ist die Bandbreite der Interessen groß – zwei nennen Sport als Wunsch-Kurse, einer „lieber naturwissenschaftliche Experimente.“ Und alle drei könnten auch einem Graffiti-Workshop einiges abgewinnen oder irgendwas mit 3D-Druck…
Für Jessica Lemoshe aus der 2b ist alles noch neu – „wir haben jetzt erst zum ersten Mal einen Klassenrat und es daher noch nicht besprochen. Ich selber zeichne sehr gerne und viel, egal ob mit Blei- oder Bunt- und Filzstiften oder Malfarben. Aber ich möchte auch gern Sport machen.
Als sich die Jugendlichen – samt Direktorin Gabriele Ernst und die künfitge mindestens interimistische Leiterin Jana Zemann – im Hof, umgeben von Tomaten- und anderen Pflanzen für den Pressetermin – und entsprechende Fotos – bereitmachen, meint Soraya Filca zum Journalisten noch, „ich spiel auch gern Klavier“, und schon verschwinden wir zur Schulwartin, die den Festsaal aufsperrt, wo die 13-Jährige die Tasten zum Klingen bringt. „Ich spiel noch nicht lange und nicht nach Noten, ich schau’s und hör’s im Internet an, lern es und spiel’s dann auswendig.“
Bildungsstadtrat und Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr sowie wienXtra-Geschäftsführer Vucko Schüchner stellten dann einige Details des Programms für mehr Chancengerechtigkeit an Wiener Schulen vor, die Kindern und Jugendlichen ermöglichen an externen Angeboten teilzuhaben, die Anbieter:innen krieg ihr Geld, die Schüler:innen – bzw. ihre Eltern ersparen sich die Kosten.
„Die Wiener Bildungschancen sind eine entscheidende Säule der Bildungsoffensive in Wien und ergänzen den regulären Schulbetrieb durch einen umfangreichen Warenkorb, der qualitätsvolle Angebote für Schulen und Eltern kostenlos macht. Neben dem interschulischen Know-How ist die außerschulische Expertise eine ganz wesentliche Ressource, um Schulen positiv zu gestalten, Lerninhalte erlebbar zu machen und jungen Menschen damit mehr Chancen zu ermöglichen. Durch diese kostenfreien Workshops schaffen wir mehr Chancengerechtigkeit – denn sie stehen allen Schülerinnen und Schülern an Wiens allgemeinbildenden Pflichtschulen ab sofort zur Verfügung.“
In Schule A (der Redaktion namentlich bekannt) soll die engagierte Lehrerin B (ebenfalls dem Journalisten bekannt, aber Vertraulichkeit zugesichert) Ende des vergangenen Schuljahres in eine Schule C (siehe vorherige Klammerbemerkungen) zwangsversetzt werden. Dort herrsche großer Personalmangel, so das Argument der oberösterreichischen Schulbehörde. Mag sein, aber auch in Schule A konnten die Unterrichtsstunden alle nur bewältigt werden, weil viele Pädagog:innen Überstunden leisteten. Also doch auch Personalmangel, oder?
„Versetzungen erfolgen nur in Abstimmung mit Schulleitung und Personalvertretung“, sagt Pressereferentin Birgit Kopf zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
„Wir stimmen Zwangsversetzungen generell nicht zu“, entgegnet hingegen der Landes- sowie Bundesvorsitzende der Gewerkschaft für Lehrer:innen an allgemeinen Pflichtschulen, Paul Kimberger zu KiJuKU.at
Aussage gegen Aussage. Ping – Pong, also retour zur Bildungsdirektion. „Wir versuchen zu vermeiden, jemanden wo hinzuversetzen, wo sie oder er nicht will.“ Aber temporär könne es sein, dass in einer Schule ein noch größerer Personalbedarf bestehe als an einer anderen. Es können und dürfen sich hingegen Leute laufend bewerben, und Stellen werden auch unterm Schuljahr ausgeschrieben, so die Quintessenz der Rück-Antwort aus der Bildungsdirektion an den Journalisten.
Fakt ist: Wegen drohender Zwangsversetzungen haben mindestens einige Lehrer:innen gekündigt und sich nun neu beworben. In der Schule A ist dem Vernehmen nach kein (andere) Bewerbung eingegangen. Hätte also einiges an Ärger, Energie gespart werden können 😉
Übrigens wollte KiJuKU dann noch generell wissen, wie viele Pädagog:innen fürs kommende Schuljahr, das wie in fünf anderen westlichen und südlichen Bundesländern am 11. September beginnt, fehlen?
„Wir haben 300 Stellen im Pflichtschulbereich ausgeschrieben und 600 Bewerbungen bekommen, wobei sich Lehrer:innen für mehrere Schulen bewerben können. Ob und wie groß die Lücke sein wird, könne erst in der kommenden Woche gesagt werden.“
Wie’s österreichweit ausschaut, wollte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… aus dem Bildungsministerium erfahren. Und wartet noch immer auf Antwort.
Wobei ja ein Teil des Problems von einer ehemaligen Bildungsministerin federführend mitgeschaffen wurde. Vor knapp mehr als 20 Jahren schrieb die damalige Ressort-Verantwortliche Elisabeth Gehrer einen Brief an alle Maturant:innen mit der Empfehlung, ja kein Lehramtsstudium zu ergreifen. Es ist aber selten so etwas klar vorherzusagen, wie viele Pädagoginnen und Pädagogen es braucht. Immerhin ist deren Alter bekannt, also auch, wann die meisten in Pension gehen. Genauso sagen die Geburtenstatistiken, dass so und so viele Kinder auf die Welt und sechs Jahre später in die Volksschule usw. kommen.
1400 Pädagog:innen und 100 Quereinsteiger:innen (über „Klasse Job“) habe Wien, wo wie in Niederösterreich und Burgenland die Schule am 4. September 2023 startet, sind in den vergangenen Wochen und Monaten neu angestellt, verkündeten Wiens Bildungsdirektor Heinrich Himmer und der u.a. für diesen Bereich zuständige Stadtrat und Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr am Freitag in einem Mediengespräch im Wappensaal des Wiener Rathauses.
Dies seien allerdings bei weitem nicht zusätzliche Lehrer:innen, seien doch 900 in Pension gegangen und etliche entweder in andere Bundesländer umgezogen, in Karenz usw. Wie auch immer, insgesamt fehlen nur 31 Pädagog:innen, die hoffentlich auch noch gefunden würden, so die beiden Genannten.
Zur Entlastung der Pädagog:innen beschlossen Bildungsstadtrat und -Direktion, „im September keine Erhebungen an Schulen durchzuführen und genehmigen, die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, … denn wir wissen, dass die ersten Tage und Wochen im neuen Schuljahr besonders herausfordernd sind“.
Außerdem kündigte das Duo an, dass ab diesem Schuljahr in den ganztätig geführten Pflichtschulen das warme, gesunde Mittagessen für alle Schüler:innen kostenlos sein wird. In Summe kommen damit 50.000 Kinder und Jugendliche in diesen Genuss, und deren Eltern ersparen sich rund 1000 € im Jahr. Für dieses kostenfreie Mittagessen investiert die Stadt 44 Millionen im kommenden Jahr.
Die jungen Bürger:innen – 6 bis 13 Jahre – beschlossen auch am vierten Tag neue Gesetze und Verordnungen. Weiterbildung soll gefördert werden. Hier wird übrigens Studium ebenso bezahlt wie Arbeit. Die Regierung brachte in die öffentliche Stadtratssitzung (bei ihr bestimmen Abgeordnete aus allen rund drei Dutzend Bereichen mit) ein, dass jene Kinder, die schon zehn Mal studiert haben, den Titel Professor/Professorin kriegen; Doktor:innen-Titel gab es schon bisher – für fünf Studien.
Kind „Fessa“ (in vielen Schulen hört sich’s für Lehrer:innen ja immer Frau Fessa und Herr Fessa an) wird auch finanziell lohnen. Denn „Profs“ ernten pro Job, den sie in der Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ ausüben zwei Holli Cent zusätzlich. 30 der 37 Abgeordneten und Regierungsmitglieder stimmten für diesen Antrag.
Außerdem wurde diskutiert, die Verfassung zu erweitern. So soll es nun auch neben Volksbegehren – die gehen von Bürger:innen aus – auch Volksbefragungen geben. Deren Ergebnisse sind nicht verbindlich, aber die Politiker:innen der Kinderstadt können zusätzlich Stimmungen ausloten. Dafür stimmten 35 der 37 Teilnehmer:innen der öffentlichen Stadtratssitzung am Donnerstag, dem vorletzten Tag der diesjährigen Wiener Kinderstadt.
Außerdem erließ schon zuvor die Regierung ein Verordnung: In sehr überlaufenen Jobs wurde eine Höchstarbeitszeit von einer Stunde eingeführt, damit diese Stellen früher wieder für andere Kinder frei werden.
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Die 20 Prozent Zinsen auf Sparbücher, die die Kinder in ihrer Stadt „Rein ins Rathaus“ am Dienstag beschlossen haben, waren dann doch insgesamt zu hoch. Daher beschlossen Regierung und die Abgeordneten aus allen Bereichen am Mittwoch eine Anpassung nach unten, bzw. eine flexiblere Lösung, aber noch immer mindestens 10 Prozent.
Der Mittwoch war full house, viele Kindergruppen „eroberten“ die Stadt, in der sie selber (mit-)bestimmen können. Und so manche, auch ziemlich neu angekommenen machten davon auch Gebrauch. So wurde etwa Marie gleich bei ihrem ersten Antreten auf Anhieb Vizebürgermeisterin.
Zuvor hatte sie noch in der Kinderstadt-Zeitung einen kleinen Artikel verfasst, dass in dieser Stadt Kinder eben Demokratie lernen und leben können. Bürgermeister wurde zum dritten Mal hintereinander Xaver. Jene oder jener mit den meisten Stimmen übernimmt dieses Amt. Er hatte sich – wie schon im Artikel am Dienstag zu lesen war – schon in den zwei Jahren, in denen es wegen der Pandemie keine Kinderstadt gab, ausführlich vorbereitet, Forderungen überlegt und in ein Büchlein geschrieben.
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Während die heimischen Banken der Erwachsenenwelt für Kredite hohe Zinsen verlangen, auf (Spar-)Einlagen aber fast nix zahlen, ging die Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ einen ganz anderen Weg. Mit einem der drei Gesetze, die am Dienstag in der öffentlichen Stadtratssitzung – Regierung und Abgeordnete aus allen mehr als zwei Dutzend Bereichen – beschlossen: Zinsen auf Sparbücher. Denn, so das Argument der Kinderstadt-Politiker:innen, dann legen mehr der jungen Bürger:innen überhaupt erst ein Sparbuch an und so manchen ihrer Holli-Cent drauf. Die Zinsen, die sie beschlossen, machen übrigens 20 (!) Prozent aus.
Wie schon am ersten Tag waren auch Arbeitszeiten und Löhne ein großes Thema. Bei weniger beliebten Jobs sollten die Löhne erhöht werden. Dafür sollte die Arbeitszeit bei Arbeitsstellen, die von sehr vielen Kindern gewählt werden, begrenzt sein, damit diese Jobs frei werden.
Die Kinderstadt-Zeitung, die am zweiten Tag der Kinderstadt 2023 im Wiener Rathaus entstanden ist, hat 12 Seiten. In der Kinderstadt kostet eine Zeitung einen Holli-Cent. Für eine ¼ Stunde Arbeit gibt es drei Holli-Cent, 1 davon muss Steuer bezahlt werden, bleiben also zwei. Das heißt eine Zeitung kostet 7 ½ Minuten arbeiten.
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Sodala, die Kinderstadt im Wiener Rathaus hat ihren ersten Tag hinter sich. Zur Eröffnung kamen – nach doch immerhin drei Jahren coronabedingter Unterbrechung – die am letzten Tag von „Rein ins Rathaus“ 2020 gewählte Bürgermeisterin Lilly Phelan (mittlerweile 13 Jahre) und ihr damaliger Stellvertreter Xaver Fichtinger (12). Gemeinsam mit neuen Bürger:innen der Kinderstadt und dem Vizebürgermeister des „alten“ (sprich erwachsenen Wien), Christoph Wiederkehr, UND selbstverständlich Holli, dem Maskottchen des Wiener Ferienspiels wurde offiziell knapp nach 10 Uhr am Montagvormittag das orange Band durchschnitten. Nun gehören Volkshalle und Arkadenhof – der ganze und damit so groß wie nie zuvor – den Kindern. Hier regieren sie.
Der schon genannte Xaver hat sich top vorbereitet, in den drei Jahren Ideen gesammelt, um sich gleich am ersten Tag erneut der Kandidatur zu stellen. Und siehe da, er bekam mit seiner BürgerInnenpartei der Kinderstadt gleich viele Stimmen wie Nare mit ihrer Partei „The Starkids“. Die beiden teilen sich nun – zumindest einen Tag lang – das Bürgermeister:innen-Amt.
Der erste Tag brachte auch eine nicht unumstrittene Entscheidung der öffentlichen Stadtratssitzung. Die Minimal-Arbeitszeit wurde auf eine Viertelstunde verringert – bei gleichem Lohn wie zuvor die halbe Stunde. Die Idee der Kinder-Politiker:innen, zu denen auch die Abgeordneten aus allen Stationen zählen: Jobs werden früher frei, denn jede und jeder will arbeiten und oft mangelt es an Arbeitsplätzen.
Allerdings sind nun jene finanziell besser dran, die viele kurze Jobs hintereinander erledigen als jene, die eine Arbeit über längere Zeit verrichten. Damit setzte die 13-jährige Lilith ausführlich – Pro & Contra abwiegend – in dem Hauptartikel der täglich erscheinenden „Stadtzeitung“ auseinander, die von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… gemeinsam mit wienXtra betreut wird.
Zu den Zeitungen geht es hier unten.
20 Jahre nach der ersten Wiener Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ – und nach drei aufgrund der Pandemie geschrumpften oder gar keinen Versionen – ist die Kinderstadt wieder da. Und so groß wie nie zuvor. Neben der Volkshalle gehört dieses Mal der ganze Arkadenhof in der Mitte des Rathauses den 6- bis 13-Jährigen. Am Freitag (18. August 2023) wurde den ganzen Tag aufgebaut. Alles steht, wirkt aber noch traurig und leer – siehe Fotos und Video – und wartet, um von Kinern belebt zu werden.
Ob Obstspieße oder Popcorn im Gasthaus zubereiten, Mitbürger:innen schminken, Post zustellen, Geld auszahlen, Steuern einzuheben, Radio, Fernsehen oder Zeitung zu machen (übrigens mit KiJuKU) – alle Jobs werden von den Kindern in ihrer Stadt selbst ausgeübt – bezahlt werden sie in Holli-Cent. Übrigens nicht nur fürs Arbeiten auch fürs Studieren.
Und die Bürger:innen können eigene Parteien gründen, kandidieren und die/der mit den meisten Stimmen wird Bürgermeisterin oder Bürgermeister, die anderen Stadträt:innen mit verschiedenen Aufgaben. Das gilt in allen Kinderstädten. Bei „Rein ins Rathaus“ aber wird täglich gewählt. Klar, diese Kinderstadt dauert nur eine Woche, andere wie Mini-Salzburg oder in der „Mutter“ der zentraleuropäischen Kinderstädte Mini-München etwa dauern drei Wochen, letztere sogar manches mal vier Wochen. Dort wird nur einmal in der Woche gewählt.
Durch die tägliche Wahl in Wien ist die Politik, die Kinder (mit-)bestimmen können, allerdings viel gegenwärtiger. Und rascherer Wechsel bei Unzufriedenheit oder noch besseren Ideen ist möglich.
Täglich wird hier dann auch berichtet – und zu den von den Kindern produzierten Tageszeitungen verlinkt.
Unter den Bäumen hier im oberen Teil des Hyblerparks gleich bei der U3-Station Zippererstraße liegen die Matten aus quadratischen Steck-Teilen, daneben stehen Kisten mit den Zutaten für Experimente und Spiele. Auf Plakatständern steht, was an welchem Platz im Angebot ist. Bei einer Station sitzen die Kinder im Kreis und greifen in Kübel mit Erde. Hier basteln sie Blumenbälle mit Lena. Bei Nour können sie wählen, ob sie tüfteln wollen, was in welchen Gegenständen drinnen steckt – Metall, Papier, Kunststoff usw. oder ob sie „einkaufen“ spielen.
Bei Letzteren liegen Kärtchen mit Brot, Gebäck, Obst, Gemüse, Süßigkeiten und vielen anderen Dingen des täglichen Bedarfs in der Mitte. Marija, Hewin, Nevin, Nadine, Heda, Heman, Carolina, Matea, Fouad, Mosavi und noch viele andere haben hier schon jeweils fünf Kärtchen ausgewählt. Kriterium für den „Einkauf für ein Picknick“: Möglichst wenig Verpackung und damit Müll soll mitgebracht werden. Beim Besprechen in der Runde wird thematisiert, welche Verpackungsmaterialien wie laaaaange brauchen, bis sie sich aufgelöst haben.
Während die natürlichen Bananenschalen schon nach zwei Jahren zersetzt sind, kugeln die Plastikfolien, in die Gurken, die ja ohnehin eine Schale haben, gut 120 Jahre irgendwo auf der Welt herum. Das Aluminium de Getränkedose hat sogar eine Haltbarkeit von 700 Jahren.
Irgendwie dreht sich hier – nicht nur an diesem Nachmittag – alles um Umwelt. Von der dritten Station bei Mona schwärmen Kinder als Umfrager:innen aus, um die anderen Jung- und Jüngst-Studierenden der Kinderuni on Tour, aber auch andere Menschen im Park zu befragen, ob sie Müll trennen, welche Mittel sie zur Fortbewegung verwenden, ob Öffis, Fahrrad oder Auto…
Klima steht auch auf der Tagesordnung der Vorlesung an diesem Tag, gehalten von der schon genannten Lena sowie Maja. Vor dem Plakat mit dem großen Foto eines Universitäts-Hörsaals sprechen sie – sehr im Dialog mit ihren Studierenden über die größten Klimakiller, aber auch darüber, was jede und jeder selber beitragen kann, um nicht die Erd-Erwärmung anzuheizen. Sowie über die „Maschinen“ gegen den Klimawandel, die Bäume und Pflanzen.
So manche Kinder verspüren darüber hinaus starken Bewegungsdrang und Lust auf actionreichere Spiele. Bälle fliegen durch die Luft und eines der Spielgeräte, eine Art mehrstöckiges Ringelspiel ist überhaupt ein Anziehungspunkt: Immerhin lässt sich so manches physikalische Gesetz wie die Fliehkraft hier praktisch und hautnah erleben 😉
Gleich bei der ersten von mehreren Sponsionsdurchgängen, mit denen die 21. Kinderuni Wien am Samstag (22. Juli 2023) abgeschlossen wurde, tauchten Doktor:innen-Hüte auf. Einen großen trug der achtjährige Maximilian auf dem Kopf, der den Infopoint der Kinderuni in der Aula des altehrwürdigen Gebäudes der Universität Wien an der Ringstraße als Hintergrund für ein Foto wählte. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… vertraute er an, dass ihn besonders zwei Lehrveransaltungen beeindruckt hatten: „Uhu, Kauz & Co – die geheimnisvolle Welt der Eulen“ an der Veterinärmedizinischen Uni sowie „Das Klima und ich – kann man das malen?“ im Universitätszentrum Althanstraße (ehemalige Wirtschaftsuniversität). In der laaaangen Schlange in jenem Gang des Arkadenhofes von dem aus es hinauf in den großen Festsaal geht, war auch eine Jungstudentin mit einem Haarband mit fast winzig kleinem Dotori:innen-Hütchen zu sehen.
Nach der feierlichen Sponsion, zu der wir ein, zwei Absätze später kommen, leuchten die Augen der 12-jährigen Jasmin als sie von ihrer Lieblings-Lehrveranstaltung bei der heurigen, ihrer immerhin fünften Kinderuni, schwärmt: „Das war eindeutig eine über Gentechnik, weil wir da selber im Labor Experimente durchführen durften, wir haben Gene einer Tomate untersucht.“
Genauso euphorisch schildert Clara (11) vom „Grundkurs Chirurgie, wo wir selber eine Wunde vernähen konnten – mit einer wirklichen Operationsnadel aber auf einem Schaumstoff“. Serena (13) hatte es ebenfalls die Medizin besonders angetan, das Krankenhaus für Kuscheltiere nennt sie, die ihre fünfte Kinderuni hinter sich hat, gegenüber dem Reporter.
Clara, eine der freiwilligen Helfer:innen in den gelben T-Shirts hielt das Schild mit der 10-Uhr-Sponsion hoch und dann bewegte sich hinter dieser Schilderträgerin die schon genannte laaaaange Schlange der Kinderuni-Studient:innen – in 4er-Reihen – hinauf zum großen ehrwürdigen Festsaal mit seiner tribünenartigen Kanzel. Hier erhalten auch erwachsene Studierende Ihre Sponsions- bzw. Promotionsurkunde. Vor dem Eingang zum Festsaal bekam noch jede und jeder je eine papierene Rolle – die Urkunde, die später nach der feierlichen Zeremonie in der „Schreibstube“ ausgefüllt werden sollte.
Im Saal warteten schon (Groß-)Eltern, Geschwister und andere Begleitpersonen auf den Sesseln auf den Einzug der Kinderuni-Studierenden. Und als die alle auf dem Boden vor den Sesseln gemütlich Platz genommen hatten, ertönten Fanfarenklängen des Musik-Quartetts für die Vertreter:innen aller sieben an der diesjährigen Kinderuni Wien beteiligten Hochschulen: Sebastian Schütze (Rektor Uni Wien), Kurt Matyas (Vizerektor TU), Doris Damyanović (Vizerektorin Boku – BodenKultur), Jürgen Rehage (Vizerektor VetMed), Michael König (WU – Wirtschaftsuniversität), Franz Kainberger (MedUni) sowie Elisabeth Haslinger-Baumann (Vizerektorin FH – Fachhochschul-Campus Wien) sowie als Zeremonienmeisterin Sonja Schreiner von der Uni Wien und von Anfang an Lehrende auch bei der Kinderuni.
Jede und jeder der Würdenträger:innen hielt sich in den Reden äußerst kurz und doch immer inhaltsreich, so wurde betont, dass sich alle beteiligten Uni-Lehrer:innen über die Neugier, Wissbegierde, aber auch die Fröhlichkeit und das Lachen dieser jungen und jüngsten Studierenden gefreut haben.
Und dann ging’s um die Sponsion, das sich vom lateinischen Wort für geloben bzw. versprechen ableitet. Die Kinderuni-Student:innen wurden gebeten, aufzuzeigen, wenn sie versprechen, nie aufzuhören, Fragen zu stellen. Und noch ein zweites Mal, ob sie auch immer weiter nach Antworten auf diese Fragen suchen wollen.
Dafür wurden/werden sie jedes Jahr mit dem Titel Magistra bzw. Magister universitatis iuvenum (der Kinderuniversität) ausgezeichnet. Und – der durch die Reihen der Erwachsenen gehende Lacher ist DER sichere Wett-Tipp – wer schon zum zweiten Mal bei der Kinderuni war, kriegt ein „zum Quadrat“ an diesen Titel angehängt. Die dreifach-Studierenden erhalten den Zusatz „multiplex“ und darüber geht nicht mehr – außer eine Fanfare 😉
Übrigens: Der erste Durchgang der Kinderuni-wien-Sponsion wird traditionellerweise simultan in Gebärdensprache übersetzt. Dolmetscherin Elke Schaumberger stellt davor extra für die KiJuKU-Kamera die Worte Kinder-Uni und Sponsion dar – siehe Video.
Bereits zum fünften Mal steht in seiner Urkunde neben dem genannten Titel das auch schon erwähnte multiplex, denn Tobias war in diesen Sommerferien zum siebenten – und damit zum letzten Mal (6 bis 12 Jahre) – Kinderuni-Student. Mittlerweile ist er 13 geworden und damit für weitere Kinderunis zu alt. Von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… befragt, was in all diesen sieben Jahren das Spannendste war, nennt er „einen Workshop heuer an der FH, da durften wir echt löten – einen elektronischen Würfel“.
Dieser Workshop gefiel auch dem elfjährigen Riad am besten, der zum vierten Mal studiert hat. Er ergänzt aber noch: „Sehr gut hat mir auch „Chemie macht Spaß“, wo wir echte Experimente machen durften, am besten war das mit einem echten Feuerball.“
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