Auf einer Bank in der Bühnenmitte sitzen zwei Darsteller schon als das Publikum den Sall betritt. Sie haben rote Nasen mitten im Gesicht. Álex Ramos und Santos Sánchez der Gruppe „ymedioteatro“ aus Torreperogil (Andalusien, Spanien) spielen zu Beginn der rund einstündigen Performance „EchO“ krasse Gegensätzlichkeit: Der eine voll aktiv, fast übermotiviert. Der andere neigt zum Einschlafen. Nur ja nichts tun müssen. Lediglich als der Erste beginnt über das Smartphone Licht und Ton zu regulieren, wird der Zweite hellwach, um stets dazwischen zu funken. Soweit das Intro, das mit dem Versuch, gemeinsam zu musizieren – mit Mini-Ziehharmonika bzw. Gitarre – endet. Da wird auch der „Schläfrige“ munter und pfeift Vogelgewitscher.
Als die beiden sich zum ersten Mal aus ihrer Sitzposition erheben wird etwas sichtbar: Sie sind mit einem roten Seil miteinander verbunden. Und da fällt der „Gleichklang“ mit der Bühnen-Deko auf – aus lauter solchen verknüpften Seilen spielen sie in einer Art Netz-Zelt mit großen Löchern.
Das Seil verbindet die engen Freunde. Doch kaum will der eine oder andere vielleicht einen eigenen Weg einschlagen – schwierig, die „Leine“ ist kurz. Und so spielen sich die beiden Schauspieler, Clowns und bald auch Figurenspieler durch Szenen einer engen Freundschaft. Mit all ihren Facetten – der Geborgen- und Verbundenheit ebenso wie dem nicht voneinander loskommen. Gern zusammen sein vs. doch zumindest hin und wieder unabhängig, selbstständig, frei sein zu wollen. Doch da steht das enge Band dazwischen. Ärger, Wut, Aggression – mit vielen gegenseitigen Schlägen. Letztere als Clowns natürlich auch in gewisser Slapstick-Manier, was ihr die Brutalität nimmt und vor allem bei den (ganz) jungen Besucher:innen fast zu Lachstürmen sorgt.
Diese genannten großen Fragen der menschlichen Existenz spielen die Clowns immer wieder situations- und bewegungskomisch (Regie: neben den beiden vor allem Delfín Caset und Zero en conducta Company). Und bald auch mit unterschiedlichsten Objekten, die sie zu spannenden Figuren beleben – etwa zwei weiße Hemden aus der Verkaufsschachtel. Diese oft geister-ähnlichen Wesen bespielen sie teils mit ineinander verschränkten Händen, sodass sie fast selber nicht mehr zu wissen scheinen, welche Hand zu wem gehört. Genial auch eine seiltanzende Radfahrer:in aus Klebebändern, die sie scheinbar live auf der Bühne basteln.
Viele spannende Szenen liefert das Duo auch noch rund ums Schlafengehen, wo ihre Sitzbank zum Paravent wird, hinter dem sie ums Einschlafen kämpfen, mögliche Albträume ausleben… Und wie und ob sie irgendwann voneinander loskommen – nein, das Ende sei sicher nicht verraten, vielleicht kommt das Duo, das übrigens tatsächlich via Handy Ton und Licht von der Bühne aus steuert, einmal in deine / Ihre Stadt 😉
Übrigens nennen sie auf ihrer Homepage als Motto für dieses Stück: „Freundschaft ist eine einzige Seele, die in zwei Körpern wohnt; ein Herz, das in zwei Seelen lebt.“ (Der Spruch wird dem antiken griechischen Philosophen der Aristoteles zugeschrieben.)
Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde von Luaga & Losna zur Berichterstattung nach Feldkirch (Vorarlberg) eingeladen.
63 Produktionen – davon 25 Premieren, 32 Wiederaufnahmen und sechs Gastspiele – das bietet die neue Saison im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier. Die neue ist auch eine Jubiläums-Saison, die 20. Und so wurden beim Mediengespräch am Mittwoch auch beeindruckende Gesamtzahlen dieser zwei Jahrzehnte vorgelegt: Mehr als eine Million Gesamtbesucher:innen (exakt: 1.053.345). Für sie gab es 13.558 Veranstaltungen. Seit der Eröffnung im Oktober 2004 gab es auf den Bühnen 1.034 Produktionen mit 9.692 Theatervorstellungen zu erleben.
Ein ausführliches – zweigeteiltes – Interview mit der Dramaturgin des Dschungel Wien, Marianne Artmann, die von schon in der Vorbereitungsphase der ersten Saison dabei war und durchgängig an diesem theaterhaus arbeitet(e), ist schon seit gestern online – Links hier gleich unten.
Die aktuelle künstlerische Leiterin, Anna Horn, die nach Stephan Rabl und Corinne Eckenstein nun in ihre zweite Spielzeit geht, verriet schon einige der neuen Produktionen – kurz werden sie hier in Form von Sujetfotos samt kurzen Texten vorgestellt.
Zuvor aber noch einige Details zu den knapp mehr als fünf Dutzend Produktionen der Saison 2024/ 25: Mehr als die Hälfte, nämlich 34 Produktionen richten sich an Kinder bis 11 Jahre, 29 sind für Jugendliche und junge Erwachsene gedacht. Der Spielplan umfasst 10 Eigenproduktionen, 8 Koproduktionen, 39 Premieren und Wiederaufnahmen aus der freien Szene Wiens sowie 6 Gastspiele. Insgesamt verteilen sich die Produktionen auf 25 im Bereich Performance, 18 im Bereich Schauspiel, 15 im Tanz und 5 im Musiktheater. Damit stehen 346 Vorstellungen auf dem Spielplan.
Von einer der neuen Produktionen war zu Beginn dieses Jahres schon ein szenischer Einblick zu erleben: „Zunder“. Auf der Suche nach neuen Stücken hat der Dschungel Wien das vorige Format für Nachwuchskünstler:innen „Try Out!“ verändert. Es folgte „Magma“, „inspiriert von dem vulkanischen Begriff heißen schmelzenden Gesteins, das an die Oberfläche dringen kann und sich dort wieder verfestigt, beginnt die Entwicklung neuer Stücke nun schon früher. In Kooperation mit dem Drama Forum (Graz) werden Autor:innen, Schauspieler:innen, Performer:innen zu realen, analogen Treffen eingeladen. Dort bilden sich aufgrund der vorgebrachten Ideen und Konzepte Produktionsgruppen, die – unterstützt von Mentor:innen eben ¼-stündige Szenen jeweils künftig möglicher Stücke erarbeiten“, schrieb KiJuKU und präsentierte alle Kandidat:innen – Link weiter unten – jetzt aber zu „Zunder“ (ebenfalls aus dem Bericht – 12. Februar 2024) zitiert:
Da hängen zwei in senkrecht zu Art Kuschelsitzen baumelnden Hängematten. Zögernd kommt ein Dialog zustande – „wie war Mathe?“. Und irgendwie lassen die beiden Schauspieler:innen von Anfang an aber mitschwingen – es geht doch um mehr. Rika (Selina Rudlof) übernimmt den aktiveren Part, Tom (Marko Jovanović) ist der Verschlossenere, der sich in dem Tuch fast verkriecht. Langsam spricht Rika an, worum’s wirklich geht – um Videos, die sie anderntags am Handy angeschaut haben. Mit so „komischen Geräuschen und Bewegungen“… In „Zunder“ spielen die beiden – an der Schwelle zwischen Kind und Jugendlichen die Verwirrtheit an, die es auslöst wenn sie zum ersten Mal (online) Pornos sehen. Und dass sie eigentlich, obwohl Rikas Mama das sagt, damit mit niemandem wirklich darüber reden können. Und schaffen es, trotz der peinlichen und sprachlosen Momente, die sie miterleben lassen, so manche Passage mit Humor und Witz einzubauen. (Text: Rachel Müller; Regie: Manuel Horak; Bühne/Kostüme: Sophie Eidenberger; Requisite: Fabian Tobias Huster; 21. – 23. September 2024 und 22. bis 24. März 2025)
Zur Saison-Eröffnung (21. – 24. September 2024 sowie eine zweite Spielserie 13. bis 16. Februar 2025) wird nicht nur „Zunder“ zu erleben sein, sondern auch „Who cares what you wear?“ (Regie: Bianca Thomas, Zusammenarbeit mit der Austrian Fashion Association und Fashionclash / Maastricht, Niederlande). Eine von KiJuKu mehrfach angeregte Kooperation mit den Wiener Jugendzentren und deren wohl größten und jedenfalls kreativsten Nachwuchs-Modedesign-Bewerb für Kinder und Jugendliche (4 bis 21 Jahre; heuer zum 30. Mal) wurde leider nicht einmal ignoriert.
„Rosa Riedl, Schutzgespenst“ von Christine Nöstlinger wird von Armela Madreiter bearbeitet und als Weihnachtsproduktion die längste Spielserie haben (30. November bis 15. Dezember 2024)
Zum 150. Geburtstag des Komponisten Arnold Schönberg lädt der Dschungel Wien gemeinsam mit Wien Modern zu „Die Prinzessin – Ein Schönbergmärchen“ ein, schon jungen Kindern diese Art von Musik kennenzulernen (7. – 17. November 2024)
„Erdmännchen“ von Theater Foxxfire! zeigt den Mikrokosmos unserer Gesellschaft mit ihren Hierarchien und Dynamiken. Wer sitzt neben wem in der Schule? Wer liked was? Möchte ich herausstechen oder reicht es mir, Mitläufer:in zu sein? Welches Erdmännchen bist du? (28. September bis 2. Oktober 2024).
„Hope – eine performative Installation mit Hoffnungs-Chor“ von schallundrauch agency ist eine museal-theatrale Installation über Hoffen und Bangen. Das Publikum kann bei den einzelnen Menschen und Stationen verweilen und zuhören. Unterbrochen wird dieser Museumsbetrieb durch performative Einlagen, Tanz und einen Hoffnungschor (11. bis 16. November 2024).
„Ottos Mops“ ist ein vom gleichnamigen Gedicht Ernst Jandls inspiriertes Musiktheater ab 3 Jahren von „Theater.Nuu“ (2. bis 6. November 2024).
„Schimmer“ heißt eine „immersive Tanzinstallation“ ab einem halben Jahr von Vrum Performing Arts Collective (27. November bis 1. Dezember 2024). Inspiriert von den Erfahrungen, die Kinder schon im Bauch der Mutter mit Licht und Bewegung machen, lädt es die allerjüngsten Zuschauer:innen ein, eine Welt der sanften Klänge und leuchtenden Farben zu entdecken.
„Zug 2.0 – zwischen Erfurt und Wien“ nennt die Kooperation der bekannten „Ich bin O.K.“-Dance Company und Tanztheater Erfurt (Deutschland) ihre inklusive Produktion. Fotograf:innen aus Erfurt und Wien fingen Momente ihrer Lebensorte in Schwarz-Weiß ein. Entstanden ist ein Kaleidoskop aus Bildern der beiden Städte, das durch persönliche Erfahrungen der Tänzer:innen zum Leben erweckt wird (30. November bis 1. Dezember 2024)
Südpol.windstill von Armela Madreiter und Sand-Production ist Schauspiel (ab 9 Jahren): Ida kennt sich gut mit Polarforschung aus. Bei ihrer Mutter weiß man nie, in welcher Stimmung man sie vorfindet. Als Ida das Nachbarsmädchen Amrei kennenlernt, das seinerseits alles über Sterne weiß, stößt diese Begegnung Türen auf. Das Stück wurde mit dem KinderStückePreis der Mülheimer Theatertagen ausgezeichnet (6. bis 9. Dezember 2024).
Allein in den rund 3 ½ Jahren Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… sind mehr als drei Dutzend Berichte über Stücke, Performances und Workshops erschienen. Davor im Kinder-KURIER ein Vielfaches. Leider ist online davon nur mehr wenig abrufbar. Was gefunden wurde, ist ebenso wie die Beiträge aus KiJuKU.at hier in diesem PDF-Flipbook durchzublättern – zu erreichen über den hier abgebildeten QR-Code:
Der leicht schillernde Vorhang zu Beginn vermittelt ein bisschen den Eindruck einer spiegelnden Wasseroberfläche – vielleicht aber auch nur, weil demnächst das Stück „Tagebuch eines hässlichen Entleins“ über die Bühne im Pförtnerhaus gehen wird. Damit eröffnete das internationale Theaterfestival für ein junges Publikum im Vorarlberger Feldkirch seine 36. Ausgabe.
„Diario di un brutto anatroccolo“ der Factory compagnia transadriatica aus Lecce (Halbinsel Salento in Apulien, Italien), kommt ohne Worte aus. Natürlich lehnt es sich an das berühmte Märchen von Hans Christian Andersen „das hässliche, junge Entlein“ an. Für jene, die dies nicht kennen kürzest die Story: Unter den Eiern, die eine Entenmutter ausbrütet ist auch ein fremdes. Dieses Küken ist – im Gegensatz zu seinen vermeintlichen Geschwistern nicht niedlich gelb, sondern grau. Es entpuppt sich letztlich als ein Schwan. Die werden in der Regel für sehr schön gehalten. Ein wunderbares Märchen, wie das so ist mit Vorurteilen und Ausgrenzung von Außenseiter:innen!
Die Gruppe aus dem Stiefel-Absatz ziemlich nahe der Schuhsohle erzählt in wortlosem Tanz und Schauspiel aber oft mit Originalmusik von Paolo Coletta, der Tschaikowskys „Schwanensee“ zusammen mit der Choreografie von Annamaria De Filippi neu interpretiert. Stationen des Schwanen- und damit anfänglich gemobbten Außenseiter-Lebens werden nicht so sehr als Märchen, sondern als für von vielen (Kindern) erlebte Situationen, wenngleich im Schwimmvogel-Kostüm gespielt und getanzt.
Allein schon durch hier Tänzerin Francesca De Pasquale und da die schauspielenden Entleins Antonio Guadalupi, Luca Pastore, Benedetta Pati ergeben sich zwei Theaterwelten, die doch deutlich Unterschiede zeigen. Mobben sie das „fremdartige“ Kind schon gleich nach der Geburt, so zieht sich dies in einer auf uralt gemachten Schulszene weiterhin fort. Da wird die Schwänin zur „Streberin“, die mit Papierkugeln beschossen wird.
Später schlüpfen die drei Schauspieler:innen in die Rollen unterschiedlichster Passant:innen auf einer hektischen Straße in einer Großstadt – was die Geräusche verraten. Halbtot liegt Schwänin als Obdachlose (?) auf dem Gehsteig, alle hasten vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen, teils steigen sie über sie drüber. Irgendwann wirft ein edel erscheinender Mann, von seiner noch edleren Begleiterin gedrängt, dem Wesen auf dem Boden ein paar Münzen hin… Diese Szenen bergen viel Situationskomik und Humor in sich – mitunter aber Lächeln und Lachen, das im Halse stecken bleibt, angesichts der Parallelen zur echten Menschen-Welt.
Heftig – wohl für junge Kinder (das Stück ist ab 5 Jahren angegeben) durchaus möglicherweise ängstigend (im Publikum im Pförtnerhaus waren nur sehr wenige junge Besucher:innen) ist die doch recht lange Szene, die es auch im Märchen gibt, wenn Jäger auf Enten und Gänse schießen. Schüsse, Kriegslärm, blutrot gefärbte Bühne – und das eine gefühlte Ewigkeit lang.
Aber abgesehen davon, überzeugt diese Version der Verallgemeinerung des zu-sich-Stehens, des Widerstehens von Anfeindungen, des Auf und Abs an Ablehnung und Zuwendung – eine berührende Szene von Freundschaft und Liebe zwischen Schwänin und Enterich – durch die nonverbale, sehr poetisch getanzte und gespielte Performance der vier genannten Darsteller:innen; übrigens wie auch andere Produktionen der Factory compagnia transadriatica inklusiv. Und weil es in der Qualität der Darstellung keine Unterschiede gibt, wird hier auch nicht genannt, wer ohne und wer mit Behinderung agierte.
Schon noch erwähnt werden sollen die Regie von Tonio Nitto, der auch die Bearbeitung des Andersen-Märchens vorgenommen hat sowie Roberta Dori Puddus Bühnenbild – teils mit Hintergründen im Stile kolorierter Ansichtskarten mit umrahmten Schrift-Inserts wie in alten Schwarz-Weiß-Filmen sowie die Kostüme von Kostüme: Lapi Lou Lichtspiele von von Davide Arsenio.
Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde von Luaga & Losna zur Berichterstattung nach Feldkirch (Vorarlberg) eingeladen.
Dass Lesen wichtig ist – sagen und schreiben (fast) alle. Dass nicht wenige die Schule verlassen und ziemliche Schwierigkeiten haben, sinnerfassend zu lesen, wird genauso seit viiiielen Jahren beklagt. Eine Institution, die sich der Förderung von Lektüre bei Kindern und Jugendlichen widmet, ist der Buchklub – seit mehr als einem ¾ Jahrhundert (gegründet 1948). Und der gemeinnützige, überparteiliche Verein ist aber in seiner (finanziellen) Existenz bedroht. Darauf weist ein Offener Brief hin, der von zahlreichen (nicht nur) Autor:innen bereits unterzeichnet wurde. Außerdem fand am Mittwoch ein Mediengespräch dazu statt – Disclaimer: Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… konnte nicht dabei sein, weil in dieser Woche vom internationalen Theaterfestival „Luaga & Losna“ (schauen und hören) für junges Publikum aus dem Vorarlberger Feldkirch berichtet wird.
Die internationalen Studien PISA (Programme for International Student Assessment – 15 Jahre/Ende der Schulpflicht) und PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study – 10-Jährige (Ende Grundschule) erhoben, dass rund jede/r Fünfte (20%) schwache Leserin/ schwacher Leser ist. Im Vergleich zu PIRLS 2016 gab es eine leichte Verschlechterung der Lesekompetenz.
Der Buchklub erreicht jedes Schuljahr immerhin 300.000 Kinder und Jugendliche, was mithilft, dass doch mehr als die Hälfte der Schüler:innen (52 %) mindestens ein- bis mehrmals in der Woche in einem Buch lesen, 14 % sogar täglich (KIM-Studie 2022 – Basisuntersuchung zum Medienumgang 6–13-Jähriger). Der Buchklub stellt jährlich ca. 100 aktuelle Kinder- und Jugendbücher vor und didaktisiert davon rund 30 für den Einsatz zur Literaturvermittlung und Leseförderung im Unterricht. (Primar- und Sekundarstufe I).
Die Buchklub-Referent:innen sind Pädagog:innen an fast allen Schulstandorten, die sich um die Leseförderung bemühen – nicht zuletzt durch Verbreitung von zusätzlichem pädagogischen Material zu vielen Büchern. Die Idee des Buchklubs ist nicht zuletzt, dass Leseförderung längerfristig angelegt sein muss, um nachhaltig zu wirken. Kinder sollen beim Lesen nicht allein gelassen werden. Über das Gelesene soll gemeinsam gesprochen werden. Ebenso ist in vielen Studien eindeutig belegt, dass Vorlesen – auch wenn Kinder schon lesen können – nach wie vor wichtig ist.
Kinder brauchen moderne Texte. Es gibt sie: Die Klassiker der Kinderliteratur, aber viele beliebte und bewährte Titel erzählen von Lebenswelten, die nicht mehr dem Alltag der Kinder entsprechen. Jede Zeit braucht ihre Bücher und Geschichten, weil sich die Welt sowohl sprachlich als auch inhaltlich stetig verändert. Mit Buch-Auszügen und Empfehlungen bringt der Buchklub aktuelle Kinderliteratur an Schulen und in Familien.
Zurück zum Problem. Viele, so klagt der Buchklub, glauben – fälschlicherweise – diese Einrichtung wäre ohnehin durchsubventioniert. Aber, so Geschäftsführerin Lydia Grünzweig zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…: „Bis heute wurden die finanziellen Grundlagen des Buchklubs zum überwiegenden Teil eigenständig erwirtschaftet – der Anteil an öffentlichen Förderungen und Subventionen für das Gesamtbudget lag in all den Jahren bei unter 10%.“
Auf der Homepage des Bildungsministeriums steht: „Lesen ist ein wesentlicher Kompetenzbereich des österreichischen Schulsystems. Die OECD-PISA-Studie definiert Lesen als „Basiskompetenz für eine befriedigende Lebensführung in persönlicher, beruflicher und gesellschaftlicher Hinsicht sowie für eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben“. Lesekompetenz ermöglicht es den Schüler/innen, Texte unterschiedlicher Art in ihren Aussagen, ihren Absichten und in ihrer formalen Struktur zu verstehen, sie in einen größeren sinnstiftenden Zusammenhang einzuordnen sowie in der Lage zu sein, Texte für verschiedene Zwecke sachgerecht und zielgerichtet zu nutzen und zu produzieren.“
Dem folgen aber offenbar nicht genügend Taten. Wobei auch auf mehrfache Nachfrage der Buchklub keine konkrete Zahl des finanziellen Bedarfs nannte. Disclaimer: Stunden nach diesem Artikel kam per eMail auf die dritte Nachfrage doch noch eine konkrete Antwort: „Wir würden für die akute Überbrückung rund Euro 150.000,- benötigen, und für die Zukunft bemühen wir uns um Unterstützer – nicht nur die öffentliche Hand – die den Buchklub und die Leseförderung regelmäßig und nachhaltig unterstützen“.
Allerdings versucht der Buchklub nun nicht nur auf Finanzbedarf hinzuweisen, sondern hat auch eine „Buchbaustein“-Aktion ins Leben gerufen: „Mit jedem Buchbaustein um 85 Euro unterstützen Sie ein Kind ein ganzes Jahr lang dabei, leichter und besser Lesen zu lernen. Wir sind davon überzeugt, diesen wichtigen Beitrag zur Bildung muss uns jedes Kind wert sein“, heißt es unter anderem in dem Offenen Brief.
Nicht unspannend übrigens der zeitliche Zusammenfall des Buchklub-Mediengesprächs mit einem Vortrag im Rahmen des eingangs erwähnten internationalen Theaterfestival für junges Publikum „Luaga & Losna“ in Feldkirch (Vorarlberg). Die Theater-Aufführungen und Performances werden von einem Symposion begleitet unter dem Titel „Zusehen? Selber spielen? Zur Persönlichkeitsentwicklung mit Theater in der Schule“. Just Mittwochvormittag referierte Michael Schiemer, der schon viele Theaterprojekte in Schulen initiiert und geleitet hat und Theaterpädagoge am Vorarlberger Landestheater ist. 1 zu 1 projizierte er, was alles Gutes, Wichtiges zur Persönlichkeitsentwicklung, kritischem Denken und so weiter in den Lehrplänen steht, wie viel davon nicht im Schul-Alltag stattfinden und wie sehr und wie stark Theater(-projekte) dies aber ermöglichen könnten!
Bildungsministerium -> literacy
Derzeit geht im Vorarlberger Feldkirch das 36. „Luaga & Losna“, Theaterfestival für ein junges Publikum über die Bühnen – und eine Wiese mit bespielbaren „Riesen“ aus re- besser geschrieben up-gecycleten Alt-Metallen. Im Rahmen des Festivals beschäftigt sich ein Symposion mit Theater als Teil einer humanistischen Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Dabei wird besprochen und in theaterpädagogischen Übungen darüber gearbeitet, wie Kindern und Jugendlichen Theater näher gebracht werden kann – und zwar sowohl das Zuschauen, das immer auch ein aktiver Prozess ist, als auch das Erlebnis, selbst Theater zu spielen.
Das Festival war in seinen Anfängen, also vor mehr als drei Jahrzehnten, jeweils auch ein vernetzendes Treffen der gesamten heimischen Kinder- und Jugendtheaterszene. Sogar die Geburtsstunde der Österreich-Sektion der internationalen Kinder- und Jugendtheatervereinigung ASSITEJ schlug bei „schauen & hören“ – die Übersetzung des Festival-Mottos ins Hochdeutsche.
Gerade in dieser Woche fand auch das Mediengespräch zur neuen Saison des Theaterhauses Dschungel Wien im MuseumsQuartier statt – wo einiges zur neuen Saison sowie zum 20-Jahr-Jubiläum dieses von der freien Szene erkämpften Theaterhauses für ein junges Publikum zur Sprache kam. Drei künstlerische Leiter:innen gab es bisher, Gründungsdirektor Stephan Rabl (12 Jahre lang), Corinnen Eckenstein, die von Anfang hier viel inszeniert hatte, leitete sieben Jahre den Dschungel Wien, nun startet die aktuelle künstlerische Leiterin Anna Horn, die zuvor am Burgtheater-Studio tätig war, in ihre zweite Saison.
Da Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… vorzog, Theater zu erleben, musste das Mediengespräch unbesucht bleiben. KiJuKU bat dafür einen durchgängigen Dschungel-Fixstern, meist sehr bescheiden im Hintergrund, aber Herz und Hirn des Theaterhauses, die Dramaturgin Marianne Artmann zum Jubiläums-Interview.
Zunächst wollte KiJuKU wissen, wie sie selber zum Theater gekommen ist – dies ist als eigener Teil ausgegliedert – und unten gegen Ende des Beitrages verlinkt.
KiJuKU: So, jetzt aber zu 20 Jahre Dschungel Wien, was sind im Rück- und Überblick die wichtigsten Veränderungen, die du feststellen kannst / musst oder bemerkst?
Marianne Artmann: Die Vielzahl neuere Gruppen und Kollektive, die kontinuierlich professionell arbeiten – eine deutliche Qualitätssteigerung.
Am Anfang, vor 20 Jahren, war es nicht so leicht genügend heimische Produktionen zu finden, die mit den internationalen Gruppen und Produktionen vor allem aus den Niederlanden, Belgien und Skandinavien mithalten konnten. Heute braucht die Wiener Szene diese Vergleich nicht mehr zu scheuen.
KiJuKU: Inwiefern hat da der Dschungel eventuell einen Anteil?
Marianne Artmann: Wir haben als Haus den Gruppen und Kollektiven einen Basis gegeben. Vorher musste sie sich irgendwo einmieten, selber alles organisieren – von der Technik bis zur Bewerbung. Mit dem Dschungel haben sie alle eine Infrastruktur bekommen – bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit.
KiJuKU: Und vom Publikum her, welche Veränderung stellst du da fest?
Marianne Artmann: Die Gesellschaft ist viel diverser geworden – und das ist für uns nicht nur eine Frage von Themen, die auf der Bühne verhandelt werden sollen. Es stellt sich die Frage, nicht nur was, sondern auch wen zeigst du auf der Bühne? Wer inszeniert? Fühlt sich bzw. wird das Publikum repräsentiert – verschiedene Hautfarben, Kopftuchträgerinnen, andere Sprachen als Deutsch – das sind Herausforderungen, die in den vergangenen Jahren auf alle Theaterhäuser, auch auf den Dschungel zugekommen sind.
KiJuKU: Hat sich die Zusammenarbeit mit Schulen verändert?
Marianne Artmann: Mit Kindergärten klappt es gleich gut wie früher, mit Schulen ist es schwieriger geworden und das liegt an einem ganzen Bündel an Ursachen: Schulen und Lehrer:innen sind stärker belastet – vom Mangel an Personal bis zur Zunahme administrativer Aufgaben. Wobei es mit Volksschulen noch leichter ist als in der Sekundarstufe I, aber richtig zum Knochenjob ist das Ansprechen von Oberstufen geworden. Corona war da auch ein großer Bruch.
Hinzu kommt, dass etliche Pädagog:innen, mit denen es langjährige Zusammenarbeit gab, mittlerweile in Pension sind.
Wir versuchen zwar auch in die Ausbildungsschienen von Pädagog:innen zu kommen – in Pädagogische Hochschulen mit einem Vortragsformat „Alles kein Drama – Mit Schüler:innen ins Theater“ und bemühen uns an die Unis zu kommen. Aber so manche junge Lehrer:innen haben nicht zuletzt deswegen, weil sie mit mehr und anderen Medien aufgewachsen sind, nicht mehr den Bezug zu Theater.
KiJuKU: Theater als Auslaufmodell sozusagen?
Marianne Artmann: Sicher nicht, auch wenn viele – Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene und damit natürlich Pädagoginnen und Pädagogen vieles vom Handy empfangen, das analoge Erleben eines Geschehens auf der Bühne und das noch dazu gemeinsam in der Gruppe ist eine eigene Qualität. Die erfordert allerdings auch gewisse Fähigkeiten und Anstrengungen. Theater anschauen ist etwas sehr aktives. Ich muss die Zeichenhaftigkeit entschlüsseln und mit Abstraktion umgehen können – etwas, das wir alle brauchen. Es gibt einen Satz von dem ich jetzt nicht weiß, von wem er ist: Im Theater wird Welt reflektiert, ein Standpunkt entwickelt und Gesellschaft gestaltet.
KiJuKU: Hat sich die Aufmerksamkeitsspannen in diesen 20 Jahren verändert?
Marianne Artmann: Im Wesentlichen liegt sie immer bei 50 Minuten, also einer Schulstunde. Aber die ganze Zeit ist natürlich immer die Frage, kriege ich das Publikum oder nicht. Und das ist die Aufgabe der Künstler:innen. Ja, und Theater für junges Publikum muss sich immer mit dem Publikum beschäftigen!
KiJuKU: Abseits der künstlerischen Herausforderungen, fallen dir noch sonstige Veränderungen in diesen zwei Jahrzehnten ein?
Marianne Artmann: Ja, die technischen Herausforderungen sind extrem gewachsen. Vor 20 Jahren wurde zum Teil noch mit Videokassetten und CD gearbeitet. Die digitalen Möglichkeiten bringen eine tolle Qualität, haben aber auch die Kehrseite einer hohen Komplexität. Es sind nicht immer alle Systeme kompatibel. Und währen du bei einem Analogen Lichtpult eine Einschuldung von vielleicht einmal zehn Minuten hattest, erfordert die Beherrschung eines digitalen Pultes mitunter zwei Monate.
Und auf einer ganze anderen Ebene: Es ist viel, viel schwieriger, Medienvertreter:innen dazu zu bringen, sich ein Stück für Kinder oder / und Jugendliche anzuschauen und darüber eine Kritik zu schreiben, weil die Redaktionen immer weniger Journalist:innen haben.
KiJuKU: Deine Wünsche, Visionen für die nächsten 20 Jahre?
Marianne Artmann: Meine, unser aller Leidenschaft ist das Anliegen mit Theater dazu beitragen zu können, den Horizont von Kindern und Jugendlichen zu erweitern durch gutes Theater, Tanz und Performances. Ich wünsche mir, dass wir sowohl Publikum als auch Multiplikator:innen, vor allem Pädagog:innen mit unseren Stücken und Produktionen erreichen können. Und dass es uns noch mehr gelingt, die vorhandene Diversität der Gesellschaft auf und hinter der Bühne, also auch im Betrieb abzubilden, wie wir es mit der Next Generation und der digitalen Bühne hier am Haus versuchen.
An Themen gibt es darüber hinaus aber auch solche von zeitloser Relevanz wie Freundschaft, Fragen „wie wollen wir miteinander leben“ und heute vielleicht noch stärker als vorn 20 Jahren Klimaschutz und Nachhaltigkeit.
KiJuKU: Try out! MAGMA und andere Formate oder auch die Theaterwerkstätten sind Teil der Nachwuchsförderung. Gab es da Veränderungen in den zwei Jahrzehnten?
Marianne Artmann: Das war von Anfang an wichtig, aber die Bühne 2, die mit ihrer flexiblen Publikumstribüne ursprünglich als Workshopraum gedacht war, wurde dann so oft von Produktionen bespielt, dass wir damit erst wirklich beginnen konnten mit der Erweiterung durch die Bühne 3 und die Studios ab 2013. Auch wenn erst Probebühne genannte Bühne 3 wieder schnell und oft zur Aufführungsbühne wurde.
KiJuKU: Du fühlst dich wohl und bist zufrieden mit deiner Rolle hier in diesen 20 Jahren?
Marianne Artmann: Es ist ein Privileg, im Dschungel Wien arbeiten zu dürfen!
KiJuKU: Danke für das anregende, intensive Gespräch.
Allein in den rund 3 ½ Jahren Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… sind mehr als drei Dutzend Berichte über Stücke, Performances und Workshops erschienen. Davor im Kinder-KURIER ein Vielfaches. Leider ist online davon nur mehr wenig abrufbar. Was gefunden wurde, ist ebenso wie die Beiträge aus KiJuKU.at hier in diesem PDF-Flipbook durchzublättern – auf Inhalt laden klicken; alternativ kann auch der QR-Code hier ge-scannt werden:
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Weitere Informationen
Bevor’s um den Dschungel selbst geht, wollte KiJuKU.at wissen: „Wie bist du selber zum Theater gekommen?
Marianne Artmann: In der achten Klassen war unsere Klasse (Gymnasium Wels) auf einer Exkursion im Linzer Landestheater. Dort konnten wir hinter die Kulissen blicken, eine Dramaturgin hat uns vieles erklärt. Da habe ich zum ersten Mal von diesem Beruf gehört. Ein Lehrer der Parallelklasse ist danach zu mir gekommen und hat gesagt: „Marianne du strahlst so!“ Von da an wollte ich diesen Beruf ergreifen. Und hab nach der Matura begonnen Theaterwissenschaften und Germanistik zu studieren – gegen ein bisschen Widerstände der Familie, die meinte, ich solle eher Lehramt studieren, das sei was Handfestes mit gesicherter Berufsperspektive.
KiJuKU: Und vom Studium in die Praxis, speziell im Bereich Kinder und Jugend – wie ging da der Weg?Marianne Artmann: Im Studium hielt Claudia Kaufmann-Freßner vom Burgtheater eine Lehrveranstaltung über Theater für junges Publikum. Da hab ich mich zum ersten Mal mit der Frage beschäftigt, was kann jungem Publikum zugemutet werden. In Erinnerung geblieben ist mir die Diskussion um das Stück „Mirad, ein Junge aus Bosnien“ vom niederländischen Theaterautor Ad de Bont (aus 1993).
In der Endphase des Studiums hatte ich mehrere Regie-Hospitanzen u.a. im Burgtheater. Dann hab ich mich auf eine Ausschreibung des Theaterfestivals Szene Bunte Wähne in Niederösterreich für die Festival-Dokumentation beworben – und wurde abgelehnt, habe aber weiter Kontakt zur Szene gehalten und durfte dann nach dem ersten Tanzfestival für junges Publikum 1998 Regie-Assistenz bei „Der Wolf und der Mond“, im Rahmen eines 3-Länder-Projekts mit Schweden und Dänemark machen. Elisabeth Orlowskyi hat die Choreografie und Jürgen Flügge die Regie für den Österreich-Part gemacht.
KiJuKU: Das war dann der endgültige Einstieg?
Marianne Artmann: Sozusagen, ich bin dann geblieben, musste im Jahr darauf fünf Wochen vor dem Festival, weil der Projektleiter abgesagt hatte, einspringen, hatte keine Erfahrung, aber hab es dann doch geschafft, alles zu organisieren. Da war ich aber eher für fast alle organisatorischen Dinge zuständig – von den Spielstätten über die Technik, die Unterkünfte, die Fahrer bis hin zu den Drucksorten.
KiJuKU: Aber nicht dein eigentliches Metier, oder?
Marianne Artmann: Aber schon danach kam ich zum Inhaltlichen, durfte Festivals besuchen, Produktionen vorschlagen – gemeinsam mit dem künstlerischen Leiter, Stephan Rabl. Und als der dann zum Leiter des Dschungel Wien bestellt wurde, hat er mich gefragt, ein halbes Jahr später als Assistenz der künstlerischen Leitung hierher zu kommen.
KiJuKU: Aber noch nicht als Dramaturgin?
Marianne Artmann: Das kam dann 2006, also zwei Jahre nachdem der Dschungel 2004 den Betrieb aufgenommen hatte.
Vor dem Theater am Saumarkt am Rande der Feldkircher Innenstadt, am Fluss-Ufer der Ill neben der Brücke zum Pförtnerhaus sowie dem Alten Hallenbad hängen bunte, in diesem Jahr vorwiegend rosa und lila gehaltene Transparente des aktuellen, mittlerweile 37. Theaterfestivals für ein junges Publikum. „Luaga & Losna“ – für Menschen, die die Vorarlberger Version von Deutsch nicht kennen: Schauen und hören – bringt wieder unterschiedlichste theatrale Formen auf die Bühne. Und nicht nur dorthin. Seit einigen Jahren engagiert das Festival immer wieder auch Straßentheater-Künstler:innen.
Aus dem zuletzt genannten Metier kommt Théâtre de la Toupine aus dem französischen Evian. Seit 47 Jahren mit rund 10.000 Performances bei mehr als 3000 Festivals in vielen Ländern der Welt unterwegs, macht die Gruppe nun mit „verspielten Riesen“ (Monstres Jeux 2) auf der Wiese vor dem großen Spielplatz neben dem Alten Hallenbad Station. Aus alten Fahrrädern, Staubsaugern, Kannen, Federn, Drähten und vielen anderen Teilen baute Simon Thorens große Figuren, die zum Staunen ebenso einladen wie zum Spielen. Was vor allem Kinder spontan und sofort nutzen. Erwachsene brauchen meist ein bisschen länger, bis sie sich trauen, mit dem aus Alt-Metall-Teilen sowie einem Uralt-Staubsauger zusammengesetzten Schlagzeuger die bereithängenden Sticks an Schnüren in die Hände zu nehmen, auf die Trommel davor zu schlagen, sodass der „Riese“, dessen Arme ebenfalls über diese Schnüre verbunden sind, auf sein Instrument trommelt.
Ringelspiel unterm Schirm, eine Art Riesenvogel, den du mit Seilzug und Griff steuern kannst, um einen der Bälle mit Metallfeldern per Magnet an der Vogelschnauze aufzuheben und in ein metallenes Sieb hineinzumanövrieren – das wohl ausgefeilteste Geschicklichkeitsspiel dieses Parcours zwischen dem Parcours aus überdimensionalen Figuren wie sie im Kleinen ansonsten von Puppentheater-Spieler:innen zum Leben erweckt werden, um Geschichten zu erzählen.
Mélodie Bert ist mit den Figuren nach Vorarlberg zum Festival gereist, um die auf dem Transport natürlich zerlegten Objekte wieder zusammen zu bauen. „Wir kommen aus einer ökologischen Tradition. Unser „verrückter“ kreativer Kopf, der schon erwähnte Thorens, denkt sich die Objekte aus und baut sie auch eigenhändig. Aber die ganze, gar nicht so kleine Gruppe, sammelt in einer riesigen Lagerhalle alles Mögliche an Altmaterial – nicht nur Metall. Wir haben auch viele Figuren und ebenfalls bespielbaren Objekte aus Schwemmholz vor allem aus einem See an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich.“
Die metallenen Riesen entstanden schon vor sieben Jahren – zum 40er der Theatergruppe. Die hölzernen aber gab’s schon davor, weshalb die aktuell in Feldkirch zu erlebende bespielbare Installation ja auch Monster-Spiele 2 heißt. „Unsere Gruppe rettet so sehr viele Dinge, die sonst weggeworfen würden – eine sehr kreative Form von Re- und Upcycling“, so die „Riesen“-Betreuerin Mélodie Bert zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde von Luaga & Losna zur Berichterstattung nach Feldkirch (Vorarlberg) eingeladen.
Als Adresse ist sie bekannt, durchzieht doch die Ada-Christen-Gasse als eine zentrale Straße die vor mehr als einem halben Jahrhundert in Wien-Favoriten errichtete große Wohnhaus-Anlage Per-Albin-Hansson-Siedlung samt Haus der Begegnung, Einkaufszentrum usw. Damals sogar noch eher eine Seltenheit, dass eine Verkehrsfläche nach einer Frau benannt wurde. Doch selbst der Bezirksvorsteher Favoritens, der zur Premiere des Stücks mit Live-Musik und atmosphärischen Visuals im Hintergrund ins „Gleis 21“ im Sonnwendviertel beim Hauptbahnhof kam, gestand, er habe lange nicht gewusst, dass Ada Christen der Künstlerinnen-Name der Schriftstellerin Christi(a)na von Breden (geborene Fr(i)ederik – 1839 – 1901) war.
„Ada Christen – die Stimme der Verlorenen“ nennt „Ensemble 21“ das (mit Pause) rund zweistündige Stück. Trotz der schon eingangs erwähnten Namens-Nennung sind die Werke der Schriftstellerin heute kaum bekannt. Und so entreißt die Performance die Autorin der Vergessenheit. Und mit den Texten aus einigen ihrer Erzählungen bringt sie auch das Leben vor allem der Masse der ärmeren Bevölkerung ihrer Zeit – zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts – (wieder) sehr anschaulich nahe. Die Künstlerin selbst hatte ein bewegtes Leben mit sozialen und finanziellen Auf und Abs, kannte also beide Situationen sowohl Wohlstand als auch Armut aus eigenem Erleben.
Zum runden 150-Jahr-Jubiläum des Bezirks Favoriten (2.-größter Wiener Bezirk und mit 220.000 Einwohner:innen mehr als Linz) stieß die Schauspielerin Rita Luksch bei ihrer Suche nach einem Stoff für ein neues Stück mit Lokalkolorit auf diese Frau. Schon als Kind musste sie zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Ihr Vater kam wegen Beteiligung an der 1848-Revolution ins Gefängnis und starb früh an den Folgen der Haftbedingungen. Handschuh-Näherin, Blumenverkäuferin… Schließlich kam sie in Kontakt mit einer Wandertheater-Gruppe und tingelte durch Teile der Monarchie. Einige Jahre (1855 – 1858) spielte sie im Meidlinger Theater. Bei einer der Theater-Tourneen lernt sie einen ungarischen adeligen Großgrundbesitzer kennen, die beiden heirateten, doch er starb früh – ebenso wie ihr Kind – und so verarmte sie wieder. Es folgte später ein weiteres Auf und wieder Ab.
Die Lebensgeschichte Ada Christens fasste die Schauspielerin in einer ersten Passage – fast ein bisschen zu schnell wie im Zeitraffer zusammen. (Zeitweise) berühmt wurde sie mit ihren Gedichten „Lieder einer Verlorenen“, unschwer zu erkennen auch Inspiration für den Titel des Abends. „Nicht alle haben meine Gedichte richtig verstanden – oder ja, vielleicht haben sie sie richtig verstanden aber wollen es sich nicht eingestehen. Eine Frau, die über die Liebe schreibt, sogar über die Leidenschaft, Lust zu erfahren, das ist offensichtlich für einigen Moralapostel zu viel. Es wäre wohl klüger gewesen, bei der Veröffentlichung meines ersten Gedichtbandes … meine Vergangenheit als Animierdame in einem Nachtlokal nicht zu erwähnen. Diese Erfahrung, für mich übrigens nicht die angenehmste Erinnerung, hat die Leute am meisten interessiert. Sie sehen nur das frivole Abenteuer. Ich war ein gefundenes Fressen für die Sensationspresse. Womöglich hat sich mein Band gerade deshalb so gut verkauft. Vielleicht sind sie weniger an guter Literatur interessiert als am Verruchten. Das, was sie sich selbst nicht eingestehen… Ich will aber etwas ganz anderes erzählen. Ich wollte Frauen Mut machen zu ihrer Lust und Leidenschaft zu stehen. Auch solidarisch sein mit den jungen Mädchen, die sich aus Geldnot und Hunger verkaufen, sei es an einen Liebhaber, im Animierlokal oder auf der Straße…“
Nach der – von Rita Luksch verfassten – Einleitung, lässt die Schauspielerin erfundene Figuren der Schriftstellerin aus einigen ihrer Erzählungen lebendig werden. Etwa die einer kindlichen Ich-Erzählerin, die immer und immer wieder am Verkaufsstand eines Buben vorbeikommt, der wächserne Kanarienvögel feilbietet. Deren Traum einen solchen haben zu wollen, das Näherkommen der beiden Kinder und die Erfahrung, dass er Prügel daheim bezieht, wenn er nicht alles verkauft – ist einer der Einblicke in Lebensrealitäten von Kindern im Wien von vor rund 150 Jahren.
In einer anderen Erzählung dreht sich vieles um „die Christel“, vielleicht ein alter Ego der Schriftstellerin selbst? Tag für Tag wandert sie auf den Zimmererplatz, um dort Holzspäne einzusammeln, damit im Winter geheizt werden kann. Immer und immer wieder muss sie sich zu Hause anhören: „Ist zu sonst nix guat, des Ding, die Christel,“ sagt der alte Herr Fuchs, in dessen schmaler Kammer meine Mutter, ich, meine Schwester Maria und mein kleiner Bruder wohnen.“
Sie habe „aus den Erzählungen vier herausgesucht, die besonders deutlich das Leben, nicht zuletzt jenes von Kindern, so schildern, dass wir uns das heute vorstellen können“, verrät Rita Luksch Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nach der vielbeklatschten Premiere im Veranstaltungssaal von „Gleis 21“, einem Kultur- und Wohnprojekt im Sonnwendviertel. „Ich habe mich weitgehend an die Originaltexte gehalten, sie nur ein bisschen gekürzt und manche alte sprachliche Ausdrücke, die heute niemand mehr kennt, weggelassen.“
Wie schon in vorangegangenen Produktionen von „Ensemble 21“ verkörpert die Schauspielerin die jeweiligen Figuren so hautnah, dass ihr sogar Tränen die Wangen runterlaufen, wenn die Person in der Geschichte weint. Und ebenso wird sie auf der Bühne vom Live-Musiker Georg O. Luksch (mit dem sie auch verheiratet ist) begleitet. Er bedient wieder ein kleines Cockpit an elektronischen Instrumenten, neuerdings auch ein „Soma-Terra“, erneut eine Erfindung von Vlad Kreimer wie schon die „White Pipe2, mit der der Musiker in früheren Produktionen spielte. Stets auf der Suche nach neuen ausgefallenen Instrumenten habe er immerhin das Exemplar mit der Seriennummer 6 dieses polyphonen und mikrotonale Synthesizers mit einer Vielzahl an Berührungs- und Bewegungssensoren – eingebaut in einer Art Holzbrett. Was wirkte, als würde Georg O. Luksch in manchen passenden Passagen der Erzählung singen, war „nichts anderes“ als mit dem Soma-Terra erzeugte Klänge und Töne zu denen er seinen Mund entsprechend bewegt habe, gesteht er nach der Premiere dem neugierigen Journalisten.
Ergibt schon die Kombination aus gesprochener und gespielter Erzählung mit der atmosphärisch passenden Musik eine beeindruckende Vorstellung, so runden – wie auch schon in früheren „Ensemble 21“-Stücken – die Visuals von Experimentalfilmer Erich Heyduck die Performance ab (wenngleich bei der Premiere sowohl vor als auch nach der Pause der gleiche Film ablief). Seine Bildimpressionen aus digital bearbeiteten Fotos gepaart mit Grafiken ergänzen das Gehörte um eine hintergründige Bilde-Ebene mit eigener ergänzender „Sprache“.
musikalischer-kleiner-prinz-voller-poesie <- damals noch im Kinder-KURIER
Junge Männer – und auch Frauen, davon deutlich weniger – kickten am Wochenende bei brütender Hitze auf den verschiedenen Fußballfeldern. Vom großen Feld über mittlere und kleinere – diese mit hölzernen Banden – bis zu einem Mini-Feld mit aufpumpbarer Begrenzung für die Allerjüngsten liefen sie sich oft sozusagen die Seele aus dem Leib, um den jeweiligen Ball im Tor des anderen Teams unterzubringen.
In der Halle, die fast einer Sauna glich, beförderten Teams gleichzeitig auf vier Feldern die Bälle über Netze im Volleyball-Turnier.
Diese Ballspiele sind seit dem ersten Mal Bestandteil des Integrationsfestivals „Von Kabul bis Wien“, organisiert vom Verein „Neuer Start“. Zum elften Mal – nur unterbrochen durch die Pandemiejahre – zeigen Hunderte Menschen vor allem solche, die in den vergangenen Jahren aus Afghanistan geflüchtet sind, wie friedliches, gleichberechtigtes Zusammenleben funktioniert. Wobei gerade an den Sportbewerben bunt zusammengesetzte Teams teilnehmen, was das Festival eben zu einer Begegnungsstätte unterschiedlichster Kulturen macht.
Zum zweiten Mal hintereinander spielte sich das vom Verein „Neuer Start“ organisierte bunte Treiben auf dem Gelände der ASKÖ-Sportanlage samt Halle in der Hopsagasse in Wien-Brigittenau (20. Bezirk) ab. Die besagte Halle, in der sich die Volleyball-Matches abspielten, diente am Samstagabend auch für Musik- und Tanzdarbietungen sowie Auftritte in Trachten verschiedener Regionen Afghanistans. Natürlich durfte auch – wie alle Jahre – Kulinarik nicht fehlen – traditionelle Gerichte aus diesem Land. Gewaltig der Riesen-Topf mit Reis!
Das diesjährige Festival brachte aber auch eine neue Aktivität. Unterstützt von Mitarbeiter:innen der Initiative „Skate 4 Fun“ konnten Skateboards – natürlich samt Helm, Knie- und Ellenbogen-Schützern – ausgeborgt und erste Schritte auf die rollenden Bretter gemacht werden. Was vor allem sehr junge Kinder, darunter sehr viele Mädchen, nutzten. Anna erzählt Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…: „Ich hab im Internet Skateboard-Videos gesehen, das wollte ich auch machen. Hier kann ich das ausprobieren.“ Sie und ihre Freundin Roxana standen das allerallererste Mal auf Skateboards. Anfangs noch an der Hand von erwachsenen Helfer:innen des Vereins, kamen sie eine halbe Stunde später schon ganz allein nach einer Runde um den Fußballplatz auf den Reporter zu. Und bedrängten den Journalisten: „Du musst das auch probieren, ich helf dir“, meinten beide abwechselnd. Was blieb mir anderes übrig. Aber angstfrei waren die ersten Roller nicht gerade 😉
Neu waren auch die T-Shirts einiger der Mitarbeiter des Festivals. Männer in schwarzen Leiberln mit der Aufschrift „Barabari“ / Gleichberechtigung auf dem Rücken und dem Zusatz: „Das Patriarchat schafft sich nicht von selbst ab!“
Neben dem jährlichen großen Wochenend-Festival mit Sport, Kultur, Essen und Begegnungen organisiert „neuer Start“ seit fast zehn Jahren Workshops nicht zuletzt für Männer, ihre eingelernten, traditionellen Rollen zu hinterfragen – Frauen übrigens ebenso – Link zu einem Bericht eines Workshops für Männer weiter unten; ein weiterer Link zu einer Reportage über sportliche Angebote auch unter dem Jahr.
Gemeinsam mit SOS Mitmensch fand beim Festival auch die „Pass-Egal-Wahl“ statt. Menschen, die schon lange in Österreich leben, aber nicht wählen dürfen, haben dabei die Möglichkeit wenigstens symbolisch auch ihre Stimme abgeben zu können. „Das Festival hat sich als bedeutendes Symbol für erfolgreiche Integration und den Abbau von Vorurteilen etabliert. Wie viele andere Projekt, die aus den Communities selbst kommen, zeigt es, wie Geflüchtete durch gezielte Unterstützung und aktives Engagement einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten können“, findet Shokat Walizadeh, Projektleiter von „Neuer Start“.
Ali Rezae, Obmann des Vereins ergänzt: „Männer, die im Krieg geboren und aufgewachsen sind und es nach einem schweren Fluchtweg hierhergeschafft haben, brauchen von Beginn an Unterstützung. Aus unserer eigenen Erfahrung wissen wir, wie wichtig es ist, Inklusion von Anfang an zu fördern. Genau deshalb setzen wir uns intensiv für die Integration und das Wohlbefinden dieser Menschen ein.“
Beide bedauern, dass derartige Initiativen allerdings nicht jene Unterstützung bekommen, die sie bräuchten, um ihre Workshops noch stärker und breiter anbieten zu können. Und so „nebenbei“ würden diese positiven Beispiele mindestens so viel Öffentlichkeit verdienen wie Beispiele einzelner Gewalttäter oder gar Deals mit den radikal-islamistischen Machthabern Afghanistans, die Mädchen Bildung und vieles mehr verbieten.
Hoch auf dem Berg und noch dazu ganz oben im Turm erwacht Prinzessin Bertie. Ihr Wunsch – wie schon der Titel des Bilderbuchs – neu in kleinerem, handlicherem Format aufgelegt – ankündigt: „Ich will ein Schokocroissant. Sofort!“
Und so macht sie sich auf ins nahegelegene Dorf. Ur-laaaaaaaange Haare hat sie, die schlängeln sich die Treppen des Turms entlang, den ganzen Weg und zwischen den Häusern. Und dann noch das: Im ersten Geschäft gibt’s nur Hüte, im zweiten Schwerter, es folgen Schuhe, Gläser und so manches, aber nirgends ein Croissant.
Klar, was wäre ein Buch, in dem nicht irgendwann der Titel doch Wirklichkeit würde. Hier helfen Kinder auf die sie trifft, die weisen ihr den Weg zur Bäckerei. Aber in der Zwischenzeit bleiben ihre Haare an Häusern hängen. Also weg damit. Und dann – Schokocroissants für alle Kinder.
So nebenbei taucht noch ein reitender Prinz auf, der nach dem Weg zum Turm und der Prinzessin fragt, denn – so behauptet er -, die würde auf ihn warten. Die steht vor ihm und hat alles andere als auf ihn oder seinesgleichen gewartet. Sie ist ja nicht Rapunzel, die statt an ihren eigenen langen Haaren den Turm runter zu klettern, darauf wartet, einen schweren Mann in Rüstung an diesen Haaren hinaufzuziehen, um sich „befreien“ zu lassen 😉
Und so hat Jean-Luc Englebert (Übersetzung Alexander Potyka) mit Bertie ein selbstbewusstes Mädchen geschaffen, das noch dazu – entgegen dem Titel – nicht bedient werden will, sondern sich selbst zu helfen weiß. Und obendrein gern teilt.
Räder auf Rädern – Vorne im Lastenrad einige Kinder-Fahrräder, hinten auf dem Anhänger noch ein paar größere. Die Baumannstraße, eine kleine Sackgasse zwischen Beatrixgasse und Sünnhof in Wien-Landstraße wurde am letzten Augusttag (2024) zur belebten Begegnungszone, zum Spielplatz, Radparcours mit Wippe, Kreisverkehr und Verkehrszeichen – jedenfalls zum ersten Mal seit ewig autofrei.
Vor der Werkstatt kreativer, junger Tischler:innen schraubten Kinder mit einem der Organisatoren Holzlatten zusammen, verbanden die vier Ecken mit diagonal gespannten Tragegurten und „reanimierten“ damit das „Geh-Zeug“. Der einst bekannte, jahrzehntelange TU-Professor für Verkehrsplanung hatte dieses Ding erfunden. Ein Holzrahmen im Ausmaß eines durchschnittlichen PKW. Mit den Gurten zum Umhängen und Gehen – um sehr deutlich zu machen, wie viel Platz ein Auto verbraucht, in dem sehr oft auch nur genau ein Mensch sitzt. Und das die meiste Zeit steht, (versiegelten) Platz verbraucht. Doch wehe, du würdest auf dem selben Platz eine Sandkiste oder ein paar Liegestühle auf die Straße stellen wollen 😉
Letzteres passiert – auf Initiative von Bewohner:innen – immer wieder da und dort – siehe Links am Ende des Artikels über andere Gassen. Hier in der Baumannstraße war’s „Die Werkstatt – Baumanstraßen-Verschönerungsverein“. Dort wo lange Jahre das LEO – Das letzte erfreuliche Operntheater und danach das Clowntheater Olé im Souterrainlokal an der Ecke zur Beatrixgasse gespielt haben, sind seit einigen Jahren die kreativen Holz-Künstler:innen am Werk. Rund um einen der Bäume bauten sie Bankerln und Blumentröge. Nachbar:innen ließen sich davon „anstecken“ und setzten ebenfalls Pflanzen rund um einen der Bäume – samt Holzschild mit der Bitte, die Erde frei von (Hunde-)Kaka zu halten.
Apropos Hunde – für Vierbeiner wurde eine eigene Hunde-Spielzone bei einem Baustellengitter eingerichtet – samt Tisch mit Leckerlis und Anleitungen, solche selber herzustellen.
Angebot zu eigener kreativer Betätigung gab es an verschiedenen Ecken und Enden der Gasse. Faltanleitungen für unterschiedlichste Papierschiffe lagen – samt dem dazugehörigen bunten Papier auf einem Tisch neben einer kurvigen Rinne für Bootsrennen – nicht nur für die papierenen Schifferl, sondern auch für zuvor 3D-gedruckte Wasserfahrzeugerln. Bunte Stifte und Malblöcke fanden sich auf anderen Tischen – sowie Pläne der Gasse, um zu zeichnen und zu malen, wie hier der öffentliche Raum umgestaltet werden könnte. Schwarz-Weiß-Fotos eines der Häuser warteten auch darauf be-buntet zu werden. An anderer Stelle konnte aus Ton alles Mögliche geformt werden – das dann in der Werkstatt gebrannt wurde.
Der Spruch aus der Überschrift dieses Beitrages ist von einer Losung auf einem Holzgestell ausgeborgt. Auf einem anderen Brett stand: „Was ich gerne hätte? Autofreie Städte!“ und als dritter Spruch: „Stadt für Menschen statt für Autos“.
Bänke zum Sitzen und Tische nicht nur zur kreativen Betätigung, sondern auch zum Essen, Trinken, Plaudern brachten Menschen, die oft schon ewig lang hier wohnen und einander höchstens vom Vorbeihuschen kennen, dazu, miteinander in Gespräche zu kommen.
Was alles ohne Auto möglich ist, bewies der DJ, der seine gesamte Anlage samt Lautsprechern per Lastenfahrrad anlieferte. Dem Gedanken der Nachhaltigkeit diente auch ein Kleidertauschplatz mit Tischen und langen Ständern voller Gewand.
Nachdem dieser Bericht fertig war und online gestellt wurde, besuchte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… noch einmal das Straßenfest. Es war schon dunkel, An den bunten Girlanden brannten Lichter, Musik spielte, Kinder sausten weiter mit Scootern durch die Straße, Menschen saßen oder standen beisammen und unterhielten sich. Urlaubsfeeling wie im Süden!
Und in der Ecke vor der Werkstatt von der die Initiative zu diesem autofreien Straßenfest ausgegangen war, werkten noch wenige Leute, wenigsten ein Kind und ein Erwachsener an der Fertigstellung von Insektenhotels – ein kleines handliches und ein riesiges, richtiggehend „Luxus“-Hotel für Bienen.
Allüberall zufriedene, heitere, entspannte Gesichter und die ersten „schade“-Rufe, als begonnen wurde, nach und nach alles abbauen zu müssen.
Kopien alter Bilder zeigten, wie die Gasse einst ausgeschaut hatte – und weitere folierte Infos wiesen auch darauf hin, dass der Namensgeber dieser Gasse, Oscar Baumann, nicht nur ein gewalttätiger Herr über afrikanische Träger war, der vor allem im Kongo und in Tanzania gegen Ende des 19. Jahrhunderts Tausende Kunst- und andere Gegenstände „sammelte“, die Teil der umstrittenen „Afrika-Kollektion“ des heutigen Weltmuseums geworden sind.
Eine Initiative nutzte die Gelegenheit des Straßenfestes, um für eine Umbenennung zu werben – alternativer Vorschlag: Ingeborg-Bachmann-Straße. Die bekannte österreichische Schriftstellerin (1926 – 1973), hatte einige Jahre in der Nähe, in der Beatrixgasse, gelebt und ihr bekannter Roman „Malina“ spielt weitgehend in den Häusern Ungargasse 6 und 9, ebenfalls nur wenige Gehminuten entfernt.
Übrigens gab es vor zehn Jahren eine andere Initiative in der Baumannstraße: Gedenksteine für die aus den wenigen Häusern der kurzen Gasse von den Nazis vertriebenen 120 Jüd:innen – Link zu diesem Beitrag (damals noch im KURIER) unten am Ende des Beitrages.
Auf den Tischen stehen Laptops, daneben Kunststoff-Bausteine, Räder, Motoren. Auf dem Boden schlängelt sich ein langes rotes Seil in mehreren Windungen auf dem Teppich, ein Stück weiter liegen weiße Kartonplatten mit vor allem schwarzen Klebestreifen. Auf manchen der Quadrate auch ein paar bunte Kurven. Hier setzt die 12-jährige Sophie ihren aus den Bausteinen zusammengesetzten Roboter auf eines der Felder. Der fährt nun entlang der schwarzen Linie. Irgendwo klafft eine Lücke. Die Schülerin schnappt eines der Quadrate, das der Karren schon befahren hat und setzt das Teil mit einem schwarzen Viertelkreis ein, der Roboter kann weiter seine Kreise ziehen.
Sophie ist eine von insgesamt 71 Schüler:innen der sogenannten Sekundarstufe I (5. Bis 8. Schulstufe), die die letzte Augustwoche (2024) nutzt, um bei der „Vifzack-Academy“ im Klosterneuburger ISTA-Campus (Institute of Science and Technology Austria) ihrer naturwissenschaftlichen Leidenschaft zu frönen. Eine Woche lang lernen und forschen Jugendliche (von 275 Bewerber:innen aus ganz Österreich) spielerisch in Fachgebieten, die sie besonders interessieren, wie bei den Kinderunis nur viel intensiver. „Das Programmieren war neu, aber es hat mich vorher schon sehr interessiert“, verrät Sophie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Am vorletzten Tag des einwöchigen Camps darf der Journalist durch einige der Workshops wandern und mit den MINT-Kids (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) kurze Interviews führen.
„Am Montag haben wir ein kleines Computerspiel programmiert und dabei Scratch kennengelernt“, berichtet die Neu-Programmiererin. „Am nächsten Tag haben wir einen Micro-Controller programmiert und seit gestern arbeiten wir an den Robotern“, zeigt sie auf ihrem Laptop-Monitor auch die ineinander gefügten Coding-„Bausteine“, damit der Lego-Tech-Roboter „weiß“, was er zu tun hat – über seinen Sensor checkt, immer der schwarzen Linie entlang fahren zu sollen / müssen.
Dieses Programmier-Werkzeug (Coding-Tool) wurde am renommierten MIT (Massachusetts Institute of Technology, USA) entwickelt – übrigens in einer Arbeitsgruppe, die sich Lifelong Kindergarden Group (lebenslange Kindergarten-Gruppe) nannte. Bei einer Tagung in Hamburg, organisiert vom Lego Learning Institute, vor mehr als 20 Jahren (Dezember 2003) erzählte der „Kindergarten-Leiter“ Mitchel Resnick erstmals von der Arbeit an dem spielerischen Programmier-Tool (Werkzeug) für Kinder. Das funktioniert grafisch wie ein buntes Baukasten-System. Inspirieren ließen sich er und seine Mitarbeiter:innen tatsächlich von jeder Menge der bunten genoppten Bausteine, die sie in ihren Büros hatten und mit denen sie ebenso wie mit anderen Dingen spielten, ihrer Kreativität freien Lauf ließen wodurch sie zu ihren Erfindungen inspiriert wurden und werden.
Einen Raum weiter sitzen Jugendliche rund um Tische – vor sich Pipetten, kleine Kunststoffgefäße, Halterungen für diese sowie Müllbehälter. In kreisrunden verschlossenen Schalen befindet sich – fürs Laien-Auge – eine Art trüber Flüssigkeit. „Da schwimmen Fadenwürmer drinnen“, erklären die Biologie-Fans dem Reporter. Und richtig, wenn sie diese Schalen unters Mikroskop schieben, ist auf den Monitoren tatsächlich zu erkennen, dass sich da kleine, dünne Würmer herumschlängeln.
Nun machen sie sich in Kleingruppen an ein Forschungsprojekt. Sie bringen in neue Schalen, die sie zuvor auf der Rückseite beschriften, jeweils eine – unbekannte – Flüssigkeit ein, um zu beobachten und damit zu erforschen, handelt es sich um eine solche, die die Würmer als Nahrung anerkennen oder nicht.
Antonia und Mia fragen den Journalisten, ob sie sich – als hier neu kennengelernte Freundinnen – fotografieren lassen könnten. Und beginnen zu erzählen. Erstere, 11 Jahre: „Ich hab seit vielen Jahren zu Hause ein Mikroskop, Biologie ist mein Lieblingsfach in der Schule, darum hab ich mich für diese Akademie angemeldet.“ Diese Woche habe sie in ihrer Leidenschaft bestärkt. „Da haben wir viel Neues gemacht und jetzt will ich auch Forscherin werden – oder Autorin oder Architektin oder Archäologin; Astronomie interessiert mich aber auch sehr. Oder ich werde Lehrerin – für Biologie.“
Auch Mias Schulfach-Favorit ist Bio; „zu Hause forsche ich auch gern, meine Großeltern, die Lehrerin und Lehrer waren, unterstützen mich dabei. Was wir hier lernen, ist sehr cool.“ Wissenschafterin oder Rechtsanwältin oder Lehrerin oder auch Autorin sind die Berufswünsche, die aus ihr heraussprudeln.
Nächste Station: Schüler:innen, die sich eine Woche lang mit Sinnen und Gehirn beschäftig(t)en: Neuro-Science, also Nerven-Wissenschaften. Bevor sich alle zu einem Gruppenfoto versammeln mit Händen an einem zerlegbaren Kunststoff-Modell eines menschlichen Hirns, schildern vor allem Karolina und Rafael die vielen, vielen Fragen, über die sie diskutierten, grübelten und mit Expert:innen des ISTA gesprochen haben: Wie und wieso träumen wir, was passiert da im Gehirn warum. „Das Coole ist, dass es auf diese und viele andere Fragen noch gar keine Antworten gibt und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier auch erst daran forschen. Täglich kamen wir auf neue Themen.“
Das war aber noch lange nicht alles. „Wir haben auch Experimente zu Sinnen und -Täuschungen gemacht. Zum Beispiel haben wir eine Flüssigkeit zu trinken bekommen – eine davon war rot gefärbt und für viele hat sie fruchtiger geschmeckt als die andere, obwohl beides das Gleich war.“
Recht spooky sei ein anderer Versuch mit Elektroden und gewesen, wo jeweils zwei Schüler:innen über Kabel und ein kleines Gerät verbunden waren – und sich Muskelbewegungen automatisch übertragen haben. Mehrere greifen nach ihren Smartphones und zeigen die entsprechenden Videos.
Und während Jan und Tobias verschiedene Versionen des berühmten Rubik’s Würfel – und das recht schnell – lösen, erfährt Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… noch einen Fun-Fact. „Wir werden sicher alle ab jetzt bei jedem Hangman-Spiel gewinnen können, weil wir so viele komplizierte Begriffe kennengelernt haben wie zum Beispiel „Adenosintriphosphat“ – das ist übrigens der Energieträger in unseren Zellen.
Anlässlich der oben erwähnten Sponsion sagte die Vizepräsidentin für Wissenschaftsvermittlung am ISTA, Gaia Novarino: „Spitzenforschung gelingt nur gemeinsam. Das ISTA ist erfolgreich, weil Wissenschaftstalente aus der ganzen Welt nach Klosterneuburg kommen, um hier gemeinsam an grundlegenden Fragen zu forschen. Und was für die Spitzenforschung gilt, gilt auch für die Vifzack-Woche. Wir schaffen für junge Talente aus ganz Österreich einen sozialen Rahmen und einen Ort, wo sie Gleichgesinnte treffen, gemeinsam an Forschungsprojekten arbeiten und im direkten Austausch mit Wissenschafter:innen des ISTA in die Welt der Forschung eintauchen.“
Das ISTA bietet aber nicht nur diese intensive Woche für besonders interessierte Schüler:innen an, sondern auch einfachere Workshops und Laborbesuche… auch unter dem Schuljahr – übrigens alles kostenlos – siehe Link in der Info-Box.
In Paris startet eben sozusagen die zweite Hälfte der Olympischen Sommerspielen, die Paralympics, bei denen Sportler:innen mit unterschiedlichsten Behinderungen körperliche Höchstleistungen vollbringen.
Vielleicht wird es ja eines Jahres einmal Spiele geben, bei denen – wie kürzlich bei den 3×3-Basketball-Europameisterschaften in Wien – alle Sportler:innen, egal ob ohne oder mit Behinderungen, gleichzeitig ihre Leistungen zeigen dürfen.
Auch wenn sich wohl jedes Kind liebend gern bewegt und der Zwang zum Stillsitzen – noch dazu stundenlang – eher eine Qual ist, mögen dennoch nicht alle Sport betreiben. Vor allem das „schneller, höher, weiter, besser“ ist nicht unbedingt jederkinds Sache. Carla zum Beispiel kann weder dem aktiven noch dem passiven Sport (im TV zuschauen, wie andere Fußball spielen) etwas abgewinnen, das Bruder, Mutter und Vater beides gerne machen.
Natürlich verändert sich das in diesem Bilderbuch, heißt es doch „alle machen Sport“ 😉 Und so findet auch Carla Gefallen daran – als Cem in die Schule kommt und alle Kinder zunächst einmal fragt, wie und was sie gern an körperlicher Bewegung machen möchten und das zum Teil sogar mit Musik. Und ohne wen auszulachen, wenn die eine oder andere etwas nicht so toll schafft wie andere. Im Vordergrund steht von nun an: Spaß!
Nebenbei präsentieren Liese Macher und Vale Weber mit Zeichnungen von Anna Horak auch bekannte und weniger bekannte Sportler:innen von Paralympics bzw. queere Fußballer:innen, für die das Outing noch immer – insbesondere bei den Männern – nicht so ganz leicht ist. Und klar, finden sich auch sportliche Kinder im Rollstuhl oder mit einer Beinprothese in den Bildern.
KiJuKU: Zunächst, große Gratulation, du hast den Milan sehr überzeugend gespielt, es wirkte praktisch durchgehend, als wärest du genau dieser Typ.
Valentin Thatenhorst: Danke, das freut mich. Aber nee, ich bin gar nicht der Typ. Ich bin tatsächlich ganz anders als Milan, aber ich verstehe ihn.
KiJuKU: Was war die lustigste, die beste und was die schwierigste Szene?
Valentin Thatenhorst: Die lustigsten Szenen waren die zusammen mit Mila, weil wir immer viel gelacht haben. Das hat es tatsächlich auch schwierig gemacht, weil wir nicht immer lachen durften. Die beste Szene war die in der Milan sich entscheidet ins Wasser zu gehen.
KiJuKU: Was an dem Charakter war leicht, und was nicht ganz so leicht zu spielen?
Valentin Thatenhorst: Generell finde ich Text-Szenen immer viel leichter zu spielen als Szenen, in denen man ganz ohne Text Emotionen zeigt – und davon gibt es in „Alles Fifty Fifty“ ein paar.
KiJuKU: Waren die Dreharbeiten insgesamt anstrengend?
Valentin Thatenhorst: Das Drehen an sich gar nicht, es hat mega Spaß gemacht. Anstrengend war es nach dem langen Drehtag noch Vokabeln zu lernen und Hausaufgaben zu machen.
KiJuKU: Wenn du selber wählen dürftest/könntest, wo und wie würdest du lieber urlauben – in dem feinen Hotel mit den Pools und dem eher komplizierten Verhältnis zwischen Vater, Mutter und deren Freund oder in den eher leicht chaotischen Umständen auf einem der Campingplätze?
Valentin Thatenhorst: Definitiv Campingplatz. Lieber Freiheit und ein gutes Verhältnis. Ich brauche keinen Schnickschnack.
KiJuKU: Ist Schauspiel deine Berufsperspektive?
Valentin Thatenhorst: Ja, eigentlich schon – aber da muss ich noch viel üben und ausprobieren. Man muss da wirklich gut sein, um es als Beruf zu machen.
KiJuKU: Was sind deine liebsten Freizeitbeschäftigungen?
Valentin Thatenhorst: Mit meinen Freunden rausgehen, Basketballspielen, schwimmen, …
KiJuKU: Was magst du in der Schule am meisten – und was gar nicht?
Valentin Thatenhorst: Meine Lieblingsfächer sind Mathe und Sport. Am aller liebsten mag ich natürlich die Pausen, weil ich da mit meinen Freunden spielen kann. Und ich mag nicht, wenn manche Lehrer unfair sind.
Die Eltern werden in der Schule vorgeladen, weil Sohn Milan eine arge Zeichnung gemalt hat, die eine Mitschülerin sehr verletzt. Mutter Marion und Vater Andi leben getrennt, Milan verbringt seine Zeit abwechselnde bei beiden. Und nutzt dies bis zu einem gewissen Grad aus, indem er die beiden gegeneinander ausspielt, Mutter und Vater jeweils sagt, die/der andere hätte ihm dies und jenes erlaubt. Das funktioniert, weil die beiden nicht miteinander reden. Übrigens auch nicht besonders viel mit Milan selbst.
Auf streckenweise sehr witzige Art spielt sich diese „Erziehungs-Lücke“ in „Alles Fifty-Fifty“ ab. Dieser Film startet Ende August in österreichischen Kinos.
Nach dem aufrüttelnden Termin in der Schule mit versuchten, hilflosen Ausreden der Eltern, beschließen diese, es müsse sich was ändern. Sie planen einen gemeinsamen, aber selbstverständlich getrennten Urlaub. Bei dem kommen sie drauf, ihr Sohn kann nicht schwimmen. Der Schwimmkurs… – naja
Jedenfalls lernt Milan ein toughes Mädchen namens Mila kennen. Die wohnt mit ihrem Vater und der Oma auf dem nahegelegenen Campingplatz, während er und seine Eltern – die Mutter mit ihrem neuen Lebensgefährten – in einem Luxushotel logieren.
In dem mit vielen situationskomischen Szenen gespickten Film spielen der erst 13-jährige Valentin Thatenhorst und die gleichaltrige Aennie Lade sehr überzeugend. Ersterer kommt von der Geschichte her viel häufiger ins Bild und Spiel. Mehr über ihn und seine Rolle in einem – per eMail geführten – Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – hier unten geht’s zum Link dazu.
Für viel gespielt unfreiwilligen Witz sorgen auch Laura Tonke als Marion und Moritz Bleibtreu als Andi samt Aufwerfen und humorvollem Umgang mit Herausforderungen der (Kinder-)Erziehung. Schade aber, dass Alireza Golafshan (Regie, Drehbuch und Schnitt) sein – laut Medienheft zum Film – ursprüngliches Konzept verlassen hat. „Am Anfang stand ein Scheidungskind aus der Großstadt im Mittelpunkt, das gegen alle Erwartungen nicht davon träumt, dass die Eltern wieder zusammenkommen, sich nicht als Opfer wahrnimmt, sondern das System der Trennung mit doppelter Aufmerksamkeit in vollen Zügen genießt.“
Je länger er und sein Team am Film arbeiteten, desto stärker habe sich „der Stoff allerdings immer mehr zur Geschichte der Eltern entwickelt“. Noch dazu mit einem näher und sehr nahe Kommen von Marion und Andi ;(
Womit’s erst recht wieder auf „armes Scheidungskind“ und Happy End mit Familienzusammenführung hinausläuft. In einem der ersten Jahre im Kinder-KURIER – Vorläufer von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… kritisierten Schüler:innen in einem Workshop, „dass Medien immer von armen Scheidungskindern berichten, viele aus unserer Klasse erleben nach guten Trennungen beide Elternteile nun ohne den vorherigen Dauer-Streit!“
Ein älterer Mann wandert eines Tages aus seiner in den Bergen gelegenen Behausung wieder einmal in die nächste Stadt. Dazwischen liegt der „Berg des Grauens“ wie er von den Menschen der Gegend genannt wird. Dieser Samnyeongogae (3-Jahres-Bergpass) ist mit einer gruseligen Legende verknüpft: Wer auf diesem Berg hinfällt, hat nur mehr drei Jahre zu leben.
Dies ist ein altes koreanisches Volksmärchen (wobei ähnlich Geschichten auch in Japan rund um Tempel und Friedhöfe erzählt werden). Dayen Auh, geboren in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, studierte an zwei deutschen Kunstunis und hat diese Legende neu erzählt und gleich noch illustriert. „Ein Berg, ein Sturz, ein langes Leben“ ist kürzlich im Nord-Süd-Verlag erschienen.
Mit unterschiedlichen Techniken – bis hin zu fast kinderzeichungs-artigen Vögel, die rund um diesen besagten Berg fliegen – lässt sie fast fantasie-mäßige Bäume wachsen.
Und natürlich – aber das ist schon in der alten Geschichte selbst angelegt, stirbt der alte Mann nach seinem Sturz nicht nach drei Jahren. Im Volksmärchen ist es der Arzt, hier nicht einmal die Ärztin, sondern die Enkelin des Mannes, die einen Trick weiß, wie aus dem Hinfallen ein langes Leben werden kann, wie es im Titel des Bilderbuchs heißt.
Und der sie ganz sicher hier nicht verraten. Nur so viel: Es geht darum, sich nicht abergläubischen Voraussagen zu unterwerfen.
„… dann darf nur das Wichtigste in den Rucksack. Was das ein soll, weiß ich nicht. Die Steine vom Weg, das Wasser vom Brunnen? Mein bester Freund oder einfach nur ich?“ Das steht auf einer der Doppelseiten neben bunten Bildern von möglichen Einpack-Zeugs.
Auf der Seite gegenüber – auf den Kopf gestellt oder einfach das Buch umgedreht sozusagen die gleiche Situation nur unter ziemlich anderen Bedingungen ist zu lesen: „… dann rollt mein Koffer vollgepackt mit allem, was Spaß macht und warm ist und weich, wie ein Stück Daheim mit ein bisschen Platz für das, was dazukommt, wenn’s heimwärts geht.“
Das Bilderbuch „Und wenn ich dann ankomme…“ hat sozusagen zwei Titelseiten, ist ein Wendebuch. Und erzählt zwei aufs Erste sehr ähnliche Geschichten. Von einem Kind, das verreist. Das eine allerdings in den Urlaub oder vielleicht übersiedelt es auch für eine gewisse Zeit gemeinsam mit den Eltern in ein anderes Land. Das andere auch, aber ganz und gar nicht freiwillig. Dieses Kind muss – zum Glück wenigstens mit der Familie und nicht ganz allein – von zu Hause fort. Das Wort Flucht kommt kein einziges Mal vor, aber es ist klar – auch schon bei der eingangs zitierten Formulierung.
Autorin und Illustratorin haben damit ein sehr atmosphärisch einfühlsames Weggehen (müssen) beschrieben und gezeichnet – stets mit (fast) parallelen Situationen in Text und Bildern. Und doch klingen die jeweils unterschiedlichen, ja gegensätzlichen Erfahrungen der jeweiligen Situation durch – ohne zu plakativ zu wirken.
Und der Fokus liegt letztlich doch – wie im Titel – auf dem Ankommen, das natürlich auch für die beiden sehr verschieden ist.
Was und für wen ist sie? Und was? Wem gehört sie? Sie, die Heimat. Nach Selbstomptimierungswahn und Kapitalismus widmet sich das junge „Ensemble Ehrlos“ in der dritten Produktion diesem von allen möglichen Seiten vereinnahmten Begriff, der sehr oft zur Spaltung in „wir“ und „ihr“ oder gar „die da“ mit dem entsprechenden abwertenden Unterton führt. Und natürlich ist auch „Bussi Baba“ wieder mit viel Humor und (Selbst-)Ironie gespickt.
Vor einem üppig mit Schaumrollen und ähnlichem gedeckten Tisch spielen, tanzen, musizieren Valerie Bast, Marc Illich, Leon Lembert, Pia Nives Welser, Charlotte Zorell. Und stopfen in die eigenen oder die Münder ihrer Mitspieler:innen das picksüße Zeugs hinein.
Vom Dirndl bis zum Badeanzug, von der Robe bis zum Frack, dieser ohne Hose, schafft allein schon das Outfit die Distanz zur jeweiligen Figur. Sprachfärbungen – vom „Deutscheln“ bis zu tiefen ordinären Beschimpfungen – eröffnen einerseits ein breites Spektrum, schließen andererseits immer wieder auch andere aus.
Rainhard Fendrichs heimliche Nationalhymne „I am from Austria“ vor allem mit den Zeilen über „Ratten“ und die „Dummheit, die zum Himmel schreit“, Anklänge an Sisi-Nostalgie und sich der Offenheit rühmen, weil Englisch und Französisch gekonnt wird… – gekontert davon, dass gerade in der Monarchie auch die Sprachen der anderen Völker wie Bosnisch, Kroatisch, Serbisch oder Ungarisch auf der Tagesordnung standen. „Und Rumänisch“, eingeworfen von Marc Illich, der seit zwei Jahren am deutschen Theater in Timișoara engagiert ist. Wobei da ein sich aufdrängender Gag ausgelassen wurde, als alle einander weinselig zu„prosten“ – heißt doch das Rumänische „prost“ auf Deutsch „dumm“, steht für Depp oder Trottel.
Kaum ein Klischee im Zusammenhang mit Österreich – nicht zuletzt auch Skifahren – wird ausgespart und dreist auf die Schaufel genommen; selbst Mausi und der kürzlich verstorbene „Mörtel“ ohne ihn zu nennen kommen vor. Aber auch Nationalismen anderer Völker werden angespielt, wobei der Wolfsgruß der türkischen faschistischen Grauen Wölfe vielleicht auch angedeutet gereicht hätte, ohne ihn hocherhoben zu zeigen. Wenn Nazis karikiert werden, muss auch nicht unbedingt der rechte Arm zum einschlägigen Gruß erhoben werden.
Das fünfköpfige Bühnen-Ensemble erarbeitete innerhalb von viereinhalb dichten Wochen die Performance – von den ersten Ideen über Texte, die bei Improvisationen entstanden sind, die Kürzung derselben und die Bühnen-Show. Bei einer Residence im Rahmen des Theaterfestivals „Hin & Weg“ im niederösterreichischen Litschau „konnten die FestivalbesucherInnen auch eine Stunde pro Tag bei offenen Proben einen Einblick in unseren Entwicklungsprozess bekommen“, berichtet Valerie Bast Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
Außerdem habe es dramaturgische Beratung als „Blicke von außen“ von Kolleg:innen, nicht zuletzt einigen der gemeinsamen Direktor:innen des Theaters Olé (Wien-Landstraße) – in dem „Bussi Baba“ noch zwei Mal zu sehen ist – gegeben. Wobei eine Art dramaturgischer Bogen schon ein bisschen zu vermissen ist, aber als Art Nummern-Revue gegen Österreich-heimat-Klischees bietet die Stunde doch viele Lach-Gelegenheiten.
Dass der Job des Müll-Einsammelns und -Trennens neuerdings besser bezahlt wird, sein „nur ein klitzekleiner Mit-Grund“ gewesen, weshalb sich die neunjährige Caro und ihre Freundinnen Bianca und Jolanda (beide 10) für diese Arbeit entschieden hätten. „Wir wollten das machen, weil es der Umwelt hilft“, nennen sie als ersten Beweggrund im kurzen Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „UND“, so ergänzen sie sofort, „weil wir da gemeinsam zu dritte arbeiten können!“
Der fünfte und letzte Tag des diesjährigen einwöchigen Wiener Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ brachte am Nachmittag vor allem viele Events im Arkadenhof – Sport-Turnier, Bewerb der Spiele-Box, Auto-Rennen mit den Tret-Fahrzeugen und vor allem voll überzeugenden Moderator:innen. Hier hätte vielleicht der eine oder andere TV-Sender auf Nachwuchs-Suche gehen sollen! 😉
Wurden tags zuvor höhere Löhne für weniger beliebte Jobs beschlossen, so drehten sich Diskussionen in der Versammlung von Regierung und Abgeordneten aus den Bereichen um neue Regelungen für sehr beliebte Arbeitsstellen (Stylingzone, Bank, Finanzamt, Gasthaus und Shop). Damit hier Arbeitsplätze frei werden, sollte die Höchst-Arbeitszeit der Mitarbeiter:innen auf ¾ Stunde (45 Minuten und damit drei Mal Mindestarbeitszeit) begrenzt werden.
Am letzten Tag gab es die Höchst-Zahl an Kandidat:innen für die Wahl: Acht Parteien traten an. Bürgermeisterin – die damit bis zum Nachmittag des ersten Tages in der Kinderstadt 2025 im Amt ist – wurde Zara von der Partei Kunterbunt. Ihre Stellvertreterin, also Vizebürgermeisterin ist Hannah von der Popcorn-Partei. Alma (alma für die kinderstadt) wurde Finazstadträtin, Leander (Die Lohn Partei) bekleidet die Funktion des Stadtrats für Stadtenwicklung und Bürger:innen-Beteiligung, Lion (YoungChampions) ist für Wirtschaft & Arbeit zuständig, Mia (DGP – Die Gerechte Partei) für Gesundheit, Soziales und Umwelt, Yebai (Hollicent Partei) wurde Stadtrat für Justiz und Konsument:innen-Schutz, Luan (DZDK – Die Zukunft der Kinderstadt) ist für Kultur und Wissenschaft verantwortlich.
Vieles werde im kommenden Jahr „erneuert und verbessert“ sein bei „Rein ins Rathaus“ hörten Kinder beim Stadtplanungsamt. „Aber genauere Informationen gibt es nicht“, schrieb der zehnjährige Adrian Lorenz Koriska für die letzte – dünnere, weil glich am Nachmittag noch erschienene – Ausgabe der Stadt-Zeitung. Die gibt’s natürlich – wie auch schon die vorherigen – beim jeweiligen Artikel ganz am Ende als „Flip-Book“ zum Blättern; ganz unten auf „Inhalt laden“ klicken.
Special-Service: Darunter gibt’s den Link zu einem Sammel-PDF ebenfalls zum Blättern – fast am Ende.
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Zur Zeitung Nr. 5 der Kinderstadt 2024
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Das neue Schuljahr wartet. Fast jedes Kind freut sich darauf. Hier in der Tierwelt dieses Bilderbuchs hat nur eines Angst davor. Dilli, die Hauptfigur, fürchtet, dass es keine Freunde finden könnte. Es ist ein junges Krokodil – und tatsächlich passiert am ersten Schultag genau das, was Dilli geahnt hatte: Tiere wie Hasen, Schafe oder eine Schnecke brechen in Panik aus, als sie das kleine Krokodilchen sehen. Ander, wie drei kleine Schweinchen verstecken sich zwar auch hinter der Lehrerin bzw. unter ihrem langen Rock, aber sie lachen Dilli aus, weil es noch gar nicht seine Reißzähne habe.
Weshalb dann die Angst? Das erschließt sich nicht.
Was bleibt, ist dass das junge Krokodil in „Dilli kommt in die Schule“ von Angélique Leone (Übersetzung aus dem Französischen: Alexander Potyka) samt bunter gezeichneter Bilder von Christine Davenier nicht nur ängstlich, sondern nun auch ur-traurig ist, sich zurückzieht.
Und natürlich bleibt’s nicht dabei, ein anderes Tier – welches sei hier nicht gespoilert – gesellt sich zu Dilli und … klar gibt’s ein glückliches Ende mit allen.
Donnerstag, vierter Tag der aktuellen Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ in Wien: Viel los an Bewerben. Die Lehrlinge der Wiener Linien luden Kinder wieder ein, möglichst schnell Schrauben zu lockern und wieder anzuziehen. Die Bücherei veranstaltete ein Quiz – apropos kniffelige Fragen: Die Mini-VHS (Volkshochschule) führt laufend Quizzes durch – Kinder überlegen sich Fragen zu den Themen, in denen sie Fachkenntnis aufweisen.
Ach ja, es gab auch noch ein Sport- und ein Spielebox-Turnier und wieder Karaoke-Singen und in der – heuer neuen – Erholungszone, in der im zweiten Teil des Arkadenhofs auch mit Wasser geplantscht werden konnte, bauten Kinder Wasserbomben.
Politisch ging’s am Donnerstag stark auch darum, dass der Grundsatz gleicher Bezahlung aller Arbeiten durchbrochen werden sollte. Bei der Anmeldung – Anlaufstelle für alle Bürger:innen und damit ziemlicher Stress – und im Umweltamt – vorrangige Aufgabe: Mist wegzuräumen – gab es großen Mitarbeiter:innen-Mangel. Und so kam der Vorschlag für ein neues Gesetz, in diesen Bereichen den Lohn zu erhöhen. Wurde von den Abgeordneten der Bereiche angenommen.
Ja, und am Freitag ist schon wieder der letzte Tag von „Rein ins Rathaus“ 2024. Schade, aber auf ins Finale!
Natürlich entstand auch am Donnerstag eine Zeitung, zu dieser – samt Forderungen der Kandidat:innen sowie, wer die neue Regierung bildet, ganz unten – „Inhalt laden“.
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Wiener Linien und Stadtzeitung seien „die krassesten Jobs“ in der Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ in diesem Jahr, Dies fanden drei jungen Zeitungs-Reporter. Und so machte sich Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auf, um zu schauen, was sich bei der Station der Wiener Öffis so abspielt. Die Zeitung und vieles andere war ohnehin im Überblick, betreut KiJuKU doch die Stadt-Zeitungs-Station.
Aber die „Remise“ der Wiener Linien liegt ein wenig abseits in einem eigenen Raum vom Arkadenhof aus zugänglich. Beim Betreten ist völlig klar, warum. Lehrlinge, die hier die Station betreuen, haben echte Straßen- und U-Bahn-Schienen aufgelegt – im richtigen Abstand – das zeigt ein spezielles Messgerät für die Spurbreite.
Kinder können hier mit echten gar nicht so leichten, langen „Ratschen“ Muttern aufdrehen, die Schrauben rausziehen – und danach natürlich wieder Schrauben durchstecken und die Muttern festziehen. Adam, Mona und Benni hantierten gleich aufs erste recht geschickt damit.
Das Trio war Feuer und Flamme für diese Station, hatte aber auch davor schon – wie sie dem Reporter erzählen – voller Eifer in der Stadtplanungs-Station gearbeitet, „weil wir dort mitentscheiden können, wie die Stadt aussehen soll“.
Zurück zur „Remise“. Schienen und Schrauben ist – obwohl schon ziemlich groß – noch lange nicht alles, was die Lehrlinge da aufgebaut haben. Auf einem Tisch steht ein metallenes Ding, das wahrscheinlich Autofahrer:innen erkennen würden. KiJuKU als „nur“ Öffi-Fahrer stand wie die sprichwörtliche Kuh vorm neuen Tor. Aber Lehrlinge erklärten dem jungen Stadtbürger David – und damit so „nebenbei“ dem Reporter, dass dies ein in der Mitte aufgeschnittener Dieselmotor-Block ist. So kann begutachtet werden, wie’s da drinnen ausschaut. Auch hier gibt’s aber einige Schrauben – und der junge David machte sich daran, die auf – und dann wieder zuzuschrauben.
Apropos Schrauben: Auf einem anderen Tisch steht eine Kiste mit Loch an einer Seitenwand. Aufgabe hier ist, ohne hineinsehen zu können Muttern auf Schrauben raufzudrehen. „Wir müssen in der Werkstatt auch oft wo schrauben, wo wir gar nicht hinsehen. Das können die Kinder hier üben“, erklärt ein Lehrmädchen, öffnet dann aber fürs Foto doch den Deckel oben, damit geprüft und abgebildet werden kann, dass da wirklich Schrauben drinnen sind.
Und selbst das ist noch nicht alles. Eine ziemlich große Art Tafel mit einigen Kabeln, Löchern und oben Lampen steht auch noch da. „Welches Kabel musst du in welches der Löcher steckt, damit eine dieser Lampen leuchtet?“, lautet die Erklärung der Lehrlinge, was hier zu tun ist.
Und täglich veranstalten diese Jugendlichen, die bei den Wiener Linien ihre Berufsausbildung machen, einen Schraub-Wettbewerb!
Ach ja, natürlich gab’s auch am dritten Tag so manch Politisches. Zwar kandidierten dieses Mal nur vier Kinder – Hannah, Nare, Mona und Sofia als „Popcorn Partei“, „Partei, die auf alles schaut“, „Kindiversum“ und „Die Stadt der Kunst“.
Letztere forderte, dass Kunstwerke nach ihrer Kreativität bezahlt werden, neue Ideen ebenfalls und es sollte ein Theater – zum Zuschauen aber auch zum selber Schauspielen geben.
Billigeres Popcorn, gerechtere Preise, bezahlte Arbeitspausen, mehr Events wie Talente-Shows usw. waren weitere Forderungen der vier Parteien und ihrer Spitzenkandidatinnen.
Abgeordnete aller Stationen und Regierungsvertreter:innen hatten an diesem Tag auch beschlossen, neue, frische Bürger:innen sollten, so sie nicht vielleicht ohnehin Holli Cent aus früheren Jahren haben, beim Sozialamt einen Bonus von vier Holli Cent bekommen können – das entspricht sozusagen einer halben Stunde Arbeit.
Gänsehaut-Singende Vizebürgermeisterin
Nare, die bei der Wahl die zweitmeisten Stimmen bekommen hatte und damit Vizebürgermeisterin wurde, war später die erste Starterin beim Karaoke-Singen. Als sie Adeles „Someone like you“ zum Besten gab, strömten nach und nach alle, die ihre Stimme über das Radio der Kinderstadt hören herbei. Viele lief voll die Gänsehaut mindestens über ihre Arme…
„Ich singe seit ich drei bin und mit fünf Jahren hab ich begonnen im Opern-Chor zu singen“, verrät sie danach Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
So, das wär’s einmal über den Mittwoch – wie immer gibt’s unten die Stadtzeitung + Plakat der (in dem Fall vier) Kandidierenden sowie das Regierungsplakat – wer wofür zuständig ist – ganz unten am Ende auf „Inhalt laden“ klicken.
UND: Bis einschließlich Freitag kannst du noch – wenn du zwischen 6 und noch nicht ganz 14 bist – in die Kinderstadt im Wiener Rathaus kommen – Infos dazu im Beitrag „Kinder – eure Stadt wartet auf euch!“ – oben verlinkt.
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Auftakt zu einer neuen Serie von Detektivgeschichten – in einem Fantasie-Tierland. Milo Monster, ein Mix aus Frosch, Schildkröte, Känguru und ein bissl Drachen ist Titelfigur – und von Beruf, gleichzeitig auch Berufung, ein Fall-Löser. Offenbar immer – es handelt sich ja erst um den ersten Band – auf Spurensuche.
Zum Start der Reihe eine deutlich sichtbare noch dazu, nämlich eine hellgrüne Schleimspur. Die gehört zu einer grauen Schnecke mit blauem Haus, eines der vielen Haustiere seines Freundes Junus. Plötzlich sei sie, die er Kassandra nannte, verschwunden.
So macht sich Milo Monster mit seinem Freund auf zu dessen Wohnung. Genauer Check – die Schnecke ist wirklich weg…
Im Verlauf der viereinhalb Dutzend leicht lesbaren Seiten mit großer, teils bunter Schrift und farbenfrohen Zeichnungen unterschiedlichster fantasievoller Tiere mit Hang zum liebevoll-Ungeheuerlichen kommt der Detektiv natürlich auf die richtige Spur – auch weil er sich mit einem Schneckenbuch eingedeckt hatte und nun wusste, was es mit Kassandra und deren – vorübergehenden – Verschwinden zu tun.
Am Ende finden sich noch zwei Seiten aus dem nächsten Fall, in dem es um ein Wesen namens Schreck geht, das schon in Band eins eine gewisse Rolle spielt.
Die am Montag beschlossene Arbeitszeitverkürzung in der Kinderstadt zeigte, dass es den Kindern nicht um weniger Arbeiten geht, sondern darum, dass sie schneller wechseln können, um neue Jobs auszuprobieren.
Und sie hielt am Dienstag außerdem auch nicht davon ab, dort, wo sie gern arbeiten auch viiiiel länger ihre Tätigkeit auszuüben.
Dennoch diskutierten Regierung und Abgeordnete aus den einzelnen Bereichen, ob es nicht bei sehr überlaufenen, weil beliebten, Jobs, eine Höchstarbeitszeit geben sollte. Damit auch diese Arbeitsstellen wieder frei werden…
Und wie schon am ersten Tag wurlte es auch in den Medien der Kinderstadt. Nicht zuletzt war die Redaktion der Stadt-Zeitung sehr oft sehr überlaufen. Die Beiträge mussten dennoch auf acht Seiten Platz finden, um mit der Beilage Rathausreport bei 12 Seiten auszukommen. So mussten so manche Fotos auch recht klein zusammengeschnitten werden. Einige Beiträge beschreiden auch die Arbeit im Radio sowie in der Nachrichten-Redaktion.
Aber sieh selbst. Natürlich gibt’s auch heute wieder die ganze Zeitung plus das Plakat der Kandidat:innen mit ihren Forderungen für die Wahl sowie das Regierungsplakat nach der Wahl zum Blättern – und Runterladen – auf „Inhalt laden“ klicken 😉
Ach ja, solltest du gerade in Wien sein oder in der Nähe – die Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ läuft noch bis einschließlich Freitag – immer von 10 bis 17 Uhr – Infos in dem verlinkten Artikel „Kinder – eure Stadt wartet auf euch!“
Hier geht’s zur – mit Hilfe von KiJuKU – erstellten Dienstag-Tageszeitung der Kinderstadt
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Montag, es wird 10 Uhr, die ersten Kinde, die ihre eigene Stadt, die sie nun eine Woche im Wiener Rathaus regieren dürfen / können / sollen, betreten wollen, warten vor dem roten Absperrband. Die offiziellen Eröffner:innen – die Vizebürgermeisterin aus dem Vorjahr, Allessandro, sowie ihre beiden Regierungskolleg:innen Marie und Leander, werden von Christoph, dem Vizebürgermeister des „alten“ Wien noch in Gespräche verwickelt. Die Wartenden sind – zurecht – ungeduldig, es ist zehn Uhr vorbei. „Öffnen, öffnen, öffnen!“, erschallen Rufe.
Und schon kommen die vier Genannten herbei, wirklich sehr kurze Reden und dann geht’s los! Und wie! Bald wurlt es in der Volkshalle und im Arkadenhof. Die jungen Bürgerinnen und Bürger haben – nach nicht allzu langem Warten in der Schlange vor dem Arbeitsamt ihre ersten Jobs angetreten. Und bis Mittag melden auch schon sieben Parteien ihre Kandidatur an.
Viiiiel länger als die Arbeitsamt-Schlangen waren die beiden vor den Wahlkabinen – eine drinnen, eine draußen. Weil so viele Bürger:innen gewählt haben, dauerte es auch länger bis zur Verkündigung des Wahlergebnisses. Die am letzten Tag des Vorjahres gewählte Vizebürgermeisterin wurde nun ihre Vorsilbe los und ist – zumindest bis Dienstag, bis zur nächsten Wahl, die neue Bürgermeisterin.
Gemeinsam mit den Abgeordneten aus allen Bereichen hatte – noch die alte Regierung beschlossen, die Mindest-Arbeitszeit von einer halben auf eine Viertelstunde zu verkürzen – bei vollem Lohn übrigens. Begründet wurde die Arbeitszeitverkürzung vor allem damit, dass damit jede und jeder mehr verschiedene Jobs ausprobieren können soll.
Mehrheitlich abgelehnt wurde hingegen der Gesetzesvorschlage wonach Politiker:innen nebenbei auch noch arbeiten oder studieren sollten, auch wenn ohne Bezahlung. Sie sollen sich auf ihre Aufgabe konzentrieren, für die sie gewählt wurden, beschlossen die Abgeordneten.
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Offenbar hatte es schon seeeehr lange nicht geregnet. Das Land war dürr, nirgends wuchs Gemüse, Obst oder Getreide. Also machten sich die Tiere auf den Weg, um Nahrung zu suchen – und hoffentlich zu finden. Nur der Löwe blieb, wo sie bis jetzt alle waren und nun fortzogen, „um das Reich weiter zu regieren“.
Und so wanderten, liefen, krochen und flogen Affen, Elefant, Giraffe, Kaninchen, Schildkröte, Zebra, Gazelle, Vögel als große gemeinsame Herde los. Irgendwann stießen sie auf einen riiiiesigen Baum voller unterschiedlichster Früchte. Offenbar ein Wunder der Natur, denn er hatte granatäpfel-rote Früchte ebenso wie bananen- bzw. mangogelbe, Zwetschgen-lilafarbene… „die dufteten wie alle Früchte der Welt zusammen“ (aus märchenkoffer.ch)
Aaaaaber: sie hingen so hoch, dass selbst der Hals der Giraffe zu kurz war. Der Stamm war so glatt, dass kein Affe raufklettern konnte und die Vögel konnten keine Frucht von den Ästen picken – so fest waren die „verwurzelt“.
Da erinnerte sich die Schildkröte, dass die Urururgroßmutter – in manchen Versionen reichen zwei Ur- -erzählt hatte, wer den Namen des Baumes weiß und nennt, dem neigen sich die Zweige herab. Doch sch… sie wusste ihn nicht mehr, aber der Löwe, der würde den Namen kennen.
Na dann, und schon sauste die Gazelle los, war sie doch die schnellste der Gruppe. Widerwillig nannte der Löwe: „Ungalli“, aber er würde es nur ein einziges Mal und einem einzigen Tier sagen…
Klar, dass da was schief gehen muss – sonst wär’s ja (fast) keine Geschichte. Die ganze Zeit über behielt die Gazelle das Wort im Kopf. Knapp vor dem Ziel stolperte sie über ein Kaninchen-Loch, plumps, hingefallen, vergessen.
Also, was tun? Noch einmal probieren – am besten der Elefant mit seinem sprichwörtlichen Gedächtnis. Zerknirscht und unterwürfig beim König nachgefragt – na, ausnahmsweise… Und, klar, prompt bleibt er im selben Loch hängen und … – genau. Wieder nix.
Verzweiflung. Da machte sich – in manchen Versionen von den anderen mit Zweifel versehen, in anderen fast unbemerkt – auf den Weg zum Löwen. Der war wütend und brüllte die Schildkröte an, dass er schon zwei Mal und so weiter und er sicher niemandem mehr sagen werde, dass der Baum Ungalli heiße…
Auf zum Happy End! Sorry, üblicherweise wird hier bei Buchbesprechungen nicht fast alles gespoilert. Aber diese Geschichte findest du auch voll auserzählt online im schon oben zitierten Schweizer „Märchenkoffer“ – Links in der info-Box. Oder erzählt (Diana Drechsler)
mit Musik untermalt (Jutta Putzschke) auch auf YouTube (leider mit Werbeunterbrechungen; Link ebenfalls in der Info-Box).
Warum der Löwe allein zu Hause blieb? Hatte er keinen Hunger? Oder geheime Vorräte, die er nicht teilen wollte? Oder wartete er, bis seine Untertanen was gefunden hatten, um sich dann bedienen zu lassen? Die hier genannten Fragen tauchen in all jenen Versionen des Volksmärchens aus der großen Gruppe der vielen Bantu-Völker – gut 200 Millionen Menschen mit 400 verschiedenen Ethnien im südwestlichen, östlichen, zentralen und südlichen Afrika von Kamerun und Nigeria über Kenia, Tanzania bis Südafrika – die mir bekannt sind, nirgends auf!
Nun, die bekannte und sprachverspielte österreichische Autorin Lena Raubaum hat diese Geschichte für ein buntes Bilderbuch aufgeschrieben – in ihrem Stil und mit so manchen Formulierungen, die zum Schmunzeln verleiten – trotz der heftigen Story, dass die Tiere so lange hungern müssen.
Sie sei, so verriet sie dem neugierigen Journalisten von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „vor rund 15 Jahren auf diese Geschichte gestoßen. „In dieser Zeit habe ich begonnen, Weisheitsgeschichten aus aller Welt zu sammeln, zu entdecken, zu finden. Und so stieß ich auf Ungalli.“ Sie hab noch so manche im Kopf und die eine oder andere auch verschriftlicht. Vielleicht folgen ja noch weitere Weisheiten aus allen Ecken und Enden der runden Welt.
Raumbaums Text wurde von Tobias Krejtschi illustriert – in einem Stil, der an so manche afrikanischen Muster erinnert. Und er zeichnet den Löwen mit Gipsfuß – somit eine Erklärung fürs daheimbleiben. Aber, der Löw sitzt lässig-geschäftig vor Laptop, Festnetztelefon und Smartphone. Weshalb müssen die Tiere dann hin und herlaufen, -stapfen, -kriechen und rufen ihn nicht an oder schicken eine Sprach- oder Text-Nachricht? Noch dazu, wo in vielen Teilen Afrikas schon vor vielen Jahren selbst in kleinen Straßendörfern statt mit Geld mittels Handy bezahlt worden ist?
Leicht verständlich aufgeschrieben hat die „Ungalli“-Geschichte, die auch ein Loblied darauf ist, ja nicht aufzugeben, auch Birgit Heitmann und mit teils witzigen Zeichnungen versehen. Vor allem die Gesichtsausdrücke ihrer Tiere überzeugen. Warum allerdings ein Bild – zumindest in der eBook-Version – um einen Viertelkreis verdreht ist, bleibt ein Rätsel – denn auf die (Nach-)Frage von KiJuKU gab es schlicht keine Antwort.
Übrigens: Ungalli heißt zumindest in einer der vielleicht bekanntesten Bantu-Sprachen, Kisuaheli (auch als Swahili in der englischen bzw. international gebräuchlichen Bezeichnung) „trotzdem“.
Pablo war anders als die anderen Teddybären. Bob war braun, Philipp rotblond, Max rot, Tim blau, Pinky rosa, Jan gelb – und bei ihm waren alle Körperteile in einer anderen Farbe: Kopf – lila, Bauch – rot, linker Arm blau, rechter orange, linkes Bein grün, rechts gelb. Eben „Ein Bär wie kein anderer“, wie das Bilderbuch von Grégoire Solotareff heißt.
Die Geschichte einer Einzigartigkeit. Naja, eigentlich von mehreren Einzigartigkeiten. Der bunte Bär wird von seinen sechs „Freunden“ – allesamt allein gelassen vom erwachsen gewordenen Tom -, als „eigenartig“ beschimpft. Das machte ihn traurig. Und er gesteht den (Vor-)Leser:innen: „Wenn Stofftiere traurig sind, weinen sie. Teddybären jedenfalls tun das…“
So zieht er sich zurück in einen Kasten, findet dort aber einen Rucksack und geht auf Wanderschaft. Im Wald, wo vielleicht echte Bären leben könnten, stößt er auf ein kleines Häuschen – mit einer großen Frau. Die wurde als Kind, weil sie viel länger war als alle anderen, auch irgendwie als eigenartig betrachtet.
Sie lädt ihn auf Kuchen ein und bittet Pablo, ihn malen zu dürfen. Apropos malen – die Bilder, vom Autor selbst gemalt, erinnern ein wenig im Stil an Paul Cézanne (1839 – 1906) in seiner späteren Phase, als er die vom Realismus geprägten Landschaftsbilder beeinflusst vom Impressionismus mehr zerfließen ließ. Von seinem Bildern hat sich auch der berühmt Pablo Picasso beeinflussen lassen – was möglicherweise nicht ganz zufällig zum Namen der Hauptfigur dieses Bilderbuchs beigetragen haben könnte 😉
„Dabei sind wir EINZIGARTIG! Du wirst sehen, wenn du groß bist, wird das das schönste Kompliment sein, einzigartig!“, versucht die Frau, in der der Bär eine Märchen-Hexe sieht, ihn – und vielleicht auch sich selbst – zu trösten. Aber Stofftiere würden nicht wachsen, entgegnete Pablo „Pascha“.
Und dennoch half ihm dieser Zuspruch… – und vielleicht hilft er ja auch dir, wenn dich jemand als „anders“ beschimpft, statt vielleicht zu bewundern 😉
Natürlich ist da die Geschichte nicht aus und der bunte Bär kehrt zurück und … – nein die Art des Happy Ends sei nicht verraten.
It’s Kinderstadt-Time. Ob Tourismus-Guide, Mitarbeiter:innen im Arbeits-, dem Finanzamt oder der Bank, Fruchtspieß-Zubereiter:innen oder Popcorn-Produzent:innen im Gasthaus, Architekt:innen oder Bauarbeiter:innen in der Schachtelstadt, Reporter:innen für Radio, Fernsehen oder Zeitungen – alle Jobs werden von den jungen Stadtbürgr:innen (9 – 13 Jahre) ausgeübt.
Und täglich können die Bürger:innen eine (neue) Regierung wählen, aber auch Gesetzesvorschläge diskutieren, einbringen und vieles mehr. Drei der acht am letzten Tag der vorjährigen Kinderstadt gewählten Regierungsmitglieder haben für den ersten Tag heuer schon ihr Kommen zugesagt. Kinder-Vizebürgermeisterin Alessandra P., Marie P., Stadträtin für Stadtentwicklung und Bürger:innen-Beteiligung sowie Leander B., Stadtrat für Gesundheit, Soziales und Umwelt werden gemeinsam mit dem Vizebürgermeister des „alten“ Wien, Christoph W., Montag früh „Rein ins Rathaus“ 2024 eröffnen.
Übrigens: In der Kinderstadt kann auch studiert werden – und dafür müssen keine Gebühren bezahlt werden, sondern Studien werden genauso bezahlt wie Arbeit – in der eigenen Währung HolliCent. Und da gibt’s eine Neuerung: Neben den bisherigen 1- und 10-HolliCent-Scheinen gibt es heuer auch 5er und 20er.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… das wieder – wie von Anfang der Kinderstadt an, damals noch als Kinder-KURIER – den jungen Reporterinnen und Reportern zur Seite steht, war natürlich am Aufbautag mit dabei, durfte die neuen Scheine schon sehen UND fotografieren.
Hier noch eine Galerie von Fotos der meisten (fast) fertig hergerichteten Stationen.
„Mir reicht’s, ich hau ab…“, sagt der Affe mit Helm in sein Handy mit Aufnahmefunktion. Er muss in einem Labor sein Dasein fristen, ist verkabelt – Menschen wollen offenbar in sein Gehirn „schauen“. Seine Hochtechnisierung nutzt er schlauerweise, um selbst was zu erfinden – einen „Weit-weg-Beamer“.
So beginnt die Geschichte, die sich Lisa Aigelsperger ausgedacht. Zusammen mit bunten, teils comicartigen Illustrationen von Rebeca Monteiro Neves – ergeben sie das fast 100-seitige Buch „Schnauze voll – vier Tiere und die Freiheit“.
Die vier wie ein Turm übereinander stehenden, sitzenden Tier erinnern vom Bild her an die „Bremer Stadtmusikanten“, die, weil schon alt und nicht mehr „nützlich“ von ihren Besitzer:innen ausrangiert werden. Aber auch sie machen sich auf den Weg nach einem (neuen) Leben. Der Affe beamt sich mit der Kraft von Sonnenstrahlen, nutzt also Solarenergie. Doch so ganz erreicht er sein Ziel (noch) nicht. Kann er auch gar nicht, soll doch eine ganze Geschichte erzählt werden.
Und so trifft er zunächst Kapitel für Kapitel auf drei Mitreisende. Zunächst auf einen Bären – warum genau der Mondbär heißt, erschließt sich nicht wirklich. Zwar lebt auch er eingesperrt – in einem Käfig mit wenig Tageslicht – aber da würde dann auch genauso wenig nächtliches Licht hinkommen.
Wie auch immer – mehr oder minder freiwillig – folgt der Bär dem Affen: „Alles ist besser als hier.“
In einem Voll-Spalt-Stall, in dem sie landen – das mit der Navigation haut nicht so wirklich hin –, treffen die beiden auf ein armes Schwein, das Glück hat, nicht auf den aktuellen Transport ins Schlachthaus mitgenommen worden zu sein. Und schließlich gesellt sich als vierte im Bunde irgendwo – wieder fehlgelandet – auf eine Straßenhündin. Die ist natürlich voll freiheitsliebend. Vieles davon rappt sie, manches ein bisschen holprig.
So, jetzt aber! Zu viert gebeamt – weg von hier. Sie landen in einer Idylle – mit echter Erde, echtem Gras, wirklichen Bäumen und tatsächlichem Wasser. Ersteres mit letzterem gemischt gibt Schlamm, in dem sich das Glücks-Schein zum ersten Mal in seinem Leben wohlig wälzen kann. Ende gut, alles gut!
Oder doch nicht?
Alles ist so klein-winzig hier. Auch beengt.
Und schließlich hat die Autorin vor, die Geschichte noch weiterzutreiben.
Also ist das vermeintliche Ziel nur ein vorläufiges – aber eines, das sozusagen den Weg weist – hin zu natürlichen Lebensräumen – aber nicht nur im Miniatur-Format, also geht das Beamen weiter…
Spät stellt sich heraus, dass der Flecken, auf dem sie gelandet sind, ein eigener klitzekleiner Planet ist – erinnert ein wenig an so manche Welten in Antoine de Saint Exupérys „Der kleine Prinz“.
Ein bisschen herausfordernd ist beim (Vor-)Lesen, das Wort-Spiel mit weg / Weg. Alle vier wollen natürlich aus den beengten Verhältnissen weg (mit kurzem „e“) und nennen ihr Ziel „das Weg“, ebenso wie der Weg mit langem „e“. Wobei die Autorin mit einem von mehreren Anhängen vollends für Verwirrung sorgt, schreibt sie doch in „Wkww – Wir Kinder wollen’s wissen) vom Planeten Weck. Und da schon im Buch aus dem Smog über der Stadt Smok wurde, wirkt’s als wäre da wieder ein weicher zu einem harten Laut geworden.
Aber abgesehen davon, ist das bunte Buch ein leicht nachvollziehbares und dennoch sanftes Plädoyer dafür, Tiere nicht in enge Käfige zu sperren und sie nur zum Nutzen von Menschen zu halten – was übrigens Felix Mitterer mit „Superhenne Hanna“ schon erstmals vor 47 Jahren, also fast einem halben Jahrhundert getan hat.
Nach der abenteuerlichen, fantasievollen Geschichte selber und dem erwähnten Anhang Wkww gibt’s übrigens noch den Text eines Abspannlieds (das mit Musik als Audiodatei auf der Verlagsseite zu hören ist – Link in der Info-Box am Ende), sowie einen Epilog mit Zitaten von Kindern, was sie sich für das eine oder andere der vier Tier wünschen würden.
„Die heißesten Sommertage scheinen jetzt normal zu sein“, sagte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Die extreme Hitze nimmt zu und beeinträchtigt die Gesundheit, das Wohlbefinden und den Tagesablauf der Kinder.“
Anhand eines Vergleichs zwischen dem Durchschnitt der 1960er Jahre und dem der Jahre 2020 bis 2024 kommt eine Analyse des Kinderhilfswerks der UNO zum Schluss, dass Geschwindigkeit und Ausmaß, in dem extrem heiße Tage – gemessen bei mehr als 35 Grad Celsius – für fast eine halbe Milliarde Kinder weltweit zunehmen. Noch dazu oft in Regionen ohne entsprechender Infrastruktur oder Dienstleistungen um dies zu ertragen.
Die Daten ergeben, dass Kinder in 16 Ländern heute mehr als einen Monat mehr extrem heiße Tage erleben als noch vor sechs Jahrzehnten. Im Südsudan zum Beispiel erleben Kinder in diesem Jahrzehnt im Jahresdurchschnitt 165 extrem heiße Tage im Vergleich zu 110 Tagen in den 1960er Jahren, während die Zahl in Paraguay von 36 auf 71 Tage angestiegen ist. In acht Ländern, darunter Mali, Niger, Senegal, Südsudan und Sudan, leben Kinder, die mehr als die Hälfte des Jahres bei Temperaturen über 35 Grad Celsius verbringen müssen.
In West- und Zentralafrika sind Kinder am stärksten der extremen Hitze ausgesetzt. 123 Millionen Kinder – oder 39 Prozent – erleben heute im Durchschnitt mehr als ein Drittel des Jahres – oder mindestens 95 Tage – Temperaturen über 35 Grad Celsius, und zwar an 212 Tagen in Mali, 202 Tagen in Niger, 198 Tagen im Senegal und 195 Tagen im Sudan. In Lateinamerika und der Karibik leben fast 48 Millionen Kinder in Gebieten, in denen die Zahl der extrem heißen Tage doppelt so hoch ist wie vor knapp mehr als einem halben Jahrhundert.
Hitzestress im Körper, der durch extreme Hitze verursacht wird, stellt eine besondere Bedrohung für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und schwangeren Frauen dar, insbesondere wenn keine kühlenden Maßnahmen zur Verfügung stehen. Er wird mit Schwangerschaftskomplikationen wie chronischen Schwangerschaftskrankheiten und ungünstigen Geburtsergebnissen wie Totgeburten, niedrigem Geburtsgewicht und Frühgeburten in Verbindung gebracht.
Übermäßiger Hitzestress trägt auch zu Unterernährung bei Kindern und nicht übertragbaren Krankheiten wie hitzebedingten Erkrankungen bei und macht Kinder anfälliger für Infektionskrankheiten, die sich bei hohen Temperaturen ausbreiten, wie Malaria und Denguefieber. Es ist erwiesen, dass er sich auch auf die neurologische Entwicklung, die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden auswirkt.
Extreme Hitze hat auch bedenklichere Auswirkungen, wenn sie über längere Zeiträume hinweg auftritt. Während extreme Hitze in allen Ländern weltweit zunimmt, zeigt die Analyse, dass Kinder auch schwereren, längeren und häufigeren Hitzewellen ausgesetzt sind. In mehr als 100 Ländern erlebt mehr als die Hälfte der Kinder heute doppelt so viele Hitzewellen wie vor 60 Jahren. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel sind 36 Millionen Kinder doppelt so vielen Hitzewellen ausgesetzt wie vor 60 Jahren, und 5,7 Millionen sogar viermal so vielen.
„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihr Körper ist viel anfälliger für extreme Hitze. Junge Körper heizen sich schneller auf und kühlen langsamer ab. Extreme Hitze ist für Babys wegen ihrer schnelleren Herzfrequenz besonders riskant, daher sind steigende Temperaturen für Kinder noch alarmierender“, sagt Catherine Russell.
Die Auswirkungen klimabedingter Gefahren auf die Gesundheit von Kindern werden dadurch vervielfacht, dass klimabedingte Gefahren die Lebensmittel- und Wassersicherheit sowie die Verschmutzung beeinträchtigen, die Infrastruktur beschädigen, Dienstleistungen für Kinder, einschließlich Bildung, unterbrechen und zu Vertreibungen führen. Darüber hinaus wird die Schwere dieser Auswirkungen durch die zugrunde liegenden Schwachstellen und Ungleichheiten bestimmt, denen Kinder aufgrund ihres sozioökonomischen Status, ihres Geschlechts, ihres Standorts, ihres bestehenden Gesundheitszustands und des Länderkontexts ausgesetzt sind.
In den kommenden Monaten müssen alle Mitgliedstaaten des Pariser Abkommens neue nationale Klimapläne – Nationally Defined Contributions (NDC 3.0) – vorlegen. Diese Pläne werden den Kurs der Klimapolitik für ein Jahrzehnt festlegen. Sie sind eine zeitlich begrenzte Gelegenheit, konkrete Pläne zur Verwirklichung der Ziele des Pariser Abkommens darzulegen. Unicef ruft Führungskräfte, Regierungen und den privaten Sektor dazu auf, diese Gelegenheit zu nutzen, um dringende und mutige Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen, die das Recht jedes Kindes auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt wahren, indem sie die folgenden Maßnahmen ergreifen:
„Die Regierungen müssen handeln, um den Temperaturanstieg in den Griff zu bekommen, und es gibt eine einzigartige Gelegenheit, dies jetzt zu tun. Da die Regierungen derzeit ihre nationalen Klimaschutzpläne ausarbeiten, können sie dies mit dem Ehrgeiz und dem Wissen tun, dass die Kinder von heute und künftige Generationen in der Welt leben müssen, die sie hinterlassen.“
Hände, die eine Blume beschützen, Jugendliche die alten Menschen helfen oder sie unterhalten, eine junge Frau, die einen Straßenhund füttert und – weil es regnet – einen Schirm über ihn hält… Das sind nur einige der Fotos zum Wettbewerb, der unter dem Motto stand „solidarisch handeln“.
Rund 500 Kinder (9- bis 13 Jahre) aus 21 CEE-Staaten (Central and Eastern European Countries – Zentral- und (Süd-)Osteuropäische Länder u.a. Albanien, Bosnien, Estland, Georgien, Nordmazedonien, Rumänien, Slowakei, Serbien, Tschechien, Türkei) hatten mit ihren, den besten, Fotos einen zweiwöchigen-Camp-Aufenthalt in Österreich gewonnen. Zum zwölften Mal – mit Unterbrechungen während der Corona-Jahre – fanden die VIG-Camps (Vienna Insurance Group – Gruppe der Wiener Städtischen Versicherung) in Kärnten, Salzburg und Wien statt; an vier Standorten (in Salzburg zwei (St. Michael im Lungau und Radstadt im Pongau), in Wien wohnen und leben die Kinder und Jugendlichen auf dem weitläufigen Gelände mit vielen Sport- und Freiflächen der Schulbrüder in Strebersdorf (Floridsdorf, 21. Bezirk).
Der Kreativ-Bewerb ist – stets mit einem Motto – für Kinder von Mitarbeiter:innen dieser internationalen Versicherungsgruppe ausgeschrieben – in früheren Jahren waren es Zeichen- und Mal-, seit einigen Jahren sind es Fotobewerbe.
Während ihres Aufenthalts mit viel Spiel, Spaß, Bewegung, Wanderungen, Ausflügen usw. besuchten die Kinder auch Einrichtungen für Senior:innen, um diese mit volkstümlichen und modernen Tänzen sowie Gesängen zu unterhalten.
Außerdem pflanzten sie Bäume – die „Maschinen gegen den Klimawandel“.
An einem der letzten Abende in Wien besuchte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… das Wiener VIG-Camp und konnte mit acht Teilnehmer:innen – aus Rumänien, Georgien, Nordmazedonien und der Türkei Interviews führen – die hier unten alle verlinkt sind.
Außerdem fand nach dem gemeinsamen Essen traditionelle eine „Talente“-Show statt, bei der viele Kinder bzw. Jugendliche Tänze – volkstümliche ebenso wie moderne – vorzeigten, sangen, Gedichte lasen, zeichneten und der 12-jährige Maksim Rubiks Würfel – nachdem ihn jemand vollkommen verdreht hatte – in weniger als einer Minute lösen konnte. Und das abseits der Show gleich mehrfach.
„Ich hab drei oder vier Fotos gemacht und dann hab ich entschieden, welches am besten zu den Begriffen Solidarität, Freundschaft und einander helfen passt. Ich hab meine Freundin gebeten, mit mir eine Weltkugel – auf Papier und auf die Handfläche zu malen. Dazu haben wir dann auf dem Papier das Wort Solidarität in mehreren Sprachen geschrieben.“ Auf Türkisch heißt es übrigens „Dayanışma“. Die beiden nahmen dann noch Französisch, Spanisch und suchten es via Internet auch auf Japanisch heraus (Rentai) und malten die Schriftzeichen ab.
In der Schule mag die 13-Jährige aus dem Stadtteil Kadıköy der auf zwei Kontinenten liegenden Stadt Istanbul, am allerallerliebsten Coding (programmieren. „Meine Eltern sind Computer-Ingenieur:innen, ich mag digitale Geräte sehr, sehr. Und ich will auch Software-Entwicklerin werden. Früher, als ich so sechs war, wollte ich Formel 1-Pilotin werden. Aber das war mir dann doch zu riskant.“
Außerdem mag ich noch Mathe ziemlich gern. In der Freizeit leibe ich es, mit meinem Bruder Computergames zu spielen. Und ich spiele Volleyball, am liebsten ganz vorne – in einem Team, fast professionell, fast täglich.
„Ich hatte für den Bewerb viele Ideen. Dann hab ich einige Bilder, teils Piktogramme zum Thema ausgesucht, ausgedruckt. Zum Beispiel, wie ein Jugendlicher einer alten Frau über die Straße hilft, Menschen verschiedenster Religionen gemeinsam vor einer Weltkugel, Kinder, die einander an den Händen halten, ein Bild „Stopp Kindesmissbrauch“, ein Bild mit Händen in verschiedenen Hautfarben und dem Spruch: „Eine menschliche Rasse – ein Blut, rotes Blut“. Freund:innen haben diese Bilder in die Höhe gehalten und ich steht dazwischen.“
Sandro Begashvili, wie seine georgische Interview-Kollegin ebenfalls aus der Hauptstadt Tbilissi, ist heuer schon zum zweiten Mal beim VIG-Camp in Wien. „Im Vorjahr hatte ich aber nicht leicht Freunde gefunden, heuer ist das anders, da hab ich schnell Freundschaft geschlossen mit Kindern aus verschiedenen Ländern“.
In der Schule mag der 13-Jährige Englisch am meisten. „Früher mochte ich auch Mathe gern, aber ab der 5. Klasse ist es viel schwieriger geworden. Englisch finde ich am leichtesten. Und ich schaue auch Filme und Serien auf Englisch und lern damit auch in der Freizeit dazu.“
Außerdem spielt er gerne Fußball mit meinen Freunden und Computerspiele – die unterschiedlichsten.
Doruk Özgüler (11) aus Istanbul hat sich am letzten Tag vor Einsendeschluss an den Bewerb erinnert. „Dann bin ich mit meiner Familie raus gegangen. Ich hab sie gebeten, dass sie sich alle stark an den Händen fassen, um eine feste Gemeinschaft zu zeigen.“ Die sieht so stark aus, dass da durchaus sogar ein schwerer Mensch drauf sitzen oder gar stehen könnte. Oder eine schwere Last getragen werden kann.
Zum ersten Mal in einem Camp und auch zum ersten Mal in einem anderen Land. „In der ersten Nacht konnte ich nicht schlafen, weil es so viele Hornissen und Spinnen gab. Aber die waren dann weg und seither schlafe ich gut.“
In der Schule mag Doruk Özgüler am liebsten Turnen, Kunst, vor allem zeichnen und Biologie. „Mikroskopieren finde ich spannend. Wir haben schon Bienen und Fliegen in der Schule unter dem Mikroskop angeschaut, aber keine Hornissen.“
In der Freizeit spielt er am liebsten Fußball, „ich spiel in einem Verein, meistens am linken Flügel. Das Training vermisse ich hier im Camp schon ein bisschen. Wir spielen zwar hier auch Fußball, aber nicht so professionell.“
Beim nachmittäglichen Besuch einiger der Kinder in einem Senior:innenheim, sei er glücklich gewesen, weil sie gemeinsam die älteren Leute mit Gesang und Tanz erfreut haben. „In Istanbul gehe ich auch öfter mit meiner Familie in ein Haus für ältere Menschen, um sie aufzuheitern.“
Im Wiener Heim war auch ein alter Mann, der aus Yozgat (viele der ersten Arbeiter, die Österreich aus der Türkei angeworben hat kamen aus dieser Gegend) war. „Ich hab ihm, er heißt Halit, versprochen, wenn ich nächstes Jahr wieder zum Camp darf, werde ich ihn wieder besuchen.“
„Ich hatte viele Ideen für Fotos für den Bewerb. Einmal habe ich meine Mutter, meinen Vater und meinen Bruder gebeten, ihre Arme rund um eine Pflanze, eine Tulpe, zu formen, um diese zu schützen. Von den vielen Fotos, die ich gemacht habe, zum Beispiel von Vogelhäuschen oder als ich meiner Großmutter geholfen habe, aber ich dachte und denke immer noch, das war das beste für das Motto des Bewerbs „solidarisch handeln“.
Sie war zwar schon in vielen verschiedenen Ländern, „aber es ist das erste Mal hier im VIG-Camp und überhaupt das erste Mal, dass ich in einem Camp mit Kindern bin, die ich alle vorher nicht gekannt habe. Aber ich bin freundlich und offen – also war das für mich kein Problem.“
Die 12-Jährige aus der Kleinstadt Clinceni, keine 20 Kilometer von der rumänischen Hauptstadt Bukarest entfernt, erzählt, dass die Familie einen Garten hat, aber nicht nur Blumen, sondern auch Gemüse anpflanzt. Auf Nachfrage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… erzählt sie, dass „ich verantwortlich bin für die Bewässrung des Gartens“.
In der Schule, in die sie manches Mal mit dem Bus, dann wieder mit ihrem E-Scooter fährt, mag sie am liebsten Englisch. Ich liebe diese Sprache, ich lerne sie seit dem Kindergarten. Dort haben wir schon die Farben und Zahlen gelernt, aber ich hab auch daneben noch extra Kurse besucht. Schon länger schaue ich Filme und Serien auf Englisch ganz ohne Untertitel.
„Neben Filme und Serien schauen, lese ich gern Bücher, am liebsten Krimis. Ich mag solche. Wenn ich groß bin, will ich auch keinen langweiligen Job in irgendeinem Büro, sondern ich möchte kriminalistische Psychologin werden.“
„Mein Großvater ist 94 Jahre alt, sitzt im Rollstuhl, ich helfe ihm gerne, und um ihm eine Freude zu machen, habe ich viele bunte Fotos und Bilder gemacht und zu einer Collage zusammengeklebt, die ich ihm geschenkt habe“, beschreibt der elfjährig Michail Mladenovikj seinen Bewerbs-Beitrag mit dem er dann einen der 500 Camp-Plätze in Österreich gewonnen hat.
Der Opa lebt in einer anderen Stadt Nordmazedoniens, „daher kann ich ihm nicht jeden Tag helfen, aber immer, wenn ich ihn besuche. Am meisten mag er, wenn ich ihm aus Büchern vorlese, weil er auch nicht mehr so gut sehen kann. Manchmal lese ich auch aus Schulbüchern vor und er erinnert sich fröhlich an die Zeit, als er ein Schulkind war. Aber öfter lese ich ihm Theaterstücke vor. Da such ich in der Bücherei Stücke aus, die ich selber noch nicht kenne, sodass sie beim Vorlesen auch für mich neu sind.“
In der Schule mag er Sport und Mathe. Fuß- und Basketball spielt er auch in der Freizeit. Und er liest gern, schaut gern Filme und Serien – meist auf Netflix.
Im Vorjahr schon beim VIG-Camp, damals beim See-Camp, das Schwimmen hat schon mehr Spaß gemacht als hier in Strebersdorf.
Barbare Narimanashvili (12) aus der georgischen Hauptstadt Tbilissi ist nicht nur zum ersten Mal beim VIG-Camp, sondern war überhaupt das erste Mal in einem anderen Land. „Davor war ich schon ein bisschen nervös, aber es war von Anfang an so aufregend und toll, ich mag gar nicht mehr weg. Aber nur, wenn alle anderen auch dableiben.“
Als Symbolbild für Solidarität „hab ich meine Schwester fotografiert, die einen Hund füttert und weil es geregnet hat, den Schirm über sich und den Hund gehalten hat. So ein Bild hatte ich im Kopf und wir mussten halt warten, bis es regnet.“
Es war gleich ihre allererste Idee – „Solidarität ist für mich, anderen zu helfen, dazu gehören Tiere ebenfalls – und das war ein Straßenhund!“
In der Schule mag sie Sport, da vor allem Ballspiele, und Englisch. „In der Freizeit spiele ich am liebsten auf dem Handy, Videospiel und auch mit meinen älteren Geschwistern oder ich geh mit meinem kleinen Hund spazieren.“
„Zuerst wusste ich gar nicht, welches Foto ich für den Bewerb machen sollte. Dann durchstöberte ich die Galerie meiner Fotos auf dem Handy. Da sprang mir ein Fotodoruk ins Auge, auf dem mein jüngerer Cousin meinem Großvater bei einem Ausflug zu einer alten Kirche beim Gehen geholfen hat. Das war’s, für das Foto hab ich mich entschieden – die jüngere Generation sollte der älteren helfen, finde ich.“
In der Schule mag Natalija Zdravkovska aus der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje am meisten Kunst und da vor allem Malen und Zeichnen. „Das mach ich auch in der Freizeit sehr oft und gern, auch wenn mir langweilig ist. Die Bilder sammele ich alle und manches Mal häng ich sie auch in meinem Zimmer auf.“
Außerdem mag sie gern mit Freund:innen Videospiele – und sie spielt seit drei Jahren Volleyball – „aber nur mit meinen Freund:innen“.
Für den Bewerb nahm Rares Dumitrascu aus Bradu Geamana „ein Foto aus meiner Bilder-Galerie. Es war eines, wo die Lehrerin vorher gesagt hat, Jugendliche sollten szenisch darstellen: Stopp Rassismus!“
Der 13-Jährige mag vor allem Geographie, Geschichte und Sport in der Schule, Fußball und Videospiele in der Freizeit. Bei letzteren am liebsten Online-Games mit Freunden in einem Team. Fußball spielt er in einem Verein, meist im zentralen Mittelfeld. „Und ich will Profi werden.“
Zum ersten Mal ist er beim VIG-Camp gewesen, aber ich war schon oft auf verschiedenen Camps mit anderen Kindern, aber bisher noch nie in Österreich. Die meisten Camps waren bisher mit sportlichen Aktivitäten.
Ball spielen, Radfahren, Skaten verboten – und das sind sehr oft noch lange nicht alle Verbot-Schilder beispielsweise in Wohnhausanlagen hängen und Kinder sowie Jugendliche am liebsten zum Stillsitzen verdammen.
Während Autos so einiges an Quadratmetern haben, um Platz auf öffentlichen Straßen verparken zu dürfen – wehe, wenn Kinder so viel für sich beanspruchen, Sand, Ball oder was auch immer spielen wollen würden…
Anlässlich des Internationalen Tages der Jugend verwies SOS-Kinderdorf auf seine Petition „Mitgestalten statt Klappe halten!“
„Kinder und Jugendliche stehen gerade besonders unter Druck. Zur ohnehin aufwühlenden Zeit des Erwachsenwerdens kommt noch eine Vielzahl an weiteren Belastungen. Multiple Krisen – von der steigenden Inflation bis hin zur sich verschärfenden Klimakrise – bringen viele von ihnen an den Rand der Belastungsgrenze. Gleichzeitig fühlen sich junge Menschen mit ihren Problemen von der Politik im Stich gelassen. Das zeigen die aktuellen Zahlen des SORA-Demokratiemonitors. Demnach sehen sich nur noch 35 % der jungen Menschen vom Parlament gut vertreten. Nicht einmal die Hälfte denkt, dass es etwas bewirkt, sich politisch zu beteiligen“, heißt es in einer Aussendung von SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser.
Um die bestehenden Probleme lösen zu können, sei es daher elementar, dass die Politik junge Menschen und ihre Interessen endlich in Entscheidungsprozesse einbinde, so Moser. „Junge Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Meinung gehört und ihre Anliegen berücksichtigt werden – gerade dann, wenn es um etwas so Wichtiges wie ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden geht. Sie haben ein Anrecht darauf bei Fragen, die sie selbst betreffen, auch mitzubestimmen.“
Gerade im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit stehe die kommende Regierung also vor großen Herausforderungen, denen man jedenfalls nur gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen begegnen könne, sagt Moser.
„Die Gesundheitspolitik muss so gestaltet sein, dass sie den Bedürfnissen junger Menschen entspricht und ihnen ein gesundes Aufwachsen ermöglicht, etwa durch die Schaffung einer gesundheitsfördernden Umgebung in Schulen und im öffentlichen Raum. Wenn wir Jugendliche ernst nehmen und ihnen ermöglichen, ihr Leben und unsere Gesellschaft mitzugestalten, profitieren wir alle von einer starken, gelebten Demokratie.“
Link zur Petition hier unten
Getötete, ja massakrierte Kinder am 7. Oktober in Israel, von Bomben zerfetzte Kinder in Gaza, Libanon, Golanhöhen… Kinder in vielen Ländern des Nahen Ostens sind heute mehr denn je tödlich bedroht, und die die (über-)leben sind mit alltäglicher Gewalt und von Unsicherheit bedroht. Darauf wies vor wenigen Tagen die Regional-Direktorin für den Nahen Osten des Kinderhilfswerks Unicef, Adele Khodr hin.
Das sei aber noch gar nicht alles, so die Expertin. „Neben diesen tragischen Todesfällen gibt es noch viele weitere Kinder, die unter Verletzungen leiden, die ihren Körper für immer gezeichnet haben und unermessliche Schäden an ihrer psychischen Gesundheit verursachen. Viele haben durch die Vertreibung ihr Zuhause verloren und leben in einem ständigen Zustand der Unsicherheit und Angst.“
Doch die Lage der Kinder droht sich noch viel, viel weiter zu verschlechtern. Jede Eskalation der Gewalt in der Region wird zu schwerwiegenden humanitären Folgen führen und das Leben und Wohlbefinden von vielen weiteren Kindern gefährden. Sie wird auch langfristige Auswirkungen auf die Aussichten auf Frieden und Stabilität im Nahen Osten haben. Eine sofortige Deeskalation ist unabdingbar, um das Leben und das Wohlbefinden der Kinder zu schützen, denn die Alternative ist unvertretbar und unvorstellbar.
Unicef ruft weiterhin alle Parteien dringend dazu auf, höchste Zurückhaltung zu üben und Zivilist:innen sowie die lebenswichtigen Dienstleistungen, auf die sie angewiesen sind, gemäß ihrer Verantwortung nach internationalem humanitärem Recht zu schützen. Kinder haben ein Recht darauf, vor Gewalt geschützt zu werden, und dieses Recht sollte immer gewahrt werden.
Diese für Kinder zuständige Organisation der Vereinten Nationen ist allen Widernissen zum Trotz noch vor Ort und arbeitet mit Partnern zusammen, um Kinder in der Region mit wichtigen Dienstleistungen und Hilfsgütern zu unterstützen und zu schützen. „Was Kinder jedoch wirklich brauchen, sind Frieden und Sicherheit, die Chance auf ein Leben in Würde und frei von Entbehrungen und Angst. Und das beginnt mit Deeskalation, einer dauerhaften politischen Lösung und dem Versprechen einer besseren Zukunft.“
„Nach der Wahl brauchen wir ein Regierungsabkommen, das uns jungen Menschen Sicherheit und gute Zukunftsperspektiven gibt. Sei es bei der Bekämpfung der Klimakrise oder der Frage, wie wir uns unser Leben leisten sollen!“ Dies verlangte Sabrina Prochaska aus dem Vorsitz-Team der Bundesjugendvertretung (BJV) am Montagvormittag anlässlich des Internationalen Tages der Jugend. (Auch andere Organisationen, teilweise Mitglieder in der BJV richteten Forderungen und Appelle an diesem Tag an die Öffentlichkeit – einige sind unten am Ende dieses Beitrages verlinkt.)
Letzteren gibt es seit 1999 – von der UNO-Generalversammlung beschlossen – immer am 12. August, nachdem es zuvor schon in verschiedenen Ländern unterschiedliche Jugend-Tage gegeben hat. Die BJV ist die gesetzliche Interessensvertretung aller Menschen in Österreich unter 30 Jahren. Und sie hat Forderungen in elf Themenbereichen erarbeitet, die auch allen kandidierenden Parteien übermittelt werden.
Dringende erste Schritte muss es aus Sicht der BJV vor allem in den Bereichen Sicherheit, Klima, Kinderrechte, Teuerung, psychische Gesundheit, Digitalisierung und Medienbildung geben.
Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine (24. Februar 2022) und der Eskalation des Nahost-Konflikts sorgen sich junge Menschen mehr denn je über Sicherheit und den Zusammenhalt der Gesellschaft. „Mit den Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gibt es die Verpflichtung für UN-Mitgliedsstaaten, junge Menschen in Friedens- und Konfliktlösungsprozessen einzubinden. Finnland hat 2021 einen Nationalen Aktionsplan Jugend, Frieden, Sicherheit verabschiedet. In Österreich geht die Beteiligung junger Menschen aber nur schleppend bis gar nicht voran“, kritisiert UN-Jugenddelegierte Jana Berchtold. Auch die neue Sicherheitsstrategie werde ohne Jugendbeteiligung verhandelt. „Junge Menschen sollten bei Sicherheitsfragen mitsprechen, weil es um ihre Zukunft geht“, sagt Berchtold.
Das Recht auf Beteiligung müsse auch in der Klimapolitik umgesetzt werden, wo junge Menschen große Zukunftssorgen haben. Die Teilnehmer:innen des Klimajugendrats der BJV sprechen sich dabei für ein fest integriertes Jugendgremium zu Klimapolitik auf höchster Ebene aus, erklärt die UN-Jugenddelegierte und betont: „Kinder und Jugendliche sind jene Generation, die am meisten von den Folgen der Klimakrise betroffen sein werden.“ Deshalb erwarte sich die junge Generation in der nächsten Legislaturperiode den Beschluss eines neuen Klimaschutzgesetzes.
Dringenden Handlungsbedarf sieht die BJV bei der mangelnden Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, die Österreich vor mehr als 30 Jahren ratifiziert hat. „Zur Stärkung der Kinderrechte setzen wir uns für die Verankerung aller Kinderrechte in der Verfassung und ein tragfähiges Kinderrechte-Monitoring ein“, betont Prochaska.
Für die nächste Regierung müsse auch die Bekämpfung von Kinderarmut und die Bereitstellung von leistbarem Wohnraum auf der Tagesordnung stehen. Zuletzt hat sich das Sozialministerium in Absprache mit den Ländern auf die Ausarbeitung einer Kindergrundsicherung verständigt.
Im Bereich der psychischen Gesundheit ist die flächendeckende Versorgung mit kassenfinanzierten Therapieplätzen besonders akut. „Das Projekt ,Gesund aus der Krise‘ war ein wichtiger Schritt, jungen Menschen schnell und unkompliziert zu helfen. Die psychische Gesundheit Jugendlicher darf in der kommenden Legislaturperiode aber nicht länger von Projekt zu Projekt gereicht werden“, verlangt die Bundesjugendvertretung.
Für das erste Regierungshalbjahr schlägt die BJV einen Runden Tisch zu jugendpolitischen Themen vor, bei dem neben der Politik und der BJV auch andere Stakeholder und Expert:innen teilnehmen sollen. „Angesichts der diversen Krisen dürfen Jugendanliegen nicht auf die lange Bank geschoben werden. Bei einem Runde Tisch soll ein gemeinsamer Fahrplan abgestimmt werden, damit es zukünftig zu einer deutlichen Verbesserung für junge Menschen kommt. Hier darf keine wertvolle Zeit verstreichen“, wünscht sich die gesetzliche Interessensvertretung aller jungen Menschen in Österreich.
Jana Berchtold wird inzwischen im Oktober die Anliegen von Kindern und Jugendlichen bei der UN-Generalversammlung in New York vertreten. „Junge Menschen haben klare Ideen und Vorschläge, wenn es um ihre Zukunft geht, und ich freue mich darauf, diese auf die höchste politische Ebene zu tragen“, so die UN-Jugenddelegierte.
Zum neunten Mal werden heuer die besten Projekte in der außerschulischen Jugendarbeit mit dem Österreichischen Jugendpreis in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Der Preis ist eine breite Kooperation von Bundesjugendvertretung, der Netzwerke Offene Jugendarbeit sowie Jugendinfos und OeAD (als Nationalagentur für die EU-Programme Erasmus+ Jugend & Europäisches Solidaritätskorps) mit der zuständigen Abteilung in der Bundesregierung (derzeit Jugend-Staatsekretariat). Die Preisverleihung findet im November statt. Projekte können noch bis 15. September eingereicht werden – Link unten am Ende des Beitrages.
bjv -> Kinder-und-Jugendprogramm-zur-NR-Wahl-2024
„Wir leben in einer Zeit vieler globaler Krisen, von Kriegen über Klimaerhitzung bis hin zu wachsender Ungleichheit. Um für diese vielen Herausforderungen gerüstet zu sein, braucht es neben dem Problembewusstsein auch Handlungswillen und Kreativität. Wir wollen junge Menschen wegbringen von lethargischem Doom-Scrolling auf Social Media und konkrete Möglichkeiten zur Mitgestaltung aufzeigen“, erklärt Julia Weber, Projektleiterin bei Südwind anlässlich des Internationalen Tages der Jugend – siehe auch Beitrag über das Forderungspaket der österreichischen Bundesjugendvertretung – am Ende dieses Beitrages verlinkt.
Die Menschenrechtsorganisation Südwind bietet seit 45 Jahren Österreichs Kinder und Jugendliche in Workshops und Seminaren Unterstüztung bei der Orientierung in einer immer stärker vernetzten Welt. Die Angebote ganz nach dem Bildungskonzept des Globalen Lernens (Global Citizenship Education) helfen jungen Menschen dabei, die komplexe Welt besser zu verstehen und Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.
„Wir machen komplexe Probleme verständlich und ermutigen junge Menschen dazu, an der Lösung mitzuarbeiten. Gerade diese Bildungsangebote sind im regulären Unterrichtsprogramm Mangelware“, kritisiert Julia Weber und verweist auf die hohe Nachfrage: „Für 2024 sind wir komplett ausgebucht. Leider bedeutet das auch, dass wir viele Anfragen nicht bedienen können. Es braucht daher dringend mehr Mittel für eine nachhaltige und bundesweite Finanzierung von Globalem Lernen. Kinder und Jugendliche müssen flächendeckend auf komplexe globale Herausforderungen vorbereitet werden und auch Schulen in einem finanziell benachteiligten Umfeld sollten Möglichkeiten bekommen, diese Angebote in Anspruch zu nehmen.“
Auch im Ausland ist Südwind darum bemüht, Perspektiven für die Jugend zu schaffen. Das Projekt Future Youth Moldova unterstützt Pflegekinder in der Republik Moldau beim Übergang ins Erwachsenenleben, wenn diese mit spätestens 18 Jahren die staatliche Betreuung beziehungsweise ihre Pflegefamilien verlassen müssen und vor großen Herausforderungen stehen. Diese so genannten Care Leavers erhalten über das Südwind-Projekt Unterstützung bei der Berufsausbildung und für den Start in ein eigenständiges Leben. Dazu zählen temporäre Unterkunftsmöglichkeiten, Karriereberatungen, psychologische Betreuung, rechtliche Hilfe und Gespräche mit berufsbildenden Schulen. Die Bildungsexpert:innen von Südwind führen auch in Moldau Workshops mit Jugendlichen durch und schulen Projektpartner:innen für das Konzept des Globales Lernens, mit dem Ziel diesen bestärkenden Ansatz in der Jugendarbeit in Moldau nachhaltig zu verankern.
Mehr zu den Bildungsangeboten von Südwind online hier unten
Im Vorjahr (2023) konnten weltweit 72 Millionen Kinder als Folge von Konflikten und Krisen nicht in die Schule gehen. 1.650 Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser im vergangenen Jahr haben verheerende Auswirkungen auf das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. 47 Millionen Kinder sind aufgrund von Konflikten und Krieg vertrieben, und weltweit sind ungefähr eine Milliarde Kinder multidimensional arm – das heißt, sie haben keinen Zugang zu Nahrung und sauberem Wasser und können ihre Grundbedürfnisse nicht ausreichend decken.
Diese erschreckenden Fakten nannte Andreas Knapp, Generalsekretär Internationale Programme der Caritas Österreich, anlässlich des Internationalen Tages der Jugend am 12. August. 2023 hatte fast ein Drittel (30 %) mehr Kinder als im Jahr davor keinen Zugang zu humanitärer Hilfe. Die meisten schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen gegen Kinder wurden in Israel und Palästina, der Demokratischen Republik Kongo, Myanmar, Somalia, Nigeria und dem Sudan festgestellt. „Das sind alarmierende Entwicklungen, die uns deutlich machen: Kinder und Jugendliche sind am schlimmsten von Krieg und Konflikten betroffen. Sie zahlen die Rechnung für zunehmend komplexe und langanhaltende Krisen. Ganze Generationen wachsen nicht kindgerecht in Konflikten und in Flüchtlingscamps auf – das muss aufhören, und dafür arbeiten wir als Caritas in unseren Projekten.“
Ungleiche Lebensrealitäten erfordern globale Solidarität und globales Lernen, denn multiple Krisen und ihre Auswirkungen sowie Armut und Ungleichheit werden auch die kommenden Generationen begleiten. Umso wichtiger ist es, Kindern und Jugendlichen in Europa ein Bewusstsein für globale Zusammenhänge zu vermitteln. So bietet beispielsweise die youngCaritas seit vielen Jahren kostenlose Workshops zu Themen wie Hunger, Nachhaltigkeit, Klimagerechtigkeit, Flucht, Frieden und vielem mehr an. Gleichzeitig bekommen Kinder und Jugendliche bei der youngCaritas auch die Möglichkeit, sich direkt für den guten Zweck zu engagieren, beispielsweise mit einer Teilnahme am youngCaritas LaufWunder, wo man sich für inklusiven Turnunterricht im Kongo, die Renovierung eines Schulgebäudes im Südsudan oder für einen sicheren Schulweg im Libanon einsetzen kann. Auch im Rahmen des Programms der Internationalen Freiwilligeneinsätze haben junge Erwachsene die Möglichkeit, die Internationalen Projekte der Caritas kennenzulernen und vor Ort mitzuarbeiten. Interkulturelle Verständigung, gegenseitige Achtung und gelebte globale Verbundenheit und Solidarität stehen hier im Fokus.
Der Caritas-Vertreter verlangte, „Es sei dringend notwendig, das Dreijahresprogramm der österreichischen Entwicklungspolitik für 2025-2027 noch in dieser Legislaturperiode zu beschließen und mögliche Verzögerungen durch Neuwahlen zu vermeiden. Das Dreijahresprogramm ist ein wichtiges Planungsdokument für die Humanitäre Hilfe und Entwicklungsarbeit und ein starker Hebel für nachhaltige Veränderung. Es ist unerlässlich, dass Kinderrechte weltweit gestärkt werden und auch durch eine Kinderrechtsstrategie für das außen- und entwicklungspolitische Handeln Österreichs Chancengerechtigkeit für besonders vulnerable Kinder und Jugendliche erreicht wird.“
„Die Tür ging auf. Ein Junge stand da. Um seinen Hals war ein bunter Schal gewickelt, der bis an seine Augen reichte. Auf dem Kopf, genauer, auf den wilden dunklen Locken, lag Schnee. Hannes sah den Jungen an, und der Junge sah zurück. Ihre Blicke trafen sich wie zwei Lichtpunkte, die aufeinander zuschossen und sogleich verschmolzen. Da war ihre Freundschaft besiegelt. Ein für alle Mal.“
Auf der vierten Textseite stehen diese Zeilen des Jugendromans „Der Traum der grünen Papageien“. Es ist die erste Begegnung des Neuen in der Klasse. Kaido gehört zu einer Familie, die außerhalb der Stadt, hinter einem kleinen Wald in eine alte Fabrik eingezogen ist – und diese wohnlich herrichtet.
Das gefällt nicht allen in der Neubausiedlung. Warum, das stellt sich erst gegen Ende der fast 200 sehr spannend zu lesenden Seiten heraus – und wird hier sicher nicht verraten.
Zwar nicht im Detail aber in Grundzügen muss hier jedoch schon zur Sprache kommen, dass so manche aus der Neustadt Gerüchte in die Welt setzen über die Neuen, die Fremden. Und nicht nur Gerüchte, manch einer – und das aus dem sehr nahen familiären Umfeld von Hannes – versucht Kaido und seiner Familie sogar Straftaten unterzujubeln.
Das ist für Hannes eine große Herausforderung, treibt ihn nur noch weiter weg aus der eigenen Familie. In der er sich schon vorher nicht gerade wohlfühlen konnte – auch das sei hier nicht vorweggenommen.
Sind die hier angerissenen Eckpunkte schon kompliziert genug, ergibt sich noch eine weitere Ebene – die vielleicht sogar schon in der hier zu Beginn zitierten Szene ein wenig durchklingen mag. Und auch dabei geht es darum, dass manche, oft sogar eine Mehrheit, andere ausgrenzt, an den Rand drängt.
„Randgruppen werden es immer schwer haben“, sagt Hugo, eine Art großväterlicher Menschenfreund zu Hannes. „Nur, wer gerade zu einer Randgruppe gehört, ist zu jeder Zeit anders… Kein Mensch gehört von Natur aus zu einer Randgruppe. Es sind immer andere Menschen, die bestimmen, dass jemand zu einer Randgruppe gehört. Da unterscheidet sich unser beschauliches Mühlbachtal von keinem Ort der Welt…“
Ach ja, die grünen Papageien, das sei schon gespoilert, leben in einem Baum neben der alten Nagelfabrik, die Kaido und seine Familie renovieren. Und einst lebten sie – oder Artgenossen – auch in der Gegend der Neubausiedlung.
Inmitten der unterschiedlichsten Zelte mit Schmuck, Gewand, (Kunst-)Handwerk und Speisen aus verschiedenen afrikanischen Ländern hat auch die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ bei den Afrika-Tagen auf der Wiener Donauinsel einen Stand.
Neben einer Übersichts-Weltkarte mit den rot eingezeichneten Ländern in Südamerika, Afrika, Südostasien sowie Süd- und Osteuropa in denen die medizinischen Helfer:innen im Einsatz sind und vielen anderen Informationen, kann mit einem kleinen hölzernen Löffelchen auch eine stark nach Erdnuss schmeckende Pasta gekostet werden.
Es handelt sich um eine spezielle Pasta aus einer kleinen Verpackung. In dieser stecken 500 Kalorien und alle überlebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe (RUTF – Ready To Use Therapeutic Food – gebrauchsfertige therapeutische Nahrung). Dort wo vor allem Kinder an Mangel- und Unterernährung leiden, kann ihnen mit drei Packungen am Tag durch vier bis sechs Wochen hindurch aus dieser Not herausgeholfen werden. Ärzte ohne Grenzen hat dieses sehr wirksame Mittel, das so direkt verzehrt werden kann, ohne es kochen oder irgendwie zubereiten zu müssen, entwickelt. Es wird mittlerweile natürlich längst von allen Hilfsorganisationen bei entsprechenden Einsätzen verwendet – weshalb es auch schon in einem Bericht von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… über ein von Musicalmunchkins mit Unicef organisiertes Benefizkonzert für hungernde Kinder auf der Welt vorgekommen ist. Sollte – wider Erwarten – ein Kind eine Nuss-Allergie haben, sind die Ärzt:innen darauf vorbereitet, um Abhilfe zu schaffen.
Um es in ausreichenden Mengen finanzieren zu können, sind die Organisationen natürlich auf Spenden angewiesen – und da bringen selbst kleine Summen schon viel. Denn drei Packungen, also eine Tagesration, kosten nur etwas mehr als einen Euro.
Ein zweites „Wunder“-Package liegt im Zelt der „Medecins sans frontiere“ wie die Organisation im französischen Original heißt, auf: Alles was ein aus Seenot geretteter Mensch in den ersten 24 Stunden danach braucht, ist in der Packung enthalten, erklärt eine der Mitarbeiter:innen, die alle allerdings nicht fotografiert werden dürfen.
Adam (5), Dior (4) und Deni (11) sind die allerersten, die das kreative Kinderprogramm bei den diesjährigen Afrika-Tagen auf der Wiener Donauinsel in Anspruch nehmen. Knapp nachdem die Zugänge zum Jubiläums-Festival – heuer zum 20. Mal – geöffnet sind, beginnen sie mit den beiden Betreuer:innen der Kinderfreunde zu basteln.
Der Fünfjährige füllt vorsichtig Reiskörner in eine – unten natürlich zugeklebte – Kartonröhre zu füllen. Und upcycelt damit das Innere einer Klopapierrollen zu einem Musikinstrument.
Einer seiner Kumpels überzieht eine leere runde Konservendose mit einem zerschnittenen Luftballon – was die wohl einfachste Form einer Trommel wird. Der andere bemalt das Innere und Äußere eines metallenen Deckels, der einmal Gläser verschlossen hat. Als die Farbe trocken ist, spannt er Gummiringerl über den Deckel und befestigt mit Heißklebepistole bemalte Holzspateln auf die Deckel-Außenseite und die dort befindlichen Gummiringerln. Die Innenseite des Deckels ist somit die kleinste, leichteste Gitarre.
Während Farbe trocknet, begeben sich die drei zu einem anderen Tisch, um Memory und anderes zu spielen. Der Jüngste malt dazwischen noch eine papierene Maske an, seine Mutter schneidet Löcher hinein – dort wo die Augen sind, sodass ihr Sohn auch durchschauen kann.
In der Zwischenzeit kommen immer wieder Familien, um zu fragen, wo das Erzähl-Zelt ist. Das befindet sich gleich nebenan. Aber da der Autor und Erzähler eine weite Anreise – aus Linz – hat, öffnet es „aber nur am ersten Tag“ erst ein bissl später 😉
Dafür entschädigt Patrick Addai mit seiner ziemlich unnachahmlichen Art damit, dass er aus seinen Büchern nicht vorliest, sondern über Mimik, Gestik und mit dem ganzen Körper die Hauptfiguren, meist Tiere, richtiggehend lebendig werden lässt. Dazwischen trommelt er, reißt das Publikum zum Aufstehen und mittanzen oder zumindest im Sitzen zum mitfliegen – mit den Armen zu Adlerschwingen erhoben, wenn es um die Geschichte geht, dass ein Adler immer – im Herzen – ein Adler bleibt, auch wenn er im Hühnerhof landet.
Aus seinem jüngsten Buch „Sprich mit mir, Esel“ erzählt er auch noch eine Geschichte – Besprechung des Buches am Ende dieses Beitrages verlinkt.
Die Afrika-Tage bieten natürlich weit mehr als das Kinderprogramm – übrigens in der Nähe der Hauptbühne. Und auf dieser treten Abend für Abend musikalische Größen auf von Mamadou Diabate über Mjalisuso & Karo, Elvis Zjma & the Skypeace Band bis zu Oluchukwu Akusinana.
Und natürlich gibt es Kunsthandwerk bzw. Gewand aus den verschiedensten Ländern und Regionen Afrikas, Kulinarisches sowieso – und natürlich wollen die Afrika-Tage zwanglos und sehr sinnlich Vorurteile abbauen, friedliches Zusammenleben, Toleranz und Respekt (vor-)leben.
Zu einer Buchbesprechung des in der Passage übers Erzählzelt erwähnten Eselbuches geht es hier unten
Am ersten Tag der diesjährigen, mittlerweile 20., Afrikatage auf der Wiener Donauinsel ließ Patrick Addai, der täglich das Erzählzelt bespielt, Adler durch die Luft fliegen, Hühner gackern. Er liest die Geschichten aus seinen rund zehn Büchern nie vor, er erweckt sie zum Leben – siehe Reportage über die Afrikatage 2024, unten verlinkt.
Aus seinem jüngsten Buch (noch vor der Pandemie erschienen), erschallte das Zelt von den Rufen zweier Esel. Die sind in einer der Geschichten von „Sprich mit mir, Esel“ vom Bauern mit einem Seil aneinander gebunden und kommen sie nicht zu ihrem Futter. Erst als sie sich absprechen, erst gemeinsam zum einen Heuhaufen und dann zum anderen zu traben, können sie fressen.
Die Geschichten, die der Autor seiner Großmutter in seiner ersten Heimat Ghana verdankt, haben immer sozusagen eine Botschaft. Eben in der gerade geschilderten: Gemeinsam ist besser als jede und jeder für sich allein…
In einer anderen dieser Geschichten rund um Esel stürzt ein alter Esel in einen leeren, trockenen Brunnenschacht. Seine Schmerzenslaute rühren den Bauern Kwamina nicht. Im Gegenteil, er trommelt sein Nachbarn zusammen, um ihm beim Zuschütten des Brunnens zu helfen…
Doch… der Esel war nicht blöd, schüttelt die Erde jeweils ab, trat sie fest und so kam er höher und höher und letztlich aus dem Brunnen wieder raus! Diese Geschichte beendet der Autor gleich mit der entsprechenden Lehre, die er dem König des Landes in den Mund legt: „Schüttelt euren Dreck ab und nutzt ihn für eure Ideen und für die Zukunft. Und gebt nie auf, bis ihr euer Ziel erreicht habt.“
Neben zwei weiteren parabelhaften Märchen mit Eseln als Hauptfiguren widmet Addai das erste Kapitel einer ausführlichen sachlichen Darstellung von Wild- und Haus-Eseln – eine durchaus immer wieder unterschätzte Tierart, die noch dazu oft als Schimpfwort verwendet werden.
Und weil der afrikanische Hausesel in seiner Existenz bedroht ist, geht ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf der Bücher – in Zusammenarbeit mit dem World Wildlife Fund (WWF) – an ein Projekt zum Schutz dieser mittlerweile bedrohten Tierart.
Zu einer Story über die Afrika-Tage 2024 geht es hier unten
KiJuKU (damals KiKU – für Kinder-KURIER): Du bist schon zwei Jahren vor der Veröffentlichung mit dieser Buch-Idee an den Verlag herangetreten, wie und warum bist du auf dieses Thema gekommen?
Robert Klement: Mich hat vor allem die Frage interessiert, wie normale, scheinbare normale, Jugendliche sich in kürzester Zeit in radikale Monster verwandeln, die bereit sind scheinbar für ihre Religion zu sterben. Obwohl die Religion da gar nicht im Mittelpunkt steht. Das war der Antrieb, dem auf den Grund zu gehen.Ich war 30 Jahre Lehrer hatte immer mit Jugendlichen zu tun. Und da hab ich mir dann auch die Frage gestellt, wie kann ein junger Mensch freiwillig in einen Krieg ziehen. Mein Vater war sechs Jahre im Krieg, aber nicht freiwillig. Und die lassen alles stehen und liegen und gehen freiwillig in den Krieg?!
Was denkst du nach den umfangreichen Recherchen macht den Reiz aus, damit es überhaupt diese Verführung – so ja der Untertitel deines Buches – geben kann/gibt?
Robert Klement: Die Religion steht definitiv nicht im Mittelpunkt, es geht um das soziale Angebot, die Gruppe, eine Aufgabe, eine Ersatzfamilie, Anerkennung, das Soziale wie beim Nico. Der hat sein Umfeld im Sport verloren und sucht nun nach Ersatz. Ja und oft kommt ein einschneidendes Misserfolgserlebnis dazu.
Wo hast du wie recherchiert?
Robert Klement: Das meiste hab ich durch genaue Prozessbeobachtung erfahren, am meisten vom 16-jährigen Oliver N. im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Landesgerichtes. Da hat ein Sozialhelfer gesagt, er hat keinen Vater gehabt und das sei sein Knackpunkt gewesen. Das war aber bei allen drei Prozessen, die ich genauer beobachtet habe so – beim 14-Jährigen in St. Pölten und auch bei einem Prozess in Krems: Der fehlende Vater. Sie haben in Allah den großen starken Vater gesehen und gefunden, der ihnen den Weg weist, der bestraft, der lobt und das versteh ich vollkommen: Jugendliche, die entwurzelt sind, finden den großen starken Vater.Ich hab auch einen ehemaligen Dschihadisten in Ulm getroffen. Das war aber nicht so ertragreich, der wollte nicht so viel erzählen.
Das meiste hab ich aus dem Prozess in Wien. Da gab’s eine für mich höchst interessante Aussage der Jugendpsychiaterin Dr. Wörgötter. In ihrem eineinhalbstündigen Vortrag des Gutachtens sagte sie etwas, das gar kein Medium aufgegriffen hat: Fanatismus ist nicht therapierbar.
Ich hab den Oliver N. genau beobachtet. Der hat zwei Tage lang keine Regung gezeigt, keine Emotion – als ob ihn das alles nichts anginge, nicht berühre. Auch wenn Videos gezeigt wurden, wie er mit dem Messer spielt und vom Abschlachten Ungläubiger redet.
Auf der einen Seite sprichst du von der Erkenntnis, dass es ums Soziale geht, um die Ersatzfamilie und auf der anderen Seite von der Nicht-Therapierbarkeit – ist das nicht ein Widerspruch?
Robert Klement: Fanatismus ist meiner Meinung nach wirklich kaum therapierbar? In meiner Jugend hab ich zu Hauf ehemalige Nazis getroffen. Die haben erzählt, alles sei ganz anders gewesen. Die waren Fanatiker und sind es geblieben, da hätte jeder versuch sie zu therapieren scheitern müssen. Und genauso stell ich mir das bei Dschihadisten vor, selbst bei Heimkehrern.
Aber die haben doch die Enttäuschung erlebt, gesehen wie Sch… der „Heilige Krieg“ ist?
Robert Klement: Das haben viele unserer Väter auch. Die haben dann aus dem grausamen Krieg ihrer Wehrmachtsvergangenheit Heldenlieder gesungen.Aber natürlich ist es klar, dass alle Versuche unternommen werden müssen, Jugendliche da auch wieder raus zu kriegen, aber es ist eine Illusion, dass Fanatismus therapierbar wäre.Schau, ich war mit meinen Schülerinnen und Schülern acht Mal in Mauthausen. Für die halbwegs Gefestigten haben diese Exkursionen bestätigt, dass der Nationalsozialismus ein Verbrechen war und ist. Aber unter 30 Jugendlichen hast du dann vielleicht einen Labilen, der sogar fasziniert sein kann, leider.
Wenn du noch Lehrer wärest, du lebst ja in St. Pölten und hast dort unterrichtet, was hättest du getan, wenn der besagte 14-Jährige bei dir in der Klasse gewesen und dir aufgefallen wäre?
Robert Klement: In den 30 Jahren als Lehrer hatte ich, ich weiß gar nicht wie viele türkisch-stämmige Burschen und Mädchen – und nie ein Problem, oder fast nie. Ein Schockerlebnis hatte ich 1989: Nachdem es die Fatwa mit dem Todesaufruf gegen den Autor Salman Rushdie gegeben hat, hab ich in der Pause einen 14-jährigen Schüler gefragt, dessen Familie aus der Türkei war, was er dazu sage. Erst hat ihm der Name nichts gesagt. Beim Titel „Satanische Verse“ hat er klipp und klar gesagt: „Der muss sterben, weil der unser Heiliges Buch beleidigt hat!“. Der Bursch war bestens integriert, ein Super-Fußballspieler, wir haben vier Jahre Geschichte gehabt mit Friedenserziehung, Miteinander, Lernen aus der Geschichte – vier Jahre für nix. Da merkst du, du kommst mit deiner Botschaft nicht durch. Ich hab ihn nicht erreicht. Da brauchst du wen, der sich wirklich gut mit dem Islam auskennt und ihm genau erklären kann, dass der ihm mit Sure und Hadithen erklären kann, dass diese Religion auch gegen das Töten von Menschen ist.
Zurück zum 14-jährigen Dschihadisten aus St. Pölten: Wahrscheinlich hätte ich auch wie im Herbst 2014 viele Lehrerinnen und Lehrer beim Stadt- oder eben Landesschulrat angerufen und erst einmal gesagt, da will jemand nach Syrien. Leider hat Österreich ja zu spät reagiert. Schon im Frühjahr 2014 war klar, dass da ein neues Jugendphänomen aufgetaucht ist: Samra und Sabina sind schon im April aufgebrochen. Viele haben das ignoriert, manche hingewiesen, gewarnt und Maßnahmen gefordert. Die De-Radikalisierungs-Hotline gab’s dann erst im Spätherbst 2014.
Jetzt ist die Attraktivität abgeflaut, damals wollten viele ja auch nach Syrien, weil sie bei den Siegern sein wollten. Eine Erfolgsmeldung nach der anderen, eine Stadt nach der anderen eingenommen…
Zurück zur Frage, was wäre deine Ideen, was zu tun wäre, was muss man jetzt machen? Was könnten deiner Meinung nach wirksame Gegenstrategien sein?
Robert Klement: Nur Integration, Terrorbekämpfung muss Terror-Ursachenbekämpfung heißen. Wenn du Jugendlichen ständig das Gefühl gibst: Wir wollen euch nicht, ihr seid gewalttätig und ihr werdet stehlen – dann machen sie’s wirklich und sagen: „Das erwartet eh jeder von mir!“
Es hilft nicht, in noch mehr Polizei zu investieren, in noch mehr Überwachungs-Kameras, in noch mehr Aufstocken des Verfassungsschutzes. Dann wissen sie gar nicht mehr, was sie mit den Abhörbändern und den gesammelten Informationen machen… Vergiss das! Man soll dieses Geld nehmen und nur in Integration reinbuttern.
Natürlich wird man auch immer einen gut ausgestatteten Verfassungsschutz brauchen. Aber was willst du gegen „einsame Wölfe“ machen, die nicht integriert und ohne Perspektive da leben, aber zu keiner Organisation gehören, in keiner Befehlsstruktur sind, daher keine verdächtigen Mails schreiben oder Telefonate führen – die hast du dann ja als Staatsschutz auch gar nicht auf dem Schirm.
Herzog wusste eines mit Sicherheit: Sollte es in Österreich je einen von Islamisten verübten Terroranschlag geben, dann würde dieses Land von einer Welle der Gewalt überrollt werden. Dann würde eine ähnliche Pogromstimmung herrschen wie zu den unseligen Zeiten des Nationalsozialismus. Nur wären dann nicht jüdische Synagogen, sondern Moscheen Ziel der Volkswut. Und danach wäre Österreich ein anderes Land. Bei diesem Gedanken zerrte er an seiner Krawatte, als wäre sie ihm plötzlich zu eng.
„Halbmond über Rakka“, Seite 65
Wie hast du für die „Gegenseite“, die der Polizei, des Verfassungsschutzes recherchiert, hattest du da Interviews, Gespräche, Blicke hinter die Kulissen?
Robert Klement: Ich hab einen gewissen Draht zur Polizei. Vor 40 Jahren war ich freier Mitarbeiter beim Profil und teilweise auch beim Kurier. Da hab ich mir für die Recherche Kontakte zur Polizei aufgebaut und manche hab ich auch heute noch bzw. neue. Mein Roman ist ja eine fiktionale Erzählung. Wenn wer Ähnlichkeiten erkennen mag, ist das seine Sache. Ich hab versucht, was ich weiß und was ich von einem Informanten gehört habe in die Schilderung, wie so eine Sitzung ungefähr abläuft zu verpacken. Und ich hatte schon durchaus ein Bedürfnis den Verfassungsschutz als überfordert darzustellen. Das war er – wie alle anderen Dienste in den anderen Ländern auch Und ein paar Sachen sind ja dann ohnehin allen aufgefallen: Dass er nach außen kein geschlossenes Bild abgibt, dass ein Informant aus dem Inneren Medien informiert hat, dass der Dienst nicht mehr in der Lage sei, die Sicherheit zu gewährleisten, dass ein ehemaliger Chef sich immer wieder mit guten Ratschlägen zu Wort meldet – das ist immer ein schlechtes Zeichen, wenn ein Vorgänger sagt, noch dazu öffentlich, wie’s die Nachfolger besser machen sollten. Und bekannt ist ja, dass es auch parteipolitische Konflikte gibt.
Wie und wo hast du an der türkisch/syrischen Grenze recherchiert?
Robert Klement: Ich bin sozusagen auf den Spuren des Dschihad-Express gefahren – nach Ankara, von dort nach Gaziantep. Dort hab ich mir einen Leihwagen genommen und bin bis Akçakale knapp an die syrische Grenze gefahren. Ich wollte wie bei vielen meiner Bücher wenigstens ein bisschen in die Landschaft, ins Umfeld eintauchen, mir Impressionen für diesen Abschnitt mit Ahmed holen. In Akçakale hat mir dann aber ein Hotelbesitzer geraten, schnell wieder weg zu fahren, das wäre brandgefährlich.
Erstveröffentlicht am 17. Oktober 2016 im Online-Kinder-KURIER
Zu einer Buchbesprechung samt Buch-Infos geht es hier unten.
Vor der Schule Hoefftgasse und dem Abgang zum Jugendzentrum (Wien-Simmering – 11. Bezirk) befindet sich aktuell eine Baustelle. Im Jugendzentrum – wie in den Jahren zuvor eine Werkstatt. Nähmaschinen, Tische mit Stoffen, Farben, Scheren, Nadeln. Ein Kleiderständer mit fertigen Kostümen. Schneiderpuppen mit halbfertigen Gewändern. Von einem Berg mit Stoffen und (halb-)fertigen Objekten schlängelt sich eine Stoff-Schlange bis auf den Boden und zu Füßen eines hellrosa luftigsten Kleides.
Regelmäßige Leser:innen von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… kommt das Ambiente vielleicht aus Reportagen vergangener Jahre einigermaßen bekannt vor. Genau – wie auch schon dem Untertitel zu entnehmen -, Treffpunkt Werkstatt für die rund fünf Dutzend besten von 2300 Mode-Entwürfen von Kindern und Jugendlichen.
Phase 2 von „Kids in Fashion“ – in diesem Jahr übrigens zum 30. Mal – und daher findet die Gala, bei der jugendliche Models die kreativen Kleidungsstücke am Laufsteg vorführen, wieder einmal im Wiener Rathaus statt – in diesem Fall im Arkadenhof (5. Oktober 2024 – Details siehe Infobox am Ende des Beitrages).
KiJuKU darf den Schneider:innen aber nicht nur auf die Finger, Nähmaschinen, Scheren und so weiter schauen und mit ihnen reden. Zu dem Reportagenbesuch kommt auch eine Preisträgerin. Elida Çulhacı kommt – und wird überrascht. Leo Oswald, der Erfinder und künstlerischer Leiter dieses größten Modedesign-Nachwuchs-Bewerbs, wahrscheinlich nicht nur Österreichs, setzt der 12-Jährigen einen silbernen Haarreifen mit großem glitzernden Stern auf den Kopf.
Einen solchen hat sie dem Model auf ihrer Zeichnung ins Haar gezeichnet. Und flugs ziehen die Werkstätten-Leiterinnen – Verena Draxler und Nina Mittendrein – vom Kleiderständer auch schon das bereits genähte Kleid nach dem Entwurf der jungen Modeschöpferin aus der Reihe jener schon fertigen Gewänder auf dem Kleiderständer.
Auf dem dunklen Stoff finden sich kleine und größere runde, ovale aufgenähte Objekte, eine Art Bommel in verschiedenen Größen und Farben. Und dies entspricht ziemlich genau dem Entwurf.
„Im Jugendzentrum (einem anderen, dem Si:Ju, aber auch im selben Bezirk) hab ich mir Farben und Material geholt, zurechtgelegt und dann zu zeichnen und kleben angefangen“, schildert Elida Çulhacı dem Journalisten. „Ich hab auch noch zwei andere Entwürfe eingeschickt, aber dieser hat mir schon am besten gefallen.“ Eigentlich hätte sie, so erzählt sie später im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr aber auch den Schneiderinnen, „gern noch Teddybären-Schuhe für dieses Kleid gehabt, aber ich hab nicht gewusst, wie ich die zeichnen soll“.
Und, so verrät sie, „ich zeichne auch zu Hause und schon lange immer wieder Models mit eigenen Mode-Designs“. Ob sie dann nicht auch – wie sowohl die Werkstätten-Leiterinnen oder die Praktikant:innen – nach der vierten Klasse in eine Modeschule wechseln möchte, will KiJuKU wissen. Und schon beginnt sie die Fachleute zu fragen, wie denn die Schule sei, was sie da alles können müsse…
Nina Mittendrein, eine der beiden Werkstätten-Leiterinnen in diesem Jahr, hat in Graz in der Modeschule auf dem Ortweinplatz maturiert und vor wenigen Wochen die Bühnen-Kostüm-Meisterklasse in der Wiener Herbststraße absolviert. „Das war richtig magisch, ich hab nicht nur neue Techniken gelernt, sondern auch eine neue Perspektive auf Material-Wahl und überhaupt aufs Nähen gewonnen“, strahlt sie richtig, als sie das dem Reporter erzählt. Und vertraut Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auch an, dass sie schon mit ihrer Klasse in der Mittelschule Zeichnungen für Kids in Fashion eingeschickt hatte. „Wir haben zwar nichts gewonnen, aber es war für uns schon eine große Sache, Entwürfe zu einem Bewerb nach Wien einschicken zu können.“
Ihre Kollegin als Leiterin – die sind dafür zuständig, dass die Zeichnungen und das möglichst originaltreu und das noch dazu tragbar verwirklicht werden – ist Verena Draxler. Sie hat das Kolleg in der Modeschule Herbststraße abgeschlossen – und nebenbei noch geringfügig als Ankleiderin in der Volksoper gearbeitet. . Im Vorjahr war sie schon als Praktikantin in der Kids-in-Fashion-Werkstatt an der Umsetzung beteiligt. Sie näht gerade mit einer der Maschinen Teile für ein luftig-lockeres pinkfarbenes Tüll-Kleid. Dutzende Längsnähte gilt es in diesen so rutschigen Stoff zu nähen – auch wenn’s mühsam ist – das Kleid soll ja dem Entwurf entsprechen. Übrigens, neues Wort gelernt: Biesen heißen in der Fachsprache diese vielen Nähte, die fast unzählige lange, kleine Säumchen ergeben.
Das sei aber noch gar nichts gegen – beginnen die beiden Leiterinnen und dazu noch von drei Praktikant:innen – und holen ein dunkelrotes Kleid mit schier unzähligen aufgenähten Stoff-Rosen hervor. „Das wird was ganz Spezielles, für eine special Guest, wir dürfen aber noch nicht verraten, wer das sein wird. Das soll eine Überraschung bei der Show werden!“
Jedenfalls haben – so berichten die drei – mehrere an den Rosen und diese auf das Kleid genäht. Ein paar hätten sie, gestehen sie, unten in Richtung Saum auch angeklebt. Und, so verraten sie ebenfalls, es hätten noch mehr Rosen werden sollen, aber erstens sei der Stoff ausgegangen und zweitens ist das Kleid so schon ziemlich schwer. Und immerhin muss ja jemand damit auch über den Laufsteg gehen können.
Die schon kurz erwähnte Praktikantin, Amelie Ullrich, besucht nun – nach der Matura an der Grafischen – das Kolleg an der Modeschule Herbststraße. „Da müssen wir 160 Stunden Pflichtpraktikum machen – und das mach ich jetzt eben hier, ich wollt immer schon was Kreatives machen. Als Kind hab ich mein Taschengeld gespart, weil ich später ein eigenes Modelabel gründen wollte“, erzählt sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
Im Nebenraum sitzen zwei weitere Jugendliche von der Herbststraße. Sie malen Linien auf blaue Stoff-Quadrate. Auf einigen dieser Jeans-blauen Stoff-Quadrate klebt dünner, feiner, gitterartiger Stoff. Vanessa und Adrian bringen dem Journalisten noch einen weiteren Begriff bei: „Hexenspucke“. Eine spezielle Schicht auf diesem Stoff, auch Viledon benannt, haftet nach dem Bügeln auf einem anderen Stoff.
Dass Kleider Leute machen wie es der Schweizer Schriftsteller Gottfried Keller in einer Novelle vor 150 Jahren geschrieben hat, ist zwar nicht fein, eine Sache von Vorurteilen – und dennoch kommt es viel zu oft immer wieder vor. Da helfen auch die vielen kreativen Outfits, die sich Kinder und Jugendliche für Kids in Fashion einfallen lassen, nicht so viel wie es wünschenswert wäre.
Dem Thema widmet sich eine Performance im Theaterhaus für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier, dem Dschungel Wien, zur Saison-Eröffnung (21. bis 24. September 2024 – Details siehe Info-Box).
„Who cares what you wear?“ („Wen interessiert was du trägst?“) will die Zusammenhänge von Kreativität, Mode, gesellschaftlichem Wandel und gerechter Nachhaltigkeit sichtbar machen, wie es in der Ankündigung der Koproduktion mit der Austrian Fashion Association – basierend auf einer Idee und in Zusammenarbeit mit Fashionclash und Mayke Roels (Niederlande) heißt. Begleitend sollen auch Workshops mit Mode-Designer:innen stattfinden.
Ob da eventuell auch einige der (sehr) jungen kreativen Designer:innen von Kids in Fashion angefragt werden? KiJuKU hat dies jedenfalls beim Dschungel angeregt…
Dafür hatte er viel über Hinterhofmoscheen, „einsame Wölfe“, Anwerber:innen für den damals sehr aktiven IS samt eigenem Territorium recherchiert und beschrieben, wie Teenager in kürzester Zeit zu Sympathisant:innen wurden.
Darüber gab’s damals aus anlassbezogen einige Jugendromane in verschiedenen Verlagen. Klement hatte allerdings auch auf der Gegenseite seine Informant:innen. Bevor die BVT-Affäre aufflog, kommen in diesem Buch überforderte Verfassungsschützer:innen und damit folgenschwere Fehler beim Erkennen und der Abwehr von Gefahren zur Sprache – wie sie auch nach dem tödlichen Terror am 2. November 2020 kritisiert worden sind. Und der jetzige geplante, mögliche Anschlag konnte auch nur über Informationen ausländischer (Geheim-)Dienste verhindert werden
„Sie lebten zwischen den Welten und hatten nie herausgefunden, wo sie zu Hause waren. Integration bedeutete für sie, am sündhaften Leben der kranken österreichischen Gesellschaft teilzuhaben.“
„Halbmond über Rakka“, Seite 68
2016 habe ich – noch für den Kinder-KURIER – folgendes über das Buch geschrieben und mit dem Autor ein ausführliches Interview geführt – das in einem eigenen Beitrag:
Leila, Nico, Ahmed und Herrn Herzog hat sich der Autor ausgedacht. Aber wie in vielen seiner Bücher verpackte Robert Klement, jahrzehntelanger Deutsch- und Geschichte-Lehrer und Vielfach (ausgezeichneter) Autor, reale, ausführlich recherchierte, Schicksale und Vorgänge in seine fiktive Geschichte und Figuren. „Halbmond über Rakka“ mit dem Untertitel „Verführung Dschihad“ versucht – wie auch die anderen in den vergangenen rund zwei Jahren erschienenen Jugendbücher zum Thema IS – auf die Frage zu fokussieren, wie können – in der Regel grundvernünftige – Jugendliche auf der Suche nach so etwas wie Sinn in ihrem Leben, in den Sog, den Strudel einer derart totalitären Ideologie, die sich als Religion tarnt, geraten. Oder diesem – wie Nico hier – sich auch wieder entziehen.
Leila hatte sich – in recht kurzer Zeit – von einer durchschnittlichen, offenen Jugendlichen zu einer „Kriegerin“ gewandelt und war „verschwunden“. Ihr früherer Freund Nico will – genauso wie ihr Eltern – wissen: Waaaruuum????
Fatima (die Anwerberin, Anm. der Red.) lächelte ihm wohlwollend zu und sagte: „Es ist besser, bei der Gründung eines Staates zu helfen, als in diesem Staat hier zu verzweifeln.“
„Halbmond über Rakka“, Seite 72
Auf der Suche danach droht Nico, der aufgrund einer Verletzung seine Leidenschaft Fußball und damit seine „Familie“ verloren hat, in die „Szene“ zu kippen. Neue Freunde, neue „Familie“, Sinn statt Leere…
Da trifft er auf Ahmed, einen früheren Kumpel aus der Kickerzeit. Der scheint einen Ausweg aus seiner Leere gefunden zu haben. Nico wird auch von dessen Freunden offen und herzlich aufgenommen – in der Moschee. Irgendwie kann Nico zwar nicht wirklich die versprochene, ersehnte, erhoffte Leichtigkeit finden, aber wenigstens eine „neue Familie“.
Dann macht sich der neue beste Freund nach Syrien auf. „Abzuhauen kam Ahmed wie ein erlösender Gedanke vor. Nur in Syrien würde er Ehre finden. Dort bin ich jemand. Hier bin ich niemand, nur – der böse Ausländer. Wenn sie mich nicht mögen, dann sollen sie mich wenigstens fürchten“, lässt der Autor diese seine Figur bei dieser Entscheidung denken.
„Nico erinnerte sich an ein Gespräch mit Leila. Der Imam hatte ihr erklärt, dass die Gesellschaft, in der sie lebte, am Rande des Abgrundes tanze. Für die wirklich wesentlichen Fragen wäre sie blind, und sie hielte diese Blindheit für völlig normal. Dagegen loderte in Ahmed ein Feuer, das in anderen längst erloschen war oder nie gebrannt hatte. Er war überzeugt, in Syrien sein persönliches Himmelreich zu finden.
Plötzlich hatte Nico das Gefühl, als wäre er am Ziel einer Sinnsuche angelangt. Bald begann das zweite Leben. Der neue Anfang, die Freiheit. In seinem tristen Dasein hatte sich eine völlig neue Perspektive eröffnet. Sein Leben war ab sofort ein Wirrwarr von Gefühlen und Plänen, Absichten und Zukunftsfantasien von großer Eindringlichkeit. So, als hätte er schon immer von dieser Chance geträumt.“ (S. 77)„Halbmond über Rakka“, Seite 77
Ahmed muss aber dann schmerzhaft feststellen, dass die „abenteuerlich-romantische“ Vorstellung davon, wie sie daheim am Monitor zu sehen ist, mit der Wirklichkeit wenig gemein hat. Nein, es geht gar nicht so sehr um Skrupel, andere zu töten, das zeigen ja auch die Videos. Es geht darum, selbst nur erst recht wieder untergeordnetes Teil zu sein, noch dazu eines Unterdrückungs-Spitzel-Systems. Und auf der Flucht daraus draufzukommen, sch… da haben wir ja selbst überall das Gebiet vermint…
Klement schildert auch die Verzweiflung vor allem von Leilas Eltern, die ihre Tochter verloren haben, sich Vorwürfe machen, aber gar nicht finden, was sie wo wie anders machen hätten können.
„Ihr Imam (der Mutter, Anm. der Red.) habe gemeint, Leila hätte den Koran gründlich lesen sollen. Dann wäre es nicht so weit gekommen. Schließlich habe der Prophet gesagt, dass „das Paradies zu Füßen der Mütter liege“.
Man könne niemals ins Paradies kommen, wenn man die Mutter weinend zurücklasse.“„Halbmond über Rakka“, Seite 142
Neben der IS-Szene und ihrem Umfeld widmet sich der Autor aber auch der Recherche auf der anderen Seite, der des Verfassungsschutzes und seinen Möglichkeiten und Methoden. Der Anwerbung von Informanten aus dem Umfeld der Szene, der Verwanzung von Handys.
Nico, der bald feststellt, so attraktiv die „neue Familie“, ein möglicher Sinn für sein Leben usw. sein mögen, auf Menschen schießen – das könne und wolle er doch nicht. Der Verfassungsschutz gewinnt ihn als potenziellen Informanten, nachdem er sein Vertrauen in den nach Syrien gegangenen besten Freund erschüttert hat. Und verwendet ihn als einen, der sich – zum Schein – anwerben lassen will, um an die Anwerber:innen heranzukommen.
Klement lässt die Staatsschützer aber auch Missgriffe tätigen, etwa wenn Leilas Vater, der die verlorene Tochter aus dem Krieg holen will, wie ein Terrorverdächtiger verhaftet wird.
„Wenn Gefahr im Verzug ist, muss dem Staat eben jedes Mittel recht sein“, sagte er müde vor sich hin. „Der Zweck heiligt schließlich die Mittel.“
„Heilig“, dachte er (Herzog, Direktor beim Verfassungsschutz, Anm. d. Red.). „Wieviel entspannter könnte doch das Leben sein, gäbe es keine Religionen. Dem Menschen sind sie ein Segen, der Menschheit bescheren sie bloß Unheil. Was wir wirklich brauchen, ist eine Ethik jenseits aller Religionen.“„Halbmond über Rakka“, Seite 137
Robert Klement gelingt es – wie schon beim vor zwölf Jahren erstmals (nun bereits in 6. Auflage) erschienen „70 Meilen zum Paradies“ über Bootsflüchtlinge – ein brisantes Thema durch Verpacken in eine fiktionale Geschichte auf der Basis ausführlicher Recherche glaubhaft, nachvollzieh- und miterlebbar spannend und lebhaft authentisch zu schildern.
Zu dem schon erwähnten Interview mit dem Autor – 2016 geführt – geht es hier unten.
Keren und Navika verschnaufen kurz auf dem mit Mattenboden bespannten Sportplatz. Sie und einige weitere Umstehende Kinder berichten freudestrahlend, dass „wir jetzt gerade einen Fußball-Workshop gehabt haben“. Viel mehr noch immer haben und gerade eine kleine Pause stattfindet. Nach einem kleinen Match stellen sich einigen – in zwei Gruppen – in einer Einser-Reihe an. Die/der Erste muss mit dem Ball auf gerader Linien dazwischen einen kleinen Slalom zwischen zwei Hütchen laufen, den Ball am Ende stoppen, zurücklaufen, abklatschen, die/der Nächste läuft zum Ball und mit diesem am Fuß durch die Hütchen bugsierend zurück und so weiter.
Auf dem zweiten, dem Basketballfeld steht unter einem der Körbe ein kleines Tor und dahinter ein Geschwindigkeitsmesser. 35 km/h schießt das erste Mädchen. Aus dem Stand heraus. Eine der beiden oben Genannten nimmt laaaangen Anlauf. Schuss, Tor. Aber auch keine höhere Geschwindigkeit. Ein Bub schafft 72 km/h. Christoph (Vizebürgermeister in Wien) übertrifft das Tempo. Aber dafür nicht das Tor.
Andere beugen ihren Oberkörper und halten den Mund zum Wasserhahn des Trinkbrunnens.
Der Sportplatz gehört zur GanzTagsVolksschule Medwedweg in Wien-Simmering, keine drei Gehminuten von der U3-Station Zippererstraße entfernt – wenn der Ausgang Hyblerpark genommen wird 😉
Und er beherbergt einen von zweieinhalb Dutzend der Summer City Camps (SCC) – allesamt an ziemlich jungen Bildungs-Campus-Standorten. Helle, lichtdurchflutete Gebäude mit meist mehreren Turnsälen und Sportflächen im Freien – quer über die Stadt verstreut – Restplätze für die neunte und damit letzte Sommerferienwoche verfügbar – siehe Info-Box am Ende.
Beim Lokalaugenschein Mitte dieser Woche (7. August 2024) dürfen wir noch Kindern beim Spiel mit einem Softball im Turnsaal, beim Klettern auf Leitern und Seilen in einem der Turnsäle, bei einem Frisbee-Match in einem weiteren Turnsaal – mit Turnmatten als Touch-Down-Feld, einer Tanzrunde sowie Kindern, die aus Ton Unterschiedlichstes formen zuschauen und uns an deren Freude miterfreuen.
Eine handgroße Rose, geformt aus Ton„Blättern“ hält eine der jungen Kreativen in die Kamera. Eine andere gestaltet viele kleine Blätter aus der grauen knetbaren Masse, um einen Baum zu bauen. Rund 120 Kinder können hier täglich – Kernzeit 8 bis 17 Uhr, aber auch Früh- und Spätbetreuung – ab 7.15 und bis 18 Uhr möglich) ihre Ferientage unter der Woche verbringen.
Die 31 Standorte der Summer City Camps befinden sich quer über Wien verteilt: Von der Leopoldstadt (2. Bezirk), Landstraße, Wieden, Mariahilf, Josefstadt, Alsergrund, Favoriten, eben Simmering, Meidling, Hietzing, Penzing, Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring, Hernals, Währing, Brigittenau (3., 4., 6., 8., 9., 10., 11., 12. – 18.; 20. Bezirk) über Floridsdorf und Donaustadt (21. und 22. Bezirk) bis Liesing (23. Bezirk).
Knapp 10.000 Kinder, so viele wie noch nie zuvor, nutzen das von der Stadt Wien geförderte ganztägige Angebot in Camp-Format mit Mittagessen und gesunder Jause. Die Kinder (6 bis 12 Jahre) sowie solche mit Behinderungen (dann bis 14 Jahre) haben unter anderem auch die Möglichkeit, Radfahren und Schwimmen zu lernen. Neben Spiel, Sport und Spaß stehen auch immer wieder Ausflüge auf dem Programm. Die können in Museen ebenso führen wie zur Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ (19. bis 23. August).
Die Zahl an Plätzen für Kinder mit Behinderungen in Kleingruppen konnte in diesem Jahr um die Hälfte erhöht werden – zudem wurde ein dritter Kleingruppenstandort eröffnet. Für die Betreuung in inklusiv geführten Gruppen stehen insgesamt 31 Prozent mehr Plätze zur Verfügung, um den dringenden Bedarf dieser Betreuungsformen noch besser abdecken zu können.
Die SCC, vor fünf Jahren als Pilotprojekt gestartet, laufen nun die gesamte Ferienzeit, die Teilnahmebeiträge belaufen sich pro Kind und Betreuungswoche auf 60 Euro – inklusive Mittagessen und gesunder Jause. Für jedes zweite und dritte Geschwisterkind verringern sich die Kosten auf jeweils 30 Euro pro Woche; ab dem vierten Kind ist die Teilnahme kostenfrei. Kinder in der Grundversorgung und in der bedarfsorientierten Mindestsicherung können das Angebot kostenlos nutzen. Jedes Kind darf bis zu fünf Wochen einen Platz in einem der SCC in Anspruch nehmen, „damit auch andere Kinder einen Platz kriegen können, wie die beiden ganz zu Beginn genannten Mädchen dem KiJuKU-Journalisten erklären.
Zwar nicht hier im Freien auf dem Sportplatz hinter dem Schulgebäude, aber in manchen der Innen-Räume war für einige der Kinder der Massen-Auflauf schon ein bisschen viel. Immerhin begleiteten den Vizebürgermeister noch eine Gemeinderätin und Klubobfrau (Bettina Emmerling, ebenso wie Wiederkehr von den NEOS), Bezirksvorsteher Thomas Steinhart und seine Stellvertreterin Ramona Miletić (beide SPÖ). Dazu gesellten sich Mario Rieder, Geschäftsführer der BiM – Bildung im Mittelpunkt GmbH, die die Summer City Camps organisiert, Vertreter:innen des Vereins „Hi Jump Wien“ (für Konzeption und Durchführung des freizeitpädagogischen Programms verantwortlich) sowie einige der Organisationen wie Kinderfreunde, die am Medwedweg für die Betreuung der Kinder mit Behinderungen zuständig sind. An anderen Standorten stellen andere Vereine und Organisationen wie ASKÖ WAT Wien, Interface, Volkshochschulen, Familienbund, Jugendrotkreuz und Zeitraum Mitarbeiter:innen bie der freizeitpädagogischen Betreuung der Kinder. Nicht zu vergessen, hielten einige Journalist:innen Aktivitäten und Geschehen mit Kameras fest und stellten Fragen.
Anlässlich des beschriebenen Besuchs am Simmeringer Medwedweg meinte der u.a. für Bildung und Integration zuständige Stadtrat Wiederkehr: „Die Summer City Camps Wien setzen neue Maßstäbe in der Ferienbetreuung: Ein durchdachtes Programm bietet Kindern spannende Freizeitgestaltung auf höchstem Niveau. Durch den Ausbau der Plätze für Kinder mit Behinderungen und ein neues Anmeldesystem werden die Camps inklusiver und gerechter. Dank der Arbeit unserer Kooperationspartner*innen und einer Investition von über 13 Millionen Euro der Stadt können wir erstmals 10.000 Kindern eine unvergessliche Ferienzeit ermöglichen.“
BIM-Geschäftsführer Mario Rieder: „5 Jahre nach ihrem Start sind die Summer City Camps inzwischen ein Fixpunkt in der Sommergestaltung vieler Familien in Wien, der Kindern abwechslungsreiche Ferien bietet und Eltern in ihren Betreuungsaufgaben wesentlich entlastet.“
„Wir erreichen mehr Wiener Kinder als je zuvor und machen Ferien in der Stadt zu einem attraktiven Erlebnis. Besonders freuen wir uns über die deutliche Steigerung der Plätze für Kinder mit Behinderungen, die es uns ermöglicht, die inklusive Teilhabe an Ferienaktivitäten noch stärker zu fördern“, ergänzt Stefan Neugeboren, Geschäftsführer von Hi Jump Wien.
Weltbekannt – nur niemals in New York und ähnlichen Destinationen gewesen, dafür geht sie in Oed, Hintertuxing und Vordereich weg wie die warmen Semmeln. Sie – ist ein Ge-, Ge-, Ge-, Geheimtipp. Schon die Startnummer von „Jo Eh!“ beim Kultursommer im Wilhelmsdorfer Park in Wien-Meidling spielt mit einer kräftigen Portion Selbstironie.
Sie, das sind „Frau Eveline & die letzten Kavaliere“. Wobei von letzteren auch nur mehr einer übrig geblieben ist. Dafür gesellt sich mit Stephanie Hacker eine Tastenvirtuosin am Piano, fallweise Akkordeon samt Gesang zum allerletzten Kavalier Eric Amelin (vor allem Kontrabass, hin und wieder auch Gesang sowie Koffer). Und dann ist da natürlich Star des Abends: „Kammersängerin Eveline“ alias Susanne Leitner. Ihr Hauptinstrument ist die Stimme – singend und erzählend -, dazu bespielt sie fallweise noch Akkordeon, Melodica und eine Strom-Ukulele.
Die Bandbreite der Lieder – meist mit Wiener Dialekteinschlag – ist groß. Sie reicht vom eingangs besagten „Geheimtipp“ über „unsterbliche Viren“, Parasiten und ihr Zusammenleben mit den entsprechenden Wirt:innen bis zu den risikolosesten Liebesliedern der Welt: Nämlich Wienerische. Denn da ist nur der Gesang von „dadat oder warat“, also alles läuft nur im Konjunktiv ab, pardon würde ablaufen – unter Umständen 😉
Dazu kommen noch bitterböse gesellschaftspolitische Nummern, pardon „voller sagenumwobenen goldenem Wienerherzen“. In einem heißt’s unter anderem: „Es haßt a ned Lüge, es haßt sicha ned Lüge… alternative Woaheid muasd sogn…“ Und natürlich auch nicht Propaganda, sondern Message Control.
In einem anderen kauten einige der zentralen Textzeilen: „I hob ka Lösung, i hob ka Lösung für nix, aber Sündenböcke hab ich hier zuhauf….“
„Ihre Bücher zeichnen sich durch geheimnisvolle Bilderwelten aus, in denen Landkarten und Zeitungsartikel durch Farbschichten schimmern und feine Bleistiftstriche kraftvollen Farbflächen gegenüberstehen. Bekannt für ihre Figuren, überrascht jedes Bild mit neuen Details und humorvollen Nebengeschichten.“ So begründete die Jury unter anderem, dass sie Helga Bansch mit dem Österreichischen Kunstpreis 2024 in der Sparte Kinder- und Jugendliteratur (mit 20.000 Euro dotiert) auszeichnete.
Ihr erstes Bilderbuch mit dem Titel „Zack bumm!“ (Text: Heinz Janisch) veröffentlichte sie im Jahr 2000 im Verlag Jungbrunnen. 30 weitere Bilderbücher folgten. Zahlreiche davon im Erfolgs-Duo mit Heinz Janisch, der dieses Jahr mit dem Hans Christian Andersen und dem Christine Nöstlinger Preis ausgezeichnet wurde.
Helga Bansch illustriert aber nicht nur Texte anderer Autor:innen, sondern schreibt immer wieder auch eigene Bilderbücher – Besprechungen zu einigen aus den vergangenen drei Jahren unten.
„Der Österreichische Kunstpreis (seit 1972, im Bereich Kinder- und Jugendliteratur erst seit 1980) ehrt Persönlichkeiten, die nicht nur hierzulande etablierte Größen sind, sondern auch wichtige Botschafter:innen der österreichischen Kunst- und Kulturszene über unsere Grenzen hinaus“, charakterisierte Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer diese Auszeichnung, die in diesem Jahr an acht Künstler:innen (darunter Doris Uhlich für Darstellende, Karin Berger für Film-Kunst) sowie ein Kollektiv (ARGEkultur Salzburg in der Sparte Kulturinitiativen) ging.
tipps-fuer-lesehungrige <- damals noch im Kinder-KURIER
Julya Rabinowich, längst sehr bekannte und auch vielfach preisgekrönte Autorin, und Aliosha Biz, Musiker und seit kurzem auch spätberufener Kabarettist, traten am vorletzten Wochenende des diesjährigen Kultursommers im Duett – vielbejubelt – auf. Die Schriftstellerin las aus einigen ihrer Romane, u.a. „Spaltkopf“, „Dazwischen: ich“ und „Herznovelle“. Biz spielte manches Mal zwischen Lektüre-Passagen, manches Mal begleitet er solche auf einer seiner Geigen.
Jedenfalls ergeben – dieses Programm wird noch öfter zu erleben sein – Texte und Musik immer ein rundes Gesamtkunstwerk. Wenn sie aus dem Abschnitt über das mehr oder minder verbotene Weihnachtsfest ihrer Familie in der Zeit in der damaligen Sowjetunion schildert, so spielt er „Oh Tannenbaum“ und singt später die russische Version „Oh Jolotschka“.
Wenn sie aus dem Kapitel „Die Hunde von Ostia“ liest, die als Straßenhunde zurückbleiben wollen, weil die Auswanderer:innen aus dem Osten bei der Weiterreise von Rom in die USA ihre Vierbeiner zurücklassen müssen, singt er danach ein Wienerlied, in dem es unter anderem heißt „Wer wo a Nest hat, der is daham… vü Leit ham ka Nest und singan nur im Tram…“
Nicht nur da manifestiert sich der Titel des Programms der beiden Künstler:innen, die einst die Sowjetunion verließen und in Wien ihre Heimat gefunden haben: „Die Verwienerung“.
Zum Drüberstreuen fügten – als Würdigung des Auftritts im Wilhelmsdorfer Park (Wien-Meidling) beide noch eine Ehrerbietung ans berühmte Meidlinger „L“ ein. Der Witz, den Aliosha dazu machte und der besagen soll, dass dieser berühmte Laut eigentlich slawischen Ursprungs sei, funktioniert allerdings nur in der gesprochenen Version – weshalb hier auf einen Live-Auftritt des Duos „vertröstet“ werden muss 😉
Haare, Haare, Haare – sie sind ein zentrales Element in den Performances von Shahrzad Nazarpour. Ob sie ihre befreiten Haare in „Hijab offline“ im Dschungel Wien tanzen ließ oder mit ihnen in einer Serie von Auftritten in Galerien und (halb-)öffentlichen Räumen wie Glas-Container etwa im Wiener MuseumsQuartier ebenfalls zum Thema Freiheit spielte. Nun bereitet sie sich auf drei jeweils rund vierstündige Performances im Kubus EXPORT (Hernalser Gürtel – Details siehe Info-Box) vor: „Hair, Stones and Voices“, heißt diese an drei Tagen hintereinander (8. – 10. August 2024).
Bis dahin sammelt sie schon einiges an Haaren, die beim Kämmen in Kamm oder Bürste hängen bleiben. Diese mixt sie dann bei der Performance in einem Glas mit etwas Joghurt. „Vor zwei Jahren wurden Frauen im Iran, die ihre Haare nicht ganz verhüllt haben, von aggressiven Männern mit Joghurt attackiert“, erklärt die Künstlerin dem fragenden Journalisten den entsprechenden Hintergrund.
Außerdem würde durch ein bisschen Joghurt das Geschehen im Wasser deutlicher sichtbar werden.
Zwischen dem tänzerischen Ausfüllen der Fläche im Glas-Würfel wird sie am ersten Tag mit solchen Haaren auch die Fenster reinigen. Anderntags wird sie solche an einigen Stellen an die Glaswände „kleben“. Und am dritten Tag ihre Haare zählen. Dazwischen nennt sie immer wieder Namen von attackierten, ermordeten oder anders gewaltvoll zu Tode gekommener Frauen. Oft sind es „nur“ Namen und die Altersangaben, darunter eine Siebenjährige – 7(!) Jahre jung. „Es sind alles reale Namen, die ich gefunden habe, für viele gibt es nicht mehr an Informationen, es gibt ja keine offiziellen Todeslisten.“
Das Zählen der Haare sieht Nazarpour als Gegensatz zu dem Aufzählen der Opfer-Namen. „Die Haare sind für mich immer ein Symbol der Freiheit!“, so die Performerin zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
„Natürlich werde das voll anstrengend an drei Tagen jeweils ungefähr vier Stunden zu performen“, meint sie, „aber ich mag das, ich liebe auch diese Herausforderung!“
Haare sind für sie aber auch etwas sehr individuelles, damit verbinde sie viele private Erinnerungen, „aber ich will das dennoch nicht nur auf mich und den Iran beziehen, sondern auch auf Afghanistan und den gesamten Nahen und Mittleren Osten“.
Mit ihrer Performance „Hair, Stones and Voices“ will die Künstlerin neben der Solidarität mit FLINTA* inn der genannten Region, auch die Emanzipation für eine globale Freiheit unterstützen.
Und die Steine im Titel der Performance? „Nein, Steine kommen nicht vor, aber sie sind für mich auch ein Symbol des Widerstandes!“
wenn-befreite-haare-zu-tanzen-beginnen/ <- damals noch im Kinder-KURIER
Dass Autorinnen und Autoren manchmal ihre (erfundenen) Figuren so zu Wort kommen lassen, dass diese sich in ihre Geschichte selber einmischen, verlangen wie es weitergehen soll oder eben ganz und gar nicht – das kommt schon lange und immer wieder vor.
In diesem vergnüglichen und von Felipe Arriganda-Nuñez illustrierten Sachbuch über Eichhörnchen und verwandte Arten verfrachtet Mélina Schoenborn eine andere Tierart sogar in den Titel: „Das ist kein Dinosaurierbuch!“ nennt sie es.
Und ihre Illustrationskollegin lässt ein Eichhörnchen gleich auf der Titelseite auf einem Dino-Maul stehen und mit einem Stab auf dieses klopfen.
Dieser Titelheld – oder diese -heldin? – stellt sich dann auf der ersten Innenseite als Fachkraft für diese Spezies vor, weil es eben selber ein Eichhörnchen ist.
„Ich bin ein viel spannenderes Thema“, funkt zwei Seiten weiter ein Dinosaurier dazwischen.
„Eichhörnchen sind überhaupt nicht langweilig! Es gibt über 262 verschiedene Eichhörnchenarten auf dem Planeten“, kontert Expert:in E.
Was so – naja, zumindest laut wikipedia schon ein wenig übertrieben wirkt, wo von 30 Arten die Schreibe ist. Aber Dinosaurier gibt es ja auch nicht – mehr!
Nichts desto trotz finden sich auch so manche echte und mitunter verblüffende Fakten in diesem Sachbuch über die flinken Baum kraxelnden Nager und erinnerungsstarken Futter-Verstecker.
Und dieses Hick-Hack, der Streit, wer besser, spannender und so weiter ist, erinnert so sehr an nicht gerade wenige menschliche, da sehr oft männliche, Positionskämpfe – auch in öffentlichen Debatten. Vielleicht könnte das zu geflügelten Wörtern in solchen Streitereien werden „Du Eichhörnchen!“ vs. „Du Dinosaurier!“
Jedenfalls ist das – von Viktoria Wenker aus dem kanadischen Französisch übersetzte – Buch ein Lese- und Schau-Vergnügen mit so einigem an Informationen über Eichhörnchen.
Übrigens: „Die wissenschaftliche Bezeichnung Sciurus setzt sich aus altgriechisch σκιά skia ‚Schatten‘ und οὐρά oura ‚Schwanz‘ zusammen. Das griechische Wort rührt von der in der Antike verbreiteten Ansicht her, dass sich Eichhörnchen mit ihrem gewaltigen Schwanz selber Schatten geben können: der sich mit dem Schwanz Schatten gibt.“ (aus wikipedia.org)
Die Entfernung zwischen Wien und Khartum ist nur knapp länger als die nach Gran Canaria (3.791,59 zu 3.547,82 Kilometer). Zweitere ist eine bei Tourist:innen beliebte Insel, erstere die Hauptstadt des Sudan. Von der Weltöffentlichkeit kaum beachtet, herrscht seit mehr als einem Jahr in diesem ostafrikanischen Land im Süden Ägyptens Krieg. In dem Lager Zamzam, in dem mittlerweile fast eine halbe Million Menschen Zuflucht gefunden haben (400.000) droht Hungersnot.
Darauf machte das Kinderhilfswerk Unicef Anfang August (2024) aufmerksam. Das Famine Review Committee (FRC) ließ einen Warnruf los, dass im Lager Zamzam eine Hungersnot herrscht. Dies ist übrigens die erste Feststellung einer Hungersnot durch den Ausschuss seit mehr als sieben Jahren und erst das dritte Mal, dass eine Hungersnot festgestellt wurde, seit das Überwachungssystem vor 20 Jahren eingerichtet wurde. Der FRC warnt davor, dass in anderen Teilen des Sudan eine Hungersnot droht, wenn keine konzertierten Maßnahmen ergriffen werden.
Unicef und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) warnen vor der zunehmenden Gefahr für die Menschen im Sudan, insbesondere für die Kinder, wenn die dringende Hilfe für die in Konfliktgebieten wie Darfur, Khartum, Kordofan und Al Jazirah eingeschlossenen Gemeinschaften nicht ankommt. Die Lage ist im ganzen Land nach wie vor kritisch. Schätzungsweise 730.000 Kinder werden in diesem Jahr an schwerer akuter Unterernährung leiden, der lebensbedrohlichsten Form der Mangelernährung.
Der stark eingeschränkte Zugang für humanitäre Hilfe ist eine der Hauptursachen für die Hungersnot in Zamzam. Zwar konnte Unicef im Juli genügend lebensrettende therapeutische Fertignahrung (Ready-to-Use Therapeutic Food, RUTF) zur Behandlung von rund 4.000 akut unterernährten Kindern nach El Fasher liefern, einschließlich einer Zuteilung für das Lager Zamzam, doch der anhaltende Mangel an sicherem Zugang bedeutet, dass der Bedarf weiterhin enorm ist und die weitere Versorgung mit humanitären Hilfsgütern unvorhersehbar ist.
… waren rund 733 Millionen Menschen im Vorjahr (2023) von Hunger bedroht. Das entspricht einem von elf Menschen weltweit und einem von fünf in Afrika, so der jüngste Bericht über den Stand der Ernährungssicherheit in der Welt (State of Food Security and Nutrition in the World, SOFI), der kürzlich von fünf spezialisierten Organisationen der Vereinten Nationen veröffentlicht wurde.
Der Jahresbericht, der dieses Jahr im Rahmen des Ministertreffens der Task Force der Globalen Allianz gegen Hunger und Armut der G20 in Brasilien vorgestellt wurde, warnt davor, dass die Welt das Ziel der nachhaltigen Entwicklung (SDG) 2, keinen Hunger zu haben, bis 2030 deutlich verfehlt. Der Bericht zeigt, dass die Welt um 15 Jahre zurückgeworfen wurde und die Unterernährungsrate mit der von 2008-2009 vergleichbar ist.
Trotz einiger Fortschritte in bestimmten Bereichen, wie z. B. bei der Bekämpfung des Wachstumsmangels und dem ausschließlichen Stillen, ist eine alarmierende Zahl von Menschen weiterhin von Ernährungsunsicherheit und Unterernährung betroffen, da die weltweiten Hungerniveaus drei Jahre in Folge auf einem Plateau verharren.
Die regionalen Trends sind sehr unterschiedlich: Der Anteil der Bevölkerung, der von Hunger betroffen ist, steigt in Afrika weiter an (20,4 %), bleibt in Asien stabil (8,1 %) – obwohl dies immer noch eine große Herausforderung darstellt, da mehr als die Hälfte der weltweit Hungernden in dieser Region leben – und zeigt Fortschritte in Lateinamerika (6,2 %). Von 2022 bis 2023 hat der Hunger in Westasien, der Karibik und den meisten afrikanischen Subregionen zugenommen.
Eine Nacht – mehr als 4000 Ermordete. Genau 80 Jahre liegt das zurück. Vom 2. auf den 3. August 1944 hatten die Faschisten im Vernichtungslager Auschwitz die genannte Zahl an Romn:ja und Sinti:zze umgebracht. Zum runden Gedenktag erklärte die österreichische Bundesregierung in einem Ministerratsbeschluss dieses Datum zum nationalen Gedenktag für Roma und Sinti. Damit wolle sie „die Erinnerungsarbeit vorantreiben“. Ohne sich allerdings mehr als in einer Aussendung zu engagieren – dazu weiter unten.
Schon im Vorjahr hatte der österreichische Nationalrat – einstimmig – die Ratifizierung des internationalen Gedenktages (2. August) für die Ermordung von Roma und Sinti durch die Nazis beschlossen (31. Jänner 2023).
Dennoch blieb die Gedenkveranstaltung „Dikh He Na Bister – Schau und vergiss nicht“ dazu – trotz der offiziellen Anerkennung – eine Aufgabe der Community und verbündeter Initiativen aus der Zivilgesellschaft. Zum zehnten Mal seit 2015 (damals hatte das Europäische Parlament den 2. August zum internationalen Gedenktag erklärt) organisierten vor allem junge Romn:ja und Sinti:zze eine würdige, kämpferische Veranstaltung am Ceija-Stojka-Platz in Wien-Neubau, dieses Mal mit musikalischer Verstärkung aus Ungarn. Das bekannte Budapester Trio „Lajos Sárközi“ (Lajos, Julius und Rudolf), zu Beginn begleitet vom österreichischen Klarinettisten Josef, spielte groß auf.
Die 2013 verstorbene Künstlerin – Autorin und Malerin – hatte als eine der wenigen Angehörigen dieser österreichischen Volksgruppe überlebt – drei Konzentrationslager. Und sie war praktisch die erste Person, die die vernichtende Verfolgung der Rom:nja und Sinti:zze – in ihren Werken sowie in unzähligen (Schul-)Workshops öffentlich gemacht hatte. Ihre Schwiegertochter Nuna Stojka, die jahrzehntelang unermüdlich mit Ceija Aufklärungs- und Erinnerungsarbeit leistet(e), zitierte aus Texten der Schwiegermutter und rief am Ende auf „Amentsa khetane, taj na korkori, ke feri khetane, sam zurale“ (Wir gemeinsam, und nicht alleine, denn nur gemeinsam sind wir stark).
Sie übergab das Wort anschließend an ihren Enkel Santino Stojka weiter.
Der würdigte den Kampf seiner Urgroßmutter und verwies vor allem auf die doch erzielten Erfolge der Community – denn ohne dieses beharrliche Auf- und Eintreten hätte es wahrscheinlich nie die Anerkennung als Volksgruppe bis hin zum nunmehrigen offiziellen Gedenktag gegeben.
Moderiert von Vanja Minić und Samuel Mago, der hin und wieder auch Sätze auf Romanes einbrachte, kamen auch in der Folge – bewusst – ausschließlich junge Rom:nja und Sinti:zze zu Wort. Pia Thomasberger, Vorstandsmitglied der Hör, erzählte von persönlichen Erlebnissen, noch immer das Z-Schimpfwort hören zu müssen und darüber, dass die Zugehörigkeit zur Volksgruppe auch noch immer in vielen Familien verschämt verschwiegen wird – was ja nur eine Folge der andauernden Diskriminierung sei.
Sternekoch Robert „Tschirklo“ Weinrich, der in seinem Job Internationalität sowohl in der Küche als auch unter den Gästen erlebt, sprach sich vehement gegen jede Form des Rassismus aus. Er vertritt den Sinti:zze-Verein „Newo-Ziro“ (Neue Zeit) und zitierte aus einem Text des Autors Ludwig Laher. Der hatte das wenige, was zu finden war, über zwei oberösterreichische Sinti-Familien in Bachmanning – Rosenfels und Jungwirth – in einen Aufsatz gepackt. Sie wurden von den Nazis ermordet und kaum jemand weiß etwas von ihnen. Er wollte dazu „beitragen, dass diese Menschen als Teil der Ortsgeschichte nach vielen Jahrzehnten wieder besser fassbar werden, dass man sie solcherart heimholt, sich zu ihnen als Opfer einer beispiellosen Barbarei bekennt“. Nicht zuletzt, um zu vermitteln, dass „Ausgrenzung und Rassismus durch nichts zu rechtfertigende Fehlhaltungen sind, denen konsequent entgegengetreten werden muss, um zu vermeiden, dass je wieder solch monströse Untaten begangen werden.“
Als einzige Opfergruppe der Nazis fehlt für die Rom:nja und Sinti:zze noch immer ein zentrales Mahnmal. Bei den Gedenkveranstaltungen am Ceija-Stojka-Platz wurde das von Politiker:innen auch schon vor Jahren versprochen, allein… Weswegen natürlich auch dieses Mal die Aktivist:innen diese Forderung erhoben.
Zwischenzeitlich gab es bei den beiden vergangenen Roma-Kultur- und Theaterfestivals „E bistarde – vergiss mein nicht“ ein „temporäres Mahnmal“ in Form eines künstlerisch bespielten hölzernen Wagens beim Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier.
Zuvor hatte die Parlamentsdirektion – fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, der Termin war nicht einmal auf der Homepage vermerkt, die erste Antwort auf Nachfrage lautete: „das Parlament ist diese Woche zu“ – zu einer Kranzniederlegung im Weiheraum für die Opfer des österreichischen Freiheitskampfes auf dem Wiener Heldenplatz geladen – mit entsprechend bescheidener Teilnahmezahl. Weder aus dem Präsidium des Nationalrates – ganz wenige Abgeordnete waren da – noch von der Bundesregierung war jemand bei einer der drei Veranstaltungen – dazwischen fand noch ein Gedenk-Gottesdienst in der Kirche am Ceija-Stojka-Platz statt. Bei der oben geschilderten Veranstaltung – von der HÖR, der „Hochschüler*innenschaft Österreichischer Roma und Romnja“ organisiert – waren von der Politik die Grüne-Abgeordnete Eva Blimlinger, der SPÖ-Gemeinderat Christian Meidlinger und die NEOS-Gemeinderätin Dolores Bakos anwesend.
Und während andere Länder hochrangige Vertreter:innen zur 80-Jahr-Gedenkveranstaltung direkt an den Ort des Geschehens in Auschwitz sandten, waren es aus Österreich ebenfalls vor allem Jugendliche, die das Land vertraten, aus dem fast die gesamte Volksgruppe vernichtet worden war – und das so manche hochrangige Täter gestellt hatte.
Ob Vulkane, Wirbelstürme, Eis-Schmelze, Tiere und Pflanzen, die unter höchst lebensfeindlichen Bedingungen bei Unterwasservulkanen doch leben… – leicht verständlich erklärt dieses großformatige Buch (fast so groß wie ein A3-Heft) „Die spektakulärsten Naturphänomene der Erde“. So lautet der Untertitel.
„BANG!“, so der Haupttitel fügt die leicht fasslichen, recht kurz und übersichtlich gehaltenen textlichen Erklärungen in faszinierende Illustrationen ein. In ihrer durchgängig gepunkteten Art erinnern die Bilder von Jennifer N. R. Smith an die Kunst der Aborigines, der Ureinwohner:innen von Australien.
A propops Aborigines: Auf der letzten der beeindruckenden Doppelseiten – nach Naturphänomenen und einer über unterschiedliche Sparten von Geowissenschaften, widmet das Buch auch zwei Seiten verschiedenen Sagen und Legenden über die Entstehung der Erde. Die älteste überlieferte ist die einer der Aborigines-Völker, der Gunditjmara, die schon vor 50.000 Jahren auf Australien lebten. Und ausgehend von einem Vulkanausbruch des Budj Bim, der wissenschaftlichen Erkenntnissen nach tatsächlich vor rund 37.000 Jahren stattgefunden hat, eine Legende erzählen…
Eine Frau wandert mit Koffern über die Felder bei der Kultursommer-Wien-Bühne beim Wasserturm in Favoriten – fast bis weit nach hinten zu diesem Turm. Natürlich, das ist ja wohl allen klar, gehört das irgendwie schon zum Stück „Klapperlaplapp“, das hier demnächst starten wird. Schon zuvor hat sie an verschiedenen Stellen zwischen den bunten Liegestühlen das eine und andere Köfferchen abgestellt. Ein schmales kommt all jenen im Publikum bekannt vor, die noch in der Vor-Computer-Zeit Texte geschrieben haben 😉
Jedenfalls beginnen nun ihre beiden Kolleginnen auf der Bühne schon Musik zu spielen: Judith Reiter auf der Geigen-Schwester Bratsche und die Trägerin des zweiten Ju aus dem Gruppennamen (JuJu und Franz), Julia Schreitl, abwechselnd auf der Bass-klarinette sowie dem Sopran-Saxofon. Franz(iska) Adensamer tanzt endlich mit Köfferchen und Koffern bei der Bühne an, um diese zu erklimmen. Aus einem der Reise-Gepäckstücke holt sie einen roten Hut – statt einer roten Nase, wie Clowninnen und Clowns sie sonst oft tragen. In einem anderen Koffer verbirgt sich ein Akkordeon – endlich können sie zu dritt musizieren.
Musik ist aber nur eine ihrer Sprachen. Eine andere besteht vor allem aus Reimen – immer wieder mit – absichtlich – verwechselten Buchstaben, die zu lustigen Wortspielen führen, Brungenzecher wie Fischers Franzi, pardon Fischers Fritze, die die Fliegen, die hinter Fliegen fliegen oder…
Das Trio spielt aber auch lustvollen mit einzelnen Tönen und Silben – vor allem in der Szene als „Franz“ die oben schon angesprochene Schreibmaschine aus der Verpackung holt. „Klopfmaschine“ nennt sie dies – und zwischen Drücken der Buchstabentasten und sozusagen hervorgezauberten Lauten sowie Klatschen und Stampfen der beiden Kolleginnen ergibt sich ein Rhythmus, der immer wieder auch flugs ins Publikum springt und zu einem gemeinsamen Art Kladderadatsch, pardon „Klapperlaplapp“ führt, das mitunter nach Kunstsprache klingt. Und siehe da – auf einmal „wachsen“ aus der Schreibmaschine auf einem laaaaangen Papierstreifen wie von Zauberhand sogar riesige Buchstaben: „Jo du a“. Und damit schon wieder eine Sprache – Wörter in einem österreichischen Dialekt.
Ein paar Brocken Französisch und Spanisch hatte das Trio schon ins Begrüßungslied eingebaut, später spielt noch zusätzlich Schwedisch eine Rolle bis, ja bis eeeendlich auch die viel(fältig)en Kinder im Publikum gefragt werden, ob sie nicht noch die eine oder andere Sprache mitgebracht haben. Und da ergibt sich ein bunter Bogen von Türkisch, Russisch, Polnisch, Italienisch, Slowakisch, Panjabi/Punjabi (Pakistan, Indien von gut 115 Millionen Menschen gesprochen – und damit mehr als Deutsch) , Arabisch, Kurdisch, Kroatisch, Schwedisch, Spanisch… – schade nur, dass nicht auch nach wenigstens einem Wort aus diesen Sprachen gefragt wurde.
Sei aber bei anderen Vorstellungen schon erfolgt, versichern die Künstlerinnen Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nach der immer wieder mit Zwischen-Applaus bedachten Performance beim Wasserturm.
Anbieten würde sich übrigens angesichts der „Klopfmaschine“, sozusagen eines vormaligen „Computers mit Drucker“, wie so manche Kinder eine Schreibmaschine nennen, ein Wortspiel aus den BKS-Sprachen (Bosnisch / Kroatisch / Serbisch). Im Bericht über das in diesen Sprachen gespielte Stück „Beograd – Beč“ (Belgrad – Wien) hat KiJuKU hier die leichte Verwechselbarkeit von „pisaća mašina“ (Schreibmaschine) und „pišaća mašina“ (Piss-Maschine) – ein Unterschied der sozusagen nur in „s“ und „sch“ liegt;)
„Buntstiftkino“ steht über dem Buch. Drinnen Comic-Figuren wie ein Eichhörnchen, ein Schaf und eine Schildkröte.
Vor allem aber Seiten mit (Aus-)Mal-Vorlagen. Und eine Gebrauchsanleitung, wie du aus den von dir an- und weitergemalten Bildern einen kleinen rund 1½-minütigen Film machen kannst. Die recht einfache Anleitung, wie’s geht, steht auf der Homepage von Mitmalfilm – Infos und Link in der Info-Box ganz unten am Ende des Beitrages.
Das ist das Konzept der von Alice Gwinner und Ulrich Seis erfundenen „Mitmalfilme“. Über deren Homepage gibt es auch ein kostenloses Malbild zum Downloaden und ausprobieren.
Das Duo selber zeichnet Figuren und denkt sich Geschichten aus. Etwa die von einer Figur, die an eine aufrecht gehende Ratte erinnert, die aus der Großstadt in den Wald unterwegs ist – und den Namen Ranksy träg (sicher nicht zufällig die Ähnlichkeit mit dem geheimnisvollen Street-Art-Maler Banksy). Dort trifft sie Eichhörnchen Ernst. Und dieser Nager will Nüsse und Eicheln als Essensvorrat verstecken.
Nun kommst du ins Spiel – das Bild vom Wald ist nur eine Strichzeichnung, die noch auf Farbe wartet. Du musst übrigens nicht unbedingt Buntstifte verwenden – probier’s womit zu am liebsten malst. Du solltest nur innerhalb des Bildes bleiben, der von einem blauen Rahmen – samt QR-Code begrenzt ist. Nimmst du anschließend die farbenfrohe Zeichnung mit Smartphone oder Tablet über die Website mitmalfilm.de auf (oder via App), kannst du daraus mit einem weiteren Klick einen Trickfilm entstehen lassen. Vor deiner Kulisse taucht dann Ernst auf und verbuddelt seine Vorräte.
Wobei nicht ganz vor deiner Kulisse – wie ein Selbsttest gezeigt hat: Der Waldboden wird – egal was du gezeichnet und gemalt hast – als einheitliche dunkelgrüne Fläche erscheinen…
… aber wenn’s vielleicht – wie beim Test von KiJuKu nicht beim ersten Mal geklappt hat, fotografierst du die Zeichnung ein zweites Mal, lässt den Film erstellen. Und siehe da: Sobald das Eichhörnchen selber nach den vergrabenen Eicheln gräbt, wird auch der von dir gezeichnete Untergrund sichtbar. (Anmerkung: Dieser Absatz wurde erst nachträglich geschrieben, nachdem die Hersteller:innen darauf hingewiesen haben, dass das eigentlich so sein müsste und höchstens beim ersten Mal ein Fehler passiert sein könnte.)
Die Geschichte von Momäh dem Schaf auf Ballonfahrt erstreckt sich sogar über drei Szenarien. Wobei, solltest du einen Turm auf eines deiner Bilder malen, der Ballon kann nicht ausweichen, sondern fliegt einfach hindurch. Das wäre technisch zu kompliziert gewesen, auf solche Elemente einzugehen, erfährt Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auf Nachfrage. „Technisch gesehen, ist die sehr aufwändig von uns handgezeichnete Animationsebene bereits fertig und wird über die Zeichnungen der Kinder drüber gelegt“, so die Erklärung.
Aber wenn du in die freie riesige „Wolke“ ein urschweres Ding reinzeichnest – was auch immer – so wird Ballonfahrerin Momäh vor dem Berg auch dieses so wie viel anderen Ballast ab, um hochzusteigen und den Berg nicht zu rammen…
Das genannte Duo bietet – in Deutschland – auch Workshops für Schulklassen oder Gruppen an – da kommen dann sogar, so die Auskunft auf die KiJuKU-Frage – die Namen der zeichnenden und malenden Kinder in die Credits am Ende des Films.
Die fragende Anregung, ob dies über ein dafür frei gehaltenes Feld auch für jeden Film möglich wäre, wurde so beantwortet: „Ja, das stimmt. Das könnte man auch bei den Mitmalfilmen mit weniger Malvorlagen mit einbauen. Da wir gerade an der Entwicklung neuer Filme sitzen, nehme ich den Gedanken gerne mit. An den Gruppenfilmen sehen wir, dass die Kinder das wirklich toll finden, auch mit im Abspann zu stehen. Mittlerweile haben wir es auch ausführlich getestet, dem steht also nichts im Weg…“
Natürlich kannst du auch ganz eigene (Trick-)Filme machen – ob über Zeichnungen auf Papier oder gleich auf einem Computer, Tablet oder Handy – und mit unterschiedlichsten Programmen oder Apps daraus Filme erstellen – dazu gibt es eine Unmenge an Anleitungen, Tutorials, Videos usw. im Internet. Bei manchen kostenlosen Tools wirst du eventuell mit Werbung zugemüllt, bei anderen musst du aufpassen, nicht so manches Hilfswerkzeug extra kaufen zu müssen. Das wienXtra medienzentrum bietet im August für 10- bis 13-Jährige an drei Tagen jeweils einen vierstündigen kostenlosen Workshop dazu an – siehe Info-Box.
Karoline zerreibt lehmige Erde in einem Mörser zu kleinen Teilen. Ihre Architektur-Studienkolleginnen Marlene und Julia von der Technischen Uni Wien (TU) schlagen mit Hämmern auf gröbere Lehmteile, um sie zu zerkleinern. Später müssen selbst die gemörserten kleinen Stück noch durch ein Sieb weiter verfeinert werden. Gleiches machen sie – und andere Student:innen mit Ziegelsplitt.
Hier auf dem Areal des ehemaligen Nordwestbahnhofes in Wien-Brigittenau (20. Bezirk) wo bis Mitte Juli 100 Tage lang ein Teil der ersten Klima-Biennale stattgefunden hat, wurde in Lehrveranstaltungen mit vielen Studierenden der TU an verschiedenen Mischungen für Ziegel experimentiert.
Aus diesen „Freilandversuchen“ in Lehrveranstaltungen – natürlich gepaart mit vorheriger Recherche aus internationaler Literatur und anderen Praxis-Erkenntnissen – wurden drei Typen von Baumaterialien entwickelt, die nun zu Hunderten Stück produziert werden – für die Festivalzentrale der 18. Vienna Design Week. Die findet dieses Jahr (20. bis 29. September 2024) in Wien Landstraße statt (Docks der Quartiersentwicklung Village im 3. Bezirk – zwischen Adolf-Blamauer-Gasse und Landstraßer Hauptstraße).
Da ist zum einen Typ in herkömmlicher Ziegelform, der im Verhältnis 3 zu 2 aus fettem Lehm-Aushub von Baustellen der U2XU5 sowie aus Splittern gebrannter Ziegel von der Firma Wienerberger gemischt, geformt und gepresst wird. Jaques verrührt mit einer Art überdimensioniertem Stabmixer diese Massen. Sowohl er als auch Emma schütten diesen Mix dann abwechselnd in eine Metallform bis zum Rand hin an. Hinter ihnen steht eine mechanische Presse. Von oben drückt – per Hebel – eine Metallplatte auf die Form, Flüssigkeit rinnt unten seitlich aus. Optimal errechnete Druckstärke: Fünf Tonnen. Dann stürzen sie den jeweiligen Ziegel aus der Form, stellen ihn auf der schmalen Längsseite auf – und lassen ihn tagelang trocknen.
„Jahrtausende lang haben Menschen aus ungebrannten Ziegeln Häuser gebaut“, erinnert Thomas, Lehrender an der TU für experimentelle Materialien aus regionalen Ressourcen aus Abfällen und Nebenprodukten, an wieder verschüttet gegangenes Erfahrungs-Wissen. In Deutschland, so ergänzt er im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… dürfen aus derartigen Ziegeln mittlerweile sogar bis zu viergeschoßige Wohnbauten errichtet werden.
Einige Paletten solcher Ziegel – die einen noch dünkler, weil feuchter, die anderen schon trockener und damit heller – stehen in dieser Halle. In einer anderen Ecke finden sich Ziegel, die an aus vielen Kinderzimmern bekanntere „Bricks“ erinnern – mit zwei Noppen oben. In dem Fall unten aber gegengleich zwei ebensolchen Löchern. Diese Ziegel sind aus anderen Abfällen, also auch ein Re- bzw. eigentlich Up-Cycling-Produkt: Aus Zuckermelasse und Treber-Saft, Überbleibseln der Produktion der Bäckerei Ströck bzw. der Bier-Herstellung von Ottakringer und zugemischt als Art Haltbarkeits„kleber“ Holzwolle.
Dritter Baustoff, der für den Aufenthaltsbereich (Kaffeehaus und Workshops) bei der diesjährigen Vienna Design Week, die immer als Zwischennutzung oder in leerstehenden Gebäuden Handwerkliches und Künstlerisches Können der Bundeshauptstadt zeigt, sind Reis-Paneele. „Aus Reishülsen und Mehl gepresste Schall- und Wärmedämm-Platten; Reishülsen sind übrigens von Natur aus nicht brennbar“, zeigt und erklärt Alice, eine der Beraterinnen für die Kreativwirtschaft bei der Wirtschaftsagentur Wien dem Journalisten.
Diese Art Katalysator-Organisation durch Förderung und Beratung von Start Ups bis eben zu kreativen Bereichen der Wirtschaft sehr oft auch mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit hat im Rahmen der Klima-Biennale die Biofabrique als Pilotprojekt gemeinsam mit Atelier LUMA und dem Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien ins Leben gerufen.
„Nach dem Motto Material ist schwer und sollte lokal bleiben, Ideen sind leicht und können/sollen reisen soll einerseits international Know-How abgefragt, hier Wissen aufgebaut werden, um Prototypen rasch zu entwickeln und in die Wirtschaft zu implementieren, damit Kreislaufsystem in Anwendung kommen und nicht immer im Theoretischen bleiben“, bringt die Expertin in Sachen wirtschaftsnaher Umsetzung die praxisnahe Idee auf den Punkt.
Wirtschaftsbetriebe stehen sozusagen an beiden Enden: Zum einen wie das Beispiel dieser Ziegel und Paneele als Lieferanten von Material, das sie wegwerfen (würden) und andererseits als Abnehmer von Produkten, die aus ersteren re- bzw. viel mehr upge-cycelt werden.
Für den nunmehrigen Zweck, den Aufenthaltsbereich der Design Week und natürlich möglichst vieler weiteren Nutzungen werden von den verschiedenen Ziegeln nur einige Hundert Stück gebraucht, die jetzt händisch hergestellt werden. Bei Massenproduktion würde – mit entsprechenden Partnerunternehmen sicher Maschinen eingesetzt. „Letztlich wäre es schon das Ziel, dass die Biofabrique in Autonomie eine eigene wirtschaftliche Einheit wird – pro Aufgabe angepasste Lösungen anbietet und entsprechend bezahlt wird, so die Wirtschaftsagentur-Fachfrau. Und dies solle auch ein beispielhaftes Geschäftsmodell rund um zirkuläres Wirtschaften aufzeigen als Angebot von Know-How-Partnern für Industrie und Wirtschaft.“ Immerhin gehört gerade die Bauwirtschaft (noch?) zu großen Klimasündern.
„Valerie, die will nie abends in ihr Bett…“ – Unzählige Kinder und solche, die mittlerweile längst Kinder haben, kennen wohl diese Anfangszeilen aus dem Klassiker rund ums Nicht-Einschlafen Können oder viel mehr wollen. Nur noch eine Geschichte soll Valeries Papa der Tochter erzählen – und schon taucht sie und ihre Leser:innen ein in eine neue Welt. Und noch eine und …
Geschrieben von Mira Lobe, illustriert von Winfried Opgenoorth (erschienen 1981 im Jungbrunnen Verlag), wurde es vertont (Erich Meixner) und inszeniert vom Schmetterlinge Kindertheater Hunderte Male auf Bühnen in Österreich und Deutschland gespielt.
Klar, es ist nicht das einzige Buch rund ums Einschlafen (müssen), und die obigen zwei Absätze sind auch „nur“ die Einleitung zur Besprechung eines erst heuer erschienen neuen Bilderbuchs zu diesem Thema. In Bumerang-Form steht der davon inspirierte Buchtitel schon auf dem Cover: „Der Schlummerang“.
Sandmädchen und -männchen, die üblicherweise zu den Tieren kommen, um sie vom Wach- in den Schlagzustand zu versetzen, sind ganz klein in der oberen rechten Ecke der Titelseite zu sehen. Ob Löwen, Igel, Kuh oder wer auch immer sind aber noch ganz schön putzmunter.
Nils Mohl hat sich die Geschichte vom Hilfsmittel für die Sand-Streuer:innen einfallen lassen. In Reimen erfindet er so manche eindeutig beschreibenden Wortgebilde für Tiere – zum Beispiel „Wenigschläferschwäne“, „aufgeweckte Eintagsfliege“, „schlafgestörte Weckerziege“… Sabine Kranz verlieht diesen nimmermüde-sein-wollenden Tieren ein durchgängig lustiges Aussehen.
Und augenzwinkernd lässt der Autor Sandmädchen und -männchen zum durch die Luft schwirrenden „Schlummerang“ greifen, um seine Protagonist:innen mit „Krawumms“ ins Land der Träume zu befördern.
Eine aufblas- vielmehr aufpumpbare Insel mit Palme ist in dieser nicht ganz einen Stunde fast allgegenwärtig. Zuerst wird sie von einigen der sechs Performerinnen – gemeinsam mit Zuschauerinnen – auf die Bühne gehoben. Dann steht sie da in einer Ecke herum, wird fallweise bespielt, die noch schlapp Palme kriegt mit Hilfe eines Kompressors Luft und kommt damit zum Stehen. Irgendwann gegen Ende werfen die Tänzerinnen sie wieder von der Bühne, wollen sie dann aber doch wieder haben. Gegen Ende legen fünf von ihnen sich drauf, öffnen die Stöpsel und warten bis die Luft draußen ist.
„Auf der Palme“ heißt die Performance, die Bianca Bauer, Janina Lenauer, Nadine Mathis, Naima Rabinowich, Jana Resetarits und Viviane Le Tanzmeister beim Kultursommer Wien zwei Mal gezeigt haben. Gemeinsam mit Flora Besenbäck hatten sie vor rund einem halben Jahr für den Nachwuchsbewerb „Magma“ im Dschungel Wien eine ¼-stündige Version – schon mit dem selben Titel – erarbeitet. Die Jury entschied sich für andere der damals gezeigten fünf Miniaturen, damit diese zu einem Nachmittag-bzw. Abend-füllendem Stück ausgearbeitet werden sollen.
Die genannten Performerinnen gaben nicht auf, entwickelten ihre Show weiter und füllten nun als Gruppe „Power Ragers“ (Kraft-Wütende) eben fast eine ganze Stunde mit Szenen, in denen einmal die eine, dann eine andere, manches Mal auch mehrere auszucken, aus der Haut fahren, die Wand hochgehen, mit dem Kopf durch eine solche hindurch wollen, innerlich und äußerlich kochen, mitunter auch aufeinander losgehen, ihre Wut laut oder auch lautlos rauschreien…
Noch immer gilt Wut als eines jener Gefühle, die Kindern oft nicht wirklich zugestanden werden. Dass es ganz schön gut tun kann, sie auch – und sei es in spielerisch-tänzerischer Form ausleben zu können, zeigen die sechs – in MA48-orangefarbenen Latzhosen gekleidet. Viele schöne, lustvoll gespielte Szenen – Regie-Blicke von außen wären für eine Weiterentwicklung und die Erarbeitung eines dramaturgischen Bogens sicher hilfreich. Dann bräuchte es vielleicht auch nicht das aufgesetzt wirkende pädagogische Fast-Ende mit Fragen an die Kinder im Publikum, was sie denn da jetzt gesehen haben. Die unsichtbare vierte Wand zwischen Bühne und Publikum könnte durchbrochen und auf das Gespielte vertraut werden.
Eine schöne Idee hingegen ist das wirkliche Ende: Vor der Bühne gemeinsam lust- und kraftvoll tanzen.
Die 33. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit sind in Paris – und für die Surf-Bewerbe mehr als 15.000 Kilometer entfernt – bis 11. August 2024 im Gange; wobei die Zählung – naja… Denn es sind in Wirklichkeit erst die 30. Spiele, zählt das Olympische Komitee doch auch jene drei wegen des Ersten bzw. des Zweiten Weltkrieges abgesagten, geplanten Spiele in Berlin (1916), Helsinki (1940) und London (1944) mit. Ja mit den Zahlen da gibt’s so eigenartige Dinge – selbst die wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschobenen Olympischen Spiele in Japan heißen nach wie vor Tokio 2020.
Übersichtlich erfährst du das auf der ersten der Doppelseiten mit kurzen Textfeldern und vielen gezeichneten Bildern des Buches „Olympia!“.
Danach folgt eine Doppelseite für die 1170 Jahre der antiken Spiele zu Ehren des Göttervaters Zeus: Von 776 vor bis 394 nach unserer Zeitrechnung (viele sagen/schreiben vor bzw. nach Christi Geburt, obwohl die sicher nicht in dem Jahr stattgefunden hat, das die Zeitrechnung als 0=null festlegt) fanden 293 dieser Wettbewerbe statt. Und alle fanden statt – denn für die Spiele wurden sogar Kriege unterbrochen.
Obwohl die Menschen in Griechenland sich in ihrer Religion eine Art göttlicher Regierung aus Männern und Frauen, die oft für Wichtiges wie beispielsweise Athene für die Weisheit zuständig waren, ausgedacht haben, ließen sie Frauen nicht an den Bewerben teilnehmen. Ja nicht einmal zuschauen durften sie. Und dennoch – so wissen Iryna Tarenenko & Marija Worobjowa (Übersetzung aus dem Ukrainischen: Annegret Becker) zu berichten, hat dennoch eine Frau einen Bewerb gewonnen. Nein, Kyniska, Tochter eines Königs aus Sparta, hat sich nicht verkleidet, aber die Pferde mit denen eine Wagenlenker diese Rennen bei den 96. und den 97. Spielen gewann, gehörten ihr. Die Regel besagte, dass gar nicht die Teilnehmer, also die Wagenlenker gewannen, sondern nur die Besitzer der Pferde – in dem Fall eine Besitzerin.
Selbst bei den ersten Spielen der Neuzeit – Olympiade ist übrigens der Begriff für die Zeit zwischen zwei Olympischen Spielen – durften Frauen nicht antreten! Allen geplanten Sommerspielen, also auch den oben schon erwähnten drei abgesagten, widmen die Autorinnen – illustriert von Marta Leschak & Anna Plotka – eine Doppelseite mit in diesen drei Fällen weniger sportlichen, aber anderen Fakten aus der Zeit. Auch die 1936 zu vor allem Propagandazwecken der Nazis in Berlin abgehaltenen Spiele werden – kritisch – dargestellt. Wie überhaupt Politik nicht ausgespart wird – der Terror-Überfall einer palästinensischen Organisation auf israelische Sportler mit Toten (München 1972), der Boykott vieler Länder der Spiele in Moskau 1980, weil die Sowjetunion im Jahr davor Krieg in Afghanistan begonnen hatte, der Gegenboykott der Spiele vier Jahre später in Los Angeles (USA)…
Vor allem aber werden außergewöhnliche sportliche Leistungen und so manch kuriose Schmankerln aufgelistet.
Für fast jede der Spiele haben die Autorinnen auch teils kuriose Fakten oder solche, die heute kaum mehr bekannt sind, zusammengetragen. 1904 im US-amerikanischen St. Louis gewann Anton Heide seine ersten Medaillen für die österreichische-ungarische Monarchie, wurde während der Spiele US-Bürger und gewann weitere Bewerbe.
Die ersten Olympischen Winterspiele wurden 1924 im französischen Chamonix ausgetragen – aber schon 1908 in London und später auch 1920 in Antwerpen (Belgien) gab es Wintersportbewerbe, etwa Eiskunstlaufen, bei den Sommerspielen!
1912 im schwedischen Stockholm fanden erstmals – wie teils schon in der Antike – auch Bewerbe in künstlerischen Sparten statt – Literatur, Malerei, Bildhauerei, Architektur.
Vor 100 Jahren, bei den zweiten Olympischen Spielen in Paris, gewann Johnny Weissmüller drei Schwimmbewerbe – später wurde er als Tarzan-Darsteller viel berühmter. Bei den Spielen selbst viel berühmter wurde der Finne Paavo Nurmi, der mehrere Laufbewerbe über unterschiedliche Distanzen (3000 Meter, 1500 Meter, 5000 Meter) gewann, zwei davon innerhalb von nur einer Stunde. Seine Geschwindigkeit wurde jahrzehntelang zum geflügelten Wort: „Schnell wie der Nurmi!“
1928 in Amsterdam legte der australische Ruderer Henry Pearce im Viertelfinale eine kurze Pause ein, um Enten vorbeischwimmen zu lassen – gewann am Ende aber sogar im Finale Gold.
1968 in Mexico City sorgten zwei US-Springer für großes Aufsehen. Bob Beamon stellte mit 8,90 Metern im Weitsprung einen Weltrekord auf, der erst fast 23 Jahre später überboten wurde. Dick Fosbury erfand im Hochsprung einen eigenen Stil, indem er mit dem Rücken zuerst über die Latte sprang. Er gewann – und viele, ja fast die meisten wechselten auf diesen dann nach ihm benannten Stil.
Im selben Jahr 1968 sorgten aber auch zwei Läufer – ebenfalls aus den USA – für (politisches) Aufsehen: Tommie Smith und John Carlos holten über die 200 Meter Gold und Bronze. Bei der Siegerehrung streckten beide je eine Faust – in schwarzen Handschuhen – in die Höhe und standen in schwarzen Socken auf dem Sieger-Treppchen („Black Power“). Damit protestierten sie gegen die in den USA noch immer herrschende Trennung in Schwarze und Weiße. Das IOC (Internationale Olympische Komitee) forderte von den USA den Ausschluss der beiden aus dem Team und erließ ein Verbot, künftig an Olympischen Spielen teilzunehmen.
31. bei den Spielen 2004 in Athen, vier Jahre später in Peking die Plätze 12 und 17, 2012 in London schon 9., 8. und 4. – da wollte die ungarische Schwimmerin Katinka Hosszú ihre Karriere beenden. Shane Tusup, ihr Trainer und damaliger Ehemann überredete sie, weiter zu machen – 2016 im brasilianischen Rio de Janeiro gewann die Schwimmerin drei Gold- und eine Silbermedaille.
Apropos Schwimmen: 2016 trat auch erstmals ein Team Refugee Olympic Athletes (Flüchtlings-Team) an. Fahnenträgerin dieser zehn Sportler:innen, die aus ihren Heimatländern flüchten mussten, war die syrische Schwimmerin Yusra Mardini. Als sie 2015 das Bürgerkriegsland Syrien verlassen musste, hatte sie – gemeinsam mit ihrer Schwester und zwei anderen Flüchtlingen stundenlang ein überfülltes Boot mit 18 Insaß:innen, die nicht schwimmen konnten, schwimmend gezogen als es drohte unterzugehen und damit all diese Menschen gerettet. In Berlin (Deutschland), wo sie Zuflucht fand, begann sie in einem Sportverein wieder zu trainieren. Sie nahm auch 20021 an den Spielen in Tokio teil und wurde 33. im Bewerb 100 Meter Schmetterlings-Schwimmen. Seit 2022 lebt sie in den USA.
Für die – 2020 geplanten und dann (Corona!) 2021 ausgetragenen Spiele in Tokio (Japan) wurden alte Elektrogeräte gesammelt, um 5000 olympische und paraolympische Medaillen herzustellen. Und es kam viiiiel mehr zusammen 79 Tonnen Edelmetall konnten recycelt werden. Die Siegertreppen wurden aus recyceltem Kunststoff – hauptsächlich Shampoo-Flaschen – produziert – und danach zu Verpackungsmaterial vor allem für Hygieneprodukte verarbeitet.
Für die Olympischen Sommerspiele in Tokio hatten übrigens Kinder aus 16.769 japanischen Grundschulen über die beiden Maskottchen und Namen dafür abgestimmt: Die Anime-Figuren hießen Miraitowa (= Zukunft bzw. Ewigkeit) und Someity (von so migthty – so mächtig bzw. kraftvoll).
Und erstmals gab es Skateboard-Bewerbe – heuer in Paris 2024 wird es erstmals Breakdance als Olympische Disziplin geben.
Übrigens, erst im Jahr 3066 wird es genau so viele Olympische Sommerspiele in der Neuzeit geben, wie es sie im antiken Griechenland gegeben hat!
Üblicherweise kannst du beim Lesen eines Romans in eine der Figuren hineinschlüpfen, mit ihr mitfühlen. Manche Bücher (auch Filme oder Theaterstücke, Hörspiele…) ermöglichen dir den einen oder anderen Perspektivenwechsel. Der (Jugend-)Roman „Climate Action“ dreht sich wie zu vermuten um junge Klima-Aktivist:innen. Gerade angesichts der aktuellen Aktionen auf einigen Flughäfen nicht uninteressant;)
Geschrieben hat ihn Christian Linker, der immer wieder gesellschaftspolitischer Themen in Geschichten mit Jugendlichen in den Hauptrollen verpackt. Dieses Mal zieht er dich mitten ins Geschehen – nicht nur weil die nicht ganz 140 ersten Seiten spannend geschrieben sind, sondern weil er dich danach einlädt, ja fast zwingt, selber zu entscheiden, wo du weiterliest und damit zu welchem von insgesamt acht möglichen Enden du kommst.
Und der Roman zieht dich sozusagen in zwei der Figuren hinein. Zunächst einmal in die eines namenlosen jugendlichen Menschen in der Straßenbahn. Zwei Kontrollore fragen nach den Fahrkarten, dein Blick fällt auf ein Mädchen, bleibt aus welchem Grund auch immer, an ihr haften. Sie steigt aus, rempelt dich an. Und erst später merkst du, dass sie dir etwas in deine Tasche gesteckt hat – ein Buch.
Zu Hause merkst du, es handelt sich um ein Tagebuch. Irgendwann verrät sie darin ihren Namen – Pauline. Die schreibt darin, dass sie gemeinsam mit ihrem Klassenkollegen Sadiq ein Referat zu Kima-Wandel und Aktionismus vorbereitet. Dass die Frage auftaucht, reicht darüber reden? Die beiden – und bald noch mit Vic eine dritte im Bunde planen Aktionen, führen sie durch. Erst Luft aus Autoreifen auslassen, dann vor allem gegen Billigstklamotten, die großteils von Kindern in Südostasien genäht werden…
Die geschilderten Aktionen werden zunehmend heftiger. Und nun hast du sozusagen Beweise für die bisher anonyme Gruppe unter dem Namen „Too hot“ (zu heiß) in der Hand. Was machst du damit? Gehst du zur Polizei und gibst das Beweismittel ab. Oder rufst du die Handynummer, die da steht an? Redest Pauline ins Gewissen? Oder machst du gar bei künftigen Aktionen mit?
Der Autor drängt dich durch die spannend geschriebene Geschichte dir schon auf den ersten 138 Seiten hin und wieder zu überlegen, wie würdest du an Stelle – vor allem von Pauline – handeln. Ab dann aber wirst du förmlich getrieben zu entscheiden, wo du weiterliest. Mit Ausnahme der Variante, Polizei und Tagebuch abgeben, bei der du nach drei Seiten am Ende angelangt bist, führen dich alle anderen Möglichkeiten immer wieder zu neuen Weggabelungen. Je nachdem was du tun würdest landest du bei einem und noch einem weiteren und vielleicht noch mehreren anderen Abschnitten. Immer wieder den einen oder anderen Cliffhanger eingebaut, um dich neugierig zu machen.
Ziemlich verwirrend wäre es, wenn du die fast 150 Seiten der 47 Abschnitte nach der Grundgeschichte in einem Zug durchlesen würdest. Aber natürlich ist’s auch nicht unspannend, immer wieder zurückzublättern und einen neuen möglichen Weg zu gehen, pardon zu lesen. Und so vielleicht auch – abseits der von Linke ausgedachten „Too hot“-Initiative zu reflektieren, wie du zu ganz echten Klimaaktivistischen Aktionen stehst.
Mir ist so faaaaaad… Nicht auszuhalten. Der ganze Körper spielt schon verrückt. Kann nicht mehr richtig stehen, aber auch nicht liegen, sitzen was auch immer. Die Performerin Lisa Bunderla lässt das richtiggehend spüren, wie auch körperlich unangenehm Langeweile sein kann. Ihre beiden Kolleginnen auf der Bühne – die Querflötistin Monika Wippl und die Cellistin Julia Schwendinger – bringen diese Gefühle der tanzenden Performerin mit entsprechenden Tönen zu Gehör.
Die ganze Bühne – von den Gewändern des Trios bis zu den Kulissenteilen und Utensilien alle in weiß – mitunter in abgestuften (Farb-)Tönen – bis hin zum Trinkhalm.
„Ein ? für die Langeweile“ heißt das rund halbstündige Stück, das beim Kultursommer Wien am Freitag im Reithoffer Park (Rudolfsheim-Fünfhaus; 15. Bezirk) vor sehr vielen jungen und jüngsten Besucher:innen aus den Kindergärten der Umgebung gespielt wurde – und noch einmal, am Sonntag (28. Juli 2024) auf der Bühne in der Großfeldsiedlung gespielt wird (Details, siehe Info-Box am Ende des Beitrages ganz unten).
Der Langeweile zuschauen steckt keineswegs an. Und klar, es bleibt nicht dabei. Die quirlige, teils akrobatische tanzende Performerin spielt nicht die ganze Zeit auf Fadisieren. Erst „zaubert“ die Flötistin – die fallweise auch mit einer kleinen, höher gestimmten Piccolo-Querflöte spielt – irgendwo ein blaues Tuch hervor. Dann trommelt die Performerin unter dem Tisch liegend auf den – und siehe da, bunte Kunststoffröhren unterschiedlicher Länge purzeln zu Boden. Aus denen macht sie im Handumdrehen Fernrohre, Schwerter und sonst noch alles Mögliche, vor allem aber Percussions-Instrumente.
Und siehe da – die Langeweile ist wie weggefochten. Immer mehr Buntes kommt zum Vorschein – ob vom Wäscheständer ein lila Oberteil oder aus dem weißen Kübel viele unterschiedlich gefärbte Papierknäuel, bei den Musikerinnen noch ein vielfarbiger Socken. Mit wenigen Gegenständen, die sich mit ein wenig Fantasie in Unterschiedlichstes verwandeln lassen, lässt die Spielerin Langeweile vergessen – einige Farben ins Spiel gebracht symbolisieren das und helfen dabei. Und natürlich passen die beiden Instrumentalistinnen die Musik entsprechend an, die nun von Szene zu Szene mehr Fröhlichkeit verströmt. Und am Ende in „My Favorite Things“ übergeht, ein Lied aus dem Musical „The Sound of Music“ (komponiert von Richard Rodgers), das vor allem in Versionen von Jazz-Größen wie John Coltrane und Dave Brubeck zum Klassiker wurde.
Bevor das Trio auf der Bühne musiziert, tanzt und performt, tritt noch die Choreografin des Stücks in Aktion. Vor der Bühne – im Gegensatz zum Weiß auf dieser in Schwarz gekleidet – animiert sie das Publikum zum aufwärmenden Mitmachen. Ohren ziehend, Augen reibend, Körperteile abklopfend und bewegend samt kleiner Geschichten vom Schwimmbad-Besuch bis zum Rudern, wird Konzentration und Aufmerksamkeit voll angeregt.
Schwierig ist dann nur das abrupte nun auf einmal Stillsein-müssen, um dem Geschehen auf der Bühne zu folgen. Samt dem (fast) Nicht-Eingehen der Performerin auf die vielen zugerufenen Anregungen, nachdem sie fragt, was sie denn tun können, damit ihr nicht langweilige werde. „Kuchen essen!“ – „Ich hab ja keinen Kuchen!“ war praktisch die einzige Reaktion. Alles andere – und da kam ganz schön viel: Bücher lesen, singen, tanzen, geh nach draußen, Wäsche waschen (als sie in der Nähe des Kleiderständers ist).
In ihrem Ankündigungstext für die Auftritte beim Kultursommer schreiben die Künstlerinnen, dass sie das Bilderbuch „Pfff…“ von Claude K. Dubois sowie der dänische Familientherapeut Jesper Juul („gleichwürdige Erziehung“) zu diesem Stück inspiriert hätten. Aber nur ganz ansatzweise und lediglich vom Thema Langeweile. Wer das Buch zuvor gesehen und gelesen hat, interpretiert sicher die eine oder andere Szene anders als alle anderen Besucher:innen, die das Buch nicht kennen – etwa die bunten großen zusammengeknüllten Papierkugeln aus dem weißen Metallkübel; oder das naserümpfende Wegwacheln offensichtlich unangenehmen Geruchs durch di Cello-Spielerin 😉
Diese Bilderbuch trägt den vielleicht ungewöhnlichsten Titel: „Pfff…“ Dieser Laut – oft verbunden mit der Luft, die aus einem Ballon entweicht – ist sogar so international, dass ihn Tobias Scheffel nicht aus dem Französischen übersetzen musst 😉
Die Belgierin Claude K. Dubois, die schon mehr als vier Dutzend Bilderbücher geschrieben UND gezeichnet – oder umgekehrt(?!) – hat, lässt hier zwei Vogelkindern ziemlich fad werden, nachdem ihnen der Vater ihr Tablet weggenommen hat. „Geht draußen spielen“, schlägt er ihnen stattdessen vor.
… finden Merle und Robbi das. Wurscht was Papa anbietet – nix taugt den beiden Vögelchen. Schlapp und fadisiert hängen oder liegen sie herum. Die Künstlerin zeichnet das so, dass es trotz der schönen Bilder nachvollziehbar wirkt. Fast scheint’s als würden die beiden die Bilderbuch-Betrachter:innen anstecken und zum Gähnen verleiten. Da könnte der Titel-Laut schon auskommen, aber…
Natürlich kann’s so nicht bleiben, irgendwas muss die beiden gefiederten Kinder doch zu Aktivitäten verleiten – aber das sei hier sicher nicht verraten; nur so viel: Es hat mit dem verschriftlichten Geräusch im Buchtitel zu tun.
Apropos Langeweile: Jahr für Jahr redet eine oder einer der ehrwürdigen (Vize-)Rektor:innen einer der Wiener Universitäten bei der Sponsion der Kinderuni den (Groß-)Eltern ins Gewissen: Sie mögen ihren (Enkel-)Kindern in den folgenden Ferienwochen doch auch Freiraum für „ins Blaue schauen“, vermeintliches Nichts-Tun und das lassen, was andere als Langeweile bezeichnen. Auch Wissenschafter:innen und Forscher:innen würden solche Phasen brauchen, in der sie dann vielleicht den einen oder anderen Geistesblitz haben, wenn sie eben nicht im Hamsterrad der alltäglichen Arbeit gar nicht Raum und Zeit dafür hätten…
PS: Dieses Bilderbuch – sowie der dänische Familientherapeut Jesper Juul mit seinem Ansatz „gleichwürdige Erziehung“ haben vier Künstlerinnen zum Bühnenprogramm „Ein ? für die Langeweile“ inspiriert, das sie beim diesjährigen Kultursommer Wien zwei Mal zeigen – Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wird es sich ansehen und darüber berichten.
Eine Modepuppe vor der Couch ist das markanteste Zeichen in Dušicas Wohnung in Beograd (Belgrad, der Hauptstadt Serbiens), dass sie Modedesign studiert. In der rechten Bühnenhälfte steht ein Tisch, auf den Đorđe eine Kofferschreibmaschine hievt und drei analoge Kameras platziert. Seine Wiener Unterkunft. Er will hier als Regisseur für Low-Budget-Filme durchstarten, muss dann aber auch andere Jobs ausüben.
Schon die Schreibmaschine und die alten Kameras, aber erst recht die Telefone noch mit Wählscheibe zeigen, die Szenerie ist im vorigen Jahrhundert angesiedelt. Nicht der Krieg in den einander bekriegenden Teilen des ehemaligen Jugoslawiens brachte Đorđe nach Wien, sondern „nur“ die Aufstiegshoffnung.
„Beograd – Beč“ (Belgrad – Wien) heißt das rund einstündige Theaterstück von Fedor Šili und Mihajlo Dasukidis, das in Originalsprache (die einen sagen Jugo, andere BKS, dritte „naš jezik“ = unsere Sprache) nach zwei Aufführungen im Ateliertheater kürzlich beim Wiener Kultursommer im Mortara Park (20. Bezirk, Brigittenau) heftig umjubelt gespielt wurde (Regie: Marina Đorđević). Nicht zuletzt auch, weil viele im Publikum – vielleicht sogar zum ersten Mal – eben ihre eigene (Erst-)Sprache erleben durften.
Während das eine oder andere (große) Theaterhaus immer wieder von Diversität, Vielfalt usw. spricht und dass nicht nur Deutsch auf Bühnen zu hören sein soll, spielt Akademija glume i omladinsko pozorište Stanislavski (Akademie für Schauspiel und Jugendtheater Stanislavski) immer wieder in dieser/diesen Sprache/n. Einige Jahrzehnte gab es dafür in Wien auch einen Ort – das Interkulttheater; fallweise waren/sind auch im Theater Arche andere Sprachen auf der Bühne zu erleben – künftig soll das auch im TAG (Theater an der Gumpendorfer Straße) der Fall sein. Die (Theater-)Szenen in verschiedensten Sprachen – abseits von Englisch oder Französisch – blühen meist aber im Verborgenen.
Zurück zur Verbindungs-Schnur – die Telefone waren noch nicht draht- und kabellos – zwischen Belgrad und Wien in jenem Stück im Brigittenauer Park. Die Verbindung zwischen den Haupt-Protagonist:innen ist anfangs recht eng. Dauernde, liebevolle Gespräche – immer mitschwingend baldiges Zusammensein in Wien…
Bis sich die Leben beider auseinander entwickeln – das mit der Karriere in Wien wird nicht so recht etwas, eher sind Kellnerieren und andere Jobs angesagt. Struggles auch in Beograd – da pendelt Dušica (Marija Gajić) zwischen Auftakeln (und damit mehrmaligem Umziehen) für Party-Besuche mit ihrer diesbezüglich erprobten mondän-glitzernden, dem Alk zugeneigten Freundin Mima (Zorica Simić) und den Forderungen ihres Bruders Željko (Ignjat Karanović), der ständig Geld braucht. Fünfte auf der Bühne ist schließlich Gaga (Jovana Ilić), Wiener Serbin / serbische Wienerin der zweiten Generation, die eines Abends Đorđe (Marko Dimitrijević, der kurzfristig für den verhinderten Dorijan Bakoš-Dodek eingesprungen ist) besucht, vielmehr heimsucht.
Soweit die grobe Handlung. Im Kern dreht sich alles einerseits ums immer weiter Auseinanderleben des Paares Dušica und Đorđe. Und andererseits darum, dass sie nach Wien will und er immer mehr sein Traumbild dieses neuen Anfangs zerplatzen sieht und sich eher zurücksehnt. Oder doch auch wieder nicht. Dramaturgischer Höhepunkt, den sich Regisseurin Marina Đorđević einfallen hat lassen, um dieses dort/da-Dilemma krass sicht- und erlebbar zu machen: Gegen Ende telefonieren die beiden, sitzen einmal Rücken an Rücken, wandern dann durch ihre Räume, durchbrechen die unsichtbare Wand zwischen Beograd und Beč, ziehen ihre Kreise und plötzlich ist vorübergehend Dušica in der Wiener Wohnung und Đorđe im Zimmer in Belgrad.
Neben der Sprache ist es vor allem auch dieses Gefühl des hin und hergerissen seins, das viele auch von sich selbst kennen, wie Besucher:innen der Ateliertheater-Vorstellung Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… anvertrauten.
Ob Anspielungen und Anspielen auf und von Musik – etwa der einst populären Belgrader (Alternative-)Rock-Band EKV (Ekatarina Velika) sowie „200 na sat“ von Ivan Gavrilović – oder Wortspiele und -witze wie wenn Gaga, die in ihrer Rolle nur gebrochen serbisch spricht, die Schreibmaschine (pisaća mašina) „pišaća mašina“ (Piss-Maschine) nennt. Was natürlich bei jenen, die die Sprache perfekt verstehen, zu Lachstürmen führte.
Nach der vielumjubelten Aufführung von „Beograd – Beč“ (Belgrad – Wien) beim Wiener Kultursommer im Mortara Park (Brigittenau; 20. Bezirk) musste Marko Dimitrijević zunächst einmal für viele Selfies mit Fans vor der und rund um die Bühne posieren. Dann aber konnte er sich doch Zeit nehmen für ein Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Übrigens nicht zum ersten Mal. Vor zwei Jahren – im Sommer 2022 – spielte, sang und tanzte er im teatro-Musical „Schneewittchen“ im Stadttheater Mödling sowohl den Jäger als auch den Prinzen (Link zum damaligen Interview am Ende dieses Beitrages).
KiJuKU: Wie war das bei der Anfrage der Regisseurin vor rund einer Woche, so eine große Rolle kurzfristig zu übernehmen?
Marko Dimitrijević: Es war eine sehr große Herausforderung. Ich hab mir sehr viel Mühe gegeben.
KiJuKU: Aber haben Sie sofort zugesagt oder zunächst einmal tief geschluckt und gefragt, wie soll das gehen?
Marko Dimitrijević: Ich glaub, ich hab insgesamt ungefähr zehn Minuten darüber nachgedacht. Dann hab ich zurückgerufen und gesagt: Ich mach’s! Ich versuch’s! Ich hab so etwas bisher in meinem Leben noch nie gemacht – ich mein auf Serbisch zu spielen. Das kann ich lang nicht so gut wie Deutsch. Aber: Wieso nicht?!
Eine Herausforderung kann nicht schaden. Ich wollt’s unbedingt probieren.
KiJuKU: Und wie ging das dann, dass Sie so schnell den Text gelernt haben – ist ja doch ziemlich viel?
Marko Dimitrijević: Ich hab mir das Video von der Aufführung im Ateliertheater angeschaut – mehrmals. Immer ganz genau aufgepasst und hingehört und zugeschaut, wie der Schauspieler (Dorijan Bakoš-Dodek) sich bewegt, was er beim Sprechen macht und die Regisseurin gefragt, was sie noch von mir sehen will in dieser Rolle des Đorđe.
Ich hab wirklich Tag und Nacht gelernt. Aufgestanden, gegessen, hab gelernt, war Duschen, hab wieder gelernt…
KiJuKU: Lernen Sie grundsätzlich so schnell – auch in der Schule?
Marko Dimitrijević: Wenn ich was lernen will, dann schaff ich’s. Ich bin okay in der Schule. Aber ich will wirklich Künstler – Schauspieler oder Sänger werden. Ich will auf der Bühne stehen können und Menschen Spaß bereiten.
Eigentlich lern ich wirklich nur schnell, wenn ich was lernen will.
KiJuKU: Sie sind 16 und kommen jetzt in die 7. Klasse, oder?
Marko Dimitrijević: Ja, ich geh in die Hegelgasse, in den Polyästhetik-Zweig, wo wir jetzt auch in der 7. Klasse ein großes Theaterprojekt machen. Aber bei der Projektwoche in der letzten Schulwoche, wo schon damit angefangen wurde, war ich nicht dabei. Ich will ehrlich sein, ich war da Vorsprechen bei der MUK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) – ich war der Jüngste und bin von 300 Menschen immerhin in die zweite Runde gekommen, in die es nur 69 geschafft haben. Das ist schon ein großer Erfolg. Leider konnte ich deswegen nicht auf die Projektwoche mitkommen.
KiJuKU: Zurück zu diesem Stück, wie hat Ihnen die Rolle des Đorđe in „Beograd – Beč“ zugesagt?
Marko Dimitrijević: Der Charakter des Đorđe ist nicht so weit weg von mir – er ist nach Wien gekommen, um seinen Traum zu verwirklichen. Ich hab auch ein künstlerisches Ziel vor mir. Und deswegen hatte ich auf der Bühne auch so ein gutes Gefühl, ich war so locker. Und das, obwohl ich jetzt zum ersten Mal auf Serbisch gespielt habe – ein bisschen mit österreichischem Akzent, diese sch, dsch, tsch-Laute, die kann ich nicht so gut. Aber, ich darf im Oktober noch einmal ein anderes Stück auf BKS spielen.
Ist es ein Ball? Eine Orange? Eine Plüsch-Kugel? Jedenfalls balanciert eine Maus mit schwarz-weiß-quergestreifter Hose auf dem großen orangefarbenen, runden Ding. Und scheint da ganz gemütlich zu liegen. Und verschmitzt schaut sie auch zu dir her. Sie will, dass du mit ihr durch die Seiten dieses Papp-Bilderbuchs surfst.
„Was mag die Maus?“ betitelte die vielfach ausgezeichnete Kinderbuch-Illustratorin UND -macherin. Auf jeder der folgenden Doppelseiten stellt sie dir – oder deinen Vorleser:innen – eine Frage. Und du hast viel zu schauen, zu suchen, vielleicht auch zu erzählen – oder selber zu fragen. Jedenfalls viele Anregungen, um über das Gesehene zu reden.
Jeweils auf der linken Seite findest du immer ein großes Bild, rechts daneben eine Frage (was mag…, wohin fliegt…, wer schwimmt…?) und eben auch die aus der oben abgebildeten Doppelseite „wo versteckt sich…?“ Wo hinter einem Buch, einem Haus, einem Baum… jeweils Körperteile eines der Tiere hervorschauen.
Und so „nebenbei“ bieten Bilder und Fragen auch Anregungen, dass du dir ganze Geschichten ausdenken kannst – von Zielorten beim Fliegen oder auch vom Mögen…
Steigende Temperaturen in Europa und Zentralasien haben im Jahr 2021 für das die Zahlen vorliegen schätzungsweise 377 Kinder das Leben gekostet. Dies ist das Ergebnis einer neuen Analyse von Daten aus 23 Ländern, die vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in der letzten Juli-Woche 2024 veröffentlicht wurde. Der Bericht stellt außerdem fest, dass extreme Hitze bei Kindern und Jugendlichen in der Region den Verlust von mehr als 32.000 gesunden Lebensjahren verursacht hat.
„Beat the heat: child health amid heatwaves in Europe and Central Asia“ (Der Hitze trotzen: Kindergesundheit bei Hitzewellen in Europa und Zentralasien) so der Titel der Analys, zeigt, dass die Hälfte dieser Kinder im ersten Lebensjahr an hitzebedingten Krankheiten starb. Die meisten Kinder starben in den Sommermonaten.
„Etwa die Hälfte der Kinder in Europa und Zentralasien – oder 92 Millionen Kinder – sind bereits häufigen Hitzewellen ausgesetzt, und das in einer Region, in der die Temperaturen weltweit am schnellsten ansteigen. Die immer höheren Temperaturen können bei Kindern, vor allem bei den Kleinsten, schon nach kurzer Zeit zu ernsten gesundheitlichen Komplikationen führen. Wenn sie nicht behandelt werden, können diese Komplikationen lebensbedrohlich sein“, sagte Regina De Dominicis, UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien.
Hitzeeinwirkung hat akute Auswirkungen auf Kinder, noch bevor sie geboren werden, und kann zu Frühgeburten, niedrigem Geburtsgewicht, Totgeburten und angeborenen Anomalien führen. Hitzestress ist eine direkte Ursache für Säuglingssterblichkeit, kann das Wachstum von Säuglingen beeinträchtigen und eine Reihe von Kinderkrankheiten verursachen. Der Bericht stellt außerdem fest, dass extreme Hitze bei Kindern und Jugendlichen in der Region den Verlust von mehr als 32.000 gesunden Lebensjahren verursacht hat.
Da die Temperaturen weiter steigen, fordert UNICEF die Regierungen in ganz Europa und Zentralasien dringend auf, Strategien zur Verringerung der Auswirkungen von Hitzewellen zu integrieren, u.a. durch
UNICEF arbeitet mit Regierungen, Partnerorganisationen und Gemeinden in der gesamten Region zusammen, um die Widerstandsfähigkeit gegen Hitzewellen zu stärken. Dazu gehört, Lehrer:innen, Gesundheitshelfer:innen und Familien die Fähigkeiten und das Wissen zu vermitteln, um auf Hitzestress reagieren zu können.
Alter einsamer Tischler schnitzt aus einem Holzstück eine Marionette – wie er in seinem Leben schon viele angefertigt hat. Aber diese ist besonders, wird lebendig. Aber statt nun ein Kind bei sich zu haben und nicht mehr allein zu sein, macht sich die Figur auf, um die weite Welt zu erkunden – und so „nebenbei“ sich selbst. Am Ende – genau, happy End von Pinocchio und seinem Schöpfer Geppetto.
Diese dutzendfach erzählte, gespielte – mit Schauspieler:innen, mit (Marionetten-)Figuren, in Filmen Coming-of-Age-Geschichte läuft seit kurzem auch (wieder) als Musical mit großteils (sehr) jungen Akteur:innen auf der Bühne des Stadttheaters in Mödling. Seit fast eineinhalb Jahrzehnten bespielt die Gruppe teatro Sommer für Sommer dieses Haus, wenige Bahn- und dazu einige Gehminuten von Wien entfernt.
Ja, das mit der Nase, die beim Lügen lang und länger wird, kommt auch vor – ist aber wie generell schon im Original von Carlo Collodi (1826 – 1890) nur eine Rand-Episode. Ähnlich wie der Kampf von Don Quijote gegen die Windmühlen-Flügel, der in dem rund 1500-seitigen Roman von Miguel de Cervantes keine zwei Seiten umfasst, oft das berühmteste „Überbleibsel“ ist.
Zurück nach Mödling. Vor acht Jahren schon spielte teatro damals mit dem Titel „Pinocchio Superstar“ ein Musical rund um den hölzernen „Dummkopf“ (Pinco = Dummköpferl). Dessen Darsteller Moritz Mausser wurde im Vorjahr tatsächlich zum Superstar als Verkörperung von Falco im Musical Rock me Amadeus im Wiener Ronacher. Die diesjährige Produktion ist aber ziemlich neu gedacht, inszeniert, choreografiert und komponiert – wenngleich ein paar Nummern aus der Produktion von 2016 – mit teils neuen Texten – übernommen worden sind (Buch, Regie: Peter Faerber; musikalische Leitung, Arrangements: David Schieber; Choreografie, Einstudierung: Beatrix Gfaller; Intendanz, Musik, Bühnenbild: Norberto Bertassi).
Den aktuellen Pinocchio, der lange Zeit noch mit hölzernem Herzen unterwegs ist, spielt, tanzt und singt der 14-jährige Joel Gradinger – erstmals in der großen Sommerproduktion von teatro auf der Bühne, davor aber schon drei Mal in der Weihnachtsgeschichte in der Mödlings Stadtgalerie als kleiner Eby (Ebenezer) sowie in sechs Produktionen der mab (musical academy brigittenau). Und er „rockt“ in dieser Rolle das knapp mehr als 2-stündige Musical (für manche der sehr jungen Kinder im Publikum ein bisschen zu lang). „Glücklich und dankbar, dass mir so viel Verantwortung zugetraut worden ist“, schätzt sich der Pinocchio-Darsteller nach der zweiten umjubelten Aufführung im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
„Zuerst hab ich schon ein bisschen geschluckt als ich gefragt worden bin: Einerseits froh, andererseits vielleicht eine Last. Aber ich hab nicht lange überlegt und schnell zugesagt.“
Dass er im Laufe der Arbeit an dieser Produktion vielleicht in den Stimmbruch kommen könnte – hat niemand bedacht, aber war/ ist kein Problem. „Wir haben dann bei den Melodien ein bisschen oktaviert.“ (Passagen tiefer gesetzt.)
Seinen Schöpfer und „Vater“ Geppetto singt der Autor und Regisseur des Musicals Peter Faerber himself.
In dieser Version lässt teatro auch Carlo Collodi, den Erfinder der Figur von Pinoccio, in Erscheinung treten. Zu Beginn sitzt er auf einem wackeligen Sessel. Das abgebrochene vierte Stuhlbein hält nur, weil es auf etlichen Büchern (!) steht. Irgendwie will diesem Collodi keine brauchbare Geschichte einfallen. ER bringt die Sitzgelegenheit zur Reparatur zum Tischler und … – der Rest ist aus einer Fortsetzungsgeschichte für eine italienische Zeitung zum weltberühmten Roman geworden. Wuk Pavlovits (15) spielt aber nicht nur den Collodi überzeugend, sondern auch noch den Feuerfresser, der die hölzerne Puppe verbrennen lassen will, sowie den Wirt Gino und einen Fischer.
Für so manche witzig-freche Bemerkung samt zugehöriger Bewegungen und Aktionen sorgt die „Grille“, die die Fee (Mirella Sengl) Pinocchio, dem sie Leben einhaucht, als Art Schutzengel mit auf den Weg gibt. Auch wenn sie sich so gar nicht nur als Erfüllungsgehilfin und Helferin sieht. Pauline Faerber, erst zehn Jahre jung, aber schon bei Schneewittchen sowie Anne of Green Gables in den beiden vergangenen Jahren auf der großen Bühne im Einsatz, verkörpert diese freche Figur sehr glaubhaft.
Auf die KiJuKU-Frage, ob sie auch im echten Leben so unterwegs sei, meinte sie: „Irgendwie schon, meistens bin ich die kleine Freche. Aber im wirklichen Leben habe ich niemanden, auf den ich aufpassen muss!“ Sie freut sich, diese Rolle bekommen zu haben, „weil ich schon immer eine lustige Figur spielen wollte“.
Obwohl sie schon mit vier oder fünf Jahren begonnen hat, Klavier zu spielen und Ballett zu tanzen, „weiß ich noch nicht, ob ich Bühne zu meinem Beruf machen möchte. Ich beschäftige mich gerne mit Sprachen und geh jetzt in ein Gymnasium (Wr. Neustadt, Babenbergerring) , wo ich in der Oberstufe eine weitere Sprache lernen kann – Spanisch, Französisch, Russisch, vielleicht wird ich Spanisch nehmen.“
Die „bösen“ Figuren Fuchs Myra (Nembhard) und Katze (Valerie Fürnkranz), die Pinocchio zum Beispiel mit dem Trick des Geldbaumes um dessen Münzen bringen, versprühen in ihrer kriminellen Energie auch einen gewissen Charme gepaart mit Witz. Noch mehr davon strahlt die Figur der schulverweigernden Lucignola (Lilly-Ann Haas) aus.
Wie in andren Pinocchio-Versionen die Fee, so kommt hier die Lehrerin Lauretta Giocattolo (Julia Wenig), dem kreativen Tischler näher.
Natürlich lebt das Musical nicht nur von den einzelnen Figuren, sondern immer wieder auch von großen Ensemble-Szenen und gemeinsamen großen Gesängen. Gegen Ende gibt die LED-Wand mit ihren beeindruckenden Projektionen (Tobias Hornik-Steppan) den Blick frei auf die im Hintergrund live spielende Band: Sonja Equiluz (Saxophon und Klarinette), Stephan Först (Bass), Wilfried Modlik (Gitarre), Milan Nicolić (Violine),
Wolfgang Wehner (Schlagzeug), Katrin Weninger (Querflöte), Max Wintersperger (Trompete) und Elisabeth Zeisner (Violoncello). Immer wieder erhalten diese Szenen spontanen Applaus – wie auch viele der Sologesänge oder Duette…
Mitreißend wie immer auch die durchchoreografierten Tänze, die samt der schon erwähnten projizierten Kulissen ein wahrhaft italienisches Lebensgefühl vermitteln – wenngleich in einer der Choreos mit den rot-wie-grünen Schirmen die ungarische statt der italienischen Flagge (quer- statt längs-gestreift) als Gruppenbild erscheint ;(
Papier-Stanitzel auf, Münzen rein – und… – weggezaubert. Simsalabim oder Abrakadabra oder welcher magische Spruch auch immer, Tüte umgedreht – natürlich sind die Münzen wieder da.
Zauberstab, -spruch, einige Utensilien und vor allem Geschicklichkeit und nicht zuletzt Geschichten braucht’s um Publikum mit magischen Tricks in den Bann zu ziehen. Manche der „Zutaten“ wussten die Kinder bereits, andere lernten sie vom Zauber-Profi Martin Haderer in einem der ersten Workshops am ersten Tag der diesjährigen Kinder Business Week, der mittlerweile 18.
Nach dem Muster der Kinderunis startete wenige Jahre später (2006) die erste Veranstaltungsreihe dieses Namens in der Wirtschaftskammer Österreich, nun im WKO-Campus am Währinger Gürtel. Wie an den Unis neugierige Kinder Wissenschafter:innen und / oder Künstler:innen treffen, um sich mit diesen auszutauschen, so führt die KBW Kids und Wirtschaftsleute zusammen. Denn auch Zauberei ist ein Business, will erlernt werden – und ist vielleicht auch ein „Geheimnis des Erfolges“ wie der Untertitel der Kinder Businessweek vermittelt, den es zu „entdecken“ gelte.
Obwohl Zauberkünstler:innen ihre Geheimnisse üblicherweise für sich behalten, gibt es so manche Tricks auch zu kaufen. Der genannte Magier verschenkt sie bei der KBW – und dazu noch einige Cent-Münzen für jede und jeden im Workshop, in dem sie lernen solche „Wundertüten“ selber zu basteln.
Apropos Erfolg – den schrieben einige der Teilnehmer:innen im Workshop nebenan auf Post-Its. Diese gruppierten sie mit Ziele erreichen und ähnliche Fomulierungen zu einem der Themengruppen. Mit Sonja Käferböck sprachen, diskutierten und brainstormten sie über „Glück und innere Zufriedenheit: Der Schlüssel zum Erfolg?“
Geld, Wohlstand und verwandte Begriffe landeten in einer weiteren Gruppe. Die weitaus meisten bunten Klebe-Zettelchen aber ballten sich mit Wörtern und Sätzen zu Freunde, Beziehungen, Familie…
Und als es um die Frage ging, ob viel Geld glücklich mache, meinten praktisch alle, es würde ihnen so viel Geld reichen, um ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen, sich Wohnen, Reisen und so weiter leisten zu können.
Dass es auch anderen gut gehen, in der Welt gerecht zugehen solle – waren weitere Ideen der Workshop-Teilnehmer:innen bei der Lehrerin einer Wiener Handelsakademie, die nebenbei auch als Unternehmerin Semi- / Webinare und Coachings für Persönlichkeitsentwicklung und positive Psychologie anbietet.
Fairness und Gerechtigkeit standen im Zentrum eines Vortrages mit Quiz und Spiel rund um „Fairtrade“. Mit Spielgeld ausgestattet verwandelten sich zwei Teilnehmer:innen in Großhändler:innen. Die anderen schlüpften in die Rolle von Kakao-Bauern und -bäuerinnen. Ein Luftballon symbolisierte 5 Kilo Kakao-Bohnen. Um welchen Preis können sie verkaufen, wie wenig zahlen die Händler:innen…
Paul wusste schon einiges davon aus einem Projekt in der Schule, Marlene von ihren Eltern. Neu war für ihn, wie er nach dem Workshop Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… erzählt, „dass Kinder bei der Kakao-Ernte mitarbeiten müssen und nicht in die Schule gehen können“. Beide „schauen auch beim Einkaufen – nicht immer, aber schon hin und wieder“ auf fair und / oder bio. „Mein Vater achtet beim Kaffee-Kauf auf Fairtrade“, ergänzt Marlene. Ella „wusste vorher nicht so viel darüber, aber jetzt schon.“ Lukas lernte vor allem, „wie das mit dem Weltmarktpreis ist und dass bei Fairtrade die Bauern jedenfalls einen Mindestpreis kriegen“. Beim Einkaufen hat er schon lange darauf geachtet, keine Produkte zu kaufen, bei denen Palmöl verwendet wird.
Vom Preis einer Tafel Schokolade geht nicht einmal ein Zehntel an die Kakao-Bäuer:innen, aber fast die Hälfte kassieren die Supermärkte, berichtet Katharina Liball von Fairtrade-Österreich im Workshop.
Eine der großen heimischen Supermarktketten lud parllel zu einem Workshop, in dem die Kinder in Gruppen einen großen Plan zeichneten, wie sie sich einen Supermarkt der Zukunft vorstellen. Zwar funktionieren die dreiunterschiedlich, schauen auch verschieden aus, aber große Gemeinsamkeiten wiesen die Pläne der drei Gruppen auf: Sehr vieles ist automatisiert bzw. wird von Robotern erledigt und es gibt Spiel- bzw. Sportmöglichkeiten vor allem für Kinder.
Sowohl die Europa-, als auch die Amerika- (ganzer Kontinent!) Meisterschaften im Fußball der Männer sind beide Mitte Juli zu Ende gegangen. Die Qualifikation für die EM bei den Frauen (2025 in der Schweiz) ist im Gange, Österreich, das schon einmal in einem Halb- und ein weiteres Mal im Viertelfinale spielte, muss ins Play-Off gegen Slowenien im Herbst. Die Olympischen Fußballturniere in Paris starten am 24. und 25. Juli 2024.
Abseits der großen Turniere spielen weltweit – nach Angaben des Weltverbandes Fifa – mehr als 265 Millionen Menschen Fußball, rund 15 Prozent davon in Vereinen (38 Millionen Menschen). Darüber hinaus spielen ja fast überall Kinder schon von klein auf gern mit einem Ball, auch wenn der vielleicht nur aus zusammengebundenen alten Stofffetzen besteht und auch ohne Schuhe gekickt werden muss.
Genau dieser Faszination für dieses wahrscheinlich am weitesten verbreitete Team-Spiels widmet sich das Bilderbuch „Fußball – Alle spielen mit“ von Ben Lerwill (Übersetzung aus dem Englischen: Jens Dreisbach) und Marina Ruiz. Ihre Zeichnungen zeigen deutlich die Botschaft: Alle heißt auch wirklich alle – nicht nur in Sachen Hautfarben oder Geschlecht, sondern auch ob mit Krücken, im Rollstuhl und sogar blind (mit Glöckchen im Ball).
Zweite Botschaft des Bilderbuchs: Es geht um den Spaß beim Spiel und das Zusammenspiel – oder sollte vielmehr darum gehen.
Dass Fußball sogar in schwierigsten Situationen verbinden kann, zeigt das Buch unter anderem mit dem historischen Beispiel, dass während des Weihnachtsfriedens 1914 im 1. Weltkrieg Soldaten der feindlichen Armeen von Briten und Deutschen ein Match austrugen.
Allerdings wirkt dieses Verbindende ebenso wie die These, dass es nicht ums Gewinnen oder Verlieren geht doch ein wenig krampfhaft, wird doch Gegenteiliges ausgespart. Abgesehen vom sehr wohl sehr oft wettbewerbsmäßigen Gesichtspunkt oder der Geschäftemacherei gibt es zum friedlichen Fußballspiel der Soldaten, die anderntags wieder aufeinander schossen und das nicht mit dem Ball, ein Gegenbeispiel: Im Juli 1969 kam es nach gewaltsamen Ausschreitungen mit Todesfolgen beim Qualifikationsspiel zwischen Honduras und El Salvador für die Männer-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko sogar zu einem mehrtägigen Krieg (14. bis 18. Juli 1969).
Auf einer Doppelseite wird auch dargestellt, dass es Ballspiele schon im alten Ägypten, China, im antiken Griechenland und Rom gegeben hat. Hinweise auf Mittel- und Südamerika hätten vielleicht doch noch Platz gehabt.
Noch eine kleine Anmerkung: Während durchgängig auf Diversität und Inklusion Wert gelegt wird, heißt es immer nur „Fußball-Mannschaft“, hätte sich doch das Wort Team statt MANNschaft gut gemacht 😉
Die ersten aufgeregten Kinder in ihren grünen T-Shirts mit dem Spruch „wir stellen die Uni auf den Kopf“ stellten sich im Gang neben dem Arkadenhof schon eine halbe Stunde bevor es losging an. Ziemlich genau um 10 Uhr setzte sich dann der beträchtlich lang gewordene Zug – meist in Zweier-Reihe – in Bewegung. Die Stiegen hinauf zum großen Festsaal der altehrwürdigen Universität Wien an der Ringstraße.
(Groß-)Eltern und andere Verwandte hatten dort schon auf den Sesseln Platz genommen. Das vierköpfige Blas-orchester spielte eine Fanfare und unter kräftigem Applaus betraten die Kinder, die nun zwei Wochen an den verschiedenen Wiener Unis und am Fachhochschul-Campus in Favoriten studiert hatten, den großen Saal. Um sich auf den Boden vor der hölzernen, beeindruckenden Kanzel zu setzen. Mittlerweile hatten sie alle gerollte Urkunden mit Goldband in den Händen, die ihnen im Vorraum zum Festsaal von den freiwilligen Mitarbeiter:innen der Kinderuni überreicht worden waren.
Neuerlich spielten die vier Musiker:innen eine Fanfare – und ehrwürdige Vertreter:innen einiger der beteiligten Universitäten marschierten in ihren schwarzen Talaren in den Festsaal – angeführt von Zeremonienmeisterin Sonja Schreiner von der Uni Wien mit dem immerhin aus dem Jahr 1558 stammenden Rektors-Stab, Lehrende an der Kinderuni von der ersten Stunde an. Für die 22. Ausgabe sprachen – in echt kurzen, knackigen Reden Manuela Baccarini (Vize-Rektorin, Uni Wien), Jasmin Gründling-Riener (Vize-Rektorin TU – Technische Uni), Evelin Süss-Stepancik (Vize-Rektorin FH Campus) sowie Michael König (WU – Wirtschaftsuni) und Franz Kainberger (Medizinischen Uni).
Zwar nicht von Anfang an, aber seit vielen Jahren wird der erste von (meist) vier Sponsionsdurchgängen simultan in Österreichische Gebärdensprache übersetzt – dieses Jahr von Patricia Brück – die auch für Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… vor dem Start der Feier Kinder-Uni in dieser Sprache vorzeigte – siehe Video. Dort ist danach auch das erste der zwei wichtigen fragenden Versprechen (Sponsion) zu sehen, die die ehrwürdigen Uni-Vertreter:innen an die Kinderuni-Student:innen jedes Jahr stellen: „Wer von euch nie aufhört, Fragen zu stellen…“ die/der solle die Hand heben. Gefolgt davon, wer nie aufhört, Antworten auf diese Fragen zu stellen…
Der siebenjährige Marvin Paučić studierte an der Technischen Uni – über Roboter und Algorithmen sowie „Grüße aus der Zukunft“, zeigt er dem Reporter auf seinem Studienausweise. Während er mit seiner Urkunde für ein Foto posiert zeigt er mit der anderen Hand, dass er die Kinderuni liebt – in seiner Erstprache die Gebärde für „I love you“. Bevor er seine Mutter ins Bild holt, mit der aus Fingern ein Herz bildet.
Die beiden Geschwister Koray (noch zehn) und Soraya (9) Taus-Yeşil bevorzugten Geschichten als ihre Lehrveranstaltungen. Ersterer griechische Mythologie. „Ich liebe das, unsere Mutter hat uns früher immer griechische Sagen vorgelesen, aber ich hab da schon einiges Neues erfahren zum Beispiel über Halbgötter.“ Seine Schwester belegte Lehrveranstaltungen über fabelhafte Geschichten – „die mag ich am liebsten“.
Jedenfalls mache es Spaß, „gemeinsam auf die Kinderuni zu gehen – zusammen ist alles am besten“, versichern die beiden dem Reporter auf dem Weg zurück in den Arkadenhof – nachdem zuvor in der „Schreibstube“ neben dem Festsaal Helfer:innen der Kinderuni in ihren gelben T-Shirts die Urkunden aller nunmehrigen frischgebackenen Absolvent:innen fein säuberlich ausgefüllt hatten.
Wie immer gab’s die Titel Magistra bzw. Magister universitatis iuvenum (Kinder Universität) und für jene, die schon den zweiten Sommer studiert hatten ein angehängtes „zum Quadrat“ das ebenso zielsicher Lachen des vollbesetzten Festsaals nach sich zog wie das „multiplex“ für all jene, die schon mindestens zum dritten Mal an den Hochschulen der Kinderuni Wien studiert hatten.
Am Samstag endet die diesjährige Kinderuni Wien mit mehreren Durchgängen von Sponsionen. Die jungen Studierenden müssen geloben, dass sie nie aufhören Fragen zu stellen und Antworten auf diese zu suchen. Dafür gibt’s die Titel Magistra oder Magister der Kinderuni (universitatis iuvenum).
Aber schon am Montag startet die diesjährige Kinderuni on Tour in einem Simmeringer Park, die Woche drauf beim Wasserturm in Favoriten usw. Bis Ende August finden in Parks der Bezirke 10, 11, 15, 21, 22 und 23 Experimente und Forschungen statt – Details siehe Info-Box.
Erst einmal bitte vielmals um Entschuldigung für die verspätete Meldung, immerhin hat das Finale schon vor mehr als zwei Wochen stattgefunden – der europäische Junior-Companies-Bewerb. Erstmals hat eines dieser Unternehmen aus Österreich, die von Schüler:innen für ein Schuljahr gegründet werden und mit echten Waren und / oder Dienstleistungen handeln (im Gegensatz zu den Übungsfirmen in Handelsakademien und -schulen), das Finale gewonnen: „Treberei“ aus dem B/R/G (Bundes-Real-/Gymnasium Stainach in der Steiermark.
Regelmäßige Leser:innen von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… kommt der Name vielleicht bekannt vor. Die Jugendlichen, die aus Treber, einem Abfallprodukt bei der Herstellung von Bier, Nudeln produzier(t)en und im Wert von mehr als 13.000 Euro (und nicht wie ursprünglich hier gestanden ist 30.000) auch verkauften, kamen schon in mehreren Berichten vor – Links siehe unten am Ende des Beitrages.
Zum ersten Mal liefen Schüler:innen aus Stainach uns bei der internationalen Junior-Firmen-Handelsmesse im März über den Weg, dann landeten sie mit ihrem Unternehmen auf Platz 2 in der Kategorie Sustainability (Nachhaltigkeit) bei Jugend Innovativ und gewannen zur selben Zeit den heimischen Junior-Company-Wettbewerb. Letzterer brachte ihnen die Vertretung Österreichs beim Europa-Bewerb – dieses Mal im sizilianischen Catania (Italien) ein.
Schon vor zwei Jahren hatte „Drinkhalm“ vom Klagenfurter BG/BRG Mössinger Straße mit dem zweiten Platz den Europameistertitel nur knapp verpasst, nachdem schon im Jahr davor „Lazy Bowl“ (BHAK Liezen, Osttirol) einen dritten Platz herausgeholt hatte.
Auf Platz 2 landete „Glan go Glas“ aus Irland vor „Letz Guess“ (Luxemburg).
Allen öffentlichen Klagen zum Trotz, dass Kinder und Jugendliche (viel) zu wenig über Geld, Finanzen und Wirtschaft lernen, wird doch übersehen, dass es nicht nur wie gerade hier in diesem Beitrag berichtet, die realen Junior-Companies gibt – allein in diesem Schuljahr mit rund 5000 beteiligten Schüler:innen. Dann die ÜFA – die Übungsfirmen, die alle Schüler:innen von Handelsakademien und -schulen durchlaufen. Außerdem bietet das Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum – kostenlose – Workshops während des Schuljahres an (siehe Info-Box).
Und in den Ferien startet kommende Woche (22. bis 26. Juli 2024) wieder die Kinder Business Week in Wien. Nach dem Muster der Kinderunis kommen in dem Fall Unternehmer:innen, um Vorträge oder Workshops für und mit 8- bis 15-Jährigen zu halten. Die Palette reicht vom fairen Handel über Supermärkte bis zur eigenen Herstellung von Lippenbalsam und Maki – siehe Info-Box.
Während auf dem Domplatz der Stadt Salzburg das bekannte Stück „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ (von Hugo von Hofmannsthal) – über die Bühne geht, spielt sich in Hüttschlag, das ebenfalls im Bundesland Salzburg liegt, „Friede den Hüten! Krieg den Palästen!“ als visuelles Musiktheater ab. Dieser berühmte Text von Georg Büchner wurde von Werner Raditschnig vertont.
Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater – spielt – in deutscher Laut- und Österreichischer Gebärdensprache -, singt, musiziert in einer Inszenierung von Herbert Gantschacher dieses Stück über Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit. Die Schauspieler:innen Werner Mössler, Markus Pol, Rita Luksch und Alfred Aichholzer setzen das Stück in Szene. Für die Musik sorgt das „arbos-ensemble“: Thomas Trsek (Violine), Gregor Narnhofer (Klarinette, Saxophon und Bass-Klarinette), Bojana Foinidis (Akkordeon) sowie Adi Schober am Schlagwerk.
Details – siehe Info-Box!
40 Jung- und Jüngst-Studierende haben sich an diesem vorletzten Tag der Kinderuni Wien für die Lehrveranstaltung „Stadt der Kinder: Wie funktioniert Demokratie?“ entschieden. „Partizipation“ also Mitbestimmung war / ist in diesem 22. Jahr der Kinderuni an den Wiener Universitäten ein Schwerpunkt – dazu gab’s auch Pausenspiele auf dem Campus im sogenannten Alten AKH.
Nach einer kurzen Einleitung – von Anarchie über Monarchie bis zur Demokratie und Abstimmungen ging’s rein in das angekündigte Planspiel „Stadt der Kinder“. Ein fiktiver Plan einer kleinen Stadt an der Tafel – mit zwei noch freien Flächen. Was soll dort hin?
Dazu konnte sich ein Teil der Kinderuni-Studierenden zu fiktiven Parteien zusammenschließen, beraten, Vorschläge unterbreiten, um sich anschließend einer Wahl zu stellen.
Die andere Hälfte der Kinder ging in die „Schule“ und bearbeitete Aufgaben mit Fahnen-Zuordnungen, Rechnungen, in denen die Summe von Wahlstimmen eine Rolle spielte – natürlich ebenfalls wahlberechtigt.
Während mit „Partypatai“ mit Parkplatz und Autos um Stimmen warb, erhob „Austria“ Wald und Spielplatz zu ihrem Programm. Als dritte im Bunde kandidierte eine von vornherein schon aus vielen Mitgliedern zusammengesetzte Partei namens „Samsung Partei“ mit dem Motto „je grüner, desto besser“. Neben einem Spielplatz für das eine freie Gelände und einem Park mit viel Wald auf dem zweiten Grundstück hatten sich diese Politiker:innen noch für billigen Döner (2 €), Schule von 9 bis 13 Uhr, mehr Gehalt für Lehrer:innen ausgesprochen. In der Runde, bevor sie mit ihren Forderungen an die Öffentlichkeit gingen, war noch „weniger Autofahren“ ein Thema gewesen, dem viele zustimmten.
Die drei Parteien wählten Vorsitzende, die ihre Forderungen dem gesamten Volk – den 40 Mitstudierenden sowie den zuhörenden Lehrenden, Helfer:innen und dem Journalisten von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… vortrugen; übrigens trotzt vieler Mädchen zumindest in einer Partei – drei männliche Vorsitzende. Angenehm unaufgeregt, ganz ohne Kampf, selbst ohne Zwischenrufe erfolgte die Vorstellung der Wahlprogramme. Und dann ging’s auf – zwei lange Schlangen, alle wollten wählen. Übrigens auch in der Kinderstadt „Rein ins Rathaus“, die wie (fast) immer in der vorletzten Woche der Sommerferien im Wiener Rathaus stattfindet, ist die Schlange vor der Wahlzelle meist am längsten.
Ergebnis: 4 Stimmen und damit 10 % für die „Partypatai“, also für Autos und Parkplätze, 15 Stimmen (38 %) gingen an „Austria“ und mit 21 Stimmen sogar eine absolute Mehrheit (52%) für „Samsung Partei“. Die die beiden zuletzt Genannten sich in der Stadtplanung praktisch einige waren also neun von zehn für Spielplatz, Park und Wald.
Damit war die Lehrveranstaltung aber noch nicht zu Ende. Die Lehrenden – Jule Kegel, Julia Partheymüller und via Video-Botschaft Sylvia Kritzinger, Fakultät für Sozialwissenschaften, Institut für Staatswissenschaft – hatten sich noch eine Reflexionsrunde einfallen lassen – mit der Frage, ob die Wahl fair war. Und da kam es dann schon auch zu Diskussionen. Was ist mit den Autos, die ja da sind. Könnte vielleicht unter dem Spielplatz eine Park-Garage errichtet werden? Gegenargument einer Kinderuni-Studierenden: Aber Parkplätze heißt wieder mehr Autos.
Was ist mit Pferden (die es zuvor schon in der Stadt gab)? Für Pferde sei die Stadt gar nicht geeignet, meinten einige.
Jedenfalls zeigten sich alle begeistert vom Planspiel. Leider wurde vergessen, darauf hinzuweisen, dass es – wie schon oben erwähnt – ziemlich gleich lang wie die Kinderuni auch die Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ gibt – hier weiter unten in der Info-Box die Details.
Vor dem Planspiel stand eine kurze mit grafischen Bildern aufgelockerte Einleitung über verschiedene mögliche Staatsformen auf dem Lehrplan. Ein bisschen plakativ vereinfacht – so fehlte bei der griechischen „Wiege der Demokratie“, dass dort ein Großteil der Menschen unter anderem Frauen völlig ausgeschlossen waren. Aber es zeigte sich auch, dass so manche der Kinderuni-Studierenden viel mehr wissen, als ihnen Lehrende oft zutrauen…
Auf dem Weg zur Straßenbahn trifft KiJuKU zufällig noch Marlene und Nuria, zwei Kinderuni-Studentinnen, die schon am Tag zuvor diese Lehrveranstaltung – und am Donnerstag dafür die gleichzeitig stattgefundene „Meine Stadt, deine Stadt, unsere Stadt“ (mit Lehrenden vom Institut für Geographie und Regionalforschung, Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie) besucht hatten. „Sehr cool war das“, meinten beide spontan – zu den zwei Lehrveranstaltungen. „Gestern konnten wir selber wählen! Und wir hatten mit unserer Naturpartei die meisten Stimmen für einen Spielplatz und einen Wald!“, so eine der Antworten. „Und heute haben wir jede und jeder einen eigenen Plan für einen Spielplatz basteln dürfen“, so die Auskunft über die zweite Lehrveranstaltung und beide zeigen Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… ihre Pläne, wobei Nuria bedauert „ein bisschen was von meinem Plan ist schon verloren gegangen, da hat der Kleber nicht so gut gehalten“.
Am Samstag endet die diesjährige Kinderuni Wien mit mehreren Durchgängen von Sponsionen. Die jungen Studierenden müssen geloben, dass sie nie aufhören Fragen zu stellen und Antworten auf diese zu suchen. Dafür gibt’s die Titel Magistra oder Magister der Kinderuni (universitatis iuvenum).
Aber schon am Montag startet die diesjährige Kinderuni on Tour in einem Simmeringer Park, die Woche drauf beim Wasserturm in Favoriten usw. Bis Ende August finden in Parks der Bezirke 10, 11, 15, 21, 22 und 23 Experimente und Forschungen statt – Details siehe Info-Box.
Fast alle der befragten 660 Kinder in Deutschland (6 bis 11 Jahre) sagen auf die Aussage „Ich werde wütend, wenn ich ungerecht behandelt werde“ mit „eher ja“ (94 Prozent). Aber auch kaum weniger Kinder werden auch „wütend, wenn andere ungerecht behandelt werden“ (83 Prozent sagen da ebenfalls „eher ja“.
Dies ist eines von vielen Ergebnissen der Studie „Wie gerecht ist Deutschland“, die Mitte Juli 2024 vorgestellt wurden. Die Universität Bielefeld hatte – (mit-)finanziert von der Bepanthen-Kinderförderung (im Bereich Gesundheit und Ernährung wirtschaftender Konzern Bayer) 660 Kinder sowie 570 Jugendliche (12 bis 16 Jahre) repräsentativ ausführlich befragt.
Zur Ausgangsfrage stellten die Studienautor:innen (Fakultät für Erziehungswissenschaft; Leitung Prof. Holger Ziegler) den Jugendlichen die Frage offenbar ein bisschen differenzierter: „Ich bin empört und wütend…“ mit mehr Antwortmöglichkeiten – trifft eher zu/ voll und ganz / überhaupt nicht bzw. eher nicht. Voll und ganz empört und wütend bei eigener ungerechter Behandlung sind demnach knapp mehr als die Hälfte (56 %) und wenn andere betroffen sind knapp mehr als ein drittel (34 Prozent). Aber die Summe aus „voll und ganz“ plus „trifft eher zu“ ergibt dann im individuellen Fall auch 93 Prozent und bei anderen 86 Prozent also ähnlich viele wie bei den Kindern mit „eher ja“.
Auch bei anderen Fragen zeigen die Antworten, dass viele Kinder und Jugendliche sich offenbar von der Ellenbogen-Mentalität und der Ich-AG wie sie der Neoliberalismus prägt, entfernen. So sehen die Befragten (in dem Fall Jugendlichen) Handlungsbedarf der Politik nicht nur in Sachen „Bildung von Kindern und Jugendlichen“ und „Chancengleichheit von Kindern“, sondern auch in mindestens gleichem Ausmaß für Rentner*innen, gleiche Lebensbedingungen, Arme, Gleichverteilung von Vermögen und Einkommen – all die genannten Themen erhalten Zuspruch zwischen 60 und 65 %.
Mehr als ¾ der befragten Jugendlichen fühlt sich aber von politischen Entscheidungsträger:innen nicht wahrgenommen. „Leute wie ich, haben keinen Einfluss darauf, was die Regierung macht“ meinen fast acht von zehn 12- bis 16-Jährigen „eher“ (32%) bzw. „voll und ganz“ (46%).
Einfluss auf die Meinung der befragten Kinder bzw. Jugendlichen haben einerseits die wirtschaftliche Situation der eigenen Familie sowie die gesellschaftspolitische Haltung der Eltern. So finden 87 Prozent der Kinder (6 bis 11 Jahre), deren Eltern mit der Demokratie in unserem Nachbarland zufrieden sind Deutschland „eher“ (71 %) bzw. „sehr gerecht“ (16%). Die vergleichbaren Anteile bei Kindern, deren Eltern mit der Demokratie im Land unzufrieden sind liegen bei 44 bzw. 6 – in Summe also nur bei der Hälfte (50 Prozent).
Als Unterscheidungskriterium in Sachen „sozialökonomischer Status“ (SOES) wollten die Studienautor:innen von den Befragten wissen: „Für unsere Familie ist es manchmal finanziell schwierig, alle Dinge zu bezahlen, die wir für die Schule brauchen“ vs. „Unsere Familie kann es sich leisten, Markenklamotten zu kaufen“.
So erleben nicht einmal zwei von zehn Jugendliche (12 bis 16 Jahre) mit hohem SOES in ihrem Leben Ungerechtigkeiten im eigenen Leben, während dies auf mehr als ein Drittel (37%) Jugendlicher mit Familien, die’s finanziell schwer haben, erleben muss.
Insgesamt finden jedoch die befragten – in dem Fall – Kinder (ein bisschen mühsam an der Studie ist, dass offenbar nicht jede Frage jeweils Kindern und Jugendlichen gestellt wurde), dass es in Deutschland viel eher gerecht zugeht als in der ganzen Welt (zwei Drittel zu einem Viertel).
Besonders überraschend fand der Leiter der Studie, Holger Ziegler von der Universität Bielefeld, „dass Kinder und Jugendliche zwar ein differenziertes Bild davon haben, wie eine gerechte Gesellschaft aussieht, diese Komponenten in ihrer Lebensrealität aber gar nicht unbedingt wahrnehmen. Sie fühlen sich von der Gesellschaft und der Politik nicht genug gesehen. Trotzdem machen sie sich auch Sorgen um andere Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel Rentner*innen. Die Vorurteile der neuen Generation gegenüber, diese „würden sich nur für sich selbst interessieren“ können in unserer Studie keinesfalls bestätigt werden.“
Nun, eine direkt vergleichbare Studie fand Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nicht. Die BundesJugendvertretung – gesetzliche Interessensvertretung aller Menschen in Österreich bis 30 Jahre – verwies einerseits auf den „Jugendmonitor“ der Arbeiterkammer (1200 befragte 16 bis 29-Jährige; Institut Foresight). Neben dem herausragenden Ergebnis, dass die soziale Schere weiter auseinandergeht und Teuerung und Krise Jugendliche bzw. junge Erwachsene besonders stark trifft, wurde auch andere Themen wie etwa Mitbestimmung abgefragt.
„Menschen wie ich können etwas bewirken, wenn sie sich politisch beteiligen“ beantwortete die Hälfte mit „stimme sehr zu“ (16%) bzw. „ziemlich“ (34%). „Gar nicht“ fanden 13 % und „wenig“ 28% – 9 Prozent gaben dazu nichts an oder „weiß nicht“. Allerdings klafft auch hier eine Lücke zwischen Reicheren und Ärmeren: So finden fast sechs von zehn der „oberen 30%“, dass ziemlich bzw. sehr etwas bewirken können (57%), während dieser Anteil beim unteren nicht ganz Drittel nur bei 42 Prozent liegt.
Im Vorjahr erhob das Institut Sora die Einstellung junger Menschen zu Demokratie und veröffentlichte im November 2023 die Ergebnisse der Telefon- bzw. Online-Befragung von 343 16- bis 26-Jährigen, die in Österreich wohnen. 48 Prozent bewerten die Funktionsfähigkeit des politischen Systems sehr (11%) bzw. ziemlich (37%) gut. Was allerdings im Vergleich zu 2018 einem doch deutlichen Rückgang entspricht – damals: 13 und 56, also in Summe 69%.
Aus diesen und anderen Studien und Umfragen schlussfolgert die BundesJugendVertretung: „Die Wahlbeteiligung junger Menschen entspricht aus den Erfahrungen und Wahlstudien der vergangenen Jahre dem Durchschnitt der Bevölkerung, bei Erstwähler*innen liegt er sogar darüber. Jugendliche sind politisch interessiert und engagiert. Rund die Hälfte aller Jugendlieben engagiert sich ehrenamtlich. Und jene, die in Vereinen und Organisationen, die unter dem Dach der BJV versammelt sind, aktiv sind, halten die Demokratie noch höher als Nicht-Mitglieder. Gleiches gilt fürs Zugehörigkeitsgefühl zur österreichischen Gesellschaft.
Alterung der Gesellschaft und daher weniger Gewicht von „jungen Stimmen“ und fehlendes Wahlrecht für Nicht-Staatsbürger*innen sei eine große Herausforderung für die Demokratie und nicht zuletzt dafür ausschlaggebend, dass junge Menschen immer weniger den Institutionen der Politik vertrauen und sich zu wenig mit ihren Sorgen ernst genommen fühlen. Die Demokratie als Staatsform wird aber wenig in Frage gestellt.“
Schon vom Format fällt dieses Bilderbuch auf: Sehr breit, dafür weniger als halb so hoch wie die meisten seiner Art. Und das ist nicht zufällig. An Inhalt und Titel angepasst „Ida, Chris und Emil im Zug“ erinnert es an einen Waggon. Gar erst, wenn du’s aufschlägst und vor der eine laaaange Doppelseite hast.
Das titelgebende Trio ist aber natürlich alles andere als allein im Zug. Schon auf dem Bahnhof wimmelt es vor gezeichneten Figuren. Manche fallen dir vielleicht gleich ins Auge wie das „kleine Ich-bin-ich“, Pippi Langstrumpf oder Sponge Bob. Da er einen Sarg trägt wahrscheinlich auch Graf Dracula.
So manche der von Michael Roher mit Buntstiften gezeichnete Figuren erkennen dann vielleicht eher Erwachsene, die mit dir das Buch anschauen und die kurzen Texte lesen. Draculas Sargtrag-Partnerin etwa ist „Black Widow (schwarze Witwe), eine Agentin namens Natascha Romanoff aus einer Comic-Serie.
Wen aller der Illustrator auf der ersten Doppelseite „versteckt“ hat – das findest du aber nicht im Buch, sondern in den Begleitmaterialien des Verlages (Tyrolia) auf dessen Homepage – unten in der Info-Box verlinkt. Und darunter sind nicht nur Figuren aus Literatur oder Filmen, sondern auch schon verstorbene echte Menschen wie der Begründer der Psycho-Analyse Sigmund Freud oder die Sängerin Amy Winehouse.
Das suchende Wimmeln ist aber nur der Auftakt. Autorin Sarah Michaela Orlovský hat sich – abgesehen davon, dass sie so manch ungewöhnlichen Stationsnamen von Orten, die es (meist) wirklich gibt – für jede der Doppelseiten ganz ungewöhnliche Waggons ausgedacht. Die drei Kinder aus dem Buch-Titel schnappen sich das Bord-Mikro über das die Zug-Begleiter:innen üblicherweise Durchsagen machen und laden Fahrgäste, die gerne lesen, sich bewegen, Musikinstrumente mit haben jeweils in verschiedene Waggons ein. Und so findest du die Mitreisenden in unterschiedlichsten Körperhaltungen – urviel zu schauen, zu suchen und zu finden. Und vielleicht weiter zu fantasieren, was so alles noch in einem Zug stattfinden könnte 😉
Gleich zu Beginn ist im Buch vermerkt, dass Sarah Michaela Orlovský die Idee zu diesem Buch kam, als sie vor zwei Jahren von der Verleihung des deutschen Jugendliteraturpreises in Frankfurt /Main nach Hause (Salzkammergut) fuhr: „Was, wenn ich jetzt das Bordmikro kidnappe und durchsage: Alle, die Kinder- und Jugendliteratur lieben, bitte zum Lesezirkle ins Bordrestaurant!“
Übrigens: Du musst schon genau schauen, um etwa Harry Potter zu finden – das Schild mit dem Hinweis auf Gleis 9¾ und der Gepäckwagen, den er schiebt mit Vogelkäfig darauf hilft, denn von der Körperhaltung wirkt er fast wie ein alter Mann 😉
Bund, Länder, Gemeinden, Bezirke, Kollektivvertrag, MA für Magistratsabteilungen, AMS für ArbeitsMarktService… Mahmoud schreibt die Begriffe auf eines der großen weißen Blätter auf dem Flip-Chart. Manch andere Begriffe schreibt er auch in arabischen Schriftzeichen auf Dari, einer der am weitest verbreiteten Sprachen in Afghanistan.
Rund ein Dutzend Männer, die zu unterschiedlichen Zeiten aus diesem seit Jahrzehnten kriegsgebeutelten Land geflüchtet und irgendwann irgendwie in Österreich gelandet sind, absolvieren hier den vierten und letzten Teil des „interkulturellen Tandem-Trainings“, organisiert vom Verein „Neuer Start“ in Zusammenarbeit mit VIDC (Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation) und poika (Verein zur Förderung von gendersensibler Bubenarbeit in Erziehung und Unterricht). Etwas das als Prävention offenbar viel breiter angboten werden müsste wie jüngste Gewalteskalation gezeigt hat.
In den Räumen der Gebietsbetreuung am Floridsdorfer Schlingermarkt (Wien, 21. Bezirk) erfahren sie in diesem Teil mögliche Wege in den Arbeitsmarkt, zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten usw.
Die ersten drei Module – jeweils vier Stunden und getrennt für Frauen und Männer, um auch durchaus sehr intime Fragen vertrauensvoll besprechen zu können – befassten sich mit Geschlechter(un)gerechtigkeiten, Gesundheit – von der körperlichen über psychische bis zur sexuellen, sowie schließlich mit Familie und Gewalt(freiheit).
Klar und verständlich, dass ein Journalist nur zum vierten Teil und da nur bei den Männern Zugang bekam. Aber zwei Teilnehmer sprachen auch sehr offen mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… über die anderen Themen.
„Bei uns in Afghanistan passiert Kindererziehung oft mit einem Stock in der Hand. Viele in unserem Land halten das für normal. Hier haben wir erfahren, dass das nicht richtig ist und Kinder Rechte haben, auch darauf anzuziehen, was sie wollen. Und wir als Eltern sie nicht zwingen sollen, das anzuziehen, was uns selber gefällt“, schildert Reshad Saway. Der 35-jährige Wirtschaftsuni-Absolvent (in Indien, wo er auch zwölf Jahre lang gearbeitet hat) kam mit einem Visum aus Pakistan, wo er zuletzt lebte, zu seiner hier lebenden Ehefrau. „Zu Österreich hatte ich schon früh einen emotionalen Bezug, weil mein Vater vor 30 Jahren hier ein Semester Physik studiert hat.“
Er komme aber aus einer streng patriarchalen Gesellschaft „und hier muss ich viel Neues lernen – die deutsche Sprache ist nur eines, viel schwieriger sind die Unterschiede im sozialen und kulturellen Leben zu begreifen – da hat dieser Kurs sehr viel geholfen“, sagt er zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… vor allem auf Englisch, „da fühl ich mich noch wohler als auf Deutsch“.
Er wisse schon, dass auch so manche Österreicher ihre Kinder nicht gewaltfrei erziehen, „aber hier wissen wahrscheinlich die meisten, dass es nicht in Ordnung ist. Wir sind in einer Tradition aufgewachsen, wo der Stock immer noch eher normal ist.“
Die interkulturellen „Tandem“-Trainings hat Shokat Walizadeh, Gründer und Geschäftsführer des Vereins „Neuer Start“, gelernter Zahntechniker (Top-Lehrling in Österreich) und mittlerweile Sozialarbeiter, 2016 ins Leben gerufen – „nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternach in Köln wollten wir Menschen aus Afghanistan helfen, ihre mitgebrachten traditionellen Geschlechterbilder zu hinterfragen, um ihr Verhalten verändern zu können“. Es sei ein bisschen mühsam, immer neu um die Finanzierung solcher Workshops ansuchen zu müssen und er hoffe, dass sie im kommenden Jahr wieder angeboten werden können – je vier Einheiten zu jeweils vier Stunden getrennt für Frauen und Männer – mit dem Angebot der parallelen Kinderbetreuung.
„Neuer Start“ organisiert eine Vielfalt an Aktivitäten – über Kickboxen als Sport- und Gesundheitsförderung hat KiJuKU ebenso schon berichtet wie über die großen Sport- und Kulturfeste, die weit über die eigene Community hinausreichen und eine Begegnung verschiedenster Kulturen und Ethnien sind; Anfang August steigt ein Volleyball-Turnier – siehe Info-Box.
Extra aus St. Pölten reiste Abbas Alizadah zu den interkulturellen Trainings an. „Ich lerne Deutsch mit YouTube, weil ich noch keine kostenlosen Kurse in Niederösterreich bekomme. Alles Geld, das ich hatte, habe ich für die ersten Kurse bezahlt, aber jetzt hab ich kein Geld mehr dafür“, schildert der 22-Jährige, der seit eineinhalb Jahren in (Nieder-)Österreich ist.
Täglich setzt er sich vormittags und abends zu fixen Zeiten (9 bis 11 und 21 bis 23 Uhr) mit dem Handy hin, um Deutsch aus dem Internet zu lernen.
Die Workshops hier am Schlingermarkt „haben viel gebracht. Erstens hab ich neue Leute und darunter auch Freunde kennengelernt. Zweitens hab ich viel über die Unterschiede in den Kulturen unserer beiden Länder gelernt, über Vorurteile. Und wir haben hier einen vertraulichen Raum, wo wir ganz offen über alles reden können. Drittens haben wir viele Informationen über Organisationen, Einrichtungen, Vereine und Projekte bekommen.“
Besonders gefallen habe ihm, dass es einen ersten Probetermin gegeben habe, wo Interessierte sozusagen reinschnuppern konnten, ob dieses interkulturelle Training ihnen zusagen oder nicht. Ihm hat es offenbar gefallen, „und ich war immer sehr pünktlich, auch wenn ich die weiteste Anreise hatte“.
In der Schlussrunde mit abschließenden Bemerkungen der einzelnen Teilnehmer meinte einer, der schon länger in Österreich lebt, nicht genannt und auch nicht auf einem Foto sein wollte: „Ich hab vorher schon zwei Mal Nein zu diesem Kurs gesagt, als der jetzige Durchgang begonnen hat und Shokat wieder gefragt hat, hab ich gesagt: Naja, schaust dir das einmal an. Und es waren tolle Gespräche und Diskussionen in einem offenen, vertraulichen Raum, hat mir doch einiges gebracht.“
Er wünsche sich eine Fortsetzung, sozusagen Aufbau-Module, „da sollten dann aber nicht nur Afghanen, sondern auch Einheimische dabei sein, um mehr kulturellen Austausch zu haben“, schlägt er vor.
In diesen vier Workshops gab es immer nur einen Österreicher als einen Teil des Leiter-Tandems, beim KiJuKU-Besuch David neben dem schon oben erwähnten Mahmoud, der Sozialarbeiter bei „Rettet das Kind“ im Bereich gewaltbereiter Jugendlicher ist. Bei den Frauen leiteten Caro und Arezu die Workshops.
Nach Rotkäppchen und Froschkönig nun „ein Nicht-Märchen“ Nummer 3 des Duos Petra Piuk (Text) und Gemma Palacio (Illustrationen). „Schneewittchen pfeift auf Prinzessin“ heißt das jüngste witzige Buch, das ausgehend von einem bekannten Märchen die Geschichte in die Gegenwart verlegt und vom Kern her gegen den alten Strich bürstet.
Das Mädchen mit den langen schwarzen Haaren hat hier auch einen echten Namen – Sara. Die wohnt mit dem Vater und seiner neuen Lebensgefährtin in der Schloss-Gasse. Adele, so die neue Partnerin des Vaters schaut zwar nicht dauernd in den Spiegel, sondern auf ihr Smartphone für „Selbies“. Kriegt dafür nicht so viele Herzerln wie sie gern hätte, dafür umso mehr für Fotos, auf denen sie sich Sara mit ins Bild rückt.
Ein Fernsehsender ruft zu einer „Kaasding“-Show auf – viele der englischsprachigen Begriffe werden im Buch so ähnlich geschrieben wie viele sie aussprechen. Welches Kind schaut am ehesten aus wie Schneewittchen. Adele meldet – ohne mit ihr zu reden – Sara dafür an, weil sie hofft auf Umwegen mit berühmt werden zu können.
Sara ist sauer. Doch ihre Stoff-Eule meint, wenn sie mitmachen würde, hätte sie wenigstens eine Zeitlang Ruhe vor Adele…
Die sieben Zwerge aus dem Märchen sind hier sieben andere Kinder, die für diese Show angemeldet sind – und alle gern gewinnen würde. Was Sara überhaupt nicht will. Sie schneidet sich sogar die Haare ab und färbt sie sich – auf einer dieser Seiten findest du ihr gezeichnetes Porträt mit der Bitte, dass du ihr im Buch die Haare bunt anmalst.
Sara will ja gar nicht wie Schneewittchen aussehen, kann es gar nicht ausstehen, wenn sie immer wieder so benannt wird – sie will einfach Sara, sie selbst, sein!
Und steckt damit die anderen Kinder durchaus erfolgreich an…
Was aber noch nicht das Ende der Geschichte ist – aber Überraschung soll auch noch bleiben. Verraten werden kann schon, dass du sozusagen als Nachtrag im Buch auch eine Bastelanleitung für eine einfache Stoff- oder auch „nur“ Karton-Eule findest.
Seit der Corona-Pandemie sind die Durch-Impfungsraten auch bei vielen anderen (Kinder-)Krankheiten stark zurückgegangen. Und nach wie vor – auch bei den Covid-Impfungen gibt es einen tiefen Graben zwischen globalem Norden und Süden. Dies ist das zahlenmäßige Ergebnis einer Untersuchung von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef.
Mitte Juli veröffentlichten sie Schätzungen, die auf den von den Ländern gemeldeten Daten zu Impfungen gegen 14 Krankheiten aufbauen, die im Rahmen der regulären Gesundheitssysteme verabreicht werden – normalerweise in Kliniken, Gemeindezentren, aufsuchenden Diensten oder bei Besuchen von Gesundheitspersonal. Für das Jahr 2023 wurden Daten aus 185 Ländern zur Verfügung gestellt. Demnach stagniert der weltweite Durchimpfungsgrad bei Kindern im Vorjahr (2023), so dass im Vergleich zum Stand vor der Pandemie im Jahr 2019 2,7 Millionen zusätzliche Kinder nicht oder nur unzureichend geimpft sind.
Die Zahl der Kinder, die im Jahr 2023 drei Dosen des Impfstoffs gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP) erhalten haben – ein wichtiger Indikator für die weltweite Durchimpfung – lag bei 84 % (108 Millionen). Die Zahl der Kinder, die keine einzige Dosis des Impfstoffs erhalten haben, stieg jedoch von 13,9 Millionen im Jahr 2022 auf 14,5 Millionen im Jahr 2023. Darüber hinaus haben 6,5 Millionen Kinder ihre dritte Dosis des DTP-Impfstoffs nicht erhalten, der für den Schutz vor Krankheiten im Säuglings- und Kleinkindalter erforderlich ist.
Diese Trends, die zeigen, dass die weltweite Durchimpfungsrate seit 2022 weitgehend unverändert geblieben ist und – was noch alarmierender ist – noch immer nicht wieder das Niveau von 2019 erreicht hat, spiegeln die anhaltenden Herausforderungen wider, die mit Unterbrechungen der Gesundheitsversorgung, logistischen Herausforderungen, Impfstoffzurückhaltung und ungleichem Zugang zu Dienstleistungen verbunden sind. Die Daten zeigen auch, dass die Impfquoten gegen die tödliche Masernerkrankung ins Stocken geraten sind, so dass fast 35 Millionen Kinder nicht oder nur teilweise geschützt sind.
Im Vorjahr erhielten nur 83 % der Kinder weltweit ihre erste Dosis des Masernimpfstoffs im Rahmen der routinemäßigen Gesundheitsversorgung, während die Zahl der Kinder, die ihre zweite Dosis erhielten, im Vergleich zum Vorjahr geringfügig anstieg und 74 % der Kinder erreichte. Diese Zahlen reichen nicht aus, um eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent zu erreichen, die notwendig ist, um Ausbrüche zu verhindern, unnötige Krankheiten und Todesfälle zu vermeiden und die Ziele der Maserneliminierung zu erreichen.
In den vergangenen fünf Jahren wurden 103 Länder von Masernausbrüchen heimgesucht, in denen etwa drei Viertel der Kleinkinder der Welt leben. Eine niedrige Durchimpfungsrate (80 % oder weniger) war ein wichtiger Faktor. In 91 Ländern mit einer hohen Durchimpfungsrate kam es dagegen zu keinen Ausbrüchen.
„Masernausbrüche sind der Vorbote, der Lücken im Impfschutz aufdeckt und ausnutzt und die Schwächsten zuerst trifft“, sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Generaldirektor. „Dies ist ein lösbares Problem. Der Masernimpfstoff ist billig und kann selbst an den schwierigsten Orten verabreicht werden. Die WHO ist entschlossen, mit allen ihren Partnern zusammenzuarbeiten, um die Länder dabei zu unterstützen, diese Lücken zu schließen und die am meisten gefährdeten Kinder so schnell wie möglich zu schützen.“
Mehr als die Hälfte der nicht geimpften Kinder lebt in den 31 Ländern mit fragilen, konfliktbetroffenen und gefährdeten Verhältnissen, in denen Kinder aufgrund von Unterbrechungen und fehlendem Zugang zu Sicherheits-, Ernährungs- und Gesundheitsdiensten besonders anfällig für vermeidbare Krankheiten sind.
Die neuen Daten zeigen auch einige positive Beispiele bei der Durchimpfungsrate. Durch die kontinuierliche Einführung neuer und bisher wenig genutzter Impfstoffe, u. a. gegen humane Papillomviren (HPV), Meningitis, Pneumokokken, Polio und Rotaviren, wird der Impfschutz weiter ausgebaut, insbesondere in den 57 Ländern, die von Gavi, der Vaccine Alliance, unterstützt werden.
So ist beispielsweise der Anteil der jugendlichen Mädchen, die weltweit mindestens eine Dosis des HPV-Impfstoffs erhalten haben, der vor Gebärmutterhalskrebs schützt, von 20 % im Jahr 2022 auf 27 % im Jahr 2023 gestiegen. Dies ist vor allem auf die starke Einführung in den von Gavi unterstützten Ländern wie Bangladesch, Indonesien und Nigeria zurückzuführen. Die Verwendung des HPV-Impfschemas mit nur einer Dosis trug ebenfalls dazu bei, die Durchimpfungsrate zu erhöhen.
„Der HPV-Impfstoff ist einer der wirksamsten Impfstoffe im Portfolio von Gavi, und es ist unglaublich ermutigend, dass er jetzt mehr Mädchen erreicht als je zuvor“, sagte Dr. Sania Nishtar, CEO von Gavi, der Vaccine Alliance. „Da die Impfstoffe nun für mehr als 50 % der in Frage kommenden Mädchen in afrikanischen Ländern zur Verfügung stehen, bleibt noch viel zu tun, aber wir können heute sehen, dass wir einen klaren Weg zur Ausrottung dieser schrecklichen Krankheit haben.“
Die Durchimpfungsrate gegen HPV liegt jedoch weit unter dem Ziel von 90 %, um Gebärmutterhalskrebs als Problem der öffentlichen Gesundheit zu beseitigen. In Ländern mit hohem Einkommen werden nur 56 % der jugendlichen Mädchen geimpft, in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen 23 %.
Eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter mehr als 400.000 Nutzerinnen und Nutzern der digitalen UNICEF-Plattform für junge Menschen, U-Report, ergab, dass mehr als 3/4 nicht wissen oder nicht sicher sind, was HPV ist, was die Notwendigkeit einer besseren Zugänglichkeit von Impfstoffen und einer stärkeren Sensibilisierung der Öffentlichkeit unterstreicht. Als sie über das Virus, seinen Zusammenhang mit Krebserkrankungen und die Existenz eines Impfstoffs informiert wurden, gaben 52 % der Befragten an, dass sie den HPV-Impfstoff erhalten möchten, aber durch finanzielle Einschränkungen (41 %) und mangelnde Verfügbarkeit (34 %) daran gehindert werden.
Während in einigen Regionen, einschließlich der afrikanischen Region und der Länder mit niedrigem Einkommen, bescheidene Fortschritte zu verzeichnen sind, machen die jüngsten Schätzungen deutlich, dass die Anstrengungen beschleunigt werden müssen, um die Ziele der Immunisierungsagenda 2030 (IA2030) zu erreichen, nämlich eine Impfquote von 90 % und nicht mehr als 6,5 Millionen Kinder ohne Impfung weltweit bis 2030.
Der IA2030-Partnerschaftsrat ruft zu verstärkten Investitionen in Innovation und kontinuierliche Zusammenarbeit auf. Der Rat empfiehlt den Partnern außerdem, die Führungsrolle der Länder bei der Verbesserung der Routineimpfungen im Rahmen ihrer integrierten Programme für die medizinische Grundversorgung stärker zu unterstützen, und zwar mit solider politischer Unterstützung, kommunaler Führung und nachhaltiger Finanzierung.
„Die neuesten Trends zeigen, dass in vielen Ländern weiterhin viel zu viele Kinder nicht geimpft werden“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Um die Impflücke zu schließen, bedarf es einer globalen Anstrengung, bei der Regierungen, Partner und lokale Entscheidungsträger in die medizinische Grundversorgung und in die Gemeindearbeiter investieren, um sicherzustellen, dass jedes Kind geimpft wird und dass die Gesundheitsversorgung insgesamt gestärkt wird.“
Nibelungenlied – Machtkämpfe, Intrigen, Rache – mit vor allem Jahr(zehnt)e später viel Blut. Auch wenn das mittelalterlichen Helden-Epos darum kreist, müssen Inszenierungen nicht immer die Grausamkeiten ins Zentrum rücken. So schon ges(ch)ehen in etlichen Produktionen – nicht nur, aber vor allem – für junges Publikum: In der Reihe Classics for Kids im Wiener Rabenhoftheater (2017), in einer flotten Road-Trip-Version des NÖ-Landestheaters in der Bühne im Hof St. Pölten (2020), bei den Do-it-Yourself-Stummfilmszenen mit Schüler:innen im Grazer taO! (Theater am Ortweinplatz; 2018) oder als sarkastisch-ironisches Solo von Justus Neumann in seinem „Circus Elysium“ im Wiener MuseumsQuartier (2011) bei der er in Sekunden(-Bruchteilen) von einer in die andere Rolle schlüpft, weil alle handelnden Personen er selbst spielte.
Aber so weichgespült wie die Fantasy-Musical-Version von teatro, die Mitte Juli im Stadttheater Mödling ihre vielumjubelte Premiere feierte, war wohl noch keine. Selbst der von Hagen „getötete“ Siegfried feiert Auferstehung – besser geschrieben ist am Ende nur schwerst verletzt, aber nicht tot.
In großartigen Tanz-Choreos und Gesängen erzählen die teils noch jugendlichen ebenbürtige mit den erwachsenen professionellen Darsteller:innen „Das Lied der Nibelungen“ in einer romantisierten Version im Look (Kostüme: Brigitte Huber
Maske: Renate Harter) eines Fantasy-Musicals. Norbert Holoubek (Buch und Regie) verrät im – wie immer umfangreichen – Programmbuch (stets mehr als ein Heft), dass er den ersten Akt nachdem er ihn geschrieben hatte, kübelte. „Im Original ist Siegfried von Anfang an selbstbewusst, stark, naiv, aber ohne Selbstzweifel oder offensichtliche Probleme. So war er auch bei mir zu Beginn des Schreibens, bis ich plötzlich dachte, so ist ja kaum Entwicklung möglich…“
Und so ist der Siegfried (Benjamin Oeser), der hier übrigens von einem Drachen gebracht wird, nachdem seine Eltern keine Kinder kriegen konnten, alles andere als ein Held – „unsicher, schüchtern, ängstlich“. Aber er hat eine gute Fee – Nimmermehr (Lara Pauser) -, die ihn beschützt, leitet, warnt… Und ihm hilft zu seinen Zaubermitteln zu kommen: Ring, Tarnkappe und das Super-Schwert (Balmung heißt es im Original). Das muss er im Wettstreit mit Brunhild (Carolina Murg) aus dem Felsen ziehen (Anklang an König Artus‘ Excalibur). Ohne einander zu kennen oder voneinander zu wissen, wer die/der andere ist, scheint es aber zwischen den beiden – für einige Stunden – zu funken.
Der Wormser König Gunther (Tobias Hornik-Steppan) will diese sagenhafte Brunhild von Isenland heiraten und er will seine Schwester Kriemhild (Anna Fleischhacker) unter die Haube bringen. Die hat ganz und gar keine Lust, ihre Freiheit und Unabhängigkeit aufzugeben. Da bedroht ein Drache Worms. Hagen (David Paul Mannhart) zieht in den Kampf – weil Gunther die Hand seiner Schwester dem Drachentöter versprochen hat (natürlich ohne deren Einwilligung). Aber, genau – Siegfried hat die Sache erledigt.
Und siehe da, genau, weil der sich nicht wie so ein Klischee-Held aufführt, findet Kriemhild an ihm Gefallen. Und er an ihr…
Gunther will eine Doppelhochzeit, Siegfried-Kriemhild sowie er und Brunhild. Die aber möchte – ähnlich wie Kriemhild – frei und unabhängig bleiben. Wenn überhaupt, dann heirate sie nur einen Mann, der sie in verschiedenen Disziplinen wie Speerwurf usw. besiege. Weil er von vornherein schätzt, dass er das nicht schaffen werde, überredet Gunther den Siegfried ihm mit seiner Tarnkappe zu helfen. Ein wenig Skrupel hat er schon, aber er will Kriemhild heiraten… also steigt er auf den Betrug ein…
Brunhild weiß zwar nicht wie, aber ahnt, dass da irgendwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann… Und das bringt Murg mit unglaublich überzeugender Miene und Körperhaltung zum Ausdruck.
Apropos Brunhild: Die in vielen Bühnen- und Film-Versionen oft recht unsympathisch gezeichnete Figur – weil starke Frau? – ist hier ganz anders konzipiert. Noch stärker als Kriemhild ist sie als emanzipierte noch dazu Power-Lady angelegt. Lediglich ein Song, in dem sie sich fast sehnsüchtig verzehrt nach dem unbekannten Mann verzehrt, mit dem sie um das Schwert im Felsen gerungen hat, passt so gar nicht dazu: „Finde mich, ich wart auf dich…!“ passt so gar nicht zu ihrem Naturell. So wie sie strukturiert ist, würde sie doch, wenn sie sich so sehr in ihn verliebt hat, eher nach ihm suchen, als tatenlos zu warten, oder?
Nicht nur sie, auch die anderen Darsteller:innen beherrschen nicht nur ihre tänzerischen Bewegungen und ihre Gesänge, sondern mitunter auch kleinste mimische und gestische Momente, die entweder viel sagen oder auch für den einen oder/ und anderen Lacher sorgen. Die Inszenierung – ca. 2½ Stunden netto; mit einer Pause nicht ganz 3 Stunden – lebt immer wieder auch von humorvollen Szenen und Elementen. Wenngleich einer knapp nach Beginn bei der Premiere nicht freiwillig war: Als Ausgleich für das Baby Siegfried muss sein Vater König Siegmund sterben. Norberto Bertassi, „Vater“ auch der ganzen Gruppe teatro, spielt diesen, kommt aber zur Sterbeszene ein bissl zu spät und klettert erst auf das Totenbett also alle schon auf dieses starren. Praktisch alle im Publikum, einschließlich Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hielten das für einen der liebevollen bewussten humorvollen Gags. Nur dem Regisseur hat’s weniger gefallen.
Auch wenn sie jetzt hier nicht einzeln aufgezählt werden – in der Info-Box sind sie alle genannt: Neben den genannten Figuren und deren Darsteller:innen runden Nornen, Rheintöchter, Burgfräuleins, Rheintöchter und nicht zuletzt die überbefürsorgte Heldenmutter Sieglinde (Katharina Lochmann) das beachtliche Ensemble ab – und stehen in ihren Leistungen den Hauptfiguren um nichts nach. Zwei seien aber schon noch extra erwähnt: Als Art Schutzengel gibt Sieglinde ihrem Sohn auf seiner Abenteuerreise – der Suche nach sich selbst – zwei Helferleins mit auf den Weg, die der Autor und Regisseur erfunden hat: Tilda (Emily Fisher) und Adalmar (Konstantin Pichler). Mit Charme und Witz – vor allem Letzterer fast hofnarrenmäßig – spielen sie teils ironisch Retter:innen. „Ich weiß nicht, ich werde immer so besetzt. Aber das passt gut zu mir, wie ich auch in echt bin“, meint er in der Pause zu KiJuKU.
Zu Musicals von „teatro“ gehört Musik, die eigens dafür komponiert – und live bei jeder Vorstellung gespielt wird. Sonja Equiluz, Stephan Först, Andreas Grünauer, Sandra Kugler, Christine Lochmann, Hanna Mikschicek, Wilfried Modlik, Alexander Rauscher, Wolfgang Wehner, Katrin Weninger und Elisabeth Zeisner (alphabetisch geordnet) spielen mit Bass, Gitarre, Schlagzeug, Klarinette, Saxophon, Keyboard, Posaune, Querflöte und Violoncello unter der Leitung von Walter Lochmann, die die von Intendant Bertassi komponierte Musik auch arrangiert hat.
Und heuer ist das – im Hintergrund der Bühne spielende – Orchester mehrmals im Stück zu sehen. Die neue LED-Wand macht unter anderem ein neues Interagieren mit den eingeblendeten Bildern im Hintergrund – und eben auch dem Durchscheinen – möglich. „Die Darsteller:innen können viel näher ran, weil sie die Projektionen nicht im Gesicht haben“, freut sich der Regisseur.
Und trotz schon bisheriger toller Projektionen (Moritz Mausser) haben diese heuer eine völlig neue Qualität erreicht. Und dafür zeichnet der 17-jährige Tobias Hornik-Steppan verantwortlich. Er spielt, singt und tanzt König Gunther und hat die teils total realistischen (Wald) und dann wieder Fantasy (Schlösser und Burgen – außen sowie innen) 3D- teils animierten Bilder am Computer geschaffen.
Der HTL-Schüler (Spengergasse, Wien) hat teilweise auch Künstliche Intelligenz dafür verwendet. „Das Rendern von dreidimensionalen Bildern dauert oft sehr, sehr lange“, sagt er in der Pause zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Die bringt einen Zeiteffekt, weil du oft nicht alle Einzelbilder zeichnen musst, sondern die KI die Bilder dazwischen berechnet.“
Sehr intensiv sei das schon gewesen, eine (gar nicht zu kleine) Rolle zu spielen und gleichzeitig die Grafik für die Projektionen zu gestalten und schaffen. „Aber es war sehr interessant und toll, weil das auch einen Einfluss auf den gesamten Look des Musicals hatte und hat.“
Neben Schauspiel, Gesang, Tanz und eben computergenerierter Gestaltung des Bühnenbildes dreht Tobias Hornik-Steppan selber Filme und Videos – u.a. den sehr sehenswerten Trailer zum Musical – siehe Info-Box.
Alle sind auch Siegfried – Raod-Trip in St. Pölten <- damals noch im Kinder-KURIER
DIY-Nibelungenlied als Stummfilm-Szenen <- noch im Kinder-KURIER
heldenmut-drachenblut-tut-lachen-gut <- damals noch im Kinder-KURIER
Fast als wäre sie ihr am Kopf angewachsen „wandert“ die Schnecke auf den ersten Seiten durch das Bilderbuch „Da war ich noch nie!“ Und damit legt auch schon der Titel nahe, dass es nicht so bleiben wird. Die (fast) flugunfähige Lauf-Ente kann sich nicht in die Lüfte erheben. Vor allem wenn im Herbst die Zugvögel in den Süden fliegen packt die Schnecke auf Entes Kopf die Sehnsucht…
Würde aber auch schon eine flugfähige Gans reichen oder vielleicht sogar nur ein Pferd – bessere Aussicht, weiter kommen – wohin wo sie noch nie war!
Irgendwann kriecht die Schnecke – immer natürlich samt ihrem Haus – sanft und fast unbemerkt von der Ente über die Wiese auf einen Baum und dort hinauf. Wowh! Diese Aussicht. „Das muss ich Ente zeigen“, lässt Autor Daniel Fehr die Schnecke denken, denn „ihr würde das auch gefallen!“
Und so kriecht Schnecke den ganzen Weg zurück. Dass dies natürlich bei ihrem Tempo dauauauauert macht Illustratorin Raffaela Schöbitz mit einer Zwischen-Doppelseite in Blautönen für die nächtliche Wanderung unaufdringlich sichtbar…
Aber Ente hat noch ein weiteres Ziel im Auge – eines wo beide noch nie waren 😉
Ein Mix aus Geggis, Romeo & Julia und ein bisschen kleiner Prinz – so könnte am ehesten und leichtesten „Ljubičasto“ erklärt werden. Als großes Tanztheaterstück in Kroatien von Profi-Schauspieler:innen und -Tänzer:innen gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen auf der Bühne im Nationaltheater von Varaždin gespielt, gastierte eine konzertante Version mit einem Musik-Duo und zwei der Tänzer:innen beim Kultursommer in Wien.
Iris vom Stamm / der Familie der blauen Schwimmer:innen und Mak von den roten Springer:innen verlieben sich ineinander. Ihre Familien mögen das ganz und gar nicht. Das Liebespaar haut deswegen vom Heimatplaneten Đumbatron ab. Irgendwann machen sich die jeweiligen Eltern auf die Suche nach ihren Kindern und landen auf unterschiedlichsten Planeten mit gewöhnungsbedürftigen Bewohner:innen. Die einen sehen fast nichts, weil sie ihre Pony-Frisuren lange wachsen lassen und ihre Augen so hinter einem Vorhang sind… Auf der Erde treffen sie auf Smombies (Smartphon-Zombies), die wiederum nix checken, weil sie beim Gehen in ihre – genau – starren!
Und als sie letztlich wieder zu Hause landen, spielen alle roten und blauen Kinder friedlich miteinander.
Und was ergibt blau und rot?
„Ljubičasto“ heißt in den Sprachen Bosnisch, Kroatisch, Mazedonisch, Serbisch und Slowenisch „lila“! Und spannenderweise – sicher nicht ganz unbeabsichtigt – heißt der erste Teil in einigen der genannten Sprachen Liebe, in den anderen küssen!
In Originalsprachen gesungen und gespielt, tanzte Hedera Perhaj die Iris und Endi Schrotter den Mak. Vanesa Petrac als Sängerin in Weiß versuchte hin und wieder das Publikum – davon hätte sich das Tanz-Konzert schon einiges mehr verdient – zum Mitmachen zu animieren. Ihr ebenfalls weiß gekleideter Musiker-Kollege Ivan Marojević spielte Gitarre, vor allem aber Elektronik.
Eine höchst stimmige Performance vom VRUM Performing Arts Collective, das schon viele Stücke auch für den Dschungel Wien entwickelt hat. Noch dazu ein so organisches sinnliches Plädoyer für Brücken bauen, wo andauernd Gräben aufgerissen werden. Wäre spannend die Vollversion – egal ob in Originalsprache, zweisprachig oder mit Übersetzungen zu erleben!
Tanzende Bilder? Oder wollen einfach die „gemalten“ lebendigen Menschen raus aus ihrem Rahmen? Vielleicht auch „nur“ die Aufmerksamkeit der feinen Dame erregen, die dann in die Galerie stolziert? Und ist der Rahmen, den sie auf dem Boden findet, nicht zu klein für ihre große Persönlichkeit?
Mit „Galerie der Träume“ gastierte eine Kooperation aus der Gruppe Lemour (Miriam und Sarah Kerneza, Ben Petermichl) und dem Solo-Jonglage-Clown Marijan Raunikar beim Wiener Kultursommer – und ist mit diesem Programm diese Woche noch beim Kultursommer in Wr. Neustadt (Niederösterreich, wenige Minuten vom Bahnhof entfernt – siehe Info-Block) zu erleben.
Ganz ohne Wort kommen die vier Künstler:innen aus – erzählen mit ihren, teils akrobatischen, Bewegungen kunstvolle, verträumte, poetische Geschichten. In die können die Zuschauer:innen jeden Alters durchaus Unterschiedliches hinein-interpretieren oder aus ihnen herauslesen. So ziemlich alles ist möglich.
Da steigen die einen und anderen aus Rahmen heraus, in andere hinein oder hindurch. Neben ihren Körpern und deren Bewegungen erzählen sie viel aber auch mit ihren Augen – diese Blicke! Dieses lautlose Brüllen!
Neben den Rahmen-Handlungen, dreht sich eine lange Szene auch um – ebenso wortlose – Missverständnisse und Streitereien des Trios Lemour (ein Mischwort aus einem Lemur-Äffchen und dem französischen Wort für Liebe Amour) bei einem gemeinsamen Essen. Auch zu erleben: Über weite Strecken gekonnt ungeschickte Jonglier-Künste Marijan Raunikars, bevor er – wie zu erwarten – natürlich auch fünf Bälle gleichzeitig in der Luft halten kann 😉
Himmelhoch fliegen und tief unten in Eiseskälte schwimmen – zwischen diesen beiden Extremen schwanken vor allem die Gefühle Mauras, der Mutter von Julia. Die Jugendliche aus Cornwall verbringt mit Mutter, Vater Dan und Katze Nudel einige Wochen auf Unst, der nördlichsten der zu Schottland gehörenden Shetlandinseln. Uffle Gent heißt der Leuchtturm in dem sie wohnen. Vater, ein Elektrotechniker und Zahlen-Fan, muss dort dringend das Leuchten wieder in Gang setzen. Mutter, Meeresbiologin, hofft hier auf einen uralten Grönlandhai zu treffen. Die verlangsamten Bewegungen dieser bis zu 400 und mehr Jahre werdenden Haie könnten auch Erkenntnisse für die Medizin für Menschen bringen…
Maura hat aber auch schon über das Schwarmverhalten von Staren geforscht.
Nun, Julia erlebt einerseits die aus vielen Sommer-Jugendromanen bekannte Situation, nicht gerade freiwillig irgendwo abseits der gewohnten Umgebung Wochen verbringen zu müssen. Samt Erkundung und/oder Anfreundung bzw. Abneigung mit Altersgenoss:innen des neuen Ortes. Spannende Begegnungen mit Kin(shuk), der ihr die Faszination des Blicks in den nächtlichen Sternenhimmel vermittelt. Womit ihr Horizont noch einmal um eine unendliche Dimension erweitert wird.
Daneben aber erlebt sie Streit der Eltern – weil die Forschungsreise der Mutter nicht von der Uni finanziert wird -, Wickel mit Jungs der Insel, die Kin mobben und damit nun auch sie und zu allem Überdruss auch noch die psychische Krankheit (bipolare Störung) ihrer Mutter – ohne dass die Eltern ihr davon erzählen. Obendrein unternimmt sie selbst eine abenteuerliche Fahrt mit dem Boot, das ihre Mutter gekauft hat…
Das alles sind aber „nur“ die äußerlichen Eckpunkte des knapp mehr als 200-seitigen Romans von Kiran Millwood Hargrave (Übersetzung: Alexandra Ernst). Die tiefergehenden – ihrer eigenen Gefühle sowie die des Pendelns der Mutter zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt – erfühlt sie in eher traumartigen Sequenzen vor allem mit Bildern – vom Hai in der Tiefe und den Vögeln in den Lüften. Welche Symbolik!
Diese Bilder sind auch visualisiert – in Illustrationen von Tom de Freston. Und wie! Auf einer der Seiten besteht der Hai aus lauter kleinen Vögeln, auf einer anderen Doppelseite bilden Unmengen von Vögeln das Meer, in dem der Hai die Leerstelle ist. Illustrationen und Text bilden auf viiiielen der Seiten eine sehenswerte grafische Einheit – Bilder aus Zeichnungen und Buchstaben – schwarz, weiß, gelb reicht den Künstler:innen.
Ungewöhnlich für einen Roman, dass er nicht nur lesens-, sondern auch sehenswert ist – und vielleicht auch noch die einen oder anderen Bilder im Kopf erzeugt.
Der Akkordeonist Muamer Budimlić kommt aus dem zeltartigen Revier hinter der großen Platane im kleineren Innenhof des Volkskundemuseums hervor, nimmt seinen angestammten Platz auf einem Sessel neben der Bühne ein und beginnt zu spielen. Zunächst begleitet er den kunstvoll tollpatschigen Auftritt Kari Rakkola mit zwei großen Plastikkübeln und einem Besen. Bis der sich auf die Bühne hinauf-slapstickt – samt Kübel über dem Kopf – wirken auch die Töne fast unbeholfen, übend – aber durchblitzen lassend, dass dahinter großes Können steckt – so wie beim gekonnten ungeschickt-Agieren des Schauspielers.
Im Laufe der nächsten rund 1¼ Stunden sammelt der Spieler fünf Mitstreiter:innen im Widerstand gegen den König, der alle Freigeister einsperren oder verbannen lässt. Er selbst outet sich als Mix aus Loser und Opfer – und bringt damit wie jedes Jahr auch so manche Anspielungen aus der realen Welt Österreichs ins Spiel: Lehrling bei Konsum, gearbeitet bei AUA, Lauda-Air, im Dianabad, bei der Commerzialbank Mattersburg, Gastronom Martin Ho und nicht zuletzt bei Signa. Als Kritiker an den Verhältnissen wird er zur Gefahr erklärt, landet im Gefängnis – wie auch einige andere. Unter anderem die künstlerischen Poetry-Zwillinge Esther (Hanna Victoria Bauer) und Williams (Maria Balder). Die können aber nicht nur dichten, sondern auch heftig eiskalte Winder herbeiblasen. Der stärkste Mann der Welt (Carlos Delgado Betancourt) verhilft den Gefangenen zur Freiheit. Auf dem weiteren Weg begegnen sie einer Frau (Deborah Gzesh), die verstehen kann, was Bäume und alle anderen Pflanzen sprechen – und das sei viel inhaltsreicher als Klatsch und Tratsch, den sich Tiere zuraunen. Zu guter Letzt treffen sie auf einen gar scheuen, ängstlichen, jungen Mann (Stephan Pointner). Der kann rennen!
Mit so viel Talent, werden sie doch gemeinsam durch die Welt kommen, wenngleich er selbst nur eines könne: Böse, grimmig Dreinschauen – aber auch das überzeugt das Publikum 😉
Der König (Deborah Gzesh) will seine Tochter (Carlos Delgado Betancourt) verheiraten. Mögliche Prinzessinnen-Gemahle müssten mit ihr selbst in Wettbewerben gewinnen. Wer verliert: „Rübe ab!“
Das Team meldet sich gemeinsam. Den ersten Wettkampf im Laufen, sogar im erschwerten Sackhüpfen – klar, da war die Prinzessin gegen den Raser Zweite. Also noch ein Bewerb. Kunst-Schwimmen. Mit vollstem Körpereinsatz warfen sich die Teammitglieder in Badeanzügen im Uralt-Style, gestreift und Body-Suits, in ein schmales Rinnsal in einer riesigen durchsichtigen Folie! Und zum Drüberstreuen noch ein Gedicht-Bewerb.
… dem König passt das nicht. Listig … – nein alles sei nicht gespoilert. Aber klar, Die Gemeinschaft schafft auch diese Herausforderung, verzichtet aber letztlich darauf, Schwiegersohn des Königs zu werden, verlangt viel „Gold“ – das aufgeteilt wird… Und will weiterziehen.
Liebe kommt dennoch ins Spiel. Und das Chanson „Youkali“, das Kurt Weill für seine Oper „Marie Galante“ im französischen Exil (er musste vor den Nazis flüchten) komponiert hat, den Text von Roger Fernay singen die Schauspieler:innen in mehreren Sprachen (Jiddisch, Spanisch, Englisch, Französisch, Finnisch, Deutsch), die das multikulturelle Ensemble teils als Erstsprache hat. Es drückt die Sehnsucht nach einem Land, „in dem wir alle Sorgen hinter uns lassen, es ist in sunerer Nacht wie eine Lichtung, der Stern, dem wir folgen…“
„Durch die Welt“ ist das zehnte Stück von Zenith productions im lauschigen Hof des Volkskundemuseums, das kürzlich für einige Wochen das „Haus der Republik“ im Rahmen der Wiener Festwochen war. Mal schmiedete das Ensemble (Konzept & Regie: Kari Rakkola, die Bühnenfassung er selbst meist gemeinsam mit Roland Bonimair) aus mehreren Märchen ein Theaterstück, dann wieder orientierten sie sich an Klassikern wie dem „kleinen Prinzen“, oder nehmen – wie heuer – als Grundlage ein weniger bekanntes Märchen her. Stets fällt die Wahl auf einen Stoff, mit dem sich Botschaften transportieren lassen, die nicht uralt, sondern ganz schön aktuell oder eben auch zeitlos sind.
Das heurige hat als weit in den Hintergrund tretende Vorlage „Sechse kommen durch die ganze Welt“ (Nummer 71 aus der Grimm’schen Sammlung), wobei viel eher sogar die eine oder anderer der Verfilmungen dieses Märchens (zuletzt vor rund zehn Jahren, aber auch schon Anfang der 70er Jahre in der DDR). Und der Stoff kommt auch in einem estnischen Märchen vor sowie sogar in orientalischen Märchen wie Rakkola zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nach der umjubelten Premiere am 10. Juli 2024 sagte.
Wie immer lebt auch das Stück in diesem Jahr nicht nur vom märchenhaften Stoff selbst, sondern vom unaufgeregten, berührenden Schauspiel (viele sind Stammspieler:innen, heuer allerdings auch zwei Neulinge, die gut ins Team passen) – und das im Wechsel- und Zusammenspiel mit dem schon eingangs genannten Live-Musiker. Wobei ergänzend auch heuer wieder – diesmal kleiner und im Hintergrund – eine skurrile Musikmaschine (von Paul Skrepek gebaut) spielt. Kostüme und Requisiten versprühen wie immer den Charme des low-budget-Selbstgeschneiderten, die auch „nur“ das Schauspiel unterstützen – professionell und doch so uneitel.
Der große alte Baum macht den Abend des heißen Tages einigermaßen erträglich. In dieser lauschigen Atmosphäre spielen die Zenith-Künstler:innen heuer – bis 28. Juli 2024 (Details siehe Info-Block am Ende) wie es scheint zum letzten Mal vor der länger dauernden Renovierung des Museums – was auch schon im Vorjahr angekündigt war 😉
Der blaue Vogel, 2019 <- damals noch im Kinder-KURIER
Schwarz-weiß gestreift das Zebra trägt es als die Regenzeit beginnt einen weißen, großen Schirm mit vielen kunterbunten, ausgefransten unterschiedlich geformten Klecksen. Schon auf der nächsten Doppelseite fragt eine Gazelle, ob sie da auch drunter darf.
So sicher wie das Zebra sie mit be-schirmt, so auch die Doppelseite für Doppelseite weiter ankommenden und anfragenden Tiere – Rhinozeros, Elefant… von Mal zu Mal wird der Schirm so groß, wie’s die Tiere brauchen – das zaubert Illustratorin Anuska Allepuz schon ohne dass es auch nur unnatürlich wirken würde.
Auch wenn Autor David Hernández Sevillano (Aus dem Spanischen auf Deutsch nacherzählt: Gesa Rensmann) die Geschichte in der Savanne ansiedelt, taucht auch eine Hasenfamilie auf – und ja, es gibt eine Savannen- oder auch Mosambik-Hasen genannte Art 😉
Doch plötzlich steht da ein Löwe – und das aufrecht auf seinen Hinterbeinen. Da wird’s eng unterm Schirm – trotz genügen Platz, rücken alle Tiere ganz nah aneinander, starren voller Angst auf das neue Tier. Und dann sagt das Zebra: „Du wirst nass. Komm unter den Schirm. Aber du darfst uns nicht fressen!“
Gesagt, getan – dennoch schauen auf der nächsten Doppelseite einige der anderen Tiere noch höchst skeptisch. Aber, ist ja ein Bilderbuch mit einer märchenhaften Geschichte und natürlich happy End.
Eines sei aber hier nicht gespoilert: Als der Regen aufhört, fragt der Löwe das Zebra, weshalb der Regenschirm bunt ist. „Oh, ich dachte, du wüsstest das!“ – Wusste er nicht, das Zebra verrät es – was hier sicher nicht zitiert wird 😉
Konzentriert sitzen sie an einem der Tische in einem großzügigen Raum der Universität für Angewandte Kunst. Geduldig falten Ella und Moira Seiten alter Bücher. Spitze Formen teils mit wegstehenden Eckerln. Nach und nach ergeben sich Bögen, Hügel. Moira dreht ihre bisher gefalteten Seiten in Richtung der Kamera von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Vorne bastle ich dann noch was dran, so dass das Ganze ausschaut wie ein Fuchs“, verrät sie schon vorab dem Journalisten.
Die beiden und noch weitere, die aus alten Büchern solche Skulpturen bauen, gestehen: „Viel Geduld brauch es schon.“ Ella ergänzt aber gleich: „Es macht aber auch Spaß, das ist schon mein drittes Buch, bei dem ich die Seiten falte.“
„Buch-Tag“ ist eine der knapp mehr als140 Lehrveranstaltungen der Kinderuni Kunst (Wien und Niederösterreich) mit insgesamt mehr als 2000 Plätzen für kreativ-hungrige Jung- und Jüngst-Studierenden. Und selbst bei diesem Workshop (Leitung: Claudia-Eva Dorfer) steht mehr auf dem Programm als der geschilderte Bau papierener Skulpturen. In einer anderen Ecke des Raumes köchelt Gießseife in Töpfen auf Herdplatten. Getrocknete Blütenblätter, flüssige Farben und Düfte und kleine Seifen in Schmetterlings-, Dino und anderen Formen entstehen – allesamt fast zu schön, um sich später einmal damit zu waschen.
Wieder andere Kinder – oder solche, die ihre Tätigkeit nun wechseln – verzieren hölzerne Schächtelchen mit bunten Steinchen. Beni und Mehmet basteln aus buntem Papier Fische, die sie an dünne Holzstäbe kleben. „Das sind fliegende Fische. Solche gibt es wirklich!“ Einer schaut aus wie ein Hai. „Die sind gar nicht so böse wie viele sagen“, weiß Benni, der auch drauflos sprudelt, „dass Kraken neun Hirne und drei Herzen haben, das hab ich bei einem Ausflug mit der Schule zum Kinder Literatur Festival gelernt“. (Buchreihe von Michael Stavarič und Michèle Ganser „Faszination Kraken und ebenso Quallen bzw. Hai – als nächstes kommen Wale.) Mehmet „fand die Idee cool, so etwas zu basteln, das ist einmal etwas ganz anderes!“
Anna, Leni, Anouk, Leonie und Leon malen jede und jeder einen hohen Turm auf ihre Zeichenblätter und Mädchen mit langen Haaren. Genau, die Gefängnisse von Rapunzel. „Weil es am leichtesten war, dieses Märchen zu zeichnen“, tönt es dem Reporter aus der Runde entgegen, „aber schon auch spannend“. Kurzfristig sind fast alle der fünf Zeichnerinnen aus dem Kurs „Meine Träume & Märchen ganz bunt“ (Leitung: Margit Pflaum) abgelenkt und tummeln sich auf dem Boden, wo Mina, die weiße kuschelige Hündin der Kinderuni Kunst-Leiterin Silke Vollenhofer, sich auf den Rücken legt, um sich streicheln zu lassen.
Davon lassen sich Florian, Benedikt, Marcel und William gar nicht aus dem Konzept bringen. „Wir malen Bilder zum Märchen Die drei kleinen Schweinchen (aus England, u.a. von Joseph Jacobs veröffentlicht). Aber bei uns malt jeder ein anderes Bild – Häuser, Hintergrund, Vordergrund, die laufenden Schweinchen“, erfährt KiJuKU.at
Auf die Frage, ob das leicht war, sich darauf zu einigen, wer was macht, meint William verschmitzt: „Naja ein bissi Streit gab’s schon, vor allem weil nie alle zugehört haben, als es darum gegangen ist.“
Anatol, Leo und Mila zeigen dem Journalisten Boote aus Styrodur und Holz – und sie lassen sie auch in einem der zwei schmalen mit Wasser gefüllten metallenen Kanäle schwimmen. Mila bläst ihren „Motor“, einen Luftballon auf, setzt den Kahn aufs Wasser und der Rückstoß der ins Wasser ausströmenden Luft treibt das Boot voran. Das Trio führt auch noch Boote mit anderem Antrieb vor: ein hölzernes Brettchen zwischen einem Gummiringerl eingeklemmt, drehen sie mehrfach um die Achse, sodass der Gummi eingezwirbelt wird. Halten, aufs Wasser setzen und das Brettchen dreht sich und das Gummiringerl aus, und bringt so das Boot voran. „Does ist sail?“ nannte sich diese Lehrveranstaltung der Kinderuni Kunst im Fachbereich Architektur (von Bence Pap geleitet).
Ein besonderes Boot führte Greta vor. „Das hat auch einen Motor, kann aber auch segeln!“, kündigt sie an. Nachdem der Brettchen-Antrieb ausgedreht ist, greift sie zu einem Fächer und erzeugt Wind, so dass die vielen kleinen Segel nun das Boot voranbringen – sogar bis ins Ziel am Endes des schmalen Kanals. „Das Boot heißt Gremal – aus unseren Namen Greta, Meryem und Alma. Wir haben das gemeinsam gebaut, aber die anderen zwei sind heute nicht mehr da.“
Das in diesem Abschnitt eingangs genannte Geschwister-Trio erzählt noch vom Beginn des Bootsbaus: „Am Anfang haben wir es uns nur schwer vorstellen können, wie das funktionieren soll. Aber es gab eine gute Präsentation der verschiedenen Schritte, dann haben wir Boote gezeichnet und in Gruppen daran gearbeitet.“
Im 5. Stock in einer Art unfreiwilligen Sauna sitzen die Kinderuni Kunst-Studierenden vor großen Computer-Monitoren und programmieren Spiele mit dem bausteinartigen vielen Kindern bekannten Werkzeug Scratch. Pina hat schon ewig lange, umfangreiche Codes. „Mein Dino ist auf Schatzsuche durch verschiedene Welten – Wüste, Felsen… und er muss dazwischen auch Futter fangen.“ Ein relativ großer roter Apfel ist schon fast in seinem Maul.
Auf dem Computer nebenan gestalten in „Kunst mit Code“ (Leitung: Andrea Ida Malkah Klaura, und Birgit Hertel) Sebi und Antonia Figuren – einen Bären mit spitzen, dünnen, pinken Zehennägeln, ein Huhn mit Gucci-Tasche, aufgespritzten Lippen, eine zauberhafte Fee mit High Heels. Ob sie später Teil eines Computerspiels werden, lassen sie noch offen.
Zwischen Katzenvideos am Beginn, für die es aber ziemlich viel rote Karten gab und süßen Hundebabys am Ende – von den Jung- und Jüngststudierenden mit einem spontanen „noch einmal!“ bewertet, kamen TikTok-Videos bzw. eines auf YouTube von österreichischen Politiker:innen auf den Screen. „Politik goes TikTok“ hieß die Auftaktvorlesung der Kinderuni Wien 2024. Darüber sprach Sophie Lecheler vom Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften mit den Kinderuni-Studierenden rund eine Stunde.
Bevor aber losging in den Hörsaal versammelten sich viele der Kinder – heuer in grünen T-Shirts – vor dem Hörsaalzentrum am Campus der Uni Wien, älteren Menschen noch als „Altes AKH“ bekannt. 10 – 9 – 8 … und so weiter. Countdown. Einmal Probelauf und dann beim zweiten Mal traten Kinder – und ein paar Erwachsene, darunter der Rektor Sebastian Schütze (so etwas wie Direktor:in in der Schule) und der Bildungsminister Martin Polaschek – mit Scheren in der Hand in Aktion, um ein rotes Band zu durchschneiden. Und damit die – mittlerweile 22. – Kinderuni Wien, an der sich die meisten Unis und einige Fachhochschulen beteiligen (die Kunstunis haben eine eigene Kinderuni Kunst – siehe Link am Ende und Info-Box), offiziell zu eröffnen.
Die oben erwähnten roten – und grüne – Karten lagen auf jedem Sitzplatz. Die Professorin wollte immer wieder die Meinung, Einschätzung oder auch Fakten ihrer jungen Student:innen erfahren. Immerhin hat die diesjährige Kinderuni Wien Partizipation, also Mitbestimmung als einen Schwerpunkt.
Zu den Fakten, die abgefragt wurden, zählte etwa, wer ein Handy hat und wer social Media nutzt – bei ersterem viele, bei zweiterem weniger grüne Karten.
So wie sich die Lehrende selbst mit Fotos – auch ihrer Kinder und deren Mediennutzung – vorstellte, so setzen Politiker:innen oft auf Persönliches in ihren Videos. Andere spielen mit Humor und fast schon Selbstironie – wie ein Tiroler Bürgermeister mit Tanz-Videos neben seinem Auto. Und dritte auch auf Gefühle – etwa der Bundespräsident im letzten Wahlkampf für Miteinander und Gemeinschaft.
„Das mit den verschiedenen Zielen, die Politikerinnen und Politiker bei ihren Videos haben, war für mich neu“, sagt Alex nach der Vorlesung zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Ich selber verwende keine sozialen Medien, aber manchmal schau ich bei meinen Eltern mit.“
„Warum der eine Politiker neben seinem Auto tanzt und davon ein Video machen lässt, hab ich nicht verstanden“, zeigt sich Alma über dieses Beispiel irritiert. Paul fand die Vorlesung „interessant“ – und da stimmten die Umstehenden gleich mit ein. Bevor sie schon wieder im Stress weiter mussten, meinte er noch schnell: „Ich habe heute gelernt, wieso Politikerinnen und Politiker TikTok einsetzen.“
So viele Jung-und Jüngst-Studierende (7 bis 12 Jahre) wie noch nie – 4505 – besuchen in dieser und der nächsten Ferienwoche mindestens eine der 344 Lehrveranstaltungen (Vorlesungen, Workshops und Seminare).
Darüber hinaus gibt es am Campus der Universität Wien Spielprogramm mit wienXtra, Mitmachstationen zum Schwerpunkt-Thema Mitbestimmung (Partizipation), ein Videostudio, im AKH sind auch noch das Teddybär-Krankenhaus und die Feuerwache mit dabei.
Auch Eltern dürfen studieren, zwar nicht gemeinsam mit den Kindern, aber in eigenen Veranstaltungen zu pädagogischen Fragen von Geld bis Digitales (letzteres mit Safer Internet und dem A1 digital.campus).
Wunderbare Bilder von Michèle Ganser aus dem spannenden, vielseitigen Sachbuch – für praktisch alle Altersstufen – „Faszination Haie“ wurden und werden ab Herbst wieder vielfach lebendig. Einerseits digital animiert als Projektionen auf die breite Türwand – im „Zirkus des Wissens“ an der JKU, der Johannes Kepler Universität, am Rande der oberösterreichischen Hauptstadt Linz (Animationen & LED Technik, Bühnenbild: Bermo – Lichtkunst in Bewegung in Zusammenarbeit mit Rafal Fresel und maker austria). Andererseits durch Schauspiel, Tänze, Gesänge.
Helix projects ist auf die Umsetzung von bebilderten Büchern in theatrale Performances spezialisiert – eine Besprechung von „Panzerschloss“ ist am Ende dieses Beitrages verlinkt. Und die beiden Vorgänger-Bücher von Michael Stavarič und Michèle Ganser – Kraken und Quallen – wurden ebenfalls schon dramatisiert und – wie nun die Haie – im „Zirkus des Wissens“ aufgeführt.
Gemeinsam mit rund 80 Kindern und Jugendlichen wurde die rund einstündige Show entwickelt. Einige von ihnen spielten und tanzten bei einer Zusatzvorstellung am vorletzten Schulnachmittag (die Ferien beginnen in West- und Südösterreich übrigens eine Woche später als in Wien/NÖ und Burgenland) auch selber mit. Ansonsten agieren auf der Bühne nur vor allem Christine Maria Krenn und Christian Scharrer sowie die teils Live-Musikerin Martina Kneidinger al. Mintha.
Zu manchen der Sachinformationen aus dem Buch haben sich die beiden Erstgenannten – gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen in Workshops – Szenen ausgedacht. So spielt Krenn eine Zahnärztin und Scharrer den Patienten, um zu erklären, dass Haie so etwas nicht brauchen, weil sie dauern neue Zähne kriegen, gemeinhin Revolver- nach Stavarič lieber Rolltreppen-Gebiss haben.
Für die Show – eine Koproduktion von Helix projects und der Zirkus des Wissens eine beachtliche, bewegliche dreidimensionale Hai-Figur bauen lassen, die nicht nur über die Bühne, sondern auch auf der Galerie und der Tribüne getragen auftaucht (Design und Bau: Roger Titley). Und gegen Ende der Show – bei kurzer Öffnung der Tür – in die Weiten – abtaucht; auch wenn’s dort kein Wasser gibt 😉
Lichtdesign (Andreas Berhmani) – nicht zuletzt durch Armbänder, die junge und jüngste Besucher:innen der Show dafür bekommen – und Soundeffekte (Sound: Julius Zwirtmayr) runden den Besuch phasenweise zu einem Eintauchen in ein Riesen-Aquarium ab. Märchenhafte Songs ließen sich die Kinder und Jugendlichen einfallen, so schwimmen am Ende einer jener Haie, die nicht Plankton, sondern durchaus Robben fressen und eine solche gemeinsam durch die Weiten der Meere.
Für diesen Song und die eine oder andere Szene werden auch Kinder aus dem Publikum mit auf die Bühne gebeten. Mitmachen können sie auch bei einem Suchbild-Rätsel aus dem Buch. Die beiden Protagonist:innen schlafen dabei stehend, weswegen das Publikum gebeten wird sehr leise die sieben Hai-Eier-„Sackerln“ an Pflanzen zu entdecken. Bei jedem „Treffer“ trötet allerdings die Musikerin recht lautstark – was dann doch einigermaßen irritiert.
Ebenso wie übrigens die nicht ganz korrekte Schreibweise der Namen von Autor und Illustratorin bei der Einblendung zu Beginn. Aber dies könnte bis zum Start der neuen Aufführungsserie im Herbst wohl noch korrigiert werden 😉
Fast eine Liebeserklärung an Haie ist das neueste, mittlerweile dritte Buch aus der Serie über faszinierendes Leben unter Wasser. In der selben Art und Weise – sowohl von den verschiedenen Textsorten und Elementen (Michael Stavarič) als auch der Illustration (Michèle Ganser) – drehen sich die meisten der 140 Seiten um jene – seit einigen hundert Millionen Jahren in den salzigen Gewässern schwimmenden Knorpelfische. Und weil sie eben Knorpel (wie unsere Ohrläppchen bzw. Nasen) statt Knochen haben, bleiben von ihnen höchstens Zähne übrig.
Apropos Zähne: Fällt einem Hai ein zahn aus, kommt von hinten ein neuer nach. Den dafür gängigen Begriff Revolvergebiss mag der Autor gar nicht und hat eine schöne andere Bezeichnung, die sich auch bildlich leicht vorstellen lässt, erfunden: Rolltreppen-Gebiss.
Im ersten Kapitel greift Stavarič auch die weit verbreiteten Ängste vor Haien auf. Und relativiert sie – anhand wissenschaftlicher Zahlen. „Es sterben durchschnittlich pro Jahr 24 Menschen daran, dass man ihnen einen Champagnerkorken auf den Kopf schießt, Toaster töten jährlich rund 700 Menschen und Blitze etwa 2000 Personen…. Aber alle berichten natürlich über 10 Haiunfälle …“ Diese Sätze sind von Seite 26 des Buches zitiert – anhand von Zahlen und Fakten aus 2016. In anderen Jahren sieht’s ähnlich aus. Im besagten Jahr starben rund 50.000 Menschen weltweit an Schlangenbissen, immerhin halb so viele an Folgen unguter Begegnungen mit Hunden und für 100 endete das Zusammentreffen mit Elefanten mit dem Tod.
Sehr stark beigetragen zu den fast weltweit verbreiteten Ängsten vor Hai-Angriffen hat die mit Oscars ausgezeichnete Verfilmung des Buches „Der weiße Hai“ (im englischen Original: „Jaws“ /Rachen) durch den damals jungen damit auch weltberühmt gewordenen Regisseur Steven Spielberg. Das Buch hatte Peter Benchley 1974 veröffentlicht, es wurde mehr als 20 Millionen Mal verkauft. Später bereute er seinen Erfolgsroman und fühlte sich (mit-)schuldig am schlechten Ruf von Haien. Wikipedia zitiert: „In einem Artikel für das Magazin National Geographic aus dem Jahr 2000 sagte Benchley, er würde den Roman heute nicht mehr schreiben. Das Tier sei nicht böse, sondern es verwechsle gelegentlich unvorsichtige Menschen mit Beutetieren. Er selbst versuchte bis zu seinem Tod, die Menschen über Haie aufzuklären und engagierte sich stark in der Meeresschutzbewegung.“
Zurück zu „Faszination Haie – Wächter der Meere“. Da erfährst du viel mehr, als eine oder einer beim ersten Mal lesen im Hirn behalten kann – von rund 520 Hai-Arten in acht Gruppen – unter anderem Teppich-, Engels-, Säge-Haie. Dass die nie aufhören zu wachsen. Dass die Grönland-Haie bis zu 400 und mehr Jahre werden können und sich urlangsam bewegen. Schlaf kennen die meisten nicht. Dafür haben sie zwei zusätzliche Sinne: Mit dem Seitenlinienorgan spüren sie kleinste Bewegungen im Wasser. Und mit dem Elektrosinn checken sie das Herz-Pumpen anderer Lebewesen, weil Muskeln und Hirn elektrische Felder erzeugen.
Die größten Arten (Wal- sowie Riesenhai) ernähren sich übrigens nur von Plankton. Der Weiße Hai frisst schon Fische, Robben und kann, wie andere Hai-Arten Menschen beißen, wenn er sie mit Beutetieren verwechselt, schwimmt aber nie auf Menschenjagd.
Apropos Größe: Natürlich stellt das Buch auch den kleinsten, den Zwerg-Laternenhai vor – 16 bis 20 Zentimeter – und damit kürzer als die Seite eines Schulheftes (A4) breit ist.
Dass manche Hai-Weibchen ihre Eier im Körper behalten und die Babys dort lebendig schlüpfen, bevor sie dann den Mutter-Körper verlassen und andere Arten ihre Eier in einer Art Sackler an Pflanzen im Meer hängen… und viiiiieles mehr findest du leicht lesbar in dem Buch.
So auch, dass nicht überall Haie als Bösewichter betrachtet werden. Das Buch zählt etwa in einem der speziell farblich hervorgehobenen Elemente „Für Schlauköpfe“ Inselvölker und -Kulturen auf, die sogar Hai-Götter haben – Hawaii, Fidschi-Inseln, Cook-Inseln, Aborigines in Australien…
Dazu wunderbare Zeichnungen – meist Schwarz-Weiß – der verschiedensten Haie, aber auch einen doch recht großen Zahn eines ausgestorbenen riesigen Hais, des Megalodon – von Michèle Ganser. Und wieder Suchbild-Rätsel und wie bei den Vorgänger-Büchern auch Reime, Redewendungen, Rätsel und 7 (Lieblingszahl des Autors) Wort-Witze von Kindern. Nach Kraken, Quallen nun der dritte Streich eines spannenden, abwechslungsreichen, aber auch unterhaltsamen Sachbuches, das dank der Illustrationen und der Gestaltung auch ein Kunstwerk ist.
Ach ja, der Untertitel des Buches „Wächter der Meere“: Einerseits gibt es Arten, die kranke Fische und andere Meerestiere verzehren, andererseits vertreiben beispielsweise Tigerhaie pflanzenfressende Meerestiere aus den Seegraswiesen. Und diese können, wie Bäume an Land, Kohlenstoff binden, also ein zu starkes Ansteigen der Klima-Erwärmung ein wenig aufhalten.
Eines sei noch verraten. Gegen Ende des Buches schreibt der Autor über einen weiblichen Hai. Forscher*innen haben sich tatsächlich mit einzelnen Individuen – ähnlich wie bei Walen – angefreundet und beobachten sie regelmäßig. Im Buch sind einige Instagram-Postings abgedruckt. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… glaubte, dass eben eine Forschungsgruppe einen solchen Account angelegt und befüllt hätte, recherchierte, fand etliche Accounts dieses Namens – auch mit einschlägigen Unterwasserfotos. Fragte aber sicherheitshalber beim Autor nach und Stavarič gestand: „Das ist ja alles erfunden!“
„Ich will nicht umziehen! Ich will nicht auf die Straße sehen. Ich will mein altes Zimmer behalten“, beharrt Emmi wütend.“
Die sechsjährige Hauptfigur dieses Bilderbuches soll – so wollen es die Eltern – ihr Zimmer dem jüngeren Bruder Max überlassen. Der ist gerade dabei selber gehen zu lernen und Emmis bisheriges Zimmer liegt gleich neben dem der Eltern.
Die ältere Emmi soll ein neues, größeres Zimmer kriegen. Aber – siehe die oben zitierten Sätze auf der ersten Seite von „Fee Shui und das neue Kinderzimmer“. Christiane Küster-Schneider und farbenfrohe Illustrationen von Martina Schachenhuber lassen mit Emmis Abneigung mitleben. Höchst ungemütlich ist der Beginn im neuen Raum. Viele Schachteln mit Spiel- und anderem Zeugs aus dem bisherigen Emmi-Leben stehen rum…
Natürlich taucht dann die Titelfigur Fee Shui auf. Und ebenso ist klar, dass der Name wohl was mit dem Begriff Feng Shui zu tun hat, den du vielleicht schon einmal gehört hast. Die Autorin bringt ihn ein wenig verquer ins Spiel. Ihre Fee käme von der „Insel Feng im blauen Ozean ganz weit weg … wir Bewohner beobachten die Natur seit über 5000 Jahren. Dort wird immer alles ausgeglichen.“
Und ohne allzu viel zu verraten, gibt’s wie zu erwarten ein Happy End und Emmi fühlt sich in dem nach und nach sich verwandelnden Zimmer wohl – wie und welche spannenden Dinge da nächtens stattfinden – das sei natürlich nicht verraten.
Vielleicht wäre neben der atmosphärischen, märchenhaften Vermittlung der Grundgedanken von Fēng Shuǐ auch der Einbau der Sachinformation möglich gewesen. Diese Idee kommt aus China, die beiden Wörter bedeuten Wind und Wasser. Ziel ist Mensch und Umgebung in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen – und nach diesem Motto Räume und Häuser zu bauen bzw. einzurichten. „Nach mystischen Vorstellung sollen mit Fēng Shuǐ „die Geister der Luft und des Wassers geneigt gemacht“ werden können.“ (Aus dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag.)
Vom Obstsalat bis zum Tiergedicht mit Kürzest-Reimen wie „Verzeih, sagte der Hai“ oder „Sei still“, sagt der Mandrill“ verbanden Studierende der Kinderuni Kunst an der MDW (Musik und Darstellende Kunst) Musik, Gesang und Bewegung. Vielfach in Kindergärten gesungen performten die Kinder beim Lokalaugen- und ohrenschein von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… kurz vor ihrer Pause noch einmal den Kanon mit Mango, Kiwi, Ananas und Banane. Viele Kinder kennen diesen (der Dennie Christian zugeschrieben wird) aus Kindergarten oder/und Volksschule. Ebenso geläufig, in dem Fall schon Anna, der Lehrenden, aus Kindertagen das vom bekannten (Kinder-)Lyriker Josef Guggenmos verfasste kurze Gedicht „Die Nadel sprach zum Luftballon:/ Du bist rund und ich bin spitz! / Komm, wir machen einen Witz / das gibt ein schönes Schnaderadäng, / ich mach pieks und du machst päng.“ Diese Reime, die gern mit Fingerspielen verbunden werden, gaben der Lehrveranstaltung den leicht abgewandelten Titel „Die Nadel sagt zum Luftballon“.
„Weil man da tanzen, Gedichte und schauspielen verbinden kann“, habe sie sich für diese mehrtägige Lehrveranstaltung im Rahmen der Kinderuni Kunst an der MDW entschieden, sagt Carla in der anschließenden Pause zum Journalisten. Die meisten seine von Eltern angemeldet worden, manche konnten sich aussuchen, was sie gleich nach dem Schuljahr in der ersten Ferienwoche studieren wollen. Beim schon angesprochenen Tiergedicht, das übrigens „Schluss mit den Befehlen!“ heißt (geschrieben von Wolfgang Mennel), fanden sich immer zwei der Kinder zusammen – einmal spielte das eine ein Klang-Instrument und das andere versuchte sich in der Art des jeweiligen Tieres durch den Raum zu bewegen und beim nächsten Tier vertauschten sie die Rollen.
Beim oben genannten Mandrill mussten sie übrigens erst ihre Lehrende überzeugen, dass es sich dabei nicht um einen Vogel, sondern einen Affen handelt, erzählt Meta, die ihn spielte in der Pause. Valerie hatte sich den Hai selber ausgesucht, der im Original am Ende des Gedichts steht. Zuvor heißt es nach etlichen Befehlsreimen schließlich „Schluss! Aus! Ich will endlich mal / tun und lassen, / was ich will!, sage ich.“ Worauf Zustimmung von Hahn, Reh und Star kommt, unter anderem mit dem Reim „Okee! Sagt das Reh.“
Auch wenn manche der Teilnehmer:innen meinten, Eltern hätten diesen mehrtägigen Kurs ausgesucht, waren sie alle sichtlich – und hörbar – zufrieden mit der Wahl wie sie in der Pause sagten. Wobei (fast) am meisten Spaß schienen lustige auch theatralische Aufwärm-Pausenspiele gemacht zu haben. So erzählten sie voller Lust über jenes mit dem Titel „das kotzende Känguru“ und einige begannen es gleich vorzuzeigen.
Im klassisch bunt karierten Kostüm tummelt sich ein Arlecchino im ersten Stock auf der Bühne der Uni für Musik und Darstellende Kunst. Gemeinsam mit dieser Figur noch – beim KiJuKU-Besuch – drei weitere der zentralen Figuren aus der italienischen Commedia dell’arte (übersetzt übrigens einfach Theater- bzw. Schauspielkunst): Colombina, Pantalone und der Dottore (Doktor). Die vier proben Szenen, zu denen noch vier weitere Kinderuni-Kunst-Studierende gehören, die gerade nicht anwesend sind.
Aus den Lautsprechern tönen Geräusche, die sofort an Krimis erinnern. Raphi, Adrian und Jakob haben sich eine Detektiv-Geschichte ausgedacht, nachdem „wir uns schnell einig waren, dass wir eine solche als Hörspiel aufnehmen wollen. Dann haben wir überlegt, was passieren soll und welche Personen vorkommen.“
Cezara, die Lehrende, sitzt vor einer Klaviatur samt Mischpult und Monitoren. Das Trio verneint die Frage, ob es sich den zu sprechenden Text aufgeschrieben hat. „Nein, wir haben uns ausgemacht, was wer sagt und dann kurzfristig während der Aufnahme überlegt, was wer wie spricht.“
Geräusche haben sie einerseits aus einer Datenbank genommen „und wir waren auch draußen und haben Geräusche mit dem Mikrophon aufgenommen“, bekommt KiJuKU.at zu hören. „Aber beim ersten Mal haben wir etwas mit dem Mikro falsch gemacht und darum mussten wir es ein zweites Mal machen.“
Im Foyer der Uni-Bibliothek der MDW spielte sich Donnerstag um die Mittagszeit ein besonderes kleines Konzert ab. Drei Profi-Musiker:innen spielten nach grafischen Notationen und Partituren, die die Kinderuni-Kunst-Student:innen des Kurses „Wie klingt das wohl?“ im Laufe der Tage erarbeitet hatten. Im vorigen Jahrhundert in der experimentellen und Avantgarde-Musik erfunden, ist sich noch immer eher ungewöhnlich. Striche, Punkte, Kreise, Linien… die Jung- und Jüngst-Studierenden erweiterten die bekannten Muster noch viel weiter – labyrinthartige Schlangenlinien, bunte Wellen und noch viel mehr malten sie auf ihre Einzel-Blätter. Und jeweils in Teams bauten sie gar dreidimensionale Notationslandschaften und -Spiele als Collagen aus Buntpapier, Karton, Klebe- und anderen Bändern.
Bevor das Konzert losging, zeigten und erklärten einige der jungen Komponist:innen Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… ihre gezeichneten Musikstücke sowie Überlegungen dazu und dahinter. Elijah (12), der selber seit vier Jahren Klavier spielt: „Ich hab mir ein System überlegt, Punkte statt Noten zu verwenden. Verschiedene Größen geben unterschiedliche Lautstärken an, aber auch Pausen. Dann hab ich zwei Farben benutzt – blau nur für die schwarzen Tasten und schwarz nur für die weißen Tasten am Toy Piano. Simon kombinierte Striche und Kreise.
Die elfjährige Marie-Therese, die selber mit acht Jahren Cello spielen begonnen hat, „wollte nur etwas für Streichinstrumente komponieren, weil hier niemand Cello spielt eben für Kontrabass. Bei den Wellen muss die Musikerin auch mit ihren Fingern solche Bewegungen machen, beim Feuer muss sie mit dem Bogen wild streichen, so ein richtiges Chaos spielen. Mein Stück heißt auch Klang-Chaos. Ich hab gezeichnet wie ich es gefühlt und empfunden habe.“
Viele der Kompositionen haben durchaus ungewöhnliche Titel, so nannte Sophie-Valerie ihre „irgendwas“ – was eine Zuhörerin fragen ließ: „Und wie heißt dieses Stück?“ Die Idee dahinter verrät die junge Komponistin: „Ich wollte einfach Irgendetwas erfinden, das vielleicht spielbar ist.“
Es gab auch ein „verrücktes Haus“, eine gar 2-Satz-Komposition – „Kompromiss beim Spielen und statt langweilich“. Daniela demonstrierte den Gedanken hinter ihrem „schrägen Lied“ gleich mit einem heftigen Gesichtsausdruck als sie erläuterte: „Das soll so sein, dass man’s gar nicht mehr aushalten kann.“
Nun, ganz dürften die drei Musiker:innen das dann doch nicht hingekriegt haben. Denn auch dieses Stück fand sogar Gefallen und großen Applaus – und niemand sah sich veranlasst die Ohren zuzuhalten. Gespielt haben: Helene Glüxam am Kontrabass und diesen manches Mal auch mit einem kleinen kugelförmigen Schlegel als Art Schlagzeug nutzend, Haruki Noda / E-Gitarre und verschiedene elektronische Devices sowie Juri Giannini auf dem Toy Piano schienen die grafisch festgehaltenen Kompositionen der Kinderuni-Kunst-Student:innen verstanden zu haben. Sie spielten sehr ernsthaft, ließen manchmal auch musikalisch Humor aufblitzen, wo die Notation das vorsah.
Übrigens das Mini-Klavier auf dem Tisch – eines von vielen verschiedenen Formen eines Toy Pianos war ursprünglich dem übersetzten Wortsinn nach tatsächlich „nur“ ein Spielzeug. Seit John Cage dafür eine Suite komponierte (1948), ist es aber sozusagen in den Olymp der Neuen Musik aufgestiegen.
Hohepriesterin und Narr, Tod, Teufel, Rad des Lebens oder Ausgleich/Mäßigkeit/Kunst, der Gehängte… sie alle sind Figuren auf Tarot-Karten. Mehr als einen Hauch von Esoterik umweht diese – Karten, Figuren und Wahrsager:innen, die damit arbeiten.
Den Hauch davon – und doch gleichzeitig mit hinterfragender Distanz – verarbeitete die Gruppe makemake produktionen unter der Regie von Sara Ostertag zur gespenstisch-schönen phasenweise mit Humor gewürzten Performance „Run wild in it“. Damit beschloss das Wiener Kosmos Theater seine aktuelle Saison, mit Ausschnitten aus der rund einstündigen Show gastierte die Gruppe auch bei X-Erinnerungen im Rahmen der Tangente St. Pölten.
Schon geheimnisvoll in bunte Gaze-artige Stoffe in unterschiedlichen Farben gehüllt (Mael Blau), muszierten zunächst alle Performer:innen Julian Pieber, Nastasja Ronck, Martina Rösler, Dolores Winkler und natürlich vor allem der Komponist Paul Plut himself. E-Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, Gesang. Nach und nach entsteigt die eine und der andere der Verhüllung, jemand nähert sich dem Publikum und lässt einzelne Besucher:innen überdimensionale Karten ziehen – diverse Tarot-Figuren – die dann eingeblendet mit ihren Bezeichnungen erschienen – und zu denen die Künstler:innen zu singen und spielen beginnen. Die Deutungen der jeweiligen Karten werden sozusagen in Musik, Tanz und Schauspiel interpretiert – nicht selten auch augenzwinkernd.
Und hin und wieder auch mit Botschaften sozusagen als Subtext. Die Karte mit XI (der römischen Zahl 11) steht für Kraft. Und diese sei nicht nur körperlich zu verstehen. Vorbild sei etwa die Kraft der Erzählung beispielsweise von Sheherazade aus den Geschichten aus Tausend und einer Nacht. Mit ihren Geschichten, die sie wie moderne Cliffhanger in Fortsetzungs-Serien immer dann unterbricht, wenn sie am Spannendsten sind, hält sie König Shahriyar, der zuvor immer nach einer Nacht die jeweils neue Frau ermorden ließ von der Serien-Tötung ab.
(Fast) alles spielt sich auf einer Bühne aus zwei Kreishälften (Nanna Neudeck) mit Graben dazwischen ab. Theaternebel, Trockeneis, in einem Wasserbecken Glibberschleim. In diesen taucht die Tänzerin Martina Rösler nach knapp einem Drittel der Stunde ein, um daraus erst gegen Ende zu entsteigen. Tänzerisch wiegt und badet sie in einer hohen und damit noch konzentrierteren Dosis dieses vor allem für Kinder gedachten Badespaß-Schleims.
Gegen Ende erschien auf dem Monitor eine der beiden „Deuter:innen“ – Cuqui Espinoza, Arttu Palmio – alternierend, um die zu erklären, was die einzelnen – vom Publikum zufällig – gezogenen Karten zu sagen haben. Damit wirkte die angekündigte Zufälligkeit ein wenig zweifelhaft. War sie aber nicht. Die beiden saßen jeweils in einem anderen Raum, beobachteten das Geschehen via Kamera und wurden auch über eine solche zugeschaltet. Gewiss, aller Wahrscheinlichkeit nach, haben sie sich vorab zu jeder der möglichen Karten (im Französischen steht Tarot übrigens auch für jene Karten, die im Deutschen Tarock heißen) schlaue Sprüche einfallen lassen 😉
Hip-Hop – und dessen Ursprüngen entsprechend auch (gesellschafts-)politische Botschaften, die gleichermaßen mitreißen wie aufrütteln lieferten die vier Power-Girls Elma Dalipi, Selma Dalipi, Silvia Sinani Ibraimović und Zlatica Ristić zum Abschluss des vierten „E Bistarde – vergiss mein nicht“ Roma-Kultur- und Theater-Festivals im Dschungel Wien. Die vier sind Teil der Band „Pretty Loud“.
Der Titel ist Programm: Lautstark und das ganz schön fesch rappen, singen, tanzen die starken, jungen Romnja gegen (häusliche) Gewalt, dafür, dass Frauen, eigentlich noch Mädchen mehr oder minder gegen ihren Willen früh verheiratet werden. Frauen haben „pravna“ (Rechte) – ravnopravno – gleichermaßen. Viele Frauen werden nicht nur von Mehrheitsgesellschaften, sondern auch in der eigenen Community nicht für voll genommen.
Die Gruppe wurde 2014 in Zemun, einem Bezirk von Beograd (Belgrad, der Hauptstadt Serbiens) gegründet –im Rahmen des NGO-Bildungs- und Sozialprogramms GRUBB (Gypsy Roma Urban Balkan Beats). In (Musik-, Tanz-, und Schauspiel-)Workshops für Kinder und Jugendliche vermittelten Mitwirkende des GRUBB-Programms neben den künstlerischen Fertigkeiten ihre emanzipatorischen Inhalte. Und dabei kam es auch zur Bildung von „Pretty Loud“.
Für manche ihrer Nummern drehten sie Videos, die den jeweiligen Inhalt optisch verdeutlichen. So reißt sich eine sehr junge Frau den Brautschleier vom Kopf und wird dabei von Altersgenoss:innen unterstützt. Die anschließende Demo fordert auf Plakaten mehrfach „Prava“ (Rechte) sowie „Ljubav“ (Liebe) – sozusagen Liebe statt Hiebe. Und (Aus-)Bildung statt arrangierter Ehen.
„Wir wollen die frühen Ehen beenden […] wir wollen, dass die Mädchen selbst und nicht ihre Eltern entscheiden, ob sie heiraten wollen oder nicht. Wir wollen, dass jede Frau das Recht hat, gehört zu werden, ihre Träume zu haben und sie erfüllen zu können, gleichberechtigt zu sein“, wird eine nicht namentlich genannte Pretty-Loud-Performerin im Wikipedia-Eintrag über die Gruppe zitiert.
In ihrer Musik – zu Texten auf Romanes, Serbisch und Englisch – mixt die Band Hip-Hop mit dem bekannten Balkan-Roma-Sound. Seit 2022 Botschafterinnen der Kampagne des Europarats „Block the hatred. Share the love!“ (Blockiere den Hass. Teile die Liebe!)
Ihre kämpferischen Songs laden – selbst über Sprachgrenzen hinweg – zum Eintauchen in ihre Botschaften und nicht zuletzt deren Rhythmen ein – bis hin zum Aufstehen von den Sitzen und Mittanzen. Das Konzert endete in einer Party.
Das „Pretty-Loud“-Konzert im Wiener MuseumQartier hatte aber noch eine Überraschung parat. Völlig ungeplant erhob sich vor Beginn des Auftritts der vier lautstarken Frauen eine Gästin im Publikum und schmetterte ein Roma-Lied in den Saal. Ramiza Radosavljević sang zu Tränen rührend so begeisternd, dass am Ende des Konzerts, vor dem Übergang zur Party die „Pretty Loud“-Girls ebenso wie etliche im Publikum, die ältere Frau baten, mindestens noch ein Lied zu singen. „Ich wollte schon immer singen, singe aber nur für mich allein“, verriet sie auf anschließende Nachfrage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Oder für und mit „Vivaro“, dem Verein „VI – VA -ROMnja“, ergänzten einige in der Nähe Stehende.
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