Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Doppelseite aus dem Buch "Villa Fauna"

Monaffpo – eine neue Sprache

„Hallo! Ich heiße Dinella Dolittle. Und bevor jemand fragt: Nein, ich kann nicht mit Tieren reden!“, hatte sich Diddy, wie sie von den meisten genannt wurde, als Begrüßung zurecht gelegt.

Die junge Munkelbergerin vom Birnenweg war die Enkelin mit dreimal „ur“ davor des – wahrscheinlich deinen Großeltern – bekannten Tierarztes Doktor John Dolittle. Der konnte mit Tieren reden. Auch ihr Onkel mit Vornamen December, ebenfalls Tierarzt, versteckt in der Villa Fauna arbeitend, um Medienrummel zu entgehen, konnte das. Er hatte – mit Tieren – eine eigene Sprache entwickelt: Monaffpo. Bei der handelt es sich um eine Gebärdensprache, bei der Mund, Ohren, Nase, Augen, Füße, Fell und Po mit Gesten und kräftigem Wackeln zum Einsatz kamen.

Und natürlich – das legt doch schon der Untertitel des Buches „Villa Fauna“ nahe, der da lautet „Dinella und die geheime Sprache der Tiere“ – erlernt die Nicht in rasender Geschwindigkeit diese Sprache. Und sie stellt sich, begleitet von ihrem Freund Samu, als noch viel schlauer heraus, nachdem der Onkel sie um Hilfe bittet.

Doppelseite aus dem Buch
Doppelseite aus dem Buch „Villa Fauna“

Kinder können mehr …

Sie erkennt beispielsweise, dass es sich bei dem Vogel, der krank und immer kränker wird und bei dem December Dolittle keinen Rat mehr weiß, um einen Karunkelhokko handelt. Und sie rettet ihm praktisch das Leben, auch wenn sie damit vorübergehend Paulchen, ihren Eichhörnchen-Freund, vergrämt.

„Kinder können wirklich mehr, als man denkt. Manchmal sogar mehr, als sie selbst wissen!“, lässt die Autorin den Lotter-Otter sagen, worauf der Doktor seinen Stolz auf seine Nichte kundtut, was diese wiederum, bescheiden wie sie ist, knallrot anlaufen lässt.

Mara Andeck hat ein sehr leicht lesbares Buch geschrieben, das Florentine Prechtel obendrein mit pfiffigen Zeichnungen auflockerte.

Follow@kiJuKUheinz

Titelseite des Buchs
Titelseite des Buchs „Villa Fauna“
Szenenfoto aus "Jugend ohne Gott" von Theater Wozek

Wo bleiben menschliche Werte?

Heftig, oag, brutal wie es in diesem Internat, in dieser Fünfergruppe von Schüler:innen zugeht. In die Gosch’n hauen, intrigieren, Machspiele auch mit Zuneigungen. Gespielt von einem sehr jungen Ensemble. Ein Spiel, das oft an die Nieren geht, mit unter aber auch für recht heitere Momente sorgt. Mit Lachen, das dann fast im Hals stecken bleibt. Und eine Lehrerin, die pseudoliberal daherkommt. Deren Darstellerin (Marion Rottenhofer) dies durch offensichtliches Überdrehen definitiv als Fassade spüren lässt. Das ist das Umfeld der „Jugend ohne Gott“-Version des Theaters Wozek, frei nach dem autor des Originals Ödön von Horváth (1937 erstmals erschienen).

Referat

Die neu (vor 15 Jahren erstmals) erfundene Rahmenhandlung: Fünf Schüler:innen sollen/ müssen ein Referat über Horvaths Werk, Leben, Rezeption usw. halten. Was diesen so genau gar nicht taugt. Abgesehen davon, dass die meisten davon einander so ziemlich wenig ausstehen können – abgesehen von Liebeleien, die von männlicher Seite aber auch nur als Machtspiele missbraucht werden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Jugend ohne Gott“ von Theater Wozek: Schüler B und Lehrerin

Pseudo

Die fast Süßholz raspelnde Lehrerin, die die Klasse neu übernimmt, scheint als wäre sie eben von einem Seminar gekommen, wie motiviere ich Schüler:innen. Kein Schaden. Aber wenn es so aufgesetzt ist? Und die von oben herab bemutternde Umgangsweise mit B, dem Rollstuhl fahrenden Schüler (Georg Müller-Angerer) stößt diesem mehr als sauer auf. Der Schauspieler brauch im echten Leben keinen Rollstuhl, um sich vorwärts zu bewegen, und schlüpft in einer Szene im zweiten Teil auch in eine auf einem Podest stehende Staute eines römischen Helden – vielleicht Cäsar, der in Horváths Roman als Pseudonym für einen alten Lehrerkollegen vorkommt, der vom „Zeitalter der Fische“ spricht (ein aufgeblasener baumelt von der Bühnendecke) und dies als Metapher für die menschlichen Gefühle meint, die so nichtssagend würden wie Fischgesichter.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Jugend ohne Gott“ von Theater Wozek: Eva und Z

Brücken-„Trick“

Und genau mit diesem „Trick“ der vor allem negativen Gefühlsregungen schlägt die Rahmenhandlung die Brücke zum Original. Ein Teil des Horváth’schen Roman-Personals agiert hier analog der Charakteren-Zeichnung des Autors: B, T, N und Z. Sowie Eva, die aus der beim Zeltlager verfeindeten Räubergruppe hier in die Internatsklasse geholt wird. Aber als Jugendliche mit Migrationshintergrund von so manchen der elitären Mitschüler:innen zur Außenseiterin gestempelt wird. Obwohl sie hier aufgewachsen ist und nur ihre Eltern aus der Ukraine zugewandert sind.

Szenenfoto aus
Schlägerei aller gegen alle – außer der Lehrerin

Ukrainische Sätze

Und das passiert ihr hier nicht zum ersten Mal, sie hat Erfahrungen gesammelt sich lautstark ebenso wie schlagkräftig zur Wehr zu setzen – eine Rolle wie auf den Leib geschneidert für Julia Wozek, die trotz ihrer Jugend schon oft solch starke junge Frauen verkörpert hat. Mit der möchtest du dir’s lieber nicht anlegen – nur, wenn du ihr nie persönlich begegnet bist. Die sanfte junge Frau kann auf der Bühne überzeugend zur Löwin werden. Und sie hat privat Ukrainisch gelernt. So manchen Satz streut sie gekonnt in den einen oder anderen ihrer Auftritte ein.

Diktatorin

N wurde in der Wozek-Version so wie der Lehrer aus dem Original zu einer Frau. Karoline Sachslehner gibt diese vor allem auf ihr Äußeres bedachte Schülerin, die sich sozusagen zu den Besseren zählt, dominiert, diktiert, wer welche Aufgabe fürs Referat zu übernehmen hat, sehr überzeugend. Genauso wie ihre blutige Verletzung, deren Verursacher zunächst im Dunkeln bleibt. Mit scheinbar geschwollenem Mund schafft sie es genau so zu sprechen mit halbverschluckten Wörtern.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Jugend ohne Gott“ von Theater Wozek: N und T

Überheblich

Genauso überzeugend wirkt Paul Haertl als der intellektuell überlegene und dieses auch immer wieder ausspielende T. Kalt, scheinbar ganz emotionslos und doch recht hinterfotzig, ja der … – ach ein bisschen Spannung soll bleiben, für jene, die das Original nicht kennen.
Last but keinesfalls least: Alex Schauer als die Frauen wie Supermarkt-Artikel (be)nutzender Z rundet das Ensemble ab, das mehr als zwei Stunden (eine Pause; Schulvorstellungen sind kürzer) das Publikum auf emotionalem Trab hält.

Das sehr junge Ensemble, teilweise noch Schauspiel-Studierende, wuchs so fest zusammen und muss extrem viel Vertrauen untereinander aufgebaut haben, um die vielen verbalen und körperlichen Aggressionen so authentisch und punktgenau spielen zu können ohne Angst voreinander zu haben oder sehr ins Gekünstelte ausweichen zu müssen.

Karrierebooster

Das gelang auch der Version vor 15 Jahren – bei der ebenfalls Marion Rottenhofer die Lehrerin spielte. Alle anderen eroberten in der Folge die verschiedensten Theaterbühnen, bis hinauf zum Burgtheater etwa – Sandra Selimović in „Die Ärztin“ – Interview mit ihr, in dem sie sich sehr gern an ihre Anfänge im Theater Wozek erinnert sind unten verlinkt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Jugend ohne Gott“ von Theater Wozek

Zitate aus alter Kritik, die auch aktuell trifft

Und hier erlaub ich mir – obwohl neues Ensemble, ein Drittel neu und aktualisiert ein wenig aus meiner seinerzeitigen Stückbesprechung (damals noch im Kinder-KURIER) zu zitieren: „Faszinierend wie diese Rahmenhandlung schon mit einem Gutteil des Personals aus Horváths Stück hantiert. Ausgrenzung – neben dem Rollstuhlfahrer vor allem der Migrantin Eva – sind ebenfalls nichts anderes als inspiriert vom Rassismus in einem der Aufsätze, die der Lehrer im Originalstück lesen muss. …

„Die Guten sind böse und die Bösen gut!“, lautet eines der Zitate – je nach herrschender Norm eben! So wird Horváths Auseinandersetzung mit Grundfragen verständlich, nachvollziehbar – der Bogen vom fast 100 Jahre alten Stück ins hier und heute gespannt. Macht richtig Lust darauf, wirklich ein Referat zu seinem Stück zu machen.“

Follow@kiJuKUheinz

EVA
Ich bin die Eva
und das ist meine Gang.
Kommt‘s uns nur näher
und wir machen PENG!!

Der Horvath hatte Recht,
wir glauben nicht an Gott.
Gewalt geschieht zu Recht,
solang die Welt voll SPOTT.

Wo ist die Gerechtigkeit?!
Wer sagt, was richtig ist?!
Wenn wir in unsrer Schlechtigkeit
schlagen ins GESICHT.

ALLE
Vier gegen einen,
das können wir gut.
Kalte Blicke, statt Weinen…
den Lehrern fehlt der Mut.

Aus der aktuellen Theater-Wozek-Version von „Jugend ohne Gott“
Szenenfoto aus "Ćelava pevačica" (Die kahle Sängerin) vom „Jugendtheater Stanislavski“

Sagen Sie, sind wir nicht verheiratet?

Es wird dunkel im Park neben der Wiener Stadthalle. Kühl ist es schon, wird immer kühler und finster. Manchmal auch auf der Bühne. Bei Szenenwechsel. Hin und wieder auch von Musik (Joan Tudoran) untermalt. Dem Publikum wird warm ums Herz. Sie verfolgen ein Theaterstück in ihren Erstsprachen. Eines, das viele vielleicht sonst nie angeschaut hätten. Immer wieder schmunzeln, hin und wieder lachen Zuschauer:innen lauthals. Sind doch so manche der Szenen zum Schreien komisch. Wenngleich mit einem kräftigen Schuss Bitterkeit. Szenen zweier Ehen. Voller Leere, Distanz, teilweise Hass. Und dann doch wieder sehr verliebter Annäherung. Letzteres eher eine Interpretation dieser Version von „Ćelava pevačica“ („Die kahle Sängerin“) vom Meister des absurden Theaters Eugène Ionesco. Gespielt vom „Jugendtheater Stanislavski“ in der Regie von Marina Đorđević – auf BKS – Bosnisch/ Kroatisch/ Serbisch, wobei auch die Akzente aller drei Sprachen zu hören sind.

Zunächst die Story

Zwei nicht mehr ganz junge Paare treffen einander beim britischen 5-Uhr-Tee. Die einen, Mrs. und Mr. Smith sind hier zu Hause, die Martins kommen zu Besuch. Paar Nummer eins scheint – verpackt in belanglose, aber meist feine Worte – schon sehr entfremdet. Zumindest haben sie einander (schon lange) kaum mehr etwas zu sagen. Immer wieder kommt sogar eher Hass zur Sprache – in Worten, Gesten und Blicken. Jovana Kopanja und Nikola Prerad vermitteln dieses Gefühl grausam wunderbar. Sie fast im Dauer-Sprechdurchfall, der an dem Pfeife rauchenden, Zeitung (verpackt in Kopien des Daily Mirror aus den ersten Jahren der Aufführungen des Originals) lesenden Ehemann mehr oder minder vorbeigeht.

Enisa Maca Čućić und Dejan Knežević (als die Martins) hingegen treffen – in dieser Fassung – einander erst lange Zeit auf der Straße vor dem Haus der Gastgeber:innen, bevor sie in der Teegesellschaft landen. Sie kommen erst nach und nach Satz für Satz drauf, dass sie verheiratet sind: Im selben Zug hergekommen, in der selben Straße – Bromfieldstreet – auf Nummer 19, fünfter Stock, Top 8 wohnend, ja sogar das selbe Bett benutzend. Ach, sind wir ein Ehepaar?!

Beim Englisch-Lernen

Soweit die Ausgangssituation des Theaterstücks von Ionesco. Der damit nicht nur Fassaden bürgerlicher Ehen satirisch aufs Korn genommen hatte, sondern auch so manch bürgerliches Theaterstück selbst. Inhaltslose Dialoge bis zum Exzess zelebriert, Leere. Ins Absurde gesteigert. Und auch noch versteckte Kritik an so manchen Fremdsprachen-Lehrbüchern. Zu so  manchen der Szenen und sogar der Dialoge sei der in Rumänien geborene, in Paris gelebt habende Autor durch eines der Bücher beim Englisch-Lernen inspiriert worden, heißt es nicht zuletzt in „Königs Erläuterungen und Materialien“ zu einigen der Ionesco-Stücke.

Neue Interpretationen und zusätzliche Figur

Wobei die Version des „Jugendtheaters Stanislavski“ in der Regie von Marina Đorđević den Martins einen anderen Zugang als den des völlig Absurden zudenkt, wie sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … bei einem Probenbesuch erklärt: „Die wollen sich immer wieder neu kennenlernen, um sich frisch ineinander verlieben zu können.“

Die Regisseurin hat neben den beiden Paaren, dem zu Besuch kommenden Feuerwehrhauptmann, der mit Geschichten und Anekdoten und doch absurden Feuergeschichten die Gesellschaft auflockert (Jovana Smiljanić) und der Haushälterin Mary (Larisa Černe), die hier vor allem durch frechen szenischen Witz für Schmunzeln sorgt, eine weitere Figur eingeführt.

Lana Grčak schlüpft zuerst hinter einen schmalen, hohen, leeren Bilderrahmen. Dort kommentiert sie mimisch so manche der vor ihr gespielten Szenen. Wird von Mary einmal heftig abgestaubt und gemaßregelt. In der Szene des Aufeinandertreffens der Martins schlüpft sie in gut ein halbes Dutzend Rollen – von der Straßengeigerin, die das gönnerhaft gereichte Geld des Mannes zu Boden wirft bis zu verschiedensten Passant:innen. Mit so manchen der Bilder baut die Regisseurin bildhafte Zitate an Märchen und Filme ein. Was die Absurdität mitunter erhöht, während in der einen oder anderen Phase die Inszenierung ein wenig vom Absurden Theater in ein Art Boulevardkomödie abgleitet.

Dennoch bleibt zu hoffen, dass die einmalige Vorstellung im Vogelweidpark beim „Birdie15“-Festival (noch bis 25. September) Folgeaufführungen erlebt.

Der Stücktitel

Vielleicht für all jene, die das Stück „Die kahle Sängerin“ nicht kennen: Berichten zufolge, soll sich der Titel erst bei den Proben ergeben haben – und zwar aufgrund eines Versprechers des Schauspielers Henri-Jacques Heut, der den Feuerwehrhauptmann darstellte. Statt „institutrice blonde“ (blonde Lehrerin) rutschte ihm angeblich „cantatrice chauve“ (kahle Sängerin) raus. Was den die proben verfolgenden Autor spontan bewegte die angedachten Titel des Stücks – „L’Heure angalaise“ (die englische Stunde) oder „Big Ben Follies“ (Big Ben ist die schwerste Glocke des Uhrturms vom Londonder Westminster und Follies bedeutet Verrücktheiten) – zu verwerfen und eben dies zum Titel zu machen. Was für ein absurdes Stück wohl treffender schien. Damit der Stücktitel aber nicht ganz in der Luft hängt, schrieb Ionesco einen kurzen Dialog gegen Ende des Stücks neu hinzu.

„Hauptmann wendet sich zum Ausgang, bleibt dann stehen: Ah, dass ich es nicht vergesse: Was macht die Kahle Sängerin?
Allgemeines betretenes Schweigen.
Ms. Smith: Sie trägt immer noch die gleiche Frisur!“

Die Schauspielakademie heißt so wie die Theatergruppe nach dem berühmten Theatermenschen Konstantin Sergejewitsch Stanislavski
Die Schauspielakademie heißt so wie die Theatergruppe nach dem berühmten Theatermenschen Konstantin Sergejewitsch Stanislavski

Die Theatergruppe

Das Theater ist benannt nach dem von vielen als Vorbild gehandelten russischen Konstantin Sergejewitsch Stanislavski (1863 bis 1938), der das Zusammenspiel von Körper und Gefühlen lehrte – die dargestellten Emotionen müssen im körperlichen Schauspiel sichtbar werden.

Follow@kiJuKUheinz

Volles
Volles „Haus“ bei der Aufführung im Vogelweidpark
Szenenfoto aus "Ćelava pevačica" (Die kahle Sängerin) vom „Jugendtheater Stanislavski“

Theater vom leidenschaftlichen Hobby bis zum „Leben“

Während einer Probe bzw. kurz vor der Aufführung beim Birdie 15-Festival – Link siehe unten am Ende des Beitrages – führte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … mit allen sieben Darsteller:innen kurze Interviews. Die Leidenschaft für Theater war für manche früh, für andere erst viel später da. Und sie spielen alle in der Freizeit, üben ganz andere Jobs aus oder studieren.

Wollte mein Serbisch verbessern

Larisa Černe, Germanistik-Studentin in Wien, spielt witzig-frech die Haushälterin beim gastgebenden Ehepaar Smith. „Ich hab schon als Kind und als Jugendliche Theater gespielt. Ich kann mich erinnern in der Volksschule waren wir die einzige Klasse, die Theater gespielt hat. Mit einer Klassenkollegin hab ich mich um die Rolle der Julia in „Romeo und Julia“ duelliert. Und gewonnen. Romeo wurde übrigens auch von einem Mädchen gespielt, weil kein Bub das wollte“, erinnert sich die Mary-Darstellerin im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … – die übrigens schon zwei Mal bei – deutschsprachigen – Literaturbewerben (texte.wien bzw. exil-Literaturpreise) im Kinder-KURIER vorgekommen war, dem Vorläufer von kijuku.at

Szenenfoto aus
Larisa Černe als Mary, Haushälterin beim Ehepaar Smith

„Mit 13 in ich dann zum Jugendtheater Stanislavski gekommen, weil ich mein Serbisch verbessern wollte“, erzählt sie weiter. „Dort war ich dann drei Jahre, dann hatte keine Zeit mehr – in der Schule war mehr zu tun und auch anderes. Als Erwachsene hat man oft weniger Hobbys und ich wollte endlich auch wieder mein Serbisch weiter verbessern. Den Stücktext lesen und lernen. Das hat mich weiter gebracht“, freut sie sich. Auch wenn der Vater (Kenner der Weltliteratur und in beiden Sprachen perfekt zu Hause), der sich im Publikum immer wieder köstlich amüsiert, als erstes nach der Vorstellung zur Tochter mit einem Grinser sagt: „Wir müssen noch ein bisschen am Aorist arbeiten“ und dem daneben stehenden Journalisten erklärt, dass es sich dabei um eine ansonsten nur im Griechischen auch bekannte spezielle Form der Vergangenheit – eben abgeschlossen – handelt. Die Wörter sind gleich wie in der Vergangenheit, aber die Betonung ist eine andere“.

Szenenfoto aus
Lana Grčak spielt Geige und schlüpft in viele Rollen – in einer Szene liest sie die selbe Zeitung wie eingangs Mr. Smith – nur verkehrt herum 😉

Geigerin und wortlose Kommentatorin

Lana Grčak, die ganz ohne Worte, nur mit ihrer Mimik, ihrem Körper – und in einer Szene auch dem Geigenspiel – eher im Hintergrund eine starke Bühnenpräsenz ausstrahlt, studiert ihr Streichinstrument an der Linzer Bruckner-Universität. In Wien hat sie am Konservatorium begonnen, aber ihr Geigenlehrer wechselte nach China. „So konnte ich mich zwischen China und Linz entscheiden. In China war ich auf einer Konzert-Tournee, das war sehr interessant und gut – für ein paar Tage. Aber dort leben? Ich weiß nicht, da hab ich Linz vorgezogen.

Mit fünf Jahren hat sie mit dem Geige-spielen begonnen. „Für mich und meinen Bruder war das nicht schwierig, für die Eltern manchmal schon anstrengend“, erinnert sie sich im Interview an die Anfänge. Daneben spielt sie noch ein bisschen Gitarre, Ukulele und Klavier, Fußball und schwimmt gerne.

Aber wenn sie zur Geige greift – ob üben oder vor Publikum spielen -, „dann geht’s mir sehr gut. Wenn ich vorher oder rundum Probleme hab, wird in diesen Momenten alles viel besser. Ich bin dann voll da in der Gegenwart.“

Theater sei für sie „eine große Liebe, auch wenn bisher immer nur als Musikerin. Hier darf ich zum ersten Mal auch schauspielen“, freut sie sich über die vielen kleinen Rollen.

Szenenfoto aus
Jovana Smiljanić spielt den Feuerwehrhauptmann

Warum nicht?!

Ein Helm mit Lampe und ein langer Schnurrbart sowie vor allem manspreadinges Sitzen – Beine breit auseinander, die beiden daneben sitzenden Frauen auf engem Raum zusammenquetschen verwandeln Jovana Smiljanić in den Feuerwehrhauptmann, der zu Besuch kommt und viel und gern redet und Gschichtln erzählt. Sie ist mit 19 Jahren die Jüngste im Ensemble von „Ćelava pevačica“ (Die kahle Sängerin). Die Schulabbrecherin, die nun selbstständig für die letzten Prüfungen bis zur Matura lernt und nebenbei im Kundenservice arbeitet, hatte vorher in Serbien nicht so viel mit Theater am Hut, pardon Helm, hatte sie am Rande eines Probenbesuchs von Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … in den Räumlichkeiten des Jugendtheaters Stanislavski erzählt.

In Wien sei sie vor vier oder fünf Jahren gefragt worden, ob sie nicht an Theaterkursen teilnehmen möchte. Ihre Reaktion sei gewesen: „Warum nicht?! Ich hab da Leute getroffen, mit denen ich mich gut verstehe, die ähnlich sind. Ja, und Schauspiel hat mir Spaß gemacht, meine jetzige Rolle sogar sehr. Ich find die ganz lustig.“

Szenenfoto aus
Jovana Kopanja eine „alte“ Mrs. Smith

Kann jedes Alter spielen

Vornamens-Cousine Jovana Kopanja spielt die Figur der Mrs. Smith, eine Dauerquasslerin, eher kaltherzig mit einem Schuss Zynismus. Nicht nur die graue Perücke, sondern das ganze Schauspiel Kopanjas verleiht ihr das entsprechende Alter. „Sie kann jedes Alter spielen“, zollt die Regisseurin Lob für deren Verwandlungsfähigkeit. Die ausgebildete Lehrerin arbeitet in Österreich als Kindergartenassistentin. „Als kleines Kind hab ich nur einmal in einem Theaterstück gespielt und da nur eine Blume, die mit anderen das Bühnenbild war. So wirklich angefangen hab ich erst in Wien mit Kursen im unserem Theater.“

Szenenfoto aus
Nikola Prerad in der Rolle des Mr. Smith

Schon auf Latein gespielt

Ihren Ehemann spielt Nikola Prerad, der in der Verwandtschaft eine kreisrunde Brille mit dunklem Rand aufgetrieben hat – eine wie sie Stansilavski auf den meisten Bildern trägt, dessen Porträt riesig an einer Wand des Theaters am Wiener Rennweg klebt. Er ist von Beruf Jurist – in dritter Generation. „Es gab aber keinen Druck der Familie, für mich war Jus (das er in Wien studierte) so etwas wie Liebe auf den ersten Paragraphen.“

Mindestens genauso groß ist seine Liebe zum Theater. „Schon als Kind bin ich oft auf der Bühne gestanden. Und als Jugendlicher in dem, was hier Oberstufe ist, haben wir ein eigenes Theaterstück auf Latein geschrieben und gespielt. Wir haben Stoff aus dem Unterricht, wie die alten Römer gelebt haben, zu einem Stück gemacht. Außerdem spiele ich Ziehharmonika und mit der war ich auch oft auf der Bühne und als 17-Jähriger hab ich in Bosnien auch Gedichte vorgetragen.“

Szenenfoto aus
Enisa Maca Čućić spielt Mrs Martin

Selber einiges reinbringen

Enisa Maca Čućić legt ihre Rolle als Mrs. Martin eher kokett an – wobei sie auch abseits der Bühne nicht unähnlich agiert. Die gelernte Krankenschwester (seinerzeit in Kroatien) arbeitet als Orthopädin an der Anfertigung von Maßschuhen. Auch sie hat schon recht früh – in der Grundschule – Theater gespielt, später in der Mittelschule auf Bühnen vor allem gesungen. „Das ist ein großes Hobby von mir, das mich das ganze Leben begleitet. Dieses Stück find ich sehr interessant und ich durfte in meine Rolle auch selber einiges reinbringen.

Szenenfoto aus
Dejan Knežević als Mr. Martin

In meiner Sprache

In die Rolle des „Fremden“, der sich als ihr – in dieser Version stark turtelnder – Ehemann herausstellt, schlüpft Dejan Knežević. Der studierte Tierarzt machte in Österreich einen Kurs zum Schweißer, um schnell zu einem Job zu kommen. „In Bosnien hab ich nur einmal Theater gespielt, aber nichts richtiges“, erzählt er Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … Als er nach fünf Jahren von Linz nach Wien übersiedelte fand er hier auf Social Media das Stanislavski-Theater, meldete sich, „Und das ist jetzt meine vierte Rolle im dritten Stück in den letzten zwei Jahren“, freut er sich über den Charme, den er in seinen Mr. Martin legen kann. „Theaterspielen ist für mich Leben, noch dazu in meiner Sprache. Deutsch hab ich bisher nicht sehr viel gesprochen, auf der Baustelle sind die Sprachen Jugoslawisch, Türkisch und Ungarisch.“

Follow@kiJuKUheinz

Szenenfoto aus "Lieber Kurt" mit dem Kind Kurt, gespielt von Levi Wolter

Jüngster Schauspiel-Neuling bringt Witz und Lebensfreude in tieftraurigen Film

Das voll verliebte Paar Kurt (Til Schweiger) und Lena (Franziska Machens) zieht neu in ein altes, halb verfallenes Haus und beginnt es zu renovieren. Nun wohnen sie näher bei Kurts geschiedener Frau Jana (Jasmin Gerat) und deren neuem Lebensgefährten. Kurt und Jana haben ein gemeinsames Kind, den „kleinen Kurti“ (6), der abwechselnd bei seinen Eltern lebt.

Bald nach dem Einzug ins neue Haus, stirbt der Sohn bei einem Kletterunfall in der Schule. Der Film basiert auf dem Buch „Kurt“ von Sarah Kuttner, Til Schweiger spielt nicht nur den großen Kurt, sondern führte auch Regie und produzierte die Verfilmung. „Lieber Kurt“ läuft seit Kurzem in Kinos.

„Wahnsinnige Präsenz“

Der – ein bissl lange geratene (mehr als zwei Stunden) – Film zeigt vor allem das Zerbrechen des Vaters an diesem tragischen Verlust – samt Auswirkungen auf seine sozialen Beziehungen – privat und im Job. Trotz der großen Traurigkeit hat der Film viele lebenslustige, immer wieder auch sehr lustigen Momente. Vor allem mit Kurti, wunderbar gespielt vom 8-jährigen Levi Wolter. Solche sind immer wieder auch nach dem Unfall-Tod, der zum Glück im Film nur in Andeutungen und vor allem den entsetzten Gesichtern der Kinder und aller anderen im Schulhof gezeigt wird, in Erinnerungen des Vaters zu sehen.

„Levi ist eine Sensation“, wird Til Schweiger in der Medieninformation zitiert. „Er bringt jedoch eine wahnsinnige Präsenz mit und zeigt sich als physischer Schauspieler, der viel mit Gesten und Blicken arbeitet. … Levi ist einfach Bombe!“

Levi beim Dreh für
Levi beim Dreh für „Lieber Kurt“

„Ich fand alle meine Szenen cool!“

Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … durfte den achtjährigen Levi Wolter interviewen, der meist sehr knapp antwortete. „Lieber Kurt“ war sein erster Film – mit 18 Drehtagen -, mittlerweile hat er noch „Black Dogs“ gedreht. Die Story hat er zu Beginn noch nicht gekannt.
Wie bist du zu diesem Film gekommen?
Levi Wolter: Meine Mama hat mich gefragt, ob ich das gern machen würde und ich hab ja gesagt, weil ich Lust darauf hatte.

Hast du vorher schon für Theater oder Filme gespielt, in der Medieninformation steht, dass du selber kleine Filme drehst?
Levi Wolter: Ich hab noch nie gespielt, ich filme andere.

Wie war es, das erste Mal zu drehen?
Levi Wolter: Beim ersten Mal war ich schon ein bisschen aufgeregt, aber dann ging’s.

Du hast nur wenige Szenen mit anderen Kindern, die meisten ausschließlich mit Erwachsenen, war das mühsam?
Levi Wolter: Nein, eigentlich nicht?

Hättest du lieber gern mehr Szenen mit anderen Kindern gehabt?
Levi Wolter: Nee, mir passt das eigentlich so.

Du hast gesagt, dass du die Geschichte anfangs nicht kanntest, aber sicher beim Dreh erfahren, dass es eine tieftraurige ist und deine Figur im Film sogar stirbt. War das schwierig?
Levi Wolter: Ja

Deine Szenen sind meist sehr lustig, hattest du da einen Trick dafür?
Levi Wolter: Nein, ich weiß dann einfach, was ich in den Szenen spielen soll.

Levi beim Dreh für
Levi beim Dreh für „The Hand that feeds” mit Regisseurin Helen Hideko

War es schwierig den Text zu lernen?
Levi Wolter: Ich lern erstaunlich schnell Text.

Lernst du auch in der Schule leicht?
Levi Wolter: Ja

Also dann doch gar nicht so erstaunlich. Gibt es Szenen, die dir besonders lustig oder schwierig in Erinnerung sind?
Levi Wolter: Ich fand alle meine Szenen sehr cool.

Bei Filmdrehs gibt es oft lange Wartezeiten oder viele Wiederholungen, hat das genervt?
Levi Wolter: Nein, ich fand das cool, eigentlich wurden alle Szenen oft wiederholt.

Bist du sonst auch so geduldig?
Levi Wolter: Nein.

Was nervt dich im Alltag?
Levi Wolter: Nicht viel, außer Hausaufgaben.

Gibt es Ähnlichkeiten zwischen der Figur des Kindes Kurt und dir?
Levi Wolter: In manchen Szenen schon.

Beim Erzählen von Witzen, auch bösen und nicht ganz jugendfreien?
Levi Wolter: Ich erzähl schon oft Witze, aber keine bösen.

Hast du eine ganze Bibliothek an Witzen in Kopf?
Levi Wolter: Nein, mir fallen eher spontan welche ein.

Hättest du jetzt einen für unsere Leser:innen?
Levi Wolter: Jetzt fällt mir gar keiner ein.

Im Film spielst du in den Schulszenen eher den Klassen-Clown, ist das in echt bei dir auch so?
Levi Wolter: Mhm.

Was magst du in der Schule?
Levi Wolter: Sport und Mathe – aber keine Hausaufgaben.

Wäre Film oder Schauspiel ein möglicher künftiger Beruf, den du dir vorstellen kannst?
Levi Wolter: Es könnte schon passieren, dass ich Schauspieler werde.

Oder auch anderes wie Feuerwehrmann – deine Figur, der kleine Kurt lässt sich ja Dutzende Mal das Feuerwehrbuch vorlesen?
Levi Wolter: Ja – später als die Frage auf Fußball kommt, das er spielt, ergänzt er auch noch Fußballprofi.

Levi (ganz rechts) mit einigne seiner Mitspieler beim SC Brunn
Levi (ganz rechts) mit einigne seiner Mitspieler beim SC Brunn

In der Medieninformation steht, dass du Karate betreibst, Gitarre und Fußball spielst – nur mit Freund:innen oder auch in einem Verein?
Levi Wolter: Ich spiel bei SC Brunn (am Gebirge, NÖ).

Welche Position spielst du?
Levi Wolter: Torwart oder Sturm. Als erstes mochte ich Sturm sehr gern und dann hab ich ein bisschen den Torwart in mir gefunden. Beides spiel ich abwechselnd, ungefähr gleich oft.

Braucht es sehr viel Mut, sich als Torwart in Schüsse oder angreifenden Spielern sich entgegen zu werfen?
Levi Wolter: Nein nicht sehr.

Oder bist du generell mutig?
Levi Wolter: Ja

Hast du – wie Kurti im Film – Angst vor Monstern unterm Bett?
Levi Wolter: Nein – und er deutet an, dass die Filmfigur eigentlich auch keine Angst davor hat, sondern nur nicht allein in seinem neuen Zimmer sein will.

Hast du auf der Gitarre Lieblingslieder?
Levi Wolter: Ja, eines: „Supermodel“ von Måneskin.

Spielst du nach Gehör oder Noten?
Levi Wolter: Nach Noten und mein Gitarrenlehrer zeigt mir die Griffe.

Übst du oft?
Levi Wolter: Ja, ich will ja meine Lieder gut spielen; nicht jeden Tag, aber in der Woche schon ein paar Mal.

Nervt Üben manches Mal?
Levi Wolter: Nein

Gibt’s überhaupt irgendetwas, das dich nervt, außer Hausübungen?
Levi Wolter: Nein.

Du bist ja für deine Eltern ein Traumkind.
Levi Wolter: Mhm.

Ja, sagt die Mutter, die im Hintergrund des Raumes in jenem Hotel sitzt, in dem die Interviews stattfinden.

Gibt es – außer Hausübungen – etwas, das du nicht magst?
Levi Wolter: Ja, Tomaten.

Follow@kiJuKUheinz

Levi Wolter, der den jungen Kurt spielt, im Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I und mehr ... (Heinz Wagner, links im Bild)
Levi Wolter, der den jungen Kurt spielt, im Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … (Heinz Wagner, links im Bild)
Das Plakat zum Film
Das Plakat zum Film
Szenenfoto aus "Ich : Du : Wir" - in der Theater Arche in Kooperation mit "spatium vienna"

Tanz, Musik, Schauspiel rund um die Echtheit einer Person

Manami Okazaki, Paula Krüger, Mirjam Plank und Elke Waibel teilen sich in der „Theater Arche“ eine anfangs dunkle Bühne und stellen sich – und damit auch dem Publikum – diversen Fragen rund um Identität, Wünsche und dem menschlichen Dasein. Die anfängliche Ruhe wird von – eingespieltem – Straßenlärm unterbrochen, Mirjam Plank fängt an zu tanzen. Sie bewegt sich zum Lärm, wird immer schneller, holt ein und aus. Ihre Bewegungen erinnern an Ballett, Sparring und zeitgenössischen Tanz. Ein Mix aus allem. Sie landet auf dem Boden und steht wieder auf, kommt jedoch nie zur Ruhe, denn aus dem Background wird nach „MEHR!“ verlangt. Unterbrochen wird sie von Manami Okazaki, die umarmt werden will. Paula Krüger wiederum möchte einfach wahrgenommen werden. Die Tänzerin spielt gekonnt Überforderung angesichts der heftigen Anforderungen. Elke Waibel taucht auf und wieder unter, alle vier vermitteln jedoch – trotz der einen oder anderen Widersprüchlichkeit – vier starke Einzelpersönlichkeiten in einem solidarischen, warmherzigen Miteinander zu sein. Für sich UND als Botschaft ans Publikum.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich : Du : Wir“ – in der Theater Arche in Kooperation mit „spatium vienna“

Fraaaaaagen

In einem dialogischen Gruppenspiel und mithilfe diverser Kunstformen erforscht das Quartett (Regie: Jil Clesse) gemeinsam vor – und hoffentlich gedanklich mit – dem Publikum die unterschiedlichen Identitätsmerkmale-, Definitionen und Restriktionen des Begriffs. Fragen werden durch den Raum geworfen wie „Wer bin ich, wenn keiner hinsieht?“, „Wie fühle ich mich?“ oder „Bin ich eine Nation, ein Geschlecht, eine Fremdzuschreibung?“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich : Du : Wir“ – in der Theater Arche in Kooperation mit „spatium vienna“

Außen und Innen

Nicht nur die äußere Facette des Seins wird erforscht, sondern auch das Innere. Wünsche, Vorstellungen und Veränderungen durch sowohl interne als auch externe Erlebnisse werden durchleuchtet, wiedergegeben und on Stage erlebt. Auch Ängste, Beklemmungen und Wut bauen sich im Laufe des Abends beim Ensemble auf. Gesellschaftliche Themen und kritische Diskurse rund um das Patriarchat, Vorurteile und soziale Zwänge werden rausgeschrien, Emotionen dazu mithilfe von rund einem Dutzend an den Wänden hängenden unterschiedlichen Spiegeln aufgefangen und festgehalten. Manches Mal starten Performerinnen auf die erste Reihe der Zuschauer:innen los, Kreide in der Hand, malt die eine oder andere Sprüche, die ihnen bei genau diesem Menschen im Publikum einfallen. So cool das wirkt, führt es mitunter zu langwierigen Versuchen, das Geschriebene auf Boden oder Spiegeln zu entziffern.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich : Du : Wir“ – in der Theater Arche in Kooperation mit „spatium vienna“

Ruhemomente

Das immer wieder herrschende – choreografierte – szenisch dargestellte Tohuwabohu bricht hin und wieder aber auch in sehr große Ruhe, eine Art Innehalten, aus. Solche Diese ruhigen Momente werden meist von Manami Okazakis musikalischer Performance am Piano eingeleitet. Sie singt Japanisch und Deutsch. Ein wenig irritierend war der Szenenapplaus des Premierenpublikums bei Franz Lehárs „Wien, du bist das Herz der Welt“.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich : Du : Wir“ – in der Theater Arche in Kooperation mit „spatium vienna“

Ikigai – das, wofür es sich zu leben lohnt

Eines der wiederkehrenden Motive dieses Abends ist der Lebenssinn. Wofür lebst du? Wofür brennst du? Was wolltest du werden, bevor dich die Angst überkam, zu viel zu sein? (Klare) Antworten auf diese Fragen liefert das Ensemble nicht. Das will es auch nicht. Jede/r soll an diesem Abend Impulse bekommen, zum Nachdenken angeregt werden, sich selbst in diesen Fragen verlieren, um sich am Ende der Vorstellung sich selbst ein wenig näher kommen zu können. Neben Deutsch kommt an diesem Abend auch Englisch, Italienisch, Französisch und Japanisch zum Einsatz – „Ikigai“ steht für Lebenssinn.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich : Du : Wir“ – in der Theater Arche in Kooperation mit „spatium vienna“

IdentitätEN

Auch wenn der Duden eine klare Definition für das Wort „Identität“ liefert, hat jede/r eine eigene gelebte Realität dieses Terminus. Schließlich ist dieser facettenreich und schwierig zu begreifen. Faktum ist jedoch: Ein „Ich“ existiert nie alleine. Und schon gar nicht in der japanischen Sprache! Während die westliche Welt am unveränderlichen „ich“ festhält, fehlt in Japan eine solche Bezeichnung für das Selbst. Das Japanische „Ich“ verändert sich mit der Umgebung und verhält sich in jeder Situation anders, außerdem gibt es ein haufig verwendetes „ich“ für/von Frauen: watashi und andere – da übrigens mehrere, wie Manami Okazaki Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … erklärt: „bokü für ein neutraleres, ole für ein frecheres ich.“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich : Du : Wir“ – in der Theater Arche in Kooperation mit „spatium vienna“

Hintergründe und Anfänge des Stücks

Die Idee für das Stück kam der Regisseurin Jil Clesse, vor einem Jahr. Sie studiert Psychotherapie und liebt es, sich mit Sinnfragen zu beschäftigen, mag jedoch nicht die Schwere, welche diese Fragen meist begleitet. Deshalb entschied sie sich, diese mit einem Zugang von Leichtigkeit zu erforschen. Denn alle Emotionen sollten existieren dürfen. „Wer bin ich und wie verändert sich dieses Konstrukt, wenn ich in Berührung (mit anderen Menschen) und Bewegung gehe?“

Seit Februar wurde – nicht durchgängig – geforscht und vor ein paar Wochen dann endlich geprobt. Im Hinblick auf das Ensemble war es ihr wichtig, dass die Künstlerinnen mutig und offen sind, ihre eigenen Geschichten, Erfahrungen und Emotionen in das Stück miteinzubringen. Ein Anliegen hatte die Regisseurin für die Performance: „Die Wanderung vom Ich, dem Individuum auf das Du in die Begegnung und dann weiter zum kollektiven Wir. Ein weiteres Kernthema der Produktion war die Konditionierung des „Ich“.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich : Du : Wir“ – in der Theater Arche in Kooperation mit „spatium vienna“

Sicherer Raum, sich weit zu öffnen

Mit diesem Kernthema setzte sich das Ensemble über Wochen hinweg auseinander. Mirjam Plank und Paula Krüger erzählen in einem Interview nach der Vorführung von einer höchst intensiven ersten Woche. Sie alle kannten sich von Tag eins an so gut wie gar nicht, fanden jedoch schnell zueinander und hatten bald das Gefühl, in einem „Safe Space“ angekommen zu sein. „Uns allen war klar, dass hier alles angenommen wird, ganz gleich was ich mache und wie ich meine Emotionen Ausdruck verleihe.“ Die Aufrechterhaltung dieses sicheren Raumes ermöglichte allen Beteiligten eine außergewöhnliche Selbsterfahrung, welche im Endeffekt das Gerüst der Vorstellung bildet.

„Die tiefe Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen, Gedanken rund um Identität forderten ein enormes Maß an täglicher Aufmerksamkeit und Fokus. In der Theaterwelt wollen viele nur entertained werden, aber es kann so viel mehr sein. Es kann auch tiefgründige Impulse liefern und anregen, auch ohne das Publikum komplett zu entwurzeln!“

Szenenfoto aus
Manami Okazaki – Klavier und Gesang

Himmlisch

Auch wenn Manami Okazaki das Lied „Anata no yuna wa nandesho“ („Was sind deine Träume“) bei ihrem ersten Auftritt auf dem Tasteninstrument spielt und glockenhell singt, sei es hier ans Ende der Stückbesprechung gestellt. Sie habe das als Kind in Japan uroft gespielt, aber erst jetzt falle ihr auf: „Der Text ist urschön“, heißt es doch dort unter anderem: „Jeder hat seinen eigenen Weg, aber wir sehen alle den selben Himmel – ganz gleich, wo wir sind!“

Fatima Kandil
@fatimemoires

Mitarbeit: Follow@kiJuKUheinz

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich : Du : Wir“ – in der Theater Arche in Kooperation mit „spatium vienna“
Ehrung der Absolvent:innen von Schule und Lehre

Erfolgreiche Bildungswege – trotz Hindernissen – und „Vision 2030“

Fast fünf Dutzend gerahmte Urkunden warteten auf ihre Empfänger:innen. Im Festsaal der Akademie der Wissenschaften wurden sie kürzlich an Absolvent:innen von Studien, Lehren und Schulen vergeben – moderiert in Dari (mitreißend, fast Showmaster-mäßig von Zahra Tavakoli) und Mobaraka Nuri (Deutsch) . Viele davon in technischen Ausbildungen, nicht wenige davon Mädchen und junge Frauen. Aber auch Medizin und Wirtschaft. Vergeben wurden die Urkunden von der Interessensgemeinschaft der afghanischen Schüler:innen und Studierenden IGASUS.

Integration durch Bildung

Es war die sechste dieser Zeremonien (die jährlich stattfinden, nur pandemiebedingt zwei Jahre ausgefallen waren) des Vereins, dessen Motto lautet „Integration durch Bildung“. „Der Weg zu den Erfolgen war gewiss nicht ein einfacher! Um am jetzigen Punkt aufrecht zu stehen, haben wir viele Hürden überwunden, vor allem politische“, meinte Mojtaba R. Tavakoli, aus dem Vorstandsteam und Gründungsmitglied des Vereins, der als Doktorand am IST (Institute of Science and Technology) Austria molekularbiologische Forschungen durchführt. Er setzte sich in seiner Keynote-Speech – die gesamte Rede ist weiter unten verlinkt – vor allem mit den Vorurteilen auseinander, die vielen der rund 45.000 in Österreich lebenden Menschen, die ursprünglich aus Afghanistan gekommen sind, um die Ohren, an die Köpfe geworfen werden. Womit so manche Politiker:innen auf Wählerstimmenfang gehen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

„Vision 2030: Vorwärts für Österreich“

Tavakoli stellte aber auch die von IGASUS entwickelte „Vision 2030“ vor. „Sie basiert auf Bildung als zentraler Maßnahme und fokussiert sich auf zwei Themen: Wirtschaft und Politik. Wir schreiben uns vor, mit Vision 2030 das Selbstbewusstsein der afghanischen Community zu stärken damit sie in Wirtschaft und Politik auf langfristige Sicht selbstständiger agieren. Alle Ziele im Einklang mit der Verfassung und im Interesse von Österreich, unsere Heimat!

Mit 45.000 Menschen ist die afghanische Community die zweitgrößte Gruppe Asiat:innen in Österreich, davon 68% jünger als 29 Jahre. Mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahre, ist die Community die Jüngste in Österreich. Damit bieten wir ein enormes Humankapital an. Nur um Ihnen das zu veranschaulichen: Wir haben heute ehemaligen Absolvent:innen unter uns, die ihr eigenes Unternehmen leiten: Sohela Tavakoli, Sarah Noori, Sara Mozgan Zirak und Asif Safdary. Vier Unternehmer:innen, die gemeinsam zwischen 150 und 200 Arbeitsplätze geschaffen haben und einen jährlichen Umsatz von 10 bis 12 Millionen Euro schaffen!“

Hier unten geht es zur ganzen Rede von Mojtaba R. Tavakoli.

Bewegt und bewegend

Viele der jungen Absolvent:innen sind erst einige Jahre in Österreich. Neben der neuen Sprache und Kultur schleppen viele auch enorm gewaltige Rucksäcke voller erlebter und erlittener Gewalttaten mit sich – und die unbeschreiblichen Sorgen um Verwandte, Bekannte und Freund:innen in ihrer ersten Heimat, die seit mehr als einem Jahr wieder von den terroristischen Taliban beherrscht wird – u.a. mit Abschaffung von Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen. Als sie darüber sprach kamen Sabiha Moradi, die als Absolventin der HTL Donaustadt, Schwerpunkt IT, ausgezeichnet wurde und die eine der Preisträger:innen des mehrsprachigen Redebewerbs „SAG’S MULTI!“ ist, die Tränen – nicht nur ihr, sondern auch so manchen im Publikum , das sich nach ihrer bewegenden, berührenden Rede zu Standing Ovations erhob. Ein langer Auszug aus ihrer Rede hier unten in einem eigenen Beitrag.

Hier unten geht es zur Rede von Sabiha Moradi.

Ein Mädchen aus Afghanistan

Was Sabiha Moradi erlebte, mussten viele andere ihrer Kolleg:innen aus der Community in ähnlicher Form auch erleiden. Niemand verließ die Heimat aus Jux und Tollerei. Narges Ahmadi (21), die ebenfalls an diesem Abend ausgezeichnet worden war, stellte ihre – auch auf Social Media geteilten – Gedanken Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … zur Verfügung. Hier unten sind die Erfahrungen von sieben harten Jahren Lernens in Österreich auch verlinkt. Samt den Gefühls-Schwankungen, anfangs die Cousinen in Afghanistan zu beneiden, die nur mehr zwei Schuljahre vor sich hatten und der seit einem Jahr tiefen Sorge um deren heutiges Leben. Sowie das Versprechen, nicht aufzugeben und weiter für ihre eigene Weiterbildung und für ihre Geschlechtsgenoss:innen in Afghanistan zu kämpfen.

Hier unten geht es zum Text von Narges Ahamdi.

Follow@kiJuKUheinz

Absolvent:innen

Studium

Mohammad Ali Ataie: Master FH (Fachhochschule) Technikum Wien
Razik Azad: Master WU (Wirtschaftsuni Wien)
Fatima Ameri: Bachelor Bamyan University, Afghanistan; Zukunftsplan: Sozialwissenschaften/Journalismus studieren
Aadilah Amin: Bachelor Uni Wien
Agazia Nabizada: Bachelor FH Technikum Wien
Ali Reza Noori: Bachelor FH Technikum Wien
Saifur Rahman Rahmani: Bachelor; Zukunftsplan: Masterstudium auf der TU und selbstständig werden
Zaker Soltani: Bachelor Universität Wien – Kunstgeschichte sowie Deutsch als Zweit- und Fremdsprache; Zukunftsplan: Museologie, Forschung

Lehre

Tahera Ali Zadeh: Lehrabschluss WIFI Wien; Zukunftsplan: Als Bilanzbuchhalterin selbstständig werden UND Ausbildung zur Steuerberaterin
Nasim Alizadeh: Lehrabschluss; Zukunftsplan: Arbeit in einer medizinischen Einrichtung
Mahjabin Amini: Lehrabschluss Campus Leopoldau Gesundheits- und Pflegeschule; Zukunftsplan: Medizin-Studium
Javed Haidari: Lehrabschluss WKO; Zukunftsplan: Meisterprüfung absolvieren
Shah Chaman Hossaini: Lehrabschluss; Zukunftsplan: Elektrotechniker-Meister
Taqi Jafari: Lehrabschluss Maschinen & Fertigungstechnik & Elektronik; Zukunftsplan: Bachelor in Angewandte Elektronik
Rohollah Karimi: Fachschulabschluss HTL Mödling; Zukunftsplan: Studieren
Shawali Mirzai: Lehrabschluss Landesberufsschule Amstetten; Zukunftsplan: Studieren
Hojatolah Muradi: Lehrabschluss Berufsschule Altmünster; Zukunftsplan: Chefkoch werden
Mohammad Ilyas Naderi: Lehrabschluss WIFI Klagenfurt; Zukunftsplan: Eigenen Betrieb eröffnen
Faramarz Nazari: Lehrabschluss BPI; Zukunftsplan: Buchhalter werden
Reza Nazari: Lehrabschluss ÖBB
Shabnam Nazari: Lehrabschluss IP-Center; Zukunftsplan: eigene Konditorei eröffnen
Fatima Rezai: Lehrabschluss; Zukunftsplan: Als Friseurin/Perückenmacherin selbstständig werden

Schule

Fereba Ahmadi: HAK-Matura
Narges Ahmadi: Matura Abendgymnasium; Zukunftsplan: Studium
Saba Ahmadi: Matura, Realgymnasium; Zukunftsplan: Lehramt (Volksschule) studieren und Management: Bilanzierung und Controlling UND Masterstudium
Fatema Alizada: Matura, Realgymnasium Wien; Zukunftsplan: Studium im medizinischen Bereich
Mohammad Basir Amini: HTL-Matura Bau und Design Innsbruck; Zukunftsplan: Baubranche arbeiten und studieren
Rita Arman: Matura; Zukunftsplan: Lehramtsstudium – Chemie und Biologie und als Lehrerin arbeiten
Hamida Askari: Matura am Abendgymnasium; Zukunftsplan: Bauingenieurin
Balqiz Azami: Matura in einem Wiener BORG; Zukunftsplan: Medizin- oder Rechtswissenschafts-Studium
Mahsa Bakavoli Mohammadi: Matura an einem Wiener Abendgymnasium; Zukunftsplan: Bachelorstudium in Wirtschaft und selbstständig werden
Atila Bamyani: HAK-Matura an einer der VBS; Zukunftsplan: Bachelorabschluss Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Wirtschaft & Sport kombinieren
Atifa Dolatshahi: Matura an einem Wiener BRG; Zukunftsplan: studiert schon Wirtschafts – und Sozialwissenschaften
Mahwash Ghulami: Matura im Gymnasium am Augarten; Zukunftsplan: studiert Biologie
Mohammad Ali Ghulami: Matura im Gymnasium am Augarten; Zukunftsplan: studiert Radiologie-Technologie
Mahdie Habib: Matura an einer Wiener AHS
Sediqa Hossaini: HTL-Matura, Bautechnik; Zukunftsplan: Studium des Bauingenieurwesens
Adela Mirzahi: Matura an einem Wiener Gymnasium; Zukunftsplan: Medizinstudium abschließen und Ärztin werden
Zahra Hosseini: Matura an einer Wiener AHS; Zukunftsplan: Journalismus/ Rechtswissenschaften studieren
Samim Ibrahimi: HTL-Matura in Mistelbach; Zukunftsplan: TU Wien – Bauwesen und Infrastruktur
Maryam Khawari: Matura an einem Wiener BRG; Zukunftsplan: Internationale Betriebswirtschaft studieren
Qodratullah Miakhel: Matura an einer HTBLuVa; Zukunftsplan: aktuell als Techniker tätig, später studieren
Martina Mirzahi: Matura an einem Wiener Gymnasium; Zukunftsplan: Medizinstudium abschließen und Ärztin werden
Morsal Monir: Matura an einem Wiener Gymnasium; Zukunftsplan: Wunschstudiengänge: Zahnmedizin, Biomedizin und Biotechnologie
Sabiha Moradi: HTL-Matura, IT; Zukunftsplan: Studium, IT-Unternehmensführung
Firouza Najafi: Matura in einem Wiener Gymnasium; Zukunftsplan: Ausbildung in Labortechnik im Bereich Biochemie und dieses studieren
Susan Nazari: HAK-Matura an einer VBS; Zukunftsplan: arbeitet als Consultant bei KPMG und Studium der Betriebswirtschaft abschließen
Sahar Rajabi: Matura am GRG 23 Alterlaa; Zukunftsplan: sich selbstständig machen
Zahra Tavakoli: Matura an der Chemie-HBLVA Rosensteingasse; Zukunftsplan: Dankbarkeit ausüben. Die Welt sehen. Hinter Mauern blicken. Mehr lernen und fühlen.
Weiters wurden folgende AHS-Maturant:innen ausgezeichnet: Amin Alizade, Fatemeh Hosseini, Reza Hossini, Josef Arman, Fatima Jamali, Mustafa Mosawi und Ehsen Solaimani

Unternehmerisches Trio: Sohela Tavakoli (Geschäftspartnerin im Black Sheep Pub), Asif Safdary (eigene IT-Security-Firma CYBERACI) und Sarah Noori (betreibt mehrere Gastro-Betreibe, u.a. WeltCafé)
Unternehmerisches Trio: Sohela Tavakoli, Asif Safdary und Sarah Noori mit dem Roll-Up von IGASUS und dem Motto der Interessensgemeinschaft: Integration durch Bildung

Unternehmer:innen-Trio bei der Absolvent:innenfeier

Unternehmerisches Trio: Sohela Tavakoli (Geschäftspartnerin im Black Sheep Pub), Asif Safdary (eigene IT-Security-Firma CYBERACI) und Sarah Noori (betreibt mehrere Gastro-Betreibe, u.a. WeltCafé)

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Kinder und Jugendliche schauen die Projekttaflen an und vergeben Punkte

Autofreie Straße zum Spielen UND Lernen

Eine „Schulstraße“ (Spiel- und Lernstraße) beim Diepoldpark (Wien-Hernals), ein Dirtpark/Pumptrack auf der Donauinsel, ein ganzjähriges, überdachtes Parklett in der Kastnergasse (17. Bezirk) – das sind drei von 67 Projekten, die von den ersten Kindern und Jugendlichen die meisten Punkte bekommen haben. Am Dienstag, 20. September, einem der Weltkindertage – siehe dazu auch einen Bericht über die verschiedenen dieser Tage in einem der Links unten -, begann die große – bis 12. Oktober 2022 laufende- Abstimmung.

Eine Million Euro stellt die Stadt Wien für die Verwirklichung jener Projekte zur Verfügung, die beim Online-Voting die meisten Stimmen bekommen. Darunter befinden sich etliche Spielplatz-Ausbauten, Skatemöglichkeiten, aber auch breitere Gehsteige, USB-Ladestationen, freies WLAN, mehr Fühlstreifen für Blinde, Rutschen und andere Spiel- und Sportmöglichkeiten für Kinder aller Behinderungen oder ein KPop-Festival…

In der Schule vorbereitet

Kinder der inklusiven Montessori-Schule „Holly go Lightly“ (Wien-Hernals) hatten unter anderem die hier am Anfang genannte Idee eingebracht. „Wir haben in der Schule darüber geredet und würden gern – nicht nur für uns, sondern auch für andere Schulen – eine Straße haben, die für Autos gesperrt ist, wo wir spielen, aber auch lernen können. Eine Tafel soll dort sein und bei Schönwetter hätten wir Unterricht im Freien“, erzählen Noelia und Melissa dem Reporter. „Zuerst wollten wir ein Baumhaus, aber das kann ja einen Baum verletzen und dann sind wir auf diese Idee gekommen.“

67 aus 250

Es war dies eines von 250 eingereichten Projekten von Kindern und Jugendlichen. Aus diesen wählten junge Delegierte des Kinder- und Jugendparlaments gemeinsam mit Mitarbeiter:innen der Stadt Wien, die auch berechnen ließen, welches Projekt wie viel kosten würde, 67 Projekte aus. Diese stehen nun unter dem Motto „Dein Wien for Future“ zur (Online-)Abstimmung.

Tafel mit der Internetadresse wo abgestimmt werden kann: junges.wien.gv.at/abstimmung
Gevotet werden kann auf: https://junges.wien.gv.at/abstimmung/

Abstimmung bis 12. Oktober

Bevor mehr als ein Dutzend Kinder und Jugendliche (6 bis 12 Jahre) der genannten Schule, die auch fotografiert und gefilmt werden durften, die erste Auswahl trafen und diese mit Christoph, dem Wiener Vizebürgermeister und Stadtrat für Kinder, Jugend, Bildung, Integration sowie zwei Gemeinderätinnen – Marina und Dolores -, besprachen, hatten sich rund 100 weitere Kinder und Jugendliche im Europahaus am Rande von Wien-Penzing versammelt. Sie diskutierten Maßnahmen der Kinder- und Jugendstrategie – in deren Rahmen auch die nunmehrige Abstimmung erfolgt, deren Ergebnisse beim dritten Plenum des Kinder- und Jugendparlaments am 17. Oktober 2022 im Wiener Rathaus.

Rollen

Zurück zu den ersten Entscheidungen – die mit symbolischen Geldscheinen ausgewählt worden sind und nachträglich ins Online-Abstimmungstool eingetragen werden. Paul (8) bekommt glänzende Augen als er von seinem Lieblingsprojekt erzählt für das er gevotet hat, den Dirtpark samt Pumptrack auf der Donauinsel. „Ich selber fahre Rad, Roller und Skateboard. Der Parcours soll aber auch für Rollstuhlkinder sein“, fügt er noch hinzu.

Soziales Denken und Fühlen

Die inklusive Schule fördert offenbar ganz „automatisch“ das Miteinbeziehen von Menschen mit Behinderungen. Seine gleichaltrige Kollegin Sophie hat gleich bevor es um die konkreten Projekte ging, eingangs gemeint: „Es geht auch darum, etwas für andere zu tun“. Ausführlicher erläutert sie das im Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I und mehr …: „Es funktioniert ja nichts, wenn nicht alle zusammenhalten. Wie sollen wir sonst was gegen die CO2-Katastrophe tun?“ Sie habe „dieses Gefühl auch für andere schon immer gehabt, bestärkt worden bin ich dann als wir in der Schule ein neues Kind bekommen haben, das nicht einmal seine Eltern kennt. Dann hab ich mir gedacht, ich kann ihr vielleicht Mut machen, dass sie sich bei uns wohlfühlt und wir zusammenhalten.“

In ihrer Freizeit „schau ich am liebsten Tieren zu, wie die kommunizieren“. Ihr Lieblingsprojekt für das sie gestimmt hat und das 210.000 Euro kostet ist – wie für viele ihrer Kolleg:innen – die „Schulstraße“.

Fortsetzung des großen Partizipationsprojekts

Der Auftakt zur Abstimmung fand rund drei Jahre nachdem – damals am 30. Geburtstag der Kinderrechte (20. November 2019) im Wiener Rathaus 230 Kinder und Jugendliche den Abschluss der riesigen Mitbestimmungsaktion Werkstadt Junges Wien gefeiert hatten – statt. Das Kinder- und Jugendparlament sowie Geld für Projekte über die Kinder und Jugendliche selbst bestimmen dürfen, ist eines der Ergebnisse dieser großen Partizipationsaktion, an der sich damals rund 22.500 Kinder und Jugendliche beteiligt hatten.

Wie’s um die meisten der damals 230 vorgeschlagenen Maßnahmen steht – auch das soll unter die Lupe genommen werden. Was nicht immer einfach werden dürfte. So hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … vor eineinhalb Monaten in Sachen konkreter Vorschläge im Bereich der Wiener Linien dort mehrfach nachgefragt, aber … naja. Konkret hatten Kinder vor drei Jahren vorgeschlagen, es sollte in den Öffis an den senkrechten Stangen oder bei den Sitzen Haltegriffe in Kinderhöhe geben.

Follow@kiJuKUheinz

Reportage über die Diskussionen in einer Wiener Volksschulklasse im Rahmen von Werkstadt Junges Wien

Bericht vom Abschluss von Wekrstadt Junges Wien im Rathaus – am 20. November 2019

Mojtaba Tavakoli bei seiner Keynote-Speech bei der IGASUS-ABsolvent:innen-Zeremonie

Vision 2030! Vorwärts für Österreich

Die IGASUS-Zeremonie ist ein Anlass, um neben den Erfolgen der Community im Bildungsbereich auch die Errungenschaften im ökonomischen Bereich zu zelebrieren, und um die Menschen zu ermutigen und Ihnen zu versichern, dass unser gemeinsamer Weg, nämlich „der Weg der Bildung“ uns eine aussichtsreiche Zukunft bescheren wird.

Heute zelebrieren wir 60 Absolvent:innen, mit einem beachtlichen Frauenanteil von 60%. IGASUS ist 2015 mit der Vision gegründet worden, um genau diese Talente und Köpfe für den Fortschritt der Gemeinschaft zu bündeln. Eine Plattform bilden, die den Raum für einen konstruktiven, kritischen und sachlichen Austausch schafft, in dem wir Fehler machen, aus ihnen und voneinander lernen, und gemeinsam wachsen.

Gruppenfoto von Absolvent:innen der afghanischen Community im Festsaal der Akademie der Wissenschaften
Gruppenfoto von Absolvent:innen der afghanischen Community im Festsaal der Akademie der Wissenschaften

Keine einfachen Wege

Der Weg zu den Erfolgen war gewiss nicht ein einfacher! Um am jetzigen Punkt aufrecht zu stehen, haben wir viele Hürden überwunden, vor allem politische:

Bestimmt erinnern wir uns an die Flüchtlingswelle 2015/2016, als die Züge mit Kindern, Frauen und Männern in Bahnhöfen ankamen, die aus Angst um ihr Leben ihre Heimat verließen und zwangsläufig flüchten mussten.

Wir erinnern uns auch bestimmt an die Hunderten von Menschen, die zur Hilfe eilten. Persönlich kann ich mich sehr lebhaft an das sonnige Gefühl erinnern, welches ich tief in mir spürte: vor lauter Freude weinte und sagte mir, DIESES Land liebe ich, und diese Menschen. Dies ist eine Gesellschaft, der ich sehr gerne angehören möchte!

Die afghanische Community sah es ebenfalls als ihre Pflicht, den Menschen zur Hilfe zu eilen: Wir kochten zuhause und verteilten das Essen an die Unterkünfte, sammelten Geld und stellten es den Organisationen zur Verfügung und dienten als Brücke zwischen den Behörden und den Neu-Ankömmlingen, mit der Vielfalt der Sprachen und Kultur die wir in uns tragen. Viele schöne Erinnerungen und Freundschaften sind entstanden; eine Bereicherung fürs Leben!

Kampf gegen Vorurteile

Geschätzte Gäste,
die afghanische Community war bis zu diesem Zeitpunkt medial kaum präsent. Dennoch waren wir als Community um das friedliche Miteinander in der Gesellschaft stets bemüht. Hier und da gab es Menschen, die aus der Reihe tanzten, wie in jeder anderen Gesellschaft.

Vielleicht sagt uns allen hier der Begriff „Ballhausplatz“ etwas. Für manche steht es als ein Regierungsviertel, für manche andere als ein touristischer Ort. Die meisten in der afghanischen Community assoziieren es mit dem „Projekt Ballhausplatz“. Jenes Projekt, das die gesamte Republik auf den Kopf gestellt hat, dessen Konsequenzen wir noch lange spüren werden. Das Projekt hat der afghanischen Community Ihre Zuversicht, Zukunft und Mut geraubt und bei allen eine tiefe Narbe hinterlassen.

Innerhalb der Community löste dieses Projekt eine Phase der kollektiven Depression, und ihr gegenüber Diskriminierung und Hass in der Gesellschaft aus: in Hörsälen auf den Universitäten haben die Professor:innen, die Afghanen als Paradebeispiel für Gewalttaten herangezogen, an Arbeitsplätzen, als frauenverachtend. Wir wurden zum Spielball der politischen Kräfte.

Und trotz all dieser Phasen haben wir uns heute hier versammelt um betont und laut das Gegenteil zu demonstrieren.

Wir haben aus dieser Zeit zwei Lehren gezogen:
1) Wir sind eine resiliente Community: 40 Jahre Krieg, fern von der Heimat, in einem Land, das wir gerade begonnen hatten zu lieben, wurden wir moralisch und psychologisch erniedrigt. Trotzdem lächeln wir immer noch und schauen fokussiert in die Zukunft.

2) Die Community hat ein politisches Potenzial: mit 36.000 im Jahr 2017, haben wir ungewollt eine Wahl zu Gunsten einer politischen Partei entschieden. Was würden wir heute, mit 45.000 und fast 6000 Stimmberechtigten, davon 45% in Wien, erreichen, wenn wir es überlegt und strategisch anlegen?

Wir sind der überzeugten Auffassung, dass die Zukunft durch Visionen getrieben wird. Visionen, die wandlungs-, und anpassungsfähig sind, die Interessen einer Gesellschaft reflektieren und einem Ziel dienen: Dem Wohl der Gemeinschaft und ihren Menschen!

Bildung ist zentral

Mit dem heutigen Tag, meine Damen und Herren, leiten wir eine neue Phase für die afghanische Community ein und freuen uns sehr, Ihnen die „Vision 2030: Vorwärts für Österreich“ vorzustellen.

Vision 2030 basiert auf Bildung als zentraler Maßnahme und fokussiert sich auf zwei Themen: Wirtschaft und Politik. Wir schreiben uns vor, mit Vision 2030 das Selbstbewusstsein der afghanischen Community zu stärken damit sie in Wirtschaft und Politik auf langfristige Sicht selbstständiger agieren. Alle Ziele im Einklang mit der Verfassung und im Interesse von Österreich, unsere Heimat!

Junge Unternehmer:innen

Geschätze Verterter:Innen aus der Wirtschaft,
mit 45.000 Menschen ist die afghanische Community die zweitgrößte Gruppe Asiat:innen in Österreich, davon 68% jünger als 29 Jahre. Mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahre, ist die Community die Jüngste in Österreich. Damit bieten wir ein enormes Humankapital an. Nur um Ihnen das zu veranschaulichen: Wir haben heute ehemaligen Absolvent:innen unter uns, die ihr eigenes Unternehmen leiten: Sohela Tavakoli, Sarah Noori, Sara Mozgan Zirak und Asif Safdary. Vier Unternehmer:innen, die gemeinsam zwischen 150 und 200 Arbeitsplätze geschaffen haben und einen jährlichen Umsatz von 10 bis 12 Millionen Euro schaffen!

Hiermit laden wir die Wirtschaft herzlich ein, in dieses Humankaptial mit zu investieren: es wird eine Investition in die Zukunft Österreichs und Europas sein!

Begegnung auf Augenhöhe

Sehr geehrte Vertreter:Innen aus der Politik,
ein Mensch kann sich nur dann entfalten und weiter entwickeln, wenn die nötigen Maßnahmen vorhanden sind. Wir sind der Überzeugung, dass positive Entwicklungen im Integrationsprozess nur dann möglich sind, wenn zwei Faktoren erfüllt sind:
1) Wenn die zu Integrierenden gewillt sind
2) und wenn die Aufnahme-Gesellschaft den zu Integrierenden auf Augenhöhe begegnet.

Der erste Faktor ist gegeben, wie wir es heute und hier sehen. Bei dem zweiten gibt es einen großen Aufholbedarf. Die österreichische Integrationspolitik bedient sich einem Top-Down-Approach: die Politik schreibt vor, wodurch sich die Menschen zu integrieren haben. Wir sind uns sicher, dass Integration nicht als eine Fließbandleistung betrachtet werden sollte.

Wir haben zwei konkrete Vorschläge:
1) Ergänzung des Wiener Integrationsrates und des Expertenrates für Integration auf der Bundesebene, mit Menschen die einen direkten Bezug zum Thema mitbringen, wie zum Beispiel aus den Communities.
2) Erleichterung des Zugangs zur Staatsbürgerschaft. Ein Kind kommt in Österreich auf die Welt, besucht die Schule, maturiert, verliebt sich, arbeitet, und zahlt Steuer. Darf aber die eigene Zukunft nicht mitbestimmten.? Das betrifft 1,4 Millionen Menschen. Und 18% der über 16-Jährigen! Diese Menschen sind Fremde im eigenen Land. Sowohl demokratisch als auch wirtschaftspolitisch gesehen ist das nicht nachhaltig. Unser dringender Appell an die Politik lautet: Dass das ALTE Staatsbürgerschaftsgesetz der GEGENWART angepasst werden sollte!

IGASUS streckt ihre Kooperationshand aus! Wir sehen es als unsere Pflicht, die Wirtschaft und die Politik in diesem Bereich zu unterstützen.

Liebe Absolvent:innen,
Träume ohne Visionen bleiben NUR Träume! Und dies führt schließlich zu Enttäuschungen. Wir haben genug geträumt und wurden ausreichend enttäuscht. Es ist Zeit für unsere gemeinsame Vision, Schulter an Schulter, ob Frau oder Mann, Jung oder Alt gemeinsam daran zu arbeiten. Vision 2030 hat einen ganz klaren Auftrag:

Vorwärts für Österreich! Mit Euch als treibende Kraft und Hauptakteur:innen. In diesem Sinne wünsche ich euch und uns allen viel Kraft und Resilienz für unsere gemeinsame Zukunft!

Sabiha Moradi, eine der Absolvent:innen, bei ihrer sehr bewegenden, berührenden Rede

Unique – jede Geschichte zählt

Guten Abend sehr geehrte Damen und Herren,
Ich bin Sabiha Moradi, eine Asylberechtigte aus Afghanistan. Ich lebe seit 6 Jahren in Österreich und bin eine Absolventin aus der HTL-Donaustadt mit dem Schwerpunkt Informatik. Geboren und aufgewachsen bin ich in Pakistan, wohin meine Eltern bereits aufgrund der ethnischen Säuberung durch die afghanischen Taliban geflüchtet waren. Tja, schon seit meiner Kindheit weiß ich, was Krieg, Ungerechtigkeit, Diskriminierung, Ungleichheit und Unsicherheit bedeuten. Ich habe sie immer wieder erlebt oder miterlebt.

Bombenanschlag auf ihre Schule

Heute bin ich besonders froh, dass ich auf der Bühne eine Rede halten darf. Denn heute habe ich die Chance euch eine Geschichte zu erzählen, die auch der Grund ist, warum ich hier stehe, und die Gelegenheit wertschätze.

Es war vor vielen Jahren als ich das erste Mal an einem Redewettbewerb in meiner Schule in Pakistan teilnahm. Genauso wie heute war es damals ziemlich herausfordernd, als ein Mädchen überhaupt in die Schule zu gehen, denn es herrschte eine lebensbedrohliche Unsicherheit als eine Frau im Vordergrund zu erscheinen. Aber trotz der gefährlichen Situation ging ich weiter zur Schule und machte beim Wettbewerb fleißig mit. Ich schaffte es bis zum Finale.

Leider wegen eines Bombenanschlags, in dem meine Schule ruiniert wurde, kamen Hunderte Leute darunter meine Freunde ums Leben. Es wurde versucht, den Weg der Freiheit, Bildung sowie Gerechtigkeit zu blockieren.

Gefahren und Hindernisse überwunden

Meine Damen und Herren, wie Sie sehen, ich stehe heute noch einmal auf der Bühne, um genau diesen Weg weiterzugehen. Obwohl ich für das neue Kapitel Österreich in meinem Leben viele Hürden wie die sprachlichen Schwierigkeiten, die kulturellen Unterschiede und das herausfordernde System geschweige von Selbstzweifel, Identitätsverlust, familiären Konflikten und Erwartungen überwinden muss, bin ich dennoch stolz auf mich hier zu sein.

Es fällt euch nicht auf, aber ich bin das Beispiel von vielen, dass doppelt so viel Mut zeigen und doppelt so viel harte Arbeit leisten, um wieder von Null beginnen zu können und nach all dem, was geschehen ist, trotz der mächtigen und oft undurchdringlichen Gruppenhierarchien eine Identität und ein Netzwerk aufzubauen.

Meine Verantwortung – meine Beiträge

Ich sehe das als meine Verantwortung, als ein Mädchen dadurch meinen Beitrag in der Gesellschaft zu leisten. Was ich weiß, muss ich an die nächste Generation weitergeben und ich glaube fest daran, dass persönlicher Erfolg dann sinnstiftend ist, wenn man ihn dafür einsetzt, Communitys Auftrieb zu geben, die andernfalls abgehängt würden. Aus genau diesen Gründen bin ich ein Mitglied von IGASUS.

Nun, die mir dabei helfen, und geholfen haben, muss ich meinen Dank aussprechen, denn kein Mensch kommt je alleine ans Ziel. An dieser Stelle möchte ich vor allem meiner Familie danken, besonders meiner Mutter und meiner Schwester Bahara, die heute leider nicht dabei sein konnte. Ich kann euch nicht genug danken, trotzdem habe ich euch lieb.

Ich bedanke mich auch bei meinen LehrerInnen, meinen Mentorinnen, Freundinnen und Freunden und diejenigen, die diese Organisation gegründet haben, die mich darauf aufmerksam gemacht haben und die jetzt den Verein vertreten.

Zurückgeben

Ich hoffe eines Tages, dass ich mich als eine erfolgreiche afghanische Frau in einer Führungsposition im IT-Bereich für eure Unterstützungen revanchieren kann.

Ich schweige nicht und bin bereit jede kleine Gelegenheit zu nutzen, um für Gerechtigkeit sowie Freiheit und Bildung tausend anderer Frauen aus Afghanistan weiterzukämpfen und meine Geschichte fortzusetzen, denn egal, ob lang oder kurz, fröhlich oder traurig, vollständig oder unvollständig, denn sie ist unique – jede Stimme und jede Geschichte zählt.

Narges Ahmadi mit Geschwistern, die Blumen brachten und ihrem Vater

Ausdauer und Bemühungen haben sich gelohnt

So hier kommt eine Geschichte, meine Geschichte, die 7 Jahre lang gebraucht hat, um endlich heute geschrieben zu werden. Ich bin Narges Ahmadi, 21, ein Mädchen aus Afghanistan, das sein Land vor sieben Jahre verlassen musste. Die Geschichte beginnt also mit Flucht und dient nur als ein Beispiel vieler anderen ungesagten und ungehörten Geschichten.

Als ich in Österreich angekommen bin, musste ich mich mit vielen Dingen wie neue Sprache, neue Welt, extreme kulturelle Unterschiede, Heimweh und Einsamkeit auseinandersetzen, als wäre ich in einer anderen Welt wiedergeboren und müsste von null anfangen, um mein Leben wieder aufbauen zu können. Zwei Jahre habe ich Deutsch lernen müssen und danach bin ich in das Abendgymnasium gegangen und 2022 die Matura gemacht. 

Vielleicht fragen Sie sich, weshalb überhaupt sie wichtig sein sollte. Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Dabei wurde mir klar, dass es mir selbst wichtig ist, durchs Schreiben es mir selbst zu betonen, wie weit ich heute gekommen bin und dass sich meine Ausdauer und Bemühungen gelohnt haben und anderen einen Überblick geben, welche Auswirkung die Migration eigentlich in unterschiedlichen Bereichen des Lebens eines Menschen haben kann. Und das hier ist nur ein Teil davon.

Narges Ahmadi mit ihrem Vater
Narges Ahmadi mit ihrem Vater

Erst beneidete ich die Cousinen, jetzt leide ich mit ihnen

Ich bin in Afghanistan mit der 10. Klasse fast fertig geworden und brauchte noch zwei Jahren, um Matura zu absolvieren. Hier hat es eben sieben Jahre lang gedauert. Aber mir wurde klar, dass ich im Laufe dieser 7 Jahre Erfahrungen gesammelt habe, die Gold wert sind, die mich zu diesem würdevollen Menschen gemacht haben. Denn es braucht Mut, von null anzufangen, nicht aufzugeben und seine Träume Schritt für Schritt wahr zu machen, auch wenn der Weg sehr lang und hart ist.

Ich muss zugeben, dass es am Anfang sehr heftig für mich gewesen ist und ich ständig am Weinen war. Ich stellte mir immer wieder vor, wie es gewesen wäre, wenn ich nicht meine Heimat verlassen hätte müssen und diese sieben Jahre Verlust nicht hätte, beneidete meine Cousinen, mit denen ich zur Schule ging. Aber jetzt „dank“ Taliban bemitleide ich sie und bin zutiefst traurig. Ich denke nicht, dass dieses Gefühl echt in Worte gefasst werden kann.

ABER ein Versprechen gebe ich den Frauen aus meinem Land. ICH GEBE NICHT AUF, werde mich für euch weiterbilden, werde für meine Rechte kämpfen und meine Zukunft wird strahlen. Denn es ist erst der Anfang meiner Geschichte und das Ende wird sehr schön aussehen.

Am Ende möchte ich noch den Personen danken, die immer an meiner Seite gewesen sind und mich bedingungslos unterstützten, meinen lieben Eltern, besonders meinem Vater und mir selbst.

Rebell*innen-Kalender 2022/23

Andere Feiertage, Infos und Vorbildsie

Yusra Mardini, zweifache Olympia-Schwimmerin findet sich ebenso als Role Model im Rebell*innenkalender 2022/23 wie die Filmschauspielerin und Aktivistin Emma Watson.

Erstere ist hierzulande weniger bekannt als Zweitere. Mardini schwimmt seit ihrer Kindheit. Auf der Flucht aus Syrien zog sie gemeinsam mit ihrer Schwester Sara im Mittelmeer stundenlang ein Boot mit 20 Menschen. Zwei Mal war sie Mitglied des Teams Flüchtlingsathlet:innen-Teams bei Olympischen Spielen (2016 und 2021).

„Rebell*innen-Kalender 2022/23“, der kürzlich erschienen und kostenlos erhältlich ist, wurde gemeinsam mit Mädchen und jungen Frauen erarbeitet, sie haben Themen, Aufbau und Gestaltung maßgeblich mitbestimmt. Initiiert wurde das Projekt vom Mädchenbeirat der Hil-Foundation gemeinsam mit dem Verein Amazone.

Viele Infos und Tipps

Selbstverständlich ist er auch ein handlicher Kalender mit Infos und Tipps, Telefonnummern wichtiger Beratungs- und Hilfs-einrichtungen, Raum für eigene Notizen und einer Reihe von Porträts von Vorbildern. Neben den schon genannten unter anderem die junge Tiroler Rapperin Nenda oder die Sprecherin des Klimavolksbegehrens Katharina Rogenhofer.

Schülerin

Zu diesen zählt auch eine – hier auch kaum bekannte – sehr junge Aktivistin, die polnische (damals noch) Schülerin Krystina Paszko (heute 20 Jahre). Vor zwei Jahren in einem der ersten Lockdowns gestaltete sie die Internetseite „Rumianki i brati“ (Kamille und Steifmütterchen), die auf den ersten Blick wie ein Online-Shop für Naturkosmetika aussieht, aber vor allem psychologische Beratung für Jugendliche nicht zuletzt in Fällen häuslicher Gewalt anbietet.

Interview

Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … konnte mit einer der jungen Mitwirkenden am „Rebell*innen-Kalender“ sprechen. Die Vorarlbergerin Dione Azemi (18), die in Bregenz maturierte, studiert nun in Wien Politikwissenschaft und Psychologie. Auf die Frage, ob sie schon immer rebellisch gewesen sei, erzählt sie: „Mit elf Jahren hab ich begonnen, politisch aktiv zu sein.“

Über Kunst und Kultur

Gekommen sei das zunächst einmal über künstlerisches Interesse – über das Projekt Jugendbotschafter:innen der Young Caritas gab es Musicals zum Thema Kinderrechte. „Von Theater war ich immer sehr fasziniert und wollte mitspielen, was ich dort machen konnte.“

Bald danach war 2015/16. Die große Fluchtbewegung nach Europa habe ihren Blickwinkel in Sachen Kinderrechte dann wesentlich erweitert. „Davor war ich konzentriert darauf, Kinder dürfen nicht geschlagen werden und haben ein Recht auf Essen und Bildung. Meist aber irgendwo auf der Welt. Dann hab ich angefangen, mir bewusster zu werden, dass auch in Österreich selbst Kinderrechte immer wieder verletzt werden.“

Zwei, drei Jahre später habe sie begonnen sich bei der Aktion Kritischer Schüler:innen (AKS) und bei Black Lives Matter zu engagieren. „Durch die Pandemie war dann politischer Aktivismus doch sehr eingeschränkt“, bedauert die Studentin im Interview.

Rebellisch, Interessensvertreterin, politisch aktiv: Dione Azemi bei einer Kundgebung für Menschenrechte für alle Menschen am Bregenzer Kornmakrtplatz im Februar 2021
Rebellisch, Interessensvertreterin, politisch aktiv: Dione Azemi bei einer Kundgebung für Menschenrechte für alle Menschen am Bregenzer Kornmakrtplatz im Februar 2021

Fast immer gewählte Vertreterin

Klassensprecherin sei sie aber fast immer gewesen „und zwei Jahre lang auch Schulsprecherin. Aber auch in den Jahren, wo ich keine offizielle Funktion hatte, hab ich immer meinen Senf dazugegeben. Als Schulsprecherin konnte ich erreichen, dass der Stundenplan auch für andere Religionen angepasster wurde. Früher gab’s oft für jene, die den Islamunterricht besuchen, Lücken von zwei Stunden, während katholische Religion gut in den Stundenplan eingepasst war. Außerdem haben wir durchgebracht, dass es gratis Frauen-Hygieneartikel in der Schule gibt. Weitere Themen von mir waren immer Sozialpolitisches, Aufgreifen von Ungerechtigkeiten oder Gratis-Nachhilfe oder Unterstützungen für Schulmaterial, das Eltern privat kaufen müssen wie Taschenrechner.

Zum Rebell*innenkalender fällt Dione Azemi als erstes ein: „Ich war immer eine begeisterte Kalenderführerin und es hat mich immer gestört, dass fast nur die katholischen Feiertage angezeigt werden. Das haben wir hier anders gemacht.“ Hier gibt es gar keine religiösen Feiertage, dafür den Tag der Kinderrechte, jenen der Menschenrechte, die Aktionstage gegen Gewalt an Frauen, den internationalen Frauentag …

Azemi hatte im Gymnasium den Sprachenschwerpunkt gewählt – mit Spanisch und Latein, den mehrsprachigen Redewettbewerb „Sag’s Multi!“ leider verpasst, aber am Landesjugendredewettbewerb hab ich zwei Mal teilgenommen. „Meiner Mama war es sehr wichtig, dass wir auch die Familiensprache – (Kosovo-)Albanisch können, die sich vom Albanischen so unterscheidet wie Vorarlbergisch von Hochdeutsch. Das kann ich auch lesen und schreiben – für den Alltagsgebrauch für ein Studium würde es nicht reichen.“

Follow@kiJuKUheinz

Titelseite vom Rebell*innen-Kalender 2022/23
Titelseite vom Rebell*innen-Kalender 2022/23
Preisverleihung von EUCYS 2022 mit dabei Gewinner aus Österreich

Windkrafträder neu gedacht und Bienenrettung – brachten Gewinne für Österreich

Am Ende der rund eineinhalbstündigen Preisverleihung im Stadsgehoorzaal im niederländischen Leiden wurden Andreas Strommer und Michael Strudler genannt. Als eines von vier Teams auf Platz 1 des 33. Bewerbs junger Forscher:innen und Wissenschafter:innen. Erstmals nach Corona konnte der internationale Bewerb EUCYS (European Union Contest of Young Scientists) wieder live stattfinden – und erstmals seit vielen Jahren trug sich ein Team aus Österreich in die Liste der Gewinner:innen ganz oben ein.

132 Jugendliche aus 33 Ländern hatten ihre 85 Projekte vorgestellt. Fachjuror:innen hatten die schwierige Wahl, preise zu vergeben. Neben Top-Sonderpreisen mit Reisen zu Spitzen-Forschungseinrichtungen Europas werden Hauptpreise – vier Mal dritter, zweiter und erster Platz – vergeben. Die beiden Genannten, Absolventen der HTBLA Eisenstadt (Burgenland) hatten eine  „Vertikale Windkraftanlage mit integrierten Fliehkraftklappen“ entwickelt.

Michael Strudler und Andreas Strommer dachten Windkraftanlagen neu
Michael Strudler und Andreas Strommer dachten Windkraftanlagen neu – beim Finale von Jugend Innovativ im Juni in Wien

Was das bedeutet, hatten Michael Strudler und Andreas Strommer im Frühjahr im Bundesfinale von Jugend Innovativ Kinder I Jugend I kultur I und mehr … erläutert. Sie dachten die Windräder neu, drehten sie um 90 Grad, so dass sie nicht sternförmig horizontal wegstehen wie bisher.

Michael Strudler und Andreas Strommer dachten Windkrafträder neu
Michael Strudler und Andreas Strommer dachten Windkrafträder neu

Das erfordert, dass sich das gesamte Rad je nach Windrichtung drehen muss. Das Duo bringt die Rotorblätter senkrecht an. „Das ist effizienter, hat aber den Nachteil, dass das Werkl schwerer anläuft. Deswegen haben wir Klappen eingebaut, die bei schwachem Wind ausfahren, der sich in ihnen verfängt, sie antreibt und sobald dadurch die Rotorblätter in Schwung gebracht sind oder der Wind stärker bläst, klappen die von alleine (durch die Fliehkraft) wieder zu.“ Das sei, bestätigt das Duo die naive Frage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … ungefähr so, wie beim Spielzeugwindrädern an Holzstäben, wenn du reinbläst und damit den „Anstoß“ zur weiteren Drehung lieferst.

Das Team des Bienen-Projekts: Markus Bollwein, Jasmin Schalli und Lorenz Hinterplattner
Das Team des Bienen-Projekts: Markus Bollwein, Jasmin Schalli und Lorenz Hinterplattner – das nun beim internationalen Bewerb EUCYS einen Spezialpreis gewonnen hat

Spezialpreis für Bienenrettung

Über einen Special Award und damit auch über die Teilnahme an der EXPO Science in Luxemburg 2023 kann sich das Projekt-Team der HLUW Yspertal freuen. Markus Bollwein, Lorenz Hinterplattner und Jasmin Schalli fanden einen – natürlichen – Wirkstoff gegen die weit verbreitete tödlichen Bienenkrankheit Amerikanische Faulbrut. Beim Bundesfinale von Jugend Innovativ Anfang Juni berichtete Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … über dieses Projekt Folgendes:

SP50 statt Bienentod

Seit vielen Jahren ist weitgehend bekannt, dass Bienen ein sehr guter Indikator sind, wie es der (Um-)Welt geht. Auskenner:innen wissen seit ewig, dass die Verringerung bis Vernichtung dieser biologischen Blütenbestäuber extrem gefährlich ist. Eine weit verbreitete Krankheit, ja Seuche, die Bienen dahinrafft ist die „amerikanische Faulbrut. Ist ein Stock davon befallen, müssen alle Völker wegen Infektionsgefahr im Umkreis von drei Kilometern vernichtet werden. Nicht nur schade um die Bienen, sondern auch ein wirtschaftlicher Schaden für die Imker:innen.

Gilt aber „nur“ bisher. Denn ein Trio aus der HLUW Yspertal (Höhere Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft) des Zisterzienserstiftes Zwettl (NÖ) hat eine fast unglaubliche recht einfache, natürliche, biologische und noch dazu kostengünstige Abhilfe geschaffen. Lorenz Hinterplattner, selber seit seinem 12. Lebensjahr Imker, hat gemeinsam mit Jasmin Schalli und Markus Bollwein geforscht, welche pflanzlichen Wirkstoffe könnten die amerikanische Faulbrut – und das eben ganz naturnahe – bekämpfen und besiegen.

Die verschiedenen Stadien der Tinkturen zur Rettung der Bienenvölker
Die natürliche und so wirksame Substanz …

Tausende Wirkstoffe untersucht

„Rund 90.000 Pflanzenstoffe standen zur Auswahl. Wir haben dann recherchiert, welche sind regional verfügbar und vor allem weder für Bienen noch für Menschen – über den Honig – schädlich. Da sind rund 10.000 übrig geblieben. Die haben wir mit Hilfe von Mikrotiter-Platten analysiert. Außerdem haben wir eine Biene sozusagen in flüssiger Form nachgebaut, also die Proteine, Saccharide (Kohlehydrate) und so weiter“, erzählt das Trio Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … bei der Ausstellung aller Projekte im Bundesfinale, das erstmals nach zwei reinen Online-Jahren wieder analog und live stattfinden konnte.

Im Labor fanden die drei Jugendlichen dann heraus, welche pflanzlichen Wirkstoffe die Erreger dieser Seuche bekämpfen. Dann ging’s – unter kontrollierten – Bedingungen ins „Feld“, also an echte Bienenvölker. „Wir haben eine Notfallzulassung für unser Medikament bekommen und befinden uns bereits im Verfahren der EU-Zulassung“, berichten die Erfinder:innen des Mittels, das sie SP50 nennen. Und wie das bei richtigen wissenschaftlichen Studien State of the Art ist – mit einer Kontrollgruppe, die nicht das entwickelte in Zuckerwasser gelöste Mittel verabreicht bekommen haben.

SP50 nennt das Trio sein Mittel, das zwei Mal verabreicht, das von der amerikanischen Faulbrut befallene Volk gesunden lässt. Die mit dieser Medizin gefütterten Bienen reinigen die Waben von der abgestorbenen Brut, stecken sich selber nicht mehr an und kein anderes Volk in der Umgebung muss getötet werden.

Jasmin Schalli, Markus Bollwein und Lorenz Hinterplattner vom Bienenrettungsteam
Jasmin Schalli, Markus Bollwein und Lorenz Hinterplattner vom Bienenrettungsteam

Geringe Kosten

Die Kosten für die Behandlung eines von der Seuche befallenen Volkes liegen übrigens unter 10 Euro verraten der Jung-Imker, der schon Bewerbe gewonnen hat und Staatsmeister war. „Jetzt darf ich nicht mehr mitmachen, weil ich selbst schon Ausbildner und Wertungsrichter bin“, so Lorenz Hinterplattner, Besitzer von zehn Bienenvölkern.

Das Trio hat für die Weiterarbeit am entwickelten Medikament ein eigenes Unternehmen gegründet: Hive Analytics OG

Follow@kiJuKUheinz

Österreichs Teilnehmer:innen - Michael Strudler und Andreas Strommer vom Windkraft-Team sowie Jasmin Schalli, Markus Bollwein und Lorenz Hinterplattner vom Bienenrettungsteam mit den beiden Jugend-Innovativ-Projektbegleiterinnen Milena Makrisević (links außen) und Jana Breyer (rechts außen)
Österreichs Teilnehmer:innen – Michael Strudler und Andreas Strommer vom Windkraft-Team sowie Jasmin Schalli, Markus Bollwein und Lorenz Hinterplattner vom Bienenrettungsteam mit den beiden Jugend-Innovativ-Projektbegleiterinnen Milena Makrisević (links außen) und Jana Breyer (rechts außen)

EUCYS Leiden 2022

Montage aus Szenenfotos von "Coriaolanus" (links oben) und "Totentanz" (Mitte und rechts oben)

Machtpolitiker und Teufelskreislauf toxischer Beziehungsmuster

Wer hat wie das Sagen, regiert, herrscht – im Staat und in Beziehungen – zwei heftige Stücke junger Regisseur:innen haben Theaterklassiker verdichtet und auf die Machtfrage(n) konzentriert. Zu erleben noch bis Mitte Oktober in den ehemaligen Wehranlagen von Wiener Neustadt, den Kasematten, die seit drei Jahren von der „Wortwiege“ bespielt werden.

Diesmal inszenierte nicht Mastermind Anna Maria Krassnigg selbst, sondern zwei ihrer kürzlich absolvierten Regie-Studierenden. Azelia Opak verdichtete und inszenierte „Coriolanus“. Ihr Kolle Uwe Reichwaldt, der in „Coriolanus“ mitspielt, führte Regie in August Strindbergs „Totentanz“.

Unterschiedlichste Machtspiele

Da Kinder I Jugend i Kultur I Und mehr … über die „Coriolanus“-Inszenierung im Frühjahr im Max-Reinhardt-Seminar – das Diplomprojekt der jungen Regisseurin – ausführlich berichtet hat, sei hier nur auf die wesentlichen Unterschiede eingegangen. Davor aber nur kürzest gefasst dieses Spätwerk Shakeskeares zusammengefasst. Caius Martius, ein heldenhafter Krieger, der seine Wunden wie Trophäen trägt, erwirbt den Titel Coriolanus, weil er, der Römer, die Volsker bei Corioli besiegt. Seine Mutter, die ihn als Kampfmaschine anhimmelt, drängt ihn dazu, auch Konsul zu werden. Dazu wäre er auf die Wahl durch das Volk angewiesen. Dieses verachtet er aber abgrundtief. Zwei schlawiner-artige, intrigante, selbst Machtspiele ausführende Volkstribunen manipulieren das Volk in jeweils ihrem eigenen Interesse. Die damalige Kritik hier unten.

Die Inszenierung in Wiener Neustadt ist noch dichter, wirkt durch das schmale, schlauchartige Gewölbe auch räumlich konzentrierter als auf der breiteren, fast ausufernden Bühne des Max-Reinhardt-Seminars. Der Herzenswunsch der Regisseurin, Livemusik – Streicherinnen – ging in Erfüllung. „Beethoven (Coriolan Ouvertüre) vom Band, das geht eigentlich gar nicht“, hatte sie damals zu KiJuKU gesagt.

Hinter dem zentral die Bühne beherrschenden Bogen – meist goldfarben, bei 180-Grad- horizontaler Drehung schwarz – beherrscht ein großer Spiegel den Hintergrund. Die vielen angedeuteten Kämpfe spielen sich hinter dem Bogen ab, angedeutet mit Blutverschmierungen am Spiegel. In diesem sieht sich ein Teil des Publikums – bei langsamer Drehung des Bogens immer wieder. Das Volk, das den Konsul wählen soll, als Zuschauer:innen der Kämpfe der Verfeindeten auf beiden Seiten sozusagen 😉

Herr-schaft

Große Macht im „Kleinen“, im Alltag übt Edgar, der Hauptmann auf einer Festungsinsel in August Strindbergs „Totentanz“ aus. Mit Lukas Haas wird er übrigens von jenem Schauspieler dargestellt, der auch die Kampfmaschine Coriolanus gibt. Alice (Annina Huntziker) und Edgar, ein ¼-Jahrhundert verheiratet, scheinen überhaupt nur mehr an der Ehe festzuhalten, weil die gegenseitige Quälerei ihr einziger Lebenszweck zu sein scheint. Die toxische Beziehung als Konstante im isolierten Insel-Dasein, die Hölle auf Erden.

Spannung bringt noch ein (Jugend-)Freund von Alice ins Geschehen. Auch Kurt (Nils Hausotte) wird zum Opfer von Edgars Machtspielen, der selbst immer wieder am Rande des Todes wandelt. Letzterer wird – meist nur als Schatten zu sehen – von Isabella Wolf verkörpert, die meistens hinter dem durchscheinenden Vorhang im alten Festungsturmzimmer in Erscheinung tritt. Dort, wo ein Gutteil der Szenen von Edgar und Alice stattfinden – und gefilmt, vergrößert, gespiegelt auf den Vorhang projiziert werden (Live-Schnitt).

Wiederholungszwang

Im vorderen, moderneren, aber spiegelgleichen Zimmer agieren dann vor allem Judit (Edgars Tochter, gespielt von der Alice-Darstellerin) und Allen, Kurts Sohn (ein und derselbe Schauspieler). Sie wiederholen gleichsam die toxische Beziehung – wobei hier sie die „Herr-scherin“ ist.

Auch wenn zu Strindbergs Zeit – veröffentlicht 1900 – Ehen nicht so leicht lösbar waren, ist das System von psychisch Aneinander-Geketteten wo es für alle Beteiligten wohl besser wäre, sie würden sich trennen, noch längst nicht ein Relikt der Vergangenheit.

Neben dem präzisen Schauspiel, das immer wieder in seelische Abgründe blicken lässt und dem über weite Strecken schattenartigen Dasein des Todes, sorgt das Live-E-Gitarrenspiel samt Loop-Station von David Gratzer für eine dezente, aber atmosphärische Anreicherung.

Follow@kiJuKUheinz

Zu einer Reportage über eine der „Totentanz“-Proben geht es hier unten

Der Schriftsteller und Journalist liest aus seinen Büchern

Poetisch-philosophisch-sinnliche Betrachtungen über Persönliches und die Welt

„Auf dem Foto waren drei verschleierte Frauen zu sehen, die Angst hatten und sich darauf vorbereiteten, Aleppo zu verlassen, bevor die Kämpfe wieder ausbrechen. Eine der Frauen trug ein Kleinkind auf dem Arm und versuchte es zu beruhigen.

Es war ein normales Nachrichtenbild, nichts Besonderes, sicherlich kein Grund zu weinen; und doch hatte es mich tief berührt, weil ich das Gefühl hatte, es schon zig Mal gesehen zu haben. Der Gegensatz von nackter Gewalt und den mütterlichen Gefühlen war nicht auszuhalten. Den Frauen standen Angst und Güte zugleich ins Gesicht geschrieben und man erkannte bei dem Anblick sofort, dass es die einfachen Leute mit den einfachen Gefühlen sind, die die Last der großen geopolitischen Entscheidungen zu tragen haben.

Solch einen Exodus hatte die Welt schon Tausende Male gesehen. Die Moderne mit ihrer Arroganz denkt, sie hätte den Menschen neu erfunden und müsse ihn korrigieren. Was hatte uns das eingebrockt? Die Szenen der Flucht aus Polen, aus Vietnam, aus Afrika, aus Afghanistan und aus anderen Ecken der Welt, wie wir sie alle kennen … Mir war schon wieder zum Weinen zumute. Es drängte mich, die Ruinen meiner eigenen Stadt, mein eigenes Inneres zu verlassen und mich irgendwo in Sicherheit zu bringen. Vielleicht sehnte ich mich zurück in die Arme meiner Mutter, die Arme, die mich vor 35 Jahren fest gepackt und über die Grenze bei Taftan nach Iran hinein getragen hatten.“ (Seite 41)

Afghanistan – Iran – Deutschland – Abstecher nach Wien

Dieses lange Zitat stammt aus dem ersten Buch von Asef Hossaini, das auf Deutsch erschienen ist, „Persönliche Liebe; globalisiertes Leid“. Daraus hat der derzeit in Berlin lebende Schriftsteller und Journalist kürzlich Auszüge in Wien gelesen. Der bildende Künstler und angehende Deutschlehrer Zaker Soltani, dessen Ausstellung noch bis 22. September 2022 im Kunstraum Nestroyhof läuft – KiJuKU hat mehrmals berichtet – Links und Infos dazu unten, ebenso über das genannte Buch.

Lyrik

Der Maler war im Internet vor allem auf die Gedichte Hossainis gestoßen, die er in Dari/ Farsi/ Neupersisch veröffentlicht – in mehreren Büchern, aber auch online. Und er hatte sein Dichter-Idol gebeten, nach Wien zu kommen und im Rahmen der Ausstellung „Der Weg ins Chaos – Kabul 14. August 2021 / Kabul 15. August 2021“ (Tag/Nacht der neuerlichen Machtübernahme Afghanistans durch die Taliban) zu lesen. Das in einem steirischen Verlag – über persönliche Vernetzungen – erschienene Buch ist dabei erstmals öffentlich vorgestellt worden.

Roman

Hatte Asef Hossaini bisher Gedichte verfasst, so ist diese Buch eine Art episodenhafter Roman – und dennoch zieht sich die poetische Handschrift des Autors durch die rund 90 Seiten. Das im Zitat eingangs beschriebene Foto war dem Autor in seinem Job als Journalist untergekommen. Hossaini beschreibt aber nicht nur persönliche Schicksale solch tragischer Weltereignisse.

Vom Kleinen zum Großen und retour

Blitzlichter auf Situationen in Afghanistan, wohin er, der im Iran aufgewachsen ist, wohin seine Familie flüchtete als er ein Baby war, im Alter von 23 Jahren ging wechseln mit detailgenauer Schilderung von Kaffeehaussituationen in deutschen Städten ab. Breiten Raum nehmen die schönen Seiten einer intensiven, poetisch-philosophisch-sinnlichen Beziehung mit einer Frau namens Luna ein. Aber auch die (psychischen) Wunden, die er ihr offenbart und die wieder aufreißen, als die Beziehung zu Ende geht.

Stets schwingt Tiefgang mit, Oberflächlichkeit verabscheut der Autor als Schreibender und als Person. Der Mut, zu Gefühlen zu stehen und sich auch – zögerlich aber doch, dazu zu bekennen, Hilfe zu brauchen, kann vielleicht so manchen (jungen) Männern – aller kultureller Herkünfte – Mut machen, nicht immer den „starken Mann“ spielen zu wollen/müssen.

„Der Mensch ist eigentümlich: Schmerzt der Körper, schreit er; aber wenn die Seele strampelt, bringt er kein Wort heraus. Je schwerer die Verletzung, desto lauter der Schrei und desto tiefer das Schweigen.“ (Seite 76)

Follow@kiJuKUheinz

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Tisch mit den Büchern
Noch ist der Büchertisch recht voll – am Ende ziemlich leer. Lange Schlangen Interessierter holten sich nach der Lesung Autogramme in die gekauften Bände
Bild aus dem Film "Der Waldmacher"

Das Geheimnis unterirdischer Wälder: Auf die Natur hören

„Der Waldmacher“ wird er genannt. Nicht zuletzt in dem Dokumentarfilm von Volker Schlöndorff, der derzeit (Mitte September 2022) in Kinos läuft. Er, das ist Tony Rinaudo, heute 65 Jahre jung, geboren in Australien, wo er seit geraumer Zeit wieder lebt. Vor vier Jahren wurde er mit dem „Right Livelihood Award“, dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Bild aus dem Film
Tony Rinaudo pflanzt nicht einen Baum, sondern schützt den aus dem untergrund emporgewachsenen Sprössling

Als er in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts lange Zeit – gemeinsam mit Ehefrau Liz, die er, die kurz im Zoom-Interview mit kijuku.at auftaucht, als „die wahre Meisterin“ bezeichnet – im afrikanischen Niger auf Missions-Einsatz war, entdeckte er eine neue Art der Wiederaufforstung trockener Gebiete: Farmer Managed Natural Regeneration (FMNR) wird sie seither genannt. Und kommt nicht zuletzt in etlichen Projekten mit „World Vision“ zum Einsatz.

FMNR

Die von Landwirt:innen selbst verwaltete natürliche Regeneration (Farmer Managed Natural Regeneration) begrünt entwaldete Böden und kommt ohne Baumpflanzungen aus. Noch vorhandene, unterirdische Wurzeln gerodeter Bäume werden genutzt, um wieder auszutreiben. Die jungen Schösslinge werden dann geschützt, gezielt beschnitten und so zu kräftigen neuen Bäumen, die in lockeren Abständen auf den Feldern stehen.

Die Wurzeln halten die Feuchtigkeit in der Erde, das Laub der Bäume beschattet die Böden und sorgt zusammen mit den Früchten für das Entstehen neuer Humusschichten. Nach diesem Prinzip werden ganze Wälder wieder aufgeforstet. Zwei gewünschte Ergebnisse stehen hierbei im Vordergrund: Das Wurzelwerk schützt vor Erosion und überschüssige Äste können als Brenn- oder Bauholz genutzt werden.

https://www.worldvision.de/aktuell/2018/09/fmnr

Zufällig entdeckt

Das „Geheimnis“ entdeckte er zufällig bei einer Autopanne: Sozusagen unterirdische „Wälder“ in Form von noch immer vorhandenen Wurzelsystemen längst vertrockneter oder abgeholzter oberirdischer Bäume. So konnte er im Team mit vielen Mitarbeiter:innen bzw. durch Überzeugung von Dorf-Bewohner:innen – er hatte die weit verbreitete Sprache Hausa erlernt – im Laufe der Jahre mehr als 200 Millionen neue Bäume in der trockenen Sahelzone aufforsten.

Buch und Film

Das und wie es dazu kam samt viiiiielen Schwierigkeiten, großer Skepsis und ausführlich auch über sein tiefe Gläubigkeit, die ihm über die Tiefpunkte hinweghalf, ist im Film sehr gut zu sehen und im Buch „Unser Bäume der Hoffnung – wie ein Mann die Wunder der Schöpfung nutzbar macht, um den Hunger zu besiegen“ (siehe Infobox) zu lesen.

Schon als Kind war er sozusagen am Boden zerstört über die Naturzerstörung, die er erleben, ja erleiden musste, war aber in seiner Kleinstadt – Myrtleford im Südosten Australiens – „eher isoliert“.

Tony Rinaudo
Tony Rinaudo im Online-Video-Interview

Online-Video-Interview

Trotz aller Skepsis – von Filmverleih und Verlag – kam es zu einem knackigen Zoom-Interview von Kinder I Jugend I kultur I Und mehr … mit dem „Waldmacher“. Da das meiste ja schon in Buch und Film zu lesen/sehen ist, beschränkten sich die Fragen vor allem darauf, was er aus seinen jahrzehntelangen Erfahrungen heutigen Kindern und Jugendlichen an Botschaft(en) vermitteln möchte.

Wie hast du die immer wieder erlebten Niederschläge und Tiefpunkte überwunden?
Tony Rinaudo: Ich habe immer und immer wieder zu Gott gebetet, „vergib uns die vielen Zerstörungen, die wir als Menschen der Natur angetan haben!“ Es war/ist eine heavy Glaubens-Reise und ich bin überzeugt, gute Dinge passieren nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden. Aber wir müssen sie möglich machen.

KiJuKU-heinz
KiJuKU-heinz im Video-Online-Interview

Message an Kinder und Jugendliche – und von diesen

Im Buch und Film ist vieles zu sehen und lesen, daher hier vor allem eine zentrale Frage: Was ist deine Botschaft an Kinder und Jugendliche?
Tony Rinaudo: Es ist ganz wichtig, aufmerksam zu sein und immer Fragen zu stellen. Auch wenn unsere Schulen und Bildungssystem eher eine Art tunnelblick vermitteln – mit Scheuklappen, so dass wir oft sehr eingeschränkte Blickwinkel haben. Aber wenn du auf Menschen triffst, die bereit sind, zuzuhören, zu lernen, dann gibt es immer viele Möglichkeiten, neue Lösungen zu finden.

Und wenn ich sagen, zuhören zu können, dann meine ich, nicht nur Menschen, nicht nur gesprochenen Sprachen. Wenn du offen im Kopf bist, dann merkst du, die Natur, die Bäume können sprechen – auch zu uns Menschen. Es ist eine besondere Sprache. Aber wenn du glaubst, du hast die Lösung, dann kannst du diese Sprache nie verstehen.

Hoffnung

Warst du glücklich, als du gesehen, erlebt hast, dass mit Greta Thunberg eine neue, junge Umweltbewegung entstanden ist?
Tony Rinaudo: Sicher, es macht mich sehr glücklich. Vor Covid war ich in vielen Ländern, hab über meine Arbeit erzählt und viele junge Leute getroffen, die auch nicht aufgeben, hoffen und kämpfen. Daher hab ich das Buch geschrieben, weil ich empfunden habe, das wichtigste ist derzeit, Hoffnung zu geben, dass Veränderung möglich ist.

Hoffnung hat, wie John Maxwell schreibt, zwei wichtige Elemente: Ärger über einen Zustand wie er ist. Und ich war ein sehr verärgerter Bub – über die Zerstörung der Bäume, der Landschaft, der Natur. Hoffnung beinhaltet aber auch die Ermutigung, Dinge zu ändern.

Wenn ich sehe, wie sich junge Leute für die Umwelt engagieren, nicht nur demonstrieren, sondern auch Konkretes tun – mithelfen, dass weniger Plastik in die Ozeane kommt oder dieses aus den Meeren zu fischen, Bäume zu pflanzen wie „Plant for the Planet“ seit mehr als zehn Jahren, gegen den Klimawandel in unterschiedlichsten Arten zu kämpfen, das macht mich sehr, sehr glücklich. Weil sie Hoffnung schaffen – für sich selbst und für andere – allein durch ihre Aktivitäten.

„Jetzt wo Lockdowns zu Ende sind und gehen, werde ich wieder reisen“, kündigt Tony Rinaudo im Online-Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … abschließend an, „nach Jordanien, Kenya, Ägypten und sechs Länder in Europa, ich werde Projekte besuchen, und mit Entscheidugnsträger:innen reden …“

Na gode, thank you very much, danke für das Interview.

Follow@kiJuKUheinz

Regisseurin Brigitte Walk und Schauspielerin Ayşe Bostancı

„Rosa“ brachte ihr ein Jahr Vorschule ein

Eine 35-jährige Frau ist zum Beratungsgespräch „Bewerbungstraining II“ bestellt. Sie ist um einiges zu früh dran – ob aus Überpünktlichkeit oder weil Zug/Bus in diese Stadt es nicht anders erlaubt hätten sei dahingestellt. Sie wechselt zwischen Sitzen, irgendwie auch nervös dabei die Position immer wieder verändernd sowie auf dem Gang auf und ab gehen. Und lässt uns teilhaben an ihren Gedanken, die ihr dabei durch den Kopf gehen. Erfahrungen auf ihrem Bildungsweg. Hin und wieder schlüpft sie dabei in Rollen – ihre eigene als Kind, Jugendliche, junge Erwachsene – sowie ihrer Gegenüber: einer überstrengen Volksschuldirektorin aber auch von Bewerbungstrainern. Sie hat ihren Job gekündigt, weil sie dort angestanden ist und einfach mehr will, ihrer Qualifikationen und Kompetenzen entsprechend.

Meryem, so ihr Name, der ihr schon so manche Diskriminierung eingebracht hat, weshalb sie sich angewöhnt hat, ihn ganz schnell auszusprechen, mitunter auch anzumerken: „Sie können ruhig Mirjam zu mir sagen.“

Regisseurin Brigitte Walk und Schauspielerin Ayşe Bostancı
Regisseurin Brigitte Walk und Schauspielerin Ayşe Bostancı

Probenbesuch

Das kurze Stück „Please smile!“ unter dem Übertitel „Mut/ Wutausbruch“ im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der „Schaffarei“ der Vorarlberger Arbeiterkammer wird vom 19. bis zum 21. September 2022 in Feldkirch (siehe Info-Block) zu erleben sein. Als Anstoß zu Diskussionen um Diskriminierung von Arbeitnehmer:innen – in dem Fall geballt: Frau und Migrationshintergrund. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … durfte einen Probenvormittag im Dornbirner TanzRaum beobachten.

Flotte Rollenwechsel

Die Schauspielerin Ayşe Bostancı schlüpft in die genannten unterschiedlichen Rollen, die Autor Amos Postner für die Solodarstellerin geschrieben hat. Geht hin und her und wir können direkt miterleben, wie sie in ihre Kindheit eintaucht. Zitiert Straßen- und Gassennamen – das erste, das Meryem lesen konnte. Schon bevor sie in die Schule kam. Und dennoch musste sie ein Jahr Vorschule besuchen. So will es die Direktorin. Grund: Die sechsjährige Meryem malt – unter anderem mit ihrer Lieblingsfarbe rosa. Auf die Frage, wie die Farbe heiße „hab ich einfach Rosa gesagt“.

Meryems Lieblingsfarbe
Meryems Lieblingsfarbe

Und was machte die Schulleiterin: „Da hat sie sich zu meiner Mutter umgedreht. Es war auch jemand da, um zu übersetzen. Und die Direktorin hat gesagt: Ja, sie kann die Farben nicht gut unterscheiden. Ja, sie tut sich schwer. Es ist besser für sie, wenn sie die Vorschule besucht.“

Häää? Des Rätsels Lösung: Die Direktorin hatte erwartet, dass Meryem „Hautfarbe“ sagt. Und das obwohl rosa bestenfalls die Hautfarbe viele Schweine und in Wahrheit kaum von Menschen ist. Was aber ewig lang dennoch so bezeichnet worden ist. Auch wenn selbst Weiße kaum wirklich rosa sind und es natürlich unzählige Hautfarben gibt.

Das sind Hautfarben-Stifte
Das sind Hautfarben-Stifte

„Fototipps“

Aber auch nach dem Zeitsprung von rund drei Jahrzehnten ins jetzige Leben von Meryem erfährt sie Diskriminierung. Obwohl hier geboren und aufgewachsen und mit offenem Haar beim genannten Bewerbungstraining, fühlt sich der Trainer bemüßigt mehrfach darauf hinzuweisen, dass sie ja nur kein Kopftuch für das Foto aufsetzen möge, das sie ihrer Bewerbung beifügt.

Dabei lässt die Schauspielerin den Trainer lebensecht zwischen traurigem Mitleid und ignorantem Nicht-Verstehen wirken.

Ach ja, noch einen Rat gibt der Trainer an die Bewerberin – den er auch für alle Frauen, auch Mirjam Bauer, parat hat und der dem Stück den Titel gibt: „Bitte, immer lächeln!“

Regisseurin Brigitte Walk, sieht akribisch zu, macht sich Notizen und ermutigt Ayşe Bostancı(übrigens wär’s nicht diskiriminierend, wenn Veranstalter:innen es schaffen, Sonderzeichen in Namen aus anderen Sprachen auch in Programmankündigungen hinzukriegen) in der Rolle des Beraters Bewerberin und Publikum für ziemlich doof zu halten. „Wenn er Foto sagt, zeig ruhig mit den Händen das Viereck eines Fotos!“

Eine Dame im Kopftuch solle nicht auf dem Bewerbungsfoto sein, sagte der Trainer ...
Eine Dame im Kopftuch solle nicht auf dem Bewerbungsfoto sein, sagte der Trainer …

Über den „Mut-/ Wutausbruch“ in der Schaffarei

Mit dem Format „Mut-/ Wutausbruch“ (den ganzen September) will die Vorarlberger Arbeiterkammer „brisante arbeitsrelevante Themen auf die Bühne“ bringen, heißt es im Folder und auf der Website der „Schaffarei“. „Im Zentrum der kurzen Theater-Monologe steht immer ein Arbeitskonflikt, der nachdenklich stimmt und Diskussions-Stoff liefert. Mal geht es um die verzweifelte pflegende Angehörige am Ende ihrer Kräfte. Um eine erschöpfte Führungskraft, die am Sonntagnachmittag E-Mails beantwortet, anstatt Zeit mit der Familie zu verbringen. Oder um eine Frau, die entdeckt, dass sie ein Drittel weniger verdient als ihr Kollege, dabei aber viel mehr Leistung bringt. Im Anschluss an das Stück gibt es Berichte aus der Praxis, arbeits- und sozialpolitisches Feedback zum Thema und ein moderiertes Publikums-Gespräch.“

Follow@kiJuKUheinz

Bildmontage aus einer Einhorn-Zeichnung, einem Teddybärenfoto sowie Fotos zweier Plakatsprüche des Theaters der Jugend:"Rettet die Einhörner" und "ich könnte jetzt dringend einen Zauberstab gebrauchen"

„Don’t give up!“ ruft das Theater seinem jungen Publikum zu

Eine weltweit erfolgreiche Musical-Version von Hans Christian Andersens „hässlichem Entlein“ eröffnet die Saison des Theaters der Jugend in Wien für sein jüngeres Publikum, ab 6 Jahren – „Honk!“ (von Anthony Drewe (Text) und Goerge Stiles (Musik), Regie: Werner Sobotka). Mut zum Anders-Sein, zum Kämpfen gegen ausbeutende Erwachsene oder Umwelt-Zerstörung – das wollen auch einige andere der acht Stücke dieser Saison vermitteln – darunter Klassiker wie „Moby Dick“ oder Christine Nöstlingers „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“ … – mehr unten in einer kurzen Übersicht. Kurz sie hier nur noch erwähnt, dass erstmals Thomas Bernhards Schilderungen seiner eigenen Kindheit und Jugend für die Bühne adaptiert werden.

Neben dem künstlerischen Leiter des Theaters der Jugend in Wien, Thomas Birkmeir (rechts) sitz in der Mitte die kaufmännische Direktorin Sonja Fretzer und ihr designierter Nachfolger (ab der nächsten Saison) Ronald Hora
Neben dem künstlerischen Leiter des Theaters der Jugend in Wien, Thomas Birkmeir (rechts) sitz in der Mitte die kaufmännische Direktorin Sonja Fretzer und ihr designierter Nachfolger (ab der nächsten Saison) Ronald Hora

Nicht aufgeben!

Kinder und Jugendliche haben es nicht leicht, die (Baby-)Boomer hinterlassen der Generation Z oder auch Generation Greta einen (fast) zerstörten Planeten, in der Corona-Zeit haben sie drastische Einschränkungen ihrer sozialen Kontakt(möglichkeiten) erlitten. Dennoch wolle das Theater der Jugend mit den für diese Saison ausgewählten Stücken gleichsam zurufen „Don’t give up!“ Nicht aufgeben, hoffnungsreich und zukunftsfroh soll der Besuch der Stücke die Kinder und Jugendlichen aller Nationalitäten machen, betonte der seit 20 Jahren die beiden Häuser (Renaissancetheater und Theater im Zentrum) leitende künstlerische Direktor, Thomas Birkmeir. Ursprünglich hätte er gern den Song „Don’t give up!“ von Peter Gabriel featuring Kate Bush einspielen wollen, aber sein Team hätte ihm das ausgeredet.

International – bitte warten

Umso länger sprach er von den Herausforderungen für Kinder und Jugendliche – immer wieder mit dem Zusatz – „aller Nationalitäten“. Gestand auf die Kritik von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …, dass sich im Spielplan aber wieder keine Stücke oder Stoffe aus diversen Kulturen fänden, dass da noch Aufholbedarf bestehe. Aber dafür habe das Theater bei der Neubesetzung der Theaterpädagogik neben Katja Segelbacher aus Berlin auch Ahmad Abu Kharma mit Wurzeln und Studium in Jordanien, schon lange in Österreich und Deutschland theatermäßig unterwegs, geholt, um dessen Arabisch-Kenntnisse für Erweiterung des Spektrums an Stoffen und Stücken nutzen zu können.

Wirtschaftliche Lage

Heuer wollte man vor allem doch auf bekannte Stoffe und Stücke setzen, um nach den Corona-Jahren Publikum wieder in die Häuser zu holen. Corona einerseits, steigende Energiekosten (plus 200.000 €) andererseits und nicht gestiegene Subventionen machen dem Theater der Jugend ökonomisch zu schaffen. Die wirtschaftliche Direktorin, Sonja Fretzer (ihre letzte Saison vor der Pensionierung), bezifferte den Verlust aus abgesagten (Lockdown und Erkrankungen) Vorstellungen mit 150.000 €. Außerdem sei der sehr, sehr hohe Eigendeckungsgrad aufgrund der üblicherweise vollen Häuser durch Abstandsbesetzungen, Zurückhaltung und Einkommensprobleme von Eltern von 47 % auf 21 % gesunken.

Der Druck auf hohe Eigendeckung und die nicht gestiegenen Subventionen sei eigentlich ein kulturpolitischer Skandal. Gerade für Kultur für Kinder und Jugendliche müsse die öffentliche Hand mehr Geld zu geben bereit sein. Um nicht zuletzt Kindern aus ärmeren Haushalten Theaterbesuche zu ermöglichen. Denn die teuersten Karten gehen vollständig weg. Schon bei den mittleren Preiskategorien beginne es zu bröckeln.

Mehrmals appellierte der Theaterdirektor an die Kulturpolitiker:innen und stellte für den Fall von Sinneswandel und ausreichender finanzieller Unterstützung sogar die Gestaltung von Denkmälern in Aussicht – „Pappmaschee haben wir genug!“

Follow@kiJuKUheinz

Symbolfoto zu
Symbolfoto zu „Honk!“

„Honk“…

…, sprach es, das zuletzt geschlüpfte Entlein Gnomy und nicht „Quak“, wie all seine Geschwister. Ohne Übertreibung, Gnomy war mit Abstand das hässlichste Entlein, das die Geflügelfarm-Meute je gesehen hat.

Weltweit gefeierte Musical-Komödie basierend auf Hans Christian Andersens Märchenvorlage „Das hässliche „Entlein“ wird das Anders-Sein und der Umgang damit in den Mittelpunkt einer abenteuerlichen und tierisch-witzigen Geschichte gestellt.

Symbolfoto zu
Symbolfoto zu „Bradley – letzte Reihe, letzter Platz“

Letzte Reihe…

Es gibt Kinder, die sind gute Spucker, und das sieht man ihnen auch gleich an. Bühne frei für Bradley Chalkers, den vielleicht besten Spucker der Welt! Ein Anti-Held der Spitzenklasse – denn niemand ist so unbeliebt wie er… Deshalb sitzt er auch alleine, auf dem letzten Platz in der letzten Reihe.

Eine besondere Geschichte eines besonders Jungen, der auf der Suche nach Anschluss Hürden überwinden muss und dem es schließlich gelingt, mit Liebenswürdigkeit und Grips einen Schritt auf seine Mitmenschen zuzugehen.

Symbolfoto zu
Symbolfoto zu „Rico, Oskar und die Tieferschatten“

Tiefbegabt

In der Berliner Dieffenbachstraße geht es rund. Denn da wohnt Rico, und der ist tiefbegabt! Das heißt, er kann zwar sehr viel denken, aber hin und wieder dauert es ein bisschen länger. Kein noch so kleines Detail entgeht seinem scharfen Blick. Das stellt auch der hochbegabte Oskar fest. Dass Oskar eines Morgens nicht zu einem verabredeten Treffen erscheint, ist äußerst ungewöhnlich…

Mutig beginnt Rico mit den Ermittlungen und begibt sich auf eine investigative Spurensuche…

Symbolfoto zu
Symbolfoto zu „Ein Kind“

Ein Kind, ein Jugendlicher …

„Der Samstag ist fürchterlich, der Sonntag ist furchtbar, der Montag bringt die Erleichterung.“ (Thomas Bernhard in „Der Keller. Eine Entziehung“)

Es gilt als sein zärtlichstes Buch: Thomas Bernhards Schilderung der eigenen Kindheit und Jugend als entschiedener Aufruf zum Anderssein. Ausgehend von einem zum Scheitern verurteilten Fluchtversuch des Achtjährigen aus seinem Elternhaus, entspinnt er ein subjektives Panorama über Erwachsenwerden am Land, ganz so als wollte er das Kind von damals mit den Mitteln der Literatur nachwirkend beschützen wollen. Berührend und gleichsam skurril, sind diese Texte erstmals auf einer Bühne zu sehen.

Symbolfoto zu
Symbolfoto zu „Frau Zucker will die Weltherrschaft“

Kindliche Energie gegen ausbeuterische Erwachsene

Nur mit all ihrer kindlichen Energie kann Meggi sich der hinterhältigen Frau Dr. Giftig entgegenstellen. Diese macht gemeinsame Sache mit den vermeintlich kinderlieben Nachbar:innen Frau Zucker und Herrn Braasch, die allerdings mit einer heimtückischen Maschine aus den quirlig-munteren Kindern langweilig-phantasielose Erwachsene machen.

Symbolfoto zu
Symbolfoto zu „Frühlings Erwachen“

Im xten Anlauf …

… ist die vom Direktor des Theaters der Jugend verfasste Version DES Jugend-Klassikers „Frühlingserwachen“ nach Frank Wedekind wieder auf dem Spielplan. Schon mehrfach knapp vor der Premiere fiel sie den diversen Lockdowns zum Opfer.

Die Tatsache, dass immer mehr Jugendliche an den oft widersprüchlichen gesellschaftlichen Erwartungen zerbrechen, zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass diese provokante Bestandsaufnahme der wilhelminischen Gesellschaft auch im 21. Jahrhundert aktuell ist.

Symbolfoto zum Stück
Symbolfoto zum Stück „Moby Dick“

Moby Dick

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Kapitän Ahab und seinem tierischen Widersacher: dem weißen Wal? Erzählt wird dieser Klassiker der Weltliteratur aus der Perspektive des gutgläubigen Schiffsjungen Ismael, der als Walfänger anheuert, um Abenteuer auf hoher See zu erleben.

Die menschliche Hybris gegen die Natur erreicht in der Inszenierung eine hochaktuelle Brisanz.

Symbolfoto zu
Symbolfoto zu „Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“

Nöstlinger-Klassiker

„Mit einem Kind, das nie Quatsch macht, soll man schleunigst zum Psychologen gehen“, sagte einst die leider schon verstorbene Kinder- und Jugendbuchautorin Christine Nöstlinger.

Ein Musterknabe: blitzgescheit, kennt keine Schimpfwörter und macht zum Leidwesen seiner Mitschüler ausgerechnet immer das, was seine Lehrerin von ihm verlangt: das ist Konrad. Darüber hinaus ist Konrad ein pflegeleichtes Qualitätsprodukt, das – steril verpackt und portofrei in einer Konservendose geliefert – plötzlich vor der Haustür der unkonventionellen Berti Bartolotti landet.

Doppelseite aus dem Kinderbuch "Pizza vom Südpol"

„Bäh“ statt „Buh“ beim Gespenster-Essen

Bären haben Beerenhunger ist vielleicht das naheliegendsten Wort- und Gedankenspiel. Aber Jens Rassmus, der sehr oft Kinderbücher nicht nur illustriert, sondern auch schreibt hat sich für „13 hungrige Geschichten in seinem jüngsten (Bilder-Buch) „Pizza vom Südpol“ viel mehr an Witz – und vor allem schräge Storys ausgedacht.

Schon in „Mitternachtsschmaus“ (erstes Kapitel) verblüfft, ja verärgert das jüngste Gespensterkind den Vater, indem es „Bäh“ statt wie die Geschwister „Buh“ sagt, als er das Abendessen serviert. Naja, es hat halt nicht geschmeckt. Bis die Geschwister anmerken, könne ja gar nicht schmecken, als Gespenster falle ja selbst der köstlichste Brei einfach durch den Körper durch 😉

Dem Autor und Illustrator – neben großen, ganzseitigen Bildern zeichnet er noch kleine, schwarz-weiße Miniaturbilder in die Textseiten – fallen noch Ries:innen ein, deren Kind nicht und nicht satt zu werden scheint. Nach jedem Fütterungsversuch schreit es „WAAA, WAAA, WAAA! So schleppen die Eltern erst einen Wal, dann einen Wald, schließlich eine Wand nach der anderen an, bis sie – weil es nun reinregnet – draufkommen, Wasser wär’s gewesen.

Dafür fastet ein Krokodil bei allen Einladungen, weil es schon so satt ist, bis – oh, da wird’s eher gruselig am Ende. Apropos Einladung: Huhn und Kuh sind bei Mehlwurm zu Gast, wo sie reihum Pfannkuchen kochen. Erst nach der Hälfte des Buches taucht jener Hunger auf, der dem Werk den Titel gab. Familie Eisbär am Nordpol ordert Pizza beim Lieferservice am anderen Ende der Welt – und das dauauauauauert natürlich.

Kalt wird’s auch noch bei „Schneemannskost“ mit der doch eher unlogischen Passage, dass die Heizung und Herd haben. Erstere ist zum Glück für die Bewohner:innen ohnehin ausgefallen.

Mit Sprache und Wörtern spielt Jens Rassmus ganz unmittelbar in „Buchstabensuppe“ und „Lesefutter“ – beides, aber auch die anderen elf „hungrigen Geschichten“ ein wahres Lese- und auch Schauvergnügen in den vielen Bildern.

Follow@kiJuKUheinz

Titelseite des Buches
Titelseite des Buches „Pizza vom Südpol“
Probenfoto bei "Totentanz" im Rahmen des Festivals "Europa in Szene" in den Wr. Neustädter Kasematten

Das Publikum muss die Gefühle der Bühnenfiguren spüren können

Weißes Piano, sehr helle ausgezogene Sitz-Liege und ein fast zu schweben scheinender Zeichentisch. In diesem Ambiente, fast wie aus einem der Möbelhäuser zusammengekauft, machen sich Nils Hausotte und Annina Huntziker sowie Lukas Haas daran, Passagen aus dem zweiten Teil von August Strindbergs „Totentanz“ zu proben. Regisseur Uwe Reichwaldt hat eine Fasssung geschrieben, in der er beide Teile zu einem Stück zusammenfügte. Eine Art Wiederholung des Ehe- bzw. Beziehungsmartyriums gegenseitiger Verletzungen in der nächsten Generation als Wiederholung eines Teufelskreislaufes.

Probenfoto bei
Probenfoto bei „Totentanz“ im Rahmen des Festivals „Europa in Szene“ in den Wr. Neustädter Kasematten

Spiegelung

Die kühle zeitgenössische Einrichtung ist eine gespiegelte Version der alten Einrichtung im hinteren Teil der Bühne in einem der schmalen Gänge in den Kasematten. Da spielt sich das Drama zwischen Edgar und Alice ab, die seit 25 Jahren verheiratet sind und immer wieder mehr oder minder unverblümt zum Ausdruck bringen, dass sie es lieber nicht wären, ja wie Alice sagt – am besten nie einander kennengelernt hätten.

Art Rückblende

Dieser erste Teil – mit alten Möbeln aber spiegelverkehrt eingerichtet – ist die meiste Zeit nicht direkt zu sehen. Zwei Kameras filmen im hinteren Teil und das Geschehen wird live auf einen Vorhang zwischen alter und neuer Wohnung projiziert. Damit erschient das Live-Schauspiel Als eine Art Rückblende, erklärt der Regisseur dem Journalisten, der ein paar Stunden an einem Sonntag den Proben aus Strindbergs zweitem Teil zusehen darf.

Probenfoto bei
Probenfoto bei „Totentanz“ im Rahmen des Festivals „Europa in Szene“ in den Wr. Neustädter Kasematten

Alice und der Dauerbesucher Kurt scheinen sich gut zu verstehen, Edgar, der Hauptmann auf der Insel und Ehemann von Alice kommt zurück nach Hause. Und checkt sehr wohl, dass er nicht gerade erwünscht ist. Wie zeigt er das, wie reagieren Alice und Kurt? Bevor das Schauspieltrio das szenisch proben kann, erklärt der Regisseur ausführlich die Gefühlslagen der handelnden Personen. Womit die Schauspieler:innen sich natürlich auch schon längst beschäftigt haben und die Gefühlslage der Figuren aus ihrer Sicht ergänzen. Lieber würden sie es aber jetzt einmal spielen, in der körperlichen Aktion ausprobieren, ob sie das so rüberbringen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus einer der Endproben zu „Totentanz“ im Rahmen des Festivals „Europa in Szene“ in den Wr. Neustädter Kasematten

Erklärungen

Insbesondere in der ersten Probenphase, der Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … beiwohnen darf, neigt der junge Regisseur vielleicht ein bisschen zu oft, ausführlich die Personen, Handlungen und Hintergründe zu erklären. Vielleicht ein Ausfluss dessen, dass er mit seiner „Totentanz“-Version – in einer abgespeckteren Version – das renommierte Max Reinhardt Seminar erfolgreich abgeschlossen hatte. Es war sein Diplomprojekt. Übrigens wurde Strindbergs „Totentanz“ erst in der Inszenierung von Max Reinhardt einige Jahre nach der Uraufführung zum Erfolg.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus einer der Endproben zu „Totentanz“ im Rahmen des Festivals „Europa in Szene“ in den Wr. Neustädter Kasematten

Im Spiel suchen und finden

Dennoch vermittelt sich dem – in dem Fall einzigen – Zuschauer keinesfalls ein hierarchisches Verhältnis. Uwe Reichwaldt ordnet nicht an, was Lukas Haas, Annina Huntziker und Nils Hausotte tun sollten. Dass er da mitunter zu lange monologisiere, merkt er auch selbstkritisch an.

„Lass es uns im Spiel finden!“, bitten die drei Schauspieler:innen in Richtung Regiepult. Und sobald das Trio ins szenische Proben kommt, beginnen die Dinge auch zu flutschen. In Varianten wiederholen sie dieses Ankommen Edgars, den Versuch des geheimen Spiels zwischen Alice und Kurt – samt dem Wissen, dass der/die anderen ohnehin checken was läuft.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus einer der Endproben zu „Totentanz“ im Rahmen des Festivals „Europa in Szene“ in den Wr. Neustädter Kasematten

Lob „einbrennen“

„Da war schon vieles dabei, was sie wirklich fühlen, worum sie wirklich kämpfen, aber es ist noch nicht ganz klar fürs Publikum!“ Sätze wie diese kommen immer wieder vom Regie-Pult, auf dem neben Reichwaldt auch Regie-Assistenz Manuel Horak sitzt und das eine oder andere einbringt.

Das Machtspiel zwischen Edgar und Kurt, dessen unausweichliche Niederlage und die scheinbar gelassene Reaktion, um sich ja nicht auf das tiefe Niveau des Widersachers einzulassen – in immer wieder neuen Varianten proben die Schauspieler:innen. „Ja!“ „Genau so!“ lässt der sich nun stärker zurückhaltende Regisseur los.

Ob das nicht auch irritiere, fragt der Rezensent in der folgenden Probenpause. „Nein, gar nicht“, tönt’s fast im Chor. So präge sich das Gelungenste direkt in Körper und Geist ein.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus einer der Endproben zu „Totentanz“ im Rahmen des Festivals „Europa in Szene“ in den Wr. Neustädter Kasematten

Gefühle spüren lassen

Oft sind es kleinste Bewegungen, feinste Nuancen in Blicken oder den Stimmen woran das Trio arbeitet. Immer im Bemühen, die jeweiligen Gefühle ihrer Figuren so zu spielen, dass das Publikum sie fühlen kann – mitunter knapp vor dem Zerreißen, Explodieren… – und sie nicht flach und plakativ auszuspielen.

Eine der nächsten Szenen, deren Entstehungsprozess KiJuKU zuschauen darf ist die Verwandlung von Huntziker und Hausotte – von der Darstellerin der Alice in Edgars Tochter Judit sowie von Kurt in dessen Sohn Allan. Wenige, dezente Wechsel von Teilen der Garderobe, vor allem aber solche in der Körperhaltung. Und doch nicht zu viele. Denn im Prinzip, so Strindbergs- und verstärkt noch Reichwaldts These/Ansatz: Wiederholungstäter:innen. Die nächste Generation bricht (zu) selten aus „ewig“ eingelernten Verhaltensmustern aus.

Festival UND „Reden“

Gespielt wird „Totentanz“ ebenso wie „Coriolanus“ (Shakespeare in der Fassung von Azelia Opak; siehe auch Rezension der Diplomprüfungs-Aufführung – Link unten) in den Wr. Neustädter Kasematten, einer ehemaligen Wehranlage, die seit der Renovierung vor drei Jahren von der „Wortwiege“ bespielt wird. Nach „Bloody Crowns“ über Aufstieg und Fall von (Königs-)Reichen steht das nun anstehende Herbstfestival unter dem Motto „Europa in Szene“. Neben den beiden genannten – neu von jungen Regisseur:innen bearbeiteten – Dramen-Klassikern stehen noch wie auch schon in den vorherigen Festivals zahlreiche Diskussionen auf dem Programm. Und heuer neu: Unter dem Titel „Reden“ performen Schauspieler:innen bedeutende historische und zeitgenössische Reden jeweils zu einem Thema – mit anschließender Analyse und Diskussion.

Den Auftakt macht (am 16. September 2022) – aus leider aktuellem Anlass „Krieg“ – mit Wolodymyr Selenskyis „Ansprache bei der Sitzung des europäischen Rates“ (25. März 2022) und Joschka Fischers „Rede zum Nato-Einsatz im Kosovo“ (12. Mai 1999, Bielefeld) schauspielerisch deklamiert von Martin Schwanda bzw. Jens Ole Schmieder.

Follow@kiJuKUheinz

Doppelseite aus dem Bilderbuch "Bo NO Gong!"

Gür-TEL, Ti -Ti-TIER!, KA tza-Tza! mit BoNoGong!

Hell-, mittel- und dunkelgraue Bäume dominieren die ersten Doppelseiten. Alle schienen sie ausgeschnitten und auf sehr hellgrauem Hintergrund geklebt zu sein. Rechts in der Ecke unter zwei der Bäume trommeln auf der ersten der Doppelseiten zwei Gürteltiere. Natürlich auch ganz in Grau: „Gür-tel, Ti-Ti-Tier!“ Und das zwei Mal. Ergibt schon beim Lesen, insbesondere beim lauten, den zum Trommeln passenden Rhythmus.

Auf den folgenden Doppelseiten des Bilderbuchs „Bo No Gong“ taucht jeweils ein Farbtupfer auf. Zuerst eine orangefarbenen Katze mit Rassel, später eine gelbe Möwe mit Trompete, ein satt-blauer Dugong (Seeschwein) mit Gong… Jedes der Tiere bringt nicht nur ein Instrument mit, sondern auch einen eigenen Rhythmus, die Katze verleitet fast zum Beatboxen.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Bo NO Gong!“

Störung im Einerlei

Doch – die alle tauchen nur kurz auf und werden von den beiden Gürteltieren postwendend weggeschickt. Sie wollen kein Getöse, Gerassel usw. Schade, denkst du dir beim Lesen und Betrachten der sich jeweils über zwei Doppelseiten erstreckenden Episoden. Das Gesamtbild könnte viel mehr Farbtupfer vertragen und die der Rhythmus mehr als die Ablehnungen in Reimform und dann immer nur das ewige Einerlei namens „Gür-tel, Ti-Ti-Tier!“…

Natürlich bleibt’s nicht dabei. Das Autor:innen- und Grafik-Duo in einem – Emy (Moog) und Sandrine (Dwiggy) -, hat die Bäume und Figuren ausgeschnitten und wie in einem Zeichentrickfilm abfotografiert, um daraus die Bilderbuchseiten zu gestalten. Und bringt so ungefähr nach dem ersten Drittel viel mehr Farbe, Tonfolgen und damit Klänge ins Spiel.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Bo NO Gong!“

Was tönt von Weitem her…

Ist wahrscheinlich schon nach den ersten Seiten zu vermuten. Der Kniff: Das trommelnde Gürteltier-Duo vernimmt aus dem (noch) unsichtbaren Teil des Waldes „fröhliche, melodische Musik“. Der gehen sie nach. Plötzlich tauchen grüne Bäume auf – mehr und immer mehr. Und eine Waldlichtung. Auf der sind – das hast du sicher schon vermutet – all die von den beiden weggestamperten Tiere mit ihren Instrumenten am gemeinsamen Musizieren. „KA – du – GONG – MööÖÖÖ! BO-no – TZA – MÖ-GONG, SSSS-AAUUU-GONG-BOAAA-ÖÖÖÖ! BO-NO-TZA-MUS-TANG! BONO-GONG!  …“

Oh, wie das auch den Gürteltieren gefällt, die anderen Tiere sind nicht auf „Ätsch, ihr jetzt auch nicht“ aus, sondern laden sie ein, mitzuspielen.

Noch gibt’s kein Happy End. Denn jetzt tauchen Menschen auf die der Krach stört. Doch selbst … – na, jetzt ist schon mehr als genug verraten. Vom Geschehen und von den Bildern. Und die Botschaft kannst du dir sicher selber ganz gut „ausmalen“ 😉

Unten in der Info-Box ist auch ein Making-Of-Video verlinkt, in dem du sehen kannst wie die beiden Künstler:innen gearbeitet haben.

Follow@kiJuKUheinz

Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Bo NO Gong!“
Doppelseite aus dem Bilderbuch "Wo steckt mein kleiner Fuchs?"

Wetten, du findest den kleinen Fuchs recht schnell …

Ziemlich sicher findest du den kleinen Fuchs – lange schon bevor ihn seine Eltern sehen. Doppelseite für Doppelseite ist ein Elternteil des kleinen Füchsleins – die Schreibweise Füchschen ist aufs erste nicht ganz so leicht zu lesen – auf der Suche nach ihrem Kind. Ob im Baum, im Fluss, in einem ausgehöhlten Baumstamm – fast immer meldet sich wer, wenn gerufen wird. Nur ist’s nie der Gesuchte. Vielleicht wär’s nicht schlecht (gewesen), die anderen Tiere zu benennen – für all jene, die nicht gleich alle erkennen 😉

Schaust du genau auf die feinhaarig gezeichneten Bilder, siehst du ihn längst, sogar von Anfang an. Schon auf der Titelseite lugt Jung-Fuchs ins Bild.

Doch vielleicht haben die Eltern ihr Kind ja auch gleich von Beginn an gesehen und spielen mit ihrem Nachwuchs „nur“ verstecken?

Follow@kiJuKUheinz

Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Wo steckt mein kleiner Fuchs?“
Szenenfoto der Stationenwanderung "Die Märchen von Michael Köhlmeier"

Wenn sich der Wald rächt und andere grausame Märchen…

Kopfhörer auf und raus aus der Stadt. Vom Saumarkttheater ausgehend, entlang des Flusses Ill auf dem stadtseitigen Ufer, rüber über die Brücke. Dort erste Begegnung mit einem ein wenig teuflisch wirkenden Schauspieler (Kostüm: Eva Butzkies), der aus dem Wald kommt. Freundlich begrüßt und zu lesen beginnt. Zwei kleine Leuchten erhellen das alt wirkende Buch aus dem er nach und nach im Verlauf von rund 1 ½ Stunden sehr alt, urtümlich, naturbezogene, archaische Geschichten vorliest. Doch „Die Märchen“ (fünf aus rund 150) wurden erst vor wenigen Jahren vom Lokalmatador und doch weit über die Grenzen Vorarlbergs hinaus bekannten Autor Michael Köhlmeier neu geschrieben. Im Stile uralter, mündlich überlieferter recht grausamer Erzählungen mit starken Bildern.

Szenenfoto der Stationenwanderung
Szenenfoto der Stationenwanderung „Die Märchen von Michael Köhlmeier“

Aufopfernd

Das erste Lachen bleibt schon im Hals stecken, auch wenn der Vorleser und Erzähler Matthias Grupp, Leiter des Vorstadttheaters Basel, das mit dieser Märchenwanderung zum Abschluss des 34. Internationalen Theaterfestivals für junges Publikum namens „Luaga & Losna“ (schauen und hören), immer wieder Humor einbaut. Handelt die erste Geschichte doch von einem Buben und später in Zehn-Jahres-Schritten von Sebastian, der Grauenvolles erlebt und jedes Mal bereit ist, das eigene Leben zu geben, um beim ersten Mal die väterliche Gewalt gegenüber dessen Frau und Sebastians Mutter zu beenden. Der Gürtel als Mittel der ausgeübten Gewalt spricht zu Sebastian. Vom Leben des 13-Jährigen hätte er nichts, aber er können sein Spüren geben. Spätere Aggression eines jungen Mannes gegenüber der von Sebastian geliebten Maria bezahlt er mit dem Hörsinn … So kann er am Ende auch nichts sehen, riechen und schmecken. Reden könnte er gerade noch, aber …

Szenenfoto der Stationenwanderung
Szenenfoto der Stationenwanderung „Die Märchen von Michael Köhlmeier“

Rache des Waldes

Im nächsten Märchen lässt der Erzähler „Die Wilde“ lebendig werden, ein Wesen, das viele nicht einmal als Mensch bezeichnen wollen. Eine Frau, die als Baby allein im Wald – durch Zuwendung der Pflanzen und Tiere – überlebt, Teil dieses Biotops wird. Als die Menschen des Dorfes sie jagen und vernichten, rächt sich der Wald. Grausam. Aber waren zuvor die Menschen nicht noch viel grausamer?

Im Gewand eines uralten Märchens steckt da offenkundig mehr als ein aktuelles Bild. Gleiches gilt für die „wilde Jagd“ mit den apokalyptischen Reiter:innen (Regie: Gina Durler, Dramaturgie: Ueli Blum).

Die Abendvorstellung, die sich über weite Strecken im Dunkel am Rande des Waldes unterhalb des „Stadtschrofns“ am anderen Ill-Ufer hinter Musikschule und Altem Hallenbad abspielt, vermittelt noch zusätzliche Düsternis. Zurück über eine andere der Illbrücken geht’s mit der Geschichte von der Pest, personifiziert in einem blutrünstigen Bogenschützen.

Szenenfoto der Stationenwanderung
Szenenfoto der Stationenwanderung „Die Märchen von Michael Köhlmeier“

Erst denken, dann beten

Am Ufer des reicheren Stadtteils des oberbayrischen Bichl freuen sich die Bürger:innen, dass sintflutartige Regenfälle den Fluss so hoch steigen lassen, dass der Bogenschütze nur im ärmeren Teil wüten kann. Als jedoch der Regen aufhört, beten sie: „Bitte lösch die Sonne aus, sonst kommt zu uns die Pest ins Haus“. Dies singt der Erzähler, der schon zuvor bei anderen Märchen – genial von seinem Bruder Florian Grupp auf in einer Art Salettl am Waldrand aufgebauten Keyboards musikalisch unterstützt, begleitet bzw. in musikalischen Soli gespenstische Atmosphäre verbreitend – als gesanglicher Performer in Erscheinung getreten ist.

Das Pest-Märchen endet … – naja, die Moral von der Geschichte: Erst nachdenken, dann beten. Denn was passiert, wenn die Sonne verschwindet es kalt und immer kälter wird …?

Szenenfoto der Stationenwanderung
Szenenfoto der Stationenwanderung „Die Märchen von Michael Köhlmeier“

Corona brachte das Stück nach draußen

Für sie sei Corona für dieses Stück ein glücklicher Zufall gewesen, erklären die Künstler:innen des Baseler Vorstadttheaters. Denn ursprünglich war’s als Indoor-Version geplant. Die Distanz-Vorschriften zwangen nach Draußen. Und bei der ersten Aufführung in einem Kreuzgang dieser Schweizer Stadt durfte es nicht laut sein, weshalb die Theaterleute auf die Version mit den Kopfhörern gekommen sind. Was nicht nur das Hören und Verstehen deutlich erleichtern, sondern auch das volle Eintauchen in die Geschichten fördert.

Sie hätten übrigens, erklärt der Schauspieler und Leiter des Vorstadttheaters Basel, kaum ein Wort aus Köhlmeiers Texten gekürzt. Und das stimmt beim Nachlesen. Und verwundert, dass der Autor doch so manch unlogisch geschrieben hat wie bei Sebastian Inwendig, der schon seinen Gehörsinn hergegeben hat und dennoch hört, wie Vergangenheit und Zukunft zu ihm sagten: „Hör zu, du Ärmster der Armen. Wir beide sind Geschwister … die auf ewig getrennt sind…“ Vielleicht lag’s an der  Fülle der 151 erfundenen und manchmal sozusagen gecoverten/remixten Märchen?!

Follow@kiJuKUheinz

Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde von Luaga & Losna zur Berichterstattung nach Feldkirch und Nenzing eingeladen.

Screenshot aus der Petition von SOS-Kinderdorf

Mehr Mitsprache! Auch Jüngere sollen wählen dürfen! Frieden!

„Schule muss für Kinder da sein!“, verlangt eine von SOS Kinderdorf ausgehende Petition. Warum sollen nicht auch Jugendliche UND Kinder schon wählen dürfen, sondern erst ab 16 Jahren? Deswegen startet eine private Initiative von Menschen, die selber alle bei keiner politischen Partei engagiert sind „Die junge Wahl“. Und die österreichischen Kinderfreunde stellen ihre Aktionen zum Welttag des Kindes – am 11. September – schwerpunktmäßig ins Zeichen des Friedens.

Übrigens Welttage des Kindes gibt es mehrere – dazu dann weiter unten.

Mitgestalten statt stillsitzen

„Kinder und Jugendliche verbringen sehr viel Lebenszeit in der Schule – doch ein großer Teil von ihnen fühlt sich dort nicht wohl. Das muss sich dringend ändern. Wir wollen, dass Schule aus Sicht der Kinder und gemeinsam mit ihnen ganz neu gedacht wird!“, heißt es im Einleitungstext der Petition, die SOS Kinderdorf vor wenigen Tagen gestartet hat.

„Frühes Aufstehen, sehr lange, erschöpfende Schultage, Leistungsdruck, Stress, zu viele Aufgaben, zu wenig Erholungs- und Freizeit, aber auch Stress mit den Lehrer*innen oder ein sexistisches und nicht selten rassistisches Klassenklima setzen den Schüler*innen zu. Das muss sich ändern!

Wir wollen eine Schule, die die Kinder in den Mittelpunkt stellt. Wir wollen, dass Kinder mitgestalten dürfen. Wir wollen Schule aus der Perspektive der Kinder und mit ihnen GEMEINSAM neu denken.“
Link zur Petition unten am Ende des Beitrages.

Symbol für
Symbol für „Die junge Wahl“

Die junge Wahl

Die kommende Bundespräsidentschaftswahl – am 9. Oktober – nahmen fünf – nicht parteipolitisch engagierte Menschen (Renate Bartaun, Katharina Brandel, Ella Ort, Ursi Seibert, Max Spiess) zum Anlass, um „Die junge Wahl“ zu starten. Auch viele Jugendliche unter 16 Jahren und Kinder sind an ihrer Zukunft stark interessiert, engagieren sich in verschiedenen Initiativen und sollten das Recht haben, mitbestimmen zu dürfen. So die Idee der Initator:innen

„Die junge Wahl“ organisiert am 8. Oktober 2022 eine politische Wahl* für Kinder & Jugendliche. In Österreich lebende junge Menschen (aller Nationalitäten im Alter von 6-15 Jahren) haben dabei die Möglichkeit ihre Stimme abzugeben und so ihre politische Meinung sichtbar zu machen.

Am Tag vor der echten Bundespräsidentschaftswahl findet von 9 bis 17 Uhr die Wahl in einem Zelt auf dem Platz der Menschenrechte (1070, Wien, Mariahilfer Straße 1) sowie per Briefwahl (ab 20. September) – mit einem nicht-amtlichen Stimmzettel – statt.

„Da die Wahl ausschließlich einen symbolischen Akt darstellt, müssen sich Wähler*innen nicht ausweisen. Die Wahl setzt lediglich voraus, dass die Stimme persönlich, unbeobachtet und unbeeinflusst abgegeben wird“, schreibt die Initiative in einer Aussendung.
Wenn die Wahl vorbei ist, erfolgt eine Zählung aller abgegebenen Stimmen. Das Ergebnis wird auf der Homepage am 9. Oktober 2022, um 17 Uhr veröffentlicht.
Link zur Website unten am Ende des Beitrages.

KRÄTZA seit 1992

In Deutschland stellt die Initiative KinderRÄchTsZÄnker, kurz K.R.Ä.T.Z.Ä., schon seit 30 Jahren dies Frage, warum Kinder kein Wahlrecht haben. Es müsste ja nicht jedes Kinder oder Jugendliche/r wählen. Gilt ja auch für Erwachsene. „Seitdem gibt es im Verein Netzwerk Spiel/Kultur Prenzlauer Berg e.V. ein Projekt, in dem sich Jugendliche mit der Gleichberechtigung von Menschen unabhängig vom Alter beschäftigen. Und neben den alltäglichen Ungerechtigkeiten, denen junge Menschen häufig ausgesetzt sind, stießen sie beim Nachdenken schnell auf mehrere sehr allgemeine Punkte, die die ganze Gesellschaft betreffen: Woher nehmen Eltern das Recht, ihren Kindern Vorschriften zu machen? Ist die Schulpflicht sinnvoll oder sollte sie nicht besser durch ein Bildungsrecht ersetzt werden? Warum haben Kinder kein Wahlrecht?“, heißt es auf deren Homepage – Link unten am Ende des Beitrages.

Screenshot aus dem Startbild der ZDF-Dokumentaion („Das Uhrwerk des Lebens - Geschichte der Kindheit“
Screenshot aus dem Startbild der ZDF-Dokumentaion („Das Uhrwerk des Lebens – Geschichte der Kindheit“

Kinderbischof

Übrigens: In Regensburg gab es vor fast 800 Jahren den Brauch für einen Tag einen „Kinderbischof“ zu wählen – unter Berufung auf eine Bibelstelle (Matthäus 18): „Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist nun der Größte im Himmelreich? Und er rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“

Das ging dem Papst in Rom zu weit. Der Vatikan sprach 1249 in einem Dekret den Regensburgern ein Verbot des Brauchs der Kinderbischöfe aus. Woran sich diese nicht zu halten schienen, Mehr als 100 Jahre danach sei der Brauch noch gepflogen worden, heißt es in einer ZDF-Dokumentation („Das Uhrwerk des Lebens – Geschichte der Kindheit“)

Regenbogenbunte-Friedensfahne zum Welttag des Kindes; Pin der Kinderfreunde Österreichs
Das regenbogen-bunte Friedens-Abzeichen für die diesjährigen Weltkindertags-Feste der Kinderfreunde

Klimaschutz und Frieden

„Kein anderes Thema brennt uns allen so unter den Nägeln, wie die Zerstörung unseres Planeten und der Lebensgrundlagen all seiner Bewohner*innen. Die drohende Klimakatastrophe bedroht die Rechte von Kindern auf der ganzen Welt. Darum widmen wir den heurigen Kinderrechtetag ganz dem Recht auf eine gute, gesunde Umwelt und dem Recht auf Zukunft!“, schreiben die österreichischen Kinderfreunde auf ihrer Homepage.

Bis zum Tag der Kinderrechte – 20. November (weil da im Jahr 1989 von der UNO die Kinderrechtskonvention verabschiedet wurde) – wollen Kinderfreunde-Gruppen in ganz Österreich sich ausführlich mit Klimasschutz & Kinderrechten beschäftigen und ihre Forderungen an die Politik erarbeiten.

Symbolbild zu den Familienfesten zum Weltkindertag der Wiener Kinderfreunde
Symbolbild zu den Familienfesten zum Weltkindertag der Wiener Kinderfreunde

Unter dem Motto „Frieden“ feiern die 23 Kinderfreunde-Bezirksorganisationen Wiens am Sonntag, 11. September (der Einfachheit immer am zweiten Sonntag im September) bunte Familienfeste in Parks oder auf Spielplätzen. Kinder haben ein Recht darauf, in Freude, Zuversicht, Liebe und Frieden aufzuwachsen und, wie eben am Welttag des Kindes, auch Spaß miteinander zu erleben.
Link unten am Ende des Beitrages.

Weltkindertage

Der Tag der Kinderrechte ist – wie weiter oben schon kurz erwähnt – der 20. November an dem 1989 die Generalversammlung der Vereinten Nationen nach jahrzehntelanger Diskussion die UNO-Kinderrechtskonvention verabschiedete. Die in den einzelnen Staaten zu unterschiedlichen Zeitpunkten – nach der jeweiligen Ratifizierung – in Kraft getreten ist.

Darüber hinaus gibt es im Wesentlichen zwei weitere Welt-Kindertage – den 1. Juni und den 20. September – ein Ergebnis der jahrzehntlangen Teilung der Welt in Ost und West.

West

Am 21. September 1954 empfahl die 9. Vollversammlung der UNO ihren Mitgliedsstaaten die Einrichtung eines weltweiten Kindertages. So sollte der Einsatz für die Rechte der Kinder gefördert werden sowie die Freundschaft unter den Kindern und Jugendlichen. Außerdem sollten sich die Regierungen einmal im Jahr öffentlich verpflichten, die Arbeit des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF zu unterstützen. Die Staatengemeinschaft beauftragte UNICEF mit der Ausrichtung dieses weltweiten Tages. Die Wahl fiel auf den Vortag, den 20. September.

Offizieller Feiertag

Dieser wurde Ende Februar 2019 vom Thüringer Landtag (deutsches Bundesland) als (bundes-)landesweiter offizieller Feiertag beschlossen. Begründet wurde dies damit, wie wichtig es für Familien sei, Zeit füreinander zu haben. Der neue Feiertag soll dazu beitragen, den Freistaat kinder- und familienfreundlicher zu gestalten. Kindern und ihren arbeitenden Eltern wird mehr gemeinsame Zeit ermöglicht. Außerdem soll an die Kinderrechte und die große Bedeutung einer behüteten Kindheit erinnert werden. Und irrtümlich gibt die Website des Bundesland diesen als den Jahrestag des Beschlusses der Kinderrechtskonvention an.

Im Osten

Der 1. Juni als Weltkindertag geht – laut Wikipedia – auf die im Dezember 1948 in Budapest beschlossene Resolution des 2. Weltkongresses der „Internationalen Demokratischen Frauenföderation“ (IDFF) zurück, dem sich „Weltbund der Demokratischen Jugend“ im Jänner 1950 anschloss. Für den 1. Juni gibt es zwei Erklärungsvarianten: Schon im Juni begonnene Vorarbeiten für den genannten Kongress einerseits. Andererseits: Der chinesische Konsul in San Francisco habe anlässlich des chinesischen Drachenbootfestes Anfang Juni ein Fest für Waisenkinder in der amerikanischen Westküstenstadt veranstaltet. In den „realsozialistischen“ Ländern war der Kindertag – analog zum Internationalen Frauentag – ein „Kampftag für die glückliche und friedliche Zukunft aller Kinder“ weltweit.

Spielzeughandel

Heute wird der 1. Juni witzigerweise immer wieder vor allem von teilen des Spielzeughandels als Weltkindertag begangen. Anlässlich des diesjährigen September-Weltkindertages wandten sich hingegen deutsche Spielwarenhersteller mit einer Aussendung an Medien, die sich zwar auf Kinderrechte beruft, aber „gleiche Rechte für alle Kinder“ unter Tonnen von Klischees vergräbt: Polizei und Feuerwehr für Buben, Ponys für Mädchen.

Follow@kiJuKUheinz

Zur Kinderrechte-Schule-Petition von SOS-Kinderdorf

Die junge Wahl

Kraetzae.de

Kinderfreunde

Kinderfreunde -> Welttag-Familienfeste

zdf.de -> das-uhrwerk-des-lebens-geschichte-der-kindheit

Szenenfoto aus "Perro perdido/ Der verlassene Hund"

Würdevoll auf Augenhöhe über „arme Hunde“

Für einen Hund hätte sie Luxusgröße. Doch die aus unterschiedlichen Wellblechteilen zusammengeflickte „Hütte“ vermittelt schon von Weitem eher den Eindruck eines Armenhauses – Behausungen für an den Rand vor allem großer Städte im globalen Süden. In „Perro perdido“ (der verlorene oder verlassene Hund) mit dem die spanische Gruppe Cal y Canto Teatro beim Festival „Luaga & Losna“ im Vorarlberger Feldkirch in dieser großen „Hütte“ gastiert (noch am Freitag zwei Mal zu sehen – siehe Info-Block) geht es zentral um einen von einer schicken Lady in einem Karton ausgesetzten strubbeligen Hund. Der fortan auf der Straße sein Leben fristen muss. Und sich doch recht bald mit den neuen Verhältnissen zurechtfindet.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Perro perdido/ Der verlassene Hund“

Berührend ohne Pathos

Spannend einerseits und stark berührend andererseits – ohne je auch nur pathetisch zu werden oder auf die sprichwörtliche Tränendrüse zu drücken, spielen Marcos Castro, Sofía Gómez und Ana Ortega die Geschichte mit einem Stoffhund und einigen Requisiten. Sie spielen auf einer kleinen, schmalen Bühne in dieser Hütte, in die sie das Publikum nach und nach tänzerisch animierend einladen auf schmalen Bänken einer kleinen Tribüne Platz zu nehmen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Perro perdido/ Der verlassene Hund“

Aus der Sicht des Hundes

Den schwarzen Vorhang ziehen sie meist nur ganz wenig hoch, so dass zwar der Hund immer ganz, die Menschen, denen er begegnet jedoch meist höchstens bis zum Knie zu sehen sind. Womit das Publikum von Vornherein die Perspektive des „lost dogs“ oder durchaus auch von Kindern einnimmt. Und irgendwie erinnert die Szenerie auch eine Art Cinemascope – eines Kinofilms auf (TV-)Monitor mit oben und unten einem schwarzen Streifen.

Zwischen Wühlen im Müll, rasenden Autos, aber auch tanzenden, sich verkaufenden, aber auch anderen, demonstrierenden Menschen, die das System deftig verdammen – (fast) immer sehen wir nur die Beine der anderen – lediglich von zwei der Mitwirkenden dargestellt – einer muss ja den Hund da durch führen 😉
„Nur“ der Obdachlose mit dem sich der namenlose Perro perdido anfreundet, kommt auf die Augenhöhe des Vierbeiners herunter, wenn er sein Schlaf-Lager auf einer auf dem Boden liegenden Matratze aufsucht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Perro perdido/ Der verlassene Hund“

Armut und Würde

Womit sich auch der Kreis von der Wellblechhütte (Bühnenbild und Objekte: Marcos Castro, Néstor Alonso, Alberto González) als Behausung armer Menschen zum Schicksal „armer Hunde“ die auch Menschen sein können, schließt. Die runde Stunde, die das Stück dauert nehmen die Schau- und Figurenspieler:innen aber nie eine Mitleids-Haltung von oben herab ein. Wie sie das Schicksal des Hundes, aber auch des Obdachlosen darstellen ist eine auf Augenhöhe, des Respekts und auch der (Hoch-)Achtung, wie beide sich in ihrer Lage durchkämpfen. Das Stück der Gruppe aus Burgos (Nordspanien), die vom Straßentheater kommt, belässt den „armen Hunden“ jedenfalls ihre Würde.

Offenes Ende

Der Atem stockt den meisten gegen Ende, wenn ein Auto heranrast – einfach zwei Scheinwerfer in Händen gehalten – und den Hund erwischt. Das Schlussbild, in dem erstmals der Vorhang ganz nach oben geht und eine Frau von hinten zu sehen ist, die den Hund auf Händen trägt und mit ihm ins Tageslicht des offenen Fensters schaut, lässt bewusst offen: Hat er nun sein behagliches Zuhause auf der Erde oder metaphorisch im Himmel gefunden.

Follow@kiJuKUheinz

Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde von Luaga & Losna zur Berichterstattung nach Feldkirch und Nenzing eingeladen.

Plakat zum Stück
Plakat zum Stück „Perro perdido/ Der verlassene Hund“
Einige Kinder vor einer großen Kinderrechtefahne

Klimawandel, Kindeswohl und soziale Grundrechte

Vor fast 33 Jahren beschloss die UNO-Generalversammlung die Kinderrechtskonvention (20. November 1989), in Österreich trat sie mit der Ratifizierung durch den Nationalrat fast drei Jahre später in Kraft – am 5. September 1992. Aus diesem Anlass zogen die Kinder- und Jugendanwaltschaften eine Art Bilanz.

Die Kinderrechte in Österreich umzusetzen und zu schützen ist auch nach 30 Jahren nicht viel leichter geworden. Dennoch blicken alle Kinder- und Jugendanwaltschaften positiv in die Zukunft. „Es gibt noch viel was wir erreichen können mit und für unsere Kinder, Enkelkinder und alle nachfolgenden Generationen!“, so die Kinder- und Jugendanwält:innen Österreichs.

Kern

Die UN-Kinderrechtskonvention regelt vom Recht auf Bildung, über das auf Gesundheit bis hin zu jenem auf Spielen den gesamten Lebensbereich von Kindern und Jugendlichen. Zentraler Bestandteil ist aber auch, dass Kinder nicht nur diese, sondern auch das Recht auf Mitsprache und Mitentscheidung haben.

„Alle Kinder haben Rechte und kein Kind darf diskriminiert werden.
Das Kindeswohl muss immer im Mittelpunkt stehen.
Alle Kinder haben ein Recht darauf zu leben und sich bestmöglich entwickeln zu können.
Jedes Kind muss die Möglichkeit haben, bei allen es betreffenden Entscheidungen gehört und ernst genommen zu werden. An diese zentralen Grundsätze müssen wir die Umsetzung der Kinderrechte in Österreich messen“
, stellen die Kinder- und Jugendanwaltschaften aller Bundesländer fest.

Wo stehen wir?

Fakt ist: die Lage der Kinderrechte in Österreich hat sich, auch durch den Einsatz der Kinder- und Jugendanwaltschaften, in den letzten 30 Jahren deutlich verbessert. Genauso klar ist aber auch, dass wir bei weitem noch nicht am Ziel angelangt sind. „Es ist noch viel zu tun, bis wir tatsächlich davon ausgehen können, dass die Kinderrechte in Österreich effektiv umgesetzt sind. Noch immer sehen wir große Lücken bspw. im Bereich der formellen und informellen Bildung oder der Kinder- und Jugendhilfe. Da müssen wir bei der Berücksichtigung der Kinderrechte insbesondere hinsichtlich einer gelebten Partizipation noch nachschärfen“, so die Kinder- und Jugendanwält:innen.

Soziales Grundrecht gegen Kinderarmut

Die vielen Krisen mit denen wir aktuell konfrontiert sind treffen gerade die Jüngsten in unserer Gesellschaft besonders hart. Das merkt man nicht zuletzt an den Folgen der Pandemie, durch die psychische Belastungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen stark gestiegen sind. Auch die abermals gestiegene Kinderarmut ist aus Sicht der Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs ein Problem, das entschlossen angegangen werden muss. „Hier müssen wir so schnell wie möglich handeln und das Kindeswohl in seiner Rolle als soziales Grundrecht ernst nehmen. Wir haben im Sinne des Kindeswohlvorrangigkeitsprinzips die Verantwortung, dass allen Kindern die Rahmenbedingungen für eine bestmögliche Entwicklung und Entfaltung zur Verfügung stehen“, so die Kinder- und Jugendanwält:innen.

Klimawandel ist größte Bedrohung

Der Klimawandel ist immer noch die vermutlich größte Bedrohung für die Rechte von Kindern und Jugendlichen in Österreich. Auch in diesem Bereich wird es wichtig sein, die Entwicklungschancen der Kinder und Jugendlichen sicherzustellen, mutige Entscheidungen für die nächsten Generationen schon heute zu treffen. Dabei besteht nach Art 1 des Bundesverfassungsgesetzes über die Rechte von Kindern die gesetzliche Verpflichtung im Sinne der Generationengerechtigkeit zu handeln und somit auch zukünftige Beeinträchtigungen ernst zu nehmen.

kija.at

Szenenfoto aus Abana B’Amazi/ Die Kinder von Amazi

Sinnlich-poetisches Spiel um das brisante Problem von Wassermangel

Über die versteckte Treppe hinauf auf die Hinterbühne – wo sich das Publikum vor einem riesigen schwarzen Kunststoff-Wassertank niederlässt, wie er auf vielen Häusern Afrikas montiert ist, um Regenwasser zu sammeln. Um das kostbare, (Über-)Lebensmittel Wasser dreht sich das Gastspiel von Ishyo Arts Centre aus Ruanda und Théatre du Papyrus (Belgien): Abana B’Amazi – dies ist die Kinyarwanda-Version des auf Deutsch übersetzten Titels „Die Kinder des Wassers“.

Kinyarwanda ist neben (Ki-)Swahili, Englisch und Französisch Amtssprache in Ruanda, wo das Ishyo Arts Centre beheimatet ist. Dort entstand in einem langen Prozess mit Künstler:innen aus diesem Land sowie aus Kenya und Burundi, in Kooperation mit dem genannten belgischen Theater, dieses Stück nach einer Idee von Rivardo Niyonizigiye, das beim Internationalen Theaterfestival „Luaga & Losna“ im Vorarlberger Nenzing zu sehen, nein, erleben war.

Durch den leeren Wassertank

Alle werden willkommen geheißen – nicht zuletzt mit dem chorisch gesungenen Lied „Nzoza ryari sha“ (ebenfalls Kinyarwanda mit u.a. der Bedeutung Ich warte darauf, dass du endlich kommst). Dabei geht’s zunächst durch den aufgeklappten Wassertank auf die Bühne und von dort in den Publikumsraum.

Der Wassertank ist auf der Bühnenseite nun eine große Stroh-gedeckte Hütte, einige der Künstler:innen gruppieren sich um Miniatur-Kopien der großen Hütte aus Kübeln mit spitzen runden Strohdächern. Sie erinnern sich an die Zeit, als es noch Wasser gab. Das einkassiert und nur mehr gegen Geld zu haben war.

Szenenfoto aus Abana B’Amazi/ Die Kinder von Amazi
Szenenfoto aus Abana B’Amazi/ Die Kinder von Amazi

Sinnliche Bilder

Mit wenigen Worten – in den erwähnten Sprachen, aber auch einigen eingeflochtenen deutschen Wörtern – spielen Rivardo Niyonizigiye, Arthur Banshayeko, Juma Kennedy Oduor, Claudia Noëlla Shimwa, Abdoulrahim Mujyambere und Eliane Umuhire in großen, poetisch-sinnlichen Bildern. Durch letztere wird die Geschichte noch viel mehr als mit den bewusst spärlich eingesetzten Sätzen lebendig. Eine der beeindruckendsten Szene: Eine der Schauspielerinnen drillt ein Bein eines Mitspielers, der zum „Feuer“ wird und sich bedrohlich ausbreitet, die anderen „Bäume“ abfackelt.

Szenenfoto aus Abana B’Amazi/ Die Kinder von Amazi
Szenenfoto aus Abana B’Amazi/ Die Kinder von Amazi

Spürbar

Ebenso schmerzhaft spürbar Durst und der Entzug der Lebensgrundlage, das Geschäftemachen mit Wasser. Eine kleine handgebastelte Puppe symbolisiert die dürstenden, hungernden Kinder – oder auch das Wasser selbst? So manche der Szenenbilder lassen unterschiedliche Interpretationen offen. Amazi, die durch sorglosen Umgang der Menschen mit Wasser und Natur gekränkte Wassergöttin (in der süd-afrikanischen Sprache Zulu bedeutet Amanzi Wasser und auch Kinyarwanda ist eine der verandten Bantou-Sprachen) kann nur einerseits durch Opfergaben, vor allem aber die von der Puppe ausgehenden Tränen, die schließlich bei allen Mitspieler:innen aber auch aus dem Publikum gesammelt werden, besänftigt/umgestimmt werden. Sie steigt aus dem Himmel herab und wird zur wunderbaren Regenmacherin.

Szenenfoto aus Abana B’Amazi/ Die Kinder von Amazi
Szenenfoto aus Abana B’Amazi/ Die Kinder von Amazi

Magisch

Der magische Schlussmoment: Sie taucht ihre Hände in einer großen Metallschale in Wasser, reibt die metallenen Griffe – Klänge entstehen, erfüllen den gesamten Raum – beruhigend, erfüllend, hoffnungsfroh. Die Wasseroberfläche kräuselt sich und Hunderte kleine Springbrunnen entstehen in der Schale. Da letzteres aus den Publikumsreihen nicht so gut zu sehen ist, dürfen alle, die wollen, nach dem Applaus die Bühne (wieder) betreten und selbst diesen physikalischen Effekt ausprobieren, der mehr wird als die reine Naturwissenschaft.

Szenenfoto aus Abana B’Amazi/ Die Kinder von Amazi
Zuschauer:innen drüfen nach dem Stück den magischen Moment selber ausprobieren

Mehrsprachigkeit

Schauspieler:innen, Sänger:innen, Autor:innen (Isabelle Pillot, Freddy Sabimbona), Regisseur:innen und Prodzent:innen (Carole Umulinga Karemera, Bernard Chemin) haben diese Geschichte über eines der brennendsten Probleme vieler Länder (nicht nur) Afrikas – Dürre einerseits und Privatisierung von Wasser, fehlende bzw. erforderliche Empathie und den Zusammenhalt, um wieder an Wasser – und Hoffnung – zu kommen, in intensiver, sehr langer blockweise zusammengekommener Zusammenarbeit entwickelt. Mehrmals veränderte sich im Lauf des Entstehungsprozesses die Geschichte. Die Spieler:innen haben aber auch viele Inputs für Bühne (Bühne: Didier de Neck) oder den Gesang (musikalische Leitung: Hervé Twahirwa) gegeben. Die verschiedenen Sprachen sind nie ein Hindernis (gewesen), Mehr- und Vielsprachigkeit ist in den meisten Ländern Afrikas gelebter Alltag.

Szenenfoto aus Abana B’Amazi/ Die Kinder von Amazi
Szenenfoto aus Abana B’Amazi/ Die Kinder von Amazi

Gespielt wird es – oft gleichzeitig an verschiedenen Orten – von zwei Ensembles. Jede und jeder der Mitwirkenden hat daneben, wie sie in einem Nachgespräch erzählen die unterschiedlichsten eigenen künstlerischen Projekte – Theater, Film, Texte … oder unterrichtet, vor allem (benachteiligte) Kinder und Jugendliche.

Follow@kiJuKUheinz

Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde von Luaga & Losna zur Berichterstattung nach Feldkirch und Nenzing eingeladen.

In nicht einmal einer halben Stunde wäre der ganze grüne Prater weg - anschauliche, symbolische Aktion zum Schutz globaler Wälder - im März 2022 in Wien

Vier von fünf Österreicher:innen für Verbot von Produkten aus Waldzerstörung

Vier von fünf Befragten in Österreich sind über die Zerstörung und Schädigung der weltweiten Wälder besorgt, 83 Prozent sprechen sich für ein EU-Waldschutzgesetz aus, das es Unternehmen untersagt, Waren aus waldschädigendem Anbau zu verkaufen. Dies ergab eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Globescan im Auftrage mehrerer Umwelt- und Verbraucherorganisationen, darunter WWF EU Office, Ecologistas en Acción, Envol Vert, Deutsche Umwelthilfe, CECU, Adiconsum, Zero, Verdens Skove und Fern. Im Juli wurden in Österreich 1000 Menschen befragt, ebenso viele in weiteren acht EU-Ländern: Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Spanien, Schweden.

Die Umfrage fand im Vorfeld der Abstimmung über ein neues EU-Waldschutzgesetz im Europäischen Parlament statt. Europaweit sind 82 Prozent der Ansicht, dass Unternehmen keine Produkte verkaufen sollten, die auf Waldzerstörung zurückgehen und 78 Prozent befürworten gesetzliche Verbote von Produkten aus Waldzerstörung.

Titelseite der ausfürhlichen Auswertung der Umfrage in neun EU-Ländern
Titelseite der ausfürhlichen Auswertung der Umfrage in neun EU-Ländern

Gegen Aufweichung des Gesetzes

Die österreichische Menschenrechtsorganisation Südwind sieht in den Umfrageergebnissen einen klaren Auftrag für eine Nachschärfung des aktuellen EU-Gesetzesentwurfs und kritisiert die anhaltenden Aufweichungsversuche. Am 13. September soll im Europäischen Parlament zum neuen EU-Waldschutzgesetz abgestimmt werden. „Mit Minimalkompromissen und immer neuen Schlupflöchern wird kein gutes Gesetz gelingen“, sagt Joachim Raich, Südwind-Experte für Waldschutz. „Der politische Auftrag ist klar: Die Abgeordneten zum EU-Parlament sind gut beraten, die Forderungen der Bevölkerung nach einem strengen EU-Waldschutzgesetz ernst zu nehmen und den aktuellen Gesetzesentwurf entsprechend nachzuschärfen“, so Raich. Die neue Globescan-Umfrage zeigt in allen Untersuchungsländern eine eindeutige, über alle Parteienzugehörigkeiten und Generationen hinwegreichende Übereinstimmung für strenge Regeln gegen Entwaldung.

Landrechte Indigener

Mehr als acht von zehn Östereicher:innen (84 %) sind der Meinung, dass das Gesetz nicht nur gegen die Entwaldung vorgehen sollte, sondern Unternehmen auch dazu verpflichten sollte, keine Produkte mehr zu verkaufen, die andere wichtige Ökosysteme wie etwa Savannen und Feuchtgebiete zerstören. Darüber hinaus sollte es laut 83 Prozent für Unternehmen verboten sein, Produkte zu verkaufen, die die Landrechte von Indigenen verletzen.

Kundinnen und Kunden zum Umdenken bereit

Drei von vier Österreicher:innen (75%) geben an, gegen Unternehmen vorgehen zu wollen, die Produkte herstellen oder verkaufen, die Abholzung vorantreiben. 39 Prozent würden ganz aufhören, bei diesen Unternehmen zu kaufen, 36 Prozent geben an, ihre Einkäufe reduzieren zu wollen und fast jede und jeder Fünfte (18%) würde sogar so weit gehen, Bekannte davon zu überzeugen, ebenfalls nicht mehr bei diesen Unternehmen zu kaufen. Diese Boykotts- und Reduktionsbereitschaft liegt in Österreich über dem Durchschnitt der neun Untersuchungsländer.

Unternehmen in Europa sind aufgrund ihrer Importe zusammengenommen der zweitgrößte Verursacher weltweiter Entwaldung. Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist die industrielle Landwirtschaft für fast 90 Prozent der Abholzung von Tropenwäldern verantwortlich. Fast 1,2 Millionen EU-Bürgerinnen und Bürger forderten bereits im Dezember 2020 in einer Petition eine strenge Verordnung, um die importierte Entwaldung zu stoppen.

Hier kann die ganze Umfrage – in englischer Sprache – runtergeladen werden.

Szenenfoto aus "Der Kleine Prinz" von Theater Fabual und Figurentheater St. Gallen (Schweiz)

Riesenschlange mit Elefant oder nur ein Hut?!

DER Spruch aus Saint-Exupérys bekanntestem Werk ist so allgegenwärtig wie Merchandising-Produkte mit dem blonden strubbeligen Buben. Doch viele scheinen (fast) die ganze Geschichte „Der kleine Prinz“ nicht wirklich zu kennen, wie so manch überraschte Lacher bei der Erzähltheaterversion von Theater Fabula und Figurentheater beide aus St. Gallen (Schweiz) nahelegten. Damit wurde das 34. Internationale Theaterfestival „Luaga & Losna“ (Schauen und Hören – auf Standard-Deutsch übersetzt) in der letzten Ferienwoche Mittel- und Westösterreichs eröffnet – noch bis 10. September, siehe Info-Block am Ende des Beitrags.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der Kleine Prinz“ von Theater Fabual und Figurentheater St. Gallen (Schweiz)

Wer spielt wen?!

Als Kinder hätte sie selber die Geschichte so gar nicht gemocht, sagte im Inszenierungsgespräch nach der vollbesetzten Vorstellung Frauke Jacobi, die in dunklem Overall mit großem Koffer den Saal im Feldkircher Saumarkttheater betritt. Erst als Erwachsene habe sie Gefallen daran gefunden. Anfangs streitet sie sich auf der Bühne und wäre lieber der kleine Prinz, habe sie doch sogar Haare wie die bekannte Figur, die Antoine de Saint-Exupéry vor rund 80 Jahren geschrieben und gezeichnet hat (Erstveröffentlichung: 1943 in New York). Doch das macht ihr Bühnenkollegin Eliane Blumer streitig. Sie sei doch die Jüngere und die andere der ideale Pilot.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der Kleine Prinz“ von Theater Fabual und Figurentheater St. Gallen (Schweiz)

Riesenschlange vs. Hut bzw. Geister

Bevor die beiden später aus dem Koffer eine kindgroße Handpuppe hervorzaubern, die über weite Strecken die Hauptfigur wird, beginnen sie aus der übersetzten Originalgeschichte zu lesen, dann und wann auch frei zu erzählen. „Pilot“ Frauke Jacobi zeichnet immer wieder auch live auf schwarzem Naturpapier mit Kreidestift. Natürlich beginnt sie dabei mit der Riesenschlange, die einen ganzen Elefanten verschlungen hat – was fast alle Erwachsenen nur als „Hut“ erkennen. Weshalb der kleine Prinz an der Fantasielosigkeit der „großen Leute“ (ver-)zweifelt und auch noch das Innere der Boa zeichnen muss.

Etwas, das viele Kinder aus eigenem – leidvollem – Erleben kennen, wenn etwa eine Lehrerin einer Volksschülerin sagt „so schaut kein Geist aus!“, weil diese ein Fantasiewesen und nicht wie die meisten anderen den klassischen Leintuchgeist zeichnet (real passiert!).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der Kleine Prinz“ von Theater Fabual und Figurentheater St. Gallen (Schweiz)

Live-Zeichnungen und Musik

Eliane Blumer, der ein gelber Schal reicht, um das Alter Ego des Puppen-Prinzen zu sein, bedient die Live-Musik während ihre Kollegin zeichnet. Sie legt Schallplatten auf, hin und wieder scratcht sie ein wenig dabei, spielt kleine Drehorgeln und sorgt für andere atmosphärische Geräusche. Jacobi lässt – projiziert – die verschiedenen Planeten entstehen, von denen der Kleine Prinz erzählt, mitunter neben den Zeichnungen mit ausgeschnittenen Elementen, die sie wie in Pop-Up-Bilderbüchern bewegt. Und das Umfeld des abgestürzten Piloten mitten in der Wüste, wo er auf das phantas-tische Kind tritt, lässt die Schau- und Figurenspielerin mit Vogelsang auf den Spieltisch rieseln. In dem sie in der Folge mit Fingern zeichnet – was so wie die anderen Bilder in den Bühnenhintergrund auf eine schwarze Tafel auf einer Staffelei projiziert wird.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der Kleine Prinz“ von Theater Fabual und Figurentheater St. Gallen (Schweiz)

Fuchs

Neben der Prinzen-Puppe erscheint auch der Fuchs, der so gerne „gezähmt“ würde – als Symbol für verantwortungsvolle Beziehung – als Stoff-Puppe (Figuren: Mechtild Nienaber, Susette Neuweiler, Barbara Bruderer). Für die Stückfassung und die Regie des Stücks, das ursprünglich nur als szenische Lesung geplant war, zeichnet Katja Langenbach verantwortlich. Musik und Geräusche konzipierte exakt auf die Inszenierung abgestimmt Stefan Suntinger. So manche Requisiten und Bühnenelemente wie etwa die aus rotem, knisterndem Papier dargestellten Rose(n) seien durch Improvisation im Probenprozess entstanden, so die beiden Theaterfrauen aus St. Gallen.

Ach ja, für jene, denen DER eingangs angesprochene so bekannte Sager nicht und nicht einfallen will: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Follow@kiJuKUheinz

Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde von Luaga & Losna zur Berichterstattung nach Feldkirch und Nenzing eingeladen.

Doppelseite des Kinderbuchs "Ein Wald für die 4A"

Wenn der Ausflug in den Wald weit mehr ist als ein Wandertag

Nach einem Stern in der 3a bekommt die nunmehrige vierte Volksschulklasse einen ganzen Wald. War es Lehrer Gabriel Stern (!) in der dritten Klasse mit der „Giraffensprache“ gelungen, Olli und Max, Patrizia, Leonie, Amelie, Flo, Julian, TomTom zu achtsameren Umgang miteinander zu bewegen, so scheint am Beginn der nunmehrigen 4A so ziemlich alles vergessen zu sein, wie die nach den vorher eingefahrenen Mustern ablaufenden Reibereien zeigen.

Vielleicht helfen mehrere Exkursionen in den nahegelegenen Wald mit Beobachtungen der belebten Natur, dem sich Einlassen auf das Leben auf, unter und zwischen den Bäumen, das Entdecken von Neuem und schließlich gar das Setzen junger Bäumchen – angeleitet von Waldpädagogin Steffi – die schon gewonnenen Erkenntnisse wieder hervorzuholen. Und obendrein den neuen Mitschüler Philip in die Klassengemeinschaft zu integrieren.

Lebensnah schildert die Autorin die Wickel in der Klasse, Machtspielchen jener, die sich als Boss aufspielen und doch meist nur stark sind, wenn sie Unterstützer:innen haben, andere auslachen, fertig machen. Die anderen, die schüchtern, zurückhaltend sind, sehr viel Kraft brauchen, um sich durchzuringen, etwas gegen das Runtermachen zu sagen. Wenngleich die eine oder andere der Figuren vielleicht aus Klischee-Darstellungen ausbrechen könnte …

Magisch

Und dann entfahren der einen oder dem anderen der Volksschüler:innen mitten im Wald so Sätze wie, dass dies ein magischer Ort sein, dass nicht nur Menschen, sondern auch Vögel und andere Tiere, ja sogar der Wind in den Ästen Musik machen kann.

Elfriede Wimmer ist nicht nur immer wieder auf Lesereise durch Schulen unterwegs, sie hält häufig auch Workshops gegen Mobbing ab. So kam sie vor mehr als zehn Jahren auf die Idee, Erkenntnisse und Erfahrungen in eines ihrer Bücher einzuarbeiten: „Ein Stern für die 3A“. Aus diesem Grund wurde sie eingeladen, in einer Projektgruppe mitzuarbeiten, die sich mit „Spurensuche nach Gewaltprävention im Wald“ beschäftigte.

Giraffensprache

Und daraus ist dieses vor drei Jahren veröffentlichte Buch entstanden. Ungefähr in der Mitte des Buches über das Waldprojekt der 4A lässt die Autorin – Illustrationen steuerte Herwig Holzmann in Form von fotorealistischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen bei – die Kinder bei einem ihrer Waldausflüge sich nach und nach an die Punkte der „Giraffensprache“ – entwickelt vom US-amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg; 1934–2015; „Papst“ der gewaltfreien Kommunikation – erinnern.

Langer Hals verschafft diesen edlen Tieren einen großen Überblick. Sie verfügen über das größte Herz aller Landtiere. Die Punkte – verkürzt, aber vielleicht auch ohne Projekt ganz hilfreich:
* „Kamera“: Der/dem anderen „erst einmal sagen, worum es geht, was wir gesehen und was wir gehört haben“.
* „Herz“: Der/dem „andren unsere Gefühle mitteilen.
* „Schatzkiste“: Der/dem „anderen sagen, was wir brauchen, damit es uns wieder gut geht“.

Neue Verbindungen

Im Wald beginnen dann sogar Kinder, die einander alles andere als wohlgewogen sind, miteinander in Kleingruppen zu arbeiten, eine total unterbewertete Schülerin schreibt die besten Texte – für einen gemeinsamen Waldsong mit Rap-Passagen. Die Schlusszeilen der Lyrics seien hier zitiert:
Vielleicht ändern wir uns bald:
Wir sind Kids im Wald.
„Wer’s nicht checkt, begreift es bald.
Ob du klein bist oder groß,
hier ist immer etwas los:
Wir sind die Kids im Wald.“

Follow@kiJuKUheinz

Bericht über ein Volksschulprojekt zum Buch „Ein Sterin für die 3A“ – damals noch im Kinder-KURIER

Titelseite des Kinderbuchs
Titelseite des Kinderbuchs „Ein Wald für die 4A“
Doppelseite aus "Total verboten", Band 2, "Unsere Klasse und das Haustier-Chaos"

Viel Lesespaß mit der „schlimmsten Klasse der Welt“

Ein bisschen inspiriert von der Welle die Jeff Kinneys erstes „Gregs Tagebuch“ (2008, mittlerweile sind 16 Bände erschienen) ausgelöst hat, erscheinen laufend neue, andere Bücher in leicht geschriebener Sprache, mit vielen Schwarz-Weiß-Zeichnungen versehen. Fast immer geht’s um allerhand Alltags-„Katastrophen“. Mit mehr als einem Schuss Humor, Witz und so mancher Übertreibung.

„Total verboten!“ von Joanna Nadin (aus dem Englischen übersetzt von Jan Möller) mit Illustrationen von Rikin Parekh spielt sich zumeist in einer Schule ab. Der Erzähler, Luka Baumgart, besucht die Sankt-Regina-Grundschule und zwar die 4B, die „buchstäblich schlimmsten Klasse der Welt“. Das behaupten Schuldirektorin Pöderich-Plump und Klassenlehrer Nitsche.

Naja, nicht nur, auch Luka selbst meint am Ende der mehrseitigen Vorstellung seiner Schule, Klasse und der handelnden Personen in beiden (bisherigen) Bänden: „Die 4B mag ja wirklich die SCHLIMMSTE KLASSE DER WELT sein. Aber ich fühl mich dort wohl.“

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Total verboten“, Band 1, „Unsere Klasse und das Keks-Fiasko“

Ist es in Band 1 ein „Fiasko“ – rund um einen Bewerb um selbstgemachte Kekse, so im zweiten Teil – wobei sie völlig unabhängig voneinander funktionieren, nur die Benimm-Regeln der Direktorin sind auf (derzeit) zwei Listen aufgeteilt – ein „Chaos“ rund um mitgebrachte Haustiere.

Viele der Streiche, Hoppalas, Missgeschicke aus dem Ruder laufenden, natürlich immer wieder übertriebenen Aktionen nehmen ihren Ausgang im Wettbewerb mit der ach so vorbildlichen, braven 4A.

Solltest du beim Lesen zwischendurch einmal den Überblick verlieren, wer wer ist – am Beginn und am Ende der Bände findest du jeweils eine übersichtliche Tafel mit Porträts der handelnden Personen – und ihrer zentralen Eigenschaften.

Follow@kiJuKUheinz

die ersten Meter der Weitwanderung - durch den Türkenschanzpark in Wien-Währing

99 Tage mit den Menschenrechten wandern

Samstag (3. September 2022) früh, Wien-Währing, Türkenschanzpark. Während auf den Wegen Jogger:innen ihre Runden ziehen versammeln sich nahe dem Eingang an der Dänenstraße vor mehr als 30 Jahren errichteten „Türkischen Brunnen“ etwa zwei Dutzend Menschen. Sie stehen, sprechen miteinander, einige wenige Kinder sind dabei, spielen, kommen dem orientalisch gestalteten Brunnen und seinen vier Wasserauslässen hin und wieder näher oder suchen an Wiesenrändern kleine Äste oder Bockerln, um sie auf Ziele zu werfen.

Drei Menschen aus dieser Gruppe ziehen sich ein wenig unter eine Baumgruppe zurück, lesen Texte auf Zetteln, setzen sich auf die Stufen des Brunnens, einer schreibt – mit Hand und Stift in ein Heft, die andere filmt oder fotografiert mit ihrem Smartphone.

Aufbruch

Einige der Menschen hier haben dunkle T-Shirts mit einem roten Blitz und weißem Schriftzug. Und der steht für das Wanderprojekt, das hier seinen Ausgang nimmt und am 10. Dezember in Istanbul seinen Abschluss finden wird. 99 Tage, 2500 Kilometer UND vor allem 30 Artikel. Das sind die sozusagen die Zahlen von „Into the Cracks“ (Hinein in die Risse). Eine Wanderung, bei der zwei aus dem Kernteam – Carina Riedl und Dieter Kovačić (neben Stephan Werner, Johanna Preissler und Clara Gruber) dieser künstlerisch-politischen Aktion die ganze Wegstrecke zu Fuß zurücklegen werden. Um täglich auf Wegstrecken Begleiter:innen zu haben oder neu zu finden.

Genaues Hinschauen

Das Gehen ist das eine, das Zusammentreffen mit Menschen das Wichtigere. Gemeinsam wollen sie jeweils einen der (30) Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (von der UNO-Generalversammlung am 10. Dezember 1948 beschlossen) lesen. Aber nicht als deklamatorische Performance, wie Carina Riedl im Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … erläutert. „Nein, es geht darum, eher still und aufmerksam zu lesen, um den jeweiligen Inhalt zu verinnerlichen, sich mit all seinen Bedeutungen auseinanderzusetzen, in die Risse, Ritzen, Fugen einzudringen, sich hineinzufühlen, auch dorthin schauen, wo es weh tut – anderen und eine/n selbst.“

Hinter dem linken Ohr trägt Riedl ein tätowiertes R. Es ist einer der 6.773 Buchstaben der – englischsprachigen – Menschenrechtserklärung und Teil der Aktion „Human Rights Tattoo“. Diese Initiative ist eine Partner:innen-Organisation von „Into the Cracks“ – und existiert schon um einiges länger. Seit zehn Jahren tätowiert diese aus den Niederlanden stammende Initiative in Großbuchstaben die „Human Rigths“. Ob eines Tages alle Menschen mit ihrem kleinen Teil zum großen Puzzle der gesamten Erklärung zusammenkommen? Carolina Riedls R ist übrigens aus dem Artikel 24 („Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.“) und zwar der Anfangsbuchstabe des Wortes Right (Recht).

Neu-Start

Schon vor mehr als zwei Jahren habe sie ein solches Wanderprojekt begonnen. Idee dahinter: Die sogenannte Balkanroute in die umgekehrte Richtung zu gehen, sich auseinanderzusetzen mit dem was „Festung Europa“, die Abschottung, das Rausdrängen, Push Backs usw. „für uns hier bedeuten, was sie mit uns machen, was alles sag- und machbar geworden ist, was wir zulassen und wogegen wir nicht aufstehen, obwohl tagtäglich grundlegende Menschenrechte verletzt werden“, so erläutert die jahrzehntelange Theaterkünstlerin (u.a. Burg- und Volkstheater in Wien) dem Journalisten am Tag vor dem Abmarsch die Hintergründe.

Damals musste die grenzüberschreitende Wanderung aufgrund von Corona in Serbien abgebrochen werden. Die Aktivist:innen wanderten den „Rest“ in Tagesetappen auf der Donauinsel.

Internationale Route

Aber nun war’s/ist’s so weit: Der Weitwanderweg im Namen der Menschenrechte kann – hoffentlich – durch Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Kosovo, Nordmazedonien, Bulgarien und Griechenland bis in die Türkei führen.

Vor mehr als 700 Jahren!

Und passend zum Zielort fand der Start – wie schon oben erwähnt beim „Türkischen Brunnen“ im Türkenschanzpark statt. Dieser Brunnen ist dem Dichter Yunus Emre gewidmet, der ungefähr zwischen 1241 und 1321 lebte, und von dem wenig über sein Leben, aber etliche seiner Gedichte bekannt sind. Vor mehr als 700 Jahre schrieb er (übersetzte) Zeilen wie
„Rachsucht und Hass haben für mich niemals existiert.
Unser wahrer Feind ist der Hass und die Rachsucht.
Ich hasse niemanden Für mich sind alle Menschen gleich.“

Oder
„Du, der du sagst: „Die Welt ist mein“ –
Die Welt ist nicht dein – he!
Sag‘ nicht „Ist mein!“ – dann lügst du ja,
Die Welt ist nicht dein – he!“

Was hätte besser gepasst als solche Verse, um vor dem Aufbruch zur Weitwanderung in der großen Runde die Präambel zur Menschenrechtserklärung reihum zu lesen, in der es u.a. heißt: „Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet …“

Information und Kommunikation

Die Homepage des Projekts „Into the Cracks“ mit einem roten Zick-Zack-Riss – es ist weder ein Blitz noch die harry-Potter-Narbe 😉 – bietet die Möglichkeit, die Fuß-Reise zu verfolgen, aber sich auch da und dort einzuklinken. So hat ein Gemeinderat aus Traiskirchen die Übernachtungsmöglichkeit nach der ersten Etappe Samstagabend in Möllersdorf angeboten. Dort finden sich aber u.a. auch (offene) Briefe, die Carina Riedl an Lebende (Carolin Emcke, Peter Handke) aber auch Tote (den Philosophen Walter Benjamin) schrieb und weiter schreibt. „Wirklich, echte Briefe mit der Hand geschrieben“, versichert die Künstlerin.

Gleichzeitig wird die Wanderung und Aktion vor allem auch auf Social Media der Weltöffentlichkeit mitgeteilt. Riedl hat auf ihrem Rucksack eine Action-Kamera montiert, alle paar Sekunden nimmt diese ein Bild auf – hinter der Wandergruppe. Am Anfang geht der Musiker und Filmemacher Dieter Kovačić, mit um die Brust geschnallter Action-Cam, die das Geschehen vor den Menschenrechts-Wanderer:innen aufnimmt.

Follow@kiJuKUheinz

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

intothecracks

allgemeine-erklaerung-menschenrechte

yunus-emre

humanrightstattoo

Szenenfoto aus "Yggdrasil" von cocon-Kultur in Gaisruck/ Hausleiten

Die einzigen Kronen von Wert sind jene von Bäumen

Das Stück kann erst beginnen, wenn es dämmert, der Tag in die Nacht übergeht. Sonst funktioniert ein wichtiger Teil nicht wirklich – Projektionen. Lichtspiele auf die Bäume des bewaldeten Hügels „Zum Himmelreich 1“. So heißt dieser Weg in Gaisruck, das zur Gemeinde Hausleiten in Niederösterreich zwischen Stockerau und Absdorf-Hippersdorf, ganz wirklich. Nicht erfunden. Aber treffender könnt’s gar nicht sein. (Spielzeiten und -ort siehe Info-Block am Ende des Beitrages.)

„Yggdrasil“ (Weltenbaum aus der nordischen Sagensammlung Edda) ist ein poetisch-mystisches Schau- und Bewegungsspiel mit atmosphärischer Live-Musik (E-Bass und Querflöte: Tahereh Nourani) zwischen Mensch und Natur. Nicht esoterisch, sondern auf die immer drängender werdende Kernfrage konzentriert, wie wir mit unserer Umwelt umgehen, ohne das Überleben ganz aufs Spiel zu setzen.

Zwischen Wiese und Waldhügel

Das Publikum sitzt auf Klappsesseln auf der Liegewiese des gar nicht so großen Beckens des Schwimmbades neben dem hölzernen Kultur- und vor allem Veranstaltungsstadel. Zischen den Bäumen des besagten Hügels tauchen zunächst die Erzählerin (Monica Anna Cammerlander), Menschling (Johanna Prosl) und Narr (Moritz und Leon Lembert) auf. Menschling auf der Suche sozusagen nach der Erkenntnis, gepackt in ein großes, altes Buch, das Menschling – bewusst weder Frau noch Mann, genauso wenig alt oder jung – wie den größten Schatz hütet. Ohne je wirklich hinein zu schauen. Die Suche scheint auch mehr nach innen gerichtet zu sein. Wer bin ich? Was will ich? Und kann ich vielleicht mit den Bäumen kommunizieren?

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Yggdrasil“

Die Tiefe der Fragen, die vor allem durch Schauspiel, Bewegung, Musik und Projektionen angesprochen werden, wird immer wieder heiter-sarkastisch von Narr gebrochen. Das Duo, kostümmäßig aneinander gekettet wie siamesische Zwillinge, sorgt für viele Lacher. Wo will ich hin – nach rechts oder dem anderen rechts? Reichen zwei Schuhe für die Füße – die ja eigentlich vier sein müssten?

Menschling und Gefühle

Menschling begegnet auf der Reise zur Erkenntnis der plötzlich aus einem der Bäume auftauchenden Angst (Rino Indiono), der sich dort gut eine ¾ Stunde ziemlich gemütlich eingerichtet hat und zwischen Ästen bzw. zu weiteren Bäumen gespannten Seilen akrobatisch sattelfest bewegt, Menschling sozusagen im Nacken sitzend. Als der Bewegungskünstler herabsteigt und den Boden berührt, schwankt, ja fällt er, muss von Menschling gestützt werden, bis er auf eigenen Beinen stehen kann – und mit Menschling zu tanzen beginnt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Yggdrasil“

Gier

Fast genauso überraschend wie Angst aus dem Geäst auftaucht, fällt das Licht auf die über dem in den Hügel gebauten, gemauerten Keller thronende königliche Gier (Deborah Gzesh). Reich ist sie. Aber verzweifelt. Weil sie Opfer ihrer Lust ist, immer mehr und mehr haben zu wollen. Und darunter leidet „nur“ fast alles zu besitzen. So will sie Menschling auch den einzigen Schatz, das Buch, abnehmen. Was ihr trickreich auch gelingt. Obwohl die Gier nicht lesen kann.

Liebe

Als drittes zentrales Gefühl tritt die Liebe (Aiko Kazuko Kurosaki) in Erscheinung. Anfangs sehr, sehr eingeengt durch viele Umwicklungen (braut)weißer Schleier, kann sie sich erst nach und nach daraus befreien um fröhlich und glücklich zu tanzen – zu Erich Frieds berühmtem Gedicht „Es ist, was es ist, sagt die Liebe …“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Yggdrasil“

Noch zwei zentrale Sätze aus dem Stück, die noch lange nachklingen, einer davon stammt aus der nordischen Erzählung selbst: „Die Welt reicht nur so weit, wie die Zweige und Wurzeln der Bäume/des Weltenbaumes reichen.“ Und ein anderer – als Gegenpol zur Gier: „Die einzigen Kronen, die wirklich zählen, sind die der Bäume.“

Bäume als Kind-Freunde

Die Idee und das Konzept zu diesem Stück stammt von Emel Heinreich-Lassy, die auch Regie führte (Stücktext: Helen Brugat, die auch die Produktion leitete). Im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … erzählt sie über den wirklichen Ursprung dieses Stückes. „Als Kind bin ich in Istanbul in einem riesigen Garten aufgewachsen. Die Bäume waren meine Freunde.“ Mit 22 Jahren flüchtete sie aus politischen Gründen – und landete in Wien. „Als ich dann ein paar Jahre später Istanbul besuchte, waren all diese Bäume, war der Garten weg. Straßen, Beton. Es war, als hätte ich meine Beine und Arme verloren. Ein zweitere Verlust meiner Heimat, ja auch des Gedächtnisses meiner Kindheit.“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Yggdrasil“

Kulturen

Emel Heinreich-Lassy, die seit Jahrzehnten schauspielt, vor allem aber eigene Theaterprojekte initiiert und umsetzt (Cocon-kultur) begann sie intensiv, ausführlich und umfassend mit Bäumen, ihre Bedeutung für das Leben in der Natur und für Menschen sowie ihre Darstellung in verschiedensten Kulturen zu beschäftigten. Und ist dabei unter anderem auf die Lebens-Esche Yggdrasil in nordischen Erzählungen gestoßen: Dieser Baum, der sozusagen Himmel, Erde und Unterwelt womit vor allem das vernetzte Wurzelwerk der Bäume und ihre – noch immer zu wenig bekannte – Kommunikation untereinander gemeint ist – zusammenhält als die zentrale Achse der Weltkugel. „Mir war aber auch die Verbindung zwischen Menschen und Bäumen und die Suche des Menschen nach der Verbindung zu sich selbst sehr wichtig“, so die Regisseurin dieser berührenden, beeindruckenden Stunde in der Natur (bei Schlechtwetter dann leider nur im Stadel).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Yggdrasil“

Zufallsbegegnung

Schon vor mehr als zehn Jahren hatte sie das Konzept für dieses Stück beim Kulturamt der Stadt Wien eingereicht. Und wurde abgelehnt, der Bezug zu nordischen Sagen sei dort auf zu große Skepsis gestoßen mit der Begründung, dass sich auch die Nazis bei der nordischen Götterwelt bedient hätten.

In der Corona-zeit übersiedelte Emel Heinreich-Lassy nach Pettendorf, das ebenso zur Gemeinde Hausleiten gehört und begegnete dort zufällig Helen Brugat, die seit 30 Jahren in Seitzersdorf-Wolfpassing, das auch zu hausleiten gehört, wohnt. Aus der Theaterszenen kannten beide einander schon noch länger. Erstere erzählte von ihrem Theaterprojekt, Zweitere übernahm die Produktion und die Stückfassung.

Follow@kiJuKUheinz

https://kijuku.at/tag/umwelt/

Doppelseite aus dem Kinderroman "Voll erzählt"

9,999.999 und dann?

Bester Fußballer, Stärkster in der Klasse, schnellster Skater, Bester beim Singen, Zeichnen und in Mathe … das und noch viel mehr behauptet Paul Miller von sich. Glaubt ihm eh (fast) keine/r. Außer der jüngeren Schwester Elli. Die himmelt ihn an.

Aber in einem ist er wirklich Top: Fantasievoll angeben, worin der Nummer 1 ist – und warum’s gerade jetzt nicht so klappt.

„Aber weißt du, Paul, du kannst nicht immer nur so tun, also ob. Irgendwann glaubt dir niemand mehr auch nur ein einziges Wort!“ Das sagte eines Tages – in dem Fall schon auf der zweiten Textseite des rasant zu lesenden 150-Seiten-Roman für Leser:innen ab 9 Jahren – der ihm wohlgesonnene Mathe-Lehrer Mr. Clark. Der bewundert durchaus die Fantasie seines Schülers.

Und als an einem der Folgetage im Schulhof Mitschüler:innen davon erzählten, wie weit sie schon zählen können oder wo sie dabei hängen geblieben sind, hängte Paul wieder einmal seinen Rekord recht hoch: Bis 10 Millionen komme er. Und begann postwendend. Um sich von nichts und niemandem dabei unterbrechen oder aus der Ruhe bringen zu lassen.

Das störte so manch (anderen) Unterricht und die Direktorin Miss Hexx verabreichte ihm einen Brief an die Mutter. Würde Paul nicht aufhören zu zählen, dürfe er nicht mehr in die Schule. Zwischen irgendwie auch Bewunderung, vor allem aber Verzweiflung pendelte die Mutter. Sie könne ihn nicht allein zu Hause lassen, aber auch nicht ihren Job riskieren…

Unbeirrbar

Er schlich sich in die Schule, der Mathelehrer begann mit seinen Schüler:innen zu rechnen, wie lange Paul brauchen würde um jede einzelne Zahl bis zu 10,000.000 zu nennen. Auf fast ein Jahr kamen sie mit ihren Kalkulationen.

Paul ließ sich nicht beirren. Er wollte beweisen, einmal zeigen: Ich red nicht nur von Höchstleistungen, ich kann’s tatsächlich bringen!

Und wie wohlklingend er Zahl für Zahl von sich gab. Und diese begannen Gestalt anzunehmen, sich bei ihm anzustellen, zu leuchten, zu tanzen, Muster zu ergeben… Und sein Freund Waris filmte ihn hin und wieder dabei, stellte Videos auf Online-Plattformen. Eine Fangemeinde bildete sich, wuchs und wuchs, die berühmte Mathe-Professorin Mildred Gosling meldete sich und war mehr als begeistert. Wollte vor allem jenen Moment live miterleben, wenn er ihre Lieblingszahl 186.282 sagen würde – die Lichtgeschwindigkeit in Meilen pro Sekunde.

Bald hatte er die zehn Millionen erreicht – aber erst „nur“ an Aufrufen auf seinem YouTube-Kanal. So berühmt geworden, war es plötzlich die Schuldirektorin, die die konsequente Begabung „ihres“ Schülers zu vermarkten begann. Events beim 100.000-Sager, der ersten, zweiten und so weiter Million. Werbeverträge. Sie erklärte sich zur Managerin, drängte Freund Waris weg, exklusive Filmrechte verkaufte sie, bootete sogar Pauls Mutter und die Schwester aus. Sie, nur sie wollte sich den Erfolg auf ihre Fahnen heften…

Und natürlich musste prompt beim absoluten Mega-Event am Ziel etwas passieren, hieße der Roman doch nicht „Voll verzählt“. Aber was, und wie es danach weiterging, das sei hier sicher nicht gespoilert.

Follow@kiJuKUheinz

Titelseite des Kinderromans
Titelseite des Kinderromans „Voll erzählt“
Schriftstellerin Marlene Streeruwitz las in der Theater Arche aus ihrem "Handbuch gegen den Krieg"

Krieg – umfassend und allseitig seziert

Der von Wladimir Putin angeordnete Überfall der russischen Armee auf das Nachbarland Ukraine war zwar der Anlass, aber das „Handbuch gegen den Krieg“ der bekannten österreichischen Schriftstellerin Marlene Streeruwitz setzt sich ganz grundsätzlich und umfassend mit Krieg – und Frieden – auseinander.

Immer wieder formuliert die Autorin auch die scheinbar absurde Tatsache, dass Frieden, nach dem sich sicher die meisten Menschen sehnen, so etwas wie die Ausnahmesituation ist. „Friedensbemühungen werden als Gutmenschentum lächerlich gemacht.“ Um aber auch hier grundsätzlicher zu werden: „Erst die volle Gleichberechtigung aller Geschlechter und die Sicherung der Kinderrechte eröffnete die Freiheit von dieser Art von Kriegsführung gegen schwächere und rechtloser gedachte Personen. Frieden beruht auf Gleichberechtigung aller und deren rechtlicher Sicherung.“

Gesamtbild aus vielen Mosaikteilen

In kleinen, leicht lesbaren und mitunter doch nicht ganz so einfach zu verdauenden Abschnitten, die sie bei Lesungen – demnächst zwei, siehe Info-Block – praktisch alle vorstellt zerlegt sie ein wichtiges Element nach dem anderen, das zu Kriegen führt bzw. was Kriege bewirken, auslösen, vernichten. Dinge, die mitunter „eh kloar“ sind, aber in der Zusammenschau das Gesamtbild dessen ergeben, was die Menschheit offenbar – bisher – entweder nicht begriffen hat oder (noch) nicht bereit ist, die Konsequenzen aus den Erkenntnissen zu ziehen.

„Denn. Krieg ist gemacht. Krieg ist kein Naturereignis. Krieg ist eine sorgfältig konstruierte Maschine der Gewalt.“

Das Ignorieren von Lebens- und Menschenrechten, die Herrschaft des Patriarchats, des Geschäfts mit der Herstellung und den Verkäufen von Waffen, der Untergrabung von Demokratie, Nationalismus, Ausbeutung, Rassismus und andere Diskriminierungen – in, bei und auch vor Kriegen verstärken sich all diese Ungerechtigkeiten, verdichten sich, herr-schen.

Narrative zerlegt

Streeruwitz nimmt aber auch die Erzählungen, die „Helden“-Geschichten, die sogenannten Narrative auseinander, die Kriegsherren (meist erübrigt sich gerade dabei das Gendern!) verbreiten, um Herzen und Hirne derer, die sie in den Kampf schicken, für sich zu gewinnen – „Krieg behauptet immer die Eroberung irgendeines Paradieses. … „Wir werden zu Herden hinter unsere Gefühle zusammengeführt…“

Den konkreten Anlass für ihr 75-seitiges, flott zu lesendes – immer wieder aber auch zum Innehalten, weiteren Nachdenken anregendes – Buch nennt Streeruwitz nur an ganz wenigen Stellen, es geht ihr ja ums Grundsätzliche. Ungefähr in der Mitte schreibt sie: „Der Krieg in der Ukraine erfüllt ja auch die Aufgabe, das Archiv der Gewalt in Erinnerung zu behalten. So drängt der Krieg sich wieder in alle Leben und verlängert das kulturbegründende Trauma unserer Kulturen.“

Wannseekonferenz-Lesung

Die Fotos in diesem Beitrag stammen übrigens von der Lesung der Autorin im Theater Arche in Wien. Dort findet anlässlich des Antikriegstages am 1. September – Beginn des 2. Weltkrieges mit dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen – eine Lesung von Paul Mommertz „Die Wannseekonferenz“ (Theaterverlag Desch) statt. Bei dieser Konferenz am Berliner Wannsee (20. Jänner 1942) wurde die systematische, industrielle Vernichtung der Jüd:innen im Detail besprochen und beschlossen. In Kooperation mit dem „Ersten Wiener Lesetheater“ lesen Martin Auer, Georg Beham-Kreuzbauer, Dieter Hermann, Christian Humer, Bernhardt Jammernegg, Christian Katt, Jakub Kavin, Claudius Kölz, Vilmos Nagy, Marius Schiener, Klaus Schwarz, Susanna C. Schwarz-Aschner (Bearbeitung und Gestaltung) sowie Willi Stelzhammer: Infos hier.

Follow@kiJuKUheinz

Schriftstellerin Marlene Streeruwitz las in der Theater Arche aus ihrem
Titelseite von „Handbuch gegen den Krieg“ von Marlene Streeruwitz
Buchstaben auf Holzwürfel zeigen eine Art Kreuzworträtsel aus mental health (psychische Gesundheit) und care (Pflege, sorgen)

Back to School: Taten statt Warten!

„Du bist für mich so was wie der Schulwart – zu dem gehe ich, wenn der Wasserhahn tropft oder der Abfluss verstopft ist. Und zu dir komme ich, wenn mein Kopf verstopft ist“, zitierte Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP), einen 12-jährigen Schüler, der sich mit diesen Worten an die Schulpsychotherapeutin gewandt hatte.

Haid sowie Kathrin Sevecke (Universitätsprofessorin und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie /ÖGKJP), Mira Lobnig, Mitinitiatorin der Jugend-Mental-Health-Initiative „Gut und selbst“ und Caroline Culen, klinische Psychologin und Geschäftsführerin der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit (Kinderliga) gaben Mittwochvormittag ein Mediengespräch zum bevorstehenden Beginn des neuen Schulajhres. „Back to School – Psychosoziale Versorgung für Schüler:innen, Eltern und Lehrpersonal ausbauen und langfristig sicherstellen!“ gab auch die Stoßrichtung schon im Titel vor.

Plakate der Bundesjugendvertretung
Plakate der Bundesjugendvertretung „Krise im Kopf“ zur psychsichen Gesundheit von Kindern udn Jugendlichen, die durch die Pandemie stark beeinträchtigt wurde/wird

Studien

Verwiesen wurde auf Studien der vergangenen Monate – und die spürbaren Erfahrungen all jener, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, dass sich die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen – sowohl durch die Pandemie als auch die dazu kommenden weiteren Krisen – Krieg in der Ukraine, Energie, Teuerung und der zeitweise in den Hintergrund gedrängte Klimawandel – massiv verstärkt haben.

Rund ein Viertel der 1,7 Millionen Menschen unter 20 Jahren, davon 1,1 Millionen Schüler:innen haben schon vor Ausbruch der Pandemie mit psychischen Problemen gekämpft und mussten teilweise monatelang auf Behandlungsplätze warten, stellte Barbara Haid einleitend fest. Dabei gaben Jugendliche in Befragungen bereits vor dem Jahr 2020 an, aufsuchenden und unterstützenden psychosozialen Angeboten gegenüber offen und positiv eingestellt zu sein. Mittlerweile leide jeder zweite junge Mensch in Österreich an depressiven Symptomen. Suizidgedanken, Angstsymptome, Schlafstörungen und ein problematisches Konsumverhalten haben stark zugenommen (Befragung von Kindern und Jugendlichen in Österreich im Frühjahr 2022). Die Anzahl jener Mädchen, die innerhalb der letzten zwei Wochen zum Zeitpunkt der Befragung Suizidgedanken hatten, stieg von 20% im Herbst 2021 auf 47% im Frühjahr 2022 an. Gleichzeitig gaben auch rund 47% aller befragten Jugendlichen an, dass sie professionelle Unterstützung brauchen. Besonders starke Verschlechterungen zeigten sich bei Kindern aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status, mit Migrationshintergrund und denjenigen, die in beengten Wohnverhältnissen leben.

Wobei offenbar Burschen und Männer noch immer auch darunter leiden, Schwächen nicht zugeben zu können/dürfen. Das lässt sich aus der am Mittwoch veröffentlichten Trend-Studie „Jugend in Österreich Sommer 2022“ (800 befragte 14 bis 29-Jährige) im Auftrag der lifeCreator Consulting GmbH ableiten. Ob Stress, Erschöpfung, Selbstzweifel, Antriebslosigkiet bis zu Depression, Angstzuständen usw. – in allen abgefragten Punkten gaben deutlich mehr Frauen Belastungen an (zu?).

Chancengerechtigkeit

Zurück zur Kinderliga: Für die Expert:innen von ÖBVP, Kinderliga und ÖGKJP sowie für die Initiator:innen von „Gut und selbst“ ist die dringende Aufstockung und Erweiterung von Schul-Unterstützungspersonal eine zentrale Forderung. Neben Schulärzt:innen und Schulpsycholog:innen sollten an jeder Schule Schulpsychotherapeut:innen, Sozialarbeiter:innen und mehr Vertrauenslehrer:innen tätig sein.

Psychologische, psychotherapeutische und psychiatrische Versorgung ist in Österreich mehr als mangelhaft, vor allem leistbare, niederschwellige, kassenfinanzierte Angebote bräuchte es um ein Vielfaches mehr – so die Fachfrauen. „Im Sinne der Chancengerechtigkeit muss der Zugang zu bestmöglicher Gesundheitsversorgung allen Kindern und Jugendlichen gleichberechtigt möglich sein. Finanzielle Ressourcen dürfen nicht den Unterschied zwischen Behandlung oder keine Behandlung machen“, sagte die Geschäftsführerin der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit (Kinderliga).

Mental Health

Neben Schulärzt:innen und Schulpsycholog:innen sollten an jeder Schule Schulpsychotherapeut:innen, Sozialarbeiter:innen und mehr Vertrauenslehrer:innen tätig sein. „Mental Health“ müsse weiter enttabuisiert werden. „Dafür sind eine langfristige Anpassung der Gesellschaft im Ganzen sowie der Schulen im Besonderen hin zur Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen extrem wichtig. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Aufklärung über somatische und psychische Gesundheit“, erklärt die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (ÖGKJP), Kathrin Sevecke.

1 : 1677

Derzeit betreut eine Schulpsycholog:in bzw. Schulpsychotherapeut:in 1677 Schülerinnen und Schüler. Dass das nicht funktioniert, wundert mich nicht“, sagt Mira Lobnig, Mitinitiatorin der Jugend-Mental-Health-Initiative „Gut und selbst“, die aber positiv vermerkte, dass das Volksbegehren ihrer Initiative im Frühjahr von mehr als 138.000 Menschen unterstützt worden war. Womit das Parlament sich damit befassen muss. „Die ersten Veränderungen seitens der Politik folgten bereits kurz nach der Eintragungswoche im Juni. Die Anzahl des Schulsupportpersonals wurde verdoppelt. Wir freuen uns sehr, dass wir einen Stein ins Rollen gebracht haben“, so Lobnig.

Allerdings sei das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, so die Expertinnen. Und Pilotprojekte wie „Gesund aus der Krise“ oder „Fit4SCHOOL“ müssten sozusagen breit ausgerollt werden.

Es rechnet sich

Im Projekt fit4SCHHOL (übrigens nicht zu verwechseln mit einem gleichnamigen samt Internet-Präsenz unter diesem Titel, das sich mit dem Zusammenhang von Schlaf und Schulleistung beschäftigt) des Psychotherapie-Verbandes werden auch mögliche Kosten untersucht. In dem Konzeptpapier heißt es: „Geht man davon aus, dass 2 – 4 psychotherapeutische Beratungsstunden pro Woche angeboten werden, bewegen sich die jährlichen Ausgaben für Schulen im Spektrum zwischen 8.000 € – 15.000 €. … Eine Investition, die sich nicht nur für die betroffenen Schüler:innen, Lehrer:innen und Eltern auszahlt! Es gibt deutliche Hinweise, dass nach einer Psychotherapie die Einsparung gesellschaftlicher Kosten (z.B. Verhinderung stationärer Behandlungskosten) gegeben ist. Für jeden investierten Euro ist ein gesamtgesellschaftlicher Nutzen von 2 € – 5,5 € zu.“

Es bräuchte den Expertinnen zufolge rund 86.000 Plätze für psychologische und psychotherapeutische Beratung und Behandlung, gut die Hälfte davon kassenfinanziert. Derzeit steht höchstens ein Viertel dieses Bedarfs zur Verfügung, im stationären Bereich rund die Hälfte. Es bräuchte aber auch neue Konzepte, neues Denken, neue Herangehensweisen meinte vor allem Kathrin Sevecke und nannte zuvorderst multiprofessionelle Teams, die direkt in die Familien gehen.

Fachpersonal gebe es übrigens ausreichend, so die Antwort der Fachleute auf KiJuKU-Nachfrage, auch das Engagement der Kolleg:innen sei vorhanden. Woran es fehle, sei der politische Wille, ausreichend Geld für niederschwellige, kassenfinanzierte Angebote zur Verfügung zu stellen.

Forderungen

Zusammenfassend forderten die Expertinnen:

*Etablierung eines Schulfachs „Mental Health/Psychische Gesundheit“ und als Überbrückung bis dahin fächerübergreifende Projekte dazu
– Gesundheitstage und Projekttage zu Themen rund um Gesundheit und Psyche
– Wissensvermittlung zu psychosozialen Hilfs- und Versorgungsstrukturen
* Unterstützung und Fortbildung auch für Lehrer:innen und Eltern
* Mehr schulassoziiertes Personal für Beratung und Prävention => Psychosoziale Versorgung für Schüler:innen, Eltern und Lehrpersonal ausbauen und langfristig sicherstellen!
* Die Versorgung durch klinische Psycholog:innen im Kinder- und Jugendbereich kostenfrei und kassenfinanziert
* Multiprofessionelle beratende Angebote vor Ort
* Brückenfunktion zu psychotherapeutischen, psychologischen Leistungen – bevorzugterweise im (erweiterten) Setting der Schulen.

Taten statt Warten – sei ein wichtiges Motto, um im neuen Schuljahr da rasch in die Gänge zu kommen. Immerhin habe sich gerade in der Pandemie Schule vom vormaligen eher Stress- zu einem Sehnsuchts-Ort entwickelt, so Caroline Culen, wo insbesondere Jugendliche der Enge von Elternhäusern entkommen und ihre Freund:innen treffen, soziales Leben leben konnten.

Follow@kiJuKUheinz

www.kinderjugendgesundheit.at

www.gutundselbst.at

www.oebvp.at

www.oegkjp.at

Szenenfotos - an verschiedenen Aufführungsorten - aus "Astoria - Die Erde hat Menschen"

„Die Erde hat Menschen“ …

„Er hat sich gedacht, ein Zusammenprall ist eh überflüssig: Die Menschen rotten einander sowieso über kurz oder lang aus!“ Das ließ Jura Soyfer in „Der Weltuntergang oder Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang“ den Saturn sagen. Als Entschuldigung dafür, dass Komet Konrad den Auftrag der Sonne nicht ausführte, mit der Erde zusammenzustoßen. Das Zentralgestirn unseres Sonnensystems hatte die Planeten zusammengerufen, weil die „Sphärenharmonie“ gestört war. Als Schuldigen machten sie die Erde aus, bestellten den Mond als Auskunftgeber ein, der das Geheimnis des Problems lüftete: Die Erde habe Menschen.

Ohne vom Jahrzehnte später stattfindenden Besuch solcher auch auf ihm, hatte Soyfer (1912 in Charkiw/heute ukraine geboren, im Alter von 8 Jahren mit seiner Familie als Flüchtling in Wien gelandet und 1939 im KZ Buchenwald ums Leben gekommen), sogar schon von Menschen-Besuchen auf dem Mond geschrieben (!)

Konzentriert auf Schauspiel

Aus diesem sowie zwei weiteren Stücken des hochsensiblen, politischen Autors – „Astoria“ und „Der Lechner Edi schaut ins Paradies“ – hat der Mastermind des Utopia-Theaters (Peter W. Hochegger) das diesjährige Tournee-Stück collagiert. Mit einigen sanften Aktualisierungen – so konnte Soyfer noch lange nichts vom Klimawandel und der akuten Energiepreiskrise wissen – begeistern die sechs Schauspieler:innen – Sefanie Elias, Bernhard Horn, Max Konrad, Johanna Meyer, Natalie June Obernigg, und Andreas Seidl – mit einigen rasanten Kostümwechseln in mehr als zwei Dutzend Rollen. In einigen Szenen kommen auch kleine Klappmaul-Puppen zum Einsatz.

Szenenfotos - an verschiedenen Aufführungsorten - aus
Szenenfoto aus „Astoria – Die Erde hat Menschen“

Rasante Rollen-Wechsel

Das Utopia-Theater, das seit rund zehn Jahren vor allem in Wiener Gemeindebau-Höfen, auf öffentlichen Plätzen usw. auftritt, konzentriert sich auf Schauspiel, einfache Bühnen-Podeste und wenig bis keine Kulissen. In der diesjährigen Collage „Astoria – Die Erde hat Menschen“, ist das Sextett – und dazu der Live-Akkordeonspieler Edi Kadlec kaum auf dieser Bühne zu sehen, gespielt wird zwischen und mitten in den Publikumsreihen. Vom Tanz der Planeten bis zu den Wanderungen des durch den Einsatz der Maschine PePi arbeitslos gewordenen Lechner Edi und seiner Lebensgefährtin Fritzi oder der Begegnung der beiden Obdachlosen Hupka und Pistoletti bewegen sich die Schauspieler:innen quer über (der Rezensent sah das Stück am Mozartplatz, Wien-Wieden) den Platz – samt Kostümwechsel auf sozusagen offener Bühne.

Szenenfotos - an verschiedenen Aufführungsorten - aus
Szenenfoto aus „Astoria – Die Erde hat Menschen“

Palette an brisanten – noch aktueller gewordenen – Themen

Die Gefahr der Ausrottung der Menschheit durch sich selbst, Armut, Obdachlosigkeit und nicht zuletzt Fake News – von Soyfer natürlich noch nicht so genannt, im Kern aber meisterhaft dargestellt in „Astoria“, dem fiktiven gelobten, paradiesischen Land, das nicht existiert -, Konsumzwang knapp vor dem Weltuntergang, Diktatur und Unterwürfigkeit … – all das thematisierte Soyfer. Und das obendrein nicht immer tragisch-ernst sondern häufig mit Augenzwinkern und Humor. Und – wie schon weiter oben kurz erwähnt – mit aktuellen Anklängen gespickt, spielt das Ensemble die rund 1 ½-stündige Collage als Stück in einem Guss – gewürzt mit Humor als wären’s Kommentare zur aktuellen Weltlage.

Szenenfotos - an verschiedenen Aufführungsorten - aus
Szenenfoto aus „Astoria – Die Erde hat Menschen“

Trotz alledem …

Und doch lässt das Utopia-Theater den frühen Abend, begonen wirdimmer um 17 bzw. 17.30 Uhr – siehe Link zu den Terminen im Info-Block unten – mit dem Schlusslied Soyfers im „Weltuntergang“ die Hoffnung – aus der Beschreibung des widersprüchlich-gegensätzlichen Lebens der Menschen auf der Erde in dem auch der Kern eines glücklichen Lebens für alle stecken könnte – leben:

Voll Hunger und voll Brot ist diese Erde,
Voll Leben und voll Tod ist diese Erde,
In Armut und in Reichtum grenzenlos.
Gesegnet und verdammt ist diese Erde,
Von Schönheit hell umflammt ist diese Erde,
Und ihre Zukunft ist herrlich und groß!

Follow@kiJuKUheinz

Doppelseite aus dem Buch "Guinness World Records 2022"

Die meisten Katzentricks, das größte Insektenhotel …

Abklatschen, Kopfschütteln, Drehungen, Öffnen einer Dose und, und, und – 26 Kunststücke in einer Minute schaffte Alexis, die Katze der Niederösterreicherin Anika Moritz. Das brachte beiden einen Eintrag im Guinness World Records 2022-Buch ein.

Mehr als 40.000 Anträge bekamen die Herausgeber:innen des beliebten, weltweit anerkannten Komitees für Rekorde aller Art. Allein aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, so steht‘ in der Einleitung, sei im Schnitt alle fünf Stunden ein Rekord eingelangt, der natürlich wie alle anderen auch überprüft werden musste.

Doppelseite aus dem Buch
Doppelseite aus dem Buch „Guinness World Records 2022“

Sportliche abseits Olympischer und anderer Disziplinen, abenteuerliche – längste Ruderstrecke auf einem Ozean (21.010 Kilometer) etwa -, wissenschaftliche (z.B.: längste 3D-gedruckte Brücke: 17,94 Meter), die längste Reise in Minecraft (fast vier Millionen Blöcke – entspricht 3.857 Kilometer) findest du dort. Neben Tausenden anderen Rekorden auf 256 Seiten.

Auch dem immer wichtiger werdenden Thema Umweltschutz sind Rekorde gewidmet. So bauten die Kinder und Jugendlichen zweier britischer Schulen das größte Insektenhotel in St. Helens: Es umfasst 81,26 m³ (Kubikmeter). Übrigens stellte die wohl bekannteste Person der mit Fridays For Future neu in Schwung gekommene Umweltbewegung auch einen Rekord auf. Greta Thunberg ist die jüngste „Person of the Year“ des bekannten time-Magazines.

Kids-Records

Apropos Kinder und Jugendliche: Die Weltrekord-Sammler:innen haben eine eigene Internet-Seite für Rekorde junger Menschen (auf Englisch). So findest du dort den 14-jährigen Alexander Blong (Neuseeland), der mit 101 Waggons den längsten Lego-Zug gebaut hat. Auf dieser Website – Link unten – findest du auch einige kleine Online-Spiele, unter anderem kannst du dir einen Fantasie-Dinosaurier zusammenstellen, runterladen und digital versenden – dabei gibt’s (noch?) keinen Rekord 😉

kids.guinnessworldrecords.com

Titelseite des Buchs
Titelseite des Buchs „Guinness World Records 2022“
Demonstration von Kärntner Elementarpädagog:innen und Menschen, die deren Forerungen unterstützen - März 2022 in Klagenfurt

Sieben Kinder pro Fachkraft und zahlt uns wenigstens wie Lehrer:innen!

Seit einigen Tagen kursiert ein Offener Brief einer Elementarpädagogin aus Kärnten im netz – er ging auch an Politiker:innen. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … veröffentlicht den Hilferuf, der den dramatischen Notfall „nur“ zum Anlass genommen hat, (wieder) einmal Abhilfe für unhaltbare zustände zu fordern. Und führte mit der 28-jährigen leidenschaftlichen Pädagogin ein Telefoninterview. Ihr Name ist der Redaktion bekannt, aber die Anonymität zugesichert; letzteres umfasst auch, den Arbeitsort der Kindergarten-Leiterin nicht zu nennen.

Sprachrohr für alle

Sie selbst arbeite bei ihrem privaten Träger ohnehin noch unter besseren Bedingungen. Die Geschäftsführung ist sogar bei der Demonstration für dringend bessere Arbeitsbedingungen – vor allem besserer Betreuungsschlüssel, sprich mehr Pädagog:innen pro Gruppe sowie bessere Bezahlung – mitgegangen und unterstützt unsere Anliegen. „Ich wollte und will mit diesem Offenen Brief ein Sprachrohr für uns alle, für die Elementarpädagogik insgesamt und damit auch für die Kinder sein“, begründet sie, weshalb sie aus dem – glücklich gelösten Notfall – einen Hilferuf formulierte.

Die Reaktionen – mehr als 15.000 haben ihn gelesen, mehr als 230 Mal wurde er in der Facebook-Gruppe „Bildung ist Zukunft“ geteilt, Dutzendfach kommentiert – „zeigen auch, dass das ja – nicht wie oft behauptet – ein Einzelfall ist. Etliche schreiben eigene Erlebnisse, dass etwa eine Leiterin gleichzeitig für Wach- und Schlafgruppe zuständig ist, in letzterer steht dann ein Babyphon, und sie nebenher am Computer schriftliche Leitungs-Aufgaben abwickeln muss“, schildert die Elementarpädagogin.

Elementar-Pädagog*innen anlässlich des Tages der Elementarbildung 2020: Team und Vorsitzende des (damaligen) ÖDKH (Österr. Berufsverband der Kindergarten- und HortpädagogInnen, heute NeBÖ - Netzwerk elementare Bildung Österreich): Anne Altzinger, Carina Obermann, Paul und Sandra Kaeßmayer, Lydia Schadlofsky und Raphaela Keller
Elementar-Pädagog*innen anlässlich des Tages der Elementarbildung 2020: Team und Vorsitzende des (damaligen) ÖDKH (Österr. Berufsverband der Kindergarten- und HortpädagogInnen, heute NeBÖ – Netzwerk elementare Bildung Österreich): Anne Altzinger, Carina Obermann, Paul und Sandra Kaeßmayer, Lydia Schadlofsky und Raphaela Keller

1:7 bzw. 1:3

Im Interview wiederholt sie die langfristige Forderung der Berufsgruppe: Drei Pädagog:innen für eine Gruppe von 21 Kindern und im Kleinkinderbereich (unter drei Jahren) ein Schlüssel von neun, höchstens zehn Kindern auf drei Elementarpädagog:innen. Wir in Kärnten haben aber meist nur zwei Pädagog:innen für 25 Kinder. Und nicht selten, beispielsweise bei unvorhergesehenem Krankenstand, ist dann eine Fachkraft allein mit der ganzen Gruppe.“

Ausbildungsoffensive statt Notlösungen

Es bräuchte aber auch dringend eine große Ausbildungs-Offensive, fordert die Schreiberin des Offenen Briefes. Denn derzeit werde so manches herumgewurschtelt, um Personallücken mit un- oder nicht ausreichend ausgebildetem Personal zu schließen. „Außerdem muss endlich eine bundeseinheitliche Regelung her. Jedes Kind in ganz Österreich hat das Recht auf die gleiche hochqualitative frühpädagogische Begleitung!“

Jetzt sucht jedes Bundesland nach eigenen Notlösungen. So kündige die Steiermark eine Prämie von 15.000 Euro für Menschen an, die sich verpflichten, drei Jahre im Kindergarten zu arbeiten. Diese werden dann von ausgebildeten Elementarpädagog:innen, die schon jahrelang – schlecht bezahlt – arbeiten, eingeschult. Das kann nur zu Missmut über Ungleichbehandlungen führen.

Übersichtlich grafisch aufbereitet di ezentralen Forderungen zum Tag der Elementarbildung (im Jahr 2021)
Übersichtlich grafisch aufbereitet di ezentralen Forderungen zum Tag der Elementarbildung (im Jahr 2021)

Lehrer:innen gleichstellen

„Wir sollten gehaltsmäßig beispielsweise den – auch nicht überbezahlten – Lehrer:innen gleichgestellt werden“, meint die anonym bleiben wollende engagierte Elementarpädagogin, die hofft, auch weiterhin die Kraft zu haben, ihren Job, den sie liebt, ausüben zu können. Ein solcher Gehaltssprung würde, so rechnet die Kindergartenleiterin, mehr Kolleg:innen im Beruf halten, andere dazu bewegen, ihn doch zu ergreifen und „vor allem auch – immer wieder ist die Rede davon, mehr Männer in diesen Beruf zu bringen – Kollegen zu motivieren.“

Außerdem müsse endlich Schluss sein mit dem gegenseitigen Hin- und Herschieben vom Bund zu den Ländern, von dort zu den Gemeinden und wieder zurück.

Noch hab ich die Kraft …

Sie selbst hatte eine BAfEP (Bundesanstalt für Elementarpädagogik besucht, „mich also sehr früh für diesen Bildungs- und Berufsweg entschieden, weil mich das am meisten interessiert hat. Ich bin dann sehr früh Mama geworden und hatte eine abgeschlossene Berufsausbildung, mit der ich danach einsteigen konnte. Noch habe ich die Kraft, auch für die Verbesserung unserer Rahmenbedingungen zu kämpfen. Dazu gehört übrigens auch Supervision und Zeit für Reflexionen unter den Kolleg:innen sowie ausreichend freigestellte Zeit für Leitungen, damit die auch wirklich leiten können.“

Follow@kiJuKUheinz

Zwei Kinder mit ihren Trötentieren in Aktion

Trötrötrö… – das war Spiel- & Spaß im Wiener Rathaus

„Trötentiere“ bastelten Kinder nicht nur die ganze Woche in der Kreativstation bei „Spiel & Spaß“ im Wiener Rathaus, schon die vergangenen Ferienwochen hatten junge Kreative fantasievolle Tiere aus Karton und anderen Materialien rund um die „Pfeif-Schlangen“ gebaut und digitale Fotos davon eingeschickt. Der Bewerb wurde zum runden Jubiläum des Wiener Ferienspiels ausgerufen. Seit einem halben Jahrhundert bieten Stadt Wien und viele Vereine, Organisationen und Initiativen ein volles Programm für die jungen und jüngsten Stadtbewohner:innen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Als am Freitag die Moderatorin die Ankunft des Wiener Vizebürgermeisters im Arkadenhof ankündigte, um den Bewerb abzuschließen, fragte ein Kind „Was, es gibt einen eigenen Bürgermeister, der Witze erzählt?!“ Nein, das nicht, nur hört sich Vize- für stellvertretend – praktisch gleich an wie Witze. Letzteres ein Kindern geläufiges Wort, ersteres von jungen Ohren kaum gehört 😉

Fantasievoll, ja fantastisch waren auch viel größere Bastelarbeiten. Kinder, manches Mal von Eltern unterstützt, bauten aus Karton die prächtigsten Gebäude. Vom Schachtel-Rathausbaumeister Benjamin (12) war hier schon in einem vorigen Beitrag die Rede, pardon Schreibe. Am letzten Tag hatte er seiner Mutter einen Malerkittel verpasst und sie durfte Teile der Fassade bunt färbeln.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Ein besonderes Gebäude sei noch hervorgehoben – das sternförmige Haus der Nationen – „für alle“ – mit gemalten Flaggen vieler, und als Ausdrucke auf Zettel an Fäden so ziemlich aller Länder der Erde.

Und in der Medienecke entstand im Rahmen dieses wienXtra-Ferienspiel-Events „Spiel & Spaß im Rathaus“ täglich unter anderem eine Zeitung. Zu allen ausgaben geht es hier unten – zum Durchblättern, einmal alle fünf gesammelt und darunter einzeln, nach täglichen Ausgaben sortiert.

Follow@kiJuKUheinz

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von issuu.com zu laden.

Inhalt laden

Sammel-Edition

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von issuu.com zu laden.

Inhalt laden

Freitag-Ausgabe

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von issuu.com zu laden.

Inhalt laden

Donnerstag-Ausgabe

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von issuu.com zu laden.

Inhalt laden

Mittwoch-Ausgabe

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von issuu.com zu laden.

Inhalt laden

Dienstag-Ausgabe

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von issuu.com zu laden.

Inhalt laden

Montag-Ausgabe
Doppelseite aus dem Bilderbuch "Maulwurf und ich"

Mit- und Einfühlen – sanft-poetisch vermittelt

Schon der große Klebepunkt auf der Titelseite zeigt an, beim Bilderbuch „Maulwurf und ich“ handelt es sich nicht um eine einfache Kind-Tiergeschichte. „Von wilden Zeiten und schützenden Kellern“ steht da drauf – erster Teil in der oberen Hälfte auf blauem Hintergrund, zweiter Teil gelb unterlegt – die spätestens seit nun mehr als einem halben Jahr bekannt gewordenen Farben der ukrainischen Flagge.

Genau, damit hat’s viel zu tun. Und dennoch ist es ein Buch, das auch schon für junge Kinder geeignet ist. Wunderschön poetisch von Monika Maslowska gezeichnet taucht der Maulwurf auf der ersten Doppelseite aus einem Berg von Blättern und Blüten aus seinem Erdhügel im Garten auf.

Blätterst du um, kriecht er einem Kind entgegen, das sich auf den Boden gelegt hat. Sozusagen auf Augenhöhe, lässt Autorin Sarah Michaela Orlovský dieses sagen: „Der Maulwurf war plötzlich da. Schaufelhand für Schaufelhand ist er auf mich zugewackelt.“

Für jetzt ist es gut so

Die auf den folgenden Seiten beschriebene und bezeichnete Idylle bricht für das Kind jedoch ab. Sie muss mit ihren Eltern und Oma von über auch unter die Erde, in Kellerräume. „Für jetzt ist es gut so. Hier sind wir sicher.“ Allerdings fehlen die vielen Kuscheltiere und Freund:innen.

Größter Trost für die namenlos bleibende Hauptfigur, weil sie wohl für Millionen von Kindern steht, die auf solche und andere Zufluchtsorte angewiesen sind, weil in ihrem Land Krieg herrscht – nicht nur in der Ukraine übrigens: „Vielleicht würde sich der Maulwurf hier ganz wohlfühlen?“

Und ein eher frohes Bild am Schluss mit Maulwurf unter einem Kirschbaum sowie der textlichen Hoffnung: „Bestimmt kann ich bald wieder in den Garten. Vielleicht treffe ich dort ja den Mulwurf.“

Ein Bilderbuch, das Mit- und Einfühlen in einen Teil des Lebens von Kindern in derart dramatischen Situationen ermöglicht, ohne niederzuschmettern.

Follow@kiJuKUheinz

titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Maulwurf und ich“
Kindergartendemo am 29. März 2022 in Wien

Personalmangel kann Kinderleben gefährden

„Der 25.8.2022 – der Tag nach mittlerweile „nur“ neun Dienstjahren als Elementarpädagogin. Der Tag an dem mich die pure Wut und der Zorn packt“, beginnt das Facebook-Posting einer Elementarpädagogin aus Kärnten. Über einen Notfall in ihrem Kindergarten, der dank rascher Hilfe, zum Glück glimpflich verlaufen ist. Aber auch die Grenzen des zu geringen Personalschlüssels aufzeigt. Deshalb auch ihr dringender Hilferuf und ihre verzweifelte Wut.

„Vorweg sei gesagt, ich liebe meinen Beruf – mittlerweile darf ich eine Position bekleiden, welche mich mit vollem Stolz füllt und ich unendlich dankbar bin, mit meinen 28 Jahren beruflich so weit gekommen zu sein“, fügt sie noch als Art Präambel an, bevor sie den Notfall – im Sinne des Kindes und des Datenschutzes – anonymisiert schildert (Zwischentitel von der Redaktion):

Dramatischer Notfall

„Heute (an besagtem 25. August 2022, dem Donnerstag dieser Woche) kam es in meiner Bildungseinrichtung zu einem medizinischen Notfall. Aus datenschutzrechtlichen Gründen bin ich nicht befugt, diesen näher auszuführen. Aber so viel sei gesagt, es war dramatisch und das Leben eines kleinen unter Dreijährigen Jungen stand auf dem Spiel.

Ich selbst darf das Privileg genießen eine Ausbildung zur staatlich geprüften Rettungssanitäterin absolviert zu haben – die eigentlich zu jeder Sekunde wissen sollte, wie sie sanitätstechnisch vorzugehen hat, wie sie mit belastenden Einsätzen umgeht und vor allem wie sie sich selbst abgrenzt und psychisch schützt.

Schnappschuss vom Aktionstag am Franz-Josefs-Bahnhof (Wien)
Schnappschuss vom Aktionstag am Franz-Josefs-Bahnhof (Wien)

Überfordert

In meinem konkreten Fall bin ich aber Betroffene – ich kenne dieses Kind wie jedes andere meiner 130 Kinder in meiner Bildungseinrichtung beim Namen, verbringe Zeit mit ihnen beim gemeinsamen Spielen, Entdecken, Forschen, in lustigen und traurigen Momenten und darf sie in ihrer Entwicklung begleiten und unterstützen. Ich selbst habe mit Belastungsreaktionen zu kämpfen, sehe Bilder des Geschehenen immer und immer wieder vor mir und stelle meine eigenen Kompetenzen in Frage, Kolleg: innen sind im Foyer unserer Einrichtung in Tränen ausgebrochen, weil sie mit solch einer derartigen belastenden Situation überfordert waren.

Glück im Unglück

Wir hatten heute Glück – Glück, dass zwei Kolleginnen im Schlafraum anwesend waren und sofort gemerkt haben, dass bei dem Kind etwas nicht stimmt! Sofort wurde die Rettungskette in Gang gesetzt – jede Mitarbeiterin hat richtig reagiert und ihr Bestes gegeben. Auch ich wurde unmittelbar nach Bemerken des akut schlechter werdenden Zustandes des Kindes von einer weiteren Kollegin hinzugezogen! Die Dauer bis zum Eintreffen der Rettungsmannschaft hat sich angefühlt, als wären es Stunden! Nebenbei sei erwähnt, dass wir Glück hatten, dass das bodenbezogene NEF des RK Kärntens verfügbar war und von mir beim Absetzen des Notrufes mitalarmiert wurde! (möchte mir nicht ausmalen – wo dies enden hätte können)

Lebensretter:innen

Und nun zu meiner eigentlichen Botschaft – wir sind schon lange keine „Tanten“ mehr – wir sind qualifizierte und ausgebildete pädagogische Fachkräfte welche nicht nur die Qualität einer ausreichenden Betreuung sicherstellen – wir sind Seelentröster, Elternberater, Sicherheit und Anker für all die uns anvertrauten Kinder, Experten in unterschiedlichsten pädagogischen Bereichen und können auch zu Lebensrettern in Notfällen werden!

Seit Jahren wird politisch diskutiert, seit Jahren herrscht akuter Personalmangel – Rahmenbedingungen werden nicht besser, sondern zunehmend schlechter! Die neue 15A Vereinbarung ein Witz! Kärnten ist Schlusslicht in Bezug auf das Gehalt der Elementarpädagog:innen!

Bildmontage aus Lettern in einer buchdruckerei, einer Dampflokomotive, einem alten Computer und Fragezeichen

Was, wenn …

Lieber Nationalrat, Landesrat, sämtliche politische Vertreter, aber vor allem sehr geehrter Herr Kaiser anhand meines konkreten Falles, was wäre gewesen, wenn an diesem Tag nur eine oder keine pädagogische Fachkraft im Raum gewesen wäre? Was, wenn sie gerade damit beschäftigt gewesen wäre, ein anderes Kind in den Schlaf zu begleiten, weil es seine Mama/Papa schrecklich vermisst und Nähe und Geborgenheit in diesem Moment benötigt oder sie ein anderes Kind auf die Toilette begleitet hätte? Diese Szenarien sind aufgrund des Personalmangels Daily Business- und sie deshalb nicht bemerkt hätte, dass es bei einem anderen Kind zu einem neurologischen Notfall während des Schlafes gekommen ist? Angemerkt muss werden, dass der Betreuungsschlüssel je nach Bundesland variiert, was ich persönlich als unfair empfinde, schließlich haben alle Kinder das gleiche Recht auf einen besseren Betreuungsschlüssel sowie alle Erzieher/-innen mit derselben Ausbildung die gleichen Arbeitsbedingungen vorzufinden.

Was muss (noch) passieren…?

Ich kann es Ihnen ganz klar sagen, diese pädagogische Fachkraft hätte sich vermutlich ihr restliches Leben Vorwürfe gemacht! Über die rechtlichen Konsequenzen möchte ich erst gar nicht sprechen.
Dieses Kind hatte Glück. Werden in Zukunft alle Kinder dieses Glück haben?
Was muss passieren, bis politisch endlich interveniert wird?

Ich liebe meinen Beruf. Nein, ich habe ihn bis zum 25.8.22 geliebt, seitdem stelle ich mir selbst die Frage: „Zu welchem Preis, möchte ich Elementarpädagogin bleiben?“

Es ist an der Zeit, dass endlich reagiert wird, verschlafen hat die Politik in Bezug auf die Elementarpädagogik seit Jahrzehnten! Die Gruppengrößen müssen endlich reduziert werden und das Lohnschema einheitlich und zeitgerecht angepasst werden! Die Anforderungen werden immer größer und die psychische und physische Belastung der pädagogischen Fachkräfte steigt stetig an!

Dieses politische HECK-MECK muss aufhören!
Mit freundlichen Grüßen, eine Elementarpädagogin aus Kärnten!“

Zu einem Interview mit der Initiatorin geht es hier unten

Precious Nnebedum (stehend) performt ihre Texte zweisprachig und wortakrobatisch; links: Nermin Ismail; rechts: Mehwish Sohail, Sherri Spelic sowie die Organisaotrin des Abends: Arwa Elabd

Wortakrobatik, Sprachspielereien – und Hoffnung auf vielfältigere Zukunft

Nach einem Bücher-Picknick ohne Bücher, dafür mit vielen Gesprächen über Lektüre und vorbei an einem von der Initiative bibliobox dicht gefüllten Büchertisch, ging es zu einer der letzten Veranstaltungen im Wiener Kultursommer – diesfalls im Kongreßpark in OTK, wie Ottakring von vielen, vor allem mehrsprachigen Jugendlichen genannt wird. Mehrsprachige Autorinnen, die vor allem auf Deutsch schreiben, über Lebensfelder und -realitäten, die viele aus der Mehrheitsgesellschaft kaum bis nicht kennen: „Über Grenzen lesen“.

Wortakrobatik

Vier Autorinnen – ein angekündigte Autor war kurzfristig verhindert, einem anderen, erst kürzlich tragisch (beim Bergwandern) tödlich verunglückten – Jad Turjman – wurde gedacht -, lasen Auszüge aus ihren jüngsten Werken. Precious Nnebedum performte ihre Texte bilingual (Englisch und Deutsch), die erst im Oktober erscheinen. Mit 16 hatte sie, die schon mit sieben in Nigeria, wo sie mit Igbo und Englisch aufwuchs, ihre ersten Geschichten geschrieben, in Graz mit Poetry Slam begonnen. Vor zwei Jahren begeisterte sie bei der Online-Preisverleihung der exil-Literaturpreise ebenfalls mit Schnell-sprech-Wortakrobatik. Mit ihrem Text „The Gospel Road“ hatte sie, als bisher Jüngste, den ersten Preis des Literaturbewerbs der edition exil gewonnen. Namens der Jury hatte 2020 Julya Rabinowich die Entscheidung u.a. so begründet: „In eindringlichen, klaren, schnörkellosen Sätzen schildert Precious Nnbedum eine Realität, die an vielen spurlos vorüberzieht und gibt somit Situationen Raum, die von anderen Lebensumständen künden.“

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Hoffnung – Vorbild für andere

Nermin Ismail, Journalistin in verschiedenen Medienhäusern erst in Österreich, nun in Deutschland, hat kürzlich ihr drittes buch veröffentlicht. Nach „Ungehörte Stimmen“ und „Etappen einer Flucht- Tagebuch einer Dolmetscherin“ ist es nun „Hoffnung“. Solche gibt sie selber als Vorbild für andere. In den meisten Medienhäusern war sie die erste bzw. einzige mit Hidjab, die als Journalistin arbeitete. Andere Frauen mit Kopfbedeckung gab’s schon – als Putzkräfte. Und gerade solchen gibt eine wie sie auch Hoffnung. Darauf, dass ihre Töchter auch einmal nicht nur subalterne Tätigkeiten ausüben (müssen).

Sprachverspielt

„Falsche Hautfarbe, richtige Staatsbürgerschaft“ – so wurde eine weitere der Autorinnen, Sherri Lyons-Halmer bzw. Spelic (unter dem sie auch publiziert), von der Leiterin der Gesprächsrunde, Arwa Elabd (BiblioBox Gründerin, Literaturexpertin und Deutschlehrerin) vorgestellt. Schwarz, aber US-Bürgerin. Die Autorin von „Care or Core“ (Essays über Identität, Bildung und Stärken) sowie „Die Sprachbürgerschaft“, die Ernst Jandl als eines ihrer Vorbilder für Gedichte und Sprachspiele nannte, sei sich ihrer privilegierten Stellung als US-Bürgerin in Österreich noch dazu in einer Bildungsblase – sie unterrichtet an der American International School – durchaus bewusst. Und meinte, es ginge im Zusammenleben nicht um Nett-sein und Toleranz, sondern darum, bestehende wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten/Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, um diese aufzuheben.

D-english

Mehwish Sohail versteht sich als Autorin jenes Genres, das neudeutsch New Adult genannt wird/sich nennt – zu alt für Jugendbücher, zu jung für „erwachsene“ Unterhaltungsromane. Ältere Jugendliche und junge Erwachsene im Gefühlstaumel, -wirrwarr, der Frage nach wohin, der Suche nach Ankommen. Nicht unbedingt, aber durchaus natürlich auch im Milieu von Menschen, die neu in einem Land, einer Kultur ankommen. Immer wieder auch mit englischen Einsprengseln als (Kenn-)Zeichen junger Leute, egal welcher Herkunft. Und so hat ihr – deutsch geschriebener – fetter Roman – und die schon fixierten beiden Folgebände der Trilogie (jeweils rund 500 Seiten) auch englische Titel: „Like water in your hands“ („Like words on your skin“ – Ende April 2023 sowie „Like feathers between my ribs“ (Ende November 2023).

Kostprobe aus dem ersten Band gab’s leider keine zu hören, dafür aus dem Text „Glasscherben-Symphonie“ über die Gefühle ihrer Mutter im Deutschkurs beim Hören dieser fremden Laute für die mit Urdu aufgewachsenen Frau.

Follow@kiJuKUheinz