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Szenenfoto aus „Would have would have bicycle chain“

Vom Hirsebällchen bis zur Fridays-Demo…

Ein wanderndes Zelt – mit Anspielung auf „Aktivismus-Camps“ – neben einem handgeschriebenen Plakat: System/atisches/Prob/lem“ eröffnet die Show, die die „Next Generation“ als Abschluss ihres Jahres im Dschungel Wien organisierte. Celine Christl und Marie-Louise Fürnsinn hatten ein Jahre lang in diesem Theaterhaus für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier – angestellt – gearbeitet, sind alle Abteilungen durchlaufen und haben für ihr letztes Wochenende eine Performance junger künstlerischer Aktivist:innen oder aktivistischer Künstler:innen vorbereitet, die sich mit verschiedenen Aspekten und Themen von Aktivismus bzw. Aktivist:innen beschäftigen.

Hätte, hätte…

Ein bisschen mit dem augenzwinkernden Motto, „was wäre, wenn“ – übersetzten sie den gängigen Spruch „hätte, hätte Fahrradkette“ wortwörtlich ins Englische. „Would have would have bicycle chain“ wirkt natürlich ein wenig krampfhaft, als würdest du sagen „Take you yes in eight“ (Nimm dich ja in acht). Aber Humor – offen und/oder subtil durchzieht dann den Abend – hin und wieder auch mit Anklängen an Pop-Historisches und dieses (leicht) verdreht. Wobei Das T-Shirt „Stop being rich“ (Hör auf, reich zu sein) eine Kritik an jenem T-Shirt darstellt, auf dem Das Gegenteil stand, hört auf, arm zu sein. Und dieses wurde viral als eines am Körper von Paris Hilton im Internet gepostet – und war aber ein Fake! Aber von da aus ließ sich auch der Bogen zur Kommerzialisierung von Aktivismus herstellen. Letztere zuletzt massenhaft zu erleben im Pride-Month mit heftigem „Pink-Washing“ aller möglichen Konzerne.

Szenenfoto aus „Would have would have bicycle chain“
Poetry-Slam-Auftritt

Reflexion

Plädoyers für Aktivismus mit der unbedingten Notwendigkeit desselben angesichts der globalen und lokalen Probleme – vom natürlich bis zum gesellschaftlichen – Klima sprachen und spielten die Mitwirkenden des Abends ebenso an, wie die Reflexion gängiger aktivistischer Formen und nicht zuletzt Teilnehmer:innen. Sarkastisches Anspielen medialer Schlagzeilen über Drag-Performances bis hin zu einem (selbst-)ironischen Poetry-Slam-Text „Das Leben eines Bobo-Kindes“ füllten die Stunde. Reflektiert wurde auch – noch immer – mangelnde Diversität in so manch aktivistischer Szene.

Szenenfoto aus „Would have would have bicycle chain“
Gespieltes Interview als Reflexion zum eigenen Handeln

Diversität mit Potenzial nach oben

Anabel Bautz, Hannah Birnbaumer, Juliane Büch, Juicy Buttler, Celine Christl, Chilli Juice, Paula Dorten, Stella Engel, Marie-Louise Fürnsinn, Claudia Hagenauer, Miriam Sautner, Simone Schöll und Tizzia bildeten das Team des Abends. „In den Bereichen Class, Gender und Sexualität ist unser Team total divers“, meinten die Organisatorinnen auf die anschließende Kritik von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, dass zum Anspruch, diverses Programm zu gestalten, einiges fehlte. Und es vielleicht möglich sein hätte können, durch Zusammenarbeit mit dem Team der ebenfalls im Dschungel Wien angesiedelten Initiative „wem gehört die Bühne?“ auch Breite und Vielfalt der Diversität ins Programm zu bringen.

Ankündigungsfoto zum Abend „Would have would have bicycle chain“
Ankündigungsfoto zum Abend „Would have would have bicycle chain“ – mit einem Drag-Auftritt

„Das ist ein Muster, das uns bereits in der Konzeptionsphase bewusst wurde, und uns trotz aktivem, breitem Outreach begleitet hat. Das ist an dem Einblick in Aktivismus, den unser Projekt gibt, zu kritisieren – und zurecht ebenso an seinem Gesamtkontext, was wir auch an mehreren Stellen in der Performance bewusst tun. Denn es handelt sich hierbei um ein systematisches Problem. Das Auftreten von Aktivismus ist nach wie vor sehr weiß und wird überwiegend von denen praktiziert, die die zeitlichen, finanziellen und, vor allem, emotionalen sowie mentalen Kapazitäten dafür haben“, wurde geantwortet.

Naja…

Wobei auch da offenbar einige sehr wohl diverse Bereiche von Aktivismus offenbar ausgeblendet wurden – von „Black Lives Matter“ bis zu „standing.together.vienna“, einer Initiative von Jüd:innen und Palästinenser:innen, die übrigens regelmäßig Kundgebungen auf dem Platz der Menschenrechte abhalten, an den der Dschungel Wien angrenzt; oder diverse (!) Rollstuhl-Tanzgruppen, immerhin haben in mehreren Stücken in der Vergangenheit etwa Yuria Knoll oder Adil Embaby mitgespielt bzw. mitgetanzt.

Vielleicht ja dann beim nächsten Mal, lautet doch der abschließende Satz der „Next Generation“ in der Antwort auf die live nach der Performance vorgebrachte Kritik: „Für einen intersektional inklusiveren Zugang zu Aktivismus!“

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Szenenfoto aus "Core – Drept la Replică"

Queere und trans* Romani: Verborgene Held:innen und viele Opfer

Schockmoment gleich zu Beginn. Klar, es handelt sich um Theater, Performance. Dennoch eine „Leiche“ oder wenigstens denkbar schwerst verletzte Person, die auf den ersten Treppen der Publikums-Tribüne liegt! Huch, Schnaufen, Innehalten. Da vorbei gehen? Soll da vielleicht gar getestet werden, wie Zuschauer:innen reagieren?

Offenbar eher nicht, zu offensichtlich inszeniert liegt Cat Jugravu da. Und in „Core – Drept la Replică“ (Rumänisch – Übersetzung: Recht auf Antwort) vom Queerdos Kollektiv im Rahmen des zu Ende gegangene 4. „E Bistare – vergiss mein nicht“ Roma-Theater- und Kulturfestival ging es schon von der Ankündigung nicht nur um die schon lange zurückreichende Existenz von LGBTQIA+ auch unter Rom:nja, Sinti:zze…

Kraftvolle Vorbilder, die auch von der eigenen Community an den Rand gedrängt ausgegrenzt wurden. Und nicht selten – wie auch nicht-queere – Angehörige dieses wohl internationalsten Volkes – ohne Land – mehr als diskriminiert, ja teils systematisch ermordet worden sind.

Schriftlich Projektionen

Genannt und oft auch im Hintergrund an die Wand projiziert – wobei da nicht selten auch die Schrift ineinander lief und alles andere als gut leserlich war – erzählte Cat Jugravu genauso über einzelne Persönlichkeiten – ob Kämpfer:innen oder/und Opfer – aber auch die gesamtgesellschaftliche Situation bis hin zum Porajmos, dem Pendant zum Holocaust. Eine halbe Million Rom:nja und Sinti:zze wurden von den Nazis systematisch ermordet.

Untertitel des Abends, der sich mehr Besucher:innen verdient hätte: „Practicing Memory – A Performative Exercise“ (Gedächtnisübungen – Eine performative Übung). Und zu den performativen Elementen gehörte nicht nur das eingangs beschriebene auf dem Boden liegen als Opfer, sondern noch so manch andere drastische Actions.

Musik und Rezitation

Es war aber kein Solo, heißt die Gruppe doch nicht umsonst Kollektiv. Marcos Vivaldi steuerte einen Klangteppich aus Live-Musik mit Querflöte, Saxophon, vor allem aber elektronischer Musik bei. Einerseits so etwas wie fluider Untergrund, auf dem sich die Performance – zu der auch noch Andrei Raicu, Gilda Horvath (letztere mit einem Text, den sie für die Gruppe auf Romanes übersetzt hatte – und glich gebeten wurde, ihn selbst vorzutragen, was zu einer beeindruckenden Szene wurde) ihre Beiträge lieferten. Andererseits verstärkte die Musik mitunter besonders emotionale Momente.

Intentionen

„Mit diesem performativen Akt überbrücken wir die Klüfte in his-story und bringen Stimmen zum Vorschein, die unterdrückt wurden: queere und trans* Romani Geister ‒ roh und entschlossen drängen sie an die Spitze unseres kollektiven Bewusstseins“, hieß es im Ankündigungstext. „Marginalisierung und ein Mangel an Dokumentation haben die queeren Aspekte der Roma-Geschichte an den Rand gedrängt. Queere Romani-Geschwister bleiben unsichtbar, erstickt unter dem Gewicht des Stillschweigens unserer eigenen Communities und vorherrschenden Gesellschaften. Im Zentrum des Kampfes wird unsere Geschichte beleuchtet, geprägt von Schmerz und Vorurteilen“, ist ein weiteres Zitat, das die Intention der Performance zum Ausdruck bringt.

„Da Hofa“

Gerade dieser Vorurteils-Aspekt lässt bei jenen, die schon ein bissl länger in Wien leben Assoziationen an Wolfgang Ambros Song (Text: Joesi Prokopetz) „Da Hofa“ aufkommen. Beginnt doch dieses: „Schau da liegt a Leich‘ im Rinnsal, ‚s Blaut rinnt in Kanal…“ In den nächsten Zeilen zerreißen sich alle das Maul und wissen, egal wer die Leich ist und was passiert ist, „Da Hofa war’s vom 20er-Haus, der schaut mir so verdächtig aus…“ Bis sich am Ende herausstellt: Die Leiche ist der, den alle für den Mörder hielten.

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Malen im Liegen

Im Liegen malen, schreien nach Herzenslust und vieles mehr

Heiß, heißer… natürlich stöhnten auch am ersten Tag des Wiener Ferienspiel-Eröffnungsfestes viele über die Hitze. Wie auch nicht. So manches spielte sich aber durchaus im Schatten ab. Eine Sprühdusche war trotzdem einer der Hits. Eine der Künstler:innen, die als wandernde Abwechslungen, als sogenannte Walking Acts das Festgelände im Wiener Donaupark – der übrigens heuer seinen 60. Geburtstag feiert – hatte auch eine leicht abkühlende Sprühflasche mit. Kleine Abhilfe verschaffte auch eines der vielen Give-Aways. Beim Arbeiter-Samariter-Bund gab’s unter anderem Fächer.

Schminken aller möglichen Tier- und Fantasiegesichter war trotz der Hitze bei vielen Kindern angesagt. Beliebt wie immer: die Schrei-Box vom wienXtra-Medienzentrum. Nach Herzenslust Schreien und sich dabei fotografieren lassen, um die lustvoll entfesselten Fotos auch gleich mitnehmen zu können – das ist immer ein Highlight.

Sehr beliebte Station, die Schrei-Box
Sehr beliebte Station, die Schrei-Box…

Kletter- und Torschusswände ebenso wie eine große Luftburg-Rutsche und so manch andere Stationen luden ein, sich sportlich – im Schatten – zu betätigen. Nicht ganz im Schatten lag/liegt der Parcours, bei dem sich jede und jeder Gehende einen Rollstuhl vorübergehend ausborgen kann, um diese Fortbewegungsart auszuprobieren, die für manche die einzige oder vorrangige ist.

Liegend malen

Diverse Bastelmöglichkeiten fanden/finden – das Eröffnungsfest läuft ja auch noch am Sonntag von 14 bis 19 Uhr – sich ebenso wie eine ganz außergewöhnliche Mal-Station. In einem recht üppigen Bereich, den die Wiener Stadtgärten bespielten und wo es natürlich auch Erde und Pflanzen gab, schaukelten drei Mitarbeiter ein Brett mit Kunstrasen-Wiese. Auf dieses konnten sich Kinder legen und mit dicken Pinseln gel, orange und rot auf Packpapier malen. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte ein Mädchen fotografieren, das vor allem mit Spritztechnik arbeitete. „So male ich auch zu Hause gern mit Acrylfarben“, vertraute sie danach dem Journalisten an. „Das Liegen war übrigens gar nicht so angenehm, wie ich mir das vorgestellt habe“, ergänzt sie, „weil das Gras in den Beinen gestochen hat.“

Spiele, Quiz und Infos

Vom Wiener Wasser über die Wiener Linien – mit einem Straßenbahn-Simulator im Bus – und die Helfer Wiens bis zur mobilen Abfallberatung boten viele städtische Einrichtungen, die auch die neuen Wochen in den Sommerferien Spielstationen anbieten, hier nicht nur Spiel- und Quizmöglichkeiten, sondern auch viele Informationen – auch für viele Erwachsene Unbekanntes. Vor dem Fahrsimulator-Bus erklärten Mitarbeiter:innen die Notbremse und das Notrufsignal in U-Bahnstationen. Sollte wer auf die Gleise stürzen oder einfach nur runterklettern, um etwas zu holen, runtergefallen ist, kann über den roten Notbremse-Griff, die nächste U-Bahn automatisch gestoppt werden. 80 Meter Bremsweg hat sie allerdings schon. Schneller als Rettung, Feuerwehr oder Polizei in diversen Notfällen wäre es den pfeiferlartigen silbrigen Hebel bei der Notrufsäule zu drücken. „Dann sind Sie sofort mit der Leitzentrale verbunden, die sehen sofort woher das Signal kommt, Sie brauchen nur mehr sagen, um welchen Notfall es sich handelt.

Bühnenprogramm & Holli

Auf der großen Bühne spielt sich viel Programm – so manches zum Mittanzen und -singen ab, jedenfalls mitreißend war der Auftritt der Kinder- und Jugendband „Jumping Jungle“, ein sehr junges Jazz- und Funk-Ensemble.

Einer darf natürlich nie fehlen, der leibhaftige Holli, das vor ein paar Jahren erschlankte und beweglichere  Maskottchen des Wiener Ferienspiels. Auf der Bühne, aber auch mitten unter den Besucher:innen trifft er Kinder – und deren erwachsene Begleitpersonen. Gern lässt er sich auch mit seinen Fans fotografieren.

Ach, und natürlich gibt’s beim Startfest auch die ersten Sticker für den Ferienspielpass – bzw. einen solchen, so du ihn nicht in der Schule gekriegt hast.

Kinderunis

Das Schuljahr ist gerade zu Ende gegangen, viele Kinder sind wissbegierig und stürmen Jahr für Jahr die Workshops, Labore, Seminare und Vorlesungen der Kinderuni Wien (8. Bis 19. Juli 2024). Denn grundsätzlich ist ja jedes Kind neugierig und wissbegierig. Und da können sie genau das lernen, was sie interessiert. Viele Fragen sind erwünscht. Und Noten gibt es auch keine!

Gleiches gilt für die kreativen, künstlerischen Workshops der Kinderuni Kunst (1. Bis 12. Juli 2024).

Mehr siehe Info-Box.

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Detaiansicht: Emanuel Baricas Hände beim Zeichnen

Gezeichnete „Lebens“-Linien zu menschlicher Identität

Kommst du durch den Eingang in der Mariahilfer Straße ins MuseumsQuartier, bist du im kleinsten Hof dieses Areals – mit Zugang zu den Büros von Dschungel Wien und Ausgang von Bühne 3 dieses Theaterhauses für junges Publikum sowie zum Bürotrakt des Zoom Kindermuseums. Dazwischen steht derzeit ein hölzerner Wohnwagen – ohne Räder. „Spaces of Memories” nennt sich dieses „Temporäre Mahnmal”, gestaltet von der Künstlerin Luna De Rosa. So wie beim vorherigen, dem 3. „E bistarde – vergiss mein nicht“ Roma-Kulturfestival wird das Mahnmal wieder künstlerisch bespielt. (Im November 2023 stand der Wagen im nächstgelegenen, größeren Hof mit den Eingängen zum Theaterhaus, dem Kindermuseum und zur wienXtra-Kinderinfo.)

Dieses Mal stehen und hängen im Wagen Bilder – mit feinen Linien gezeichnet – von Emanuel Barica. Wenn er selber da ist, sitzt er meist vor dem Wagen unter einem Baum, lässt Musik über sein Handy abspielen. Zufällig laufen Nummern aus seiner Playlist. Vor sich hat er immer ein Blatt und einen Stift, meist Fineliner oder Kugelschreiber. Vor allem die Musik scheint immer wieder seine Hand zu führen – und Gespräche mit Vorbeikommenden oder Menschen, die sich zu ihm setzen, vielleicht sogar von ihm portraitieren lassen.

Als Jugendlicher Mangas

Der heute 40-Jährige wurde im rumänischen Botoșani (im Nordosten des Landes; mehr als 100.000 Einwohner:innen) geboren, wuchs erst mit Romanes und ab der Schulzeit mit Rumänisch auf, zeichnete und malte natürlich wie (fast) jedes Kind gerne. Mit 15 begann er sich von Mangas und Anime inspirieren zu lassen und wollte diesen Stil lernen, erzählt er im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Fünf Monate tigerte er sich da rein und kam dann drauf, „ich sollte lieber Grundlagen der Malerei lernen“. Dazu machte er einige Workshops, holte sich aber vor allem Anleihen, Tipps und Vorbilder aus Büchern in der Bibliothek seiner Heimatstadt – vor allem Anatomie suchte er zu ergründen.

Wollte es unbedingt

„So brachte ich mir nach und nach alles selber bei, aber nach einigen Monaten war es eher noch schwieriger.“ Je mehr er an Wissen ansammelte, desto komplizierter wurde es, richtig zu zeichnen. „Was mich dann wirklich weiterbrachte, war mein Ehrgeiz. Ich wollte es unbedingt!“

So begann er sich zunächst auf Natur, Landschaften zu konzentrieren, auf Licht und Schatten zu achten. „Und ich ging immer wieder von einfachen Formen aus wie von einem Viereck, einem Kreis und Linien und entwickelte daraus die Bilder, die ich zeichnen wollte.“ So kam er nach und nach immer mehr dazu, Gesichter zu zeichnen. „Das mache ich vor allem, weil es mit der menschlichen Identität verknüpft ist – und die ist mein zentrales Thema!“

Lass mich überraschen

KiJuKU: Wenn du Gesichter zeichnest, hast du dann reale, konkrete Menschen vor dir oder zeichnest du aus deiner Fantasie?
Emanuel Barica: Meist aus meiner Vorstellung – aber kombiniert mit der Realität!

KiJuKU: Du malst immer mit Musik?
Emanuel Barica: Nicht immer, aber meistens, Musik inspiriert mich.

KiJuKU: Hast du dafür spezielle Songs oder eine Playlist?
Emanuel Barica: Nein, zufällig, was gerade kommt. Und das finde ich so spannend, weil ich nicht weiß, welche Songs gespielt werden.

KiJuKU: Du weißt also am Beginn eines Blattes gar nicht was du letztlich zeichnest?
Emanuel Barica: Nicht ganz. Eines weiß ich schon, es geht immer um die menschliche Identität. Aber wie und was – das ist auch für mich als Künstler dann überraschend. Es ist am Beginn unbekannt.

Bild(er) von Emanuel Barica
Bilder von Emanuel Barica

Berlin – Paris

Seit elf Jahren lebt der Künstler in Berlin, hat Ausstellungen in seiner neuen Heimatstadt, aber auch schon in Dresden, Leipzig, Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg, Paris. Neben Ausstellungen hält er auch Zeichen- und Mal-Workshops. In Wien war/ist er nun zum ersten Mal – eingeladen von Simonida Selimović, Schauspielerin, Regisseurin, Stücke-Autorin und nicht zuletzt künstlerische Leiterin des Rima-Kulturfestivals „E Bistarde“, das nun zum vierten Mal stattfindet. „Mit ihr hab ich in Berlin einige Projekte gemeinsam gemacht – Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der Geschichte der Roma für Gedenkveranstaltungen am 2. August (siehe dazu Links am Ende des Beitrages).

„Manchmal spreche ich Deutsch“, sagt er mitten im auf Englisch geführten Interview, „aber eher Englisch, weil die meisten Käufer:innen meiner Arbeiten sind aus den USA, auch aus Lateinamerika, Portugal… Aufgewachsen bin ich mit zwei Muttersprachen – zuerst Romanes und dann – verstärkt durch die Schule – Rumänisch.“ Von Wien zeigt er sich – ohne gefragt zu werden – begeistert, ähnlich wie von Berlin.

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Die Kinderjury bei ihrer Präsentation

Junge Leser:innen haben ihre Buch-Favoriten gewählt

Weil Natur, Tiere, der Wald – und die beiden detektivischen Geschwister-Kinder Martha und Mischa die zentralen Rollen spielen haben sich die vier Kinder der Jury der jungen Leser*innen für „Der Wald heult“ von Petra Hartlieb und Hubert Flattinger (mit Illustrationen von Ulrike Halvax) entschieden.

Alma Hammerer, Mia Hildebrandt, Carla Steiner und Suren Leo Paydar haben in diesem Schuljahr mit und bei der Literatur-Bagage 13 verschiedene Bücher intensiv gelesen, besprochen, darüber diskutiert und dann ihre Wahl getroffen. Zum dritten Mal stellten kürzlich Kinder bzw. Jugendliche mit der neuen, wiederbelebten Jury der jungen Leser*innen (dazu mehr in dem Beitrage über die Wiederauferstehung dieser Initiative weiter unten verlinkt) ihre besten Bücher im WuK, dem Werkstätten- und Kulturhaus in Wien-Alsergrund vor.

Kinder-Jury und das Autor:innen-Duo
Kinder-Jury und das Autor:innen-Duo

Die nicht ganz eine Minute lange zusammengefassten Begründungen der vier jungen Vielleser:innen sind in einem Video direkt zu hören – ebenfalls weiter unten verlinkt, so wie eine Story über ihre Tätigkeit in einem weiteren Beitrag und mehr zum ausgewählten Buch ebenfalls.

Renate Welsh bei ihrer Rede
Renate Welsh bei ihrer Rede…

Eröffnungsrede von Renate Welsh

Eröffnet hatte die Preisverleihung eine ganz Große der österreichischen (nicht nur) Kinder- und Jugendliteratur: Renate Welsh. In ihrer grundsätzlichen Rede über Literatur begann sie bei dem in diesem Jahr aufgrund des 100. Todestages besonders häufig zitierten Franz Kafka und seinem Satz, „ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns“, Gefühle freilegen, Luft zum Atmen verschaffen, Gedankenfreiheit geben. Und Lesen könne oder solle so etwas sein wie ein Akt des Zuhörens mit allen Sinnen und Körperteilen. Dies könne der Nährboden für Empathie sein, so Welsh.

Jugendliche

Die Jury der jungen Leser*innen teilt sich immer in eine jüngere und eine ältere Gruppe, also Kinder bzw. Jugendliche. Adam Elkist, Delia Frassine, Amelie Herold, Mia Mende, Sara Subotić, Emma Willer, Aalitha Woster und Yassin Anan (der bei der Preisverleihung verhindert war), hatten 14 Bücher verschlungen, analysiert und bewertet. Es sei keine leichte Aufgabe gewesen, sich für einen Favoriten zu entscheiden, berichteten mehrere Jury-Mitglieder KiJuKU.at – „aber Toffee – wie Glücklichsein von außen aussieht (von Sarah Crossan, übersetzt von Beate Schäfer, Hanser Verlag) war niemand dagegen und alle fanden es jedenfalls gut“.

Schreibstil und Gedicht-Layout

In der gemeinsamen Begründung heißt es unter anderem: „Die Geschichte Toffees ist keine einfache. Abwechslungsreich, ehrlich und kraftvoll. So empfanden wir den spannenden Weg Allisons alias Toffee deren Reise uns auch nach dem Lesen noch nachdenklich stimmte. Der souveräne und einfache Schreibstil der Autoren sowie das einzigartige Layout finden einander in diesem fesselnden Roman wieder, so dass man dazu geneigt ist, diesen in einem Zug durchzulesen. Trotz so vieler anderer fantastischer Bücher, die uns dieses Jahr begleitet haben, stach „Toffee – wie Glücklichsein von außen aussieht“ unter allen anderen heraus und überzeugte uns mit seiner außergewöhnlichen Erzählung.“

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literaturbagage.at

Ausschnitt aus Seite 237 von "Toffee - Wie Glücklichsein von außen aussieht"

Erinnern- trifft Vergessen-wollen

„Ich bin ein junger Mensch, der vergessen will.
Marla ist ein alter Mensch, der sich zu erinnern versucht.“

Diese zwei Sätze stehen unter anderen auf dem Buchrücken von „Toffee – wie Glücklichsein von außen aussieht“ von Sarah Crossan (aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Beate Schäfer).

Üblicherweise bediene ich mich in Buchbesprechungen weder bei Klappen- noch bei Buch-Rücken-Sätzen. Doch dieses Zitat (von Seite 8) trifft vielleicht die insgesamt 345 Seiten so exakt wie nichts anderes.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Toffee – Wie Glücklichsein von außen aussieht“

Generationen-Treff

Das zufällige – naja, von der Autorin sicher bewusst geplante 😉 – Aufeinandertreffen der Jugendlichen Allison mit der alten, dementen Frau Marla lässt sicher (hoffentlich) die meisten Leser:innen in ziemlich fremde Welten eintauchen. Die doch meist so nahe leben.

Allison hat von zu Hause ab – nach und nach in Häppchen werden die Gründe freigelegt, wenn sie sich erinnert, was sie am liebsten aus dem Gedächtnis streichen würde. Die brutale Gewalt, die ihr der Vater antut; die Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Toffee – Wie Glücklichsein von außen aussieht“

Überlebenswille

Sie reißt aus, weiß nicht wohin und findet zufällig (!) Zuflucht bei Marla, einer alten Frau, die sich kaum an etwas wirklich erinnern kann, selbst wenn es wenige Moment zurückliegt. Und diese Marla meint in Allison eine Freundin aus Kinder- und Jugendtagen namens Toffee zu erkennen. Also nimmt – anfangs widerwillig, aber sozusagen aus Überlebensgründen – Allison diese neue Identität an.

Und die beiden finden eine Wellenlänge, auf der sie einander verstehen…

Satz-Spiele

Die Autorin erzählt diese Geschichte(n) in knappen Sätzen, in denen sie viel Platz für tiefe Gefühle lässt, ohne je pathetisch zu werden. Und sie schreibt ihren Text in – nicht gereimter – Gedichtform – mit so manchen Wort- und Gedankenspielen, die sie in passende Form bringt. Wenn sie etwa schreibt Marla starrt auf die leere Stelle, so lässt Crossan bzw. die Übersetzerin vor „leere“ einen riesigen Abstand, eine Leerstelle (S. 237).

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Toffee – Wie Glücklichsein von außen aussieht“

Oder auf Seite 132 lässt die Autorin Allison/Toffee sagen/denken: „Manchmal denke ich, ich wäre wirklich so, wie Dad es mir eingeredet hat: „hohl und klein, und am besten gar nicht da.“ Da werden die Wörter „hohl und klein“ sowie „gar nicht da“ wunzig klein geschrieben/gedruckt und zwischen den beiden letzten Zeilen bleibt viel Platz leer – da ist kein Buchstabe da.

Trotz der eher (sehr) tristen Ausgangslagen ihrer beiden Protagonistinnen lässt die Autorin in diesem Buch aber auch viel positive Grundstimmung, kräftigen (Über-)Lebenswillen sowohl von Marla als auch von Allison alias Toffee mitschwingen.

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Titelseite des Jugenduches
Titelseite des Jugenduches „Toffee – Wie Glücklichsein von außen aussieht“
Großgruppenbild mit Kindern udn Jugendlichen einiger der Projekte, die nun umgesetzt werden sowie Verantwortlichen in Politik und Jugendarbeit

Bienenhotels, Natur in der Schule, Jugendkino im Freien…

„Wir dachten uns, welche Tiere uns helfen. Da ist uns die Biene eingefallen“, beginnen die ersten Kinder aus der 4B der Volksschule Grinzinger Straße (Wien-Döbling; 19. Bezirk) Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… zu erzählen. Und dann sprudelten sie der Reihe nach drauf los: „Wenn wir die Bienen nicht hätten, dann könnten wir 50% unserer Nahrung nicht essen (Anmerkung: Für Obst und andere pflanzliche Nahrungsmittel braucht es sehr oft die Bestäubung durch Bienen).

Zu Beginn hätte es schon die Diskussion gegeben, „für welches Tier wir was machen wollen“. Als die Rede auf Hunde kam, seien sich schnell alle einig gewesen, dass die hier ohnehin gut versorgt seine. Aber Bienen hätte noch Hilfe nötig. Und so hatte diese Klasse, aber auch die 3 c der Volksschule Kolonitzgasse (Wien-Landstraße; 3. Bezirk) – unabhängig voneinander, aber mit ähnlicher Argumentation Projekte für „Bienenhotels“, insektenfreundliche Bewirtschaftung von Grünflächen (Blumen stehen und wild wachsen lassen) – samt Infotafeln für Vorbeigehende ein; jeweils in der Nähe ihrer Schulen.

Und – tatatata…., für diese beiden Projekte stimmten so viele von den 4714 Kindern und Jugendlichen, die am Online-Voting teilgenommen hatten, dass diese unter jenen – in diesem Jahr zehn – Projekten landeten, die aus der (nunmehr zweiten) Kinder- und Jugend-Million gefördert werden – mit insgesamt 120.000 €. Die Liste aller zehn weiter unten in Text und Bildern (Fotos von kurzen Info-Plakaten).

Jugendliche vom Projekt
Jugendliche vom Projekt „Kulturbalkon“

Balkon wird Oase

„Unser Ziel war es vor allem, dass wir ein Stück Natur zu uns in die Schule bringen, also die Perspektive wechseln“, meinte eine Schülerin der (noch) 7G des Gymnasiums Am Augarten. Unser weiteres Ziel wäre, dass wir mit dieser Idee auch noch andere Schule anstecken!“

Aus der Ursprungs-Idee einer Brücke von der Schule über die Straße in den angrenzenden Augarten wurde eine – finanzierbare – grüne Oase für Urban Gardening, Workshops, Freiluft-unterricht, Treffpunkt und Events; berechneter Kostenpunkt: 250.000 €.

Kostenlose Schwimm- und Selbstverteidigungskurse

Ein einzelner Bub – sowie Jugendliche des Jugendzentrums Just Wienerberg hatten die Idee, Gratis-Schwimmkurse für 8- bis 15-Jährige anzubieten. Zwei Jugendliche brachten den Vorschlag von kostenlosen Selbstverteidigungskursen ein.

Vier Schülerinnen der VBS Schönborngasse, die Freiluftkino für Jugendliche vorschlugen
Vier Schülerinnen der VBS Schönborngasse, die Freiluftkino für Jugendliche vorschlugen

Freiluftkino mit Jugendprogramm

Vier Schülerinnen der Vienna Business School Schönborngasse (Josefstadt; 8. Bezirk) finden Freiluftkino super, „aber für Jugendliche werden nicht viele Filme gespielt“. Mit rund 50.000 Euro soll es in Sommermonaten – eher erst ab dem kommenden Jahr – Freiluftkino für Jugendliche (Jugendfilme, Coming-of-Age-Filme, Dokus und Komödien) in drei Parks im 2., 3. und 7. Bezirk geben.

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Junges Wien

Jugendzentrum Marco Polo

FloPsy – Pilotprojekt zu mental health in vier Jugendzentren

„Flopsy ist ein cooles Projekt, bei dem Jugendliche ihre Sorgen mit Psychologen teilen können und wichtige Informationen, zum Beispiel zum Thema Gewaltprävention, erhalten“, zitierte die Leiterin der Weiner Jugendzentren Manuela Smertnik den 18-jährigen Kemal bei einem Mediengespräch Mitte der letzten Schulwoche.

„Flopsy“ – steht als Wort für die Kombination von Floridsdorf und Psychologischer Unterstützung, speziell für Jugendliche – in vier Jugendzentren dieses Wiener Bezirks, des 21. Dass nun seit vier Monaten klinische Psycholog:innen niederschwellig als erste Ansprechpartner:innen in vier Einrichtungen des Vereins einmal wöchentlich drei, bzw. in einem sogar fünf Stunden und in einer zwei Mal pro Woche je drei Stunden einfach da sind, geht auf eine Initiative von Jugendlichen selbst zurück. Einige von ihnen hatten „Flopsy“ bei der ersten Kinder- und Jugendmillion eingereicht, hatten es damit in die engere Auswahl geschafft und bekamen beim Online-Voting genügend Stimmen für die Umsetzung als Pilotversuch. Und sie wurden bei der Umsetzung des Pilotprojektes mit einbezogen.
Übrigens am selben Tag als die ersten Erfahrungen dieses Projekts den Medien vorgestellt wurden, gab es die Bekanntgabe der zehn Projekte, die von der zweiten Kinder- und Jugendmillion finanziert werden – KiJuKU wird darüber demnächst berichten.

Mediengepräch zu FloPsy: (von links nach rechts) Markus Stradner (Medien und Öffentlichkeitsarbeit PSD), Georg Papai (Bezirksvorsteher von Floridsdorf), Ewald Lochner (PSD-Koordinator), Manuela Smertnik (Leiterin der Wiener Jugendzentren)
Mediengepräch zu FloPsy: (von links nach rechts) Markus Stradner (Medien und Öffentlichkeitsarbeit PSD), Georg Papai (Bezirksvorsteher von Floridsdorf), Ewald Lochner (PSD-Koordinator), Manuela Smertnik (Leiterin der Wiener Jugendzentren)

130 individuelle Gespräche

Seit Projektstart im Februar dieses Jahres konnten bereits etwa 100 Jugendliche in den teilnehmenden Jugendzentren dieses großen Wiener Bezirks am linken Donauufer – Club Nautilus in der Großfeldsiedlung, Jugendzentrum Strebersdorf, Jump – Jugendzentrum Marco Polo, sowie Jugendtreff MiHo (Mitterhofergasse) insgesamt 130 individuelle ausführlichere Gespräche bei den beiden klinischen Psycholog:innen führen. Am häufigsten wurden dabei Leistung(sdruck), Familie und psychische Gesundheit von Seiten der jungen Menschen in den Gesprächen thematisiert, fasste der Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien, Ewald Lochner bei dem genannten Gespräch zusammen, das im Jugendtreff MiHo stattfand.

Jugendzentrum Strebersdorf
Jugendzentrum Strebersdorf

Hemmschwelle abbauen, entlastende Gespräche

Er wies auch darauf hin, dass die intensiven Gespräche „nur“ ein Teil des Angebots waren/sind. Darüber hinaus waren die Psychologin bzw. der Psychologe einfach so anwesend, womit Jugendliche Hemmschwellen zu ihnen abbauen konnten. Außerdem wurde in kleineren und größeren Runden generell über das insbesondere seit der Pandemie verstärkte Thema psychische Gesundheit geredet. Eine Atmosphäre, die für so manche der Jugendlichen schon entlastend wirkte, ohne Einzelgespräche in Anspruch zu nehmen.

Das Budget beträgt insgesamt 100.000 Euro, die je zur Hälfte von der MA 13 (Bildung und Jugend) und dem PSD-Wien kommen.

Club Nautilus in der Großfeldsiedlung
Club Nautilus in der Großfeldsiedlung

Einfach für uns da

Die Juz-Chefin konnte weitere – ebenfalls anonymisierte – Jugendliche zu ihren Erfahrungen zitieren: „Find es voll gut, dass im Miho so ein bis zweimal in der Woche Psychologen kommen und Beratungen anbieten und uns unterstützen bei Problemen. Es ist für uns einfach, wenn sie herkommen und wir nicht irgendwo hingehen müssen. Sie sind einfach da für uns“, so Celin (16).

Die ebenfalls 16-jährige Nina ließ ausrichten: „Jeden Mittwoch kommt eine Psychologin von Flopsy ins Nautilus. Man kann über alles reden und für mich war das echt gut.“ Und Aisha sagte unmittelbar nach einem Gespräch: „Das war jetzt voll emotional!“

Der Floridsdorfer Bezirksvorsteher Georg Papai zeigt sich stolz darauf, dass der 21. Bezirk dieses Vorzeigeprojekt durchführt.

Jugendtreff MiHo (Mitterhofergasse)
Jugendtreff MiHo (Mitterhofergasse)

Wird weitergeführt – und ausgebaut

Auf Nachfrage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… sicherte der PSD-Vertreter einerseits zu, dass das Pilotprojekt, das bis Ende des Jahres begrenzt ist, danach bruchlos weitergehen werde. Natürlich würde aus den Erfahrungen gelernt werden und gegebenenfalls nehme man Veränderungen vor. Außerdem, so die Antwort auf die nächste Frage, werde diese Form des sehr niederschwelligen Angebots jedenfalls ausgeweitet. Ebenso werde es in absehbarer Zeit zwei weitere Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie geben, eines davon sicher in Floridsdorf.

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Doppelseite aus "Wer hat Angst vor dem Licht?"

Wunderbares Eintauchen in dunkle Tiefen des Meeres

Huch, könnte kann schön gruselig sein. Wundschiefe, teils riesige fast schreiende gelbe Buchstaben auf dem Buchcover. Im Fenstern leuchtet die Frage „Wer hat Angst vor dem Licht?“ gar.

Ganz anders, ziemlich hell auf der sogenannten Vorsatz-Seite, jener Doppelseite nach Aufschlagen des Buches, bevor es so richtig beginnt. Dort wo meist irgendein Muster gedruckt ist, schwimmen zwei Möwen auf stiller, ruhiger Meeresoberfläche unter strahlender Sonne mit wenig zarten Wolken am Himmel. Die eine Kopf hoch und mit Sonnenbrille grüßt „Oh, Hi!“, während die andere ihren Kopf ins Wasser taucht und als sie einige Quallen sieht, mitteilt: „Die Geschichte beginnt da unten!“

Doppelseite aus
Die helle Vorsatzseite – bevor das Buch richtig anfängt 😉

Und dann wird’s auf den folgenden Seiten dunkel und immer dunkler. Anna McGregor führt in Wort und Bild in die Tiefen der Meere – dort wo kein Sonnenstrahl mehr durchdringt. Grellbunte Sprechblasen weisen darauf hin. Und ein in dieser Finsternis nicht zu sehendes Wesen, die Autorin und Illustratorin nennt es Rufus, richtet aus, dass es Dunkelheit liebt, sich dort sicher fühlt und meint auch noch: „Die wahren Monster verstecken sich im Licht.“

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Wer hat Angst vor dem Licht?“

Angler, Gespenster- und Vampir(tinten)fische

Irgendwann leuchten doch – Rufus‘ Augen. Und auf der jeweils gegenüberliegenden Seite taucht auch das eine oder andere Licht auf. Von Lebewesen, die sich auch in der Tiefe des Meeres wohl fühlen – Anglerfisch, Gespensterfisch, Vampir-Tintenfische… – Die gibt es alle wirklich. Die zuletzt genannten sind auch schon in „Faszination Krake“ von Michael Stavarič vorgekommen (illustrierte von Michèle Ganser) vorgekommen. Und insofern bot sich dieser Autor auch als der ideale Übersetzer (aus dem Englischen) für das „unheimliche“ Wesen aus der Tiefsee in McGregors Buch an.

Wer Rufus ist und was die anderen genannten Tiefsee-Schwimmer mit ihm zu tun haben? Nein, kein Spoiler-Alarm. Schon verraten sei aber, dass es (fast) am Ende eine Doppelseite „für Schlauköpfe“ mit Sachinformationen aus den Tiefen des Meeres gibt. Und dass ganz am Ende wieder die beiden Möwen im Hellen, diesmal bei abendlichem Sonnenuntergang zu Wort kommen.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Wer hat Angst vor dem Licht?“
Szenenfoto aus "Bezahlt wird nicht!"

Bella Ciao gegen (Rekord-)Teuerung

Die kleine Bühne steht – in dem Fall gleich im ersten Hof oder auch im letzten je nach Zugang zum Gemeindebau Lindenhof in Wien-Währing. Sitzbänke und Klappsessel in einem eckigen U davor. In einer Ecke des Hofes richten sich die Schauspieler:innen des utopia-Wandertheaters noch ihre Frisuren mit letzten Handgriffen zu recht, schnaufen durch, bilden einen Kreis, umarmen einander und machen sich bereit.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Bezahlt wird nicht!“

Aus den Lautsprecherboxen erklingt die mittlerweile sehr bekannte Melodie von „Bella Ciao“. Vor knapp mehr als 100 Jahren als Lied italienischer Reispflückerinnen mit Klagen über harte Arbeitsbedingungen und stechende Sonne entstanden, wurde es von italienischen Partisan:innen im 2. Weltkrieg zur antifaschistischen, revolutionären Hymne. 2018 – ausgehend vom Soundtrack der spanischen TV-Serie „Haus des Geldes“ – gab es etliche Coverversionen, die den Song zum mainstreamigen Hit machten.

Szenenfoto aus

Gesellschaftskritik mit viel Humor

Die italienischen historischen Bezüge hingegen passen wie kaum eine andere Melodie zu jenem Stück, mit dem das Utopia Theater diesen Sommer durch Wiener Gemeindbauhöfe und Parks tourt: „Bezahlt wird nicht!“ von Dario Fo (Deutsche Übersetzung: Peter O. Chotjewitz). Er und Franca Pia Rame – die beiden arbeiteten eng zusammen und waren auch verheiratet – verpackten viele brisante gesellschaftspolitische Themen in komödiantische, meist bitterböse, die wahren Verhältnisse offenlegende, Theaterstücke – ausgehend von fiktiven Situationen bzw. Szenen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Bezahlt wird nicht!“

Teuerung – auch 50 Jahre später ein brandaktuelles Thema

In diesem Fall dreht sich alles um Teuerung, die das Leben für durchschnittliche Menschen immer weniger leistbar werden lässt. 1974 in Mailand uraufgeführt („Non si paga! Non si paga!“ ist es ein halbes Jahrhundert nicht weniger aktuell.

Die Story: Während des Einkaufs im Supermarkt steigen die Preise gerade noch einmal ins Unermessliche. Chaos bricht aus, Protest, die einkaufenden Frauen wissen sich nicht mehr zu helfen, das Personal gibt ohnehin w.o. Die Frauen nehmen, was sie kriegen können – ohne zu bezahlen/ bezahlen zu können.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Bezahlt wird nicht!“

„Schwanger“

Antonia (Alice Schneider), die Kämpferischere, kommt mit etlichen Taschen voller Lebensmittel nach Hause. Sie weiht ihre Freundin Margherita, hier Margarita (Stefanie Elias) ein. Sie muss aber alles Zeug verstecken, weil ihre Ehemann Giovanni (Thomas Bauer) zwar auch ein Kritiker des ausbeuterischen Systems ist, das den Menschen immer weniger zum Leben lässt, aber sehr gesetzestreu. Das würde er nicht dulden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Bezahlt wird nicht!“

Sie hat einiges versteckt, will aber natürlich der Freundin auch was abgeben, das soll sie – versteckt unterm Mantel – nach Hause tragen. Auf dem Weg begegnet ihr Giovanni, der nun glauben soll, dass Margarita schwanger ist – überraschenderweise… Wovon deren Ehemann Luigi (Paul Wiborny) wiederum nichts weiß.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Bezahlt wird nicht!“

Sind schon da Turbulenzen und Missverständnisse, die zu Situationskomik voller Wortwitz führen angelegt, wird auch noch Antonia „schwanger“, um die Lebensmittel ins (schwieger-)elterliche Gartenhaus zu bringen. Als Überdrüber ließ sich der italienische Meister-Dramatiker (1997 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet) noch weitere Figuren einfallen, vor allem zwei Polizisten unterschiedlichen Ranges und ebenso verschiedener Haltung. Der eine sympathisiert mit den Protestierenden, weil er und seine Kolleg:innen ohnehin auch unterbezahlt und über-eingesetzt sind, der andere vertritt untertänigst die herrschenden Verhältnisse.

Wie in Dario Fos Regie-Anweisungen schlüpft hier auch ein und derselbe Schauspieler (Andreas P. Seidl) in beide – und noch weitere Rollen; in dieser Version in die eines Leichenbestatters, der einen Sarg nicht zustellen kann und die des (Schwieger-)Vaters des ersten Paares.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Bezahlt wird nicht!“

Viel zum Lachen…

… verschaffen die fünf Schauspieler:innen (Regie: Peter W. Hochegger) dem im Freien sitzenden Publikum sowie manch Vorbeigehenden, die für mehr oder minder kurze Zeit stehen bleiben. Komik, die sich aus den zu Missverständnissen Anlass gebenden Szenen ergeben sowie Wortwitz und die eine und andere Anspielung auf Aktuelles verschaffen dem schweren Thema eine Leichtigkeit und das eine oder andere Lachen. Das mitunter doch auch im Hals stecken bleiben könnte.

Gegen Ende gibt’s noch eine Moritat fast im Nestroy’schen Sinne mit auf den Weg für mehr Solidarität und gegen’s Auseinander-dividieren-lassen.

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Doppelseite aus "Plinkermaus und Zwirbelschnecke"

Krabbe in der Krabbelgruppe und Floh auf dem Floß

„Sie ist so winzig, die süße Kleine;
schiebt sich vor, die feinen Beine
noch nicht kräftig, doch ist es Lust.
Ja, krauche, Kind, weil du es musst!“

So lautet eines der vierzeiligen Gedichte über Tiere von Mathias Jeschke. Spielt der Autor schon mit erfundenen Wörtern wie „krauche“, so dachte er sich bei diesem Reim wohl als Witzigstes den Titel „Die Krabbe in der Krabbelgruppe“ aus. Vielleicht war da dieses Wortspiel gar als erstes da, bevor er dazu Reimzeilen suchte.

Wie viele der tierischen kurzen Gedichte er schon vorher hatte? Wer weiß. Ziemlich sicher sein dürfte das Spiel mit dem Untertitel „vierzig vierzeilige Viechereien“.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Plinkermaus und Zwirbelschnecke“

Breiter wortverspielter Bogen

Und so spannt sich der Bogen der Gedichte von „Tintoretto Tintenfisch“ über „das Schlafgiraffenland“, „Die Schlafkaninchen“, die von Wolkenschafen träumen bis zum „Wal der Qual“ samt schönen, bunten gezeichneten Bildern von Mathias Weber.
Achja, natürlich ist auch den beiden Titelheld:innen „Plinkermaus und Zwirbelschnecke“ ein Gedicht gewidmet (Seite 11) – oder vielleicht war’s auch umgekehrt und es wurde dieses ungewöhnliche Liebespaar zwecks der Fantasie-Bezeichnungen zum Buchtitel erhoben 😉

Haiku-Hai ohne Haikus

Manchmal hält allerdings ein Wortwitz dem Inhalt nicht ganz stand. „Der Haiku-Hai“ hätte schon aus dem Rahmen des Untertitels fallen müssen, denn weder in der Anzahl der Zeilen (3 in dem Fall statt 4) noch derjenigen der Silben (5 – 7 – 5) entsprechen die Jeschkeschen Reime der japanischen Gedichtform von Haikus.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Plinkermaus und Zwirbelschnecke“

Und „nebenbei“ transportiert manches der tierischen Gedichte alte Menschen-Klischees – etwa in „eine Hummel auf Einkaufsbummel“, in dem Frau Hummel auf Shopingflug viel einmarktet, das wichtigste aber vergisst – zum Leidwesen von Herrn Hummel. Hätte doch auch selber fliegen können 😉

Nichts desto trotz ist es ein Buch voller witziger Reime, die leicht zu eigenen Wort- und Gedankenspielen animieren könn(t)en.

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Titelseite des Buches
Titelseite des Buches „Plinkermaus und Zwirbelschnecke“
Blick aufs Spiel mit bunten Vögeln, "Federflink"

Schräge Vögel, Versteckspiel und (Glücks-)Pilze als Spiele-Hits

Eine Woche nach der Wiederbelebung des großen Spielefestes im Wiener Austria Center, stellte die Österreichische Spiele-Akademie ihre Entscheidungen in Sachen Spiele des Jahres vor. Der Spielepreis sind ja mehrere – in insgesamt sieben Kategorien: Kinder, Familie, Freund:innen, Expert:innen, Karten, Trend sowie der Hauptpreis – jenseits aller Spezialdisziplinen.

Kinderspiel: „Garten-Gauner“

Die Schachtel wird zum Teil des Spiels namens „Garten-Gauner“ (Autoren: Anthony Perone & Fabrice Chazal, Ravensburger Verlag) , ein Teil davon als Gartenhaus aufgebaut hinter dem sich eine Spielerin/ein Spieler als Gärtner:in platziert und nur ein (gar nicht so) kleines Sichtfenster auf das Spielfeld, einem Garten, hat. Auf diesem werden Karton-Büsche aufgestellt. Die anderen spielen mit ihren Kartonfiguren, die Waschbären darstellen. Diese wollen zu den Mistkübeln, in denen sich auch Lebensmittelabfälle befinden.

Wie bei „Donner – Wetter-Blitz“ darf in dem Fall der Gärtner oder die Gärtnerin kurz nicht schauen, die Spieler:innen bewegen ihre Figuren in Richtung Haus mit Mülltonnen. Statt starr oder bewegt verbergen sie hier ihre „Waschbären“ hinter Büschen. Manche der Büsche haben Löcher. Erkennt der Gärtner/die Gärtnerin einen Waschbären, gibt’s einen Punkt. Bei fünf Punkten hat diese Spielerin/dieser Spieler gewonnen. Umgekehrt kann aber auch eine Spielerin oder ein Spieler gewinnen deren/dessen Waschbär bis zur Mülltonnen gekommen ist.

Familien: Federflink

Auch hier ist die Schachtel Teil des Spiels: Als Halterung für hölzerne Masten. Schnüre sind „Stromleitungen“, auf denen sich Karton-Vögel niederlassen. Karten stellen Aufgaben für „Selfies“. Wer soll auf dem Foto sein – ein rosafarbener kleiner Vogel mit zwei anderen kleinen – unterschiedlich bunten Flugkumpan:innen? Oder fünf große mit eher Strubbelgefieder am Kopf? Oder…

Es gilt die richtigen Kombinationen auf die Seile zu setzen. Und Klick. Karte abgelegt und die darauf befindlichen Punkte zählen am Ende. „Federflink“ (Autoren: Julien Prothière und Juan Rodriguez, Verlag Piatnik) verbindet Geschicklichkeit – die Vögel dürfen nicht runterfallen – mit gutem Auge für die richtigen Kombinationen. Wirklich fotografiert werden müssen die Vogelgruppen entsprechend der Kartenaufgabe aber nicht 😉

Freund:innen: Marsch der Krabben

Seit einigen hundert Millionen Jahren haben sich Krabbenarten wie andere Lebewesen (weiter)entwickelt. Nun Simplicimus vulgaris, auch quadratische Krabbe genannt nicht, die an den Ufern der Gironde-Mündung immer nur seitwärts gehen können ohne die Richtung ändern zu können. Vor 20 Jahren wurde der satirische Kurzfilme „La Révolution des Crabes“ veröffentlicht, in dem drei dieser Krabben einen Weg gefunden haben, die Richtung doch zu ändern. Auf dem Film aufbauend entstanden einige Jahre später drei Comic-Bände – und nun ein Kartenspiel: „Marsch der Krabben“ (Autor: Julien Prothière, Verlag Huch!). Die Grafik orientiert sich an Film und Comic, Teamwork ist gefragt, denn miteinander kann der richtige Weg doch gegangen werden.

Expert:innen: Sabika

Germán P. Millán hat sich ein hochkomplexes Spiel – daher nur für Hardcore-Spieler:innen – ausgedacht (Verlag Strohmann Games / Ludonova). Selbst das Studium der Spielanleitung dauert schon einige Zeit. Jene, die sich das antun (wollen), bauen die Alhambra (Stadtburg auf dem Sabikah-Hügel in Granada, Andalusien/Spanien) mit auf, wirken an Handelsrouten entlang des Mittelmeeres mit und errichten Steintafeln mit Gedichten. Das Spiel endet mit der Eroberung Granadas durch die Katholischen Könige im Jahr 1492 – und Beginn der Inquisition samt Zwangs-Christianisierung oder Vertreibung aller Jüd:innen und Menschen islamischen Glaubens. Spiel-Ziel ist es, dennoch als die einflussreichsten Adligen der Naṣridendynastie in die Geschichte einzugehen.

Karten: Finito

Das von der Jury ausgewählte Kartenspiel des Jahres erinnert vom Prinzip her stark an das vor mehr als 50 Jahren erfundene „UNO“ (nicht nach den Vereinten Nationen benannt sondern nach 1 – auf spanisch und italienisch). „Finito“ (Auoren: Garrett J. Donner, Brian S. Spence und Michael S. Steer – Verlag: Game Factory) ist vom Prinzip her einfacher, aber „g’feanzter“. Um Karten aus der eigenen Hand auf den Stapel ablegen zu können, reicht die richtige Farbe. Aber hat wer anderer in der Runde die gleiche Karte, sagen wir eine rote mit einem 3er drauf, kann die/der „Finito“ (italienisch für beendet) rufen, und du musst den ganzen Stapel nehmen – selbst wenn’s deine letzte Karte war.

Trend-Spiel: Chips

Als Trends ortete die Jury einerseits Pocket Games, also solche klein, handlich zum Mitnehmen, andererseits Neues von Altbekanntem und drittens thematisch Klimawandel bzw. Nachhaltigkeit als Spielinhalt.

And the Winner in dieser Kategorie wurde „Chips“ von Mathieu Aubert, Théo Rivière (Verlage Huch!). Präsentiert wurde das Spiel von Roland Anna und Flo, drei der vier aus dem Team „Austrian Meeple People“, die seit einigen Monaten einen YouTube-Kanal betreiben, auf dem sie Spiele vorstellen.

„Meeple“ ist – laut Wikipedia – „die Bezeichnung für eine besondere Form eines Spielsteins, welche mit dem Spiel Carcassonne auf den Markt kam. Es handelt sich um stilisierte Männchen aus Holz in unterschiedlichen Farben. Die Bezeichnung soll von Alison Hansel als Kofferwort beim Spielen von Carcassonne durch den Zusammenzug der Wörter my (englisch meine) und people (englisch Leute, Menschen) geprägt worden sein.“ Der Begriff hat sich seither für Spielfiguren verselbstständigt.

Verschieden-färbige (Karton-)Chips werden nach und nach aus der Verpackung, die stark an eine für die Knabber-Erdäpfelscheiben erinnert, gezogen. Es gilt, möglichst zu erahnen /spekulieren, wie die Chips-Verteilung aussieht. Für richtig gezockt, gibt’s die entsprechenden Punkte.

Hauptpreis: Mycelia

Wald, Schwammerln, Wassertropfen – alles hängt mit allem zusammen. Pilze und Bäume bilden in der Natur wichtig Netzwerke. Das von der Jury ausgewählte Spiel der Spiele des Jahres ist „Mycelia“ (Daniel Greiner, Verlag: Ravensburger). Der Name nimmt Anleihe beim Fachbegriff Mycel (aus dem Griechischen für Pilz) und bezeichnet die Gesamtheit aller fadenförmigen Zellen eines Pilzes oder Bakteriums.
Die Spieler:innen versuchen Blätter zu sammeln, Tau- oder Wassertropfen auf ihren eigenen Spielfeldern zu verschieben, so dass sie zum großen Baum kommen können. Hat der genügend Wasser, fällt der Würfel in ein Loch und eine neue Runde geht los. Jede und jeder muss entsprechende Karten sammeln.

Schachtel des Hauptpreis-Spiels
Schachtel des Hauptpreis-Spiels

„Ein höchst gelungenes Familienspiel, das nicht nur mit gekonnter Themenumsetzung und detailreichem Karten-Design begeistert, sondern auch einen einfachen Einstieg in den Deckbuilding-Mechanismus ermöglicht, ohne dabei auf Genre-Kenner zu vergessen: Planung, etwas Taktik und ein wenig Strategie sind hier durchaus von Vorteil – Glückspilze werden sich nicht allein auf ihre Stärke verlassen können“, urteilte die Jury.

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Mehr Informationen

spielepreis.at

Szenenfoto aus "Roma Industrie - Roma Slavery"

Beflügelnde historische Musiktheater-Performance

Hinter, zwischen und vor großen, langen, bunten Stoffstreifen, die an hängende Fahnen erinnern, murmeln vier Performer:innen, davor zaubert ein Live-Musiker (Adrian Gaspar) – übrigens die gesamten nicht ganz 1½ Stunden Melodien hervor.

Zu Beginn finden sich einige der erzählenden, erklärenden Texte auf einem Monitor als Übertiteln – auf englisch, wenn deutsch gesprochen wird und umgekehrt. Darüberhinau spielen Matea Novak, Franciska Farkas, Onur Poyraz und Maria Nicoleta Soilica auch noch auf Rumänisch und Romanes. Vieles dreht sich um die „Țiganiada“, eine Heldensaga von Ioan Budai-Deleanu (rumänischer Schriftsteller, Historiker, Theologe; 1760 – 1820). Nachdem der Titel wohl schon auf das diskriminierende Z-Wort hindeutet, erinnern die Schauspieler:innen immer wieder an ihre eigene Um-Nennung in Romiada, das die eine oder der andere dann doch wieder schnell „vergisst“ und erinnert werden muss.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Roma Industrie – Roma Slavery“

Das Original in Versform auf Rumänisch, an dem der Autor rund zwei Jahrzehnte arbeitete, wurde erst vor rund 100 Jahren veröffentlicht. Angelehnt an klassisch-antike heroische Epen dreht sich vieles um Rom:nja. Der walachische Fürst Vlad Țepeș (Pfähler) als „Dracula“ weltberühmt geworden, soll dieser fast immer und überall verfolgten Volksgruppe Freiheit und Land versprochen haben, wenn sie in seiner Armee gegen die Osmanen kämpfen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Roma Industrie – Roma Slavery“

Epos-Szenen und mehr

Rund um diese Legende baute Simonida Selimović (Text und Regie) die allerdings wahre Geschichte der Sklaverei von Rom*nja – in den rumänischen Fürstentümern sogar ganz offiziell rund fünf Jahrhunderte lang. Mit „Roma Industrie – Roma Slavery“ wurde das mittlerweile vierte Internationales Roma-Theater-Festival „E Bistarde – vergiss mein nicht“ des Romano Svato Theater Kollektivs, Verein für transkulturelle Kommunikation am Samstag (22. Juni 2024) im Dschungel Wien eröffnet. Das Stück ist auch noch am Sonntagabend zu erleben, das Festival geht bis 28. Juni 2024 – Details siehe Infobox am Ende.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Roma Industrie – Roma Slavery“

Szenen aus dem Epos werden erweitert, ergänzt, vermischt mit späterer Verfolgung nicht zuletzt durch den Holocaust. Aber auch mit Alltags-Szenen auch in der eigenen Community vorkommenden klischeehaften Geschlechterrollen mit deren Unterdrückung von Frauen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Roma Industrie – Roma Slavery“

Raben

Und Brückenschlägen zu „Satan“ fast in Dracula-Form. Samt der Erzählung, Satan hätte sich in einen Raben verwandelt, um auszuspionieren, was der Rat der Rom:nja als mögliche Widerstandselemente aushecken werde. Ein spannendes symbolischer Sub-Text. Ist das das rumänische Wort für Rabe „Cioară“ ein Schimpfwort für Rom:nja. Da diese Vögel besonders schlau und außerdem sozial sind, hat übrigens Pater Georg Sporschill das Hilfsprojekt in Hosman nahe von Sibiu „ciaoarii“ (Raben – Plural) genannt 😉

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Roma Industrie – Roma Slavery“

Legenden und Erzählungen – teils mit historischen Hintergründen aus dem vormaligen Jugoslawien bis hin zurück ins persische Reich bereichern die Performance ebenso wie der utopische Blick ins Jahr 2099 – und die Diskussion: Eigener Staat oder weil Nationalismus immer ausgrenzend wirkt, eher globale Weltbürger:innenschaft… Und trotz der realen Tragödien blitzt hin und wieder auch Humor auf.

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Arbeit an letzten künstlerischen Werken für die nachmittägliche Präsentation

„Alle Regeln müssen allen gefallen“

Die Wiener Festwochen gehen zu Ende. „Freie Republik Wien“ nennen sie sich unter der jetzigen, neuen, Leitung im Untertitel. „Kinderrepublik“ heißt/hieß dementsprechend die Veranstaltungsreihe mit Workshops für Schulklassen unter der Woche bzw. an Samstagen offen für private Teilnehmer:innen – alles im „Haus der Republik“, dem Volkskundemuseum in der Laudongasse. Am 22. Juni 2024 stand der letzte auf dem Programm – mit Abschluss-Präsentationen am Nachmittag.

In den fünf Wochen hatten Kinder an Manifesten mit eigenen Forderungen gearbeitet. Viele einzelne Wünsche hatten sie künstlerisch umgesetzt – in Form von selbst gemalten Tafeln, gebastelten Objekten, kleinen und riesigen Bildern. Aber auch in längeren Texten. Aus (fast) allem wurde eine 24-seitige, großformatige, kunterbunte Zeitung. Außerdem gestalteten sie – alles immer animiert von Künstler:innen – Radiobeiträge.

Lokalaugenschein

Am letzten Vormittag durfte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… einen Lokalaugenschein durchführen. Dora, die „oft hier bei Workshops war“ und Alice, „die heute das erste Mal da“ ist halfen zunächst mit, die im Hof vor einer alten Platane stehende hölzerne Bühne von Regenwasser zu befreien. Bei der Präsentation sollte ja niemand ausrutschen. Danach gestalteten die beiden noch weitere kleine Kunstwerke – vor allem mit bunten Klebestreifen – erstere ein abstraktes, zweitere klebte die Streifen zum Buchstaben und diese zum Wort Mobbing, das sie mit weiteren Streifen durchstrich. Dieses Thema dürfte zuvor schon anderen Workshop-Teilnehmer:innen wichtig gewesen sein, denn unterschiedlich gestaltet finden sich solche mehrfach.

Später setzen sie sich an eine Schreibmaschine und tippen. Wobei auf die KiJuKU-Frage sie „schon lieber mit einem Computer schreiben würden, weil man da Sachen leicht ausbessern kann“. Hier fliegen so manche der bunten Blätter nach wenigen Zeilen aus der Maschine und landen zerknüllt rundum.

Kinder begutachten eines der ersten gedruckten Zeitungsexemplare
Kinder begutachten eines der ersten gedruckten Zeitungsexemplare

Manifeste mit eigenen Regeln

Teil der Vorbereitungen für die Präsentation war übrigens auch eine Schreddermaschine. Kinder hatten in den fünf Wochen Workshops nicht nur festgehalten, was sie fordern und wünschen, sondern auch so manches, das sie nicht mögen – siehe Mobbing.

Was sie schon wollen reicht von Gleichberechtigung und -behandlung über „alle Regeln müssen allen gefallen“, aber auch „keine Regeln“, bis zu Haustieren für alle. Was sich vielleicht mit einer anderen Forderung nach Tierschutz spießen könnte. 9 Uhr Schulbeginn oder „keine Noten“ – andererseits aber „Noten für Lehrer:innen“, „mehr Sicherheit auf Social Media“. Mehrfach unter den Kunstwerken zu sehen „Kein Krieg“, „No war“ bzw. umgekehrt positiv formuliert „Frieden“, jedenfalls auch öfter zu sehen: „Kein Rassismus“, eine Stunde später Schule, keine Hausaufgaben…

Story

Die Künstler:innen hatten sich für die fünf Wochen eine kleine Geschichte ausgedacht, die auf der Homepage so lautet: „Sensationsfund! Auf dem Dachboden im Haus der Republik sind mysteriöse Artefakte aufgetaucht, die die Existenz einer längst vergangenen Kinderrepublik vermuten lassen. Gab es hier tatsächlich eine Gesellschaft, die nur von Kindern gestaltet wurde? In den Workshops stellen Künstler:innen (Moritz Matschke, Anna Pech, Johannes Brodnig, Lisa Eder, Sophie Netzer und Kerstin Reyer, Julien Segarra, Georg Pöchhacker) gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen spielerische Überlegungen an, wie diese Republik ausgesehen haben könnte und gestalten Stadtpläne, Zeitungen, Kostüme, Radio- und Videobeiträge oder eine eigene Währung. Die Workshops erforschen so die Möglichkeiten temporärer, von Kindern und Jugendlichen organisierten Gesellschaftsformen und fragen danach, wie wir junge Menschen in Zukunft stärker in demokratische Prozesse involvieren können.“

Echte Kinderstädte

Übrigens, es gibt – seit gut 20 Jahren – in Wien jedes Jahr zumindest eine Woche eine Stadt, in der Kinder (6 bis 13 Jahre) tatsächlich das Sagen haben. Bei „Rein ins Rathaus“ (heuer 19. bis 23. August 2024) wählen die Büger:innen täglich ihre Stadtregierung, beschließen eigene Gesetze, produzieren Tageszeitung, Radio, TV und haben eine eigene Währung. Solche Kinderstädte gibt es übrigens – meist im 2-Jahres-Rhythmus in Österreich in Salzburg, Feldkirch (Vorarlberg) sowie Graz, Kapfenberg und Spielberg (alle drei in der Steiermark). „Mutter“ dieser Kinderstädte ist Mini-München, das erstmals in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts in den ehemaligen Olympiahallen (1972 Sommerspiele) stattfand, weltweit fanden/finden Kinder-Spielstädte von Kairo (Ägypten) bis zu etlichen japanischen Städten statt. Und es gab/gibt wirklich von mit Kindern/Jugendlichen teils sogar Jahrzehnte lang regierte Städte – Gaudiopolis (Ungarn, 1945 bis 1951), Benposta (Spanien, Kolumbien) oder auch in dem von Janusz Korczak geleiteten Waisenhaus im Ghetto von Warschau.

Wäre vielleicht nicht schlecht gewesen „Artefakte“ aus der Geschichte dieser echten Kinderstädte mitaufzunehmen 😉

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Aus "Das Kleid" von Dachtheater im MöP (Mödling)

Wahre Geschichte zum Gruseln

Sie sitzt in der letzten Reihe mit hellbraunem Mantel, Kopftuch, dunkler Sonnenbrille und Koffer. Klar, sie wird die Protagonistin auf der Bühne sein. Auf dieser steht im Zentrum ein Metallgestänge aus Rohren mit einer Anmutung eines möglichen Kleiderständers. Heißt das Stück von und mit Cordula Nossek doch „Das Kleid“.

Aber bis es so weit ist, wird es zunächst sehr dunkel – schrille alte Lokomotiv-Geräusche ertönen fast bis zur Unerträglichkeit. Wobei sich letztere nicht nur durch die Lautstärke ergibt. Für jene, die den kurzen Text zum Inhalt dieses „Theaters zum Erinnern“ gelesen haben, tun sich mit Zug-Zischen und quietschenden Gleisen natürlich gleich andere Assoziationen auf.

„Im Mittelpunkt steht Hedwig, die Ehefrau des Lagerkommandanten Rudolf Höß, die im KZ Auschwitz-Birkenau die sogenannte „Obere Nähstube“ leitete. Aus den Hinterlassenschaften von Millionen Deportierter lässt sie Haute Couture für hochrangige NS-Funktionäre und deren Ehefrauen anfertigen“, lauten die ersten Sätze der Inhaltsangabe. Also Züge in die Vernichtung – in deren Geräusche sich schon das Weinen von Kindern mischt!

Aus
Die Schauspielerin mit den „Kindern“ von Hedwig Höß – in Gestalt von Kindergewand auf Kleiderhaken

Alle (anderen) Figuren: Gewänder

Danach schreitet die eingangs beschriebene Schauspielerin auf der Bühne (Gernot Ebenlechner; Kostüm: Tehilla Gitterle) – in der Rolle der Hedwig Höß. Zunächst als Mutter einiger Kinder. Die holt sie in Gestalt von Kindergewand an Kleiderbügeln zwischen auf dem Boden liegenden Stoffen hervor, hängt sie am Rohrgestänge auf und verleiht ihnen ihre eigene jeweils gefärbte Stimme in Dialogen bzw. Greinen beim jüngsten. Wobei Dialoge? Strenge teutsche Erziehung ist’s eher.

Im weiteren Verlauf (Regie: Martin Müller – MÖP Figurentheater) verwandelt sich das gärtnerische „Paradies“ wie Höß die Villa samt Natur drumherum auf dem Areal des Vernichtungslagers Auschwitz für sich empfindet und nennt eben vor allem in die Schneiderei. Hochrangige Gästinnen empfängt sie, um ihnen Gediegenes nähen zu lassen – von weiblichen Häftlingen, die meisten Jüdinnen. Was so manche der Nazibonzen-Damen wiederum irritiert, sie wollen unter keinen Umständen von Judenhänden berührt werden! Da muss dann eine politische nicht-jüdische Gefangene ran…

Aus
Die Spielerin – und Schöpferin des Stücks – mit Elementen aus der Schneiderei

Solistin schlüpft stimmlich in viele Rollen

Die Spielerin, auch Leiterin des Dachtheaters sowie der bekannten internationalen Puppentheater Tage Mistelbach Cordula Nossek schlüpft stimmlich auch in die Rollen der „Kundinnen“ ebenso wie in einige der Schneiderinnen – mit unterschiedlichen Dialekten und Sprachfärbungen.

Baut auf wahrer Geschichte auf

Die Story von der Schneiderei im KZ baut – so absurd das vielleicht klingen mag – auf einer wahren Geschichte auf. Die gab es wirklich. Cordula Nossek – Vater Jude und einziger Überlebender seiner Familie, Mutter protestantisch und in deren familiären weiteren Umfeld gab es einen Nazi – beschäftigte sich zeitlebens mit der Geschichte, setzte sich damit auseinander, recherchierte viel. Aber lange fand sie nicht den Dreh- und Angelpunkt für eine theatrale Verarbeitung.

Aus
Sechs historisch verbürgte der Schneiderinnen: (von links nach rechts): Marta Fuchs, Hunya Volkmann, Marilou Colombain, Bracha & Katka Berkovic, Irene Reichenberg

Bücher

Eines Tages stieß sie – übrigens gelernte Schneiderin – auf „Das rote Band der Hoffnung“ von Lucy Adlington über die Auschwitz-Schneiderei. Und das Folgebuch „The Dressmakers of Auschwitz“. Auf Ersteres rund um den wahren Kern eine eher fiktive Geschichte, hatten sich bei der Autorin überlebende Schneiderinnen gemeldet – worauf sie das historisch authentischere Buch schrieb. Das war’s dann für Nossek …

… noch lange nicht. Drei Jahre Recherche, Arbeit an Text und Szenen – und nun die erste kleine Spielserie in Mödling, im MöP, dem Figuren- bzw. Puppentheater an der Hauptstraße dieser niederösterreichischen Stadt am Rande von Wien, im Rahmen des Industrievietel-Festivals..

Das 1½ Stunden Stück ist heftig, zeigt einerseits, wie sich Nutznießer:innen des diktatorischen Systems in diesem recht gemütlich und privilegiert einrichteten. Andererseits auch die Menschenverachtung. Und zum Dritten aber auch noch das was Hannah Arendt die „Banalität des Bösen“ genannt hat.

Historisch anmutendes Foto zur Ankündiung des Stückes
Historisch anmutendes Foto zur Ankündiung des Stückes „Das Kleid“

Gruselmomente

In so manchen „kleinen“ spielerischen und nicht zuletzt auch requistenmäßigen Andeutungen lässt das Stück immer wieder kalte Schauer über den Rücken laufen. In der Blumenerde der von Hedwig Höß geliebten Erdbeeren scheint auch Asche mit vermischt zu sein. Aus der Rohrleitung des Kleiderständers steigt Rauch auf…

Die Schneiderei – aus Stoffen der Kleidung der Ermordeten feinstes Gewand für führende Angehörige derer, die sich als „Herren“menschen aufspielten, zu nähen – ist eine der fast schon skurrilen Auswüchse der rassistischen Herrschaft, die andere zu Unter- oder nicht einmal Menschen erklärte. Fast schon so wie der Tiergarten, den Gefangene im Konzentrationslager Buchenwald zur Belustigung der Nazibonzen bauen mussten. Der allerdings an Sonntagen auch von den Bürger:innen der nahegelegenen Stadt Weimar besucht wurde. Die aber angeblich nichts davon bemerkt haben wollen, dass hinter dem Zaun Menschen eingesperrt, ermordet und deren Leichen verbrannt worden waren. (Verarbeitet im Theaterstück „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ von Jens Raschke.)

Nicht vergangen

Mechanismen, die leider nicht so historisch eingrenzbar waren – das Auseinanderdividieren in sich besser Fühlende und Abqualifizieren, diskriminieren, ausgrenzen anderer, denen weniger Wert zugemessen wird, ist auch heute so unbekannt ja nicht.

Widerstand

Das Stück baut trotz aller heftiger Momente auch Elemente der Hoffnung ein – Widerstand der Schneiderinnen. Und gibt sechs Überlebenden von ihnen auch Namen und Gesichter – die einzigen Fotos zu an Kleiderhacken hängenden Gewändern: Marta Fuchs, Hunya Volkmann, Marilou Colombain, Bracha & Katka Berkovic und Irene Reichenberg. Nossek lässt sie da sagen: „Wir hätten schon lange aussagen sollen. Aber es ist niemals zu spät.“

Und im Ausfaden spielt sie den Text von Paul Celans „Todesfuge“ ein, in dem es unter anderem heißt „der Tod ist ein Meister aus Deutschland“.

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Stückbesprechung über den Zoo beim KZ Buchenwald <- damals noch im Kinder-KURIER

Flyer zum Stück
Flyer zum Stück „Das Kleid“
Autorin und ihr aktives Publikum

Lesung wurde zum Dialog mit vielen Kindern

So manchen Umfragen oder „Studien“ zufolge würde das Interesse junger Menschen an Umweltthemen abnehmen. Beim jüngsten Jugend-Innovativ-Finale Ende Mai ebenso wie beim gleichzeitigen Finale des Bewerbs der Junior-Companies war eher das Gegenteil festzustellen. Egal in welcher Kategorie bei ersterem und beim zweitgenannten ebenso: Viele Projekte widmeten sich der Nachhaltigkeit. Und nun, am zweiten Tag des kinder literatur festivals im Wiener Odeon stellten Kinder aus sieben Klassen bei der Lesung von Melanie Laibl zu ihren Büchern „WErde wieder wunderbar. 9 Wünsche fürs Anthropozän“ und „Unsere wunderbare Werkstatt der Zukünfte. 99 Ideen fürs Anthropozän.“ nicht nur ihr großes Interesse an Umweltthemen unter Beweis.

Wasser

Die Lesung im großen Saal mit seiner fantastischen Atmosphäre wurde eher zu einem Dialog der Autorin (Illustrationen: Corinna Jegelka) mit den Kindern – vor allem rund ums Wasser. Andauernd gingen immer mehrere Hände hoch, um etwas zu sagen, fragen, auf Fragen Antworten zu geben. Viel Wissen der jungen Besucher:innen. Bei manchen meinte sogar Laibl: „Da hab ich jetzt auch was gelernt!“ Und das obwohl sie sich für die beiden genannten Sachbücher laaaaange und intensivst mit möglichst Vielem beschäftigt hat, das wir Menschen der Erde antun, aber auch damit, wie wir Natur und Umwelt schützen und das Gleichgewicht wieder herstellen können.

Duschsong

Zum Abschluss spielte sie einen Song vor, für den sie sich aus dem südafrikanischen Kapstadt inspirieren hatte lassen. Weil Wasser dort knapp ist, hat die Stadt eine „Wasser-Ampel“ eingeführt. An Tagen, wo’s sehr knapp ist zeigt die Ampel gelb oder gar rot. Da sollte Wasser wirklich nur für das Allernotwenigste verwendet werden. Und um das gut zu verbreiten hatte die Stadt einen Bewerb für Songs ausgeschrieben, die nicht länger als zwei Minuten dauern sollten – nicht länger sollte geduscht werden. Und so hatte sich die Autorin für das erstgenannte Buch einen Duschsong ausgedacht – den Mia Heck, Hannah Sophie Heck und Walter Till musikalisch umgesetzt haben.

Festival

Das kinder literatur festival im Odeon Theater (Wien-Leopoldstadt; 2. Bezirk nahe dem Schwedenplatz) mit Lesungen, Workshops, Filme und natürlich Buchausstellung… läuft noch bis einschließlich 25. Juni 2024 – Details siehe Info-Box am Ende des Beitrages.

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Szenenfoto aus "Die Rechnung"

Einschenken im Über-Fluss – und das immer wieder

Die beiden Schauspieler betreten die Bühne, auf der ein gedeckter kleiner quadratischer Tisch steht – weißes Tischtuch, Gabel, Messer, Löffel, ein Glas (das sich später als aus Plastik herausstellen wird), eine Serviette; zwei weitere Sessel, ein Tisch mit vielen Tischtüchern, Servietten und Besteck. Offenbar ein Restaurant.

Erklären, was kommen wird

Rund eine ¼ Stunde erklären die beiden – Frank Genser und Christoph Schüchner – was sie dem Publikum zeigen werden. Alles ganz einfach. Naja, ein bisschen kompliziert. Oder doch mehr… Das wirkt schon komisch. So beginnt „Die Rechnung“, ein Stück von Tim Etchells, Bertrand Lesca und Nasi Voutsas, das in der Regie des Ersteren derzeit im Rahmen der Wiener Festwochen und in Kooperation mit dem Volkstheater in den Bezirken von Spielort zu Spielort wandert.

Ober und Unter

Und dann spielen die beiden (Übersetzung: Astrid Sommer) genau das – und auch jenes, das sie wie angekündigt nicht spielen wollten. Den ständigen Rollentausch zwischen Gast und Kellner (Ober). Und damit den Wechsel von einer Art Herr und Knecht. Ist doch in unserem Wirtschaftssystem der „Kunde König“. Oder?

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Rechnung“

Wie auch immer. Gut zwei Dutzend Mal – in manchmal mehr, manchmal weniger Variationen spielt sich – mit wechselnder Besetzung – aber doch das Gleiche ab: Der Kunde will Wein, der Kellner bringt eine Flasche, zeigt sie dem Gast, der (meist) zustimmend nickt oder das auch sagt und ein kleines Schluckerl zum Kosten kriegt. Alles immer aus einer leeren Flasche.

Immerhin lebt Theater ja nicht zuletzt von der Vorstellung der Zuschauer:innen in ihren Köpfen. Ein gestreckter Zeigefinger und ein gekrümmter Daumen reichen, da würde es oft keine Pistole brauchen. Aber das nur nebenbei.

Über-Fluss

Also, der Wein scheint zu munden und so bittet – mal mit mal ohne Worte – der (jeweilige) Gast den Kellner, das Glas voll zu schenken. Die Flasche bleibt senkrecht. Also dürfte das Glas übergehen. Der (jeweilige) Kellner hält die Flasche weiter so. irgendwann kommt’s zum Eklat. Alles schwimmt. Versuch, die Sauerei aufzutupfen, wegzuwischen. Nein, alles ins Tischtuch, zusammengepackt und weg damit.

Und von neuem. Und wieder das Gleiche. Alle wissen was passiert. Manche nervt’s dermaßen, dass sie den Saal verlassen.

Kommt noch was?

Die allermeisten bleiben. Warten. Kommt da noch was? Gibt’s eine Pointe? Oder wird’s wenigstens noch schräger, absurder, skurriler? Eine Art Kirsche auf den Schlagobers-Haufen, der ohnehin schon zu fett ist?
Nun ja, schon und vielleicht doch auch nicht. Denn irgendwann meint das Duo – lass uns das Ganze noch einmal, aber 50 Jahre später spielen. Und sie beginnen die Szene recht zittrig, wie Tattergreise. Doch nach geschätzten zwei Minuten fallen sie da auch wieder in ihr altes Tempo.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Rechnung“

Naja, eine Änderung bahnt sich gegen Ende doch an: Die Frage, die sich aus dem Titel ergibt: Und, wer zahlt jetzt? – Wie das ausgeht, sei hier nicht verraten.

Ratlosigkeit, oder?

Auch unter jenen, die geblieben sind, herrscht vielfach Ratlosigkeit. Für ein Stück absurden Theaters à la Samuel Beckets „Warten auf Godot“ ist’s doch zu wenig überdreht. „Aber steht das Ganze als Metapher – und wofür?“, fragte eine Besucherin. Und versuchte – was wohl der Sinn der Übung ist – sich selber eine Antwort zu geben. „Könnte das für den Umgang der Menschen mit den Ressourcen des Planeten stehen?“ Die einen verschwenden alles im – in dem Fall sprichwörtlichen Über-Fluss. Tun’s. Obwohl sie wissen, wie schädlich es ist. Und das immer wieder.

Aus Fehlern lernen – offenbar nicht

Könnte genauso gut dafür stehen, dass die Menschheit nach wirklichen Katastrophen immer wieder behauptet, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Und was tut sie?

Ingeborg Bachmann schrieb in ihrem 1971 veröffentlichten Roman „Malina“: „Die Geschichte lehrt, aber sie hat keine Schüler.“ Einen Satz, den sie sich möglicherweise von Antonio Gramsci ausgeborgt hat, der schon ein halbes Jahrhundert davor in „Ordine Nuovo“ formulierte: „Die Illusion ist das zäheste Unkraut des Kollektivbewusstseins; die Geschichte lehrt, aber sie hat keine Schüler.“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Rechnung“

Leute harren aus

Übrigens knapp zwei Stunden bevor Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Die Rechnung“ im Theater Arche verfolgte, zitierten Jugendliche der Jury der jungen Leser*innen aus dem Bauch, das sie zu ihrem Favoriten („Toffee“ von Sarah Crossan; Übersetzung: Beate Schäfer; Verlag Hanser) erkoren hatten u.a. folgende Sätze:
„Aber Leute harren auch dann bei Fußballspielen aus;
wenn ihre Mannschaft am Verlieren ist
und mit Sicherheit geschlagen wird.
Sie bleiben in Filmen sitzen, die sie schrecklich finden,
statt rauszugehen
und ihr Geld zurückzuverlangen.
Leute bleiben andauernd –
ertragen Kummer und
Langeweile.“
(S. 176)

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Rechnung“
Kinder bringen Planen früherer Banner aus der Schule - die Rückseite wird Mal- und Erde-Pflanz-Unterlage

Wiener Gasse wurde für einen Tag offenes Kunst-Atelier

Wenige Tage nachdem in Wien-Alsergrund die Galileigasse zwischen Volks- und Volkshochschule autofrei, bunt, einladend mit hölzernen Blumentrögen und bespielbaren Sitzmöbeln eröffnet wurde, trugen Kinder des Schulzentrums Spalowskygasse (Mariahilf; 6. Weiner Bezirk) große Rollen mit Planen auf die Gasse, rollten sie aus, drehten sie um – und schufen so Unterlagen dafür, auf bunten Stoff-Vierecken Bilder zu malen. An einem anderen Ende der nunmehr bespielbaren Straße leerten sie Erde in große Blumentöpfe und setzten Pflanzen ein. Davor versuchten sie zu erkennen, um welche es sich handelt. Sie durften Blätter reiben, dran riechen – Basilikum erkannten die meisten. Gleiches galt für Schnittlauch.

Außerdem fanden Geranien – vorerst nur als grüne Blätter und noch nicht so bunte Blüten wie auf dem obersten Balkon in der Quergasse (Aegidigasse) neue, größere Heimstätten. Damit begannen sie einen Teil der Gitterstäbe zwischen Sportplatz des Schulzentrums und dem Gehsteig zu verschönern und beleben. Aus dem Topf mit dem Wein werden sich die Pflanzen wohl ganz schön selber die Gitterstäbe raufranken.

Studierende als Kunst-Lehrer:innen

Sowohl in als auch vor der Schule wurde gemalt, gesungen, gepflanzt, gespielt. Animiert wurden die Kinder zum kreativen Gestalten von Studierenden der Pädagogischen Hochschule von angehenden Kunsterzieherinnen, von Studierenden der Musikuni Wien sowie der Akademie der bildenden Künste sowie Erasmus-Studierenden.

Im Gegensatz zur Galileigasse blieb die Spalowskygasse aber nur für ein paar Stunden am Tag der Notenkonferenz im Schulzentrum (19. Juni 2024) autofrei, bespielbar und kreativ zu nutzen – als SPA_LOW_SKY. Übrigens nur fast autofrei, weil die Lenkerin/der Lenker eines Autos es offenbar nicht geschafft hatte, die rechtzeitige Information zu beherzigen, die Karre für die Zeit von 10 bis 18 Uhr wegzufahren.

Kreative Grätzeloase

Was aber schon bleibt ist die schon lange hier existierende Grätzeloase, teils recht witzig gestaltet aus alten Kastentüren und anderen Möbelteilen – dürfte auf dem „Mist“ des Künstlers gewachsen sein, der gegenüber in einem geräumigen Keller sein Atelier hat, in dem sich Dutzende Kunstwerke aus Alltagsgegenständen finden, die andere vielleicht achtlos irgendwo abgelegt, stehen gelassen usw. haben.

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Fotoschootings mit einigen der Preisträger:innen

Mehrsprachige Feier der Vielfalt im Wiener Rathaus

Ein vor allem sprachliches Fest der Vielfalt war auh diese 15. Preisverleihung des mehrsprachigen Redebewerbs „Sag’s Multi“. Schon die Moderatorin Ani Gülgün-Mayr, jahrzehntelange ORF-Moderatorin begrüßte vielsprachig. Das ging ihr als Mehrsprachlerin auch leichter über die Lippen als der Wiener Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler, die sich aber immerhin Willkommensgrüße in mehreren Sprachen aufschreiben hatte lassen und sie bemüht ablas.

Sieben Champions

Die wahren Champions waren natürlich jene sieben Jugendlichen, die stellvertretende für die 168 Finalist:innen und die 35 Preisträger:innen daraus, gekürzte Versionen ihrer Finalreden vom Redepult im großen Festsaal des Wiener Rathauses hielten: Ukrainisch (Dymtro Muliar), Dari (eine der großen Sprachen Afghanistans, Sediqa Saeedi), Italienisch (Miriam Allegra Clari), Mandarin-Chinesisch (Zumin Jost), Brasilianisches Portugiesisch (Ana Maria Haas da Silva), Arabisch (Rawda Al Rawass) und Englisch (als erlernte Sprache, Zara Ağtaş); immer in Kombination mit Deutsch – dies ist eine Bedingung des Bewerbs; ihre Reden sind im schriftlichen Wortlaut auf KiJuKU nachzulesen – unten am Ende des Beitrages verlinkt.

Das neue Sag's Multi-Logo riesig eingeblendet
Das neue Sag’s Multi-Logo riesig eingeblendet

7000 Redner:innen, 91 Sprachen

Reden der Sag’s-Multi-Teilnehmer:innen sind meist aber nicht nur eine Art Redeübung, um die Kenntnisse der Sprachen unter Beweis zu stellen, sondern gedankliche und oft auch tief berührende und bewegende Erzählungen, Schilderungen und Statements. Die geben Einblicke in viele Kulturen – in den 15 Jahren des Bewerbs haben immerhin rund 7000 Jugendliche in 91 verschiedenen Sprachen Fenster zu für viele unbekannte Welten geöffnet. Teils mit Erlebnissen, die eigentlich keinem Kind oder Jugendlichen zugemutet werden sollten – Flucht vor lebensbedrohender Verfolgung etwa.

Künstlerische Auftritte

Hochrangig – und Leerstellen

Die Stadt Wien war mit drei Stadträt:innen (neben der schon Genannten noch Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr und der für Wirtschaft zuständige Peter Hanke) ebenso hochrangig vertreten wie der ORF, der den Bewerb seit 2020 hostet – Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz, Stiftungsrats-Vorsitzender Lothar Lockl, Hauptabteilungsleiter Pius Strobl – und Interessensvertretungen (Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderle, Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Carmen Goby, Industriellenvereinigungs-Bereichsleiterin Bildung & Gesellschaft Gudrun Feucht) sowie Unternehmen, die Sag’s Multi sponsern. Sie alle wissen um den Vorteil von Mehrsprachigkeit und sprachen sich auch für diese aus und gegen die oft noch vorhandene Abwertung derselben.

Hoppla, da hat doch was gefehlt

Der ORF habe vor vier Jahren mit der Übernahme des Bewerbs eigentlich erst so richtig gemerkt, dass dem öffentlich-rechtlichen Sender, der immer mit „für alle“ wirbt, die Vielfalt der Gesellschaft doch fehle. Über die eloquenten jugendlichen Redetalente wolle man unter anderem da auch diese Lücken zu schließen versuchen.

Video-Grußbotschaft des Bundespräsidenten, Alexander van der Bellen
Video-Grußbotschaft des Bundespräsidenten, Alexander van der Bellen

Höchstranging auch eine – fast schon traditionelle – sehr wertschätzende Video-Botschaft des Bundespräsidenten Alexander van der Bellen.

Wer fehlt(e): Für Integration zuständige Politiker:innen im Bund ebenso wie jene, die Mehrspachigkeit nicht als Wert schätzen!

Überraschung

Als die Preisverleihung schon zu Ende ging, kündigte die Moderatorin noch eine Überraschung an: Es gab eine der – neu gestalteten – Sag’s-Multi-Trophäe auch für einen Erwachsenen: Den Erfinder des Bewerbs, der auch in diesem Jahr den Vorsitz der Jury führte, alle Reden hörte und federführend jene sieben auswählte, die bei der Gala Kurzfassungen ihrer Finalreden halten konnten; Peter Wesely wird heuer 65, verabschiedet sich in die Pension. Etliche Alumni – vormalige Preisträger:innen – hatten Video-Botschaften aufgenommen, Pius Strobl hielt eine Würdigungsrede und er selbst musste spontan um Worte in einer Dankesrede ringen.

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Schnappschüsse aus der und rund um die Sag’s-Multi-Gala 2024

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Szenenfoto aus "Network" im Theater Scala

Angekündigter Kopfschuss als Quotenhit

Optisch erscheint das Geschehen auf der Bühne – übergroße TV-Kameras ebenso wie die wichtigen Männer im Stile von vor einem halben Jahrhundert (Raum: Bruno Max, der Impressario himself; Kostüme in die Zeit passend: Anna Pollack) – wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Doch was sich abspielt ist leider brandaktuelle Mediensatire. In „Network“ im Theater Scala dreht sich selbst bei der Nachrichtensendung alles mehr um Einschalt-Quoten als um Inhalte. News müssen zur Show werden. Und wer‘s nicht bringt – Pech. „You are fired“ – du bist gefeuert, da magst du vielleicht sogar Jahrzehnte lang als seriöser Überbringer der Nachrichten sogar gefeiert gewesen sein.

Jetzt muss alles anders. Reißerischer, peppiger, show-iger. Und wenn das, was on air geht, zum (Fremd-)Schämen ist – wenn’s Quote bringt, dann wird’s eben gesendet! Quote ist ja auch (Werbe-)Kohle!

Das ist kürzest gefasst die Quintessenz eines bitterbös-vergnüglichen 2¼-stündigen Abends auf dieser zum Theater zum Fürchten gehörenden Bühne in der Wiedner Hauptstraße (Wien).

Die Story

Howard Beale, Legende als Nachrichten-Moderator, steht nach einem Vierteljahrhundert vor dem Aus. Die Einschalt-Quoten befinden sich im Sinkflug. Obendrein gibt’s Intrigen im Sender-Management, die Programmdirektorin will den News mehr Show-Charakter verschaffen. Zusätzlich spielt sich einiges Undurchsichtige um neue Beteiligung von Medienkonzernen des Sender-Netzwerks ab.

Vor diesem Konglomerat beschließt Beale, sich bei seinem letzten Auftritt live auf Sendung eine Kugel in den Kopf zu schießen. Und kündigt das in der Sendung davor an.

Skandal für die einen – sofortiges Aus für den Moderator. Nein, das wäre doch die Chance, bringt – genau: Quote…

Wie auch immer, Beale darf doch noch einmal auf den Screen. Erschießt sich nicht, hält aber eine Brandrede gegen Wahrheits-verdrehende Medien – einschließlich etlicher Fäkalwörter. … – Und das wird zum Quoten-Hit. Die Zuschauer:innen-Zahlen schießen durch die Decke. Zumindest einige Zeit. Und als sich auch das abgenutzt hat … – das dramaturgisch-dramatische Ende (Inszenierung: Felix Metzner) sei nicht gespoilert.

Die Spieler:innen

Alexander Rossi spielt diesen einst seriösen Nachrichtensprecher und späteren Wutredner, der allerdings dabei eher noch an den Verstand appelliert als sogenannte Wubürger:innen der Neuzeit, die mehr mit Gefühlen und oft jenseits von Fakten operieren. Auch wenn er Emotionen durchaus mitschwingen lässt.

Gefühle scheinen Programmdirektorin Diana Christensen ziemlich fremd. Eszter Hollósi verkörpert sehr überzeugend die skrupellos auf Quoten – in heutigen Medien wären es Klicks – orientierte TV-Managerin. Geil findet sie nur, wenn ihre Ideen Rekord-Publikumszahlen bringen. Dafür tut sie alles, sogar mit der toughen Anführerin einer Terror-Bande (Prisca Buchholtz) dealt sie, um Exklusiv-Stories – und am Ende mehr.

Als Nebenhandlung spielt sich in „Network“ noch ein Liebes- und Ehedrama ab. Beales Chef, Max Schumacher (Leopold Selinger), verliebt sich in die Programmdirektorin, verlässt dafür seine Ehefrau Luise (Christina Saginth), wird aber mit Diana Christensen absehbar nicht glücklich, weil die ohnehin keine Gefühle zulässt. Außerdem ist er auch gegenüber seinem „Freund“, dem Star-Nachrichten-Moderator, nur ein opportunistischer Kantonist.

Eine Figur wie aus einer anderen Sphäre ist der Chef des Sender-Netzwerks UBS (United Broadcast Systems – übrigens ein fiktives), Mr. Jensen. Er erscheint nur via Screen und da meist nur von hinten zu sehen (Simon Brader, der wie einige andere auch Doppelrollen spielt).

Gunter Matzka agiert als Klischee-Vorstandsvorsitzender des Senders Ed Ruddy. Florian Lebek gibt den Sportnachrichten-Sprecher witzigerweise namens Jack Snowden (!), der fast bis zur letzten Sekunde bevor die Kamera auf ihn schwenkt, Wurstsemmeln frisst. Hendrik Winkler agiert als Sender-Manager und Christoph Prückner wechselt zwischen Regisseur und ebenfalls einem der Manager des TV-Senders. Philipp Schmidsberger und Rocco Baldari (alternierend in anderen Vorstellungen Manuel Hagemayer) mimen Kameramänner. Felix Frank  ist einerseits Bildmeister und andererseits Assistent, vielmehr Zutritts-Kontrolleur zum UBS-Boss in anderen Sphären.

Filmerfolg – inspiriert von einem echten Fall

1976 nach dem Drehbuch von Paddy Chayefsky verfilmt und mit vier Oscars belohnt, machte der englische Dramatiker Lee Hall erst vor sieben Jahren aus „Network“ ein Theaterstück, das in London 2017 uraufgeführt wurde und seine deutschsprachige Erstaufführung 2020 im Thalia Theater erlebte.

Inspiration für den Fall war der echte Fall der Moderatorin Christine Chubbuck, die sich 1974 während einer Livesendung erschossen hatte. Allerdings nicht aus Quotengründen.

Fake News?

Die Satire greift die sich zunehmend verbreitende Haltung von Medienunternehmen auf, (fast) alles der Quote/ den Klicks unterzuordnen. Allerdings ist das ein Teufelskreis. Würden Medienkonsument:innen nach seriöser Information verlangen, Positiv-Geschichten den Bad News vorziehen, würden die Herausgeber:innen und Produzent:innen natürlich dem sofort Rechnung tragen.

Und die Wut über verlogene Berichterstattung des Protagonisten von „Network“ hat sich fast ins Gegenteil verkehrt. In seiner Präsidentschaft geißelte Donald Trump genau die seriösen Medien der „Fake News“. Nicht viel anderes spielte sich rund um die „Schwurbler“ in der Corona-Pandemie ab. „Lügenpresse“ schallte jenen entgegen, die versuchten, sich an Fakten zu orientieren. Verschwörungstheorien wurden hingegen gehypt.

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Gruppenfoto der (anwesenden) Preisträger:innen der ältesten Kategorie (11. bis 13. Schulstufe)

Preisträger:innen der Ältesten

Lassen Sie uns nicht in die Ignoranz verfallen, wo die Angst vor dem Anderen herrscht. Das 21. Jahrhundert, unser Jahrhundert, wird ein Jahrhundert der Vielfalt sein, oder es wird nicht sein.
Lernen wir, dass uns nichts und niemand fremd ist.“
Ferdinand Tschol, 16 Jahre; Lycée Francais de Vienne mit der erlernten Sprache Arabisch in Kombination mit Deutsch.

***

„Ich bin für jeden eine andere Person. Ärgerlich für den einen. Talentiert für den anderen. Ruhig für ein paar. Unbekannt für viele. Aber wer bin ich, für mich? Für mich selbst. Wer definiert, wer ich bin? Ich bin Europäer. Ich bin Weltbürger. Und wissen Sie, was wir zwei gemeinsam haben? Wir sind Menschen, ein wirres Konstrukt aus Gefühlen und Konflikten und diese Menschlichkeit, die kann uns keiner nehmen.“
Alejandro Dario Tomeniuc
, 17 Jahre; HTL Spengergasse (Wien), Spanisch (eine seiner Erstsprachen) und Deutsch (erlernt).

***

Insert zu den Almuni (vormalige Preisträger:innen), die Zitate aus Reden der
Insert zu den Almuni (vormalige Preisträger:innen), die Zitate aus Reden der „Ältesten“ (11. bis 13. Schulstufe) vortrugen

„Wissen Sie, was das Problem mit Zeit ist? Sie fragt nicht, welche Erinnerungen wir behalten wollen oder nicht. Sie fragt nicht, welche Details wir behalten wollen oder nicht. Sie beschließt es selbst und übrig bleibt nur ein Fragment jenes Glücks, das wir einmal verspürt haben. Aus diesem Grund will ich mit meiner Superkraft all jenen, die ihrer Jugendzeit nachtrauern, die Möglichkeit geben, den Geschmack ihrer Jugend erneut zu kosten.“
Arzu Akdemir, 18 Jahre; BRG Ettenreichgasse (Wien) mit Türkisch (Erst-/ Familiensprache und Deutsch.

***

„Ich habe keine österreichischen Verwandten, meine Eltern sind ein paar Jahre vor meiner Geburt nach Wien gezogen. Manchmal fühle ich mich wurzellos. Manchmal habe ich das Gefühl, nirgendwo so richtig dazuzugehören. Aber dann tröste ich mich mit Wien. In Wien kenne ich mich aus.
Große Teile des U-Bahnnetzes kenne ich auswendig, freundliche Kellner irritieren mich und im „Motschgern“ bin ich auch nicht schlecht. In Wien geboren und aufgewachsen – born and raised in Vienna. Ich werde immer eine besondere Verbindung zu dieser Stadt haben. Hier sind meine Wurzeln. Ich bin nicht wurzellos. Ich bin eine Wienerin, durch und durch.“
Juliette – Jette – Heritage, 18 Jahre; GRG Franklinstraße in Wien-Floridsdorf mit Englisch (Ersts- /Familiensprache) und Deutsch. 

***

Alumni, die die
Alumni, die die „ältesten“ Preisträger:innen präsentierten: Fatima Kandil, Jonathan Zarifzadeh, Eidel Malowicki, Banan Sakbani, Kamila Iliasova, Melisa Mete, Tracy-Cindy Agbogbe und Asja Ahmetović

„Und da fragen Sie sich noch, warum Schüler und Schülerinnen schon mit 14 Jahren oder früher anfangen zu trinken und zu rauchen. Warum Depressionen, Angststörungen und ADHS immer weiter in den Vordergrund rücken. Das sind Kinder! Und diese Kinder werden jetzt schon mit Themen konfrontiert, die gar nicht erst sein sollten.
Es scheint, als ob die Gesellschaft vergisst, dass Kinder und Jugendliche Zeit brauchen, um zu wachsen, sich zu entwickeln und ihre Identität zu finden.“
Noemi (Helena Faye) Märzinger, 18 Jahre; Bildungsanstalt für Elementarpädagogik de la Salle in Wien-Strebersdorf mit Englisch (erlernt) und Deutsch.

***

„Jede Sprache ist wichtig, jedes Land ist besonders und alle sind gleich viel wert. Es wird höchste Zeit, dass Schulen die Vielfalt Europas besser abbilden und das Fremdsprachenangebot erweitern. Denn Europa besteht eben nicht nur aus Spanien, Italien und Frankreich, sondern umfasst viele weitere Länder und Sprachen. Durch die Freiheiten, die wir in Europa genießen, wachsen wir zusammen – politisch, aber auch in Wirtschaft, Kultur und Bildung. Die Brücke dafür ist die Sprache.“
Belma Bukva, 17 Jahre; Gymnasium Werndlpark, Steyr (OÖ) mit Bosnisch und Deutsch.

***

„Wir sind alle Menschen, egal ob Mann oder Frau. Und daher sollen wir alle gleich behandelt werden und die gleichen Rechte haben – nicht nur auf dem Papier.
Eltern: Achtet darauf was Sie Ihren Kindern beibringen. Denn Sie sind ein Vorbild.
Frauen erinnert euch, dass ihr alles werden könnt. Lasst euch nicht von der Gesellschaft beeinflussen und hinterfragt eure selbstgesetzten Grenzen.“
Maria Anastasia Anghel, 17 Schülerin; HAK (HandelsAkademie) Wiener Neustadt (NÖ) mit Spanisch (erlernt) und Deutsch.

***

Stellvertretend für die Preisträger:innen der
Stellvertretend für die Preisträger:innen der „ältesten“ Kategorie (11. bis 13. Schulstufe) hielten sie gekürzte Versionen ihrer Reden: Rawa Al Rawass und Zara Ağtaş – ihre Reden in eigenen Beiträgen – ganz unten verlinkt

„Ich habe mich gefragt: Was kann ich, eine in Italien geborene Albanerin, tun, um zu einem positiven Wandel in beiden Ländern beizutragen?
Die Antwort ist einfach: sprechen. Ich bin bereit, über die Herausforderungen zu sprechen, mit denen Frauen in beiden Ländern konfrontiert werden. Ich bin bereit, meine Stimme für diejenigen zu erheben, die vom Schweigen und der Angst unterdrückt werden. Aber seid ihr auch bereit? Seid ihr bereit?“
Marissa Hoxha, 17 Jahre; Liceo Scientifico Evangelista Torricelli in Bozen (Südtirol, Italien) mit Albanisch und Deutsch.

***

„Aber Frauen sind so viel mehr, mehr als nur Körper und Schönheit, nicht nur Liebe, sondern auch Talent und Ambition, Kreativität, wir haben wundervolle Köpfe und Herzen. Genau deswegen ist es mein Recht und meine Pflicht, Veränderungen zu verlangen. Ich verlange eine grundlegende Veränderung in unserer Gesellschaft, Veränderungen in der Medizin, Veränderungen in der Politik, Veränderungen in der Sprache, aber vor allem fordere ich eine Veränderung unserer Grundeinstellung.
Es braucht zweifellos eine grundlegende Veränderung in unseren Köpfen.“
Greta Lintner, 17 Jahre; Liceo Scientifico Evangelista Torricelli in Bozen (Südtirol, Italien) mit Italienisch und Deutsch.

***

„Meine unmögliche Liebesgeschichte ist die mit der Nacht. Verliebt bin ich in sie. Unerreichbar bleibt sie für mich. Und eins ist mir mittlerweile klar geworden – ich und die Nacht sollen nichts miteinander zu tun haben. Denn ich bin ein Mädchen, eine junge Frau, und das bedeutet, dass die Nacht für mich nicht sicher ist, so sehr ich sie auch lieben mag.“
Sofia Elena Borghesi, 17 Jahre; Liceo Scientifico Evangelista Torricelli in Bozen (Südtirol, Italien) mit Italienisch und Deutsch.

***

„Der Wald ist eine Generationensache, er geht uns alle etwas an. Denn in dem Wissen, dass aus einem einzelnen Sprössling, etwas so Mächtiges, Eindrucksvolles und Widerstandsfähiges entspringen kann, finde ich Sicherheit und finde ich Hoffnung.
Liebe Mitbewohner dieses Planeten! Bedenkt, dass alle heutigen Handlungen der Menschheit nicht morgen, auch nicht übermorgen, sondern erst in zwei bis drei Generationen wirksam werden.“
Katja Kronberger, 17 Jahre; BORG Deutschlandsberg (Steiermark heuer) mit Englisch und Deutsch.

***

„Wir denken so weit, manchmal über das Ziel hinaus. Aber nicht an das Wesentliche: Unsere vergessene Superkraft namens Verstand. Der Mensch ist blind für das Greifbare. Dennoch ich bin ich der Überzeugung, dass der Verstand des Menschen allein die notwendige Superkraft darstellt, um aus diesem Abgrund hinauszukommen.
Es geht nicht darum, dass es keine Auswege gibt. Keine Lösungsansätze. Wir wollen sie nur nicht annehmen, durch unsere Blindheit nicht sehen. Ignoranz ist bekanntlich eine gute Eigenschaft des Bösen.“
Luisa Muchitsch, 18 Jahre; BORG Deutschlandsberg (Steiermark) mit Englisch und Deutsch.

***

„Als Migrantin heißt es, mit meinem Opa durch die Stadt zu fahren und zu sehen das Funkeln in seinen Augen, und zu hören den Stolz in seiner Stimme, während er erzählt welches Gebäude er mitgestaltet hat. Wohin sein Blut und sein Schweiß geflossen sind.
Doch Migrantin zu sein heißt auch auf derselben Straße unsere Tränen fließen zu sehen, denn wir hören die Stimmen, die uns sagen, dass wir hier nicht hingehören. Und da stehen wir, auf der Straße wo hin geflossen sind sein Blut, sein Schweiß und seine Tränen.“
Nil-Zara Agtaş, 20 Jahre; Phoenix Realgymnasium (Wien) mit Englisch (erlernt) und Deutsch.

***

Ich möchte nicht im Herbst, nach dem ich mir die Ergebnisse der Nationalratswahl anschaue, feststellen, dass wir der Leitkultur, der Festung Österreich und dem Öxit näher gerückt sind. Meine persönliche Erfahrung zeigt mir, dass eine multi-kulturelle Gesellschaft eine Bereicherung für Europa ist, nicht eine Bedrohung.“
Fedir Bragar, 17 Jahre; Wiedner Gymnasium / Sir Karl Popper Schule (Wien) mit Russisch (Erstsprache) und Deutsch.

***

„Meine Identität ist kein Mantel, den man beliebig an- und ablegen kann. Sie ist vielmehr ein Mosaik, zusammengesetzt aus tausend Splittern meiner Erfahrungen und Erinnerungen. Für mich ist es schwierig, diese Identität zu bestimmen. Ich weiß ganz genau, dass ich keine Österreicherin bin und keine werde. Ich weiß aber genauso, dass ich keine 100%ige Syrerin bin und keine werde.“
Rawda Al Rawass, 19 Jahre; GRG10 Laaerberg (Wien) mit Arabisch (Familiensprache) und Deutsch.

***

„Für eine Zukunft mit weniger Rassismus und Diskriminierung sollte jeder und jede von uns stolz auf seine Kultur sein und diese auch richtig präsentieren, damit jeder merkt wie viel schöner eine vielfältige Gesellschaft eigentlich ist. Ein Regenbogen mit nur einer Farbe wäre doch auch nicht so schön.“
Alwaled Alkoud, 18 Jahre; Bertha-von-Suttner-Schulschiff in Wien-Floridsdorf mit Arabisch (Familiensprache) und Deutsch.

Zara Ağtaş bei ihrer Rede im Festsaal des Wr. Rathauses

„Wir sollten niemanden das Gefühl geben, Vielfalt sei was Schlechtes“

Mein Name ist, meine Pronomen sind sie/ihr, ich habe einen türkischen Migrationshintergrund, meine Muttersprache ist Zaza (kurdisch). Und meine Sexualität, die ist nicht hetero. In dieser Welt ist es oft verwirrend und gruselig für mich, aber wisst ihr wie es sich wirklich anfühlt?

Do you know what it feels like being me in this world. I am afraid as a woman, constantly navigating a landscape where gender-based violence remains pervasive, with one in three women experiencing physical or sexual violence in their lifetime.
I am afraid as a migrant, my heart trembles with uncertainty, knowing that globally, migrants face discrimination in employment, housing, and education, often relegated to the margins of society despite their contributions.
I am afraid as a queer person, the shadows of fear loom large, with over 70 countries criminalizing same-sex relationships, subjecting LGBTQ+ individuals to persecution, imprisonment, and even death simply for being who they are.
Do you know what it feels like being me in Austria

Insert zu Zara Ağtaş und ihrer Rede
Insert zu Zara Ağtaş und ihrer Rede

Als Frau heißt es, jahrelang zu kämpfen damit wir Seite an Seite, Hand auf der Brust zusammen singen „Heimat großer Töchter und Söhne“ anstatt nur Söhne, aber jetzt mit anschauen zu müssen wie wir europaweit nicht mehr das Land der Berge, Äcker, Dome sind, sondern das Land der Femizide. 

Als Migrantin heißt es, mit meinem Opa durch die Stadt zu fahren und zu sehen das Funkeln in seinen Augen, und zu hören den Stolz in seiner Stimme, während er erzählt welches Gebäude er mitgestaltet hat. Wohin sein Blut und sein Schweiß geflossen sind. Doch Migrantin zu sein heißt auch, auf derselben Straße unsere Tränen fließen zu sehen, weil wir hören die Stimmen, die uns sagen, dass wir hier nicht hingehören. Und da stehen wir, auf der Straße wo hin geflossen sind sein Blut, sein Schweiß und seine Tränen.

Zara Ağtaş bei ihrer Rede im Festsaal des Wr. Rathauses
Zara Ağtaş bei ihrer Rede im Festsaal des Wr. Rathauses

Als queere Person heißt es, ganz genau zu wissen, wann und wo ich selbst sein kann. In Österreich, einem Land, das sich oft für Toleranz und Vielfalt feiert, bleibe ich dennoch oft im Schatten der Unsicherheit. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen Offenheit und Zurückhaltung, ich begebe mich auf den schmalen Grad von Angst und Akzeptanz.

But it’s not just me. The challenges I face are merely fragments of a larger narrative where diversity is systematically marginalized and erased. Instead of celebrating our differences as strengths, we live in a society where identities are dismissed, where voices are silenced, and where the vibrant tapestry of humanity is muted to shades of conformity. Our society should be a mosaic of colors, each shade contributing to the richness of our collective experience.

In einer Zeit, in der unsere Vielfalt von einigen als Bedrohung wahrgenommen wird, sollten wir sie als Quelle der Stärke und Inspiration betrachten. Wir sollten die Vielfalt nicht fürchten, wir sollten sie feiern. Wir sollten Vorurteile überwinden, wir sollten uns gegenseitig unterstützen. Wir sollten gemeinsam für eine gerechtere Welt kämpfen, wir sollten niemanden zurücklassen. Niemanden das Gefühl geben Vielfalt sei was Schlechtes. 

Um die Zukunft mitzugestalten und sie zu verändern, in eine Welt wo Vielfalt gelebt und gefeiert wird, müssen wir zuerst empört sein.
Jedes Mal, wenn das Wort „schwul“ beleidigend gemeint ist, müssen wir empört sein. 
Jedes Mal, wenn wir Rassismus erleben, müssen wir empört sein.
Jede Hand, die erhoben wird, jede Faust die geschlagen wir jeder Tritt der getreten wird, muss mit Empörung begegnet werden. 
Wir müssen aufhören diese Sachen als normal anzusehen.
Wo ist die Empörung, wenn Politiker in der Öffentlichkeit zu Schüler:innen sagen können, Wien wäre noch Wien ohne euch.
Wo ist die Empörung, wenn die Regierung nichts unternimmt gegen das Sterben von Frauen, gegen Gewalt an Frauen. 
Wo ist die Empörung?

Let us stand together in solidarity for diversity! For within our differences lies our greatest strength. Every background, every culture, every opinion enriches our world. By fostering and respecting diversity, we create a society where every individual has the opportunity to fulfill their potential.

Unsere Vielfalt ist das Schönste, was wir haben, aber auch nur solange wir sie noch haben.
Kämpfen wir zusammen für Vielfalt, Seite an Seite, Hand in Hand. 
Seien wir zusammen empört! Wir müssen zusammen empört sein!

Rawda Al Rawass bei ihrer Rede bei der "Sag's-Multi"-Abschluss-Gala 2024

„Österreich ist eine Vielfalt – keine Einfalt“

Vor zwei Wochen entbrannte eine hitzige Diskussion in meiner Umgebung. Eine Person versuchte, mir ihre Ansicht aufzudrängen, und behauptete mit Nachdruck, dass jede Person, die in Österreich geboren ist, auch eine Österreicherin oder ein Österreicher sei. Sobald man die Staatsbürgerschaft erhält, gehört man ihr zufolge nach Österreich und lässt automatisch seine Wurzeln hinter sich. Da habe ich mir die Frage gestellt: Wer oder was bestimmt über die Zugehörigkeit? Wer bestimmt über meine eigene Zugehörigkeit? Wer gibt jemandem das Recht, die Linien meiner Heimat neu zu zeichnen? Wer gibt jemandem das Recht, meine Wurzeln zu entwurzeln?

أعزائي المستمعين

Sehr geehrtes Publikum!

Meine Identität ist kein Mantel, den man beliebig an- und ablegen kann. Für mich ist es schwierig, diese Identität zu bestimmen. Ich weiß ganz genau, dass ich keine Österreicherin bin und keine werde. Ich weiß aber genauso, dass ich keine 100%ige Syrerin bin und keine werde.

لهذا السبب أجد نفسي بين متناقضات الثقافات والقيم، وكأنني ضائعة بين الأفكار المتضاربة، فأنا مزيجٌ لا يُمكن تصنيفه بسهولة

Insert zu Rawda Al Rawass und ihrer Rede
Insert zu Rawda Al Rawass und ihrer Rede

Ich, Rawda Al Rawass, wie ich gern angesprochen werden würde, ehemalige Schülerin des GRG10 Laaerberg Gymnasium, gehöre zu einer Generation, die es geschafft hat, dazwischen zu sein. Ich gehöre zu einer Generation, die einen kleinen Teil ihres Lebens in ihrem ursprünglichen Heimatland verbringen durfte, um dann hierher zu kommen und sich fremd zu fühlen. Um hierher zu kommen und in erster Linie aufgrund des Namens, meines Namens, nicht akzeptiert und gleich einer Kategorie zugeordnet zu werden. Aufgrund meines Aussehens, meiner Kultur, meiner Sprache, meines Glaubens. Aufgrund meiner Herkunft. Syrien.

من الطبيعي جدا أن نتوقع من بلاد الغرب التقبل التام، فإننا دائما ما نسمع عن تطور الإنسانية عندهم. ومن الطبيعي جدا أيضا ان نشعر

بالصدمة عندما لا نرى شيء من هذه الإنسانية

Ich weiß, dass wir hier nicht für alle willkommen sind. Ich weiß, dass es Syrer gibt, die sich hier unmenschlich verhalten und aufgrund ihres Verhaltens alle in einen Topf geworfen werden. Ich weiß, dass man damit nicht Unrecht hat. Ich weiß aber auch, dass das Bild dieser Bevölkerungsgruppe aufgrund einzelner Menschen nicht verallgemeinert werden darf. Denn: Es gibt die, die sich bemühen und integrieren wollen. Und daher auch die, die gekränkt sind, wenn sie das Gefühl bekommen, hier ungewollt zu sein.

مهما بذل المرء من جهد، مهما فعل، فإنه لا ولن يمكنه ارضاء الجميع. لأن هذا الجهد لا يكاد يرى بالمجهر حتى

Rawda Al Rawass bei ihrer Rede bei der
Rawda Al Rawass bei ihrer Rede bei der „Sag’s-Multi“-Abschluss-Gala 2024

Der syrische Flüchtling verspürt enorme Frustration, extreme Traurigkeit und den großen Wunsch, sich wie ein Mensch zu fühlen. Wie ein Mensch, nicht wie ein Flüchtling behandelt zu werden. Wussten Sie, ehrenwerte Zuhörerinnen und Zuhörer, dass der syrische Flüchtling nicht freiwillig in Ihr Land kam? Er würde Sie auf jeden Fall lieber als Tourist besuchen. Der syrische Flüchtling kam zu Ihnen auf der Suche nach Wärme. Nach Wärme, die er im Laufe der Geschichte jedem verliehen hat. Der syrische Flüchtling kommt aus Syrien, aus dem Land, das in der alten syrischen Sprache „Das Land der Sonne“ heißt. Doch leider ist es mittlerweile die Sonne, die ihre Wärme verloren hat.

هؤلاء السوريون اللاجئون.. هم لا يأتون بلدا ويأخذون حقوقها، هم لا يؤذون أهلها ويفسدون فيها، ولو فعلوا لكنت اول من عاداهم، إنما

هم هنا ليبنوا حياتهم من جديد

Stellen Sie sich vor, wie Sie von Ihrem eigenen Land, von Ihrem eigenen Besitz vertrieben werden. Wie Sie mit über 300 anderen Menschen Ihre Reise auf den Fluchtweg durch das Mittelmeer beginnen und zusehen, wie manche ertrinken. Nach vier Tagen kommen Sie endlich an der Küste Italiens an und dürfen im Gefängnis ausruhen. Eingesperrte Minderjährige. Ein bitteres Willkommen, nicht wahr?

هذا هو الموقف الذي لا يمكن أن ينسى، ابتسامة خفيفة وتوجيه إلى السجن ببرودة أعصاب

Die Reise wird fortgesetzt. Nach dem Ankommen im Zielland Österreich folgen die Schwierigkeiten der Integration. Doch was kann man tun? Denkt man an die Rückkehr, begegnen einem weitere Schwierigkeiten und viele Fragen. Wie viel ist dort noch übrig? Werde ich mein Land, meine Verwandten, meine Wohnung, meine Freunde, wiedererkennen? Existieren sie überhaupt noch?

هذا حالي وهذا حال أمثالي.. احلم باليوم الذي يأتي فيه طفل سوري ويسأل أمه: ماذا كان الحرب؟

Verehrtes Publikum: In den letzten Jahren habe ich gelernt, offen zu sein. Mit Menschen zu reden. Sie kennenzulernen, bevor ich sie in einer Schublade einordne. Ich habe gelernt, stark zu sein. Meine Ziele zu verfolgen. Spuren zu hinterlassen. Zu zeigen, wer ich bin.

In einer Woche erhalte ich mein Reifezeugnis. In einer Woche zeige ich, dass ich reif bin. Dass auch syrische Menschen reif sind. Dass sie trotz Schwierigkeiten weiterleben können. Ich habe vor, Pharmazie zu studieren. Ich habe vor, Österreich, dem Land, das uns aufgenommen hat, etwas zurückzugeben.

اشكر كل من استقبلنا من بلاد العالم.. اشكر كل من استضافنا بلطف واشكر كل من شعر بنا وحاول مساعدتنا

Ich erhebe somit meine Stimme für viele Menschen, die diese Möglichkeit nicht haben. Ich erhebe meine Stimme, weil ich nicht mehr schweigen kann. Denn: Worüber man nicht schweigen kann, darüber muss man reden. Die gesamte Menschheit muss begreifen, dass jede Person selbst bestimmen darf, wer sie ist, und nicht das ist, was andere aus ihr machen. Österreich ist eine Vielfalt – keine Einfalt.

شكرا لاستماعكم

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Szenenfoto aus "Die Geister, die wir rufen – rufen zurück"

Geistreiche Wort- und Figurenspiele  zwischen Dies- und Jenseits…

Schräg, skurril, überraschend, jedenfalls immer auch sehr geistreich sind die Figurentheaterstücke von Christoph Bochdansky. In seinem jüngsten Bühnenwerk macht er Geister selbst zum Thema und zu seinen Hauptfiguren. Mit „Die Geister, die wir rufen – rufen zurück“ gastiert er derzeit – bis 23. Juni 2024 – im Schubert Theater, dem Figurentheater für Erwachsene in Wien-Alsergrund (9. Bezirk – Details siehe Info-Box).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Geister, die wir rufen – rufen zurück“

Mal erschafft er ein riesiges teuflisches Wesen aus Stoff, pardon einen Abteilungsleiter für Verdammnisse, dann borgt er seinen Kopf einem engelsartigen Figurenkörper, lässt seine Hände einen Streit zweier Geisterfrösche ausführen. Und neben bizarren Puppen und Figuren spielt Bochdansky vor allem mit Worten und Gedanken rund um den Grat zwischen Dies- und Jenseits, zwischen Realem, Sinnlichen und (scheinbar) Übersinnlichen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Geister, die wir rufen – rufen zurück“

Eines davon sei durchaus verraten – ist es doch auch im Trailer-Video – verlinkt in der Info-Box – zu sehen und hören: Fragt ein schräger Zwerg den anderen: „Wissen Sie denn, wie ein Pfarrer stirbt?“ – „Nein.“ – „Er muss dran glauben, hähähähä…“

Vielleicht kommen Sie ja drauf, wie eine Kuh stirbt… – wenn nicht – die Auflösung gibt’s in der Vorstellung 😉

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Großgruppenfoto (fast) aller Preisträger:innen, Ehrengäst:innen...

Ach, hätten diese Jugendlichen doch nur das Sagen!

„Lassen Sie uns nicht in die Ignoranz verfallen, wo die Angst vor dem Anderen herrscht. Das 21. Jahrhundert, unser Jahrhundert, wird ein Jahrhundert der Vielfalt sein, oder es wird nicht sein. Lernen wir, dass uns nichts und niemand fremd ist.“

Diese Sätze stammen aus einer der Reden der 35 Preisträger:innen, die Montag am frühen Nachmittag für die besten der besten mehrsprachigen Reden ausgezeichnet worden sind. Damit wurde der 15. Durchgang von „Sag’s Multi“ feierlich im großen Festsaal des Wiener Rathauses beendet.

Sieben Redner:innen der drei Alterskategorien (7./8., 9./10. sowie 11. bis 13. Schulstufe) durften vor rund 500 Gäst:innen – viele der 168 Finalist:innen, drei Wiener Stadträt:innen, hochrangige Vertreter:innen des ORF (seit 2020 Träger dieses mehrsprachigen Redebewerbs), von Kammern, Interessensvertretungen und Sponsor:innen – gekürzte Versionen ihrer siegreichen Reden nochmals halten.

Live-Reden im Festsaal des Wr. Rathauses

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wird all diese sieben Reden veröffentlichen – beginnend heute mit den beiden aus der jüngsten Gruppe – von Dymtro Muliar und Sediqa Saeedi. Ersterer sprach seine Erstsprache Ukrainisch und verblüffte die Zuhörer:innen vor allem genauso mit seinem gediegenen Deutsch wie seine Kollegin, die Dari, eine der großen Sprachen Afghanistans mitgebracht hatte. Ersterer seit zwei, Zweitere seit drei Jahren in Österreich – beide nicht freiwillig. Krieg im einen bzw. bildungsfeindliche Diktatur im anderen Fall zwangen die damals noch Kinder zur Flucht.

In einem weiteren Beitrag veröffentlichen wir Auszüge aus allen Finalreden der Preisträger:innen (samt übersichtlicher Liste) – heute zunächst ebenfalls aus der jüngsten Kategorie.

Ganze Reden bzw. Auszüge aus den besten der besten Reden der beiden älteren Gruppen folgen in den nächsten Tagen.

Ach, noch schnell die Aufklärung: Das Eingangszitat stammt von Ferdinand Tschol. Der 16-järige Schüler des Lycée Francais de Vienne trat bei Sag’s Multi mit der erlernten Sprache Arabisch an – natürlich in Kombination mit Deutsch (das ist eine der Bedingungen des Redebewerbs vom ersten Jahr an.

Spoiler: Wer alle Reden bzw. die Zitate aus den Reden liest – oder auf ORF.on gar alle 168 Finalreden nachschaut und hört – könnte gut meinen: Dürften diese Jugendlichen nicht nur Reden halten, sondern hätten auch das Sagen im Lande, Vielfalt würde stärker sein als Einfalt, Weltoffenheit Festungsdenken an den Rand drängen…

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Gruppenfoto der Preisträger:innen der mittleren Altersgruppe (9. und 10. Schulstufe)

Preisträger:innen der mittleren Alterskategorie

„Meine Eltern sind in dieses Land gekommen, damit zuallererst sie und dann ihre Kinder sich eine Zukunft aufbauen können, damit ich ein Leben, eine Zukunft voller Bildung, Freude, Vielfalt und Akzeptanz habe, doch habe ich all das?
Wenn Menschen mit mir interagieren, sehen sie nur meinen Namen, mein Land oder meine Sprache, sie sehen nicht meine Geschichte, sie sehen nicht meine Erfahrungen, sie sehen nicht mich, sie sehen nur die Vorurteile, die sie gegenüber Migranten haben in mir.“
Jana Adamović, 16 Jahre; GRG Sachsenbrunn (NÖ) mit Serbisch und Deutsch.

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„Wir alle wissen, dass die Menschheit dringende Probleme zu lösen hat, die sie nur gemeinsam lösen kann. Und gerade wir, die wir gewohnt sind, zwischen zwei Kulturen, zwischen zwei Sprachen zu leben, wissen genau, dass in solchen Konflikten keiner gewinnen kann, dass sie auf lange Sicht nur durch Sprache, durch Vermittlung gelöst werden können.
Ob es uns gefällt oder nicht: Wir sind die Sprecher, wir sind die Vermittler und wir werden jeden Tag mehr.
Die Welt wird jeden Tag kleiner und vernetzter. Kein Ort ist mehr zu weit weg, um uns zu interessieren. Wenn morgen in China ein Sack Reis umfällt, dann rollen uns hier die Reiskörner vor die Füße und wir rutschen auf ihnen aus!“
Zumin Jost
, 14 Jahre; Akademisches Gymnasium Salzburg mit Mandarin-Chinesisch und Deutsch.

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„Als stolze Vertreterin meiner Sprache und meiner kulturellen Identität stehe ich heute vor Ihnen. Doch ich stehe nicht allein. Ich stehe auch hier in Vertretung für all jene, die noch immer mit Vorurteilen und Diskriminierung kämpfen. Ich stehe für die Hoffnung, dass wir gemeinsam eine Welt schaffen können, in der Vielfalt gefeiert wird und jede Person die Freiheit hat, ihr wahres Selbst zu sein.“
Miriam Allegra Clari
, 16 Jahre; BORG Innsbruck (Tirol) mit ihren Familiensprachen Italienisch und Deutsch.

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„Wir als junge Menschen haben die Pflicht, uns unseres eigenen Denkens zu bedienen. Wir haben die Pflicht und die Möglichkeiten – auch dank KI, dank ChatGPT, dank Tausender Medien – die Möglichkeiten, uns zu bilden, uns weiterzubilden, uns eine Meinung zu bilden. Gerade in Zeiten von Fake News ist die eigene unvoreingenommene Meinung wichtig! Ist es vielleicht die neue Währung. Ist es vielleicht das, worauf unsere Zukunft gebaut ist?“
Melina Böhmer
, 14 Jahre; BORG Innsbruck (Tirol) mit der erlernten Sprache Englisch sowie Deutsch.

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„Ich habe nie mit meinen Sprachen gelebt, ich habe immer meine Sprachen gelebt. Unsere Welt braucht jeden. Kinder, die alles in Frage stellen, Jugendliche, die kritisch denken können, Erwachsene, die von einer besseren Zukunft träumen und mehrsprachige Menschen, die wissen, dass dieser Traum wahr werden kann. Durch die Förderung unserer Mehrsprachigkeit können wir eine Welt schaffen, in der Vielfalt überall geschätzt und gefeiert wird.
Fördert man Mehrsprachigkeit, so fördert man auch Toleranz, Respekt und Offenheit gegenüber anderen Menschen, etwas das so wichtig ist und eigentlich selbstverständlich sein sollte.
Unsere Mehrsprachigkeit kann die Welt verändern.”
Ana Maria Haas da Silva
, 16 Jahre; Europagymnasium Auhof in Linz (OÖ) mit brasilianischem Portugiesisch und Deutsch.

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Es ist an der Zeit, dass wir uns als Gesellschaft verpflichten, sicherere Räume für alle zu schaffen. Räume, in denen jeder willkommen ist, unabhängig von seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, seiner sexuellen Orientierung oder seiner körperlichen oder geistigen Fähigkeiten. Denn Sicherheit sollte kein Privileg sein, sondern ein grundlegendes Menschenrecht, das jedem zusteht.“
Sophie Klaffenböck, 16 Jahre; Theresianum Eisenstadt (Burgenland) mit Englisch (erlernt) und Deutsch.

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„Nehmt uns und unsere Probleme ernst. Wir leiden und das meist unbemerkt. Wir verdienen es genauso sehr wie ihr mit Respekt behandelt zu werden. Die Schule beeinflusst unsere Psyche mehr als sie sollte. Der Stress: zu viel. Der Druck: zu groß. Die Hilfe: zu wenig.
Es ist an der Zeit, dass wir uns als Gesellschaft ernsthaft mit dieser Problematik auseinandersetzen. Wir müssen unsere Schulen zu Orten machen, an denen nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern auch Raum für Selbstentfaltung, Empathie und persönliches Wachstum geschaffen wird.“
Karlein Tasch, 16 Jahre; BG/BRG Mattersburg (Burgenland) mit Spanisch (erlernt) und Deutsch.

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„Stereotypen und Vorurteile waren schon immer Teil einer Gesellschaft. Aber haben wir uns jemals überlegt, wie viel Energie und Zeit in diese Vorurteile reingesteckt werden. Wie viel Zeit und Kraft wir verschwenden, um zu beweisen, dass eine Person doch in diesen Stereotyp reinpasst.“
Maab Hamoudah, 17 Jahre; Abendgymnasium Wien-Floridsdorf mit Englisch und Deutsch.

Ana Maria Haas da Silva bei ihrer Rede im Wiener Rathaus-Festsaal

„Fördert man Mehrsprachigkeit, so fördert man auch Toleranz, Respekt und Offenheit gegenüber anderen Menschen“

Ich kann mich noch genau an meinen ersten Schultag in Österreich erinnern. Es war der 12. September 2022 und ich zitterte am ganzen Körper, als ich meine neue Schule, das Europagymnasium Auhof in Linz betrat. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf: Hoffentlich sind alle nett zu mir, hoffentlich finde ich meine Klasse und hoffentlich kann ich alles verstehen. Alles war mir fremd, das Gebäude, die Lehrkräfte, die Mitschüler und Mitschülerinnen und ich dachte mir nur wie verrückt es eigentlich war, dass ich an diesem grauen Montag in der Schule war, da ich genau 2 Wochen zuvor noch in einem anderen Land gelebt hatte.

Meine sehr geehrten Zuhörer und Zuhörerinnen! Senhoras e Senhores! Mein Name ist Ana, ich bin 16 Jahre alt und vor fast 2 Jahren zog ich mit meiner Familie von Brasilien nach Österreich. Ehrlicherweise war der Anfang meines neuen Lebens in Linz schwer, Umzüge sind ja nie leicht. Aber ich hatte einen Vorteil, denn ich bin mehrsprachig.

Senhoras e Senhores, meu nome é Ana, tenho 16 anos e há quase dois anos atrás me mudei de Curitiba, no Brasil, para Linz na Áustria. Após somente duas semanas morando no novo país eu também tive que ir para a minha escola nova. Parece loucura, não? Mas tem um detalhe: Eu falo duas línguas, sou como dizem, multilíngue e eu consegui, mesmo sendo extremamente difícil. Senhoras e Senhores, das ist meine Geschichte und das ist meine Welt, essa é a minha história e esse é o meu mundo.

Meine Welt ist der Treffpunkt von zwei Sprachen: brasilianisches Portugiesisch und Deutsch. Und ich wusste schon immer, dass meine Mehrsprachigkeit meine größte Stärke ist. Seit ich klein bin, fühle ich mich mit zwei Kulturen verbunden, kann mich in zwei Sprachen ausdrücken und, ja, rede natürlich doppelt so viel. Aber ist das nicht wunderbar? Ich sehe unsere Welt, verschiedene Welten von mehrsprachigen Menschen, die sie auch so sehen wie ich. Die auch Hoffnung haben, sie zu einem besseren Ort zu machen, an dem alle, wirklich alle, sich respektieren und zusammenarbeiten. Daher ist es so wichtig Mehrsprachigkeit zu fördern. Fördert man Mehrsprachigkeit, so fördert man auch Toleranz, Respekt und Offenheit gegenüber anderen Menschen. Und eins ist klar: So können wir gemeinsam die Welt verbessern.

Minhas duas línguas, português e alemão se encontram, se misturam, se unem no meu mundo. Sempre soube que o meu multilinguismo era a minha maior qualidade. Cada dia as minhas línguas me fortalecem, me ajudam e enriquecem a minha vida. Foram elas que me ajudaram quando eu me mudei para o outro lado do oceano atlântico. Mas sabem, isso não é só sobre mim, isso é sobre todos nós. O nosso multilinguismo faz do mundo um lugar melhor, onde as pessoas se respeitam e trabalham juntas. Temos que continuar promovendo o nosso multilinguismo. Juntos. Por que somente juntos podemos mudar o mundo. Pouco a pouco.

Aber wie kann ich mir so sicher sein, dass wir es wirklich schaffen werden, die Welt zu verbessern? Weil es schon passiert. Vor 644 Tagen, vor ca. 1 Jahr 9 Monaten war mein erster Schultag in Österreich. Vor 644 Tagen schlug ich zittrig und ahnungslos ein neues Kapitel meines Lebens auf. Ich hatte Angst, Heimweh und fühlte mich unwohl. Und wissen Sie was? Heute, nur 644 Tage später, bin ich hier und halte eine Rede in meinen zwei Sprachen. Heute feiern wir alle die Mehrsprachigkeit. Wir verbessern somit die Welt. Zusammen. Und lasst uns sie weiterhin verbessern!  Alle mehrsprachigen Menschen in Österreich, in Brasilien, überall auf der Welt möchte ich bitten, dass wir zusammenhalten. Dass wir uns gegenseitig helfen und zusammenarbeiten. Stehen wir zu unserer Mehrsprachigkeit, zu unseren Wurzeln, zu unseren Farben, zu unserer Welt. Von unseren Eltern, Lehrern und Lehrerinnen wünsche ich mir, dass ihr unsere Mehrsprachigkeit weiterhin fördert. Unsere Zukunft gehört uns. O nosso futuro está em nossas mãos. Und ich glaube an uns. Eu acredito em nós. An unsere Zusammenarbeit. An unsere Zukunft. An unsere größte Stärke, o nosso Multilinguismo, unsere Mehrsprachigkeit. Muito obrigada! Vielen Dank!

Zumin Jost bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses

„Wenn morgen in China ein Sack Reis umfällt, dann rollen uns hier die Reiskörner vor die Füße und wir rutschen auf ihnen aus!“

Sehr geehrte Jury, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Freunde der Mehrsprachigkeit!
Gestern ist in China ein Sack Reis umgefallen. Interessiert Sie nicht? Mich auch nicht. War ja nicht mein Sack. Und vor allem ist China echt viel zu weit weg, muss einen also nicht interessieren, oder? Mir gibt an der Sache eher zu denken, dass wir China in diesem Sprichwort einfach so als Inbegriff für etwas maximal Irrelevantes benutzen. In China leben 1,4 Milliarden Menschen, aus keinem Land der Welt importieren wir in der EU mehr Waren als aus China. Und außerdem komme ich zur Hälfte da her, habe fünf Jahre lang dort gelebt und natürlich spreche, denke und träume ich immer wieder gerne auf Chinesisch, auch heute, hier, vor Euch!

中国和欧洲之间相距万里,似乎毫不相关。但是真的是这样吗?中国有14亿人口,是欧盟最大的进口国。就我自己来说,我是半个中国人,在中国生活了五年,我说中文,用中文思考。今天,我也用中文演讲。

Insert zu Zumin Josts Rede
Insert zu Zumin Josts Rede

Ich freue mich immer sehr darauf, jedes Jahr ein paar Wochen in China zu verbringen, meine Verwandten zu treffen, das leckere Essen zu genießen und zu sehen, wie schnell sich dort die Welt verändert. In Europa gewinnt man aber oft den Eindruck, China sei die Hölle auf Erden. Wir hören und lesen von Umweltverschmutzung, der aggressiven Außenpolitik, einer katastrophalen Menschenrechtslage und so weiter… Manches stimmt natürlich schon und ich spüre auch, wie in China zum Beispiel die Regierung versucht, alles und alle zu kontrollieren, wenn ich nicht einmal meine eigenen Mails ohne VPN-Software abrufen kann. Doch immer wieder spüre ich selbst hier in Europa Augen auf mir, die fragen wollen „Wie könnt Ihr Chinesen nur so schlimm sein?“

可是,在欧洲,人们对中国的印象往往很差:环境污染、外交强硬、人权问题等等……我感觉有人瞪着我,问:“你们中国人怎么这样?“

Ich weiß, dass in China vieles schief läuft, gleichzeitig möchte ich manchmal einfach schreien: „Ich bin nicht 1,4 Milliarden Chinesen, ich bin nicht die chinesische Regierung. Steckt mich nicht immer in einen Sack! Ich bin nicht für alles verantwortlich!“

我知道中国有很多问题,但同时我真想大喊一声:“我不代表14亿中国人,我不是中国政府,我不需要负责!“

Eigentlich fühle ich mich aber doch in gewisser Weise verantwortlich. Ich sehe, dass es zwischen meinen beiden Welten immer mehr Probleme gibt. Je länger ich von beiden Seiten auf diese Probleme schaue, desto mehr wird mir klar, wie kompliziert sie sind und wie schwierig es ist, sie zu lösen. Ein Grund dafür ist, dass die Menschen, die die Entscheidungen treffen, in ganz unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen sind und ganz selten in den gleichen Sprachen sprechen, denken und träumen.

但是,我觉得自己有责任。我可以看到,在我的两个世界之间存在着越来越多的问题,原因之一是这两个世界的人不能用相同的语言说话、思考和构想未来。

Ihr alle, die Ihr auch mit jedem Bein in je einer Welt steht, kennt das gut. Diese Probleme gibt es natürlich nicht nur zwischen Europa und China. Überall auf der Welt, oftmals sogar zwischen ganz nahen beieinander liegenden Ländern, lässt sich keine gemeinsame Sprache mehr finden und es funktioniert nur noch die Sprache der Gewalt und des Hasses! Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten ist das jüngste, erschreckende Beispiel.

Zumin Jost bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses
Zumin Jost bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses

这些问题不仅仅存在于欧洲和中国之间,而是在世界各地,甚至在距离很近的国家之间,也常常找不到共同语言,只有暴力和仇恨,中东地区的冲突就是最新的例子。

Wir alle wollen nicht, dass die Welt im Chaos versinkt. Wir alle wissen, dass die Menschheit dringende Probleme zu lösen hat, die sie nur gemeinsam lösen kann. Und gerade wir, die wir gewohnt sind, zwischen zwei Kulturen, zwischen zwei Sprachen zu leben, wissen genau, dass in solchen Konflikten keiner gewinnen kann, dass sie auf lange Sicht nur durch Sprache, durch Vermittlung gelöst werden können. Ob es uns gefällt oder nicht: Wir sind die Sprecher, wir sind die Vermittler und wir werden jeden Tag mehr. Die Welt wird jeden Tag kleiner und vernetzter. Kein Ort ist mehr zu weit weg, um uns zu interessieren. Wenn morgen in China ein Sack Reis umfällt, dann rollen uns hier die Reiskörner vor die Füße und wir rutschen auf ihnen aus!

我们都不希望世界变乱。人类的问题只能共同解决。而在两种语言、两种文化之间生活的我们,知道在这种冲突中,没有人会赢,只能依靠语言、依靠调解。而我们是发言人,是调解人,而且我们的人数会越来越多。未来世界会变成什么样子,是我们的责任。

Liebe Mehrsprachler, liebe Wanderer zwischen den Kulturen, macht Euch klar, dass es gerade unsere Verantwortung ist, die Welt von morgen zu gestalten. Wir werden es sein, die die scheinbar Unversöhnlichen miteinander versöhnen, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können. Die Welt wird noch froh sein, dass sie uns hat!

Miriam Allegra Clari bei ihrer Rede während der Sag's-Multi-Gala 2024

„Ich habe das Glück, zwei Sprachen zu sprechen und die Ehre, eine Brücke zwischen zwei Ländern bauen zu dürfen“

Sehr geehrte Damen und Herren,

Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einem Hügel in Apulien, während das sanfte Rauschen des Ionischen Meeres in der Ferne zu hören ist. Die Sonne wärmt Ihre Haut, und die Luft ist erfüllt mit den Düften der mediterranen Küche. Il frinire delle cicale e le melodie della musica tarantella raggiungono le tue orecchie – un vero luogo da sogno, dove il sole splende senza fine.

Ich bin Miriam Clari, 16 Jahre alt, und besuche die 6. Klasse des BORG in Innsbruck. Als stolze Vertreterin meiner Sprache und Kultur stehe ich heute vor Ihnen, aber nicht nur für mich – ich stehe hier für all jene, die noch immer gegen Vorurteile und Diskriminierung ankämpfen. Ich stehe für die Hoffnung auf eine Welt, in der Vielfalt gefeiert wird und jeder Mensch frei sein wahres Selbst sein kann.

Miriam Allegra Clari bei ihrer Rede während der Sag's-Multi-Gala 2024
Miriam Allegra Clari bei ihrer Rede während der Sag’s-Multi-Gala 2024

La mia lingua madre, l’italiano, rappresenta molto di più di un semplice mezzo di comunicazione – è una componente fondamentale della mia identità. Mi connette alla mia famiglia, alla mia cultura e alla mia storia. Grazie ad essa, posso esprimere i miei pensieri, le mie emozioni e i miei sogni, e comunicare con gli altri in modo unico.

Deutsch, meine zweite Sprache, ist ebenfalls ein wichtiger Teil meines Lebens. Es ist die Sprache meiner Kindheit, meiner Bildung und meiner Freundschaften.

Über Sprachen zu sprechen, heißt auch, über Kultur und Geschichte zu sprechen. Bildungseinrichtungen lehren uns heute viele Sprachen, nicht nur für unseren persönlichen Nutzen, sondern auch, um uns tiefer mit den Kulturen anderer Länder zu verbinden. Doch trotz des Sprach- und Kulturunterrichts halten sich stereotype Vorstellungen hartnäckig.

Es gibt Momente, die uns tief berühren und uns zum Innehalten zwingen. Momente, die uns an unsere wahre Identität und unsere Ziele erinnern. Ich möchte heute eine solche Geschichte mit Ihnen teilen – eine Geschichte von Kampf und Überwindung, von Tränen und Triumph.

Miriam Allegra Clari bei ihrer Rede während der Sag's-Multi-Gala 2024
Insert zu Miriam Allegra Claris Rede

La mia storia personale non è stata sempre semplice. A causa del mio forte accento italiano, venivo spesso presa in giro. I miei compagni di scuola mi chiedevano: „Cosa sei?“, come se non appartenessi né all’Italia né all’Austria. Questa domanda mi ha fatto sentire insicura e mi ha messo in crisi, facendomi sentire come un foglio di carta bianco, senza sapere cosa scrivere sopra. Mi trovavo a cercare un’identità che sembrava sfuggirmi, incerta su chi fossi veramente e come definirmi.

Doch dann kam der Tag, an dem ein Lehrer meine Verzweiflung spürte und zu mir sagte: „Miriam, es ist nicht wichtig, was du bist, sondern wer du bist.“ Diese Worte trafen mich wie ein Blitz. Wer bin ich wirklich? Nach langer Überlegung fand ich die Antwort tief in meinem Herzen: „Ich bin Miriam Allegra, ein Mädchen, das das Glück hat, zwei Kulturen zu umarmen. Ich habe das Glück, zwei Sprachen zu sprechen und die Ehre, eine Brücke zwischen zwei Ländern bauen zu dürfen – zwischen Italien und Österreich.“

Miriam Allegra Clari bei ihrer Rede während der Sag's-Multi-Gala 2024
Miriam Allegra Clari bei ihrer Rede während der Sag’s-Multi-Gala 2024

Oggi, la pagina della mia vita, una volta bianca, è piena di colori, e ogni giorno aggiungo un nuovo capitolo.

Trotz aller Bemühungen, Diskriminierung zu überwinden, bleibt sie für viele eine schmerzhafte Realität. Ich habe selbst erlebt, wie Menschen wegen ihres Akzents oder ihrer Herkunft diskriminiert wurden. Einmal wurde mir in der Schule ein rohes Ei auf den Tisch geworfen, begleitet von beleidigenden Kommentaren über meine italienische Herkunft. Diese Erfahrung hat mich tief getroffen und mir die Tragweite solcher Vorurteile vor Augen geführt.

Ich komme aus einem Land, das von vielen Österreichern geliebt und als Sehnsuchtsort betrachtet wird. Ich bin hier in einer liebevollen italienischen Familie sicher aufgewachsen. Dennoch wurde ich wegen meiner Herkunft und Sprache beleidigt. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es einem muslimischen Jugendlichen aus Tschetschenien geht, der ständig unter Terrorismusverdacht steht, oder einer jungen Somalierin oder Afghanin, die wegen ihres Kopftuchs und ihres Aussehens in der Öffentlichkeit angefeindet wird. La loro battaglia è più ardua, il loro dolore più profondo. Pertanto, desidero esprimere loro la mia completa solidarietà e la più profonda compassione.

Lassen Sie uns gemeinsam eine Welt erschaffen, in der jeder Mensch sein wahres Selbst zeigen kann. Eine Welt ohne Diskriminierung und Vorurteile. Eine Welt, in der jeder sein volles Potenzial entfalten und sein Leben nach seinen eigenen Idealen gestalten kann.

Mit den Worten des großen Dichters Rumi möchte ich schließen: „Du bist nicht nur ein Tropfen im Ozean, du bist auch der ganze Ozean in einem Tropfen.“

Che ognuno di noi trovi la forza di illuminare il proprio cammino e vivere autenticamente la propria verità.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Gruppenfoto der Preisträger:innen der jüngsten Gruppe (7. und 8. Schulstufe) und Preisüberreicher:innen

Die jüngsten Preisträger:innen

„Unsere Welt von heute ist voller falscher Information, aber wir haben die Macht, das zu überwinden, wenn wir uns nur die Mühe machen, zur Wahrheit zu gelangen. Lasst uns alle gemeinsam die Mühe machen, dass die Wahrheit ans Licht kommt, indem wir selber herausfinden, was wahr oder nicht wahr ist.“
Rupert Grischany, 14 Jahre;BG 8 / Wien-Josefstadt, mit seinen beiden Familiensprachen Englisch und Deutsch.

Insert mit den Namen aller Preisträger:innen der jüngsten Altersgruppe (7. und 8. Schulstufe)
Insert mit den Namen aller Preisträger:innen der jüngsten Altersgruppe (7. und 8. Schulstufe)

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Ich möchte nicht, dass wir auf dem Weg zum technologischen Fortschritt unsere Menschlichkeit, unsere Freundlichkeit, und unser Mitgefühl verlieren. Und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der wir verlernt haben, kritisch zu denken, in der Maschinen anstelle von Menschen denken, in der wir Angst vor unseren eigenen Erfindungen haben.“
Marharyta Zaretska, 13 Jahre; GRG 11, Gottschalkgasse, Wien-Simmering) mit Ukrainisch und Deutsch.

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„Ich beschloss die deutsche Sprache zu erlernen…. und so war ich fit in drei Sprachen: Tigrinya, Englisch und Deutsch. Ich wurde stark, schaffte es zunehmend besser, mich nicht mehr über die rassistischen Äußerungen meines schulischen Umfeldes zu kränken. Klein beigeben, nur weil ich anders aussehe und aus einem anderen Land komme? Nein, das war nun keine Option mehr für mich. … Endlich konnte ich die Merci sein, die ich eigentlich tief in meinem Inneren schon immer war: Mehrsprachig, stark, mutig und lebensfroh.“
Merci Bekuretsion,14 Jahre; Mittelschule 12, Kneippgasse in Klagenfurt/ Kärnten; in zwei ihrer drei Sprachen – Tigrinya (Äthiopien) und Deutsch.

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Worauf warten Sie? Wir leben nur entweder in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Die Zeit jetzt wird zur Vergangenheit. Und dann werden wir traurig sein. Wir können nicht zurück. Also müssen wir jetzt leben. Gestern war gestern. Morgen ist morgen. Jetzt leben Sie.
Warum rede ich darüber… Vor zwei Monaten ist meine Mutter gestorben. Trotz ihrer Krebserkrankung war sie immer glücklich mit dem Leben. Sie hat mir beigebracht, die kleinen Freuden im Leben wahrzunehmen und vor allem zu schätzen. In meinem Leben habe ich noch nie einen so fröhlichen Menschen getroffen wie sie. …
Ohne die Probleme des Lebens werden wir keine Leichtigkeit und kein Vergnügen erfahren.“
Milana Babii,14 Jahre; Mittelschule St. Peter in Klagenfurt (Kärnten) mit Ukrainisch und Deutsch.

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Was bedeutet das überhaupt Menschenrechte? Und was sind Menschenplichten? Ich habe dazu mit Freundinnen und MitschülerInnen gesprochen. Zuerst in Österreich: Meine MitschülerInnen haben gesagt: Weiss ich nicht, was das ist? Ich kenne das nicht.
Und dann habe ich meinen Freundinnen in Afghanistan geschrieben. Und die haben das sofort gewusst: Menschenrecht bedeutet, dass wir die gleichen Rechte wie Männer haben, dass wir in Freiheit, in Sicherheit und in Frieden leben dürfen, und dass wir zur Schule gehen dürfen.
Wissen wir und schätzen wir erst dann, was Menschenrechte sind, wenn sie unsnweggenommen werden?“
Sediqa Saeedi, 15 Jahre; MS (Mittelschule) Feuerbachstraße in Wien-Leopoldstadt Dari (Afghanistan) und Deutsch.

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Reden der jüngsten Kategorie (7. und 8. Schulstufe)
Reden der jüngsten Kategorie (7. und 8. Schulstufe)

„Um in SICHERHEIT leben zu können, bin ich mit meiner Familie im Jahr 2015 aus Syrien zuerst in die Türkei geflüchtet und ca. 5 Jahre später nach Österreich gekommen. Meine Familie musste mir sehr früh beibringen, wem ich NICHT vertrauen durfte und wo ich nicht in Sicherheit war. Das heißt der Begriff „Sicherheit“ ist für mich immer mit dem Gefühl der „Unsicherheit“ verbunden.
Kriege, politische und wirtschaftliche Missstände, Naturkatastrophen, fehlende Schulbildung und Rassismus nehmen den Kindern ihre Kindheit und ihre Sicherheit.“
Nawar Idlbi, 14 Jahre; MS Junior High School Carlbergergasse in Wien-Liesing mit Türkisch und Deutsch.

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Menschen werden bewundert und beneidet, wenn sie eine andere Sprache können – wie zum Beispiel Französisch oder Spanisch. Doch wenn es zu meiner Sprache kam, war dies nie so. Niemand würde jemanden bewundern, der Türkisch kann. Es schien mir so, als müsste ich es gar nicht erwähnen dass ich Türkisch kann, wenn mich jemand fragte wie viele Sprachen ich sprach.
Doch, heute habe ich den Wert meiner Sprache erkannt, denn es ist ein Teil von mir. Es ist eine Stärke von mir.“
Zeren-Rukiye Ekinçi, 13 Jahre; Phönix Realgymnasium in Wien-Simmering mit Türkisch und Deutsch.

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Die „Sag’s-Multi“-Alumni (vormalige Preisträger:innen) Fatima Kandil, Banan Sakbani, Jonathan Zarifzadeh, Berina Kulas, Kamila Iliasova , Eidel Malowicki präsentierten Zitate aus den Preisträger:innen-Reden der Jüngsten (7. und 8. Schulstufe)
Die „Sag’s-Multi“-Alumni (vormalige Preisträger:innen) Fatima Kandil, Banan Sakbani, Jonathan Zarifzadeh, Berina Kulas, Kamila Iliasova , Eidel Malowicki präsentierten Zitate aus den Preisträger:innen-Reden der Jüngsten (7. und 8. Schulstufe)

„Tradition statt Multikulti? Nein! Unsere neue Tradition wird es sein, multikulturell zu sein, indem wir mehrsprachig sind. Denn ich spreche, wir sprechen, also sind wir. Vor kurzem sagte man in Frankreich im Namen der Meinungsfreiheit: „Je suis Charlie“, „Ich bin Charlie“; also sage ich es, also sagen wir es heute laut und deutlich: „Ich bin Sag’s Multi“, „Je suis Sag’s Multi“. Multikulturell, multilingual, das ist unsere Stärke, unsere Macht.“
Vincent Pellegrini, 13 Jahre; Lycée de Francais de Vienne mit Französisch und Deutsch.

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„Wenn es auf der Straße zu Explosionen und Schüssen kommt und sie zu Hause sind, gehen Sie nicht an die Fenster. Wenn eine Raketengefahr besteht und Sie es nicht bis zum Luftschutzbunker geschafft haben, gehen sie in einen Raum ohne Fenster, so dass zwischen Ihnen und der Straße zwei Wände sind.
Ich möchte, dass alles was sie hören, in Ihrer Fantasie bleibt und nie einen Platz in ihrem wirklichen Leben findet.“
Dmytro Muliar
, 13 Jahre; Mittelschule Fels-Grafenwörth in Niederösterreich, mit Ukrainisch und Deutsch.

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„Wir müssen achtsam sein und genau hinsehen! Psychische Probleme, Depressionen, Essstörungen, und, und, und haben nicht nur die anderen: Es gibt unter uns viele Freundinnen und Freunde, die leiden, ohne dass wir es merken. Oft kommt die Erkenntnis, dass etwas nicht stimmt, ganz einfach zu spät. Öffnen wir also unsere Augen und Herzen!“
Lena-Sophie Romirer, 13 Jahre; Mittelschule Ebenfurth (NÖ), wechselte zwischen der erlernten Fremdsprache Englisch und Deutsch.

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„Es ist gut, dass wir Burgenlandkroaten Fernsehen, Radio, Zeitungen und auch den Unterricht in unserer Muttersprache zugestanden bekommen haben, doch leider kam das alles wegen der Assimilation in den 70er- und 80er-Jahren zu spät. Unsere Sprache stirbt also offenbar langsam aus.
Daher appelliere ich an alle Burgenlandkroatinnen und Burgenlandkroaten, die sich ihrer Sprache und ihrer Identität bewusst sind, von ganzem Herzen: Sprecht und bewahrt eure Sprache!
Und das Wichtigste: Seid stolz auf eure Sprache, denn sie ist der größte Reichtum, den euch niemand nehmen kann.“
Lorenz Palatin
, 13 Jahre; Zweisprachiges Bundesgymnasiums in Oberwart/Felsöör/Borta – im Burgenland mit Burgenlandkroatisch und Deutsch.

Alphabetisch sortierte übersichtliche Liste dieser Preisträger:innen in der Info-Box unten am Ende.

Sediqa Saeedi bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses

„Kann mich glücklich schätzen, dass ich hier in Österreich in die Schule gehen darf“

ﻣﻦ اﻣﺮوز اﯾﻨﺠﺎ ھﺴﺘﻢ ﺗﺎ در ﻣﻮرد ﻣﻮﺿﻮع ﺣﻘﻮق ﺑﺸﺮ ﺻﺤﺒﺖ ﮐﻨﻢ. ﻣﻦ ﻣﯽ ﺧﻮاھﻢ اﻣﺮوز اﯾﻨﺠﺎ ﻧﮫ ﻓﻘﻂ ﺑﺮای

ﺧﻮدم، ﺑﻠﮑﮫ ﺑﮫ ﻧﻤﺎﯾﻨﺪﮔﯽ از دوﺳﺘﺎﻧﻢ در اﻓﻐﺎﻧﺴﺘﺎن ﮐﮫ ﺻﺪاﯾﯽ ﻧﺪارﻧﺪ و اﺟﺎزه ﺣﻀﻮر در اﯾﻨﺠﺎ را ﻧﺪارﻧﺪ، .ﺻﺤﺒﺖ ﮐﻨﻢ

Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich darf heute hier über das Thema Menschenleben – Menschenrechte – Menschenpflichten sprechen. Ich möchte heute hier nicht nur für mich sprechen, sondern stellvertretend für meine Freundinnen in Afghanistan, die keine Stimme haben und hier nicht stehen dürfen.
Ich bin Sediqa Saeedi. Ich bin 15 Jahre alt und vor drei Jahren aus Afghanistan nach Österreich gekommen. Ich gehe in die vierte Klasse der MSI Feuerbachstrasse.

مدت سھ سال میشود کھ در اتریش آمدم و کلاس چھارم Msi Feuerbachstraße ھستم

اصلاً حقوق بشر چیست؟ وظایف انسان چیست؟

Als ich mit meiner Vorbereitung für die Rede begonnen habe, habe ich mich gefragt? Was bedeutet das überhaupt Menschenrechte? Und was sind Menschenplichten? Ich habe dazu mit Freundinnen und MitschülerInnen gesprochen. Zuerst in Österreich.
Meine MitschülerInnen haben gesagt: Weiß ich nicht, was das ist? Ich kenne das nicht. Und dann habe ich meinen Freundinnen in Afghanistan geschrieben. Und die haben das sofort gewusst: Menschenrecht bedeutet, dass wir die gleichen Rechte wie Männer haben, dass wir in Freiheit, in Sicherheit und in Frieden leben dürfen, und dass wir zur Schule gehen dürfen.
Wissen wir und schätzen wir erst dann, was Menschenrechte sind, wenn sie uns weggenommen werden?

ماده 1 اعلامیھ جھانی حقوق بشر بیان می کند کھ ھمھ افراد بشر آزاد بھ دنیا می آیند و از نظر حیثیت و

.حقوق برابر ھستند

.ماده 3 می گوید ھر کس حق حیات، آزادی و امنیت شخصی دارد

.و ماده 26 می گوید کھ ھر کس حق دارد از آموزش و پرورش برخوردار شود

.یعنی دوستان من و بسیاری دخترای دیگھ در افغانستان ھمھ این حقوق را از دست داده اند

Sediqa Saeedi bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses
Sediqa Saeedi bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses

Ich bin in Herat, Afghanistan aufgewachsen. Ich wusste damals noch nicht, was Menschenrechte sind. Ich habe mit meiner Freundin Naz in der gleichen Straße gewohnt, nur 5 Minuten voneinander entfernt. Es war nicht sicher in die Schule zu gehen, aber wir sind trotzdem jeden Tag gegangen. Obwohl wir Angst vor Bomben und Angriffen hatten. Meine Freundin Naz war die beste in der Klasse, heute darf sie nicht mehr in die Schule gehen.

Am Nachmittag sind wir mit dem Fahrrad in unserer kleinen Straße gefahren. Meine Freundin darf heute nicht mehr Fahrrad fahren und nur verhüllt und in Begleitung eines Mannes auf die Straße. Was glauben Sie? Wie fühlt sie sich jetzt? Was wird aus ihr und ihren Träumen? Das Recht auf Freiheit, Frieden, Sicherheit und gleiche Rechte unabhängig von Herkunft und Religion ist in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt.

دوستم نازی ھم سن و سال من ورزشکار بود، ژیمناستیک می کرد. او دیگر اجازه این کار را ندارد. او در

مدرسھ خیلی خوب بود و می خواست مثل من دکتر شود، اما دیگر امکان پذیر نیست. این من را بسیار ناراحت

ﻣﯽ ﮐﻨﺪ، اﻣﺎ ﺑﮫ ھﻤﯿﻦ دﻟﯿﻞ اﺳﺖ ﮐﮫ ﻣﻦ اﻣﺮوز اﯾﻨﺠﺎ ﺻﺤﺒﺖ ﻣﯽ ﮐﻨﻢ ﺗﺎ ﻧﺸﺎن دھﻢ ﮐﮫ داﻧﺴﺘﻦ ﺣﻘﻮق ﺑﺸﺮ و .

. ﻣﺒﺎرزه ﺑﺮای آﻧﮭﺎ ﭼﻘﺪر ﻣﮭﻢ اﺳﺖ .

Sediqa Saeedi bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses
Sediqa Saeedi bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses

Menschenrechte zu leben bedeutet, dass wir in Respekt und Solidarität miteinander leben. So bin ich aufgewachsen. Es war in meiner Familie immer wichtig respektvoll und freundlich mit anderen zu sein. Zu helfen, wenn andere in Not sind. Egal wer sie sind, ob reich oder arm. Das hat mich geprägt. Nur wenn es anderen gut geht, dann geht es uns auch gut.

Wenn wir Menschenrechte, sowie in Freiheit und Sicherheit leben möchten, haben wir nicht dann auch die Pflicht die Rechte anderer zu wahren und zu respektieren?

ھفتاد و پنج سال پیش در دسامبر گذشتھ، مجمع عمومی سازمان ملل متحد اعلامیھ جھانی حقوق بشر را

تصویب کرد. این یک پروژه بزرگ صلح بود کھ پس از جنایات جنگ جھانی دوم ایجاد شد. امروزه دیگر در
سیاری از کشورھا حقوق بشر رعایت نمی شود، جنگ ھا بیشتر و دموکراسی ھا کمتر است. اما حتی در

اروپا کھ خود را خوش شانس می دانیم کھ رفاه، دموکراسی و حقوق بشر داریم، اینھا تضمین نمی شود. روز

.بھ روز صداھای بیشتری شنیده می شود کھ می گویند حقوق برابر امکان پذیر نیست

Artikel 29 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte legt fest, dass
– jeder Pflichten gegenüber der Gemeinschaft hat,
–  jeder die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten Anderer zu sichern hat und
– für das allgemeine Wohl in einer demokratischen Gesellschaft beizutragen hat.

Wenn wir unsere Menschenrechte und -pflichten vergessen, ist dann nicht auch unsere Demokratie, unser Frieden und unser Wohlstand hier in Österreich gefährdet?

Als ich meinen Mitschülerinnen erklärt habe, was Menschenrechte sind, haben sie gesagt, „ja, wir möchten das Recht haben, nicht in die Schule gehen zu müssen. Ich will nicht in die Schule gehen, ich habe keinen Bock.“

Sediqa Saeedi bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses
Sediqa Saeedi bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses

ھمھ ما وظیفھ داریم برای حقوق بشر مبارزه کنیم و صدای خود را بلند کنیم. ما ھمچنین وظیفھ داریم برای

دفاع از حقوق و آزادی دیگران دفاع کنیم. این بدان معنا نیست کھ ما باید با سلاح بجنگیم. اما حق آموزش و

حق یادگیری ارزش حقوق بشر شاید بتواند بھ صلح و رفاه بیشتر کمک کند. و نھ اینکھ مردم فقط زمانی از آن

.شوند کھ آن را از دست داده باشند اگاه

Ich wachse in zwei Welten auf, ich kann mich glücklich schätzen, dass ich hier in Österreich sein kann, in Frieden, in Sicherheit und in die Schule gehen darf. Ich habe den Vergleich mit Afghanistan und weiß, dass es nicht selbstverständlich ist.

Wenn ich höre, dass Kinder hier nicht zur Schule gehen wollen, macht mich das traurig, besonders wenn ich an die Mädchen in Afghanistan denke, für die das ein Traum wäre in die Schule zu gehen. Artikel 26 der Menschenrechtserklärung legt das Recht auf Bildung fest. Aber er sagt auch, dass die Achtung vor den Menschenrechten gestärkt werden muss.

Lernen wir hier in Österreich in der Schule genug, über die Bedeutung von Menschenrechten und unsere Pflichten für diese einzutreten? Ich glaube nicht.

Sediqa Saeedi bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses
Sediqa Saeedi bei ihrer Rede im Festsaal des Wiener Rathauses

من از اصالتم اینکه امروز می توانم حق انسانی خود را برای تحصیل و آزادی زندگی کنم سپاسگزارم. امیدوارم در

مورد حقوق بشر و مسئولیت های انسانی بیشتر بیاموزیم و با صدای بلند صحبت کنیم که کدام حقوق در همزیستی

!ما مهم است. امیدوارم امروز بتوانم سهم مهمی در این امر داشته باشم. و خیلی ها را به فکر وادار کنم!

Ich bin „Sag‘s Multi“ sehr dankbar für diese Möglichkeit, heute hier zu stehen und über Menschenrechte zu reden. Ich habe am Anfang gesagt, dass ich heute stellvertretend für viele Mädchen aus Afghanistan spreche. Ich bitte alle die hier heute zuhören, über unsere Menschenrechte und unsere Pflichten nachzudenken, zu diskutieren und nachzulesen, wie wir diese besser schützen können. Und ich appelliere an alle, die die Macht haben etwas zu verändern, Menschenrechtsbildung in Kindergärten, Schulen und Arbeitsstätten zu stärken.

Danke für ihre Aufmerksamkeit!

Dymtro Muliar bei seiner Rede im Festsaal des Wieenr Rathauses

„Das ist eine schwierige Rede, aber es ist meine Mission“

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mein Name ist Dmytro, ich bin 13 Jahre alt. Дуже дякую за ще одну можливість бути почутим.
Ich kam zu Beginn einer umfassenden russischen Invasion im Jahr 2022 von der Hafen-Stadt Odessa nach Österreich.

Jetzt möchte ich Ihnen erzählen, wie es ist, in meiner Heimatstadt zu leben, die unter Beschuss von Raketen und Drohnen steht. Я б не хотів щоб в мене був такий досвід військового часу. Ich habe viel Wissen über den Krieg gewonnen, über Maßnahmen, die unter Beschuss Leben retten können, über das Überleben – dieses Wissen würde ich am liebsten vergessen.

Ich möchte, dass alles, was Sie hören, in Ihrer Fantasie bleibt und nie einen Platz in Ihrem wirklichen Leben findet.

Dymtro Muliar bei seiner Rede im Festsaal des Wieenr Rathauses
Dymtro Muliar bei seiner Rede im Festsaal des Wieenr Rathauses

In Odessa waren bereits am Morgen des 24. Februar 2022 die ersten Explosionen von Fliegerbomben und Raketen zu hören. В нашому сонячному, південому місці люди зрозуміли, що прийшла смерть і війна. Я вперше бачив, що мої рідні, мої дорослі – НАЛЯКАНІ.  Весь час, як фон, твої думки супроводжує небезпека.

Alle versammelten sich, unser Volk und das Militär stoppten den russischen Angriff 100 km von Odessa entfernt und stoppten die Landung vom Meer aus. Було дуже небезпечно.Meine Mutter und ich kehrten erst im Sommer 2023 nach Odessa zurück, zu meinem Vater. Das Treffen war sehr emotional, da unsere Familie vor dem Krieg glücklich lebte und nie getrennt war!
Doch der Beschuss durch Raketen und Drohnen hörte nicht auf. Jeden Tag liefen wir zur Tiefgarage und saßen dort. Alarme traten 4 bis 5 Mal täglich für 1 bis 2 Stunden auf. Manchmal warteten wir nur auf zusätzliche Informationen darüber, WAS flog und WO wurde angegriffen.
WARUM fragen Sie sich vielleicht? Es ist logisch, sich zu verstecken, wenn Gefahr droht … Dazu gehört Erfahrung,

Dymtro Muliar bei seiner Rede im Festsaal des Wieenr Rathauses
Dymtro Muliar bei seiner Rede im Festsaal des Wieenr Rathauses

Der heftigste Beschuss findet meist nachts statt. Aber Sie verstehen, dass es unmöglich ist, JEDE NACHT wach zu bleiben. Der menschliche Körper hat seine Grenzen. Manchmal habe ich tief und fest geschlafen. Mein Vater legte sich neben mich und umarmte mich mit seinem Körper, als würde er mich mit einer Decke zudecken.

Kürzlich ereignete sich in meiner Stadt eine Tragödie – eine russische Drohne stürzte in ein Hochhaus. Als die Toten unter den Trümmern hervorgeholt wurden, lagen die Leichen so, dass die Eltern die Kinder mit ihren Körpern zudeckten. Damals starben 5 Kinder und 16 Erwachsene – normale, friedliche Familien.

Dymtro Muliar bei seiner Rede im Festsaal des Wieenr Rathauses
Dymtro Muliar bei seiner Rede im Festsaal des Wieenr Rathauses

Das ist eine schwierige Rede, aber es ist meine Mission, dass möglichst viele Menschen erfahren, wie die Ukrainer jeden Tag leben. In Odessa gibt es Flugabwehrmaßnahmen. Ohne diesen Schutz gäbe es meine Stadt nicht mehr. Es gibt viele Beispiele – als von ehemals blühenden Städten nur noch Ruinen übrig blieben.

Mein Vater bleibt in Odessa und hilft dem Militär, ich lerne online an der Schule in Odessa und sehe jeden Tag Informationen über Gefahren, Unterrichtsausfälle und Videos aus dem Luftschutzbunker der Schule. Die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer. Die Russen bombardieren unsere friedliche Stadt mit Streubomben. Friedliche Menschen sterben, Familien sterben, Kinder sterben.

Diesen Sommer beschlossen meine Eltern, mich nicht mit nach Hause zu nehmen. Ich werde meinen Vater diesen Sommer nicht umarmen können.

Eine der Pappfiguren mit Sprüchen zu Kinderrechten

„Denk dir die Welt bunt – gemeinsam sind wir stark!“

135 Kinder-Gemeinderät:innen bzw. -parlamentarier:innen aus 18 steirischen Städten und Orten trafen einander am Wochenende (Mitte Juni 2024) in Bruck an der Mur trafen. Unter dem Motto: „Denk dir die Welt bunt – gemeinsam sind wir stark!“, tauschten sich die Vertreter:innen ihrer Altersgruppe über ihre Anliegen aus, speziell zum Thema Teamgemeinschaft und den Kinderrechten und sie verfassten dazu Botschaften.

Der jährliche Kindergipfel des 21. Jahrhunderts (es hatte schon in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts Kindergipfel – immer in Mürzsteg gegeben) fand bereits zum 16. Mal statt. Im Fokus des Kindergipfels stehen stets die Wertschätzung für die Arbeit in einem Kindergemeinderat oder Kinderparlament sowie die Kinderrechte.

Großgruppenbil der Kinder-Parlamentarier:innen
Großgruppenbil der Kinder-Parlamentarier:innen

Kinderrechte – noch immer zu wenig bekannt

Welche Kinderrechte gibt es – trotz der Tatsache, dass die von der Staatengemeinschaft in der UNO beschlossenen Kinderrechtskonvention (KRK) heuer ihren 35. Geburtstag feiert, erfahren zu wenige Kinder davon. Was bedeutet Teamgemeinschaft? Und was haben beide Themen miteinander zu tun?

Kinder haben beispielsweise das Recht auf Bildung, Gleichheit, freie Meinungsäußerung. So steht es in der Konvention. In einem Team können zum Beispiel gemeinsam Lösungen gefunden und neue Perspektiven erarbeitet werden. Bildung fördert außerdem soziales Miteinander, was wiederum die Teamgemeinschaft stärkt. Wenn jede:r fair behandelt wird, fördert das ebenso ein gutes Miteinander als auch Wertschätzung innerhalb eines Teams.

Workshops

All diese Fragen und was sie selbst auch dafür tun können, haben die Kindergemeinderät:innen und -parlamentarier:innen versucht in verschiedenen Workshops zu bearbeiten: Comics, Schnitzeljagden, Akrobatik bis zur kreativen Gestaltung von Figuren. Die Botschaften der Kinder zum Thema Teamgemeinschaft werden in Bruck an der Mur auf Figuren an verschiedenen Orten platziert und so sichtbar bleiben. Passant:innen sollen zum Nachdenken angeregt werden.

Damit alles gut dokumentiert wird und Kinder Presseluft schnuppern können, gab es neben den Workshop-Gruppen ein eigenes Kinderredaktionsteam, das die gesamte Veranstaltung begleitete.

Begrüßung der Kinder-Vertreter:innen
Begrüßung aller Kinder-Gemeinderät:innen und -Parlamentarier:innen durch einige von ihnen selbst

Messages

Die zentralen Botschaften der Kinder, die auf die Figuren geschrieben wurden, lauten:

Begleitet und organisiert wurde das steirische Gipfeltreffen von beteiligung.st, der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Bürger:innenbeteiligung in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Bruck an der Mur sowie dem Kinderparlament Bruck an der Mur. Heuer beteiligten sich folgende Kindergemeinderäte und -parlamente: Bruck an der Mur, Eibiswald, Eisenerz, Feldkirchen bei Graz, Fernitz-Mellach, Fohnsdorf, Gössendorf, Graz, Hart bei Graz, Kapfenberg, Lebring-St. Margarethen, Obdach, Raaba-Grambach, Riegersburg, St. Stefan im Rosental, Tillmitsch, Weiz und Wildon.

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Aufgeweckte junge Buch-Jurorinnen

„Heimlich mit Taschenlampe bis 5 Uhr früh gelesen“

Am Mittwoch (19. Juni 2024) stellen Kinder und Jugendliche ihre Lieblingsbücher vor. Das ganze Schuljahr über haben sie – geteilt in Jüngere und Ältere – Bücher gelesen, darüber diskutiert, Punkte vergeben – für Inhalt genauso wie für den Stil bis hin zur Gestaltung des Buchcovers. Und ihre Entscheidungen getroffen. Auch wenn diese schon feststehen, hier sei nicht gespoilert.

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte schon vor einigen Wochen bei einem Mittwoch-nachmittäglichem Treffen im Atelier Plateau dabei sein. Die „Literaturbagage“ wie sich diese Initiative junger kritischer Leser:innen nennt, hat hier ihr Hauptquartier. In Regalen stehen alle Bücher – in mehrfacher Ausfertigung -, damit jede und jeder eines mit nach Hause nehmen, sich zu Gemüte führen kann, um danach darüber in den gemeinsamen Runden zu reden.

Omar und die vielen Tiere

Beim Lokalaugen- und -ohrenschein besprechen die Jüngeren – Mia Leonor, Suren Leopada und Carla Mira – mit Sara, die an diesem Tag die Gruppe leitet „Planet Omar – Nichts als Ärger“. Im Stil der seit eineinhalb Jahrzehnten erfolgreichen Comic-Romane, von denen wohl Gregs Tagebuch die bekanntesten sind, schreibt Zanib Mian (Deutsch: Ann Lecker; illustriert von Nasaya Mafaridik) über Troubles von Omar, seinem nervigen kleinen Bruder…

Die drei jungen, kritischen Leserinnen, die es nicht immer auf ihren Sitzen hält und sie quirlig durch den Raum laufen, während sie erzählen, „finden die Geschichte toll“, „vor allem, weil Zirkus und viele Tiere vorkommen“, „und Omar sich im Kopf viele Sachen ausdenkt“, „und es einen Wissenschaftstag mit chemischen Experimenten gibt“,…

Jedenfalls hat das Buch alle drei so fasziniert, dass eine gleich „heimlich mit einer Taschenlampe unter der Decke bis 5 Uhr früh gelesen“ hat. Um keinen Wickle mit Eltern zu provozieren sei jetzt hier auch nicht verraten, wer von diesem Trio das war 😉

Elternstreit

Ein häufig in Jugendbüchern vorkommendes Thema sind streitende Eltern oder langweilige Sommerferien – die dann doch eine Wendung nehmen. Beides kombiniert Tamara Bach in „Honig mit Salz“. Und dieses Buch diskutieren die Älteren der beiden jungen kritischen Leser:innen – an diesem Nachmittag übrigens ohne die beiden Jungs, die auch zu dieser Gruppe gehören. Mia, Delia, Amélie, Sara und Talitha diskutieren mit Greta und Sara (zufällige Vornamensgleichheit mit einer der Jugendlichen dieses Buch.

„Das liest sich schnell“, fällt als erste Einschätzung. Die 13-jährige Ari „kann sich gut wegträumen und ausmalen, wie ein Urlaub mit ihrer besten Freundin Elif viel schöner wäre“, bringt eine weitere junge Jurorin als Beschreibung des Buches ein. „Ein bisschen ist es aber auch so geschrieben, als würde Ari von außen betrachtet werden“, weil „ihre Gedanken nicht als Ich-Erzählerin beschrieben werden“. „Ein bisschen deprimierend“ seien einige Passagen schon“, fällt als Stimmungs-Wiedergabe der Schilderung von Aris Urlaub, der dann letztlich doch eine spannende Wendung erlebt.

Offener über Bücher sprechen

Schon da zeichnet sich aber ab, dieses Buch wird aller Voraussicht nach nicht der Favorit für die Preisverleihung werden – so viel darf schon verraten werden.

Die Zusammenkünfte gefallen den jungen, kritischen Leserinnen, „in der Schule ist es eher schwierig, ausführlich über Bücher zu diskutieren. Hier kann man leichter sagen, wenn dir etwas nicht so besonders gefällt oder du mit dem einen oder anderen Buch gar nicht zufrieden bist“, erfährt Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Screenshot aus einem Video von Buchblogger Adam Elkist
Screenshot aus einem Video von Buchblogger Adam Elkist

Buch-Blogger

Zu dieser Jury gehört übrigens auch Adam Elkist. Der 14-Jährige stellt seit ein paar Jahren alle paar Tage ein Buch auf TikTok und Instagram vor, früher auch auf YouTube.

Vier junge Frauen sitzen auf einer Bank: Anna Pech, Sara Schausberger, Kathi Pech, Greta Egle 
Vier junge Frauen sitzen auf einer Bank: Anna Pech, Sara Schausberger, Kathi Pech, Greta Egle 

Zweite Generation

Die schon erwähnten Sara Schausberger und Greta Egle, die an diesem Nachmittag die Buchdiskussionen leiteten sind – gemeinsam mit Anna und Kathi Pech – Gründerinnen der „Literaturbagage“ – und waren schon als Kinder Teil der damals von Mirjam Morad ins Leben gerufenen Jury der jungen LeserInnen. Nach deren frühem Tod haben sie die Buchdiskussionen neu auferstehen lassen – Link zu einer Story darüber weiter unten.

SommerLeseClub

Wiens städtishe Büchereien starten mit heute – 17. Juni 2024 – einen SomemrLeseClub mit Sammel-Pickerlheft – mehr dazu ein einem eigenen Beitrag, Link unten.

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Lesende Kinder

Lesen – bewerten – Pickerl sammeln und gewinnen

Nicht nur für die Fußball-Europameisterschaft der Männer können derzeit Pickerl gesammelt werden. Wiens städtische Büchereien starten mit 17. Juni (2024) den „SommerLeseClub“. In jeder der drei Dutzend Bücherei kannst du dir – wenn du zwischen 6 und 14 Jahren bist – ein Pickerlheft mit dem Titel „Auf der Suche nach dem Mut“ (gestaltet von Esma Bošnjaković) holen.

So geht‘s

Um dir ein Pickerlheft holen zu können, brauchst du eine gültige Büchereikarte – die für alle bis 18 Jahre gratis ist. Dann suchst du dir in der Bücherei etwas aus – das muss gar nicht nur Gedrucktes (Bücher, Comics, Zeitschriften) sein, auch eBooks, Hörbücher, Musik, Konsolenspiele, Filme oder Veranstaltungen zählen.

Titelseite des Sammel-Pickerlheftes
Titelseite des Sammel-Pickerlheftes

Du gibst deine Meinung ab, wie dir das Ausgesuchte gefallen hat – in einem Bewertungsbogen. Für jede Bewertung kriegst du ein Kuvert mit drei Überraschungspickerl für das Heft.

Lesende Kinder
Lesende Kinder

Am Ende nehmen alle, die bis 14. September eine Bewertung in einer der Büchereien abgegeben haben, an einer Verlosung (kleine Preise, darunter natürlich viele Bücher) teil. Um das Heft leichter zu füllen, finden Tauschbörsen in den Büchereien statt. Gewinnen wirst du sowieso jedenfalls – Spaß beim Lesen, hören, spielen, kleben, vielleicht auch tauschen 😉

Jury der jungen Leser*innen

Übrigens: Diese Woche – am 19. Juni 2024 – gibt die Jury der jungen Leser*innen ihre Buch-Favoriten bekannt. Das ganze Schuljahr über haben lesefreudige Kinder bzw. Jugendliche in zwei Altersgruppen viele Bücher gelesen, darüber diskutiert und je ein Lieblingsbuch ausgewählt. – Link zu einem Bericht von einem Besuch bei dieser „Literaturbagage“ vor einigen Wochen unten.

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buechereien.wien -> SommerLeseClub

Szenenfoto aus "Kim" - ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Wie ist es, eine Roboterin zu spielen?

Spät, aber doch kommt nun das hier anlässlich der Stück-Besprechung „KIM“ – ein Stück über künstliche Intelligenz“ versprochene Interview mit Inés Cihal, die darin – im THEO – Theaterort Perchtoldsdorf – diese KIM spielte. Link zur Stück-kritik am Ende des Interviews.

KiJuKU: Was war das Schwierige daran, eine künstliche Intelligenz zu spielen?
Inés Cihal: Es war für mich eine sehr spannende Rolle, da man sie anders angeht als andere Rollen, die menschlich sind. Zuerst fragt man sich: Wie spielt man einen Roboter? Das muss wirklich zu 1000% sitzen. Wenn da irgendeine menschliche Bewegung oder ein Zucken reinkommt, ist sofort die Illusion geraubt, dass man ein Roboter ist. Ich habe mich körperlich sehr viel vorbereitet. Dann habe ich mit der Regisseurin geredet, wann die KIM sehr roboterähnlich ist, wann sie sich ein bisschen wandelt, vielleicht von der Lotte (der menschlichen Spielpartnerin) ein paar Körperlichkeiten annimmt, und wann sie menschlicher wird.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – rechts die Roboterin, deren Bewegungen im Verlauf des Stücks menschlicher werden

Sie wird im Verlauf des Stückes ein bisschen menschlicher, sie reagiert schneller und kann auch schneller sprechen. Die Bewegungen werden auch flüssiger. Ich habe geforscht, welche Bewegungen ich mit dem Körper machen kann – sehr kantige und zackige – und wie ich die Arme und verschiedenen Gelenke bewegen kann. Außerdem habe ich mir auch viele Filme und Videos von Maschinen angesehen, die es jetzt gibt. Es gibt mittlerweile Roboter, die sehr menschlich ausschauen, eine Silikonhaut haben, Haare am Kopf tragen und einen Bart haben. Auch die Mimik und Gestik von Maschinen habe ich mir angeschaut, weil die nicht so viel Mimik und Gestik wie wir haben, wobei es mittlerweile schon Roboter gibt, die sehr viel Mimik und Gestik haben.

KiJuKU: Wie lange hat die Vorbereitung insgesamt gedauert?
Inés Cihal:Wir haben 5 Wochen für das Stück geprobt. Das Stück habe ich im Dezember geschickt bekommen und hab das damals natürlich sofort gelesen, mir Notizen gemacht und den Text ein bisschen angelernt. Wenn man für ein Stück brennt und wenn einem etwas gefällt, möchte man gleich starten und daran arbeiten.

KiJuKU: Wie hast du dich stimmlich vorbereitet?
Inés Cihal: Wie sich das Navi im Auto oder Siri anhört, haben mir geholfen. Oder generell KI, die man mittlerweile schon viel am Handy hat. Da habe ich versucht, die Klangfarbe, die Geschwindigkeit und das exakte Sprechen anzunehmen. Vor allem diese Ruhe als Maschine zu haben. Als Mensch bewegen wir uns so viel und haben viele Füllwörter und als Maschine hat man das gar nicht. Da musste ich mich wirklich sehr konzentrieren. Ich bin diese eine Stunde, die wir da spielen, komplett fokussiert. Beim Proben war es manchmal witzig, wenn wir da vier oder fünf Stunden geprobt haben und ich immer dieses Grinsen im Gesicht habe und irgendwann auf der rechten Seite der Mundwinkel ein bisschen zu zucken begonnen hat. Es ist körperlich schon sehr anstrengend, eine Maschine zu spielen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – links Inés Cihal

KiJuKU: Deine persönliche Meinung zu KI?
Inés Cihal: Ich finde, KI hat ihre Vor- und Nachteile. Wie wir es im Stück zeigen, ist es natürlich ein Vorteil, wenn die KI zum Beispiel in Altersheimen die SeniorInnen betreuen kann. Menschen haben ihre Emotionen und werden irgendwann müde. Eine KI denkt sich nicht: Ah den mag ich jetzt nicht so und zu dem möchte ich nicht gehen und den Tee bringen. Wenn wir uns aber vorstellen, dass die KI von Menschen erschaffen wird und von ihnen lernt… – wir wissen, dass Menschen gut und böse sind. Dann ist die Frage: Was nimmt die KI an und was nicht? Könnte da eine Fehlprogrammierung passieren? Wir kennen ja viele Filme, wo es darum geht, dass Roboter die Menschheit bekämpfen wollen. Ich denke für manche Dinge ist es gut und für manche Dinge ist es nicht so gut. Ich hoffe, dass die Entwicklung in die positive Richtung geht und wir uns irgendwann nicht ärgern und fragen werden, warum wir das getan haben.

KiJuKU: Welche Rolle würdest du in Zukunft gerne spielen?
Inés Cihal: Es gibt so viel, was interessant wäre. Ich spiele gerne viel verschiedene Sachen und Facetten – gut, böse, verrückt, lustig und traurig. Von Filmrollen her gibt es sicher auch einige, die noch gar nicht geschrieben worden sind. Ich bin auch ein großer Fan von Drama und Thriller, aber ich liebe auch Musical.
Beim Theater gäbe es Rollen wie beim Jedermann, nicht die Buhlschaft, die jede Frau spielen will, sondern den Teufel, den finde ich toll. In einem Musical wäre es die Christine vom „Phantom der Oper“. Im Film zum Beispiel eine Agentin wie in „Salt“. „Romeo und Julia“, das kennt jeder, aber das ist auch so ein schönes Stück. Oder die „Liebelei“ von Arthur Schnitzler, wo ich auch gerne die Christine spielen würde. Es gibt so viel tolle Stücke und Filme. Musical und Gesang sind mir auch sehr wichtig und es gäbe auch einige Musicals, bei denen ich gerne mitwirken würde. Ich bin für alles offen.

Stefanie Kadlec, 18

Viele Spiele zum Ausborgen - samt Service des Erklärens bei der wienXtra-spielebox

Cosplay, Brettspiele, Gaming und Retro-Computer-Spiele

Viele (Rollen-)Spieler:innen (Cosplay) in fantasievollen Kostümen, direkt aus Mangas, Spielen und Filmen entsprungen und lebendig geworden, tummeln sich auf allen Ebenen des Spielefestes. Dazu rund 2000 (Brettspiele), die bei der Spielothek bzw. der wienXtra-spielebox ausgeborgt, ausprobiert und durchgespielt werden können. Wer braucht, kann auch Erklärungen und Hilfe bekommen.

Das Spielefest, zu dem der Weg von der U1-Station Kaisermühlen / Vienna International Centre unübersehbar ist, weil mit vielen Aufklebern auf dem Boden bzw. den Stiegen, bietet aber auch einen ganzen riesigen Saal für Computer-Spieler:innen bzw. für solche, die anderen beim wettbewerbsmäßigen Gaming zuschauen wollen.

Historische Games

In einem kleineren Raum können außerdem Computerspiele der vergangenen 30 Jahre auf den entsprechenden Geräten und Konsolen gespielt werden – das Kautzner Computermuseum (Niederösterreich) hat einige seiner Sammlerstücke und Hands-on-Exponate für das Mitte-Juni-Wochenende nach Wien gebracht. Gleich einen Raum weiter gastiert auch das Slovenské múzeum mit „Retro a Arcade“-Geräten und -Spielen.

Unter dem Dach vor dem ACV finden sich mehr als ein Dutzend mobile Verpflegungs-Stände – von Fleisch über vegan bis zu Süßem. Und über dem großen Eingangstor laufen auf einem großen Screen die jeweils aktuellen Fußballspiele der Europameisterschaft der Männer.

Follow@kiJuKUheinz

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Szenenfoto aus !All about me, kein Leben nach mir" vom aktionstheater ensemble

Gibt’s noch was anderes als das eigene Ich?

Ich, ich, ich – was kümmert mich der „Rest“? „All about me – kein Leben nach mir“, die jüngste Performance von aktionstheater ensemble – nach der Vorarlberger Aufführungsserie nun in Wien im Kabelwerk (Theater am Werk) zu erleben, verknüpft wie immer von sehr persönlichen Schicksalen ausgehende Gefühle mit mehr oder minder dezenten Querschlägen zur gesellschaftlichen Entwicklung – Texte: Martin Gruber, das Ensemble sowie in diesem Fall zusätzlich Wolfgang Mörth.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „All about me, kein Leben nach mir“ vom aktionstheater ensemble

Ich-AG, hinter mit die Sintflut…

Hinter Rechtsruck(erl) bzw. mit diesem verzahnt, ihn erst ermöglichend steckt Ent-Solidarisierung. Individualisierung auf die Spitze getrieben, weniger als Freiheit der/des Einzelnen, mehr als Rücksichtslosigkeit allen anderen gegenüber. Kein neues Phänomen, erinnert sei an die „Ich-AG“ des einstigen „viel zu schönen, schlauen“ blau-schwarzen Finanzministers etwa. Oder den in Abwandlungen Jahrtausende alten Spruch „hinter mir/uns die Sintflut“.

Szenenfoto aus !All about me, kein Leben nach mir
Szenenfoto aus „All about me, kein Leben nach mir“ vom aktionstheater ensemble

Rhythmisch-choreografisches Spiel

Rhythmisch, choreografisch haben Isabella Jeschke, Andreas Jähnert, Thomas Kolle, Kirstin Schwab, Tamara Stern und Benjamin Vanyek ihre immer wieder herausragenden Solo-Auftritte aus der Gruppen-Choreo. Als Motor fungieren die überragenden Live-Musiker Andreas Dauböck (Schlagzeug, Stimme), Ernst Tiefenthaler (Ukulele), Emanuel Preuschl (Bass, elektronische Instrumente)​​​​ und Jean Philipp Viol (Geige). Wie immer mit teils extremen körperlichen Einsätzen. (Fast) alle in diesem Fall mit unterschiedlichen Clowns-Nasen – Närr:innen-Freiheit, die Wahrheit zu sagen/spielen?!

Szenenfoto aus !All about me, kein Leben nach mir
Szenenfoto aus „All about me, kein Leben nach mir“ vom aktionstheater ensemble

Seele aus dem Leib schreien, kotzen…

Tamara Stern zerreißt es schier, als sie ihren Ärger, ihre Wut, ihren Zorn vor allem über den Krieg im Nahen Osten auf hebräisch aus ihren Eingeweiden herausschreit. Thomas Kolle kommt das Speiben als Andreas Jähnert sich für den Vortrag eines Gedichtes bei Wirtschaftsbossen lobt. Da reckt’s etliche im Publikum – nur Augen zu oder Wegschauen stoppt das eigene Hochkommen-Empfinden. Und der Spruch: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte“, schießt ins Hirn.

Szenenfoto aus !All about me, kein Leben nach mir
Szenenfoto aus „All about me, kein Leben nach mir“ vom aktionstheater ensemble

(Zwangs-)Umarmung

Großartig auch Isabella Jeschke, die immer wieder darauf hinweist, dass die erzählten Geschichten der anderen (nicht nur) sie nicht interessieren könnten. Berührend vor allem aber ihre Abhandlung über Berührungen. Ob es möglich wäre, wen zu umarmen, die/der gar nicht da ist? Oder doch lieber eine/n Anwesende/n. Und so krallt sie sich Kirstin Schwab, die zuvor über die Verantwortung gegenüber (möglichen) Kindern intensiv verhandelt, und drückt sie an sich. Was der aber so ziemlich genau nicht behagt, wie sie mit ihrem Gesichtsausdruck wortlos sagt. Last, aber sicher but not least, sei Benjamin Vanyek

Szenenfoto aus !All about me, kein Leben nach mir
Szenenfoto aus „All about me, kein Leben nach mir“ vom aktionstheater ensemble

Mit seiner perfekt gespielten naiven Herzlichkeit und einer Art „Mutterwitz“ erwähnt. Wenn’s heftig werde, habe seine Mutter immer gesagt: Schlof di aus!“ Versöhnlich bringt er einen Kuchen mit Kerzen auf die Bühne – was zum Fress-Massaker samt Knabberzeugs aus einem XXL-Sackerl – und das auf den Boden gestreut und von diesem schleckend wird.

Wieder paradoxe Intervention?

Heftig der Schluss – die Bühne von den Musikern dominiert singen sie „I know, Future is gone, and the Heart filled with Stones“. Die Zukunft ist vorbei, Herzen mit Steinen gefüllt – sch… – sollten wir da nicht was dagegen tun?!

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Erde für die Blumen(tröge)

Eine Gasse wird von Autos befreit und ist nun für Menschen da

(Halb-)Kreise, Drei-, Vierecke und weitere geometrische große Formen – in gelb, orange und himmelblau zieren Gehsteig und Straße zwischen Volks- und Volkshochschule in der Galileigasse in Wien-Alsergrund. Seit kurzem. Und sie laden Kinder ein, die für Lauf- und Hüpfspiele zu verwenden. Junge Leute laden aus einem Transporter hölzerne Möbel aus – Sitzbänke ebenso wie große Blumentröge. Am Eck zur Dreihackengasse liegt ein riesiger Berg Erde. Lokalaugenschein von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… in einer neu entstehenden Spiel-, Wohn-, Lebensstraße nahe der Wiener Volksoper.

Spontane ganz junge Mithelfer:innen

Kaum sehen zwei vorbeigehende Kinder mit ihrer Mutter, dass die jungen Erwachsenen mit Scheibtruhen und Blumentöpfen Erde vom großen Berg einschaufeln, zu hölzernen neuen Blumentrögen bringen und dort einfüllen, drücken sie der Mutter die Eis-Stanitzel in die Hand. Sie wollen ihre Hände frei haben, um selbst vom Erd-Berg Einschaufeln zu können und neue Heimstätten für Blumen schaffen.

Lebensraum

Es ist Freitagnachmittag, Mitte Juni. Zwei Tage später – am Sonntag – werden noch viel mehr be-sitz- und -spielbare hölzerne Möbel hier stehen, alle großen Kisten mit Blumen bepflanzt sein. Und der Lebensraum für Menschen statt des Fahr- und Stellplatzraumes für Autos wird offiziell eröffnet, unter anderem von Bezirksvorsteherin Saya Ahmed. Die vormals von Autos befahrene Gasse wird so zum Lebensraum – nicht nur für die Kinder der Schule, Lernwillige allen Alters in der Volkshochschule, sondern natürlich auch für die Anrainer:innen dieser und benachbarter Gassen.

Essbares Beet

Freitagvormittag hatten schon Volksschulkinder ein essbares Beet bestückt – unter anderem mit Paradeis- oder wie viele sagen Tomaten-Pflanzen, Melonen und weiterem Obst und Gemüse. Für dieses Beet hatten einige ein Schild gemalt: „Kinderrecht = Bildung“.

Erhebung – Konzept – Umsetzung

Die farbenfrohe, umwelt- und lebensfreundliche Umgestaltung dieses Straßenabschnitts erfolgte als (lebens-)praktischer Teil einer Lehrveranstaltung der Technischen Universität Wien (TUW). 23 Studierende aus den Fachbereichen Architektur sowie Raumplanung haben diese Verwandlung sozusagen von der Pieke auf bis zur nunmehrigen Endfertigung durchgezogen.

Am Beginn standen wissenschaftliche Grundlagenforschung wie Verkehrserhebung, Befragungen der Anrainer:innen, der Lehrer:innen – mit der Einladung, dass die Kinder der Schule ihre Wünsche sowohl schreiben als auch zeichnen konnten. Auf diesem Fundament an Erkenntnissen wurde ein gesamtes Leitbild für diesen öffentlichen Raum erarbeitet – mit Details für Möblierung, Bepflanzung und nicht zuletzt die bunte Bodenbemalung, die auch nicht wahllos erfolgte; sondern Anleihe beim Formen in der Gasse nahm.

„Tactical Urbanism“ …

… nennen Katrin Hagen, Wissenschafterin und Lehrende am TUW-Institut für Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen sowie Jan Gartner, Verbindungsglied zwischen der Uni, der lokalen Agenda Alsergrund und seiner Agentur „Raumpioniere“, die Interessierten hilft, urbane Projekte umzusetzen, diese Taktik bzw. Methode, städtischen Raum (wieder) lebenswerter zu machen im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Coolste Lehrveranstaltung

Die Galileigasse ist das zweite Projekte, das im Rahmen dieser studienrichtungs-übergreifenden Lehrveranstaltung (Mit-Betreuerinnen Lena Hohenkamp und Bianca Pfanner) umgesetzt wird/wurde. Im Jahr davor gelang dies im Vorarlberger Hard. Stellvertretend für die 23 Student:innen schilderten Sarah Milian und Alexandra Weber ihre Beteiligung. Letztere hatte schon im Vorjahr beim ersten Projekt mitgemacht und nun freiwillig diese Lehrveranstaltung wiederholt. Erstere meinte: „Es war die coolste Lehrveranstaltung in meinem ganzen Studium.“ Und sie steht nach knapp vier Jahren fast am Ende desselben. Und dass es der Zweitgenannten mindestens genauso erging, ergibt sich von selbst, „weil’s einfach was bringt, du siehst einen Erfolg deiner Arbeit. Und die macht den Leuten Freude“.

Und sie hätten auch Praktisches für ihr Leben gelernt. „Bevor wir begonnen haben, die Möbel zu bauen, haben wir vom Tischler – Paul Amann – eine genau Einführung in die Handhabung all der Werkzeuge bekommen“, verraten die beiden. Und dass dies nicht nur für sie beide, sondern auch für viele ihrer Kolleg:innen, ziemliches Neuland war.

Werkstatt in Ex-Garage

Gesägt, gebohrt, geschraubt, geschliffen, lackiert bzw. die Blumentröge innen mit Teichfolie ausgekleidet haben die Studis übrigens in der „Garage Grande“, einem ehemaligen Parkhaus in Wien-Ottakring (Deinhardsteingasse/Abelegasse). Nachdem die Garage für die immer größer und breiter werdenden Autos zunehmend unbrauchbar geworden ist, hat die Gebietsbetreuung Stadterneuerung das mehrstöckige Gebäude übernommen und es zu einer Brutstätte für nachhaltige Projekte und Ideen gemacht. Die reichen von einer Fahrradwerkstatt über Pläne und Modelle für Umgestaltungen von Stadträumen – unter anderem den Westbahnpark -, künstlerische Gestaltungen, Pflanzen- und Kräuterzucht… und eben den Bau der hölzernen Stadtmöbel für die Galileigasse. Motto der „Garage Grande“: „Ideen für das Stadtklima von morgen entstehen in einer Garage von gestern.“

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Szenenfoto aus "Amazonen"

Von Amazonen bis Pussy Riot

Eine schauspielende Erzählerin, ein großer Tisch mit vielen Legofiguren und Bausteinen, zwei Lampen, eine Kamera und ein großer Screen daneben. That’s it. Hier spielt sich im Theater in einer Art spannenden Schulstunde eine mythologische sowie eine (fast) historische Geschichte – beides hin und wieder mit aktuellen Bezügen – und fallweise auch im Zweigespräch mit den Kindern ab. Alles dreht sich dabei um den Kampf von Frauen um Selbstbestimmung und Gleichberechtigung.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Amazonen“

„Amazonen“, eine von den Wiener Festwochen aus Spanien eingeladene Produktion („Agrupación Señor Serrano“) in deutschsprachiger Regie (Jofre Carabén) und Spiel (Nora Jacobs) macht Hippolyta, die als Kind Architektin werden wollte, ebenso lebendig wie ihre engste Freundin Antiope. Irgendwann im Erwachsenenalter erwachen ihre Kindheitsträume wieder und sie haben es satt zu kochen, putzen, Kinder zu betreuen und so weiter. Sie machen sich – um rund 550 vor unserer Zeitrechnung – mit weiteren Frauen, die ähnlich empfinden und denken auf den Weg in Richtung Kaukasus ans Schwarze Meer und gründen in der Gegend der heutigen Nord-Türkei ihr eigenes demokratisches Gemeinwesen.

Die Herrscher im antiken Athen bekommen davon Wind, schicken eine Erkundungsmission mit Königssohn Theseus und seinem Freund Herakles (Herkules). Ersterer entführt Hippolyta. Die Amazonen wollen sie zurückholen. Verhandeln hilft nicht…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Amazonen“

Figurenspielerin, Erzählerin, Kamera- und Lichtfrau

Die genannte Performerin führt nicht nur die Legofiguren durch die verschiedenen Welten, sich richtet auch die kleine Kamera ein, die das Geschehen auf die große Wand überträgt und justiert obendrein die beiden Lampen, um die der Szene angemessene Lichtstimmung zu erzeugen. Und sie tritt zu Beginn und fallweise zwischendurch ins Gespräch mit den Kindern – die Vorstellung ist ausschließlich für ein Publikum zwischen 6 und 12 Jahren (bei Klassen dürfen Lehrpersonen mit, da sie die Aufsichtspflicht haben und einige Journalist:innen durften ausnahmsweise auch in Vorstellungen).

Und da zeigt sich, dass viele der jungen Zuschauer:innen – zumindest in jener ersten Aufführung, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… besuchen durfte, ein ziemlich gutes Gefühl für die Ungerechtigkeiten der Einteilung in sogenannten Frauen- und Männerarbeiten bzw. angebliche Mädchen- und Bubenspiele haben.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Amazonen“

2000 Jahre später

Nach rund einer halben Stunde ist die Geschichte der Amazonen vorbei. Nicht ganz; Das Stück hängt als zweite, kürzere Einheit tatsächliche, ein wenig zurechtgebogene, Ereignisse ca. 2000 Jahre später an. Mitte des 16. Jahrhunderts sind spanische Eroberer in Südamerika unterwegs. Einer der bekanntesten ist Francisco de Orellana. Der wollte für seinen König einerseits Zimt und andererseits Gold nach Hause holen. Als er auf Indigene traf, denen er Zimt abkaufen wollte, konnte er es nicht fassen, dass er mit Frauen verhandeln sollte. Es kam zu Kämpfen mit heftigen Pfeilschüssen der Frauen – weshalb ihnen die Spanier – dem antiken griechischen Mythos nach die Bezeichnung Amazonen verpassten – und später gleich den ganzen riesigen Fluss und den Regenwald Amazonas nannten.

Hin und wieder sind in den Regenwald und andere Szenen Fotos von Demonstrant:innen, Protestierenden mit Masken und Wollhauben zu sehen. Aus den vergangenen Jahr(zehnt)en (Guerilla Girls, Pussy Riot) – um eine Brücke von den Amazonen zu noch immer nötigen aktuellen Kämpfen möglichst vieler Menschen (nicht nur von Frauen) gegen Männer-Herr-schaft (Patriarchat) zu bauen. Und der Botschaft: Alle Menschen, egal welchen Geschlechts, können Amazonen sein!

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Amazonen“

Ungeklärte Namens-Herkunft

Auch wenn im pädagogischen Begleitmaterial zum Stück behauptet wird, Amazonen würde „genau genommen Stadt ohne Männer bedeuten“, heißt es auf der Online-Enzyklopädie wikipedia, dass die „Herleitung des Namens umstritten und bis heute ungeklärt“ sei. Manche führen es „auf das griechische a-mazos (ἀμαζός „brustlos“) zurück; denn die Amazonen sollen ihren kleinen Töchtern die rechte Brust verstümmelt haben, damit diese später den Bogen ungehindert abschießen konnten. Allerdings wurden Amazonen in den griechischen Darstellungen gewöhnlich mit zwei Brüsten wiedergegeben und nach Philostrat wurden sie nur nicht an der Brust gesäugt.“

Eine andere griechische Herleitung gehe auf a-maza (ἀμᾶζα „brotlos“) zurück, da sie vor allem Fleisch aßen. „Ebenfalls wurde an eine Herleitung von zone (ζώνη „Gürtel“ von ζώννυμι „gürten“) gedacht. Ama-zone bedeutete demnach etwa „wohlgegürtet“ und hätte auf die Tracht der Amazonen angespielt, die sich so auch im Mythos vom Raub des Gürtels der Hippolyte durch Herakles widerspiegelt. Erwogen wurde auch eine Zusammensetzung aus hama und zosai (ἅμα ζῶσαι) im Sinne von „zusammen lebend“.

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wikipedia -> Amazonen

Doppelseite aus "Alle für Anuka"

Kinder im PalmenClub: Die einen urlauben, die anderen arbeiten

Philip erinnert sich an den All-Inclusive-Urlaub PalmenClub am Meer. Einmal war er schon dort, da war er noch nicht einmal in der Schule. Und nun erst kürzlich. Für die Eltern keine leichte Sache. Nicht gerade billig.

Perspektiven-Wechsel

Aus seiner Sicht schildert Annette Pehnt einen Teil des Buches. Für einen anderen Blickwinkel auf das Geschehen in diesem Urlaubs-Club lässt die Autorin ihre Leser:innen in die Rolle und die Aufgaben der kaum älteren Anuka und ihrer Kolleginnen schlüpfen. „Schönmacherinnen“ ist ihr Job – Tische, Boden oder was auch immer müssen die Mädchen sauber machen und halten – und immer schön lächeln. Das trägt ihnen ihre Chefin, Susan, auf. Die selber immer einen großen Smilie im Gesicht trägt. Freundlich ist sie aber nur zu den zahlungskräftigen Tourist:innen. Zu den Kindern, die arbeiten müssen, ist sie ganz schön … naja.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Alle für Anuka“

Auf rund 130 Seiten schildert Pehnt die beiden unterschiedlichen Leben der Kinder im Strand-Hotel samt Club – Philips Sicht in schwarzer, Anukas in dunkelblauer Schrift. Das Spannende an diesem Buch ist, dass es das Leben Anukas, ihre beiden Brüder recht anschaulich schildert. Wie Mo, der Älteste Steine klopfen muss, Stefane ernsthaft krank wird, sie zwischen Job und Krankenpflege hin und her wuselt. Ihr Kollegin Valencia dabei hilft und selber in riesige Schwierigkeiten mit der Chefin gerät. Dazu gesellt sich noch Tommie, einen der Küchenjungen, den die Chefin kündigt…

Realitätsnahe

Diese Schilderungen lesen sich ganz realistisch, ohne Tränendrüsen-Drücken. Und auch ohne sehr aufgesetzt zu wirken, schließen sich gegen Ende die Kreise von Philip, Außenseiter unter den Urlaubskindern, und Anuka, Tommie, Valencia. Was und wie – das sei nicht verraten, wobei der Titel des Buches „Alle für Anuka“ ohnehin schon eine gewisse Richtung vorgibt.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Alle für Anuka“

Jede der Doppelseiten ziert oben eine illustrierte Leiste von Jutta Bauer – gleichsam gezeichnete Ausschnitte von Urlaubsbildern. Und zwischendurch eingestreut sind immer wieder so manche ganze Zeichnungen fast im Kinderstil, hin und wieder auch als Schattenbilder.

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Titelseite von
Titelseite von „Alle für Anuka“
Leas vielsprachige Zeichnung

Für die einen süß, für die anderen eher bitter…

Bei Schokolade kriegen viele Menschen glänzende Augen, das Wasser läuft im Mund zusammen; Heiß„hunger“ ist nicht selten. Gilt aber bei Weitem nicht für alle auf der ganzen Welt. Denn ein wichtiger Bestandteil von Schokolade ist Kakao. Die Bohnen in den großen Früchten des entsprechenden Baumes werden seit Jahrzehnten vor allem in den westafrikanischen Ländern Ghana und Elfenbeinküste angepflanzt. Bei den Ernten der Familien-Landwirtschaften müssen sehr, sehr viele Kinder mitarbeiten – jüngsten verfügbaren Zahlen einer Studie (2018/19) zufolge allein in Ghana 770.000 Kinder. Die Kakao-Bauern und -Bäuerinnen verdienen so wenig, dass sie keine Arbeitskräfte beschäftigen können.

Kinder, die mithelfen, versäumen dabei viele Schultage. Außerdem ist die Arbeit ganz arg gefährlich: Die Früchte, die zwei bis vier Dutzend Kakao-Bohnen enthalten, müssen mit einer scharfen Machete halbiert werden.

Das Wort für diese Pflanze und deren Früchte stammt übrigens von cacauatl (Kakaowasser) aus der süd- und mittelamerikanischen indigenen-Sprache Nahuatl ab. Archäologische Funde belegen, dass schon vor rund 5.500 Jahren in dieser Region die Früchte dieser Pflanze verarbeitet worden sind.

160 Millionen Kinder

Kindern beim Kakao-Ernten in Ghana ist eine filmische Dokumentation gewidmet, die kürzlich im ORF erstausgestrahlt worden ist; und weiter angesehen werden kann, auf ORF-On – Link dazu am Ende des Beitrages. Leider handelt es sich bei dieser rund ¾ Million Kinder „nur“ um einen Bruchteil all jener Kinder, die arbeiten müssen, um mitzuhelfen, ihre Familien zu ernähren. 160 Millionen Kinder weltweit schuften, statt in Schulen gehen und lernen zu dürfen.

Welttag gegen Kinderarbeit

Seit 2002 gibt es – immer am 12. Juni – den „Welttag gegen Kinderarbeit“, der von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die zu den Vereinten Nationen (UNO) gehört ins Leben gerufen worden ist. In diesem Jahr haben in Österreich einige Organisationen gemeinsam im sogenannten Kinderhof des Wiener MuseumsQuartiers (Fürstenhof, wo die wienXtra-Kinderinfo, das Zoom Kindermuseum sowie das Theaterhaus für junges Publikum Dschungel Wien liegen) darüber informiert. Die genannte TV-Dokumentation wurde ebenso gezeigt wie aus einem Kinderbuch vorgelesen („Bené, schneller als das schnellste Huhn“ von Eymard Toledo, Verlag BaoBab).

Fußbälle nähen

In diesem geht es um Benedito da Silva, einen Zehnjährigen, der am liebsten mit einem Dress mit der Nummer 10 Fußball spielen würde. Zwar kickt er so oft er Zeit hat, aber bei diesem Buben in Brasilien dreht sich das Leben viel mehr um Fußbälle als ihm lieb ist – er muss sie gemeinsam mit seiner Familie auch nähen. Vier bis fünf Bälle pro Tag nähen sie. „Abends legt sich Bené in seine Hängematte. Sein Traum von echten Fußballschuhen und einem Trikot wird sich vielleicht nie erfüllen. Aber er spielt kunstvoll in seinen Flip-Flops, hat seine Familie, seine Freunde und immer einen guten Ball. Gibi (ein kleines Äffchen) klettert ins Zimmer und Bené schläft zufrieden ein“, schreibt die Autorin unter anderem. Rund um dieses Buch gibt es ein ausführliches Unterrichtsmaterial zum Thema Kinderarbeit – Link zum kostenlosen Download – am Ende des Beitrages.

Alien

Auch ein kuscheliges grünes Wesen namens Blablü, seines Zeichens Handpuppe zu dem Alien aus dem gleichnamigen Bilderbuch (Text: Berith Schistek, Illustration: Leon Mang), trat auf – und erzählte von „Kindern, die gelangweilt in der Schule saßen und sich wünschten, stattdessen spielen zu dürfen, und sie sahen Kinder, die hart arbeiteten und sich wünschten, stattdessen zur Schule gehen zu dürfen.“

Kritzelkraft gegen Kinderarbeit

Rund um die Info-Zelte im MQ-Hof hingen an Leinen Kopien von Kinderzeichnungen. Für den diesjährigen Welttag gegen Kinderarbeit war der Bewerb „Kritzelkraft gegen Kinderarbeit“ ausgerufen worden. Mehr als 400 Zeichnungen aus vielen Ländern der Welt waren bei der Dreikönigsaktion eingelangt. Drei Arbeiten wurden von einer Jury so ausgezeichnet, dass sie auf Plakate gedruckt wurden. Eine der Zeichnerinnen, Isabel (10, aus Österreich) war live anwesend. Sie wollte, sagte sie – ähnlich aber auch Freundinnen von ihr, die auch Bilder gezeichnet oder gemalt hatten: Jede und jeder soll auf diesen Bildern sehen, dass es Kinder gibt, die arbeiten müssen, statt in die Schule gehen zu dürfen. Und dass wir hier sehen, wie gut wir es haben, auch wenn man manchmal keine Lust auf Schule hat – was wäre, wenn wir stattdessen arbeiten gehen müssten?! Lea hatte ihrer Zeichnung den Spruch Kinde-Arbeit stoppen! In mehreren Sprachen und Schriften hinzugefügt – die sie sich, wie sie KiJuKU verriet – „aus dem Internet zusammengesucht“ hat.

Umgekehrtes Sprayen

Etlichen Spaß machte einigen Jugendlichen bzw. Kindern, darunter der wohl Allerjüngsten die Aktion Reverse Graffiti. Eine Schablone aus Metall mit dem Schriftzug „Kinderarbeit stoppten“ hielten sie an eine besonders verschmutzte Mauer im MQ-Hof. Dann sprühten sie sauberes Wasser in die Lücken für die Buchstaben und reiben mit Bürsten an der Wand – danach war diese an den Stellen der Buchstaben viel heller als das schmutzige Umfeld – und die Schrift gut zu lesen!

Mehrere Organisationen

Die Initiative „Kinderarbeit stoppen“ besteht in Österreich aus der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, Jugend Eine Welt, Kindernothilfe Österreich, Solidar Austria (ÖGB), FAIRTRADE Österreich und Butterfly Rebels. Und neben der Aufklärung verlangt sie vor allem die Umsetzung des Lieferkettengesetzes. Demnach müssten – um zum Beispiel der Schokolade zurückzugehen – jene Unternehmen, die Schokolade herstellen, dafür sorgen, dass sie nur Kakaobohnen dort kaufen, wo unter anderem nicht Kinder arbeiten müssen.

Wertschöpfung verlagern!

Und in Wirklichkeit müsste es letztlich auch darum gehen, dass in den Ländern wo die Kakaofrüchte geerntet, die Bohnen daraus hervorgeholt, getrocknet usw. werden, auch Weiterverarbeitung stattfinden könnte – womit mehr Menschen beschäftigt, die Wertschöpfung erhöht würde und nicht nur die mickrig niedrigen Preise für die Bohnen allein bezahlt würde. So verdienen vor allem vier große Unternehmen in den USA und Europa an der Vermahlung der Bohnen und sechs Unternehmen an der Produktion von Schokolade. Vom Preis einer Schoko-Tafel gehen heute nur mehr weniger als halb so viel an die Bohnen-Produzent:innen wie vor ein paar Jahrzehnten (7 bis 11 % heute; 25 % 1985).

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Feuerwerk-kinderarbeit-fuer-bunte-sterne <- amals noch im Kinder-KURIER

kinderarbeitstoppen

bittersuesse-schokolade-kinderarbeit-in-ghana auf ORF-On

baobabbooks -> Unterrichtsmaterial zu Bene, schneller als das schnellste Huhn

Live eröffente und beschloss das Tocuyito Trio - Dalina Ugarte (Geige), Joseph Avila (Keyboard, ansonsten Klavier) und Santo Scala (Cello) - das Mediengespräch

Wiener Kultursommer erreicht neues Publikum

Dalina Ugarte an der Geige, Joseph Avial an den Keyboardtasten und Santo Scala am Cello eröffneten als Tocuyito Trio (nach der venezolanischen Geburtsstadt der Geigerin) im Arkadenhof des Wiener Rathauses das Mediengespräch zum diesjährigen Kultursommer. 500 Veranstaltungen mit insgesamt 2000 Künstler:innen auf neun Bühnen bzw. mit dabei auch „Gartenkonzerte“ in den 29 „Häusern zum Leben“, die die Senior:innen-Heime heißen.

Das Podium applaudiert dem live aufspielenden musikalischen Tocuyito Trio
Das Podium des mediengesprächs – Esra Özmen, Michael Ludwig, Veronica Kaup-Hasler, Sebastian Berger – applaudiert dem live aufspielenden musikalischen Tocuyito Trio

Aus der Not eine Tugend

Geboren aus der Not der Pandemie – in erster Linie um Künstler:innen doch unter den engen Rahmenbedingungen Auftritte zu ermöglichen – hat der Kultursommer Wien die Corona-Zeit überlebt. Kultur in viele unterschiedlichen Bezirke bringen räumlich nahe und kostenlos – dieses niederschwellige Angebot wird nun zur Dauer-Einrichtung. Nicht mit gerechnet ist da übrigens das kreuz und quer durch Wien auf Plätzen und in Höfen spielende Utopia-Theater (heuer mit Dario Fos „Bezahlt wird nicht“).

Der Kultursommer Wien bespielt dieses Mal neun Bühnen – sechs „alte Bekannte“ und drei neue: Hyblerpark (Simmering; 11. Bezirk), Wilhelmsdorfer Park (Meidling, 12. Bezirk) und Großfeldsiedlung (21. Bezirk). Vor allem in den flächenmäßig großen Bezirken würden immer wieder Standorte gewechselt, hieß es auf Nachfrage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… von Caro Madl, Co-Geschäftsführerin des Wiener Kultursommers.

Das Budget – mittlerweile im regulären des Kultur-Ressorts – beträgt wieder vier Millionen Euro, in manchen Bezirken, sagte die zuständige Stadträtin Kaup-Hasler; manche Bezirke schießen für Zusatzangebote aus ihrem Budget dazu.

Neu: Programm-Folder für jede einzelne der neun Bühnen
Neu: Programm-Folder für jede einzelne der neun Bühnen…

Gartenkonzerte bei und in Senior:innen-Heimen

Auf dem Stadtplan hinter dem Podium des Mediengesprächs zum Programm des diesjährigen sechswöchigen Veranstaltungsreigens (27. Juni bis 11. August, immer donnerstags bis sonntags) waren deutlich mehr als neun der 14-zackigen gelben Sternderln zu sehen. Weil es nicht nur die neun Bühnen, sondern wie schon eingangs kurz angeführt, zusätzlich „Gartenkonzerte“ bei den Senior:innen-Häusern geben wird – niederschwellig ohne Anreise.

Die bekannte Rapperin Esra Özmen - beim Kulturesommer Mitglied des Künstlerischen Boards für die Genres Rap, Pop & Rock
Die bekannte Rapperin Esra Özmen – beim Kulturesommer Mitglied des Künstlerischen Boards für die Genres Rap, Pop & Rock

Vielfältiges Programm

Das Programm – von Theater, Lesungen, Musik unterschiedlichster Genres, Tanz, Performance bis (zeitgenössischem) Zirkus – wurde von der bekannten Rapperin Esra Özmen (EsRap) und Sebastian Berger, Vertreter des zeitgemäßen Zirkusses, im groben Überblick vorgestellt. In allen Genres und Sparten gibt es sowohl Bekanntes bzw. von bekannten Künstler:innen als auch Neues, Experimentelles, Kunst und Kultur von Newcomer:innen. Vielfalt in Ausdrucksformen, Sprachen… ist den künstlerischen Boards der verschiedenen Sparten wichtig – wurde betont.
Neu: Für jede der neuen Bühnen gibt es einen übersichtlichen Programm-Folder.

Bunte Schuhe zweier auf dem Podium des Mediengesprächs ...
Bunte Schuhe zweier auf dem Podium des Mediengesprächs …

Studie: Neue Kulturkonsument:innen

Pilothaft befragten vier Sozialswissenschahfter:innen – Daniele Karasz, Slađana Adamović und Mark Scherner vom Institut „Search+Shape“ – im Vorjahr knapp mehr als 2000 Besucher:innen der Kultursommer-Bühne Reithofferpark im 15. Bezirk sowie Bewohner:innen des Grätzels. Mehr als die Hälfte (58%) waren extra für den jeweiligen künstlerischen Act zur Bühne gekommen, knapp mehr als vier von zehn (42%) wohnten in der Nähe; 7 Prozent waren zufällig vorbeigekommen und hatten zumindest zeitweilig das Bühnengeschehen verfolgt. Mehr als die Hälfte (54%) gab zudem an, das Programm konsumiert zu haben, weil es kostenlos ist.

In der Zusammenfassung der „Resonanzstudie als Evaluation und Potentialanalyse“ (so der Titel) heißt es: „Unsere Erhebungen zeigen, dass Personen, die sich regelmäßig im Park aufhalten, auch diejenigen sind, die sonst sehr wenig Berührungspunkte mit institutionalisiertem Kulturangebot haben. Fast keine dieser Personen gab an, sonst an Lesungen und zeitgenössischen Zirkusprogrammen teilzunehmen. Gleichzeitig besuchen sie kaum institutionalisierte Bühnenaufführungen, wie Theater, Kabaretts oder auch Konzerte in Wien. Der Kultursommer war für diese Personen einer der ersten Kontaktpunkte mit den angebotenen Formen der Bühnenkunst.“

Begrüßung in sehr vielen verschiedenen Sprachen - und Schriften - von wienXtra, DEM Wiener Programmangebot für Kinder und Jugendliche, auch Partner des Kultursommers
Begrüßung in sehr vielen verschiedenen Sprachen – und Schriften – von wienXtra, DEM Wiener Programmangebot für Kinder und Jugendliche, auch Partner des Kultursommers

Mehrsprachigkeit erwünscht

Im weiteren Verlauf der Studien-Zusammenfassung heißt es allerdings auch, dass „Orte der Kultur in den Interviews nie auf geschlossene Räume beschränkt (waren). Ganz im Gegenteil, erscheint die Zugänglichkeit des Raumes als Schlüsselmerkmal vieler genannter Orte der Kultur. So gaben Bewohner*innen des Stadtteils verhältnismäßig oft an, nicht genug Zeit und Geld für kostenpflichtige kulturelle Veranstaltungen zu haben…

Hierbei spielen die Präferenz für die Muttersprache und die Verfügbarkeit von Kulturprogrammen in verschiedenen Sprachen eine entscheidende Rolle. Viele der befragten, indirekten Besucher*innen bevorzugen Veranstaltungen in ihrer Muttersprache oder zumindest in mehreren Sprachen. Dies unterstreicht, welches Potential darin liegen könnte, stärker auf die kulturelle Vielfalt im Park und im Quartier einzugehen und in unterschiedlichen Sprachen zu kommunizieren.“

Nun ja, zumindest spielt unter anderen das Jugendtheater Stanislavski „Belgrad – Wien; Beograd – Beč“ auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch im Mortarapark (20. Bezirk; 19. Juli), das vor zwei und einem Jahr mit anderen Stücken beim Birdie 15-Festival neben der Stadthalle aufgetreten ist.

Programm für junges und jüngstes Publikum

Nicht ganz 100 Stunden umfasst das Programm für Kinder – und ihre Begleiter:innen – auf den neun Bühnen – meist Donnerstag bis Sonntag jeweils 10.30 bis 11.30 Uhr, manchmal auch nachmittags. So manches war schon im Vorjahr zu sehen – oder in Indoor-Bühnen, vor allem dem Dschungel Wien (Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier). Und wurde hier auf dieser Website schon besprochen – viele Links hier unten.

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Über „Farbenreich“ <- damals noch im Kinder-KURIER

Über „rundum eckig“ <- damals ebenfalls noch im KiKu

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Szenenfoto aus dem vierten Spaziergang der Figur des Wiener Schubert Theaters

Glückliches Österreich, spaziere… ;)

Mit einer Audienz bei Maria Theresia, nicht gekrönt, dennoch prägende Kaiserin des Hauses Habsburg über weite Lande Mitteleuropas, beginnt der neue „Spaziergang für die Figur“ im Saal des Schubert Theaters (Wien-Alsergrund). Figuren und Spiel – wie auch spätere Stationen der rund 1 ¼ Stunden – sind einigermaßen aus den bisherigen sarkastisch-witzigen ersten beiden Stücken der „Habsburger“-Trilogie dieses Figurentheaters für Erwachsene bekannt – auf die Stücke wird immer wieder auch hingewiesen 😉

„Andere mögen Kriege führen, du glückliches Österreich heirate!“ Dieser Spruch (lateinisch: „Bella garant alii, tu felix Austria nube“) wird dem adeligen, monarchischen Haus Habsburg zugeschrieben – die Strategie, wie es das eigene Reich groß und größer machte. Auch wenn es doch nicht ganz von Kriegen abgesehen hat! „Habsburger-narrisch: Tu felix Austria, spaziere!“ nennt das Theater seinen mittlerweile vierten Spaziergang (Regie: Simon Meusburger).

Rudolf und Mary

Bei den Stationen im Arne-Karlsson-Park (Ecke Währinger Straße/Spitalgasse), auf dem Weg zur Sensengasse und auf dem Gelände des alten AKH lassen Soffi Povo, Markus-Peter Gössler und Manuela Linshalm unter anderem den (Selbst-)Mörder Kronprinz Rudolf und seine jugendliche Geliebte, Gräfin Mary Vetsera oder Kaiser Maximilian kurzfristig als meisterhafte Puppen Puppenbau: Soffi Povo, Lisa Zingerle – von ihr stammt auch das Konzept) und natürlich entsprechend gekonntem Spiel mit ihnen „auferstehen“. Auch wenn’s natürlich bei Rudolf und Mary erst recht um die Stunde des Todes mit der „Tragödie von Mayerling“ – hier unter Nadelbäumen in einer Ecke zwischen Park und Durchgang zur Sensengasse geht. Welch eine Fügung der Inszenierung, dass die Gasse mit einem solchen Namen in unmittelbarer Nähe liegt; steht doch „Sensenmann“ oft für den personifizierten Tod!

Närrisch

Schräg und passend zum Ort des sogenannten Narrenturms (einst erste psychiatrische Anstalt Kontinentaleuropas – ab 1784; heute pathologisch-anatomisches Museum) der Auftritt von Kaiser Franz-Joseph (der mit dem charakteristischen Backenbart) und seiner Frau Elisabeth, bekannter als Sisi. Sie in Form eines Krokodil-, er in „Person“ eines Hirsch-Totenkopfes. Und ihre (Nicht-)Kommunikation zum Tod des Sohnes Rudolf – samt kaum enden wollenden Wortspiel um regieren, reagieren, respektieren, reformieren, rebellieren, reklamieren… Nur noch übertroffen vom Gitarrenspiel und Gesang Markus-Peter Gösslers mit einer Anti-Habsburger-Hymne als Version zu Rainhard Fendrichs „I am from Austria“.

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Szenenfoto aus "Mega-Verstärker"

Von Geflüster bis lautstark: Könnt ihr uns bitte endlich einmal zuhören

Acht Megafone stehen mit dem Schalltrichter auf dem Boden zwischen Bühnenrand und Publikumstribüne. Autoverkehrslärm aus dem Off, hupen inklusive. Sieben Kinder singen dagegen an „Schritte im Schnee“ von Sven Polenz. Spielen voraufgenommene Sager aus kleinen Lausprechern ein, die sie durch die Publikumsreihen tragen. Unterschiedliche Lieblingsgeräusche – Vogelgezwitscher, Regen auf Fensterscheiben, Schritte auf Kies… oder für manche vielleicht auch überraschend „Schulklingel“.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Mega-Verstärker“

Irgendwann beginnen Lotte Burger, Onar Fabre, Maxim Gerginov, Matteo Lusher, Pauline Meitz, Emilia Reisinger-Bosse, Hannah Stangl, Sophie Szakasits, Franka Throm, Keara Li Rose Tromp zu flüstern und später werden sie dafür mega-laut. Dann wenn sie, die Teilnehmer:innen der Dschungel-Wien-Theaterwerkstatt „Mega-Verstärker“ sozusagen in die Stimme des Meeres schlüpfen. Wie es sich aufregt über die Verschmutzung nicht zuletzt durch Millionen Tonnen von Plastik.

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Szenenfoto aus „Mega-Verstärker“

Die 11- bis 13-Jährigen haben in den vergangenen Monaten unter der Leitung von Sylvi Kretzschmar (Hospitanz: Emilie Reiter) ihre wichtigsten Anliegen verbalisiert und teils auch in Szenen umgesetzt – und schon zwei Mal Teile davon auch öffentlich präsentiert; Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hat berichtet – Links unten am Ende des Beitrages.

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Szenenfoto aus „Mega-Verstärker“

Sie verklickern dem Publikum so manches das anders wäre, hätten Kinder das Sagen. Unter anderem gäbe es keine Kriege und Fußballplätze wären nicht aus Beton, sondern einfach Wiese.

Und wie wär’s, wenn Erwachsene ihnen zuhören würden, aber auch auf Tiere und Pflanzen achten. Und wie sollten sie als Kinder zuhören lernen, wenn sie’s viel zu selten bis nie erleben, dass ihnen und ihren Anliegen und Ansichten Gehör geschenkt wird.

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Szenenefoto aus "The Future is in our Hands"

Auflehnung gegen Regie-Anweisungen

Ausgelassenes fast ein wenig chaotisches Spiel auf der Bühne. Elf Kinder toben sich aus, haben ihren Spaß. Die einen laufen, verkleiden sich, andere spielen am Keyboard, auf E-Gitarren und am Schlagzeug. „Ältere Semester“ im Publikum erkennen eine der Melodien – neben Beethovens „Für Elise“ den antiautoritären Klassiker „We don’t need no Education“ aus der Rock-Oper „Another Brick in the Wall“ von Pink Floyd (Musik, Dramaturgie: Siruan Darbandi). Noch heute Sonntagnachmittag und Montagvormittag zu erleben.

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Szenenefoto aus „The Future is in our Hands“

Lola Kaja Cimesa, Lenz Eichenberg, Iris El Fehaid-Power, Sina Tobias Kananian, Sami Kiegleder, Lieselotte Leineweber, Cecilia Pail Valdés, Leo Schönwald, Thimo Temt, Ossian Trischler scheinen – wie Kinder oft im Spiel – in diesem versunken zu sein. Ganz bei sich. Da kommt eine Stimme aus der letzten Publikumsreihe. Mit versuchter Autorität „fragt“ Sasha Davydova, die künstlerische Leiterin dieser Theaterwerkstatt „The Future is in our Hands“ im Dschungel Wien, ob die Kinder auf der Bühne nicht vielleicht doch das tun könnten, was ausgemacht war.

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Szenenefoto aus „The Future is in our Hands“

Zwischen ja, doch irgendwie, wenngleich widerwillig und nein, sicher nicht samt bewusstem Widerspruch pendelt die halbe Stunde der Performance. Samt Vorwurf, auch belogen worden zu sein, als ihnen, den spielenden, performenden Kindern, erzählt wurde, dass im Kasino am Schwarzenbergplatz (eine Spielstätte des Burgtheaters), wo sie im März schon auf der Bühne waren, 200 Politiker:innen zugehört hätten. Dass an diesem Juni-Samstag auch Politiker:innen da wären, glauben sie aber dann doch – oder spielen glaubhaft, dass sie es meinen.

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Szenenefoto aus „The Future is in our Hands“

Vielleicht (zu) viele Regie-Anweisungen vermitteln den Eindruck, dass auch der gesamte Widerstand nur gespielt ist. Wenngleich in so manchen Momenten aufblitzt, dass die einen oder anderen doch auch das machen, wonach ihnen gerade der Sinn steht – also wirklich widerständisch. Wobei der starke Schluss-Satz: „Ihr dürft uns nicht vorschreiben, was wir zu wollen haben!“ aber wiederum schon ein eingelernter ist. Aber doch die Haltung der elf 7- bis 10-Jährigen ehrlich ausdrücken dürfte.

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Szenenfoto aus "Vorhang auf: Forever Young?"

Arbeit mit Schüler:innen kann jung halten

Sieben Frauen treten in Erscheinung. Alle Pädagoginnen – von Elementar- bis Nachmittagsbetreuung. Die eine oder andere vielleicht auch schon pensioniert. Wie auch immer, sie bilden Stehkreise, Reihen – nein, keine „Stirnreihe“, treten mal in den Vordergrund – einzelne oder mehrere, dann verschwinden sie sogar hinter einem Vorhang im Dunkel. Nur durch Lichtpunkte von Taschenlampen in den Fokus gerückt.

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Szenenfoto aus „Vorhang auf: Forever Young?“

Die Performerinnen der Theaterwerkstatt „Vorhang auf: Forever Young?“ erzählen, hin und wieder spielen sie auch von Herausforderungen in ihrer alltäglichen Arbeit in Jahr(zehnt)en, Glücksmomenten, wo sie in der einen Schülerin, dem anderen Schüler „Feuer entfachen“ konnten. Von eigenen pädagogischen Ansprüchen und dem Kampf zur Um- und Durchsetzung derselben. Von der Unzufriedenheit mit dem und der Wut auf das einschränkende System, die Ignoranz von Bildungspolitik.

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Szenenfoto aus „Vorhang auf: Forever Young?“

Sie spielen und reden aber auch vom eigenen Scheitern. Sowie von etwas, das unser Bildungssystem fast gar nicht kennt: Den Mut, Fehler machen zu dürfen – und das auch Kindern und Jugendlichen beizubringen. Und von dem, was vielleicht noch wichtiger ist, als Wissen zu vermitteln, Herzensbildung zu verbreiten. Und sie vermitteln, dass jahr(zehnte)lange Arbeit mit Kindern und Jugendlichen durchaus jung hält – und den Titel ihrer Theaterwerkstatt im Dschungel Wien rechtfertigt.

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Szenenfoto aus „Vorhang auf: Forever Young?“

Wenngleich auch diese – wie in diesem Jahr viele der Werkstatt-Performances – mehr pädagogisch als theatral ausgefallen ist. Und diese im Speziellen am Ende von einer Schwäche vieler Pädagog:innen gekennzeichnet ist: Nicht auf das schon Erzählte, Gezeigte zu vertrauen; sondern noch einmal und immer wieder fast wie mit erhobenem Zeigefinger zu verklickern, was da jetzt an Botschaft transportiert werden soll(te).

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Szenenfoto aus „Vorhang auf: Forever Young?“

Übrigens – da einige Stimmen aus dem Off kommen – wäre das Einholen von Stimmen von Schüler:innen nicht gerade schlecht gewesen;)

Diese Werkstatt-Präsentation gab’s nur ein Mal. Schade.

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Szenenfoto aus "404 Error: Theater - Reset old Stage

Das Theater selbst – ein nicht enden wollendes Drama?

Wem gehört die Bühne? Was wird im Theater gespielt? Welche Themen verhandelt? Wer tritt auf? Wessen Geschichten kommen vor? Welche Formen? Viele dieser und weitere Fragen spielen große, ja die zentralen Rollen in der Arbeit vor allem einer der Theaterwerkstätten im Dschungel Wien, jener unter dem Titel „404 Error: Theater – Reset old Stage“, die zum Auftakt des Festivals der Werkstätten (Freitag, 7. Juni 2024) schon ihre ½-stündige Performance zeigte – einen Mix aus Schauspiel, Rap, (Kreide-)Zeichnungen und Tanz dazu. Und nochmals am frühen Abend des EU-Wahlsonntags zu erleben sein wird.

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Szenenfoto aus „404 Error: Theater – Reset old Stage“

Fraaaaagen

Unter der künstlerischen Leitung von Myassa Kraitt und Emily Chychy Joost rissen die „Hybrid Rebels + Gl!tch4-Team + Princess Njoku, Stella Biziyaremye, Laura Asemota, Nathalie Kinard Torres, Elias Nwankwo, Elnara Türhan, Maggie Alghraibawi“ mit und veranlassten das Publikum aber immer wieder auch zu einem nachdenklichen Innehalten – Letzteres vor allem durch aufgeworfene in den Raum – ans Publikum ebenso wie an Verantwortliche – gestellte Fragen. Wenn es etwa – in verteilten Rollen – hieß: „Meine Diagnose ans Theater: Ein nicht enden wollendes Drama, eine Tragödie, … Ein Theater, das glaubt zu wissen, was es tut, letztendlich nur Farbkleckse auf einem Programmblatt verkauft, für uns wirken sie wie Verschmutzungen unseres Bildes…

Schon die Biographie des Theaters beginnt mit Exklusion, die Bühne … für wenige … was ist das für ein arrogantes Gehabe. Ihr glaubt doch nicht, dass ihr eure Arbeit geleistet habt, in dem ihr ein paar diverse Gesichter inkludiert.

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Szenenfoto aus „404 Error: Theater – Reset old Stage“

Inklusion, Diversität – als Alibi?

Inklusion und Diversität das sind eh nur Passwörter für euch. Wo spiegelt sich das allerdings wider in eurer Struktur? Welche Themen werden gefördert, welchen Stimmen wird Gehör geboten, welchen Perspektiven gebt ihr Raum?
Oder seid’s ihr nur hier, um euch zu wundern? Und über uns zu staunen, sind wir nur Geschichten, die der Unterhaltung dienen?

Es ist an der Zeit, dass das Theater seine eigene Tragödie erkennt und beginnt, echte Veränderungen zu vollziehen, denn sonst bleibt nur eine leere Hülle die es selbst bewundert, während die Welt um sie herum gezwungen wird, andere Wege einzuschlagen…“

Wobei zwar die Mitwirkenden sehr divers sind, der Inklusion jedoch mit einem Bühnenpodest mit ziemlich steilen Stufen auch sichtbare Grenzen setzen – denn wie käme da etwa eine performende Person im Rollstuhl hinauf?

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Szenenfoto aus der Performance Auf der Suche: Gastarbeitler 60‘

Es wurden Arbeitskräfte gerufen – und es kamen Menschen an

Einsam bläst im vorderen linken (vom Publikum aus gesehen) Bühnen-Eck Özgün Yarar die Ney (eine lange, dünne Flöte) und bringt mit seinen orientalisch klingen Tönen das Publikum weit weg – für die einen Urlaubsfeeling, für andere Heimatgefühle. Plötzlich Gestampfe auf der Treppe zwischen den beiden Hälften der Publikums-Tribüne. Zwölf Performer:innen betreten mit Sprech-Chören die Bühne, darunter dem bekannten: Arbeitskräfte haben wir gerufen – Menschen sind gekommen! Ergänzt auf dem Weg zur und dann auf der Bühne durch die Bemerkung, dass dies natürlich auch für Flüchtlinge, Migrant:innen usw. gilt – es geht doch immer um Menschen. Besser gesagt/gedacht: Es sollte um die Haltung gehen, dass es sich immer um Menschen dreht.

Szenenfoto aus der Performance Auf der Suche: Gastarbeitler 60‘
Szenenfoto aus der Performance Auf der Suche: Gastarbeitler 60‘: Musik und Gesang

„Auf der Suche: Gastarbeitler 60‘“ heißt die Performance (künstlerische Leitung: Elif Bilici) und bildet den Abschluss einer der Theater-Werkstätten im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im Museums-Quartier. Die verschiedenen Werkstätten präsentieren ihre Ergebnisse derzeit – teils bis Dienstag.

Chor mit Solist:innen

Das Dutzend formiert sich auf der Bühne zum Sprech-Chor – „dirigiert“ mit einer Art senkrecht von Holzstäben hängenden Text-Fahnen durch Bruno Pisek. Rocco Baldari, Nikolay Yulianov Chulev, Noemi Thuy-Lan Felicitas Duong, Valentina Eminova, Zeynep Kiyıcı, Kai Kugler, Polina Merkulova, Destiny Okon, Hicran Saço, Anna Tarasenko und Özlem Yarin bilden diesen Sprech-Chor, der knapp, kurz, prägnant Texte zu Wohnen, Arbeiten, Leben in der neuen Heimat, Sehnsüchte nach der ersten zum Ausdruck bringt. Immer wieder treten einzelne Akteur:innen aus dem Chor solistisch ins Bühnen-Zentrum erzählen von der Ankunft im so ersehnten Wien – samt der Aufnahme mit nicht gerade nur offenen Armen.

Szenenfoto aus der Performance Auf der Suche: Gastarbeitler 60‘
Szenenfoto aus der Performance Auf der Suche: Gastarbeitler 60‘ – Sprech-Chor

Die Performer:innen, die das Stück auch mit-entwickelt haben – gemeinsam mit anderen (Neil Dölling Lucia Dorner) und teils unter der Leitung von Armela Madreiter und Thomas Perle in Schreibwerkstätten, bringen auch ihre mitgebrachten Sprachen organisch ins Stück ein (in alphabetischer Reihenfolge): Deutsch, Englisch, Italienisch, Japanisch, Kurmandschi, Romanes, Rumänisch, Serbisch, Türkisch, Ukrainisch und Zazaki.

Sprach-Nachrichten vor Jahrzehnten

Und sie konnten auf viel historisches Material und Interviews vor allem mit Ali Gedik zurückgreifen. So widmet sich eine Passage dem was heute wohl als Sprach-Nachrichten bezeichnet werden würde. Es gab – was sich Jüngere vielleicht gar nicht vorstellen können – weder Handys noch Internet, telefonieren war sauteuer und geschriebene Briefe drückten oft die unmittelbaren Gefühle nicht so direkt aus wie Sprachaufnahmen.

Menschen nahmen auf Kassetten mit langen dünnen Bändern Eindrücke vom Arbeiten und Leben in der neuen Heimat auf, steckten sie in Kuverts, schickten sie zur Familie nach Hause. Im Dorf saßen viele rund um ein Radio mit Kassettenspieler, hörten gespannt zu und – schickten umgekehrt wieder Kassetten mit eigenen Sprach-Aufnahmen nach Österreich. Wehmut. Ein Stück Heimat bzw. Verbundenheit zwischen da und dort. Das Hin und Her nahm übrigens einigen Wochen in Anspruch. Und jene, die hier in der Fremde, die später zur neuen Heimat wurde, waren oft nicht ganz ehrlich, erzählten nicht, wie schlecht es ihnen, die hier Jobs verrichteten, die die Einheimischen nicht machen (wollten), ging. In wie beengten Wohnverhältnissen sie leben (mussten)…

Szenenfoto aus der Performance Auf der Suche: Gastarbeitler 60‘
Live-Musik und -Gesang

Immer wieder werden die Sprech-Chöre bzw. Solo-Auftritte wieder von Musik unterbrochen, die Stimmungen untermalen, Sehnsüchte zum Ausdruck bringen. Der schon erwähnte Musiker greift zu Blas- bzw. Saiteninstrumenten (Saz und Buzuki) und wird begleitet von der Sängerin Deniz Öz mit wunderbarer Stimme – unter anderem auf Zazaki, einer der kurdischen Sprachen. Und unter anderem einem Lied, das den Bogen zum ersten Auftritt des Sprech-Chores schloss: Es wurden Arbeiter gerufen und es kamen Menschen an.

Ausstellung

Dem Thema von Menschen, die als Arbeitskräfte geholt wurden, widmet sich auch eine Ausstellung im Dschungel Wien – in den Räumen vor Bühne 3 bzw. dem Bürotrakt. Viele Fotos aber auch zwei Koffer mit Zeitungs-Ausschnitten, Audio-Kassetten, einem künstlerisch gestalteten Koffer usw. geben optische – und zum Teil zu lesende (Bücher) Einrücke in das Leben von einigen einzelnen Menschen. Aber auch in wissenschaftliche Aufarbeitung der Strukturen.
„Wem gehört die Geschichte? Wie wurde[n] Geschichte[n] geschrieben? Gibt es schon eine Geschichte der Migrant*innen in Österreich?“ – diese Fragen durchziehen die Ausstellung mit vielen Fotos von Felat Diljin. Ein Teil der Ausstellung kommt von „Stimmen der Vielfalt“ vom Grazer Verein JUKUS (Jugend Gesundheit Stadtteilarbeit Kultur).

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Szenenfoto aus "Die vielen Stimmen meines Bruders"

Wunderbares Stück – entstanden aus einem Missverständnis

Einer der beiden Protagonist:innen sitzt in der ersten Reihe – im freigeräumten Orchestergraben. Zum sechsten Mal, wie er später sagen wird, schaut Valentin Schuster zu, wie „Die vielen Stimmen meines Bruders“ gespielt wird – dieses Mal auf der großen Bühne im Grazer Schauspielhaus.

Das Stück, geschrieben von seiner Schwester Magdalena Schrefel – im Wechselspiel mit ihm selbst. Entstanden aus einem Missverständnis seiner schreibenden Schwester. Schuster erzählte ihr, dass er, der selbst auch immer wieder Theater spielt, aufgrund seiner Behinderung irgendwann eine künstliche Stimme brauchen werde. Eine solche könne er sich aussuchen. Aber er hätte gern mehrere – für unterschiedliche Gelegenheiten – Freude, Zorn und was auch immer noch. Das war der Ausgangspunkt für den Plot mit Casting für Stimmen – berühmter und weniger berühmter Sprecher.

Die am Manuskript für das Stück tippende Schwester – gespielt von Florentine Krafft – und ihr Bruder in dessen Rolle Leonard Grobien schlüpfte bestreiten den Abend in einem Hin und her, das stark an die echte Entstehungsgeschichte angelehnt ist. Mit Hinterfragen, Zweifel, Veränderungen – mitunter humorvollen Casting-Einlagen von Stimmen aus Videos oder dem Off (Regie: Marie Bues, Anouschka Trocker).

Für Grobien war Schauspiel was ziemlich Neues – was beim Betrachten der Aufführung nie und nimmer in den Sinn gekommen wäre. Er, der aus dem Film – und zwar eher hinter der Kamera und am Schnittpult kommt, fuhr da erstmals auf der Bühne. Ausgewählt, weil er unter anderem selber im Rollstuhl fährt. Aber zum Glück, so meint er zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … „spiel ich demnächst in zwei Projekten keinen Menschen mit Behinderung!“

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Compliance-Hinweis: Das Dramatiker:innen-Festival in Graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zur Berichterstattung eingeladen.

Szenenfoto aus Körper [Sic!]: Julia Hammerl, Clemens Janout, Lara Bumbacher

Körper und der Druck auf ihre Optimierung…

Selten so ein „umwerfender“ erster Eindruck beim Betreten eines Theaters: Unmengen von versprühtem Duft. Gut zitronenartig, aber doch seeeehr intensiv, was da in die Luft geblasen wird. Dies ist die Duftnote vor und in der drei Schauspieler:innen – Lara Bumbacher, Julia Hammerl, Clemens Janout – in hautenger, großer Unterwäsche rund um das Thema Körper spielen.

Szenenfoto aus Körper [Sic!]: Lara Bumbacher, Julia Hammerl, Clemens Janout
Szenenfoto aus Körper [Sic!]

In der Stückentwicklung von Ars ex Machina (in Kooperation mit klagenfurter ensemble und TheaterArche; Regie: Juliane Aixner) thematisieren sie vor allem einerseits unterschiedlichste Unzufriedenheit mit den eigenen Körpern und andererseits, wie diese durch vorgegebenen Schönheitsnormen überhaupt erst entsteht. Neben vielem Reden darüber setzen sie ihre Körper natur- und themengemäß natürlich auch vielfach ein – tänzerisch, verspielt, verrenkt, verändert durch Überziehen diverser Gewänder oder Aufsetzen von Vogelkopfmasken…

Szenenfoto aus Körper [Sic!]: Lara Bumbacher, Clemens Janout, Julia Hammerl
Szenenfoto aus Körper [Sic!]

Charmant, aber hilflos versuchen die drei Schauspieler:innen knapp nach Beginn das Publikum zum Mitreden zu bewegen, teils sogar fast provokant. Aber so, dass du ohnehin das Gefühl hast, dass sie so oder so ihr Ding durchziehen werden. Wofür hätten sie sonst ein Stück entwickelt, geprobt und schon gut ein halbes Dutzend Mal aufgeführt;) Und noch dazu in einem elaborierten Programmheftchen von vielen Seiten zwar knapp, aber doch tiefschürfend, vielseitig beleuchtet.

Szenenfoto aus Körper [Sic!]: Clemens Janout, Lara Bumbacher, Julia Hammerl
Szenenfoto aus Körper [Sic!]

Viele von dem, das in der Stunde auf der Bühne ver- und behandelt wird – Druck auf „Optimierung“, Oberflächlichkeit des Aussehens, Beschämung … – war schon dutzendfach zu lesen, hören, auch auf Bühnen gespielt und/oder getanzt zu sehen und doch ist es ein anregender, nachdenklicher und doch amüsanter Abend, vielleicht mit ein bissl zu viel künstlichem Geruchsaroma.

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Jugendliche begleiten jüngere Schüler:innen durch die selbst gestaltete Antirassismus-Ausstellung

War die englische Queen rassistisch?

„Darf ich deine Haare anfassen?“ „War die Queen rassistisch?“ „Was für eine Mischung bist du?“ Was ist überhaupt Rassismus? Ist es okay, jemanden nach deren oder dessen Herkunft zu fragen? Ist der Spruch „ich steh eh auf deiner Seite“ nicht eigentlich voll super?

Diese und viiiiele weitere Plakate hängen an Glaswänden in einem der Gänge des Schulzentrums (AHS und HAK/HASch) Geringergasse (Wien-Simmering). Schüler:innen des (Real-)Gymnasiums haben vor Monaten eine Antirassismus-Ausstellung gestaltet. Schulsprecherin Aanab Mohamed hatte u.a. darüber beim Kinder- und Jugendparlament Ende März im Wiener Rathaus berichtet. Und so wollte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… diese sehen und was und wie damit in der Schule umgegangen wird. Nun war es – endlich – so weit.

Entstanden in Projektmanagement

Anna, Felix, Johanna, Lea und Warisha aus sechsten Klassen haben – gemeinsam mit weiteren Mitschüler:innen – im Rahmen des Freifaches Projektmanagement unter anderem diese Ausstellung gestaltet. Dafür hatten sie vor allem Anleihe bei dem Buch „War das jetzt rassistisch? – 22 Antirassismus-Tipps für den Alltag“ mit Beiträgen von rund eineinhalb Dutzend Autor:innen, herausgegeben von „Black Voices“, genommen (siehe Info-Box am Ende). Und sie hatten sich darauf vorbereitet, als Guides durch die Schau Dutzender Plakate, die Fragen stellen, zu weiteren Gedanken und Gesprächen anregen, zu führen.

Viel gewusst, aber neue Details

KiJuKU.at durften die Schüler:innen der 2 d in der ersten Juni-Woche begleiten, die von den genannten fünf Jugendlichen – teils in kleineren Gruppen durchgeführt wurden. Und danach in der Klasse noch Fragen stellen. Insgesamt, so die Zweitkläss’ler:innen „haben wir schon vorher viel über Rassismus gewusst“, aber beispielsweise meinten sowohl Karol als auch Adrian, „das mit Asian Rassismus war mir vorher nicht so bewusst“. Marko ergänzte: „Viele Details waren schon neu!“

Rewan fand neu, „dass Menschen die Frage, „darf ich deine Haare anfassen“, stören könnte“. Anja nannte sehr interessant, ob und wie es möglich ist jemanden zu fragen, woher sie oder er kommt, ohne dies böse zu meinen. Ilma sieht nach dem gemeinsamen Durchwandern der Ausstellung und dem darüber-reden, dass so manch einzelne Schimpfwörter oft „nur“ Teil eines größeren abwertenden Zusammenhangs sind.

Jan zeigte sich besonders beeindruckt von der Grafik mit dem Eisberg. Wie bei einem solchen sind Hass, Ausgrenzung, Hetze und gar Gewalt „nur“ der kleine sichtbare Teil von Rassismus. Unter der Oberfläche machen struktureller und institutioneller Rassismus den viel größeren Teil aus, auf dem der sichtbare aufbaut.

Jugendliche begleiten jüngere Schüler:innen durch die selbst gestaltete Antirassismus-Ausstellung
Die fünf jugendlichen Guides dieses Vormittags beim Lokalaugenschein von KiJuKU.at

Viel Interesse von Schüler:innen

Zurück zu den fünf jugendlichen Guides: Die meinen, dass die meisten Schüler:innen, die sie durchführen ziemlich interessiert und meist ohnehin schon offen für Vielfalt seien. Bei manchen Klassen wäre es ein wenig schwierig gewesen, sie zu Fragen und Gesprächen zu motivieren. „Aber vor allem fühlen wir uns schon geehrt, dass wir andere Schüler:innen durch so ein wichtiges Thema begleiten und einiges dazu erklären dürfen.“

Befremdliches von einigen Erwachsenen

Wirklich anstrengend aber wären nur manche Führungen für Erwachsene von außerhalb der eigenen Schule gewesen, beispielsweise bei einem Rundgang mit Direktor:innen anderer Schulen, wo das N-Wort gefallen sei oder jemand meinte, uns in Sachen Kopftuch belehren zu müssen…

Zurück zur Queen

Zurück zum Anfang, weil möglicherweise die Frage mit der verstorbenen englischen Königin vielleicht irritieren könnte – da ging es um die Debatten rund um die Ehe von Elizabeths Enkel Harry mit Meghan und so manchen Hinweisen, dass diese, nur weil Person of Color, nicht gleichwertig behandelt worden wäre. Aber auch darum, dass jemand, nur weil sie oder er sich nicht (ganz) korrekt verhält, noch lange nicht grundsätzlich ein schlechter Mensch wäre. Und durchaus jede und jeder dazulernen könne, lange verinnerlichte Alltags-Rassismen zu erkennen, zu hinterfragen und abzulegen.

„Auf deiner Seite“?

Und das mit „ich steh eh auf deiner Seite“ – naja das bedeutet ja dann wohl doch ein wir und ihr, die einen und die anderen statt des Ziels einer Gemeinschaft, eines wir über alle Unterschiede hinweg, welcher Art auch immer. Das oben schon genannte Buch – mehr in der Info-Box unten – beginnt im Inneren schon auf der sogenannten Vorsatzseite. In gelber Schrift steht auf schwarzem Papier: „Sei Teil der Bewegung. Sei Teil der Veränderung. Allyship starts here.“ (Verbündet-Sein beginnt hier)

Weit mehr

Die genannte und beschriebene Antirassismus-Ausstellung ist wiederum „nur“ Teil einer umfassenden Schau zu Menschenrechten – mit teils ausgeborgten professionellen Ausstellungstafeln zu diskriminierten, marginalisierten Gruppen – sei es ethnisch oder in Sachen sexueller Orientierung- von Kärntner Slowen:innen über Burgenland-Kroat:innen Rom:nja , LGBTQIA+…

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Ttitelseite des Buches
Ttitelseite des Buches „War das jetzt rassistisch?“
Siegreiche Junior-Company 2024: Treberei

Nachhaltigkeit wird auch betriebswirtschaftlicher Trumpf

Zweiter Platz in der Kategorie Sustainability (Nachhaltigkeit) bei Jugend Innovativ und sogar Sieg beim Bewerb der Schüler:innen-Unternehmen, den Junior Companys. Das konnten Schüler:innen des BG/BRG Stainach (Steiermark) Ende Mai aus Wien mit nach Hause nehmen. „Treberei“ nannten sie ihre Firma, mit der sie aus Treber, einem Abfallprodukt bei der Bier-Produktion, Nudeln herstellen.

„Wir dürfen uns von einer Brauerei in Schladming, in der Nähe, den feuchten, dampfenden Treber abholen, trocknen ihn in unserer Schulküche, mahlen ihn dann fein zu Mehl, mischen das mit Ei und stellen daraus unterschiedliche Nudelsorten her“, berichteten Ceren Sümbül, Sarah Lux und Flora Mayer Mitte März bei der Internationalen Juniorfirmen-Handelsmesse in einer Wiener Einkaufs-City. 14 Schüler:innen hatten an der Produktion, dem Verkauf und der Vermarktung von drei Nudel-Sorten gearbeitet. Und es damit sogar in Supermarkt-Regale geschafft. Darüber hinaus vermittelten sie ihr erworbenes Wissen an Volksschulkinder in der Umgebung, die sich am ziemlich neuen Programm der Junior Mini Companys beteiligten.

Als Österreich-Gewinner:innen dürfen Mitglieder des „Treberei“-Teams zum internationalen Bewerb „Gen-E 2024“ – dieses Mal im sizilianischen Catanie (2. bis 4. Juli) fahren.

„Alte“ Bekannte

Übrigens kamen auch schon die zweiten des zu Ende gegangenen diesjährigen Junior-Company-Bewerbs – markess (Ferrarischule Tirol) – sowie drei weitere Schüler:innen-Firmen, die Landesseiger aus Wien ReBloom (Wiener Lernzentrum Walz), Niederösterreich – Ecolution (HTL Mödling) und Oberösterreich – Bier ++ (HTL Braunau) hier auf Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… vor. Sie alle waren auch schon im März bei besagter internationalen Handelsmesse in Wien vertreten – Links zu den Gesprächen mit diesen Jung-Unternehmer:innen am Ende des Beitrages. Und in der Info-Box ganz am Ende finden sich alle neun Landessieger:innen und damit Bundes-Finalist:innen

Nachhaltigkeit im Fokus

Und das zeigte – wie auch viele Projekte bei Jugend Innovativ – und das nicht nur in der Kategorie Sustainability -, dass Jugendliche bei ihren Projekten Nachhaltigkeit stark in den Fokus nehmen.

Platz 3 beim Junior-Company-Bewerb 2024 ging an G!NIAL (HBLA Ursprung, Salzburg). Die Jugendlichen hatten einen alkoholfreien Gin entwickelt und konnten diesen nicht nur via Webshop österreichweit verkaufen, sondern auch mehrere Gastronomiebetriebe von ihrem Produkt überzeugen.

Rekordbeteiligung

Im nun zu Ende gehenden Schuljahr hatten 5.000 Schüler:innen insgesamt 470 Junior Companys gegründet, die im Gegensatz zu den verpflichtenden ÜFA, den Übungsfirmen in Handelsakademien und -schulen, real mit Waren oder Dienstleistungen handeln (müssen).

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Szenenfoto aus "Die Schöne und das Biest", Theater der Jugend (Wien)

Herzliche, hilfsbereite Schöne sieht mit dem Herzen

Zwei verwöhnte, nur den Luxus genießende Schwestern und eine dritte, die für die ganze Familie arbeitet, niedere Dienste verrichtet aber dafür mit einem Prinzen belohnt wird – klingt nach Aschenputtel. Ein Kuss für den Frosch – der zum Prinzen wird: Froschkönig. Ein hässliches Entlein, das beim Heranwachsen zum Schwan wird… Viele Märchen transportieren gleichsam pädagogische Botschaften. Nicht arrogant und hochnäsig sein. Fleißig arbeiten. Hilfsbereitschaft. Und nicht (nur) auf das Äußere achten – innere Werte sehen, spüren, lieb sein…

Viele dieser Elemente verknüpft das aus Frankreich stammende Märchen „Die Schöne und das Biest“. Eine Version, die vor allem auf die französischen Versionen zurückgreift, ist derzeit in einer opulenten, märchenhaften Fassung im Wiener Renaissancetheater zu sehen, die ins Jahr 1920 verlegt wurde.

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Szenenfoto aus „Die Schöne und das Biest“, Theater der Jugend (Wien)

Die Story knappest gefasst

Die reiche Familie – die pflanzen-forschende Mutter der drei Töchter ist im Dschungel von Borneo verschollen – wird plötzlich arm. Villa brennt ab, Schiffe mit Stoffen aus Fernost saufen ab. Vater und die Töchter müssen aufs Land in eine abgefuckte Hütte ziehen, in der er aufgewachsen ist. Die jüngste Tochter schuftet für alle, ihre beiden Schwestern weinen nur dem verlorenen Reichtum nach. Da kommt die Nachricht aus Paris, eines der Schiffe sei doch nicht gesunken und am Hafen gelandet. Vater fährt nach Paris – die kostbare Schiffsfracht wurde aber beschlagnahmt, um aufgelaufene Schulden zu begleichen. Auf dem Rückweg ins Dorf landet der Vater im Wald in einem geheimnisvollen Schloss – bewohnt vom Biest, einem monsterartigen Wesen. Vater tauscht seine Freiheit gegen das Versprechen, seine Tochter würde kommen. Die kommt tatsächlich, fürchtet sich zwar, sieht in ihm aber „kein Scheusal“…

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Szenenfoto aus „Die Schöne und das Biest“, Theater der Jugend (Wien)

Rückgriff auf ursprüngliche Versionen

Seit Kurzem wird im Renaissancetheater, dem großen Haus des Theaters der Jugend in Wien diese Geschichte in einer Fassung von Henry Mason, der auch Regie führte, gespielt. Diese Version greift auf jene von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont (1711 – 1780), die „La Belle et la Bête“ 1757 veröffentlichte zurück, die wiederum auf der ausführlicheren Geschichte von Gabrielle-Suzanne Barbot de Vielleneuve aufbaute – aus der im Programmheft zitiert wird. Laut dem Online-Lexikon Wikipedia kamen portugiesische und britische Forscher kamen jedoch mit phylogenetischen Methoden zu dem Schluss, dass das Märchen mit großer Wahrscheinlichkeit etwa 2500 bis 6000 Jahre alt ist.

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Szenenfoto aus „Die Schöne und das Biest“, Theater der Jugend (Wien)

Scheusal – als er noch Mensch war

Wie auch immer: Das Biest, gespielt von Valentin Späth, der wie alle anderen außer Belle (Shirina Granmayeh) in viele andere Rollen schlüpft, bzw. im geheimnisvollen Spiegelschloss (märchenhaftes Bühnenbild – sowohl die anfängliche Villa als auch dieses Biest-Schloss oder die alte Landhütte: Rebekah Wild) Gegenständen seine Stimme leiht, verhält sich zuvorkommend, freundlich, ja fast unterwürfig. Er war – damals noch in Menschengestalt – ein Scheusal, ein despotischer, herrschsüchtiger Gutsherr, der vielen Menschen das Leben zur Hölle gemacht hat. Seine neue Gestalt ist die Strafe dafür.

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Szenenfoto aus „Die Schöne und das Biest“, Theater der Jugend (Wien)

„Wunder“-Pferd

Fleur (Benita Martins) und Florence (Violetta Zupančič), Belles Schwestern, sind in ihrer arroganten Bösartigkeit vielleicht ein wenig zu dümmlich angelegt. Daniel Große Boymann als Vater erfüllt immerhin den Herzenswunsch der jüngsten Tochter nach einer Rose, hadert dann doch damit, Belle zum Biest ziehen zu lassen. Die überraschendste Figur des Stücks ist das „Wunder“-Pferd in Gestalt eines Hochradfahrers mit Rosskopf und-gebiss (Kostüme: Anna Katharina Jaritz), gespielt von Stefan Rosenthal, der auch einen humorvollen Chauffeur – und wie seine Kolleg:innen unsichtbare Diener und mehr gibt.

Mason lässt aber auch die verschollene Maman (als Anklang an die französischen Märchenversionen) immer wieder der jüngsten Tochter, die ebenfalls Blumen und Pflanzen liebt, erscheinen. Maria Fliri ist aber auch in und ums alte, halb verfallene, Bauernhaus als Magd Madeleine allgegenwärtig – und einstiges Opfer der mehr als unguten Behandlung des vormaligen Biestes.

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Szenenfoto aus „Die Schöne und das Biest“, Theater der Jugend (Wien)

Vorurteile

„Es gibt viele Menschen, die schlimmere Ungeheuer sind, als du eines bist! Ich mag dich mit deinem Aussehen lieber als die, die in menschlicher Gestalt ein falsches, verdorbenes und undankbares Herz besitzen“, heißt es in der Übersetzung der Märchenversion von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont. Auch wenn das in einem Märchen natürlich doch leichter ist als in der Wirklichkeit sehender Menschen, die sich von optischen Eindrücken stark leiten lassen. Das können blinde Menschen besser ausblenden.

Und natürlich drängt sich beim Biest der millionenfach zitierte Spruch „man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“ aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry auf.

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Screenshot aus dem Film

Einfach als Frau frei sein wollen

 „Wir sprechen viel über unsere Träume – was es heißt frei zu sein als Frau…“ So beginnt der Film, der nun im großen Urania-Kino, dem Kinder- und Jugendkino cinemagic seine umjubelte Premiere gefeiert hat.

Und genau darum geht es in den nicht ganz zehn folgenden Minuten von „Mein Kopf – Mein Kopftuch – Meine Entscheidung“. Mindestens genau so viel aber auch um Freundschaft, die Träume junger Frauen – und dass ihnen genau niemand irgendwelche Kleidungsvorschriften machen dürfe. Zumindest sollte das wohl ein legitimes Ziel sein.  

Rahima Nasir Hersi als Leyla und und Fariza Bisaeva als Nour bringen auf den Punkt, was nicht nur sie, sondern einerseits unzählige und andererseits ganz konkret rund ein Dutzend junger muslimischer Frauen dieses Projekts oooooft erlebt haben und erleben: Die einen mit und die anderen ohne Kopftuch.

Viel zu oft geht es genau fast nur um dieses Stück Stoff, das sie tragen oder nicht (mehr). Nicht darum, was sie im Kopf haben, was sie können, was sie denken, meinen, wie sie handeln…

Idee

Vor mittlerweile drei Jahren hatte Ishraq Al-Ibraheem die Idee, dazu etwas, eventuell einen Film zu machen. Zu oft hatte sie bei Bewerbungsgesprächen – obwohl sie den Unterlagen ein Foto mit Hijab beigefügt hatte – gehört, sie könne den Job bekommen, aber…

Abstimmung

Sie nahm damals an einer Bildungsmaßnahme von Interface Wien teil. Aus ihrer Idee wurde ein Filmprojekt – eingereicht für die erste Kinder- und Jugendmillion (knapp mehr als eine Woche läuft die Online-Abstimmung über Projekte für die zweite Million – Link zu einem Beitrag dazu am Ende dieses Artikels). Und so viele Kinder und Jugendliche voteten für das Projekt, dass es in Angriff genommen werden konnte.

Screenshot aus dem Film
Screenshot aus dem Film

Realisierung

Kontakt wurde aufgenommen zu BOJA (Bundesweites Netzwerk Offene JugendArbeit), Eşim Karakuyu übernahm die Projektleitung. Immer ging es darum – wie bei der Filmpräsentation in der Urania mehrfach betont wurde, die Jugendlichen selbst einfach bei der Umsetzung ihres Vorhabens zu unterstützen. Die beteiligten Mädchen diskutierten, was sie aussagen wollten. Die Profis von suna films – Susanne Knöbel und Folashade Lena (Kamera und Schnitt) halfen bei der Umsetzung und zeichneten für den Dreh sowie die Montage verantwortlich – immer aber in enger Absprache mit den Beteiligten. Dazu gehörte etwa auch, wer wie im Film zu sehen sein sollte und wer etwa das eigene Gesicht verbergen wollte – mittels Blumen – wie in der letzten Szene, die auch zum Plakat für den Film wurde.

Alles Gesprochene wird gleichzeitig als Untertitel eingeblendet – womit auch Menschen mit Gehörbeeinträchtigung die Aussagen mitverfolgen können. Außerdem sind den Filmemacherinnen viele verspielte grafische bei der Gestaltung eingefallen.

Screenshot aus dem Film
Screenshot aus dem Film

Von der „Heldin“ zur „Verräterin“

Zurück zum Film: Die eine Protagonistin mit und die andere ohne Kopftuch schildern und spielen Szenen, in denen sie diskriminiert werden – die beiden Filmnamen stehen auch dafür, dass es die Geschichten vieler anderer der Mitwirkenden und darüber hinaus sind. Die einen werden angestänkert, belästigt, nicht wahrgenommen, weil sie Kopftuch tragen., Die anderen wurden einst mit Kopftuch von der Community für ihren Mut, ihre Wortgewandtheit usw. gefeiert. Und gelten dort nun nach dem Ablegen des Stückes Stoff über den Haaren als Verräterinnen. (Link zum ganzen Film in der Info-Box ganz unten.)

Durch die Filmpräsentation mit kurzen Diskussionsrunden mit einigen der Beteiligten führte Anahita Neghabat. Munira Mohamud, studierte Politikwissenschaften und internationales Recht, Young European 2024 der Schwarzkopf-Stiftung, sowie im Vorstand der Doku-Stelle Islamfeindlichkeit & antimuslimischer Rassismus, ordnete die „Kopftuchfrage“ in den globalen Zusammenhang (u.a. Kolonialismus) ein.

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Kiku-on-the-blog -> brille-zahnspange-rote-haare-kopftuch…

Szenenfoto aus "Brennendes Haus"

Nachwuchspreise für „Brennendes Haus“ und „Die Düntzer Rhapsodie“

„Wie viele Perspektivwechsel, Stimmungswechsel, Themenwechsel, Rhythmuswechsel passen in eine zwanzigminütige Aufführung? Willkommen zur Familienaufstellung im Brennenden Haus: Ein Esstisch, ein Bild an der Wand und drei Menschen. Wie die Möbel scheinen sie zwischen eichenbraun, mehlbeige und staubgrau zu changieren. Text und Spielweise wirken zu Beginn fast modellhaft distanziert. Nach und nach stellt sich alles als viel konkreter und persönlicher heraus als zunächst angenommen“, so beginnt die Begründung der Jury im 16. Nachwuchsbewerb des Theaters Drachengasse (Wien) mit der sie ihre Entscheidung für „Brennendes Haus“ gefällt hat.

„Überraschung als Prinzip“

Julia Engelmayer, Leitende Dramaturgin Landestheater NÖ, Johanna Figl, Kuratorin der Stadt Wien, und Tobias Herzberg, Künstlerische Leitung Schauspielhaus Wien setzen ihre Begründung für die Kurzversion des genannten Stücks von Kristin Buddenberg, Anaïs Clerc, Alexander Gerlini, Amelie von Godin, Marie Nadja Haller und Skye MacDonald wie folgt fort: „Bei aller Verdichtung ist Raum für Verschwiegenes und Unaussprechliches zwischen den Figuren, die verhärtet und zugleich zärtlich miteinander umgehen. So stringent die Dramaturgie zunächst wirkt, so klug spielt sie mit der Wahrnehmung des Publikums. Die Überraschung als Prinzip: So klarsichtig die Argumentation einer Figur auch sein mag, so emotional wird kurz darauf das Spiel. So ernsthaft ein Moment sich hochschraubt, so komisch setzt die Regie den nächsten Bruch. Auf diese Weise entsteht nicht nur ein Ausschnitt, sondern ein ganzer Kosmos dreier Generationen – über das, was sie trennt und was sie verbindet. Unterhaltend, verstörend, abstrakt und konkret, dass es ein Vergnügen ist, dabei zuzusehen.“

Genau deswegen wollen die Juror:innen mehr davon, nämlich ein abendfüllendes Stück – der Preis beim Nachwuchsbewerb ist die Weiterentwicklung eines solchen – mehr davon sehen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Düntzer Rhapsodie“

Publikumspreis

Jeden Abend an dem die vier 20-Minuten-Fassungen neu enstehender Stücke zu sehen waren, durfte auch das Publikum abstimmen. Und die meisten stimmen vielen auf „Die Düntzer Rhapsodie“ von Barbara Angermaier, Bianca Braunesberger, Marika Rainer, Kasija Vrbanac Strelkin, Ivan Strelkin.

Ausgabe 17: „Automaten mit Fell“

„Ob Fell, Federn, Schuppen, ob Schnauze, Schnabel, Sackkiefer, ob herrschaftliche Menagerie oder Tierhortung: Nicht erst seit der Corona-Pandemie nimmt die Haustierpopulation stetig zu. …“ so startet der Text für die Ausschreibung des 17. Nachwuchsbewerbs des Theaters Drachengasse in der Wiener Innenstadt. Das Motto lautet Automaten mit Fell“ – und diese erklärenden Sätzen sind durchaus vonnöten, ich hätte beispielsweise bei diesem Thema eher daran gedacht, wie Roboter sozusagen haustierisch verpackt werden könnten 😉

„Haustiere zwischen Statussymbol, repräsentativem Ziergegenstand und schnell verfügbarem Trostautomat zur emotionalen Wiederherstellung des vereinzelten spätkapitalistischen Subjekts“ – spannt das Theater den inhaltlichen Bogen auf, zu dem es Stück-Skizzen und Entwürfe für zehn Vorstellungen von 20-Minuten-Versionen beim nächsten Festival – 12. bis 31. Mai 2025 – zeigen will.

Einreichungen sind bis einschließlich 4. November 2024 zu richten an:
newcomer@drachengasse.at
oder per Post an
Theater Drachengasse, 1010 Wien, Fleischmarkt 22, Kennwort: Newcomer

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Die nahen Begegnungen mit jugendlichen Stimmen im Ohr

Original-Aussagen Jugendlicher zu ihren Gedanken und Gefühlen

Eine 1:1 Begegnung und doch ist es eigentlich das Zusammentreffen von vier Menschen, (mindestens) drei davon Jugendliche. Klingt kompliziert, war aber einfach. „Close Encounters“ (nahe Begegnungen) wurde vor zwei Jahren im Rahmen der Wiener Festwochen entwickelt und als eine Art spin-off kürzlich Teil des Dramatiker:innen-Festivals in Graz.

Konzipiert von Anna Rispoli und künstlerischer Mitarbeit und Workshop-Leitung von Dilan Sengül waren Jugendliche zu Gesprächen und aufgenommenen Interviews eingeladen. Sie sollten – und taten dies – über ihre Ansichten zu Leben, Liebe, Ängste, die Welt im Allgemeinen, gesellschaftliche Themen ebenso wie zu Freund:innen, Konsum – auch dem von Drogen oder nicht zu sprechen.

Montage aus vielen Aussagen

Aus vielen dieser Aussagen montierten die professionellen Künstlerinnen ein einziges Gespräch zwischen einem Mädchen und einem Burschen – jeweils mit Pausen dazwischen.

Besucher:innen saßen nun jeweils einzeln mit einer oder einem Jugendlichen in einer Ecke des Theaters am Grazer Ortweinplatz. Jede/r einen Kopfhörer im Ohr – und immer nur einen Part des Gesprächs hörend. Da beide aber immer das eben Gehörte wiederholen sollten, bekamen auch die Besucher:innen das ganze – zusammengeschnittene – Gespräch zu hören. Die beteiligten Jugendlichen kannten die meisten schon davor alles.

Gast-Jugendliche

In Graz waren Jugendliche Teil des Geschehens, die nicht zwei Jahre zuvor ihre eigenen Ansichten aufnehmen lassen konnten. Der 15-jährige Xaver, der gemeinsam mit dem KiJuKU-Journalisten die Session absolvierte, meinte aber im Gespräch danach: „Ich konnte mich schon mit vielem, was da gesagt wurde, identifizieren, aber nicht mit allem.“

Er selbst besucht eine Schule mit Kreativ-Schwerpunkt, weil er selber einmal etwas mit Film oder Theater machen will.

Dauerhaft bei den Festwochen

Leily, 18-jährige Gymnasiastin, die aus Wien zum Festival nach Graz anreise, war schon 2022 beim Projekt dabei, ist auch heuer bei den Festwochen Teil der Geschworenen in den Wiener Prozessen und im „Rat der freien Republik Wien“. Sie ist sehr kunstaffin, werde aber eher Medizin oder Jus studieren, was ihre Eltern bevorzugen.

Willensstarker Lehrling

Der gleichaltrige Darko ist Lehrling (Einzelhandelskaufmann) bei einer großen Supermarktkette mit eigener Ausbildungs-Akademie. Die Ausbildung gefällt ihm. Vor zwei Jahre wurden er und einige Kolleg:innen Teil des Kunstprojekts „Close encounter“, was ihm sehr gefiel. Dort konnte er auch gut seine Ansicht übers Rauchen einbringen, das er persönlich stark ablehnt – auch aus der persönlichen Erfahrung seiner Eltern, die beide viel rauchen. „Im Freundeskreis ist es nicht immer leicht, das durchzuhalten. Wenn alle rundum rauchen und du bist der einzige, der nicht mitmacht. Aber ich bin sehr ehrgeizig und willensstark – ich denk mir dann immer, es ist nicht nur nicht gesund, sondern es wäre schade um das viele Geld.“

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Compliance-Hinweis: Das Dramatiker:innen-Festival in Graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zur Berichterstattung eingeladen.

Zwei der hier beschriebenen Kurz-Versionen sind beim Festival am Freitagvormittag

Die ganze Bühne eine schräge Bettfläche weiß mit dünnen roten Strichen, die ein groß-kariertes Muster ergeben. Mittendrin ein üppiger König mit kleiner roter Krone. Der zählt Pölster – „61, 62, 63, 61, 64, 65“. Zeigt sich verwundert. Zählt noch einmal und noch einmal. Ist verärgert. Er hatte doch 66 Kissen, irgendwer hat wohl eines geklaut. Der König trägt einen außergewöhnlichen Namen, der schon den Kern der Geschichte aussagt: „Die Schachtel, die alles hat, alles darf und nichts muss“.
Und alles heißt, wenn er 66 Pölster hatte, dann will er genau die haben und nicht einen weniger.

Folgerichtig schreit er herrschsüchtig nach dem Diener. Auch der heißt nicht alltäglich: Törtchen, stets zu Diensten. Natürlich kommt der für des Königs Geschmack zu langsam – und darf nicht wirklich die Wahrheit sagen, dass sich sein und aller Herren verzählt hat. Muss also los, um ein 66. Kissen aufzutreiben.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Schachteldrama

Soweit der Beginn des Stücks „Der König, der alles hatte“ im Grazer Jugendtheater Next Liberty. Verena Richter, Kabarettistin, Musikerin und Autorin hat es geschrieben unter dem Titel „Schachteldrama“ – vor drei Jahren im Rahmen des Retzhofer Dramapreises, in einer Kombination aus Workshops und Wettbewerb. Und ihr Text ist mit Wortwitz(en) gespickt, nicht wenige eher für erwachsenes (Begleit-)Publikum.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Dir fehlt was

Zurück zur nunmehrigen Inszenierung (Regie: Anja Michaela Wohlfahrt). Während also der König (Martin Niederbrunner), der alles für sich haben will, dabei aber nicht nur beim Zählen ein bisschen dümmlich wirkt und sein Diener (Helmut Pucher), der nie an den Aufträgen verzweifelt und heiter bleibt, um den 66. Polster eilen will, läutet es an der Tür (EU-Hymne). Eine Gästin von weit her – jenseits der Schuldenberge, hinter den Gierschluchten aus einem Land, wo die Menschen (fast) nichts haben. Darauf weist Cassandra Schütt die „Schachtel, …“ hin. Dieses Ungleichgewicht von Reichtum und Armut führt aber auch dazu, so die Gästin, dass dem König doch etwas fehle: Gerechtigkeit.

Hoppla, das kann doch nicht sein, dass der Herrscher nicht alles hat. Hat er doch nicht nur 66 Pölster, 12 luxuriöse Badewannen, einen vorderasiatischen Rückenkratzer, sondern sogar königsblaue Eierschalen-Sollbruchstellen-Verursacher… Aber tatsächlich, auf der Liste seines Hab und Gutes gebe es kein Gereuchtigbumms. Also müsse er auch das haben.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Verkäufer für alles …

Da trifft es sich gut, dass wieder die Europa-Hymne erklingt; ein Paket wird geliefert. Überzeugender Überzeuger (Simone Leski) mit Jacqueline, der Krawatte der Überzeugung um den Hals, üppig kostümiert (Ausstattung: Helene Payrhuber), trifft ein.
Endlich Gerechtighummsdipummsdi?
Naja, doch irgendwie nicht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Einen Bewunderer braucht er mindestens

Die Figur tritt in der Folge noch zwei Mal auf – immer anders, ziemlich schräg kostümiert, um angeblich so ein Gerecht-, Gereucht, also so was zu bringen, das die Schachtel noch nicht hat. Und verlangt dafür immer mehr. Beim zweiten Mal den Diener – den will der König nicht hergeben. Dann bliebe ja gar keiner mehr, der ihn bewundern und bedienen könne – wobei da schon ein bisschen mitschwingt, dass er auch nicht ganz allein bleiben will.

Zuletzt ist der König bereit zu zahlen „koste es, was es wolle“. Bühne wird leer geräumt. Doch nicht ganz, einen Polster hält er noch in Händen – und den teilt er sich nun als Sitzgelegenheit mit Törtchen, stets zu Diensten.
Happy End, Vorhang zu. Applaus.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Ansatzlose Veränderung

Ob zuvor die einkassierten Kissen als Symbol für alles, überhaupt an die Armen im Land der Gästin jenseits der Gierschluchten gehen oder erst recht nur an einen anderen Gier-Raffer, den überzeugenderen Überzeuger? Und wie der König sich überhaupt veränderte? In der Stunde, oder vielleicht auch nur den 55 bis 58 Minuten vor dem geteilten Polster, ist keine wirkliche Entwicklung erlebbar. Mehr oder minder bleibt die Schachtel in ihrer alles haben wollen-Mentalität. Da braucht’s eben auch das Gerechtigkeitsdings. Womit die drei Aufritte der fantasievoll ausgestatteten Überzeugenderen Überzeuger dennoch more of the same (mehr vom Gleichen) bleiben – und in etwa ab der Hälfte des Stücks ein Gutteil des Kinderpublikums unruhig zu werden beginnt.

Außerdem schwebt über dem Polster-Teilen nicht nur ein neues Königs-Gefühl, sondern vielleicht eher noch das alte: Ich will wenigstens einen Bewunderer und Diener.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Live-Musiker

Neben dem Wortwitz aus dem Text und dem Spielwitz der Schauspieler:innen ist unbedingt noch der Live-Musiker Reinhard Ziegerhofer zu erwähnen. Mit Gitarre, Kontrabass, den er an passenden Stellen zum Percussion-Instrument umfunktioniert und Melodica ist er ständig auf der Bühne präsent. Als „Teil des Ganzen“ kriegt er manches Mal vom König Anweisungen, dass er schneller oder anders zu spielen habe. Und dennoch vermittelt er eine gewisse Unabhängigkeit.

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Compliance-Hinweis: Das Dramatiker:innen-Festival in Graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zur Berichterstattung eingeladen.

Zwei der hier beschriebenen Kurz-Versionen sind beim Festival am Freitagvormittag im taO! zu sehen

Szenenfoto aus "Medea's Kinderen"

Hätte man nicht Stopp rufen sollen/können oder gar müssen?

Die meisten, stärksten Reaktionen während des Stücks und auch beim echten Nachgespräch lösen die brutalen Mord-Szenen an den fünf Kindern aus. Klar, sie sind gespielt, das in Strömen fließende Dunkelrot ist Kunstblut. Und das Spiel findet im Inneren des Hauses am Sandstrand statt, übertragen durch Video auf die große Leinwand. Dennoch: (Kaum) auszuhalten. Etliche Zuschauer:innen verlassen den Saal, (viele) andere halten sich die Augen zu oder wenden den Blick ab.

Aber wäre das nicht – dieses grausame Schauspiel dauert ewig lange – die Gelegenheit gewesen: Laut aufzuschreien? Ein Stoppen zu verlangen?

Was wäre dann geschehen? Diese Frage kam im – echten – Nachgespräch (dazu die Erklärung später). „Wir wissen es nicht, ist bisher noch nie vorgekommen“, so Peter Seynaeve, Schauspieler und Kinder-Coach in „Medea’s Kinderen“ von Milo Rau bei den Wiener Festwochen – übrigens im Jugendstiltheater auf dem Gelände des ehemaligen psychiatrischen Krankenhauses Baumgartner Höhe. „Aber sicher hätten wir reagiert. Vielleicht hätten wir gefragt, ob das viele oder alle im Publikum wollen…“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Medea’s Kinderen“

Der größte Spaß für die Kinder

Und er schildert auch: Die beteiligten Kinder – die fünf in Wien (Jade Versluys, Gabriël El Houari, Emma Van de Casteele, Sanne De Waele, Anna Matthys, Vik Neirinck) aber auch ein zweiter Cast (Bernice Van Walleghem, Aiko Benaouisse, Helena Van de Casteele, Ella Brennan, Juliette Debackere, Elias Maes; derzeit mit Lien Wildemeersch bei anderen Gastspielen unterwegs) beim Dreh für diese Gewaltszenen, die nicht jedes Mal live gespielt werden, sondern als einmal vor-aufgenommene Videos auf die große Leinwand projiziert werden, den meisten Spaß hatten. Wenngleich manche diese Szenen bei einer Vorstellung der anderen selber nicht anschauen konnten. Und dass es auch neben dem Schauspiel-Coaching mit psychologischer Begleitung durch die ganze Probenzeit hindurch gab. Ein anderes der spielenden Kinder wird zitiert, dass es viel schwieriger gewesen sei, die Kuss-Szene zu spielen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Medea’s Kinderen“

„Nachgespräch“

Das rund 1½ -stündige Stück beginnt schon ein wenig verstörend: Vorhang zu, der schon erwähnte Peter Seynaeve stellt hölzerne Klappstühle davor auf, Nach und nach kommen die fünf Kinder – eine hat noch das Handtuch über den „nassen“ Haaren, ein anderer ist noch unter der Dusche. Es startet das „Nachgespräch“. Alle tun so, als hätten sie gerade gespielt und das Publikum hätte es gesehen. Immer wieder fragt das ein, dann das andere Kind, ob es einen Monolog, ein Lied wiederholen dürfte; beginnt zu singen, ein anderes setzt sich ans Keyboard oder spielt am Theremin… – bis sich der Vorhang öffnet und das Spiel wirklich beginnt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Medea’s Kinderen“

Medea und ein vielfacher Kindsmord aus Belgien

Auf einem öden Sandstrand zwischen Strandkorb und zweistöckigem Häuserl taucht Jason in Fell (dem goldenen Vlies?) auf. Und natürlich Medea. Sowie ein drachenartiger Dämon. Auf der Bühne von Kindern gespielt, auf der Leinwand „wiederholt“ von erwachsenen Schauspieler:innen. Dieses Muster der Verdoppelung durch unterschiedliche Generationen wiederholt sich auch beim Spiel, das an einen realen mehrfachen Kindsmord in Belgien angelehnt ist. Samt fiktiver Vorgeschichte der Mörderin, des Ehemannes und dessen Freund „Dr. Glas“.

Gedenkstätte für die ermordeten Kinder
Gedenkstätte für die ermordeten Kinder „Am Spiegelgrund“

Mords-Ort

Wobei es da schon spooky wird, einige im Publikum reißt, die wissen, dass auf dem Areal dieses einstigen psychiatrischen Krankenhauses „Am Spiegelgrund“ in der Nazizeit unter anderem ein Dr. Gross federführend an Experimenten und Morden von Kindern beteiligt war. Ein erst vor rund 20 Jahren errichtetes Mahnmal aus Hunderten Lichtstelen vor dem Theater erinnert daran.

Erklärtafel zur Gedenkstätte für die ermordeten Kinder
Erklärtafel zur Gedenkstätte für die ermordeten Kinder „Am Spiegelgrund“

Gewalt-Kreislauf

Milo Rau, Intendant der Festwochen, hat schon öfter antike griechische Stoffe mit Verbrechen der Neuzeit – in unterschiedlichsten Gegen der Welt verknüpft (Orest mit Mosul/Irak, Antigone mit Amazonas). Der scheint’s ewige Kreislauf von Gewalt, die alle vorgeblich ablehnen und dann doch nicht stoppen, wird schmerzhaftest bewusst.

Und auch, dass für Kinder der tödlichste Ort – neben Kriegen – das eigene Heim ist. Mord in der Familie. Ausgerechnet von denen, die für den eigenen Schutz zuständig wären. So verknüpft diese Inszenierung den verfremdeten realen knapp zwei Jahrzehnte zurückliegenden mehrfachen Kindermord durch die Mutter in Belgien mit der Euripides-Version des Medea-Mythos. Da bringt sie Mermeros und Pheres, die Söhne, die sie mit dem Argonauten Jason hatte, aus Rache über den Verstoß durch ihn, um. In anderen Versionen bringen die Korinther, die die fremde Zauberin hassen, die beiden Kinder um.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Medea’s Kinderen“

Warum immer wiederholen

Und so philosophieren die Kinder, die überzeugend spielen, denen aber doch etwas befremdlich nicht selten eher altkluge Sätze in den Mund gelegt werden, auch darüber, warum sich alles ständig wiederholen muss. Und, dass es für den Planeten wohl am besten wäre, die Menschheit würde aussterben. „Aber bitte erst nach unserem Tod!“

Aus der Sicht der Kinder?

„Medea’s Kinderen“ vom NTGent – gespielt in flämischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln – thematisiert auch, dass im antiken griechischen Theater die Gewalt nicht explizit gezeigt wurde, sondern die Schreie aus dem Verborgenen kamen. Die Kinder also in „Medea“ unsichtbar geblieben sind. Hier rücken sie ins Zentrum. Sie spielen allerdings die meiste Zeit die Rolle der beteiligten Erwachsenen – sowohl im Medea-Stoff als auch im neuzeitlichen Mordfall. In die Rolle der Kinder schlüpfen sie fast nur rund um die und in den Gewalt-Szenen – letztere übrigens als Videos, wie sie nicht wenige Kinder und Jugendliche auch auf ihren SmartPhones finden.

Auch wenn hier Kinder zentral auf der Bühne spielen und sie und Altersgenoss:innen im Vorfeld nach ihren Fragen an den Medea-Stoff erhoben wurden, der Kinder-Blickwinkel bleibt noch immer nur der vor fast einem halben Jahrhundert entstandenen Version „Medeas Barn“ (Medeas Kinder) von Suzanne Osten und Per Lysander vom Unga Klara Theater in Stockholm vorbehalten.

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Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Medea’s Kinderen“
Szenenfoto aus "The Mirror of Nomori"

Spieglein, Spieglein – wer bin ich und wer will ich sein?

Höchst Ungewöhnliches spielt sich derzeit als Gastspiel im Theater Arche (Wien-Mariahilf) ab: Eine Oper mit kleinem Live-Kammerorchester auf der Bühne, singenden, teils tanzenden, schauspielenden Drag-Queens und -Kings mit schrillen, teils bewusst verstörenden Klängen.

„The Mirror of Nomori“ (Musik & Text: Wataru Mukai) nennt sich im Untertitel „queere Drag-Oper nach dem japanischen Noh-Theater Nomori“. Die in Japan bekannte Legende von Nomori – einem geheimnisvollen See, der als Spiegel dient samt Dämon – hat der Autor und Komponist in ein städtisches Rotlicht-Viertel verlegt. Und in diesem vier Sex-Arbeiter:innen obendrein noch mit einigen queeren Figuren besetzt – samt heftigen gesungenen Sprüchen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „The Mirror of Nomori“

Ihr Dasein als Außenseiter:innen – wenngleich manche in ihrem Job beliebt – samt Konkurrenzverhältnis und mancherseits gegenseitigem Mobbing führt immer wieder auch zu Selbstreflexion samt Zweifel. Wer bin ich? Will ich das sein? Ja! Oder vielleicht doch eher nicht?

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte die letzte Probe vor den leider nur zwei Aufführungen am ersten Juni-Wochenende (2024) besuchen.

Außenseiter:innen

Üppig kostümiert (Moche Le Cendrillon) singen und spielen Max Bell (Bitti), Noriyuki Kubo (Kitti), Risa Matsushima (Sissi) und Valentin Trandafir (Titti) die vier Haupt-Charaktere auch mit unterschiedlicher sexueller Orientierung. Sie kommen aus den vier Türen im Hintergrund der Bühne, betreten und be-setzen die Hauptbühne, auf deren Boden große Puzzleteile verstreut liegen – und bald als „Splitter“ eines Spiegels zu vermuten sind.

Dirigiert von Taichi Hiratsuka musizieren Miho Sakuma (Flöte), Akari Kagoshima (Fagott), Ayaka Sato (Euphonium), Dora Donata Sammer (Blockflöte), Kimiko Krutz (Cembalo – Keyboard), Eni Maqellari (Viola), Irini Liu (Violoncello), Hibiki Mukai (Electronics) und Seina Matsuoka. Letztere tritt mit ihrer Geige mehrmals fast ins Zentrum des Geschehens auf der Bühne, um dieses solistisch zu kommentieren, unterstützen, voranzutreiben. Fallweise erklingen Klaviertöne aus einer ganz anderen Richtung. Du drehst dich aus deinem Publikum-Sitz um und siehst aber auf der Tribüne niemanden – Yuto Kiguchi spielt versteckt aus unter der Tribüne am Klavier.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „The Mirror of Nomori“

Dämon

In der Legende ist dieser See/Spiegel mit einem furchterregenden Dämon verknüpft. Wikipedia nennt „Nomori große und mächtige Yokai aus der japanischen Folklore und Mythologie. Sie ähneln Schlangen, haben aber auch sechs Arme, die jeweils in kräftigen Greifkrallen enden.“

Gegen Ende, als die „Splitter“ zum kreisrunden Spiegel/See zusammengefügt worden sind, tritt auch dieser Dämon (Wataru Mukai) mit einer ihn begleitenden Tänzerin (Nahoko Fort) in Erscheinung, nachdem Bitti, Kitti, Sissi und Titti wieder zurückkehren. Zuvor hatte sie der in einer Art Polizei-Stil agierenden „Anführer“ (Fábio Coutinho) vertrieben.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „The Mirror of Nomori“

Japanisches Nō-Theater mit offenem Ende

„The Mirror of Nomori“ – ein englischer Sprache mit deutschen Übertiteln – ist, wie es im ausführlichen Programmheft heißt, „eine Überschreibung des Noh-Stücks im Kostüm der Dragqueen“.

Dort wird der Autor und Komponist Wataru Mukai so zitiert: „Das Libretto wollte ich von Anfang an selbst schreiben, aber während der Vorbereitung habe ich bemerkt, dass es schwierig ist, es aus dem Nichts zu verfassen. Deswegen habe ich beschlossen, ein bereits existierendes Werk als Vorlage zu nehmen. So kam ich auf die Idee, ein Noh-Stück zu verwenden. … Außerdem war Noh, auch wenn es heute etwas offener ist, ursprünglich für Frauen verboten und durfte nur von Familienmitgliedern aufgeführt werden. Ich dachte, dass ich etwas Interessantes schaffen könnte, wenn ich diese strenge Kultur mit der freien Drag-Kultur mische. … Nach einigen Recherchen bin ich auf Nomori gestoßen, das auch in 100 Best Noh Pieces aufgeführt ist. Besonders der Wasserspiegel in Nomori hat mich sehr inspiriert, ein Musiktheaterstück zu komponieren.“

Bewusst lässt die Oper – die vor mehr als einem Jahr in Japan uraufgeführt wurde – das Ende offen.

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Bild-Montage aus einem Großgruppenfoto und einem der preis-Statuetten

Das sind sie: Alle Preisträger:innen von Jugend Innovativ 2024

Der 37. Durchgang des Bewerbs Jugend innovativ ging Mitte der letzten Mai-Woche (2024) mit der Preisverleihung zu Ende. Im Herbst waren 427 Projekte mit 1.600 Schüler*innen und Lehrlingen gestartet. Die Projekte teilten sich wie folgt auf die einzelnen Kategorien auf:
Design: 39 – 9%
Engineering I: 77 – 18%
Engineering II: 57 – 13%
Entrepreneurship: 42 – 10%
ICT & Digital: 114 – 27%
Science: 33 – 8%
Sustainability : 65 – 15%.

Die meisten Einreichungen kamen aus höheren technischen Lehranstalten (HTL) – 85 Prozent. Von den 33 Wissenschaftsprojekten schafften es 28 in die Halbfinale (85%).
In diesem Beitrag finden sich nun alle vergebenen Preise:
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… portraitiert aber – unabhängig von den Preisen – alle 37 Projekte (einschließlich Special Award Vorarlberg) – jeweils aufgeteilt auf die einzelnen Kategorien in eigenen Beiträgen – unten am Ende verlinkt.

Die Teams stellten ihre Projekte zweieinhalb Tage lang im großräumigen Foyer des Erste Campus – der gleichnamigen Bank – vor. Die Preisverleihung fand in der „Grand Hall“ statt. Launig moderiert von Ana Ryue (zum dritten Mal) mit ihrem Kollegen Martin Krejci (erstmals). Die Statuetten – das treppenförmige Jugend-Innovativ-Logo aus orangefarbenen Klemm-Bausteinen – reichte wieder ein Mr. Cube, dieses Mal im schwarz-weiß-karierten Anzug David Bornholdt. Dass er die richtigen Preis-Trophäen an die jeweiligen Gewinner:innen der 3., 2. und 1. Plätze in den sieben Kategorien (zwei Mal Engineering – einmal Maschinenbau, einmal Elektronik) brachte – dafür sorgte im Hintergrund Caro Papasian.

Hochrangig

Hin und wieder in den 37 Jahren seit es den Schulwettbewerb Jugend Innovativ gibt, beehrten Minister:innen die Preisverleihung. Heuer waren es sogar zwei – Bildung sowie Arbeit und Wirtschaft. Ob die bevorstehende EU- sowie die herbstliche Nationalratswahl da mit eine Entscheidungsgrund waren? Das dritte Ressort, das den Bewerb seit ein paar Jahren unterstützt – Klimaministerium – war hochrangig beamt:innen-seits vertreten. Zum dritten Mal wurden eigene Special Awards Vorarlberg vom Verein Jugend forscht Vorarlberg vergeben – Medaillen.

Die Preisträger:innen

Design

1. Preis: OpenSoundQueue – Die gemeinsam steuerbare Audiowarteschlange: HTL Rennweg; Wien

2. Preis: Modularer Fahrerstand einer Straßenbahn; HTBLuVA St. Pölten; Niederösterreich

Design: Platz3
Design: Platz3

3. Preis: Straßenlaternen aus Holz; EUREGIO HTBLVA Ferlach; Kärnten

Anerkennungspreise:
* Raumwunder Kindergarten; HTL Pinkafeld; Burgenland
* Warden of Time; HTL Rennweg; Wien

Engineering I

1. Preis: Development of an autonomous and resuable weather Ballon Drone – Loon-A-Tix; HTBLA Eisenstadt; Burgenland

Engineering I: Platz 2
Engineering I: Platz 2

2. Preis: „ScrewRover – Ein Flughafen-Roboter zur Wartung von Rollfeld-Leuchten“   HTL Rennweg; Wien

Engineering I: Platz 3
Engineering I: Platz 3

3. Preis: Additive Fertigung eines Dieselmotorkolbens; HTBLA Eisenstadt; Burgenland

Anerkennungspreise:
* Autonomer Tennisball-Sammelroboter; HTL Mödling; Niederösterreich
* Ferngesteuerter Prüfwagen zur visuellen Kontrolle von längsgeschweißten Profilrohren; HTBLuVA Waidhofen/Ybbs; Niederösterreich

Engineering II

1. Preis: Universal-Switch; HTL Mössingerstraße; Kärnten

Engineering II - Platz 2
Engineering II – Platz 2

2. Preis: Sämereienausbringung mittels Streudrohne in Reihenkulturen; HTBLA Ried im Innkreis; Oberösterreich

Engineering II - Platz 3
Engineering II – Platz 3

3. Preis: SmartHailGuard; HTL Mössingerstraße; Kärnten

Anerkennungspreise:
* ProHand – Ansteuerung und Aufbau einer künstlichen Hand; TGM – Die Schule der Technik; Wien
* Bionic Eye; TGM – Die Schule der Technik; Wien

Entrepreneurship

1. Preis: Hand in Hand – das erste Gebärdensprachespiel; BHAK/BHAS Bruck a. d. Leitha; Niederösterreich

Entrepreneurship - Platz 2
Entrepreneurship – Platz 2

2. Preis: CallBack; HTL Mödling; Niederösterreich

Entrepreneurship - Platz 3
Entrepreneurship – Platz 3

3. Preis; Safe2Ride; HTL Dornbirn; Vorarlberg

Anerkennungspreise:
* Der Hof – oder was ein Schulhof alles kann!; BHAK/BHAS Feldkirch; Vorarlberg
* Strive; HTBLVA Spengergasse; Wien

ICT & Digital

1. Preis: BlueVision; HTBLuVA Salzburg; Salzburg

ICT & Digital - Platz 2
ICT & Digital – Platz 2

2. Preis: SignLens – Gebärdensprachenübersetzer; HTBLuVA Salzburg; Salzburg

ICT & Digital - Platz 3
ICT & Digital – Platz 3

3. Preis: DrAI – Intelligent drawing robot; HTBLA Neufelden; Oberösterreich

Anerkennungspreise:
* BionicArm; HTL Braunau; Oberösterreich
* „Diagnose von Krebs durch einen Deep-Learning Algorithmus“; Wiedner Gymnasium – Sir Karl Popper Schule; Wien

Science                                                 

1. Preis: „Research and development of a spiroid winglet for the eDA40 aircraft“; HTBLA Eisenstadt; Burgenland

2. Preis: „Advanced Vascular Perfusion Model“; TGM – Die Schule der Technik; Wien

Science - Platz 3
Science – Platz 3

3. Preis: Stressreduktion durch Riesenschnecken; BRG Schloss Wagrain Vöcklabruck; Oberösterreich

Anerkennungspreise
* EcoBoards; HTL Braunau; Oberösterreich
* Künstliche Haut; HTBLA Leonding; Oberösterreich

Kategorie Sustainability - die Preis-Statuette - digital - entsprechend
Kategorie Sustainability – die Preis-Statuette – digital – entsprechend „eingekleidet“

Sustainability

1. Preis: Untersuchung der DSSC-Effizienz mit natürlichen Farbstoffen und Tandem-Struktur; Bernoulligymnasium; Wien

Sustainability - Platz 2
Sustainability – Platz 2

2. Preis: TREBEREI – Kuddel- und Strudelnudeln aus Biertreber; BG/BRG Stainach; Steiermark

Sustainability - Platz 3
Sustainability – Platz 3

3. Preis: COSE EL FUTURO; HBLA Modeschule Graz; Steiermark

Anerkennungspreise:
* The Plastic Eater; HTL Braunau; Oberösterreich
* WeFix; HTBLVA Spengergasse; Wien

Special Award Vorarlberg

vom Verein Jugend forscht Vorarlberg


1. Preis: LABSYSTEMS; HTL Rankweil; Engineering II

Special Award Vorarlberg - Platz 2
Special Award Vorarlberg – Platz 2

2. Preis: Safe2Ride; HTL Dornbirn; Entrepreneurship

Special Award Vorarlberg - Platz 3
Special Award Vorarlberg – Platz 3

3. Preis: Radiosonde CanSat; HTL Rankweil; Engineering II

Moderations-Duo verkündet einen der begehrten Reisepreise
Moderations-Duo verkündet einen der begehrten Reisepreise

Internationale Wettbewerbe und Veranstaltungen

35. European Union Contest for Young Scientists 2024, Katowice (Polen)

Luxembourg International Science Expo – Young Scientist Festival 2024 (LUX)

International Swiss Talent Forum 2025, Nottwil (CH)

Design: Modularer Fahrerstand einer Straßenbahn; HTBLuVA St. Pölten; Niederösterreich

Publikumspreis

Neu war in diesem Jahr die Abstimmung über den Publikumspreis – mit bunten Bällen, die die Besucher:innen am letzten und für die Öffentlichkeit zugänglichen Ausstellungstag bekamen. Und bei dem von ihnen favorisierten Projekt abgeben konnten. Zwei Projekte bekamen gleich viele Stimmen. Doch statt den Preis – 1000 € – zu teilen, wurde entschieden, dass Bernhard Sagmeister, Co-Geschäftsführer des aws (austria wirtschafts service) neben Edeltraud Stiftinger, zu dem Jugend Innovativ gehört, aus einem Goldfischglas einen der beiden Zettel ziehen sollte. Und so ging der Publikumspreis an „WeFix“, die Reparatur-Plattform von Friederike Hausmeister, Nikol Ivanova und Katharina Tonev aus der HTL Spengergasse – Kategorie Sustainability.
Das zweite Projekt mit gleich vielen Stimmen wollten die Organisator:innen nicht verraten.

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Preisträger:innen und (fast) alle Teilnehmer:innen

Das allgegenwärtige JI-Team im Hintergrund

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Fabian Schratz und Julian Gerstlohner bauten und programmierten "BionicArm" eine KI-lernende Hand-Prothese

Viele medizintechnische digitale Hilfen und ein kreativer Roboter

Haben zwei HAK-Schülerinnen (Handelsakademie) ein Brettspiel zum Erlernen der Österreichischen Gebärdensprache entwickelt (Kategorie Entrepreneurship), so arbeiteten Felix Hufnagl, Maximilian Ferner und Patrick Holzer von der HTL Salzburg daran, dass Computer Gebärdensprache lernen; und zwar die American Sign Language (ASL). „Die ASL ist weltweit natürlich verbreiteter als die ÖGS (Österreichische GebärdenSprache). Aber wenn das im Prinzip funktioniert, ist es dann relativ einfach, unserer Software auch andere Gebärdensprachen beizubringen“, meint das Trio zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Die Schüler haben auf bestehenden Übersetzungen von Fingerbewegungen aufgebaut. Da Gebärdensprache aber nicht nur aus aneinander gereihten Buchstaben besteht, sondern in der Regel ganze Wörter oder sogar Wortkombinationen eigene Gebärden haben, mussten sie via Kamera und langsamen Bewegungen der „Maschine“ einen Grundstock an Wortschatz lehren.

Gebärdensprach-Systeme, die von Künstlicher Intelligenz unterstützt werden, existieren schon einige in den Weiten des Internets – meist übersetzen sie eingetippten Text in Gebärden. Das System der Salzburger Schüler soll umgekehrt Gebärden erkennen und in geschriebenen Text dolmetschen.

Hier geht’s zu den Finalprojekten von Entrepreneurship mit dem Gebärdensprach-Lernspiel.

Noch eine künstliche Hand

In der Kategorie ICT & Digital gab es im nun zu Ende gegangenen 37. Bundesfinale von Jugend Innovativ ein zweites Projekt mit künstlichen Händen. Schon unter den fünf Engineering II-Final-Projekten landeten – siehe unten verlinkten Bericht – Schüler:innen des Wiener TGM mit verschiedenen Versionen samt unterschiedlicher Steuerung von Arm- bzw. Hand-Prothesen.

Fabian Schratz und Julian Gerstlohner aus der HTL Braunau setzten bei ihrem BionicArm auf eine Kombination aus biomedizinsicher Sensorik, Reizerkennung und Bildverarbeitung in Echtzeit. Die integrierte KI (Künstliche Intelligenz) lernt stets dazu und kann Bilder interpretieren, um den Handgriff der Prothese entsprechend anzupassen. Macht es doch einen großen Unterschied, ob ein gefülltes Glas, ein Blatt Papier oder eine Zahlbürste zu greifen, halten und verwenden ist.

Die Bilder kommen entweder über eine in eine Brille eingebaute Kamera oder später vielleicht sogar über Gedanken durch Messung der entsprechenden Hirn-Areale, erklären die beiden Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Gebaut haben die Schüler alles selber – Prothese ebenso wie die Platinen im Inneren. Selber viel gelernt haben sie in einem Praktikum an der JKU in der EEG-Forschung (Elektroenzephalografie – misst die elektrische Aktivität der Hirnrinde über Elektroden). Die andere Variante um die Prothese zu steuern ist EMG – Elektromyographie (Methode, um die elektrische Aktivität und Leitfähigkeit in Muskeln zu messen).

Ähnliche Ansätze für Prothesen, so geben die beiden gerne zu, gibt es – aber die Kosten liegen im fünfstelligen Bereich, „während unsere Prothese auf ein paar Hundert Euro kommen würde.“

Und sie wollen zwar ihre Grund-Idee dahinter patentieren lassen, aber die meisten ihrer digitalen Erkenntnisse und Ergebnisse der Allgemeinheit – auch zur Weiterentwicklung – zur Verfügung stellen – Open Source sozusagen.

In diesem Beitrag über die Engineering II-Finalprojekte findest du auch jenen über die künstlichen Hände (ProHand) der TGM-Schüler:innen aus Wien.

Wieder Salzburger Software zum raschen, exakten Erkennen von Sehnenverletzungen

Verletzungen von Sehnen schneller erkennen – mit der Entwicklung einer Software zur speziellen Bilderkennung hatten schon im Vorjahr Schüler:innen der HTL Salzburg – in enger Zusammenarbeit mit der PMU (Paracelsus Medizinische Privatuniversität) einen Spitzenplatz bei Jugend Innovativ erreicht („Digital Tendon Scoring Tool“ – Link zum Artikel mit diesem Science-Projekt unten).

Dieses Mal hatten Jugendliche der Salzburger HTL, eigentlich HTBLuVA (höhere BundesLehr- und VersuchsAnstalt) – in der selben Kooperation (PMU) – eine Software entwickelt, um histologische Färbungen von entnommenen Gewebeproben objektiv, schnell, automatisch auswertet.

Wie stark sich eine Sehne etwa nach einer Sportverletzung regeneriert hat, lässt sich u.a. daran erkennen, ob sie Glycosaminoglykane (GAGs) enthält. Diese sauren Polysaccharide bilden sich besonders in geschädigtem oder heilendem Gewebe. Diese GAGs lassen sich mit Alcianblau einfärben. Die vorhandenen Zellkerne werden Kernechtrot markiert. Mit einer Mikroskopie-Kamera werden Bilder von den Proben angefertigt, deren hohe Auflösung viele Rechner bisher vor Probleme stellte. Bisher erfolgt(e) die Auswertung der Bilder durch medizinisches Fachpersonal – und das nahm/nimmt noch – einige Zeit in Anspruch.

Karen Chung, Sarah Maultasch und Sarah Hörl schrieben eine Software, nannten sie „BlueVision“, und die erkennt nicht nur, ob die Gewebsprobe zeigt, dass die entsprechende Sehne krank ist oder nicht, sondern auch Details wie die genaue Sehnenschnitt-Dicke.

Dieses Projekt brachte den drei Schülerinnen den Sieg in der Kategorie ICT & Digital ein. Für die Jury begründete deren Vorsitzender, Helmut Leopold (Leiter des Forschungsinstituts für digitale Sicherheit im Austrian Institute of Technology – AIT): „Das Best Practice Beispiel für effektive und verantwortungsvolle KI-Entwicklung: Domänenexpertise trifft Data Science und Umsetzung in einer Software-Lösung. Die gute enge Kooperation im Team (Biologie, Data Science, Software-Engineering) führt dazu, dass eine Lösung gebaut wurde, die bereits von medizinischen ExpertInnen in Verwendung ist und zur Generierung von Trainingsdaten für zukünftige KI-Anwendungen dient.“

Deep Learning Algorithmus zur schnellsten Krebs-Erkennung

„In der möglichst frühen Krebserkennung wird unglaublich viel geforscht, die Erkenntnisse steigen exponentiell, es erscheinen laufend wissenschaftliche Papers“, steckt Alessandro Rodia vom Wiedner Gymnasium – Sir-Karl-Popper-Schule den Rahmen seiner Arbeit im Gespräch mit KiJuKU ab.

Er selbst entwickelte – als Solo-Projekt – zunächst für seine VwA (vorwissenschatliche Arbeit) eine 100-seitige Grundlage für die er rund 400 Quellen durchgeackert hatte – die Basis für den Deep-Learning Algorithmus, der ihn ins Jugend-Innovativ-Finale brachte. Nach einem Praktikum am Zentrum für Molekulare Medizin in Wien übernahm er in Kooperation mit diesem die Programmierung eines neuronalen Netzes, das medizinische Datenbanken so mit akuten Untersuchungsergebnissen dreidimensionaler Computer-Tomographie-Bilder neuer Patient:innen abgleicht, um möglichst selbsttätig, automatisch und blitzschnell Tumore zu erkennen, lokalisieren und zu typisieren. Gerade letzteres ist dann die Basis für individuelle Therapien.

Der Gymnasiast will seine Erkenntnisse nicht für sich behalten und sogar sein Preisgeld der Kinderkrebsforschung spenden.

Kann KI kreativ sein?

„DrAI – Intelligent drawing robot“ nannten Samuel Nösslböck und Rene Schwarz aus der HTL Neufelden (Oberösterreich) ihr Projekt. Zweiterer hatte von Anfang an die These vertreten, Künstliche Intelligenz könne kreativ sein. Ersterer kommt eher aus der künstlerischen Ecke und bezweifelte das stark. Das verraten die beiden, die mit ihrem Projekt ins Bundesfinale des 37. Jugend-Innovativ-Bewerbs gekommen waren, dem KiJuKU-Journalisten.

Insofern die wohl beste Voraussetzung, um den Auftrage, den die beiden vom FutureLab des weltberühmten Ars Electronica Centers in Linz in Angriff zu nehmen. Es sollte dabei nicht darum gehen, was seit gut eineinhalb Jahren – und das immer besser – KI-Bildprogramme tun: Aus eingetippten Begriffen Bilder zu generieren, indem auf Datenbanken mit Millionen von Fotos zugegriffen und daraus Kombinationen erstellt werden.

Die beiden Kindheitsfreunde bauten und programmierten einen Roboter, der begonnene Zeichnungen weiter fortsetzt. Einige Beispiele hatte das Duo bei seinem Final-Stand aufgehängt. So hatte Doktor Artificial Intelligence aus etlichen spitzen Winkeln Berge und aus länglichen, senkrechten Rechtecken Hochhäuser weiter gezeichnet.

Auf den Einwand von Kinder I Jugend I Und mehr… gaben sie zwar zu, „dass unser intelligenter Zeichen-Roboter da natürlich schon nur auf Bildern aufbauen kann, die er in seiner Datenbank einmal gesehen hat. Aber das gilt ja auch meist für Menschen, wenn sie zeichnen. Die sind ja auch nicht frei von Bildern, die sie schon einmal gesehen haben.“

Im Laufe des Projekts legte der Künstler Samuel Nösslböck seine Skepsis eher ab. „Lange überlebt meine Meinung, dass es immer einen menschlichen Impuls für Kreativität braucht, nicht mehr“, gesteht er schmunzelnd. „Unsere eigene Entwicklung hat mich im Laufe des Projekts eher überzeugt, dass auch KI kreativ sein kann.“

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Wird fortgesetzt – um einen Teil über die verliehenen Preise.

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Szenenfoto aus "Im Untergrund" von Theater Nuu im Dschungel Wien

Rhythmische Gruppendynamik unter und über der Erde

Eine ungewöhnliche Bühne: Zweistöckig. Oben mit Trommeln und Teilen eines Schlagzeugs angerichtet für eine Band. Ganz am Bühnenhimmel hängt sogar eine Gitarre. Und ein rundes, fast eiförmiges blaues Ding, das eine überdimensionale Pappmaschee-Rassel erinnert. Wobei dies eher nur von höheren Sitzreihen der Publikumstribüne zu sehen ist. Von den ersten Reihen eher nicht (alles) – Bühne: Michael Liszt.

Unten zu ebener Erde läuft eine Video-Animation, die den Anschein vieler, vieler kleiner und einiger weniger riesiger Ameisen erweckt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Im Untergrund“ von Theater Nuu im Dschungel Wien

Soweit die Einstimmung, bevor die ersten schauspielenden Tänzerinnen oder tanzenden Schauspielerinnen als aufrecht krabbelnde, zappelnde unterirdische Wesen in ihrem Bau auftauchen. Ameisen, andere Insekten, Käfer – die Performerinnen von Theater.Nuu nehmen für „Im Untergrund“ Anleihe bei verschiedensten vor allem krabbelnden und eher ganz kleinen Tierchen. Sie reden nichts, Wörter kommen ihnen nur ganz selten und da ausschließlich singend über die Lippen. Dafür kommunizieren sie ganz viel über Bewegungen, Gesten und vor allem Musik – Schlagzeug, Trompeten, Horn und nicht zuletzt Plastik-Kübel als Percussion-Instrumente..

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Im Untergrund“ von Theater Nuu im Dschungel Wien

Laura-Lee Jacobi, Emmy Steiner, Sara Wilnauer-Leitner und Aurora Hackl Timón halten sich im Unterbau Schlagzeug-Sticks und „Beserl“ in der Art von Insektenfühlern an die Köpfe – und durchstoßen mit diesen die gespannten kreisrunden Papiere in den Öffnungen zum oberen Band-Raum, den sie sich kletternd und die letzte per Leiter, erobern.

Wie sozusagen ganz Kleine ziemlich groß werden durch das Miteinander das vermittelt die ¾-stündige sehr rhythmische Performance mit viel Live-Musik. Die zwischendurch auch schon einmal ziemlich disharmonisch wird. Bei so viel Zusammensein auf engem Raum herrscht nun einmal nicht immer Eintracht 😉

Bei der Vorstellung am Feiertag (Fronleichnam) wurde es aber so rund ab der Mitte der Aufführung aber doch eher unruhig unter etlichen der jungen und jüngsten Zuschauer:innen, die irgendwie eine Geschichte vermissten (Regie: Sarah Gaderer)

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Lamia Music mit ihren hochkomplexen Experimentier-Glas-plättchen

Von Plastik-Fresserchen über Lebensmitteln aus Bierproduktions-Abfällen bis zu effizienterer Nutzung von Sonnen-Energie

Jugendliche aus dem BG/BRG Stainach (Steiermark) sind mit ihren Nudeln aus Treber (einem eiweiß-reichen Abfallprodukt bei der Herstellung von Bier, der meist bestenfalls als Tierfutter verwendet, oft aber weggeworfen wird) fast „allgegenwärtig“. Schon bei der internationalen Handelsmesse im März in einem Wiener Einkaufszentrum lief ihnen Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr über den Weg. Hier nun wieder – und zwar dieses Mal Felix Holzer, Hannah Roßmann, Anna Maria Tippl und Hanna Lemmerer.

Mehr zu ihren unterschiedlichen Sorten – samt Inspiration für den durchgestylten Auftritt – und die Weitergabe ihres Know How an Volksschulkinder in dem nach diesem Absatz verlinkten Artikel:

Am zweiten Tag des 37. Bundesfinales von Jugend Innovativ konnte nur ein Teil der Schüler:innen den Stand betreuen, andere präsentierten – mit weiteren Kolleg:innen – ihre Produkte im Bundesfinale des Bewerbs der Junior Companies. Dies sind von Jugendlichen für ein Schuljahr gegründete Unternehmen, die real mit Produkten und/oder Dienstleistungen handeln – im Gegensatz zu den rein virtuellen ÜFA (Übungsfirmen, die in Handelsakademien und -schulen Teil des Pflichtprogramms sind).

The Plastic Eater

Es gibt zwar Sammelsysteme für manchen Kunststoff-Arten, dennoch landet vieles irgendwo – und nicht nur unbedingt in Mistkübeln. Anna Simonsen und Samantha Wanderer aus der HTL Braunau (Oberösterreich) recherchierten und starteten dann Testreihen mit einem Mix aus einem Pilz (Penicillium citrinum) und einem Bakterium (Rhodococcus ruber). Könnten sich die von Kunststoffen ernähren?

Die beiden Schülerinnen „verpflanzten“ Symbiosen der beiden Genannten in unterschiedliche flüssige Salzmedien und dazu verschiedenste Polymere – PS, PLA, PBAT, PET und LDPE. Dann ging’s ans Messen und Untersuchen: pH-Gehalt, Gewicht, Schmelz- und Kristallisationspunkte, Struktur…

Zuerst nach drei, dann nach für, später nach sieben Wochen… Und siehe da: 2,7 Mikrogramm des zum „Fraß“ vorgeworfenen Plastiks hatten Pilz und Bakterium verzehrt.

Reparatur-Plattform

Meine Waschmaschine macht komische Geräusche, die Kamera, der Laptop, das Handy oder was auch immer „spinnt“… Kann das wer reparieren?

Dank des Reparatur-Bonus zahlt sich das Herrichten wieder verstärkt aus. Ist dennoch – zwar für die Umwelt – aber oft für das eigene Konto kaum billiger als ein Neukauf. Und, es muss jeweils gezielt nach der jeweiligen Produkt-Kategorie gesucht werden. Könnte es nicht einfacher – und vielleicht auch billiger – gehen?

Katharina Tonev, Friederike Hausmeister und Nikol Ivanova aus der HTL Spengergasse (Wien) wollen eine übergreifende Plattform – einschließlich Austauschmöglichkeiten anbieten. „WeFix“ haben sie in ihrer Grundstruktur als Website bereits gebaut. Du lädst ein Foto des kaputten Gegenstandes rauf. Irgendwer sieht es, tritt mit dir in Kontakt – ihr vereinbart, die Person mit „Bastel“-Kompetenz bringt dein Fahrrad oder was auch immer zum Laufen, du gibst dafür Nachhilfe in Mathe, Englisch oder was auch immer diese Person benötigt. Oder es fließt Bargeld…

Soweit die Grundidee kostenloser Nachbarschaftshilfe. Die Website sollte darüber hinaus aber auch noch professionelle Reparaturhilfe als zertifizierte:r User:in anbieten können/dürfen – gegen eine entsprechende Gebühr an die Plattform. Ausgedacht und daran gewerkt haben die beiden in Rechnungswesen und Betriebswirtschaft: „Wir wollten da wenigstens etwas mit Sinn machen!“, vertrauen sie KiJuKU an.

Die Zukunft nähen

Teil des Info-Standes von Jugendlichen aus der HBLA Modeschule am Grazer Ortweinplatz ist ein Kleiderständer. Auf dem Tisch liegen Stoff-Teile – zusammengenäht aus vormaligen Kleidungsstücken. Das trifft auf für die Sweater mit Kapuze und anderen Gewänder auf dem Kleiderständer zu. Upcycling statt Wegwerfen ist das Motto dieses Projekts, das sich aus dem Unterrichtsgegenstand „Nachhaltigkeit in der Textilwirtschaft“ ergeben hat.

Vier Schülerinnen – Jana Habernig, Maja Schellauf, Jana Emig-Ulbel und Louisa Rappold vertraten beim Jugend-Innovativ-Finale ihre Kolleg:innen Emilia Bada, Julia Dreisiebner, Isabella Helnwein, Hannah Herbsthofer, Ella Kleindienst, Katja Kleindienst, Leandro Kölbl, Marie Kronheim, Mareike Lührmann, Alexander Markuszik, Ave Ngongani, Alexander Peer, Anna Rothschedl, Polina Rudol, Anna-Maria Šiško, Yara-Nima Steinberger, Zoey Tuš, Hannah Url und Lara Wetl, die sich an alten vor allem Jogging-Hosen und -Jacken kreativ nähend betätigt hatten.

Ein wohl klingendes Motto hatten sich die zwei Dutzend Schüler:innen, die in kleinen Gruppen zu fünft arbeiteten, für ihr Projekt ausgedacht. Das Spanische „Cose el Futuro“ heißt wörtlich übersetzt: Nähen Sie die Zukunft.

Natürliche Farben machen Sonnenlicht-…

Lamia Music hätte mit ihrem Projekt möglicherweise genauso gut in der Science-Kategorie Top abgeschnitten. Was sie erforscht(e) ist nicht leicht verständlich. Im Prinzip – und möglicherweise (zu) vereinfacht – zusammengefasst, beschäftigt(e) sich die Wiener Gymnasiastin damit, wie mit Hilfe von natürlichen Farb(kombination)en die Gewinnung von Elektrizität aus Licht gesteigert werden kann.

Basis dieses Verfahrens ist die sogenannte Grätzel-Zelle (auch Farbstoff-Solarzelle), benannt nach dem Schweizer Michael Grätzel, der sie vor 23 Jahren erfunden und ein Jahr später (1992) patentieren hat lassen. Music besuchte ihn in der Schweiz. In Wien geht sie übrigens in das Bernoulli-Gymnasium, benannt nach dem Schweizer Mathematiker und Physiker Daniel Bernoulli (1700 – 1782).

„Untersuchung der DSSC (Dye sensitized solar cell) – Effizienz mit natürlichen Farbstoffen und Tandem-Struktur“ heißt die ausgetüftelte Arbeit für die Lamia Music viel theoretische Recherche betreib und praktische Experimente durchführte. „Ich habe auch verschiedene Glastypen ausgetestet“, erklärt sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Auf der Innenseite werden die Gläser jeweils elektrisch leitfähig beschichtet.

Lamia Music mit ihren hochkomplexen Experimentier-Glas-plättchen
Lamia Music mit ihren hochkomplexen Experimentier-Glas-plättchen

Das Neue an Musics Experimenten: Sie kombinierte Komplementärfarben, was letztlich die Effizienz der Grätzel-Zellen erhöhen sollte – und auch, wie ihre Messungen ergaben, auch tat.

Damit gewann sie die Kategorie Sustainability. Der Vorsitzende der entsprechenden Jury, Wolfram Anderle (Tech Analyst in der austria wirtschaftsservice, aws) meinte in der Begründung unter anderem: „Auf der Basis umfangreicher Analysen mit dem AIT und einer Modellierung bzw. Simulation des Modells im MathLab konnten die Ergebnisse nachvollziehbar dargestellt und ein Optimum gefunden werden. Die Arbeiten wurden auf der Basis umfangreicher Kooperationen mit in- und ausländischen Unternehmen und Instituten äußerst professionell durchgeführt.

Mit den Ergebnissen der vorgestellten Untersuchungen sollte es künftig möglich werden, mittels technischer Photosynthese in einfachen organischen Systemen die Kraft der Sonnenstrahlung zur Stromerzeugung zu nutzen. Schmuckstücke, die unser Handy aufladen oder Kleidung, die genug Energie erzeugt, um intelligente Gadgets zu versorgen sind damit keine Zukunftsmusik mehr, sondern werden uns eines Tages genauso selbstverständlich begleiten wie heute eine Regenjacke oder ein Sonnenhut.“

Lamia Music wird – neben dem Universal-Switch (EngineeringII) und dem neuartigen Flugzeug-Flügel (Science) Österreich beim 35. European Union Contest for Young Scientists 2024 im polnischen Katowice vertreten.

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Wird in den nächsten Tagen fortgesetzt – jeweils ein Teil für alle Finalprojekte der verschiedenen – oben schon genannten – Kategorien. Und letztlich noch einem Teil über die verliehenen Preise.

Schnecke fast als lebendiges Armband ;)

Von Riesenschnecken bis zu Bartgeier-Flügeln

DIE Stars schlechthin in den zweieinhalb Tagen der Ausstellung der 37 Projekte im Bundesfinale von Jugend Innovativ waren drei, die das offenbar gar nicht so wirklich mitbekommen haben: Ostafrikanische Riesenschnecken (große Achatschnecken). Von fast allen Teams strömten die Teilnehmer:innen, aber auch Besucher:innen zum Stand der Schüler:innen des BRG Schloss Wagrain (Vöcklabruck, Oberösterreich). Betrachteten die eine oder andere, wie sie auf einem kleinen dicken Holzzweig saß, lag, „klebte“ (welche Formulierung wäre da idealerweise angebracht?) und eine Gurkenscheibe raspelte. Oder wollten sich eine der Schnecken auf die eigene Hand setzen (legen?) lassen, um ein Foto davon zu kriegen…

Stress dürfte das den Schnecken nicht verursacht haben, denn keine des Trios zog sich angesichts des Rummels in das eigene Haus zurück. Sie streckten jeweils ihre Fühler sowie die Stielaugen aus und schienen sich neugierig umzuschauen.

Die Schnecken waren natürlich Teil eines Projektes, und zwar in der Kategorie Science. Nein, Jakob Lindenbauer, Laura V. Eitzinger, Jana Haslinger und Katharina Leimer, die stellvertretend ihr größeres Team aus dem Wahlpflichtfach Biologie vertraten, hatten keine wissenschaftlichen Tierversuche mit diesen Weichtieren gemacht. Versuche machten sie mit Mitschüler:innen.

Die Erkenntnis – die schon andere Menschen, die mit tiergestützten Therapien gemacht hatten: Beruhigende Wirkung, also Stress-Verringerung. In einer ersten Klasse ihrer Schule, in der es nach der großen Pause immer große Aufregung gegeben hatte, durften die Kinder jeweils danach in kleinen Gruppen rund fünf Minuten Schnecken betrachten, sie füttern… – und siehe da: „Die Kinder sind schnell runtergekommen.“

Die schon Genannten und ihre Science-Projekt-Kolleg:innen Anna Aslam, Roman Auer, Tamara Demeter, Emanuel Druzić, Isabell Grammlinger, Tabea Hochmeir, Alexander Holzapfel, Jasmin Kahrer, Antonia Kröpfel, Thomas Part und Killian Pouget testeten auch die Wirkung von Schnecken – im Biologiesaal der Schule gibt’s weit mehr – bei einem Mathe-Test.

Neun Mädchen und ebenso viele Buben einer ersten Klasse sollten Rechen-Aufgaben lösen. Die Projekt-Schüler:innen maßen über den Hautleitwert das Schweiß- und damit Stress-Niveau. Einmal ohne, und ein anderes Mal mit vorherigem Kontakt mit den Schneckenriesen, die übrigens noch viel größer werden können als jene Exemplare, die in Wien zu sehen und erleben waren. Einige Minuten Anschauen, füttern, Berühren – und das Stress-Level der Mathe-Prüflinge sank deutlich.

In ihrem Forschungsprojekt arbeiteten die Schüler:innen mit der Uni Salzburg zusammen, um vor ihren Experimenten die richtige Haltung der Tiere zu erlernen.

Künstliche Haut

Apropos Berühren: Sara Ćopic und Paula Mittermayr aus der HTL Leonding (Oberösterreich) arbeiteten und forschten an dünnen Folien als mögliches Interface mit Robotern – sozusagen künstlicher Haut. Gleichsam einer Erweiterung von Touch-Screens. Diese flexiblen Platinen sollen auf Druckstärke und auf bis zu fünf Finger-Berührungen gleichzeitig reagieren können. Vor sich hatten sie verschiedene Stadien der von ihnen entwickelten dünn(st)en Platinen – und eine 3D-gedruckte Hand, auf der eine solche Folie angebracht war. Auf dem Laptop daneben wurde die Reaktion auf die Berührung sichtbar.

Beide, die in ihrem Projekt eng mit der JKU (Johannes-Kepler-Universität) Linz zusammengearbeitet haben, werken nach der nunmehrigen Matura im selben Feld weiter – die Zweitgenannte studiert Medizin-Technik, Erstere beginnt einen ebensolchen Job.

Gefäß-Prothesen-Simulator

Ein riesiger durchsichtiger Zylinder mit hochtechnischem Innenleben und einer Art Pumpfunktion war am Stand von Josephine Gold, Avid Vormann, Philipp Sponer und Christina Schramböck aus dem TGM (Technologisches GewerbeMuseum) – Schule der Technik (Wien) zu sehen und erleben. Was kompliziert „Advanced Vascular Perfusion Model“ (Erweitertes Gefäßperfusionsmodell; Perfusion: Durchfluss von Flüssigkeiten durch Organe) heißt, ist das weltweit erste Gerät, das die Durchblutung einer menschlichen Hauptschlagader im Bauchbereich simuliert.

Die Forschung und Entwicklung der vier Jugendlichen ist nicht nur ein Ding zur Veranschaulichung, was sich da im Inneren eines menschlichen Körpers abspielt, sondern die Medizin Uni Wien wollte sich so einen Simulator entwickeln und bauen lassen, um genauer erkunden zu können, welche Art von „Stent“ (Gefäß-Prothese) bei einem „abdominale Aortenaneurysma“ (Aussackung der Hauptschlagader im Bauchbereich, die zu einem Riss im Gefäß führen kann) eingesetzt werden sollte. Und solche kommen gar nicht so selten vor.

Das von den Schüler:innen entwickelte hochtechnische Gerät spielt nun die Durchblutung im Bauchbereich nach – und misst alle erforderlichen Daten, damit Ärzt:innen daraus die Erkenntnis ziehen können, welcher Stent in welchem Fall der Geeignete ist.

Ein polnischer Physiker – so die Schüler:innen – habe zwar schon 2018 einen ähnlichen Ansatz verfolgt. „Aber er kam noch auf keine Methodik, die ergeben hätte, welcher Typ von Gefäßprothese nun eingesetzt werden sollte. Daran haben wir aber angeknüpft und weitere Druck- und Durchfluss-messungen in unseren Simulator sowie Kamera-Visualisierungen eingebaut.“

Leiterplatten aus Holz und Mais

Wie schon im ersten Beitrag zu den diesjährigen Finalprojekten von Jugend Innovativ festgestellt, spielen Überlegungen für Nachhaltigkeit in praktisch allen Kategorien eine (große) Rolle. Robert Palmer und Jan Reischl aus der HTL Braunau (Oberösterreich) forschten an Leiterplatten für Elektronik aus Naturmaterialien. Ihre Eco-Boards, die sie entwickelten, sind aus einem Gemisch aus Holzfasern und Maisstärke. „Wir wollten Platten aus einem kompostierbaren Rohstoff. Damit werden jetzt verwendete seltene Erden frei.“

Das Duo hat vier verschiedene Prototypen entwickelt. „Die Standards wurden überprüft und sind auch Brand-klassizifiert“

Flügel neu erfunden

Ihr eigenes schulisches Fachgebiet Flugzeugtechnik verknüpften Luca Brandstätter, Daniel Hutterer und Bernhard Gupper von der HTL Eisenstadt mit jenen, die sich mit den natürlichen Fliegern beschäftigen – Forscher:innen in einer Vogelzuchtstation! Sie hatten zuvor schon in der Fachliteratur gefunden, dass vor rund drei Jahrzehnten über neue Flugzeug-Flügelformen – inspiriert von Storchenflügeln – nachgedacht worden war.

Die drei Schüler holten sich Inspirationen der Vogelforscher:innen – und vor allem von deren Objekten; womit sich der Kreis zu den Tierbeobachtungen am Beginn dieses Beitrages schließt. Als optimal erwiesen sich die Formen der Federspitzen von Bartgeiern, die das Trio nun zum Vorbild nahm. Formten verschiedene kleine – insgesamt acht – Flügelmodelle, ließen sie im Windkanal testen. Und bauten jenes mit den besten Ergebnissen dann als brauchbares Modell – inklusiver aller inneren Öffnungen für Kabelkanäle und integrierten LED – 3D gedruckt aus 40 Einzelteilen – in ein kleines Elektro-Flugzeug ein, eine eDA40. Ihre Erfindung im kompliziert genannten Projekt „Research and Development of an Spiroid Winglet fort he eDA40 Aircraft“ haben die Schüler mittlerweile patentieren lassen.

„Wir haben übrigens noch viele weitere Ideen, wie wir noch mehr rausholen und damit noch mehr Energie sparen können“, verraten die drei innovativen Jugendlichen. Einer der Schüler hat sich dafür sogar einen eigenen, viel besseren 3D-Drucker als ihn die Schule hat, für zu Hause besorgt. „Und wir sind jetzt auch schon ziemlich schnell geworden, ein neues Modell kriegen wir in 1½ bis zwei Tagen zusammen; für die Auswertung der Messungen brauchen wir nur mehr eine halbe Stunde“, versprüht das Trio großen weiteren Flug-Tatendrang.

Übrigens: Spoiler, dieses Projekt hat die Science-kategorie gewonnen – ein eigener Beitrag über alle Preisträger:innen erscheint demnächst. Und für die Jury meinte der Kategorie-Vorsitzende Bernhard Koch (Scientific-Coordinator der BoKu – Uni für Bodenkultur -, vom Zentrum für Bio-Ökonomie) unter anderem: „Die Jury beeindruckte besonders die umfassende Analyse und konstruktive Umsetzung des Projektes in diesem ökologisch zukunftsträchtigen attraktiven Marktsegment.“

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Wird in den nächsten Tagen fortgesetzt – jeweils ein Teil für alle Finalprojekte der verschiedenen – oben schon genannten – Kategorien. Und letztlich noch einem Teil über die verliehenen Preise.

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Dario Periša und sein Universal-Switch

Ein Schalter ersetzt ganzes Smart-Home-System; künstliche Hände, Augen und mehr…

Der Schalter soll das Licht nicht nur ein- oder ausschalten, sondern auch noch dimmen. Du willst vielleicht auch aus dem Zimmer einen Heizkörper im Bad einschalten, um’s später dort entsprechend warm zu haben; oder eine Kochplatte aufdrehen oder… via Handy und App das eine oder andere in Gang setzen oder nur überprüfen: Hab ich das oder jenes wirklich abgedreht. Oder schalt ich in der kalten Jahreszeit eine halbe Stunde vor dem nach Hause kommen die Heizung ein…

„SmartHome“-Systeme, die das können, kosten ganz schön viel Geld – und erfordern oft Umbauten, verlegen zusätzlicher Kabel usw.

Das alles erspart der „Universal-Switch“ von Dario Periša aus der HTL Mössinger Straße in Klagenfurt (Kärnten). Seine Erfindung erfordert „nur“ den Austausch eines herkömmlichen Schalters durch diesen Touch-Switch (Berührungs-Schalter), der die bisherige Verkabelung nutzt. „Dieser programmierte und flexible Schalter baut auf jahrzehntealter Technologie auf“, erzählt der 19-Jährige Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… „Es wird nur der Schalter ausgetauscht. Ich hab das Projekt gemacht, weil mir langweilig war“, schildert Periša. Vier Programmiersprachen hat er sich vor zwei Jahren selber beigebracht.

Schutzschild für Solaranlagen

Hagelkörner können Photovoltaik-Anlagen auf Dächern ziemlich demolieren. Auf einen Hagelschlag warteten Lukas Zöhrer und Tobias Oraze nicht und verwendeten einen kleinen Stein, um so eine Zerstörung an ihrem Stand im Bundesfinale von Jugend Innovativ herzeigen zu können. Zweiterer wusste von einem Praktikum bei einer Versicherung, dass kaputte Sonnenkollektoren durch Hagelschlag nicht selten sind.

Und so ersannen die beiden Schüler – ebenfalls aus der HTL Mössinger Straße (Klagenfurt, Kärnten) ein Schutzschild aus Polykarbonatlamellen, das über die Photovoltaik-Anlage ausfährt, wenn Hagel angesagt ist.

Sie verbanden ihr SmartHailGuard (schlaue Hagel-Bewachung) mit Sensoren, die vor Ort an der jeweiligen Anlage Wetterdaten analysieren sowie meteorologische Vorwarnungen mit in ihr System einbauen und bei Bedarf die Schutzschicht wie ein Garagentor über die Anlage automatisch ausfahren.

Streudrohnen für „Untersaaten“

Drohnen, die Saatgut vor allem in unwegsamen Geländen, ausstreuen, oder dort, wo ein Betreten oder gar Befahren durch Traktoren Böden bzw. Bepflanzung (zer-)stören würde, gab/gibt es schon. Benedikt Ortmaier und Sebastian Schäffer aus der HTL Ried im Innkreis (Oberösterreich) ersannen aber etwas Neues. Was „Sämereienausbringung mittels Streudrohne in Reihenkulturen“ heißt, bedeutet konkret: Wo Mais wächst, wollen die beiden auf dem „Unterboden“ – in den Zwischenräumen – noch etwas anpflanzen. Durch niedrigwachsenden Klee oder Raygras wird der kahle Boden zwischen den Kukuruz-Stauden gefestigt und erodiert nicht so leicht.

In St. Georgen bei Grieskirchen konnte die von ihnen programmierte Leichtbau-Drohne über den Streuteller das Saatgut bereits auf drei Feldern ganz real ausbringen.

Künstliche Hände

Rund ein halbes Dutzend unterschiedlicher künstlicher Hände – Prothesen bzw. ein elektronisch bestückter Handschuhe lagen auf den Tischen beim Stand von Schüler:innen aus dem Wiener TGM (Technologisches GewerbeMuseum) – Schule für Technik. „Wir haben an verschiedenen Versionen nicht nur der Prothesen, sondern vor allem deren Steuerung gearbeitet“, berichten Nergiz Çiftci, Paul Eichinger, Yusuf Sert und Sophie Helmreich dem KiJuKU-Journalisten. Gemeinsam haben die vier und Toni Parenta unter anderem jede und jeder an einer speziellen Steuerung getüftelt. Jedenfalls geht’s meist um die Steuerung über andere – vorhandene – Muskel. Eine funktioniert sogar gleichsam wie ein „Fußpedal“. Die Impulse für Bewegungen der künstlichen Hand werden von großem bzw. kleinem Zeh ausgelöst.

Die fünf Jugendlichen haben für ihr Projekt „ProHand – Ansteuerung und Aufbau einer künstlichen Hand“ aber nicht nur Prothesen und deren Steuerung entwickelt. „Wir haben uns auch etwas zur Prävention überlegt. In Einsatzbereichen, wo es besonders oft Unfällen gibt, bei denen Hände zu Schaden kommen, können künstliche Hände für diese Arbeiten eingesetzt zu verschieden gesteuert werden.“ Ein Fall: Du ziehst dir einen mit Elektroden versehenen Handschuh an, führst die Bewegung in sicherer Entfernung von etwa einer gefährlichen Maschine aus. Oder – und das führt Yusuf Sert vor: die künstliche Hand wird über Gesten gesteuert – hier auf einem Laptop, würde aber sicher dann auch via Tablet oder Smartphone gehen.

Bewegliche Glasaugen

Wenn wer bei einem Unfall ein Auge verliert und an dessen Stelle ein „Glasauge“ eingesetzt bekommt, bleibt dieses starr. Das kann Mitmenschen irritieren, die vielleicht wiederum so reagieren, dass es für die betroffene Person wiederum unangenehm ist. Dafür dachten sich Anastasia Jovanonvić, Julia Rohowsky, Theodor Wightman und Jasin Eltelby aus dem Wiener TGM die Entwicklung eines Bionic Eye aus. Mit diesem Auge kann zwar niemand sehen, aber es sollte die Bewegung des verbliebenen funktionstüchtigen Auges parallel mitmachen.

„Wir hatten verschiedene Ansätze“, erzählen die Schüler:innen. Zuerst setzte sich – zu Vorführzwecken auch an ihrem Stand beim Jugend-Innovativ-Bundesfinale – eine der Jugendlichen Elektroden ins Gesicht. Die nehmen sozusagen die Muskelimpulse beim Bewegen des Auges auf und übertragen diese an das künstliche „Auge“. Noch ist dieses 3D-gedruckte Ding mit elektronischem Innenleben zu groß, als dass es in eine menschliche Augenhöhle passen würde. Aber im Prinzip funktioniert’s schon – wenn die Microcontroller vor Ort sind und nicht – wie passiert – in der Schule liegen gelassen wurden.

Die weiteren Schritte wären: kleine Nadelelektroden unter der Haut rund ums gesunde Auge; und letztlich Gedankensteuerung.

Spezialpreis Vorarberg

In dieser Kategorie gab es nicht nur wie in allen anderen jeweils fünf Projekte im diesjährigen Bundesfinale, sondern über den „Special Award Vorarlberg“ zwei weitere, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… natürlich gleich hier vorstellt.

Radiosonde CanSat

Schaffen wir das – setzten sich Simon Brandtner, David Schuller, Luca Tiefenthaler, Julian Schweizer und Lukas Brugger aus der HTL Rankweil (Vorarlberg) selbst eine herausfordernde Aufgabe: Einen Satelliten bauen, der Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit misst und so klein wie eine Getränkedose ist.  Deshalb nannten sie ihr Projekt Radiosonde CanSat.

Die „Dose“ samt elektronischem Inhalt, GPS-Rackingsystem, Stromversorgung und natürlich Mess-Instrumente – und einen kleinen Fallschirm – konnten sie vor Ort – in der Freifläche hinter der Grand Hall im Erste Bank Campus zeigen, die Flughöhe 400 Meter war natürlich nicht drinnen. Die hatten sie aber schon in echt in ihrem Heimat-Bundesland – mit Hilfe des SpaceTeams der Technischen Uni Wien, das anreiste und eine Rakete mitbrachte, die den CanSat in luftige Höhe hinaufbrachte, ausließ. Und der Mini-Satellit schwebte zu Boden und übermittelte in diesen rund 15 Sekunden die gemessenen Daten via Funk, die in eine Datenbank einflossen.

Lab-System

Das hier – die Reihenfolge der Vorstellung der Projekte sagt übrigens nichts über die Wertigkeit aus; in einem eigenen Beitrag werden die vergebenen preise übersichtlich vorgestellt – in der Kategorie Engineering II zuletzt vorgestellte Projekt schließt in gewisser Weise den Bogen zum ersten. Kann Dario Perišas „Universal-Switch“ einfach auf der Verkabelung einer herkömmlichen Schalterdose aufbauen und daraus einen smarten Schalter machen, so baut das Lab-System von Manuel Mayerhofer und Johannes Melcher-Millner auf einem herkömmlichen USB C-Ladegerät auf. Und die beiden Schüler von der HTL Rankweil (Vorarlberg) machten über ein kleines selbst gebautes Zwischengerät daraus ein Labor-Netzteil, das auf verschiedenste Spannungen (fünf, neun, 15, 20 oder durchaus auch mehr Volt), eingestellt werden kann. Samt Überstromschutz, um ein „Durchbrennen“ von Geräten oder Netzteil zu verhindern.

Die beiden haben aber auch schon weiterführende Ideen. Die kleinen Netz-Teile können auch Teil eines vernetzten, modularen Systems sein, in dem bei Bedarf mehrere solcher Elemente zusammengesteckt werden können. Und die Kunststoffgehäuse könnten aus Filament aus recycelbaren Kunststofflaschen 3d gedruckt werden.

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Wird in den nächsten Tagen fortgesetzt – jeweils ein Teil für alle Finalprojekte der verschiedenen – oben schon genannten – Kategorien. Und letztlich noch einem Teil über die verliehenen Preise.

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Valentin Socher, Jonas Lorenschitz, Julian Schanta und Anton Fuchs mit dem Fluggerät, mit dem sie Wetterballone wieder - zerschnitten - einziehen und die Elektronik retten

Rettung von Elektronik im Millionenwert samt E-Schrott-Vermeidung

Damit wir in Apps und über andere Medien informiert werden können, ob es eine Sturmwarnung gibt, gut Eincremen gegen heiße Sonne gut wäre oder die Mitnahme eines Regenschirms gut angebracht wäre, braucht es Millionen von Wetterdaten. Solche werden unter anderem täglich von rund 5000 Ballonen mit elektronischen Mess-Instrumenten gesammelt. Von kleinen Flugzeugen werden sie auf große Höhen – 32 bis 35 Kilometer gebracht. Danach schweben die Ballone in der Stratosphäre, ihre Geräte messen, irgendwann platzen die Ballone, fallen zu Boden – und mit ihnen die Elektronik. Damit sind nach einmaliger Anwendung rund 400 bis 500 Euro (Instrumente samt Ballonen) vernichtet – und belasten die Umwelt.

Das kann’s doch nicht sein, dachten sich Valentin Socher, Jonas Lorenschitz, Julian Schanta und Anton Fuchs, Schüler der HTBLA Eisenstadt mit ihrem Ausbildungsschwerpunkt Flugtechnik. Tüftelten und tüftelten und fanden eine Lösung: Sie befestigen ihren Wetterballon an einem Seil an einem „Gleiter“, einem Kleinflugzeug. Ein solches haben sie auch auf ihrem Stand beim 37. Bundesfinale von Jugend Innovativ, in dem sie mit ihrer Erfindung in der Kategorie Engineering I landeten.

Ihre Entwicklung: Nach getaner Mess-Arbeit zieht eine Seilwinde den Ballon wieder ein. Das war die Idee. Die sich aber nicht so verwirklichen ließ, wie sie Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… schildern. „Wir haben ausprobiert, so einem Ballon die Luft auszulassen. Das dauert eeeewig!“

Also wird der Ballon – alles automatisch – beim Einziehen in den schmalen, länglichen, an eine kleine Rakete erinnernden autonomen Flieger, kontrolliert zerschnitten. Die Elektronik wird aber somit gerettet und der Ballon landet auch nicht als Müll irgendwo auf dem Boden oder im Wasser und kann so auch sachgemäß entsorgt werden. „Development of an autonomous and reuseable Weather Balloon Drone – Loon-A-Tix” ist übrigens der nicht gerade unkomplizierte Name des Projekts. Würde die Erfindung aus dem Burgenland weltweit eingesetzt, könnten so Jahr für Jahr im Wert von rund einer halben Milliarde erspart – und damit auch gefährlicher Müll irgendwo in der Landschaft vermieden werden.

Ferngesteuertes Schraub-Auto

Apropos Flugzeuge und Automatisierung. Auf Flughäfen braucht es Tausende Leuchten auf den Rollfeldern. Starten und Landen von Flugzeugen verursachen starke Vibrationen. Die Gehäuse für die Lampen sind im Boden verschraubt. Damit keine Schraube locker wird, müssen diese regelmäßig kontrolliert und festgezogen werden. Passiert derzeit händisch. Kleines Auto mit Loch im Boden fährt die Leuchten ab, eine Person checkt durch das Loch die Schrauben und dreht sie notfalls fester.

Geht das auch anders? Müsste wohl, dachten sich vier Schüler der HTL Rennweg (Wien 3; Landstraße). Marco Mazur, Alessandro Nentwich, Fabrizio Belisarii und Christopher Dienstl ersannen ein Fahrzeug samt eingebautem Akku-Schraub-Dreher. Dieses Fahrzeug kann über Fernsteuerung gelenkt. In dem Bereich des Schraubendrehers findet eine Kamera die richtige Position und schon kann verhindert werden, dass eine Schraube locker wird. „Unsere Erfindung ist aber auch leicht erweiterbar, wir könnten noch ein Teil dazu bauen, das die Gläser der Leuchten ebenfalls automatisch reinigt.

Das Quartett durfte den „SrewRover – ein Roboter zur Wartung von Rollfeld-Leuchten“, wie sie ihr Projekt nannten, auch schon in echt auf dem Wiener Flughafen testen.

Ferngesteuerter Prüfwagen in Profilrohren

In dieser Kategorie – vor einigen Jahren wurde Engineering (Ingenieurswesen) wegen der viiiiielen Einsendungen in zwei Teile gesplittet – waren noch zwei weitere automatische Fahrzeuge im Finale. Gerald Haselsteiner und Alfons Moser aus der HTL Waidhofen an der Ybbs (Niederösterreich) bauten ein automatisches, fernsteuerbares Raupenwägelchen, das in längs-geschweißte Profilrohre fahren kann und die Schweißnähte überprüft.

Noch müssen bei solchen Tests endoskopische Prüfsonden über lange Stangen händisch in die Rohre hineingeschoben werden, für unterschiedlich breite Profilrohre braucht es verschiedene Messwägelchen. Das alles könnte der Vergangenheit angehören, wenn die Erfindung des Duos, die sich in Breite und Winkel verstellen lässt, realisiert wird.

Tennisball-Sammelroboter

Bei heftigem Tennistraining kugeln ganz schön viele der bekannten gelben Bälle irgendwo auf dem Platz herum. Die könnten doch vielleicht auch autonom und automatisch eingesammelt werden. Diese Idee steckt hinter der Erfindung von Viktoria Chroust, Markus Hartmann, Philip Sauer und David Lapinksi (der beim Bundesfinale verhindert war). Also erklären die ersten drei Schüler:innen der HTL Mödling (Niederösterreich) dem Journalisten das Prinzip ihres Roboters, den sie in ihrer Diplomarbeit in Mechatronik – mit den Anteilen Maschinenbau, Programmierung, Elektronik und Elektrotechnik – ausgedacht und gebaut haben.

Der Metallrahmen trägt vorne eine Kamera, die ist darauf programmiert gelbe Filzkugeln zu erkennen. Die Maschine fährt darauf zu. Zwei schräge Kantrohre sorgen dafür, dass der Ball in die Mitte gerollt wird wie in eine Art Trichter, von wo sie aufgesagt und in eine Kunststoffkiste befördert wird. „Das funktioniert sozusagen wie eine umgekehrte Ballwurfmaschine“, verdeutlichen die drei Jugendlichen die Funktionsweise.

Neuartige Fertigung eines Dieselmotorkolbens

Zurück in die Lüfte. Kolben von Dieselmotoren in Flugzeugen sind hohen Belastungen ausgesetzt. Dafür seien weder Material (Aluminium) noch die Struktur (Vollguss) ideal, fanden Julian Weik und Malachias Burger von der HTL Eisenstadt (Burgenland). Hoher Druck, Hitze – das führt bald einmal zu möglichen Rissen, jedenfalls zu Verschleißerscheinungen.

Die beiden recherchierten, durchstöberten einschlägige Literatur und begannen zu überlegen: Stahl wäre das bessere Material und das eher gitterförmig konstruiert, damit viel von der entstehenden Wärme nicht gefangen bleibt, sondern abgeleitet werden kann. Mit ihrer Erfindung könnte so ein neu gebauter Kolben mehr als doppelt so viele Betriebsstunden (2800 statt 1200) halten, so die beiden Schüler zu KiJuKU, die ein zerlegbares 3D gedrucktes Modell – „noch nicht aus Metall, sondern nur zur Veranschaulichung“ – herzeigen.

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Elija Nicklaser, Ömer Karaaslan, Marina Tschofen und Paul Küng mit einem Vorführ-Fahrrad aus ihrer Schule sowie ihrer Eigenkonstruktion zur Helm-Sicherung

Kaum ist das Handy weg, piepst oder vibriert‘s

„Mich hat oft genervt, dass ich meinen Helm irgendwo vergessen habe“, nennt Paul Küng gleichsam die Geburtsstunde des Projekts „Safe2Ride“der HTL Dornbirn. Er fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zum Bahnhof. „Das war kein Einzelfall“, ergänzt Marina Tschofen „und so haben wir im Freifach Entrepreneurship angefangen, uns eine Lösung zu überlegen.


Nun präsentieren sie – gemeinsam mit Ömer Karaaslan und Elija Nicklaser – ein kleines Kästchen, das unter dem Fahrradsattel angebracht ist. An diesem ist ein Kevlar-Seil – schnitt- und feuerfest – angebracht. Mit diesem wird einfach der Helm am Rad fixier – ab- und entsperrt mittels einer RFID-Karte; samt gut gesichertem und gepolstertem Tag zum Wiederfinden bei Diebstahl, Verlust oder einfach wenn du nicht weißt, wo du dein Rad abgestellt hast.
Ins Absperrkastl haben die vier Schüler:innen aus Vorarlberg übrigens ein LED-Band eingebaut, das als Rücklicht dient. Zum JI-Finale haben sie auch vorherige Versionen ihrer „Safe2Ride“-Boxen mitgebracht, die alle in der Schule aus dem 3D-Drucker aus Polymilchsäure (PLA) hergestellt wurden. „Das ist allerdings nicht nachhaltig, aber es sind eben nur Prototypen.

Hallo, lass mich nicht liegen 😉

„Sch… ich hab mein Handy im Taxi liegen lassen!“ Während des Bezahlens der Rechnung noch den Bruchteil einer Sekunde dran gedacht, es ja nicht liegen zu lassen. Und dann doch. Und erste etliche Minuten später knapp vor dem Beginn des Workshops in der Schule bemerkt. Gut, nach Telefonaten in der Pause, kam die Taxlerin eine Stunde später und brachte es. Aber, das hätte sich der Schreiber dieser Zeilen – und der allermeisten Beiträge auf KiJuKU.at erspart, hätte er die Erfindung „Callback Echobuddy“ von Jugendlichen einer Junior Company aus der HTL Mödling gekannt und das kleine Teil erworben. Anders als „Airtags“ benachrichtigt es nicht irgendwann nachträglich, wo sich das verloren gegangene Teil befindet, sondern löst über einen niedrig-Energie-Bluetooth-Tracker sofort etwa bei einem Schlüsselanhänger starke Vibrationen oder lauter Piepser je nach Einstellung aus. Noch bevor in dem Fall die Taxitür zugeschlagen worden wäre, wäre der Alarm losgegangen.

Obwohl Benedikt Palmer, Benedikt Seidl, Matias Bokan und Emil Sagl eine dieser Schülerfirmen gegründet hatten, die mit echten Waren oder Dienstleistungen handeln, „haben wir nur sieben Stück hergestellt – die Gehäuse 3D gedruckt, die Platinen von einer externen Firma produzieren lassen. Wenn es Interesse oder einen Investor gibt, steigen wir schon in die Produktion ein, geplant haben wir’s aber nicht“, so schildern die drei erstgenannten Schüler, die beim Finale anwesend waren.

Plattform für Wettbewerbe

Viele der teilnehmenden Jugendlichen kannten den immerhin schon zum 37. Mal ausgetragenen Bewerb Jugend Innovativ ebenso wenig wie viele andere. Das deutsche Gegenstück „Jugend forscht“ ist wahrscheinlich sogar noch bekannter. So manche der mehrsprachigen Teilnehmer:innen erfuhren erst im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, dass es seit eineinhalb Jahrzehnten „Sag’s Multi“ gibt, einen Redebewerb für mehrsprachige Jugendliche. Und dann gibt es noch diesen und jenen Wettbewerb. Aber ein Überblick über alle fehlt – und das in Zeiten von Internet und Vernetzung. Selbst auf der Website des Bildungsministeriums mit dem Suchbegriff Wettbewerbe erscheinen nicht nur nicht alle, die oberste Meldung ist eine aus dem Juni 2023. Und sogar bei der Stichwortsuche mit Jugend Innovativ kommt eine zwei Jahre alte Meldung.

Das kann doch nicht wahr sein, dachten sich Maximilian Busch und Lars Votava von der HTBLVA (höhere technische Bundes-Lehr- und VersuchsAnstalt) Spengergasse (Wien). Sie wollen ein Start-Up gründen, mit dem sie eine Plattform für möglichst alle Wettbewerbe schaffen und nennen diese „Strive“ (streben). Dafür bündeln sie ihr Wissen aus Informatik sowie Betriebswirtschaft. „Das soll natürlich eine Website mit einer App sein, sozusagen ein Amazone für alle Bewerbe, die es gibt samt Suchfunktion nach Themen, Sprachen, Alter…“ in ihrem Businessplan sehen sie vor, dass sie schon im dritten Geschäftsjahr den sogenannten Break-even-Point (Erlöse decken die eigenen Kosten ab), ab dem fünften Jahr wollen Bewerbe aus anderen Ländern Eingang in die Plattform finden.

Spielerisch Gebärdensprache erlernen

Sophie Kammlander und Leonie Zinniel aus der Handelsakademie Bruck an der Leitha (Niederösterreich) kamen mit einem Brettspiel samt digitaler Erweiterung ins 37. Bundesfinale von Jugend Innovativ. Brett, Würfel, sechs Figuren und vor allem 150 Karten sind ein spielerisches Mittel, um Begriffe der Österreichischen Gebärdensprache lernen zu können.

Auf den Karten sind einerseits mit Pfeilen die Bewegungen der Hände für die jeweilige Gebärde zu sehen – und andererseits auch QR-Codes, die zu Videos führen, in denen eine der beiden das entsprechende Wort gebärdet.

Neben allen schulischen Aufgaben fürs heurige Maturajahr, haben die beiden wie sie KiJuKU zeigen schon eine neuere Version ihres ursprünglichen Spiele-Prototypen angefertigt. „Wir wollen weitermachen, auch eine Website programmieren, auf der dann nach Begriffen gesucht werden kann, um das passende Video zu finden. Und vor allem das Spiel selbst produzieren zu lassen.“

Hoffnung für öden Schulhof?

Ein besserer Schulhof Die Handelsakademie und -schule im Vorarlberger Feldkirch hat einen Hof. Der ist bei den Schüler:innen nicht sehr beliebt. Und wenn Tamara Kanz und Yalcın Yıldız die Fotos auf dem Laptop-Monitor herzeigen, nicken alle. Öd und leer. Ein paar Bäume stehen unmotiviert in der Mitte – und zwar solche, die keinen Schatten geben. Die gelb angemalten Betonquader laden auch nicht dazu ein wofür sie gedacht waren – zum Sitzen.
Schüler:innen des 4. Jahrgangs der HAK waren bei einem Workshop namens „Design Thinking“ der Uni Liechtenstein. Und danach dachte sich die erstgenannte Schülerin und ihre Kollegin Sophia Jung: Dan planen wir unseren öden Schulhof um. Mit Vorschlägen wie einer flexiblen Bühne aus leicht zu transportierenden Elementen könnten auftrittswilligen Jugendlichen aus der Schule und darüber hinaus ein Forum geboten werden. Bäume hätten sie sehr wohl gerne, aber solche, die Schatten spenden und eher an den Rändern… Und so solle der Hof auch für Partner:innen außerhalb der Schule geöffnet werden – und auf diesem Weg auch ein Teil des Geldes für die Umgestaltung aufgetrieben werden.

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Wird in den nächsten Tagen fortgesetzt – jeweils ein Teil für alle Finalprojekte der verschiedenen – oben schon genannten – Kategorien. Und letztlich noch einem Teil über die verliehenen Preise.

Celine Aurelia Tarchini und Marie-Sophie Tatschl vertreten das 4-Team, das dieses Modell einer Vielkönner-Holz-Laterne ausgedacht und gebaut hat

Nachhaltige Projekte in fast allen Kategorien

Nachhaltigkeit, sorgsamer Umgang mit Ressourcen, Re- und Up-Cycling bzw. noch besser Vermeidung von zu viel Abfall … – Themen, die seit vielen Jahren allgegenwärtig sind. Nicht selten wird in diesem Zusammenhang mehr darüber geredet als entsprechend gehandelt; sozusagen heiße Luft produziert.

Viele Jugendliche engagieren sich nicht nur in Demos und Aktionen für Klimaschutz, sondern so manche erfinden auch Schlaues in Projekten. Beim großen Schulwettbewerb Jugend Innovativ, der in diesem Jahr zum 37. Mal stattfand, gibt es seit vielen Jahren eine eigene Kategorie Sustainability (Nachhaltigkeit – 2008 als Sonderpreis zunächst unter dem Titel Klimaschutzinitiative entstanden). Immer mehr finden sich Elemente von Nachhaltigkeit aber auch in Projekten in praktisch allen anderen Kategorien: Design, Engineering (Maschinenbau, Ingenieurswesen, also technische Entwicklungen und Erfindungen), Entrepreneurship (unternehmerische Handeln), Science (Wissenschaft), ICT & Digital (Information and Communication Technology).

Aufblasbare Riesenvariante des Logos von Jugend Innovativ
Aufblasbare Riesenvariante des Logos von Jugend Innovativ

Portionierte Veröffentlichung

In der letzten Mai-Woche (2024) startete das 37. Bundesfinale – mit Preisverleihung vor dem Feiertag. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wird – wie seit Jahren (davor im Kinder-KURIER) alle Finalprojekte vorstellen – aufgeteilt auf die genannten Kategorien, um lesefreundliche Portionen zu servieren. Gestartet wird – weil im Alphabet am Beginn und schon am ersten Tag mit allen fünf Projektteams gesprochen werden konnte – mit Design, die anderen folgen in den kommenden Tagen.

Und weil schon eingangs von der Nachhaltigkeit die Rede war also zunächst zwei Projekte, bei denen dies eine große Rolle spielt:

Straßenlaternen aus Holz

Celine Aurelia Tarchini und Marie-Sophie Tatschl von der Euregio HTBLVA Ferlach in Kärnten haben eine Straßenlaterne aus Holz ausgedacht, entworfen sowie Modelle dafür entworfen – gemeinsam mit ihren Kolleg:innen Magdalena Mikula und Kai Sonntag, die beim Bundesfinale anderweitig schulisch im Einsatz waren.

Eines der Modelle – im Maßstab 1:3, also ein Drittel so groß wie die Originale haben sie mitgebracht. Es ist nicht nur formschön, sondern trägt auf dem Dach eine Fotovoltaikanlage. Für den Journalisten und entsprechende Fotos neigen sie das Laternen-Modell, um dies herzuzeigen. Die hölzernen Streben bestehen aus mehreren Schichten, im Inneren gibt’s Hohlräume für die Verkabelung, erklären die beiden Schülerinnen. „Wir können auch Ladestationen für Handys, eScooter und so weiter einbauen oder einen Notknopf und anderes.“

Und es wird zehn Prototypen dieser neuen Straßenbeleutungen aus Lärchenholz (weil witterungsbeständig und aus der Region) im Lakeside Park bei der Uni Klagenfurt am Wörthersee geben.

Raumwunder Kindergarten

Ein Spieltisch – aus Abfallholz einer Tischlerei in Form eines liegenden Achters steht vor der Projekttafel von „Raumwunder Kindergarten“ aus der HTL Pinkafeld (Burgenland). Jakob List und Fabian Fuchs erklären KiJuKU was es damit auf sich hat: Die Form kommt von einer Kinderzeichnung. Und das kam so: Die beiden wollten eine Eltern-Kind-Begegnungszone für Güssing planen – in ein leerstehendes Einkaufszentrum und den Grünraum davor. „In einer Umfrage haben wir herausbekommen, dass viele Eltern sich gern mit anderen treffen und austauschen würden und gern hätten, dass ihre Kinder dabei Spielgelegenheiten haben sollten mit entsprechender pädagogischer Betreuung.“

Für die Gestaltung eines solchen Zentrums wollten sie sich von Kindern inspirieren lassen und machten eine Exkursion in den Heilpädagogischen Kindergarten Mitterdombach in der Steiermark. Dort baten sie Kinder um Zeichnungen, die sie dann in vielen Elementen ihrer Pläne einbauten. Die Zeichnung einer Art S war einerseits die Basis für eine Umrandung des Freiraums vor dem Gebäude – gebaut aus hölzernen Lamellen. Und sie diente als Vorlage für den eingangs beschriebenen Tisch. In den sie überraschende Elemente einbauten. So lassen sich in den beiden Kreisen runde Deckel hochheben, unter dem einen feinden sich die genoppten Klemm-Bausteine, mit denen oben auf dem Deckel gebaut werden kann…

Die beiden mussten sich für die Präsentation beim Jugend-Innovativ-Finale übrigens den Tisch wieder ausborgen, hatten sie ihn doch schon zuvor dem genannten Kindergarten geschenkt. Und kleines Schmankerl: Die beiden haben sich jeweils so einen liegenden Achter – in unregelmäßiger Form als „Fliege“ als Halsschmuck gezimmert.

Modularer Fahrer:innen-Stand einer Straßenbahn

Auf ihre Art beinhaltet auch die Entwicklung von Judith Lumetsberger und Anna Theis von der HTBLuVA St. Pölten (Niederösterreich) einen Nachhaltigkeits-Anteil. Die beiden Schülerinnen haben ein flexibles Modell für das Cockpit von Straßenbahnen für die Firma Alstom ausgedacht und gebaut. Statt für unterschiedliche Anforderungen und Wünsche jeweils ein neues Modell zu bauen, können die von dem Duo in ihrer Diplomarbeit in Maschinenbau/ Industrie-Design entwickelten Module (Holz,Styropor, Papier) verbreitert, verschmälert, ergänzt und verschoben werden. Und ihr Modell beinhaltet, dass der Sitz im Fahrer:innen-Stand so angepasst werden kann, dass jede:r – egal wie groß oder klein – ergonomisch richtig beim Lenken einer Bim sitzen kann.

OpenSoundQueue

Lukas Schodl, Markus Wizany und Daniel Pillwein aus der HTL 3 Rennweg haben mit OpenSoundQueue eine Web-Site samt App entwickelt mit der einfach Musik – egal von welcher Plattform – sozusagen in eine Warteschlange ein- und anschließend abgespielt werden kann. Party oder eine andere Veranstaltung – eine oder einer startet die Offene Klang-Schlange und jede:r kann die eigene Playlist, oder einzelnen Songs hinzufügen, egal von welchem Anbieter. Und weil schon offen, will das Trio auch nicht daran verdienen, und stellt es als Open Source zur Verfügung.

Zeitreise zurück

Ein anderes Team aus der Höheren Technischen Lehranstalt Rennweg in Wien-Landstraße – Marlen Seelos, Sofie Graf, Alice Marinellore und Catharina Lehner – erfand und programmierte ein Videospiel, in dem die Zeit einerseits Spielmechanik ist und andererseits auch verändert werden kann. „Flux“, Hüter der Zeit in „Warden of Time“ ist die Spielfigur mit der du Aufgaben und Rätsel lösen musst. Solche sind etwa Schlüssel für ein Türschloss zu suchen und finden, springen, laufen… „Du kannst mit Flux aber auch in der Zeit reisen, aber nur in die Vergangenheit“, erklären die Jugendlichen. „Wir hatten schon immer die Idee, ein Videospiel machen zu wollen“, erklären sie den Ansatz für ihr Projekt. Noch gibt es das Spiel nicht.  „Es ist inhaltlich noch nicht ganz fertig und einige Fehler müssen wir auch noch ausbessern, aber dann wird es das Spiel auf der Games-Plattform Steam geben“, kündigt das Quartett an.

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Die Abstimmungsseite zur Wiener Kinder- und Jugendmillion

Bist du zwischen 5 und 20 und aus Wien, kannst du über eine Million Euro mitbestimmen

Eine märchenhafter Spielplatz, genannt Lebkuchen mit Hexenhaus, Labyrinth und Rutsche, ein Kulturbalkon vom Gymnasium am Augarten über die Straße hinüber in den Park, Gratisproberäume für Musiker:innen, Lese-Chill-Boxen mit WLAN, Bienenrettung in einem Insektenparadies, Kultur- und andere Projekttage, Gratis-Schwimmkurse, mehr Sportplätze, ein Baumhauspark oder das eine oder andere Klo auf einem Spielplatz… Das alles sind Ideen von Kindern und Jugendlichen aus Wien. Und du kannst darüber mitbestimmen, was davon die Stadt Wien verwirklichen soll.

Zum zweiten Mal steht eine Million Euro für Projekte zur Verfügung, die junge Wiener:innen – egal welche Staatsbürgerschaft sie haben – vorgeschlagen haben Im Herbst hatten Kinder und Jugendliche Ideen eingereicht – Bericht siehe hier unten.

Mitarbeiter:innen der Stadt Wien und aus den Bezirksvertretungen haben mit den Ideengeber:innen ausgetüftelt, was wie viel kosten würde und 49 Projekte ausgewählt.

Die Site rechnet mit

Diese kannst du dir auf der Website von junges Wien ansehen, du siehst auch was ihre Umsetzung kosten wird und sobald du auf ein Projekt klickst, erscheint auch, wie viel Geld du noch vergeben kannst. Du kannst die eine Million nicht überschreiten. Stimmst du ab, kriegst du einen Code auf dein Smartphone geschickt und erst wenn du den eingibst, zählt deine Abstimmung. Du kannst zwar öfter abstimmen, es zählt aber nur die letzte deiner Entscheidungen. Link zur Abstimmung ebenfalls ­­am Ende des Beitrages.

Hier zählt die Staatsbürgerschaft nicht

Dieses Jahr gibt es in vielen Ländern der Welt Wahlen, in Österreich auch mehrere. Die nächste steigt am 9. Juni – für das Parlament der Europäischen Union; im herbst dann für den Nationalrat, also das österreichische Parlament; und obendrein noch in zwei Bundesländern – Vorarlberg und Steiermark für die Landtage, also die jeweiligen Bundesländer-Parlamente. Da dürfen nur jene mitwählen, die schon 16 sind und auch nur, wenn sie die entsprechende Staatsbürgerschaft haben – die österreichische bzw. für die EU-Wahl eine aus einem der 27 Mitgliedsländer der Europäischen Union.

Bei der Kinder- und Jugend-Million aber kannst du schon mitbestimmen, wenn du 5 Jahre bist, dafür nicht mehr, wenn du schon älter als 20 bist. Die Staatsbürger:innen-schaft ist dafür egal.

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abstimmen.junges.wien

Bild generiert mit der Künstlichen Intelligenz von Adobe Firefly mit Begriffen aus den Kinder-Ideen

Kinder-Ideen zu einer Zukunfts-Reparier-Maschine

Grün. Sie schaut aus, wie ein gschwinder Dionsaurier, so mit Händen und Füssen. Sie sagt nichts, sie macht nur bum, bum, bum. Bum, ein neuer Tag, bum, ein neuer Tag. Bum, bum.

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Die Maschine kann gehen, hat auch einen Roboter drin und sie hat einen Hammer. Sie kann schmutzige Luft rein machen. Sie hat ganz viele Arme, die alle unterschiedliche Sachen können. Sie hat eine Antenne und kann telefonieren mit anderen Maschinen. Sie arbeitet die ganze Nacht, immer wenn etwas kaputt geht.

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Bild generiert mit der Künstlichen Intelligenz von Adobe Firefly mit Begriffen aus den Kinder-Ideen
Bild generiert mit der Künstlichen Intelligenz von Canva/ mit den selben Begriffen aus den Kinder-Ideen wie Firefly

Die Maschine hat Flügel, damit sie fliegen kann und sie hat Räder, damit sie fahren kann. Sie will ja zu den Menschen.

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Das ist eine Maschine, die macht Ordnung im Kopf von den Menschen. Sie macht die Angst weg.

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Bild generiert mit der Künstlichen Intelligenz von Adobe Firefly mit Begriffen aus den Kinder-Ideen

Es ist eine Maschine unter Wasser mit einem Rohr. Sie sammelt alles, was kaputt ist. So hilft sie den Fischen und den Menschen.

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Die Maschine ist gelb. Sie hat eine Schnauze mit Nadel, Fahrräder näht sie einfach zusammen. Sie repariert auch Häuser und kann überhaupt alles. In ihr wohnt ein Koalabär. Der saugt das Schlechte aus den Menschen. Traurige Menschen bekommen einen Kuss.

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Bild generiert mit der Künstlichen Intelligenz von Canva/ mit den selben Begriffen aus den Kinder-Ideen wie Firefly
Bild generiert mit der Künstlichen Intelligenz von Canva mit den selben Begriffen aus den Kinder-Ideen wie Firefly

Die Maschine leuchtet und ist so klein wie ein echtes Einhorn. Sie kann mit dem Horn Müll wegmachen und verwandelt alles in Dünger. Damit füttert sie die Pflanzen.

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Ich hab Angst, so eine Maschinen, die uns Menschen helfen kann, gibt’s gar nicht.

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Die Maschine ist ein Apfel mit Ameise, Motor und einem Knopf. Da muss man draufdrücken und dann fliegt sie. Ja sie kann fliegen. Sie frisst alles, was schlecht ist, die Ameise hilft dabei. Beide zusammen sind so stark, sie können die Welt retten.

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Die Future Repair Machine hat mehrere Arme und Hände, sie braucht keine Nase, anstatt des Kopfes hat sie eine Metallplatte, man sagt zu ihr nicht „sie“ und auch nicht „er“ sondern „du”.

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Zur Website des Projekts Future Repair Machine
Szenenfoto aus "Der König, der alles hatte"

Der Alles-haben-Woller und die Gerechtigkeit

Die ganze Bühne eine schräge Bettfläche weiß mit dünnen roten Strichen, die ein groß-kariertes Muster ergeben. Mittendrin ein üppiger König mit kleiner roter Krone. Der zählt Pölster – „61, 62, 63, 61, 64, 65“. Zeigt sich verwundert. Zählt noch einmal und noch einmal. Ist verärgert. Er hatte doch 66 Kissen, irgendwer hat wohl eines geklaut. Der König trägt einen außergewöhnlichen Namen, der schon den Kern der Geschichte aussagt: „Die Schachtel, die alles hat, alles darf und nichts muss“.
Und alles heißt, wenn er 66 Pölster hatte, dann will er genau die haben und nicht einen weniger.

Folgerichtig schreit er herrschsüchtig nach dem Diener. Auch der heißt nicht alltäglich: Törtchen, stets zu Diensten. Natürlich kommt der für des Königs Geschmack zu langsam – und darf nicht wirklich die Wahrheit sagen, dass sich sein und aller Herren verzählt hat. Muss also los, um ein 66. Kissen aufzutreiben.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Schachteldrama

Soweit der Beginn des Stücks „Der König, der alles hatte“ im Grazer Jugendtheater Next Liberty. Verena Richter, Kabarettistin, Musikerin und Autorin hat es geschrieben unter dem Titel „Schachteldrama“ – vor drei Jahren im Rahmen des Retzhofer Dramapreises, in einer Kombination aus Workshops und Wettbewerb. Und ihr Text ist mit Wortwitz(en) gespickt, nicht wenige eher für erwachsenes (Begleit-)Publikum.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Dir fehlt was

Zurück zur nunmehrigen Inszenierung (Regie: Anja Michaela Wohlfahrt). Während also der König (Martin Niederbrunner), der alles für sich haben will, dabei aber nicht nur beim Zählen ein bisschen dümmlich wirkt und sein Diener (Helmut Pucher), der nie an den Aufträgen verzweifelt und heiter bleibt, um den 66. Polster eilen will, läutet es an der Tür (EU-Hymne). Eine Gästin von weit her – jenseits der Schuldenberge, hinter den Gierschluchten aus einem Land, wo die Menschen (fast) nichts haben. Darauf weist Cassandra Schütt die „Schachtel, …“ hin. Dieses Ungleichgewicht von Reichtum und Armut führt aber auch dazu, so die Gästin, dass dem König doch etwas fehle: Gerechtigkeit.

Hoppla, das kann doch nicht sein, dass der Herrscher nicht alles hat. Hat er doch nicht nur 66 Pölster, 12 luxuriöse Badewannen, einen vorderasiatischen Rückenkratzer, sondern sogar königsblaue Eierschalen-Sollbruchstellen-Verursacher… Aber tatsächlich, auf der Liste seines Hab und Gutes gebe es kein Gereuchtigbumms. Also müsse er auch das haben.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Verkäufer für alles …

Da trifft es sich gut, dass wieder die Europa-Hymne erklingt; ein Paket wird geliefert. Überzeugender Überzeuger (Simone Leski) mit Jacqueline, der Krawatte der Überzeugung um den Hals, üppig kostümiert (Ausstattung: Helene Payrhuber), trifft ein.
Endlich Gerechtighummsdipummsdi?
Naja, doch irgendwie nicht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Einen Bewunderer braucht er mindestens

Die Figur tritt in der Folge noch zwei Mal auf – immer anders, ziemlich schräg kostümiert, um angeblich so ein Gerecht-, Gereucht, also so was zu bringen, das die Schachtel noch nicht hat. Und verlangt dafür immer mehr. Beim zweiten Mal den Diener – den will der König nicht hergeben. Dann bliebe ja gar keiner mehr, der ihn bewundern und bedienen könne – wobei da schon ein bisschen mitschwingt, dass er auch nicht ganz allein bleiben will.

Zuletzt ist der König bereit zu zahlen „koste es, was es wolle“. Bühne wird leer geräumt. Doch nicht ganz, einen Polster hält er noch in Händen – und den teilt er sich nun als Sitzgelegenheit mit Törtchen, stets zu Diensten.
Happy End, Vorhang zu. Applaus.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Ansatzlose Veränderung

Ob zuvor die einkassierten Kissen als Symbol für alles, überhaupt an die Armen im Land der Gästin jenseits der Gierschluchten gehen oder erst recht nur an einen anderen Gier-Raffer, den überzeugenderen Überzeuger? Und wie der König sich überhaupt veränderte? In der Stunde, oder vielleicht auch nur den 55 bis 58 Minuten vor dem geteilten Polster, ist keine wirkliche Entwicklung erlebbar. Mehr oder minder bleibt die Schachtel in ihrer alles haben wollen-Mentalität. Da braucht’s eben auch das Gerechtigkeitsdings. Womit die drei Aufritte der fantasievoll ausgestatteten Überzeugenderen Überzeuger dennoch more of the same (mehr vom Gleichen) bleiben – und in etwa ab der Hälfte des Stücks ein Gutteil des Kinderpublikums unruhig zu werden beginnt.

Außerdem schwebt über dem Polster-Teilen nicht nur ein neues Königs-Gefühl, sondern vielleicht eher noch das alte: Ich will wenigstens einen Bewunderer und Diener.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Live-Musiker

Neben dem Wortwitz aus dem Text und dem Spielwitz der Schauspieler:innen ist unbedingt noch der Live-Musiker Reinhard Ziegerhofer zu erwähnen. Mit Gitarre, Kontrabass, den er an passenden Stellen zum Percussion-Instrument umfunktioniert und Melodica ist er ständig auf der Bühne präsent. Als „Teil des Ganzen“ kriegt er manches Mal vom König Anweisungen, dass er schneller oder anders zu spielen habe. Und dennoch vermittelt er eine gewisse Unabhängigkeit.

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Reaktion der Autorin

Etliche Tage nachdem diese Stückbesprechung erschienen ist, meldete sich Autorin Verena Richter und meinte in einer eMail: „Ich teile in vielen Punkten deine Ansicht. Auch ich finde u.a., dass keine Entwicklung stattfindet und das Stück ab der Hälfte stagniert. Ich habe das Bedürfnis dir zu schreiben, dass an meinem Text ohne mein Wissen Änderungen vorgenommen wurden, Teile gestrichen und an anderen Stellen Text hinzugefügt wurde, der nicht von mir stammt.“

Compliance-Hinweis: Das Dramatiker:innen-Festival in Graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zur Berichterstattung eingeladen.

Zwei der hier beschriebenen Kurz-Versionen sind beim Festival am Freitagvormittag im taO! zu sehen

Beim Kunsthaus Graz kratzte die Kette die Kurve zurück zum Mariahilferplatz

„Roter Faden“ der Wegwerf-Kleidung als Retourenkette

Künstlerische Aktion, um Auswirkungen von Fast Fashion bewusst zu machen – von Rimini Protokoll, „Bis es mir vom Leibe fällt“ und OR-Foundation aus Accra (Ghana).

Auf dem Grazer Mariahilferplatz steht an diesem Samstag(vor-)mittag ein Riesending. Schaut aus wie der Anhänger eines LKW. Bespannt mit geknüpften Stoffstreifen. Es handelt sich um eine „Sattelschlepper-Skulptur“ der Künstler:innengruppe Rimini-Protokoll. Von hier startete im Rahmen des Dramatiker:innen-Festivals die Kunstaktion „Retourenkette“.

Riesenknäuel

Daniel Wetzel, mit Künstlernamen Import hält ein Riesen-Stoffknäuel vorwiegend in Rottönen in Händen. Linn Lieferkette (Linn Günther) von „Bis es mir vom Leibe fällt“ hatte dies in einer halben Stunde aufgetrennt, nachdem sie zuvor aus diesen Stoffresten in dreiwöchiger Arbeit daraus einen Teppich geknüpft hatte

Auf dem Platz versammeln sich die Teilnehmer:innen. Das Ende – oder der Anfang (?) der Kugel wird der ersten Person übergeben, rund 15 Meter werden abgespult, die/der 2. hält den Faden und so weiter. Die Kette geht rund um den Häuserblock bis vor zum Kunsthaus und wieder zurück zum Mariahilferplatz.

Gedanken und Geschichten aus Kopfhörern

Alle haben Knöpfe im Ohr oder Kopfhörer auf – oder halten ihr Handy ans Ohr. Über einen zuvor gescannten QR-Code kommen sie zu einer Audio-Datei. Rund eine halbe Stunde hören sie unter anderem die oben genannte Information über den teils abgewickelten Stoffball von dem sei ein Stück in Händen halten. Sowie Gedanken über das Spinnen von Fäden, die Produktion von Stoffen und die Auswirkungen von „Fast Fashion“ samt Transport der weggeworfenen Kleidungsstücke vor allem nach Kantamanto, einem zentralen Stadtteil in Accra, der Hauptstadt Ghanas.

Jährlich landen dort rund 25 Millionen in Europa aussortierte Kleidungsstücke. Von bzw. über dort erzählt Daniel Mawuli Quist, Modekünstler, Dichter und Aktivist der OR-Foundation. Er ist auch zum Festival nach Graz gekommen – erkennbar an seinen beiden Ohrringen – ein Stück Putzschwamm am rechten, ein metallenes Reinigungsknäuel am linken Ohr. Und einem Statement-T-Shirt : Vorne in Spiegelschrift: „Wear with Care“ (Tragen mit Fürsorge). Auf der Rückseite stehen seine Grundsätze – die sich mit denen der Künstler:innen von Rimini Protokoll und „Bis es mir vom Leibe fällt“ decken: Kaufe nicht für einmaligen Gebrauch, nur für Wiederverwendung, vielfaches Tragen, …

Alle(s) miteinander ver„netzt“

Die Teile dieses „roten Fadens“ hören unter anderem ein Gedankenspiel, was wäre, wenn alle Menschen aus dem Großraum Graz sich in 15-Meter-Abständen aufstellten und ein laaaaaanges Stoffband halten – bis Accra übers Meer auf Schiffen… Daniel Mawuli Quist „spinnt“ vor allem den Gedanken der Vernetzung, der mit dem Weben unmittelbar verknüpft ist. So wie wir alle auf der Welt miteinander vernetzt sind. Jedes Handeln hat Auswirkungen auf Mitmenschen.
Auf der Homepage der OR-Foundation heißt die – übersetzte – Mission: „Zu viel Kleidung. Nicht genug Gerechtigkeit. / Zu oft Verbraucher. So selten Mensch…“

Teilweise abgefackelt

Übrigens – das ist in der rund halben Stunde nicht zu hören, die OR Foundation hat vor vier Jahren festgestellt, dass ein Immobilienentwicklungsunternehmen im Dezember 2020 absichtlich einen Brand in einem Teil des Kantamanto-Marktes gelegt hatte. Es sollte an dessen Stelle ein Mega-Einkaufszentrum errichtet werden. Ein Jahr später gab der Immobilienentwickler Golden Coast Developers eine Partnerschaft mit der Kantamanto Traders Association und dem Eisenbahnministerium sowie der Railway Development bekannt. Der Künstler Sel Kofiga dokumentiert den Stoffhandel auf dem Markt durch Upcycling- und Mixed-Media-Kunstprojekte, Samuel Oteng organisiert ein ähnliches Upcycling-Unternehmen. (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Kantamanto_Market)

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Szenenfoto aus "SagdochmalLuca"

Eine gebrochene Nase und viele Wahrheiten

Schon der erste Blick auf die Bühne (Imelda Kuntner) vermittelt, worum es im Stück „SagdochmalLuca“ geht: Da ist einiges durcheinander geraten. Zwei der Spinde in Schieflage. Links und rechts von mehreren Tribünen-Ebenen.

Ein Schrei

Luca, so heißt es, hat in der Garderobe der Turnhalle Luis mit einer Eisenstange die Nase gebrochen. Die beiden sind seit ewig freundschaftlich eng verbunden. Was wirklich passiert ist, hat niemand gesehen. Nur Luis’s Schrei war zu hören und danach zu sehen, wie Luca fürsorglich, fast zärtlich Blut aus Luis Gesicht gewischt hat. Schon als klar war, dass der Krankenwagen kommt, war Luca weg.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „SagdochmalLuca“

Dramapreis

Zehn (sehr) junge Schauspieler:innen, die meisten aus dem „Stall“ des Grazer Jugendtheaters taO! – Theater am Ortweinplatz, spielen dieses Stück, mit dem Lena Gorelik im Vorjahr den Retzhofer Dramapreis in der Kategorie „für junges Publikum“ gewonnen hat. Außer Luca (Ennio Resnik), Luis (Marlon Zaar) und Alessia (Ronja Abl), die mit beiden befreundet ist, haben die anderen sieben Spieler:innen keine Rollen-Namen. Immer wieder tritt die eine oder der andere in den Vordergrund – oder drängt sich ins Rampenlicht, um das Geschehene aus ihrer oder seiner Sicht zu erzählen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „SagdochmalLuca“

Viele verschiedene Sichtweisen

Und sie agieren dabei auch sozusagen als Regisseur:innen der jeweiligen Szene. In unterschiedlicher Art und Weise bitten sie die Mitschüler:innen – oder ordnen diesen an, wie und wo sie sich platzieren sollen, um den jeweiligen Ablauf durchzuspielen. Nicht nur den unmittelbar rund um den Nasen-Bruch, sondern auch von einem früheren Ausflug oder einer Party. Immer steht im Zentrum das Verhältnis von Luis und Luca – übrigens einer non-binären Figur. Was immer wieder zu Korrekturen von Kolleg:innen führt, wenn wer er oder ihn, also damit falsche Pronomen verwendet.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „SagdochmalLuca“

Immer anders

Aber welche Szene auch immer rekapituliert wird – stets fällt irgendeiner oder -einem auf – hoppla, du warst doch gar nicht dabei. Bist erst später dazugekommen. Naja, ganz so war das nicht. Luca und Luis sind doch eng befreundet, Luca kenne gar keine Aggression. Was Luca selbst in einer Situation aber Lügen straft. Und dann wiederum doch nicht, oder schon, oder…?

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „SagdochmalLuca“

Allgegenwärtig

Das spannende an dem gut gebauten Stück selbst – und der Inszenierung (Regie: Manfred Weissensteiner – taO!; Dramaturgie: Dagmar Stehring – Next Liberty) – ist eben dieses ständige Infrage-Stellen, was da nun wirklich passiert ist, oder viel mehr sein könnte – denn letztlich wird das echte Geschehen nie aufgeklärt. Wer hat was (nicht) gesehen? Mit fast jeder neuen Schilderung kann sich die Perspektive verändern … – Losgelöst von dem Ausgangs-Wickel im Stück steht „SagdochmalLuca“ so krass dafür, wie und was sich gerade in aufgeheizten Konflikten – potenziert durch Social-Media-Kommentare – abspielt – und dass es vielleicht nicht das Schlechteste wäre, nicht die erste oder lauteste Schilderung für bare Münze zu nehmen, sondern viele Seiten zu hören/sehen und zu hinterfragen – wer hat welche Wahrnehmung… Und könnte vielleicht das eine oder andere nicht den schon im eigenen Kopf vorgefassten Meinungen widersprechen?

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Performerinnen im Container

Mit dem „Herbert-Evangelium“ rasten Performerinnen aus

War schon Natalya Vorozhbits Film „Bad Roads“ über Gewalt, die unter kriegerischen Bedingungen in der Ost-Ukraine – eben schon Jahre vor dem Überfall auf das gesamte Land durch die russische Armee – um sich greift und praktisch alle Lebensbereiche ergreift, so folgte am zweiten Abend eine andere Attacke. Eine aus der näheren Umgebung. Aus einem Land, in dem der letzte Krieg fast 80 Jahre zurückliegt. Aus Österreich.

Der Performance-Container im Burghof
Der Performance-Container im Burghof

Basis: Femizide und andere reale männliche Gewalttaten

Ein Jahr lang (2020) haben die Autorinnen Judith Goetz, Lydia Haider, Marina Weitgasser Nachrichten der „blauen“ Seite der ORF-Online-Nachrichten gesammelt, Screenshots als Dokumente gemacht. Femizide, aber auch andere Gewalttaten – darunter auch den Terroranschlag am 2. November in der Wiener Innenstadt, aber auch weniger „spektakuläre“.

Diese realen Vergewaltigungen, Schlägereine, Morde, teils auch anschließenden Suizide waren für die Autorinnen der Ausgangspunkt für eine dramatischen Text. Sozusagen aus der Sicht der Täter – geballt in eine toxische Männlichkeit, die für sich das Recht in Anspruch nimmt, über andere, vor allem Frauen zu herrschen, sie zu besitzen, sie sich zu nehmen, wann immer es ihm – genannt Herbert – danach gelüstet.

Triggerwarnung für die Performance

Diesen rund 70-minütigen Text performen Vera von Gunten und Clara Liepsch in einem Container aus durchsichtigen Kunststoff-Wänden im Burghof neben dem Grazer Schauspielhaus. Das Publikum an den Wänden in U-Form rund um das Geschehen sitzend, erlebt fast außer Rand und Band zu geraten scheinende gewalttätige „Herberts“. Nicht zu Unrecht gibt es im Programmheft des Dramatiker:innen-Festivals eine Triggerwarnung.

Transparente und der Perfromance-Container
Transparente und der Perfromance-Container

„Ausrastende“ Performerinnen

So ungefähr nach der Hälfte des Spiels verteilen die Schauspieler:innen dünne weiße Overalls wie sie aus TV-Beiträgen in der Pandemie oder aus Krimis bei Tatort-Begehungen bekannt sind. Und blaue Schuhe-Überzieher sowie Schutzbrillen. Denn nun wird’s noch ärger. Die beiden rasten als „Herbert“ vollends aus. Schütten rote Flüssigkeit aus Kelchen durch die Gegend, stechen mit Messern auf die große aus Ton geformte Statue eines sitzenden Menschen (Skulptur: Paul Lässer) los, zertrümmern diese mit einem Baseball-Schläger.

Transparente der Initiative
Transparente der Initiative „The Resistance Quilt Project“ auf dem Boden des Burghofes in Graz

„Hobby“-Keller-Wand

Immer unterlegt mit eingeblendeten Meldungen über realen Gewalttaten. All die kleben als ausgedruckte Screenshots auch auf dem Pressspan-Platten-Boden und einem Teil der ebensolchen Wand hinter den Spielerinnen. Dort hängen auch – wie in einem Hobby-Keller Werkzeuge – aber neben Hämmern, Schraubendrehern und anderen auch Pistolen, ein Gewehr, eine Machete und eine Art Speer (Raum: Christoph Rufer, Antje Schupp). All solche waren Tatwerkzeuge.

Das
Das „Herbert-Evangelium“ beinhaltet unter anderem den Text der drei Autorinnen

Herbert-Evangelium

Der Text der drei Autorinnen ist – insbesondere zu Beginn – im Duktus von Bibelstellen und kirchlichen Predigten gehalten. Auch das Setting lehnt sich an eine Messe an, das Publikum wird als „Gemeinde“ angesprochen. „Ich, Herbert“, tue, was ich tun muss… bin der Herr dieser Welt…“

Dementsprechend liegen auf zwei Kanzel-Adaptionen auch dicke ledergebundene Bücher mit Gold-Titel-Schrift: „Herbert-Evangelium“.

Alles fast unaushaltbar – allerdings: Es ist „nur“ das dramatische verarbeitete Geschehen realer Taten – hin und wieder verschafften Text und Spiel Verschnaufpausen durch schräg-überdrehte Performance bzw. den einen oder anderen (Wort-)Witz.

Aktivistinnen

Das einzig wirklich halbwegs Entlastende spielt sich rund um den Container ab: Aktivistinnen von „The Resistance Quilt Project“ haben Transparente – nicht nur mit Mahnungen an viele einzelne Femizide sowie Widerstandsparolen auf dem Boden ausgebreitet, verteilen Flugblätter, sondern laden das Publikum auch ein, Gedanken und Vorschläge zur Verhinderung, zur Vorbeugung (männlicher) Gewalttaten zu auf Stofftücher zu formulieren – womit eines der Banner ergänzt wird. Und diese Initiative tritt nicht nur hier rund um den Container dieser Performance auf, die sicher ohnehin „nur“ von Menschen besucht wird, die sicher gegen Femizide sind. Nächste Woche sind sie mit einem Infotisch auch auf dem Grazer Hauptplatz – und können für Workshops gebucht werden.

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Zwei der hier beschriebenen Kurz-Versionen sind beim Festival am Freitagvormittag im taO! zu sehen

Transparente der Initiative
Transparente der Initiative „The Resistance Quilt Project“ auf dem Boden des Burghofes in Graz
Still aus dem Film "Bad roads"

„Bad Roads“ – wie Krieg Menschen de-humanisiert

Bilder von unten. Die Kamera offenbar knapp über der Schotterstraße – samt den entsprechenden Geräuschen. So beginnt der Film „Bad Roads“ (schlechte Straßen“ von Natalia Vorozhbyt. Bald landet dieses Auto – mit seinem Fahrer, einem (angeblichen) Schuldirektor – bei einem Check-Point. In der Ukraine – noch vor dem Überfall der russischen Armee auf die ganze Ukraine, aber zu Zeiten als schon Regionen im Osten des Landes, im Donbass besetzt waren. Willkür der bewaffneten Grenzer gegenüber dem Schuldirektor, der nicht gleich seinen Pass findet. Bedrohlich.

Theater goes Film

Dabei ist diese Eröffnungs-Szene noch eine der harmlosesten. Den Film hatte die Dramatikerin, Drehbuchautorin, Filmregisseurin und Kuratorin für soziale Theaterprojekte ursprünglich als Stück geschrieben. Dieses wurde in London 2017 am Royal Court uraufgeführt und mehrfach in Deutschland gespielt, zuletzt (2022) am Berliner Ensemble (Regie: Tamara Trunova) – in ukrainischer und russischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Still aus dem Film
Still aus dem Film „Bad roads“

2020 hat die Autorin selbst das Stück, als Film gedreht. Zwei dichte, heftige Stunden gespielter Szenen, die auf Zeitzeug:innen-Berichten beruhen. Die anfänglich hellen Bilder wechseln in durchgängige Düsternis mit immer wieder unaushaltbaren Gewalt-Szenen. Die meisten Zuschauer:innen bei der Aufführung im Rahmen des Dramatiker:innen-Festivals in Graz berichteten, dass sie immer wieder die Augen schließen, sich abwenden mussten (damit auch die englischen Untertitel dieser Szenen nicht lesen konnten) oder mehrmals überlegten, den Raum zu verlassen – was einige auch taten.

Kein Gewalt-Voyeurismus

Beim doch Hinblinzeln in Sekunden-Bruchteilen zeigte sich, dass die Regisseurin aber keinen Gewalt-Voyeurs-Film dreht, sondern – wie sie in einer Video-Botschaft dem Publikum mit auf den Weg gab – „nur“ zeigen wollte, wie die kriegerische Gewalt Menschen in ihrem Verhalten bis hinein in den Alltag de-humanisiert.

Still aus dem Film
Still aus dem Film „Bad roads“

Mit einer solchen – fast von schrägem Humor durchzogenen – Szene beendet Natalia Vorozhbyt auch die „schlechten Straßen“. Eine junge Frau überfährt unabsichtlich auf der furchigen Straße ein Huhn. Kommt schuldbewusst zu der Bäuerin und dem Bauern, bedauert, dass sie jetzt kein Geld mithat aber anderntags kommen werde, dafür zu bezahlen. Glauben die natürlich nie. Macht sie aber. Doch die vereinbarten 200 Hrywnja sind dann doch zu wenig. Gut, zückt sie einen 1000er-Schein. „Aber dieses Huhn hätte doch so viele Eier gelegt und damit hätten sie viel mehr verloren. Schmuck als Entschädigung. „Aber wir haben uns so gut mit dieser Henne verstanden…

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Still aus dem Film
Still aus dem Film „Bad roads“
Szenenfoto aus "Juices"

Selten so humorvoll diskriminierende Strukturen bloßgelegt

Drei Frauen in Flug- oder Arbeits-Overalls auf einem hohen Bühnen-Podest, zwei davon mit Gurten und Haken. Von der Decke hängen über mehrere Rollen zwei Seile. Werden die also fliegen? Schweben?

Irgendwie schon – und auch wieder nicht. Ja, es geht um „Aufstieg“. Oder viel mehr um verwehrte Aufstiege. Weil „falsche“ Herkunft. „Irgendwo aus dem Osten“.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Juices“

Antoinette Ullrich, Rahel Weiss und Maria Munkert spielen in „Juices“ von Ewe Benbenek (Regie: Kamila Polívková) zu Beginn fast sprachlose Personen – oder eher innere Stimmen – vielleicht auch nur einer einzigen Person. Zwischen Ärger über Ungerechtigkeit, Wut, Wille zum Widerstand und Selbstzweifel an eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen, weil immer wieder runtergemacht.

Seitenhieb aufs Theater?

„Sie hatten doch schon mal einen Anfang!“ Wenn es eine neue Chance geben sollte, dann „nur, wenn Sie wirklich was Neues, richtig Großes liefern können!“ Könnte sich vielleicht auch aufs Theater selbst beziehen?!

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Juices“

Zwar ist das Stück des Nationaltheaters Mannheim, das beim aktuellen Dramatiker:innen-Festival in Graz im Theater am Lend gastiert, in vielen Passagen eindeutig auf Deutschland geschrieben; übrigens immer bewusst als BRD im Gegensatz zum Osten bezeichnet. Dennoch funktioniert es genauso für Österreich – und sicher für so manch andere Länder im „Westen“, vielleicht nur Europas.

Einsatz für niedere Dienste – unabhängig von mitgebrachten Qualifikationen – das spielt sich hier auf – und teils unter der Bühne mit Video-Übertragung auf eine Leinwand (Bühne, Kostüme & Video: Antonín Šilar; Dramaturgie: Dominika Široká) ab – vom Putzen bis Spargelstechen. Für das Abtauchen in den Untergrund sind die Seile und die Gurten, einmal zusätzlich ein ganz sicherer Klettergurt

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Juices“

Viel Spiel- und Sprachwitz

Und trotz der Ernsthaftigkeit des „Klassismus“ kommt in den eineinhalb Stunden der Humor nicht zu kurz. Die strukturelle Situation ebenso wie die eigenen Reaktionen darauf immer wieder auf die Schaufel nehmend – und dennoch gepaart mit den Wünschen nach Widerstand einer- und Höhenflügen andererseits. Erstere mit der Fantasie in einem Bürohaus mit dem von Dreck getränkten Putzschwamm an die Wand zu schreiben: „Ich werde nicht gerecht bezahlt!“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Juices“

Czandelier

Die Aufstiegsträume symbolisiert vor allem im Bild eines Schwebens an einem Kronleuchter (chandelier) in der deutsch-polnischen Aussprache und Schreibweise „czandelier“ – mit Anklängen an den Song der Australierin Sia „I’m gonna swing from the chandelier“. (Takte daraus und andere beschwingte Musik: Peter Fasching). Ein Glitzerstein eines solchen „Kandelabers“ wird durch Abdunkelung, eine Lampe und Projektion zu einem fast weltraumartigen Gefunkel auf der Leinwand! Und bei heller Beleuchtung zu einer Träne, die im Untergrund versenkt wird.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Juices“

Aber wie ist das mit euch? Also mit uns als Publikum, zum Großteil aus dieser privilegierten „westlichen“ Schicht? Zu guter Letzt durchbrechen die drei Schauspieler:innen die vierte Wand, machen sich auf in den Zuschauer:innen-Raum, sprechen diese mehr oder minder direkt an. Solidarität macht doch keine Unterschiede, oder?

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Ferdinand Schmalz, vielfach preisgekrönter (Theater-)Autor bei seiner Rede während der Eröffnung des aktuellen Dramatiker:innen-Festivals

Die Kurve kratzen oder abkratzen

Über den mega-starken, mitreißenden Auftritt von Phyllis Omido, der Umweltaktivistin und Alternativ-Nobelpreisträgerin aus Mombasa (Kenia) bei der Eröffnung des aktuellen (siebenten) Dramatiker:innen-Festivals in Graz hat KiJuKU schon berichtet Und angekündigt, einen weiteren Bericht über die inhaltsstarke Veranstaltung folgen zu lassen.

Theater – Gegenpol zur Vereinzelung

Ferdinand Schmalz, der vielfach preisgekrönte (Theater-)Autor widmete sich kurz und knackig der Frage „Was aber kann die Kunst beitragen?“ Zum Motto und den großen Fragen, ob die Menschheit angesichts der auf die unumkehrbaren (Klima-)Kippunkte zurasenden Entwicklung diese noch „umkehrbar“ wäre. Und er zitierte unter anderem den prägnanten Satz des Fernfahrers aus seinem stationären Roadmovie „Dosenfleisch“, dass wir entweder die Kurve noch kratzen könn(t)en oder abkratzen und brachte eine weitere bildhafte Metapher, wonach die soziale Kälte immer tiefer sinke, je höher die Temperaturen werden.

Theater sei von seiner Form her schon ein Gegenpol zur Vereinzelung vor kleinen, digitalen Monitoren und könne vielleicht wie eine Geisterbahn die Schauenden auch zu Schaudernden machen, neue Verbindungen herstellen und so zu einer Schwarm-Intelligenz beitragen.

Immerhin wäre die Folge einer nicht gestoppten Erd-Erwärmung, dass bis zu einem Drittel der Menschen aus ihren angestammten Lebensräumen flüchten müssen – während gleichzeitig in den anderen Teilen der Welt immer mehr an „Festungen“ gebaut werde, wie gleich in ihren ersten Sätzen die künstlerische Leiterin des Festivals, Edith Draxl das Motto erläuterte.

Letzte Generation – mit einer Rede

Und so war es nur folgerichtig, dass einer Vertreterin der Bewegung „Die letzte Generation“ für einige Minuten die Bühne überlassen wurde. Gabriela Hiti, Schauspielerin beim in Graz beheimateten Theater im Bahnhof zitierte unter anderem aus dem Programm der aktuellen Bundesregierung „Aus Verantwortung für Österreich“, in der sich doch tatsächlich der Satz findet: „Wir sind die erste Generation, die die Folgen der Klimakrise spürt, und gleichzeitig die letzte Generation, die noch gegensteuern kann.“ Und wie es KEIN Klimaschutzgesetz und ähnliche Versäumnisse gibt, weswegen Aktionismus nötig ist.

Rad-tourender Musiker

Mehrmals zwischen Reden und am Ende der Eröffnung lieferte Manu Delago vielumjubelte – und für viele sicher auch immer wieder überraschende Musik auf drei Hanghang. Seit 20 Jahren spielt er auf diesen Klanginstrumenten – durchaus auch noch nie zuvor Gesehenes und Gehörtes. Der Konnex dieses ladinischen (Südtirol) zwischen Innsbruck und London pendelnden Schlagzeugers, Percussionisten und eben Hang-Spielers sowie Komponisten zum Festival-Inhalt: Zwei „Recycling“-Touren mit Musiker-Kollegen. 2021 fuhren sechs Musiker:innen und Techniker:innen mit Fahrrädern (ohne eMotor), aber 50-Kilo-fassenden Anhängern rund um fast ganz Österreich – mit abendlichen Konzerten; im Vorjahr gab’s eine weitere Rad-Musik-Tour von Innsbruck nach Amsterdam.

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Phyllis Omido (Mitte - und auf den projizierten Groß-Fotos) mit Lena Gruber von "Südwind" sowie der Gebärdendolmetscherin Laura Beatrice Raffer

Phyllis Omido: „Da machst du was du kannst und wartest nicht auf andere!“

Erst machten österreichische Behörden zwei engagierten Umwelt-Aktivist:innen (Phyllis Omido und Anthony Kingi), von denen Erstere immerhin im Vorjahr den alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award) bekommen hatte, die Einreise schwer; es bedurfte etlicher Interventionen im Außenministerium bis Visa erteilt wurden. Dann mussten die beiden auf der Reise und noch in Graz, wo sie zum Dramatiker:innen-Festival gekommen sind, ständig via Smartphones darum kämpfen, dass Mitstreiter:innen von ihnen in der Nähe von Mombasa aus der Haft entlassen wurden.

Festgenommen wurden drei der Aktivist:innen im Zuge eines brutalen Polizei-Einsatzes gegen Demonstrant:innen, die gegen die geplante Errichtung eines AKW im Gebiet des Dorfes Uyombo in Kilifi County protestierten. Zwischen Tsavo Nationalpark und den Küstenwäldern bei Mombasa liegt dieses Dorf.

Phyllis Omido (Mitte - und auf den projizierten Groß-Fotos) mit Lena Gruber von
Phyllis Omido (Mitte – und auf den projizierten Groß-Fotos) mit Lena Gruber von „Südwind“

Gift im Boden und in der Muttermilch

Phyllis Omido, studierte Betriebswirtin, arbeitete in der Verwaltung einer Recyclinganlage in Owino Uhuru, einem Slum in Mombasa. Recycelt wurden Batterien und Akkus. Die Mitarbeiter:innen mussten mit Blei und Säuren arbeiten ohne ausreichende Schutzmaßnahmen – für sich und die Umwelt. Die Kontaminierungen führten zu Vergiftungen, nicht zuletzt bei Kleinstkindern, deren Mütter, ohne es zu wissen, die Gifte über ihre Milche an die Säuglinge verabreichten.

Als Omido das feststellen musste, startete sie die ersten Aktionen betroffener Frauen und weitere Bewohner:innen. 2020 konnten sie und ihre Mitstreiter:innen 10 Millionen Euro Entschädigung wegen der gesundheitlichen Folgen der Arbeit in der Recycling-Anlage erkämpfen.

Phyllis Omido (Mitte - und auf den projizierten Groß-Fotos) mit Lena Gruber von
Phyllis Omido (Mitte – und auf den projizierten Groß-Fotos) mit Lena Gruber von „Südwind“ sowie der Gebärdendolmetscherin Laura Beatrice Raffer

Du kannst nicht auf andere warten

Sie selbst wurde bei einer Protestaktion auch festgenommen. Gab aber nie auf. „Wenn du erlebst, wie Kinder schwer krank werden, machst du, was du kannst, und wartest nicht, bis vielleicht irgendwer anderer aktiv wird!“, sagte sie auf der Bühne bei der Eröffnung des siebenten Dramatiker:innen-Festivals im Grazer Heimatsaal. Diese steht heuer unter dem Motto „Umkehrbar?“ und widmet sich diesem in Sachen Umwelt, Gesellschaft und menschlichen Beziehungen. Das internationale EU-geförderte Projekt „future.repair.machine“ ist Teil des Festivals.

Viele Auszeichnungen

Phyllis Omido wurde für ihr Engagement 2015 mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet, fünf Jahre später mit dem Blue Planet Award der Stiftung Ethecon. 2023 bekam sich schließlich den schon eingangs erwähnten Right Livelihood Award, der als „Alternativer Nobelpreis“ bezeichnet wird.

Phyllis Omido (Mitte - und auf den projizierten Groß-Fotos) mit Lena Gruber von
Phyllis Omido (Mitte – und auf den projizierten Groß-Fotos) mit Lena Gruber von „Südwind“ sowie der Gebärdendolmetscherin Laura Beatrice Raffer

Community-Work

Gemeinsam mit Anthony Kingi, einem Community-Arbeiter in Uyombo in Kilifi County, kam sie nach Graz. Die beiden hatten davor mit den Dorfbewohner:innen in ihrem Kampf gegen die Pläne der Nuclear Power and Energy Agency (NuPEA, staatliche AKW-Gesellschaft), mit den Behörden vereinbart, dass nichts gegen die Uyombo-Gemeinschaft entschieden werden dürfe. Ein Gerichtsverfahren gegen das geplante AKW läuft und dennoch ging die Polizei brutal gegen Dorfbewohner:innen vor, verhaftete einige – die nun nach massiven Protesten der beiden, aber auch der medialen Öffentlichkeit, die sie herstellen konnten, wieder freigelassen wurden.

„Und wofür ein AKW – in Kenia scheint die Sonne an den allermeisten Tagen – lass uns doch Kollektoren auf die Dächer schrauben!“, so Phyllis Omido.
Mehr zur Eröffnung des Festivals in einem weiteren Beitrag, der demnächst folgt.

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Vielsprachige Begrüßungen an der Tür zur Bibliothek

Geister, Ghosten, Grenzen und Sprachen

Antonela Tošić liest eine – mit vielen Kinderreimen angereicherte – Geschichte über ein Mädchen, das sich in Unbekanntes auf den Weg macht und dabei Geister erwachen, die es ihr gelichtun wollen. Da gewittert es über dem Himmel von Graz. Die Fensterscheiben in dem alten Raum mit historischer Tapete in der Villa Malvine vibrieren, scheppern ein bisschen.
Eine Inszenierung hätte das nicht besser hinkriegen können;)

Das Haus, Teil der Malvinen-Stiftung, von Hugo Schuchardt, einem weit über Graz hinaus bekannten Sprachforscher, beherbergt „Treffpunkt Sprachen“. Dieses Zentrum für Sprache, Plurilingualismus und Fachdidaktik versteht sich als Begegnungsraum für Spracheninteressierte und ist als Lehr- und Forschungszentrum die Schnittstelle von Initiativen – für Studierende, Lehrende – nicht nur der Uni.

Adaptierungen zu Texten aus anderen Sprachen

Den oben erwähnten Text – in kroatischer Sprache – verfasste die Autorin nach einem Gespräch mit Sebastian Galyga, der diese Geschichte auf Deutsch geschrieben hatte. Die beiden sowie sechs andere Theater-Autor:innen hatten einander vor einigen Wochen bei der 54. Week of Slovenian Drama im slowenischen Kranj getroffen. Dort stellten sie einander ihre Texte vor – auf Englisch und nicht als 1:1-Übersetzung. Im Zentrum standen jeweils Plot und vor allem Stimmung, Atmosphäre sowie die Gefühle der wichtigsten Charaktere einer der Szenen.

Sebastian Galyga verfasste als Gegenstück zu dem Text von Antonela Tošić „8 gelöschte Nachrichten“ – auf Deutsch. In Halb-, Viertel-, ja Achtel-Sätze, hingeworfenen Wörtern, dürften sich die Sprachnachrichten um Missverständnisse – oder doch Ärgeres – in einem Beziehungs-Wickel drehen. Und wurden eben nicht abgeschickt, sondern gelöscht. Bahnte sich da eine Art von Ghosting an 😉

Die mögliche Parallelität wurden den beiden Autor:innen jedoch sichtlich und hörbar erst bei Präsentation bewusst. Ein Aha-Moment bei diesem Pre-Opening des – noch bis 26. Mai (2024) laufenden aktuellen (siebenten) Dramatiker:innen-Festivals. Dessen diesjähriges Motto: „Umkehrbar?“

Kaputt – reparieren

„Vieles ist kaputt oder wird gerade kaputt gemacht.“ Und damit wird soll nicht nur die Krise das Natur-Klimas, sondern auch diejenige des gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Klimas thematisiert werden. Überwindung (aufgebauter) Barrieren ist – ohne dies direkt anzusprechen – ein Kern dieses geschilderten Projekts. „To own your own word – and share them“ (Deine eigenen Worte zu besitzen – und sie zu teilen) nennen sich diese gegenseitigen Vorstellungen von Szenen verschiedener Theater-Autor:innen in kroatischer, slowenischer und deutscher Sprache. Beim genannten Festival in Slowenien präsentierten die zwei schon vorgestellten Autor:innen und dazu noch vier weitere wie erwähnt ihre Texte auf Englisch. In den Wochen danach schrieben die Tandem-Partner:innen eine Adaption in der eigenen Sprache.

(Sprach-)Grenzen

Helena Šukljan nahm ein Kunststoff-Sackerl mit nach vor, als sie „to je naš jezik“ (das ist unsere Sprache) zu präsentieren begann. Aus dem fischte sie eine rote Schnur als Grenzlinie, baute aus einer kartonröhre und zerknülltem Illustriertenpapier einen Baum und aus dem Inneren zweier Klopapierrollen mit Punkterln zwei handelnde Figuren. Die Dramaturgin aus Slowenien gestaltet ihre Lesung szenisch. Sie hatte den Text von Lucija Klarić adaptiert –von Kroatisch auf Slowenisch mit Italienischen Passagen und in ihre eigene Region. Hatte sich Klarić mit rund 200 Jahren Geschichte an der Grenze zum einstigen Osmanischen Reich beschäftigt, so siedelt der neue Text gleichsam das parallele Thema in jener Küstenregion Istriens und Dalmatiens an, die nach dem ersten Weltkrieg an Italien ging. Das bald faschistisch gewordene Land verbot unter anderem den Gebrauch der slowenischen Sprache.

Zerbrechlich

Lucija Klarić wiederum adaptierte eine Szene von Helena Šukljan, in der diese ein:e Autor:in über die eigene Macht über eine Figur reflektiert. Und über die Zerbrechlichkeit dieser Beziehung und vergleicht diese mit der zu einer Blume. Erinnert ein wenig an eine der Begegnungen des „kleinen Prinzen“. Und damit auch insgesamt an das Festival-Motto von der Fragilität der gesellschaftlichen und menschlichen Beziehungen die zu Bruche zu gehen drohen.

Lasst mich in Frieden

Via Online-Video zugeschaltet stellte Nika Švab den Text „Pop(u)lar“ vor – die Überschreibung einer Szene von Caroline Docar, die sich dem Umweltthema widmet. Darin lässt sie Wissenschafter:innen unterschiedlichster Disziplinen Naturphänomene ebenso erforschen wie Menschen befragen. Unter anderem welche, die in einem Nationalpark leben. Und dort einfach ihre Ruhe haben wollen.

Ein Brief mit Folgen

Caroline Docar wiederum hatte von Nika Švab eine heftige Szene bekommen. In „Depression“ schickte diese ihre Protagonistin in die psychischen Folgen einer Vergewaltigung in einer früheren Beziehung. Zur versuchten Bewältigung überlegt sie, einen Brief an die neue Freundin ihres Ex zu schreiben. In der Adaptierung wurde dieser Brief an „liebe Ana“ abgeschickt. Und diese wälzt nun verschiedenste Versionen einer Antwort an „liebe Eva“ – die sich aus dieser für sie aus allen Wolken fallenden Situation samt Hinterfragen der Beziehung zu Adrian ergeben.

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Compliance-Hinweis: Das Dramatiker:innen-Festival in Graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zur Berichterstattung eingeladen.

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Szenenfoto aus "Mother loves you"

Tisch-(Nicht-)Gespräche aus verschiedenen Perspektiven

Ein Tisch, zwei Sessel, ein Kühlschrank, ein E-Herd, als „e“ noch nur für elektrisch und noch nicht elektronisch stand. Dafür viel Elektronik über die neun im gesamten Raum (Bühne 2 im Dschungel Wien) verteilten Monitore. „Mother loves you“ (Mutter liebt dich) vom Performance-Collectiv TWOF2 (zwei von zwei) spielt sich als Schauspiel und als Video – dieses aus verschiedenen Perspektiven – ab.

Fast wortlos agiert die einzige live und analog spielende Anna Katharina Bittermann. Spult routinemäßige Abläufe für Frühstück, Mittag- und Abendessen ab. Butter aus dem Kühlschrank, Eier in der Pfanne auf der heißen Herdplatte zu Rühreiern kochen, davor schon Kaffee… Phasenweise mit Buch oder Mitschrift-Heft in der einen Hand, essen mit der anderen oder die nutzen, um auf einem Tablett digital Notizen schreiben.

Zwischen den Mahlzeiten verschwindet „Ada“ – so ihr Spielname – im Backstage-Bereich.

Szenenfoto aus dem Video in
Szenenfoto aus dem Video in „Mother loves you“

Fürsorge umgekehrt

Während sie Mahlzeiten zubereitet, sich setzt und selber isst – oder auch nicht – sind im Video eine andere Schauspielerin (Maria Spanring) als Ada zu sehen als Mutter des jugendlichen Raphael (Joshua Zischg), der hier mitspielt. Dort wird gesprochen. Nicht viel aber doch. Das dafür aber nicht selten eher aneinander vorbei – gegebene Antworten ignorierend. Der „Sohn“ sorgt sich, die Mutter müsse was essen, das wäre gut für sie. Sie „weiß selber, was für mich gut ist“. Und dennoch wiederholt er seine fürsorgliche Geste. Kommt vielleicht – mit umgekehrten Vorzeichen – bekannt vor, oder?!

Szenenfoto aus
Auf jedem Monitor einanderer Bildausschnitt

Unterschiedliche Perspektiven

Jeder der neun Monitore zeigt andere Ausschnitte aus den – mit elf Kameras – gefilmten Szenen. Totale, Details, so dass Stimmungen in dem einen bzw. anderen Gesicht ablesbar sind, Draufsicht von oben auf die Lebensmittel und das Geschirr auf dem gedeckten Tisch… Spannend, wenngleich du als Zuschauer:in ständig den Kopf wenden musst – weg vom Live-Schauspiel hin zu dem einen oder anderen Monitor – und mindestens zwei kannst du ohnehin nie sehen. Denn im Gegensatz zu der ausführlichen Beschreibung im pädagogischen Begleitmaterial zum Stück, kann sich das Publikum nicht frei im Raum bewegen, sondern sitzt auf U-förmig angeordneten Sitzbänken. Wanderndes Publikum wäre wahrscheinlich zu unruhig geworden?

Szenenfoto aus dem Video in
Szenenfoto aus dem Video in „Mother loves you“

Miteinander oder nicht

Außerdem geht’s zentral ja mehr um das Mit- oder eben Nicht-Miteinander von Sohn und Mutter – bzw. in den doch stattfindenden Gesprächen auch um die Beziehungen der beiden zu (möglichen) Partner:innen sowie zu einem zweiten, anfangs noch sehr, sehr jungen zweiten Kind Adas. Adam ist übrigens noch immer Baby als Raphael schon deutlich erwachsen ist – und da von Dominik Gysin gespielt wird. Zeitsprünge spielen sich nur in den Videos ab, sorgen mitunter für Verwirrung. Aber auch solche kann sich legen, wenn der Blick und das Gehör auf die Beziehungsfrage gerichtet wird.

Szenenfoto aus dem Video in
Szenenfoto aus dem Video in „Mother loves you“

„Mutter“

Und dabei, ohne das groß direkt anzusprechen, „Mutter“ eher für Fürsorge steht – egal, ob diese nun von einer Frau, einem Mann, einer älteren gegenüber einer jüngeren Person ausgeübt wird oder umgekehrt. Durch letztere tun sich allerdings neue Fragen auf – von Überforderung, wenn Kinder bzw. Jugendliche (sehr) früh Verantwortung für Eltern übernehmen (müssen). Solche Gedanken werden ebenso angestoßen wie Klischeebilder so „nebenbei“ hinterfragt, und dann doch wieder mit ihnen gespielt. Wenn die alte Mutter zu studieren beginnt, aber ihre Seminararbeit auf einer alten Reiseschreibmaschine tippt und vom erwachsenen Sohn, der am Tablet mit externer Tastatur schreibt, hören muss – ein Laptop wäre für sie doch eine Nummer zu groß.

Szenenfoto aus dem Video in
Szenenfoto aus dem Video in „Mother loves you“

Nur vorgestellt?

Vielleicht aber stehen die intensiven Video-Szenen auch „nur“ für die Träume – egal ob Wunsch oder Alb – der einzigen Live-Schauspielerin? Scheint zwar nicht so gedacht (Buch: Ursula Knoll, Regie: Giovanni Jussi; Kamera: Francesco Diaz), liegt aber nicht so fern aufgrund der beiden Ebenen Live-Spiel und Video und der verschiedenen „Ada“s.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Mother loves you“

Muss übrigens eine logistische Herausforderung gewesen sein, in einer echten Küche elf (nach Rückfrage beim Team) Kameras zu platzieren und die jeweils beiden Schauspieler:innen zu filmen ohne sie in ihrer Bewegungsfreiheit einzuschränken. Und das synchrone Material so zu schneiden/montieren, dass es nun diese runde multi-perspektivische Performance – obendrein mit Musik (Bernhard Breuer) – ergibt.

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Szenenfoto aus dem Film "Wer wir einmal sein wollten"

Viel Raum für Ungesagtes, wenn der Lebenstraum zerplatzt

Die junge Anna – irgendwas zwischen Anfang und Mitte 20 – verwaltet am Computer Unterlagen der Studierenden einer Schauspielschule, ist aber auch für alle möglichen anderen Dinge zuständig oder packt an, wo gerade helfende Hände erforderlich sind. In der Freizeit strebert sie für die Abendmatura. Die will sie absolvieren und danach Jus studieren. Eigentlich – so kommt es in manchen Szenen – am intensivsten in einer ohne Worte – zum Ausdruck, wollte sie als (sehr) junges Mädchen selber Schauspielerin werden.

Minimal-Dialoge

Apropos ohne Worte. „Wer wir einmal sein wollten“, ein nicht ganz eineinhalb-stündiger Film, der in der vorletzten Maiwoche (2024) im Stadtkino im Wiener Künstlerhauskino in der neuen Reihe „New Voices“ (Neue Stimmen) zu sehen ist, kommt mit ziemlich wenig Worten aus. Lebt von langsamen, intensiven Bildern. Die unterstreichen große fast Sprachlosigkeit der überwiegend jungen Protagonist:innen. Und das obwohl praktisch nie wer in eine Handy-Display starrt. „Wie geht’s dir?“ – „Ja eh“ ist der vielleicht charakteristischste Dialog für diese Stimmung des Nebeneinander Lebens der Figuren. Selbst die Begegnungen Annas mit ihrem Freund Konstantin strahlen eher Abwesenheit als Liebe aus.

Szenenfoto aus dem Film
Szenenfoto aus dem Film „Wer wir einmal sein wollten“

Spürbares Gefühl der Leere

Der Film bringt diese Traurigkeit darüber, den eigenen Lebens- und Berufstraum nicht leben zu können, sondern über den Job diesem nur nahe zu sein, als Grundstimmung durchgängig zum Ausdruck. In meist langen Szenen, langsamen Bildern, spielen Handlungsstränge selber eine untergeordnete Rolle. Klar, da ist Patrick, Annas Bruder, der auftaucht und (wieder) einmal Geld braucht. Das ist er irgendwelchen Typen schuldig, die keinen Spaß verstehen und ihn offensichtlich verprügelt haben. Jetzt will er auch noch bei seiner Schwester wohnen. Will sie eigentlich nicht, fühlt sich aber doch verantwortlich oder wenigstens verpflichtet.

Mit „Wer wir einmal sein wollten“ für den Özgür Anil das Drehbuch geschrieben hat und bei dem er auch Regie führte, schloss er sein Studium an der Filmakademie Wien ab. Ungewöhnlich für diese Uni, dass es ein Langfilm ist, üblicherweise drehen Studierende als Diplomprojekt Kurzfilme.

Szenenfoto aus dem Film
Szenenfoto aus dem Film „Wer wir einmal sein wollten“

Raum für Kopfkino

Wie auch schon in – mindestens einem anderen, einem Kurzfilm – lässt Anil seinem Publikum viel Raum, sich mögliche Details oder Bezüge zu eigenen Erlebnissen selber auszumalen. Sein erster Langfilm, der nun in ausgewählte Programmkinos in mehreren Bundesländern kommt, hatte im Vorjahr den ersten öffentlichen „Auftritt“ beim renommierten Max-Ophüls-Filmfestival, vor zwei Monaten bei der diesjährigen Diagonale in Graz und beim Febio-Filmfestival in Bratislava (Slowakei).

Szenenfoto aus dem Film
Szenenfoto aus dem Film „Wer wir einmal sein wollten“

Super-Darsteller:innen

Beim Max-Ophüls-Festival 2023 wurde Augustin Groz, Darsteller von Annas Bruder Patrick als bester Nachwuchs-Schauspieler ausgezeichnet. Wobei überhaupt die Besetzung aller Rollen als sehr gelungen bezeichnet werden muss: Anna Suk als stets funktionierende Anna, die sich nur ganz selten (Traum-)Bilder an ihren eigenen Wunschtraum erlaubt, Maya Unger als Clara, Schauspielerin, die schon einen Film gedreht hat, der hilfreiche Mitschüler Jakob (Phillipp Laabmayr) oder Gregor Kohlhofer als Annas Freund Konstantin, der mit den Gedanken meist eher abwesend ist…

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Zu einem Interview mit Drehbuch-Autor und Regisseur Özgür Anil geht es hier unten

Foto vom Dreh des Films
Foto vom Dreh des Films „Wer wir einmal sein wollten“
Screenshot aus einem Video-Interview von Özgür Anil für den YouTube-Kanal von "Cinema Next"

Traum und Wirklichkeit kollidieren lassen

KiJuKU: Was war die Ausgangs-Idee für diesen Film?
Özgür Anil: Ich find es tragisch, wenn Menschen ihre Träume nicht verwirklichen können. Das ist ein Zustand, der für den Großteil der Menschheit zutrifft. Diese Melancholie, die bei vielen dann ein ganzes Leben lang mitschwingt, wollte ich einfangen.

KiJuKU: Anna wollte Schauspielerin werden, das kam nicht zustande, jetzt arbeitet sie neben der Matura tagsüber in einer Schauspielschule – ein besonderer Kniff?
Özgür Anil: Zum Teil hat sich das aus praktischen Überlegungen ergeben. Da unser Film ein Langfilm werden sollte, waren wir budgettechnisch eingeschränkt, so hat es sich angeboten, dass der Film an der Uni (mdw – für Musik und darstellende Kunst, zu der die Filmakademie gehört) spielt. Aber damit war auch gleich der Gegensatz zwischen alltäglicher Arbeit hier und der großen weiten Bühnenwelt aufgespannt. Als Sekretärin und Portierin ist Anna auch noch so etwas wie eine Schwellenhüterin zwischen diesen beiden Welten – und gehört zu keiner wirklich dazu.

Foto vom Dreh des Films
Foto vom Dreh des Films „Wer wir einmal sein wollten“

KiJuKU: Der Film lebt über weite Strecken von Sprachlosigkeit zwischen den handelnden Figuren, die aber wiederum sehr viel genau darüber aussagt.
Özgür Anil: Ja, die wichtigsten Dinge bleiben ungesagt, weil Anna viel in sich hineinfrisst, mit sich selber ausmacht.

KiJuKU: Selbst zwischen ihr und ihrem Freund herrscht eher Lieblosigkeit, empfand ich.
Özgür Anil: Beide haben ganz unterschiedliche Ansprüche an diese Beziehung. Anna hat Angst, ihre Bedürfnisse zu kommunizieren und für Konstantin ist es nichts wirklich Ernsthaftes, er will ja woanders hin.

Foto vom Dreh des Films
Foto vom Dreh des Films „Wer wir einmal sein wollten“

KiJuKU: Was wolltest du mit der doch recht argen Beziehung zwischen ihr und dem Bruder zeigen, der so viel fordert und sie sich doch nicht abgrenzen kann/will?
Özgür Anil: Eine Idee war, als sie sich gerade intensiv auf die Abendmatura vorbereitet, um dann wenigstens zu studieren, holt sie ihre Vergangenheit wieder ein. Sie will einen Weg hinter sich lassen, spürt aber die Verantwortung, befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen ihrem eigenen individuellen Weg und der familiären Solidarität.

Sie selbst hat sich so einen dicken Panzer im Laufe der Jahre aufgebaut, dass sie ihre eigene große Verletzung – ihren Traum schon nicht erfüllen zu können – meist gar nicht mehr wahrnehmen kann. Nur mehr in den wenigen Szenen, wo ihr jüngeres Ich auftaucht. Und in der wo sie beim Wegräumen von Requisiten auf der Bühne selber kurzfristig ins Schauspielen kommt. Und dann kollidieren wieder ihre Träume mit der Realität.

Foto vom Dreh des Films
Foto vom Dreh des Films „Wer wir einmal sein wollten“

KiJuKU: Wie und wann bist du aufs Filmemachen gekommen?
Özgür Anil: Mit ungefähr 16 Jahren hab ich gedacht, ich will Filme machen und begonnen alles zu versuchen, um das zu erreichen.

KiJuKU: Und was war dafür ausschlaggebend? Einige oder ein Film?
Özgür Anil: Ich weiß es nicht mehr genau, wie es dazu gekommen ist. Aber rückblickend glaub ich, es war, weil ich viele Filme geschaut habe, die mich überwältigt, voll erfasst haben. Und diese Erkenntnis, dass Filme so etwas mit einem beim Zuschauen machen können, hat mich offenbar so fasziniert und in diese Welt reingezogen, dass ich selber etwas mit diesem Medium machen wollte.

Foto vom Dreh des Films
Foto vom Dreh des Films „Wer wir einmal sein wollten“

KiJuKU: Das heißt, du hast im Gegensatz zu deiner Hauptfigur Anna in deinem aktuell laufenden Film, deinen Traum erfüllt.
Özgür Anil: Genau, dieses Privileg weiß ich auch zu schätzen. Es hätte ja auch ganz anders kommen können.

KiJuKU: Woran arbeitest du derzeit?
Özgür Anil: Ich bin gerade in der Schreibphase für einen Kino-Spielfilm, in dem es um den Generationenkonflikt eines Vaters und seiner Tochter geht. Unterschiedliche Moralvorstellungen sind da auf dem Prüfstand.

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Zu einer Filmbesprechung geht es hier unten

Foto vom Dreh des Films
Foto vom Dreh des Films „Wer wir einmal sein wollten“
Szenenfoto aus "Kim" - ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Verliebt in eine KI? Geht das?

Wo ist sie da hineingeraten? Die junge Frau betritt den Bühnenraum – kleiner roter Teppich, zwei durchsichtige Kunststoff-Sessel, drei weiße Stellwände. Auf einer hängte eine Überwachungskamera. Zuvor blubbernde Geräusche, als würde Gewaltiges in einem zähflüssigen Sumpf verschlungen werden – die übrigens später immer wieder erklingen. Sie stellt sich bald als Lotte vor und vermittelt – zunächst mehr zwischen den Zeilen -, dass sie von ihrem gewohnten Umfeld weggelaufen wäre und einen neuen Platz für sich sucht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Tut sie auch. Sie befindet sich aber nicht, wie vermuten lässt, im Wartezimmer einer Psychotherapie, sondern in „Wahlheim“, wo sie Praktikant:innen suchen – wie Professor Wilhelm, der bald zwischen Schnürlvorhängen auftaucht, erklärt. Der ist wie aus dem Klischee-Bilderbuch eines verwirrten Wissenschafters, der’s mit dem Kommunizieren mit Menschen nicht so wirklich groß hat.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Gefühle lernen

Natürlich weiß das Publikum mehr, ist es doch bewusst zu „KIM“, einem Stück über künstliche Intelligenz (geschreiben von Flo Staffelmayr; Regie: Birgit Oswald), ins THEO, den Theaterort Perchtoldsdorf (bei Wien-Liesing) gekommen. Nein, der Professor ist nicht diese KI in Menschengestalt. Er ist nur der Leiter des Versuchs. Neue Roboter – sehr wohl in Menschengestalt – sollen trainiert werden für den Assistenz-Einsatz vor allem im Pflegebereich. Und dazu heuern sie Menschen an, um von diesen das Erkennen von Emotionen zu erlernen. Aber auch auf diese Gefühle möglichst angemessen zu reagieren…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Digitalisiertes Wissen aufsaugen

Und so schiebt der Prof einen Büro-Dreh- und Rollsessel mit einer jungen Frau auf die Bühne. In sich zusammengesunken scheint sie zu schlafen. Eine Handbewegung vor ihren Augen – und sie „erwacht“. Spricht und bewegt sich maschinen-ähnlich. Aber: Sie lernt ur-schnell, kann sie doch in Sekunden-Bruchteilen das ganze Internet durchforsten, wenn Lotte ihr von ihrer Lektüre „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang Goethe erzählt, lädt sie ihre Festplatte mit Infos dazu auf und verkündet anderntags stolz, sich sämtliche Goethe-Werke reingezogen zu haben.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

So ideal…

Außerdem hört KIM einfach zu – egal was Lotte zu erzählen hat. Obendrein noch, ohne das Gehörte zu beurteilen. Erkennt immer präziser die Gefühle der menschlichen Trainerin, kann darauf immer besser reagieren. Wird für Lotte zu DER Bezugspartnerin, über die sie einerseits Macht hat – etwas, das klassisch patriarchal ist, wie Miro Gavran in seinem Stück „Die Puppe“ herr-lich demaskiert (Links dazu am Ende des Beitrages) – und andererseits sich von ihr wahr- und angenommen fühlt, bis sie sich schließlich in sie verliebt…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Schauspielerinnen machen’s glaubhaft

Klingt in der vorab- Stück-Beschreibung vielleicht unglaublich – eine junge Frau verliebt sich in eine Maschine; Hääääh, wirklich jetzt??? Doch das Schauspiel von Inés Cihal als diese Roboterin – Kim, weil das ein Name ist, der nicht nur KI für künstliche Intelligenz beinhaltet, sondern auch in vielen Kulturen und Sprachen echt existiert – und von  Isabella Kubicek als Lotte mit ihrer schrittweisen Annäherung bis zum Nahekommen hinter den Stellwänden machen diese emotionale unglaubliche Entwicklung sehr glaubhaft nachvollziehbar. Und damit auch mit den emotionalen Brüchen am Ende. Victor Kautsch als der eingangs beschriebene Leiter des Experiments ist von seinem Typ her schon eine Idealbesetzung für solch eine Figur.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Kim“ – ein Stück über künstliche Intelligenz im THEO, Theaterort Perchtoldsdorf

Wermuts-Tropfen

Mehr als irritierend ist die Nebenbemerkung, die Lotte in den Mund gelegt wird, dass sie sich vor ihrer Ankunft in Wahlheim nicht zuletzt deswegen so einsam und alleingelassen fühlt, weil ihr bester Freund sich das Leben genommen hat. So hingeworfen in einem Stück für Jugendliche? Und auch von der Dramaturgie her gar nicht wirklich erforderlich. Ihre ausführlicheren Schilderungen, dass er sich emotional von ihr distanziert hat, hätten für die Logik der Psyche Lottes und ihres Weggangs aus dem alten Heimatort vollauf gereicht.

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Ein Interview mit „Kim“-Darstellerin Inés Cihal folgt späääter hier.

Ehrung aller nominierten Pädagog:innen

Alle nominierten Lehrer:innen haben gewonnen

26 Mal gab es neben Merkur-Statuen für die besten Projekte – immer wieder einmal durchaus auch wechselnde – sowie stets für die students of the year – geteilt nach Handelsschulen sowie -akademien – jeweils auch eine solche Trophäe für die/den Teacher des Schuljahres. Manchmal waren es schon Duos, die für ihre gemeinsame herausragende pädagogische und soziale Arbeit so belohnt wurden. Aber heuer – da war alles neu. Alle sieben nominierten Lehrer:innen – aus einer der sechs Schulen der privaten Vienna Business School zwei – wurden gleichwertig gefeiert; zwar ohne Merkur, dafür mit Blumensträußen aber eben alle Sieger:innen; und das obendrein stellvertretend für alle Pädagog:innen der VBS.

Für alle sieben…

Martin Göbel, Vorstand des Fonds der Wiener Kaufmannschaft, Schulbetreiber und -erhalter der VBS-Standort Wien und Mödling – würdigte die herausragenden Leistungen von Florian Brechelmacher (Akademiestraße), Silvia Maria Schmidt (Hamerlingplatz), Doris Huber und Petra Klicha-Kocurek vom Bildungsberatungsteam (Schönborngasse), Fabian Filz (Floridsdorf), Bettina Fennesz-Hasengst (Augarten) sowie Alexandra Ritt (Mödling).

Allen sieben ist gemein, dass sie nicht nur Fächer unterrichten, sondern junge Menschen – was natürlich auch für sehr viele andere Pädagog:innen nicht nur dieser Schulen gilt -, aber sich jeweils neben dem Unterricht noch weiteren oft ehrenamtlichen Tätigkeiten widmen.

Noch-Bildungsdirektor

Einen Merkur gab es hingegen für einen ehemaligen Schüler, Absolvent der Akademiestraße, der später auch kaufmännische Fächer unterrichtete und nun sieben Jahre lang erst den Stadtschulrat für Wien und dann die umbenannte und umorganisierte Bildungsdirektion leitet(e). Eine Funktion, die er demnächst zurücklegen wird, weil er an aussichtsreicher Stelle für die SPÖ für das Parlament bei der Nationalratswahl im Herbst kandidiert. Er, der schon oft bei Merkur-Galas dabei war, nehme diese Auszeichnung aber nur stellvertretend für seine Mitarbeiter:innen entgegen, meinte er in seiner Dankesrede. Himmer hatte die Statue aus den Händen des stellvertretenden Direktors der Wiener Wirtschaftskammer, Alexander Biach, erhalten –  anstelle dessen kurzfristig verhinderten Chefs Walter Ruck.

Ehrenmerkur

In manchen Jahren werden auch Ehren-Merkure verliehen – so auch am 16. Mai 2024. Einen solchen bekam Susanne Neuner, die bis im Vorjahr die VBS-Floridsdorf 14 Jahre lang geleitet und davor schon 21 Jahre unterrichtet hatte und dabei mehrere neue Schwerpunkte eingeführt hat.Die Laudatio hielt Georg Papai der Vorsteher des 21. Wiener Bezirks und würdigte auch die über die Schule hinausgehende (Bildungs-)Arbeit der Jung-Pensionistin.

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Schnappschüsse von der Gala und am Rande derselben

Die Projekt-Jugendlichen via VR-Brille in einer anderen Dimension

Metaverse, „phygital“, Riesen-Vernetzungsfest, Dialog mit allen

Die meisten Lacher gab’s bei der Präsentation des Projekts Food Thought (Essens-Gedanken). Nahmen Schüler:innen zweier Klasen der VBS Floridsdorf doch Anleihe beim berühmt gewordenen „Kanzler-Menü“. Nicht nur nicht gesund, sondern sogar nicht einmal billig – so analysierten die Schüler:innen. Es war eines der nominierten Projekte in der Kategorie Wirtschaft und Innovation.

Metaverse

Der Merkur für „best economic & innovative project“ ging allerdings an „Exploring the Metaverse – eine neue Ära der digitalen Transformation”. In Zusammenarbeit mit der ORF Enterprise (Vermarktungstochter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks) haben sich fünf Schüler:innen der VBS Schönborngasse vielseitig und tiefgreifend mit unterschiedlichen Aspekten dieser umfassenden virtuellen Welten auseinandergesetzt. Projektleiter Clemens Tengel nahm sich der politischen Dimensionen an. Emanuel Konwalinka widmete sich, wie er KiJuKU erläutert, den technischen Aspekten und „habe versucht, sie verständlich darzulegen“. Antonia Bronold untersuchte psychologische Auswirkungen dieses Eintauchens in noch viel umfassendere virtuelle Umgebungen. Anika Künzl fragte nach Auswirkungen auf Bildung – von Inhalten bis Formen und Hannah Miličić erhob, was und wie Metaverse für Marketing nutzbar gemacht werden könne.

Die Laudatio hielt Ursula Eysin, Gründerin und Geschäftsführerin von „Red Swan“ und Expertin für neue Geschäftsmodelle.

Publikumspreis für „phygital“ im Handel

In dieser Kategorie gab es noch einen zweiten – überraschenden – Merkur. Erstmals fand das Publikums-Online-Voting nur begrenzt während der Veranstaltung statt. Zur Auswahl standen die zwölf Projekte der beiden Kategorien – neben dem schon genannten die besten sozialen – sowie die zwölf Top-Schüler:innen (Handelsschulen bzw. -Akademien). Und die meisten Stimmen fielen auf…

Die Bedeutung stationären Handels im Vergleich zu dem Online-Konkurrenten. Leonie Sterchele (Projektleiterin), Yasmin Yazidi und Zoe Moser aus der VBS Akadamiestraße hatten das zu ihrem Thema gemacht. Was den Präsidenten des VBS-Schulerhalters, Helmut Schramm besonders freute, der aus dem Einzelhandel kommt. Die drei Schülerinnen, die im kurzen Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… noch die Unterstützung durch die beiden Lehrer:innen Milan Schmieger und Nastassja Mikl erwähnt wissen wollten, stellten in ihrer Diplomarbeit die beiden Elemente des Hanels aber nicht ausschließlich als Gegensätze dar, sondern thematisieren „phygitale“ Ansätze, also eine Kombination aus physisch und digital.

Geschenk in Geschenk

Mit einer Idee eines der Wirtschaftsprojekte im Kopf hätte ich mich am Tag nach der Merkur-Gala bei einer Bekannten beim zufälligen Treffen bei einem U-/S-Bahn-Umsteigeknoten fast unbeliebt gemacht. Aus ihrer Einkaufstasche ragte eine Rolle Geschenkpapier heraus. Bunt und lustig. „Du, es gäbe auch die Möglichkeit Geschenke in Stoff zu verpacken – das hab ich gestern Abend gesehen…“ Dilara Dülger (Projektleiterin) und ihre beiden Mitschülerinnen Tamara Djokić sowie Osnat Yusupov hatten als mehrmonatiges Projekt Marketingmaßnahmen für „Geschenkstoff“ entwickelt. Dieses Unternehmen, das Wegwerf-Papierverpackungen vermeiden will, wurde von der vormaligen Moderatorin Regina Preloznik gegründet. „Ich hab mich an die Schule (VBS Augarten) gewandt, weil ich die junge Zielgruppe besser erreichen wollte für meine ökologisch und nachhaltige Geschäftsidee“, wie sie im Gespräch der beiden erstgenannten Schülerinnen (die dritte war am Merkur-Abend verhindert) mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… dankbar für die Arbeit der Jugendlichen anmerkte.

Soziale Projekte

Obwohl die Vienna Business School ja Wirtschaftsschulen sind und noch dazu von dieser Seite aus auch betrieben und geführt werden, gab es von der ersten Merkur-Verleihung vor mehr als ¼ Jahrhundert an schon die Kategorie soziale Projekt („Best Ethical & Social Project“). Wobei auch bei den Nominierungen für die besten Einzel-Schüler:innen immer wieder auf deren soziales Engagement Wert gelegt wird. Und Ethische Gesichtspunkte, insbesondere solche von Umweltschutz und Nachhaltigkeit spielen auch in vielen der Wirtschaftsprojekte eine große Rolle.

Sozial-Nest Akademiestraße

Aus der VBS Akademiestraße kommen immer besonders viele sozial engagierte Projekte, wird doch – initiiert vom Lehrer für katholische Religion, Piotr Kubiak, – nicht ganz so lange wie der Merkur, aber auch schon mehr als 20 Mal der Amicus vergeben. SUS-Mind Experts (von Sustainability /Nachhaltigkeit, Geist und Fachleute) wurde in diesem Jahr für den Merkur nominiert.

Selber engagieren und andere dazu mit motivieren

Schülerinnen und Schüler der Religionsgruppen dreier Klassen (4AK, 3AK und 3DK) wollten sich nicht nur selbst für Menschen und Umwelt engagieren, sondern „wir wollten außerdem noch möglichst viele Mitschüler:innen für diese Themen so interessieren, dass sie sich auch selber dafür einsetzen. Und wir wollen mit internationalen Organisationen und Universitäten zusammenarbeiten…“ Das und noch, dass dies ein langfristiges Projekt ist, das schon vor ca. vier Jahren begonnen hat … schildern George Rohsen, Anna Twardosz, Martyna Gruz, Isabel Pallikunnel, Renata Sheverdina, Alina Klement, Katarina Tunjić, Summy Ossmann-Yu vor der Preisverleihung dem neugierigen Reporter.

An der LED-Wand eingeblendet eines der Fotos vom Picknick im Augarten
An der LED-Wand eingeblendet eines der Fotos von der Freude über das gelungene Picknick im Augarten, das Jugendliche der VBS Augarten für 1100 Kinder und jugendliche organisiert hatten

Wegen Erfolgs verlängert

Der Merkur für das beste soziale Projekt ging in diesem Schuljahr nach Meinung der Jury an „Picknick im Augarten“. Und was für eines! Die 5 B der VBS Augarten organisierte ein gemeinsames Fest für 1.100 (in Worten eintausendeinhundert!) Kinder und Jugendliche aus acht Bildungseinrichtungen der Umgebung. Alle sollten ihren Spaß haben – und so „nebenbei“ ein großes gemeinsames inklusives Miteinander erleben, möglich Vorurteile abbauen. Und es sollte die Vernetzung der Schulen fördern.

Einer der bekanntesten Influencer für soziale Themen, Caritas-Generaldirektor der Erzdiözese Wien, Klaus Schwertner, wurde vom Schulerhalter als Laudator gewonnen, der nicht nur das preisgekrönte Projekte, sondern das große soziale Engagement aller nominierten Teams würdigte. Stellvertretend für ihre Kolleg:innen nahmen Christine Kollross, Nina Nagl, Cornelia Rutkowski, Viktoria Jovanonvić, Helena Mirjunić und Maria Kozijević die gewichtige Statue in Empfang. Mit im Team gearbeitet hatten noch Eden Haimov, Vanessa Kleissl, Diana Milovanov, Selina Seethaler, Melisa Surd, Osnat Yusupov, Dowud Gavrielov und Sam Ghassaban.

Und: Bei der Merkur-Verleihung wurde angekündigt: Das Projekt geht weiter, auch kommendes Jahr wird es solch eine Veranstaltung geben, wenngleich der genau Ort noch nicht fixiert ist, weil die Sportanlage Jahnwiese da nicht zur Verfügung steht.

Wir müssen reden…

… was heißt müssen – das klingt eher bedrohlich. Wenngleich so manche der Gesprächspartner:innen für die HAK-Schüler:innen der VBS Mödling vielleicht sehr ungewohnt bis weit entfernt waren, wie Sara Crnogorčević, Adelina Hudacsok, Alex Häfner, Magnus Greil, Mira Kalianova und Benedikt Hilpert Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… berichteten. Aber zum Glück hatte das Projekt im Ethikunterricht noch einen weiteren Titel: mit dir, ihr, im, anderen IM DIALOG mit allen.

„Unsere Lehrerin (Madlen Schwaiger) hat Leute eingeladen wie Obdachlose oder eine ehemalige Gefängnis-Insaßin, eine MMA-Kämpferin, Menschen unterschiedlichster Geschlechter und Styles. Leute, die wir sonst wahrscheinlich nie getroffen hätten und mit denen wir immer zwei Stunden geredet haben. Die haben alle offen und ehrlich mit uns gesprochen, uns vertraut und wir haben viel Neues erfahren. Aber auch, dass sie ganz normale Menschen sind.“

Follow@kiJuKUheinz
Wird fortgesetzt…

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Lina Zoé Gallei mit ihrer Statue bei der After-Award-Party

AHA-Momente mit der besten HAK’lerin

Erst seit der Handelsakademie besucht Lina Zoé Gallei (VBS Floridsdorf) regelmäßig die Schule. „Davor war ich Frei-Lernerin und hab nur jedes Jahr die Prüfungen abgelegt.“ Das starre Schulsystem ist nicht so ihres, verrät sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nach der Gala. Bei der 27. Ausgabe der Preisverleihungen der privaten Vienna Business School (fünf Standorte in Wien, einer in NÖ- Mödling) durfte sie die glänzende schwere Statue für „Student oft he year – HAK“ aus den Händen und mit Lobesworten von Philipp Maderthaner (Vielfach-Unternehmer, Berater, „2 Minuten 2 Millionen“) entgegennehmen. Die rund 5-Kilo-schweren Flügel symbolisieren „Merkur“ – den griechischen Gott der Kaufleute – „und Diebe“, wie sein künstlerischer Schöpfer Thomas Kosma stets betont, der dieses Mal wieder bei der Preisverleihung – aber ganz bescheiden im Hintergrund – war.

Und weil Lina Zoé Gallei das System nicht so perfekt findet, hat sie – neben frühen unternehmerischen Tätigkeiten (schon im Kindergarten Karten vor der Tür verkauft) – vor etwa einem Jahr das Unternehmen „AHA-Lernen KG“ gegründet. „Wir wollen Jugendlichen Aha-Momente verschaffen, in dem sie bei uns nicht herkömmliche Nachhilfe erhalten, sondern wir fördern, dass sie Lernen lernen. In kleinen Gruppen steht selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Arbeiten im Fokus. Und genauso geht es um das Wiedergewinnen von Spaß beim Lernen. Eigentlich ist unser Ziel, unsere Kundinnen und Kunden wieder zu verlieren, weil sie danach eben selbstständig und lustvoll lernen können.“

Neben diesen intensiven Tätigkeiten – Kurs- und Unternehmensleitung – war sie zwei Mal Schulsprecherin und hat einmal mit dem Debattierklub die Staatsmeisterschaften gewonnen.

Handball-Meisterin

„Neben“ ausgezeichneten Schulerfolgen und Zusatz-EDV-Kenntnissen, ist Lisa Pöschl (VBS Akademiestraße) leistungsmäßige Handballerin (WAT Atzgersdorf) mit viermaligem Training/Woche und Matches am Wochenende, errang Meisterinnen-Titel. Außerdem spielt sie seit Kindesbeinen an Gitarre (seit 12 Jahren), brachte sich selber vor drei Jahren Klavierspiel bei und seit einem Jahr noch zusätzlich Bass-Gitarre.

Anita Alexandra Nader (VBS Hamelringplatz)
Anita Alexandra Nader (VBS Hamelringplatz)

„Konsensfinderin“

Anita Alexandra Nader (VBS Hamerlingplatz) ist jedes Jahr 1,0-Schülerin, tanzt Ballett seit sie 3 Jahre ist und trainiert so viel, dass sie in den vergangenen Jahren mehrmals bei Aufführungen die Hauptrolle tanzen durfte. Und wird als „Konsensfinderin“ in ihrer Klasse geschätzt, weil sie auf die Bedürfnisse aller Mitschüler:innen eingeht und versucht einen harmonischen Ausgleich zu finden.

„Nebenbei“ studiert

Constantin Salzer (VBS Schönborngasse) studiert „neben“ der HAK seit drei Jahren Informatik an der Fern-Uni-Hagen, hat bereits 1/3 des Bachelor-Studiums abgeschlossen und wird es – im Jahr nach der Matura – beenden. Sein einschlägigen Kenntnisse machten ihn zum IT-Tutor in seiner Schule. Außerdem wurde er jedes Jahr zum Klassensprecher gewählt. Und ist Schilehrer, Segeltrainer, Akkordeonspieler und Tanzlehrer.

Maria Kozijević (VBS Augarten)
Maria Kozijević (VBS Augarten)

DIE Motivatorin

Maria Kozijević (VBS Augarten), zweisprachig (Serbisch und Deutsch) liefert jedes Schuljahr Zeugnisse mit Sehr Gutem Notendurchschnitt. Ihre Kolleg:innen wählten sie jedes Jahr zur Klassensprecherin – nicht zuletzt, weil sie hilft, wo es gebraucht wird- und so manche Schüler:innen Nachprüfungen schafften. In den herausfordernden Corona-Pandemie-Jahren war sie DIE Motivatorin ihrer Mitschüler:innen.

Nachhilfelehrer

Maximilian Mutzl (VBS Mödling) lernt leicht, aber nicht nur für die Schule – Sprach- und andere fürs Berufsleben brauchbare Zertifikate erwarb er. „Im Rahmen eines schulinternen Förderungssystems und auch extern gebe ich regelmäßig Nachhilfe in den unterschiedlichsten Fächern.“ (Zitat aus den Nominierungs-Unterlagen) Übrigens auch für Sport-Kolleg:innen aus dem Tennisverein.

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Wird fortgesetzt…

Ceyda Tütüncü mit ihrem Merkur beim Abgang von der Bühne

Vielsprachig, schulisch spitze und sozial engagiert

Bist du deppat – diese Spruch kamen vielleicht nicht wenigen in den Sinn, als die kurzen Porträts jener Schüler:innen als Videos bzw. in Einzelbildern mit Begleitkommentaren über die riesige LED-Wand „flimmerten. Was die alles können, draufhaben und „neben“ der Schule machen. Vielsprachig, Sportliche Hochleistungen, soziales Engagement, Zusatz-Ausbildungen…

Merkur-Statuen
Award-Statuen und das Insert zur Merkur-Gala 2024 in der großen Veranstaltungshalle am Erste Campus beim Hauptbahnhof

Dabei waren diese zwölf Jugendlichen „nur“ nominiert für die gewichtigen Merkur-Statuen der Vienna Business School, der sechs privaten Handelsschulen und -akademien des Fonds der Wiener Kaufmannschaft (fünf in Wien, eine in Mödling/NÖ). Klar, zwei der zwölf Nominierten durften die ca. 5 Kilo-Trophäen dann auch mitnehmen. Kann keine leichte Entscheidung für die Jury gewesen sein.

Zum 27. Mal wurden die Merkure vergeben – für die besten Einzelschüler:innen, die besten Projekte in zwei Kategorien, sowie für die Top-Lehrer:innen und einen Absolventen. Um keine/n vielleicht untergehen zu lassen, weil zu weit unten beim Scrollen, zerlegt Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… dieses Mal die Berichterstattung. In diesem Teil werden die besten Einzelpersönlichkeiten der sechs Handelsschulen vorgestellt, im zweiten die sechs besten Handelsakademie-Schüler:innen und im dritten Top-Projekte sowie sowie in einem vierten (und nicht wir ursprünglich angekündigt hier gleich im dritten) die besten Lehrer:innen und der Preis für „Graduate oft he Year“.

Handelsschul-Stars

„Ich liebe Buchhaltung und Bilanzen, obwohl Mathe nicht zu meinen Lieblingsfächern zählt“, gesteht Ceyda Tütüncü, die letztlich die Statue aus den Händen der Laudatorin Martina Denich-Kobula (Vorsitzende des Kuratoriums des oben schon genannten Fonds, der diese sechs Schulen betreibt. Der Name deutet darauf hin – sie beherrscht neben Deutsch und den schulischen Fremdsprachen Englisch und Französisch auch ncoh Türkisch.

Und hat in den Ferien zwischen zweiter und dritter Klasse zwei Monate gearbeitet – im ersten im Büro ihrer Eltern, die die bekannte Restaurantkette Kent führen -, dort die Buchhaltung gemacht und danach in einer Hausverwaltung – mit gleichen Agenden. Ohne Pause ging’s ins (vorerst) letzte Schuljahr, wo sie eine neue Übungsfirma (mit-)gründete, eine Immobilienverwaltungs GmbH.

Und so „nebenbei“ ist die Schülerin am Standort Akademiestraße (1. Wiener Bezirk) in diesem Schuljahr Klassensprecherin, organisierte ein Spendenbuffet für „Ärzte ohne Grenzen“, sammelte Sachspenden für Erdbebenopfer in der Türkei…

Luka Stanković (VBS Hamerlingplatz
Luka Stanković (VBS Hamerlingplatz)

Box-Trainer

Luka Stanković (VBS Hamerlingplatz) hat vonder 1. Klasse Volksschule bis zum Ende der Mittelschule-Zeit selber geboxt und trainiert seither 8- bis 12-jährige Mädchen und Buben in diesem Sport.

Künftiger Lehrer

Denis Krinulović (VBS Schönborngasse) wurde jedes Jahr in der Handelsschule von seinem Mitschüler:innen zum Klassensprecher gewählt, „kann sich gut in andere hineinversetzen und ist immer bereit zu helfen“, wie es in den Unterlagen für alle Nominierten heißt. Er will Lehrer für Mathe und Geschichte werden.

Schulsprecher

Marko Avramović-Filca ist Schulsprecher an der VBS Floridsdorf und kam mit seiner Stellvertreterin Maxima Bauer und den beiden Kollegen Valentin Schmidt und Tim Dittrich zur Merkur-Gala. Er gehört wie alle seine für „best student HASch“ nominierten Kolleg:innen zu jenen Jugendlichen, die mit mehreren Sprachen aufgewachsen sind. Bei ihm sind es Serbisch und Rumänisch.

Abhi Luthra aus der VBS Augarten
Abhi Luthra aus der VBS Augarten

Sechs Sprachen, kreative und technische Zusatzmodule

Abhi Luthra von der VBS Augarten ist sechs-sprachig – Punjabi, Hindi, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Neben seinen schulischen Leistungen erwarb er sich intensive Kenntnisse in EDV – weit übers schulische hinaus, IT-Design, Fotografie, Malerei, Musik (Gitarre). Damit noch nicht genug absolvierte er Halb-Marathons, speilt Tischtennis, Volleyball und Cricket.

Anastasija Topić aus der VBS Mödling
Anastasija Topić aus der VBS Mödling

Nach Umweg an die Spitze

Anastasija Topić kam erst mit dem Wechsel in die Handelsschule (VBS Mödling) aus einem tiefen Loch, in das sie gefallen war, nachdem sie sich in drei HTL-Jahren als Schulversagerin gefühlt hatte. Erst durch ein Pflichtpraktikum der alten Schule fand sie ihre Liebe zu diesem für sie neuen Zweig. Schon in den ersten Wochen wurde sie Klassenbeste, war unterfordert und wechselte nach den Herbstferien schon in die zweite Klasse – zählte aber auch da bald zu den Besten. Und wurde von ihren Kolleg:innen im dritten Handelsschuljahr zur Klassensprecherin gewählt, gibt ehrenamtlich Nachhilfe und darüber hinaus engagiert bei Freiwilligen-Tätigkeiten.

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Wird fortgesetzt…

Szenenfoto aus "Die Düntzer Rhapsodie"

Orte wo du nicht sein willst, was du aber dennoch mitnimmst

Blockflöte spielend marschiert Barbara Angermaier auf die Bühne, ihre Kollegin Marika Rainer zieht hinter ihr einen bunten, zeltartigen, mit Lichterketten und Kuschelfiguren übersäten Handwagen hinter sich. So symbolisieren die beiden ihr Dorf, das fiktive Düntz mit seinen 733 Einwohner:innen – im Jahre 1995. Das heißt jetzt dann – zumindest für länger um eine weniger. Denn alle sind gekommen, um Martha zu verabschieden, die mit dem Bus in die große Stadt fährt – um dort zu bleiben. Traurig vor allem für die 16-jährige Claudia. Ihr ist – wie teils auch ihrer Schwester Daniela – das Dorf nicht nur zu eng. Und in der Stadt gäbe es doch „alles – Menschenrechte und sogar Internet“. Wobei, letzteres naja – 1997 waren erst sechs Millionen Computer weltweit mit diesem verbunden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Düntzer Rhapsodie“

Wie auch immer, „Die Düntzer Rhapsodie“ (Text, Choreografie: Bianca Anne Braunesberger; Text, Regie: Ivan Strelkin; Bühnenbild: Kasija Vrbanac Strelkin) ist eines von vier 20-Minuten-Stück-Entwürfen beim 16. Nachwuchsbewerb des Theaters Drachengasse (Wien). „Stadtplan oder Wanderkarte“ lautet das Motto zu dem 210 Theatermacher:innen zwischen 19 und 47 Jahren 66 Projekte eingereicht hatten. Das Theater wählte vier aus, die nun – bis 1. Juni 2024 – ihre Szenen (jeweils rund 20 Minuten) spielen. Eine Jury wählt am Ende eines der vier aus, das – dotiert mit 10.000 € daraus ein abendfüllendes Stück weiter entwickeln kann, das in der nächsten Saison eine Aufführungsserie hat – same procedure as every year.

Die „Rhapsodie“, die an dem 4-Stücke-Abend erst als zweites an der Reihe ist, steht hier nur zu Beginn, weil sie das Thema Gegensätze oder/und Gemeinsamkeiten von Stadt und Land am plakativsten darstellt. Wie und was weiter mit Claudia und Martha passiert – lass dich überraschen, wenn du den Abend „Stadtplan oder Wanderkarte“ besuchst.

10 Plätze, die du wirklich nicht besuchen willst…

… stellt die Produktion „Drained“, die den Abend eröffnet, als Spruch über ihr Stück, in dem auf einem Rasenteppich mit einigen Löchern – etwa für zwei weiße Plastiksessel und ein ebensolches Tischerl sowie einem alten Röhren-Fernsehgerät Clemens Maria Riegler, Katharina Rose und Pia Zimmermann (Text: Hannah K Bründl, Regie: Anne Mulleners) rund um das (Über-)Leben zwischen Vergangenheit und fast aussichtsloser Zukunft philosophieren und spielen. Ausgangspunkt: Ansiedlung von Arbeiter:innen für das AKW Manhattan-Projekt rund um einen Flusslauf in Washington State (USA). Mittlerweile Tristesse gespeist von Arbeitslosigkeit, Armut und Zudröhnen durch Drogen. Kann es da noch Leben, zwischenmenschliche Begegnungen geben?

Nicht nur ein abstraktes Bild…

… von einem brennenden Haus hängt an der Wand. Dessen Titel ergibt sich erst im Spiel aus der (Nicht-)Begegnung und den nicht geführten Gesprächen zwischen der weggezogenen Tochter mit Vater und dem Großvater (Marie Nadja Haller, Skye MacDonald, Alexander Gerlini; Text: Anaïs Clerc; Regie: Amelie von Godin) der die Patschen streckt. Poetische Halbsätze fiktiver Dialoge – oder solcher, die sich die eine oder andere Seite gewünscht hätte. Was aber trägt sie – trotz Weggehens in die weite Welt – aus der Enge des „brennenden Hauses“ (weiter) in sich?

Auch da brennt’s

Schon der Titel des vierten Stücks deutet ebenfalls auf Feuer hin: „Zünzle“. Flammen züngeln, Rauch, viel Rauch – und das durch einen langen, großen Schlauch, der von der Schauspielerin Marie Cécile Nest zunächst wie ein breiter Armreifen hin und her getragen wird, bevor er ausgerollt zur riesigen Riesenschlange wird (Text, Dramaturgie, Regie: Kaija Knauer; Dramaturgie, Regie: Ilario Raschèr; Ausstattung: Leonard Schulz).

Spielort: Ein Wald – mit Aufzählung der unterschiedlichsten Bäume – und immer wieder dazwischen schwebend der Metapher vom Stammbaum. Und so brennen nicht nur Bäume, sondern flammt auch Wut auf. Und „Zünzle“ lässt das Bild entstehen, dass im Dickicht mit Hilfe von Feuer eine Lichtung gebrannt werden könnte…

Der Bewerb

Zum 16. Mal hatte das Theater Drachengasse (Wiener Innenstadt) Künstler:innen zum Nachwuchsbewerb eingeladen. Das vorgegebene Motto lautete „Stadtplan oder Wanderkarte“ und es ging um die Auseinandersetzung mit Gegensätzen bzw. Gemeinsamkeiten von Stadt und Land.
210 Theatermacher:innen (fast zwei Drittel Frauen – 65%, 34 % Männer, 2% divers; Durchschnittsalter 29 Jahre – von 19 bis 47 Jahre) reichten bis 6. November 2023 66 Projekte ein. Das Theater wählte vier aus, die derzeit – bis 1. Juni 2024 – an einem Abend jeweils rund 20 Minuten zeigen. Eine Jury – Julia Engelmayer, Johanna Figl, Tobias Herzberg – vergibt am Ende einen Preis. Die 10.000 € dienen dazu aus der Kurzversion ein abendfüllendes Stück entwickeln zu können. Das Publikum kann jeden Abend über sein favorisiertes Stück abstimmen – das Projekt mit den meisten Stimmen bekommt den mit 1000 Euro dotierten Publikumspreis.

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Grafische Bilder zum 16. Nachwuchsbewerb des Theaters Drachengasse (Wien)
Grafische Bilder zum 16. Nachwuchsbewerb des Theaters Drachengasse (Wien)
Szenenfoto aus "Wir spielen die Spielrein rein" von Theater Delphin

„Die Spielrein“ erkämpft sich ihren Platz neben Freud, Jung & Co

Aufs erste wirkt der Titel des Stückes, das im bekannten Café Landtmann neben dem Burgtheater beginnt und in einem kleinen Theater in der Blumauergasse im 2. Wiener Bezirk endet, wie ein Wortspiel. Eines, das Fragezeichen auslöst. „Wir spielen die Spielrein rein“. WTF ist „die Spielrein“?

Und genau darum dreht sich vieles in den Szenen des Inklusiven Theaters Delphin sowohl in jenem Saal im berühmten Kaffeehaus, in dem oft Pressekonferenzen stattfinden, als auch in der Delphin-Homebase. „Die Spielrein“ ist keine fiktive Figur, sondern die Ärztin und Psychoanalytikerin Sabina Naftulowna Spielrein (1885 bis 1942). Geboren im russischen Rostow am Don, als eines von fünf Kindern einer Zahnärztin und eines Kaufmannes, kam sie mit 19 Jahren in die Klinik Burghölzli in Zürich (Schweiz) mit der Diagnose „Hysterie“. Der bis heute bekannteste Arzt dort war Carl Gustav Jung, ein früher Schüler des Wiener Erfinders der Psychoanalyse, Sigmund Freud.

Ein Jahr später schon begann Spielrein in Zürich Medizin zu studieren und promovierte sechs Jahre später mit einer Arbeit über den psychologischen Inhalt eines Falles von Schizophrenie zur Doktorin. Danach verbrachte sie auch einige Monate in Wien und wurde zu den legendären „Mittwochsgesellschaften“ der Wiener Psychoanalytische Vereinigung mit Freud eingeladen und dort erst als zweite Frau aufgenommen. 1923 kehrte sie mit ihrer Tochter in ihre Geburtsstadt, dann schon in der Sowjetunion, zurück, wo einige Jahre später Psychoanalyse verboten wurde, sie dann als Pädagogin und Ärztin arbeitete. Und 1942 im Zuge des Überfalls von Nazi-Deutschland gemeinsam mit Tausenden anderen Jüdinnen und Juden ermordet wurde.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wir spielen die Spielrein rein“ von Theater Delphin

Der Vergessenheit entreißen

Dennoch ist auch heute ihr Name weitgehend unbekannt. Das wollte Theater Delphin ändern. Bei Diskussionen, welche Stück als nächstes in Angriff genommen werden sollte, war – so die künstlerische Leiterin und Regisseurin dieses Stücks, Gabriele Weber, zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „klar, wir wollen eine starke Frau ins Zentrum stellen. Wir hatten verschiedene Vorschläge, Valentina nannte dann die Spielrein.“

Und diese Valentina Himmelbauer, die mehr über die in Vergessenheit geratene Pionierin in der Psychoanalyse, schrieb dann einen Text fürs Stück und schlüpft auch selber in die Rolle der Sabina Spielrein.

Streit um Platz im Stück

Die Inszenierung ist aber keine einfache Biographie dieser Wissenschafterin, die wichtige Aufsätze zur Kinderpsychologie geschrieben hat, vor allem aber auch zu Sexual- und Todestreib forschte. Das Stück ist einerseits rund um den Kampf um Anerkennung ihrer Arbeit gebaut. So beginnen zuerst vier Männer auf grauen Podesten: Sigmund Freud (Georg Wagner), C. G. Jung (Ante Pavković), Prof. Bleule, Leiter der Klinik Burghölzli (Rigel Flamond) sowie Dr. Otto Gross, ebenfalls ein Psychoanalytiker aus dieser Zeit rund um Burghölzli (Stefan Musil). Gscheit daherreden. Die Spielrein will sich – es soll doch um sie gehen – endlich Platz auf der kleinen Bühne im Landtmann verschaffen. Nix da. Kein Durchkommen. Irgendeine Randfigur soll sie spielen, wird ständig unterbrochen… Tragisch, dass dies – obwohl alle in Kostümen (Sigrid Dreger), die historisch wirken – gar nicht nur so vergangen wirkt!

„Nur eine Frau…“

Selbst Anna Freud (Ivana Veznikova; Anna als Kind wird von Anna Freud als Kind: Sinah Stamberg gespielt und getanzt) wird eher auf die Rolle als Tochter Sigmunds reduziert und der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf Kinderanalyse als „eh kloar, weil Frau…“ abgewertet. Und wenn überhaupt dann herrscht der Tenor „für eine Frau bist eh intelligent…“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wir spielen die Spielrein rein“ von Theater Delphin

Spiel im Spiel

Das Stück spiegelt nicht nur diesen damaligen – und heute gar nicht so viel weniger nötigen – Kampf von Frauen um Anerkennung ihrer Leistungen. Die Dynamik des Spiels lebt davon, dass die Schauspieler:innen immer wieder aus ihrer Rolle aussteigen und eben als Theaterleute agieren, die für ein Stück, ja eher sogar für einen Film proben. „Na geh, jetzt stört die schon wieder“, „so kommen wir nicht weiter“, „wir wollen doch auch fertig werden“. Wobei manche wie „halt doch endlich die Klappe“ oder „spar dir den Kommentar“ dann doch wieder gleich für beides gelten könnte. Immer wieder „muss“ die (Film-)Regisseurin im Stück (Bianca Bruckner) mahnen, dass, und wo jetzt weiter geprobt werden müsse.
Dieses Spiel im Spiel ist erst – so verraten Mitwirkende – erst bei den Proben entstanden.

Was vielleicht im Stück dann doch ein wenig zu kurz kommt, sind die Leistungen von Sabina Naftulowna Spielrein. Könnte aber sein, dass – angefixt von dem spannenden, vielschichtigen Spiel auf mehreren Ebenen, Besucher:innen das doch ausführliche Programmheft mit Zitaten aus Spielreins Tagebüchern genau zu lesen, bzw. danach zu suchen und lesen – Link zu einem wikipedia-Artikel, der einen guten Überblick verschafft, unten am Ende des Beitrages.

„Beziehung“ oder Missbrauch

Was jedenfalls im Klinik-Teil im Theater dezidiert angespielt und -gesprochen wird ist die Legende von der sehr oft verbreiteten Geschichte, dass Spielrein Geliebte von C. G. Jung gewesen sein soll. Dies ist nicht sicher, basiert auf Tagebuch-Aufzeichnungen von engen, vertrauten Kontakten und auf Briefen von Jung mit Freud, in denen ersterer von sexuellen Begehren seiner Patientin schreibt. Aber was ist mit ihm? Als ihr Therapeut hätte er in so einem Fall ja das Autoritätsverhältnis missbraucht…

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Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Wir spielen die Spielrein rein“ von Theater Delphin
Kevin Trau zwischen Brettspielen und Gaming-Computer - in einer Riesenrad-Gondel

Spielerischer Neustart für das Spielefest in Wien

„Ich wollte schon mit sechs Jahren Spiele-Erfinder werden“, beginnt Kevin Trau seine Leidenschaft zu schildern, die ihn dazu führte, dem jahrzehntelang traditionellen Spielefest im Austria Center Vienna neues Leben einzuhauchen. Es findet am 15. Und 16. Juni 2024 in dem bekannten riesigen Veranstaltungsort statt. Im Zentrum stehen wird gleich im Erdgeschoß die Spielothek, wo 2000 Spiele darauf warten, von den Besucher:innen ausgeborgt und auf 750 Tischen auf dieser und der darüberliegenden Ebene ausprobiert werden können. Eine Ebene darüber findet das eSports-Festival statt. Und vor dem Eingangsbereich des Austria Centers gibt’s ein Open Air Food Festival, wo fahrende Essens-Händler:innen Speisen – wie es heißt zu „familienfreundlichen und fairen Preisen“ anbieten.

Keine Erfindungen, dafür Events-Checker

Beim Mediengespräch – in einer Gondel des Riesenrads am Eingang des Wiener Praters – wurden unter anderem die Fakten bekannt gegeben. Der neue Veranstalter, der schon genannte Kevin Trau, wurde als nicht Erfinder, blieb aber seiner Leidenschaft treu. Die bekam er vor allem von seinen Großeltern, die immer mit ihm spielten, mit auf den Lebensweg. Später gesellten sich zu Brettspielen Gambeoy und Co. dazu. Er selbst machte eine Ausbildung zum Jugendarbeiter und betreibt seit Jahren die Gaming Lounge Area 52, eine Wochenend-Jugendeinrichtung mit Schwerpunkt Spielen – Brett, Karten und eSports ums Eck vom Floridsdorfer Hallenbad – wenige Gehminuten vom S-/U-Bahnknotenpunkt Floridsdorf entfernt.

Für ihn steht der gemeinsame Spaß am Spielen, das Miteinander im Vordergrund betont er mehrfach und seine Augen leuchten dabei in der Riesenrad-Gondel kaum weniger als würde er wirklich gerade spielen. Natürlich sind auch alle möglichen Vereine und Einrichtungen wie etwa die wienXtra-Spiele-Box mit an Bord beim neuen Spielefest, erwähnt Trau noch.

Martin Lenzenhofer mit seinem Spiel, mit dem Atzgersdorf entdeckt werden kann
Martin Lenzenhofer mit seinem Spiel, mit dem Atzgersdorf entdeckt werden kann

Junge Erfinder

Mit an Bord vom Waggon mit der Nummer 28 – auch wenn das bewegte Wahrzeichen nur 15 Wagen im Kreis führt – waren doch einige junge Spiele-Erfinder, die in der Enge, aber vor allem nach der Rund-Fahrt, am Boden mit doch mehr Platz ihre Kreationen den Medienleuten präsentierten.

Mit Martin Lenzenhofers „Unterwegs durch Atzgersdorf“ kann dieser seit 1954 zum 23. Wiener Bezirk gehörende Teil erkundet werden. Beim Würfelspiel kannst du auf Adressen landen, an denen es Parks, Schulen oder Unternehmen gibt – und dazugehörige Karten geben dir mehr Informationen dazu an. „Ich wohne schon lange in Atzgersdorf, spiele gern und hab mir gedacht, dann erfinde ich ein Spiel, in dem es um diesen Teil von Liesing geht. Er hat es im Eigenverlag (Red Caps – weil das sein Markenzeichen ist, das er allerdings beim Medientermin nicht aufhatte) herausgebracht. In den lokalen Buchhandlungen und Spielzeuggeschäften ist es erhältlich.

Raphael mit dem Prototyp-Spielfeld, das er gemeinsam mit Aaron und Thomas in Südtirol entwickelt hat
Raphael mit dem Prototyp-Spielfeld, das er gemeinsam mit Aaron und Thomas in Südtirol entwickelt hat

Prototyp

Raphael neben ihm zu ebener Erde unter dem Riesenrad hält eine graue Kartonschachtel in Händen. „Wir haben erst einen Prototyp“, beginnt er zu berichten. Gemeinsam mit Aaron und Thomas hat er sich – alle drei aus Südtirol (Nord-italien) – ein Strategie-Kampfspiel auf einer fiktiven Insel ausgedacht. „Unsere Idee dahinter: Ein Tech-Milliardär lässt seine Nachkommen um sein Erbe kämpfen. Zu Beginn ist das ganze Inselreich das Spielfeld und je länger das Spiel dauert, um so kleiner wird der Bereich, in dem sie einander bekämpfen.“

Holzpyramide mit Tierknochen-Spielsteinen

Simon Allmer hat zwei Kartenspiel-Kartons in Händen. „Futory ist eine Zusammensetzung aus Future und History, also Zukunft und Vergangenheit“, erklärt der Mehrfach-Erfinder. „Es ist ein intergalaktisches Deckbildungs-Kartenspiel. Du ziehst zum Beispiel aus der Zukunft eine Raumschiff-Karte und steckst sie in die Vergangenheit zu archaischen Kreaturen.“

Sein zweites Kartenspiel heißt „Elements“ und „funktioniert so ähnlich wie UNO nur mit anderen Symbolen (kreis, Drei-, Vier-, Sechs-Eck), aber es ist dynamischer, weil du mehr Karten ablegen kannst, und sonst sich noch mehr im Spielverlauf ändern kann.

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Als drittes packt Allmer eine hölzerne dreistufige Pyramide samt weißen und braunen Scheiben aus, die an solche aus dem bekannten Dame-Spiel erinnern. Im Prinzip ist es eine Art dreidimensionales Dame-Spiel – mit dem Ziel vier der eigenen sieben Spielsteine auf die oberste Fläche der Pyramide zu bringen. Die Spielsteine sind übrigens aus Tierknochen, womit das gesamte Spiel aus natürlichen Materialien gestaltet ist.

Susanne Trau
Susanne Trau

Brettspiele auf Social Media vorstellen

Von Beruf ist sie Gesundheits- und Krankenpflegerin, übt die erlernte Tätigkeit auch in einem Wiener Krankenhaus aus – derzeit Teilzeit, weil der Sohn erst zwei Jahre ist. Als Kind habe sie zwar oft mit den Eltern gespielt, aber später waren Spiele kein Thema mehr für sie. Bis – bis Susanne Trau mit 18 Jahren ihren späteren Ehemann Kevin (genau, da war doch was mit diesem Namen, siehe oben) kennengelernt hat. „Als er mich auf eine Wochenende mit Brettspielen eingeladen hat, war ich anfangs skeptisch“, erzählt sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… bei dem besagten Medien-Event im und rund um das Riesenrad. Aber dann habe sie nicht nur erlebt, wie er im Spiel aufgegangen ist, sondern begeisterte sich selber wieder dafür. Die gemeinsame Tochter ist 13. „Und wir machen gemeinsames Brettspielen immer zu einem richtigem Miteinander-Event mit Snacks und allem Drum und Dran. Das ist jedes Mal – und das sehr oft – eine kleine Familien-Party.“

Vor zwei Jahren kam Susanne Trau dann „auf die Idee, Brettspiele anders zu präsentieren“. Auf ihrem Instagram-Account – smartboardgaming – stellt sie kurz und knackig auf Englisch Spiele vor, wie sie funktionieren, wie lang sie dauern…

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Susanne Trau mit dem tragbaren Logo des neuen Spielefestes - auf ihrem Insta-Kanal
Susanne Trau mit dem tragbaren Logo des neuen Spielefestes – auf ihrem Insta-Kanal
Riesiger Chor, Musiker:innen, Solo-Sänger:innen und Thomas Brezina, der wichtige Teile der Bibel in Reime übersetzte und eigene Lieder für Konzerte im Stephansdom schrieb

Fast 100 Kinder singen mit Profis Froh-Botschaften im Stephansdom

Die Stimmen der beiden Solist:innen sind ebenso wie die des Erzählers mit Mikrophonen verstärkt. Die fast 100 Kinder und Jugendlichen im Chor lassen die Luft in der riesigen Halle des Wiener Stephansdoms – ohne Stimmverstärkung – um nichts weniger erzittern. Was da Montagnachmittag zu hören ist, klingt – zumindest für den Journalisten – schon sehr rund und fertig. Noch ist es „nur“ eine Probe von Schul-Chor, Musiker:innen (Violine: Ewa Joanna Skrzypacz, Katharina Hammerl; Viola: Elisabeth Basoff; Bass: Werner Laher; Schlagzeug: Bernhard Welz, Cello: Tristan Feichtner), Solo-Sänger:innen und dem Autor dieser Welt-Uraufführung – „Die Bibel im Reimen“.

Die von Brezina gereimte Bibel in einer der Kirchenbänke und dahinter Chor und Orchester, die für die Konzerte hier im Stephansdom proben

Thomas Brezina hat das gleichnamige 360-Seiten-Buch (mit Illustrationen von Pablo Tambuscio vor drei Jahren veröffentlicht; jetzt in der 4. Auflage – Buchbesprechung siehe Link am Ende des Beitrages). Die Musik hat Reinhold Hoffmann komponiert.

Für dieses Konzert hat der bekannte Hundertfach-Autor zentrale Kapitel nochmals neu getextet: Zum einen sind das Erzählpassagen, die er selbst live auf dieser Bühne im vordersten Teil des Domes zwischen Musiker:innen und Chor rezitiert. Außerdem hat er eigene Liedtexte verfasst, die Anetta Klakow und Franky Schirz als Solist:innen abwechselnd singen – im Wechselspiel bzw. gemeinsam mit dem Chor aus Schüler:innen des Sacré Coeur Pressbaum.

Einige der Künstler:innen bei der Probe
Einige der Künstler:innen bei der Probe

Liebe baut Brücken über Gräben

Bibel-Geschichten erzählen nicht selten von sehr harten Prüfungen, durchaus Ungerechtigkeiten, die Menschen durchleben, ja leiden müssen. Die fürs Buch – und noch viel mehr für die Konzerte ausgewählten Geschichten und die daraus getexten Liedzeilen Brezinas sind von stark positiver Stimmung und Botschaften sowie Lebensfreude getragen.

„Wenn ich auf mich wütend bin,
bin ich trotzdem lieb zu mir.
Wenn ich auf dich sauer bin,
bin ich trotzdem lieb zu dir.
Hass zerstört / die Liebe heilt,
weshalb si so viel besser ist.
Liebe ist die größte Kraft im Leben.
Liebe macht leicht, so leicht,
man könnte schweben:
Liebe baut Brücken über Gräben.
Liebe wird – probier es aus –
Liebe wird doppelt groß beim Geben.“

Chorsänger:innen im Gespräch in einer kurzen Pause
Chorsänger:innen im Gespräch in einer kurzen Pause

„Proben schon das ganze Schuljahr“

Daniela, Danielle und Laurene, drei dieser fast 100 jungen Sänger:innen spendierten eine der Pausen zwischen den Proben, um Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zu berichten: „Wir proben schon seit Beginn dieses Schuljahres, also seit  Herbst für diese beiden Konzerte.“ Sie und ihre Kolleg:innen aus dem Oberstufen- und dem Auswahl-Chor haben aber viel öfter unterschiedlichste Auftritte – in der Schule und auch in unterschiedlichsten Orten, sogar international. „Einig von uns waren in Estland, wo Kinder- und Jugend-Chöre aus mehreren Ländern zu einem Festival zusammengekommen sind. In Belgien haben wir in einem Altersheim gesunden. Das machen wir auch hier in Österreich öfter. Und andere waren in Kroatien. Und wir haben auch schon im Goldenen Saal im Musikverein gesungen.“ Aber das hier im Stephansdom sei schon auch was ganz Besonderes – große Halle, gute Akustik und obendrein sind viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung den jungen Sänger:innen gewiss.

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Leidenschaft

Gesangsunterricht und Musikerziehung ist im Musisch-Kreativen Zweig ein wichtiges Fach. „Da haben wir sogar Schularbeiten – zu Theorie, aber auch Hörbeispiele, die wir erkennen müssen – wie auch in einer Fremdsprache“, berichtet das Trio dem Journalisten. Danielle will „auf jeden Fall etwas mit Musik machen, wenn ich erwachsen bin“. Daniela meint darauf angesprochen „vielleicht“ und Lauren: „Das weiß ich noch nicht“ mit einem durchklingenden nicht ausgesprochenen Zwischenton, dass es durchaus sein könnte etwas mit Musik auch beruflich tun zu wollen. Was dieser zweig im Übrigen nicht sei – „leicht, das glauben manche, aber Schularbeiten und Prüfungen sind ganz schön schwer“, verraten die drei noch am Rande.

Apropos am Rande: Bei den Proben ließen Organisator:innen anklingen, dass nach den beiden Konzerten am 16. und 17. Mai (2024; Details in der Info-Box samt Links zu Tickets) im Stephansdom es möglicherweise in einigen Bundesländern solche Konzerte mit dortigen Schul-Chören geben könnte.

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Doppelseite aus Thomas Brezinas "Die Bibel in Reimen"

Geschichten aus der Bibel – von Brezina gereimt

Eineinhalb Jahr bevor der bekannte Autor Thomas Brezina vor eineinhalb Jahren auf 410 Seiten „Eine Geschichte der Erde in Reimen“ veröffentlichte, sind bekannte Geschichte aus dem Alten und dem neuen Testament der Bibel von ihm – ebenfalls gereimt – erschienen.

Die Buchbesprechung erfolgt jetzt, weil Mitte Mai im Wiener Stephansdom ausgehend von diesem dicken Buch der Autor neue Lied-Texte geschrieben hat, die als gesungenes und musiziertes Konzert stattfinden – mehr dazu, siehe Link am Ende dieses Beitrages.

Wie beim anderen Buch hat er sich mit Fachleuten intensiv beraten. Bei den Bibelgeschichten haben ihm die auch vorgeschlagen, welche er sich zur „Übersetzung“ in gedichtete Versionen vornehmen könnte.

Eher Happy-End-Geschichten

Und so fällt auf, dass jene Geschichten ausgewählt und somit gereimt wurden, die – trotz böser Taten letztlich gut ausgehen. Der erste Mord von Kain an seinem Bruder Abel aber nicht vorkommt.

Doppelseite aus Thomas Brezinas
Die Landung der Arche am Berg Ararat nach der Sintflut

Ob du religiös bist, oder nicht und wenn schon, egal an welchen Gott oder Götter und Göttinnen du glaubst, die 360 Seiten mit eindrucksvollen bunten Bildern von Pablo Tambuscio verschaffen dir einen leicht lesbaren Überblick über viele der bekanntesten Geschichten aus der Bibel. Und so manche davon haben sich ja weit aus dem religiösen Zusammenhang gelöst und wurden zu so etwas wie Sagen und Legenden, beispielsweise dass der kleine, schmächtige David den großen starken Goliath besiegen konnte. Oder jene von der Arche – dem großen gebauten Holzschiff mit dem Tiere und Menschen vor der Sintflut gerettet wurden.

Da die biblischen Geschichten oft mehrfach von verschiedenen Evangelisten erzählt und aufgeschrieben worden waren, wird im Buch immer angegeben, welches Evangelium die Grundlage für Brezinas Reime war.

Doppelseite aus Thomas Brezinas
Die ausgedchte Doppelseite von Thomas Brezina wie Jesus als Kind und Jugendlicher gewesen sein hätte sein können

Zwei ausgedachte Seiten

Eine doppelseitige Geschichte (S. 194/195) hat sich der Autor selber ausgedacht: Wie war Jesus als Kind? Dazu reimte sich Brezina einfach einiges zusammen – und baut dies auch gleich ein. So heißt es unter anderem: „In der Bibel ist dazu wenig zu finden, /Gedanken sind aber immer erlaubt. / Jesus als Jungen kann jeder sich vorstellen, /genauso wie jeder glaubt.“

Und so schildert er ihn spielen, lernend, und Vater Josef, einem Zimmermann, hilfreich zur Hand gehend… Anhand des zitierten Beispiels siehst du Brezinas Reim-Bau: Fast immer nur Zeile 2 und 4 reimen sich, erste und dritte nicht.

Widerspruch?

„War es schwierig auf der einen Seite die echte, naturwissenschaftliche Entstehung der Welt in Reime zu fassen und andererseits die von Menschen ausgedachte, einem Gott zugedachte Schöpfung?“, wollte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… am Rande der Proben zu den oben angesprochenen Konzerten von Thomas Brezina wissen.
Der antwortete: „Ich finde, dies ist kein Widerspruch. Das eine sind die Tatsachen und Erkenntnisse, das andere sind Geschichten, die für mich im Kern das Wunder des Lebens auf der Erde beschreiben. Und das sollten wir erkennen und zu bewahren versuchen.“

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Titelseite von Thmoas Brezinas
Titelseite von Thmoas Brezinas „Die Bibel in Reimen“
Doppelseite aus "Der Geruch von Ruß und Rosen" von Julya Rabinowich

Ihr kleiner Bruder nennt sie „Königin der Löwen“

Madina, mittlerweile in der Maturaklasse, will ihren Vater, der zurück ins (Bürger-)Kriegsland gegangen ist, um dort als Arzt zu helfen, in ihre neue Heimat zu holen. Nachrichten sprachen vom Ende des Krieges in ihrer ersten Heimat. Dennoch scheint es noch ziemlich gefährlich zu sein. Trotzdem macht sich Madina mit Tante Amina auf den Weg – und danach mit dem Vater zurück.

Drei Bände – viele Auszeichnungen

Dies ist kürzest gefasst die Handlung in „Der Geruch von Ruß und Rosen“ von Julya Rabinowich. Rund um Madina hat die mittlerweile sehr bekannte österreichische Autorin bisher drei Romane gebaut, die stellvertretend für das Leben junger Menschen mit Fluchterfahrung stehen. Von den unhaltbaren Zuständen in einem kriegsgebeutelten Land weg und alles Vertraute zurücklassen müssen über die Hoffnung im Land der Zuflucht. Aber auch die Schwierigkeiten, sich neu zu orientieren auf der einen Seite, Konflikte mit älteren Verwandten, die das Neue ablehnen und Anfeindungen so mancher im neuen Land gegenüber Menschen, die hier einfach einen sicheren „Hafen“ finden wollen. „Dazwischen: Ich“, 2016 erschienen, wurde gleich im Jahr darauf mit einem der Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreise ausgezeichnet. Und nicht nur mit diesem.

Es folgte vor zwei Jahren die Fortsetzung „Dazwischen: Wir“ und schließlich im Vorjahr „Der Geruch von Ruß und Rosen“. Band zwei kürten im Vorjahr die ältere Gruppe (13 bis 15 Jahre) von jungen Leser:innen der Initiative „Literaturbagage“ zu ihrem Buch-Favoriten, der dritte Band wurde – wieder von den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreisen – dieses Mal zumindest in die Kollektion aufgenommen.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Der Geruch von Ruß und Rosen“ von Julya Rabinowich

Unbeschwert mit der Freundin, heftig mit Verwandtschaft

Mit Madina erlebst du im ersten Teil dieses dritten Bandes unter anderem eine unbeschwerte Reise der Hauptfigur mit ihrer engsten Freundin Laura nach Venedig – fern aller Verwandten und damit ausgelassen. Es folgt die gefährliche und anfangs geheime schon angesprochene Reise Madinas mit Amina. Die verzweifelte Suche nach dem Vater, der ihr als sie ihn endlich findet, eher als Schatten seiner selbst – körperlich und psychisch schwerst verletzt begegnet. Der Schock, die Tante tot aufzufinden, die Rückkehr ins Zufluchtsland. Und heftige Troubles mit dem Vater, der Tochter, aber auch seine Ehefrau patriarchal einschränken will.

All das erzählt die Autorin einfühlsam, so nachvollziehbar für jene, die das Glück haben, solche Geschichten nie erlebt haben zu müssen.

Verzweiflung und dennoch Stärke

Und trotz der heftigsten Szenen und der verständlichsten Verzweiflung Madinas lässt Rabinowich immer und immer wieder auch ihre Stärke, ihre Kraft auch die nächste Herausforderung anzugehen und zu überwinden, durchklingen – in der einen oder anderen Formulierung, nicht selten aber auch zwischen den Zeilen des Geschriebenen. Ohne je ein unrealistisches Happy End zu konstruieren oder nur anzudeuten. „Man kann nicht weglaufen vor dem, was der Krieg gesät hat. Es ist wie beim Igel und dem Hasen, er steht schon da und wartet auf einen, egal wie schnell man läuft.“

Aber Rabinowich lässt Madina so viel Power und Durchhaltevermögen ausstrahlen, dass sie deren kleinen Bruder Rami zwei Seiten vor dem Ende seine Schwester „nur noch Königin der Löwen“ nennen lässt.

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Titelseite des (Jugend-)Romans von Julya Rabinowich
Titelseite des (Jugend-)Romans von Julya Rabinowich „Der Geruch von Ruß und Rosen“
Szenenfoto aus "Friede den Hütten! Krieg den Palästen" - visuelles Musiktheater von ARBOS

Georg Büchners „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ mit Musik und Gebärdensprache

Die 718.373 Einwohner:innen des Großherzogtums Hessen mussten insgesamt 6 Millionen und 363.363 Gulden an direkten und indirekten Steuern, Strafen und anderem zahlen. Und wurden mit einem Gutteil dieses Geldes unterdrückt. Das und so manch anderes in Sachen Herr-schaft der Fürsten über das Volk prangerte der berühmte Dichter Georg Büchner (1813 – 1837; u.a. „Leonce und Lena“, „Woyzeck“; „Dantons Tod“) in seiner „Flugschrift „Der Hesssiche Landbote“ an.

In der Kampfschrift rief er die Bürger:innen dazu auf, sich gegen Ungerechtigkeiten aufzulehnen und für Demokratie zu kämpfen. Daraufhin wurde er steckbrieflich gesucht und musste aus dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt flüchten – nach Straßburg.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Friede den Hütten! Krieg den Palästen“ – visuelles Musiktheater von ARBOS

Der bekannteste Spruch aus diesen rund zehn Seiten hat sich bald danach verselbstständigt, kaum wer weiß, dass „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ aus diesem kurzen Werk Büchners stammt. Und obwohl fast 200 Jahre alt finden sich so manch aktuelle Anklänge. Fällt einem beim Satz „Ihr seid wie die Heiden, die das Krokodil anbeten, von dem sie zerrissen werden“ nicht ein, wie es sein kann, dass Massen rechtsextreme Populisten wählen, die mindestens einen Tag Diktator sein wollen?

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Friede den Hütten! Krieg den Palästen“ – visuelles Musiktheater von ARBOS

Visuelle Musik

„ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater“ machte aus dem gesamten „Landboten“-Text eine rund eineinhalbstündige visuelle, musikalische Performance mit der das aktuelle, 25. Visual-Festival am Wochenende im Wiener Theater Spielraum eröffnet wurde.

In der hintersten Bühnenreihe sitzen die Musiker:innen Thomas Trsek (Violine), Gregor Narnhofer (Klarinette, Saxophon, Bassklarinette), Bojana Foinidis (Akkordeon) und  Adi Schober (Schlagwerk). Sie entlocken ihren Instrumenten nicht nur bekannte Töne. Auch Winseln, Wehklagen oder Schnaufen erzeugen die Musiker:innen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Friede den Hütten! Krieg den Palästen“ – visuelles Musiktheater von ARBOS

Vor ihnen warten vier Schauspieler:innen – Markus Rupert, Werner Mössler, Markus Pol, Rita Luksch – auf ihre Einsätze. Dazu erheben sie sich und treten an das Notenpult im Vordergrund. Georg Büchners Text sagen sie in Österreichischer Gebärdensprache. Abschnittsweise wiederholt Alfred Aichholzer die jeweiligen Textpassagen in deutscher Lautsprache, wobei er jeweils zu Beginn und am Ende auf eine Riesentrommel schlägt.

Komponiert haben die Musik, die nicht nur zu hören, sondern auch stark zu sehen ist, Werner Raditschnig und Herbert Gantschacher, der auch Regie führte. Und der „Vater“ von Arbos ist, das „Visual“ veranstaltet, das in den ersten Jahren noch Gehörlosentheaterfestival hieß.

Das Festival – mit Vormittagsvorstellungen für Schüler:innen und Abendvorstellungen – läuft noch bis 17. Mai 2024 – Details zu allen Aufführungen, Performances und einer Stationenwanderung in der Infobox unten.

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Weitere Fotos aus dem Büchner-Stück

Fotos aus weiteren Stücken des Festivals

Marika Rainer (Schauspiel, Gesang) und Dieter Stemmer (Livemusik und Schauspiel) bei "Mira Lobe - Live Hörspiel" im Wiener WuK

Die Frau hatte eine Sau – und die hat Schwein

Mit einem Mittelding aus Grunzen und Schnarch-geräuschen versucht die Schauspielerin und Sängerin Marika Rainer im rosa Overall ihren Musiker-Kollegen Dieter Stemmer, der auf dem Keyboard eingeschlafen spielt, aufzuwecken. Und schleppt selbst noch ein zweites Keyboard heran. Um dann – gar nicht auf dem Instrument, sondern gesanglich, sprachliche und immer voll in Bewegung die schräge Geschichte vom „quiek-fidelen Borstenvieh“ zu erzählen.

Oper, Italo-Klassiker…

Es ist eine lange Geschichte mit vielen Wendungen in Reimen über eine Frau, die hatte eine Sau. Die aber haute ab und erlebt die ver-rücktesten Situationen, viele davon in einem Kaufhaus. Immer wieder muss sie aus unterschiedlichsten Gründen davonrasen. Natürlich hat sie dabei immer wieder das sprichwörtliche Schwein. Hin und her wuselt die singende Schauspielerin – unterstützt von unterschiedlichsten Melodien etwa einem Opernarien-artigen sowie dem italienischen Klassiker vom Fliegen „Volare“ – die ihr Kollege am Keyboard spielt. Und mit von ihm und auch von ihr auf ihrem Keyboard eingespielte digitale Geräusche und Sounds. Mehrmals rennt sie auch zwischen den Zuschauer:innen die Publikumstribüne rauf und runter.

Marika Rainer (Schauspiel, Gesang) und Dieter Stemmer (Livemusik und Schauspiel) bei
Marika Rainer (Schauspiel, Gesang) und Dieter Stemmer (Livemusik und Schauspiel) bei „Mira Lobe – Live Hörspiel“ im Wiener WuK

Mira Lobe

Geschrieben hat diese gedichtete Story die bekannte österreichische Kinderbuchautorin Mira Lobe (1913 – 1995). Du kennst vielleicht „Die Geggis“ oder „Das kleine ich bin ich“. Das quiek-fidele Borstenvieh“ – illustriert von Winfried Opgenoorth – ist 1983 erschienen und nur mehr gebraucht – zum Teil ziemlich teuer – erhältlich. Sie ist heute sogar so unbekannt, dass sie nicht einmal auf der Miralobe-Homepage zu finden ist.

Live-Hörspiel nennen die Künstler:innen – Regie Yvonne Zahn – ihre Performance, die nun noch am Sonntagvormittag im Wiener WuK zu erleben ist – Details in der Infobox am Ende des Beitrages.

Ein Haus erwacht – in der Nacht, oder

Als viele Kinder schon vermuten und einige auch hofften, dass mit dem Ende der Schwein-Geschichte die Performance aus ist, kommt noch eine zweite ebenfalls gereimte Story von Mira Lobe „Hokuspokus in der Nacht“. Diese Geschichte hatte sich übrigens der Illustrator Opgenoorth ausgedacht und Lobe zu seinen Zeichnungen den Text gereimt.

Marika Rainer (Schauspiel, Gesang) und Dieter Stemmer (Livemusik und Schauspiel) bei
Marika Rainer (Schauspiel, Gesang) und Dieter Stemmer (Livemusik und Schauspiel) bei „Mira Lobe – Live Hörspiel“ im Wiener WuK

In einem alten großen Haus erwacht zunächst die Maus Marlene und schaut zum Fenster raus. Stockwerk für Stockwerk gehen Lichter an und mit dem Bühnenduo lernen wir die verschiedensten Figuren und Personen kennen, einen Geiger und ein Trompeterin, eine Schlagzeugerin, einen Seiltanzenden Clown und zuletzt noch ein Krokodil – die Party geht richtig ab. Marika lädt Kinder auf die Bühne, um mit ihr Twist zu tanzen, Dieter greift sich ein neues Instrument, eine Keytar – umgehängt wie eine Gitarre ist es sozusagen ein tragbares Keyboard. Nur ein wenig zu wenige bunte Party-Hütchen für die mittanz-willigen Kinder sind verfügbar.

Doch dann ist der Hokuspokus vorbei: Alles sieht wie am Anfang aus: Ein Garten, ein großes altes Haus, das völlig im Dunkeln liegt… – war das kunterbunte Nachtleben vielleicht „nur“ ausgedacht – oder erträumt?

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Marika Rainer (Schauspiel, Gesang) und Dieter Stemmer (Livemusik und Schauspiel) bei
Marika Rainer (Schauspiel, Gesang) und Dieter Stemmer (Livemusik und Schauspiel) bei „Mira Lobe – Live Hörspiel“ im Wiener WuK
Bildmontage aus den Transparenten der Ausstellung im Foyer sowie Blick auf die Ausstellungshalee selber

Bunte Gesellschaftskritik mit viel Humor und vielfältige Kunstbücher

Grellbunte Plakate in luftiger Höhe empfangen die Besucher:innen in der beeindruckenden Eingangshalle des Semperdepost in der Wiener Lehárgasse, dem Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste zur aktuellen „Fanzineist Vienna“ (noch bis Sonntagabend, 12. Mai 2024 – Details in der Infobox am Ende des Beitrages). Dahinter in der großen Halle auf unbehauenem Bretterboden tummeln sich fast 130 Aussteller:innen aus zweieinhalb Dutzend Ländern, um auf ihren Tischen ihre künstlerischen Graphic Novels, Comics, Fotobände, Kunstbücher, bedruckte T-Shirts, Socken, Taschen und andere künstlerisch gestalteten aussagekräftigen Objekte zu präsentieren.

Viele der Werke haben gesellschaftskritische Aussagen zum Inhalt; ein eigener Bereich nennt sich Queer Quarter. Teil der Ausstellung sind auch Diskussionen, Vorträge und abends Konzerte; vieles versprüht den Charme von Street Art und oft eine humorvolle, ironische Note.

Kopfstoß fürs Patriarchat

So springt dich gleich an einem der ersten Tische in einer der sechs langen Reihen ein dunkler Kreis auf weißer Stofftasche an. In pinker Schrift groß zu lesen: „I’m stupid and you like it“ (ich bin dumm und du magst das). Die paradoxe Intervention bewirbt den Stapel der daneben liegenden Bücher von Rosalinda Napadenski mit demselben Titel, aber einem kleinen Übertitel: „Dem Patriarchat einen Headbutt geben“ (Kopfstoß).

Geschwister teilen sich einen Ausstellungstisch
Geschwister Napadenski teilen sich einen Ausstellungstisch

Gleich neben ihr sitze ihr Bruder Mark mit einem Kartonstoß. Auf jedem Blatt ein Auteo im Stil einer Kinderzeichnung. Und davor Heftchen mit dem Titel „… my car goes Brum Brum“. Für dieses hat der Kunststudent Autos fotografiert – sein Motto: „Lieber Autos auf Bildern als auf den Straßen.“

Maria Azovtseva und Aleksandr Kirilenko mit ihren [blu:d] Büchern
Maria Azovtseva und Aleksandr Kirilenko mit ihren [blu:d] Büchern

Mussten fast alles in letzter Minute wegwerfen

Nicht auf einem der Tische, sondern in einer großen Nische an der Rückwand stellen Maria Azovtseva und Aleksandr Kirilenko zwei verschiedene dicke Kunstbände mit den Titeln BL8D aus. Schon die große Titelschrift ist ein Wort-Zahlenspiel. Der 8er steht für zwei übereinander stehenden „o“ und damit dem englischen Wort für Blut und das wiederum am unteren Rand des Buchcovers in den eckigen Klammern als Zeichen für Lautschrift als Blu:d. „In vielen slawischen Sprachen steht das für Unzucht“, erklären die beiden Künstler:innen aus Estland. Gemeinsam mit Konstantin Lobanov hat das Trio 2021 begonnen ein umfangreiches Kunstbuch zur Auseinandersetzung mit russischer Kultur zu erarbeiten. „Wir waren im Februar 2022 damit fertig – hatten schon die digitalen Druckvorlagen. Dann kam der 24. Februar, der Überfall Russlands auf die Ukraine. Damit mussten wir praktisch alles über den Haufen werfen. Einzelne Passagen aus Interviews mit Künstler:innen konnten wir noch in anderer Form verwenden, ansonsten haben wir auf verschiedene Art und Weise den Krieg künstlerisch thematisiert. Zum Beispiel hat unser künstlerischer Leiter, der derzeit in anderen Ländern unterwegs ist und nicht hier sein kann, Bilder genommen, zerstört und Fotos davon gemacht, die nun im Buch sind. Außerdem haben wir diesen ersten Band nur ganz roh gebunden“, so Azovtseva und Kirilenko zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Blick auf die beiden Bände der [blu:d]-Reihe aus Tallinn (Estland)
Blick auf die beiden Bände der [blu:d]-Reihe aus Tallinn (Estland)

Der zweite Band ist der Zukunft gewidmet – mit der bewussten Irritation, dass der Einband spiegelnd glänzt – und innen drinnen ernste Essays mit unterschiedlichen Zugängen an dieses so große Thema – und mit immer wieder auch irritierenden Fotos, bei denen mitunter der Atem stockt. „Die sind alle mit künstlicher Intelligenz produziert“, verraten die beiden, die nun im italienischen Florenz leben, dem Journalisten. Und im Hintergrund haben die beiden an der Wand ein großes Plakat mit einem Wolf und dem Motto des dritten Bandes angekündigt: Eintauchen in Einheit/Gemeinsamkeit.

Internationaler Mix

Dass Künstler:innen aus rund zweieinhalb Dutzend Ländern ihre Arbeiten ausstellen und viele davon auch käuflich erworben werden können, wurde schon weiter oben erwähnt. Manche kamen extra für die Ausstellung, andere leben – teils vorübergehend – in Wien. Manche kooperieren auch darüber hinaus. So sind Andrea Ancira Garcia aus Mexico mit ihrer „ediciones tumbalacasa“, in der sie englische Texte auf spanisch übersetzt herausbringt und umgekehrt und Olivia Golde mit „Trottoir Noir“ am Samstag nicht bei der Ausstellung, sondern Teil des Workshops „kollektive Freude im Widerstand“ in den Soho-Studios in Ottakring (16. Wiener Bezirk im großen Gemeindebau Sandleitenhof).

Bücher ent-falten

Büchlein als Leporello auffalten – ist eine, durchaus bekannte Sache. In solche verpackte Nicole Tanneberger Rezeptbüchlein. Aber dann lässt sich ein quadratisches Büchlein übers Meer gleich in mehrere Richtungen auffalten. „Ich wollte die fließenden Bewegungen des Wassers spürbar umsetzen“, erklärt sie den Beweggrund für diese Form.

Ein anderes Buch wird nach und nach zu einer Spirale oder Schnecke und am Ende ergibt es ein ganzes großes quadratisches Bild – vorne und hinten. Ein anderes beginnt die Buchmacherin, die von Beruf Architektin ist, aufzufalten und entschuldigt sich: „Ganz kann ich das nicht, das wird 3 Quadratmeter groß.“

Schon mit zehn, zwölf Jahren habe sie viel mehr gezeichnet und gemalt als alle anderen, „wollte dann Kunst studieren, hab mich letztlich für Architektur entschieden“, verrät sie KiJuKU. Diese Bücher sind professionell, künstlerisch aber sicher keine Einnahmenquelle von der sie leben könnte. „Aber ein guter Ausgleich. So richtig begonnen habe ich dann während der Corona-Pandemie.“ Jetzt studiert sie neben ihrer Arbeit Buchgestaltung an der NDU (New Design University) in St. Pölten.

„Zuerst hab ich Texte, Geschichten, Gedichte, dann kommt die Illustration und die Überlegung, welche Form braucht der jeweilige Inhalt“, schilderte Tanneberger ihre Vorgangsweise. Die Originale stempelt sie meist mit Linoldruckfarbe, scannt sie ein, bearbeitet sie digital für den Druck. Die Schnitte und Falte fertigt sie in der Folge aber wieder eigenhändig an.

„Rollbücher“ aus Berlin

Scrollen ohne Strom

Am Stand von „Rollbuch“ aus Berlin liegen hölzernen Kisten und Kistchen mit einem Sichtfenster, der an einen alten Fernsehapparat erinnert. Mit Hilfe von zwei Kurbeln kannst du kontinuierlich die Bilder weiter drehen. In den großen Kisten sind jeweils elf Meter lange Bücher, die so gelesen, angeschaut werden können. Es gibt aber auch im gleichen Format leere Rollen, um dein eigenes „Rollbuch“ zu zeichnen oder/und schreiben.

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Hintergrund

Fanzineist Vienna bringt kleine unabhängige Verlage zusammen, will aber mehr als eine Messe sein, sondern organisiert neben der Ausstellung Workshops, Vorträge und Konzerte und versteht sich als Vernetzungs-Chance. Ob Graphic Novels, Comics, Fotobände, Kunstbücher und andere künstlerisch gestaltete Materialien – T-Shirts, Socken, Taschen usw.

Die Werke der fast 130 Aussteller:innen aus zweieinhalb Dutzend Ländern (Ägypten, Argentinien, Belgien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Irland, Japan, Kroatien, Litauen, Mexico, Niederlande, Österreich, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Taiwan, Tschechische Republik, Türkei, Ukraine, USA) sind im Wiener Semperdepot noch bis Sonntag, 12. Mai analog (Details siehe Infobox unten am Ende des Beitrages) zu sehen – und erleben wie etwa Konzerte. Eine parallele Online-Ausstellung läuft noch ein Monat länger.
Die gesamte Ausstellung vermittelt diverse, bunte, vielfältige und vielschichtige kunstvolle Werke, viele mit Street-Art-Touch. Viele der Künstler:innen und Herausgeber:innen widmen sich queeren, non-binären, feministischen, kapitalismuskritischen Themen; in der Ausstellungshalle gibt es einen eigene ´n Queer Quarter

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Gegründet vor acht Jahren in Istanbul

„Fanzineist“ wurde 2016 als unabhängiges und DIY (Do it Yourself)-Fanzine-Festival in Istanbul (Türkei) organisiert. Im Jahr darauf fand die Veranstaltung kleiner Eigenverlage in beiden Stadtteilen Istanbuls, also in Europa und Asien statt – mit Konzerten, Interviews, Workshops und einem Fanzine-Markt  – und dies mit großer internationaler Beteiligung. Zwei Jahre später (2019) übersiedelte Fanzineist als Kunstbuch- und Fanzine-Messe nach Wien. Die von den Co-Direktoren Deniz Beser und Deniz Güvensoy organisierte Messe fand in der Nordbahnhalle in Wien statt. 2020 organisierte Fanzineist Vienna in Zusammenarbeit mit Phasebook Prague Art Book & Zine Fair die Ausstellung „Zine Matters: Self Publishing From Prague To Vienna“.

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Luft-Kicken

Kickboxen und andere Sportarten als Integrationsbrücke

Der Abend vor dem jüngsten Feiertag (Christi Himmelfahrt – zwischen Ostern und Pfingsten) in der inklusiven Schule am Favoritner Hebbelplatz (eine U-Bahnstation vom Reumannplatz entfernt). Rund eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn trudeln die ersten Jugendlichen ein. Rauf in den ersten Stock. Dort liegt eher ungewöhnlich der Turnsaal. Aus einer Ecke in der Garderobe schleppen sie Matten mit zackigen Rändern in den Turnsaal. Wie ein Puzzle wird ein großes Viereck am Rand ausgelegt mit einem breiten Steg in der Mitte.

Europa- und Weltmeister als Trainer

Nach und nach kommen alle – die meisten sind Jugendliche, ein paar junge Erwachsene und auch ein paar Kinder. Hier steht jede Woche eineinhalb Stunden Kickbox-Training auf dem Programm. Trainer sind Größen dieses Sports. Der 31-jährige Amir war Europa- sowie Vizeweltmeister, kämpft aber nicht mehr aktiv, arbeitet aber nicht nur als Trainer, sondern studiert am Kolleg für Sozialpädagogik, um in der Jugendarbeit sein Betätigungsfeld zu finden. „Die Ausbildung zum Freizeitbetreuer habe ich schon früher gemacht“, fügt Amir noch hinzu.

Flucht aus Afghanistan

Sein jüngerer Bruder Samim (23) hat bereits zwei Mal die Europameisterschaft gewonnen und ist Weltmeister, wächst aber bereits in die Trainerrolle hinein und leitet den Großteil dieser gut eineinhalb Stunden, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… mit der Kamera begleiten darf. Beide wuchsen in Afghanistan auf, mussten flüchten und landeten nach vielen langwierigen Stationen vor weit mehr als zehn Jahren in Österreich. So wie der Gründer des Vereins „Neuer Start“, der dieses Kickboxtraining und Dutzende weitre Aktivitäten initiiert und organisiert, Shokat Walizadeh – dazu weiter unten.

Systematisches Aufbauen

Bevor Hände, Arme, Beine zum schlagenden Einsatz kommen, sind letztere in erster Linie gefragt. Runden laufen zum Aufwärmen. Erst locker, dann hin und wieder Beine anwinkeln beim Laufen, Tempowechsel, dazwischen springen. Dann Luftboxen.

Und erst dann geht’s ran an die speziellen Handschuhe sowie die sogenannten „Pratzen“ – verschieden große und unterschiedliche Schlag-Schilder bzw. -Pads. In Duos stellen sich die Teilnehmer:innen zusammen und wechseln einander mit schlagen, treten und kicken aus der Drehung heraus ab. Immer intensiv nur nicht einmal zwei Minuten, dann kurze Pause. Wechsel und wieder. Und weiter in der Runde sozusagen zum nächsten „Gerät“. Vom Boxen nur auf die Schaumstoffgefüllten „Pratzen“ auf den Händen des Gegenüber bis Boxhieben und Tritten gegen solche Halbkörpergroßen Schilde.

Von der Selbstverteidigung zum Selbstbewusstsein

Fateme ist 18 Jahre, Abendgymnasiastin und „seit Herbst hier beim Kickboxtraining. Früher hab ich Badminton gespielt. Über „Demokratie, was geht?“ und Social Media hab ich von dieser Möglichkeit erfahren und wollte das einmal probieren. Ich dachte, das kann für Selbstverteidigung nicht schaden“, erklärt sie ihre Beweggründe dem Journalisten. Und setzt auf die Nachfrage fort: „Seither bin ich auch sonst viel selbstbewusster geworden und habe weniger Ängste.“

Zum ersten Mal an diesem Abend mit dabei ist Rahele. Wobei das kaum zu glauben ist, wenn du siehst, wie gezielt und gekonnt die junge Frau ihre Bewegungen ausführt. „Naja, ich mache aber schon seit rund sechs Jahren Taekwondo“, versucht sie die Bewunderung zu relativieren.

Neuer Start

Knapp wurde es weiter oben schon angesprochen, organisiert wird dieses Kickbox-Training vom Verein Neuer Start – das kreisrunde Logo zweier verbundener Hände und zweier grüner Zweige ist vom Schriftzug auf Englisch und auf Dari (persische Schrift) umrankt. Seit 2010 bietet der Verein unterschiedlichste sportliche, kulturelle Aktivitäten, Workshops, Feste für geflüchtete Menschen nicht nur aber vor allem aus Afghanistan an, um sie beim Ankommen in der österreichischen Gesellschaft zu unterstützen. Aber auch die Mehrheitsgesellschaft zum Beispiel zu gemeinsamen Kultur- und Sportfesten einzuladen oder mit den regelmäßigen Absolvent:innen-Feiern bei denen Leute aus der afghanischen Community, die eine Schule, Lehre, ein Studium oder eine andere Ausbildung abgeschlossen haben, auf einer Bühne sozusagen vor den Vorhang zu holen – gemeinsam mit IGASUS (Interessengemeinschaft der afghanischen SchülerInnen und Studierenden).

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Hier unten geht’s zu einem Gespräch mit „Neuer-Start“-Gründer und Geschäftsführer Shokat Walizadeh

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Neuer Start

Shokat Walizadeh bei eienr Turnübung am Rande des Kickbox-Trainings

Sport – Gesundheitsförderung – Integration

„Pol ist das Dari-Wort für Brücke“, so Vereinsgründer und Geschäftsführer Shokat Walizadeh und „mit Sport wollen wir eine Brücke zu sozialer Arbeit, Gesundheitsförderung und Integration bauen. So kommen wir sehr niederschwellig – unsere Trainings sind kostenlos – an viele vor allem junge Leute heran, viele davon junge Männer. Wenn sie Vertrauen zu uns haben, können wir ganz anders mit ihnen überkommene Männlichkeitsbilder thematisieren, die sie dann selber hinterfragen können.“

Und zwanglos wenden sich einzelne Teilnehmerinnen oder Teilnehmer an ihn oder andere aus dem Verein. „So hat einmal ein Mädchen gebeten, dass wir mit ihrem Vater reden. Im Winter, wenn es früher dunkel wird, wollte er sie nicht zum Training gehen lassen. Arbeit mit Eltern ist auch Teil unserer Arbeit.“ Außerdem erzählt er davon, dass auf dem Social-Media-Profil eines jungen Afghanen einmal ein Smilie mit Gewehr entdeckt habe. Den habe er kontaktiert, Vertrauen beim Sport aufgebaut und irgendwann einmal dann darauf angesprochen. Da sei ihm das erst wieder in Erinnerung gekommen, weil das schon ur-lange zurückgelegen war. Bald nach dem Gespräch hatte er das Bild gelöscht und dafür eines mit Ball und Herz.

Gelernter Zahntechniker, nun FH-Student vor dem Abschluss

Walizadeh kam vor mehr als eineinhalb Jahrzehnten nach Österreich, absolvierte – ab 2010 – eine Lehre als Zahntechniker, errang bei Lehrlings-Wettbewerben zwei zweite Plätze und hat einmal sogar den Wiener Bewerb gewonnen. Heut ist er in der Endphase seines Fachhochschulstudiums Soziale Arbeit.

Viele Projekte

Schon 2010 gründete er den genannten Verein und startete immer wieder auch neue Projekte. So gibt es im Sportbereich auch Fußball und Volleyballtrainings, neben Kickboxen auch Taekwondo, darüber hinaus immer wieder einzelnen thematische Projekte – „Barbari“ (interkulturelle Burschen- und Männerarbeit), Umgang mit Geld und Banken. Ein besonders großes Anliegen ist ihm der Grundsatz „Jugendarbeit ab Tag 1 – nicht warten, bis wer im langen Asylverfahren dann den Bescheid bekommt, dableiben zu dürfen. Schon von Anfang an sollen die Leute nicht sinnlos und zum Nichtstun verpflichtet herumsitzen.“

Was er doch ein wenig bedauert: „Fast alles, was wir machen, ist ehrenamtlich. Von einem Sport-Dachverband bekommen wir ein bisschen Geld, so dass wir Trainerstunden bezahlen können – aber gar nicht alle. Die Ehrenamt-Arbeit ist uns allen auch sehr wichtig und wir machen das gerne. Aber wir können nicht auch noch alle Sachkosten aus eigener Tasche bezahlen, da wäre schon ein bisschen Unterstützung von öffentlichen Institutionen gut. Nicht selten werden wir, wenn wir uns an eine Stelle wenden, im Kreis geschickt. Und wir haben in den vergangenen Monaten immerhin rund 880 vor allem junge Leute mit unserer Burschen- und Männerarbeit und mit unseren Sportaktivitäten wöchentlich regelmäßig rund 100 Menschen aus verschiedenen Kulturen, Sprachen und Herkünften, darunter auch Einheimische erreicht.“

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tipps-von-zahntechniker-fuer-einen-bekannten-ehemaligen-solchen <- damals noch im Kinder-KURIER

sport-kulturfest-afghanen-tschetschenen <- auch noch im KiKu

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Doppelseite aus dem bebilderten Buch "Wie wir den Frieden lernten"

Klassen-„Krieg“ mit ungewöhnlichem Ende

Alles begann damit, dass zwei Parallelklassen ein Projekt zum antiken Rom machten, einiges lernten, mit dem Bus zu Ruinen-Ausgrabungen fuhren und dann selber aus unterschiedlichsten Materialien römische Häuser und so manch anderes zu Städten bauten. Getrennt, die A und die B.

Yacin, Lea und die Erzählerin, deren Namen Hilda im Text erst gegen Ende des Buches, aber auf einer Zeichnung schon auf der Seite vor Kapitel 1 vorkommt, waren gerade dabei eine große Styroporplatte mit einem vom Trio gebastelten Tempel darauf in den Kunstraum zu tragen. Über die Stiegen. Und plötzlich stolperte Trägerin Lea, und fertig war das Unglück. Kaputt der Tempel.

Schuld sei Nicola aus der B gewesen, die habe sie geschubst. Und die Rache folgte – Stoß auf Nicolas Bücherstapel. Kapitel für Kapitel schaukelte sich der Wickel zwischen der A- und der B-Klasse auf. Zuletzt zerstörten sie einander alle schon gebauten Römerstadt-Teile.

Doppelseite aus dem bebilderten Buch
Doppelseite aus dem bebilderten Buch „Wie wir den Frieden lernten“

Überraschender Schluss

Soweit die immer heftiger werdende Vorgeschichte in den ersten sechs Kapiteln – folgerichtig mit römischen Ziffern angegeben – des bebilderten (Illustrationen: Nini Alaska) Buches „Wie wir den Frieden lernten“ (Idee und Text: Annika Klee). Der spannendste Teil kommt am Ende. Auch wenn in den Buchbesprechungen hier sehr oft ein überraschender Schluss nicht verraten wird, so gibt’s hier – teilweise eine Ausnahme. Es bleibt genug Spannendes auf den 32 Seiten zu lesen und zu schauen.

Also, es naht der Tag der Präsentation des Projekts für die Eltern. Wiederaufbau all des Zerstörten geht sich zeitlich gar nicht aus und Hilda hat obendrein eine viel treffendere Idee: Die Besucher:innen sollen die Ruinen sehen. Aber nicht um Ausgrabungen darzustellen, sondern samt Erklärungen, wie es in dem Fall zu diesem „Krieg“ der beiden Klassen gekommen ist. Samt einem Büchlein, in dem die Kinder die Aufschaukelung der gegenseitigen Angriffe vom kleinen Missgeschick auf den Stiegen bis zur kompletten Zerstörung aller Gebäude schildert.

Titleseite des  bebilderten Buches
Doppelseite aus dem bebilderten Buch „Wie wir den Frieden lernten“

Lehren

Szenisch verklickerten die Kinder ihren Eltern, was sie daraus gelernt hatten – unter anderem zu überlegen, ob die Reaktion die richtige ist, oder nicht vielleicht auch zu fragen, ob etwas wirklich absichtlich erfolgte. Und den Mut, nicht immer bei allem mitzumachen, vor allem, wenn du spürst, es fühlt sich nicht richtig an…  

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Doppelseite aus dem bebilderten Buch
Titleseite des bebilderten Buches „Wie wir den Frieden lernten“
Szenenfoto aus "Wurst, Obst, Stirbst"

Heftiges Lachen über schiache Zustände und innere Seiten

„Wurst, Obst, Stirbst“ – schon der Titel der Fortsetzung von „Ein bescheidener Vorschlag“ mit dem das Herminentheater den Nestroypreis für die beste Off-Theater-Produktion 2022 gewonnen hatte, greift in die Kiste des schrägen Humors. Sagen Sie sich einmal den neuen Stücktitel (halblaut) vor 😉

Vieles, auch sich selbst und das Publikum auf der Schaufel

Der Mut zur Hässlichkeit mit der die Figuren geschminkt und kostümiert (Eva-Maria Mayer) sind, der bei einem Erstbesuch vielleicht noch anfänglich Bedenken im Kopf entstehen lässt – „wäre das Body-Shaming über solche Charaktere zu lachen?“ – verfliegt bald. Die Typ:innen nehmen sich selbst und (hin und wieder) das Publikum auf die Schaufel. Und „entblößen“ vielleicht in ihrem bitterbösen-satirischen Schauspiel die eine oder andere dunkle Seite auch von Zuschauer:innen. Etwa wenn’s um die Verfrachtung der alten Frau Scherer (wunderbar schräg Ambra Berger) ins Pflegeheim geht und diese im Glauben lassen, es wäre nur ein kurzer Urlaub.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wurst, Obst, Stirbst“

Foto für die Medien

Eingebaut in komisch-schreckliche Szenen im Altersheim, sind „natürlich“ wieder solche der Polit-Satire: Der Bürgermeister (bitterbös Ida Golda, die auch Scherers Tochter spielt) ist Spritzwein-Fan und die Landeshauptfrau (Peter Bocek, auch Scherers Sohn und Arzt im Pflegeheim) ist keine Freundin von Gendern, weswegen sie lieber ein -mann am Ende ihres Titels trägt. Ach, natürlich brauchen sie ein nettes Foto mit Insaßinnen des Altersheimes für die Medien. Da ist es allen Beteiligten egal, dass die eine nur eine Aufblaspuppe, die von Pflegerin Lacrimosa mit östlichem Akzent (Anja Štruc) gehalten wird und die andere schon tot ist – „wurscht, ob’st stirbst“ sozusagen. Beim Gruppenfoto darf der schmierige Heim-Leiter (Kristóf Szimán) nicht fehlen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wurst, Obst, Stirbst“

Krieg & Krieg

Traten die Bouffons im Vorgänger-Stück immer wieder aus ihren genannten Rollen raus und verwandelten sich in Schauspieler:innen kürzest parodierter Shakespeare-Szenen, so nehmen sie sich dieses Mal russische Klassiker vor – „ja darf man das jetzt überhaupt?!“ Und so steht unter anderem „Krieg und Krieg“ von Leo Toystory (ausgehend von Lew Tolstois berühmten Roman „Krieg und Frieden“) auf dem Spielplan des Quintetts.

Mitunter gelingt der Versuch einen fulminanten Erfolg zu wiederholen nicht genau so gut wie beim ersten Mal – das muss, jedenfalls nach dem Besuch der zweiten Vorstellung drei Tage nach der Premiere – hier festgestellt werden. Menschen, die das Vorgängerstück nicht gesehen haben, waren dennoch ebenso sehr überzeugt wie eine offenbar eingefleischte Fangemeinde.

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Noch bis Ende Mai (29.) ist das Stück vorläufig im TAG (Theater an der Gumpendorfer Straße, Wien-Mariahilf) zu erleben – Detailas siehe Info-Box am Ende des Beitrages.