Ein bissl genervt von den vielen Anhänger:innen, die ihm bis zum Schlafzimmerfenster folgen, ruft der Messias in dem filmischen Monty-Python-Komödien-Klassiker „Das Leben des Brian“ diesen zu: „Ihr braucht mir nicht zu folgen. Ihr braucht niemandem zu folgen. Ihr seid alle Individuen…“ Da ruft einer aus der Masse: „Nein, ich nicht!“
Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen; zu sich selbst zu stehen; Menschen nicht abzulehnen, nur weil sie jeweils vorgegebenen Normen nicht entsprechen; Akzeptanz von Vielfältigkeit, von Unterschieden, von (scheinbar) Fremdem… – das sind seit „ewig“ Themen in vielen Kinder- und Jugendbüchern. Für sehr junge Kinder sei nur kurz an die Mira-Lobe-Klassiker „Die Geggis“ oder „Das kleine Ich-bin-ich“ erinnert.
In Jugendbücher-, -stücken- und filmen spielen diese Themen mindestens so oft eine wichtige Rolle. Außerdem heißt es doch rundum, nicht zuletzt „die Wirtschaft“, ja die Gesellschaft brauche Leute, die kreativ sind, neue Lösungen zumindest suchen, „out oft he box“ denken.
Ein Autor, der etliche Bücher darum kreisen lässt, ist Andreas Steinhöfel (u.a. die Buchserie rund um „Rico, Oskar und…“). Sein Buch „Anders“ (vor rund zehn Jahren zum ersten Mal erschienen), das schon den entsprechenden programmatischen Titel trägt, wurde jüngst in einer – für das Mainzer Staatstheater dramatisierten Fassung (Anne Bader, Katrin Maiwald) – im Wiener Theater Akzent (Auf den Punkt. Kulturverein, Regie: Florian Wischenbart) zwei Mal aufgeführt – hoffentlich folgen noch weitere Vorstellungen, wo auch immer.
Anders hieß anfangs Felix Winter. An seinem 11. Geburtstag erleidet er knapp hintereinander zwei heftige Unfälle, landet im Koma – 263 Tage (genauso lange war seine Mutter mit ihm schwanger gewesen. Als er wieder aufwacht, kann er sich an nichts mehr erinnern. Dafür hat er eine neue Fähigkeit: Er kann bei Menschen Erkrankungen erkennen, von denen diese (noch) nichts wissen. Und er wurde ziemlich distanzlos und schleudert seinem jeweiligen Gegenüber die eigene Meinung voll ins Gesicht. Und weil er nun anders ist – obwohl er es gar nicht vergleichen kann – nennt er sich ab einem gewissen Zeitpunkt Anders. Was nicht alle akzeptieren, beispielsweise tut sich die Mutter mehr als schwer damit.
Ein Mitschüler und dessen besten Freund mit denen damals noch Felix oft gemeinsam unterwegs war, freut sich, dass der nunmehrige Anders durch seine Amnesie von einem dunklen Geheimnis des Trios nichts mehr verraten kann.
Alles weder aus dem Buch noch aus dem Stück sei hier natürlich nicht verraten. So viel aber schon, dass Anders offenbar selbstbewusster, stärker und offener geworden ist als es Felix war. Nicht nur, weil damit so manche Menschen in seinem Umfeld nicht klar kommen, sondern weil auch er zeitweise überfordert ist, sieht er eines Tages kaum noch einen Ausweg… Gespoilert werden darf wohl doch, dass es sozusagen ein Happy End gibt.
Das Buch von Steinhöfel ist natürlich mit seinen rund 230 Seiten vielschichtiger, weist Nebenstränge und -Figuren auf, die in der Bühnenversion gar nicht vorkommen. Zeichnet sich durch viele scheinbar abschweifende, aber tiefgründige Gedanken Jugendlicher übers Heranwachsen sowie die Beziehung zu Eltern, Lehrer:innen, Mitschüler:innen, zu Ehrlichkeit und Verletzlichkeit und vieles mehr aus. Auf einer Ebene und in einer Sprache, wie sie viele Jugendliche sich fast tagtäglich stellen.
Trotz dieser Vielschichtig- und -seitigkeit bringt die Bühnenversion in dieser Inszenierung die wesentlichen Stränge und Gedanken mit in das eineinhalbstündige Stück. In der Wiener Fassung spielt lediglich Damyan Andreev, der Anders / Felix großartig glaubaft verkörpert „nur“ eine Rolle. Seine Kolleg:innen Maximilian Modl, Lisa-Carolin Nemec, Adrià Just-Font und Birgit Linauer switchen von Vater zu Freund, Ärztin zu Lehrerin und obendrein Marionettenspielerin für ein schräges Huhn, gefährlicher Freund zu ehemaligem Nachhilfelehrer, Mutter zu neugieriger Nachbarin – und alle vier jeweils Erzähler:innen.
Neben szenischem Spiel, rückt immer wieder die eine oder andere Figur in den Fokus, per Kamera und Projektion in Nah-Aufnahme wird deren Sichtweise auf die Ereignisse ins Zentrum gerückt (Bühne & Videodesign: Vanessa Eder Messutat). Manches Mal führt das Runter- und Rauffahren der Projektionswände allerdings fast zu Unterbrechungen des Geschehens.
Fraglich ist, ob es in einer der wohl ernstesten Szenen wirklich notwendig war, dass sich der Hauptdarsteller neben seiner seelischen Entblößung auch körperlich bis auf die Unterhose entblättert. Erwartbar führte dieses bei den jugendlichen Zuschauer:innen zu Gelächter, was die Stimmung gerade dieser heiklen Momente doch recht störte
Mit Laurin Orlando Franek und Noah Fida baut diese Inszenierung noch zwei junge Musiker ein, die immer wieder zwischendurch auftreten und zum Teil selbst geschriebene Songs zu eigener Gitarrenbegleitung singen – die eine Meta-Ebene zur Handlung einziehen, teils kommentierend, teils hintergründig, teils erweiternde Gedanken.
Und auch wenn seit einigen Jahr(zehnt)en betont wird, wie wichtig, eigene Wege, Eigenständigkeit, Vielfalt, Kreativität sind, herrscht doch immer wieder Druck auf Uniformität, die häufig mit Gemeinschaft „verwechselt“ wird. Fremde und Fremdes wird wieder mehr zu Feindlichem, Abweichungen in der schulischen Praxis oft eher bestraft als gefördert…
Meist sind es schwarz-weiß (Bleistift-)Zeichnungen, die die Doppelseiten dieses Bilderbuchs illustrieren. Durchgängig vermitteln sie den Eindruck an vergangene Zeiten und Situationen. Ein Mann tourt mit seinem Sohn in einem alten Auto mit offener Ladefläche – vollgeräumt mit auch recht alt wirkenden Gepäcksstücken. Autorin Orit Gidali (Übersetzung aus dem Hebräischen: Lucia Engelbrecht) und Illustratorin Tami Bezaleli lassen ihn Erinnerungen sammeln. Das ist sein Geschäft, heißt das Buch doch „Der Erinnerungshändler“.
Wirkt beim allerersten Blick auf den Titel seltsam. Und dann doch wieder nicht. Erinnerungen sind – gerade in Buchform – ein gar nicht so seltenes Geschäft, handelt doch jede (Auto-)Biographie von Erinnerungen ebenso wie historische Romane…
Und dennoch ist diese – in Worten und Bildern – poetische Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln außergewöhnlich. Das Duo, der Sohn im Kindesalter ist ständiger Begleiter seines Händler-Vaters, trifft auf einen alten Mann. Weshalb der Geschäftsmann denn so was abgenutztes, noch dazu unvollständiges haben wolle, wundert er sich.
Trotz all seiner Bedenken entschließt sich der Alte die Erinnerung an seine große Liebe, die verstorbene Ehefrau Rosie – übrigens die einzige Person ist, die im ganzen Buch einen Namen trägt – zu verkaufen. Das fällt ihm dann doch alles andere als leicht – große Trauer kennzeichnet sein Gesicht. Außerdem haut ihn der Händler übers Ohr und zahlt extrem wenig. Noch dazu, wo dieser unbedingt diese, weil eine der wenigen schönen, Erinnerungen erstehen will.
Bald nach dem Deal bereut der alte Mann seinen Verkauf und …
… nein, hier wird nicht gespoilert wie’s weiter- und ausgeht. Auch wenn die konkrete Handlung nur vordergründig im Zentrum des Buches steht. Eintauchen in vielleicht eigene Erinnerungen, nachdenken rund um diese, aber auch generell dieses Thema – das stößt dieses Buch auf unaufdringliche Weise an.
Erinnerungen. Das war doch damals so… Nein, es war ganz oder wenigstens ein bisschen anders. Nicht nur, wenn verschiedene Menschen über ein und dasselbe Ereignis reden weichen Erzählungen voneinander ab. Auch die eigene Erinnerung kann sich im Laufe der Zeit verändern – vielleicht die Erinnerung selbst oder aber die Sichtweise auf das Geschehene, Gefühlte. Nicht selten spielt Verdrängung eine große Rolle – etwas nicht wahrhaben wollen. Oder es möglichst schnell aus dem Gedächtnis löschen wollen, sowohl dem eigenen als auch dem vieler anderer. „Nein, wir haben nicht mitgemacht… als Böses getan wurde.“ Oder umgekehrt, „Ja, klar, wir waren dabei, als so Großes geschehen ist…“
Die einen kramen in ihnen, suchen bei anderen, manchmal auch sich selbst, nach solchen, um Heutiges auch besser verstehen zu können oder wollen. Andere werfen sie über Bord, wollen nichts mit eigenen Taten oder Gedanken zu tun haben…
Unendliche weiße Weiten. Schnee und Eis. Kälte. Doch dieser nicht ganz 1½-stündige Kinofilm verströmt große Wärme. Wobei nicht diese der erzählten Geschichte, sondern die gestiegenen echten Temperaturen die Ausgangsbasis für „Die Abenteuer von Kina & Yuk“, einem Polarfuchs-Pärchen, bilden.
Sie schneeweiß, er grau-schwarz verlieben sich ineinander. Ganz nahe kommt die Kamera an die verspielte Füchsin und den Fuchs heran. Übrigens auch an viele der anderen Tiere – Eisbärin, Hermelin, Polarhase, Wölfe, weniger nahe an die Karibus (nordamerikanische Variante von Rentieren).
Die Grundgeschichte wird im Film – und in dessen Bewerbung – „frei erfunden nach wahren Begebenheiten“ genannt. Das Pärchen ist dabei sich zu vermehren. Doch eines Tages knarzt und kracht es im eisigen Untergrund – als würde ein Ungeheuer im Inneren sein Unwesen treiben“ heißt es im Film, der Mitte Jänner (2025) in die Kinos kommt. Das Eis spaltet sich, Yuk bleibt letztlich auf einer kleiner und kleiner werdenden Scholle zurück. Kann nicht mehr zu Kina. Natürlich vorerst, denn nach nicht ganz 80 Minuten gibt’s „natürlich“ ein Happy End.
Bis dahin muss sich die werdenden Mutter gegen einen Rotfuchs, der auch nur wegen der Klima-Erwärmung in diese nördlichen Regionen vordringt. In Wahrheit ist es dieselbe Ursache, die „ewiges“ Eis zum Schmelzen bringt. In der Suche nach Nahrung landet die Polarfüchsin in der nächsten menschlichen Ansiedlung, im Film Jack City genannt. In echt heißt die Stadt Dawson City im hohen Norden Kanadas wo 2023 gedreht wurde. Kina wird in der Stadt von den Wachhunden ebenso bedroht wie von Wölfen, die nachts in die Ansiedlung kommen. Also muss sie wieder weiter flüchten – folgt einer Herde von Karibu.
Parallel kämpft Yuk ums Überleben, seine Insel schrumpft, er droht ins eiskalte Wasser zu fallen bis ihn ein Jäger in seinem Boot rettet an „Land“, sprich zusammenhängendes Eis bringt, von wo aus sich der Polarfuchs auf die Suche nach seiner Lebensgefährtin macht – und auch so manche Abenteuer und Kämpfe bestehen muss, bis…
Neben der vielleicht gar zu märchenhaften Story spielen die teils überwältigenden Landschafts- und Tier-Aufnahmen die Hauptrolle. Amt der „nebenbei“ vermittelten Botschaft, sich für den Erhalt dieser von der Klima-Erwärmung bedrohten Natur einzusetzen.
Guillaume Maidatchevsky, Regisseur und – gemeinsam mit Guillaume Lonergan – Drehbuch-Autor, dieses Kinofilms „verrät“ in einem Interview mit Ingrid Pohu, das sich in den Medien-Unterlagen findet, wie er zur Story gekommen ist: „Vor etwa fünf Jahren las ich in Kanada einen Zeitungsartikel mit dem Foto eines Polarfuchses, der auf einer Eisscholle gefangen war. Die Fischer, die ihn retteten, erzählten, wie sie das zitternde Tür gefunden hatten. Damit sich der unterkühlte Polarfuchs aufwärmen konnte, steckten sie ihn zunächst in eine Kiste, bevor sie ihn wieder freiließen.
Beim Lesen fragte ich mich, woher dieser Polarfuchs kam, welchen Weg er zurückgelegt hatte und was wohl aus ihm wurde? Ich bin von dieser wahren Geschichte ausgegangen, um das Drehbuch zu schreiben. Für mich trägt dieses ausdrucksstarke Bild des Fuchses auf der Eisscholle bereits eine Dramaturgie in sich. Genau danach suche ich, wenn ich einen Film mache.“
Der gelernte Biologe schildert in diesem Gespräch auch, wie es überhaupt gelungen ist, so nahe an die Tiere heranzukommen: „Am Set entstand vom Kamerateam um die Tiere herum ein „Kreis des Vertrauens“. Das ist wie ein Ballett zwischen den Tieren und uns. Je nachdem, wie sie sich verhalten, betritt man diesen Kreis oder tritt aus ihm heraus. Wenn ein Tier etwas gestresst ist, entfernt man sich, wenn das Tier cool drauf ist, nähert man sich ihm wieder mehr…“
Auch wenn es sich – noch dazu um bunte – Hasen handelt, beginnt diese fantasievolle Bilderbuchgeschichte zu Weihnachten. Da bekommt Anna auf der ersten Doppelseite (rechts die gemalten Bilder, links jeweils der wenige Zeilen starke Text) eine rote Häsin als Kuscheltier geschenkt – und nennt sie offenbar Lilly. Die kann sie aber nicht überall mitnehmen. Was tun, soll sich Lilly doch nie einsam fühlen.
Und da lässt der Autor und Illustrator in Personalunion, Willy Puchner, Anna im Traum einen Spielgefährten für ihre Lilly erscheinen, den roten Hasen Billy. Und da entfaltet Puchner – wie in vielen anderen Bildern und Büchern – seine Fantasie voll: Dieser Billy schwebt in einer Art Gondel, die von einem riesigen Wal getragen wird, über Annas Bett.
Bevor dieser Billy endlich gegen Ende auf Lilly trifft, lässt ihn Puchner auf vielen Seiten die ver-rücktesten Abenteuer erleben. So trifft der rote Hase unter anderem auf einen Mini-Tiger im Sonnenblumen-Wald, sieht ein vielköpfiges Monster, versteckt sich hinter Schnee-Eulen, trifft einen Clown sowie einen Zauberer und…
Gemeinsam mit Lilly tauchen sie dann in Musik ebenso ein wie ins Tanzen. Allerdings geht bei Vielem die Initiative eher von ihm aus als von ihr. Als hätte sie fast wie Dornröschen auf die Erlösung durch – in dem Fall einen tierischen – Prinzen gewartet.
Abgesehen von diesen eher überkommenen Geschlechter-Rollen nimmt der Autor und Illustrator dich mit Bildern und Texten mit auf eine (tag-)träumerische Fantasie-Reise. Du kannst die (Gedanken-)Bilder weiterspinnen und vielleicht auch Lilly aktiver werden und so manch schräge Abenteuer erleben lassen.
Selten so viel gelacht bei einem hochphilosophischen Thema. In ihrer bewährten, irgendwie einzigartigen Weise thematisiert die Performance-Gruppe „schallundrauchagency“ diesmal „Gott und die Welt“ – wie die Performance vor ein paar Jahren hieß und nun unter dem Titel „Wir und die Welt“ wieder aufgenommen wird. Hier wird die Stückbesprechung – damals noch im Kinder-KURIER – neu veröffentlicht – mit dem neuen Titel und den aktuellen Spielterminen im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier.
Humorvoll werden Grundfragen nach der Entstehung der Welt, der (Nicht-)Existenz von Göttern – und Göttinnen – stark rhythmisiert schauspielerisch, tänzerisch, musikalisch in Szenen gesetzt. Ganz ohne Aufforderung klatschten die Kinder bei der Vorstellung die der KiKu-Reporter besuchte spontan mit. Und stimmten gegen Ende bei der „Konzil“-Szene selbst für die Performer_innen überraschend ab. Eine sehr unterhaltsame, inhaltsreiche Stunde, bei der alle Kinder und jungen Jugendlichen sowie die Erwachsenen die ganze Zeit voll dabei waren und mitgingen.
Zwischen einem Hochsitz wie er von Ballsportarten übers Netz (Tennis, Badminton, Volleyball) bekannt ist, einer Hängematte, die mit Decken und Matten gefüllt ist, einer Gitarre und einem Tisch, auf dem drei Akteur:innen sitzen und der vierte auch noch Platz finden will, starten die vier mit einem unhörbaren zwanglosen Geplauder, erheben sich und beginnen zu singen – den „Circle of Life“-Song Elton Johns für den Disney-Film „König der Löwen“. Diesen lassen sie nahtlose übergehen in ein lebensfrohes Lied, das Anklänge an heitere Kirchenchöre afrikanischer Messen hat und mit dem sie das Publikum begrüßen. „Ich glaube ans Singen, daran dass die erste Palatschinke nie was wird, dass 13 eine Glückszahl ist…“, bringen den ersten Einstieg ins Thema als solches.
Wie immer bringen die Akteur:inen – René Friesacher, Elina Lautamäki, Gabriele Wappel, Martin Wax – viel Persönliches in den Entstehungsprozess des Stückes, den sie auch kurz auf offener Bühne Preis geben, ein: Vom verstorbenen Opa und dem Kater Iwan, vom Dasein als Sängerknabe, der Fähigkeit überall und jederzeit einschlafen zu können… Für die in den Erzählungen vorkommenden Figuren reichen oft Decken, eine Matte, ein Stock usw. Hin und wieder wird von solchen geschilderten Begebenheiten der Bogen zum Grundthema hergestellt. „Welcher Gott denkt sich so was aus?“ wie den Tod des geliebten, hilfsbereiten Opas?
Von Begegnungen in Kirchen (Christentum), einer Synagoge (Judentum), einer Moschee (Islam) sowie mit Buddhisten, der Frage nach Gott, Göttern oder auch Göttinnen und nicht zuletzt jener nach der Entstehung der Welt werden aufgeworfen, hin und her gespielt. Am Anfang war das Nichts, aus dem Alles wurde, als das Nichts sich schief legte ist beispielsweise eine der Thesen.
Und was, wenn es ihn/sie gäbe – was stünde auf der Wunschliste von deren Aktivitäten? Alle Menschen müssten mit Superkräften ausgestattet werden. Es sollte jeden Tag Schokolade regnen, alle Abgase würden nach Blumenduft riechen, alle Tiere wären heilig.
Als einer erzählt, bei einem Radausflug Gott getroffen zu haben, bricht eine offene Debatte, ja sogar ein Streit mit Kampfansätzen aus – Ja?! Nein, kann nicht sein! Vielleicht? Lösung: ein Konzil muss her – das Wort wird nicht erklärt, sondern einfach dargestellt – Zusammensitzen in feierlichem Rahmen und Standpunkte austauschen – oder einfach sagen. Und dann darf das Publikum abstimmen. Darüber, ob das sein könnte. Darüber auch, wie die Welt entstanden sein könnte, ob das Huhn vorm Ei da war und ob ein Butterbrot immer auf die Butterseite falle. Wie auch immer: Des Konzils weise Entscheidung: Jede/r kann glauben, was sie/er will! Und: „Wir wissen nicht viel über das Universum, aber wir freuen uns über Gott und die Welt und über euch und uns!“ schließt sich der musikalische Kreis zum Stückbeginn.
Erstveröffentlicht im Kinder-KURIER
„Alles Walzer”, sind die bekannten Worte nach der getanzten Choreografie bei großen Bällen. Derselbe Tanz eröffnet in Österreich das neue Jahr – zu den Klängen des der „blauen Donau“ gewidmeten Musikstückes von Johann Strauss (Sohn). Diesem Komponisten ist das ganze Jahr 2025 (anlässlich der 200. Wiederkehr seines Geburtstages) mit unzähligen Veranstaltungen gewidmet – Ausstellungen, Konzerte, sogar ein Escape-Room (im MuseumsQuartier) – hinein in den Strauss-Kopf und wieder aus seinen (möglichen) Gedanken. Und natürlich Musiktheater. Und dies nicht nur in Operetten-„Seligkeit“.
Die erste ungewöhnliche Strauss-Musik-Performance machte schon den Auftakt zum Jahreswechsel mit „Countdown feat. Martin Grubinger Superband“. Der weltberühmte österreichische Schlagzeuger und Percussions-Künstler arrangierte den Donauwalzer neu – um ihn auf dem Wiener Rathausplatz ab Mitternacht mit 100 Menschen, die sich im Vorfeld gemeldet hatten, gemeinsam zu musizieren.
Das erste Stück für ein junges Publikum spielte sich im Theaterhaus für junges Publikum, dem Dschungel Wien im MuseumsQuartier, ab: Ein Gastspiel aus der Schweiz unter dem Titel „Valse, Valse, Valse“, sozusagen dem französischen Gegenstück zu „Alles Walzer“. Hin- und mitreißend dreht sich in der einstündigen Aufführung aber gar nicht alles um Walzer. Vielmehr bildet dieser Tanz, in den Anfängen eher von kirchlichen und anderen Obrigkeiten verpönt, weil zu viel Nähe und auch Ausgelassenheit erlaubend, ja viel mehr noch erfordernd, den durchgängigen Hintergrund für Lebensfreude, aber auch Spiel mit (Geschlechter-)Rollen.
Die herr-schenden Vorgaben für Führung und mitmachendem Dreinfügen werden von Simea Cavelti, Neil Höhener, David Speiser und Momo Tanner bald durchbrochen. Männer tanzen mit Männern, die als Röcke bzw. Hosen angedeuteten Reifröcke bzw. entsprechende kurze Hosenbeine (Kostüm: Diana Ammann) wechseln fast fliegend ihre Benutzer:innen. Mal schlüpft eine der Tänzerinnen in die Rolle der Monarchin, vor der die anderen drei knien oder sich gar zu Boden werfen. Dann wieder verwandelt sich das Quartett mittels pastellfarbenen, fast monströsen Perücken in Hofdamen.
Und während die vier oder manchmal auch nur einige davon auf der Bühne tanzen und ihre immer wieder auch übertriebenen und damit witzig wirkenden Bewegungen in einem großen hoch hängenden ovalen Spiegel neue Perspektiven eröffnen, spielen live die Musiker:innen Joachim Flüeler (Cello), Marie Jeger (Bratsche) sowie Sebastian Loetscher (Geige). Die Musik ist bei Weitem nicht nur von Strauss, auch nicht nur von seinen Brüdern oder seinem Vater. Xenia Wiener (musikalische Leitung) hat klassische tanzbare Musik teils neu arrangiert – mit vielen Tempowechseln.
Das Streich-Trio – wobei die Musiker:innen ihre Instrumente manches Mal auch zupfend oder percussionierend spielen – ist aber mehr als nur Begleitung. Zusammen- und Wechselspiel mit den Tänzer:innen (Choreografie und künstlerische Leitung: Johanna Sofia Heusser) kennzeichnen die beschwingte, teils schräge, stellenweise witzige Performance. In einer Szene legt Marie Jeder ihre Bratsche zur Seite und reiht sich ein in die Tanzrunde. Apropos Runde, die vier Tänzer:innen zelebrieren den ¾-Takt in unterschiedlichsten Gruppen-Konstellationen – zu viert in verschiedenen Formationen – als Reihe, Runde, Viereck…
Wie vertraut die vier Tänzer:innen unter- und miteinander agieren zeigt die – phasenweise schon befremdliche – Szene, in der sie Kaugummi von- und miteinander aus ihren Mündern teilen.
Ein bisschen schwierig gestaltet sich das Ende – in den letzten zehn Minuten wirken mehrere Szenen so, als würden sie den Abschluss bilden, bei der Wien-Premiere lud eine davon dann auch einen Gutteil des Publikums zum Schluss-Applaus ein. War aber nicht so (Dramaturgie: Fiona Schreier, Johanna Hilari).
Zu erleben ist „Valse, Valse, Valse“ nun noch bis einschließlich 9. Jänner, eine Wiederaufnahme erfolgt Anfang April rund um den „Fledermaus“-Tag – dem Jahrestag der Uraufführung der bekannten Strauss-Operetten. Da spielt sich – nicht nur, aber vor allem im MuseusmQuartier – vieles rund um Fledermäuse ab – von „flatterhaften“ Trickfilmen, die Kinder im Zoom Kindermuseum produzieren können über eine einschlägige Biodiversitäts-Show bis zur Premiere von „Fledermäuse“, der neuesten Produktion des Performance-Kollektivs „schall und rauch agency“ im Dschungel Wien.
Ein hoher Bretterzaun, eine davor hängende (Energiespar-)Lampe – noch nicht leuchtend – und ein Erdhügel. Minimalistisch präsentiert sich die Bühne (Besim Morina, Harald B. Thor) dem Publikum im zum Burgtheater gehörenden Wiener Akademietheater. Die Kulisse für das folgende einstündige – wieder aufgenommene – Solo „Der Bau“.
Max Simonischek, geschminkt und angekleidet (Modedesign Basman) als Mischung aus Grubenarbeiter und erdbewohnendem Tier lässt diesen 31-seitigen Text von Franz Kafka lebendig werden. Das Wesen im Untergrund sieht diesen „Bau“ als seine schützende Festung. Geräusche nimmt es als Bedrohung wahr. Allein da drinnen fühlt es sich wohl. Einmal rausgekommen in der Freiheit, ängstigt diese mehr als das sich selber einsperren unter der Erde in dem begrenzten eigenen zu Hause. Sozusagen „my home ist my castle“ (mein Zuhause ist meine Burg/ Festung).
Sowohl die angsterfüllende Grundstimmung vor der Bedrohung seines Baus als auch seine unbändige Lust und Leidenschaft, durch Graben in seiner Erdhöhle, diese sicherer zu machen, sind dem Schauspieler in das durch – spärliches – Licht zu sehende Gesicht geschrieben. Rast- und ruhelos buddelt er – meist in körperlich gebückter – Haltung in dem Erdhaufen. Irgendwann vernimmt er bedrohliche Geräusche – im Theater durch unheimliches den ganzen Raum erfassendes Grollen zu hören.
Schauspiel und wenig Licht (Licht: Marcus Loran; Sounds-Beratung: Daniel Freitag) vermitteln die Stimmung der Bedrohung, die das erzählende Wesen empfindet – und ebenso dieses gleichzeitig sich selber Einsperren im „Bau“, der Festung oder eines unterirdischen selbstgeschaffenen (gedanklichen) Kerkers.
Die im Jahr vor seinem Tod – unvollendete – Erzählung Kafkas wurde von Simonischek schon vor zehn Jahren am Züricher Neumarkt Theater entwickelt. Und passt leider hervorragend ins Zeitalter der wieder verstärkt an Festungen bauen wollenden rechtsrechten politischen Kräfte. Fürs Programmheft der Wiener Aufführung sagt der Solo-Schauspieler, der auch Regie führte im Interview mit Burgtheater-Dramaturgin Christina Schlögl: „Der erste Grund den Text zu machen, weil rein spielerischer. Während der Arbeit an dem Monolog im Jahr 2015, dem Jahr, das unter der Überschrift „Wir schaffen das“ stand und in dem Geflüchtete und die EU-Außengrenzen ein Riesenthema waren, hat der Text jedoch eine politische aktuelle Gewichtung bekommen, die ehrlich gesagt so gar nicht von mir beabsichtigt war. Aber im Nachhinein kann ich sagen, dass sich zeitlose Texte oder besonders gute Texte eben genau dadurch auszeichnen, dass sie immer wieder an Aktualität gewinnen.“
Kinder können in Kenia statt auf der Straße zu leben in einem Bett schlafen. Junge Frauen in Nepal stehen dank Bildung und kleinen Start-ups auf eigenen Beinen und landen nicht in den Fängen von Menschenhändlern. Ureinwohnerinnen in Brasilien wird dabei geholfen, mutig für ihr Land eintreten zu können, statt durch die Abholzung des Regenwaldes in städtische Slums verdrängt zu werden. Das Menschenrechtsbüro des Erzbistums von Guatemala (ODHAG) begleitet seit Jahren die Opfer des Völkermordes an den Maya Ixil. Mehr als 1.400 Menschen verloren Anfang 1982 in jenen drei Gemeinden, die zum Siedlungsgebiet der Ixiles gehören, ihr Leben. Ihre Familien haben Jahrzehnte darauf gewartet, dass die Verantwortlichen für diese Gräueltaten vor Gericht gestellt werden.
Das sind nur vier Beispiele von rund 500 Projekten, die durch Spenden aus der Dreikönigskation mit Projektpartner:innen in den jeweiligen Ländern und Regionen möglich bzw. unterstützt werden. Rund 85.000 Kinder und Jugendliche wandern in ganz Österreich derzeit – bis zum namensgebenden Feiertag – als Sternsinger:innen von Tür zu Tür.
Dabei werden sie von rund 30.000 Erwachsenen begleitet bzw. unterstützt. Diese alljährlich riesige internationale Hilfsaktion der Katholischen Jungschar kommt wie erwähnt 500 Hilfsprojekte in Armutsregionen der Welt zugute. Seit dem Start im Jahr 1954 sind insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Euro (540 Millionen) an Spenden zusammengekommen, allein rund um den Jahreswechsel 2023/24 waren es mehr als 19 Millionen.
Zurück nach Guatemala und den Völkermord an den Maya Ixiles: Im April 2024 begann endlich der Prozess gegen den ehemaligen General Manuel Benedicto Lucas García. Die Beweise waren erdrückend: 75 Zeug:innenberichte, 55 Gutachten, fast 100 Verhandlungstage. Ein Urteil schien zum Greifen nahe. Doch wenige Tage vor der geplanten Urteilsverkündigung erklärte ein Berufungsgericht das Verfahren für ungültig. Der Prozess muss von vorne beginnen, und viele Zeuginnen, die unter Tränen von Vergewaltigungen und Ermordungen berichteten, müssen erneut vor Gericht aussagen. Für die Überlebenden ist dies ein schwerer Rückschlag – ein weiteres Hindernis auf ihrem langen Weg zur Gerechtigkeit.
Um den Kampf um Gerechtigkeit und Menschenrechte zu unterstützen fließen Spenden aus der Aktion der Sternsinger:innen an die Partnerorganisation in Guatemala.
helfen-macht-den-kindern-spass <– damals noch im Kinder-KURIER
Am letzten Sonntag des Vorjahres hat es mich zur aktuellen Ausstellung „The lives of women“ von Mary Ellen Mark im WestLicht in der Westbahnstraße 40 (1070 Wien) gezogen, einem Museum für alle Foto-Enthusiastischen. Die amerikanische Fotojournalistin Mary Ellen Mark hat im Laufe ihres Lebens an unterschiedlichen außergewöhnlichen Orten fotografiert und Menschen vor die Linse genommen, die in der Gesellschaft eher unsichtbar sind. Beliebt waren bei ihr Frauen. Die Fotografien sind (meistens) schwarz-weiß, echt und ungefiltert.
Besonders berührt hat mich eine Szene von sehr jungen Artistinnen einer indischen Wanderzirkusfamilie, die sich für die Aufführung fertigmachen. Oder ein anderes Bild, das zwei Mädchen zeigt (Titel: Amanda und ihre Cousine Amy). Das eine blickt rauchend in die Kamera, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, obwohl es nach meiner Einschätzung nicht einmal 10 Jahre alt ist. Mary Ellen Mark war an Ausreißerinnen und an Frauen interessiert, deren Lebensgeschichte nicht prototypisch ist. So auch Patientinnen einer psychiatrischen Klinik oder Sexarbeiterinnen. Mit der damals 13-jährigen Tiny, die prostituiert war, entwickelte sich sogar eine lange Freundschaft und sie ist immer wieder vor Marks Kamera getreten. Eine sehr ausdrucksstarke Einzelaufnahme ist „Tiny in ihrem Halloween-Kostüm“, das die Flyer für die Ausstellung ziert.
Mary Ellen Mark hat sich auch für Zwillinge interessiert und sie bei jeder Gelegenheit fotografiert (z.B. Sue Gallo Baugher und Faye Gallo). Die Ausstellung wirft ein Licht auf Menschen und Themen, die oft im Dunkeln sind. Die „unschöne“ Realität wird vermenschlicht und ist dadurch schön.
Stefanie Kadlec
KiJuKU: Wie sieht deine Arbeit im „WestLicht“ aus?
Luca Wellenzohn: Ich mache hier seit anfangs Dezember das Frontdesk-Management, also ich bin für die Abläufe zuständig, die tagsüber hier an der Bar und an der Kassa (sind). Hauptsächlich Tickets ausstellen, Jahreskarten ausgeben, Mitgliedschaften organisieren und an der Bar Getränke ausgeben oder bedienen. Bisschen gucken, dass hier im Museumsbetrieb alles läuft und dass nicht irgendwelche Unordnung entsteht.
KiJuKU: Und wie kommst du überhaupt zu diesem Job?
Luca Wellenzohn: Ich bin im Februar des Vorjahres nach Wien gezogen, ohne große Planung hergekommen und habe nach Jobs gesucht. In meiner Freizeit bin ich selber viel am Fotografieren und kenne das Haus von da. Seitdem ich in Wien bin, habe ich auch jede Ausstellung hier gesehen und habe dann einfach mal eine Initiativbewerbung geschickt. Das war gerade vor der World Press Photo-Ausstellung, wo wir immer am meisten BesucherInnen haben. Deswegen hat das Timing perfekt gepasst und ich wurde für drei Monate für die Ausstellung aufgenommen. Es war dann das zweite gute Timing, dass die Person, die vorher diesen Job gemacht hat, im Dezember eine neue Arbeit angenommen hat. So kam es dazu, dass ich die Stelle übernommen habe und ja, jetzt bin ich hier seit Dezember und es gefällt mir sehr gut.
KiJuKU: Also du hast auch gesagt, dass du selber in deiner Freizeit viel fotografierst. Das heißt, du hast auch persönliches Interesse daran. Auch berufliche Ambitionen in dieser Hinsicht?
Luca Wellenzohn: Weniger Richtung Fotografie. Ich habe auch eine kreative Ausbildung als Mediengestalter gemacht und habe gemerkt, dass in meiner Freizeit meine kreativen Tätigkeiten ziemlich zurückgegangen sind. Auf Druck kreativ zu arbeiten, fand ich ziemlich anstrengend. Es hat natürlich viel Spaß gemacht, aber das war auch in einem ziemlich beschränkten Rahmen. Deswegen finde ich es jetzt gerade eine sehr angenehme Mischung. Also nicht fotografisch oder kreativ tätig zu sein, aber trotzdem in diesem Umfeld Kontakte zu haben. Auch nette Gespräche mit unseren BesucherInnen und ArbeitskollegInnen. Trotzdem tieferen Einblick in die Fotografie-Szene zu kriegen, aber dass ich nicht meine kreativen Fähigkeiten so stark auf die Arbeit beschränke und in meiner Freizeit dadurch noch Kapazität habe.
KiJuKU: Was machst du sonst noch in deiner Freizeit?
Luca Wellenzohn: Ich habe noch einen zweiten Job in der Gastro. Da arbeite ich oft nachtsüber. Wir haben jetzt gerade zwei Wochen zu über Weihnachten und Neujahr. Finde ich ganz angenehm. Ich habe jetzt mehr Freizeit und seit kürzerem eine Dunkelkammer, wo ich jetzt auch viel Zeit verbringe, gerade bei dem Wetter. Wo es früh dunkel wird, verpasst man nichts draußen, wie wenn jetzt die Sonne scheint. Wenn es so um vier dunkel wird, verkrieche ich mich in meiner Dunkelkammer und arbeite da. Da habe ich kein schlechtes Gewissen, dass ich draußen irgendwas verpasse.
KiJuKU: Um vielleicht auch auf die aktuelle Ausstellung „The lives of women“ von Mary Ellen Mark zu kommen: Was sind deine Gedanken dazu?
Luca Wellenzohn: Ich glaube, ich kann schon sagen, es ist meine Lieblingsausstellung von WestLicht bis jetzt. Ich habe zwar noch nicht so viele gesehen, aber seit Februar 2024 eigentlich alle. Diese gefällt mir jetzt schon besonders gut, weil ich auch sehr schön finde, dass es eine Einzelausstellung einer Frau ist, was leider in der Fotografie immer noch bisschen selten vorkommt. Obwohl es sehr viele gute Arbeiten von Fotografinnen gibt.
Und ich finde, die Marie Ellen Mark hat ein sehr gutes Auge für gewisse Details. Das Schicksal von Menschen wird auf eine Art sehr cinematographisch dargestellt. Also es sind nicht so diese ganz grotesken Bilder von: Wow, das sind Obdachlose, die liegen mit dem Schlafsack auf der Straße herum, sondern da ist zum Beispiel das eine Bild von der Familie im Auto, wo ich auf den ersten Blick gar nicht ge-checkt habe, dass das auch obdachlose Leute sind. Das Bild ist so ausdrucksvoll, dass da komplett verloren geht, was die Menschen eigentlich für einen Hintergrund haben, weil das Bild so stark wirkt. Fast jedes Bild der Ausstellung hier könnte so ein Ausschnitt aus einem Film sein. Es ist sehr beeindruckend, wie sie es hinkriegt, einzelne Momente sehr ausdrucksvoll aufzunehmen. Ich fotografiere auch fast ausschließlich schwarz-weiß und auch analog. Deswegen finde ich auch allgemein die Ästhetik von den Bildern sehr schön.
KiJuKU: Möchtest du noch etwas zum Museum sagen?
Luca Wellenzohn: Ich finde, dass das Westlicht eine sehr große Rolle in der Wiener Kulturszene hat oder spielt. World-Press-Photo ist unsere besucherstärkste Ausstellung, ich fände es schön, wenn wir das Level der anderen Ausstellungen so ein bisschen in diese Richtung pushen könnten. Also die Marie Ellen Mark läuft jetzt auch gerade ziemlich gut, ich kann wirklich nur empfehlen, herzukommen, einen Kaffee zu trinken und ein bisschen mit uns zu quatschen.
KiJuKU: Okay, vielen Dank.
Luca Wellenzohn: Sehr gerne.
Die Weihnachtsfeiertage – und -ferien – werden demnächst am 6. Jänner mit dem „Drei-Königs-Tag abgeschlossen: Rund um diesen Tag findet übrigens das Weihnachtsfest der christlichen orthodoxen Kirchen statt, weil diese Religionen den julianischen statt des gregorianischen Kalenders verwenden. Und in Italien beschert die Hexe Befana Kindern die Geschenke.
Zurück zum Drei-Königs-Tag: Waren es wirklich drei Könige, oder auch Weise aus dem Morgenland und waren / sind sie heilig?
Laut Wikipedia werden sie im Neuen Testament nicht so genannt und von dreien ist auch nie die Rede. Diese Legende taucht erst mehr als 200 Jahre nach Christi Geburt auf. Die heute gebräuchlichen Namen Caspar, Melchior und Balthasar werden nochmals rund 300 Jahre später zum ersten Mal erwähnt. „Dagegen sprechen eine syrische Quelle des 7. Jahrhunderts aus Edessa in Obermesopotamien und weitere andere von zwölf persischen Königen.“ (Link zur Wikipedia-Seite in der Buch-Infos-Box am Ende des Beitrages)
„In der katholischen Kirche werden die „drei Könige“ als Heilige verehrt, auch wenn ihnen wohl keine realen Personen entsprechen. Eine förmliche Heiligsprechung hat es für sie nie gegeben. Ihnen zugeschriebene Reliquien wurden ab dem 12. Jahrhundert zum Ziel einer bedeutenden Pilgerbewegung, die sowohl die Fertigung des Dreikönigenschreins wie auch den Bau des hochgotischen Kölner Doms veranlasste.“
Vielleicht war ein kleiner ungekrönter Mann an diesem Schrein in Köln die Inspirationsquelle für Edzard Schaper (1908–1984), „Die Legende vom vierten König“ zu schreiben. Diese Frage stellt ein Buch über diesen – mittlerweile ziemlich in Vergessenheit geratenen – Autor („Der vierte König lebt! – Edzard Schaper Dichter des 20.Jahrhunderts, siehe in der Info-Box).
Die Story über den – namenlos bleibenden – vierten ausgedachten König ist in einem Buch gemeinsam mit einer zweiten „Weihnachts“-Geschichte erhältlich: „Das Christkind aus den großen Wäldern“. Letztere spielt sich im finnisch-russischen Krieg ab. Der Soldat Jänttinen rettet in einer Hütte ein Baby, das mit einer Bombe verknüpft als Sprengfalle zurückgelassen wurde. Er trägt es fortan beschützend durch die Wälder…
Zurück zum vierten König. „Es war kein großer, mächtiger Herr oder besonders reich oder ausnehmend klug und den Künsten der Magie ergeben. Er war ein kleiner König mit rechtschaffenem Sinn und einem guten, kindlichen Herzen, menschenfreundlich, sehr gutmütig, gesellig und einem Spaß durchaus nicht abgeneigt. Dass einmal ein Stern am Himmel erscheinen und die Herabkunft des Allherrschers über das ganze Erdreich ankündigen würde, und dass der Königsspross, der dann in Russland herrschte, aufbrechen und dem größeren Herren als Gefolgsmann huldigen müsste, das wusste unser kleiner König von allen seinen Vätern und Vorvätern her. Die hatten diese Verheißung durch viele Geschlechter bewahrt und jedem ihrer Nachfolger weitergegeben“, schreibt Schaper auf der ersten Seite.
Diesem neuen Weltenherrscher, der gutmütig sein sollte, wolle er sich andienen. Aus Rücksicht auf die Unwägbarkeiten einer nicht abzuschätzenden langen Reise machte er sich allein auf den Weg – nur mit seinem Lieblingspferd Wanjka. Allerdings dürfte dieses schwer zu schleppen gehabt haben. Denn der Autor beschreibt jede Menge an Edelmetall, feinen Stoffen, Wolle sowie einen Topf voller Honig – der würde so einem kleinen Kinde wohl guttun.
Die Reise war tatsächlich lang und weit. Letztlich erreichte der vierte König sein Ziel gar nie. Er hätte Jesus auch nicht mehr viel überbringen können. Abgesehen von vielleicht großspurigem Streuen von Edelsteinen beim Aufeinandertreffen mit den drei „Königen“, gab er immer wieder Teile seiner vorgesehenen Geschenke an mehr oder minder bedürftige Menschen, denen er begegnete.
Schließlich begab er sich, um einen Jüngling zu retten, der auf einem Sklavenschiff Schulden seines Vaters abdienen sollte, selbst auf diese Galeere, um angekettet jahrzehntelang zu rudern. Mehr sei aus dieser Geschichte um einen vierten König hier nicht verraten. Dieser namenlose mildtätige russische König, der sein Ziel nie erreicht, verhält sich vielleicht so wie es dem „Messias“ zugeschrieben wird 😉
Das oben schon erwähnte Buch über Edzard Schaper verknüpft dieses und andere seiner mehrere Dutzend Bücher mit dessen Leben und entschlüsselt auch die Vierte-Königs-sowie die „Christkind“-Geschichten als Sinnbilder – auch für Ruhe-, Rastlosig- sowie Offenherzigkeit aber auch von Schicksalsschlägen gezeichnet, die sich aus diktatorischen Regimes ergaben: „Damit seine prophetische Sicht durch die Erinnerung an ihn möglich bleibt, erzählt diese Biografie das abenteuerliche Leben Edzard Schapers als eine Kulturgeschichte Nordeuropas im Zeitalter der Diktaturen und ihrer ungezählten Opfer, zu denen er selbst gehört. Von Hitler und Stalin zum Tode verurteilt, nach Finnland geflohen, in Schweden als Doppelagent verdächtigt und in ein Lager gesperrt, hat Edzard Schaper jene Grenzerfahrungen gemacht Dir in der Legende vom vierten König verdichtete.“
Aus dem „Palast des Menschenherzens“ erzählt ein anderer Autor, Henry Jackson van Dyke, lange, erfolglose und auf Umwegen doch ganz anders erfolgreiche Reisen in „Der vierte Weise“ (Illustration: Christiane Lesch) bzw. – illustriert von Katharina Gutknecht – „Artaban, der vierte Weise“.
Seit einigen Jahren erzählt der Kabarettist Viktor Gernot (Gernot Jedlička) böhmakelnd die humoristische Geschichte „Der vierte Heilige 3-König“ des Wiener Dichters Michael Haas. Der Stern von Bethlehem habe einen Umweg über Böhmen gemacht: „Ich fircht‘, man kennt mich nur sehr wenig: ich bin der vierte Heilige-Drei-Kenig, geboren – no das heert man eh – im scheenen Hradec Kralové, mit Namen Jirí Príhoda, in der Bibel steh‘ ich nie wo da – das ist a traurige Geschichte die welche heit‘ ich eich berichte…“ – Link zum knapp drei-minütigen Video mit dem Kabarettisten unten in der Info-Box.
Grandioses sehr humorvollen Finale mit Tiefgang des Vorjahres im Wiener Akademietheater. Mehrfach zwischendurch Szenenapplaus und am Ende fast never-ending standing Ovations für „Stefko Hanushevsky erzählt: Der große Diktator“.
Genau, um den berühmten Film, den ersten mit Ton von Charlie Chaplin geht es. Doch die Inszenierung (Regie: Rafael Sanchez) aus dem Schauspiel Köln, nun eben in Wien zu erleben, spielt nicht den Film nach. Der Solo-Schauspieler erzählt ihn auch nicht nach. Er verknüpft zentrale Elemente des Films, seine Leidenschaft für (Film-)Schauspiel mit seiner – angeblich – echten Lebensgeschichte.
Angeblich deshalb, weil er immer wieder sein Talent zum Geschichtenerzählen unter Beweis stellt und hervorhebt. Schon als Friseurlehrling in seinem oberösterreichischen kleinen Dorf habe er damit den Laden am Laufen gehalten (in Chaplins Film agiert am Beginn ein jüdischer Friseur). Krähwinkel nennt er das Dorf – ein fiktiver Name für spießig, kleinbürgerliche Orte, der von mehreren Autoren, nicht zuletzt Johann Nestroy verwendet wurde.
Aber irgendwie sei ihm der – viel zu lange erhalten gebliebene Nazi-Mief auf den Geist gegangen, er wollte raus – in die große Welt. Schauspieler werden – diesen Floh setzte ihm ein Onkel aus New York ins Ohr. Eines Tages sei er dann doch dort gewesen, sei in der Künstlergarderobe sogar dem berühmten James Gandolfini, bekannt geworden durch die Hauptrolle in der Seire „Die Sopranos“, begegnet. Doch das Fenster in die große Welt hätte er durch Ablehnung des Angebots einer kleinen Rolle ausgeschlagen. Denn zu Hause wartete seine Freundin Hermine – „Hair-mine“ (zwecks Frisiersalon).
Als Brotjob während seines dann doch in Angriff genommenen Schauspielstudiums (in Berlin) habe er sich als Reiseleiter von „Third-Reich“-Bustouren US-amerikanischer Tourist:innen verdingt. Und durch seine Erzählkunst sowie Zusatzgeschäfte ziemlich viel Trinkgeld lukriert.
Von diesen Bustouren durch den „Nazi-Park Europa“ schlägt Hanushevsky immer wieder Brücken zu Chaplins Film, einer Persiflage auf den faschistischen Diktator Adolf Hitler in der Filmfigur des Adenoid Hynkel. Samt Weltherrschaftsplänen und der berühmten Szene mit dem Spiel dessen mit einem Erdkugel-Luftballon und jene auch sehr bekannte Szene scheinbar unverständlicher satirischer Kunstsprache. Letztere hält der Schauspieler in einem Fahrkorb über dem Reisebus, der die Bühne (Sebastian Bolz) dominiert und immer wieder Spielort drinnen und auf dem Dach ist. Die Landkarte trägt Hanushevsky in einem Ganzkörper-Bodysuit (Kostüme: Melina Jusczyk) und in einer aufblasbaren großen Kugel rollt er über die Bühne (Zorbing).
Apropos Anklänge: Witzig und oft auch mitreißend sind die gut ins Geschehen eingebetteten Gesangseinlagen des Schauspielers – nicht zuletzt von Falcos „Rock Me Amadeus“ (Musik: Cornelius Borgolte; Dramaturgie: Dominika Široká)
Zwischendurch macht Hanushevsky die eine oder andere Anspielung auf aktuelle rechtspopulistische bis rechtsradikale Entwicklungen – übrigens nicht nur in Europa und hebt damit den fulminanten, immer wieder sehr witzigen Abend, bei dem so manches Mal das Lachen im Hals stecken bleibt, auf die Ebene der generellen Kritik daran – wie sich auch Chaplin nicht auf die Parodie des Nazi-Führers beschränkt hat.
Am ersten Tag des neuen Jahres 2025 überträgt „Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater“ aus dem Salzburger Breloque-Theater Viktor Ullmanns im Konzentrationslager Theresienstadt komponierte Oper „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ (Ullmann unter Mitarbeit von Peter Kien). Er schrieb dieses musikalische Theaterstück 1943 und 1944 als Kritik am herrschenden Nazisystem bzw. an jeder Form autoritärer menschenverachtender Regimes – ausgehend von eigenen Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg – und wurde am 18. Oktober 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet.
Erst mehr als 30 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod erfolgte die Uraufführung in der Amsterdamer (Niederlande) Oper. Das genannte Theater in der Stadt Salzburg – gegründet von Myrto Dimitriadou, der langjährigen Leiterin des Toihaus Theaters in unmittelbarer Nähe, inszeniert diese Oper als Zusammenarbeit von Schau- und Puppenspieler:innen. Regie führt Herbert Gantschacher, der sich seit Jahrzehnten mit Leben und Wer von Viktor Ullmann beschäftigt und dazu schon viel publiziert sowie die Ausstellung Ausstellung „Viktor Ullmann – Zeuge und Opfer der Apokalypse“ kuratiert hat – Link zum Viktor-Ullmann-Projekt am Ende des Beitrages. Rita Luksch und Markus Rupert spielen mit handgefertigten Requisiten und Puppen der bildenden Künstlerin Burgis Paier.
Anlass für die Übertragung ist die 127. Wiederkehr des Geburtstages von Ullmann (1. Jänner 1898 in Teschen. Sein Vater Maximilian Ullmann war Berufsoffizier und zu dieser Zeit dort stationiert. In Teschen war das Armee-Oberkommando der k.u.k. Wehrmacht der Vielfachmonarchie des Erzhauses Habsburg untergebracht. Heute ist die Stadt entlang des Flusses Olsa zwischen der Republik Polen, Cieszyn, und der Tschechischen Republik, Český Těšín, geteilt.
Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater überträgt diese Oper in dieser Inszenierung in diesem Jahr noch einmal – wieder kostenlos; Spenden erwünscht: Am 18. Oktober 2025 anlässlich des 81. Jahrestages der Ermordung Ullmanns im KZ Auschwitz – durch das Giftgas Zyklon B. Als Soldat im Ersten Weltkrieg war er Zeuge des Giftgasangriffs an der Isonzofront am 24. Oktober 1917 geworden, bei der Grünkreuz und Blaukreuz eingesetzt wurde – artverwandt zum von den Nazis verwendeten Zyklon.
arbos -> stream „Der Kaiser von Atlantis…: 1. Jänner 2025; 20 Uhr“
Viele Menschen verbinden den Jahreswechsel mit funkelnden Feuerwerken. Was die einen freut oder begeistert, ist für beispielsweise für Halter:innen von (Haus-)Tieren eine Qual, sie leiden mit ihren Lieblingen. Tierschutz-Austria hat eine Petition gestartet, um das österreichische Pyrothechnik-Gesetz zu reformieren.
Als Vorbild werden die französischen Regelungen genannt. Strenge Regelungen und rigorose Kontrollen sollen den Missbrauch illegaler Knallkörper und die unsachgemäße Nutzung von Feuerwerkskörpern verhindern.
Während in Österreich trotz Verboten auch im städtischen Raum immer noch massenweise Raketen gezündet werden, setzt Frankreich seit Jahren auf klare Konsequenzen. Auch dort dürfen im städtischen Raum oder nahe großer Menschenansammlungen keine gefährlichen Feuerwerkskörper gezündet werden, wer dagegen verstößt, riskiert allerdings Strafen bis zu 150.000 Euro oder zehn Jahren Freiheitsstrafe.
„Frankreich schafft es, seine Regeln durchzusetzen und zeigt, dass ein sicherer Jahreswechsel ohne Chaos und Leid möglich ist“, betont Martin Aschauer, Sprecher von Tierschutz Austria in einer Aussendung. Die Organisation verweist darauf, dass „die vergangene Regierung zwar versprochen hatte, das Pyrotechnikgesetz zu überarbeiten, doch bis heute ist nichts passiert.
Konkret gefordert werden:
– Strafen nach französischem Vorbild
– strenge Kontrollen gegen den illegalen Import gefährlicher Knallkörper und
– strengeres Vorgehen gegen unsachgemäßen Gebrauch von Feuerwerkskörpern.
Wer glaubt, dass nur Tiere betroffen sind, irrt gewaltig: „Es geht um die Sicherheit von uns allen!“ Der unsachgemäße Einsatz von Feuerwerkskörpern führt jedes Jahr zu schweren Verletzungen, Bränden und Chaos in den Spitälern. Besonders schlimm trifft es jedoch Tiere – Hunde, Katzen und Wildtiere geraten durch den ohrenbetäubenden Lärm in Panik, viele fliehen orientierungslos oder sterben gar.
Tierschutz-Austria startete unter dem Motto „#TierfreundeSchießenNicht“ eine Petition, um das österreichische Pyrotechnikgesetz endlich nach französischem Vorbild zu verschärfen – Link am Ende des Beitrages.
Das Tierleid angesichts der Knaller und Kracher wird übrigens viel öfter thematisiert als das Leid Tausender Kinder, die die gefährlichen Feuerwerkskörper herstellen. Diese Produktion hat schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Damals noch im Kinder-KURIER schrieb ich: „Der direkte Kontakt mit chemischen Substanzen wie Schwefel, Schwarz- und Aluminiumpulver kann zu Verätzungen, Tuberkulose, Asthma und Kopf- bzw. Augenschmerzen führen. Hinzu kommt das ständige Risiko von Feuer und Explosionen.
Indische Feuerwerksfabriken beschäftigen nach wie vor Kinder. Nach einem Bericht von „India Today“ seien „sowohl Kinder als auch erwachsene Arbeiter und Arbeiterinnen schutzlos gefährlichen Inhaltsstoffen und Sprengstoffen ausgesetzt. Sie würden keine Handschuhe oder Sicherheitsbekleidung tragen. Bereits ein kleines Feuer könne zu Verstümmelungen oder gar zum Tod der Arbeitenden führen oder in den Fabriken eine Katastrophe auslösen.“ Link zum Artikel im Kinder-KURIER weiter unten.
„Brände, Schwerverletzte und sogar Tote – die Silvester-Knallerei gerät immer wieder außer Kontrolle. Für Rettung und Feuerwehr ist es die arbeitsintensivste Nachtschicht des Jahres. Am Tag danach türmen sich Müllberge an jeder Ecke. Die Böllerei schadet Mensch, Tier und Umwelt. Und dennoch wird jährlich weiter geschossen. Dabei ist ein Großteil der österreichischen Bevölkerung für ein privates Böllerverbot. Deshalb fordern wir das Innenministerium auf, ein ortsunabhängiges Feuerwerksverbot (ab Kategorie F2) umzusetzen!“
Dafür hat #aufstehn.at eine Petition gestartet – Link unten am Ende des Beitrages.
feuerwerk-kinderarbeit-fuer-bunte-sterne <- damals noch im Kinder-KURIER
Fast jedes Kinder auf der Welt lebt in einer der Konfliktregionen. Dies ergeben jüngste vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, veröffentlichte Daten. 473 Millionen Kinder und Jugendliche (Kinder im Sinne der UNO-Kinderrechtskonvention zählen bis 18 Jahre) sind von kriegerischen Auseinandersetzungen in ihrer Heimat betroffen – bei nicht ganz 2,5 Milliarden Kindern und Jugendlichen weltweit.
„In fast jeder Hinsicht war 2024 eines der schlimmsten Jahre für Kinder in Konfliktsituationen in der 78-jährigen Geschichte von UNICEF – sowohl was die Zahl der betroffenen Kinder als auch die Auswirkungen auf ihr Leben betrifft“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell laut einer ORF-Meldung. Diese 19 Prozent sind ungefähr eine Verdoppelung gegenüber den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. „Die Zahl der Konflikte ist laut Global Peace Index die höchste seit dem Zweiten Weltkrieg“, heißt es laut der schon zitierten ORF-Nachricht.
Dennoch gebe es – der Homepage von Unicef-Österreich zufolge „auch Positives zu vermelden. Bis inklusive Juni 2024 konnte UNICEF unter anderem
Mehr dazu ist auf der Homepage von Unicef-Österreich im Jahresrückblick zu finden, dem auch die hier veröffentlichten Fotos entnommen sind – Link dazu ganz am Ende des Beitrages.
Umgeben von vielen Löwen – gezeichnet, gemalt, gedruckt und in unterschiedlichsten 3D-Figuren zeigt und erklärt Markus Bruckner Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… seine Arbeit. Die ist seine Leidenschaft von jungen Kindesbeinen an: Zeichnen!
Vor Kurzem hat er sein erstes Buch veröffentlicht – den „ersten Band einer auf mindestens sechs, höchstens sieben Teile“ konzipierten Manga-Serie namens „I am from Austria“. Alex, ein Held, der (nieder-)österreichischen Dialekt spricht, macht sich auf, Österreich vor drei Kaisern zu retten… – Besprechung in einem eigenen Beitrag – Link am Ende des Artikels.
„Gezeichnet hab ich schon immer gern und viel“, beginnt der 31-Jährige im Gespräch in Felbring / Muthmannsdorf in Niederösterreich vor der Hohen Wand zu erzählen.
„Das machen ja fast alle Kinder, wie kam’s dazu, dass mehr daraus geworden ist“, will der Journalist wissen.
Schon in der Volksschule sei er von Lehrer:innen dafür gelobt worden, viel detailreicher, „auch im Hintergrund“ zu zeichnen, wo andere nur den Vordergrund gemalt haben. „Mit 14 habe ich so richtig meinen ersten Comic gezeichnet, der war so spongebob-mäßig und hat „Das erste Mal in New York“ geheißen.“
Ob er schon in dieser US-amerikanischen Stadt gewesen sei und sich davon inspirieren habe lassen, drängt sich die Frage auf.
„Nein, gar nicht, ich war einmal in London, aber das erst mit 23 Jahren. Im Comic ist es um die Vorstellung gegangen, wie es für jemanden aus einem kleinen Dorf ist, in eine Großstadt zu kommen.“
Er selbst stammt aus dem nahegelegenen Gaaden – „und das ist sehr klein, im Prinzip nicht viel mehr als ein Kreisverkehr, in die Volksschule bin ich in Stollhof, in die Mittel-, damals noch Hauptschule in Winzendorf gegangen.“ Nach der Schule absolvierte Bruckner eine Tischler-Lehre, „hab dann aber als angelernter Elektriker und alles mögliche andere gearbeitet. Und immer viel gezeichnet. Die Geschichten hab ich mir immer ausgedacht – eben auch wie sich wer aus einem Mini-Ort eine riesengroße Stadt vorstellt.“
Nach dem ersten Comic, „der leider bei einer Übersiedlung unabsichtlich verloren gegangen ist“, begannen ihn Mangas zu faszinieren. „Mit meinen Freunden hab ich viel Anime-Serien im Fernsehen angeschaut. Geschichten hab ich mir selber ausgedacht, im Internet nach Manga-zeichnungen gesucht und ein paar Sachen angeschaut. Aber im Prinzip hab ich mir das allermeiste selber beigebracht.“
Vor so drei, vier Jahren habe er sich intensiv mit der Entwicklung eigener großer Manga-Geschichten beschäftigt, sagt Markus Bruckner im KiJuKU-Interview. „Zwei Jahre habe ich geübt, gezeichnet, geschrieben, viel gelesen und begonnen an meiner ersten ganz großen Geschichte zu arbeiten.“ Die aber sei viel zu groß für eine Erstveröffentlichung. „Da müsste ich schon mit einem Verlag zusammenarbeiten.“ Diese Riesenstory hat er in groben Zügen schon im Kopf, aber will natürlich nichts davon verraten, „Löwen spielen eine wichtige Rolle – so viel kann ich aber schon sagen“.
In der Zwischenzeit gewann er mit einer kurzen, vierseitigen Geschichte – das ist die Vorgabe – einen der Hauptpreise bei der „Dokomi“ (Abkürzung für Deutscher Comic Market, japanisch doitsu komikku māketto). Und das ist immerhin die größte Anime- und Manga-Convention Deutschlands (2009 mit 1800 Besucher:innen begonnen, kamen im Juni dieses Jahres immerhin 180.000 Menschen zu dieser Veranstaltung in Düsseldorf.
Außerdem arbeitete er eben an „I am from Austria“ (IAFA). „Als ich entdeckt habe, dass es keinen Manga mit österreichischem Helden, noch dazu einem der im Dialekt redet, hab ich begonnen mir diese Geschichte auszudenken.“
Wie er an die Entwicklung von Stories herangehe, will KiJuKU im Interview wissen: „Zuerst erfinde ich immer die Charaktere. Da hab ich die Geschichte schon grob im Kopf, auch das Ende kenn ich da schon zumindest im Grunde genommen. Dann arbeite im am Storyboard, danach kommen Skizzen kapitelweise. Für IAFA kenn ich die ersten vier Bände schon, vom fünften und sechsten ein bisschen. Und vielleicht, sogar wahrscheinlich werden’s sieben. Nach den Skizzen kommt das Inken (mit Tinte zeichnen). Und dann das Storyboard fürs nächste Kapitel.“
So bis zu fünf, sechs Seiten am Tag schaffe er. „Meistens sitz ich 14 Stunden täglich an meiner Arbeit.“
Abschließend will Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… natürlich wissen, ob alles von Hand gezeichnet wird oder so manches digital entsteht. „90 Prozent zeichne ich mit Tinte auf Papier. Dann scanne ich’s ein – den Text schreib ich am Computer und auch kleinere Korrekturen an Zeichnungen erfolgen dann noch digital.“
Weil Markus Bruckner als Kind schon immer wissen wollte, die Autor:innen und Illustrator:innen arbeiten, aber wenig darüber erfahren hat, bittet KiJuKU den Manga-Zeichner und -Geschichten-Erfinder für Leserinnen und Leser eine kleine Kostprobe zu geben, wie er selbst arbeitet. In dem rund zweiminütigen Video unten zeigt er dir vor, wie er Schritt für Schritt von einem Kreis bis zu einem Manga-Figuren-Gesicht kommen. Darfst du gerne nachmachen!
„Do gibt’s nix zum schaun“, steht auf der zweiten Innenseite von IAFA – „I am from Austria“ unter der Vorstellung von Alex. Dieser ist der Held des von Markus Bruckner erfundenen und gezeichneten Mangas. Alex soll Österreich vor drei autoritär herrschenden Kaisern retten.
Doch er verliert auf dieser Mission bald seine Erinnerung. Warum – und wie er wieder zu der kommt – bleibt ein Geheimnis. „Das darf man noch nicht wissen, es wird erst in einem späteren Band enthüllt“, erklärt der Schöpfer dieses fast ständig Bier trinkenden jungen Helden. „Bier trinken gehört irgendwie zu Österreich“, fand Bruckner. Offenbar auch eher Macho-mäßiges Verhalten wie so manche der gezeichneten und getexteten Seiten zeigen. Und viele Schlägereien.
Was es mit den geheimnisumwitterten Gona von denen mehrfach die Rede ist, auf sich hat, werde auch erst in Band 3 aufgeklärt, so Bruckner im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – zu einem ausführlichen Interview geht’s in einem eigenen – am Ende dieses Beitrages verlinkten – Artikel. Aber darüber hinaus sei es „ein Insider; Gona sagen viele in der Umgebung zu uns, die in Gaaden leben oder von dort kommen“. So habe er ein bisschen seine Herkunft und engere Heimat in den Manga einbauen können, denn ursprünglich hätte er diese „Gona“ in seinem Manga „Triaden“ nennen wollen – von AusTRIA.
Dass Innsbruck wegen seines berühmten „goldenen Dachls“ als „Goldene Stadt“ bezeichnet wird, ist dem Autor und Zeichner nachträglich im Interview sichtlich ein bisschen peinlich, wird Prag, wo er schon einmal war, doch landläufig als solche bezeichnet.
Ausnahmsweise wird hier das Ende eines Buches gespoilert, pardon, jenes von Band 1: „Boid geht’s weida…“, steht auf der vorletzten Innenseite, auf der letzten sind hohe Berge zu sehen und dort müssen Held un Begleiter:innen rauf…
Wie kommt Brot auf den Teller – oder in die Jausenbox, wie Butter – oder auch Käse oder was auch immer aufs Brot? Anschauliche Grafiken – mit der Aufgabe in zweiterem Fall die einzelnen Stationen selber zu ordnen – vermitteln Zusammenhänge von Natur und Nahrung für Menschen. Was alles notwendig ist, bevor du kraftvoll und herzhaft zubeißen kannst. Und wieviel Ressourcen und Energie dafür notwendig sind.
Und wie das alles mit dem Klima auf der Erde zusammenhängt. Und dass die Menschheit derzeit schon fast zwei Erden bräuchte, es aber nur einen Planeten gibt, auf dem wir leben. Und auch nur den einen, auf dem Leben in unserem Sonnensystem für uns wirklich möglich und erträglich ist.
Klima, Verbrauch von unbebauten, natürlichen Bodenflächen, Verschmutzung der Luft, der Gewässer, zu viel Verbrauch von Rohstoffen… wurde in letzter Zeit in den Hintergrund gedrängt. Doch es wird für das Überleben der Menschheit immer wichtiger und dringender.
Manche wenden sich vielleicht von der Beschäftigung mit der Klimakrise ab, weil alles so kompliziert ist. Vieles davon einfach zu erklären – in Worten und Zeichnungen (roter Linoldruck) – hat sich Laura Bell unter ihrem künstlerischen Pseudonym Laura Feller zur Aufgabe gemacht. In ihrem Bilderbuch „Mit Händen und Füßen – Unseren Einfluss auf das Klima verstehen“ stellt sie Begriffe und Zusammenhänge sozusagen „kinderleicht“ dar. Entsprechend dem Untertitel: „Unseren Einfluss auf das Klima verstehen“ vermittelt sie eben auch, wie die Menschheit im Allgemeinen und jeder einzelne Mensch etwas zur Vergrößerung oder zur Verkleinerung des Problems beitragen kann. Das Problem, dass die Menschheit insgesamt – allerdings recht unterschiedlich verteilt – im Durchschnitt bereits schon nach knapp mehr als einem halben Jahr so viel verbraucht, wie die Erde in einem ganzen Jahr als Vorrat bereithält.
Das Buch kannst, darfst, ja sollst du als Arbeitsmaterial betrachten: Auf manchen Seiten gilt es Zeichnungen in die richtige Reihenfolge zu bringen – durch Ziffern in den leeren Kästchen, in einem Buchstabensalat sind Begriffe zu suchen und finden, die auf der Seite daneben abgebildet sind.
Ökologischer Fußabdruck, ein häufig gebrauchter Begriff wird erklärt und Links führen zu Websites, auf denen oder mit deren Hilfe du deinen eigenen berechnen kannst. Und auf einer Weltkarte siehst du, dass wir in Europa mehr als drei Erden (ver-)brauchen, in Afrika aber nur knapp mehr als eine ¾.
Leider funktioniert der Link zum vereinfachten ökologischen Fußabdruck des Kindermuseums Zoom nicht (mehr). Dieser dürfte dort überhaupt von der Website verschwunden sein, denn über die Suche auf der Kindermuseums-Website führt „fussabdruck“ zu „keinem Suchergebnis“ und mit „ß“ – wie zu erwarten – zu gar nix.
… dieser Begriff steht nicht für zusätzlich noch mehr Verbrauch von Ressourcen, sondern steht fürs Gegenteil. Jede Tätigkeit, jedes Handeln, das den ökologischen Fußabdruck kleiner macht wird seit ein paar Jahren als ebensolcher „Handabdruck“ bezeichnet. Auch wenn dies für viele ein ganz neues Wort sein sollte. Ein Professor der bekannten US-Harvard-Universität (Greg Norris) hat ihn vor rund zehn Jahren erstmals verwendet und die indische Organisation CEE ihn 2015 als Konzept erarbeitet: Also Rad- statt Autofahren, weniger Fleisch essen, Wasser und Strom sparen… Wichtig dabei ist aber nicht zuletzt, dass nicht nur Einzelpersonen was in diese Richtung machen, sondern auch große Unternehmen, Organisation, ja vor allem auch Staaten.
Durch das Buch führt dich ein Schaf. Warum das, wird auf einer der letzten Zeiten geschildert. Diese Tiere sind vielseitig, nachhaltig, sehr anpassungsfähig – können in verschiedensten Regionen leben – vom subtropischen Neuseeland, in Steinwüsten Marokkos, in mongolischen Steppen und sogar im sibirischen Norden. Sie stoßen weniger Methan aus als Rinder und Menschen können genauso deren Milch und Fleisch verzehren. Und obendrein wird ihr Fell für Wollproduktion verwendet.
Und dieses Schaf nennt die Autorin und Illustratorin in Personalunion Aina. Diesen erfundenen ungewöhnlichen Namen erklärt sie zu Beginn dieses Sachbuches für schon sehr junge Leser:innen mit der englischen Bezeichnung für Nachhaltigkeit – SustAINAbility.
Dass und was jede und jeder Einzelne tun kann – dazu will das Buch anregen. Wenngleich die Autorin & Illustratorin selbst, diese offenbar ausreizt. Wie sie am Ende des Buches über sich schreibt, lebt sie teils in Graz und teils in Taranaki auf Neuseeland – ergibt wohl doch so manches an Flugkilometern und damit großen ökologischen Fußabdruck.
„Was ist das für ein
Rhythmus
Man nennt dich
Algo Rhythmus
Ich sprüe nicht den Rhythmus der meinen
Rhythmus kennt
Was kenn denn
dieser Rhythmus…„
Fast 100 Seiten voller fragender, tiefgreifender und hochphilosophischer Gedanken packte Michael Hammerschmid in sprach- und gedankenverspielte Gedichte. Viele dieser entziehen sich den meisten formalisierten Strukturen – frei schwebende, „konkrete Poesie“, praktisch immer ohne Satzzeichen.
Mehr Fragen welt- und persönlichkeitsbewegender Natur als Antworten versammelt „Was keiner kapiert“. Ein Ausdruck des Suchens – wie dies wohl (fast) alle Gehirne und Gefühle Jugendlicher durchzieht. Angesichts der zunehmend unübersichtlicher werdenden Welt, überwältigen ähnliche Gefühle auch viele Erwachsene. Wenngleich sich viele der Lyrik-Zeilen doch eher an Pubertierende richten – oder deren Gefühle Erwachsenen nahezubringen versuchen – etwa in „jemand der nichts zu werden verspricht“ (Seiten 12/13 – übrigens eine der seltenen Seiten ohne Illustrationen oder wenigstens optisch verspielten Gestaltungen des Textes.
Für diese – durchgängig in Tintenblau gehaltenen Illustrationen sorgte Barbara Hoffmann, die – ebenfalls im Jungbrunnen Verlag – vor nicht ganz drei Jahren „Alles, was gesagt werden muss“ veröffentlichte (damals Bild und Text). Hier erweitert sie mit ihren fantasievollen Zeichnungen die poetischen philosophischen Gedanken des Autors in eine weitere Dimension. Oder erweckt Texte durch verspielte Gestaltungen zu erweitertem Leben wie auf Seite 65, wo gezeichnete Wassertropfen einzelne wenige Buchstaben verzerren, als würdest du sie durch ein Wasserglas betrachten.
Trotz etlicher Sprach- und Gestaltungsspiele durchziehen sich durch die Realtitäten aufdrängende sehr ernste Gedanken viele der Gedichte, etwa in „Er fetzt in mich“
„der krieg fetzt
in mich
der bildschirm zerfetzt
ich bin nach
außen unverletzt
die bilder
fahren tief in mich
die worte schlagen
fürchterlich artikel
lese ich doch
fass ichs nicht…“
Und bei dem einen oder anderen der Gedichte drängt sich die Erkenntnis des Schweizer zeitgenössischen Dichters zu Bildern des Malers Ernst Kreidolf – siehe Rezension von „Kreidolf reloaded“, Link unten am Ende des Beitrages – auf:
„Die Antwort steht nicht im Gedicht:
Die Antwort gibt es bisher nicht:
Vielleicht fällt dir dazu was ein?
Es darf nur eins nicht: logisch sein.“
Unser Ballettsaal hatte diesen ganz speziellen Geruch. Vielleicht von dem Putzmittel, mit dem der Boden gewischt wurde, vermischt mit einer kleinen Prise Turnhalle (Schweiß, Deo, muffige Trikots). Die Mädchen beschwerten sich ständig, dass es stank. Aber für mich war es der beste Geruch der Welt. Es roch nach Tanzen.“
Und das letztgenannte ist die Leidenschaft des 12-Jährigen, die ihm sozusagen auch Flügel verleiht, wie auch schon Anne Beckers Buchtitel „Milo tanzt“ aufdrängt. Diese Freizeitbeschäftigung, die er sich auch als seinen Beruf vorstellen kann, hält Milo aber in der Klasse geheim. Er ahnt oder weiß wohl, dass die Mobber vom Dienst namens Lennie und Bo ihn als unmännlich ärgern und einen Gutteil der Mitschüler:innen damit auf ihre Seite bringen würden. Seine jüngere Schwester Dana eifert ihrem großen Bruder nach und sein bester Freund Maxim ist eingeweiht.
Als ein neuer Schüler in die Klasse kommt, der offenbar etwas in Tanz-Sachen wittert und Milo offensichtlich nachspioniert, aber Teil der Mobber-Gang wird, wirft sich Maxim voll ins Zeug für seinen Freund. Mit einem Ablenkungsmanöver, bevor Milo zum Training radelt, bringt er Luca auf die falsche Fährte. Auch wenn Maxim sich mit seinem Manöver und damit einem Fehlschluss Lucas, der hier aber nicht verraten sei, selbst zum Gespött macht.
Und obwohl Maxim dieses Opfer bringt, muss Milo ihn enttäuschen. Die gemeinsamen fixen Montagnachmittage überschneiden sich mit einer erweiterten Trainingsmöglichkeit noch dazu bei einem Tanz-Idol. Das und noch ein weiteres Ziel traut sich Milo aber lange nicht seinem Freund zu eröffnen. Was natürlich erst recht zu einem Vertrauensbruch führt…
Viel mehr sei über den Plot nicht gespoilert, soll doch Leser:innen dieses Buches die Spannung nicht gestohlen werden – von denen die nicht ganz 200 Seiten doch etliche bereithält. Schon verraten werden kann, dass etliche Spezialausdrücke aus dem Bereich von Ballett-Tanz samt Beschreibung der Bewegungen und Sprünge im Text eingebaut sind. Und natürlich Vorurteile und das Durchbrechen solcher Teil der Geschichte um Freundschaft, Leidenschaft, Konflikte, Gewalt und Mobbing sind.
Tanzen und Buben, Burschen, Männer ist trotz vieler toller Tänzer noch immer für viele etwas, das sie dafür nutz(t)en, um sich über die Betreffenden lustig zu machen. Genau deswegen gibt es eine Reihe von Jugendlektüre und (Tanz-)Theaterstücken – oft auf diesen Büchern aufbauend -, die einen tanzenden Jungen ins Zentrum der Geschichte rücken. Am bekanntesten sind vielleicht „Jo im roten Kleid“ von Jens Thiele und David Williams‘ „Kicker im Kleid“ (Stück- und Buchbesprechungen in einem der Links am Ende des Beitrages). Im Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier, dem Dschungel Wien, inszenierte die langjährige künstlerische Leiterin unter anderem Stücke dazu mit teils akrobatischen Tanzkünstlern – „Boy’s don’t cry“ sowie „Kalaschnikow – mon amour“ – links zu Stück-Besprechungen am Ende des Beitrages.
Besprechung von „Boys don’t cry“ <- damals noch im Kinder-KURIER
Ein mehr als voll besetztes Boot schaukelt auf Wellen. Sehr viele Menschen, dicht an-, fast schon aufeinander, sind auf der Titelseite des Buches „Wünsche“ zu sehen – gezeichnet von Victo Ngai.
Und dann lässt die Autorin Mượn Thị Văn in gut zwei Drittel der Doppelseiten nicht Menschen, sondern zunächst die Nacht, dann die Tasche, das Licht, den Traum, den Pfad, das Meer, die Sonne … mit deren Wünschen zu Wort kommen. Die Tasche beispielsweise wäre gern tiefer, der Traum länger…
Angsterfüllte Augen malte Victo Ngai den Kindern in ihre Gesichter. Sie müssen ihre Heimat, ihr vertrautes Umfeld verlassen. Und so erzählen die Wünsche der zuvor aufgezählten und weiterer Objekte die Sorgen, Nöte, Ängste der Menschen sozusagen auf Umwegen. „Das Boot wünschte, es wäre größer.“
Erst sehr spät in der durch ganz wenige Sätze (in der deutschsprachigen Version sind es 76; Übersetzung aus dem englischen Original: Petra Steuber), die so viel aussagen und doch auch großen Freiraum fürs Spinnen eigener Gedanken dazu lassen, kommt eines der Kinder direkt zu Wort: „Und ich wünschte… ich müsste mir nichts wünschen…“
Obwohl die Autorin auf ihre eigene Fluchterfahrung aus dem damaligen Südvietnam zurückgreift, legt sie die Geschichte in „Wünsche“ doch so universell an. Und die Illustratorin schafft Stimmungsbilder, in denen viele zu entdecken, aber vor allem noch mehr in den Gesichtsausdrücken der Abgebildeten sowie in ihrer Körperhaltung abzu„lesen“ ist.
„Wünsche“ ist übrigens ein Preisträger der Kritikerjury in den Kategorien Bilderbuch beim deutschen Jugendliteraturpreis und wurde obendrein von der Jugendjury ausgezeichnet. In der Begründung zum erstgenannten Preis heißt es unter anderem: „Was die 16 Doppelseiten des Bilderbuchs über die Erlebnisse eines Kindes erzählen, das mit seiner Mutter und zwei jüngeren Geschwistern sein Zuhause verlassen muss, bekommt eine raum- und zeitübergreifende universelle Dimension, die für Erwachsene und Kinder gleichermaßen berührend ist… Victo Ngai hat die hohe poetische Verdichtung der prägnanten Sätze in farbstarken Bildern eindrücklich verstärkt.“
Auf der letzten Doppelseite des Buches legen Autorin sowie Illustratorin ihre Gedanken zum Buch und dessen Hintergründe dar. Und Mượn Thị Văn schreibt unter anderem: „Und dann frage ich mich: Wie lange und wie oft müssen solche Geschichten noch erzählt werden?“ Ihre kongeniale Partnerin, die Illustratorin schildert ihre Eindrücke des Textes u.a. so: „Die Erzählung durch leblose Gegenstände hat mich besonders berührt. Die Passivität verdeutlicht die wenigen Möglichkeiten, die der Einzelne in Zeiten großer Veränderungen und Unruhen noch hat.“
Weihnachten war in – früheren – Kriegen oft Anlass für wenigstens einen kurzzeitigen Waffenstillstand. Berühmt sind etwa die Bilder von Soldaten im ersten Weltkrieg, die aus den Schützengräben kamen und gegeneinander Fußball spielt und miteinander feierten. Einen solchen Waffenstillstand gab es nicht nur an der Westfront 1914, sondern auch im Osten – wie hier schon vor zwei Jahren berichtet wurde. Dieser Absatz sei im folgenden hier wiederholt, sozusagen ein Eigen-Zitat:
Es gab eine solche Unterbrechung des Krieges auch im Osten zwischen den Truppen des Russischen Reiches und der Habsburger-Monarchie im belagerten Przemysl. Darüber berichtete die Krankenschwester Ilka Michaelsburg, deren Buch „Im belagerten Przemysl“ 1915 erschien. Drei Mal gab es solchen Waffenstillstand, berichtet sie: Am Heiligen Abend 1914, am Neujahrstag 1915 und zum russischen Weihnachtsfest Anfang Jänner 1915. „Im Vorfeld schwenkte der Feind die weiße Fahne und schickte eine Deputation von zwei russischen Offizieren zur Weihnachtsbeglückwünschung in unser Lager herüber. Sie brachten russischen Tabak und Zigaretten als Weihnachtsgabe … daß am russischen Weihnachtsabend österreichische Offiziere die russische Beglückwünschung erwidert haben, indem sie gleichzeitig als Gegenleistung für die Zigaretten der Belagerungsarmee – Sardinen und Salami überreichten“, heißt es in dem Buch.
In beiden Fällen ging der Krieg danach jedoch unvermindert weiter. Aktuell gibt es nicht einmal solche Waffenstillstände – egal wo und egal zu welchen Feiertagen. An diese kurzfristigen Unterbrechungen der Kampfhandlungen einerseits und generell an die Frage Krieg oder Frieden möchte auch dieses Jahr Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater (veranstaltet unter anderem das internationale Visuelle Theater-Festival vormals Gehörlosentheater-Festival) erinnern. Online wird erneut ein Konzert mit thematisch passender Musik gestreamt – im Wesentlichen die selben Stücke wie in den vergangenen Jahren u.a. „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ von Viktor Ullmann (Libretto und Musik), aber mit einigen wenigen Abweichungen (gespielt von anderen Ensembles) bzw. Ergänzungen – Liste in der Info-Box am Ende des Beitrages.
Weihnachten wird – nicht mehr so – oft als „Fest des Friedens“ bezeichnet. Die meisten Menschen wollen wohl in Frieden leben. Und doch gibt es immer irgendwo Kriege auf der Welt. Gefühlt hat sich Kriegsgefahr in den vergangenen Jahren erhöht, zumindest ist sei Europa (wieder) näher gerückt. Angesichts des von Putin angeordneten Überfalls auf das Nachbarland Ukraine einer- und der militärischen Eskalation im Nahen Osten –Hamas-Terror-Überfall in Israel; Tötung zehntausender Palästinenser:innen im Gaza-Streifen scheinen Friedensbewegte so etwas wie ohnmächtig.
Und dennoch gibt es sie – unterschiedliche und gar nicht so wenige Friedensinitiativen auf verschiedenster Ebene.
Kaum, oder zumindest zu wenig, bemerkt von der Öffentlichkeit startete im August die Homepage Friedensatlas – Link am Ende des Beitrages.
Die Landkarte markiert Initiativen und Persönlichkeiten, die sich verschiedensten Feldern zivilgesellschaftlich für friedliches Zusammenleben einsetzen, dazu gehören
Aktionen, Projekte, Bildungseinrichtungen, Konferenzen usw. Und dokumentiert eine Breite, weil Friede auch soziale Gerechtigkeit braucht, Umwelt ebenso umfassen muss wie Genderfragen. „Der erste Friedensatlas Österreichs ist schließlich auch ein Verzeichnis der „Best Practices of Peace“. Der Atlas verortet österreichweit mutige Friedenshandlung, Friedenszeichen, Friedensgemeinden sowie friedensfördernde Handlungen, wie gewaltfreier Widerstand gegen Unrecht und Gewalt, Bildungsprojekte, wegweisende Gesetzesänderungen und vieles mehr“, heißt es auf der Homepage.
Dort sind auch die Ziele u.a. so beschrieben: „Der Friedensatlas soll dazu beitragen, mutige Friedenshandlung, Friedenszeichen, Friedensgemeinden sowie friedensfördernde Handlungen, wie gewaltfreier Widerstand gegen Unrecht und Gewalt, Bildungsprojekte, wegweisende Gesetzesänderungen und viele mehr zu verorten.
Der Atlas soll die Benutzerinnen und Benutzer ermutigen, selbst friedensfördernde Handlungen bewusst in ihrem Alltag einzubauen, selbst zu recherchieren und schließlich auch eigene (Friedens)Projekte zu gestalten. AbFaNG und andere Friedensorganisationen bieten dabei Unterstützung… und endet mit wohl DER Hymne – von John Lennon und Yoko Ono: „Give Peace a Chance!“
abfang.org -> friedenskalender/
„Ein Aufwachbuch“ heißt diese quadratische auf Kartonseiten gedruckte kunterbunte Geschichte im Untertitel. Ein – an Pumuckl – erinnerndes Kind wird munter. „Es ist in der Früh, rund um mich ganz still. Doch drin in mir spielt Musik, wenn ich will.“
In (nicht nur) diesem – von Melanie Laibl beschriebenen und von Cansu Yakin (der Vorname verknüpft die türkischen Wörter für Seele und Wasser) gezeichneten – Kind gibt es aber nicht nur Musik, sondern auch alle möglichen Geräusche. „Wie wär’s mit Knurren? frag ich meinen Bauch…“
Aber auch Geräusche von außen, etwa das Rauschen des Windes oder das Klopfen, Prasseln usw. von Regen verwandeln Bilder und Text in feine Rhythmen, Klänge, eben einfach Musik.
Im letzten Drittel des Papp-Bilderbuchs erweitert sich auch die Perspektive der Hauptfigur, des Kinders mit rotem Wuschelkopf – beim Musizieren machen nun so manche vor allem Tiere mit.
Ein Tag mit viel guter Laune geht zu Ende – und das Verfolgen des Geschehens mit seinen locker wirkenden gereimten Zeilen sowie den Bildern, die zu sehr vielen Entdeckungen einladen stecken sicher viele (Vor-)Leser:innen und Schauer:innen mit der positiven musikalischen Stimmung an.
Wolf – in praktisch allen Märchen ein ur-Böser. Und seine Schon- und Schutzzeit in den Wäldern, wo er erst wieder angesiedelt wurde, ist auch schon wieder in Gefahr. „Problem-Wölfe“, die Schafe fressen, sind der Vorwand für Jagdwütige, zumindest das eine oder andere Exemplare wieder auf die Abschussliste zu setzen. „Entnahme“ wird die nicht selten beschönigend, verharmlosend genannt. …
Ob das Gründe für Saša Stanišić waren, seinen Roman für junge Jugendliche (ab 11 Jahren) so zu nennen und einen solchen geheimnisvollen im Ferienlager – in den Träumen von Jörg und dem Erzähler auftauchen zu lassen? Und er taucht immer wieder in den entweder schwarz-weiß oder gelb gehaltenen Comic-artigen Zeichnungen von Regine Kehn auf.
Übrigens, der Name des erzählenden Jungen wird hier nicht gespoilert, nennt ihn der Autor doch erst im allerletzten Satz der rund 180 Seiten.
Der Wolf könnte hier für Ängste stehen. Ängste hat jeder, erklärt der Protagonist den Betreuer:innen im Ferienlager im Wald. Auf das er so überhaupt nicht wollte. Aber die alleinerziehende Mutter hatte für diese Sommerwoche keinen anderen Plan, niemanden, der sich um die Hauptfigur kümmern könnte. Den Ferienhort fand er noch abstoßender.
Natur im Allgemeinen und Wald im Besonderen lehnte er ab. Schlau und eloquent versucht er sich allen Zwangs-Gemeinschafts-Aktivitäten zu entziehen. Dabei würde er – so liest es sich zwischen den Zeilen und gar nicht so selten auch aus seinen Gedanken, die ihn der Autor äußern lässt – doch nicht gern immer der Außenseiter und allein sein. Sein „Glück“ ist, dass ein anderer Junge im Ferienlager, zu dem fast alle aus seiner Klasse mitkommen, der schon zuvor immer markierte Außenseiter ist. Dieser Jörg wurde schon davor von Mitschülern gemobbt, drangsaliert…
„Jörg ist wie alle eigen, er wird aber von den anderen nochmal andersiger gemacht, verstehst du? Man kann jemanden nämlich absichtlich verandern. Sorry, mir fallen nur erfundene Wörter ein.“
Somit ist der „Wolf“-Erzähler die meiste Zeit aus dem Schneider. Irgendwie entstehen in ihm Gefühle, diesen Jörg beschützen zu sollen/ wollen, mal da oder dort einzuschreiten. Aber meist bleibt‘s bei den Gedanken und Gefühlen: Sollte, wäre angebracht… Selten bis gar nie sagt oder tut er wirkliche etwas in dieser Richtung. Was auch zu seinem Unwohlsein mit beiträgt.
Saša Stanišić fühlt sich in diese seine erzählende Hauptfigur extrem gut ein, schildert das Ferienlager samt den jungen Jugendlichen, den Betreuer:innen und nicht zuletzt den Koch, den einzigen der den Erzähler zu verstehen scheint, so plastisch, dass sich das Geschehen vor dem eigenen geistigen Auge abzuspielen scheint. Und du dich als Leserin oder Leser vielleicht immer wieder selbst fragst, würd ich es schaffen, Zivilcourage zu zeigen? Und das alles kommt aber ganz ohne erhobenen Zeigfinger aus.
Übrigens: Eine dramatsierte Fassung von „Wolf“ kommt als Gastspiel des NÖ-Landestheaters im Jänner auf die „Bühne im Hof“ (St. Pölten) – siehe Link in der Info-Box am Ende.
An sich ist die „Verpunschung“ der Stadt mit ihrem süßlich-alkohol-geschwängerten „Duft“ ja eher eine Belästigung all jener, die sich nichts aus der „Illuminierung“ unter dem Vorwand für die eine oder andere karitative Sache zu saufen, machen. Am Samstag vor dem zweiten Adventsonntag platzierte sich aber ein kleiner, feiner zum mobilen Punschstand aufgerüsteter Fahrradanhänger im Zentrum des Rochusmarktes (Wien-Landstraße bei der U3-Station Rochusgasse).
Weil zwar der Markt, aber der Stand nicht sehr frequentiert war, übersiedelte der mobile Punschstand die Woche drauf auf den Gehsteig vor dem Ein- bzw. Ausgang des Sünnhofes (Landstraßer Hauptstraße 28), nicht wie hier ursprünglich berichtet an allen Samstagen bis Jahresende am Rochusmarkt. Auf dem neuen Standort „wächst“ dieser Handmade- und Fahrradanhänger-Punschstand – auch nicht-alkoholischen fruchtigen und nicht Zuckerwasser gibt es – mit dem Weihnachtsbaum-Verkauf zusammen. Womit sich trotz der für den Winterbeginn relativ warmen Temperaturen ein bisschen Feststimmung einzustellen beginnt.
Beim zweiten Mal an diesem Standort, eben dem kalendarischen Winterbeginn und damit drei Tage vor Weihnachten, brachte die Initiative auch eine ihrer wichtigen Forderungen auf einer Holztafel geschrieben mit: Was ich gerne hätte? Autofreie Städte!
Beim Brunnen zwischen den fixen Marktständen und nun bei den Weihnachtsbäumen gibt es nicht-alkoholischen, aber auch alkoholischen Punsch, Weihnachtskekse und vor allem auch Gespräche mit den Betreiber:innen und Erbauer:innen dieses Vehikels, den Tischler:innen der Initiative „Die Werkstatt – Baumanstraßen-Verschönerungsverein“. Seit sie vor ein paar Jahren das lange leergestande Kellerlokal am Ecke zur Beatrixgasse übernommen haben (davor spielte hier das LEO (Letztes Erfreuliches Operntheater) und danach das Clowntheater Olé), bauten sie eine Sitzbank, ein kleines offenes Bücherregal und organisierten Ende August das erste Straßenfest in dieser Sackgasse – Link zu einem Bericht darüber hier unten
Bei dem Straßenfest wurde auch – mit Besucher:innen – gebaut – unter anderem Insektenhotels und ein „Geh-Zeug“ (siehe Bericht übers Fest oben). Übrigens ist das Folgefest fürs kommende Jahr schon fixiert: 30. August 2025. Nun also ein mobiler Punsch-Stand, der aus alten und neuen Brettern gebaut wurde und einfach als Anhänger an einem Fahrrad transportiert wird.
Blumenkinder in einem Getreidefeld mit langen schmalen, spitzen grünen Blättern sind begleitet von dem Vierzeile „Lilienkrieg“
Schwertlilien kämpfen hier
mit dem spitzen Blätterschwert.
Schöner wärs, das wissen wir,
wär das Leben unbe-Schwert.“
So wie der bekannte Schweizer Kinderbuch-Illustrator und -macher Ernst Kreidolf (1863 – 1956) mit Bildwitz arbeitete, so greift Lorenz Pauli, bekannter Schweizer Kinderbuch-Autor immer wieder zu Wortwitzen wie im obigen Zitat. Das ist dem 50 Seiten starken Bilderbuch „Kreidolf reloaded“ entnommen.
Fein gemalte, genaue Naturbeobachtungen, deren Blumen, Tiere und die wenigen vorkommenden Menschen im Wechselspiel mit der Natur aber schon auf den ersten, noch viel mehr auf weitere Blicke Humor ausstrahlen. Das sind Illustrationen von Ernst Kreidolf. Zu vielen seiner Bilder schrieb er einst selbst Gedichte. Rund ein Dutzend seiner Bücher sind im engagierten auf höchste Qualität Wert legenden Nord-Süd-Verlag erschienen.
Der ebenso bekannte zeitgenössische Schweizer Kinderbuch-Autor Lorenz Pauli zu nahm sich in Zusammenarbeit mit Verlag sowie der Ernst-Kreidolf-Stiftung viele der Bilder her und dichte neue Texte dazu.
Während der „Malerpoet“ wie Anna Lehninger, Kunsthistorikerin und im Vorstand der genannten Stiftung, Kreidolf nennt, eher beschreibende Texte zu seinen Gemälden verfasste, wählte Pauli einen out-of-the-box-Blick auf die Zeichnungen.
Für ihn waren die Bilder Inspirationsquelle für gereimte kleine Geschichten, die er in den Illustrationen sah. Samt Texten, die Wesentliches der eigenen Profession preisgeben. So regte ein blondbärtiges reitendes Männchen mit großem Hut und grünem Frack auf einer Art Hund mit Fell, das offenbar einem anderen Tier abgezogen wurde, und auf dessen Rücken ein großes Schneckenhaus wackelt zum Text „Worum es geht“ an.
„Wenn dich das Bild hier interessiert,
wenn du dich fragst, was hier passiert,
….
wenn du mich fragst. Ja, wenn, wenn, wenn…
Glaubst du, dass ich die Antwort kenn?
…
Die Antwort steht nicht im Gedicht:
Die Antwort gibt es bisher nicht:
Vielleicht fällt dir dazu was ein?
Es darf nur eins nicht: logisch sein.“
Jedenfalls ein Bilderbuch von Fantasie gekennzeichnet, das solche auch weiter bei Leser:innen und Betrachter:innen anregen kann.
Als Lina mitten in der Nacht munter wurde, nahm sie ein großes und doch hauchzartes Wesen wahr. Dieses wunderte sich, dass das Mädchen überhaupt mit dieser Erscheinung mit Flügeln reden, geschweige denn es sehen konnte. So beginnt das üppig bebilderte Buch „Lina und der Schnee-Engel“. Er sei gekommen, um sie zu retten – vor einer heftigen Krankheit.
Märchenhaft und irgendwie magisch erzählt Maggie O’Farrell (Übersetzung aus dem Englischen: Kerstin Rabe) die Geschichte des Schnee-Engels, eine besondere Form eines Schutzengels. Denn um einen solchen handelt es sich natürlich bei dem zu Beginn beschriebenen Wesen; außerdem wird er doch schon im Buchtitel genannt. 😉
Lina habe ihn selbst erschaffen, verrät der Schnee-Engel, was diese anfangs nicht glauben kann. Bis dieser erklärt, dass er – und seinesgleichen – entstehen, wenn Menschen sich im Schnee auf den Rücken legen und die Arme Stück für Stück nach unten ins kalte Weiß drücken. Du kennst sicher den dabei entstehenden Abdruck, den auch die allermeisten Schnee-Engel nennen.
Deshalb wirkt es doch ein bisschen seltsam, dass alle anderen Menschen die Lena animieren will, solche Engel in den Schnee zu drücken, mit dem Begriff erst nichts anfangen können.
Von ihrer Begegnung darf Lina natürlich nichts verraten, tut sie auch nicht. Aber sie will ihren Schnee-Engel wieder treffen, provoziert dafür sogar Gefahren-Situationen. Denn dann, so ihr Gedanke, müsse er ja als Schützer wieder in Erscheinung treten.
Die fast 70 sagen-haften Seiten sind ebenso illustriert – von Daniela Jaglenka Terrazzini. Den zauberhaften Illustrationen werden durch so manche glitzernden und glänzenden Elemente sozusagen noch ein Tüpfelchen aufs i gesetzt.
2.008 junge Wiener:innen im Alter von 5 bis 20 Jahren haben im Herbst ihre Wünsche und Visionen eingebracht. Knapp vor Weihnachten begann die zweite Phase dieses Mitbestimmungsprozesses. Das Wiener Kinder- und Jugendparlament nachm in der Woche vor den Winterferien die Arbeit in neun Ausschüssen auf.
Die Umfrage ergab, dass sich fast neun von zehn Kindern und Jugendlichen, die an der Befragung teilgenommen haben, wohlfühlen und gerne hier leben. Besonders positiv bewertet wurden die Infrastruktur und das Freizeitangebot der Stadt, vor allem Parkanlagen, Spielplätze, öffentliche Verkehrsmittel und Kulturangebote. Gleichzeitig wurden in diesen Bereichen auch die größten Verbesserungswünsche geäußert.
Als Herausforderungen wurden zudem die steigenden Lebenshaltungskosten genannt. Kinder und Jugendliche wünschen sich
Zu allen Ergebnissen der Umfrage geht es in einem Link am Ende des Beitrages.
Das Wiener Kinder- und Jugendparlament tagte zum dritten Mal. 90 Jugenddelegierte und 235 Kinder arbeiten ab nun an der Kinder- und Jugendstrategie 2025-2030. Auf Basis der genannten Umfrage und eigener Ideen formulieren sie Themen und Ziele für Wiens Zukunft.
Die erste Sitzung des Jugendparlaments im Musischen Zentrum Wien wurde eröffnet, während rund um diese Zeit auch die Kinderparlamente in Wiener Schulen und einem Kindergarten tagen. Womit sie auch unter Beweis stellen, dass sich junge Menschen gesellschaftspolitisch engagieren, wenn sie das Gefühl haben, echt gehört zu werden und mitsprechen zu können.
In neun Ausschüssen – Klima, Natur und Umwelt, Öffentlichem Raum und Mobilität; Freizeit und Kultur, Bildung und Schule; Arbeit und Wirtschaft; Gemeinschaft und Sicherheit, Gesundheit und Soziales; Demokratie, Teilhabe und Inklusion; Frauen, LGBTQI+ und Gleichberechtigung – diskutieren die jungen Delegierten der Kinder- und Jugendparlamente die Ergebnisse der Umfrage, tauschen sich mit Fachleuten aus und erarbeiten Ziele und Handlungsfelder. Die Ergebnisse werden in weiteren Sitzungen bis April 2025 vertieft und im Rathaus präsentiert.
Die Delegierten vom Kinder- und Jugendparlament kommen am 26. Februar mit der Stadtregierung bei der Dialogveranstaltung ins Gespräch. Die finale Plenarversammlung findet am 10. April 2025 im Wiener Rathaus statt. Dort präsentieren die Kinder und Jugendlichen der Stadtregierung die Ergebnisse.
Das Wiener Kinder- und Jugendparlament wurde 2020 im Rahmen der ersten Kinder- und Jugendstrategie der Stadt Wien etabliert und tagt seit 2022. In den Plenarsitzungen entwickeln Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 20 Jahren Handlungsempfehlungen und Forderungen für die Wiener Stadtregierung.
Dieses Jahr steht eine besondere Aufgabe im Fokus: Die Teilnehmer:innen erarbeiten gemeinsam mit Fachleuten und Vertreter:innen der Stadtregierung die zentralen Ziele und Handlungsfelder der neuen Kinder- und Jugendstrategie 2025-2030. Die Strategie bezieht sich auf zentrale Bereiche wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Stadtplanung sowie weitere wesentliche Gesichtspunkte städtischen Lebens. Sie stellt sicher, dass die Anliegen und Ideen von Kindern und Jugendlichen bei diesen Themen Gehör finden und aktiv in die Gestaltung der Stadt einfließen.
Der Prozess zur Erstellung der Kinder- und Jugendstrategie 2025-2030 wird von der Koordinationsstelle Junges Wien bei Wienxtra und der Stadt Wien geleitet. „Mit dem Kinder- und Jugendparlament und der Erarbeitung der neuen Kinder- und Jugendstrategie schaffen wir eine Plattform, die jungen Menschen in Wien eine echte Stimme gibt. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass die Anliegen und Ideen der Kinder und Jugendlichen Gehör finden und direkt in die Stadtpolitik einfließen“, so Benjamin Schmid, der neue Leiter der Koordinationsstelle Junges Wien bei Wienxtra.
Alle Ergebnisse der Umfrage unter Kindern und Jugendlichen – Herbst 2024
Wird Weihnachten dann überhaupt noch stattfinden? Das Stück Eis mit der Holzhütte des Weihnachtsmannes bricht vom „Rest“, dem großen „ewigen“ Eis ab, driftet davon. Vogel und Fuchs versuchen alles – die Insel mit einer Angel einzufangen, den rot-gewandeten Gabenbringen in die Luft zu heben und per Flug zu retten… Ein Wal und ein Schlitten spielten auch noch eine Rolle. Mit dem rund ¼-stündigen Animationsfilm „Der Weihnachtsmann zieht um“ (Caroline Attia Larivière) beginnt der Kinofilm „Weihnachten der Tiere“.
Dieser besteht aus fünf aneinandergereihten jeweils rund ¼-stündigen Animationsfilmen. Sechs Regisseurinnen – aus verschiedenen Ecken und Enden der Welt und damit auch unterschiedlichen Kulturen – arbeiteten an den einzelnen eigenständigen gezeichneten und animierten Kurzfilmen; sowie einem gemeinsamen Zwischenspiel, das diese verbindet. War „Weihnachten der Tiere“ schon beim kürzlichen internationalen Kinderfilmfestival in Wien und Graz zu sehen, so läuft dieser „Omnibus-Film“ derzeit passend zum bevorstehenden Fest in einigen Kinos Österreichs.
Wie in einem „Omnibus“ (eine bei uns nicht mehr so gebräuchliche Bezeichnung für Autobus) viele mitfahren können, verbinden sich in dieser in Frankreich und Belgien bekannten Form mehre einzelne Filme zu einem gemeinsamen. Die Vorgabe für diesen Film an die verschiedenen Filmemacherinnen – Caroline Attia Larivière, Ceylan Beyoğlu, Olesya Shchukina, Haruna Kishi, Camille Alméras -, die eigenständig arbeiteten, war: Tiere und ein Fest; in dem Fall Weihnachten, das aber auch stellvertretend für viele andere stehen kann. Die Filme kommen praktisch ohne Dialoge aus – sind damit völlig unabhängig von verschiedenen Sprachen. Neben Tieren und Fest spielen so „nebenbei“ Freundschaft einer- und Natur anderseits wichtige Rollen
Die fünf Geschichten sind alle digital 2D-animiert – beziehen ihre Inspiration aber aus unterschiedlichen Techniken – von Scheren- sowie Linolschnitt, Aquarellmalerei und japanischer Pergamentdruck. Die Regisseurinnen schufen damit nicht nur unterschiedliche Geschichten, sondern verleihen dem Gesamt-Film einen breiten Bogen bzw. Mix an Film-Stilen. Céline Milazzo und David Chantoiseau entwarfen eine gemeinsame Farbpalette für den gesamten Film, der von der Oscar-nominierten Céline Kelepkipis (für „The Red Turtle“) montiert (geschnitten) wurde. Auch der Soundtrack ist ein durchgängiger – von Pablo Pico komponiert. Den Titelsong – für die deutschsprachige Fassung (Titel und Inserts) singt Lisa-Marie Ramm, Gewinnerin von The Voice Kids vor viere Jahren (2020).
Weiße Zeichentricksterne, der Mond als schaukelnde Hängematte, tanzende Sterne, bunte Fallschirme und ähnliches sind Elemente der von Natalia Chernysheva animierten Zwischenspiele zwischen den fünf Filmen.
Ceylan Beyoğlu siedelte ihre Episode in einem Hühnerstall an: „Das erste Weihnachten der kleinen Civciv“. Wobei sie ursprünglich Schneemänner im Kopf hatte, verrät sie in einem Interview mit dem Filmverleih „Luftkind“ für das Medienheft zu „Weihnachten der Tiere“.
Dort erzählt sie auch, dass sie als Kind in der Türkei kein Weihnachten gefeiert habe, „aber das Neujahr und auch andere Feste, bei denen die Familie zusammenkommt. In meinem Kapitel gibt es Weihnachtsschmuck, aber es geht ums Zusammen-Sein und Zusammen-Feiern. Das ist international. Für mich haben alle Feste einen universellen Kern, der nicht an eine bestimmte Religion oder Ähnliches gebunden ist.“
Das möchte sie auch – sicher nicht nur Kindern – mit auf den Weg geben, „dass gemeinsam alles schöner ist und dass man in einer Gemeinschaft viel stärker ist als allein.“
Womit ihr Film dem oft beschworenen Sinn des bevorstehenden Festes wohl mehr entspricht als der zur Gewohnheit gewordene und von Wirtschaft und Werbung befeuerte hektische Kaufrausch.
In „Der allerletzte Weihnachtsbaum“ (Olesya Shchukina) scheint es eben genau diesem mit der Hacke an sein Leben zu gehen, aber… „Der geheimnisvolle Tanuki“ (Haruna Kishi) ist rund um ein Iglu angesiedelt, den Abschluss bildet „Das große Fest der Tiere“ (Camille Alméras)
Ein Riesending, das von seiner Farbe, der Oberfläche und der Form her an eine überüberdimensionale „Wollmaus“ erinnert, wie in manchen Regionen die Zusammenballung von Staub liebevoll beschönigend genannt wird, dominiert eine Bühnenhälfte. Ungefähr in der Mitte steht eine ganze Figur aus solchem „Material“. Steckt da wirklich – und das die ganze Zeit – ein Mensch drin? Oder wenn nicht, wie steht dieses Gebilde aus grauen „Zellen“?
„staub… a little mindblow*“ war kürzlich eine faszinierende, selbst für das Ensemble „spitzwegerich“, bekannt für ungewöhnliche Kombination aus Schauspiel, Objekt-Theater und philosophischen Gedanken noch einmal außergewöhnliche Performance im Theater am Werk Meidling. Allein schon die Idee, dem Staub eine Performance zu widmen. Und dann eine solche!
Die oben beschriebenen Objekte beide aus eigenhändig aus gefilzter Wolle angefertigt, bilden aber nicht nur beeindruckende optische Objekte (Rebekah Wild und nicht zuletzt Birgit Kellner, die auch auf der Bühne performt und in jeder erdenklichen Pause mit der Widerhakennadelgefilzt hat). Aus der großen Wollmaus schlüpft unter anderem die zuletzt Genannte und dazu noch Shabnam Chamani. Fabricio Ferrari “verwandelt” sich danach in eine Art Bruder oder zumindestens Artgenossen der aufrecht stehenden Staub-Figur, die spätestens ab diesem Zeitpunkt als Objekt und nicht verkleideter Mensch erkennbar wird. Simon Dietersdorfer begleitet die tänzerischen Staub-Performer:innen mit seinen gekonnten vielseitigen musikalischen Stimm-Fähigkeiten – von Gesang bis Mund-Geräuschkulisse.
Den Text – zwischen alltäglicher Putz-Routine und hochphilosophischen Gedanken wie aus einzelnen Staubkörnern durch Zusammenballung fast in einer Art Kooperation ganze scheinbare Wesen werden sowie so manchen scheinbaren Nonsens-Elementen – steuerte wie beim Kollektiv spitzwegerich sehr oft Natascha Gangl bei. Wobei auch viele Gedanken der Performer:innen sowie noch von einer Reihe weiterer Mitwirkenden einflossen. Und das interdisziplinäre, multimediale Performance-Kollektiv durfte Gerhard Rühms Fragmente aus seinem „Staub-Lamento“ verwenden und singen.
Für die Choreografie zeichnet Martina Rösler verantwortlich und Aslı Kışlal war dieses Mal mehr als ein „outside eye“ (dramaturgische Beratung) und wird intern als „inside eye“ beim „Staub-Schock“ bezeichnet.
Übrigens dreht sich die – hoffentlich irgendwann irgendwo wieder aufgenommene – Produktion nicht nur um die Entstehung und das Wachstum von Staub-Objekten; aus zwei Kübeln scheint auch flüssiges Putzmittel als Schaum-Geburten ein Eigenleben zu entwickeln.
In der allseitigen Beleuchtung von Staub habe ich lediglich einen Brückenschlag zu einer der zentralen Figuren aus Cornelia Funkes Tintenwelt-Tetralogie, Staubfinger, vermisst. Durch (Vor-Lesen) verschwinden Figuren aus Büchern und landen in der wirklichen Welt. Was hingegen in der Performance in weiten Teilen mitschwingt, ohne den Begriff zu nennen, ist dass wir selbst, ja unser ganzer Planet nichts anderes sind als ein winziges „Korn“ im Sternestaub des Universums.
Jedenfalls hallt vieles aus den rund 1¼ Stunden derart nach, dass einfaches Staub-wischen oder -saugen kaum mehr möglich ist, ohne den einen oder anderen (schrägen) Gedanken aus „staub… a little mindblow*“ zu wälzen. Womit diese meist lästige Tätigkeit immerhin eine neue Dimension kriegt 😉
Mehr als eineinhalb Dutzend (Papp-)Bilderbücher rund um einen, nein „den“ kleinen Fuchs haben Florence Dailleux in Bildern und Ulrike Motschiunig in Texten schon veröffentlicht. Manche drehen sich ums gleiche Thema oder spielen im selben Ambiente. Fast immer gibt es dennoch Neues zu entdecken. In „Komm, wir spielen, kleiner Fuchs!“ freut sich der kleine Fuchs – wie auch in anderen der Bücher, die im Winter spielen, über Schnee und zugefrorene Wasser, auf denen er dahinlaufen kann.
Gemeinsam mit Reh und Hase – alle drei ernähren sich vegetarisch – spielen sie – im von Weiß dominierten Winterwald. Und dann entdeckt das Trio ein für alle drei noch nie gesehenes „Tier“. Selbst wenn du in schneearmen Gegenden aufwächst, erkennst du die drei aufeinander geschichteten Schneekugeln sofort.
Dieses Tier rührt sich nicht und der Hase stibitzt die orange-rote Nase. Immerhin teilt er die Karotte mit seinen Spielkameraden. Als sie satt und ein bisschen schläfrig sind, rührt sich bei der Hauptfigur dieses und der vielen Bücher dieses Duos schlechtes Gewissen. Und Füchslein findet eine Ersatznase und sogar noch mehr fürs Gesicht des Schnee-„tieres“…
„Das Jetzt ist der einzige Zustand, den es wirklich gibt. Vergangenes war und Zukünftiges wird sein. Jetzt ist. Jetzt ist real. Jetzt kannst du ändern.“ Das sind die letzten Sätze des Textes von Adele Bardelli. „Jetzt ist“ schrieb die Jugendliche aus der Wiener Neulandschule Grinzing als eine von 23 von 25 Finalist:innen für den Jugendliteraturbewerb texte.wien 2024. Es war die 13. Ausgabe, die neunte in der Neugründung als „Literarische Bühnen Wien“. Das Motto des nun zu Ende gegangenen Durchgangs lautete „Augenblicke“.
Erstmals fand die Final-Gala samt Preisverleihung im Schauspiel^haus Wien statt. Und so lasen neben Markus Meyer aus dem Burgtheater (der auch die Obmannschaft des Vereins von Cornelius Obonya übernommen hat) die beiden Ensemblemitglieder des Gastgeberhauses Sissi Reich und Maximilian Thienen sowie die Film- und TV-Schauspielerin Sarah Zaharanski aus allen 23 Finaltexten vor. Immer genau zwei Minuten – so die Dramaturgie des Initiators des Bewerbs und Regisseurs des Abends, Christoph Braendle.
Den „Gong“ setzte mit musikalischen Interventionen die junge Band Ginger Shot – sozusagen ein scharfer Einschnitt. Der „Ingwer-Schuss“ besteht übrigens aus dem Sänger Nikolaus Blin, Joana Nikolov (ebenfalls Vocal) sowie dem Drummer (Schlagzeuger) Lazar Jevtić, Paul Brandstötter an der Gitarre und dem Bassisten Linus Weinek. Natürlich sorgten diese jungen Musiker:innen nicht nur für die Breaks nach jedem der Texte, sondern immer wieder für ganze Nummern, die sehr zum Mitswingen einluden.
Mit diesen 2-Minuten für alle wird – trotz Bewerb und Reihung durch die Jury – jedem Text derer, die es ins Finale der immerhin 400 Einreichungen aus dem deutschsprachigen Raum geschafft haben, die gleiche Aufmerksamkeit und Wertung zuteil. Übrigens sind nach wie vor alle Final- sowie Vorrunden-Texte auf der Homepage des Bewerbs (nach) zu lesen 😉 – Link unten am Ende des Beitrages.
Trotz wirklich spannender, vielseitiger, ganz unterschiedlicher Zugänge – sowohl von den Themen als auch den literarischen Genres – von Kurzgeschichten über Gedichte bis zu theatralen bzw. filmischen Szenen – beschränkt sich dieser Bericht auf die drei Erstplatzierten – mit ihnen gibt es als eigene Beiträge Interviews. Und traditionell wird der Text von Platz 1 – in diesem Fall „Vellichor“ von Emilia Masek aus dem Leopoldstädter Sperlgymnasium (2. Bezirk in Wien) – in voller Länge als eigener Beitrag veröffentlicht – Link ebenfalls am Ende dieses Beitrages.
Laut Duden bedeutet der aus dem Englischen kommende Begriff Vellichor „die empfundene Nostalgie und Wehmut, die beim Besuch von Antiquariaten durch den Geruch von altem Papier hervorgerufen wird. Der wunderschöne Neologismus geht auf John Koenig (US-amerikanischer Leutnant, Szenenbildner und dafür ein Mal für den Oscar für das beste Szenenbild nominiert) zurück“.
Die Autorin wollte unbedingt einen Text über ein kaum bekanntes Fremdwort schreiben, erzählt sie im Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Und nach dem Besuch eines Wiener innerstädtischen Antiquariats entschied sie sich für diesen Begriff und einen Text bei dessen Lesen ein solches vor dem eigenen geistigen Auge entsteht, ohne je verstaubt zu wirken 😉
Dieser Text hinterließ bei der Jury „den stärksten Eindruck und hat am meisten überzeugt… ein richtiges Liebeslied an die Literatur und das Erzählen“.
Platz 2 ging – ebenso wie der folgende dritte Rang nach Salzburg an Jugendliche des selben Musischen Gymnasiums der Landeshauptstadt. Theresa Schmerold beschreibt in „Unsere Stadt, 1:34 nachts, örtliches Altenheim“ als Jugendliche dennoch plastisch das Leben am anderen Ende desselben – nicht romantisierend – von wegen sanft entschlafen, sondern realistisch hart und doch empathisch.
„Nachdem wir den Text gelesen haben, wissen wir (wieder einmal) etwas, das im Grunde gar nicht direkt angesprochen wird“, fand die Jury. „unter anderem gelingt das dank einer durchgängigen Ambivalenz, die damit beginnt, dass ein sogenanntes heikles Thema – die (freiwillige) Konfrontation mit Menschen, die sich unmittelbar vor dem Sterben befinden – aufgegriffen und mit einer gewissen Unbekümmertheit, niemals verunglimpfend, mal liebevoll, mal neckisch, verständnisvoll, dann wieder ein wenig spöttisch behandelt wird.“
Zwar aus Salzburg, aber ein Wien-Aufenthalt war’s, der Felix Denk zu seinem sehr szenisch geschriebenen Text „Auf der Mariahilfer Straße“ inspiriert. Wobei er bei der Preisverleihung und im KiJuKU-Interview verriet: Für die Art der Beschreibung dessen, was er auf der berühmten stillstehenden Baustelle des von René Benko geplanten nach Hedy Lamarr benannten Hotels am Beginn dieser Einkaufsmeile ansiedelte sei auch Roland Schimmelpfennings „Auf der Greifswalder Straße“ eine mehr als anregende Lektüre gewesen. Ein Mix aus Sozialreportage und Kriminalfall veranlasste die Jury, Felix Denks Text aufs „Stockerl“ zu heben.
„Besonders hervorzuheben ist der genaue Blick auf eine Sprache, die zur Komplizin der Corporate Reality wird“, meinte die Jury. „Mal sind es scheinbare Zitate aus dem Kontext von Motivationsseminaren, mal sind die Aussagen derart überspitzt, dass sie die Irrationalität dieser verharmlosenden, individualisierenden Slogans aufdecken, etwa Probleme sind nur dornige Chancen… Das Erscheinen eines Kommissars lässt einen Kriminalfall und eine Auflösung erwarten – stattdessen gehen die Figuren ins Nichts ab… Der Text endet als Fragment… der die Phantasie anregt…“
Ein leises Klingeln erfüllt die Luft, eine Tür fällt geräuschlos ins Schloss. Willkommen, sagt das Eingangsschild, und du willst nie wieder gehen. Im Antiquariat drücken sich die Regale an die Wände, schmiegen sich aneinander und kauern zusammen unter der Decke. Biegen sich fast unter ihrer Bücherlast, fast verblasste Worte, an denen die Geschichte von Jahrtausenden klebt. Die Schritte werden fast unmerklich gedämpft, nicht durch einen Teppich, der Raum selbst bittet um Schweigen.
Zwei Schritte mehr und da erstreckt sich die schriftgebundene Sagenwelt. Herakles kippt fast von dem Brett, unter ihm die falsch eingeordneten Brüder Grimm. Troja liegt in der Ecke, Odysseus taucht ins Tintenmeer.
Vergilbte Seiten, altersgebeugte Bretter, unlesbare Buchrücken.
Was wäre die Welt ohne Erinnerung?
Es heißt, in jeder Geschichte steckt ein wahrer Kern. Wenn du genau hinhörst, kannst du Iphigenie auf Tauris singen hören. An Aulis willst du dich nicht erinnern.
Die Geschichte der Welt wird mit Tinte erzählt. Manchmal auch mit Kinderhänden, die vor Tausenden von Jahren ihre Finger in Farbe tauchten und sie vorsichtig gegen einen Felsen pressten, als wollten sie sagen: Ich war hier. Ich habe geliebt, gelebt. Erinnert euch.
Manche Augenblicke bleiben für immer, weil wir sie nicht loslassen wollen. Wir schreiben sie ab, drucken sie neu, binden sie ein und sortieren sie neben ihre Vorgänger.
Um dich herum ist glasklare Stille.
Der Regen trommelt wütend gegen die Scheiben, aber du hörst ihn nicht, lässt ihn nicht ein. Heute ertrinkst du in Tinte.
Du läufst weiter, tiefer in das Labyrinth aus Worten, atmest die Jahrhunderte ein.
Links von dir lauert MacBeth, daneben kauert Hamlet. Worte, Worte, Worte. Wenn Liebe dich krönen könnte, wärst du längst König.
Nächstes Regal, knarrendes Eichenholz. „Neuerscheinungen“, verkündet ein Schild, und der jüngste Band ist älter als du. Du schweifst an ihm vorbei, bis an die hinterste Wand. Dorthin zieht es dich, wie lautloser Sirenengesang, ein Zupfen an deiner Seele, ein gehauchtes Versprechen.
Raues Leder unter deinen Fingern, Seiten so zerbrechlich wie erzwungener Frieden. Worte fliegen an dir vorbei und fallen mit leisem Rascheln an neue Orte.
Vellichor, sagt das Wörterbuch, sei die Wehmut inmitten von altem Papier. In der Zeit verloren zu sein, während sie sich unbarmherzig durch die Seiten frisst. Jede Geschichte endet irgendwann, wenn man keine zweite Auflage findet.
Vellichor, bedeutet zu wissen, dass man ein Sandkorn ist inmitten der Unendlichkeit, eine Aneinanderreihung von Buchstaben angesichts der Geschichte.
Vellichor, das bedeutet in der Ewigkeit zu stehen und selbst zu ihr zu werden, für einen Augenblick. Das Universum blinzelt und das Antiquariat bleibt bestehen. In hundert Jahren gibt es diesen Ort vielleicht noch, dich nicht mehr.
Lass etwas zurück, ein Flüstern zwischen den Buchseiten, bleistiftgebundene Gedanken. Der Klang deines Namens wird verhallen, bis kein Echo ihn mehr einfangen kann. Wehmut flutet dein Herz.
Lass etwas zurück. Einen Händeabdruck, in deiner Lieblingsfarbe. Finger gepresst an etwas, das nicht so vergänglich ist wie Papier. Einen Augenblick, den du mit bloßen Händen zu Ewigkeit formst.
Erinnert euch.
Ich habe geliebt, gelebt.
Ich war hier.
Emilia Masek
KiJuKU: Seit wann schreiben Sie, wie sind Sie dazu gekommen?
Emilia Masek: Schon seit ich klein bin schreib ich, früher war das aber richtig, richtig selten. Ich les‘ halt wirklich sehr, sehr gerne.
KiJuKU: Wann haben Sie dann mehr als selten zu schreiben begonnen?
Emilia Masek: In den Lockdowns, als wir alle zu Hause waren, da hab ich halt so eine Art Fan-Fiction-Community gegründet. Da haben wir uns eben ausgetauscht und das hat mich motiviert, mehr zu schreiben. Danach hab ich weniger und für den Wettbewerb wieder mehr geschrieben.
KiJuKU: Für Ihren siegreichen Text haben Sie auf der Bühne bei der Preisverleihung gesagt, der Besuch in diesem Antiquariat war der Auslöser. Wie war das: Sie waren drinnen, sind rausgegangen und haben gewusst: Da schreib ich jetzt einen Text darüber?
Emilia Masek: Nein, ich hab diesen Text erst zwei Tage vor Abgabe-Schluss geschrieben. Ich hatte mir mehrere Themen überlegt. Und es waren alles Wörter, die man weniger kennt. Am Anfang wollte ich über Petrichor schreiben, das bezeichnet den Geruch von Regen. Ich habe mich dann aber für diesen Text entschieden, weil ich in dem „Antiquariat Schaden“ in der Sonnenfelsgasse 4 (Wien-Innere Stadt; 1. Bezirk) ja drinnen war.
KiJuKU: Aber wenn ich das richtig verstehe, war ein Ansatz: Ich nehme ein Wort her, das wenige Leute kennen und darum herum bau ich eine Geschichte?
Emilia Masek: Ja, aber das hatte ich zum ersten Mal gemacht.
KiJuKU: Und dieses Wort ist Ihnen zugeflogen oder haben Sie es bewusst gesucht, speziell im Zusammenhang mit dem Antiquariat?
Emilia Masek: Ich hab’s auf Pinterest (ein Social Media Netzwerk) aufgeschnappt, dann hab ich erst einmal die Bedeutung im Internet gesucht. Ich hab dann begonnen, ungewöhnliche Wörter zu sammeln, hatte so eine kleine Liste mit denen. Dann nach dem Besuch im Antiquariat ist es mir wieder eingefallen und ich hab gedacht: Ach, das passt gut dazu und so hab ich mir das rausgepickt.
KiJuKU: Sind diese Beschreibungen des Antiquariats aus der genauen Beobachtung vor Ort oder war es „nur“ die Animation für diesen Text und Sie haben vieles erfunden?
Emilia Masek: Ich hab das meiste erfunden. Ich war nur zwei Mal dort. So genau hab ich mir das nicht angeschaut, weil ich eben mit einigen Büchern dort beschäftigt war. Ich fand einfach die Atmosphäre richtig cool. Und wusste schon nach dem ersten Mal: Da komm ich auf jeden Fall wieder. KiJuKU: Abschließend die gleich Frage wie an Ihre Kolleg:innen: Ist Schreiben so etwas wie eine Berufsperspektive für Sie?
Emilia Masek: Ich würde schon gerne Autorin werden. Früher wollte ich das hauptberuflich machen, aber jedenfalls würd ich’s gerne nebenberuflich machen und wenn sich’s dann einmal ausgeht zum Hauptberuf.
KiJuKU: Wann und wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Theresa Schmerold: Bei mir hat’s auch relativ früh angefangen.
KiJuKU: Relativ früh heißt?
Theresa Schmerold: Schon in der Volksschule hab ich mit meiner Schwester Geschichten erfunden. Generell hab ich sehr viele kreative Hobbies.
KiJuKU: Und zwar?
Theresa Schmerold: Basteln, malen, singen, schreiben eben
KiJuKU: Wie schreiben Sie dann – mir kommt eine Idee, ich setz mich hin oder Notizen sammeln, oder …?
Theresa Schmerold: Bei mir ist das sehr ambivalent. Normalerweise oder sehr oft hab ich Ideen, wann ich gerade nicht schreiben kann, da mach ich mir dann Notizen am Handy. Wenn die aneinandergereiht wären, ergäb‘ das wahrscheinlich gut zwei Kilometer. Und aus Stichwörtern und längere Notizen zieh ich dann meine Ideen für Texte heraus. Aber ich bin auch relativ spontan beim Schreiben und versuch, dass ich mir nicht allzu viel Druck mache. Es kommt oft auch vor, dass ich mich hinsetze und drauf los schreibe. Das funktioniert für mich eigentlich am besten.
KiJuKU: Zu Ihrem nun ausgezeichneten Text haben Sie auf der Bühne gesagt, ein Todesfall in der Familie war der Ausgangspunkt sich mit diesem Thema zu beschäftigen?
Theresa Schmerold: Genau, und zwar die Art des Todes – nicht so romantisiert wie es oft beschrieben wird, jemand ist entschlafen oder so, sondern real, nicht beschönigt, sondern die Natur wie sie leibt und lebt…
KiJuKU: … und stirbt?
Theresa Schmerold: Ja, das interessiert mich generell. Dass man Sachen beschreibt wie sie wirklich sind – und den Gedankenprozess dazu mitmacht; Welten aufbaut, die auch fantasievoll sind. Ausschlaggebend sind dafür Szenen, die ich in meinem Kopf hab, die ich dann beschreibe – desto lebhafter wird der Text. KiJuKU: Ist Schreiben eine Berufsperspektive für Sie?
Theresa Schmerold: Ich bin am Überlegen, was ich machen möchte. Ich glaub, dass ich nicht aufhören werde zu schreiben, auch wenn es nur als Hobby ist, aber es würde mich schon interessieren – unter anderem.
texte.wien -> Text der Zweitplatzierten
KiJuKU: Seit wann schreiben Sie?
Felix Denk: Begonnen hab ich mit vier Jahren, also am Anfang hab ich nicht selber geschrieben, da hab ich diktiert und meine Oma hat’s aufgeschrieben. Die hat mich sehr geprägt in der Hinsicht. Die hat mir sehr viel vorgelesen in meiner Kindheit, was mich dazu gebracht hat, mir selber Geschichten auszudenken.
KiJuKU: Wann und wie schreiben Sie?
Felix Denk: Ich schreib in jeder Phase meines Lebens. Es ist für mich so ein Ort wo ich mich zurückziehen kann, ein Spielplatz wo ich mich wirklich austoben kann.
KiJuKU: Haben sie immer einen Notizblock dabei oder das Handy, wo sie Notizen zu Gedanken festhalten?
Felix Denk: Ich bin gar nicht so einer, der ständig mitschreiben muss, sondern ich teil mir konkret Schreibzeiten ein. Wenn ich Lust hab zu schreiben, setz ich mich schon für ein paar Stunden hin. Ich konzentrier Ideen, die ich so über den Tag verteilt hab in solche Schreibzeiten – praktisch immer am Laptop.
KiJuKU: Wenn Sie’s geschrieben haben, gehen sie dann öfter drüber oder ist es so – einmal geschrieben, pickt‘s?
Felix Denk: Es gibt einen ganz langen Überarbeitungsprozess. Wobei ich immer eine Zeitlang Abstand brauch, bevor ich über meine Texte g‘scheit drüber gehen kann. Es ist mir auch ganz wichtig, dass ich meine Texte so lang putz‘ bis die wirklich gut lesbar sind. Und bis mir gar nix mehr dazu einfällt, was ich ändern könnte.
KiJuKU: Sie sind ja aus Salzburg, wie sind Sie auf die Wiener Mariahilfer Straße gekommen?
Felix Denk: Ich war in den Herbstferien in Wien auf Kurzurlaub, hab da halt den traurigen Lamarr-Bau (die wohlbekannteste René-Benko-Baustelle relativ am Beginn der berühmten Einkausmeile Mariahilfer Straße) entdeckt, dann ist das sehr von selber gegangen der Schreibprozess, hab dann praktisch Roland Schimmelpfennings „Auf der Greifswalder Straße“ und diese Baustelle kombiniert, hab bald eine erste Szene gehabt und dann hat sich’s wie von selbst ergeben.
KiJuKU: Schreiben Sie öfter szenisch oder ist das eher eine Ausnahme gewesen?
Felix Denk: Ich schreib alles – alle Genres, genauso gern Kurzgeschichten.
KiJuKU: Ist Ihre Berufsperspektive, Autor zu werden?
Felix Denk: Ich glaub ich würde sehr arm, wenn ich das weiterhin verfolge – so wie der Gustl in meinem Text bei einer Notschlafstelle enden. Ich schau schon, dass ich was mit Schreiben machen kann, Journalismus zum Beispiel wovon ich laben kann und dann nebenher schriftstellerisch tätig.
texte.wien -> Text des 3.-Platzierten
Junge Detektiv:innen lösen Kriminalfälle schon seit Jahrzehnten in Büchern, oft in der Folge auch in Filmen oder manchmal auch auf Bühnen. „The Three Investigators“ (die drei Ermittler aus den USA ab der ersten Hälfte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts) wurden in den deutschen Übersetzungen zu „Die drei ???“. Seit fast 20 Jahren kommen „Die drei !!!“ dazu. Nächstes Jahr feiert Thomas Brezinas „Die Knickerbocker-Band“ ihren halbrunden 45. Geburtstag! Der Erfinder vieler Kinderbuchfiguren und -Serien dachte sich für seine Krimis vier junge Kriminalist:innen aus.
Im Ambiente des bekanntesten Wiener Christkindlmarkts, jenem auf dem Rathausplatz, spielt sich großteils ein neuer Kinderkrimi ab. In der Beschreibung erklären die Autorinnen Anna und Sarah Fröhlich (Mutter und Tochter) „Tatort Christkindlmarkt“ sogar zum 1. Fall der Wiener Wunderwuzzis (für Nicht-Kenner:innen des Wienerischen so etwas wie Tausendsassa).
Wienerisch geht’s auf den rund 130 Seiten vielfach zu. Bekannte und teils auch alte Ausdrücke dieses Dialekts haben die beiden – und das nie krampfhaft – eingebaut; und mit Fußnoten zur Erklärung versehen. Und sie verklickern die einen und anderen vielleicht gar nicht allgemein bekannten Fakten über die Bundeshauptstadt, wobei leider nicht alle stimmen – dazu weiter unten.
Der Kriminalfall spielt sich um (angebliche) Kindesentführungen an. Erst sorgt schon das Verschwinden eines der Wiener Sängerknaben namens Luis für große Aufregung – auch in den Medien. Klar, nicht gerade alltäglich. Und dann ist auch „Wiens Next Christkindl“, im Jahr des Kriminalfalls ist es Luise, wie vom Erdboden verschluckt.
Das aber darfst zwar du als Leserin oder Leser wissen. Vor der Öffentlichkeit aber muss das lange geheim gehalten werden, damit’s zu keiner vorweihnachtlichen Panik kommt. Du erfährst es natürlich von den Autorinnen, aber über die drei Kinder-Detektiv:innen, die sich am Ende „Wunderwuzzis“ nennen, davor aber lange Zeit keinen „Banden“-Namen haben. Die drei sind übrigens: Jenny, Herbert, genannt Harry, und sein Zwillingsbruder Roland, Spitzname Rowie (aus den Anfangsbuchstaben des Nachnamens).
Dass das „Christkindl“ vielleicht (auch) entführt worden ist erfahren die drei zufällig. Jenny würde gern für die Schülerzeitung diese Luise und den Wiener Bürgermeister interviewen. Warum dieser in seinem gezeichneten Aussehen stark an den vorigen erinnert? Er war zwar 23½ Jahre lang Stadtoberhaupt Wiens, aber nur bis 2018, was auch schon so lang her ist, dass damals geborene Kinder heute in die Volksschule gehen. Wie auch immer, viele große und jede Menge kleiner Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Irene Pöttler lockern den schon recht flüssig und einfach zu lesenden Text noch einmal auf.
Wie die drei Detektiv:innen zufällig drauf kommen, dass das „Christkindl“ auch verschwunden ist, sei hier sicher nicht verraten. Auch wenn ein gut geschriebenes Buch an sich Lesevergnügen bereitet, bei einem Krimi spielen Spannung, zu der auch überraschende Wendungen gehören, klarerweise eine zentrale Rolle. Und fast nix ist öder, als wenn Leser:innen im Vorhinein schon wichtige Wendepunkte der Geschichte verraten bekommen haben.
Schon gespoilert werden darf, was sich ohnehin jede und jeder denkt: Natürlich tauchen beide Kinder – und sogar noch ein vermeintlich drittes Entführungsopfer – wieder auf – aber Happy End versteht sich von selbst. Ebenso klar: Das Trio leistet einen Großteil der kriminalistischen Arbeit, wird dabei aber nicht unwesentlich, aber unfreiwillig, von einem eher faulen Hund, dem Rauhaardackel Falco, unterstützt.
Auf der Website zum Buch gibt es Leseproben – im Pressebereich – und drei Quizzes. Viele Fragen testen dein Wissen übers Buch, andere, was du über Wien weißt. Da bleibt allerdings bei Frage 3 der Quiz stecken, wenn du die eigentlich einzige richtige Antwort anklickst.
Leider verbreitet das Buch manche falsche (Wien-)Informationen. Dass die Wiener Sängerknaben, auch wenn sie den Namen nicht verändert haben, seit 20 (!) Jahren den Wiener Mädchen-Chor – auch mit öffentlichen Auftritten – haben, wird ignoriert. Die Porträts der vormaligen Wiener Bürgermeister – übrigens erst nach dem jeweiligen Tod – hängen im Wiener Rathaus im Stadtsenatssitzungs-Saal und nicht im Büro des Bürgermeisters. Und Falco – nicht der Hund aus dem Buch – war zwar weltberühmt, aber nicht der erste Rapper weltweit.
Übrigens: Ein Hinweis, dass es die Aktion „Wiens Next Christkindl“ gar nicht mehr gibt, wäre auch nicht schlecht gewesen, es gibt nur mehr „Wiener Christkind“, aber ganz ohne Casting. Es „wird aber inzwischen intern ausgewählt“, lautet die Antwort von stadt wien marketing, Träger des Christkindlmarkts am Wiener Rathausplatz, auf die Frage von KiJuKU, ob es „Wiens Next Christkindl“ noch gebe, weil im Netz dazu nichts zu finden war.
Auf der Titel- sowie der ersten Seite unter dem Buchtitel ist er – noch – zu sehen. Doch dann geht’s das ganze Bilderbuch über um die Suche nach Emil. Er ist, wie der Titel „Wichtel Emil und der Weihnachtswirbel“ schon verrät, einer der wichtigen Helfer vor dem großen Fest. Und daher natürlich im Stress. Nicht (nur) beim Gaben-bringen, sondern auch um hungrige Tiere im Winterwald zu füttern.
Das Spannende an der gereimten Geschichte von Annegret Gerleit und den dazu passenden Illustrationen von Diana Kohne: Fast immer auf der Doppelseite ist im Text links ein (Such-)Rätsel eingebaut, dessen Lösung du auf der rechten Seite findest. Genaues Schauen ist somit angesagt.
Doch stets ist Emil im hektischen Vorweihnachtsstress dir (mindestens) einen Schritt voraus. Bis du ihn – das darf schon verraten werden – am Ende doch auf der letzten Doppelseite (wieder) findest.
Diese Show beginnt schon im Foyer des Kosmos Theaters in Wien. In klassischen Magier:innen-Outfits – schwarzer Frack, Fliege (Mascherl), Zylinder – gehen einige der späteren Bühnen-(Ver-)Zauberer:innen umher und führen kleine handliche Tricks vor. „Ab in die Box – eine Zaubershow“ (MOG Ensemble + Kosmos Theater Wien) bringt bekannte, aber auch verblüffende wenig gesehene Kunststücke auf die Bühne. Da bleiben die Münder der Zuschauer:innen offen, bei vielen wird’s wohl ein Nach-Grübeln geben: Wie machen die das? Und dennoch weiß jede und jeder: Wirklich zaubern kann niemand, also muss es einen Trick geben. Aber wie????
Michaela Bilgeri, Edwarda Gurrola und Raphael Macho versetzen rund zwei Stunden – und das sogar ohne Pause – das Publikum in Staunen, Zweifeln und doch wieder Verzauberung. Alle drei kommen vom Schauspiel, Macho hat aber schon als Kind mit Zaubertricks begonnen – und mit dem wie er bei kleinen magischen Spielereien im Foyer die bekannte Weisheit verrät: Es kommt einerseits auf die exakte eigene Fingerfertigkeit aber mindestens genauso darauf an, die Leute abzulenken.
Schon in „Die große Show“, die das aktionstheater ensemble vor zwei Jahren in Vorarlberg und Wien speilt, hat Macho gezaubert. In dieser Satire auf (Selbst-)Inszenierung nicht zuletzt der Politik. Neben Schauspiel arbeitete weiter an seiner schon frühen Leidenschaft. Und entwickelte gemeinsam mit Bilgeri sowie Anna Marboe (Regie) die nunmehrige Show – bis 14. Dezember 2024 im Kosmos Theater Wien – Details siehe Info-Box am Ende). Zu dritt recherchierten sie unter anderem bei einer bekannten internationalen magischen Messe im englischen Blackpool, wo Künstler:innen ihres Faches Tricks präsentieren, aber auch verkaufen.
Einerseits wollten sie – und das tut der Abend – Zauberkunststücke vorführen und das nicht nur frontal, sondern mehrmals auch interaktiv mit Zuschauer:innen, dies aber in einen dramaturgischen Bogen (Text & dramaturgische Mitarbeit: Vincent Sauer) als theatralen Abend gestalten. Andererseits aber will „Ab in die Box“ der Show auch einen tieferen Sinn verleihen. Dieses Spiel mit Tricks, das ja vom Ablenken, Vorspiegeln, Belügen lebt – was das Publikum weiß, aber auch schätzt -, doch auch immer wieder zu hinterfragen. Und weniger der Zaubertricks wegen, sondern der aktuellen, weit verbreiteten Dimension wegen unter dem Motto Fakt oder Fake.
Als hinterfragende Figur borgen die Schaupieler:innen einem großen weißen (Karton-)hasen eine Stimme, der Freches gegenüber Zauberkünstler:innen ebenso wie philosophische Gedanken einwirft.
Schließlich spielt die Performance, die ein Gesamt-Zauberkunststück ist zu dem die Live-Keyboarderin Paula Langthaler mit weißen Hasenohren auf dem Kopf ebenso beiträgt wie Bühne und Kostüme (Tanja Maderner) und Licht (Karl Börner, Dulci Jan), noch mit Pandoras Büchse. Aus der griechischen Mythologie kommen, entweicht bei Öffnen dieser Büchse alles Böse und Schlimme eben in die Öffentlichkeit.
Bei „Ab in die Box“ wird das Publikum gebeten, auf Zettel eigene Sorgen was auch immer diese für die / den Einzelne/n sei, aufzuschreiben und in eine von drei Boxen am Bühnenrand zu werfen. Am Ende kriegt jede und jeder beim Rausgehen einen Zettel – mit Sorgen und Nöten anderer; oder einen der drei Zettel mit „Alles wird gut“. Sozusagen Out of the Box!
Oder ist auch das ein Trick und es gibt viel mehr von den Letzteren? Denn auch die Ansage im zweiten Teil jetzt nicht mehr zu zaubern, sondern alle Tricks auch offenzulegen, wird natürlich Lügen gestraft und so manche „Magie“ kommt zum Einsatz 😉
Ein vergnüglicher, amüsante, staunenswerter Abend mit ganz schön viel Stoff zum Grübeln.
Gleich in der Früh: Der Turnsaal ist zum Großteil mit den bekannten blauen Matten ausgelegt. Fast alle Kinder der Volksschule (192) Kronstorf (OÖ) sitzen, hockerln oder knotzen drauf. Einige ihrer Kolleg:innen stehen auf dem mattenlosen Teil des Turnsaals. Diese leiten an diesem Tag das einmal monatliche Schüler:innen-Parlament.
Auf der Tagesordnung stehen einerseits die Präsentationen einiger wichtiger Kinderrechte in Form von großen handgeschriebenen Plakaten sowie in gesprochenen Sätzen. Die demokratische Vollversammlung aller Kinder dieser Schule findet dieses Mal rund um den internationalen Tag der Kinderrechte – am 20. November 1989 haben (fast) alle Staaten in der Generalversammlung der UNO für die Kinderrechtskonvention gestimmt.
Gleichheit, Gesundheit, Freizeit und Spiel, Gesundheit, kein Ausschluss von Kindern mit Behinderungen… – eine lange Reihe fast quer über die gesamte Breite des Turnsaals zieren die hochgehaltenen Plakate.
Zum anderen greifen jene Kinder, die die Versammlung leiten, Themen auf, die in einem vorherigen Schüler:innen-Parlament aufgeworfen worden sind. Die fallen unter ein gegensätzliches Begriffspaar: Gerecht oder ungerecht. Und werden unter anderem in kleinen Rollenspielen dargestellt. Eine Lehrerin verteilt Zuckerln – aber wie? Eines der Kinder in dieser Reihe kriegt eines, ein anderes zwei, wieder andere vielleicht sogar drei. Und was und wie damit tun? Teilen, weitergeben – aber dennoch haben dann nicht alle mindestens eines.
Die davon ausgelösten Diskussionen werden durch ein weiteres – ausgedachtes, vorgetragenes – Beispiel noch intensiver: Ein Mädchen, das an einem Ausflug gar nicht teilnimmt, weil die Familie eine Tante aus dem Ausland zu Besuch hat, gewinnt aber bei diesem Ausflug ein Skateboard. Irgendwer hat einen Zettel auch mit ihrem Namen in den Los-Topf geworfen. Darf sie’s annehmen oder nicht? Viele melden sich zu Wort. Argumente werden ausgetauscht…
Schließlich kommt ein – ebenfalls vom vorigen Schüler:innenparlament aufgeworfenes Ärgernis zur Sprache: Schlapfen verstecken. Mach offenbar der einen oder dem anderen Spaß – und verärgert natürlich die betroffenen Kinder, die ihre Hausschuhe dann vergeblich suchen. „Das hat wirklich viele aufgeregt“, erklären später Schüler:innen der 3a dem Journalisten von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Gemeinsam mit den Kindern der 4a haben sie den Kinderrechte-Schwerpunkt für das Schüler:innen-Parlament vorbereitet.
Aber schon davor, so Elina, Lisa, Reinwald, Noah, Olivia, Jana, Magdalena, Theo, Johanna, haben sie – und das nicht nur einmal – von Kinderrechten gehört, darüber gelesen und so manches erfahren – in der Schule sowieso. Viele erzählen, dass sie darüber auch zu Hause mit den Eltern, meist nennen sie die Mütter, öfter geredet haben. Das führt mitunter doch zu heftigen Diskussionen, verrät Theo, ob er den Müll raustragen solle und wolle oder nicht.
Für das Parlament habe die Lehrerin „vorgeschlagen, große Zettel zu schreiben“ (Lisa). „Aber alle Kinderrechte konnten wir nicht aufschreiben“, so Noah „und so haben wir darüber geredet, welche uns am wichtigsten sind“, schildert Olivia das weitere Vorgehen – siehe das schon oben Geschriebene.
Die Gesprächspartner:innen für diese Reportage nach dem Schüler:innenparlament in der Klasse berichten auf Nachfragen von KiJuKU.at aber auch noch über einige Wünsche, die sie an die Schule haben und für deren Umsetzung sie sich einsetzen. Jana: „Wir wollten mehr Pflanzen in der Schule, weil’s schön und auch für die Luft gut ist und es gibt jetzt auch mehr.“
Reinwalds Wunsch nach mehr Fußballspielen im Turnunterricht scheint noch nicht ganz so erfüllt, wie es in seinen Worten durchklingt. Ob aus der Wasserballschlacht, die sich Olivia am Ende des Schuljahres wünscht, etwas wird?
Die Kinder hätten aber auch so manche Wünsche an die Grund 3500 Einwohner:innen zählende Gemeinde am südöstlichen Zipfel des Bezirks Linz-Land – nicht weit weg, fast sogar schon zusammengewachsen mit Steyr, aber auch nicht weit weg von Amstetten. Ein Schwimmbad wird öfter genannt. „Aber das wäre schon teuer, der Bürgermeister hat uns das einmal mit dem Beispiel von Eiskugeln erklärt. Wenn nicht genug Geld da ist, können alle vielleicht nur eine Eiskugel und nicht drei haben“, schildern einige Kinder fast im Chor das Bild von begrenzten finanziellen Mitteln.
An die Schule schließt sich derzeit übrigens eine Baustelle an. „Wir kriegen zwei neue Klassen“, erklärt Direktorin Daniela dem Journalisten und die drei Vertreter:innen des Kronstorfer Gemeinderates, die den Besuch aus Wien begleiten, berichten stolz: „Wir sind eine wachsende Gemeinde!“
Die Schule zieren übrigens in der obersten Etage Musiknoten. Die stammen aus der vierten Symphonie von Anton Bruckner, genannt „Die Romantische“. Der Komponist, dessen 200. Wiederkehr seines Geburtstages 2024 landauf landab gefeiert wird, war „Schulgehilfe“ in der Kronstorfer Volksschule, eine Art „Hilfslehrer“ (1843 – 1845). Und sein erleichterter Jubel über die Versetzung von Windhaag (wo er unter schlechten Bedingungen lebte und arbeitete) nach Kronstorf steht groß an der Schulmauer: „… wie im Himmel“. So habe er sich hier gefühlt, wird kolportiert.
Die von der kinderfreundlichen Gemeinde zusammengestellte Tour für den Journalisten führt ein paar Meter weiter zur Zusammenkunft von Kindergartenkindern mit älteren Menschen. In einem der Gebäude von AWIK (Alt werden in Kronstorf), wo ältere Menschen wohnen, backen junge und jüngste Kinder mit den Älteren Weihnachtskekse, walzen den Teig aus, stechen mit metallenen Formen Kekse aus, schon riecht es weihnachtlich – und das noch im November.
Ergänzt wird AWIK übrigens hier auch noch durch BEWIK (Betreut werden in Kronstorf), einer Tagesheimstätte, wo ältere Bewohner:innen nur von 9 bis 16 Uhr ihre Zeit hier verbringen – aber auch sie suchen immer wieder den Kontakt zu Kindern und besuchen im Kindergarten unter anderem Anfang Dezember das alljährliche Krippenspiel.
In fast jedem österreichischem Ort spielt die Freiwillige Feuerwehr eine große Rolle. Nur in wenigen Städten wie Wien werden diese wichtigen Aufgaben von angestellten Feuerwehrleuten ausgeübt. Und so gibt es fast überall auch Kinder und Jugendliche, die zu den Freiwilligen Feuerwehren kommen. Zum einen sind es Treffpunkte für gemeinsame Freizeitaktivitäten und sehr oft auch schon einer spielerischen Vorbereitung auf die spätere gemeinsame Hilfe in der jeweiligen Gemeinde. Das reicht von praktischen Übungen wie Schläuchen auf- und einrollen bis zu vielem Wissenswerten über mögliche Gefahren. Aber auch gemeinsamen Müll-Sammelaktionen oder Zielspritzen. Clemens, der die „Löschzwerge“-Gruppe leitet, der rund zwei Dutzend Kinder bzw. Jugendliche angehören, war selbst schon mit nicht einmal zehn Jahren als Kind bei der FF Kronstorf.
Viele der Kinder und Jugendlichen entscheiden sich dann, ab 16 zur (Grund-)Ausbildung als Feuerwehrfrauen und -Männer für den Echt-Einsatz.
Wenige Meter vom relativ neuen Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr mit seinen Einsatzfahrzeugen und an den Innenwänden großformatigen Fotos von Einsätzen der Mitarbeiter:innen entfernt steht ein umgestalteter Bau-Container mit einer Art Vorgarten. Das ist eine Einrichtung der Offenen Jugendarbeit der Stadt. Stefan, der sich vor ein paar Jahren selbst als Jugendlicher für solch einen Treffpunkt engagiert hat, öffnet für den Reporter die Tür zum – von Jugendlichen selbst gemeinsam innen ausgebauten Container. Jede und jeder der jungen Kronstorfer:innen kann per Whats-App-Meldung den Bedarf für sich und Freund:innen anmelden, kriegt den Zugangs-Code für die Schlüsselbox, um den Container nutzen zu können. Natürlich müssen die Jugendlichen nach ihrer Feier oder anderen Aktivitäten den Raum auch wieder aufräumen, schließlich wollen’s die nächsten ja auch gemütlich haben.
Neben allen möglichen (Beratungs-)Angeboten – Rund um die Uhr, 24 Stunden per Whats App – stellt die von einem Privatunternehmen gestellte Offene Jugendarbeit von Kronstorf und Nachbarsgemeinden aber ein ziemlich einzigartiges Highlight zur Verfügung: Einen großen alten gelben „School Bus“ wie sie vor allem aus Filmen bekannt sind. Der Bus, den uns Sascha, der Leiter der offenen Jugendarbeit in diesem Bezirk, zeigt, ist glich als Party-Bus eingerichtet mit Soundanlage und farbenfrohen Blink-Blink-Lichtern. „Wir bringen damit aber auch Jugendliche am Ende von Festen in anderen Locations nach Hause, so dass sie ja nicht mit Moped oder Auto fahren, nachdem sie was getrunken haben.“
Womit sie noch länger auf der Erde weilen, wennngleich sie und viele der Kinder der Gemeinde sich möglicherweise – wie einst Anton Bruckner – hier vielleicht im Himmel fühlen, weil so manche ihrer Wünsche gehört, berücksichtigt und umgesetzt werden 😉
Compliance-Hinweis: Unicef-Österreich hat die Aufwandskosten für diese Reportage-Reise übernommen
Homepage der Volksschule Kronstorf
Jugendgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Kronstorf
AWIK – Alt werden in Kronstorf
BEWIK -> Betreut werden in Kronstorf
Homepage der Gemeinde Kronstorf
Die Kronstorf-Reportage – kürzer und mit weniger Fotos – auf der Unicef-österreich-site
Im Stile von Kinderzeichnungen und oft auch ebensolcher Schrift, richtet sich dieses Büchlein eher an (junge) Jugendliche. Die Phase der Pubertät drängt sich als Hintergrund für diese Art Lebens-Ratgeber auf. Aber nie mit erhobenem Zeigfinger, sondern mit einer teils kräftigen Portion Humor, nicht selten auch Selbstironie einer erwachsenen Autorin und Illustratorin in Personalunion.
Marlene Droop stellt mit Texten und Bildern in „Echt das Leben … und ich“, den sie – oder der Verlag (?) – im Untertitel „Gedankenschubser für große Schritte und kleine Sprünge“ nennt, vieles in Frage. Einerseits schon erwachsen sein wollen, andererseits doch noch Kind sein dürfen – „Es ist doch gerade so, oder?“
Manche Seiten sind wie Tagebucheinträge oder Teile von Aufsätzen wie von Hand geschrieben – auch mit durchgestrichenen Wörtern. Andere setzen in wenigen Sätzen und passenden Zeichnungen große, hoch-philosophische Fragen und Gedanken in bildhafte Szenen – etwa auf der Doppelseite zur Forderung nach Freiraum. Oder die historisch interessante zu Sprüchen über die heutige Jugend – die sich in manchem seit Jahrtausenden sehr ähnlich sind.
Knapp vor der Hälfte findest du eine – dann doch nicht ernst gemeinte – Bastelanleitung, wie du dein Handy im Buch verstecken könntest. Und Gedanken, die du vielleicht haben könntest, aber genauso gut Tausende andere Altersgenoss:innen etwa zum Thema, was Glück bedeutet, finden sich ein wenig ausführlicher, aber nicht übertrieben lange ausgeführt – und mit so mancher Relativierung.
Das wichtige Thema Scham ist auch ganz brauchbar und gar nicht peinlich abgehandelt. Und sollte die Frage danach auftauchen, was unendlich sein könnte – so liefert dir das handliche Büchlein eine Bastelanleitung für die aus einem einfachen Papierstreifen und gar nicht kompliziert herzustellende Möbius-Schleife. Und die hat kein Außen und kein Innen 😉
Was aber könnte „ewig“ leben bedeuten? Auch dazu findest du eine Doppelseite mit Anregungen für spannende Gedankenspiele.
„Sehr cool, weil so viel Fantasie dabei war“, fand Enzo die Musical-Version des Kinderbuchklassikers „Die Omama im Apfelbaum“ im Wiener Raimund Theater. Ariana wählte im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… die selben eben zitierten ersten beiden Wörter, aber ihr Argument war „die Musik, weil es eben ein Musical ist und auf der Bühne nicht nur geredet wird“. Lucy begeisterte vor allem, „dass Andi am Ende beide Omas hat – die ausgedachte und alte Frau, die jetzt seine neue Nachbarin ist“.
Die beiden zuletzt Genannten posierten auch mit dem Plakat des Programmheftes vor einem Banner der Wiener Kinderfreunde im mit roten Teppichen ausgelegten Gang des 1. Ranges des auf Musicals spezialisierten Theaters.
Seit rund 40 Jahren schenken die Wiener Kinderfreunde Tausenden Kindern – und Begleitpersonen, so genug Tickets vorhanden, jeweils ein Musical. Meist waren es eigens dafür geschriebene und komponierte. Nun wurde dieses musikalische Bühnengeschenk neu aufgestellt – Bücher aus dem Jungbrunnenverlag dienen als Vorlage, ein weitgehend neues Team inszeniert, textet, komponiert, spielt, singt und tanzt.
Den Auftakt machte – wie schon erwähnt – „Die Omama im Apfelbaum“ vom Erfolgsduo Mira Lobe und Susi Weigel, die zu sehr vielen Büchern der genannten Autorin die Illustrationen kongenial anfertigte – Buchbesprechung hier unten verlinkt.
Übrigens innerhalb ganz kurzer Zeit und teils überschneidend: Klassiker mit ausgedachten Protagonist:innen. Während es hier die von Andi fantasierte Omama ist, spielt in Christine Nöstlingers „Rosa Riedl Schutzgespenst“ die Hauptfigur (bis Jahresende im Dschungel Wien). Und dort spielte kürzlich in „Südpol.Windstill“ der Geist des Antarktisforschers Robert Falcon Scott eine große Rolle.
Obwohl vor 60 Jahren geschrieben, zeichnet sich auch dieses Lobe-Buch durch eine große Zeitlosigkeit aus – wirkt heut genauso modern und spannend wie 1965 als es erstmals erschienen ist. Und: In gewisser Weise war es der damaligen Zeit weit voraus: Diese Omama, die sich Andi ausdenkt und die er in seinem täglichen Rückzugsort im Apfelbaum eines Tages vorfindet, ist eine höchst moderne Frau, abenteuer- und lebenslustig allen – selbst heute oft noch verbreiteten Oma-Klischees zum Trotz.
Für die schwungvolle, kurzweilige, abwechslungsreiche und spannende Inszenierung sorgt das gesamte Ensemble auf und hinter der Bühne: Regisseurin Caroline Richards (auch künstlerische Leiterin), Choreograf Reinwald Kranner (der auch selbst zwei Rollen übernimmt – Andis emanzipierten, kochenden Vater sowie die schreckschraubige, kinderhassende Nachbarin Frau Säu(b)erlich, die Live-Musiker Michael Hecht (Keyboard und musikalische Leitung), Patrick Walter (Gitarre), Bassist Lukas Rappitsch und Schlagzeuger Lukas Schlintl und natürlich die singenden und tanzenden Schauspieler:innen:
Tania Golden taucht spät als die bei der Schreckschrauben-Nachbarin einziehende nette, liebevolle Frau Fink auf, die zur zweiten, der realen (Ersatz-)Oma für Andi wird. Golden spielt aber auch die Piratenkapitänin. In dieser Szene verwandeln sich mit Ausnahme des Andi-Darstellers Paul Clementi und der Apfelbaum-Oma-Spielerin Elena Schreiber alle anderen in Pirat:innen, sogar die Musiker.
Stella Kranner wie ihr Vater Reinwald schon seit viiiiielen Jahren Teil des weihnachtlichen Kinderfreunde-Musicals, schlüpft vor allem in die Rolle von Christl, der älteren Schwester von Andi, die auch ein paar Eigenschaften von Andis nur im Buch vorkommenden Bruder Jörg übernimmt. Sie spielt aber auch eine Möbelpackerin und natürlich eine Piratin. Als Christl hat ihr Stephan Lack (Text der Bühnenfassung & Regieassistenz), der sich weitgehend an die Buchvorlage hält, eine neue Szene auf den Leib geschrieben. Es dreht sich in der Familie ja fast alles nur um Andi und seine (ausgedachte) Omama im Apfelbaum. Sie engagiert sich nun gegen die Klimakrise und organsiert eine Demo mit. Eine mitreißende Szene, die besonders viel Anklang beim Publikum fand.
Ungefähr gleich viel wie die Szene, in der die Omama singend beklagt, „Was Kinder alles nicht dürfen: / beim Trinken schlürfen; … / das Teller-Abschlecken, / das Zunge-Rausstrecken – / sind streng untersagt! / Und wem das behagt, / der soll ruhig brav sein / und ein folgsames Schaf sein! / Mir jedenfalls behagt es nicht. / Punktum. Hier endet das Gedicht.“
Bei der Premiere am 8. Dezember 2024 – gespielt wird an den Sonntagen bis 28. Dezember 2024 (Details in der Info-Box am Ende des Beitrages) – gab es übrigens mehrfach Szenenapplaus, am Ende großen fast nicht enden wollenden Applaus.
Auch wenn dieses – wie die meisten Mira-Lobe-Bücher zeitlos ist, manche (technische) Veränderung kann getrost ausgeklammert werden: Geschichten funktionieren durchaus auch ganz ohne Handys. Aber wenn der Begriff Drohne natürlich auch für männliche Bienen steht und das im Text auch erklärend vorkommt, heutzutage verbindet wohl (fast) jede und jeder damit die kleinen ferngesteuerten Fluggeräte meist mit Kameras. Da hätte eine dazu hergestellte vielleicht auch witzige Verbindung ganz gut getan – wie die ein wenig kopfschüttelnde Reaktion vieler im Publikum nahelegte. „War sogar geplant“, meinte Text-Autor und Regie-Assistent Stephan Lack zu KiJuKU.at – „haben wir dann aber wieder rausgestrichen, vielleicht bauen wir’s wieder ein“.
Wandlungsfähig zeigt sich auch Kathrin Fuchs als Andis Mutter, Piratin und Möbelpackerin. Last but not least: Elena Schreiber ist die wilde, fantasievolle, abenteuerlustige Großmutter im Baum, bei deren Aktionen das berühmte Lied „meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad in den Kopf einschießt. Und der 22-jährige Paul Clementi ist ein wunderbarer Andi, der seinen Glauben an die Kraft der Fantasie ausstrahlt – was er auch im Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… verrät – Link dazu weiter unten.
Neben den menschlichen Schauspieler:innen gibt es auch einen „tierischen“: Eine von Rebekah Wild gebaute Hunde-Puppe, die abwechselnd von den Darsteller:innen als Art Stab-Marionette offen geführt wird (Puppencoach: Angelo Konzett). In Anlehnung an Frau Finks „Zwitscheriche“ (die Kanrienvögel) sowie – nur im Buch die Schwimmeriche im Aquarium – nennt Andi den Hund Bellerich.
Für Bühne, Kostüme und Maske ist Alois Ellmauer – und ein ganzes Team – verantwortlich. Wobei einen Teil des Bühnenbildes bauen die Schauspieler:innen mit ihren Körpern – etwa ein ganzes Rennauto 😉
Alle Gratis-Karten sind vergeben, es gibt hin und wieder die Chance, dass Karten zurückgegeben werden, weil die entsprechenden Kinder dann doch nicht zur Vorstellung kommen können – das ist auf der unten verlinkten Kinderfreunde-Kindermusical-Site zu sehen (in der Infobox).
(Nicht nur) für jene, die keine Karte mehr bekommen, sondern für alle, vor allem auch Kinder, die zu weit weg vom Raimund Theater wohnen, haben die Wiener Kinderfreunde ein eigenes Gewinnspiel gestartet, bei dem insgesamt 50 Exemplare des Buches aus dem Jungbrunnen-Verlag verlost werden.
Zeichne, welches Abenteuer du gerne mit einer Fantasie-Oma erleben würdest. Scanne dein Bild oder mach – mit dem Handy – ein Foto davon und schicke es per eMail ein – Details siehe Info-Box am Ende des Beitrages.
KiJuKU: Haben Sie als Kind das Buch von Mira Lobe und Susi Weigel gelesen?
Paul Clementi: Ich hab’s auf jeden Fall gelesen, aber es war nicht eines dieser Bücher, die ich mehrmals pro Woche oder jedenfalls öfter gelesen habe. Aber ich kannte es auf jeden Fall.
KiJuKU: Als Sie dann gehört haben, dass Sie die Hauptfigur Andi hier spielen, singen und tanzen dürfen, kam da die Erinnerung hoch oder mussten Sie es noch einmal neu lesen?
Paul Clementi: Ich hab’s auf jeden Fall direkt noch einmal neu gelesen, weil ich wusste nur mehr so das Grundgerüst. Mich hat dann natürlich vor allem sehr interessiert, was der Andi in dem Buch für einen Weg geht.
KiJuKU: Haben Sie Anknüpfungspunkt zu diesem Andi in Sachen ausgedachter Figuren in der Kindheit?
Paul Clementi: Ich persönlich hab bis ich elf Jahre alt war an Weihnachtsmann, Osterhasen und so geglaubt. Ich war wirklich so ein Fantasiekind. Deswegen kann ich mich in den Andi total reinversetzen. Ich war immer in der Schule der, der gesagt hat: Nein, ich sag’s euch Leute, das Christkind gibt’s. Alle wussten schon seit Jahren, dass es diese Figuren nicht gibt. Ich aber hab immer noch dran festgehalten.
KiJuKU: Haben Sie’s auch wirklich geglaubt oder wollten Sie’s glauben?
Paul Clementi: Ich wollt’s so sehr glauben, dass ich’s auch geglaubt hab. Ich hab’s n nicht nur erzählt und wusste es insgeheim, dass es anders ist, ich hab einfach sehr lang sehr intensiv dran festgehalten und konnt’s auch schwer gehen lassen, als es so weit war.
KiJuKU: Ist dies mit ein Ausgangspunkt, dass Sie Schauspieler geworden sind, weil’s da ja meistens darum geht, dass du wen anderen spielst und den glaubhaft verkörpern musst?
Paul Clementi: Ja bestimmt. Mir hat das schon immer ganz viel gegeben, mich in andere Figuren rein zu begeben.
KiJuKU: Haben Sie also schon sehr früh gewusst, dass Sie Schauspieler werden wollen?
Paul Clementi: Schon sehr früh, mit drei Jahren hab ich den kleinen Sohn von Amadeus Mozart in Klagenfurt gespielt und stand das erste Mal auf der Bühne. Und danach stand ich gefühlt nie nicht auf der Bühne.
KiJuKU: Und Musical kam auch bald dazu oder ein neues Metier?
Paul Clementi: Ich hab Schauspiel studiert und war früher im Festspiel-Chor und hatte so auch schon Erfahrung im Musiktheater, in der Oper halt. Dann nur mehr Schauspiel. Und nach dem Studium war das totaler Zufall und Glück, dass ich diese Erfahrung im Musiktheater machen durfte – erst im Theater an der Josefstadt in „Alpenkönig und Menschenfeind“, jetzt hier im Raimund Theater und ab der nächsten Spielzeit darf ich dann als Jean Michel in „La Cage aux Folles“ (Ein Käfig voller Narren) im Gärtnerplatztheater (München) spielen. Das ist alles Musiktheater, das zu mir gefunden hat.
„Die aus Syrien nach Österreich geflüchteten Menschen sind verständlicherweise tief bewegt vom Umsturz in Syrien. Sie brauchen angesichts der extrem instabilen Umbruchssituation jetzt Rückhalt und nicht das destruktive Schüren von Unsicherheit oder gar hämische Abschiebeaufrufe“, so SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak am Tag der Menschenrechte (10. Dezember 1948 beschloss die UNO-Generalversammlung die allgemeine Erklärung der Menschenrechte).
Viele der in den vergangenen Jahren aus Syrien geflüchteten Menschen seien außerdem zu einem wichtigen Teil der österreichischen Gesellschaft geworden, erklärt die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch. Am selben Tag veröffentlichte übrigens die Wochenzeitung „Falter“ im morgendlichen Newsletter ein Gespräch mit Abdulhkeem Alshater. Dieser war – wie viele andere – vor neun Jahren aus Syrien geflüchtet, hat in Österreich eine Lehre absolviert und am Sonntag die Freudenkundgebung und Demo nach dem Sturz des jahrzehntelang-Diktators Assad (mit-)organisiert. Außerdem gründete er im Vorjahr den Verein „Freie syrische Gemeinde Österreich“. „Wir beteiligen uns aktiv an der Gestaltung der Demokratie in Österreich und wenden uns gegen jede Form von Extremismus und Diktatur”, zitiert „Falter-morgen“ die Selbst-Beschreibung des Vereins auf Facebook. Im September hatte der Verein Hunderte syrische Helfer:innen organisiert, die nach dem Hochwasser in Niederösterreich bei den Aufräumarbeiten geholfen haben.
So schnell wie nie reagierten österreichischen Politiker:innen auf den Sturz des syrischen Diktators. Erste Reaktionen: Der Bundeskanzler ordnete die Aussetzung der laufenden Asyl-Verfahren an. Dabei weisen alle mit der Region und der Lage vor Ort einigermaßen Vertraute auf die Unübsichtlichkeit hin. Und darauf, dass in den vergangenen zehn Tagen Tausende vor allem Kurd:innen aus jenen Regionen flüchten mussten, die von den neuen Machthabern erobert worden sind – siehe hier
SOS Mitmensch fordert: Jetzt gelte es diesen Menschen Sicherheit zu geben, und zwar sowohl, wenn sie das Leben, das sie in Österreich aufgebaut haben, fortsetzen wollen, als auch, wenn sie sich bei einer Stabilisierung der Lage einen persönlichen Neuanfang in Syrien vorstellen können.
Es sei sachlich gerechtfertigt, dass die österreichischen Asylbehörden in der jetzigen unklaren Situation innehalten und die Entwicklung überprüfen, aber es sei niemandem geholfen, wenn Menschen, die längst Teil von Österreich geworden oder in den vergangenen Jahren als Kind hier aufgewachsen sind, um ihre Aufenthaltssicherheit bangen müssen, betont Alexander Pollak. Mit dem populistischen Befeuern von Unsicherheit schädige man nicht nur die Betroffenen, sondern unsere gesamte Gesellschaft, daher brauche es eine Politik, die Menschlichkeit lebt und positive Zukunftsperspektiven fördert, so der SOS-Mitmensch-Sprecher.
Die Österreich-Sektion der internationalen Schutzorganisation Amnesty International kritisiert in einer Aussendung am internationalen Tag der Menschenrechte die Entscheidung der österreichischen Bundesregierung, laufende Asylverfahren für Syrer:innen auszusetzen und gewährten Asylstatus zu überprüfen, „auf das Schärfste. Diese Maßnahme setzt Schutzsuchende unnötigen Unsicherheiten aus und widerspricht internationalen menschenrechtlichen Verpflichtungen.“
Aimée Stuflesser, Advocacy und Research Officer für Asyl und Migration bei Amnesty International Österreich argumentiert, „die Lage in Syrien bleibt besorgniserregend und unvorhersehbar. Politische Entwicklungen müssen mit Bedacht analysiert werden, bevor Änderungen in der Asylpraxis vorgenommen werden. Schutzsuchende in Österreich dürfen in dieser Situation nicht ohne Perspektive zurückgelassen werden.“
Amnesty International fordert die Bundesregierung auf, die Aussetzung syrischer Asylverfahren umgehend rückgängig zu machen. Stattdessen muss eine sorgfältige Einzelfallprüfung sichergestellt werden, die den internationalen Menschenrechtsstandards entspricht. Dabei muss insbesondere das Non-Refoulement-Prinzip eingehalten werden, das jegliche Rückführung in Länder verbietet, in denen Schutzsuchenden Verfolgung, Folter oder andere schwere Menschenrechtsverletzungen drohen. Forderungen nach schnellen Abschiebungen oder Einschränkungen der Familienzusammenführung lehnt Amnesty entschieden ab.
Amnesty fordert, dass die Rechte von Schutzsuchenden über politischen Interessen stehen müssen: „Die Sicherheit syrischer Geflüchteter darf nicht den Preis für politische Schnellschüsse zahlen. Schutz und Stabilität müssen im Vordergrund stehen – nicht politisches Kalkül“, so Stuflesser abschließend.
Rund 60 Jahre alt und noch immer neu, aktuell und für so manche Kinder auch ein vorbildliches Beispiel. Mira Lobe, die viele zeitlose, sozusagen ewig gültig Bücher geschrieben hat (u.a. die Bilderbücher „Die Geggis“, „Das kleine Ich bin ich“), lässt in „Die Omama im Apfelbaum“ (1965 erstmals erschienen, mittlerweile mehr als 30 Mal neu aufgelegt) die Hauptfigur, den Buben Andi sich eine Großmutter erfinden.
Beide Omas von ihm – und seinen Geschwistern – sind schon vor langer Zeit gestorben. Andi ist traurig darüber, dass er – im Gegensatz zu so manchen seiner Mitschüler – keine Großmutter mehr hat. Eines Tages stellte ihm die Mutter deswegen ein markantes Foto einer der beiden Omas in einem Bilderrahmen aufs Klavier. Und siehe da, als der Bub wieder an seinem Lieblingsort – im Apfelbaum – sitzt, ist er nicht mehr alleine. Diese Oma vom Foto leistet ihm Gesellschaft, nimmt ihn mit auf die wildesten Abenteuerreisen – ob mit einem Auto, einem Segelboot, zum Kämpfen mit Piraten und zur Jagd auf Wildpferde…
Beleidigt reagiert er, als seine Geschwister sich über ihn und seine Fantasie-Oma lustig machen. Für ihn ist sie wirklich, so real wie ausgedachte oder „geheime“ Freunde nicht nur in Geschichten ob in Büchern, Filmen oder Theaterstücken und Musicals, sondern auch in echt. Immer wieder hilft es Kindern, sich solche Personen so intensiv vorzustellen, dass sie für sie sozusagen Wirklichkeit werden und sie sich weniger einsam und alleine fühlen.
Mira Lobe (1913 – 1995) – und wie fast immer in ihren Büchern mit Zeichnungen von Susi Weigel – lässt ungefähr nach 60 Seiten – im Nachbarhaus eine ältere Frau einziehen. Mit der freundet sich Andi an, zeigt sich höchst hilfsbereit, wird mit Kuchen belohnt und findet so eine reale (Ersatz-)Oma. Mit schlechtem Gewissen gegenüber jener im Apfelbaum. Bis er sich – in Absprache mit der Nachbarin namens Fink – nun für beide „Großmütter“ entscheidet.
Neben dem Spaß, den die Autorin und ihre Illustratorin ihren Leser:innen sowie ihrer Hauptfigur und dessen Apfelbaum-Oma verschaffen, transportierte Mira Lobe auch hier unter anderem die Botschaft für Kinderrechte und Kritik daran, dass Kindern allzu viel verboten wird – in gereimter Form auf Seite 43.
Ausgehend von diesem – nach wie vor spannenden – Buch wurde das diesjährige Musical-Geschenk der Wiener Kinderfreunde inszeniert – dazu ein eigener Beitrag, der demnächst auf KiJuKU.at erscheint. Alle Gratis-Karten sind vergeben, es gibt hin und wieder die Chance, dass Karten zurückgegeben werden, weil die entsprechenden Kinder dann doch nicht zur Vorstellung kommen können – das ist auf der unten verlinkten Kinderfreunde-Kindermusical-Site zu sehen.
instagram -> kinderfreunde-gewinnspiel -> Buch „Die Omama im Apfelbaum“
(Nicht nur) für jene, die keine Karte mehr bekommen, sondern für alle, vor allem auch Kinder, die zu weit weg vom Raimund Theater wohnen, haben die Wiener Kinderfreunde ein eigenes Gewinnspiel gestartet, bei dem insgesamt 50 Exemplare des Buches aus dem Jungbrunnen-Verlag verlost werden.
Zeichne, welches Abenteuer du gerne mit einer Fantasie-Oma erleben würdest. Scanne dein Bild oder mach – mit dem Handy – ein Foto davon und schicke es an
tamina.fischer@wien.kinderfreunde.at
mit dem Betreff „Gewinnspiel Omama“
Einsendeschluss: 28. Dezember 2024, 23.59 Uhr
Zehntausende Menschen in Syrien selbst und in der Welt jubeln verständlicherweise über den Sturz des Langzeitdiktators Assad. Die neuen Herrscher zeigen sich aber – trotz gegenteiliger Reden – ebenfalls recht autoritär, mit religiöser Masche versehen, aber auch ethnischen Diskriminierungen. So mussten Tausende vor allem Kurd:innen aus jenen Städten flüchten, wo die Dschihadisten einmarschierten.
Tausende Zivilist:innen konnten nur schnell ihre wichtigsten Habseligkeiten zusammenpacken, um im Nordosten Syriens Zuflucht zu finden – in der Region Rojava, die von Kurd:innen (mit-)regiert und verwaltet wird. Aber auch diese Region wird stark – vor allem von häufigen Angriffen der türkischen Luftwaffe bedroht. Einige hundert Familien müssen dort sogar in Zelten Zuflucht suchen.
Darauf weist die Schriftstellerin Aljin Hassan aus Salzburg („Unsichtbare Kriege. Life is a Story“; veröffentlicht bei story.one) in einem Online-Video hin. Und die Austrokurdin bittet um Spenden für ein zivilgesellschaftliches Projekt – Rêxistina kobanê ya alîkarî û geşkirinê – in Kobanê für Geflüchtete aus Aleppo und mittlerweile weiteren von den Dschihadisten eroberten Städten – Link zum Video samt Infos unten am Ende des Beitrages.
„Es sind immer die Kinder, die am meisten unter Konflikten zu leiden haben. Knapp 14 Jahre Bürgerkrieg hatten bereits katastrophale Auswirkungen auf die Kinder des Landes. Eine Generation, die nichts anderes als Gewalt, Flucht und Angst kennt,“ stellte Christoph Jünger, Geschäftsführer von Unicef-Österreich angesichts der aktuellen wieder in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gerückten Kämpfe in Syrien in einer Aussendung fest.
In Syrien sind große Teile des Landes sowie die Stadt Damaskus von den Islamisten laut Medienberichten besetzt worden. Erst Anfang des Monats hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, aufgrund der Eskalation der Feindseligkeiten im Nordwesten Syriens, bei denen Berichten zufolge mindestens sieben Kinder auf tragische Weise getötet und 32 weitere verletzt wurden, alle Konfliktparteien dringend dazu aufgerufen das humanitäre Völkerrecht einzuhalten und dem Schutz der Zivilbevölkerung, insbesondere der Kinder, Vorrang einzuräumen.
Seit dem 27. November sind mehr als 48.500 Menschen vertrieben worden, vor allem Kinder und Frauen. Die meisten der Kinder wurden aufgrund früherer Krisen bereits mehrfach vertrieben. Im vergangenen Jahr floss über die Hälfte der thematischen humanitären Mittel von Unicef in nur vier Notlagen – eine davon war Syrien. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen benötigt bereits vor den Ereignissen der letzten Stunden 68,2 Millionen US-Dollar, um seine Hilfe für die Kinder in Syrien fortzusetzen und den dringendsten Bedarf der vertriebenen Bevölkerung zu decken.
Video der Austrokurdin Aljin Hassan – auf Deutsch mit Untertiteln auf Englisch und Arabisch
Unicef -> Hilfsprojekte in Syrien
Rätselhaft gestaltet die Theater Schnitzlerei in Wien-Penzing (14. Bezirk) in einem ehemaligen Souterrain-Geschäftslokal ihre Märchen-Theater-Nachmittage. Und schon die Wartezeit wird mit Bilderrätseln verkürzt. Im aktuellen Programm „Von wegen magisches Tier“ verteilt der clownesk kostümierte Schauspieler Kopien von Seiten aus einem Rätselbuch. Finde die Katz, die friert – Dutzende gezeichnete Katzen und eine – hat einen Schal um den Hals. Wobei, damit friert sie ja offenbar nicht 😉 Ein Koala, der sich festlich aufbrezelt ist auf einem anderen Blatt zu suchen…
Der Großteil des Bühnenbildes ist in dem nicht allzugroßen Raum kreuz und quer verteilt: Umzugskarton mit Beschriftungen: Von Büchern I und II über Werkzeug, Küche, Musikinstrumente bis zu Uraltzeug II. Die werden später noch eine große Rolle spielen.
Verwirrend ist vielleicht die Begrüßung des erwähnten Schauspielers (Christian Kohlhofer: „Kannst du mich sehen? Kannst du mich hören“, fragt er. Was sich erst nach Beginn des Schauspiels erklärt. Denn er spielt nicht alleine, seine Kollegin Petra Strasser tritt erst etliche Minuten nach Beginn in Erscheinung, als Anneliese Grieskramer – im Bademantel, ziemlich zerknautscht und nur „Achja, achja…“ bzw. „Auweh, auweh..“ jammernd.
Und sie kann ihren Kollegen weder sehen noch hören!
Dieser erklärt dem Publikum schon zuvor, eigentlich ein magisches Tier – und zwar ein Elefant, zu sein. Dank sauteurer magischer Tropfen könne er sprechen, wurde aber in die Gestalt eines Clowns verwandelt. Das sollte nur vorübergehend sein, aber…
… da melden sich via TV „Maul & Wurf“ (Valentina Kratochwil und Valentina Waldner) mit einem Sorry, es bräuchte nun noch weitere Tropfen eines Gegenmittels.
Nach diesen ersten kurzen Szenen dreht sich der „Rest“ der Stunde (ziemlich genau) darum, Clown zu helfen, wieder Elefant zu werden und der Frau Grieskramer, aus ihrer Lethargie zu erwachen, ihr Gegenüber wahrzunehmen und (wieder) Spaß am Leben zu finden. Immer wieder müssen dazu verschiedene Bilder- Merk- und Zahlenrätsel gelöst werden – der Part für das Publikum, vor allem die Kinder. Womit eine fast noch magischere Dimension ins Spiel kommt.
raetselkrimi-rund-um-maerchen <– damals noch im Kinder-KURIER
„Heimat ist … wo deine Freunde sind!“, steht auf dem großen Sticker und den beiden gezeichneten Ziegen – Schwänli und Bärli. Die gibt’s zum Programmheft von „Heidi“ im Renaissancetheater, dem größeren der beiden Häuser des Theaters der Jugend in Wien. Der Dauerbrenner – Buch, Comic, Animationsfilme und immer wieder auch auf Theaterbühnen (vor zwei Jahren im St. Pöltner Landestheater, bald danach im Kabarett Niedermair, nun – wieder einmal – in Wien) – hat von seinem Charme, aber auch den Botschaften in den rund 145 Jahren seit der Erstveröffentlichung der beiden Bücher von Johanna Spyri wenig bis nichts verloren.
Hin und wieder werden Akzente verlagert, verstärkt, das eine oder andere neue hinzugefügt. Aber der Kern reicht: Junges Mädchen wird Waise und landet beim einzigen verbliebenen Verwandten, dem Großvater, der als Einsiedler, genannt Alm- oder Alp-Öhi (von Oheim, einer altertümlichen Bezeichnung für Onkel) hoch über Maienfeld (Schweizer Kanton Graubünden) zurückgezogen lebt und mit keinem Menschen was zu tun haben will. Ausgegrenzt und mit bösartigen Gerüchten von der feinen Dorfgesellschaft belegt, gelingt es Heidi natürlich das harte Herz des Opas aufzuweichen.
Da muss sie auch schon wieder weg – auf Betreiben der Dörfler‘:innen einerseits – das Mädchen soll Bildung erhalten – und des reichen Frankfurter Wirtschaftstreibenden Sesemann, landet sie in dessen Haushalt – als Spielgefährtin für seine Tochter Klara, für die er kaum bis nie Zeit hat. Und die unter einer Art Glassturz gehalten wird, mit ihrem Rollstuhl darf sie praktisch nie außer Haus. Und bei den Sesemanns herrscht die Karikatur eines Kindermädchens, Fräulein Rottenmeier, an der eine Art Feldwebelin verloren gegangen sein dürfte 😉
Gerade letzteres wird in der Inszenierung im Theater der Jugend – Direktor von Thomas Birkmeir verfasste die Spielversion, Claudia Waldherr inszenierte sie – richtiggehend zelebriert: Mit einem Schuss offenkundiger Kritik an „teutschem“ Militarismus verleiht Karoline-Anni Reingraber dieser Rottenmeier eine Riesenportion Unsympathie und doch einer kräftigen Nuance von Humor und (Selbst-)Ironie. Reingraber schlüpft noch in weitere Rollen, unter anderem die der blinden Großmutter des Geißen-Peters (Jonas Graber), des Ziegenpeters mit dem sich Heidi anfreundet.
Die erdig aufmüpfige, insbesondere in Frankfurt, wo Heimweh nach den Bergen sie krank werden lässt, alles hinterfragende Heidi, die ähnlich sturschädelig wie ihr Opa sich nichts gefallen lässt, wird von Franziska Maria Pößl erfrischend, herzlich, hinreißend gespielt. Sie ist die einzige, die „nur“ diese Rolle übernimmt. Ihre Kolleg:innen müssen sich wandlungsfähig erweisen. Sogar Frank Engelhardt, als der verwilderte Outlaw auf der Alm, der aber dann als er Heidi ins Herz geschlossen hat, zum Kämpfer wird, agiert auch noch als Koch bei den Sesemanns und als Dorflehrer, der sich mit den anderen Maienfelder:innen gegen den Öhi stellt.
Gegensätzliches spielt auch Uwe Achilles – als strenger und mitunter gar nicht wirklich christlicher Pfarrer im Dorf sowie als Sesemann’scher Diener, der die Befehle der „Generalin“ Rottenmeier mitunter unterläuft.
Im Rollstuhl fährt Shirina Granmayeh als Klara, die durch Heidi – Rottenmeier zum Trotz – erstmals wieder lachen kann und aufblüht. Dass sie letztlich doch aufsteht und geht, ist schon im Roman angelegt und irgendwie … – naja. Es gab auch schon Inszenierungen, in denen sie mit Hilfe mit dem Rollstuhl auch auf die Alm zum Öhi kam.
Sascia Ronzoni taucht immer wieder – neben anderen Rollen – als Erzählerin auf. Vielleicht das eine oder andere Mal zu oft, weil der – natürlich verkürzte -Fortgang der Geschichte sich an so manchen dieser Stellen doch selbst erklärt.
Besonders abstoßend findet Heidi in der Sesemann’schen Wohnung die vielen von der Decke hängenden Jagd-Trophäen-Geweihe (Bühnenbild: Daniel Sommergruber).
Am Ende, nachdem Opa und Geißen-Peter, von Klara telegrafisch alarmiert, zur Rettung von Heidis Heimweh in Frankfurt auftauchen, geht’s in dieser Version allerdings (noch) nicht zurück in die Berge, sondern erst noch auf gemeinsame Weltreise – mit der Erkenntnis aus dem eingangs geschilderten Buttons-Spruch: Heimat ist – wo deine Freunde sind!“
Unsichtbare Hilfe, die Zweite: Im großen Saal des Theaterhauses für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier hilft Christine Nöstlingers „Rosa Riedl Schutzgespenst“ der 11-jährigen Nasti gegen ihre Ängste (bis Jahresende 2024). Im kleineren Saal des Dschungel Wien ist es der Geist des britischen Antarktis-Forschers Robert Falcon Scott der Ida (Ca. zehn Jahre) in „Südpol.Windstill“ von Armela Madreiter und Sand-Production beisteht.
Johanna Wolff als Ida legt zu Beginn mit roten Schnüren auf weißer Fläche Vierecke. Der Grundriss ihrer und ihrer Mutter Wohnung in einer großen Wohnhausanlage wie sie bald nach Beginn des Stückes als Ida dem Publikum erklärt. Und erzählt, dass sie Polarforscherin werden will. Sie schient viel darüber gelesen, vielleicht Dokus angeschaut zu haben. In diese Materie hat sie sich vertieft. Und sie geht auch vieles andere systematische, forscherinnen-mäßig an.
Aus einem weißen Berg, den sie als Küche vorstellte, schält sich ihr schon erwähnter Helfer: Scott – nach dem gleichnamigen echten Forscher (Vornamen: Robert Falcon; 1868 – 1912), der in zwei Expeditionen zum Südpol wollte, beim ersten Mal gescheitert und beim zweiten Mal rund ein Monat später als sein norwegischer Konkurrent Roald Amundsen angekommen war. In die Rolle dieses Scott schlüpft Florian Tröbinger – nur für Ida – und das Publikum sichtbar.
Trotz ihres großen Ziels hat die Noch-Volksschülerin eine viel schwierigere, heiklere, intensivere tagtägliche „Forschungs“-Arbeit: Die Stimmungen der eigenen Mutter erkunden, die übrigens nie in Erscheinung tritt. Ida muss nicht nur erkunden, wie die Mutter drauf ist, sie hat die große Aufgabe, damit umzugehen, sich darauf einzustellen. Die – offenbar viel wenigeren positiven Tage nennt sie Südpoltage. Die viel häufigeren, an denen die Mutter kaum aus dem Bett kommt, viele Flaschen leert und Tschick raucht sind hingegen das Gegenteil, die Nordpoltage. An denen ist Ida so ziemlich allein auf sich gestellt.
Von Beginn an sitzt Shahrzad Nazarpour in einer der beiden Nischen dieses Theaterraumes. Sie liest intensiv in einer Zeitschrift. Erst spät verlässt sie diese, betritt die Bühne. Noch ist sie ohne Worte präsent, eine geheimnisvolle Erscheinung, die zunächst Töne über ein Theremin erzeugt – ein vor mehr als 100 Jahren von Lew Termen erfundenes elektronisches Musikinstrument, das auf Bewegungen ohne Berührungen reagiert. Die aus vielen Produktionen bekannte Tänzerin lässt hier ihre Hände und Arme tanzen, um mit diesem Instrument Stimmungen in Idas Wohnhaus und in deren Innerem zu Gehör zu bringen.
Und sie gibt sich später, im Stiegenhaus sitzend, zu erkennen als Amrei, eines der Kinder einer großen Nachbarsfamilie. Ist die erste Begegnung von Ida durch Stolpern letzterer und Verletzung ersterer gekennzeichnet, so freunden sich die beiden an. Immerhin ist auch Amrei Forscherin – des Sternenhimmels. Mit Projektion von Sternenbildern. Sie macht ihre Hausübungen im Stiegenhaus, weil sie hier ihre Ruhe hat, die ihr in der von vielen Geschwistern bevölkerten Wohnung abgeht.
Die beiden sind Schwestern im Geiste – trotz ihrer unterschiedlichen Wohn- und Familiensituationen. Und stärken einander. Amrei kann sogar Scott sehen!
Bevor Amrei ihren Namen nennt, wird das Publikum nach Mädchennamen mit A gefragt – und dies ist das einzige Mal, wo auch auf Antworten gewartet und eingegangen wird. In zwei, drei anderen Fällen werden Fragen in den Raum geworfen – aber ignoriert, wenn jungen Zuschauer:innen was sagen wollen.
Wie groß auch immer die Troubles von Ida sind – mit Ausnahme eines Briefes der Lehrerin an ihre Mutter, den sie sich nicht traut, ihr zu geben -, strahlt sie praktisch immer (Regie: Sandra Schüddekopf) aus: Sie schafft alles, sie meistert die Stimmungs-Schwankungen ihrer Mutter – und sie wird ihren Weg gehen, komme was da wolle. Scott ist zwar ein guter Helfer, aber selbst ohne diesen kommt sie auf den Südpol – oder wo auch immer sie hinwill. Und macht so – trotz oder vielleicht sogar gerade wegen ihrer misslichen familiären Lage – Mut, sich nicht unterkriegen zu lassen und die eigenen Träume und Ziele zu verfolgen. Womit das Stück auch Wärme in der Kälte der fast polar gestalteten Bühne (Bühne und Projektion: Vanessa Eder-Messutat; Eisberg-Küche: Isabella Tritthart; Kostüme: Verena Geier) verbreitet.
Und die Inszenierung berührt, die Lehrerin einer der Klassen, die am Nikolaustag in der Vormittagsvorstellung war, brach am Ende in Tränen aus und meinte, „noch nie im ganzen Leben hat mich ein Theater so berührt“.
Chaos im „Ewigen Wald“, ohne Rücksicht auf die anderen, breiten sich einige der Tiere mit ihren Bauten aus, andere lassen alles stehen und liegen, wo es hinfällt. Ja, sogar ihre Ausscheidungen… Ob Bär, Füchsin und Fuchs, Eichhörnchen, Ameisen oder wer auch immer – alle jammern über den Zustand oder wie der alte Waldkauz es ausdrückt beklagen den „u-hunmöglicher Zuhu-stand“. Das ist zusammengefasst der Beginn der Geschichte „Wer fängt an?“, verfasst von Lena Raubaum. Sie, Kai Aline Hula, Sarah Michaela Orlovský, Sabina Sagmeister, Christoph Mauz und Heinz Janisch haben Beiträge für das rund 80-seitige broschürte Buch „Lesen, checken, Klima retten!“ verfasst. Herwig Holzmann hat es durchgängig bunt illustriert.
Das Buch gibt es in einer Auflage von 100.000 Stück kostenlos für Kinder der 3. und 4. Volksschulklassen, ab sofort zu bestellen – Link in der Infobox am Ende des Beitrages. Die Verknüpfung von Leseförderung und Klimawissen bzw. -handeln wurde vom Buchklub in kurzer Zeit in Teamarbeit mit den genannten Autor:innen – (finanziell) unterstützt von Klima- und Bildungsministerium – organsiert und die ersten Exemplare sind bereits an Schulen unterwegs.
Die genannten – allesamt bekannte heimische – Kinder- und Jugendbuchautor:innen haben sich jeweils einem Kapitle gewidmet: Von Klimawandel und -krise über Mobilität, Energie, Nachhaltigkeit, Innovation bis zu einem nachwörtlichen Gedicht von Janisch „Stachelbär hat’s schwer“ übers Zusammenleben – nicht nur stacheliger Tiere 😉
An die literarischen Text schließen sich jeweils Quiz- und Frage-Elemente zu Textsorten, Wörtern, aber auch Anleitungen zum selber aktiv-werden an.
Donnerstagfrüh wurde das Buch und die Aktion im Audienzsaal des Bildungsministeriums den Medien und damit der Öffentlichkeit vorgestellt – mit der eingangs schon genannten Autorin, einer Vertreterin des Ministeriums (Sektions-Chefin Doris Wagner – nicht verwandt mit dem KiJuKU-Herausgeber und -Journalisten) sowie dem Buchklub-Vorsitzenden Rudolf Köstler. Mit dabei auch der schon oben erwähnte Schöpfer der Zeichnungen des Buches – das übrigens privat nicht bestellt werden kann, auch wenn das auf der Website ein wenig verwirrend wirkt.
Lena Raubaum lässt natürlich in ihrer Startgeschichte dann tatsächlich eines der Tiere anfangen. „Der Buchfink flatterte hin und flatterte her … ohne einen weiteren Pieps“ am Rande der Jahresversammlung der Tiere „begann er, achtlos abgebrochene Äste aufzupicken und fein säuberlich in der Nähe des Flusses aufzuschichten…“
Bald schon nahmen sich andere Tiere des „Ewigen Waldes“ ein Beispiel, fingen auch an zu werken, mitzuarbeiten und das Leben zwischen den Bäumen aufzuräumen.
Aus Erfahrungen von Lesungen vor und mit Kindern wisse sie, dass „Vorstellungskraft ein sehr nachhaltiger Kraftstoff“ sei, meinte Raubaum bei der Vorstellung des Buches, „das Ergebnis einer großen, sehr schnell zustande gekommenen Teamarbeit“ ist. „Geschichten sind immer auch Ermächtigungen. Ich muss mir erst vorstellen können, dass ich wirklich etwas tun, etwas verändern kann“.
Auf Nachfrage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wurde verkündet, wenn das Buch großen Anklang finde, könne man sich vorstellen Ähnliches auch für andere Schulstufen zu produzieren. Außerdem kündiget die Ministerialrätin an, dass für den Vorlesetag im März des kommenden Jahres ein Buch geplant sei, für das auch Texte von Schüler:innen gesucht werden.
In der Bühnenversion von „Rosa Riedl Schutzgespenst“ von Christine Nöstlinger, die bis Ende des Jahres 2024 im Dschungel Wien gespielt wird, lebt Anstasia, genannt Nasti, allein mit ihrem Vater; im Gegensatz zum vor 45 Jahren mit dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichneten rund 200-seitigen Buch der preisgekrönten Autorin (1936 – 2018).
Kern der Geschichte ist und bleibt aber: Die rund 11-Jährige – gespielt von Pippa Fee Rupperti – hat sehr viel Angst – im Gegensatz zu ihrer Freundin Tina (Pilar Borower, die gegen Ende noch in die Rolle von Berta, der Haushälterin von Ing. Filzmeier schlüpft). Vielleicht liegt’s daran, dass Tina um ihren Hals ein Ketterl mit Schutzengel hat. Ein solches hätte Nasti auch gern. Eines Tages aber taucht bei ihr – vom Dachboden – ein Schutzgespenst auf.
Rosa Riedl, die einst hier lebte, wurde von einer Straßenbahn tot gefahren, als sie die Straße überqueren wollte. Das war 1938. Rosa Riedl wollte schnell über die Straße laufen, um einzuschreiten. Zwei Nazis von der SA (Sturmabteilung) hatten den jüdischen Uhrmacher Fischl getreten und beschimpft. Alle Leute rundum haben nur zugeschaut, schlimmstenfalls die Schläger noch angefeuert.
„Da ist in mir die Wut und der Zorn und die Empörung ganz heiß und rot und wild aufgestiegen. Ich wollt hinüber über die Straße. Ich wollt dem Fischl helfen. Ich wollt denen, die keine Nazis waren, sagen, dass wir was tun müssen, dass es so was nicht geben darf. Und da bin ich über die Straße hinüber, ohne zu schauen. Die Straßenbahn hat leider nicht so schnell bremsen können. ›Herr Fischl‹, hab ich noch gerufen, ›Herr Fischl, ich komm ja schon!‹ Aber ›So helfts ihm doch!‹ hab ich nimmer rufen können“, steht darüber in Nöstlingers Buch.
Die tote Frau wurde zu einem guten Geist, lebte auf dem Dachboden – und Jahrzehnte später verspürte Rosa Riedl wieder das dringende Bedürfnis, zu helfen. Dieses Mal der Nasti gegen verschiedene ihrer Ängste. Ihr gibt sie sich zu erkennen. Im Buch kann sie sich höchstens für einige Momente „materialisieren“, in der Bühnenversion (Regie: Anna Horn) gelingt ihr das viel länger und öfter, aber nur gegenüber von Kinder– was fürs Schauspiel natürlich einfacher ist als unsichtbar in den Szenen zu agieren. Dieses Schutzgespenst spielt Caroline Koczan in einer herzlichen Art mit einem Schuss Nöstlinger’scher Herbheit „Ja, Madl…“
Den Vater, einen Beamten im (Unterrichts-)Ministerium gibt Wolfram Rupperti, der später auch den Ing. Filzmeier spielt, der ein Truhe kauft, in der sich die Rosa Riedl wegen des Patschuli-Geruchs gelegt hat.
Natürlich ist das nicht so einfach mit dem Angst-Abbau Nastis. Das Auftauchen des Schutzgespensts sorgt für so manche Verwirrung – was zu köstlichen Szenen samt vielen Lachern im Publikum sorgt. Und es kommt zur dramatischen Situation, wie oben angedeutet, dass die Truhe weit weg ans andere Ende der Stadt verfrachtet wird. Rosa Riedl, das weiß Nasti, hat zudem Platzangst.
Außerdem kommt’s zum heftigen Streit zwischen Nasti und ihrer besten Freundin, weil erstere nun viel Zeit mit Rosa Riedl verbringen will, was natürlich lange ihr Geheimnis bleiben muss… Aber natürlich Happy End. Nun aber, wo Nasti die meisten ihrer Ängste los ist, findet Rosa Riedl, dass sie woanders mehr gebraucht würde. Und da keimt in der Jugendlichen ganz schön viel Eifersucht und Egoismus auf, aber auch das… Immerhin gibt ja Nasti selbst der Rosa Riedl den Tipp, dass ihre Mitschüler Hannes, der offenbar zu Hause nicht liebevoll behandelt wird, dringend Hilfe benötigen würde.
Die Inszenierung im Dschungel spielt auf zwei Ebenen. Neben dem Schauspiel wird so manches mit Miniatur-Figuren – Ebenbilder der Bühnenakteur:innen und liebevolle Detail-Utensilien – in Kasteln und Laden gespielt, gefilmt und live groß projiziert (Ausstattung: Petra Schnakenberg; Mitarbeit: Ida Bekić). Die Filmer:innen sind die Schauspieler:innen selbst – immer, wer grad nicht zentral in der jeweiligen Szene dran ist.
Scheinbar bemüht und doch gekonnt ein bissl Ohren quälend, blasen Lilian Klebow auf der Blockflöte und Gernot Haas auf der Melodica (mit Blas-Schlauch) festliche Liedtöne. Die beiden „Musikant:innen“ in späteren Szenen schauspielend mit rotem und grünem Weihnachtshüterl zwischen einem mittelgroßen Weihnachtsbaum und zwei Tischen mit einschlägiger Dekoration eröffnen so den Abend unter dem Titel „O Pannenbaum!“ im Theater Forum Schwechat – der bis zum entsprechenden Fest noch im Wiener Orpheum bzw. dem Kabarett-Lokal Kulisse wiederholt wird – siehe Info-Box.
Dass es sich nicht um ein besinnliches, sondern um ein witziges Programm handelt, legt der Titel ja schon nahe. Wobei die zwei Stunden (fast) nicht von Pannen gekennzeichnet sind. Häufig bitterböse kleine Geschichten und Geschichterln werden von der Schauspielerin und dem Kabarettisten in Szene gesetzt. Dafür verwandeln sie sich in viele verschiedene Figuren, mit unterschiedlichsten Dialektfärbungen aus Österreich und Deutschland: Ehepaare, die über den gekauften Weihnachtsbaum streiten, Christbaumkauf auf dem Parkplatz des ORF-Zentrums, ein Interview von Armin Wolf mit einer polnischen Blaufichte…
So manche der – von Autor:innen, u.a. Peter Meissner, Norbert Autenrieth und Loriot, verfassten – Episoden orientieren sich an gar nicht so unbekannten aufgeladenen familiären Situationen vor und rund um Weihnachten, wenngleich natürlich recht stark überspitzt, überhöht, übertrieben. Ein Highlight ist eine – angebliche Originalrechnung von Handwerksarbeiten im Stephansdom aus dem Jahr 1958 mit vielen recht witzig beschriebenen Arbeiten wie „der Maria ein neues Kind gemacht“. Er hab diese Rechnung, sogar noch in dieser Form von Elfriede Ott erhalten, beschwört Haas, der viele Promis stimmlich imitiert, im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr nach dem vielumjubelten Abend im vollbesetzten Schwechater Theater.
Die schräg-witzigen gespielten Duette mit den beiden wandelbaren Bühnen-Akteur:innen (Regie: Britta Isabel Lang) werden übertroffen von den jeweils zwei Impro-Szenen vor und nach der Pause. Jeweils einmal zu zweit, einmal die /den jeweils andere/n vor die Tür geschickt, um nichtsahnend einsteigen zu können / müssen, lassen sich Klebow und / oder Haas vom Publikum Figuren, Orte und Begriffe zurufen, um daraus ohne Vorbereitungszeit zu spielen. Ohne Vorbereitung gehören diese Szenen zu den Highlights des Abends.
Witze, parodistische Weihnachtssongs sorgen für einen amüsanten Abend mit viel zu Lachen. Bei einer Szene bleibt dieses – leider zu wenigen im Publikum – im Hals stecken: In einer Senior:innen-Residenz fühlen sich die alten Menschen von zwangsbeglückenden Sänger:innen mehr als genervt. Aber dass der Widerstand der Alten von einem Weltkrieg II-Veteran angeführt, militärisch organsiert und am Höhepunkt mit Schrotflinten-Gesten inszeniert wird – ist mehr als geschmacklos.
„Nicht über uns ohne uns!“ Mit diesem Spruch machen Aktivist:innen für die volle Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen seit vielen Jahren darauf aufmerksam, dass sie schlicht und einfach mitreden wollen, wenn es um sie geht. Dieser Satz wurde vor knapp mehr als zwei Monaten bei einer Podiumsdiskussion im Haupthof des Wiener MuseumsQuartiers zitiert. Inklusion stand im Zentrum des diesjährigen Lotterien-Tags im MQ – unter anderem mit Führungen in Österreichischer Gebärdensprach in einigen der Museen.
Bei besagter Diskussion wurde u.a. ein „MuseumsGuide Inklusiv“ vorgestellt, der übersichtlich auflistet, wo welches Museum in Österreich die Rampe/Zufahrt für Rollstuhlfahrer:innen hat, wo es gegebenenfalls taktile Informations-System für blinde bzw. sehschwache Besucher:innen gibt und vieles mehr. Doch – wie noch immer allzu oft – der zitierte Satz wurde insofern Lügen gestraft, als im Podium – übrigens auch nicht im Publikum – auch nur irgendein Mensch mit einer Behinderung anzutreffen war.
Doch es gibt auch Fortschritte: Bei den erst kürzlich (24. November 2024) unweit des MusumsQuartiers, im Volkstheater, vergebenen Theaterpreisen „Nestroy“ wurde „Die vielen Stimmen meines Bruders“ von Magdalena Schrefel und Valentin Schuster als bestes Stück mit dem Autor*innen-preis ausgezeichnet. Und im Jahr davor erhielt die Berliner Performerin Saioa Alvarez Ruiz für die Verkörperung ihrer Rolle in Florntina Holzingers „Ophelia’s Got Talent“ den Nestroy als beste Schauspielerin.
Jahrtausende lang nahmen sich immer wieder einzelnen Menschen(gruppen) das Recht heraus, über andere zu bestimmen. Sie hielten sich Sklaven, dachten, sie seien herren- und andere hingegen Untermenschen, Frauen mussten Ehemänner um Erlaubnis fragen, arbeiten gehen zu dürfen, durften nicht wählen… Nach und nach erkämpften – immer mehr – Menschen die Anerkennung, dass sie gleichwertig sind. Nach dem Holocaust und dem zweiten Weltkrieg verkündete die Staatengemeinschaft am 10. Dezember 1948 den Beschluss der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.
„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, heißt es dort in Artikel 1.
War dann aber in der Praxis noch lange nicht so, ist es auch heute (noch) nicht. Es dauerte noch weitere mehr als vier Jahrzehnte bis zur Kinderrechtskonvention, deren 35 Geburtstag erst kürzlich (20. November) stattfand. Und noch einmal fast 20 Jahre später beschlossen die Vertreter:innen der meisten Länder in einer Generalversammlung der UNO das „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ (2006, die dann nach Ratifizierung in ausreichend vielen Ländern 2008 in Kraft trat).
Schon davor gab es 1981 der „Internationale Jahr der Behinderten“, zwei Jahre später begann der „Jahrzehnt der behinderten Menschen“, zu dessen Abschluss die UNO den 3. Dezember zum „Internationalen Tag der Behinderten“ ausrief, der dann 1993 zum ersten Mal begangen wurde. Dabei soll auf noch immer bestehende Benachteiligungen aufmerksam gemacht und Initiativen zur Beseitigung derer gesetzt werden.
… dieses Übereinkommens ist es, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern“, heißt es am Beginn der Konvention.
Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.
Da insbesondere bauliche Veränderungen nicht von heute auf morgen so leicht möglich sind, sah die Konvention bi der Umsetzung eine 10-Jahres-Frist vor. Die natürlich längst vorbei ist. Und dennoch gibt es noch immer das, was in der oben – von KiJuKU computerhand„gestrickt“ karikiert wurde: In Aufmerksamkeitsjahre Rampen, davor und danach unüberwindliche Barrieren.
Zurück zu MuseumsQuartier und Infos für Menschen, die welche Barrieren auch immer zu überwinden haben. Die im MQ angesiedelte Kinderinfo – in jenem Hof, in dem auch das Zoom Kindermuseum sowie das Theaterhaus Dschungel Wien (noch, das im Zuge der Einsiedlung des Hauses der Geschichte Räumlichkeiten verliert) beheimatet sind, hat viele Informationen zusammengetragen, wo wie unter welchen Umständen Kinder mit unterschiedlichsten Behinderungen mitmachen können und dies übersichtlich zusammengestellt – Link unten am Ende des Beitrages.
Menschen mit Behinderungen wollen aber nicht nur, dass andere Barrieren abbauen oder gar nicht erst errichten, sie wollen einfach selber auch mitreden, immerhin sind sie die Fachleute für ihre eigenen Situationen. Motto: „Selbstbestimmt leben – wie andere auch!“ Das ermöglicht sehr oft persönliche Assistenz.
„So nahe waren wir noch nie dran, eine österreichweit harmonisierte Regelung der Persönlichen Assistenz, nämlich in allen Lebensbereichen und unabhängig von der Art der Behinderung, umzusetzen“, schreibt der Präsident des Österreichischen Behindertenrats, Klaus Widl in einer medien-Aussendung zum 3.Dezember, dem wie schon oben erwähnt, internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen. Nicht alle Bundesländer beteiligen sich an diesem Projekt, u.a. gehört Wien dazu. Weshalb der Behindertenrat zu einer Kundgebung in Wien – am 6. Dezember, 14 Uhr – beim Wiener Rathaus (Ecke Lichtenfelsgasse / Friedrich-Schmidt-Platz) aufruft.
„Um auch allen Wiener*innen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes und chancengleiches Leben zu ermöglichen, muss sich Wien am Pilotprojekt zur Ausweitung und Harmonisierung der Persönlichen Assistenz beteiligen und auch über das Jahr 2026 hinaus um eine langfristige Regelfinanzierung bemühen“, so Widl.
wienxtra -> kinder-mit-behinderungen
Ungewöhnlich früh, schon knapp nach dem ersten Adventsonntag gab es in diesem Jahr Buchgeschenke für kranke Kinder in der Klinik Ottakring, immer noch als Wilhelminenspital bekannt. So früh deshalb, weil der „Weihnachtsmann“, der Autor der Bücher himself, Thomas Brezina schon diese Woche in seine zweite Heimat, London, abdüst.
In den meisten der vergangenen 28 Jahre lag der Besuchstag des Erfolgsautors in der Kinderabteilung des Krankenhauses im 16. Bezirk knapp vor Weihnachten. Aber so wie schon vor dem Wiener Rathaus und nicht nur dort steht auch in der Klinik Ottakring schon jetzt der eine oder andere festlich geschmückten Nadelbaum, womit doch auch die passende Stimmung verbreitet wird. Brezina und Kinderfreunde besuchen kranke Kinder, bringen Bücher – und doch auch ein wenig Zeit für das eine oder andere Gespräch mit den jungen Patient:innen mit.
Brezina freut sich über die Freude der Kinder an den Begegnungen und den Büchern. Und an dem Engagement des Personals – ob Ärzt:innen oder Pfleger:innen. Neben den Büchern für kranke Kinder, schenken die Wiener Kinderfreunde einigen Tausend gesunden Kindern Jahr für Jahr ein Musical. Dieses Mal wird übrigens eine bekannte bebilderte Buchgeschichte des berühmten Duos Mira Lobe und Susi Weigel musikalisch in Szene gesetzt: „Die Omama im Apfelbaum“ im Raimundtheater; allerdings sind die meisten der 6000 kostenlosen Zählkarten schon weg, Restkarten gibt es noch für die Vorstellung (1¼ Stunden) am 28. Dezember um 14 Uhr – siehe Info-Box.
brezina-schenkt-kranken-kindern-buecher-und-zeit <– damals noch im Kinder-KURIER
Schon der Titel – samt dem Namen für die tierische Hauptfigur ist Programm. „Widder Willi will aber!“ Romy Pohl hat sozusagen versucht, eine Art Erziehungsratgeber mit so manch eigenen familiären Erfahrungen in eine „fabel“hafte Bilderbuchgeschichte im Tierreich zu verpacken.
Gleich auf der ersten Doppelseite lässt sie die Hauptfigur, eben den Widder Willi, ihr selbst, der Autorin, widersprechen. Erster Satz: „Widder Willi lebt glücklich und zufrieden inmitten seiner Schafherde.“
Eine riesige ins Auge stechende Sprechblase unter diesem Satz, in der steht: „Das stimmt überhaupt nicht!“
„Na gut, dann noch mal von vorne: Widder Willi lebt unglücklich und unzufrieden inmitten seiner Schafherde“, probiert’s die Autorin neu. Und schon wiederholt sie das Spiel neue große Sprechblase: „Das auch wieder nicht!“…
Auf den folgenden Doppelseiten lässt die Autorin ihren jungen Schafbock zwar nicht ihr selbst widersprechen, aber eine – wie es im Wienerischen heißen würde – „Zwiderwurzn“ ist Willi in dieser Phase allemal. Nix passt dem jungen Widder, dessen Hörner gerade einen kleinen Wachstumsschub samt dazugehörigem Schmerz durchmachen. Nervt alle anderen, aber immer wieder auch sich selbst.
Da trifft Willi eines Tages auf einen Steinbock, seines Zeichens auch ganz schön „bockig“, also ähnlich drauf wie Willi, sozusagen ein „Kein-Bock“. Anders gesagt: zwei Dickköpfe bevölkern nun die folgenden Seiten des Bilderbuchs – illustriert von Marta Balmaseda. Die beiden sollten einfach über ihre Schatten springen, rät ihnen Willis Onkel Saschaf.
Und siehe da, als sie zwar nicht über den jeweils eigenen springen können, kommen sie auf die Idee über den Schatten des jeweils anderen zu hüpfen. Und finden Spaß an dem Spiel… „Das macht voll Bock, jubelt Hörnchen.“
Was zwar im Moment den beiden Freude bereitet, den anderen Ruhe verschafft, aber … so einfach ist’s am Ende dann doch auch wieder nicht 😉
„Ich will aaaaberrrr!“ Nicht nur Möchtegern-Präsidenten führen sich so auf. Praktisch jedes Kind hat die sogenannte Trotzphase. Da helfen meist keine Argumente. Es kann noch so kalt draußen sein, das junge Wesen will in leichter Sommerkleidung ins Freie. Kann auch umgekehrt sein. Oder ganz was anderes. Viele nennen das Trotzphase in sehr jungen Jahren – ungefähr zwei bis vier – und ein zweites Mal ein paar Jahre später Pubertät.
Aber stimmt das auch, das mit der Torztphase?
Der bekannte dänische Familientherapeut und Verfasser etlicher pädagogischer Ratgeber-Bücher Jesper Juul (1948 – 2019) hat in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ vor rund zwölf Jahren gesagt: „Kinder haben kein Trotzalter. Es ist eine natürliche Entwicklung, dass sich das zwei- bis dreijährige Kind aus der kompletten Abhängigkeit von den Eltern zu einem teilweise unabhängigen Individuum entwickelt. Diese Entwicklung wiederholt sich in der Pubertät. Wenn die Eltern versuchen, diese Entwicklung des Kindes zu verhindern, zu beeinträchtigen oder darüber zu bestimmen, dann wird das Kind trotzen. In diesem Alter brauchen Kinder Eltern, die sie wertschätzen und anleiten. Je mehr die Eltern versuchen, einzugreifen und Grenzen zu setzen, desto mehr Machtkämpfe wird es geben.“
Schon lange sitzt einsam auf einer Holzbank ein Mann, neben sich auf dem Boden einen kleinen Koffer. Wartet – auf einen Zug? Immerhin heißt das Tanzstück, zu dem das Publikum in den kleineren Saal des Theaterhauses Dschungel Wien strömt „Zug 2.0“, Untertitel „Zwischen Erfurt und Wien“. Oder er wartet auf Ankommende?
Rodrigo Opazo Castro, so der Wartende, der sobald die Zuschauer:innen Platz genommen haben, natürlich zu tanzen beginnt, trifft auf Aurora Fradella, die wie er aus Deutschland kommt – und auf Johanna Ortmayr, Michaela Kortus, Niklas Kern, Raphael Kadrnoska. Letztere kommen aus einer der in Wien angesiedelten inklusiven Tanzgruppen von „Ich bin O.K.“. Dazu gesellt sich als Gasttänzerin und Christine Kortschak. Das Stück ist eine Kooperation letzterer mit Tanztheater Erfurt e.V.
In Erfurt haben sie schon performt, in Wien tanzen sie ihre rund einstündige Show derzeit (noch am Abend des 1. Dezember 2024) im Dschungel Wien. Szenen auf einem Bahnhof – im Hintergrund eingeblendet eine Foto des Erfurter Hauptbahnhofes, aber auch bei U-Bahn und anderen Stationen.
Und weit darüber hinaus. Zum Begriff „Zug“ fallen immer wieder so manche der zusammengesetzten Wörter, die mit Eisenbahn so gar nichts zu tun haben. Als es um AnZUG geht, schlüpfen manche der Tänzer:innen in zumindestens Sakkos. Zwei schaffen es im gemeinsamen Tanz ein solches von einem auf den anderen aus- und wieder anzuziehen. Eine Installation die zu Beginn fast wie die Anordnung von Infusionsflaschen-Ständern wirkt, verwandeln die Künstler:innen in so etwas wie Flaschenzüge, tanzen mit Seilen und Flaschen.
Hin und wieder wird dann doch der Bogen zurück zur Bahn geschlagen, indem eine tanzende „Schaffnerin“ ins Geschehen eingreift. Und schon wieder weitet sich die ZUG-Perspektive, ob Auf-, Vogel-, Luft-, Atem- und noch viele andere Kombinationen mit diesem von ziehen abgeleiteten Substantiv.
Ein Wort fällt, eine Fotoprojektion – Stadt- bzw. Schienen-Ansichten aus den beiden Städten, gegen Ende oft von Natur überlagert – und wird von den Tänzer:innen in bewegte und manches Mal auch sehr bewegende Bilder übersetzt. Und das immer wieder sowohl in kleinen Gruppen, dann wieder in der gesamten Crew, und hin und wieder auch in Raum und Zeit für mitunter auch sehr humorvolle Solo-Auftritte.
Nachdenken über sich, das Theater und die Welt – vielschichtig, von vielen Seiten beleuchtet, dabei sich selbst immer wieder auch hinterfragend, mitunter auch auf die Schaufel nehmend. Das tun derzeit in Wien zwei Theaterstücke. Im TAG, dem Theater an der Gumpendorfer Straße, spielt sich dies bitterböse-komödiantisch im „Sumpf des Grauens“ samt Werwolf ab (bis 25. Februar 2025 – Link zur Stückbesprechung am Ende des Beitrages).
„Grau“ steckt auch im Titel des zweiten dieser Stücke: „Grau. In einer farbenfrohen Welt“ vom Ensemble „Farbenfroh“, alles Absolvent:innen der allgemeinbildenden höheren Schule mit künstlerischem Oberstufenzweig (Polyästhetik) in der Wiener Innenstadt (Hegelgasse 12). Geschrieben hat es einer aus diesem Ensemble, Max Melo, der gleich noch auch co-inszenierte (gemeinsam mit Olga Psenner) und obendrein darin eine Rolle spielt.
Apropos Rolle: Dieser Begriff lädt zu einem der vielen Wort- und Gedankenspiele in dem Stück ein. Welche Rolle spielt Theater, bzw. Kunst im Leben – einzelner aber auch der Gesellschaft. Wichtig? Lebensnotwendig? Unnötiges Beiwerk? Behübschung?
Und welche Rolle spielt das Publikum? Ist es überhaupt ein Stück, wenn niemand zuschaut? Steigen Wert und Wichtigkeit bei hohen Quoten? Wird Kunst (immer mehr?) zum Kommerzspektakel? Oder ist die Rolle gar nur eine solche aus vielen Metern perforierten Papiers? Um das es immerhin in der Pandemie vor dem ersten Lockdown sehr viel G’riss, ja fast Schlägereien in Supermärkten gegeben hat?
Diese und viele weitere, meist sehr tiefschürfende Gedanken verpackt das Stück noch dazu in eine Story um ein intensives Ringen zwischen autoritär und demokratisch. Esto (Jakob Köllesberger) meint, den Ton angeben zu müssen – irgendwie auch getrieben von Miss Traun, der Intendantin im Hintergrund (Lisa Zwittkovits). Die beiden spielen übrigens einen zu wenig bemerkten Prolog im Foyer des Veranstaltungs- und Theaterraums im Lokal Spektakel an der Hamburger Straße (nahe U 4 Kettenbrückengasse). Während das Publikum in den Saal drängt, verfasst die Intendantin einen Brief an einem Tisch mit Büchern und einem Uralt-Wählscheiben-Telefon.
Dieses Schreiben spielt später drinnen auf der Bühne eine wichtige Rolle (schon wieder!): Absage des Theaterstücks, wenn nicht die / der Schuldige gefunden werde, wer die Farben gestohlen habe… Solche kommen übrigens lediglich als breite aufgemalte Streifen auf den Armen der Schauspieler:innen vor. Grau taucht übrigens lediglich als optische Täuschung auf – die Bluse von Schill (Livia Andrä) vermittelt durch ihre engen schwarz-weißen Streifen eine Art Schattierung. Ansonsten alles nur weiß und schwarz – womit ein weiteres zentrales aktuelles Thema optisch transportiert wird.
Wie auch immer, Esto kommt abhanden, landet in einem (selbstgewählten?) Gefängnis. Die übrigbleibende Gruppe – Parz (Torben Day), Soy (Theresa Gerstbach), Less (Lena Hergolitsch), Kaff (Max Melo), Weig (Linnea Paulnsteiner) und Jura (Mirandolina Wissgott) – versuchen es nun als basisdemokratisches Ensemble. Was sich auch nicht gerade immer als so einfach darstellt. Heftige Diskussionen in der Gruppe über das weitere Vorgehen, Monologe, Zwiegespräche – über individuelle Zugänge zu Kunst im Allgemeinen oder Theater im Besonderen, nicht selten aber auch über die Welt und den möglichen eigenen Anteil, sie retten zu wollen, wechseln einander ab. Und nicht zuletzt die Frage Individuum oder Gesellschaft ich oder wir mit einem wortspielerischen Highlight als Frage was steckt in Nichts. Die Auflösung ist nicht so schwer und hätte vielleicht dem Publikum selber überlassen werden können 😉
Hochphilosophische Gedanken schwirren ebenso wie scheinbar Banales über die Bühne und den Zuschauer:innen-Raum. Auch wenn blad nach Beginn die Fiktion ins Spiel gebracht wird, sie alle spielten in einen leeren Raum ohne Publikum. Samt der existenziellen Theaterfrage, was das bringen könnte / sollte, wie viel und welchen Sinn das mache.
Sinnfragen, echt oder gespielt? Authentizität – ein seit geraumer Zeit wahrhaft (fast) ständig präsenter Begriff im Diskurs rund um Kunst und Kultur. Fast alles, was gut und teuer (!) ist, wird in „Grau. In einer farbenfrohen Welt“ vom Ensemble aus jungen, enthusiastischen, leidenschaftlichen Theaterleuten, die erst im Vorjahr die Schule mit diesem Schwerpunkt absolviert haben.
Im Hintergrund spielt immer wieder Musik eine weitere Rolle, live auf der Geige gespielt von Maria Laun, die mitunter durch kurze, schrille, schräge Töne manch Bühnengeschehen kommentiert, unterstreicht oder konterkariert.
Ein wirklicher Blick von außen hätte vielleicht geholfen, die doch mit gut zwei Stunden – samt dem Vorspiel sogar 2¼ Stunden – zu kürzen. Klar, wer involviert ist – schreibend, inszenierend und spielend tut sich schwer das zu tun, was so landläufig mit „kill your darlings“ nicht selten (dramatische) Texte doch prägnanter machen kann / könnte.
Eine Art Romeo und Julia-Klassiker für Kinder mit Happy End von Astrid Lindgren, „Ronja Räubertochter“, feierte – mit Live-Songs aufgelockert – Freitagnachmittag (29. November 2024) im Landestheater St. Pölten eine vielumjubelte Premiere.
Für all jene, die die Geschichte vielleicht nicht kennen, hier eine knappe Zusammenfassung der Grundstory: In einer urargen Gewitternacht wird Ronja als Tochter der Räuberbande um Mattis geboren. Das Unwetter spaltet auch den Felsen, auf dem dessen Burg steht. Irgendwann ziehen in den anderen Teil der Burg jenseits der Höllenschlucht die feindliche Räuberbande der Borka ein.
Bei einem ihrer ersten Ausflüge in den Wald stößt Ronja auf Birk, den Sohn von Borka und Undis. Streit, Feindschaft. Sprünge über den Graben – hin und her, gegenseitig. Birk rutscht ab, Ronja rettet ihn. Sie freunden sich an, hassen die Feindschaft ihrer Eltern… und so weiter.
Tiefpunkt: Mattis verleugnet seine Tochter, wenn sie sich weiter mit Birk trifft. Die beiden Jugendlichen hauen ab, um dem jeweils elterlichen Hass auf die anderen zu entkommen und zusammen sein zu dürfen.
Marthe Lola Deutschmann, die einzige auf der Bühne, die nur eine einzige Rolle spielt, gibt eine selbstbewusste, eingeständige, freche, aber doch auch rechthaberische Ronja. Ihr anfänglicher Widerpart, bald Bruder im Geiste, Birk ist von Jakob Merkle deutlich ängstlicher, dafür mitunter einfühlsamer angelegt (Regie: Felix Metzner). Merle schlüpft übrigens auch noch in die Rolle eines der Mattis-Räuber. Deren Chef, Mattis himself, wird von Sven Kaschte schrill und laut, ein wenig punkig, aber mit einer Möchtegern-Attitüde fast durchgängig mit einer selbstironischen Note des Helden dargestellt. Weniger großsprecherisch sein Kontrahent, gespielt von Boris Popović.
Ronjas Mutter Lovis (Lara Horvath) ist sicher die Schlauere in der Ehe, auch wenn sie ebenso wie Undis als Birks Mutter (Katharina Rose) die (scheinbar) untergeordneter Rolle ausgefasst hat. All die Genannten verwandeln sich – wie erwähnt mit Ausnahme der Ronja-Darstellerin – in weitere Akteur:innen. So treten Kaschte ebenso wie Rose als riesige Rumpelwichte in Erscheinung (Kostüme: Elena Kreuzberger). Letztere gibt übrigens noch den uralten Weisen unter den Mattis-Räuber, Glatzen-Per. Ein bissl strange kommt die gefährlich wirken sollende Wilddrude (Lara Horvath) als Art Tussi in Vogelkostüm daher.
Wandelbar ist auch die Bühne (Johannes Weckl): So werden die „Felsen“ der gespaltenen Burghälften auch zum moosbewachsenen Wald, Bäume entschweben nach oben und Mattis Burg ist eine Art Wirtshaus mit Kulissentapete.
Schon mit einem Song startet Ronja als Jugendliche, die im Schnelldurchlauf ihr bisheriges Leben – gemeinsam mit ihrer Bande besingt. Sie und Birk haben einen Freundschaftssong und die Räuber grölen gar nicht, sondern besingen durchaus melodiös ihre Profession (Musik: Gregor Sandler; Choreografie: Serina Alexandra Wieser). Wobei sie sich dafür unter anderem zwei Textzeilen aus Bert Brechts „Die Dreigroschenoper“ ausborgen: „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“
Als die „Geschäfte“ sowohl für die Mattis als auch die Borka schlecht laufen und sie überlegen, sich zusammenzutun, geht’s „natürlich“ darum, wer die nun gemeinsame Band anführen lassen. Showdown im ultimativen „Bärenkampf“ der beiden Chefs, bei dem alles erlaubt ist. Ein Highlight der Show, in dem sie mit ihren Disziplinen Gewalt ad absurdum führen: Wettbewerbe im Luft-Instrumente-spielen: Beide an imaginären E-Gitarren, an Saxofonen und dann Luft-Zieh- vs. Mund-Harmonika, Trommeln gegen Schlagzeug. Jeweils unentschieden bis der eine seinen Stinkstiefel auspackt gegen Todesfurz… und sie sich besinnen, dass sie als Kinder noch Freunde waren.
KiJuKU: Handelt es sich bei der Geschichte in Ihrem Film „Fußball am Dach“ – im chinesischen Original „Wu ding zu qiu“ (die beiden ersten Wörter für Dach, die beiden weiteren für Fußball) um eine wahre oder ist sie ausgedacht, oder ein Mix von beidem?
Feiyu: Ich war schon als Kind ein großer Fußballfan. Die Eingebung für diesen Film kam mir bei einem unvergesslichen Erlebnis, als ich 2018 in Yunnan auf der Suche nach Inspiration unterwegs war. Ich beobachtete, wie die Dorfkinder die Granatäpfel und Walnüsse, die auf den Boden gefallen waren, herumschossen; dieses einfache Vergnügen machte ihnen großen Spaß. Auch ich konnte nicht umhin, mitzumachen und kickte mit den Kindern um die Wette.
Diese Szene hat mich tief berührt und plötzlich wurde mir bewusst, dass dieser Inbegriff kindlicher Unschuld auch die ursprüngliche Motivation war, Fußball zu spielen. Da schoss mir eine kühne Idee durch den Kopf: Wie wäre es, wenn ich den Fußball durch eine Pomelo ersetze?
KiJuKU: Und wird dort wirklich auf dem Dach gespielt?
Feiyu: In den Dörfern von Yunnan entdeckte ich ein weiteres faszinierendes Phänomen. Die Dächer dort sind miteinander verbunden und bilden eine einzigartige Kulisse. Eigentlich verwenden die Dorfbewohner die Dächer, um Mais und Getreide zu trocknen, mich aber inspirierten sie visuell. Die Struktur der Gebäude der ethnischen Minderheiten wie auch das stufenartige Gelände bieten unvergleichliche Bedingungen, um Sportszenen zu drehen.
Ich stand auf dem Dach eines Dorfhauses, schloss die Augen und lauschte dem Rauschen des Windes im Tal, dem Fließen des Flusses und dem fröhlichen Treiben der Kinder… Es war als hauchten diese Klänge den Fußballszenen auf dem Dach in meinem Drehbuch Leben ein. Ich habe diese sinnlichen Eindrücke in die Dreharbeiten einfließen lassen, und ich hoffe, dass ich diese reinen und schönen Kindheitserlebnisse durch Bilder an ein größeres Publikum weitergeben kann.
KiJuKU: Waren Sie als Kind „nur“ Fan oder haben Sie auch selber Fußball gespielt?
Feiyu: Ich hab nur geschaut, aber ich kann mich erinnern, mit so ungefähr zehn Jahren haben wir mit Freunden, wenn wir am Ende des Unterrichts nach Hause gegangen sind, mit Steinen, Plastikflaschen und allem möglichen, das auf dem Boden herumgelegen ist, gekickt. Das war der Grund für die Filmidee, dass es zum Fußballspielen nicht unbedingt einen Ball braucht.
KiJuKU: Sind Sie auch in einem kleinen Dorf aufgewachsen?
Feiyu: Nein, ich stamme aus der großen Stadt Chengdu (20 Millionen Einwochner:innen, Hauptstadt der Provinz Sichuan). Da ich die Provinz Yunnan sehr schön finde, wollte ich dort meinen Film drehen.
KiJuKU: Haben Sie selber auch Mädchen nicht mitspielen lassen?
Feiyu: Die Geschichte im Film ist fiktiv und hat mit meiner eigenen Kindheit nichts zu tun.
Anna Hofmann, Co-Leiterin des Kinderfilmfestivals, die beim Interview dabei ist, bringt die Frage eines Mädchens aus einem Filmgespräch nach „Fußball am Dach“ ein. Dieses Mädchen wollte wissen, warum der Regisseur als Mann einen Film über Fußball spielende Mädchen gemacht hat.
Feiyu: Ursprünglich wollte ich einen Film über Jungs machen, aber das chinesische Frauen-Fußball-Nationalteam ist viel besser als das der Männer, darum hab ich mich dann umentschieden. Außerdem möchte ich, dass der Frauensport mehr Beachtung findet; der Frauensport braucht mehr Menschen, die ihn unterstützen, deswegen habe ich beschlossen, von Frauenfußball zu erzählen.
KiJuKU: War das vielleicht auch eine Verarbeitung von schlechtem Gewissen, weil Sie selber als Kind Mädchen nicht mitspielen haben lassen?
Feiyu: Lächelt verschmitzt.
KiJuKU: Zurück zum Film, funktioniert das Kicken mit Pomelos wirklich oder zergatschen die nicht sehr schnell?
Feiyu: Ja, es funktioniert. Alle Bewegungen der Kinder im Film, wenn sie Pomelo und Granatapfel kicken, sind echt und wurden tatsächlich von ihnen ausgeführt, es gab keine Stuntleute. Damit will ich dem Publikum vermitteln, dass die Kinder im Film wirklich Fußball spielen können und diesen Sport besonders gern haben.
Das Kicken von Früchten zu drehen ist eine besondere Herausforderung, da die Früchte nicht wirklich rund sind – daher ist die Richtung des Schusses schwer kontrollierbar. Wir mussten immer und immer wieder drehen, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
KiJuKU: Waren die Darsteller:innen Profis oder Laien oder gemischt?
Feiyu: Ursprünglich wollte ich mit Kinder-Schauspieler:innen arbeiten, aber das war nicht so leicht, weil den meisten die natürlichen Bewegungen der Kinder aus Yunnan fehlen. Und so hab ich mich entschieden, dann alles mit Laien-Darsteller:innen zu drehen. Sie hatten keinerlei Dreherfahrung und spielten das erste Mal in einem Film mit. Selbst der Begriff Laienschauspieler war ihnen fremd, weil sie noch nie an Dreharbeiten beteiligt waren. Aber sie vertrauten mir als Regisseur. Das lag daran, dass ich sie wie Freunde behandelte. Ich erklärte ihnen genau, wie sie spielen sollten, wie sie sich zur Kamera stellen sollten und so war der Dreh sehr entspannt. Es war nicht schwer.
KiJuKU: Wird in diesem Dorf wirklich auf dem Dach gespielt?
Feiyu: Das war eine Idee von mir. Aber ansonsten hab ich mich im Film schon grundsätzlich an dem Leben in diesem Dorf orientiert.
KiJuKU: Haben alle Kinder des Films auch schon vorher Fußball gespielt?
Feiyu: Manche von ihnen spielten bereits Fußball, manche konnten es aber nicht. Zum Beispiel Ayiduo (Tan Xinyu), die im Film die Rolle der älteren Schwester übernahm: Als sie zum Filmteam kam, konnte sie den Fußball nur zwei oder drei Schläge in der Luft halten, sie konnte gar nicht Fußball spielen. Wir fanden die besten Fußballtrainer für die Kinder, die mit ihnen übten. Als der Film abgedreht war, konnte Ayiduo den Fußball mehrere Hundert Mal mit Fuß und Knie in die Höhe schießen, ohne dass er die Erde berührte. Mit ihrer Teilnahme an der China Youth Football League 2024 ist sie nun professionelle Athletin. Das ist etwas, was keiner von uns erwartet hätte. Ayiduo (Tan Xinyu) entdeckte ihre Liebe zum Fußball bei den Dreharbeiten zu dem Film „Fußball am Dach“ und wurde schließlich zu einer erfolgreichen Jugend-Fußballspielerin.
KiJuKU: Haben alle mit Dorf dabei mitgespielt, auch wenn die Pomelos in die Schüssel mit Lebensmittel fallen…?
Feiyu: Ja, alle haben uns bei den Dreharbeiten sehr unterstützt.
KiJuKU: Wie sind Sie zum Filmen gekommen, haben Sie schon als Kind Videos gedreht?
Feiyu: Seit meiner Kindheit bin ich von Film begeistert. Da mein Vater im Kulturbereich arbeitete, konnte ich oft ins Kino gehen und kostenlos Filme anschauen. Seit ich fünf oder sechs Jahre alt war, habe ich Filme angeschaut, ich liebe diese Kunst von Licht und Schatten. Es war immer mein Traum einmal selbst Regie zu führen. „Fußball am Dach“ ist mein erster Langfilm, mit 21 habe ich meinen ersten professionellen Kurzfilm gedreht.
KiJuKU: Worum ging der?
Feiyu: Es ist ein Science-Fiction-Film über einen Außerirdischen, der in seine Heimat zurückwill.
KiJuKU: eine Art E. T. (Steven Spielberg, 1982) sozusagen?
Feiyu: Mein Film ist ganz anders, mein Außerirdischer ist menschenähnlicher.
KiJuKU: Wie lange haben Sie an „Fußball am Dach“ gearbeitet?
Feiyu: Ich habe drei Jahre für das Drehbuch recherchiert und daran geschrieben, dann hatten wir 50 Drehtage 2020.
KiJuKU: Da war doch Pandemie?
Feiyu: Es war eine große Herausforderung, während der Pandemie einen Film zu machen, und die Dreharbeiten zu diesem Film waren voller Schwierigkeiten. Wenn ich jetzt zurückblicke, sind das alles wertvolle Erfahrungen, die es mir ermöglichten, schneller zu wachsen. Wir hatten 50 Drehtage und drehten insgesamt 213 Szenen; es waren an die 1.300 Darsteller:innen und Crew-Mitglieder an den Dreharbeiten beteiligt, was für einen solchen Film mit geringem Budget sehr hart war. Mein Team und ich haben jedoch dem Druck standgehalten und gemeinsam an der Überwindung der Schwierigkeiten gearbeitet. Ich möchte ihnen allen auch auf diesem Weg meinen aufrichtigen Dank für ihre Unterstützung und ihr Engagement aussprechen. Leider kam die Postproduktion des Films aufgrund von Finanzierungsproblemen für eine Weile ins Stocken und wir mussten unsere Arbeit unterbrechen.
Glücklicherweise hatte ich die Chance, Ende Dezember 2021 an der Filmentwicklungs- und Investitionskonferenz des chinesischen Golden Rooster Film Festivals teilzunehmen. Von Regisseur Huang Jianxin und anderen Expert:innen erhielt ich Anerkennung und Ermutigung. Regisseur Huang Jianxin war bereit, mir zu helfen. Im Mai 2022 arbeitete Huang Jianxin mit mir bis spät in die Nacht hinein im Postproduktionsraum: Wir überprüften das gesamte Filmmaterial sorgfältig und er half mir, den Schnitt neu zu machen. Huang Jianxin führte mich durch den gesamten Prozess der Filmproduktion, vom Dreh über Schnitt, Musik, Tonmischung, Lichtmischung zu Farbkorrektur und Color Grading. Schließlich schloss ich mit Hilfe von Huang Jianxin die Produktion des Films ab. 2023 war er fertig.
Mein Dank gilt der Filmentwicklungs- und Investitionskonferenz des chinesischen Golden Rooster Film Festivals dafür bedanken, dass sie mir diese Plattform zur Verfügung gestellt und mir die Möglichkeit gegeben hat, so hervorragende Mentoren zu treffen und meinen Filmtraum zu verwirklichen. Ich danke allen Expert:innen, Freunden und Kollegen, die diesen Film unterstützt haben. Ganz besonderer Dank geht an die liebenswerten Kinder in dem Film für ihre hervorragende Leistung. Ich wünsche mir, dass dieser Film in Europa und an anderen Orten gezeigt werden kann, damit mehr Kinder diese inspirierende Geschichte sehen können.
KiJuKU: Ab 2023 ist er in chinesischen Kinos und bei internationalen Festivals gelaufen?
Feiyu: Naja, in China wurde er in einigen Kinos gespielt, jetzt da in Wien und Graz beim Festival ist er zum ersten Mal in Europa öffentlich, im Vorjahr war er in Cannes sozusagen auf dem Markt, wo ihn Interessierte von Festivals sehen konnten, zum Beispiel auch von diesem hier.
KiJuKU: Was ist Ihr nächstes Filmprojekt?
Feiyu: Mir schwirren ein paar Ideen durch den Kopf. Gern würde ich wieder einen Science-Fiction-Film, aber auch einen Kinderfilm drehen.
KiJuKU: Von dem Kurz- und dem jetzigen Film können Sie wahrscheinlich ja nicht leben, haben Sie noch einen sogenannten Brotjob, mit dem Sie Ihren Lebensunterhalt finanzieren können?
Feiyu: Viele Regisseur:innen in China haben entweder einen anderen Job nebenbei oder schreiben Drehbücher für andere Projekte. Bei mir ist Zweiteres der Fall.
KiJuKU: Xie Xie für das Interview
Feiyu: Bukeqi
Übersetzung während des Interviews: Nick Yang Ungerböck
Für nachträgliche Korrekturen und Veränderungen: Isabella Wolte
Gewinnerfilme nochmals zu sehen: 1. Dezember
Alle Preisträgerfilme sind am 1. Dezember nochmals auf der großen Leinwand zu erleben – Details siehe Info-Box.
Mehr über den Film „Grüße vom Mars“
Beitrag über die Filme des Festivals – mit Infobox auch zu den noch verbleibenden Terminen in der Steiermark
Sie kicken mit Pomelos und anderen runden Früchten: Aimei, gespielt von Liangfeng Tang, und ihre Freundinnen in ChengZhiGuCun, einem kleinen Dorf in der chinesischen Provinz Yunnan. Die Buben des Dorfes haben einen richtigen Fußball, lassen die Mädchen aber nicht mitspielen. Diese spielen auf Flachdächern der Häuser. Nicht selten fällt ein Ball in eine Reisschüssel oder auf Mais – was wunderschöne Spritz-Bilder ergibt.
Die Buben des Dorfes verlieren die meisten Matches gegen andere Teams. Die Mädchen holen sich mit dem Dorf-Säufer noch dazu einen Außenseiter der Gemeinschaft. Der Film „Fußball am Dach“ wird aber zu einer Art Märchen. Gerade die Mädchen gewinnen Spiele – nun mit richtigem Fußball – und werden sogar zu einem internationalen Spiel gegen ein japanisches Jugend-Mädchenteam eingeladen. Das sie natürlich auch – in letzter Minute – gewinnen.
Neben dieser spannenden Geschichte bietet der Film Einblicke in chinesisches Dorfleben und eine weitere Geschichte: Aimei und ihre ältere Schwester Ayiduo (Xinyu Tan) wachsen bei Fremden auf, Vater? Vor allem die Jüngere will ausfindig machen, wo ihre Mutter ist und Kontakt zu ihr herstellen. Wenn sie eine Super-Fußballerin wird, kommt sie sicher ins Fernsehen. Und dann kann ihre Mutter sie sehen und will vielleicht oder hoffentlich doch was von der Tochter, den Töchtern wissen. Mutter sitzt – da kommen sie erst später drauf – im Gefängnis. Aimei besucht sie, die Elfenbein geschmuggelt hat, um den Lebensunterhalt für die Familien finanzieren zu können.
Dieser Film wurde beim 36. Internationalen Kinderfilmfestival, das rund um den Kinderrechte-Tag (20. November) in Wien stattgefunden hat und nun in steirischen Städten über Kinoleinwände läuft, von der Kinderjury zum besten Film gewählt. Damit wird er wie die anderen preisgekrönten Filme – Publikumsfavorit und Unicef-Preis – am 1. Dezember 2024 noch einmal gespielt – Detail im unten verlinkten Beitrag.
Gewinnerfilme nochmals zu sehen: 1. Dezember
Alle Preisträgerfilme sind am 1. Dezember nochmals auf der großen Leinwand zu erleben – Details siehe Info-Box.
Mehr über den Film „Grüße vom Mars“
Beitrag über die Filme des Festivals – mit Infobox auch zu den noch verbleibenden Terminen in der Steiermark
Sanfte Gesänge mit ein wenig Musik (Kaja Włostowska), eine mehr als heimelige Atmosphäre auf dem Teppich unter einer Art offenem Zelt, Unmengen von Pölstern in unterschiedlichsten Formen. Manche von ihnen – halbmond- oder riesenkipferl-förmig – leuchten sogar. Ein Berg an länglichen und anderen Pölstern beginnt sich zu bewegen. Hände, Arme, Füße, Beine wursteln sich daraus hervor. Nein, nicht wursteln, sie tanzen aus dem Kissen-Unviersum. Sanja Tropp Frühwald und Gat Goodovitch Pletzer werden aus diesem Haufen „geboren“, beginnen erst liegend zu tanzen, richten sich zunehmend auf. Viel zu schauen, zu hören, zu spüren, zu fühlen. Die jungen, jüngsten Kinder staunen, nach und nach machen sich einige – krabbelnd oder gehend – auf in Richtung der einen oder anderen (Leucht-)Pölster.
Kaja Włostowska bringt mehr und mehr Musik ins Spiel, von Glocken bis zu einem großen Metallophon, selbst das Kostüm von Gat Goodovitch Pletzer klingt, sind doch auf ihrem Oberteil viele metallene Buttons angebracht (Raum und Kostüme: Pia Greve). VRUM performing arts collective bringt mit „Schimmer“, derzeit im Dschungel Wien, nach „Baja Buf“ und „The Milky Way“ die dritte interaktive Performance für ein sehr junges Theaterpublikum auf die Bühne.
Im nunmehrigen – ½ bis 2 Jahre – tauchen die jungen und jüngsten Kinder wie von selbst in diesen weichen, wohligen Kosmos ein, den viele von ihnen nach und nach entdecken, erobern, mit Pölstern ebenso spielen wie mit den Performerinnen bzw. mit anderen Kindern oder erwachsenen Besucher:innen, die sich auf dieses und das Spiel miteinander einlassen.
„Schimmer“ (Konzept & Regie & Choreografie: die beiden Tänzerinnen plus Till Frühwald) spielt sich übrigens im Rahmen des mehrtägigen Schwerpunkts „Verkörperte Verbindungen“ im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum i Wiener MuseumsQuartier, ab. „Fachleute aus den Bereichen darstellende Kunst, frühkindliche Pädagogik, Psychologie, Neurowissenschaften und Interessierten“ sind bis 1. Dezember 2024 eingeladen, „in die Welt des Tanzes und der sinnlichen Erfahrung einzutauchen“ – mehr dazu, siehe Infobox.
Über baja-buf <- damals noch im Kinder-KURIER
Eine rosa Wand, ein großes Guckloch auf eine graue Hausfassade, zwei Schauspielerinnen auf der Bühne, der jeweiligen, immer wechselnden, stets in einem anderen Wiener Bezirk. Das Volkstheater tourt seit Kurzem – bis Mitte Jänner 2025 – mit einem Stück über Pflege älterer/alter Menschen durch die Bezirke. Für viele im Publikum ein recht nahes Thema
In Christina Ketterings „Schwarze Schwäne“ ((Begriff für sehr selten vorkommende Ereignisse) liegen sich die beiden Töchter ihrer älteren, pflegebedürftigen Mutter in Worten in den Haaren. Bei einem Besuch in der mütterlichen Wohnung stellen sie fest: Acht Wochen nicht gelüftet, genauso lange war die alte Frau nicht aus dem Haus. Vermeidet, wenn sie einmal rausgeht die Zusammenkünfte der Bewohner:innen des Baus in einem Kiosk. So gehe das nicht weiter. Was tun mit der Mutter.
Es gäbe auch feine Pflegeheime, so die Ältere. Auf keinen Fall, so die Jüngere. Beide begutachten ein Heim. Und dann ist auch der Älteren klar: So sicher nicht. Aber was dann? In ihrer eigenen Wohnung könne die Mutter – unbetreut – auch nicht bleiben.
Die Jüngere, Mutter zweier Kinder, baut in der eigenen Wohnung um. Sichtbar gemacht durch einen aufgehängten rosa Vorhang.
Doch die Mutter redet mit der Tochter nicht. Und ist auch sonst offenbar nicht ganz „pflegeleicht“. Zunehmend zeigt sich Merle Wasmuth, die diese jüngere der beiden Frauen spielt, genervt. Zuckt mitunter aus. Hilfe von ihrer Schwester – Elisa Seydel
– kommt null. Nada. Nichts.
Die taucht erst, und das recht häufig auf, als – auf ihr Anraten – Roboter Rosie (Fabia Matuschek) einzieht. Deren Dienste erfreuen die Mutter, sie wird sogar gesprächig… – hören wir aus den Gesprächen der beiden Schwestern. Die Mutter? Die taucht als Figur gar nicht auf. Das ist nicht nur eine Frage der Inszenierung (Regie: Anne Bader, die auch für die Bühne verantwortlich zeichnet), sondern schon des Stücktextes (Christina Kettering).
Eine spannende bewusste Entscheidung, die gleichzeitig ein Grunddilemma transportiert: Wie bei Kindern und Jugendlichen ist es bei Älteren, aber auch bei Menschen mit Behinderung recht häufig so, dass über sie entschieden, geredet und so weiter wird, ohne diese selber zu fragen oder miteinzubeziehen.
Roboter Rosie – knall-pinker Hosenanzug (Kostüme: Nina Kroschinske) – hat bei der Autorin keinen Text. Wie die Mutter kommt die humanoide Roboterin dort auch nur über die Gespräche der beiden Schwestern vor. Die Regisseurin fand offenbar, zwei Abwesende seine bei zwei Spielerinnen vielleicht zu viel. Und so spielt Rosie eine dritte, eigenständige Rolle – samt Text. Womit auch die sich anbahnende Beziehung der älteren Schwester – die beiden Menschen haben im Gegensatz zur Maschine keine Namen! – zu Rosie auch mehr Drive kriegt; samt komplizierten emotionalen Folgen. Und einem heftigen Ende. Das hier sicher nicht verraten sei.
wenn-der-roboter-zum-pflegefall-wird <- noch im Kiknder-KURIER
Ein Riesenhallo als es im größten Wiener Volkshochschul-Saal finster wird. Fast 500 Kinder sind in der Volkshochschule Floridsdorf aus dem Häuschen, ja toben in Erwartung was sich da auf der Bühne abzuspielen beginnt. Noch taucht weder der alte, leicht grantige, irgendwie schrullige Mann namens Petterson oder gar die Katze Findus auf. In Erscheinung tritt die Regisseurin dieser Version drei Geschichten dieses beliebten Duos von Sven Nordquist.
Als Kind habe sei in einem Zimmer gewohnt, wo auch nicht viel mehr als Bett, Kasten und ein Tisch standen. Aber unter ihrer Matratze habe sie ein Geheimnis versteckt – ein Buch. Und dessen Geschichten haben ihre Fantasie angeregt. Aus einer Hose, Socken und allem möglichen Zeugs habe sie die unterschiedlichsten Wesen und Welten entstehen lassen und so viele Spielgefährt:innen gefunden, das heißt, selbst geschaffen.
Und genau so inszenierte Mechthild Harnischmacher diese Stunde aus den Nordqvist-Geschichten „Wie Findus zu Pettersson kam“, „Findus zieht um“ und „Armer Pettersson“. Gleich zu Beginn und zwischendurch manches Mal erzählt die Regisseurin live auf der Bühne auch ein bisschen übers Theater, u.a., dass jene Abteilung und Räume, in denen Kostüme lagern „Fundus“ genannt wird. Aus dem U macht sie in I, schleudert ein Kapperl mitten auf die Bühne und so wird daraus Findus 😉
Da ist natürlich der alte Grantler Petterson längst auf der Bühne. Samouil Stoyanov spielt den. Er würde sich so gerne einen Gefährten zum Reden und für gemeinsame Aktivitäten wünschen. Also kommt die Kappe. Und diese, sowie eine überdimensional große Version der Kappe (Bühne und Kostüm: Julia Rosenberger) bringt derselbe Schauspieler – in anderer Stimme, anderen Bewegungen, zum Reden und Leben. Gekonnt switcht Stoyanov sehr oft, nicht selten auch fast in Sekundenbruchteilen von der einen in die andere Rolle. Als Findus, manches Mal auch als Pettersson verlässt er die Bühne und tummelt sich zwischen und neben den Reihen der Zuschauer:innen.
Letztere werden übrigens kurzerhand zu „Mucklas“ ernannt. Solche bevölkern in den geschriebenen Geschichten des schwedischen Autors als kleine Wesen versteckt Petterssons Haus. Sie können unterschiedliche Gestalten und Farben haben. Und sie sind nicht selten ein bisschen schadenfroh, wenn Pettersson ein Missgeschick passiert. Der alte Mann kann sie übrigens nicht sehen – im Gegensatz zu Findus, der mit ihnen sogar befreundet ist.
Vor 40 Jahren erblickte das Duo sozusagen das Licht der Welt – der alte irgendwie kauzige, weil schon lange einsame, Mann und ein ihm zugelaufener Kater. „Pettersson und Findus“ (im schwedischen Original: Pettson och Findus) tourt seit kurzem – bis in den März des kommenden Jahres – durch Wiens Bezirke. Das Volkstheater tourt mit drei der millionenfach in Buchform sowie in Filmen und Theaterstücken umgesetzten Geschichten von Sven Nordquist durch Säle von Volkshochschulen bzw. Häusern der Begegnung – ein Loblied auf Fantasie und fürs Miteinander auskommen sowie gegen Einsamkeit. Wenngleich das Konzept, dass einer beide Figuren spielt – und das mehr als überzeugend – mehr für die Fantasie als gegen die Einsamkeit spricht 😉
Suboptimal sind die meisten Spielorte fürs (Kinder-)Publikum angesichts der einen Ebene an Sitzen. Immer wieder müssen die jungen Zuschauer:innen aufstehen, um halbwegs gut sehen zu können, was die Sicht der Kolleg:innen dahinter erst recht wieder behindert. Und: Nicht immer ist alles akustisch zu verstehen.
Am Ende bietet diese Aufführung eine lichtvolle Überraschung, wenn Pettersson und Findus beginnen, den Sternenhimmel zu betrachten.
Ein Museum in das Jugendliche der Umgebung fast jeden Tag nach der Schule kommen, um hier abzuhängen oder sich künstlerisch zu betätigen. Wo auch sonst übliche Vorschriften, „nicht rennen, leise sein“, Fremdworte sind – wo gibt’s denn das?
3100 St. Pölten, Schulring 24 – so die Adresse des ziemlich neuen großen Hauses mit senkrechten hölzernen Latten – auch wenn der digitale Stadtplan der niederösterreichischen Landeshauptstadt (noch?) nicht kennt. Gegenüber liegen auch tatsächlich mehrere Schulgebäude, u. a. eine Mittelschule, die nach Österreichs zweitem Bundespräsidenten der zweiten Republik, Theodor Körner, benannt ist. Wenige Gehminuten entfernt, verläuft übrigens die nach dem ersten Nachkriegs-Präsidenten Karl Renner benannte Promenade.
Dieses eben kurzbeschriebene neue große Haus mit Park (Altoona), das KinderKunstLabor für zeitgenössisch Kunst (KKL), beherbergt seit ein paar Monaten das KinderKunstLabor. Und es hat tatsächlich mit allen drei Begriffen viel zu tun. Kinder sowieso. Die hier ausgestellte Kunst ist aber auch eine solche, auf die die jungen Besucher:innen immer wieder Einfluss nehmen können, labor-mäßig sozusagen. Schon vor der Eröffnung wurden Kinder bzw. Jugendliche gefragt, was und wie sie gern in diesem Kulturzentrum haben würden. Außerdem gibt es neben dem großen Ausstellungsraum noch zwei Labore, in denen die jungen Besucher:innen tatsächlich nach Herzenslust auch wild mit Farben oder anderen Materialien (Ton zum Beispiel) fuhrwerken dürfen.
Sehr beliebt ist auch die – ausschließlich Kindern vorbehaltene gehäkelte Riesen-Netz-Höhle, Toshis Gabe – gestaltet von der Künstlerin Toshiko Horiuchi MacAdam.
Bei der aktuellen Ausstellung dream.lab – von Rivane Neuenschwander aus Brasilien – tauchst du ein in eine abendliche Stimmung. Der große Raum ist dunkel, vor und rundum Stellwänden mit traumhaften Mustern, die an Traumfiguren und -szenen erinnern, kannst du selber weiterträumen. Oder zeichnen und malen. Diese, deine Bilder, werden an die Künstlerin geschickt, die daraus wieder neue Objekte aus schwarzem Papier ausschneidet, die auf die transparenten „Fenster“ dieser Wände montiert werden.
Jeden Donnerstagnachmittag gehört eines der Labore oder die kleine, hölzerne, heimelige Bibliothek im obersten Stockwerk der Kinderideenwerkstatt. Hier sammeln zwei Mitarbeiterinnen eben Ideen und Gedanken von Kindern ein, besprechen beispielsweise die nächste Ausstellung oder auch mögliche (Um-)Gestaltungen im Haus. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte kürzlich bei einer solchen Kunstideenwerkstatt dabei sein. Der Holzboden in der Bibliothek soll einen Teppich(-boden) bekommen. Was und wie schlagen Kinder vor. Adria, Arvin, David, Kian und Lukas, die an diesem Tag dabei sind, haben viele Ideen – von regenbogenbunt bis schwarz und einem hellen Ornamentmuster drauf spannt sich der Bogen. Oder mehrere verschiedenfärbige Streifen, die immer wieder auch ausgetauscht werden können. Wird möglicherweise noch mehrere Runden, vielleicht auch eine Befragung brauchen, bevor der Belag entschieden wird.
An diesem Nachmittag ist auch Mona, die Leiterin des KKL, zu Besuch in der Kunstideenwerkstatt. Sie und Evi, die die Werkstatt gemeinsam mit Johanna regelmäßig betreut, erzählen ein bisschen über die nächste Ausstellung. Ab Mitte März 2025 wird es eine Gruppen-Schau von Arbeiten mehrere Künstler:innen aus verschiedenen Ländern geben. Obwohl die Chefin der Runde den Titel schon verrät, wurde KiJuKU.at dringend gebeten, ihn noch nicht in die Öffentlichkeit zu tragen. Das KKL will ihn erst Anfang 2025 der Öffentlichkeit preisgeben. Gespoilert werden darf aber, dass er Anleihe nimmt bei einem Knobelspiel mit Händen. Und – tatata, nun darf er verraten werden: „Papier, Stein, Schere“ mit dem Untertitel „Materialien und Werkzeuge der Kunst“.
Unter anderem wird die älteste Schere (rund 5000 Jahre) aus dem St. Pöltner Stadtmuseum ausgestellt. Ein Kunstwerk, von dem Fotos hergezeigt werden, schaut aus wie Rauch, ist aber aus Kalenderdraht. Ein anderes aus Schuhbändern – Menschen mit deutschem Migrationshintergrund sagen Schnürsenkel – schaut geheimnisvoll aus. „Das heißt: Wir sind Menschen; das sind arabische Schriftzeichen“, liest ein kurzzeitiger Gast, der gemeinsam mit Schulkolleg:innen zur Gruppe der eingangs geschilderten täglichen Stamm-Crew im Haus zählt.
„Man könnte Stationen machen, bei denen aus Papier was gefaltet werden kann“, kommt ein Input der jungen Ideen-Stifter:innen. „oder auch eine Box aus Karton, mit der auch Spenden gesammelt werden könnten für andere Ideen, die wir oder andere Kinder haben. „Wir könnten auch auf Papier gemalte Kunstwerke in den Lift hängen“, eine weitere Anregung. „Und wir könnten Begrüßungen in mehreren Sprachen beim Eingang aufhängen“, fügen Kinder hinzu – einige bringen auch selber gleich mehrere Sprachen mit. An diesem Nachmittag sind es Farsi, Kurdisch und eben Arabisch – neben Englisch und Deutsch sowieso – das ist aller gemeinsame „Zunge“. „Bitte, auch in Gebärdensprache“, wird noch in die Runde geworfen.
Was ihnen am KinderKunstLabor gefalle, wollte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wissen, als der Nachmittag zu Ende geht. Trotz Erschöpfung geben zwei noch kurze Interviews.
Kian: „Mir gefällt, dass hier alles sehr kreativ ist. Es gibt viel zu sehen, aber auch viel zum Selbermachen. Sehr viel Spaß macht das Klettern in dem großen Netz. Und ich kann hier immer meine Freunde treffen.“
Adrina: „Ich male und bastle sehr gern, das kann ich hier gut machen. Es gibt viel Kunst zu sehen und ich hab ein bisschen Gebärdensprache hier gelernt.“
„Der diesjähriger Kinderjury-Preis geht an einen sehr schönen Film, der uns außergewöhnlich berührt hat. Er entführt uns auf einen anderen Kontinent und zeigt Kinder, die alleine klarkommen müssen. Ein wahrer Frauenpower-Film, in dem Geschlechterklischees keinen Platz haben. Aber auch Jungs spielen eine wichtige Rolle und wachsen letztendlich über sich hinaus.“ So begründeten Agathe, Alma, Keren, Luisa, Mila, Nils und Wenzel, die sieben Mitglieder der diesjährigen Kinderjury, die Entscheidung für den ihrer Meinung nach besten Film – „Fußball am Dach“ (aus China).
Mit den Entscheidungen endete das diesjährige internationale Kinderfilmfestival, das mittlerweile 36.in Wien; in der Steiermark hat das 16. erst am Sonntag begonnen (dauert bis 1. Dezember 2024).
Die Kinderjury hatte aber noch für einen weiteren Film eine „lobende Erwähnung“ parat, für den belgischen Film „Young Hearts“ (Junge Herzen). „Ein herzerwärmender Film mit großartiger Filmmusik über die erste Liebe, die anders verläuft als gedacht. Besonders die Beziehung zwischen Elias und seinem Opa hat uns sehr beeindruckt. Es ist sehr schön, wenn man zu seinen Gefühlen stehen kann“, begründeten die sieben jungen Film-Auskenner:innen ihr Urteil.
Seit vielen Jahren vergibt die Kinderjury auch einen Unicef-Preis. Unicef ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNO). Dieser Preis gebührt immer einem Film, in dem Kinderrechte eine wichtige Rolle spielten. Das Festival findet übrigens immer rund um den internationalen Kinderrechtetag (20. November) statt.
Die Juror:innen wählten für diesen Preis „Lars ist LOL“ (Norwegen) aus. „Lars wird aufgrund seines Down-Syndroms gemobbt und ausgegrenzt und dann sogar von einer Freundin verraten. Ein Film über Freundschaft, Ehrlichkeit und den Mut, zu sich selbst zu stehen. Wir finden es sehr schön, dass sich fast alle Figuren am Ende weiterentwickelt haben und füreinander einstehen“, lautet die Begründung für diese Wahl.
Auch beim Unicef-Preis hatte die Kinderjury eine „lobende Erwähnung“. Und die deckt sich übrigens mit dem Publikumspreis: „Grüße vom Mars“. Während das Publikum natürlich keine Begründung hatte, sondern „nur“ mit Hilfe der Abschnitte der Eintrittskarten abstimmte, lieferte die Kinderjury natürlich auch ein Statement zu ihrer Entscheidung: „Wir konnten uns in den Hauptdarsteller von Grüße vom Mars sehr gut hineinversetzen. Dabei geholfen haben uns die Kamera aus Toms Perspektive, die verstärkenden Geräusche und auch die schauspielerische Leistung. Es hat uns sehr bewegt, in die Welt eines autistischen Jungen einzutauchen und zu sehen, dass seine Familie immer für ihn da ist.“
In diese Rolle hineinzuschlüpfen war übrigens für den 12-jährigen Darsteller Theo Kretschmer, der nicht Autist ist und davor auch keinen Kontakt zu Autist:innen hatte, nicht einfach, wie er in einem Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schilderte – Link dazu unten am Ende des Beitrages.
Alle Preisträgerfilme sind am 1. Dezember nochmals auf der großen Leinwand zu erleben – Details siehe Info-Box.
Der Oktopus im Raumschiff, der immerhin im Trockenen leben kann – nur sein Kopf ist einer Art Goldfischglas – kriegt auf einmal viele rote Punkte und Bläschen im Gesichte und auf seinen Tentakeln. Und Bauchweh obendrein. Du als (Vor-)Leserin oder -Leser weißt natürlich schon, was es geschlagen hat. Immerhin steht im – kostenlosen – Bilderbuch „Von Sternen und Erdnüssen“ mit Untertitel „Ein Oktopus in Gefahr!“ schon auf der ersten Innenseite unter Titel und Untertitel: „Ein Kinderbuch zum Thema Nahrungsmittelallergien“.
Und bevor bei Oktopus Gerhard diese Flecken und Schmerzen aufgetaucht sind, hat er vom Kuchen, den Eichhörnchen-Astronautin Ebi gebacken hat, gegessen.
So leicht und schnell geht’s natürlich nicht. Eine Geschichte braucht einen Spannungslosen. Obendrein werden auch im wirklichen Leben Allergien nicht immer schnell erkannt. Also führt Ebi und Gerhard der Weg zunächst in die Kantine, wo „lange Schlange“ sehr wortwörtlich wird 😉
Schildkröte Traude probiert’s mit Kräutertee. Hilft hier nicht. Beim Käpt‘n des Raumschiffs gibt’s noch weniger Abhilfe.
Erst nach der ohnehin geplanten Landung auf Raumstation Guglhupf hat Gerhard die Chance, eine Ärztin zu Rate zu ziehen. Doktorin Hase (in der Onlineversion Frau Doktor) – assistiert von Krankenpflegerin Bärwin – erkennt nach Frage, wann die Pustel aufgetreten sind und welche Zutaten Ebi für den Kuchen verwendet hat: Ach, Erdnuss-Allergie…
Akut-Medikament und gleich noch Testung, auch was Gerhard vielleicht noch allergisch sein könnte, runden die Behandlung ab.
Neben der Story gibt es an manchen Stellen extra hervorgehobene Erklär-Stellen über Symptome einer Allergie, wie es dazu kommt, was zu tun ist…
Dieses informative, leicht lesbare und natürlich praktisch brauchbare Bilderbuch ist im Rahmen eines Projekts zur Wissenschaftskommunikation an der Fachhochschule Campus Wien entstanden. Wissenschafter:innen haben sich auch von Kindern einer Wiener Volksschule bei Gestaltung und Layout des Buches Anregungen geholt.
Am Ende findest du einen zwei-seitigen Quiz, der abfragt, was du dir aus dem Buch gemerkt hast.
Durch finanzielle Unterstützung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung kann es kostenlos zur Verfügung gestellt werden – wie? Siehe Info-Box.
Und aus dem Buch wurde auch eine Website. Online kannst du dir die Geschichte auf der Website auch vorlesen lassen. Die angekündigte Interaktivität beschränkt sich auf sehr wenige kleine Elemente – beim Leuchtring dreht sich etwa der Kommando-Sessel um einen Halbkreis, bei einer Glühbirne gehen Info-Felder auf.
„Die Zellen in Lottas Körper verwandeln sich in Soldaten, wenn sie Gluten sehen. Sie versuchen es zu bekämpfen. Davon bekommt Lotta Bauchweh.“
Abigail Rayner hat sich das Bilderbuch „Lotta und die Krümel“ ausgedacht, in eine einfache Geschichte verpackt, geschrieben. Immerhin weiß das Mädchen, dass sie Zöliakie hat – was vier von fünf Betroffenen nicht wissen. Deswegen kann Lotta darauf aufpassen und andere bitten, nicht mit bloßen Händen oder Besteck auf dem schon Krümel mit Gluten sind, Nahrungsmittel anzufassen. Aber sie fühlt sich von vielem, unter anderen Geburtstagspartys ausgeschlossen.“ – Zur ausführlicheren Besprechung des in diesem Absatz genannten Buches auf KiJuKU.at geht es in einem Link am Ende dieses Beitrages.
Beim 36. Internationalen Kinderfilmfestival lief im Kurzfilmprogramm „Boris‘ Bäckerei (La Boulangerie de Boris“, eine Drei-Länder-Koproduktion Kroatien, Frankreich, Schweiz. Ausgerechnet ein Bächer hat eine Mehl-Allergie. Würden Taucherbrille und Schnorchel da bei der Arbeit helfen? Oder Job wechseln? Die Hauptfigur namens Boris holt sich Rat und Hilfe in der Backstube.
Freitagnachmittag, die Schule wirkt schon ziemlich leer, kaum Stimmen zu vernehmen. Ein wenig eigenartig war das Erlebnis beim Stella-Festival in Kärnten / Koroška in dem Klassenzimmer in der Sportmittelschule Villach-Lind schon. Klassenzimmertheater aber ohne Schülerinnen und / oder Schüler. Ausschließlich erwachsenes Festival-Publikum. Auch wenn die beiden Schauspielerinnen an einigen Stellen zwischen den Sitzreihen durchgehen, das eine oder andere Mal auch auf die Schultische steigen – das hätte unter diesen auch in einem Theaterraum stattfinden können.
Das tut aber weder Stück noch Schauspiel Abbruch. War auch eine nette Wanderung in einen anderen Teil der Stadt an der Drau /Drava. Mit „Konradine und Effi“ war die Stückautorin Hanna Valentina Röhrich vor drei Jahren für den Retzhofer Dramapreis nominiert. Das taO, Theater am Ortweinplatz in Graz, spielt es im Februar 2025 (wieder – siehe Infoblock). Dieses Stück gewann dann noch den ersten DramatikerInnenpreis der neuebühnevillach, die daraus ein Stück eben für Klassenzimmer (Regie: Greta Lindermuth) entwickelte.
Konradine (Irina Lopinsky) kommt hektisch rötlich gekleidet mit einer ähnlichen großen Decke und einigem Zeugs in die Klasse. Bewegt und raumgreifend erobert sie das Geschehen zwischen Tafel, Waschbecken und den Tischen. Da steht ihre Kollegin Martina Martins als Effi vorerst ein wenig im Abseits. Die kommt erst später wirklich ins Spiel. Konradine lässt ihre Erinnerungen an die einstige enge Freundin, die für sie auch noch mehr als ein bisschen mehr war.
Die Erinnerungen werden lebendig und die beiden spielen die vertrauten, mitunter durchaus auch „ver-rückten“ Szenen der vergangenen intensiven (Ver-)Bindung. Hin und wieder kommen sie dabei auch nicht nur nah, sondern auch direkt ans Publikum. So sprechen sie einen – üblicherweise Schüler – als „Viktor“ an, den sie in eine schräge Aktion zu verwickeln versuchen.
„Das ist ganz unterschiedlich gelungen oder eben auch nicht“, erzählt Martina Martins am Abend am Rande der Stella-Gala Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Wir hatten Vorstellungen wo dieser Junge voll mit in die Szene eingestiegen ist und mitgespielt hat und andere, wo sich der entsprechende Schüler richtig weggeduckt hat.“
Im Zentrum steht aber die enge Freundschaft, in der Konradine mehr und auch direkt ausgesprochen Verliebtheit verspürt. Effi lässt hin und wieder ansatzweise Ähnliches aufblitzen, spürt und empfindet aber (möglicherweise) nicht so. Wobei das Spiel durchaus offen lässt, ob sie wirklich „nur“ Freundschaft empfindet oder sich „nur“ nicht mehr eingestehen will.
Compliance-Hinweis: Zur Berichterstattung vom Stella-Festival wurde KiJuKU.at von der ASSITEJ-Austria eingeladen.
Alle Nominierten sind schon Siegerinnen und Sieger. Immerhin hatte die vier Juror:innen 126 Produktionen österreichischer Gruppen und Theaterhäuser im Vorjahr besucht, darüber diskutiert, mitunter sogar wie sie im Jurytalk gestanden auch heftig, und dann – nicht immer einfach – je vier in den verschiedenen Kategorien ausgewählt.
Barbara Carli, Helen Isaacson, Götz Leineweber und Danielle Strahm-Fendt, die vier Juror:innen, erzählten, sie hätten sogar diskutiert, ob es dann noch Preisträger:innen geben sollte oder besser alle Nominierten ausgezeichnet würden. Wie auch immer – die ASSITEJ-Austria, der Dachverband des heimischen Kinder- und Jugendtheaters, hatte auch Stella 2024 (für die Stücke 2023) so ausgeschrieben – wie die meisten Bewerbe. Nun also gab es neben den nicht ganz zwei Dutzend Sieger:innen also doch auch wieder Preisträger:innen, sozusagen die Besten der Besten der Besten.
Übrigens: Eine Überblicks-Story über alle Preisträger:innen sowie eine weitere über alle Nominierten ist schon (sehr) lange hier auf Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zu sehen und lesen – Links hier bzw. weiter unten.
Kurzweilig, mitunter szenisch und mit kleinen Rätseln fürs Publikum gespickt, moderierten drei junge Schauspieler:innen – Coco Brell, Mara Romei, Simon Schofeld. Sie selbst waren für ihre darstellerische Leistung in „Über Nacht“ (Burgtheaterstudio Wien) nominiert, weshalb sie in diesem Moment die Moderation – weil „cringe“ – abgaben. Die beiden Erstgenannten haben sich mit dem Gitarristen Bernhard Eder auch als Band „Low Life Richt Kids“ formiert und würzten die Moderation mit mehreren mitreißenden Nummern.
Die ersten Worte der jungen Juror:innen veranlassten gleich einmal die Vertreterin der gastgebenden Stadt Villach – die Stella-Gala 2024 fand in der Neuen Bühne der Draustadt statt -, Gerda Sandrieser (2. Vizebürgermeisterin und für Kultur zuständig) ihre vorbereiteten Rede-Zettel über Bord zu werfen und ein flammendes Plädoyer für jene engagierten Künstler:innen, die Theater für Kinder und Jugendliche machen, zu halten.
Die Vorstand-Vorsitzende der Assitej-Austria (Association internationale du théâtre pour l’enfance et la jeunesse), Anja Scziliniski, die auch die Moderationstexte geschrieben hatte, verknüpfte in ihrer eigenen Rede das Theaterschaffen für junges Publikum auch mit dem Recht von Kindern auf Kunst und Kultur. Zufällig fand gerade in der diesjährigen Stella-Woche auch er 35. Jahrestag der Beschlussfassung der Kinderrechtskonvention durch die UNO-Generalversammlung statt. Theater könne und solle auch Demokratie stärken sowie vielleicht gerade mit Fantasie Kindern und Jugendlichen einen Schlüssel in die Hand geben, sich in dieser herausfordernden, unübersichtlichen Welt zurechtzufinden.
Da es hier auf KiJuKU.at bereits einen Überblicks-Beitrag über alle Preisträger:innen gibt – weiter oben schon verlinkt – seine hier nur noch zwei Highlights hervorgehoben. Aus mehreren Gründen zu Tränen gerührt nahm Maartje Pasman stellvertretend für sich und ihre beiden Kollegen Futurelove Sibanda und Joseph Tebandeke für ihre merh als überzeugende Leistungen in KINGX & QWEENS (Unusual Beings, Dance Revolution East Africa, Dschungel Wien) eine der von den Schüler:innen des BRG Klagenfurt-Viktring – eigener Beitrag darüber ganz unten verlinkt – gestaltete Statue in Empfang. Ihre beiden Kollegen sind derzeit in verschiedenen anderen Ländern künstlerisch im Einsatz.
Obwohl sie – gemeinsam mit ihren beiden Kollegen – schon vor Monaten ein witziges Jubelvideo aufgenommen hatten für den Fall, dass sie gewinnen sollten, war Pasman spürbar überwältigt.
Die Tränen waren einerseits Ausfluss der Freude über diese hohe Auszeichnung und andererseits der intensiven tänzerischen Arbeit, die sich Vielfalt und Diversität widmet(e) sowie des Andenkens an die im Sommer leider viel zu früh verstorbene Tochter der Co-Choreografin ihrer Produktion und langjährigen Dschungel-Wien-Leiterin Corinne Eckenstein. Lucy, schwerbehindert geboren, hatte immer Zuversicht, Hoffnung, Optimismus, Lebensfreude ausgestrahlt und Diversität gelebt. Ihr widmete Maartje Pasman in einer berührenden Geste und entsprechenden Worten auch diesen Preis.
Mit einer Ganzkopf-Nashornmaske betrat die Laudatorin für den Sonderpreis die Neue Bühne Villach. Jene, die eine der vielleicht stärksten berührendsten und durchaus auch ungewöhnlichsten der Dutzenden Top-Produktionen von Nadja und Martin Brachvogel kennen, hatten sofort ihren Aha-Moment: „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“, ein Stück von Jens Raschke über den fast unglaublichen Wahnsinn im Wahnsinn, einen von Gefangenen des Nazi-Konzentrationslagers Buchenwald in der NS-Zeit erbauten Tiergarten (Zoo) neben dem KZ – Link zu einer Stückbesprechung (damals noch im Kinder-KURIER) unten am Ende des Beitrages.
„Mit einer Nashorn-Maske betrete ich die Bühne – ein Zeichen dafür, dass Aufmerksamkeit manchmal eines kleinen Spektakels bedarf. Es ist mir eine große Ehre, Nadja und Martin Brachvogel zu ehren, das dynamische Duo hinter Follow the Rabbit, das mit dem Stella-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird“, sagte Saskia Schlichting, Leiterin der Kinderkultur im WuK (Werkstätten- und Kulturhaus) in Wien. In ihrer umfassenden – und letztlich doch spontan gekürzten – Rede würdigte sie die vielfältig, sich auch ständig erneuernde Arbeit des Duos, schloss auch so manche Bildungslücke mit einem Exkurs zu dem wirklich existierenden Vogel, dessen Nachnamen die beiden tragen. Und schilderte, wie viel sie aus der Zusammenarbeit als Veranstalterin des Kinderprogramms in dem besagten Kulturhaus selber lernen und sich weiterentwickeln konnte.
„Seit 2004 erweitert ihre Theatergruppe den Horizont des Theaters – interdisziplinär, innovativ, preisgekrönt. Ihre Werke für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind humorvoll, provokativ und tief berührend. Mehr als 30 Produktionen und zahlreiche Auszeichnungen zeugen von ihrer künstlerischen Exzellenz“, sagte die Laudatorin unter anderem.
An beispielhaften Inszenierungen nannte sie – neben etlichen anderen:
* „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ und charakterisierte es als „eine beeindruckende Inszenierung über den Holocaust, die durch Reduktion und Klarheit bewegt“ und vielleicht auch anrege, eben über Zäune zu schauen und Fremdes entdecken zu wollen.
* „Shoot’n’Shout: Ein Jugendstück über Alltagsgewalt, das mit kluger Provokation irritiert und zum Dialog einlädt.“
Die Wirkung des Theaters, das die beiden Stella-Sonderpreis-Ausgezeichneten (dieser wird vom jeweiligen Vorstand der ASSITEJ vergeben) meinte Saskia Schlichting: „Es gibt Stücke, die nicht nur im Gedächtnis bleiben, sondern ins Herz schneiden. Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute, gehört dazu. Es stellt die schwerste aller Aufgaben: Kindern vom Holocaust zu erzählen, ohne sie zu überfordern, und gleichzeitig moralische Fragen für Erwachsene ungeschönt aufzuwerfen. Follow the Rabbit hat hier eine beeindruckende Inszenierung geschaffen, die uns auffordert, genau hinzusehen – damals wie heute.“
Am Ende ihrer Würdigungsrede kehrte sie zur Nashorn-Maske zurück: „Mit der Maske des Nashorns greife ich ein Symbol aus einem ihrer bedeutsamsten Werke auf. Wie der sprechende Hut aus Harry Potter weist uns ihr Theater den Weg: Über Grenzen schauen, mutige Fragen stellen und Antworten suchen. Der Stella-Preis für das Lebenswerk geht an Follow the Rabbit – für ihre unvergleichlichen Beiträge zum Theater.
Die beiden Sonderpreis-Ausgezeichneten ließen es sich nicht nehmen, sich inhaltsreich zu bedanken. Nadja, die derzeit in Hamburg arbeitet, schreib eine Rede, die ihr Arbeits- und Lebenspartner Martin, der nach der Heirat ihren Namen angenommen hatte, vortrug. Beide haben mittlerweile auch Erfahrung im Theater für erwachsenes Publikum und neben bisher einem halben Dutzend Stella-Preisen in den 20 Jahren ihres Schaffens, zunächst als Theater Mundwerk, seit vielen Jahren eben als „Follow the Rabbit“, auch „Nestroy“-Preise bekommen. Aus der Erfahrung am Rande der Nestroy-Preisverleihung im Vorjahr aber auch anderen Begegnungen mit Theaterschaffenden schilderte Nadja Brachvogel in der von Martin vorgetragenen Rede. Belächelt und herabgewürdigt für die Arbeit für Kinder und Jugendliche…
„Und auch wenn das Kolleg:innen aus anderen Sparten vielleicht anders sehen, halte ich Theater für junges Publikum immer noch für die gesellschaftlich wichtigste Kunstform. Wir haben ein hoch diverses Publikum, wovon der Abendspielplan nur träumen kann. Wir bauen Nähe zu den Menschen auf und kommen nicht auf dem hohen Ross daher. Wir begegnen unserem Publikum auf Augenhöhe und versuchen Wege aufzuzeigen, um die Komplexität dieser Welt bewältigen zu können. Wir bieten wichtige kulturelle Bildung an Stellen, wo diese zu kurz kommt.“
Compliance-Hinweis: Zur Berichterstattung vom Stella-Festival wurde KiJuKU.at von der ASSITEJ-Austria eingeladen.
Anlässlich der Bekanntgabe der Jury, welche Produktionen und Künstler:innen für den Stella 2024 – für Arbeiten, die 2023 gezeigt worden waren – nominiert sind, erschien hier auf Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… dieser hier unten verlinkte Beitrag.
Das Publikum wird in der Performance „Verfallen“ von der Theaterfabrik Weiz (Steiermark) kurzerhand zu einer Versammlung interessierter Investor:innen umfunktioniert. Objekt der Begierde ist das Volkshaus dieser oststeirischen Stadt. Altes verfallenes Haus, lukrative Gegend, nahe dem Stadtzentrum und auch nicht weit weg von Bergen. Gut fürs Wandern…
Was als Show inszeniert wird – mit einer Bürgermeister-Darstellerin (Emma Pöcksteiner), einem Hauptinvestor (Tim Habe) sowie Vertreterinnen der verschiedenen Initiativen, Vereine und Organisationen, die ihre Aktivitäten oder einfach geselligen Treffen samt Veranstaltungen im Jahreskreislauf im Volkshaus ausüben können, hat einen realen Hintergrund: Das besagte Volkshaus ist kein fiktives, das gibt es wirklich.
Die Theaterfabrik, die dort seit rund 20 Jahren Kurse mit Kindern bzw. Jugendlichen abhält und Stücke entwickelt, arbeitet und spielt tatsächlich in diesem Haus. Obendrein sollte das sieben Jahrzehnte alte und damit in die Jahre gekommene Haus mit Verfalls-Erscheinungen wirklich abgerissen und durch einen „grünen“ siebenstöckigen Turm ersetzt werden. In dem es durchaus auch Platz u.a. für die Theaterfabrik gegeben hätte. Schon hatten sie die Räume ihrer Etage verplant, da erfuhren sie: Abgesagt, der Investor ist abgesprungen.
So manches, das sich die jugendlichen Theaterenthusiast:innen – neben den bereits Genannten noch Sarah Frank, Judith Karner, Kirstin Kniebeiß, Bettina Waclawek, Linda Walch, Marlen Weingartmann – sowie die beiden Profis, die Regie führten – Nora Köhler & Vera Kopfauf -an Szenen und Dialogen ausgedacht haben, wurde hin und wieder von der Realität fast übertroffen. Wie auch immer, sie als Theaterfabrik sind dem Volkshaus genauso wie die anderen Initiativen, Vereine usw. klassisch verfallen. Ihr Herz hängt an diesem ihrem Kulturzentrum. Wenngleich so manche Renovierung wohl längst angebracht wäre.
Wie auch immer – im Original bespielten die Theaterleute in einer kabarett-ähnlichen Art und so manch musikalischen bzw. (sessel-)tänzerischen Szenen in dem Stück das gesamte Haus mit allen Räumen und Winkeln, ob im Keller oder auf dem Dach. Auf einer Riesen-Leinwand wurden die live gefilmten Szenen live für das Publikum im großen Saal übertragen. Und schafften so auch neue Besucher:innen – aus anderen Einrichtungen des Volkshauses – anzulocken.
Trotz der Fokussierung auf das konkrete Gebäude schwingt in dem Stück das nicht so selten in Gemeinden verbreitete Phänomen mit, dass (lokale) Politiker:innen gut und gern auf scheinbar spannende Investoren-Projekte an- und aufspringen. Hin und wieder verdienen Bürgermeister (hier kann Gendern noch erspart werden) ja auch an Umwidmungen von Grundstücken für derartige Baupläne. Womit das Weizer Stück auch eine gesellschaftspolitische Dimension erhält.
Beim Stella-Festival in Kärnten / Koroška war es natürlich nicht möglich das gesamte Stück in dieser umfassenden Dimension zu zeigen. Aber der ¾-stündige szenische Ausschnitt – mit weniger Spieler:innen – samt Videos beispielsweise von der Volkshaus-Erkundung gab gute Einblicke.
Compliance-Hinweis: Zur Berichterstattung vom Stella-Festival wurde KiJuKU.at von der ASSITEJ-Austria eingeladen.
Dieses Mal fallen die österreichischen Theaterpreise zeitlich fast zusammen. Zwei Tage bevor im Wiener Volkstheater die Nestroy-Verleihung über die Bühne geht, bekamen die Spieler:innen bzw. Macher:innen herausragender Leistungen im Theater für junges Publikum die Stella-Preise. Die von der Österreich-Sektion der internationalen Kinder- und Jugendtheater-Vereinigung ASSITEJ (Association internationale du théâtre pour l’enfance et la jeunesse) organisierte Preisgala findet jedes Jahr in einem anderen Bundesland statt. Im Idealfall samt einem Festival bei dem die (meisten) nominierten Stücke nochmals gezeigt werden. 2024 war Kärnten / Koroška dran – gespielt wurde in Klagenfurt und Villach. In der dortigen Neuen Bühne wurden die Awards vergeben. Anders als beim Nestroy sind auch die Statuen nie gleich, jedes Jahr werden sie von anderen – regionalen – Künstler:innen gestaltet. Heuer zeichneten sowohl für den Entwurf als auch die Anfertigung Jugendliche der 7e des BRG (BundesRealGymnasiums) Klagenfurt-Viktring verantwortlich – zu einem Telefoninterview mit der Klasse und ihrer Lehrerin geht es in einem eigenen Beitrag hier…
Doch nun zu den Auszeichnungen – für die Vergabe der Preise ist eine, jährlich wechselnde, Jury zuständig. Barbara Carli, Helen Isaacson, Götz Leineweber und Danielle Strahm-Fendt haben 126 Produktionen gesichtet, daraus 24 in fünf Kategorien nominiert und letztlich die folgenden Entscheidungen getroffen – mit Zitaten aus den Jury-Begründungen und oft Links zu den Stückbesprechungen von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
„Die Stars des Stückes sind die Hände der drei Performerinnen. Sie kneten, wuzeln, quetschen, rollen, sie entlocken Instrumenten Töne, sie verwandeln sich in Enten, sie öffnen gemeinsam ein Geschenk und sie umarmen. Begleitet von Livemusik entspinnt sich auf der Bühne eine Hommage an das Tasten und Begreifen. Und das alles ohne Betulichkeit, hier darf es richtig gatschig und glitschig werden. Die drei Künstlerinnen schaffen eine konzentrierte Atmosphäre, in der sich Geschichten entwickeln und die Kinder hautnah am Geschehen teilhaben können.“
„Mit einem stimmigen Einsatz der theatralen Mittel und einem klugen Umgang mit den Gegebenheiten des Ortes, zeigt diese Site-Specific-Produktion lustvoll eine kaputte Welt, inklusive Livejodlern und karikierten Figuren. Alles stagniert. „Verfallen“ thematisiert den „Verfall“ von Gebäuden, von Menschen und der Gesellschaft. Und es tut dies modern, zynisch, klug, humorvoll und gekonnt. Ein Theaterstück, das ein universelles Thema auf einen kleinen Ort fokussiert, einen in die Jahre gekommenen Veranstaltungssaal in einer Kleinstadt in der Oststeiermark. Und dennoch allgemeingültig für viele Ort in ganz Österreich. Das Private, persönlich Erinnerte wird hier politisch.“
„Es geht um eine Dystopie, eine Zukunft auf der Müllhalde, eine Zukunft mit Neid und Zerstörung, aber auch mit Magie und vor allem viel Musik. Marc Bruckner hat gemeinsam mit den Jugendlichen Musikerinnen und Musikern eine theatrale und reichhaltige Musik für ein Liveorchester komponiert. Diese laut-zart-schräge Musik passt perfekt zu diesem Abend, zu dieser Thematik und zu diesem Ensemble. Und beim Zuschauen kommt immer wieder der Gedanke: Wie toll!“
„Wieviel vergangener Generationen lebt in uns? Und wo? Wenn in uns die letzten drei Generationen leben, wieviel von ihrer Angst steckt noch in unseren Knochen? Den Traumata, die über Generationen wirken, setzt die atash dance company Szenen entgegen, die positive Wege zeigen und neugierig machen auf die eigenen Biografien. Der choreographischen Untersuchung geben Till Krappmann (Szenographie) und Michael Zweimüller (Licht) ihren Raum, um zu zeigen, dass darin neben Trauma auch Freude liegt, Licht und Dunkelheit, Schweres und Leichtes. Zwischen unheimlich und vertraut sind darin nur kleine Schritte. Wir müssen sie nur gehen. Ein gesamt gedachter, sehr körperlicher Raum, fluide und mit bestechender Schönheit, der auch inhaltlich ein wirklicher Partner für die herausragenden Tänzer*innen ist.“
„Vom ersten Moment an packen Maartje Pasman, Futurelove Sibanda und Joseph Tebandeke ihr Publikum und lassen es nicht mehr los. Dabei verhandeln sie nicht nur die ganz großen Fragen des Lebens über Glück und Freiheit, sondern erzählen von ihrer persönlichen Herkunft und der damit verbundenen kolonialen Geschichte. ,Erinnere Dich an Deine Krone, trage Deine Krone und helfe anderen, ihre Krone zu tragen.‘
Immer wieder kommen sie zusammen und zeigen, wie das geht. Über all dem schwebt Basquiats Krone, als Zeichen gegen die Grausamkeit unserer Vorurteile und Normen und als Erinnerung daran, dass wir nicht alleine sind. Diese Produktion funktioniert durch ihr perfekt aufeinander eingespieltes Ensemble: Gemeinsam lassen sie jegliche Barrieren und Berührungsängste auf der Bühne wie auch im Zuschauerraum verschwinden. Man staunt, wie leicht es scheint.“
Der Vorstand der ASSITEJ Austria vergibt – unabhängig von der Jury – jedes Jahr auch einen Sonderpreis an Einzelpersönlichkeiten. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Nadja und Martin Brachvogel mit ihrer Theatergruppe „follow the rabbit“ – Link zu einigen der Stückbesprechungen von KiJuKU.at und davor schon im Kinder-KURIER ebenfalls unten verlinkt.
Über „Mongos“ <- damals noch im Kinder-KURIER
Stückbesprechung „der kleine hässliche Vogel“ <- ebenfalls noch im KiKu
Compliance-Hinweis: Zur Berichterstattung vom Stella-Festival wurde KiJuKU.at von der ASSITEJ-Austria eingeladen.
Über die Gala folgen weitere Fotos und Videos in einem ergänzenden Bericht demnächst.
„Wenn ich an Kinder denke, fällt mir Spielzeug ein. Gut, heute haben viele Kinder ein Tablet in der Hand, aber in meinem Altere waren das noch Bälle, Teddybären, Quietschenten“, beginnt Laura Rak im Telefongespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… ihre Ideen für die Stella-Statuen zu erläutern. Sie ist eine von 13 Schüler:innen der 7E des BRG (BundesRealGymnasium) Klagenfurt-Viktring (Kärnten / Koroška). Sie und ihre Kolleg:innen aus dem künstlerischen Schwerpunktzweig dieser AHS (allgemeinbildende höhere Schule).
Diese Schule wurde vor Monaten von der Österreich-Sektion der internationalen Kinder- und Jugendtheatervereinigung ASSITEJ gebeten, die Trophäen für die heuer ausgezeichneten Theaterkünstler:innen zu gestalten.
Zwei Tage vor den „großen“ Theaterpreisen Nestroy (Wien, Volkstheater) wurden in der Neuen Bühne Villach (Kärnten / Koroška) zum 18. Mal die Auszeichnungen für die besten Stücke bzw. andere herausragende Leistungen (Musik, Ausstattung…) im Theater für junges Publikum vergeben – Link zur Story über die Preisverleihung unten am Ende des Beitrages. Die ASSITEJ-Austria lässt in jedem Jahr andere Künstler:innen die Statuen für die Ausgezeichneten entwerfen und anfertigen. Immer aus jenem Bundesland, in dem die Preisverleihung stattfindet. Dieses Mal fiel die Wahl auf die genannte Schule.
„Wir haben einen schulinternen Wettbewerb ausgeschrieben“, so die betreuende Lehrerin Kerstin Mayerhofer zu KiJuKU. Die Wahl fiel auf die genannte Jugendliche. Da nicht klar war, ob jemand aus der Schule zur Preisverleihung nach Villach kommen werde, bat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, ob es möglich wäre, mit wenigstens einigen der gestaltenden Schüler:innen telefonisch zu reden. Die Lehrerin organisierte in einer ihrer Doppelstunden die Interviews.
Laura Rak hatte zwar die Idee, aber an der Umsetzung waren letztlich alle Jugendlichen dieses Teils der Klasse beteiligt – der andere Teil besucht den musikalischen Schwerpunkt.
Jede Statue ist anders, immer steht zentral ein Kuschelbär auf der kleinen runden Bühne, umgeben von Mitspieler:innen wie einer gelben Ente und Spielzeug vom Ball bis zum Würfel. So schildert die Designerin ihren Entwurf weiter. „Und natürlich musste irgendwo Stella und die Jahreszahl stehen.“ Dafür hat sie sich eine runde Kunststoff-Scheibe einfallen lassen, die über der Bühne schwebt wie eine Art Satellit.
„Jede und jeder hat sich eigene Ideen für die Auszeichnung einfallen lassen“, ergänzt Mitschüler Martin im gemeinsamen Telefon-Interview den Entstehungsprozess. Wir durften uns Material, Farbe, Form, einfach alles aussuchen. Einige haben mit Holz gearbeitet, ich mit Blech.“
Ana, eine weitere Schülerin der Klasse, schildert ein bisschen vom Herstellungsprozess nachdem Lauras Entwurf ausgewählt worden war. „Wir sollten ja mehre Statuen anfertigen. Jede ist anders, auch wenn alle eine größere Figur haben und sich das Konzept der Bühne mit kleineren neben der großen Figur durchzieht. Alle aus unserer Klasse haben dann zu modellieren angefangen. Es gab ja viele Aufgabenbereich – Bälle anmalen zum Beispiel unf vieles andere. Wir haben einige Wochen hindurch immer ein bisschen daran gearbeitet.“
Schließlich mussten von vornherein Trocknungsphasen von Modelliermasse, Farben und so weiter eingerechnet werden“, ergänzt Lehrerin Kerstin Mayerhofer „und nicht zu vergessen, musste ja auch noch die Gravuren gemacht werden. Ein Entwurf scheint oft einfach, aber die Umsetzung ist das nicht immer.“
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Ein „KulturKonvent“ stellte – schon vor der jüngsten Nationalratswahl – die Forderung damals an alle wahlwerbenden Parteien, sich für das Grundrecht auf kulturelle Bildung einzusetzen. Erst recht gilt dies für die Koalitionsverhandlungen. Die ASSITEJ Austria, die Österreich-Sektion der internationalen Kinder- und Jugendtheatervereinigung, vergibt der derzeit zum 18. Mal die Preise für herausragende Leistungen im Theater für junges Publikum in Kärnten / Koroška. Schon länger wird im Vorstand zu Forderungen in einem offenen Brief diskutiert. Damit soll noch gewartet werden, bis klar ist, wer in der künftigen Regierung für die Agenden Kultur bzw. Kinder und Jugendliche zuständig sein wird.
„Kinderrechte leben – Demokratie stärken!“, stellte die ASSITEJ am internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November in einem Social-Media-Posting einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang her. Am Abend der Kinderrechte selber organisierte der Dschungel Wien eine „Talkshow“. Themen waren, ob jedes Kind die gleichen Chancen und Teilhabemöglichkeiten an Kultur hat. Inklusion war ebenfalls ein Thema und damit die Frage, wie Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen, Benachteiligung oder in Risikolagen der Zugang zu Kunst und Kultur ermöglicht werden kann.
Immerhin hält Artikel 31 der Kinderrechtskonvention das Recht von Kindern u.a. auf „freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben“ fest. Weiters ist im Absatz 2 dieses Artikels verankert, dass „die Vertragsstaaten das Recht des Kindes auf volle Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben“ achten und fördern sowie „die Bereitstellung geeigneter und gleicher Möglichkeiten für die kulturelle und künstlerische Betätigung sowie für aktive Erholung und Freizeitbeschäftigung“ fördern.
Der oben erwähnte „KulturKonvent“, für den u.a. vom Österreichische Musikrat (ÖMR) und Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren in der Öffentlichkeit sprechen, bahnt laut ÖMR-Homepage „gerade Gespräche mit den Verantwortlichen für Bildung der drei Parteien in Koalitionsverhandlungen an“.
„Kultur ist nicht nur Kunst. Kultur ist der menschliche Ausdruck allen höheren Strebens und Schaffens. Der Kulturkonvent formuliert die dafür erforderlichen Grundlagen“ hieß es zu einer Tagung im Frühjahr des Vorjahres. Der KulturKonvent verlangt u.a. ein gemeinsames Ministerium für Bildung, Kunst und Kultur, das sich für das Grundrecht auf kulturelle Bildung stark macht.
„Kunst und Kultur haben eine fundamentale Bedeutung für das Zusammenleben, sie bieten wesentliche Werte, Identitäts- und Diskursressourcen für den Zusammenhalt in der Demokratie an.“ Für die Arbeitsgruppe Bildung des KulturKonvents meint Univ.Prof. Mag. Dr. Harald Huber (ÖMR): „Kulturelle Bildung zeigt Wege auf, entsprechende Praxen zu erlernen, weiterzugeben und zu pflegen. Das Recht aller Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen auf Teilhabe am Kulturleben muss gesichert werden!“
Ricki Reinwein, bildende Künstlerin meinte bei einem Mediengespräch des KulturKonvents: „Kunst und Kultur sind nicht nur ein Grundrecht des Menschen, sondern auch ein Grundbedürfnis. Schon zu Zeiten der Mammuts und Säbelzahntiger, wo das reine Überleben vorrangig war, haben Menschen Kunstwerke erschaffen.”
Dazu wird von Gesetzgebung und Regierungen sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene verlangt:
* dem Mangel an qualifizierten Lehrkräften durch attraktive Berufsbedingungen zu begegnen – und nicht durch einen Abbau im Bereich der Ausbildungsinstitutionen
* faire Berufs- und Arbeitsbedingungen für alle im Bereich kultureller Bildung Tätigen
* größere Wertschätzung und dienstrechtliche Anerkennung der Leistung von Lehrkräften in den künstlerisch-kreativen Fächern aller Schulformen
* kompetente Ansprechpersonen für kulturelle Bildung an allen Schulen
* Unterstützung aller diesbezüglichen schulischen wie aller außerschulischen Initiativen, Aktivitäten und Unternehmungen
* Ausbau statt Abbau der Fachkoordination für kulturelle Bildung in allen Bildungsdirektionen.
Die Spielerin des Puppentheaters Maribor aus Slowenien, Lutkovno gledališče Maribor, steht zu Beginn auf der Bühne der Klagenfurter Kammerlichtspiele – im Rahmen des Stella-Festivals – ganz im Dunklen. Licht. Nun ist sie zu sehen. Bald danach auch ihr ziemlich alter Reisekoffer. Diesen verwandelt sich wenige Schritte entfernt zu einer Bühne. Mit Figuren aus Papier und Karton bzw. mitunter auch „nur“ mit ihren Fingern und Händen nimmt sie das Publikum mit auf eine halbe Weltreise. Viel mehr in die Gedankenreise der Erinnerungen der Alma Ida Wilibalda Maximiliana Karlin (1889 – 1950) an ihre große, mehrjährige Reise. Süd-, Mittel- und Nordamerika, Ostasien, Südsee waren die Stationen, die diese in „Einsame Weltreise“ (erschienen 1928) – wie alle ihre Bücher auf Deutsch – festgehalten hatte.
Trotz einer Ausstellung im Wiener Weltmuseum (2021/22) – in Kooperation mit dem regionalen Museum von Celje ist diese Reiseschriftstellerin heute viel weniger bekannt als ihre rund 100 Jahre früher aktive österreichische Kollegin Ida Pfeiffer (geborene Reyer; 1797 – 1858). Die im slowenischen Celje geborene Frau kam mit einer leichten, teilweisen Lähmung zur Welt, wurde von der Mutter, einer Lehrerin sehr, sehr überbefürsorgt wie die Spielerin gleich zu Beginn erzählt. Das alles hielt Alma nicht von ihrem Drang, die Welt oder weite Teile davon zu erkunden und darüber zu schreiben, nicht ab.
Und so führt Vesna Vončina, die gemeinsam mit Darka Erdelji den Stücktext verfasste, das Publikum zu elf Erinnerungen – Dampferfahrten mit beruhigenden langen Abschnitten auf dem weiten, offenen Meer samt plötzlicher heftiger überschwappender Wellen. Abenteuerliche Szenen mit gestohlenem Koffer samt Reisepass, zwangsweise längere Aufenthalte, Nicht-Wissen wie (fast) ohne Geld über die Runden kommen.
Vončina erzählt auf Slowenisch, eingeblendet werden auf der Bühne deutsche Untertitel (Übersetzung: Vesna Crček). In einigen Szenen in Südamerika kommt noch Spanisch ins Spiel. Gleichwertig zu den gesprochenen Erinnerungen lässt die Spielerin die jeweiligen Szenen mit ihren Händen und vor allem papierenen Material (Puppenbau und Bühnenbild: Darka Erdelji, Mojca Bernjak, Branko Caserman, Aleksander Andželović, Lucijan Jošt, Miljenko Knezoci, Urban Saletinger) lebendig werden. Häufig spielen Zündholzschachteln eine große Rolle, so beispielsweise wenn sie damit die Golden Gate Brücke von San Francisco baut; wenngleich die erst rund ein Jahrzehnt nach Almas rund neunjähriger Weltreise errichtet wurde.
Die Bücher von Alma Ida Wilibalda Maximiliana Karlin wurden 1941 von den Nazis verboten, sie wurde von der Gestapo (Geheime Staatspolizei) verhaftet, kam aber frei, weil – laut Wikipedia – der Offizier, der sie verhörte, ihre Bücher mochte. Sie starb verarmt in ihrer Geburtsstadt Celje und wurde erst spät in Slowenien wieder entdeckt und als Slowenin anerkannt.
2010 wurde in Celje ein Denkmal für sie – mit Koffer in der Hand (Bronzeskulptur) errichtet – Alma auf dem Weg zum Bahnhof. „Die mit einem Nachwort von Amalija Maček versehene Neuauflage von „Im Banne der Südsee“ wurde gegenüber der Originalausgabe von einem Herausgeber an Stellen zensiert, wo Karlin über Menschen in rassistischer Weise schrieb.“
Compliance-Hinweis: Zur Berichterstattung vom Stella-Festival wurde KiJuKU.at von der ASSITEJ-Austria eingeladen.
Rund 150 kunterbunte, spielerische und doch inhaltsreiche Partys feierten Kinder in den Horten und Kindergärten der Kinderfreunde dieser Tage rund um den 20. November, den mittlerweile 35. Geburtstag der internationalen Kinderrechts-Konvention.
In Wien-Donaustadt, dem 22. Und bevölkerungsreichsten Bezirk der Bundeshauptstadt verteilen Kindergartenkinder selbstgebackene Kekse auf öffentlichen Plätzen als süße schon vorweihnachtliche Kinderrechte-Geburtstags-Grüße. Gleichzeitig fanden im Kindergarten Doningasse Stationentage zu den Kinderrechten für alle Kinder im letzten verpflichtenden Kindergartenjahr statt. Sie wissen also, worum es bei diesem Geburtstag geht.
In Wien-Penzing zogen Kinder durch einen Teil dieses, des 14. Bezirks, um Passant:innen auf wenigstens einige der Kinderrechte aufmerksam zu machen. Mit dabei: Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner sowie der Bundesvorsitzende der Kinderfreund und Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky.
Die Aktionstage zu Kinderrechten beschließen die beiden Geschäftsführer:innen der Wiener Kinderfreunde, Alexandra Fischer und Daniel Bohmann, indem sie Kasperl und seine Gefährt:innen im Jugendzentrum friends zu diesen Themen spielen.
Die Kinder des Leuchtturmkindergartens in Sachen Inklusion in Wien-Favoriten machten am Tag der Kinderrechte selbst (20. November) einen Ausflug ins Parlament. Kinder aus anderen elementarpädagogischen Einrichtungen trafen im Wiener Rathaus den u.a. für Kinder und Bildung zuständigen Stadtrat und Vizebürgermeister sowie Gemeinderät:innen. Dort stand Inklusion, eines der Kinderrechte – Teilhabe aller Kinder – im Zentrum des Treffens; einschließlich des Hissens von Kinderrechtefahnen beim Eingang zum Wiener Rathaus – Bericht unten verlinkt.
Kneten, walzen, quetschen, rollen… Hände können das und noch viel mehr. Vieles davon tun Sarah Gaderer und Laura-Lee Jacobi von theater.nuu auf der Bühne rund um einen beachtlichen Berg aus Ton. Da ein Stück abgeschnitten, dort eine Ecke. Kugeln, Schlangen, flache runde Scheiben – „Pizza“ tönt’s dann, wahrscheinlich nicht so selten, aus dem jungen Publikum. Neben diesem Geschehen sitzt Katharina Gruber auf einem Sitzsack – wie die Kostüme des Trios vor allem in Rot gehalten – und spielt auf einem Hang, einem metallenen Musikinstrument. Sozusagen Ton und Ton.
Die beiden Erstgenannten rollen das eine oder andere Tonkügelchen zu den auf Pölstern knotzenden Kindern (die Performance ist ab einem Jahr). Die Musikerin gesellt sich zu den beiden Kolleginnen, formt wie diese nun einen kleinen Kopf. Das Trio lässt seine Köpfe per Lauten miteinander sprechen, auf den Berg klettern und schließlich zu neuen, anderen Dingen (ver-)formen.
Ob mit oder ohne Ton, in dem Fall nun dem Material, die Hände können ganz schön viel, erzählen szenische kleine Geschichterln, die Musikerin greift nun zu einem weiteren Instrument, einem Fagott.
Irgendwann schwebt von der Decke ein rotes Paket – mit feuchtem, gatschigen Ton. Hier spalten sich bei der Annäherung der eingegatschten Performerinnen-Hände die Geister im jungen Publikum. „Äääh, schmutzig“, die einen, die anderen greifen gern zu und beginnen auch damit auf dem Tanzboden ihre Finger- oder Handabdrücke zu hinterlassen.
Nach knapp mehr als einer halben Stunde (angegeben ist 35 Minuten) geben die drei Performerinnen die Bühne samt dem Ton – und hölzernen Bausteinen und allem möglichen Kleinzeug, das sie aus dem Sitzsack „zaubern“. Nach Herzenslust spielen, formen, bauen praktisch alle Kinder aus dem Publikum nun – und können sich auch schwer davon trennen, als erwachsene Begleitpersonen zum Aufbruch drängen.
Neben diesem „Bonustrack“, dass die jüngsten Besucher:innen von den erzählten und gezeigten Bildern animiert anschließend ins Selber-Tun kommen, bietet dieses kurze, intensive, aber nie zu dichte Stück noch eine zweites Plus: In den wenigen gesprochenen Passagen verwenden die Künstlerinnen immer wieder gleichzeitig Gebärdensprache.
„Hände“, so heißt das Stück ist für den Theaterpreis Stella der Österreich-Abteilung der internationalen Kinder- und Jugendtheatervereinigung nominiert und war deshalb beim Festival in Kärnten, in diesem Fall im Bambergsaal in Villach zu erleben. Ein Vergnügen – auch beim „Nur“-Zuschauen. Die Preise werden übrigens diesen Freitag (22. November 2024), zwei Abende vor dem Nestroy, dem Theaterpreis für Erwachsene, vergeben.
Compliance-Hinweis: Zur Berichterstattung vom Stella-Festival wurde KiJuKU.at von der ASSITEJ-Austria eingeladen.
Gut ein Dutzend unterschiedlicher Körbe sind das zentrale verwandelbare Material (Bühne & Kostüme: Salha Fraidl) dieses gespielten und musizierten fantasievollen kindlichen Spiels. So wie Kinder aus Sesseln, Schüsseln, Pölstern, Sesseln, Decken oder was immer sie zur Hand haben ihre eigenen Welten bauen, so entführen Katharina Schwärzer und Amedeo Miori das (sehr junge) Publikum in einen Zauberwald. In „Wenn Schnecken hausen“ verwandeln die beiden die Körbe verschiedener Größen, Formen, Farben werden nach und nach zu einem Baum, manche zu Ameisen- oder Käfer-Köpfen, und einige von ihnen auch zu einem Schneckenhaus.
Die beiden Bühnenkünstler:innen arbeiten neben Schauspiel viel mit fast tänzerischen Bewegungen, Musik – Katharina Schwärzer spielt Ukulele, Gitarre, Geige, ihr Kollege am Ende gar mit einer ziemlich großen Marimba, einer Verwandten des Xylophons. Und mit zwei Sprachen – Deutsch und Italienisch. Und das funktioniert wunderbar, vor allem bei den Kindern, weil ohnehin durch das Spiel immer ziemlich klar ausgedrückt wird, was auch sprachlich gemeint ist. Amedeo Miori, der vom Zirkus kommt (Circo Paniko) bringt auch ein paar Jonglage- und Balance-Kunststückerln mit ins Spiel – und ein Eichhörnchen als Handpuppe. Die beiden haben das Stück gemeinsam mit Laura Nöbauer und Uschi Oberleiter, Co-Direktorinnen des Jungen Tiroler Landestheaters entwickelt. Die beiden zuletzt Genannten sind für Regie und Dramaturgie von „Wenn Schnecken hausen“ zuständig.
Wie in einer Art lebendig gewordenem Wimmelbuch gibt es eine Stunde lang – für manche der jüngeren Kinder doch ein bisschen zu lang – viele zu schauen, zu hören, zu entdecken. Welches Tier könnte das nun sein, das da mit einer Art Irokesenfrisur, Reifrock und Art Federboa aufkreuzt? „Und Käfer, welche Arten kennt ihr denn?“, werden etwa die Kinder gefragt. Neugier wird nicht zuletzt durch einen irgendwo zwischen dem Publikum auftauchenden kleinen alten Köfferchen geweckt, das ein großes Geheimnis umweht.
Das mobile Stück für schon sehr junges Publikum tourt vor allem durch Kindergärten des besagten Bundeslandes, aber auch im benachbarten Südtirol (Italien, womit die Zweisprachigkeit auf der Bühne noch einmal eine andere Bedeutung bekommt). Da es von der Jury des Stella, Theaterpreis für junges Publikum, als eine der herausragenden Produktionen für Kinder nominiert wurde, war es nun beim Festival in Kärnten, in diesem Fall im Bambergsaal in Villach zwei Mal zu sehen.
Compliance-Hinweis: Zur Berichterstattung vom Stella-Festival wurde KiJuKU.at von der ASSITEJ-Austria eingeladen.
Seit 35 Jahren gibt es die von der Generalversammlung der UNO beschlossenen Kinderrechte. Zu diesem Jahrestag stellte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, den Bericht „The State of the World’s Children 2024: The Future of Childhood in a Changing World“ (Der Zustand der Kinder in der Welt 2024: Die Zukunft der Kindheit in einer sich verändernden Welt) vor. Und beginnt mit den Mega-Krisen Klima, Umwelt, Ungleichheiten… womit „die Zukunft der Kinder auf dem Spiel steht“.
„Kinder sind bereits heute mit einer Vielzahl an Krisen konfrontiert, von Klimaschocks bis hin zu digitalen Gefahren, und diese werden in den kommenden Jahren noch intensiver“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Die Prognosen dieses Berichts zeigen, dass die Entscheidungen, die die weltweit Regierenden heute treffen – oder nicht treffen – die Welt definieren werden, die Kinder erben werden. Eine bessere Zukunft im Jahr 2050 zu schaffen, erfordert mehr als bloße Vorstellungskraft, es erfordert Handeln. Jahrzehntelange Fortschritte, insbesondere für Mädchen, sind bedroht.“
2023 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war. Laut dem Bericht werden sich in der Dekade von 2050 bis 2059 Klima- und Umweltkrisen weiter verschärfen: Achtmal so viele Kinder werden extremen Hitzewellen ausgesetzt sein, dreimal so viele extremen Flussüberschwemmungen und fast doppelt so viele extremen Waldbränden, verglichen mit den 2000er Jahren.
Ein Kind mit Zugang zu klimaresilientem Wohnraum, Kühlinfrastruktur, Gesundheitsversorgung, Bildung und sauberem Wasser hat eine größere Überlebens-Chance gegenüber klimatischen Erschütterungen im Vergleich zu einem Kind ohne diesen Zugang. Der Bericht unterstreicht die dringende Notwendigkeit zielgerichteter Umweltmaßnahmen zum Schutz aller Kinder und zur Abschwächung der Risiken, denen sie ausgesetzt sind.
Für die 2050er Jahre wird prognostiziert, dass Subsahara-Afrika und Südasien die größten Kinderpopulationen haben werden. Gleichzeitig zeigt sich eine alternde Bevölkerung, da der Anteil der Kinder in allen Weltregionen zurückgehen wird. In Afrika sinkt der Kinderanteil auf unter 40 % – von 50 % in den 2000er Jahren. In Ostasien und Westeuropa fällt er auf unter 17 %, wo Kinder in den 2000er Jahren noch 29 bzw. 20 % der Bevölkerung ausmachten.
Diese demografischen Verschiebungen stellen Herausforderungen dar: Während einige Länder unter Druck stehen, ihre Dienste für große Kinderpopulationen auszubauen, müssen andere die Bedürfnisse einer wachsenden älteren Bevölkerung ausbalancieren.
Der Bericht erkennt an, dass bahnbrechende Technologien – wie künstliche Intelligenz (KI) – sowohl Chancen als auch Gefahren für Kinder bieten, die bereits heute mit KI in Apps, Spielzeug, virtuellen Assistenten, Spielen und Lernsoftware interagieren. Doch die digitale Kluft bleibt stark ausgeprägt: Im Jahr 2024 sind über 95 % der Menschen in Hochlohnländern mit dem Internet verbunden, verglichen mit fast 26 % in Niedriglohnländern.
Der Bericht zeigt auf, dass ein großer Teil der jungen Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen Schwierigkeiten hat, Zugang zu digitalen Kompetenzen zu erhalten, was ihre Fähigkeit beeinflusst, digitale Werkzeuge in der Bildung und an zukünftigen Arbeitsplätzen effektiv und verantwortungsbewusst zu nutzen. Diese Barrieren stehen oft im Zusammenhang mit sozioökonomischen Rahmenbedingungen, Geschlecht, Sprachbarrieren und Zugänglichkeit.
Der Report enthält auch gute Nachrichten. Die Lebenserwartung bei der Geburt wird voraussichtlich steigen. Die Fortschritte im Bildungszugang für Kinder in den letzten 100 Jahren werden ebenfalls voraussichtlich anhalten, und bis in die 2050er Jahre werden fast 96 % der Kinder weltweit mindestens eine Grundschulausbildung erhalten – ein Anstieg von 80 % in den 2000er Jahren. Mit erhöhten Investitionen in Bildung und öffentliche Gesundheit sowie strengeren Umweltvorschriften könnten die Ergebnisse für Kinder deutlich verbessert werden. Beispielsweise würde sich der Geschlechterunterschied im Bildungsniveau verringern und die Exposition gegenüber Umweltgefahren reduziert.
The State of the World’s Children 2024 betont die Bedeutung der Berücksichtigung von Kinderrechten, wie sie in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sind, in allen Strategien, Politiken und Maßnahmen. Der Bericht fordert, den Herausforderungen und Chancen der drei Megatrends zu begegnen, indem:
* in Bildung, Dienstleistungen und nachhaltige und resiliente Städte für Kinder investiert wird;
* Klima-Resilienz in Infrastruktur, Technologie, wichtigen Diensten und sozialen Unterstützungssystemen ausgebaut wird;
* Konnektivität und sicheres Technologie-Design für alle Kinder gewährleistet werden.
Der diesjährige Weltkindertag, der jährlich von Unicef als Aktionstag für Kinder gefeiert wird, steht unter dem Motto „Listen to the Future“. Im Rahmen der Kampagne hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Kinder dazu aufgerufen, Briefe über die Welt zu schreiben, die sie sich im Jahr 2050 wünschen. Antworten kamen aus der ganzen Welt – darunter aus Gaza-Stadt, Haiti und Tansania – und äußern den Wunsch der Kinder, sicher, gesund und gebildet zu sein sowie vor Krieg und Klimakatastrophen geschützt zu werden. In Österreich bat Unicef die 15-jährige Luisa, ihre Gedanken zu äußern und zitierte sie so: „Es ist frustrierend, dass der Klimaschutz immer noch so zögerlich umgesetzt wird, obwohl längst klar ist, was auf dem Spiel steht. Ich möchte in einer Welt leben, in der die Luft frei von jeglichen Schadstoffen ist, Naturkatastrophen nicht zur Normalität werden und keine Tierarten vom Aussterben bedroht sind. Ich möchte in einem Land leben, das Verantwortung übernimmt und konsequent handelt, anstatt die Schuld von sich zu weisen und sich in leeren Versprechungen zu verlieren.“
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… darf den gesamten offenen Brief von Luisa veröffentlichen – in einem eigenen Beitrag hier unten verlinkt
„Der Internationale Tag der Kinderrechte ist ein Moment für die Politik, ihr Engagement für die Rechte und das Wohlergehen jedes Kindes zu zeigen“, sagte Russell. „Wir können eine bessere Zukunft für die Kinder von morgen gestalten, und wir müssen heute damit beginnen.“
„Listen to the Future bedeutet für UNICEF, Kindern und Jugendlichen und ihren Problemen mehr Gehör zu schenken. Die auch in Österreich immer stärker merkbaren Auswirkungen des Klimawandels zeigen uns, Zuhören alleine genügt nicht. Um 2050 einen lebenswerten Planeten für unsere Kinder und Kindeskinder zu haben, müssen wir als globale Gesellschaft nachhaltiger ins Handeln kommen. Entscheidungen zu Klimaschutzmaßnahmen werden regelmäßig vertagt, nicht weniger als die Zukunft unserer Kinder steht auf dem Spiel“, erklärt Christoph Jünger, Geschäftsführer von UNICEF Österreich.
Zu einigen Statements von Kindern bzw. Jugendlichen aus verschiedensten Ecken und Enden der Welt geht es hier
Sehr geehrte Politikerinnen und Politiker, Liebe Erwachsene!
Mein Name ist Luisa, ich bin 15 Jahre alt und besuche derzeit die sechste Klasse eines Gymnasiums in Niederösterreich. Ich schreibe Ihnen, weil ich Angst habe. Angst vor der Zukunft, in der ich und zukünftige Generationen vielleicht kein normales Leben mehr führen können. Ich mache mir Gedanken über das, was noch auf uns zukommt, über den Klimaschutz und die enorme Verantwortung, die wir als Gesellschaft gegenüber den kommenden Generationen haben. Als Jugendliche fordere ich, dass wir jetzt Maßnahmen ergreifen, um für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft zu sorgen.
… sie ist schon längst Realität. Wälder brennen, Gletscher schmelzen, Extremwetter nehmen zu, und das alles betrifft auch Österreich. In den letzten Wochen musste ich zusehen, wie in Niederösterreich Tausende von Menschen durch das Hochwasser ihr Zuhause und alles, was sie besaßen, verloren haben. Auch bei meinem Großvater ist der Keller unter Wasser gestanden und er hat viele persönliche Erinnerungsstücke verloren. Und trotzdem wurden keine entscheidenden Maßnahmen getroffen, um weitere Katastrophen zu verhindern. Was muss noch alles passieren, damit das Ausmaß dieser Krise unübersehbar ist? Wie viele Leben, Existenzen und Naturkatastrophen braucht es noch, bis wirklich gehandelt wird?
… uns Jugendlichen immer wieder zu versichern, dass wir „die Zukunft“ sind. Wir leben hier und jetzt und haben ein Recht darauf, gehört zu werden. Ich fordere deshalb, dass die Stimmen der Jugend endlich ernst genommen werden. Uns Jugendlichen sollte ein Mitspracherecht bei Entscheidungen ermöglicht werden, die unsere Zukunft direkt beeinflussen. Sei es durch Jugendräte, regelmäßige Befragungen an Schulen oder die Einbindung von Jugendvertretern in politische Entscheidungsprozesse.
Es ist frustrierend, dass der Klimaschutz immer noch so zögerlich umgesetzt wird, obwohl längst klar ist, was auf dem Spiel steht. Ich möchte in einer Welt leben, in der die Luft frei von jeglichen Schadstoffen ist, Naturkatastrophen nicht zur Normalität werden und keine Tierarten vom Aussterben bedroht sind. Ich möchte in einem Land leben, das Verantwortung übernimmt und konsequent handelt, anstatt die Schuld von sich zu weisen und sich in leeren Versprechungen zu verlieren.
Doch Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, die Umwelt zu schützen, sie bedeutet auch soziale Gerechtigkeit. Alle Jugendliche, egal woher sie kommen oder welches Geschlecht sie haben, sollten die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben, sich in unserer Gesellschaft einzubringen.
… dass es genug Freizeitangebote für uns Jugendliche gibt. Wir brauchen mehr Orte, wo wir gemeinsam Zeit verbringen können.
Auch ein gesunder Lebensstil sollte stärker gefördert werden. Neben einer Reduktion des Fleischkonsums ist es wichtig, dass gesunde, pflanzliche Alternativen leichter zugänglich sind. In Schulen, Restaurants und anderen öffentlichen Einrichtungen sollten mehr umweltfreundliche und gesunde Optionen angeboten werden.
Deshalb sind dies die Maßnahmen, die ich fordere, um uns eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.
Es ist kein Geheimnis, dass fossile Brennstoffe zur Energiegewinnung wohl eines der größten Probleme für unsere Umwelt darstellen. Deshalb fordere ich einen schnellen und konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien. Fossile Energiequellen wie Kohle, Erdöl und Erdgas dürfen in unserer Zukunft keinen Platz mehr finden. Es ist dringend notwendig, diese durch nachhaltige Alternativen wie zum Beispiel Sonnenenergie, Windkraft und Wasserkraft zu ersetzen.
Ein weiterer wichtiger Schritt zur Bekämpfung der Klimakrise, den viele Menschen nicht einsehen wollen, ist die Reduktion des Fleischkonsums. Die Massentierhaltung ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasen, speziell von Methan. Es sollten deshalb Maßnahmen ergriffen werden, um den Konsum pflanzlicher Alternativen zu fördern und die Produktion umweltfreundlicher zu gestalten.
Es muss nachhaltige Mobilität stärker gefördert werden, insbesondere durch den Ausbau von Fahrradnetzen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Angebote sollten für alle Menschen leicht zugänglich und kostengünstig sein, um sie zu einer echten Alternative zu machen.
… den Klimawandel im Unterricht thematisieren, damit Kinder und Jugendliche die Klimakrise verstehen, und lernen, wie sie selbst etwas bewirken können.
Dies sind Maßnahmen, die dringend notwendig sind. Sie haben die Macht, all das in die Wege zu leiten. Sie haben die Verantwortung, uns eine Zukunft zu geben, die nicht von Angst und Unsicherheit geprägt ist. Handeln Sie, bevor es zu spät ist und bevor die Jugend das Vertrauen in eine Politik verliert, welche immer noch zögert, wenn es um unsere Zukunft geht.
Mit freundlichen Grüßen,
Luisa Zuser
Schülerin im BORG Scheibbs (NÖ)
15 Jahre
Die Bühne, eine Art Kinderzimmer, ist voller A – aus Holzlatten, aus Stoff, stehend, liegend, manche noch nicht ganz fertig und mit einer einfachen Bewegung zu diesem Buchstaben geformt. Doch eigentlich geht’s dann nicht um dieses A, auch wenn der Titel des ¾-stündigen spielfreudigen und verspielten Stücks (3+) „AS-LAS-GLAS“ heißt.
Der Buchstabe steht bzw. liegt für Wörter. Um solche dreht sich das Schauspiel von Johanna Hainz & Aleksander Tolmaier vom Teater / Theater Rampa. Und wie Wörter die Fantasie beflügeln können. Das Besondere in diesem Stück. Er, der Mitja spielt, spricht Slowenisch, sie als Julia Deutsch. Dabei wiederholen sie nicht einfach alles, sondern aus den Gesprächen ergibt sich klar, was die eine bzw. der andere gemeint, gesagt, gefragt hat, ohne je lehrmeisterlich zu werden. Die Kinder und Erwachsenen im Publikum, die beide Sprechen können, haben mehr, sie haben oft zwei Stellen, an denen sie zum Lachen kommen. Aber auch die einsprachigen, in dem Fall meistens jene, die nur Deutsch können, haben ihren Spaß mit dem fantasievollen Spiel der beiden (Koncept & režija / Konzept & Regie: Alenka Hain).
Julia und Mitja können mit dem vielen Zeugs Fortbewegungsmittel, aber auch ein Handy, einen Herd, ein Radio oder was auch immer ihnen einfällt „zaubern“ – wie eben Kinder im fantasievollen Spiel. Wenn sie Wörter entdecken, die im Slowenischen und Deutschen gleich sind/klingen UND nicht streiten, so entdeckt Juli, könnten sie sogar bis Hawaii kommen. Da verwandelt sich ein großes weißes Tuch in einen fliegenden Teppich, ein hölzernes A aus Holzlatten wird zum eckigen Teich umgebaut, zwei Stäbe bilden eine Brücke, ein Seil ist ein schmaler Steg, zwei L-förmige Holzstücke aneinander ergeben einen Helikopter …
Was haben also balon, bonbon, piramida oder vagon gemeinsam? / Kaj imajo torej skupnega Ballon, Bonbon, Pyramide ali Wagon?
Es ergeben sich aber auch Missverständnisse, etwa wenn ein Cello erklingt, Julia dieses zu nerven beginnt und Mitja sich an den Kopf greift, wenn sie ihm davon erzählt. Immerhin heißt čelo Stirn 😉
Die eine oder andere Szene ist in Sachen Mann/Frau-Rolle doch klischee-behaftet. So spielt er den Elektriker, der kommen muss, um das Radio abzudrehen, tut das aber nur, wenn sie ihm gutes Gulasch kocht. Immerhin ist er dafür der Ängstlichere.
Das dvojezična gledališka predstava / zweisprachige Theaterstück macht viel Spaß – offensichtlich auch den Schauspieler:innen. Und zeigte bei den Aufführungen im Rahmen des aktuellen Stella-Festivals im IKULT, dem interkulturellen Veranstaltungszentrum Klagenfurt / interkulturni prireditveni center Celovec, ein in der heimischen (Kinder-)Theaterszene noch viel zu wenig geschätztes, noch weniger gepflogenes mögliches verbindendes Element zwischen verschiedenen Kulturen.
In einer abendlichen kleinen, aber feinen Diskussionsrunde erzählten allerdings Veronika Kušej, Alina Zeichen und Martin Moschitz im kultur raum/ kulturni forum „Ventil“, dass und wie die Zweisprachigkeit vieler Kulturvereine der autochthonen Minderheit seit Jahrzehnten gut funktioniert. Einhellig war – nicht nur deren – Meinung, das würde dem Theater, der Kultur auch außerhalb der Minderheit und nicht zuletzt in großen Häusern gut anstehen, gut tun und durchaus auch neue Publikumsschichten erreichen. Von Vielfalt wird viel geredet, praktiziert wird sie viel zu oft deutlich weniger…
Eine heftige, berührende Geschichte über Flucht spielte Asja Kahrimanović Babnik vom Lutkovno Gledališče Ljubljana (Slowenien) in den Klagenfurter Kammerlichtspielen; allerdings ausschließlich auf Deutsch. Nekie Drugje / Anderswo / Somewhere Else hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schon anlässlich eines Wien-Gastspiels im Februar ausführlich besprochen – zu dieser Kritik geht es obe, über diesem Abschnitt.
Compliance-Hinweis: Zur Berichterstattung vom Stella-Festival wurde KiJuKU.at von der ASSITEJ-Austria eingeladen.
„Mit der Gesetzesnovelle zur Inklusion im Elementarbereich wird die Betreuung von Kindern mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen in Kindergärten, Kindergruppen und bei Tageseltern geregelt, damit auch abseits von speziellen Gruppen – etwa Integrationsgruppen oder Heilpädagogische Gruppen – Bildungs- und Betreuungsplätze angeboten werden können. Dies ist ein wichtiger Meilenstein hin zu einer inklusiven Stadtgesellschaft, in der Kinder mit und ohne Behinderungen von Anfang an miteinander lernen sollen. Damit stärken wir das Recht auf Inklusion!“, meinte Wiens Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr am Mittwoch, dem 35. Geburtstag der Kinderrechtskonvention (beschlossen am 20. November 1989 von der UNO-Generalversamlung).
Aus diesem Anlass wurde neben dem Eingang ins Wiener Rathaus auch zwei Kinderrechte-Fahnen aufgehängt. Gemeinsam mit Kindern aus Kindergärten der Wiener Kinderfreunde stellten sich der genannte Politiker sowie einige seiner Kolleg:innen (SPÖ-Gemeinderat und Bildungssprecher Jörg Neumayer, NEOS Wien-Klubdobfrau Bettina Emmerling) sowie der Wiener Menschenrechtsbeauftragten Shams Asadi und dem Wiener Kinder- und Jugendanwalt Sebastian Öhner für Gruppenfotos auf.
„Kinderrechte sind nicht verhandelbar – sie sind das Fundament für eine gerechte und solidarische Gesellschaft. Wir in Wien arbeiten Schulter an Schulter daran, jedem Kind die gleichen Chancen auf Bildung, Schutz und Teilhabe zu ermöglichen. Denn nur, wenn Kinderrechte konsequent gelebt werden, können wir eine lebenswerte Zukunft für alle gestalten“, so SPÖ-Gemeinderat und neuer Bildungssprecher Jörg Neumayer.
Mit der oben angesprochenen Novelle wird es für private Kindergärten, Kindergruppen und Tageseltern leichter möglich, Kinder mit Behinderung und chronischen Erkrankungen betreuen und fördern zu können. Da diese Einrichtungen nicht über die personellen und fachlichen Anforderungen von Integrationsgruppen bzw. Heilpädagogischen Gruppen verfügen, wird eine finanzielle Förderung geschaffen, um in diesen Gruppen Unterstützungsmaßnahmen dem individuellen Bedarf und der Situation entsprechend umsetzen zu können.
Damit steht allen Kindern elementare Bildung gleichermaßen offen. Gleichzeitig wird die Anzahl an zur Verfügung stehenden Inklusionsplätzen in Regelgruppen erhöht. Die Maßnahme trägt so insgesamt zur Verbesserung der Betreuungsqualität bei und wirkt sich positiv auf die frühkindliche Bildung aus.
Die Kinderrechtskonvention und die ergänzende allgemeine Bemerkung 26 besagt, dass jedes Kind das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt hat. Was durch immer häufiger auftretende Umweltkatastrophen bedroht wird/ist. Schulschließungen, Verlust der Wohnräume, Armut und Hunger werden durch extreme Wettereignisse befeuert. Davon sind Kinder weltweit betroffen.
Die Katholische Jungschar appelliert an die österreichische Delegation, bei der derzeit im aserbaidschanischen in Baku stattfindenden Klimakonferenz, das Kinderrecht auf intakte Umwelt einzufordern und das Wohl von Kindern in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen. Im Fokus muss ein gutes Leben für zukünftige Generationen stehen.
Die Länder und Gemeinschaften, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, leiden am stärksten unter ihren Folgen. Die Katholische Jungschar fordert daher verbindliche und wirkungsvolle finanzielle Unterstützung mit Mindestbeiträgen für die am meisten betroffenen Bevölkerungen und ärmsten Staaten der Welt, um Maßnahmen für Klimaschutz, Anpassung und Schäden finanzieren zu können.
Ferner fordert die Organisation die Stärkung der Partizipation von Kindern an der COP, damit sie selbst über Entscheidungen die für ihre Zukunft überlebenswichtig sind, nicht nur informiert, aber auch inhaltlich mitbestimmen können.
„In Österreich als reichem Industrieland sollten wir vor allem unseren Beitrag leisten, um weg von fossiler Energie zu kommen“, verlangt die Katholische Jungschar weiters. „Dies erfordert vor allem verbindliche Fristen und Ausstiegspläne. Es braucht auch eine deutlichere Trendwende hin zu nachhaltiger Mobilität und entsprechendem Infrastrukturausbau im ländlichen Raum.
„Der Tag der Kinderrechte soll daran erinnern, dass jedes Kinder auf dieser Welt das gleiche Recht auf Schutz, Bildung, Zugang zu Gesundheitsversorgung und auf die individuelle Entfaltung seiner Persönlichkeit hat. Kinder haben das Recht, ihre Meinung zu äußern und an den Entscheidungen, die sie betreffen, teilzuhaben“, plädiert Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP) anlässlich des 20. Novembers, an dem vor 35 Jahren von der UNO-Generalversammlung – von fast allen Ländern – die Kinderrechtskonvention verabschiedet worden ist
Dem ÖBVP ist es „ein besonders großes Anliegen, den Tag der Kinderrechte öffentlich zu beleuchten und zu verdeutlichen, dass wir als Gesellschaft gemeinsam dafür Sorge tragen müssen, dass Kinder unter Bedingungen aufwachsen, die ihre Würde, ihre Rechte und ihre Entwicklung schützen. Kein Kind darf vergessen werden, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status.“
Kinderexpertin im ÖBVP, Präsidiumsmitglied Béa Pall sagt: „Alle Kinder von 0 bis 18 Jahre haben Rechte! Sie haben ein Recht auf Versorgung, Gesundheit, Bildung, Spiel und Freizeit, auf Schutz vor Gewalt und vieles mehr. Es ist die Aufgabe aller Erwachsenen, die Rechte der Kinder zu wahren und sie zu schützen.“
Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) bietet mit seinem Projekt „fit4SCHOOL – psychotherapeutische Beratung in der Schule“ sowie eine kostenlose, vertrauliche telefonische Beratungshotline.
„Du bist für mich so was wie der Schulwart – zu dem gehe ich, wenn der Wasserhahn tropft oder der Abfluss verstopft ist. Und zu dir komme ich, wenn mein Kopf verstopft ist“, zitierte Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP), einen 12-jährigen Schüler, der sich mit diesen Worten an die Schulpsychotherapeutin gewandt hatte. Dies schreib KiJuKu im August 2022 anlässlich eines Online-Mediengesprächs, bei dem Mental Health im Zentrum stand – zum ganzen Bericht geht es hier unten.
Zu Telefoninterviews mit Schulsprecher und Direktor einer Innsbrucker AHS zu Mental Health, psychotherapeutische Grundversorgung und Fit4School, geht es hier unten:
Was braucht es, damit Kinder und Jugendliche in Österreich Familie, Kindergarten und Schule, Lehre, Umwelt, Freizeit als gute Lebensräume erfahren? Dies ist der Ausgangspunkt, unter dem die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft sowie das Netzwerk Kinderrechte, dem 55 Organisationen angehören, am Dienstag Forderungen an die Politik zum internationalen Tag der Kinderrechte präsentierten. Am Mittwoch jährt sich die Beschlussfassung der Kinderrechtskonvention durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum 35. Mal.
Mit einem Gedanken- und Wortspiel begann die Koordinatorin des Netzwerks Kinderrechte, Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez: „Angesichts der tristen Lage von Kindern und Jugendlichen zeigte sich am Dienstag das Netzwerk Kinderrechte höchst alarmiert und fordert einen „positiven Reformschock“ von der nächsten Bundesregierung. „Es ist Feuer am Dach“, sagte Netzwerk Kinderrechte-Koordinatorin. Das Feuer müsse durch das Beschreiten neuer Wege gelöscht werden: „Es kann nicht wie bisher vorangehen“, sagte sie und warnte vor einer weiter sinkenden Wettbewerbsfähigkeit, schwindendem Wohlstand und Problemen bei den Staatsfinanzen. Das Netzwerk Kinderrechte werde sich „intensiv in den Prozess der Koalitionsverhandlungen einbringen“, kündigte Schaffelhofer-Garcia Marquez an.
Dabei hatte sie „nur“ das Wort „Wirtschaft“ in einem vor rund einer Woche veröffentlichten Statement des Industriellenvereinigungs-Chefs Georg Knill durch „Kinder und Jugendliche“ ersetzt.
Gewalterfahrungen, Kinderarmut, Ausgrenzung – all das sind keine „Einzelfälle“, sondern von (zu) vielen Kindern und Jugendlichen erlebte Wirklichkeit auch in Österreich. Unter anderem verlangt das Netzwerk, dass umfassende Kinderschutzrichtlinien Bedingung für öffentliche Förderungen sein müssen.
Ohne wirklichen Zugang zu Rechten bleiben diese oft unerreichbar – das ist der Hintergrund für die Tagung „Zugang zum Recht verbessern: junge Menschen in ihren Rechten stärken“ der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien rund um den 35. Geburtstag der UNO-Kinderrechtskonvention.
Wird der Zugang zu den dort verbrieften Rechten nicht – ausreichend – gewährt, sind Rechtsverletzungen in allen Bereichen des Lebens junger Menschen möglich: Vom Gewaltschutz in der Familie über den Diskriminierungsschutz im Bildungssystem bis hin zum Recht auf Klimaschutz. Gleichzeitig geht kein Mensch gerne vor Gericht. Ein guter Zugang zum Recht für Kinder heißt also, auch außergerichtliche Möglichkeiten der Rechtsdurchsetzung zu stärken.
Der Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen verleiht der Verpflichtung auf die Kinderrechtskonvention Nachdruck. Und er gibt Anleitungen zur konkreten Umsetzung des Zugangs zum Recht. Kinder und Kinderrechtsexpert:innen auf der ganzen Welt beschäftigen sich deshalb gerade intensiv mit dem Zugang zum Recht. Und es ist höchste Zeit.
Die Tagung – am 21. November 2024 (10 bis 16 Uhr) im Wiener Rathaus – richtet sich an junge Menschen, Praktiker:innen, Wissenschafter:innen und Kinderrechtsinteressierte, die den Zugang von Kindern zu ihren Rechten verbessern wollen. Gemeinsam mit einem hochkarätigen Expert:innenteam sollen Wege erarbeitet werden, um den Zugang von Kindern zum Recht zu stärken. Schwerpunkte sind Bildung, Inklusion, Kinder- und Jugendhilfe und Kindergrundrechte.
Die Koordinatorin des netzwerks Kinderrechte gewährte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auch einen kleinen Überblick über einige der Aktivitäten und Stellungnahmen so mancher der Mitgleidsorganisationen des Netzwerks:
* Volkshilfe und Kinderfreunde planen für den Tag der Kinderrechte selbst, also den 20. November, eine Aktion vor dem Parlament, bei der vor allem gefordert wird, dass die Kindergrundsicherung, mit der Kinderarmut bis 2030 halbiert werden kann, Teil der Koalitionsverhandlungen sein muss
* Die österreichischen Kinder- und Jugendanwält*innen appellieren mit einem 10-Punkte-Paket an die zukünftige Bundesregierung
* Die Liga für Kinder- und Jugendgesundheit fordert umfassende Maßnahmen für die Gesundheit und das Wohl von Kindern und Jugendlichen in Österreich und Tagung „Kindergesundheit im Aufbruch“
* Die Katholische Jungschar sieht „Keine Zeit mehr für heiße Luft – ökologische Kinderrechte jetzt!“
* UNICEF verlangt – anlässlich der Klimakonferenz COP29, Kinder in den Mittelpunkt des Klimaschutzes zu stellen.
* SOS-Kinderdorf will Demokratie stärken durch ein „freiwilliges Demokratiejahr“ ähnlich dem freiwilligen sozialen Jahr.
* Jugend Eine Welt meint, „alle Kinder haben Rechte, aber nicht alle werden eingehalten“ und verlangt vor allem, Kinderarbeit weltweit zu stoppen.
* Die Caritas stellt ihre Forderungen unter das: „Wir können uns keine verlorene Generation leisten“.
* Die Volkshilfe veranstalte ein Symposium zu Partizipation von armutsgefährdeten Kindern & Jugendlichen
* Benefizkonzert der Wiener Chormädchen- und des Alumni-Chors (Wiener Sängerknaben) Mittwochabend zugunsten der Kinderschutzorganisation Möwe im MuTh (MusikTheater am Augartenspitz).
* Tagung der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien am Donnerstag im Wiener Rathaus: „Zugang zum Recht verbessern: junge Menschen in ihren Rechten stärken“
Nach knappen kompakten Reden in der Neuen Bühne Villach auf dem Rathausplatz neben dem kleinen, temporären öffentlichen Eislaufplatz der Draustadt, begeisterten vier Tänzerinnen, eine davon relativ kurzfristig eingesprungen, bei der Eröffnung des 18. Stella-Festivals. Stella sind die Preise für herausragende Stücke und (Einzel-)Leistungen im Theater für junges Publikum, erfunden, ausgeschrieben und organisiert von der Österreich-Sektion der internationalen Kinder- und Jugendtheatervereinigung ASSITEJ.
Die mitreißende Tanzperformance „Unisono“ von makemake produktionen ist eines der vier nominierten Top-Stücke für Jugendliche. Alles dreht sich in dieser Stunde um Gleichklang, ums Miteinander, aber auch das Suchen der Eigenständigkeit in dieser Gemeinsamkeit. Was – wie jede und jeder aus eigner Erfahrung kennt, nicht immer einfach ist. Die vielen Facetten dieses „unsiono“ performen die Choreografin der Show Martina Rösler selbst gemeinsam mit Steffi Wieser, Barca Baxant, die immer wieder auch zum Mikrophon greift und (sprech-)singt (Text: Theresa Seraphin) und für alle Besucher:innen überraschend Maartje Pasman. Sie sprang für den einzigen Mann in der Produktion, Kajetan Uranitsch, ein, weil der gleichzeitig mit „Pixelzimmer“ von der Kompanie Freispiel in Wien spielte. Die ist übrigens als herausragendes Kinderstück für Stella nominiert.
Dass Pasman eingesprungen ist, fällt gar nicht auf – sie ist eine junge, perfekte Tänzerin und immer wieder auch Akrobatin (in anderen Stücken). Sie versprüht Kraft und Lust, Spaß an ihrer Rolle als Teil des Quartetts, die natürlich doch wie auch ihre drei Kolleginnen Freude daran hat, aus der (kleinen) Masse auszubrechen.
Pasman ist übrigens gemeinsam mit Futurelove Sibanda und Joseph Tebandeke für ihre darstellerische Leistung in KINGX&QWEENS (Koproduktion von Unusual Beings, Dance Revolution East Africa und Dschungel Wien) bei Stella für herausragende darstellerische Leistung / Ensembles nominiert.
Hier unten geht’s zu einem Vorausbericht, als die Jury – Barbara Carli, Helen Isaacson, Götz Leineweber und Danielle Strahm-Fendt – vor mehr als einem halben Jahr die insgesamt 24 Nominierungen aus 126 besuchten Produktionen – in 5 Kategorien bekanntgegeben hat. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hat viele der Stücke ebenfalls gesehen und besprochen, darunter auch „Unisono“ in der anderen Besetzung; und all die sind in dem Bericht hier unten verlinkt.
Der Vorstand der ASSITEJ Austria vergibt – unabhängig von der Jury – jedes Jahr auch einen Sonderpreis an Einzelpersönlichkeiten. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Nadja und Martin Brachvogel mit ihrer Theatergruppe „follow the rabbit“ – Link zu einigen der Stückbesprechungen von KiJuKU.at und davor schon im Kinder-KURIER ebenfalls unten verlinkt.
Compliance-Hinweis: Zur Berichterstattung vom Stella-Festival wurde KiJuKU.at von der ASSITEJ-Austria eingeladen.
Über das STück „Mongos“ <- damals noch im Kinder-KURIER
Stückbesprechung von „Der kleine hässliche Vogel“ <- auch noch im KiKu
In Österreich leben mehr als 190.000 Kinder mit einer chronische Krankheit – Asthma, Rheuma, zystische Fibrose, angeborene Herzfehler, Diabetes, Krebs sowie Depressionen. „Das ist sehr herausfordernd für das Kind und für die Familie. Wenn das Kind beispielsweise chronisch krank ist, erschwert das den gesamten Alltag. Für das Kind bedeutet das Schmerzen, Nebenwirkungen von Medikamenten wie Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen, Einschränkungen durch Vorschriften bei Hygiene oder Ernährung“, schildert Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser die Situation für Familien.
„Als Diakonie setzen wir uns dafür ein, dass chronisch kranke Kinder fachgerechte Unterstützung und Begleitung bekommen, damit sie ihren Alltag bewältigen können. Dazu müssen Lücken in Psycho-, Logo- , Physio- und Ergotherapie geschlossen werden. Es gibt zu wenig kostenfreie Therapieplätze oder elendslange Wartezeiten. Wichtig ist auch, dass es Kindergartenplätze für jedes Kind und später Assistenz an Schulen sowie Nachmittagsbetreuung gibt“, fordert Moser.
„Jugendliche mit schwieriger Lebensgeschichte brauchen Begleitung über das 18. Lebensjahr hinaus“, macht die Diakonie auf ein zweites Anliegen aufmerksam, das gerade in Krisenzeiten wichtiger denn je geworden ist. „Die Jugendhilfe auszubauen, muss ein in jedem neuen Regierungsprogramm stehen. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, dieses Vorhaben auch umzusetzen. Damit jedes Kind gut aufwachsen kann“, unterstreicht Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie.
Aktuell endet in Österreich die Jugendhilfe offiziell nach dem 18. Geburtstag. Die Diskriminierung der sogenannten „Care Leaver“ ist kein österreichspezifisches Problem, doch in anderen Ländern hat man bereits reagiert: In Norwegen geht die staatliche Unterstützung bis zum Alter von 24 Jahren. In Deutschland können die Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe bis 26 Jahren verlängert werden, bis 21 kann man neu in eine Unterstützung hineinkommen. In Großbritannien muss zwei Jahre nach Beendigung der Maßnahme der Jugendliche aktiv kontaktiert werden, um zu sehen, ob Unterstützungsbedarf besteht.
Die Diakonie schickte mit ihrer Aussendung zum Tag der Kinderrechte auch eine beispielgebende Story aus. Kindergartenpädagogin Claudia erzählt darin: „Matteo war ein Jahr alt, als er zu uns in den Kindergarten gekommen ist. Damals hat er nicht viel gesprochen. Aber bald hat er uns mitgeteilt, was er will – und was er nicht will. Sein allerliebstes Wort war ‚nein‘, gefolgt von ‚ja‘, ‚Mama‘ und ‚Papa‘ und ‚Bus‘. Mit dem Bus ist Matteo nämlich immer hergekommen.
Einmal, da hat der Matteo meine Hand genommen – da hat er so eine Kraft in den Armen, er zieht dich wirklich so in die Richtung wie er will, da kannst du gar nicht aus, weil er so eine Kraft einsetzt. Der weiß schon, was er will. Er hat mir so gezeigt: ‚das will ich und das kann ich‘. Das ist eine Entwicklung. Das hat er früher nie können. Jetzt gibt er die Richtung an.“ – Link zur ganzen Beispielgeschichte hier
Kleopatra, die ägyptische Pharaonin (51 bis 30 vor unserer Zeitrechnung) wird meist mit den Attributen wunderschön, vor allem ihre Nase, Baden in Eselsmilch und Geliebte der römischen Kaiser erst Julius Caesar und dann Marcus Antonius verbunden. In der Reihe „Classics for Kids“ im Wiener Rabenhoftheater – für das Theater der Jugend – steht ihr anfänglicher Kampf um Anerkennung als Kaiserin Ägyptens, ihre Führungsrolle und Macht im Zentrum. Und dennoch mangelt es nicht an viel Witz und Humor wie sie schon die vielen bisherigen Klassik-Stücke, meist der griechischen Antike, gekennzeichnet haben. Dieses Mal mit weniger Gags um der Gags willen, mit mehr Ernsthaftigkeit, aber dennoch vielen Szenen zum Lächeln bzw. lauthals und herzhaft Lachen.
Die vergnüglichen eineinhalb Stunden wurden wieder von Roman Freigaßner-Hauser geschrieben und inszeniert. Mit Bernhard Majcen und Ingo Paulick sind altbekannte Schauspieler der Stamm-Besetzung – sowohl der humorvollen Classics als auch der witzigen Märchen-Stücke in diesem Theater in der großen Gemeindebau-Anlage – mit dabei. Wie immer schlüpfen sie in mehrere Rollen, zumeist gegensätzliche, dieses Mal sowohl auf ägyptischer als auch auf römischer Seite; ersterer u.a. in die von Julius Cäser einer- sowie Pharao-Berater Potheinos andererseits, der Kleopatra vom Thron eher fernhalten will. Paulick ist mit vier Rollen der Verkleidungskünstler (Kostüme: Julia Klug) dieser Inszenierung. Christoph Hagenauer sowohl als Apollodoros als auch in der Rolle des Mark Anton spielt sein viertes Stück im Rabenhof Theater, u.a. war er schon bei den Classics Herakles bzw. Hermes.
Elena Hückel – als Charmion bzw. Calpurnia in beiden Reichen nahe der Macht – ist erstmals nach mehreren Märchen-Einsätzen erstmals bei einem der Rabenhof-Classics auf der wieder leicht wandelbaren Bühne (Thomas Garvie).
Die bisher genannten wechseln mit ihren Rollen aber nicht nur ihre Gewänder, sondern spielen in der Regel so unterschiedlich, dass nicht wenige im Publikum am Ende beim Applaus und den Verbeugungen der Darsteller:innen meinen, einige zu vermissen!
Die einzige, die „nur“ eine Rolle verkörpert, ist Fanny Alma Fuhs als Kleopatra. Die 23-Jährige ist Newcomerin in diesem Theater. Obwohl lediglich eine Rolle, sind es doch unterschiedliche Persönlichkeiten, die sie spielt. Kämpft die junge Kleopatra um den ihr zustehenden Anteil am Thron, an der Macht samt Ansprüchen, für die Bevölkerung, für ihr Land Gutes tun zu wollen bzw. gegen die Kolonialisierungs-Ansprüche der Vertreter des römischen Reiches, so wirft sie das meiste davon später über Bord. Die Macht in Händen, verbandelt mit den Ober-Römern, „vergisst“ sie gern ihr Volk…
Damit und mit der einen oder anderen – aber nicht zu dick aufgetragenen – Anspielung können gut und gerne zeitlose Vergleich mit Macht-Mechanismen angestellt werden.
„Überall auf der Welt wirken sich Klimaschocks auf die Gesundheit und Entwicklung von Kindern, ihre Sicherheit und ihren Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen aus. Die Welt tut einfach nicht genug, um Kinder zu schützen“, schreibt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, anlässlich der aktuell laufenden Klimakonferenz COP29 in Baku (Aserbaidschan). Unicef-Vertreter:innen setzen sich – wie andere – bei der Konferenz ein, dass die Bedürfnisse, Rechte und Perspektiven von Kindern in die Klimapolitik, Maßnahmen und Investitionen auf allen Ebenen einbezogen werden.
„Kinder haben ein weiteres Jahr extremer Hitze, verheerender Überschwemmungen und lebensbedrohlicher Dürren und Hurrikans erlebt. Sie tragen die geringste Verantwortung für diese Krisen, aber die größte Last der Folgen“, sagte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Bei COP29 und durch die national festgelegten Beiträge müssen Regierungen die Kinderrechte priorisieren. Kinder müssen in die Lösungen einbezogen werden, und die globalen Führungskräfte müssen Gesundheitsversorgung, Bildung, Wasser- und Sanitärsysteme – Systeme, auf die Kinder angewiesen sind – widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen des Klimawandels machen. Jetzt ist es an der Zeit zu handeln.“
Parteien des Pariser Abkommens haben sich darauf geeinigt, dass bei Klimaschutzmaßnahmen die Rechte von Kindern sowie die Generationengerechtigkeit respektiert, gefördert und berücksichtigt werden sollen. Der „General Comment Nr. 26“ (Allgemeine Kommentar Nr. 26) des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes bekräftigt ebenfalls, dass die Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen müssen, um das Recht der Kinder auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt zu wahren.
23 weiße, neutrale Köpfe wie sie aus Schaufenstern oder von Modepuppen bekannt sind, „bevölkern“ die Bühne auf Podesten auf mehreren Ebenen der Bühne (Bühnen- und Kostümbild: Alexandra Pitz) im Zirkus des Wissens auf dem Gelände der JKU, der Johannes-Kepler-Universität am Rande von Linz. Dahinter eingeblendet der Titel des aktuell dort laufenden Stückes „Höhere Wesen befehlen: KI!“ Dieses hatte Mitte November (2024) Premiere.
Zwischen diesen Köpfen platzieren sich die beiden Schauspieler:innen auf Podesten als ihren wissenschaftlichen Arbeitsplätzen und beginnen wie wild mit ihren Fingern auf imaginäre Tastaturen zu tippen, hacken, hämmern.
Dazu kehren sie im Laufe der Stunde immer wieder zurück, nachdem sie sich erhoben haben, zwischen den Köpfen wandern, tanzen, rappen, Weisheiten zitieren bzw. aus Büchern – scheinbar – lesen. Alles dreht sich – nona, wozu sonst der Titel, sehr, vielleicht ein bisschen zu dicht, rund um KI, wobei gegen Ende vor allem der zweite Buchstabe hinterfragt wird. Künstlich wohl, im Sinne von Menschen geschaffen sicher, aber Intelligenz?
Wird da nicht wieder – wie so oft im Laufe der Menschheitsgeschichte – etwas überhöht, auf zu hohe Podeste gestellt, fast angebetet? Und damit die Verantwortung ab- oder mindestes weggeschoben.
Alles was KI kann, schöpfe sie ja nur aus schon vorhandenen Daten und Materialien wird mehrfach in dieser und anderer Form erklärt, postuliert, ja fast schon beschworen. Kreativ sein könne nur der Mensch. Und der Text für dieses Stück – von Gerhard Willert, der auch Regie führte – sei „einhundertprozentig frei von sogenannter Künstlicher Intelligenz“. Ja selbst ein hochqualitatives Übersetzungsprogramm habe es nicht geschafft die wortspielerischen poetischen Passagen des Textes, einige davon im oberösterreichischen Dialekt, in brauchbares Englisch zu übertragen.
Eingebaut ins Stück sind Hinweise auf manche Autor:innen, etwa Dürrenmatt und seine „Physiker“, wenn es um die Verantwortung von Wissenschafter:innen für ihre Forschungen und Erkenntnisse geht. Oder von – und das sehr spannend – dem viel zu wenig bekannten Alexander Grothendieck. An sich wissenschaftlicher, hochdekorierter, Mathematiker, hat er sich vor mehr als einem halben Jahrhundert ungefähr zeitgleich mit dem Club of Rome („Grenzen des Wachstums“, 1972) sehr kritisch mit dem Umgang der Menschheit mit der Erde auseinandergesetzt. Ohne dies so zu formulieren was die Fridays For Future-Bewegung mit „es gibt keinen Planeten B“ auf den Punkt brachte, hat er genau damit argumentiert, dass in vielen Bereichen nicht experimentiert werden dürfe, weil diese Versuche eben nicht wiederholt werden könnten, wenn die Lebensgrundlagen des Planeten vernichtet werden.
„Wir sind in einer Situation, in der uns die Methoden der experimentellen Wissenschaften in der Praxis nicht weiterhelfen. Es gibt nämlich nur einen Planeten Erde, und die Krisensituation, in der wir jetzt sind, findet in der Geschichte der Evolution nur ein einziges Mal statt. Wir haben es also hier nicht mit einem Experiment zu tun, das wir nach Belieben wiederholen könnten, um anschließend unsere operationellen Modi zu optimieren.“
Aus dessen Werk zitieren sie mehr – mit einem Fake-Schmäh. Nach der sogenannten Voltaire-Methode – Finger zwischen Buchseiten und genau das lesen -, schlagen sie aber schon zuvor festgelegte Seiten auf, oder zitieren auswendig gelernten Text, ist ihr auf die Bühne geworfenes Grothendieck-Buch doch im französischen Original 😉
Mehrmals verwandelt sich die Bühne licht- und stimmungsmäßig in eine Art Disco, das Duo tanzt ab zu einem Vierzeile: „Und dann tanzten sie wie Glühwürmchen in der Nacht / Doch Glühwürmchen gibt es nicht mehr /Wer hat sie eigentlich umgebracht? / Und bringt sie was wieder her?“ Und kommt scheinbar erst viel später drauf, dass mit diesem Song das menschengemachte Artensterben angesprochen wird.
Zurück zu den begrenzten Ressourcen: Neben dem Absaugen aller Daten und deren Verwertung, was doch recht oft thematisiert wird, werde noch kaum bis nicht in Betracht gezogen, dass die KI-Entwicklungen und Anwendungen so viel Energie benötigen, dass der Ressourcenverbrauch ins Unermessliche steige. Weswegen die Großunternehmer im Silicon Valley sich auch Energie-Quellen unter den Nagel reißen würden.
In Abwandlung des alten römischen Cato-Spruchs, dass das feindliche Karthago zerstört werden müsse (was Falter-Herausgeber Armin Thurnher rund zwei Jahrzehnte lang zur Abwandlung seiner wöchentlichen Kolumne mit einem Satz gegen die heimischen Printmedien-Konzentration inspiriert hatte) wirft Fadi Dorninger, seitlich neben der Bühne agierender Ton- und Licht-Master, mehrmals ein: Silicon Valley muss zerstört werden.
„Wir sind der Stoff, aus dem die Pixel sind“, wirft Barbara Novotny in den Bühnenraum. „Stop. Moment. Was soll das heißen: Wir sind der Stoff, aus dem die Pixel sind?“, fragt ihr Bühnenkollege Peter Pertusini.
„Ich war im Theater. Hab „Der Sturm“ von Shakespeare gesehen. Da sagt der alte Zauberer: „Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind… Und da hat hat es bei mir plötzlich klick gemacht und ich hab mir gedacht: genau. Nicht die Träume sind das Problem. Wir sind das Problem. Nicht die Algorithmen… Nicht die KI ist das Problem. Wir sind das Problem…“
… „Wenn ich ein Werkzeug als Lösung betrachte, wird das Werkzeug zu Gott. Damit bin ich fein raus und verantwortlich bin ich für nichts mehr. Wenn ich aber für nichts mehr verantwortlich bin: wer bin ich dann noch?“
Und noch ein schönes Zitat aus dem Stück für das die Quelle im Dunklen bleibt: „Jeder dreht so gut er kann / Seine Träume in Realitäten um. / Vor Wahrheiten ist der Mensch aus Eis; / Feuer fängt er für Lügen.“
Hannes Werthner, früherer Professor für Informatik an der Technischen Universität Wien (2016 bis 2019 Dekan an der Fakultät für Informatik) sagte kürzlich in einem Interview mit Daniel Pilz auf zakckack.at: „Wir – und nicht Konzerne und Technologien – sollten bestimmen, wie die Welt um uns aussieht und gestaltet werden sollte. Der Mensch hat die Freiheit und Verantwortung zu entscheiden. Diese Verantwortung nimmt ihm auch niemand ab… Außerdem ist der Digitale Humanismus nicht gegen die Natur gerichtet. Es geht dabei um Nachhaltigkeit. Ein Aspekt ist ein kritischer Blick auf den Ressourcenverbrauch von modernen Technologien. Insofern ist der Digitale Humanismus ein Rahmenwerk um das Verhältnis zwischen Mensch, Gesellschaft, Natur und Technologie zu verstehen, sich einzumischen und dieses Verhältnis unseren Werten entsprechend zu gestalten… Ich will aber Soziale Medien nicht verteufeln. Diese bieten auch die Chance, sich an der Demokratie zu beteiligen, beispielsweise durch Bürgerinitiativen. Es geht darum, wie Technologien, wie Soziale Medien gestaltet sind und wer über diese Gestaltung bestimmt…“
Am Samstag zur Eröffnung des 36. Internationalen Kinderfilmfestivals im Wiener Gartenbaukino – mit dem Film „Grüße vom Mars“ kam der 12-jährige Hauptdarsteller Theo Kretschmer aus Berlin. Es war / ist sein erster Wien-Besuch, aber nicht der erste eines internationalen Filmfestivals. Bei dem vielleicht bekanntesten im deutschsprachigen Raum, dem Festival „Goldener Spatz“ (seit 45 Jahren), das in den Städten Gera und Erfurt (Bundesland Thüringen) stattfindet, wurde er mit dem Preis als bester Darsteller ausgezeichnet – von Kinder-Juror:innen.
Übrigens, trotz der wirklich überzeugenden schauspielerischen Leistung war es Theo Kretschmers erster und (bisher) einziger Film – zu einer Besprechung des Films geht es im Link unten am Ende des Beitrages.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte diesen Darsteller in diesem großen, ehrwürdigen Wiener Kino zum Interview treffen.
KiJuKU: Zuerst einmal Gratulation zu deinen sehr gelungen darstellerischen Künsten.
Theo Kretschmer: Danke.
KiJuKU: Wie kam’s überhaupt dazu, hast du vorher schon mit Freunden Filme gedreht oder Theater gespielt?
Theo Kretschmer: Das nicht, aber ich hatte schon immer Spaß daran, in Rollen zu tauchen, auch Theater. Dann hab ich gedacht, Film wäre was für mich und dann hab ich’s halt ausprobiert.
KiJuKU: Theater hast du in der Schule gespielt?
Theo Kretschmer: Nein, so zwischendurch, es hat einfach Spaß gemacht.
KiJuKU: War das schwierig, in die Rolle eines Jungen zu schlüpfen, der ganz anders tickt, als man’s meistens gewohnt ist?
Theo Kretschmer: Wir haben viel darüber geredet über Autismus, ich hab mir viel dazu angeguckt und gelesen. Vor Ort beim Dreh wurde mir auch vieles dazu gesagt, was ich wie vielleicht anders machen oder spielen sollte. Dann ist das schon wie von alleine gekommen.
KiJuKU: Hattest du vorher schon einmal etwas von Autismus gehört?
Theo Kretschmer: Nee, eigentlich gar nicht.
KiJuKU: Und bei der Vorbereitung auch niemanden mit Autismus getroffen?
Theo Kretschmer: Nee, aber beim letzten Filmfestival, dem in Zürich, war ein Mädchen mit Autismus im Publikum. Die hat mir gesagt, dass der Film sehr gut bei ihr angekommen ist. Das war die erste betroffene Person, die ich getroffen habe.
KiJuKU: Das ist ja dann die größte Auszeichnung.
Theo Kretschmer: Ja, das war ganz cool.
KiJuKU: Als du das Drehbuch gelesen hast, war für dich klar, dass du das schaffst?
Theo Kretschmer: Dadurch, dass ich bis dahin nichts von Autismus wusste, war’s schon aufregend. Und auch generell, weil’s ja der erste Film war. Aber ich hab mich halt ausprobiert, mir eine Chance gegeben und mit der Zeit ging’s immer besser.
KiJuKU: Wurdest du gleich ausgewählt oder hattest du mehrere Casting-Runden?
Theo Kretschmer: s gab zuerst ein eCasting, also digital und dann ein Live-Casting und noch eines. Beim letzten Live-Casting wäre ich eigentlich Zweiter gewesen, aber weil der Erste schon davor gedreht hatte und Kinder nur höchstens 30 Tage im Jahr drehen dürfen, konnte er diese Hauptrolle nicht übernehmen.
KiJUKU: Was hattest du beim eCasting eingeschickt?
Theo Kretschmer: Ich bin bei einer Frau, die hilft mir dabei (eine Art Schauspiel-Trainerin), gibt mir professionelle Tipps.
KiJuKU: Waren das schon Szenen aus dem Film?
Theo Kretschmer: Ja schon, aber die und auch aus dem Drehbuch wurden beim dreh Szenen immer wieder auch umgeändert.
KiJuKU: Wie viele Drehtage hattest du?
Theo Kretschmer: Ich glaub, es waren sechs Wochen – die ganzen Sommerferien im Vorjahr.
KiJuKU: War das schwierig, dann gar keine Ferienzeit zu haben, Dreh ist ja sicherlich zumindest teilweise ganz schön anstrengend?
Theo Kretschmer: Ja, schon. Wir haben teilweise auch sehr spät gedreht. Das war schon recht anstrengend. Ich hatte dann nur diese zwei Tage, das Wochenende frei. Da sind wir dann immer von Hamburg nach Berlin gefahren, das dauert nicht so lange. Aber trotzdem waren es auf jeden Fall ganz andere Ferien als ich sonst gehabt habe.
KiJuKU: Ist dir das dann abgegangen, als das nächste Schuljahr begonnen hat?
Theo Kretschmer: Nach den Ferien war ich schon sehr durch, weil ich keine wirkliche Erholung gehabt habe. Es war dann schon ein bisschen schwierig, wieder in die Schulzeit reinzukommen.
KiJuKU: Was sind deine Vorlieben in der Schule und was magst du gar nicht?
Theo Kretschmer: Ich mag ganz gerne Kunst, Sport mag ich auch. Mathe, Physik oder Chemie ist nicht so mein Ding.
KiJuKU: Also nicht so wie beim Tom im Film, eher so, wie dessen Bruder Elmar.
Theo Kretschmer: Ja so ungefähr.
KiJuKU: Was machst du in deiner Freizeit am liebsten?
Theo Kretschmer: Ich treff mich natürlich gern mit Freunden. Ich zeichne gern, ich male viel.
KiJuKU: Ist Schauspiel so etwas wie eine Perspektive, dass das einmal ein möglicher Beruf für dich werden könnte?
Theo Kretschmer: Ich weiß halt nicht, wie das weitergeht. Es wär schon ganz cool. Als Hauptberuf wäre es halt schon recht schwierig. Du bist halt dann darauf angewiesen, was machst du, wenn du keine Rollen hast?! Aber so nebenbei als Hobby wär’s schon ganz cool.
KiJuKU: Zurück zum Film. War der Dreh hauptsächlich anstrengend oder mitunter schon auch witzig?
Theo Kretschmer: Es war schon ganz schön, aber es gab dann auch so manche Szenen, wo’s anstrengend wurde. Umso mehr in einer Szene spielen, umso schwieriger wird es halt. Alle müssen dann alles richtig machen. Wenn auch nur eine oder einer etwas falsch macht, müssen’s halt alle wieder und immer wieder machen. Manches war schon sehr anstrengend. Und nach ein paar Stunden Dreh am Tag, ist manchmal auch die Konzentration draußen. Es gab aber auch ein paar Szenen, die haben voll Spaß gemacht. Aber auch einige, die ich gar nicht mochte.
KiJuKU: Und zwar welche?
Theo Kretschmer: Eine ganz am Schluss, die sah gar nicht so schwer aus, aber… Auf der Mauer, wo meine Mutter zurück aus China war, wo ich Apfelkuchen bekam. Die musste oft wiederholt werden und ich musste so oft Apfelkuchen essen, dass mir schlecht geworden ist. Und dann waren da im Sommer überall die Bienen. Das war so nervig und anstrengend. Am Ende hatte ich gar keinen Bock mehr auf Apfelkuchen.
Aber was sehr viel Spaß gemacht hat, war die Szene auf dem Schulhof. Da hat auch mein Bruder mitgespielt. Die ganze Familie war da, auch mein Hund.
KiJuKU: Deine echte Familie, nicht die aus dem Film?
Theo Kretschmer: Ja, mein Bruder hat da eben mitgespielt in der Szene. Dieser Drehtag hat auch nicht lange gedauert, so dass wir danach gemeinsam Zeit hatten.
KiJuKU: Wie oft hast du den Film selber schon gesehen?
Theo Kretschmer: Ich glaub drei Mal. Das erste Mal hab ich ihn erst bei der richtigen Premiere gesehen, weil ich so eine Überraschung haben wollte.
KiJuKU: Wie ist es dann ihn, beim zweiten, dritten Mal zu sehen? Wird das dann langweilige, weil du ja alle schon kennst?
Theo Kretschmer: Es ist schon noch ganz cool. Mir wird da nicht wirklich langweilig, es ist ja ein ganz guter Film.
KiJuKU: Wie haben Klassenkolleg:innen oder Freund:innen reagiert?
Theo Kretschmer: Meine engsten Freunde haben sich schon mit mir gefreut. Niemand war so richtig eifersüchtig. Aber ich häng das ja auch nicht so an die große Glocke, weil am Ende ist es ja auch nur ein Film. Was heißt nur, aber nur weil ich einen Film gemacht hab, bin ich ja nicht anders als andere Kinder.
KiJuKU: Danke sehr, thank you very much, dziękuję – nachdem im Agenturprofil von Theo Kretschmer steht: Englisch und Polnisch Grundkenntnisse.
Theo Kretschmer: Naja, eigentlich kann ich’s nicht. Meine Mutter wurde in Polen geboren, meine Eltern sind auch ein bisschen traurig, dass ich die Sprache nicht gelernt habe, ich find’s auch schade, aber vielleicht kommt das ja noch.
Tom (10) liebt das Weltall, er will Astronaut werden. Nicht irgendeiner, sondern der erste Mensch, der zum Mars fliegt. Tom ist darüber hinaus weiters besonders. Für ihn muss alles genau nach Regeln ablaufen. Gibt es eine Abweichung, kann es sein, dass er auszuckt. Er ist die Hauptfigur in dem Film „Grüße vom Mars“ (nach dem gleichnamigen Roman von Sebastian Grusnick und Thomas Möller; Dressler Verlag), mit dem das 36. Internationalen Kinderfilmfestival in Wien aber auch in der Steiermark eröffnet wird. (16. bzw. 23. November 2024 – siehe auch Überblicksartikel mit allen Filmen – unten verlinkt).
Eine ziemlich große Veränderung, die das Leben Toms, seiner Geschwister Nina und Elmar und der Großeltern durcheinanderbringt, steht an. Die Mutter hat ein cooles Job-Angebot. Als Fernseh-Journalistin darf sie vorübergehend als Korrespondentin aus China berichten. Aber wie wird das für Tom sein?
Die drei Kinder könnten in dieser Zeit bei den Großeltern, den Eltern des Vaters, der früh verstorben ist, am Land verbringen. Aber… – da kommt die Mutter auf die Idee, diese Zeit könnte eine Trainings-Expedition für Toms Mars-Mission sein. Und so schlüpft er in einen Raumanzug, führt Logbuch und … – klar ergeben sich Komplikationen und das nicht zu geringe und nicht wenige!
Mehrfach droht die Mission zu scheitern. Und mit jedem Hindernis, jedem Missgeschick wächst der zehnjährige an den Aufgaben. So „nebenbei“ wird er mit Hilfe des Teleskops seines Vaters, das er auf dem Dachboden findet, zum Entdecker eines durch die Nachrichten geisternden Asteroiden, der mit dem Mond zusammenstoßen könnte. Und kommt dank seines Wissens und seiner Berechnungen drauf, es ist kein solcher, sondern ein Komet…
Nach einem heftigen Zwischenfall im kleinen Dorf will die Mutter schon ihre „Mission“ in China abbrechen und vorzeitig zurückkommen, aber Tom (sehr überzeugend und professionell gespielt von Theo Kretschmer) sagt in einem Telefonat mit ihr: „Ich hab Angst, aber ich will das hier schaffen…!“
Der Film nimmt – wie alle zum Festival eingeladenen – eindeutig die Perspektive des Kindes ein. Und den Filmemacher:innen – Regie: Sarah Winkenstette; Drehbuch: die Autoren des Buches siehe oben; Bildgestaltung: Jakob Berger – gelingt es auch, durch Unschärfen und Verzerrungen von Bildern bzw. Ton in kritischen Szenen – die ganz unterschiedliche, beängstigenden Wahrnehmung von Tom spür- und nachvollziehbar zu machen.
Und noch ein spannendes filmisches Element enthält „Grüße vom Mars“ – in manchen Szenen materialisieren sich Toms Gedanken in Zeichentrick-Bildern.
Wenn Faust nicht die geballte Hand ist, dann einer DER Klassiker. Goethe. Schwierig. Wissenschaft, Pakt mit dem Teufel, Gretchen.
Das alles und noch viel mehr, kompakt in knapp mehr als einer Stunde und noch dazu mit sehr viel Witz, nicht selten auch (Selbst-)Ironie verschafft die jüngste Produktion im Schubert Theater, dem Figurentheater für Erwachsene in Wien Alsergrund. In einer Textfassung des Meisters skurriler Puppen, Christoph Bochdansky und der ebenso grandiosen Schau- und Puppenspielerin Soffi Povo.
„Faust – der Tragödie Allerlei“ geht sozusagen historisch auch zurück auf die Anfänge – hat Goethe die Geschichte des tatsächlich historischen Doctor Faust (1480-1540) höchstwahrscheinlich in der Marionettenversion der Puppenspielerfamilie Johann Georg Geißelbrechts (1762 – 1826) kennengelernt. Und so tritt hier neben Faust, dem Teufel, seinem Gegenspieler Gott, Margarethe und dem berühmten Pudel auch Kasperl als ironisch-kritischer Diener Fausts auf.
Zudem lassen die beiden aber noch zahlreiche fantastische Wesen schweben, fliegen umherhüpfen. Um die Faust’sche Studierstube zu Beginn in eine staubige Kammer zu verwandeln, „pupsen“ Staubvögel die Bühne mit Puder voll, Gut ein Dutzend Elfen bevölkert den Himmel rund um Gott, Teuferl und Engerl sozusagen auf den Schultern des Faust lassen seine Gedanken zwischen Gut und Böse – Pakt mit Mephisto oder nicht – hin- und herspringen.
In dieser Stunde bietet das Puppenspielduo viele Szenen für herzhaftes Lachen: Köstlich etwa wenn der Pudel Sätze von sich gibt, die eigentlich Faust gehören und dieser das natürlich gleich beim ersten dieser Sager anmerkt. Der Pudel aber nicht und nicht aufhört. Bis sich Mephistos Kopf ins Zentrum der fransigen Hundepuppe schiebt und Faust bemerkt: Das ist also des Pudels Kern.
Die meisten Szenen zum Lachen sind aber auch gekennzeichnet von Tiefgründigkeit, nicht zuletzt über die Eitelkeit des Wissenschafters der sich auf den Pakt mit dem Teufel einlässt, um zu einer Verjüngungskur zu kommen. Für die Faust-Puppe bedeutet das, langer grauer Bart ab, die langen grauen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Dann müsse aber eher sie diese Figur übernehmen, leitet Soffi Povo den Rollenwechsel mit dem Schöpfer der Figuren, Christoph Bochdansky, ein. Gesagt, getan.
Wohltuend übrigens, dass im Zusammenhang mit dem „Gretchen“ diese Geschichte – alter Mann lässt sich mit Mephistos Hilfe auf jung trimmen, um die 14-Jährige zu verführen mit letztlich tödlichen Folgen für sie und ihre Familie – beim Namen genannt wird: Missbrauch; samt notdürftigem Rechtfertigungsversuch „müsse das aus der Zeit verstehen“.
Weihnachten ist ein ziemlich passender Zeitpunkt für dieses Buch mit „Zusatznutzen“. In dem fein gemalten und leinen-gebundenen Bilderbuch „Das rote Paket“ – die Schrift auf dem Einband kann sogar ertastet werden – geht es ums Schenken.
Und weil Mitte November (2024) das Linzer Theater des Kindes aus diesem Buch von Linda Wolfsgruber und Gino Alberti (beide Text und Illustration) ein Theaterstück für sehr junges Publikum (ab 3 Jahren – Details siehe Infobox) macht, bringt Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… die Besprechung dieses Buches – mit Änderungen am Schluss – aus dem Vorläufer dieser Seite, dem Online-Kinder-KURIER.
Anna ist bei ihrer Oma im Dorf zu Besuch, stapft durch den Schnee und begegnet zunächst nur hektischen Menschen. Da hat die Großmutter eine Idee – ein Packerl. „Das rote Paket ist ein Geheimnis… Aber machen Sie es nicht auf“, sagt sie dem ersten, den sie gemeinsam mit ihrer Enkelin trifft, „sonst geht verloren, was drinnen ist“. Und auf die Frage des Försters – er war der erste, der es überreicht bekam, antwortet die Oma: „Glück und Zufriedenheit“.
Die Augen des Mannes strahlen, Anna schlägt daher vor, gleich vieler solcher Packerln zu verschenken. Doch die Großmutter meint „nur“: „eines ist genug“.
Und in der Tat, angesteckt vom wertvollen, nicht in Geld zu bezahlendem Inhalt, schenkt der Förster das geheimnisvolle rote Paket weiter und der wieder weiter…und am Ende – das sei jetzt nicht verraten, auch wenn du’s dir vielleicht schon denken kannst.
Das Buch hat auf der letzten Doppelseite einen Bastelbogen für einen roten Papier-Würfel samt aufgemalten dunklem Band mit Schleife. Damit kannst du dir ein eigenes geheimnisvolles Packerl basteln. Es sieht ziemlich ähnlich aus wie in der Geschichte, die Linda Wolfsgruber und Gino Alberti gemeinsam geschrieben und gezeichnet haben. Und ob du selber darin kleine Dinge aufbewahren möchtest, oder etwas reingibst und es weitergibst oder wie in dieser Erzählung mit scheinbar Nichts und dennoch so Großem wie Glück und Zufriedenheit verschenkst, bleibt dir überlassen. Im letztgenannten Fall braucht’s natürlich als „Gebrauchsanleitung“ einen ähnlichen Satz wie im Buch, der darauf hinweist, es ja nicht zu öffnen, sondern möglichst auch weiterzureichen, damit sich der entsprechende „Zauber“ entfalten kann…
Viele Buchbesprechungen in einem Sammel-Artikel, darunter auch dieses <- noch im Kinder-KURIER
Beim Portier des Nebeneingangs ins Theater Akzent steht eine kleine Frau in Kleiderschürze und mit großem Besen. Mahnt die Besucher:innen, die mit dem Lift ins Dachgeschoß zur kleinen Studiobühne hinauf wollen, „hobt’s eh die Schuach brav ohputzt?“
Da viele der Besucher:innen zum ersten Mal zu einem dieser urig-erdigen „Schäggsbia“-Abende gekommen sind, waren manche später überrascht, als dieselbe „Putzfrau“ wenig später die Bühne betrat. „Frau Franzi“, so die Bühnenfigur von Marika Reichhold. Die relativ spät berufene Theatermacherin und Schauspielerin, gelernte Kunsttherapeutin, hat sich – nach szenischen Führungen durch das familiäre Bergbaumuseum in Grünbach am Schneeberg – auf Schäggsbia spezialisiert.
Dessen Dramen erzählt sie knapp, kompakt, auf den Kern des jeweiligen Stückes konzentriert, im Dialekt, unterstützt von wenig Utensilien aus ihrem Einkaufs-Trolley. Die meisten sind – Putzkraft-like Tücher. Knoten rein und schon ist eine Puppe geboren, sozusagen Fetzenschädeln.
Jüngstes Stück der „Frau Franzi“: Richard III. „Dieses Mal hat mich aber der historische York Ridschi mehr interessiert als der vom Shakespeare, pardon Schäggsbia, vertraut sie vorab dem Reporter an. Denn der berühmte Theaterdichter bezog sich auch schon parteiisch gefärbte Geschichten, womit er noch grauslicher rüberkommt. Aber er war auch in echt offenbar kein angenehmer Zeitgenosse.
Die Frau Franzi wirft in den ersten Szenen aber auch Schlaglichter auf seine früheste Kindheit: Von der Mutter nicht so richtig gewollt, behindert geboren, „als Kind sehr beliebt – vor allem als Mobbingopfer“, beleuchtet sie die wahrscheinlichen Ursachen für seine spätere Grausamkeiten. Schiefes Gesicht und hatschen – das zaubert die Theaterfrau (Regie: Christian Suchy) in jenen Szenen auf die kleine Bühne, in denen sie in die Figur dieses letzten Königs aus dem Haus Plantagenet, aus dem Zweig der Yorks, die mit den Lancasters im Dauer-Clinch lagen.
Einen „Fetzenschädel“ nach dem anderen meuchelt die Schauspielerin durch Hervorziehen eines – nicht schneidenden – Messers samt Lösen des Knoten im entsprechenden Tuchs von einem weiteren, also „Köpfen“ – immer wieder mit Aufblitzen roter Stoff-Streifen. Bei einem sogar mit seeehr langem roten Band, was aus dem Publikum den Kommentar „Blutverdünner“ nach sich zog.
Natürlich darf in diesem Abend auch nicht die Erzählung vom sehr späten Fund des Richard III-Skeletts fehlen – vor rund 12 Jahren auf einem Parkplatz in Leicester (Mittelengland).
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Kriege – die bekannten in der Ukraine, im Nahen Osten und so manch andere kaum (mehr) wahrgenommene, etwa in Syrien (mittlerweile 13½ Jahre), Jemen, Sudan…; Klima-Katastrophen, die sich auch immer näher kommend, häufen – zuletzt Valencia in Spanien, davor halb Niederösterreich – Jahrhundert-Hochwasser spielen sich schon rund alle zehn Jahre ab; Wahlen, die einen verurteilten Straftäter zum triumphalen Sieger machen, hetzerisch-rassistische Parteien sehr viele bis hin zu den meisten Stimmen bringen – ollas oa… Katastrophe. Hoffnungslos.
Und das lähmt erst recht. Zahlt es sich überhaupt noch aus, irgendwas zu tun? Aktiv zu werden?
Appelle – an andere, an sich selbst oder Allerweltssprüche wie „die Hoffnung stirbt zuletzt“ helfen da meist recht wenig bis genau gar nix.
Mut machen und Hoffnung geben am ehesten noch konkrete Beispiele, wo Menschen tatsächlich in einem gewissen Bereich etwas zum Positiven verändern können. Für andere, aber auch für sich selbst, um aus Lethargie rauszukommen, aus dunklen Löchern ins Licht zu klettern… Und genau das ist der Hintergrund für „Hope“, eine performative Installation mit Hoffnungs-Chor, der „schallundrauch agency“. Die ist – von den Profi-Performer:innen mit Gäst:innen, die genau dies verkörpern – derzeit (bis 16. November 2024) und dann in der letzten Schulwoche im Juni 2025 im Dschungel Wien zu sehen, nein erleben.
Die eine Stunde – eigentlich zu kurz, das der Kritikpunkt an der Produktion! – bietet einerseits eine Art interaktives Museum. In verschiedenen Stationen zeigen, erklären, berichten die Gäst:innen über eigene Projekte. Oder du kannst auf Tafeln hoffnungsvolle und gegenteilige Bilder malen bzw. dich von einem der Gäste bemalen, also schminken lassen. Hendrik Renneberg schreibt seine universitäre Abschlussarbeit über „performative Ansätze in der Bildung“ – und kam so zum Projekt – mit witzigen performativen Fotos und eben einer Schminkstation.
Einer, der am Ende der Performance zunächst als DER Hoffnungsträger auftritt ist Lorenz Hinterplattner. Er präsentiert an seinem Stand Honigwaben und Utensilien aus der Imkerei. Der 22-Jährige frönt dieser Leidenschaft – und das längst professionell. Und weiß auch um eine weit verbreitete Bienenkrankheit, die amerikanische Faulbrut. Da müsste es doch ein Gegenmittel geben – idealerweise auf pflanzlicher Basis. Ein solches fand er – und gemeinsam mit zwei Kolleg:innen entwickelte es das Trio bis hin zum praktischen – erfolgreichen – Einsatz mit Notfall-Zulassungsverordnung. Damit gewann das Trio vor zwei Jahren die Kategorie Science bei Jugend Innovativ und anschließend beim internationalen Bewerb EUCYS einen Spezialpreis – KiJuKU hat damals berichtet, Links unten am Ende des Beitrages. Das Medikament wird nun großflächiger eingesetzt – weiterhin über die Notfallzulassung, aber Amts-Tierärzt:innen können für ihren Wirkungsbereich dies damit zum Einsatz freigeben.
Hatte die Kerngruppe von schallundrauch agency – René Friesacher, Michael Haller, Janina Sollmann, Gabriele Wappel, Sara Wilnauer-Leitner, Hannah Zauner – neben den Einzelpräsentationen von vornherein auch gemeinsame performative Auftritte geplant, so veränderten die sich in der Zusammenarbeit mit den sieben Gäst:innen. Unter anderem war ein gemeinsamer Chor geplant – den gibt’s nun. Im Stile von Gospel-Songs singen alle 13 miteinander Wörter wie Apokalypse, Algorithmus, Liebeskummer, Depression, um anschließend in die Hoffnungs-Hymne John Lennons „Imagine“ einzustimmen. „Doch die Gäst:innen wollten auch tanzen“, verrät Janina Sollmann, künstlerische Co-Leiter der seit mehr als 20 Jahren aktiven Performancegruppe Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Und so gibt es nun auch eine intensive gemeinsame Tanz-Choreo.
Tänzerisch treten aber auch drei der Gästinnen auf. Da ist die Allerjüngste der „Hope“-produktion, die 14-jährige Sophia Valentina Gomez Schreiber, die schon vor vielen Jahren noch als Kind in einer der Produktionen von schallundrauch agency mitwirkte. Nun zelebriert sie einen Schattentanz – ihr Tanzpartner (René Friesacher) muss alle ihre Bewegungen als Schatten nach- und mitmachen. Im Stationenbetrieb tüftelt sie an Mathe-(Schul-)arbeiten – ihrem schulischem Angstfach.
Am anderen Ende der Alters-Skala legt Giti Aghelmanesh-Sommer ein Tanz-Solo in einem der Studio-Räume hin – mit dem Geständnis, dass die 68-Jährige zuletzt vor 50 Jahren getanzt hat. Dass sie eine bewegte, nicht immer leichte Geschichte hinter sich hat, vermittelt ihr ein Satz, den die schon genannte Sollmann dann aufgreift und zu einem kleinen chorischen Auftritt erweitert: „Verlust zerreißt dir das Herz“. Ferner schreibt „die Giti mit einem T“ in großen persischen Schriftzeichen Zeilen aus dem Gedicht Adams Kinder aus dem „Rosengarten“ (Golestān) des Poeten Saadi (1210 – 1290).
Dritte Tänzerin ist Antonia Bögner, die sich wie sie sagt, „stark für Inklusion einsetzt“ und seit etlichen Jahren bei „Ich bin O.K.“ in Kursen und bei Bühnenauftritten tanzt. Zu einem KiJuKU-Interview mit Antonia Bögner am Rande der Proben für eine der „Ich bin O.K.“-Produktion geht es in einem Link am Ende dieses Beitrages.
„Zukunftsmusik“ spielt Morteza Mohammadi mit einer tönernen kleinen Pfeife, aber auch herbstblättern und Rindenschnitzeln, die er über einem Ventilator tanzen lässt. Ein großes Becken mit Sand, in das die Besucher:innen sozusagen „zeichnen“ können, neben seiner Musikstation symbolisiert die ufer, die er, dessen Familie aus Afghanistan im Iran Zuflucht gefunden hatte, von dort über die Türkei und Griechenland nach Österreich flüchten konnte.
Schließlich sing noch Jan Pisar, Verkäufer der Straßenzeitung „Augustin“, ein südmährisches Lied, in das seine Kolleg:innen – ob Gäst:innen oder Profis – einstimmen.
Weitere Ausstellungsobjekte, auch solche zum Weiterlesen – Bücher u.a. „Frau Leben Freiheit“ von Marjana Satrapi, Graphic Novel über den Widerstand im Iran gegen die Diktatur ausgehend vom Mord an der kurdisch-iranischen Studentin Jina Mahsa Amini vor zwei Jahren, Exemplare des Augustin, aber auch der Zeitschrift „andererseits“, Magazin von Journalist:innen mit und ohne Behinderung, sowie ein Holz-Drahtfigur „goat of hope“ (Ziege der Hoffnung) UND nicht zuletzt über Kopfhörer zu genießende „Songs of Hope“ von Schüler:innen der BASOP /BAfeP (BildungsAnstalt für Sozial- und ElementarPädagogik).
Gerade letztere zeigen – vor allem auch neben dem Bienen-Medikament, dass auch schon sehr junge Menschen viel konkret Positives, Hoffnung gebenden bewirken können. Und so bringt auch DER oben genannte Hoffnungsträger ein Plakat auf die Bühne mit dem von John Lennons „Imagine“ ausgeborgten Satz: „But I’m not the only one“ (Aber ich bin nicht der einzige).
Eine Stunde Theater, die – angesichts der Nachrichtenlage – dennoch Hoffnung macht!
Eröffnet wird das 36. Internationale KinderFilmfestival in Wien am 16. November um 15 Uhr im Wiener Gartenbaukino mit „Grüße vom Mars“; die steirische Ausgabe des Festivals (da ist es erst das 16.) beginnt am 23. November (bis 1. Dezember – siehe Info-Block am Ende) im Grazer KIZ Royal.
Der – schon mehrfach ausgezeichnete Film erzählt die Geschichte des 10-jährigen Tom, dessen größter Traum es ist, eines Tages auf dem Mars zu landen. Als seine Mutter wegen ihres neuen Jobs nach China muss, werden Tom und seine Geschwister über den Sommer zu ihren Großeltern von der Großstadt aufs Land gebracht. Eine große Umstellung für Tom, der Veränderungen überhaupt nicht mag. Es gibt für ihn nur einen Weg, diese Mission zu überstehen: Der Aufenthalt am Land wird kurzerhand zur Mars-Expedition.
Durch clevere Kameraeinstellungen und Soundeffekte ermöglicht der Film in die Welt des autistischen Jungen einzutauchen. „Grüße vom Mars“ ist eine humorvolle und bewegende Reise, die zeigt, wie wichtig es ist, Unterschiede zu akzeptieren und die Vielfalt unserer Gesellschaft zu feiern.
Bei der Festivaleröffnung wird auch der junge Hauptdarsteller Theo Kretschmer anwesend sein. „Der Film zieht das Publikum in eine andere Welt, lässt es lachen, weinen und öffnet Türen zu neuen Perspektiven. Es ist der perfekte Start für ein Festival, das sich der Vielfalt widmet“, so die Festivalleitung bestehend aus Franz Grafl, Elisabeth Lichtkoppler und seit heuer neu Anna Hofmann und Ines Wagner.
Tom in „Grüße vom Mars“ ist nicht der einzige Film des diesjährigen Festivals, bei dem Inklusion im Zentrum steht. Die Macher:innen der für das 36. Festival ausgesuchten internationalen Filme greifen das Thema auf unterschiedliche Weise auf und mit differenziert gezeichneten Charakteren, die dem Publikum durch ihre Stärken und ihre Einzigartigkeit nähergebracht werden: „Lars ist LOL“ erzählt von Lars, der mit Down-Syndrom geboren ist und sich in einer neuen Schule zurechtfinden muss. Unterstützung bekommt er von Amanda, einer Mitschülerin, die in ein Dilemma gerät: Wie geht man mit Mobbing im Netz um, wenn es den neuen Freund betrifft?
„Saudade – Die Sehnsucht in mir“ nimmt das Publikum mit auf die Reise des lebensfrohen Bruno, der nach einer plötzlichen Erblindung sein Leben neu ordnen muss. Ein berührender Coming-of-Age-Film, der ohne Pathos zeigt, wie Mut und Entschlossenheit ein neues Licht ins Dunkel bringen können.
Und „Jippie No More!“ ist ein herzerwärmendes Feelgood-Movie um Jaap Peter, genannt „Jippie“, und seine große Familie, die sich zur Hochzeit der ältesten Schwester zusammenfindet.
„Es ist uns wichtig, dass unsere Filme sowohl die Herausforderungen als auch die Schönheit der Vielfalt widerspiegeln. Kinder sollen die Möglichkeit haben, die Welt durch die Augen anderer zu sehen – und das tut Kino wie kein anderes Medium“, unterstreicht das Team der Festivalleitung.
Vielfalt spielte schon vom ersten Festival an eine wichtige Rolle – das Leben von Kindern in verschiedensten Ecken und Enden der Welt, stets aus der Sicht dieser Kinder sind eines der wichtigen Kriterien für die Auswahl der Filme. Und diese werden in den jeweiligen Originalsprachen in den Kinos gespielt – heuer aus Belgien, Brasilien, China, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Kroatien, Luxemburg, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden, Slowakei und Tschechien. Der Ton wird etwas leiser gedreht und die Dialoge bzw. Zwischentexte live auf Deutsch eingesprochen.
Ein filmästhetischer Schwerpunkt des diesjährigen Programms liegt auf Animationsfilmen, die in ihrer künstlerischen Gestaltung außergewöhnlich vielfältig sind. Das Märchen „Tony, Shelly und das magische Licht“ wurde in Stop-Motion-Animation mit handgemachten Puppen gedreht. „Weihnachten der Tiere” vereint in fünf winterlichen Kurzfilme mehrere Animations-Stile, darunter etwa Aquarellmalerei und japanischen Pergamentdruck.
Für die jüngsten Zuschauer:innen ab 4 Jahren gibt es ein Kurzfilmprogramm, das von fantasievollen Geschichten und farbenfrohen Animationen lebt. Besonders hervorzuheben ist der österreichische Beitrag „Fleckenlos“ von Astrid Rothaug, eine warmherzige Erzählung über einen Leoparden, der lernt, sich selbst anzunehmen, wie er ist.
Sieben Kinder im Alter zwischen 11 und 13 Jahren bilden die Kinderjury. Diese entscheidet am Ende des Festivals über den besten Film und vergibt zusätzlich den UNICEF-Preis für jenen Film, in dem Kinderrechte eine zentrale Rolle spielen. Aber auch das Publikum kann nach den Filmen mit den Eintrittskarten in drei verschiedenen Säulen – lächlender, trauriger bzw. neutraler Smilie – für den Lieblingsfilm abstimmen. Die Gewinnerfilme werden am 1. Dezember ein weiteres Mal im Kino gezeigt.
Irrtümlich wird die 6-jährige Pottan von ihren vielbeschäftigten Eltern über den Sommer nicht im geplanten Pony-Reitcamp, sondern bei einer Müllverwertungsanlage abgesetzt. Das Mädchen taucht in eine absurde Welt ein, in der Müll in erster Linie dazu dient etwas Neues zu schaffen. Die skurril zusammengewürfelte Truppe der Recyclingstation baut an einem Raumschiff, um damit wertvollen Satellitenmüll aus dem All zu holen. Doch plötzlich tritt Pottan versehentlich eine unglaubliche Reise an.
Ab 6 Jahren; Schweden 2016; 82 Minuten
Am liebsten sitzt Julius in seinem Baumhaus und versinkt in Vampir-Comics, um sich von zwei großen Sorgen abzulenken: Einerseits hat er Angst vor dem ersten Schultag, der ihn bald erwartet, andererseits belastet ihn die schlechte Stimmung, die zwischen seinen Eltern herrscht. In einem verfallenen Haus begegnet Julius Herrn Zaghaft, einem schreckhaften Vampir, der Erdbeersaft statt Blut trinkt, und in seinem Labor nach der Formel für den Glücksstein sucht.
Ab 7 Jahren; Musical-Film, Finnland 2023; 89 Minuten
In der Tiefe des blauen Berges lebt das kleine Volk der Blaugnome. Sie bewachen das magische Silber – eine Substanz mit Zauberkraft, mit deren Hilfe zur magischen Stunde der ewige Wechsel zwischen Tag und Nacht vollzogen wird. Prinzessin Blaurose bricht das eiserne Gesetz, das Fremden den Zutritt in den Berg verbietet, und gewährt einer Gruppe von geflohenen Rotgnomen Unterschlupf. Plötzlich wird das magische Silber gestohlen und die Welt droht in ewiger Dunkelheit zu versinken. Nun liegt es an Blaurose, Mut zu beweisen und das magische Silber zurückzuholen.
Ab 7 Jahren; Norwegen 2009; 83 Minuten
Für Tom steht fest: Er wird Astronaut. Aber bevor er als erster Mensch zum Mars fliegen kann, muss er erst noch die anstehende Mission bei Oma und Opa auf dem Land meistern. Keine leichte Aufgabe, denn Toms Leben muss ganz klaren Regeln folgen: Der 10-jährige hasst Veränderungen, Lärm und die Farbe Rot. Die liebenswürdigen, aber chaotischen Großeltern leben in einem ganz anderen Kosmos, in dem man noch „Dicke“ sagt und ohne WLAN auskommt. Ausgerüstet mit Raumanzug und Logbuch wagt Tom – gemeinsam mit seinen älteren Geschwistern – das Abenteuer.
Ab 8 Jahren; Deutschland 2024; 1½ Stunden
Aimei und die anderen Mädchen aus einem abgeschiedenen Bergdorf in der chinesischen Provinz Yunnan spielen leidenschaftlich gern Fußball, obwohl sie weder einen richtigen Ball noch einen Platz zum Kicken haben. An Einfallsreichtum mangelt es den Freundinnen aber nicht und so fliegen schon mal Pomelos über die Dächer. Im Dorf finden sie für ihre Fußballliebe wenig Verständnis, ist doch der angestammte Platz für Mädchen bei der Feldarbeit und am Herd. Aber so leicht lässt sich Aimei nicht unterkriegen.
Ab 9 Jahren; China 2023; 98 Minuten
Tony ist ein spezieller Junge, er leuchtet wie eine Glühbirne. Aus Sorge lassen ihn seine Eltern kaum aus der Wohnung und wenn, dann nur an einer Sicherheitsleine. Das ändert sich, als ein neugieriges Mädchen namens Shelly in das düster wirkende Haus einzieht und mit ihrer Fantasie Schwung in Tonys einsamen Alltag bringt. Können die Beiden das Rätsel um den Geist des Hauses lösen, der vom geheimnisvollen Hausmeister mit Licht gefüttert wird und jedes Mal wächst, wenn sich die Hausbewohner:innen streiten?
Ab 9 Jahren; Tschechien/Slowakei/Ungarn 2023, 82 Minuten
Die Brüder Etienne und David sind Alien-Fans und verbringen jede freie Minute mit der Suche nach außerirdischem Leben. Unerwartet stirbt der kleine Bruder. Etienne möchte das nicht wahrhaben, er glaubt fest daran, dass David von Aliens entführt wurde und sucht gemeinsam mit seinen Freunden verbissen nach einem Beweis dafür. Ein besonderes Walkie Talkie, ein Raketenauto und ein eigentümlicher Schrotthändler helfen Etienne nach und nach den schweren Verlust zu akzeptieren.
Ab 10 Jahren; Kanada 2023; 1½ Stunden
Michael wäre lieber daheim geblieben, als mit seiner Familie eine abenteuerliche Weltumsegelung zu unternehmen. Während eines Sturms wird der Junge auf hoher See von Bord gespült und findet sich mit seinem Hund Stella auf einer einsamen Insel wieder. Ganz verlassen ist diese jedoch nicht: Der geheimnisvolle Beschützer der Insel kümmert sich anfangs zwar nur widerwillig um Michael, bringt ihm aber mit der Zeit die paradiesische Natur näher und lehrt ihn die Tiere vor Wilderern zu retten.
Diese klassische Abenteuergeschichte mit Happy End ist als farbenprächtiger Animationsfilm inszeniert, der die Schönheit der Natur und das wichtige Thema Artenschutz hervorhebt.
Ab 10 Jahren; Großbritannien/Luxemburg/Frankreich 2023; 84 Minuten
Amanda ist wenig begeistert, als ihre Lehrerin sie bittet, Buddy für einen neuen Mitschüler zu werden. Durch ihre gemeinsame Leidenschaft für Harry Potter und magische Rollenspiele werden Amanda und Lars schnell Freunde. Da entdeckt das Mädchen, dass Lars auf einer Online-Plattform gemobbt wird, weil er das Down-Syndrom hat. Hin- und hergerissen zwischen den coolen Mädchen der Klasse, „peinlichen“ Videos und ihrem Schützling steht Amanda Lars im entscheidenden Moment nicht bei. Wie schafft sie es bloß, sich zu entschuldigen?
Einfühlsam zeichnet der Film Amandas Dilemma nach und zeigt sehr klar, wie wichtig es ist, gegen Mobbing in sozialen Medien und für seine wahren Freund:innen einzutreten.
Ab 10 Jahren; Norwegen 2023; 88 Minuten
Finnland im Jahr 1927: Die 12-jährige Stina lebt in ärmlichen Verhältnissen und leidet, so wie viele damals, an der Lungenkrankheit Tuberkulose. In der Hoffnung auf Heilung wird sie in ein abgeschiedenes Sanatorium geschickt, wo sie auf Christine und Astrid trifft – zwei Mädchen, die ebenfalls krank sind. Sehr schnell wird Stina und ihren Freundinnen klar, dass im Sanatorium seltsame Dinge vorgehen. Ein mysteriöser Junge taucht mitten in der Nacht auf und warnt sie vor der tödlichen Gefahr, die von Dr. Hagmann ausgeht…
Ab 11 Jahren; Finnland 2023; 1½ Stunden
Die liebevolle, laute Familie rund um den 16-jährigen Jaap Peter, genannt Jippie, ist voller Vorfreude auf die Hochzeit seiner ältesten Schwester. Auf dem Landsitz des Großvaters lernt Jippie das Mädchen Lilly kennen und entdeckt ein neues Gefühl: Schmetterlinge im Bauch. Jippie ist überzeugt, dass das Mädchen genauso empfindet. Als deutlich wird, dass Lilly sich zu seiner jüngeren Schwester hingezogen fühlt, fällt ihm das schwer zu akzeptieren. Auch bei den anderen Familienmitgliedern gehen die Emotionen hoch und die Nerven liegen angesichts der großen Feier zusehends blank.
Ab 12 Jahren; Niederlande 2023; 95 Minuten
Der 14-jährige Elias ist zum ersten Mal richtig verliebt – in einen Jungen. Der Heranwachsende kämpft gegen seine Gefühle für Alexander an, die sein bisher behütetes Leben komplett durcheinanderbringen. Elias streitet sich mit seinen Freund:innen, seinem Vater, der als bekannter Schlagersänger ausgerechnet über die erste Liebe singt – eigentlich allen, die ihm nahestehen. Gut, dass Elias einen Großvater hat, der ihn bestärkt seine Gefühle zu genießen und den Jungen ermutigt, Familie und Freund:innen davon zu erzählen.
Ab 12 Jahren; Belgien/Niederlande 2024; 97 Minuten
Bruno lebt mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder in einer kleinen Stadt in Brasilien. Als bei dem 15-jährigen lebenslustigen Teenager eine unheilbare Augenkrankheit diagnostiziert wird, die zur Erblindung führen wird, ist das für alle ein schwerer Schlag. Darüber hinaus muss sich Bruno auch durch die Wirren des Teenageralltags kämpfen: Partys, Rivalitäten und unerfüllte Liebe. Als die vollständige
Erblindung früher als erwartet und sehr plötzlich einsetzt, verliert sich Bruno anfänglich in Angst und Hoffnungslosigkeit. Doch nach und nach kann er sein Schicksal annehmen und daran wachsen.
Ab 13 Jahren; Brasilien 2022; 108 Minuten
Neuseeland 1981: In Josh Waakas Schuhen möchte man nicht stecken. Als übergewichtiger Teenager ist er hin- und hergerissen zwischen den Erwartungen seiner Rugby besessenen Familie und dem Wunsch Theaterschauspieler zu werden. Dem sozialen Abseits setzt er eine große Portion sarkastischen Humor entgegen. Während im Land gesellschaftspolitische Unruhen ausbrechen, kämpft Josh vor allem mit sich selbst. Langsam erkennt er, dass es in seiner eigenen Verantwortung liegt, das Erbe seines Vaters anzunehmen und für die Rechte der Maori zu kämpfen.
Ab 14 Jahren; Neuseeland 2023; 110 Minuten
Trotz der großen Vorfreude hält die Zeit vor Weihnachten auch einige Aufregungen bereit: Die Hütte des Weihnachtsmanns treibt auf einer Eisscholle davon, im Wald lässt sich kein einziger Nadelbaum mehr finden und just vor dem Heiligabend wird der Hahn im Stall krank. Fünf verschneite Abenteuer fangen die Magie dieses Festes, das so viele Menschen und Tiere in Liebe verbindet, auf ganz unterschiedliche Art und Weise ein.
Die außergewöhnlich liebevoll gestalteten Kurzfilme rund um das Thema Weihnachten bedienen sich verschiedenster Animationstechniken. Sie lassen sich als leises Plädoyer für mehr Achtsamkeit lesen – für sich selbst, die anderen und die Natur.
Ab 5 Jahren; Frankreich / Deutschland 2024; 70 Minuten
Ummi & Zaki
Das kleine Nilpferdmädchen Ummi sucht Abwechslung und findet sie in dem kleinen „Spinner“ Zaki, mit dem sie gemeinsam die abenteuerlichsten Fantasien durchlebt.
Deutschland 2024; 4:23 Minuten
Boris‘ Bäckerei (La Boulangerie de Boris)
Was macht ein Bäcker, wenn er eine Mehl-Allergie bekommt? Taucherbrille und Schnorchel aufsetzen? Den Mut verlieren und Trübsal blasen? Boris weiß es besser und holt sich Hilfe in die Backstube.
Kroatien / Frankreich / Schweiz; 8:15 Minuten
Für immer sieben
Manchmal findet man sich, auch wenn man sich nicht sucht. So wie diese sieben Tiere, die plötzlich entdecken, wie großartig es ist, etwas gemeinsam zu machen.
Deutschland 2024; 9:25 Minuten
Der fantastische Flugwettkampf (De fantastische vliegwedstrijd)
Nach dem Motto „Die Letzten werden die Ersten sein“ endet der Flugwettbewerb der buntesten Vögel mit einer Überraschung. Die eigentlichen Sieger sind – ganz nebenbei – die außergewöhnlichen und fantasievollen Flugmaschinen.
Niederlande 2021; 5:46 Minuten
Was ist in der Kiste? (Wat zit er in die kist?)
Während die Kiste durch vorbeiziehende schemenhafte Landschaften transportiert wird, verändert sich die Größe und dadurch auch die Vorstellung von dem, was drinnen sein kann.
Belgien 2023; 9:37 Minuten
Fleckenlos (The Missing Spots)
„Ich bin gut so, wie ich bin“: Diese Weisheit kann der kleine Leopard auf der Suche nach seinen Flecken erst nach und nach entdecken.
Österreich 2023; 2:22 Minuten
Der Geräuschesammler – ab ins Boot! (The Sound Collector – Float Your Boat!)
Den Fluss entlang schippernd begegnet der kleine Geräuschesammler mit seinem Mikrofon allen möglichen Geräuschen der Natur.
Großbritannien 2023; 5:08 Minuten
Blumenstrauße (Bouquet)
Ein zarter und poetischer Film, in dem die Sprache der wunderschönen, getrockneten Blumen die anfängliche Skepsis eines kleinen Mädchens gegenüber der alten Dame im Rollstuhl in Zuneigung verwandelt.
Frankreich 2023; 3 Minuten
Netze in mehreren Reihen hängen wie Vorhänge zwischen Publikum und Bühne. Auf einer Parkbank an Seilen schaukelt ein Mann mit Melone auf dem Kopf. Im Hintergrund – wieder vor einem großen im Halbrund hängenden Netz sitzen fünf Musiker:innen – zwei mit Blasinstrumenten, eine mit einem Streichinstrument, eine mit einer Harfe und einer mit Akkordeon. Vorne am Netz stehen zwei Hochstühle wie sie Schiedsrichter:innen bei Tennis-Matches haben, um das Geschehen genau zu beobachten.
So präsentiert sich die Szenerie im großen Sall des Theaterhauses für junges Publikum im MuseumsQuartier, dem Dschungel Wien. Auf dem Programm steht in Zusammenarbeit mit dem Festival Wien Modern „Die Prinzessin – ein Schönbergmärchen“. Arnold Schönberg, Erfinder der 12-Tonmusik und damit sehr oft mit dem Etikett „schwierig“ verschrien.
Aber nichts da – die nicht ganz eine Stunde – Regie: Regie: Nina Kusturica – funktioniert schon für recht junge Kinder – und erfreut „ältere Semester“ ebenso. Voller Lust und Laune spielen die Musiker:innen ebenso wie der genannte Schauspieler und seine Kollegin, die mitten zwischen den beiden Publikumsreihen erst die Bühne entert.
Die Geschichte von einer Tennis spielenden Prinzessin in einem Match mit einer Herzogin, bei dem erstere auf den Hintern fällt und sich blaue Flecken holt, stammt vom berühmten Komponisten (1874 – 1951), dessen Geburtstag sich heuer zum 150. Mal jährt. Für seine Kinder dachte er sich immer wieder ziemlich schräge Geschichten aus, die er ihnen erzählte. Jahre später musste er sie noch einmal erzählen und sie wurden aufgenommen. Die zehnminütige kannst du mit seiner Stimme im Internet auf der Homepage des Arnold Schönberg Centers anhören – Link in der Info-Box am Ende des Beitrages.
Selbst die Kurzversion enthält schon viele sehr schräge Momente, insbesondere mit einem Prinzessinnen-Diener namens Wolf. Details seine nicht verraten. Ansehen, anhören – macht so schon Spaß, aber wenn die verschiedenen Überraschungsmomente dazukommen doch noch ein bisschen mehr. Aus der kurzen Geschichte hat Gertrud Schönberg, die zweite Frau des Komponisten, selber Opern-Librettistin (Texte dieses Musik-Genres), eine noch längere, eben mehr als eine ¾ Stunde füllende geschrieben. Mit zusätzlichem Witz rund um das vierbuchstabige Hinterteil, das der Prinzessin wehtut – und der Frage, ob eine so hochstehende Person überhaupt das Wort Popo sagen dürfte…
Jesse Inman spielt die Prinzessin, Stefanie Sourial die meisten anderen Figuren. Manches Mal schlüpft auch Erstere in andere Rollen. Zwischen den beiden und den Musiker:innen gibt es ein wunderbares Zusammenspiel – ergänzend, hin und her in einer Art Ping-Pong, oder angesichts der Story und des Ambientes eher Tennismatches. Schräg wie die Story und das Schauspiel ist nicht selten auch die Musik – komponiert von Margareta Ferek-Petrić mit Zitaten aus Arnold-Schönberg-Kompositionen und neben Musik auch die zu den jeweiligen Situationen passenden Geräusche, produziert von den Musiker:innen mit ihren Instrumenten. Umgesetzt von Florian Fennes auf Saxofone, Klarinette und Flöten, Bogdan Laketić (Akkordeon), Ana Topalović (Violoncello), Tina Žerdin (Harfe) und nicht zuletzt Bertl Mütter mit der Posaune. Die Cellistin tanzt in einer Szene mit ihrem Instrument, der Posaunist hat einen großen Auftritt in dem er scheinbar fest blasend es schafft lautlos zu agieren.
Die Netz-Vorhänge (Bühne: Selina Traun) auf mehreren Schienen werden von den beiden Schauspieler:innen immer wieder spannend und humorvoll verändert – so sind einige Teile verknotet ein großes Boot, in dem die beiden auf den Tennis-Richterstühlen rudern oder paddeln. Sie bilden aber auch eine Art Tennis-Netz oder ein Kopftuch für die Großmutter, die in der Geschichte vorkommt und vieles mehr.
Und so nebenbei eingestreut wird neben der auch gar nicht so bekannten von Schönberg ausgedachten Geschichte auch erzählt, dass er alle möglichen Dinge erfunden hat; unter anderem ein „Rastral“ – fünf miteinander verbundene Stifte, um gleichzeitig Notenlinien ziehen zu können, Entwurf für eine mechanische Notenschreibmaschine, eine Löschwiege – ein halbrundes Ding, auf dem ein Löschpapier eingespannt wird, um mit Tinte Geschriebenes wie mit einer Wiege schneller löschen zu können, ohne es zu verwischen – etwas, das es später auch tatsächlich gab. Nicht im Stück vorkommt die aber viel bekanntere Erfindung des „Koalitions-Schachs“ – ein Schachbrett für vier Spieler:innen, zwei mit je zwölf und zwei mit je sechs Figuren von den Seiten.
Versammeln sich die Jungs aus Longverne, um ihre Altersgenossen aus Velrans mit einem Transparent als „Hohsenscheisser“ zu beschimpfen – und sich nicht als die besten Rechtschreiber zu outen, so stürmen die Geschmähten zwischen den Publikumsreihen auf die Bühne der Wiener Volksoper.
Sonntagvormittag feierte eine spiel-, sanges- und musizier-freudige Version des französischen Klassikers der Bandenkonflikte, „Der Krieg der Knöpfe“ nach dem Roman von Louis Pergaud eine vielumjubelte Premiere mit standing ovations. Gegenüber dem Roman weist dieser musikalische „Krieg“ (Idee, Textfassung und Regie: Johanna Arrouas) einerseits eine viel stärkere, selbstbewusstere Rolle der Mädchen auf. Weder bei den Longvernern noch bei den Widersachern aus Velrans lassen sich die auf dienende Nebenrollen abschieben und glänzen mit mehr Schläue und Tatkraft.
Die 15 „Bandenmitglieder“ – Paulina Eder, Philippa Eisinger, Clemens Gruber, Camillo Kirchhoff, Michael Mocnik, Benjamin Ruzek, Hans Schmutzhard, Benjamin Wacks, Mara Westerkamp (Longverne) sowie Leon Forster, Maya Klipfel, Konstantin Pichler, Konstantin Scripcaru, Leopold Sommer, Leopold Wetter (Velrans) – stehen in Spiel- und Sangesfreude und -Können ihren erwachsenen Mitspieler:innen um nichts nach. Offenbar als Andenken an den Autor des Romans heißt der Lehrer hier übrigens Louis statt wie im Original Simon. Ihn verkörpert Nicolaus Hagg als den verständnisvollen unter den „Großen“, im Gegensatz zum strengen, verständnislosen Marcel Lebrac, Vater des Anführers (Peter Lesiak). Maries Mutter Jeanne (Julia Koci) ist im Dauer-Überlebenskampf und die Besorgte, die das aber nicht zugeben will. Den Gendarm Joseph (Florian Carove) hat die Regie – zum Gaudium des Publikums – als saufenden Dauerdeppen, aber doch – wie vieles andere mit Augenzwinkern – angelegt.
Weil schon das Original – übrigens längst mehrfach verfilmt – aus Frankreich kommt, sind in diese Fassung mehrere französische Chansons, manche auch in Originalsprache eingebaut, unter anderem als vielleicht bekanntestes „Les Champs Elysées“ über die gleichnamige berühmte Straße in Paris – hier mit einem neuen Text über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die der Lehrer den Schülern vermitteln will.
Musikalisch begleitet werden die Spieler:innen live von Musiker:innen, die sozusagen mitten im Dorf (Bühne und Kostüm: Christof Hetzer) sitzen bzw. wie der Kontrabassist (Antal Racz) zwischen Häusern stehen oder der Schlagzeuger (Michael Kahlig) am Rand zum Wald Platz nimmt: Akkordeon und musikalische Leitung: Helmut Stippich, Gitarre: Andrea Wild, Violine: Elena Krylova, Klarinette: Stephan Neubauer.
Deutlich stärker noch als im Roman schwingt in den 1¼ sehr kurzweiligen Stunden aber auch die Sinnlosigkeit des Bandenkrieges mit. Warum sind wir eigentlich Feinde? Weil schon unsere Väter, … Ururururgroßväter und so weiter. Wobei hier in einer klitzekleinen Szene sich uralte Dorfbewohner:innen an den Ausgangspunkt erinnern: Haben die einen um Regen gegen die Trockenheit gebetet, so wollten die aus dem Nachbardorf mehr Sonne.
… geistern immer wieder als Horrormeldungen durch Medien. Gewalttätige Auseinandersetzungen sind wirklich nicht lustig, gefährden Gesundheit, mitunter auch Menschenleben und das gar nicht nur der Beteiligten. Dazu kommt, dass immer wieder Kinder nicht nur zivile Opfer in Kriegen sind, sondern nicht selten zu Gewalttaten gezwungen werden – Stichwort Kindersoldaten.
Vor diesen Hintergründen schwingt eine beträchtliche Skepsis mit, wenn „Der Krieg der Knöpfe“, DER Klassiker der fast romantisierenden Schilderung eines Banden-Konflikts, als Musiktheater auf die Bühne kommt. Aber wenig Anlass zur Sorge: In Wahrheit ist schon der Roman von Louis Pergaud aus 1912 trotz aller Lust an List, Hauerei und Kraftausdrücken keine Verherrlichung der Gewalt, sondern – mehr zwischen den Zeilen – ein ständiges Hinterfragen des Sinns dieses Konflikts, bei dem nicht zuletzt ums Abschneiden von Knöpfen geht. Die Volksopern-Version durchzieht das noch um einiges stärker.
Erdig, ländlich, aber alles andere als idyllisch schildert Laura Franziska Urdl, die Gewinnerin der Kategorie Text beim jüngsten Dixi-Kinderliteraturpreis, das Leben zumindest zweier Kinder, des ich-erzählenden, namentlich nie genannten, und von Toto in „Munkelmoor“ – so der Arbeitstitel für die Geschichte. Die beiden Kinder, die in der Nähe eines Sumpfes aus vielen Gerüchten, nicht gerade feinen Geschichten, aber auch von viel Schweigen leben, fühlen sich dementsprechend alles andere als wohl. Ihr Trost und ihre Stärke: Sie haben sich, miteinander kämpfen und wandern sie ums Überleben – auf der Suche nach neuen Eltern. Und wenn es nur in der Fantasie sein mag; Ein kurzer Text-Auszug in einem eigenen Beitrag, unten am Ende des Beitrages, verlinkt.
Ihre Kollegin aus der Kategorie Illustration, Juliana Guger, siedelte ihre siegreiche Einreichung ebenfalls am Land an. „Da stehe ich drauf“, so der vorläufige Arbeitstitel, entführt die Leser:innen, gleichzeitig vor allem Schauer:innen ein eine doch fast idyllisch wirkende Landschaft, wo Kinder bloßfüßig durch die Gegend laufen, auf Bäume klettern, Löcher und Tunnel graben. Und niemand über schmutzige Füße oder Kleidung schimpft. Gleichzeitig verleihen die knappen Texte für das mögliche Bilderbuch riesige (kinder-)philosophische Weitblicke bei Versuchen, die Welt zu entdecken – Lese- und Schauprobe ebenfalls in einem eigenen, ebenfalls unten am Ende des Beitrages verlinkt.
Zum 24. Mal wurden diese Preise vergeben, dieses Mal wieder – nach einigen Ausflügen – im Figurentheater Lilarum, das zur (wahl-)familienartigen Atmosphäre der heimischen Kinderliteraturszene beiträgt, wie viele der Gäst:innen anmerkten. Der 2001 erstmals vergebene Preis geht jeweils an junge Künstler:innen in den Sparten Text, Illustration, manches Mal auch zusätzlich Lyrik, die bis dahin noch nichts veröffentlicht haben. Und er zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht mit Geld, sondern mit Coaching durch Profis aus der Szene verbunden ist, die Tipps und Hilfe geben, die eingereichten Werke vielleicht noch zu verbessern, Kontakte zu Verlagen herstellen oder Besuche bei internationalen Messen (mit-)organisieren.
Bei der Preisverleihung vor fünf Jahren wurde eine Statistik präsentiert, dass bis dahin – es war die 19. Ausgabe dieses Preises – die Gewinner:innen der ersten 18 Jahre bereits mehr als 100 Bücher veröffentlicht hatten. Womit sozusagen die Intention, die am Beginn stand, ziemlich (über-)erfüllt wurde. Bei der nächsten (Jubiläums-)Preisverleihung, der dann 25., wird es – so wurde Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… versprochen, einen neuen Erfolgs-Überblick geben.
Bei der eben angesprochenen Preisverleihung vor fünf Jahren hatte Matthäus Bär die Kategorie Text gewonnen – mit „Die Wasserschweine und der Geburtstagsbrokkoli“. Heuer ist dieses Kapitel in seinem Buch „Drei Wasserschweine brennen durch“ erschienen – Buchbesprechung unten verlinkt. Übrigens, wegen des Erfolges bereits in vierter Auflage und auf der Website kündigt dtv schon Band 2 „Drei Wasserschweine wollen’s wissen“ an. „Der erscheint im April“, verrät der Autor Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… am Rande der jüngsten Preisverleihung, bei der er aus dem Buch las, aber auch Sachinformationen über die Capybara lieferte; wie sie praktisch in allen nicht-deutschsprachigen Ländern heißen, sind sie doch keine Schweine, sondern Nagetiere, was übrigens auch für Meerschweine gilt.
Der Name dieses Preises ergibt sich vom Sponsor, der die bekannten Traubenzucker herstellt. Und – so wurde bei der jüngsten Preisverleihung (wieder einmal) berichtet -, von dem die Initiative ausgegangen ist. Klaus Muik, Geschäftsführer von Instantina (der Herstellerfirma) der auch für Vertrieb und Marketing zuständig ist, hatte eine Initiative gesucht, die sein Unternehmen sponsern wolle. „Es sollte etwas sein, das Qualität für Kinder fördert.“ Und so landete er beim Institut für Jugendliteratur und dessen Geschäftsführerin Karin Haller. Rasch war die Idee für diese Art der Kinderliteratur-Förderung geboren.
Übrigens: Haller, die meistens die Preisverleihungen moderiert hatte, wurde bei der jüngsten dieser Veranstaltungen feierlich verabschiedet, sie ist seit kurzem in Pension – und wird künftig in anderen Feldern Schreibwerkstätten leiten. Wie ihre Nachfolgerin, Stefanie Schlögl, anmerkte, habe die überraschende Ehrung ihrer Vorgängerin diese übrigens zum ersten Mal für einen Moment sprachlos gemacht 😉
In der fundierten und doch launigen Moderation bzw. der Führung des Interviews mit den Preisträgerinnen stand Klaus Nowak, der im Institut für Jugendliteratur für Literaturvermittlung und die Web-Inhalte zuständig ist, seiner (ehemaligen) Chefin übrigens um nichts nach.
Die Preisverleihungen werden stets musikalisch umrahmt – dieses Mal von der Sängerin Maria Rank und dem Musiker Dieter Stemmer am Keyboard. Gefühlvolle, meist weniger bekannte Jazz-Songs – „Shiny Stockings“, „No Moon al All“, „I Can’t Give You Anything but Love“, „Please Don’t Talk About Me When I’m Gone“. Was in den zum Mitschwingen einladenden Songs nicht zu hören war: „Wir sind hier heute zum ersten Mal zusammen aufgetreten“, verraten sie bei der vernetzenden After-Show-Party in den Räumen des Theaters in Wien-Landstraße.
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