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Illustrations-Preisträgerin Juliana Guger präsentiert Bilder ihres Schaffens

„Da steh ich drauf“

Scheibbs – Linz – Salzburg – München – Schweden – Großbritannien – Scheibbs – so nennt die Homepage des Instituts für Jugendliteratur, wo der Dixi-Kinderliteraturpreis beheimatet ist, die Lebensstationen der Gewinnerin des 24. Preises, in der Kategorie Illustration. Kunstpädagogik, Philosophie/Psychologie (Lehramt), Lehrgang Kinderbuchillustration bei der renommierten Renate Habinger im Kinderbuchhaus Schneiderhäusl – so die Ausbildungen der Lehrerin für Kunst und Psychologie an einer Montessorischule.

Bei der Preisverleihung stellte sie nicht nur ihr prämiertes Werk „Da steh ich drauf“ vor, sondern zeigte auch Ausschnitte aus einem wortlosen Bilderbuch mit dem spannenden Titel „Tief oben und hoch unten“.

Aus dem ausgezeichneten Werk stellte sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… die hier im Folgenden abgebildete Doppelseite zur Verfügung; den dazugehörigen (kinder-)philosophischen Dialog darunter im Bildtext.

Linke Seite: „Ich halte Ausschau nach ihm und ärgere mich, weil ich nicht weit sehen kann. Nicht einmal bis zum Ende der Welt.“ Rechte Seite: „Das Ende der Welt gibt es gar nicht. Du kannst von dieser Erde nicht runterfallen. Sie hat keinen Anfang und kein Ende. Sie ist rund.“ Juliana Guger
Linke Seite: „Ich halte Ausschau nach ihm und ärgere mich, weil ich nicht weit sehen kann. Nicht einmal bis zum Ende der Welt.“
Rechte Seite: „Das Ende der Welt gibt es gar nicht. Du kannst von dieser Erde nicht runterfallen. Sie hat keinen Anfang und kein Ende. Sie ist rund.“

Hier noch einige Fotos von der Präsentation Gugers – und damit weitere Einblicke in ihre Bilder. Fotos von der Preisverleihung, den Bühnen-interviews und Gruppenfotos mit ihrer Kollegin aus der Kategorie Text usw. gibt es in der Überblicks-Story zur Preisverleihung.

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julianaguger

Gewinnerin des Dixi-Kinderliteraturpreises 2024 in der Kategorie Text, Laura Franziska Urdl, bei ihrer Lesung bei der Preisverleihung

„Munkelmoor“

Rapperin, Kunstvermittlerin, Autorin, Zeichnerin – vielseitig künstlerisch aktiv ist die Gewinnerin der Kategorie Text des 24. Dixi-Kinderliteraturpreises, Laura Franziska Urdl.

Geboren 1997 in Gutenberg an der Raabklamm, lebt sie seit vielen Jahren in Graz, wo sie zur Zeit die Meisterklasse für Malerei an der Ortweinschule besucht, wie sie der Homepage des Instituts für Jugendliteratur, Ausrichterin des Preises, bekanntgab. Gemeinsam mit Jennes Menace ist sie das Duo „Stirnbänd“ für die sie auch schräge Illustrationen, teils im Stile von Kinderzeichnungen anfertigt(e) im Stil, Kunstvermittlung macht sie bei <rotor>, einem Zentrum für zeitgenössische Kunst. Und sie liebt es wie sie im Bühnen-Interview erzählte in einer regelmäßigen Schreibwerkstatt gemeinsam mit anderen experimentell zu texten und danach gemeinsam darüber zu reden.

Beim jüngsten Dixi-Kinderliteraturpreis im Wiener Figurentheater Lilarum hat sie einen Text unter dem Arbeitstitel „Munkelmoor“ eingereicht, daraus bei der Preisverleihung vorgelesen und Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… folgenden Auszug zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt:

„Tatos Hand hatte ich die ganze Zeit über nicht losgelassen. Ich tat sehr zielstrebig. Ich tat es für ihn und ich tat es auch für mich. Ich marschierte feinem Regen und Wind entgegen. Ich sagte: „Es ist nicht mehr weit“, obwohl ich gar nicht wusste, was „es“ eigentlich war.
Tato ging hinter mir. Die Hand, die nicht in meiner lag, hatte er zu einer Faust geballt, die der ganzen Welt trotzte.
„Wie tapfer er doch ist“, hatte ich gedacht.“

Laura Franziska Urdl

Hier noch einige Fotos von der Lesung; von der Preisverleihung, den Bühnen-interviews und Gruppenfotos mit ihrer Kollegin aus der Kategorie Illustration usw. gibt es in der Überblicks-Story zur Preisverleihung.

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insta -> stirnbaend

Szenenfoto aus "Tragic Magic Today"

Muss DER Song immer gleich performt werden?

Vor einer riesigen orangefarbenen Hügellandschaft und einem weniger breiten lila Hügel spielen eine Luft-Gitarristin mit zwei Alien-artigen Plüschfiguren, die sie auf ein Fake-Keyboard setzt, sowie eine später dazukommende Schnecken-Darstellerin eine ziemlich schräge Geschichte: „Tragic Magic Today oder Was machen Schnecken, wenn sie sich erschrecken?“ im Vestibül des Wiener Burgtheaters – seit der neuen Intendanz verstärkt in der Kurzform „Burg“ genannt.

Die blau gekleidete Janna Pinsker an der imaginären Gitarre kündigt ziemlich euphorisch die Performance eines, nein DES Songs dieser ungewöhnlichen Band an. Die Hügel spielen ebenso mit wie sieben kleine grüne auch ein wenig Alien-artige Stoff-Figuren auf einem blinkenden Teil eines Schlagzeugs. Und das Publikum soll ausrasten – aber vorerst eher fast auf Befehl – per Handzeichen der Musikerin.

Die rot gewandete Schnecken-Darstellerin – beim Besuch von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr bei einer vormittäglichen Schulvorstellung Wicki Bernhardt (bei anderen Vorstellungen Caroline Creutzburg) – zieht kriechend ihre Runden. Ebenso immer gleich wie die Luft-Gitarristin in ihren Bewegungen – und die aus dem Off kommende Stimme der Hauptsängerin Frau Bernhardt, einem großen Stoff-Fantasie-Insekt.

Tanzen im Dunklen

Die beiden genannten Performerinnen, die sich die Show ausgedacht und auch inszeniert haben, ließen sich von der Musikerin Laura Landergott eine Coverversion von Bruce Springsteens „Dancing in the Dark“ schreiben (auch wenn das weder im Programmheft noch auf der Website bekannt gegeben wird). Diese Nummer spielen sie immer und immer wieder gleich – mehrmals. Beginnt irgendwann langweilig zu werden.

Da taucht auch schon vom Eingang her eine dritte Person auf und versucht ein großes Plakat auf einer Art Einkaufswagerl in den Saal zu schieben: Die Veränderung steht in riesigen Buchstaben drauf. Keine Chance, sie wird von der Performerin hinausgedrängt. Sie will den Song so und genau so und nur so wie immer und sicher nie anders  vortragen. Die Schnecken-Darstellerin zeigt sich da eher offen dafür, es einmal auch anders zu interpretieren. Doch ihre Kollegin ist die dominantere. Noch.

Veränderung

Klar, dass sich was tun wird, soll und muss in der „tragischen Magie heute“ – würde das Publikum wahrscheinlich sonst noch unruhiger werden lassen. Auf Stimmen bis dahin wurde ohnehin kaum reagiert. Und außerdem ist „Tragic Magic Today“ (tragische Magie heute) so angekündigt: „In dieser Performance dreht sich alles um Veränderung“.

Und so probieren – im dritten Anlauf wird die Veränderung – doch auf die Bühne geschoben (am Tag des KiJuKU-Besuchs von Jojo Lämmel). Der Song wird nun einmal ur-laaaaaaaaangsam gesungen und getanzt, was klarerweise die Schnecke total liebt. Dann im Zeitraffer, dann einmal mit auf deutsch übersetztem Text. Irgendwann dazwischen hauen die sieben schlagzeugenden Stofftiere per Flug-Angel ab, der orangefarbene Hügel, der gern eine Wolke wäre, schwebt nach oben – samt Gewittergeräuschen und Lichtblitzen…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Tragic Magic Today oder Was machen Schnecken, wenn sie sich erschrecken?“

„Zugabe!“-Rufe

Die mehrfachen Veränderungen reißen auch das Publikum (wieder) mit, was die jungen Besucher:innen am Ende mit – spontanen eigenständigen (und nicht mehr Ausrasten auf Handzeichen) „Zugabe!“-Rufen belohnen. Und nach Rücksprache mit der Technik auch bekommen.

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Tragic Magic Today oder Was machen Schnecken, wenn sie sich erschrecken?“
Szenenfoto aus "Und alles" vom Tiroler Landestheater - allerdings in teils anderer BEsetzung als beim Gastspiel im Wiener Akzent Theater

„Nur Trash und Tragödie“ – vor solchen Nachrichten flüchtet der 12-Jährige

Düster präsentiert sich die Bühne. Eine Art Vorhang aus Kunststoff-Sackerln und Säcken, davor wahllos rumkugelnde Autoreifen. Bevor sich diese „Müllhalde“ als Spielplatz für das (tod-)ernste Stück „Und alles“ (von Gwendoline Soublin) mit dennoch einigem an Humor entpuppt, tauchen die vier Schauspieler:innen sozusagen unter Wasser – Licht- und Sound-Effekte „zaubern“ das auf die Bühne.

Lauter schlechte Nachrichten

Es herrscht Aufregung. Die achtjährige Chalipa (gespielt von Julia Posch) sucht verzweifelt nach ihrem Bruder Ehsan (12). Ihr ist fad und sie will wen zum Spielen. Ihre allerdings auch erst 13-jährige Kinder-Sitterin Samantha, meist nur Sam genannte (Cansu Şîya Yıldız), hat wenig Zeit und noch weniger Lust. Eigentlich ist sie auf dem Sprung, einen Freund bei der Busstation zu treffen.

Doch Ehsan ist nirgends aufzufinden, auch in seinem Zimmer nicht – einfaches Umräumen, -schlichten oder verwerfen der Reifen ergeben den jeweils neuen Spielort. Beim Stöbern im „Saustall“ des Kinderzimmers von Ehsan stößt seine Schwester auf Notizen und dessen Tagebuch. Da hat er vor allem jede Menge Nachrichten aufgeschrieben, von Kriegen, Umweltkatastrophen, Abschmelzen des Eises der Polkappen und einem gestrandeten Wal. „Nur Trash und Tragödie!“ Er halte das alles nicht mehr aus, „ich hab’s satt!“ Keine Zukunft, keine Hoffnung. Er haue ab.
Wohin?

Ist er im Bunker?

Da kommt Chalipa die Idee: Im Garten haben sie einen Untergrund-Bunker – weitläufig und mit vielen Vorräten. Dort habe er ihn auch hineingehen sehen, deutet der auftauchende 4-jährige Nachbarsbub Nelson (Kristoffer Nowak) an. Doch die Klappe ist zu.

Jetzt wird auch Sam schön langsam nervös. Was wird der auf Dienstreise befindliche Vater der beiden Kinder sagen, wenn sie eines davon sozusagen verliert. Klopfen, der Versuch sanft den Buben aus dem Versteck zu locken mit seinem Lieblingsgericht bringen aber ebenso wenig Reaktion aus unter der Erde wie heftigere Ansprachen. Auch Sams Freund Salvador (Marko Sonkin) und der Einsatz seiner Werkzeuge lassen weder Klappe öffnen noch einen Ton von Ehsan hören.

Hilfe durch Empathie

Letztlich beschließen die vier, sie könnten Ehsan nur dazu bewegen, wieder aufzutauchen, indem sie sich in ihn hineinversetzen, ihn und seine Anliegen ernst nehmen, ihn in seinem Bemühen gegen die Klimakrise, für die Umwelt und für Frieden sich zu engagieren – mit einem dann doch sehr überraschenden Ende – das hier natürlich nicht verraten sei. Auch wenn das Stück in der Inszenierung des Tiroler Landestheaters, Abteilung Junges Theater (Regie: Felix Metzner; Bühne & Kostüme: Julia Neuhold; Dramaturgie: Uschi Oberleiter (vorläufig) nur mehr einmal als Gastspiel im Wiener Akzent Theater zu sehen ist (siehe Info-Block). Bei der Vormittagsvorstellung am 8. November 2024 für Schulklassen spendeten die Jugendlichen (ab 12 Jahren) immer wieder teils sogar heftigen Szenen-Applaus – und stellten urviele Fragen und Anmerkungen im Publikumsgespräch – mehr als dann letztlich drangenommen wurden.

Gute Nachrichten gesucht und erwünscht

Übrigens: Wenige Meter entfernt vom Theater Akzent, in dem das oben besprochen Stück spielt(e) und in dem es um die schlechten, katastrophalen täglichen Nachrichten geht, steht vor der Kirche St. Elisabeth ein Gebilde aus Kunststoff-Röhren wie sie bei Drainagen im Boden (zur Entwässerung) eingesetzt werden. Irritiert diese Installation zunächst ein wenig, so erklärt ein Plakat den Sinn: Ein gezeichnetes Megaphon und dazu in großen Buchstaben: „Gute Nachrichten..!!!! In Zeiten von Krisen laden wir dich ein, deine guten Nachrichten zu teilen…“

Die Pfarre „Zur Frohen Botschaft“ zu der diese und andere Kirchen dieses Bezirks und des Nachbarbezirks Margareten gehören, bittet Passant:innen hoffnungsfrohe Nachrichten, Schilderungen von positiven Erlebnissen usw. hier zu hinterlegen. An einer der Röhren gibt es Stifte und Zettel. In manchen Röhren lagen beim zufälligen Lokalaugenschein von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schon Kuverts. Versprochen wird, dass die Zettel an einer Wand in der besagten Kirche präsentiert werden. Darüber hinaus gibt es auf dem besagten Plakat einen QR-Code über den auf ein Padlet solche Nachrichten veröffentlicht werden können; aber auch Links zu Websites mit guten Nachrichten zu finden sind.

Ergänzend und nachträglich – nach Rückruf aus der Pfarre: Die Installation bleibt hier bis zum Aschermittwoch. Und sie wandert seit der Pandemie und zu verschiedenen Themen, gedacht als Art „Klagemauer“ – derzeit eben mit dem Aufruf bzw. Angebot des Gegenteils von Klagen, sondern der Bitte um positive Nachrichten!

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Doppelseite aus "Drei Wasserschweine brennen durch"

Drei Wasserschweine wollen mehr…

Raul, Emmy und Tristan leben in einem Tiergarten (Zoo). Und sie gehören einer Gattung an, die in einer Geschichte – außer in Sachbüchern – noch selten vorgekommen ist, als Hauptfiguren ziemlich sicher nicht. Die drei sind Capybara, im Deutschen werden sie Wasserschweine genannt – obwohl sie nicht mit Schweinen verwandt sind. Was im Übrigen auch für Meerschweine gilt – beides sind Nagetiere, die Ersteren sogar die größten (bis mehr als einen Meter lang und mehr als einen halben Meter hoch).

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Drei Wasserschweine brennen durch“

Das genannte Trio sind natürlich keine gewöhnlichen Vertreter:innen ihrer Art, sondern Held:innen mehrerer Abenteuer, die sich Matthäus Bär ausgedacht und geschrieben hat. Viele Jahre lang war er als Schreiber und Sänger neuer Kinderlieder bekannt, bevor er mit seiner Kurzgeschichte „Die Wasserschweine und der Geburtstagsbrokkoli“ vor fünf Jahren (2019) den Dixi-Kinderliteraturpreis in der Kategorie Text gewonnen hat. Diese Auszeichnung ist mit keinem Geldpreis verbunden, sondern einem Coaching durch Profis aus der Kinderbuch-Szene. Und die förderten und forderten Bär, aus der Geschichte mehr zu machen – ein erstes Buch ist bereits in 3. Auflage erschienen, Band 2 schon angekündigt.

Das kann nicht alles sein!

Mehr – das ist auch das, was der Autor seine drei Wasserschweine erkunden lassen will. Da muss es doch mehr als das eigene Zoo-Gehege geben. „Das kann doch nicht alles sein“, lautet der erste Satz, den Raul zu Beginn des Buches „schnaubt“. Und einige Zeilen später: „Jeden Tag dasselbe! Aufs Fressen warten und schlafen! Habt ihr euch noch nie gefragt, ob es nicht vielleicht mehr als das gibt?“

Klar, dass sich die beiden anderen seinem Wunsch anschließen, hieße das Buch doch sonst nicht „Drei Wasserschweine brennen durch“. Und es ist dann nicht nur Raul, der die jeweilige Initiative ergreift. Wenn das Trio vor den Wölfen gewarnt wird, ist Emmy zunächst die einzige, die die Gerüchte über die ach so bösen Tiere nicht glauben will. Sie gibt den Anstoß, dass auch alle anderen draufkommen, wie sozial diese Vierbeiner sind.

Die Ausgangsgeschichte mit dem Geburtstagsbrokkoli ist in einem Kapitel zwischendurch verpackt. Darüber hinaus kannst du mit den drei Wasserschweinen dich noch durch einige weitere Abenteuer lesen acht Kapitel und 133 spanende Seiten; übrigens ist auf der Verlagsseite bereits ein Band 2 angekündigt, der „demnächst“ erscheinen soll – „Drei Wasserschweine wollen’s wissen“.

Farbenfroh illustriert

Mehr sei nicht verraten – außer noch, dass die größten Widersacher der Wasserschweine die verwandten Meerschweine sind – womit nicht zuletzt mit dem Wort gespielt wird. Die meinen, das „Mehr“ würde allein ihnen gehören 😉

Der Autor mit einer der Erklär-Folien zu seinen tierischen Hauptfiguren
Der Autor mit einer der Erklär-Folien zu seinen tierischen Hauptfiguren

Ach ja, aber auch eines sei schon noch hingewiesen: Das nicht nur spannend, sondern immer wieder auch witzig geschriebene Buch wurde von Anika Voigt farbenfroh, liebevoll und auch amüsant illustriert. Bei einigen der Ganzseiten-Illustrationen, hätten hellere Hintergrundfarben allerdings die Lesbarkeit des Textes erleichtert.

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Über den Dixi-Linderliteraturpreis 2019 <- damals noch im KiKu

Mehr zum aktuellen Dixi-Kinderliteraturpreis 2024 und der Preisverleihung im Figurentheater Lilarum in den nächsten Tagen

Titelseite von
Titelseite von „Drei Wasserschweine brennen durch“
Karin Ammerer bei einer ihrer Lsungen beim KiJuBu-Festival in St. Pölten

Mosaik aus echten, wahren Fluchtgeschichten

Flüchtlinge – immer wieder sind sie (auch mediales) Thema. Meistens unter dem Gesichtspunkt, wie können sie davon abgehalten oder abgeschoben werden. So als wäre Flucht ein Verbrechen.

Wie und was veranlasst Menschen, ihre geliebte Heimat zu verlassen? Wie schwierig ist der Weg von (jungen) Flüchtlingen?

Die ehemalige Englisch- und Geschichte-Lehrerin Karin Ammerer, die mit Rate-Krimis für Volksschulkinder vor rund 20 Jahren den Sprung zur freien Autorin schaffte, unterrichtet seit einigen Jahren Deutsch in einem Flüchtlingsheim in der Oststeiermark. Aus den Gesprächen mit diesen ihren Schülerinnen und Schülern kam sie auf deren Lebensgeschichten.

Aus vielen dieser wahren Erlebnisse baute die Autorin von mittlerweile 50 Büchern eine fiktive Familie und schrieb all die echten Geschichten vieler verschiedener Flüchtlinge der erfundenen 15-jährigen Mayssam und ihrer Familie bzw. Freund:innen und Bekannte zu.

Leicht lesbar, aber heftig

Leicht lesbar geschrieben, aber schwer verdaulich kannst du nachvollziehen, warum Mayssams Vater, ein Apotheker, der nicht und nicht Syrien verlassen möchte, letztlich durch Gewalt im Bürgerkrieg dieses Landes doch entscheidet, mit den Kindern zu flüchten. Schwersten Herzens müssen sie Ehefrau bzw. Mutter und das jüngste Kind, fast noch ein Baby, bei den Großeltern zurücklassen. Die Frau ist so krank, dass sie die Schwierigkeiten einer Flucht nicht ertragen könnte.

Auf dieser werden Vater und die beiden Söhne von Mayssam und ihrer Cousine getrennt, gefährlichste und niederschmetternde Erlebnisse müssen die Protagonist:innen erleiden, letztlich landen sie in Sicherheit… – und weil der Verlag in Deutschland sitzt, musste die Autorin das echte Flüchtlingslager in Österreich gegen eines im Nachbarland austauschen. Das erzählte Karin Ammerer im Gespräch mit den Schüler:innen bei einer der Lesungen im Rahmen des aktuellen, 21., KiJuBu – Kinder- und Jugendbuchfestivals in St. Pölten.

Nachprüfen

Neben der Lesung so manch mitnehmender Passagen aus dem Buch – zu dem sie übrigens auch ein umfangreiches pädagogisches Begleitmaterial für den Schulunterricht (siehe Info-Block am Ende) sowohl zu Syrien als auch zu Flucht, aber auch zur medialen Berichterstattung und zur eigenen Recherche verfasste – suchte die Autorin vor allem das Gespräch über Fake News im Zusammenhang mit Flüchtlingen. Sie selbst habe immer wieder Gerüchte gehört, was alles Flüchtlingen staatlicherseits geschenkt würde. In jedem einzelnen Fall recherchierte und kam drauf: Alles erfunden. Sechs Euro pro Tag bekommen Flüchtlinge. Acht Zimmer für insgesamt 40 Flüchtlinge mit einer Küche und einem Herd für alle umfasse das Flüchtlingsheim „am Rande der Welt“, in dem sie Deutsch unterrichtet.

Was allen Flüchtlingen gemeinsam ist: Hoffnung, irgendwo in Sicherheit leben zu können!

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Thomas-Johanna Hauck bei seiner KiJuBu-Lesung im Foyer des ORF-Landesstudios NÖ im St. Pöltner Kulturbezirk

Mut machen fürs Anders-Sein

Was sein längstes Buch sei, wollte ein Schüler nach der Lesung von Thomas-Johanna Hauck wissen. Der hatte zuvor nicht nur Auszüge, sondern gleich das ganze Bilderbuch „Ich schenk dir ein A“ im Foyer des ORF-Landesstudios beim St. Pöltner KiJuBu (Kinder- und Jugendbuch-Festival) vorgetragen – Buchbesprechung hier unten verlinkt.

„Ungefähr 7 Meter und ein paar Zerquetschte“, antwortete Hauck. „Das war so ein Leporello, das wie eine Ziehharmonika gefaltet war. „Wenn du aber vielleicht meist, was das dickste Buch war, dann so 600 bis 700 Seiten – das ist das Drehbuch für einen Spielfilm, der gerade gedreht wird – in Tirol, auch in Südtirol (Italien). Der Film dreht sich um einen Geräuschesammler – von unerhörten Geräuschen (Buch: Graf Wenzelslaus, der Geräuschesammler, Bibliothek der Provinz).“

Verschiedene beliebteste Bücher

Die Frage nach dem beliebtesten Buch beantwortete der Autor, der auch Maler ist, als Schauspieler, Tänzer und im Zirkus aufgetreten ist und mehrere Filme gedreht hat, mehrfach: Am meisten verkauft sich „Die Sommersprosse“ (Bibliothek der Provinz), das immer wieder neue Auflagen hat. Aber er selbst hat immer sein jeweils jüngstes, aktuelles Buch am liebsten.

Sein allererstes war „Platschi, der Regentropfen“. Er sei ein Geschichtenerzähler. „Wenn mir wer zwei Wörter gibt, dann beginne ich sofort allen möglichen Sinn und Unsinn darüber und daraus zu erzählen“, verrät er selbstironisch den Schüler:innen. Und von Platschi habe er in jungen Jahren oft erzählt. Zu seinem 27. Geburtstag haben ihm Freunde ein Bilderbuch geschenkt. „Sie haben mich bei Erzählen aufgenommen und das abgeschrieben und dazu Zeichnungen gemacht. Und sie haben mir aufgetragen, ich müsse damit in die nahe gelegene Schule gehen und das vorlesen. Hätten die das nicht gemacht, vielleicht wäre ich nie Autor geworden.“

Persönliches

So wie das Buch rund um AdrianA haben auch viele andere seiner Geschichten viel mit ihm und persönlichen Erlebnissen zu tun. Und irgendwie schwingt immer mit: Mut, selber, auch anders als die meisten, zu sein bzw. sein zu dürfen!

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Doppelseite aus "Ich schenk dir ein A"

Oma als Mutmacherin für Enkel, der Ballett tanzen will

Adrian, ein Bub im rot-weiß-gestreiften Langarm-Leiberl und runder Brille spielt auf seinem Cello. Und träumt davon Berufsmusiker zu werden. So startet das Bilderbuch „Ich schenk dir ein A“ von Thomas-Johanna Hauck (Text) mit gezeichneten Bildern von Carmen Tung. Neben seiner offenen und gepflegten Leidenschaft für das Cello-Spiel hat Adrian aber noch eine – anfangs – heimliche Liebe. In seiner Musikschule kommt er immer am Tanzsaal vorbei, in dem Kinder Ballett üben.

Und so lässt ihn die Illustratorin zur Geschichte, die sich der Autor ausgedacht hat und von der er sagt, dass sie auch viel mit seinem Leben zu tun hat, zu Hause beim Üben an seinem Instrument mit diesem immer wieder auch tanzen. Aus einem glitzernden Polster-Überzug bastelt er sich sogar ein sogenanntes Tutu (Ballett-Rockerl).
Von so einem Auftritt träumt er hin und wieder. Aber zutrauen?

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Ich schenk dir ein A“

Mutmacherin

Nun ja, da braucht’s eine Mutmacherin. Die findet er in seiner Oma, die im Altersheim in einer eigenen Wohnung lebt, die ihm erzählt, dass sie selber in jungen Jahren Ballett getanzt hat. Und ihm – wie der Buchtitel schon verrät, ein A schenkt. Das Adrian am Ende seines Namens für seinen Konzert-Tanz-Auftritt aufs Plakat schreibt.

Warum?

Warum, so wollte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, vom Autor wissen, müsse der Ballett-Tanzwillige Adrian einen Mädchennamen bekommen, um seiner Leidenschaft zu frönen? Werde damit nicht erst recht wieder ein Klischee bedient? Statt – wie etwa in einem anderen Bilderbuch („Jo im roten Kleid“ von Jens Thiele) oder dem Jugendroman „Kicker im Kleid“ (von David Williams) – einfach einen Buben (Ballett-)Tanzen zu lassen? – Links zu den Besprechungen dieser Bücher weiter unten.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Ich schenk dir ein A“

„Das Buch hat viel mit meiner eigenen Geschichte zu tun“, vertraut der Autor dem Journalisten an – wie er es im Übrigen auch schon kurz bei seiner Lesung beim KiJuBu, dem Kinder- und JugendBuch-Festival in St. Pölten vor Schüler:innen angedeutet hat – siehe Link dazu gleich hier unten.

Persönliches

„Meine Mutter wollte eine Tochter, hatte sogar schon einen Namen für sie“. Weshalb der Autor längst diesen an seinen dann doch erhaltenen männlichen Vornamen anfügt. Bis zum Alter von fünf, sechs Jahren musste er sich im Fasching immer entweder als Prinzessin oder Rotkäppchen verkleiden. Der Vater wollte hingegen einen „richtigen Kerl, das war ich auch nicht. Gerettet hat mich, dass ich immer Kunst gemacht habe. Ich konnte mich in Bildern, in Texten, in Filmen ausdrücken. Und ich mag auch heute Klamotten, die von manchen eher als weiblich angesehen werden.“

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Ich schenk dir ein A“

Ausgangsbasis für „Ich schenk dir ein A“ war eine „ganz kleine Geschichte, die hieß Johanna tanzt. Die war sehr nahe an mir selber dran. Diese knackige, kurze Geschichte hab ich dem Achse-Verlag geschickt und sie vermischt mit zwei Kindern aus einem Filmdrehbuch, das ich geschrieben habe – und das aus Geldmangel nie verwirklich worden ist. Adriana verliebt sich in Adrian. Sie wollte immer ein Junge, er ein Mädchen sein…“

Ach ja, und Adrians Mutmacher-Oma hat sich Thomas-Johanna Hauck auch ein Beispiel an einer seiner Großmütter genommen, „die war echt revolutionär, obwohl sie eine Diakonissen-Schwester (eine Art Klosterschwester) war.

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Buchbesprechung „Kicker im Kleid“ <- auch noch im Kinder-KURIER

Titelseite von
Titelseite von „Ich schenk dir ein A“
Bildmontage aus Fotos einer lesung von Christoph Mauz, einem Regenwald-Workshop sowie einem Banner und dem Logo vonKiJuBu, dem Kinder- und Jugendbuch-Festival in St. Pölten

Von der Geisterbahn in den Regenwald

Laut und immer wieder auch performativ – das sind „Lesungen“ mit „Inten-Tante“ wie sich der Leiter des KiJuBu – Kinder- und JugendBuch-Festivals – in St. Pölten, Christoph Mauz, gerne nennt. Lesungen deshalb unter Anführungszeichen, weil er aus seinen jeweiligen Büchern nicht nur liest, sondern sie auch als Solo-Darsteller immer wieder fast szenisch lebendig werden lässt. Dieses Mal mit Gruselfaktor, präsentierte er doch „Geisterbahn, voll abgefahren“ (Buchbesprechung unten gegen Ende des Beitrages verlinkt). Als Bonus-Track performte Mauz noch einige seiner kurzen recht lautmalerischen Gedichte.

Weite, leise Reise

Nahm der Autor von rund drei Dutzend Büchern und seit fast einem Jahrzehnt Leiter des Festivals (das heuer sein 21. Jahr feiert) die jungen Leser:innen im Museum Niederösterreich im St. Pöltner Kulturbezirk mit auf einen Ausflug in den Wiener Prater, so luden bzw. laden(diese Veranstaltung gibt es mehrmals in der Woche) Ulli, Kathi und Alex von der Initiative Zeit Punkt Lesen die Schüler:innen auf eine große, weite, (Fantasie-)Reise ein: „Kommt mit uns in den Regenwald: Eine spielerische Entdeckungsreise“. Und schon bevor es losging, fragten die ersten Kinder: „In welchen Regenwald?“ und outeten sich damit als junge Auskenner:innen. Nach einem kurzen Gespräch über die verschiedenen Weltgegenden mit Regenwäldern wurde es dunkel im Vortragssaal der Landesbibliothek. Klangschalen-Auftaktton, leise Stimmen, gedanklich Eintauchen in die Welt zwischen Bäumen und Tieren, anschließend projizierte Bilder und dann geht’s los an verschiedenen Stationen. Im Zentrum das eine oder andere Tier, aber immer wieder auch die Vielfalt des Lebens in diesen „Lungen“ des Planeten – samt möglichem Nachschauen und -lesen von Infos in Exemplaren in den jeweiligen Bücherkisten.

Noch mehr Orte

Bücher spielen diese Woche (4. bis 10.November 2024) wieder an vielen Orten St. Pöltens eine große Rolle. Das mittlerweile 21. KiJuBu – Kinder- und JugendBuch-Festival steigt sogar an noch mehr Schauplätzen als bisher. Im seit kurzem neuen KinderKunstLabor gibt es ebenso Veranstaltungen für junge Leser:innen wie in der frisch renovierten ehemaligen Synagoge sowie dem neuen Standort der Stadtbibliothek am Domplatz. Diese ergänzen das schon bisherige Programm in Räumen des Museums, der Landesbibliothek, des Festspielhauses und des ORF-NÖ im Kulturbezirk oder der Bühne im Hof usw.

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Szenenfoto aus "Funny.Brandstifter"

Fröhlich in den Untergang? Gewalt-ige Absichten

Er müsse überprüfen, wie frisch der Frisch sei. Kajetan Dick, Faktotum von „das.bernhard.ensemble“ tummelkt sich unter den wartenden Besucher:innen des folgenden, neuesten Stücks „Funny.Brandstifter“ dieser Off-Theater-Gruppe (Wien-Neubau). Er wird an diesem Abend die Rolle eines Beobachters von außen einnehmen und das Bühnengeschehen immer wieder kommentieren.

Seit Jahren kombiniert dieses Ensemble – mit Stamm, aber auch wechselnden Bestzungen – bekannte Theaterstücke und ebenso berühmte Filme und vermischt sie zu spielfreudigen, teils recht heftigen Abenden. So viel Gewalt war vielleicht noch nie in den bisherigen „Mash-Ups“. Brandstifter basiert natürlich auf „Biedermann und die Brandstifter“, von dem Max Frisch mehrere Versionen verfasst hat.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Funny.Brandstifter“

Einschub: Ausgangsbasis

In der Gegend des Ehepaares Biedermann kam es zu etlichen Brandstiftungen durch Menschen, die in den Häusern aufgenommen worden sind. Darüber zerreißen sich die beiden das Maul – und machen’s ebenfalls. Die Besucher, die sie aufnehmen, verbergen ihre Absichten gar nicht wirklich, holen nach und nach Benzinkanister ins Haus.

Ähnliches ließ Michael Haneke in seinem Film „Funny Games“ abspielen. Ein Ehepaar und dessen Kind werden in ihrem Ferienhaus an einem See von Menschen besucht, die sich zunächst nur ein paar Eier ausborgen wollen, dann aber mehr und mehr wollen. Höflich in der Form, werden sie unverschämt(er) und schließlich heftig gewalttätig. Mord und Totschlag…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Funny.Brandstifter“

Zwei Welten

Auf Basis dieser beiden Ausgangsgeschichten – wobei der Film in den Aussendungen und Unterlagen der Theatergruppe nicht mehr erwähnt werden soll/darf – inszenierte Ernst Kurt Weigel, der auch selbst mitspielt (Familienvater Siggi) „Funny.Brandstifter“. Was bei Proben als Gag begann, zieht die Familie – Babsi (Yvonne Brandstetter) und „Kind“ Gigi (Ylva Maj) die ganze Zeit durch: Sprechen im Zeitlupenstil. Womit sie sich optisch und akustisch in einer Art anderen Welt bewegen als die beiden Bösewichter Karl (Christian Kohlhofer) und Billy (Sophie Resch).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Funny.Brandstifter“

Voller körperlicher Einsatz & Triggerwarnung

Gespielt wird – wie immer von dieser Gruppe – mit vollstem körperlichen Einsatz (Choreografie: Leonie Wahl) und passender musikalischer Unterstützung (Live Soundscape: Bernhard Fleischmann). Unter Einsatz von schieren Unmengen von dunkler Lebensmittelfarbe – nicht zuletzt deshalb bringen die „Brandstifter:innen“ riesige Klarsichtfolien statt Benzinkanister ins Haus – wird Gewalt derart explizit ausagiert, dass sogar im Vorfeld und am Beginn eine Triggerwarnung ausgesprochen wird. „Dieses Theaterstück enthält Szenen, in denen körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt thematisiert werden. Diese Darstellungen können emotional belastend und verstörend wirken…“ samt Angebot, sich an dafür speziell vom Team abgestellte Mitarbeiterinnen zu wenden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Funny.Brandstifter“

Gewaltige Ab- und Aussichten

Statt Brandmauern zu bauen, werden Brandstifter:innen ins Haus geholt – die alte Max-Frisch’sche Symbolik kriegt aktuellste Bedeutung. Und irgendwie erinnert die Szenerie an Donald Trumps Ausspruch als Kandidat für die US-Präsidentschaft 2016, er könnte auf der 5th Avenue Menschen erschießen und würde dennoch gewählt. Andere verkünden offen, dass sie jemandem nacheifern wollen, der die Demokratie einschränkt – und werden von der relativen Mehrheit gewählt… Diese Anklänge sind wohl noch heftiger als die explizit ausgespielte Gewalt auf der Bühne.

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Szenenfoto aus "1984" im Theater Spielraum (Wien)

Dystopischer Klassiker zu Fake-News wirkt so brandaktuell

Auch wenn viele den Roman mit seinen (je nach Verlag) rund 300 Seiten gar nicht kennen, so ist sowohl der Titel mit der Jahreszahl „1984“ als auch die andauernde, allgegenwärtige Überwachung, die im Spruch „Big Brother is watching you“ zum geflügelten Wort für genau diese Tatsache geworden.

Der aus dem bewussten Zahlendreher 1948 von George Orwell fertiggestellte (ein jahr später erschienene) dystopische Roman nimmt aber nicht nur die vollkommene Überwachung aufs Korn. Innere und äußere Partei samt ihrer Gedankenpolizei bürsten alles auf Gleichklang. Und dafür müssen Tausende Mitarbeiter:innen frühere Meldungen in allen verfügbaren Medien umschreiben. Begriffe werden in ihr Gegenteil verkehrt: Krieg = Frieden, Freiheit = Sklaverei… Solche Parolen flimmern als Einblendungen über die Rückwand des Theaters Spielraum in der Wiener Kaiserstraße (Video: Robert G. Neumayr).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „1984“ im Theater Spielraum (Wien)

Kalte Schauer

Dieses kleine, feine, engagierte Theater – Motto: „Wir nehmen Texte beim Wort“ – spielt derzeit eine kompakte, komprimierte 1½ -stündige Version (Regie & Stückfassung: Nicole Metzger, Co-Leiterin des Theaters im ehemaligen Erika-Kino). Viele Nebenstränge aus dem Roman, ja sogar der so wie der „Große Bruder“ immer nur via virtueller Erscheinung auf Monitoren im Roman vorkommende Gegenspieler Emmanuel Goldstein, bleibt außen vor.

Das präzise, oft fast entpersönlichte Schauspiel des Ensembles als auf Konformität gestrickte Bürger:innen Ozeaniens in „1984“, lässt immer wieder auch kalte Schauer über den Rücken laufen. Am Krassesten vielleicht dort, wo Gewalt via „Fernwirkung“ gespielt wird. Winston Smith (Samuel Schwarzmann) und Julia (Julia Handle), die Gefühle füreinander entwickeln und beginnen kritische Gedanken gegenüber dem Big-Brother-Regime zu entwickeln, werden von O’Brien von der äußeren Partei (Peter Pausz) zuerst um den Finger gewickelt und dann als Feinde ge-outet und „entsprechend“ behandelt. Wenn Pausz an einem Ende der Bühne lautstark und gewaltig auf den Boden tritt und am anderen Ende der Bühne die Abtrünnigen zusammenzucken, dann reißt’s dich im Publikum vielleicht sogar noch stärker, als würde er direkt auf sie vermeintlich einprügeln.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „1984“ im Theater Spielraum (Wien)

Verliebt in Neusprech

Dana Proetsch switcht von der Rolle Parsons, der von seiner 7-jährigen Tochter verraten wird, weil er im Schlaf etwas gegen Big Brother von sich gegeben hat in die von Charrington, in dessen laden Winston ein Tagebuch kauft.

Gabriel N. Walther spielt Syme, der den Job am „Neusprech“ liebt. Zu dieser zählen nicht nur die oben schon erwähnten Umdeutungen. Die (neue) Sprache soll ständig weniger werden. Wozu brauche es „schlecht“ – „un-gut“ reiche. Synonyme werden ebenfalls aussortiert, sogar für mögliche Steigerungen reichten plus bzw. doppelplus vor dem jeweiligen Adjektiv.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „1984“ im Theater Spielraum (Wien)

Ausstattung, Kostüme

Eine schmale, hohe Pyramide auf der Bühne bzw. entsprechende mit weißen Klebebändern auf dem schwarzen Boden markierte Drei-Ecke symbolisieren das Londoner Informations-Ministerium, dem die BBC unterstellt war und das George Orwell angeblich als Vorbild für sein Wahrheitsministerium vor Augen hatte (Bühne: Raoul Rettberg). Haus-Ausstatterin Anna Pollack hat sich für die fünf Schauspieler:innen T-Shirts mit einem riesigen Bar-Code – aber kleinen menschlichen Figuren statt der Zahlen unter den Strichen einfallen lassen – und ein Mittelding aus Rock und Hose für darunter.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „1984“ im Theater Spielraum (Wien)

Fake News

Die Theater-Spielraum-Fassung konzentriert sich auf die auch heute nicht minder wichtige und wahrscheinlich noch viel präsentere Verdrehung von Wahrheit(en), aktuell „Fake News“ genannt – in beiden Bedeutungen: Als wirkliche Falsch-Nachrichten wie sie bei Orwell von den Mitarbeiter:innen des Ministeriums für Wahrheit produziert werden, aber auch als Schimpfwort. Zu Letzterem griff der damalige US-Präsident Donald Trump, der seinerseits viel mit Lügen arbeitet, immer wieder gegenüber seriösen Medien. Kaum begannen sie Fragen zu stellen, schleuderte er ihnen „Fake News“ entgegen.

Freiwillig

Was Orwell als massive Kritik an Überwachung verstand – und die Leser:innen ebenso, hat sich längst weitgehend umgedreht. Seit einem ¼-Jahrhundert begeben sich Menschen freiwillig in Container, auf Inseln, in den Dschungel, in Häuser, um sich rund um die Uhr von TV-Kameras beobachten zu lassen. Die Fernseh-Show „Big Brother“ wurde 1999 erstmals in den Niederlanden ausgestrahlt.

Nicht nur das. Wir (fast) alle unterwerfen uns mit dem Rausrücken unserer Daten an die Großkonzerne, die sie als Gegengeschäft zu vermeintlichen gratis-Suchmaschinen und Social Media in Zahlung nehmen, praktisch der Rundum-Überwachung unserer Aktivitäten, Einkäufe…

Diese Überlegungen gehen den Zuschauer:innen beim und nach dem Besuch sicher ebenso durch den Kopf wie das Grübeln bei so manchen Nachrichten, ob die nun echt oder nicht, sozusagen Fakt oder Fake sind. Und „Neusprech“ ist so fern ja nicht, wenn Kündigungen „Freisetzungen“, Schrumpfen der Wirtschaft „Minuswachstum“, Deportationen „Außer-Landes-Bringung“ genannt werden…

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Szenenfoto aus "Der Sumpf des Grauens"

„Blutrünstige“ Komödie nimmt sich selbst auf die Schaufel

Rund um Halloween spielte das Ensemble Voraufführungen (eine davon durfte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… miterleben), die Premiere fand am Abend des zweiten Totengedenktages statt. Bühnenreifes Sterben spielt in der witzig-schockigen „Werwolf-Komödie“ eine große, nein die zentrale Rolle. Das Theater an der Gumpendorfer Straße benannte sich in der Ankündigung von „Der Sumpf des Grauens“ sogar auf „Tod an er Gumpendorfer Straße um.

Demokratur

Bevor in der rund zweistündigen Performance (Text, Regie und Ausstattung: Kaja Dymnicki, Alexander Pschill) das gruselige Dahinmetzeln mit genialen Special-Effect-Requisiten (Mary-Jane Fritsch) beginnt, wird schon selbstironisch sozusagen theater-gemetzelt. Regisseur Lasko Vogelsang (Stefan Lasko) spricht zwar mehrmals von demokratischem, gleichberechtigtem Miteinander, aber es zählt sein Diktat.

Geprobt wird Shakespeares Klassiker Macbeth. Vom Balkon aus agiert Schoko Wendrinski (Ida Gold) mit zwei Puppen als die drei Hexen, mit ihrer Prophezeiung für die Titelfigur, König von Schottland zu werden.

Rollen-Eifersucht

Eine ganz junge Schauschspielerin namens Sophia Salbei Hostia (Lisa Weidenmüller) wird vom Regisseur mit der Rolle der Lady Macbeth betraut. Im Übrigen spricht er sie konsequent als Sophie an und ignoriert ihren Einwand, dass sie am Ende ein a hat. Das gibt natürlich Ärger. Die angestammte, spät auftauchende Star-Spielerin des Ensembles, Andräa-Miguella Kasperov (Michaela Kaspar) beansprucht diese zentrale Rolle – wie könnte es anders sein – für sich…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der Sumpf des Grauens“

„Nehmt das auf!“

Jeder Konflikt, jedes (mögliche) Missgeschick bei den Proben sei eine Chance, teilweise sogar ein Juwel, das es gelt, in das Spiel zu integrieren, das Gefühl, die Stimmung – ob von Scheitern oder Verzweiflung – es müsse eingebaut werden… Und dennoch sch… der so auf Demokratie bedachte Regisseur einen Mitspieler völlig zusammen, macht ihn zur Sau… Pausen? Nichts da. Kein Entkommen, schließlich steht die Premiere bald an. Und so versperrt er alle Türen und verschluckt die Schlüssel.

Szenenfoto aus

Rampenlicht für Menschen hinter den Kulissen

Zu diesen – und den bekannten weiteren Schauspielern des TAG-Ensembles Georg Schubert als „nie ohne mein Schwert“ Schubert Schuberdt, Jens Claßen als ge-chillter Ramses Joobst, Emanule Fellmer als Ulrik Flaan gesellen sich im „Sumpf des Grauens“ wichtige Playerinnen aus dem Hintergrund ins zweitweise Bühnenspiel: Lichtmeisterin Katja Thürrigl als Gersti, die mitten im Geschehen, hoch auf die Leiter klettert und Filter für Scheinwerfer anbringt. Regie-Assistentin Renate Vavera bringt als Irene Margit Ingrid mit den Worten, „wer kotzt, wischt!“ Kübel und Wisch-Mob als eine Schauspielerin ebensolches vollführt…

Wer…wolf/ -wölfin

Und sie ist die erste, die verschwindet. Dabei wird sie so dringend gebraucht. Ohne sie läuft nichts. Wer souffliert bei Text-Hängern? Das Grauen beginnt als ihre Leiche – oder Teile davon auftauchen. Panik. Aber nichts da. Kein Entkommen. „The Show must go on!“ Eine Person nach der anderen – tot, massakriert. Der Mörder – oder die Mörderin? -muss ja wohl unter uns sein, sind doch alle Türen verschlossen… Immer mehr verdichten sich die Anzeichen auf Werwolf. Aber wer? Ins komplette Kostüm dieses mörderischen Wesens schlüpft schließlich Ausstattungs-Hospitantin Helena Hutten. Aber wessen Alter Ego ist sie?

Alles sei hier sicher nicht gespoilert, verraten ist schon genug. Mörderisch witzig und vor allem selbstironisch ist dieser „Sumpf“, bei dem sogar der Intendant Gernot Plass als „Pongo, der Intendant“ – meist als Stimme aus dem Off wie das Anrufen eines Deus ex machina – in Erscheinung tritt.

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Das Nori sagt Nein!"

Dieses Buch macht Mut, Nein zu sagen

Die meisten Doppelseiten sind großteils „nur“ schwarz-weiß gehalten. Antje Damm, die Autorin, die gleichzeitig dieses Bilderbuch auch illustriert hat, griff dabei zu einer alten Technik: Scherenschnitt: Die Szenerie aus schwarzem Papier ausgeschnitten, erlebst du die Hauptfigur, ein Tier, das unter der Erde lebt.

Nori, wie Damm es nennt, hat sich unter der Erde eine wohnliche Höhle eingerichtet. Wenn Nori nach oben kriecht und klettert, vor allem, um köstliche rote Beeren zu pflücken – die Farbpunkte auf der ersten Doppelseite.

Eines Tages erschüttern die Schritte einer „Riesin“ den Boden, unter dem Nori lebt. Diese Riesin entpuppt sich als Kind, das Nori niedlich findet und mit zu sich nach Hause nimmt, in ein Puppenhaus setzt. Sozusagen als lebendiges Spielzeug.

Da reicht es Nori und in einer riesigen sternförmigen Sprechblase schreibt es urlaut „Nein!“ Und die Riesin checkt’s, sie bringt das Nori zurück in seine heimatliche Höhle.

Von den Bildern und den kurzen, knappen Texten schwingt in diesem Buch zwischen den Zeilen die Botschaft mit, Mut zum Nein-Sagen, wenn dich wer – auch nett gemeint – zu etwas zwingt, das dir gar nicht gut tut. Und umgekehrt, verschiedene Lebensweisen unterschiedlicher Lebewesen zu respektieren.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Das Nori sagt Nein!“

Szenenfoto aus "Ottos Mops" von Theater.Nuu inspiriert von Ernst Jandls gleichnamigen Gedicht

15 berühmte Gedichtzeilen in einer verspielten, witzigen Performance

So lustvoll, lustig und verspielt kann Lyrik sein. Was der Ernst Jandl (1. August 1925 – 9. Juni 2000) in 15 sprachverspielten Zeilen einst dichtete, das setzen die Tänzerin Emmy Steiner und die Musikerin Mona Matbou Riahi rund eine ¾ Stunde lang in Szenen um. „Ottos Mops“, das vielleicht bekannteste und auch für Kinder oft verwendete Gedicht Jandls beginnt damit, dass ein Hund dieser sehr charakteristischen Rasse in Zeile zwei trotzt. Und gegen Ende, in der vorletzten Zeile kotzt.

Mops trotzt

Die Musikerin, sozusagen Frauerl dieses Hündchens betritt den mit hölzernen Parkettstreifen ausgelegten Boden samt Holz-Möbel der Bühne (Ausstattung: Michael Haller, Laura-Lee Jacobi) – in der Hand ein Einkaufssackerl und eine uuuurlange Leine. Nur der Hund daran kommt – noch nicht. Der hat seinen eigenen Auftritt. Ist eigen- und selbstständig und pfeift auch auf die geworfenen Spielsachen. Apportieren ist unter seiner Würde. Was Frauerl da will???!!!

Gemeinsam musizieren und tanzen

Aus diesen anfänglich gegensätzlichen Rollen – zum Gaudium (nicht nur) des (sehr) jungen Publikums (angegeben ab 3 Jahren) – wird bald ein gemeinsames tänzerisch und musikalisches Spiel. Stofftiere geben Geräusche von sich, wenn sie gedrückt werden, Einzelne Luftballon-Würste einer ganzen in die Höhe ragenden Kette werden zum Dirigierstab der Musikerin, die oft auch Klarinette spielt. Oder mit Trommel-Schlegel ein hölzernes Regal sowie ein Riesentrommelartiges Holzgestell zu Percussions-Instrumenten umfunktioniert.

Alle Details seien nicht verraten – auch nicht was sich abspielt, um die angesprochene vorletzte Gedichtzeile zu spielen.

Das Gedicht selbst ist kaum zu hören

Gegen Ende wird das ganze berühmte Gedicht, das dieser Performance von Theater.Nuu (Regie & Stückentwicklung: Sarah Gaderer – letzteres gemeinsam mit den beiden Akteurinnen auf der Bühne) auch den Titel gab, gesungen. Allerdings sind leider nur Bruchstücke der lyrischen Erzählung gut zu verstehen.

Daher hier das ganze Gedicht

ottos mops
ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso

otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
otto: mops mops
otto hofft

ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott
Zitiert nach: lyrikline -> ottos-mops

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Doppelseite aus "Der Vogel in mir fliegt, wohin er will"

Lass dich nicht einsperren, flieg deinen eigenen Weg

Schon der Titel wirkt sehr poetisch – und ist Programm: „Der Vogel in mir fliegt, wohin er will“. Sara Lundberg beschreibt – mit vielen gemalten Bildern – ein Mädchen namens Berta, das leidenschaftlich, gern, viel und talentiert zeichnet und malt. Liebend gern auch Künstlerin werden will, aber in einem kleinen Dorf in Nordschweden aufwächst, mit ihren Schwestern viel im Haushalt helfen muss, die Mutter ist schwerkrank…

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Der Vogel in mir fliegt, wohin er will“

Dieses Kind liest auch gern und viel, holt alles, was sie in der örtlichen Bücherei kriegen kann, um es zu verschlingen. Neben dem Malen und Zeichnen formt sie aus Tonerde, die sie aus dem Bach fischt, Figuren, vor allem Vögel. Die haben’s gut, können über alle Hindernisse hinwegfliegen. Eines Tages fällt ihr jener Satz ein, der zum schon genannten Buchtitel wird.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Der Vogel in mir fliegt, wohin er will“

Die Hauptfigur gab‘s wirklich

Diese Berta gab es wirklich. Hansson hieß sie mit Nachnamen, stammte aus dem kleinen nordschwedischen Ort Hammerdal. Das war vor mehr als 100 Jahren. Da war für die allermeisten Mädchen nach dazu am Land der Lebensweg vorgezeichnet: Nur wenige Jahre Schule, daneben schon Mithilfe im Haushalt und dem (Bauern-)Hof, Vorbereitung auf Heirat, Kinder aufziehen, Haushalt, Bauernhof…

Berta aber wollte mehr, anderes, weiter lernen – und malen. Und sie schaffte es – ging von Hammerdal weg, besuchte in Sigtuna eine weiterführende Schule und studierte danach in Umeå Lehrerin, unterrichtete in Fredrika im hohen Norden und malte daneben viel – vor allem Porträts von Kindern. Ihre Bilder zeigten nicht nur das Aussehen der Objekte, die Künstlerin ließ die Porträtierten mit ihren Gefühlen und ihren Persönlichkeiten zu Subjekten der Bilder werden.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Der Vogel in mir fliegt, wohin er will“

Hilfe einer Schriftstellerin

Als eines Tages die bekannte Schriftstellerin Elsa Björkman-Goldschmidt zu Lesungen in die Schule kam, in der Hansson unterrichtete und ein Bild, das diese gemalt hatte, sah, stellte sie den Kontakt zu einer Galerie in Stockholm her, die eine erste Ausstellung organisierte…

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Der Vogel in mir fliegt, wohin er will“

Echtes und Ausgedachtes

Ausgehend von der echten Lebensgeschichte Berta Hanssons, verband die Autorin dieses mehr als 100-seitigen Buches Erinnerungen aus Briefen und Tagebucheinträgen mit fantasievoll Erfundenem, wie sich das Leben der später berühmt gewordenen Künstlerin in frühen Jahren abgespielt haben könnte. Lundberg illustrierte die Text-Passagen mit gemalten Bildern, an manchen Stellen sind Bilder zu sehen, die Hansson gemalt hatte.

Unausgesprochen schwingt das ganze Buch hindurch die Mut machende Botschaft: Auch allen widrigen Umständen zum Trotz, geh deinen Weg!

Doppelseite aus dem Anhang zu
Doppelseite aus dem Anhang zu „Der Vogel in mir fliegt, wohin er will“

Anhang

Am Ende des Buches findest du 12 Seiten von Alexandra Sundqvist über das Leben der schwedischen Malerin Berta Hansson selbst, Deren Bilder, Briefe und Tagebucheinträge haben Sara Lundberg zu diesem spannenden, beispielgebenden Buch inspiriert.

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Titelseite von
Titelseite von „Der Vogel in mir fliegt, wohin er will“
Doppelseite aus "Angriff der Killer-Unterhosen"

Können Unterhosen töten?

Der sicher witzige Titel wird erst ziemlich weit hinten aufgelöst. „Angriff der Killer-Unterhosen“ heißt dieses Comic-Buch, das sich um Fake News dreht.

„Fake News“ sind sozusagen in aller Munde, dauernd ist die Rede davon. Auch wenn es Falsch-Nachrichten schon immer gegeben hat, durch Internet und vor allem Social Media-Apps verbreiten sie sich heute so schnell und weit wie nie zuvor.

Nicht alles was falsch ist, fällt darunter – es können wie in allen anderen Bereichen auch bei und in Medien Fehler passieren. Darum geht es weniger. Aber was tun? Was ist wahr und was ist (bewusst) falsch?

Antworten darauf gibt es nicht wirklich so leicht. Je ausgereifter die Technik, umso schwieriger das Erkennen. Diese nicht ganz 100 Seiten, die Elise Gravel geschrieben und gezeichnet hat (Übersetzung aus dem Englischen: Ingrid Ickler) schildert einige Methoden und Beweggründe von bewusst in die Welt gesetzten Falsch-Nachrichten.

Doppelseite im Comic-Buch
Doppelseite im Comic-Buch „Angriff der Killer-Unterhosen“

Schlagzeile vs Meldung

Dass Unterhosen töten, würde wohl niemand glauben. Aber – und ausnahmsweise wird hier auf dieser Seit ein einer Buchbesprechung schon viel gespoilert… Mit diesem Beispiel zeigt Elise Gravel in Wort und Bild eine Methode wie eine Meldung zu einer Falschnachricht werden kann. Die Schlagzeile (Große Überschrift auf einer Startseite – egal ob in einer gedruckten oder einer Online-Zeitung -, die sie sich ausgedacht hat: „Frau von eigener Unterhose getötet“.

Aber in der Meldung darunter wird beschrieben: Diese Frau ist im Badezimmer auf der auf dem Boden liegenden Unterhose ausgerutscht, mit dem Kopf unglücklich auf ihre Badewanne gefallen und so tödlich verletzt worden.

Sogenannte Zuspitzung, Übertreibung, Verkürzung ist aber nur eine Möglichkeit, wie es zu falschen Nachrichten kommt. In diesem Buch mit vielen – immer erfundenen – Beispielen zeigt die Autorin und Illustratorin in Personalunion, unterschiedliche Methoden und auch Absichten auf, die hinter Fake News stecken.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Angriff der Killer-Unterhosen“

Zehn Werkzeuge

Das letzte Kapitel mit immerhin fast 30 der 88 Seiten widmet Gravel zehn Werkzeugen, wie du falsche von echten Nachrichten (leichter) unterscheiden kannst. Das eingangs zitierte Beispiel, das auch dem Buch letztlich den Titel gab, ist „Schritt 8: Lese nicht nur die Schlagzeilen“.

Satire

Übrigens: Elise Gravel weist aber auch darauf hin, dass es – ähnlich wie Comedians – auch im Medienbereich ähnliches gibt: Satire-Seiten, die bewusst Dinge überspitzen, um humorvoll auf Missstände aufmerksam zu machen.

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Titelseite des Comic-Buchs
Titelseite des Comic-Buchs „Angriff der Killer-Unterhosen“
Doppelseite aus dem großformatigen Papp-Wimmelbuch "Ab ins Musiktheater"

Viele Blicke hinter die Kulissen des Musik Theaters an der Wien

Wenn du eine Vorstellung mit Musik – ob Oper, Operette oder Musical – besuchst seist und hörst du – genauso wie bei einem Theaterstück oder auch in einem Kinofilm oder einem Konzert „nur“ mehr das Ergebnis. Was aber passiert davor und rundum. Sozusagen das Making of hat sich ein kürzlich erschienes großformatiges Bilderbuch, viel mehr eine Art Wimmelbuch vorgenommen.

Was sonst (fast) nie zu sehen ist

Lisa Manneh hat sich für „Ab ins Musik Theater“ lange und viel im Musik Theater an der Wien (neben dem berühmten Naschmarkt) umgeschaut und -gehört, viel mit Mitarbeiter:innen gesprochen und daraus sieben üppige Doppelseiten gestaltet. So siehst du, wie Bühnenarbeiter:innen teils große, schwere Kulissenteile aufbauen, wie Sänger:innen und Schauspieler:innen auf der Bühne proben, Musiker:innen im Orchestergraben dirigiert werden. Oder mitten im Publikumsraum eine lange Tischplatte liegt hinter der Regieleute, Licht- und Tontechniker:innen sitzen, um bei einer der Proben alles einzurichten, so dass es bei den Vorstellungen dann perfekt passt.

Die Illustratorin lässt dich aber auch in viele der anderen Räume im Theater blicken – wo so manches besprochen wird, wo aber auch in den Gängen, auf den Stiegen andere Menschen Böden aufwischen…

Natürlich siehst du am Ende auch Publikum, das das große Haus mit mehr als 1000 Sitzplätzen und ein paar Dutzend Stehplätzen füllt – und auf der letzten Doppelseite eine Vorführung anschaut – und zwar eine der Oper „Das schlaue Füchslein“ mit der Musik von Leoš Janáček (im tschechischen Original: Příhody lišky Bystroušky) ist eine Oper in 3 Akten des tschechischen Komponisten Leoš Janáček. Den Text (das Libretto) dazu hat er auf der Basis einer Fortsetzungsgeschichte des Dichters Rudolf Těsnohlídek und des Zeichners Stanislav Lolek verfasst.

Doppelseite aus dem großformatigen Papp-Wimmelbuch
Doppelseite aus dem großformatigen Papp-Wimmelbuch „Ab ins Musiktheater“

Vom Comic zur Oper

Die beiden Genannten haben die Geschichte einer Füchsin, die von einem Förster gefangen wird und auf dessen Hof aufwächst, vor mehr als 100 Jahren für die Tageszeitung Lidové noviny in Brno (Brünn) als Comic-Streifen verfasst und gezeichnet. „Parallel dazu nehmen die Schicksale der mit der eigenen Unvollkommenheit kämpfenden Menschen ihren Lauf und sind in Art einer Fabel eng mit dem Geschehen in der Tierwelt verwoben. Eine deutsche, vom Original in der Handlung stark abweichende Textfassung schuf Max Brod“, heißt es auf Wikipedia.

Allerdings…

… steht die genannte Oper gar nicht auf dem Programm im Musik Theater an der Wien, das nach längerem Umbau eigentlich schon eröffnet haben sollte, was sich für den Vollbetrieb noch verzögert. „Das schlaue Füchslein“ wurde vor zwei Jahren im Ausweichquartier in der Halle E im MuseumsQuartier gespielt – in tschechischer Sprache mi deuten und englischen Übertiteln. Wird sie im renovierten Stammhaus wieder aufgenommen? Diese Frage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… im Musik Theater Wien wurde verneint.

Und so viel es auch in dem durchaus spannenden Wimmelbuch zu sehen gibt, ein paar erklärende Texte – vielleicht nicht in den Bildern aber in einer Art Anahang-Doppelseite – hätten dem Buch doch ganz gut getan.
Außerdem bieten auch andere Häuser Musiktheater – auch für junges Publikum – an, nicht nur das Musik Theater an der Wien.

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Titelseite des großformatigen Papp-Wimmelbuchs
Titelseite des großformatigen Papp-Wimmelbuchs „Ab ins Musiktheater“
Faszinierend wie die Figurentheaterspielerin Leben und Wirken von Ada Lovelace mit ihren unheimlich vielen, detailverliebten Objekten uund Figuren in Szenen setzt

Faszinierendes Spiel mit kleinen Dingen über große Forscherinnen

Obwohl es um eine große Mathematikerin geht, lassen sich die Figuren, Objekte, Bildertafeln und viel kleines verspieltes und bespielbares Krims Krams wahrscheinlich kaum zählen. Weit mehr als eine Stunde hat die Figurentheaterspielerin Alexandra Mayer-Pernkopf die kleine und dann doch scheinbar so große Bühne hier im Ludwig-Boltzmann-Hörsaal der Fakultät für Physik der Universität Wien aufgebaut.

Faszinierende, erstaunliche rund 50 Minuten lässt sie Figuren auftauchen, Drehorgel spielen, Kutschen über Schnüre bzw. Drähte fahren, füllt Teetässchen, blättert in Mini-Mini-Büchlein, um mit Worten und diesen und noch viel mehr Objekten kleine und große Geschichten zu erzählen.

„Ada Byron Lovelace & die Denkmaschine“ heißt die kunst- und fingerfertige Performance. In dieser spielt und schildert die Theaterfrau das Leben dieses wissenshungrigen und fantasievollen Mädchens von vor rund 200 Jahren (geboren 1815) und der späteren Frau (bis 1852).

Dennoch keine einfache Kindheit

Zwar hatte Ada den Vorteil wohlhabender gebildeter Eltern, die ihre Tochter – im Gegensatz zu vielen anderen Kindern dieser Zeit, vor allem Mädchen – Wissen zukommen zu lassen, aber einfach waren Vater und Mutter nicht drauf. Obendrein war Ada als Kind viel und oft lange schwer krank. Das tat ihrem Wissenseifer keinen Abbruch. Dass sie sich – lange vor dem ersten Flugzeug – eine Flugmaschine ausdachte und zeichnete, vermittelt die Theater-Künstlerin mit ihren vielen Gegenständen ebenso wie vor allem das wofür Ada Lovelace noch heute bekannt und berühmt ist: Die urdicke Gebrauchsanleitung für eine Steuerung einer gefinkelten Rechenmaschine, die Charles Babbage erfunden und gebaut hatte. Mit ihm hatte Ada viel daran getüftelt und war mit ihm in regelmäßigem Austausch. Diese ihre Steuerung – über Lochkarten, ein System wie es ähnlich auch bei halbautomatischen Webstühlen zur Anwendung kam -, gilt als eine Vorform einer Computersprache. Vor rund 50 Jahren wurde dann tatsächlich eine der ersten echten Computersprachen deshalb Ada genannt.

„Zirkus des Wissens“…

… steht in teils bunten, verschnörkelten und verdrehten Buchstaben auf einem schwarzen samtartigen Vorhang neben der „Hauptbühne“ des mobilen „isipisi“-Theaters. Dieser Teil, in dem unterschiedliche Bilder reingeschoben werden – in dem Fall aus einem der Bilderbücher über Ada Lovelace – nennt sich Kamishibai – ein aus Japan kommendes Papiertheater oder auch als Märchenbilderschaukasten genannt.

Der „Zirkus des Wissens“ ist eine eigene Einrichtung der Linzer Johannes-Kepler-Universität (JKU) in einer der äußersten Ecken des Hochschul-Campus am Rande der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Wissenschaft auf künstlerische, vor allem theatrale Weise wird dort vermittelt.

Die genannte Figurenspielerin aus dem ebenfalls oberösterreichischen Ottensheim hat mit ihrem Theater „isipisi“ das Stück für diesen „Zirkus“ entwickelt, tourt damit aber eben auch. Unter anderem trat sie kürzlich damit im besagten Hörsaal der Uni Wien auf – übrigens wenige Gehminuten entfernt vom Schubert Theater – Figurentheater für Erwachsene.

In einem Monat stellt Alexandra Mayer-Pernkopf im „Zirkus des Wissens“ eine bei uns kaum bekannte Wissenschafterin auf ähnliche Art und Weise vor: „Chien Shuing Wu – Königin der Physik“, die von 1912 in China geboren wurde und 1997 in den USA gestorben ist. Sie hat Wichtiges auf dem Gebiet der Teilchen- und Kern-Physik geforscht. „Madame Wu“, wie sie im Westen genannt wurde, erhielt manchmal den erklärenden Beinamen „chinesische Marie Curie“.

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Ada und die Zahlen-Knack-Maschine"

Wissbegierde plus Fantasie – einfach Ada

In einigen wenigen – durchaus ausgedachten – aber immerhin möglichen Szenen wirft das Duo Zoë Tucker und Rachel Katstaller mit knappen Worten und umso üppigeren Zeichnungen „Bilder“ auf diese doch noch immer zu wenig bekannte Frau: Ada Lovelace, ein unheimlich wissbegieriges und dennoch fantasievolles Kind vor mehr als 200 Jahren (geboren 1815). Sie kam – im Gegensatz zu vielen anderen Kindern, insbesondere Mädchen, in den Genuss von Bildung, saugte Wissen auf – und erweiterte es zunehmend. Als Erwachsene erfand sie sogar so etwas wie einen Vorläufer einer Computersprache – deutlich mehr als 100 Jahre vor dem ersten Computer. Mit dieser konnte ein enger Freund von ihr mit dem sie ständig im Austausch war, Charles Babbage, die von ihm gebaute Rechenmaschine komplizierte Rechnungen (halb-)automatisch ablaufen lassen.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Ada und die Zahlen-Knack-Maschine“

„Ada und die Zahlen-Knack-Maschine“ heißt dieses Bilderbuch, das Schlaglichter auf wesentliche Stationen im Leben von Ada Lovelace wirft, nach der später auch ein Computerprogramm benannt worden ist. So wie sie war bzw. so manches wie sie vielleicht auch gewesen sein könnte. Jedenfalls inspirierend für eigene Neugier und möglichst frei laufende und schwebende Fantasie!

Und nach den 22 Seiten mit vielen staunenswerten Zeichnungen folgen als Anhang zwei informative Seiten über diese Wissenschafterin.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Ada und die Zahlen-Knack-Maschine“
Doppelseite aus Ada Lovelace in der Reihe "Little People, Big Dreams"

Sie erfand Programmiersprache lange bevor es Computer gab

Viele sind – aktuell oder seit „ewig“ sehr bekannt wie der argentinische Fußballer Lionel Messi, der Maler Pablo Picasso, die mögliche erste US-Präsidentin Kamala Harris oder die „Mutter“ von Pippi Langstrumpf und vieler anderer Kinderbücher, Astrid Lindgren oder die in einem Konzentrationslager der Nazis zu Tode gekommene Verfasserin des wohl berühmtesten Tagebuchs der Welt, Anne Frank.

Ob Persönlichkeiten aus der Wissenschaft, Kunst, Sport, Politik oder gesellschaftlichem Engagement – María Isabel Sánchez Vegara hat mehr als 100 davon kurz und prägnant auf Spanisch beschrieben. Nach einem gleichen Muster – mit Zeichnungen unterschiedlicher Illustrator:innen und dem Namen als Titel in Schreibschrift-Arten – füllen die Bücher der Serie „Little People, Big Dreams“ (Kleine Leute, große Träume) mittlerweile einige Regale, seit einigen Jahren ergänzt um Bände im „Mini-Format“ als Papp-Bilderbücher für noch jüngere Kinder, die die spannenden Lebensgeschichten vorgelesen bekommen.

Doppelseite aus Ada Lovelace in der Reihe
Doppelseite aus Ada Lovelace in der Reihe „Little People, Big Dreams“

Lernbegierig und fantasievoll

Unter den Persönlichkeiten finden sich immer wieder auch welche, die (noch) zu wenig bekannt sind. Dazu gehört wohl auch Augusta Ada King-Noel, Countess of Lovelace, geborene Byron (1815 – 1852). Mutter Anne Isabella Noel-Byron Mathematikerin, Vater Dichter (Lord Byron), der sich allerdings bald vertschüsste. Die Mutter, auch viel unterwegs, sorgte aber dafür, dass die Tochter gute Haus-Lehrer:innen bekam und viel lernen konnte.

Die Tochter war nicht nur schnell von Begriff, sondern hatte auch viel Fantasie, erfand in Zeichnungen Flugmaschinen, die es damals noch lange nicht gab.

Später arbeitete sie eng mit dem Mathematiker Charles Babbage zusammen. Der hatte eine Rechenmaschine erfunden mit Zahnrädern, hebeln und so weiter. Dafür dachte sich Ada Lovelace ein System von Lochkarten – wie sie für halbautomatische Webstühle verwendet wurden – aus, die hochkomplizierteste Rechenoperationen von der Maschine ausführen können sollten. Es war sozusagen die erste Programmiersprache lange bevor es Computer gab. Weshalb dann in den 1970er Jahren Jean Ichbiah eine tatsächliche Programmiersprache Ada nannte.

Das Little People Big Dreams Buch über Ada Lovelace mit wie immer knappem Text prägnanten Illustrationen – in dem Fall im Stile von Kinderzeichnungen, gemalt von Zafouko Yamamoto – enthält am Ende natürlich auch wieder eine ausführlichere Biographie.

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Titelseite des Bilderbuchs über Ada Lovelace aus der Reihe
Titelseite des Bilderbuchs über Ada Lovelace aus der Reihe „Little People, Big Dreams“
Doppelseite aus "Mein Papa ist kein Mörder"

Warum der Vater laaaaange nicht nach Hause kommt…

Ein schmaler Schlitz auf der Titelseite des Buches in dem die Augen eines nicht mehr ganz jungen Mannes ebenso zu sehen sind wie senkrechte Striche. In Kombination mit dem Titel in einer Art Kinderschrift „Mein Papa ist kein Mörder“ ist klar, die Striche sind wahrscheinlich Gitterstäbe eines Gefängnisses.

Viele jahr(zehnt)elange Tabus sind mittlerweile mehr oder minder oft in Büchern für Kinder und / oder Jugendliche angekommen – vom Tod über Gewalt und Ausgrenzung auch unter Kindern bzw. Jugendlichen, Behinderungen bis hin zum Verlieben in Angehörige des gleichen Geschlechts. Ein enger Verwandter im Gefängnis kam bisher kaum vor. In „mehr als alles auf der Welt“, einer Graphic Novel auf der Bühne des zum Burgtheater gehörenden Akademietheaters sowie in „Hey, Kiddo“, der Graphic Novel von Jarret J. Krosoczka, über seine alles andere als leichte Kindheit, spielt dies eine Rolle.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Mein Papa ist kein Mörder“

Erst verheimlicht

In jenem rund 120 starken Buch – ein Mix aus Graphic Novel und Sachbuch-Erklär-Stücken -, dreht sich aber alles darum, dass der Vater von Simon und seiner jüngeren Schwester Vicky, eines Tages nicht nach Hause kommt. Sissy, ihre Mutter, faselt etwas von dringend und schnell für die Arbeit wegmüssen. Und das nehmen die beiden Kinder, die natürlich noch nicht so viel wissen, wie die Leser:innen, die ja den Buchtitel kennen, schon nicht für bare Münze, fragt die Volksschülerin doch, wieso er denn dann nicht auf ihre Textnachrichten antwortet…

Bittere Wahrheit

Wenige Seiten später rückt Frau Petermann mit der Wahrheit heraus. Der Vater ist im Gefängnis. Er hat als Busfahrer einen 12-jährign Buben auf seinem Fahrrad übersehen, niedergeführt, Paul ist dabei gestorben. Und Bernd hatte während des Unfalls verbotenerweise am Handy telefoniert.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Mein Papa ist kein Mörder“

Ohne diesen schuldhaften Unfall zu verharmlosen konzentriert sich das Buch auf gezeichnete Szenen in der Familie – zu Hause, in der Schule, beim Besuch im Gefängnis, der späteren Weigerung der Kinder ihren Vater zu besuchen. In der Schule werden sie als Kinder eines Mörders beschimpft, die Situation wird auch finanziell schwieriger, weil nun die Mutter Alleinverdienerin ist. Ebenso zeigt Zeichner Lukas Vogl Szenen Bernd Petermanns im Gerichtssaal bei der Verhandlung, dem Urteil – drei Jahre Haftstrafe -, im Gefängnis und den Problemen mit dem Mithäftling wegen Rauchens… Späteren Troubles als der Vater Freigang kriegt, eine Lehrstelle findet – er muss von Busfahrer auf einen neuen Beruf umsatteln -, die wieder verliert, Wickel zu Hause…

Berufserfahrene Autorin

Autorin Christine Hubka greift für die Geschichte selbst – und die sachlichen Erklärstücke rund um alle erdenklichen Seiten der Justiz – auf ihre jahrelange praktische Erfahrung als Gefängnis-Seelsorgerin zurück. Das macht das Buch sehr authentisch und realistisch mit allen schmerzvollen Szenen für die Beteiligten der Familie Petermann – mit doch einigermaßen Happy End – so weit es unter den gegebenen Umständen überhaupt möglich ist. Immerhin, der 12-jährige Paul ist tot und kann auch durch die tiefste Reue nicht wieder lebendig gemacht werden. Aber auch das ist eindrücklich auf der letzten Doppelseite zu sehen.

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Titelseite von
Titelseite von „Mein Papa ist kein Mörder“
Szenenfoto aus "Stammtisch"

(Wort-)Jonglagen am und auf dem „Stammtisch“

In einer Art Hinterzimmer eines Cafés im Wiener Bobo-Bezirk Neubau (7*Stern) tummeln sich Künstler:innen in Dirndl-ähnlichen Kleidern, oft ein Glas an den Lippen. Schlager von vor Jahrzehnten wabbern durch den Raum. Auf einem, nein DEM zentralen (Spiel-)Tisch ruht eine riesige flache Halbkugel Teig. Nahe dran ist zu riechen, der ist ziemlich frisch. Germteig. Schon aufgegangen. Hin und wieder nimmt eine der vier, die später rund eineinhalb Stunden performen werden, Platz vor/hinter einem Laptop mit Keyboard, geht offenbar noch einmal Passagen des späteren Programms oder Text durch.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Stammtisch“

„Heimliche“ Hymne

Dann der offenkundige Start zur eineinhalb-stündigen wechselvollen Performance mit der heimlichen österreichischen Hymne, Rainhard Fendrichs „I Am from Austria“.

„Stammtisch“ spielt in Reden, vermeintlichen heftigen Diskussionen am und rund um den besagten stabilen Klapptisch, teils fast Poetry-artigen Solo-Auftritten in einer Ecke des Raumes mit Klischees und Vorurteilen – immer wieder auch in den Herkunftsdialekten – von Oberösterreichisch bis Tirolerisch. Vom vermeintlichen, rückständigen Einheitsbrei an ländlich-dörflichen Stammtischen in Wirtshäusern, die aber gleichzeitig auch Orte der Begegnung und vielleicht auch intensiven Diskussionen sein könn(t)en. Von Schürzenknöpfen und ihren Bedeutungen – ledig, verheiratet und so weiter – samt Fragen, wie müssen Maschen gebunden sein, wenn signalisiert wird, dass die Trägerin sowohl auf Burschen als auch auf Mentscher (älterer, ländlicherer Begriff für Mädchen) steht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Stammtisch“

Zirkuskunst

Je länger die quirlige, den ganzen Raum bespielende Performance dauert, desto mehr Zirkus-Elemente werden von den Mitwirkenden eingebaut. Verena Schneider vollführt Handstände zwischen und hinter den Publikumsreihen, Marielle Ameganvi jongliert mit Flaschen vor dem Stammtisch, Nina Dafert geht über aufrecht stehende Flaschen, Ariane Öchsner wandert auf rollenden Flaschen, vor allem aber jongliert sie mit Teilen aus dem großen Teig-Laib, die sie in kleinere Stücke reißt. Auf dem Tisch liegend, schupft sie die Teigteile mit Händen und Füßen in die Luft, um sie in den allermeisten Fällen auch wieder mit diesen Extremitäten zu fangen.

So wie mit Dingen, so jonglieren die vier auch mit Worten – den Text haben sie selber erarbeitet und sich ergänzende Unterstützung von der Kabarettistin Maria Muhar geholt – immer mit augenzwinkerndem Infragestellen von gängigen Gedankenbildern und mit der am Ende auch plakativ geforderten neuen Streitkultur.

Tour durch Wirtshäuser

Nach den Aufführungen rund um den Nationalfeiertag (26. Oktober, Jahrestag des parlamentarischen Neutralitäts-Beschlusses) im Wiener Hipster-Café wollen die vier vor allem durch Wirts- und Gasthäuser des Landes touren und da vielleicht nicht nur schon (welt-)offenes Publikum erreichen.

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Szenenfoto aus "Wir Drei"

Beziehungsstatus: Es ist sehr kompliziert

Während die Begegnungen der jungen Frau Agnes (Veronika Zellner) mit ihrem Ehemann Richard Ebner (Paul Wiborny) eher von Kühle und Distanz gekennzeichnet sind, liegt Prickeln in der Luft, wenn die junge, vielumjubelte Bühnenautorin Sascha Korff (Lisa-Marie Bachlechner) das Ehepaar besucht, den Raum betritt, vielmehr erobert. Hier bin ich! Und (fast) nur ich! Sozusagen. Der Ehemann scheint die Besucherin weit mehr als zu verehren, eher zu begehren. Die scheint aber viel mehr Wert auf den Kontakt zu Agnes zu legen. Die wiederum das ziemlich kalt lässt.

Österreichische Erstaufführung

„Wir Drei“ heißt dieses Stück, das derzeit (bis 2. November 2024) im „Experiment – Theater am Liechtenwerd“ (Wien-Alsergrund) gespielt wird. Große Fragezeichen ergeben sich aufs erste, wenn es dabei „österreichische Erstaufführung“ heißt. Kann das sein? Immerhin hat Elsa Bernstein (1866 – 1949), geborene Porges, unter dem Pseudonym Ernst Rosmer – inspiriert von Henrik Ibsens „Rosmersholm“ – das Stück als ihr Erstlingswerk 1891(!) veröffentlicht (Wikipedia zufolge zwei Jahre später), aber jedenfalls vor mehr als 130 Jahren. Und dennoch erfolgte selbst die Uraufführung erst 2003 (!) – im Solana Theater in Köln (Deutschland).

Teamfoto - auf und hinter der Bühne - von
Teamfoto der Mitwirkenden, Regisseurin vorne sitzend mit rotem Pulli

Lange gesucht

Und nun die Erstaufführung Österreichs im wohl kleinsten (49 Sitzplätze) und ältesten (seit 1956) Kellertheater Wiens. Regisseurin Stefanie Elias hat wie sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… erklärt, „bewusst nach einer weiblichen Autorin aus der Zeit der Jahrhundertwende/Naturalismus gesucht, da ich persönlich großen Wert auf die weibliche Perspektive lege.“ (Elias betreibt auch den Podcast „weibs:bilder – von bitches und queens“ mit.) Bei dieser Suche stieß sie auf viele Frauen, aber – zunächst – lange auf keine Dramatikerin.

Dann also Elsa Bernstein, deren Stücke – nicht zuletzt „Königskinder“ – sogar viel gespielt wurde. „Ich fand gleich ihre ganze Biografie so spannend! Die Tatsache, dass sie zu Lebzeiten so bekannt war und nun in Vergessenheit geraten ist, ist so bezeichnend dafür, wie der literarische Kanon bestimmt, wer die Zeit überdauert und wer nicht – als Frau, noch dazu mit jüdischen Wurzeln, hat man da schlechte Chancen. Sie wurde als Jüdin geboren, hat als Kind mit der ganzen Familie zum Protestantismus gewechselt und als Erwachsene zusammen mit ihrem Mann als Atheistin gelebt – trotzdem wurde sie von den Nazis verfolgt und kam ins KZ (erst Dachau), wo sie durch ihren Prominentenstatus (in Theresienstadt) überlebte.“

Drei Ecken oder „nur“ eine Person?

Was als Dreiecksbeziehung und (Homo-)Sexualität im Ankündigungstext zu lesen ist, wirkt höchst ungleichgewichtig, ist davon doch bei Agnes gar nichts zu spüren. Und dies liegt nicht am Schauspiel, wenngleich die Textlawinen (126 Seiten), die zu 2 ½ Stunden (¼ Stunde Pause) Dauer führen, hin und wieder doch mehr Text als Gefühl transportieren. Großartig sind die vier Darsteller:innen hingegen dann, wenn sie die Gefühle ihrer Rollen das Publikum auch spüren lassen.

Das komplizierte Beziehungsgeflecht – Sascha brachte Agnes und Richard zusammen, hat sie ihrer Ansicht nach sogar füreinander ausgesucht – und doch setzt sie sich mittendrein – könnten aber vielleicht auch „nur“ Anteile einer Person sein, vielleicht sogar der Autorin selbst. Immerhin lässt sie hier ihre Sascha Korff Erfolg für das Drama „Königskinder“ haben – das Bernstein bald nach „Wir Drei“ veröffentlichte.

Wunschtraum

Richard begehrt an Sascha möglicherweise nur, was ihm selber (noch) nicht gelingt: Große Anerkennung für eigene Texte. Sascha will sowieso und immer im Mittelpunkt stehen und eigentlich geht es ihr immer nur um sie selber. Und dennoch beneidet sie Agnes um eine unaufgeregte, wenngleich durchaus langweilige Ehe mit Aussicht auf Kind(er). Ja sogar in der Tragik von Agnes Totogeburt konkurriert sie mit einer erzählten – angeblichen – Abtreibung.

Aufgesetztes Ende

Als vierte Figur zu den drei genannten Protagonist:innen hat sich Elsa Bernstein Agnes‘ alte Haushälterin, die diese schon seit Kindertagen begleitet, ausgedacht. Betty Hofstetter, herb-herzlich gespielt von Helga Grausam. Das Ende mit der Rückkehr Richards zu Agnes nach der Scheidung wirkt dann doch ein wenig aufgesetzt. Noch dazu, wo Agnes immer und immer wieder nach der Totgeburt ihres Kindes nichts sehnlicher wünscht als „Stille“ und Richard Schuldeinbekenntnisse quasselt und quasselt.

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Szenenfoto aus "Der schlafende Wal - Ein Stück ohne Bruckner"

Die wilde Punkerin und die alte unter Bruckner leidende Frau

Ein wilder, explosiver, derber erster Schauspiel-Auftritt der bekannten Figurenspielerin Manuela Linshalm. Zunächst ganz ohne Puppen. Schreiend, schimpfend, Fäkalsprache. Die jugendliche, vielleicht höchstens junge Erwachsene liegt in Clinch mit so ziemlich allem, vielleicht auch allen. Und steht bald vor Gericht – das aus dem Inneren eines dicken Gesetzbuches kommt. Verurteilt unter anderem wegen Sprayens – anrüchiger Bilder.

Zu sozialer Arbeit verurteilt

Sie wird verurteilt – muss nicht hinter Gitter, auch wenn sie die Diversion im Ausmaß von 100 Stunden sozialer Arbeit – irgendwie für ähnlich schlimm hält. Und damit wechselt sie in ihr angestammtes Fach, ins Puppenspiel. Sie muss bei einer uralten Frau dienen, für sie einkaufen gehen, mit ihr reden… Doch die Persönlichkeit ihrer Figur behält Puppen- und Schauspielerin bei. Widerwillig tritt sie ihren Job an. Switcht aber nun natürlich zwischen zwei verschiedenen Charakteren. Linshalm spielt das Stück „Der schlafende Wal – Ein Stück ohne Bruckner“ (Text: Paulus Hochgatterer) als Solo.

Switchen

So trippelt Linshalm nun  mit kleinsten Schritten, die Ganzkörperfigur der Alten (Puppen: Soffi Povo) an einem Rollator durch die bürgerliche Wohnung führend, in der sich die Bühne präsentiert (Regie, Ausstattung: Simon Meusburger; Kostüm: Lisa Zingerle). Und verleiht dieser Figur auch eine fast zittrige, altersschwach wirkende Stimme. Um im Dialog sofort wieder in die schauspielende Punkerin zu wechseln, die so vieles vom Ordnungssinn der alten Frau ganz und gar nicht versteht und eigentlich nur ihre aufgebrummten Sozialstunden abdienen will.

Schrittchen zur Befreiung

Nach und nach ergibt sich jedoch eine Gemeinsamkeit: So wie der junge Sch…-auf-alles-Wilden vieles auf den A… geht, so nervt die Alte vieles, ja so ziemlich alles aus ihrem früheren Leben mit ihrem Ehemann. Bruckner, Bruckner, andauernd war der nur zu hören, musste verehrt, ja angehimmelt werden. Jetzt wo sie Witwe ist, beginnt sie sich – vielleicht auch ermutigt durch die junge Frau – nach und nach von dem Diktat Bruckners und des Ehemanns zu befreien…

Eeeendlich darf, ja kann sie Musik von anderen Komponisten hören. Von denen einige als Figuren auch in Erscheinung treten – aus überraschenden Verkleidungen, die hier nicht demaskiert werden sollen. Aber die natürlich ihre Stimmen auch aus dem Munde Manuela Linshalms bekommen.

Aufklärung und Geheimnis

Der erste Teil des Stücktitels „der schlafende Wal“ wird knapp vor dem Ende der eineinhalb-stündigen, dichten, kurzweiligen Show in einer Geschichte sozusagen aufgeklärt – und eröffnet erst recht wieder eine Art geheimnisvolle Grübelei, ob diese als Metapher und wenn ja wofür steht.

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Doppelseite aus "Pantalu sucht das Glück"

Clowneske Figur sucht Glück und erlebt erst viele Enttäuschungen

Breite, wild abstehende dunkelrote Haare, große karierte Hose. Auch ohne rote Nase erinnert so eine Figur an Clown. Sein Name Pantalu klingt – vielleicht nicht zufällig – nach Pantalone, einer Figur aus der italienischen komödiantischen Theatergattung Commedia dell’arte (abgeleitet vom Wort für Hose – pantaloni).

Dieses Bilderbuch hat sich die Illustratorin Uta Polster – und nicht wie ursprünglich hier gestanden ist, die Autorin Julia Dorothea Gaidt – ausgedacht. Pantalu wird auf eine fast fünf Dutzend Seiten lange Reise geschickt, das Glück zu suchen.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Pantalu sucht das Glück“

Wie gepflückt, so…

Die erste Station seiner Suche bringt ihn auf eine Blumenwiese, wo ihm Gänseblümchen zuflüstern „Pflück uns!“ Das lässt sich Pantalu – offenbar ein Kind, da die Autorin aus Pronomen immer es verwendet – nicht zwei Mal sagen. Gepflückt in einen der großen Hosensäcke gestopft. Und, was wohl (fast) jedes Kind weiß, nach ein paar Stunden schauen die Blütenblätter eher verwelkt aus.

Dass sich Seifenblasen – auf einer der folgenden Doppelseiten – so gar nicht einfangen lassen… eh kloar. Und so geht es Station für Station ähnlich erst freudig und dann sehr enttäuscht weiter.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Pantalu sucht das Glück“

Überraschung…

Aber, natürlich bleibt es nicht dabei, und Panatalu findet wohl anderes, das glücklich macht. Was das ist und wie es dazu kommt und dass Glück auch zu jenen Dingen gehört, die durchaus mehr werden (können), wenn sie geteilt werden… – nein das Glück, das du vielleicht empfindest, wenn du die überraschende Wendung liest und siehst, soll hier nicht zerstört werden 😉

PS: Wie – nun, einen halben Tag nach der Erstveröffentlichung dieser Buchbesprechung – schon oben erwähnt geht die Geschichte auf die Illustratorin zurück. Die ursprüngliche Vermutung, dass sie von der Autorin stammt, war eben nur eine solche. Nach der Veröffentlichung meldete sich die Illustratorin und schrieb, dass eben sie Pantalu erfunden hat. „Sie ist entstanden für ein Buch, das noch nicht veröffentlicht und noch in Arbeit ist. Dieses Buch hat die Autorin Julia Dorothea Gaidt zu der Story mit dem Glück veranlasst und mir zukommen lassen. Daraus habe ich dann das Buch Pantalu sucht das Glück entwickelt, gezeichnet und den Satz für die Druckerei gemacht.“

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Pantalu sucht das Glück“
Szenenfoto aus "Jacky" von Theater Delphin

Fünf Bohnen, Flucht und ein „Menschenfresser“

Auf eine – teils intensive – Achterbahn der Gefühle nehmen die Schauspieler:innen vom inklusiven Theater Delphin das Publikum im 1 ¼-stündigen Stück „Jacky“ mit. Was als Hoffnung auf ein besseres Leben für das Mädchen Jacky Antonich, die mit ihrem schwerkranken Vater Josef vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet ist, beginnt, wird zum Albtraum im US-amerikanischen Anwesen der reichen Familie Heiter. Der Hausherr Albert, ein Politiker und Unternehmer mit mehr als zweifelhaften Geschäften, erweist sich als eine Art „Menschenfresser“. Dem letztlich aber das Handwerk gelegt werden kann.

Ausgehend vom Kern des bekannten Märchens „Hans und die Bohnenranke“, schreib Gabriele Weber, Co-Leiterin des Theaters, eine total umgemodelte Version dieser Geschichte, die sie gemeinsam mit dem Co-Leiter Georg Wagner inszenierte (Regie und Produktionsleitung).

Das Originalmärchen kürzest gefasst

Hans tauscht eine Kuh gegen fünf Bohnen. Schlechter Deal würden wohl die meisten meinen. Auch seine Mutter schimpft ihn dafür. Doch die Bohnen lassen urschnell riesige Ranken wachsen mit denen Hans in die Welt von Riesen kommt, in der er Wertvolles mitnehmen kann. Aber auch bedroht ist vom Riesen, der Menschen frisst. Das ist das Märchen von „Hans und die Bohnenranke“ (Jack and the Beanstalk – bekannt geworden in der Version von Joseph Jacobs 1890, aber schon fast ein Jahrhundert zuvor – 1807 – in einer Fassung von Benjamin Tabart veröffentlicht).

Moderne Fassung

Der Kern – scheinbar schlechter Tausch gegen fünf Bohnen – ist der Gleiche. Die Pflanzen ermöglichen das Eintauchen in eine andere Welt – wo die Hauptfigur zu materiellen Gütern kommt, aber bedroht wird „gefressen“ zu werden. In dem Fall wird die lebenslustige, gutgläubige Jacky (verspielt, oft auch tanzend: Evelyn Schonka) von Albert Heiter (Marek Janta im Elektro-Rollstuhl) vergewaltigt. Obendrein droht ihr, in einem Bordell zur Zwangsprostitution eingesetzt zu werden.

Gewalt

Diese Gewalt-Szene, mit wenigen Bewegungen angedeutet, aber vor allem stark gespielten emotionalen Reaktionen, lässt es eisigkalt den Rücken rauf oder/ und runter laufen. Fast unaushaltbar ist eine andere, sehr hautnahe Kampfszene zwischen Jacky und der Haushälterin Maria, die von Zlatoslava Osypova arrogant-machtgeil-tussihaft gespielt wird.

Wirklich wie aus einer anderen Welt wirkt Jackys imaginärer Freund und Helfer Franceso (Reinhard Jadamus). Nur in den entscheidenden Momenten ist er nicht da – damit Ärgstes passieren kann. Folgerichtig darf Jacky auch nicht auf ihre reale Freundin Sarah (resches Spiel: Maria Meitner) hören.

Abgerundet wird das Schauspiel von Herbert Klinghardt als Jackys Vater Josef, Ulli Munsch in der Rolle der wohlhabenden Flüchtlingshelferin Susanne Heiter, die jahrzehntelang bei den Machenschaften ihres Ehemanns offenbar weggeschaut hat, im Alter dann doch die Konsequenz zieht, und sich scheiden lässt und nicht zuletzt dem jahrzehntelang untergebenen „Mädchen für alles“ für Herrn Heiter, dem Prokuristen Friedrich von Arlstein (Roman Kellner). Wobei – ob ohne oder mit Behinderung – jede und jeder der Schauspieler:innen neben dem Zusammenspiel auch jeweils mindestens eine Szene hat, in der sie / er sozusagen im Zentrum steht oder sitzt.

Die Bühne (Bühnenbild, Technik: Georg Wagner) kommt mit wenigen Mitteln aus – genial, wie ein Kastl danke weniger Handgriffe zum Auto wird 😉 Für die passenden Kostüme sorgte Sigrid Dreger.

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In Kleingruppen begannen die Volksschulkinder mit Tierbegriffen zu spielen und Neues zu basteln

Krokodil + Affe – die „Erfindung“ neuer Tierarten ;)

Kraffe, Piros, Schnoko, Odilerhai, Flepferd, Flederange… das sind neuartige Tierbabies. Sie sind die Kinder ungewöhnlicher tierischer Kombinationen. Von Krokodil und Affe beispielsweise (Nummer 1) oder Fledermaus und Schlange (das letzte aufgezählte Beispiel).

Diese neuen Tierarten sind kein Ergebnis seltsamer Laborversuche verrückter Wissenschafter:innen. Kinder der 3i der Volksschule Leopoldsgasse (Wien, 2. Bezirk) haben sie sich ausgedacht. Zuvor waren sie – geführt von Klaus Nowak vom Institut für Jugendliteratur die Kinder durch das Literaturmuseum in der Johannesgasse in der Wiener Innenstadt geführt.

Zwischen Regalen mit uralten, historischen Ordner-Schachteln finden sich zwischen vielen der alten, denkmalgeschützten hölzernen Stellagen auch Monitore auf denen Ausschnitte aus Theaterstücken laufen, die auf Klassikern der österreichischen Literatur basieren. In einer großen Vitrine liegen, stehen, hängen Original-Gegenstände von Autor:innen. Über Kopfhörer können Texte vernommen werden. Solche laufen aber auch als Schrift über Bildschirmen, andere stehen in großen Buchstaben an Wänden, auf Plakaten usw.

Vorläufer von Sprayer:innen

Die Ausstellung umfasst auch recht ungewöhnliche Objekte. So steckt eine Kanonenkugel – das heißt eine Nachbildung einer solchen – in einer alten Ordner-Box – aus dem Jahr 1848, als eine solche in dem alten Archiv eingeschlagen hat. Ein kleines Fernrohr lässt nicht in die Ferne schauen, sondern zu sehen ist die Schrift des Namens Kyselak. Der Beamte Joseph Kyselak (1798 – 1831) wollte berühmt werden. Dafür hat er seinen Nachnamen bei all seinen Reisen in Steine, Tische und wo auch immer eingeritzt, sozusagen als Vorläufer von Sprayer:innen.

Viele Fragen

Die 8- und 9-jährigen Kinder kamen schon mit viel Wissen – und mit noch mehr Fragen. Dafür war die Zeit dann doch zu kurz, aber so manche von ihnen werden vielleicht auch privat diesem Museum in den Räumen des einstigen Hofkammerarchivs den einen oder anderen Besuch abstatten. Der wohl berühmteste Direktor dieses Archivs war Franz Grillparzer, im Brotberuf Finanzbeamter aber vor allem leidenschaftlicher Dichter vor allem von Theaterstücken – und als solcher eben bekannt geworden („König Ottokars Glück und Ende“, „Der Traum ein Lebe“, „Weh dem, der lügt“…).

Das Museum stellt oft auch Bezüge zwischen Literatur und anderen Kunstgattungen her. Schon im Foyer, wo die Kinder begrüßt wurden, hängen Comic-artige Zeichnungen zu Texten von Franz Kafka, dessen Todestag sich heuer zum 100. Mal jährte.

Am meisten Spaß aber hatten die Volksschüler:innen mit dem Sprachbastel-Workshop, wo sie sich die ungewöhnlichsten Tierkombinationen ausgedacht haben.  

Wortwelten…

… heißen die Mitmachveranstaltungen des Instituts für Jugendliteratur im Literaturmuseum, das wiederum zur Österreichischen Nationalbibliothek gehört.

„Sprachbasteln“ gibt es ab der 3. Schulstufe, ab der 5. Schulstufe, also den 1. Klassen weiterführender Schulen steht unter dem Titel „Mein Literaturstar“ die spielerische Entdeckungsreise von Künstler:innen auf dem Programm der Führungen.

Außerdem im Angebot: Lesungen mit bekannten Autor:innen wie etwa Heinz Janisch, Irmgard Kramer und Alexandra Holmes.

Und die Sprachbastel-idee darf natürlich jede und jeder allüberall anwenden 😉

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jugendliteratur -> wortwelten

literaturmuseum

leopold.schule.wien

Doppelseite aus "Die Konferenz der Vögel"

Abenteuerliche, fantasievolle Höhenflüge

Der Titel mag vielleicht ein wenig andere Erwartungen wecken: „Konferenz der Vögel“ erinnert doch sehr stark an Erich Kästners Geschichte, in der die Tiere zusammenkommen, um die Menschen dazu zu bringen, endliche Kriege zu beenden und friedlich zusammen zu leben.

In dieser Geschichte – erzählt von Maximilian Hauptmann nach der persischen Sufi-Legende vom Vogelkönig Simurgh (Mantiq ut-tair / Die Vogelgespräche) des Dichters Fariduddin Attar aus dem 12. Jahrhundert – geht’s auch nicht wirklich um eine Konferenz; und Menschen bleiben ganz außen vor. Wenngleich sie genau für diese hoch-philosophische-praktische Erkenntnis bringen will. Schon das Motto bevor die knapp mehr als 140 Seiten beginnen, legt dies mehr als nahe: „Ihr habt Flügel, um zu fliegen. Wollt ihr sie denn nicht nutzen?“

Flugreise

In einem besonderen – für Menschen unzugänglichen – Wald finden sich alle möglichen Vögel dieser Welt. Vom Wiedehopf über Papagei, Adler, Schwan, Eule, Nachtigall, Bienenelfe… Ersterer war zum ersten Mal nach langer Zeit wieder in der Runde der gefiederten fliegenden Tiere. Er berichtete von seinem Treffen mit dem König der Vögel. Der Besitzer aller Weisheiten könnte doch das Ziel einer gemeinsamen Reise sein. So die Story.

Klar, das kann dann doch nicht so einfach sein. Und so gilt es abenteuerlichste Hindernisse zu durchfliegen. In jedem der Abschnitte steht ein anderer der Vögel im Zentrum. Und eine tiefsitzende Angst. Vor absoluter Dunkelheit; vor unbändigem Wind; vor Ungeheuern…

Aufgeben?

Nicht selten, ja sogar recht oft, stellt sich der entsprechende Vogel die Frage: Zahlt es sich aus, in die Gefahr zu begeben oder nicht lieber auf den Flug zu diesem ominösen König zu verzichten?

Natürlich gibt letztlich keiner auf – auch wenn manche wie etwa der Rabe in seiner Passage mehrmals den Weiterflug abbricht. Und dennoch fällt das Ende, die angestrebte Begegnung mit dem König, überraschend aus. Wenngleich sie sich schon irgendwie fast vermuten lässt je länger du dich durch die Geschichte und ihre Erkenntnisse und Weisheiten liest.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Die Konferenz der Vögel“

Fast noch mehr als die parabelhafte Erzählung beeindrucken die Bilder von Teelke Limbeck. Diese sind weit mehr als „nur“ Illustrationen des Textes. Der Mix aus Gezeichnetem, Gemaltem und mit u.a. Anspitzerresten Collagiertem ergibt eine zweite, fantasievolle Reise der unterschiedlichen Vögel auf der Suche nach Weisheiten, Erkenntnissen und Stärken jenseits der vordergründigen Äußerlichkeiten.

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Szenenfoto aus "Maria Emhart - Rädelsführerin im Kampf für die Demokratie"

Ein fast vergessene „Rädelsführerin im Kampf für die Demokratie“

Unaufgeregt, ein bisschen auf Frau aus vor Jahrzehnten gekleidet und gestylt (Maske: Tina Kern), schlüpft die Schauspielerin in die Rolle einer solchen. Bisher meist von berühmten Persönlichkeiten: Bertha von Suttner, Rosa Luxemburg, Marie Curie, Lise Meitner, Hedy Lamarr, Käthe Leichter, Marie Jahoda… Mit diesen hätte die Protagonistin des neuesten Stücks von Anita Zieher und ihrem Portraittheater den Vergleich auch gar nicht zu scheuen gebraucht. Doch wer kennt schon Maria Emhart? Außer vielleicht in Bischofshofen, wo sie jahrelang Vizebürgermeisterin – und zwar die allererste in ganz Österreich – war. Und wo ein Platz nach ihr benannt ist. In St. Pölten trägt eine Straße ihren Namen und in Wien ein Weg in der Donaustadt (22. Bezirk).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Maria Emhart – Rädelsführerin im Kampf für die Demokratie“

Trotz der Benennungen weiß kaum wer was über die Frau, die Zieher in ihren 1¼ Stunden im Untertitel „Rädelsführerin im Kampf für Demokratie“ – derzeit im Wiener Theater Drachengasse (Regie: Margit Mezgolich; siehe Info-Box) – nennt. Mit Margarthe Ottilinger hatte die Theaterfrau übrigens vor einem Jahr auch eine kaum bekannte Wirtschaftspionierin in einem Bühnenstück portraitiert.

Aus der Baracke in den Widerstand und ins Parlament

Von der armen Kindheit in einer Barackensiedlung im niederösterreichischen Pyhra (Bezirk St. Pölten) als ältestes von fünf Kindern der Landarbeiterin Marie und des Eisenbahners Johann Raps aufgewachsen, arbeitete sie schon als 14-Jährige in der Glanzstoff-Fabrik, wurde Betriebsrätin, übernahm Verantwortung als sich andere sozialistische Funktionäre in den Februarkämpfen 1934 wegduckten und war eine der beiden Hauptangeklagten im großen Sozialistenprozess 1936. Damals später viel prominenter gewordene Mitangeklagte u.a. Bruno Kreisky, Franz Jonas… Aus der Rede Emharts im Prozess zitiert Zieher ebenso wie aus anderen Reden und Erinnerungen. Möglichst authentisch will die Schauspielerin immer ihre Protagonistinnen vermitteln. Beantragt war die Todesstrafe, die Zeugen widersprachen einander, was die Aktivitäten in den Tagen nach dem 12. Februar 1934 betrafen, 18 Monate Kerker lautete das Urteil.

Ihr „Koarl“, der Ehemann von dem sie den Namen hat, musste sich aus Sicherheitsgründen scheiden lassen, sie lebten kurz nach ihrer Freilassung dennoch wieder zusammen – in St. Pölten. Er, ein Eisenbahner, wurde strafversetzt. Sie zog mit ihm nach Bischofshofen.

Abgeordnete

In der Nazizeit under cover schickte sie Lebensmittelpakete an Rosa Jochmann im Konzentrationslager Ravensbrück, blieb heimlich in Kontakt mit Genoss:innen der Revolutionären Sozialist:innen. Nach 1945 intensive Arbeit am Wiederaufbau der Heimatstadt, politisches Engagement in der Landes-SPÖ, Mitglied des Landtages, später des Nationalrates (1953 bis 1966).

Soweit die Fakten. Zieher wechselt zwischen Erzählungen aus dem Leben und Reden, die Emhart gehalten hat. Vermittelt trotz aller Sachlichkeit nicht zuletzt auch die Emotionen des Widerstands, des Kampfes gegen Feinde der Demokratie. Aber auch der Geringschätzung der (politischen) Arbeit von Frauen – auch in der eigenen Partei. Und setzt damit einer – (noch?) immer viel zu wenig bekannten Pionierin ein lebendiges szenisch erzähltes Denkmal.

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Puppenspielerin mit einigen der Figuren, mit denen sie "Nathan in the Box" performt

Eine Performerin, neun Puppen, Text und fetzige Musik vom „Band“

Eine relativ kleine von Stoff umrandete Bühne auf der großen Bühne – das ist sozusagen die „Box“ der Puppenspielerin Bridge Markland (Idee / Sound-Collage / Co-Regie und nicht zuletzt mitreißende Performance). Derzeit gastiert sie mit „Nathan in the Box“ bei den internationalen Puppenspieltage im niederösterreichischen Mistelbach, übrigens bereits den 46. Der Titel legt nahe, dass sich das 1¼-stündige Stück an Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ orientiert – DEM Klassiker gegen die Bevorzugung einer der großen monotheistischen Religionen. Es geht ums Mensch-Sein, egal ob Christen-, Judentum oder Islam.

Puppenspielerin mit einigen der Figuren, mit denen sie
Puppenspielerin mit einigen der Figuren, mit denen sie „Nathan in the Box“ performt

Kürzest zusammengefasst das Original

Eingebettet in dramatische Geschichten angesiedelt vor fast 1000 Jahren in der Zeit eines der Kreuzzüge der Christen zur Eroberung Jerusalems, dachte sich Lessing Szenen rund um ein brennendes Haus, die Rettung der vermeintlich jüdischen Recha, Pflegetochter des Juden Nathan, durch einen christlichen Tempelritter aus. Dieser wiederum verdankt sein Leben dem muslimischen Sultan Saladin.

Bekannt aus der doch komplizierten Geschichte ist vor allem die Ring-Parabel, die sich Lessing übrigens u.a. von Giovanni Boccaccios „Decamerone“ und anderen Erzählungen sozusagen ausgeborgt hat: Über Generationen hinweg vererben Väter einen wertvollen Ring jeweils an den Lieblingssohn. Dann kommt einmal ein Vater, der seine drei Söhne gleichermaßen liebt. Er lässt zwei perfekte Duplikate anfertigen, sodass niemand erkennen kann, welcher der drei Ringe das Original ist. Nach Vaters Tod und dem folgenden Rechtsstreit der Söhne, urteilt ein weiser Richter, sie sollten sich alle drei bemühen, Gutes zu tun, dann würden sie draufkommen, welcher Ring der ursprüngliche wäre. Natürlich stehen die drei Ringe symbolisch für die drei genannten Religionen.

Puppenspielerin mit einigen der Figuren, mit denen sie
Puppenspielerin mit einigen der Figuren, mit denen sie „Nathan in the Box“ performt

Rasante Rollenwechsel

Diese doch insgesamt komplexe Story verkörpert die Puppenspielerin in einem insgesamt rasanten, knackigen Solo mit leicht wechselnden Kostümen und Kopfbedeckungen im Wechselspiel mit neun Puppen (Puppen / Kostümdesign / Requisiten: Eva Garland) in, aber auch außerhalb der eingangs geschilderten Box – nicht selten auch ganz nahe ans Publikum gehend, laufend oder fast springend (Co-Regie / Dramaturgie: Nils Foerster). Alle Dialoge – ob die scheinbar aus den Mündern der Puppen oder der Performerin kommen aus dem Off – via Computer über Lautsprecher. Acht verschiedene Künstler:innen haben die Rollen- und Dialogtexte der schon genannten und weiterer Protagonist:innen eingesprochen. Der Ton läuft vom Start weg durchgängig ab – somit muss sich Bridge Markland – tritt nur unter diesem Künstlerinnen-Namen auf – voll an diesem orientieren, keine Sekunde Zeit zu verschnaufen oder sich mit der einen oder anderen Puppe zu verheddern.

Puppenspielerin mit einigen der Figuren, mit denen sie
Puppenspielerin mit einigen der Figuren, mit denen sie „Nathan in the Box“ performt

Musikalisches Feuerwerk

Markenzeichen der Künstlerin, die ursprünglich vom modernen Tanz kommt, einige Klassiker aber auch Drag-Shows im Repertoire hat: Neben den gesprochenen Sätzen bringt sie viel Musik zu Gehör – kurz und kürzest angespielte Hits, Songs, Schlager aus unterschiedlichsten Generationen und die voll passend zur jeweiligen Situation von Talking Heads‘ „Burning down the House“ bis zu John Lennons „Imagine“, von „Die Ärzte“ bis zu „Schwesta Ewa“, von „Jesus Christ Superstar“ bis zu „Herr der Ringe“… (Sounddesign: Tom Hornig)

Ach ja, Funfact am Rande, passend zur Re- und Upcycling-installation im Foyer: Alles – Die Puppen, die Box und ihre eigenen Kostüme sind so dimensioniert, dass sie in einen großen Rollkoffer passen. „Ich fahr seit Jahrzehnten zu allen Auftritten mit der Bahn“, verrät die Künstlerin nach der Vorstellung.

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Szenenfoto aus "Second Hand Show"

Zweites und neues Leben für Objekte

Schwebende Medusen aus re- bzw. upgecycelten Kunsstoffflaschen, Dosen und anderen Altmaterialien – erdacht und hergestellt von Schüler:innen der Kunstklasse 23b der Mittelschule Mistelbach – begrüßen die Besucher:innen im Veranstaltungszentrum gleich beim Bahnhof Mistelbach (Niederösterreich). Es ist mit mehreren Sälen einer der zentralen Spielorte der (mittlerweile 46.) Internationalen Puppentheatertage. Die schwebenden Quallen symbolisieren das Motto dieses Jahres „Gezeiten“. Und so startete die Figurenspiele auch gleich mit „Die kleine Meerjungfrau“ von der Theatermanufaktur aus Deutschland am Dienstagvormittag.

Socken- und Rahmenpuppen

Parallel dazu lief einen Stock drüber „Second Hand Show“ von „babelart Theater“, einem im oberösterreichischen Gmunden beheimateten Duo aus Sizilien (Italien) und Estland. Und was anderes als das moderne Recycling ist Second Hand wie es früher auch schon „neudeutsch“ hieß für die Wiederverwendung vor allem abgelegter Kleidung. Wobei hier Andra und Manfredi Siragusa den Objekten – ob Socken, Tischtennisbällen, Pfannen, Bilderrahmen, Spielkarten, Fahrradklingeln und Dutzenden weiteren Gegenständen nicht nur ein zweites, sondern immer wieder auch ein ganz anderes Leben verschaffen. Socken und zwei Radglocken werden zu Figuren ebenso wie kleine Bilderrahmen mit je zwei Tischtennisbällen.

All ihr vieles Zeug haben die beiden Spieler:innen schon zu Beginn zu einer Art üppigen Flohmarktstand aufgebaut. „Alles – 50 %“ steht groß auf einem Plakat über einem geöffneten Koffer. In den wandern nach und nach einige der Dinge. Und weil am Ende einpacken und abreisen auf dem Programm steht, zählt das Duo bei den gespielten Miniatur-Geschichten auch runter. Nach drei, kommt zwei…

Sprichwörter

Die gespielten Szenen orientieren sich, so erzählen die beiden nach der Vorstellung Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „an Sprichwörtern aus aller Welt, die wir sammeln“. Sprichwörter, die kulturübergreifende Lebensweisheiten sind – wie Liebe, die alle Hindernisse überwindet, oder echte Freunde zu erkennen, nicht gierig mehr als genug zu wollen…

In der Mitte angesiedelt

Beide lernten einander in Wels bei Gastspielen beim dortigen internationalen Figurentheaterfestival kennen – und lieben, beschlossen gleichsam in die Mitte zwischen Estland und Sizilien zu ziehen. Wobei Andra schon in Salzburg Germanistik studiert hatte, im sozialpädagogischen Bereich arbeitete, zum Puppenbau und -spiel kam. Manfredi erlernte in Palermo Schauspiel, zog nach Rom, kam in Kontakt mit Puppenspiel, betreib mit einem Kollegen in Turin eine entsprechende Gruppe, mit der er in Wels gastiert hatte…

Beide, die übrigens auch als Clown:innen in Krankenhäusern arbeiten, beschließen übrigens auch das internationale Festival in Mistelbach mit „Humoresken“ (27. Oktober, 18 Uhr – Details siehe Info-Box).

Puppenfigur begrüßt beim Eingang zum
Puppenfigur begrüßt beim Eingang zum „Stadtsaal“

33 Stücke aus sechs Ländern

Das Festival bringt 33 verschiedene Stücke aus Deutschland, Niederlanden, Österreich, Schweiz, Slowakei und Tschechien nach Mistelbach – für Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene. Bekannte Märchen werden ebenso gespielt wie Klassiker(-Versionen) (z. B. Lessings „Nathan“ („Nathan in the Box“ von Bridge Markland) oder Shakespeares „Sommernachtstraum“ („Sommernachtstraumschiff“ von Kaufmann & Co. / Sven Mathiasen) bis zu experimentellen Neu-Entwicklungen.

Festival-Intendantin bei einem der Saal-Eingänge
Festival-Intendantin bei einem der Saal-Eingänge

„In bewegten Zeiten, die Zuversicht nicht zu verlieren? Im Strom der Zeit zu schwimmen und dennoch Land zu sehen? Die Kunst des Theaters vermag es, uns zu navigieren“, schreibt die Puppentage-intendantin Cordula Nossek im Programmheft u.a. als Gedanken zum Festival. Und sie selbst spielt auch mit ihrem Dachtheater „Ebbe und Flut“.

Nationalfeiertag: Mimis Puppenspielfest

Am Nationalfeiertag (26. Oktober 2024) gibt es von 10 – 17 Uhr das seit einigen Jahren für diesen Tag eingeführte „MiMiS Puppenspielfest“. Mit einem Tickt kann jeweils die ganze Familie neun Kurzstücke sehen bzw. obendrein in einer Bastelstation aktiv werden und einiges mehr – siehe Homepage in der Info-Box unten am Ende des Beitrages.

Vernetzung

Am letzten Festivaltag stehen neben Stücken noch unter dem Motto „Day of Puppets“ Vernetzungen mit der österreichischen Kinder- und Jugendtheatervereinigung ASSITEJ sowie der internationalen Vereinigung der Puppenspieler und Figurentheater-Interessierten (UNIMA – Union Internationale de la Marionnette) mit Masterclass, Vortrag, Diskussion und Austausch auf dem Programm.

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Szenenfoto aus "Drachen-Zirkus": Ritterin Felicitas Feuerblitz (Anna Maria Reeves) und Jungdrache Lordilu (Filip Kajmakoski) mit Drachenmutter (Anna Hnilička)

Ritterin und musizierender Drache

Zwei Stoff-¼-Kreise, die an Fächer erinnern, und per Seilzug wandelbar sind, zeigen die jeweilige Szenerie in der Ritterin Felicitas Feuerblitz und Jung-Drache Lordilu im Laufe der knapp mehr als einen Stunde ihr Abenteuer in „Drachen-Zirkus“ von Theater Heuschreck eine weite Reise unternehmen.

Sie, die mutige Ritterin, will auf Drachenjagd gehen. Er, der Drachenbube, hat Stress mit seiner Mama. Die hätte gern einen richtig gefährlichen, Feuer speienden, Ritter verschlingenden Sohn. Doch er will lieber Musik machen.

Klar, Felicitas und Lordilu treffen aufeinander. Die kampfeslustige Ritterin erweist sich trotz mutiger Töne – leider – doch eher fast durchgängig als ängstlich. Aber wie auch immer, die beiden schließen Freundschaft – und sie werden zu Hoffnungsträger:innen der Fee Camella. Als ungewöhnliches, Arten-übergreifendes Duo könnten sie den geheimen Drachenschatz aus der Höhle vom See der tausend Drachentränen bergen…

Fixpunkt und Neue

„Drachen-Zirkus“ ist ein Klassiker des Theaters Heuschreck – die vor allem tourende Gruppe feiert im kommenden Jahr ihren 40. Geburtstag. Nach etlichen Jahren Pause wurde es kürzlich neu aufgenommen– erstmals im Loreley-Saal in Wien-Penzing (nahe der U4-Station Hietzing). Manche der jungen Besucher:innen waren sogar verkleidet gekommen – mit Ritterhemd, Vogel- und Ritterkostümen. Und sie – sowie alle anderen im Publikum spendeten Szenen-Applaus insbesondere nach den Songs.

Zur „Heuschreck“-Co-Prinzipalin Anna Hnilička, die Idee dazu hatte und den Text verfasste (auch als Buch – siehe Infos) und die überzeugend die unterschiedlichen Rollen Drachenmutter sowie Fee bzw. See-Ungheuer spielt, gesellen sich zwei neue junge Schauspieler:innen. Akrobatisch turnt, springt und wirbelt Anna Maria Reeves als Ritterin Felicitas Feuerblitz durch das Bühnengeschehen. In die Rolle von Jungdrache Lordilu schlüpft Filip Kajmakoski und strahlt durchgehend seine Abneigung gegen Kämpfen sowie seine Leidenschaft für Musik aus. In einer Szene gibt er – wie Hnilička auch – einen Ritterfreund von Felicitas Feuerblitz: Donnerkrater bzw. Hagelkorngewitter.

Wut und Mut

Ausgangspunkt für die Geschichte – zu der Anatoliy Olshanskiy die Musik beisteuerte – sei der Umgang mit Wut gewesen, so Hnilička zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nach der Premiere der neuen Version im Loreley-Saal (nahe der U4-Station Hietzing). Dazu gesellt sich noch das Brechen von Klischees: Der Drache, der gern musiziert und eben eine Ritterin. Wobei dieser Rolle dann doch vielleicht auch mehr Mut zugetraut werden könnte, den ohnehin die Figur und deren Spielerin verkörpert.

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Szenenfoto aus "Alte Meisterin" von makemake produktionen im Wiener Kosmos Theater

Live-Malerei, -Musik, -Fotografie und Schauspielkunst

Die Bühne praktisch ein einziges üppiges Atelier. Schon gemalte Bilder hängen und stehen an Metallschienen. Ein Tisch voller Farben. Eine Frau (Eva Beresin) im weißen Mantel, versunken vor sich hin malend – auf weißem Leinen ebenso wie über schon vorhandene fast fotografische Bilder. Am vorderen Bühnenrand in „Alte Meisterin“ von makemake produktionen im Weiner Kosmos Theater die bekannte Musiker Clara Luzia vor einem kleinen „Cockpit“ an Instrumenten. In zwei Lehnstühlen die Schauspielerinnen Veronika Glatzner, Clara Liepsch.

Malerei

Diese beiden schlüpfen in die Rollen von Studentinnen und Models der – erst im Alter wirklich groß gefeierten Malerin Maria Lassnig, himmeln diese an, verfluchen mitunter aber auch deren Launenhaftigkeit. Und sie werden von der Malerin Eva Beresin kräftig bemalt – Gesicht und schwarze, hautenge Kleidung (Kostüm: Mave Venturin), die gleichsam den Eindruck von Akt-Modellen erweckt – und werden so zu lebendigen dreidimensionalen Bildskulpturen; voller Körpereinsatz!

„Nur“ stellvertretend

Schon hier ist Beresin aber nicht sozusagen eine Darstellerin Lassnigs, auch wenn es Anklänge an die vor zehn Jahren verstorbene, doch schon 1980 erste Professorin an der Angewandten und ihre Persönlichkeit gibt. Eher steht sie für die künstlerische Leidenschaft generell UND die – trotz Thematisierung – noch immer nicht gleichwertige Akzeptanz von Malerinnen. Und damit auch ihrer, Beresins, eigenen Kunst – und die Parallel zu Lassnig, auch erst spät „entdeckt“ worden zu sein.

Lassnig selbst wird in so manchen späteren Szenen von den beiden Schauspielerinnen verkörpert – wobei Veronika Glatzner eher die forsche Seite Lassnigs und Liepsch die mitunter frustrierenden Telefonate mit einem Galeristen spielt.

Fotografin

Und dann betritt noch die Fotografin Apollonia Theresa Bitzan in ihrer ureigensten Profession die Bühne (Bühne: Nanna Neudeck; Choreografie: Martina Rösler) – um im Atelier zu fotografieren – mit allen Einschränkungen, die Lassnig zugeschrieben werden (Text: Sara Ostertag, Anita Buchart).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Alte Meisterin“ von makemake produktionen im Wiener Kosmos Theater

Musik

Clara Luzia bestreitet als Live-Musikerin einerseits eine Erzähl-Rolle, in dem sie Stationen von Lassnigs Leben in Songs verpackt und anderseits „untermalt“ sie musikalisch so manche Szene.

Spartenübergreifend

Die eineinhalb Stunden sind weit mehr als ein spartenübergreifender Theaterabend über die erst sehr spät gefeierte Malerin Maria Lassnig, sondern „nur“ ausgehend von dieser, ein Gesamtkunstwerk darüber, dass Frauen – auch – in der Kunst noch immer zu gering geschätzt werden.

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Einige Teilnehmer:innen mit Plakatenvor dem Parlament

Gelbe Ballons und Fahnen für Kinderrechte

„Eins, zwei, drei vier – Kinderrechte wollen wir! Fünf, sechs, sieben, acht – alle Kinder an die Macht!“ Der zweite Teil des lautstark in zwei alten Straßenbahnen sowie am Ende der Ring-Rundfahrt auf den Stufen vor dem Parlamentsgebäude gerufenen Slogans wurde Samstagnachmittag in mehreren Variationen gerufen. Gelbe Luftballons mit der Sprechblase „Kinder haben RECHTe“, T-Shirts, eine große gelbe Fahne mit dem selben Spruch – damit beendeten die Österreichischen Kinderfreunde ihre Bundeskonferenz. Zwar hieß die Losung „Es ist Zeit für eine Kinderrechte-Republik“ und die obigen Sprüche wurden engagiert skandiert, aber Kinder selbst?

„Naja, Konferenz eben!“, so die Erklärung an den fragenden Journalisten. Kein spezifisches Problem der SPÖ-nahen Organisation, die sich seit 117 Jahren einerseits für die Anliegen von Kindern einsetzt und andererseits selbst Träger von Kindergärten und Horten ist. Noch immer gibt es selten Konferenz- und Tagungsformate, in die Kinder bzw. Jugendliche selbst ihre Anliegen einbringen (können).

Recht auf Kindergartenplatz ab 1. Lebensjahr

Die politischen und sozialen Forderungen, die die Konferenz-Teilnehmer:innen in einem 12-seitigen Leitantrag beschlossen, reichten von einer Kindergrundsicherung als Mittel gegen (drohende) Armut über Rechtsanspruch auf einen ganztägigen und kostenfreien Kindergartenplatz ab dem 1. Lebensjahr, die Einführung einer gemeinsamen, ganztägigen Schule für alle Kinder bis zum Alter von 14 Jahren mit individueller Förderung von Begabungen und Interessen ohne Angst, ohne Zwang, ohne Noten, Gratis-Mittagessens für alle Kinder in Bildungseinrichtungen, den Ausbau der Sprachförderung bei                gleichzeitiger  Abschaffung der sogenannten Deutschförderklassen bis zur Finanzierung von Bildungseinrichtungen nach dem Chancen-Index sowie der dringenden Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Pädagog:innen.

Einige Teilnehmer:innen mit Plakatenvor dem Parlament
Einige Teilnehmer:innen mit Plakatenvor dem Parlament

Klimaschutz ist Kinderrecht

Die verfassungsmäßigen Kinderrechte – ein Teil der Kinderrechtskonvention ist im Verfassungsrang – sollte durch das Recht auf Klimaschutz und ein lange gefordertes verbindliches Gesetz ergänzt werden. Jeder Gesetzesentwurf bräuchte eine Klimafolgenabschätzung, sowie eine verpflichtende Kinderverträglichkeitsprüfung in der Stadt-, Raum- und Verkehrsplanung. Kinder und Jugendliche sollten in ganz Österreich kostenlose alle öffentlichen Verkehrsmittel nutzen dürfen.

Gewaltlose Erziehung-Kurse in den Eltern-Kind-Pass

Weitere Forderungen bezogen sich auf den erst in den vergangenen Jahren zum Thema gewordenen Kinderschutz. Hier bräuchte es den Kinderfreunden zufolge mehr finanzielle Mittel für die Umsetzung von Kinderschutzkonzepten in Bildungseinrichtungen und Vereinen, Informationskampagnen für und Gewaltpräventionsmaßnahmen bei Eltern sowie verpflichtende Kurse in gewaltloser Erziehung für alle Eltern als Teil des Eltern-Kind-Passes.

(Psychische) Gesundheit

Neben einer Absage an Zwei- oder noch mehr-Klassenmedizin verlangten die Konferenz-Teilnehmer:innen zum Gesundheitsbereich unter anderem Ausbau der Therapieplätze für Ergotherapie, Logopädie und Psychotherapie sowie die Abschaffung von Selbstbehalten oder der Notwendigkeit von Zusatzversicherungen für Kinder; regelmäßige Besuche von Gesundheits-Teams  an Schulen       (Schulgesundheit-Teams: Schulärzt:innen, Schulpsychologie, Soziale Arbeit), Ausbau der kinderpsychiatrischen Ordinationen, vollständige Übernahme der Therapiekosten durch die Krankenkassen, Förderung von Erholungsaufenthalten in den Ferien für Kinder aus einkommensschwachen Haushalten durch die Krankenkassen; bundesweite Aufstockung und faire Verteilung der Studienplätze „soziale Arbeit/Sozialpädagogik“ und ein Schwerpunktausbau im Fachbereich „Schulsozialarbeit“.

Suspendierung von Kindern/Jugendlichen aus dem Bildungssystem darf keine Option sein; stattdessen braucht es sinnvolle pädagogische Maßnahmen bei großen pädagogischen Herausforderungen (Beispiel Timeout-Konzept).

Migration

„Der Erwerb der Österreichischen Staatsbürgerschaft darf nicht vom ökonomischen Hintergrund abhängen: wir fordern die Abschaffung der Bundes- und Landesgebühren, sowie die massive Senkung der Einkommenshürde“, heißt es im erwähnten umfassenden 12-seitigen Forderungskatalog. Außerdem sollten Kinder per Geburt die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten, wenn ein Elternteil zumindest 5 Jahre legal in Österreich lebt.

Minderjährige Flüchtlinge sollten den Anspruch auf Obsorge ab Tag 1 bekommen. Deutsch-als-Zweitsprache müsste in allen Bildungseinrichtungen angeboten werden bei gleichzeitiger Abschaffung der separierenden Deutschförderklassen.

Kinderministerium

Um Anliegen und Rechten von Kindern mehr Gehör zu verschaffen, verlangen die Österreichischen Kinderfreunde die Einrichtung eines eigenen Kinderministeriums oder Staatssekretariats. Dieses solle zentral, ressortübergreifend Initiativen und Maßnahmen zu Kindergesundheit, Bildung, Kinderschutz und Kinderrechten koordinieren, gezielte Forschung als Entscheidungsgrundlage und zur Evaluation von Maßnahmen beauftragen, detailliert Auswirkungen von Gesetzen auf die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen evaluieren und ein unabhängiges, jährliches Monitoringverfahren zur Bewertung der Umsetzung von Kinderrechten in Gang setzen.

Ein Schuss Selbstkritik

„Wenn wir mit uns ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass auch bei unseren Angeboten teilweise Hürden bestehen und nicht alle Kinder an unseren Angeboten teilhaben können“, konstatiert der Leitantrag selbstkritisch. Und nimmt sich vor, „eine Arbeitsgruppe mit Vertreter:innen verschiedener Kinderfreunde-Tätigkeitsfelder“ einzurichten, die „sich dem Thema Inklusion“ widmet, „Weiterbildungsangebote für Kinderfreund:innen und Leitfäden/Checklisten und Methoden“ entwickelt, „damit unsere diversen Angebote noch barrierefreier im Sinn von: keine sozialen Barrieren, keine finanziellen Barrieren, keine sprachlichen Barrieren, keine baulichen Barrieren werden“.

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kinderfreunde.at

Szenenfoto aus "Wenn zwei sich streiten"

Konkurrenzkampf mit Augenzwinkern

Vor einem stilisierten Baum und zwei vieleckigen Kisten mit je einem kleinen Loch treffen die beiden aufeinander: Tiger und Löwe. Bevor sie ins Spiel der Bilderbuch-Geschichte „Wenn sich zwei streiten“ eintauchen, lockern die beiden Schauspielerinnen ihr (junges) Publikum mit ein paar kleinen Schmähs auf. In gespielter Konkurrenz wollen sie die Zuschauer:innen begrüßen – „lauter nette Menschen“ – „kannst du doch gar nicht wissen, du kennst sie ja gar nicht“…

Um Konkurrenzkampf dreht sich die Story, die auf dem gleichnamigen Bilderbuch von Britta Sabbag (Text) und Igor Lange (Illustration) aufbaut. Tiger und Löwe meinen, jeweils der Stärkste, Größte und so weiter im Tierreich zu sein. Und das müsse nun sozusagen ausgefochten werden, um klarzustellen, wer es tatsächlich ist.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wenn zwei sich streiten“

Portion (Selbst-)Ironie

Das Theater des Kindes in Linz hat auf der Basis des Buches eine Bühnenversion erarbeitet. Regisseur Harald Bodingbauer hat eine Stückfassung getextet, die sich sehr nahe am Original bewegt. Das teils tänzerische (Choreografie: Jasmin Shahali) Spiel der beiden Akteurinnen bringt aber noch eine zusätzliche Ebene ins Geschehen. Immer wieder brechen sie die Bewerbe um die Vormachtstellung mit mindestens einem Schuss (Selbst-)Ironie. Die beginnt schon damit, dass beide zunächst ihre Schwänze (Kostüme: Elke Gattinger) gar nicht am Popo haben, sondern erst aus den Kisten holen müssen und dann zunächst sogar vertauschen.

Ob Stärke, Sprungkraft, Balancierkunst – mal legt Lena Matthews-Noske als Tiger vor und Katharina Schraml als Löwe muss und wird ausgleichen, dann wieder muss Tiger versuchen, die gleiche Leistung zu erbringen wie Löwe. Übrigens ist es für Schraml nicht ihr erster Löwe, einen solchen spielte sie auch schon in „Konferenz der Tiere – ihre helle gelockte Haarpracht prädestiniert sie schon rein optisch dafür.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wenn zwei sich streiten“

Sportarena-Stimmung

Bei der Premiere Freitagvormittag (18. Oktober 2024) begannen die meisten Kinder sich wie bei einem sportlichen Wettkampf auf eine Seite zu schlagen und eine der beiden Raubkatzen anzufeuern – welche, das sei hier nicht verraten, um nicht eventuell einen Nachahmungseffekt für spätere Vorstellungen auszulösen. Aber trotz dessen beklatschten (fast) alle stets die jeweilige Akteurin, wenn sie ihre Herausforderung bewältigte.

Je länger das Kräfte- und Stärkemessen dauert, umso öfter kommt es – natürlich nicht zufällig – vor, dass Tiger und Löwe (mitunter scheinbar unfreiwillig) einander helfen. Und natürlich kommen sie auf kein wirkliches Ergebnis: Immer gleich stark, schnell, geschickt… Aber statt eines Unentschiedens kommt’s zu einer riesigen kleinen Überraschung. Nein, gespoilert wird hier wie auch schon bei der Buchbesprechung (Link unten) nicht; lass dich überraschen 😉

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wenn zwei sich streiten“

Weltmusik und Geräuschkulisse

Eines sei aber schon verraten: Die mit wenigen Mitteln auskommende und doch so weite Welten eröffnende Bühne wurde von Franz Flieger Stögner erdacht und gebaut. Er sorgte dieses Mal aber auch gleich noch für die Musik. Seine Überlegung dazu zitiert das Programmheft des Theaters des Kindes so: „Mein erster Gedanke war, Löwe und Tiger mit heißen afrikanischen und indischen Rhythmen zu manifestieren. Aber auch ruhigere Töne aus den beiden Kulturkreisen werden ihren Platz finden. Ich finde es sehr interessant, Kindern diese ethnographischen Musikstile näher zu bringen und ihren musikalischen Horizont abseits des Mainstreams zu erweitern.“ Über die Musik hinaus schuf er allerdings noch eine Geräuschkulisse, die Dschungel, Wind aber auch die Wettkampf-Atmosphäre akustisch erahnen lässt. Für die passenden Lichtstimmungen sorgt Natascha Woldrich.

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Foto zu "Cinello Glockenhell"

Musikalisch-tänzerische kuschelweiche Bilderbuchwelt

Sanft, verspielt schickt Antonia Ortner mit vorsichtigen Berührungen der Saiten ihres Hackbretts mit den fast filigran wirkenden Schlägeln Töne in den Raum als das Publikum diesen überhaupt erst betritt. Meist sind es sehr junge Kinder, die an der Hand oder auf dem Arm von Erwachsenen hierher auf Bühne 3 des Dschungel Wien gebracht werden. Manche der Kinder fühlen sich von den weich ausschauenden Stoffen, Pölstern usw. in pastelligen Farben so angezogen, dass sie die Bühne gleich für sich erobern wollen (Ausstattung: Nina Ball, Michael Haller). Was allerdings erst für nach der Vorstellung vorgesehen ist.

Foto zu
Foto zu „Cinello Glockenhell“

Noch scheint die Kollegin der Musikerin, die Tänzerin und Schauspielerin Jasmin Steffl gemütlich auf einer großen flauschigen Decke zu schlafen. Oder wenigstens zu schlummern. Sie, deren – nie ausgesprochener – Bühnenname offenbar Cinello lautet, wird erwachen und einen neuen Tag beginnen. Vielmehr stellt sich bald heraus, der Tag ist eher ein Jahreskreislauf – mt erwachender Natur, Temperaturanstieg bis zur Sommer-Sonnenhitze und anschließendem Kälter-Werden samt Schneefall (Regie und Choreografie: Rosa Braber).

Foto zu
Foto zu „Cinello Glockenhell“

Wien – St. Pölten – Graz

Mit dem Programm „Glockenhell“ gastiert diese Jeunesse-Produktion derzeit im Theaterhaus für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier, danach noch im Grillparzer Musik- und Kunstschulcampus sowie der Oper Graz.  Im Dezember wird Cinello eher faschingsmäßig, aber natürlich auch musikalisch-tänzerisch „mit der roten Nase – Lang und Gnal“ (mit anderer Besetzung: Petra Slottová / Querflöte; Marlies Polzhofer / Gesang, Schauspiel, Regie) vom MuTh (MusikTheater Am Augartenspitz) bis nach Innsbruck (BRUX) schon jüngstes Publikum verzaubern.

Die nicht ganz ¾-stündige Reise aus Instrumentalmusik (u.a. Chick Coreas „Children’s Songs“, oder die ohrwurmigen Herbstblätter von Joseph Kosma) kombiniert mit wortlosem Tanz und Spiel zieht über Klänge und Bilder in den Bann und lässt in eine Art Bilderbuchwelt eintauchen.

Foto zu
Foto zu „Cinello Glockenhell“

Beginnende Interaktion gleich wieder abgebrochen

In einer Passage verteilen Mitarbeiter:innen der Jeunesse an die Kinder Rassel-Instrumente – die sie allerdings bald danach wieder absammeln. Dieses nur kurzfristige Einbeziehen und bald danach wieder Wegstoßen erweist sich doch als Schwäche in dem ansonsten feinen Programm. Impulse und auch ein Ambiente zum Mitmachen und diese dann nur schaumgebremst zulassen und fast gleich danach wieder so stark einzuschränken ist eher eine Alibi-Interaktion, die insbesondere (sehr) junge Kinder stark zurückstößt, sich nicht auskennen lässt bzw. frustriert.

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Foto zu
Foto zu „Cinello Glockenhell“
Der Autor des Stücks "Funken" applaudiert dem Schauspiel-Ensemble sowie dem Team hinter den Kulissen für die Inszenierung

Hochenergetisch übers (Nicht-)Normalsein ohne zu bewerten

Beinahe endete der Applaus für die vier Darsteller:innen sowie auch für das Team hinter der Aufführung von „Funken“ im Theater im Zentrum nicht – Stückbesprechung (samt Infos) unten gegen Ende des Beitrages verlinkt. Jubelrufe und heftiges Klatschen für das körperlich-energetisch starke Stück über Jugendliche, die allein auf sich gestellt auch fast zynisch gedachte Situationen Erwachsener meistern. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hatte mit Till Wiebel schon vor drei Jahren, als er mit dem Text einen der Retzhofer Dramapreise gewonnen hatte, kurz gesprochen. Nun nach der Inszenierung – Wien war nicht die erste, in einigen deutschen Städten wurde es schon gespielt – stellte sich der Autor einem Gespräch mit dem Journalisten; der vergessen hatte, davon ein Foto machen zu lassen ;(

„Funken“-Autor Till Wiebel

KiJuKU: Wie oft hast du mittlerweile Inszenierungen deines Stücktextes erlebt?
Till Wiebel: Die Uraufführung war in Berlin, dann ging das Stück in Deutschland ein bissl rum – Braunschweig, Kassel, Kaiserslauten, Dessau. Jetzt Österreich-Premiere in Wien – da schließt sich der Kreis, der Text wurde ja sozusagen in Österreich geboren. Nächste Saison kommt es jedenfalls noch nach Heidelberg.

KiJuKU: Wodurch unterscheiden sich die verschiedenen Inszenierungen vor allem?
Till Wiebel: Die Tema suchen jeweils unterschiedliche Sachen in der Geschichte und Strategien, diese zu erzählen – in der Spielweise, der Bühne und kommen alle zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dementsprechend sind das sehr unterschiedliche Theaterabende, der Text bietet ja ganz viel an. Sie unterscheiden sich eigentlich fast in allem.

KiJuKU: Warst du bei jeder Inszenierung dabei?
Till Wiebel: Ich hab bisher alle Versionen gesehen.

KiJuKU: Bist du mit allen zufrieden oder gibt es welche, die deine Intentionen stärker oder besser treffen?
Till Wiebel: Bestimmt kann ich mich manchen Erzählweisen mehr anschließen als andere oder die berühren mich mehr. Gleichzeitig vertrau ich aber auch darauf, dass die einzelnen Teams für sich was finden. Dementsprechend ist das gut, wenn es unterschiedliche Ästhetiken, weil dadurch unterschiedliche Menschen angesprochen werden. Es geht gar nicht darum, was mir mehr oder weniger gefällt. Es ist gut, dass alle Teams aus dem Text heraus schöpfen.

Sehr hohe Energie

KiJuKU: Was war nun hier bei der Wiener Inszenierung das Spannendste oder vielleicht auch Überraschendste?
Till Wiebel: Ich bin total begeistert von dieser sehr starken Körperlichkeit. Die spielen hier ja fast zwei Stunden – mit einer Pause – und ballern energetisch so richtig durch. Diese ganze Inszenierung hat durchgehend ein sehr hohes Level. Das ist – wie ich gedacht habe – dem Text sehr nah, dass das Spiel eine sehr hohe Frequenz hat. Gerade in der zweiten Hälfte hatte ich das Gefühl, es läuft eigentlich durchgehend wie so ein Puls und ganz viel überschlägt sich in den Ereignissen, indem körperlich agiert wird, weil die Spielerinnen und Spieler sich so richtig reinschmeißen. Das find ich sehr bemerkenswert.

KiJuKU: Was war für dich der allererste Ausgangspunkt für diesen Text bzw. die Geschichte?
Till Wiebel: Von vornherein haben sich für mich einige Dinge gemischt: Meine persönliche Biographie hat viel mit Ferienlagern zu tun – ich war als Kind und Jugendlicher viel in solchen Räumen unterwegs.

KiJuKU: Mit positiven oder negativen Erinnerungen?
Till Wiebel: Eher sehr positiven. Die Figuren in „Funken“ haben eigentlich ja auch eine gute Zeit, auch wenn ihnen schlimmer Dinge widerfahren. Es ist immer ein Ort, der besonders ist – abseits von zu Hause, da sind fremde Leute, andere Abläufe. Es ist oft ein Ort, der so abseits ist von allem, was du bis dahin kennst. Dementsprechend können da alle auch anders sein als sie sonst sind. Das ist das Potenzial.

Und andererseits ging’s mir darum, zu befragen, was ist Normalität. Wer ist eigentlich normal. Mit welchen Gründen wird „nicht-normal-sein“ abgewertet und wie kann man das umdrehen? Was passiert dann. Das sind so zwei wichtige Startpunkte für meine Geschichte gewesen. Und wie man eine Geschichte über Normal- und Nicht-Normal-Sein erzählen kann, ohne dass das eine besser ist als das andere.

Vielleicht sollten sich Erwachsene zurücknehmen

KiJuKU: Mir sind beim Lesen des Textes zwei Klassiker in den Sinn gekommen: „Herr der Fliegen“ von William Golding und „Boot Camp“ von Todd Strasser, besser bekannt unter seinem Pseudonym Morton Rhue.

Till Wiebel: Der Text nimmt Motive auf, die in verschiedenen auch bekannten Erzählungen stecken, aber er will in entscheidenden Momenten vieles ganz anders machen. Herr der Fliegen ist so eine Sicht von Erwachsenen, dass Kinder oder Jugendliche, wenn sie allein auf sich gestellt sind, gewalttätig werden. Vielleicht kämen Kinder da ja viel eher ganz gut klar damit, wenn die Erwachsenen sich zurückhalten würden.

KiJuKU: Es gibt übrigens von Rutger Bregman in seinem Buch „Im Grunde gut: Eine neue Geschichte der Menschheit“ die reale Geschichte einer Gruppe von sechs Jugendlichen, die 1965 in einem Unwetter auf einer kleinen unbewohnten Insel im Pazifik landeten und erst nach mehr als einem Jahr entdeckt und gerettet wurden. 15 Monate haben sie gemeinsam friedlich ge- und überlebt – siehe Link unten.
Till Wiebel: Ach ja, danke

KiJuKU: Wo wird „Funken“ nach Wien noch gespielt?
Till Wiebel: Im Januar in Heidelberg.

KiJuKU: Kommt das Stück auch nach Graz, wo es ja mit dem Retzhofer Dramapreis ausgezeichnet worden ist?
Till Wiebel: Nicht, dass ich wüsste.

Regisseurin und Stück-Autor
Regisseurin und Stück-Autor

Zahlen-Bedeutung?

KiJuKU: Noch eine ganz andere (Detail-)Frage: Hat die Zahl 38 eine besondere Bedeutung – immerhin beherrscht Ariana Tuktuganov so viele Sprachen und Elena Brecher sagt zu ihrer Schwester Helena, dass sie die 38-Meter-Weitwurf-Marke schaffe. Und 38 ist doch 42 minus 4 – VIER?
42 ist in Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ die „Antwort auf die endgültige Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“.

Und in „Funken“ lässt du Twinkle sagen, dass vier eine „großartige Zahl“ ist, „wusstest du, dass die 4 die einzige Zahl ist, die ausgeschrieben so viele Buchstaben hat, wie die Zahl selbst angibt? V – I – E – R. 4. Ist das nicht aufregend?“
Till Wiebel: „Das mit der 38 ist reiner Zufall und hat keine tiefere Bedeutung.“

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Projektionen der Aktion gegen Kinderarbeit an der Fassade des Justizministeriums in Wien

„Kritzelkraft“ an Ministeriumsfassade projiziert

Bunte Kinderzeichnungen wurden am Abend des Welternährungstag (16. Oktober), gleichzeitig Vorabend des Welttages zur Überwindung der Armut (17. Oktober) an die Fassade des Justizministeriums in Wien (Palais Trautson, Museumstraße neben dem Volkstheater) projiziert.

Die Initiative „Kinderarbeit stoppen“ hatte unter anderem im Juni im Museusmquartier zwischen Kinderinfo, Kindermuseum Zoom und Dschungel Wien am Welttag gegen Kinderarbeit (12. Juni) darauf hingewiesen, dass weltweit rund 160 Millionen Kinder arbeiten müssen. Und Kinder konnten dort Bilder unter dem Motto „Kritzelkraft gegen Kinderarbeit“ malen und zeichnen. Aus diesen – und der Forderung „Kinderarbeit stoppen“ – wurde ein Video, das am 16 Oktober 2024 von 19 bis 22 Uhr an der Außenmauer des Justizministeriums per Projektion zu sehen war.

Projektionen der Aktion gegen Kinderarbeit an der Fassade des Justizministeriums in Wien
Projektionen der Aktion gegen Kinderarbeit an der Fassade des Justizministeriums in Wien

Lieferketten

Gut, in Österreich müssen Kinder nicht arbeiten, aber „würden die Schokoladenhersteller*innen höhere Kakaopreise bezahlen, von denen die Kakaobäuer*innen gut leben können, wäre das Problem der Kinderarbeit im Kakaoanbau gelöst“, wird der Zusammenhang mit der heimischen Politik hergestellt. „Die EU ist die größte Abnehmerin für Kakao aus Westafrika. Sie kann durch ein Lieferkettengesetz, das Unternehmen verpflichtet, faire Preise zu zahlen, einen großen Unterschied machen”, erklärt Emmanuel Ayifah von Send Ghana, Partnerorganisation der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar.

„Wer auch immer in diesem Ministerium künftig Verantwortung trägt, muss wirksame Maßnahmen gegen Kinderarbeit setzen“, lautete die Forderung der Initiative bestehend aus der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, FAIRTRADE Österreich, Solidar Austria (ÖGB), Jugend Eine Welt, Kindernothilfe Österreich und Butterfly Rebels.

Projektionen der Aktion gegen Kinderarbeit an der Fassade des Justizministeriums in Wien
Projektionen der Aktion gegen Kinderarbeit an der Fassade des Justizministeriums in Wien

Welttag zur Überwindung der Armut

Der Welttag zur Überwindung der Armut geht auf eine Initiative des Priesters Joseph Wresinski und 100.000 weiterer Personen zurück, die sich am 17. Oktober 1987 auf dem Trocadero-Platz in Paris versammelten, um ihr „Nein“ zu extremer Armut zum Ausdruck zu bringen und die Menschheit dazu aufzurufen, sich gemeinsam für die Menschenrechte einzusetzen. Seit 1992 wird der Welttag jedes Jahr am 17. Oktober begangen.

Projektionen der Aktion gegen Kinderarbeit an der Fassade des Justizministeriums in Wien
Projektionen der Aktion gegen Kinderarbeit an der Fassade des Justizministeriums in Wien

„Armut ist keine Schuldfrage“

Zum Internationalen Tag zur Bekämpfung von Armut forderte Amnesty International die neu zu bildende Regierung auf, das Thema Armut ganz oben auf die Agenda zu setzen und bereits in den Koalitionsverhandlungen Maßnahmen festzulegen, die Armut in Österreich bekämpfen. „Jeder siebte Mensch in Österreich ist armutsgefährdet“, verweist Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich, auf die erschreckend hohen Zahlen.

Neben Frauen, insbesondere Alleinerzieher*innen, sind besonders Kinder und Jugendliche, aber auch Menschen mit Behinderung gefährdet. „Armut ist weit mehr als das Fehlen finanzieller Mittel. Armut zeigt sich in Hunger. Armut bedeutet fehlender Zugang zu Bildung. Armut geht mit Diskriminierung und Ausgrenzung einher. Armut bedeutet vor allem weniger Möglichkeiten, ein menschenwürdiges Leben zu führen“, so Hashemi – und mahnt: „Wir müssen aufhören, Armut als individuelle Schuld zu sehen, oder als persönliches Versagen. Denn nur wenn den Verantwortlichen endlich klar wird, dass der Staat, also letztlich sie in ihrer politischen Funktion, in der Verpflichtung sind, Armut zu beenden, werden sinnvolle Maßnahmen beschlossen werden.“

Psychische Folgen

Anlässlich des Internationalen Tages für die Beseitigung der Armut richtet der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) einen dringenden Appell an die Gesellschaft und die Politik: Die psychischen Auswirkungen von Armut dürfen nicht länger ignoriert werden. Die alarmierenden Zahlen und der dramatische Anstieg von materieller und sozialer Deprivation in Österreich unterstreichen die Notwendigkeit raschen Handelns.

Laut aktuellen Erhebungen leben rund 141.000 Kinder und Jugendliche in Österreich in materieller und sozialer Deprivation. Im Vergleich zum Vorjahr ist diese Zahl stark gestiegen. „Die Sorgen der Eltern übertragen sich auf die Kinder. Ausgrenzung und Abwertung prägen das Leben armutsbetroffener Familien. Das hat gravierende Folgen für die psychische Gesundheit, insbesondere von Kindern und Jugendlichen“, erklärt BÖP-Präsidentin a. o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger.

Projektionen der Aktion gegen Kinderarbeit an der Fassade des Justizministeriums in Wien
Projektionen der Aktion gegen Kinderarbeit an der Fassade des Justizministeriums in Wien

Welternährungstag

Vor dem internationalen Tag zur Überwindung der Armut steht im Kalender der Welternährungstag (16. Oktober) – am gleichen Tag findet auch der Welttag des Brotes statt. Die Bezeichnung „Brot“ stand früher nicht nur für Brot, sondern stand als Synonym für Nahrung, Speise, Beschäftigung oder Unterhalt. Der Welternährungstag wurde 1979 eingeführt, weil am 16. Oktober 1945 die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) mit der Aufgabe, die weltweite Ernährung sicherzustellen, als Sonderorganisation der Vereinten Nationen gegründet worden war.

Österreich: Mehr als 400.000 leiden unter Ernährungs-Armut

Nach wie vor leiden global mehr als 730 Millionen Menschen an Hunger. „Keineswegs nur in Entwicklungsländern – auch in Österreich sind mehr als 1,1 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen, 420.000 von ihnen leiden unter schwerer Ernährungsarmut. Sie sparen nicht nur bei der Qualität der Lebensmittel, sondern müssen auch regelmäßig Mahlzeiten auslassen. Und das, während jeden Tag gutes Essen einfach in der Tonne landet “, schreibt Alexandra Gruber, Geschäftsführerin „Die Tafel Österreich“ anlässlich des Welternährungstages 2024.

Mehr als 1 Million Tonnen Lebensmittel (über 50 % davon im Haushalt) werden in Österreich pro Jahr weggeworfen – und verursachen bis zu 10 % aller Treibhausgasemissionen. Weltweit wird ein Drittel aller Lebensmittel entlang der Wertschöpfungskette entsorgt. Ein Viertel davon würde ausreichen, die ganze Welt zu ernähren.

Projektionen der Aktion gegen Kinderarbeit an der Fassade des Justizministeriums in Wien
Projektionen der Aktion gegen Kinderarbeit an der Fassade des Justizministeriums in Wien

Nahrung ist ein Kinderrecht!

Den internationale Welternährungstag nutzte auch die Katholische Jungschar um darauf aufmerksam zu machen, dass 828 Millionen Menschen weltweit an Hunger und Wasserknappheit leiden. Kinder und schwangere Frauen sind von den dramatischen Auswirkungen besonders betroffen. Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar unterstützt Menschen in Tansania dabei, für ihre Familien Nahrung und sauberes Wasser zu sichern.

Die Vereinten Nationen haben sich mit den SDG (Sustainable Development Goals) das Ziel gesetzt, bis 2030 den Hunger weltweit zu beenden. Doch die Realität ist weit davon entfernt, ganz im Gegenteil: Bis 2030 wird eher damit gerechnet, dass sich Hunger und Wasserknappheit weiter ausbreiten. Daran ist aktuell vor allem die Klimakrise schuld. Dürren, Überschwemmungen und Extremwetter nehmen zu und machen es immer schwerer, Nahrung anzubauen und Zugang zu sauberem Trinkwasser zu erhalten. Vor allem bei Kindern führt Unterernährung zu schweren gesundheitlichen, aber auch mentalen Einschränkungen. Permanente Müdigkeit und fehlende Konzentration erschweren das Lernen in der Schule. Der Mangel an gesundem Essen macht sie viel anfälliger für Infektionen und Krankheiten, wegen fehlender medizinischer Versorgung ist Sterberate dramatisch hoch.

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kinderarbeitstoppen

dka -> tansania-gemeinsam-gegen-hunger

amnesty.at -> armut-ist-keine-schuldfrage

Szenenfoto aus der Kinderoper "Die Odyssee des Telemachos"

Wer ist mein Vater, und will der was von mir wissen?

Wer ist der Größte, der Stärkste… – mit einer Spur nicht ganz ernstem Zweifel in den Stimmen stellen die Kinder von Ithaka die Fragen an Telemachos. Der stets antwortet, Odysseus. Dieser Held der griechischen Antike ist sein Vater.

Aber was ist mit dem? Nie noch hat er ihn zu Gesicht bekommen, sein ganzen Kinder- und Jugendleben immer nur die Erzählungen der Mutter Penelope und anderer.

Szenenfoto aus der Kinderoper
Szenenfoto aus der Kinderoper „Die Odyssee des Telemachos“

„Die Odyssee des Telemachos“ von der „Wiener Taschenoper“ lässt nun den Sohn selbst auf Entdeckung-Tour gehen. Er will seinen Vater ausfindig machen und durchlebt einige der bekanntesten Abenteuer nun selbst (Komposition und musikalische Leitung: Martin Brandlmayr; Libretto: Gerhard Dienstbier, Azelia Opak; Leztere inszenierte auch die nicht ganz eine Stunde dauernde Suche des Sohnes nach seinem „Erzeuger“ – und irgendwie auch nach sich selbst).

Szenenfoto aus der Kinderoper
Szenenfoto aus der Kinderoper „Die Odyssee des Telemachos“

Kinder-Chor

Die Kinder von Ithaka, die immer wieder in verschiedenen Szenen auftreten sind Paulina Krampl, Valerie Krampl, Simon Langecker, Elisa Lind, Katharina Malek, Hannah Späte, Valentin Wenzl aus dem Chor des (Real-)Gymnasiums Pichelmayergasse in Wien-Favoriten (Leitung: Theresa Hemedinger; Assistenz: Lea Hemedinger). Vladimir Ćabak singt und spielt diesen Suchenden, anfangs überzeugt, Sohn eines, nein DES Helden zu sein. Je länger er den Abenteuern dieses Odysseus aber folgt, desto eher kommen ihm Zweifel, ob sein Vater überhaupt wirklich wieder nach Hause wollte oder nicht lieber das abenteuerliche Seefahrer-Leben Frau und Kind vorzieht.

Paula Jeckstadt schlüpft nicht nur singend und schauspielend in die Rolle von Penelope, sondern auch in die einiger der  bekanntesten „Stationsvorsteher:innen“ in der Odyssee: Sirene, einäugiger Riese Zyklop, Zauberin Kirke…

Szenenfoto aus der Kinderoper
Szenenfoto aus der Kinderoper „Die Odyssee des Telemachos“

Live-Musik

Die Musik zum Geschehen – von untermalenden Meeresgeräuschen bis zu gewaltigem, fast beängstigendem Sturm-, Gewitter- und vor allem innerlich-gefühlsmäßigem Donnergrollen – liefern live auf der Bühne Martin Brandlmayr (Komposition sowie Schlagwerk + Percussion bis hin zum Streichen eins der Schlagzeug-Becken mit einem Geigenbogen) und sein Kollege Martin Siewert mit mehreren E-Gitarren und Elektronik.

Die Bilder – ob sanfte Meereswellen oder gigantische Flutwellen und mehr bis hin zu drachenköpfigen Ungeheuern – liefern Videoprojektionen (Judith Selenko), für die Ausstattung von der fast puppenbühnenartigen Hausfassade der kleinen Familie bis zum Sofa, das auch Segelboot wird sorgten Denise Leisentritt (Ausstattung) sowie Ganesh Sergiyenko (Bühne + Technik).

Szenenfoto aus der Kinderoper
Szenenfoto aus der Kinderoper „Die Odyssee des Telemachos“

Eigener Weg

Auf der Suche nach seinem Vater (Clemens Kölbl spielt und singt diesen Odysseus ebenso wie des Sparta-Königs Menelaos) und nicht zuletzt bei der Begegnung mit ihm, erfolgt bei Telemachos die Ernüchterung: Den interessier ich doch gar nicht, der will von seinem Kind nicht viel bis nix wissen. Also muss Telemachos wohl seinen eigenen Weg suchen, gehen und finden. Was die Inszenierung Azelia Opaks am offensichtlichsten in einer abgewandelten Form der oben beschriebenen Eröffnungs-Szene preisgibt: Wenn der Kinder-Chor wieder die Fragen nach dem Größten, Stärksten und so weiter stellt ist es eine Art „sicher nicht Odysseus“, die der Titelheld dieser Kinderoper entgegensingt.

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Odysseus will nach Hause statt zu kämpfen <- damals noch im Kinder-KURIER

Szenenfoto aus "Funken" im Theater im Zentrum (Theater der Jugend, Wien): Una Nowak als Twinkle: hinten Mino Dreier als Malte Schröder, vorne Paul Winkler als Shawn

Achterbahnfahrt zwischen Uto- und Dystopie

„Elternfreie Zone“ – das kann verlockend klingen. Oder auch beängstigend. Als Malte Schröder von seiner Mutter vor den Toren des Ferienlagers mit diesem Motto aus dem Auto aussteigen gelassen wird, gerät er in so etwas wie dazwischen. Wohl ist ihm nicht, als er hinter dem Tor „nur“ auf Jugendliche trifft und keine Erwachsenen sieht / erlebt, an die er sich wenden kann.

Supertyp:innen und Normalo

Noch unwohler wird’s für ihn, als ihm lauter Altersgenoss:innen (alle zwischen 12 und 14) mit besonderen Fähig- oder Fertigkeiten, Kenntnissen und so weiter begegnen. Er fühlt sich als „der durchschnittlichste Teenager der Welt“. Was ihm letztlich Shawn Baker, Twinkle und Isilda abnehmen, bestätigen und letztlich genau das wertschätzen.

Shawn Elektra El Firestorm von und zu Rosenstock Baker, ein auf Farbenfrohheit und Exzentrik stehender Künstler, Twinkle- (fast) allwissend mit der Fähigkeit, vor allem sekundengenau Gewitter vorhersagen zu können und die geheimnisumwobene Kämpferin Isilda nehmen den „Normalo“ in ihren Bund auf – woran dieser wächst.

Vielumjubelt

Für „Funken“, wie das Stück heißt, wurde sein Autor von Till Wiebel vor drei Jahren mit einem der beiden damals erstmals vergebenen Retzhofer Dramapreise in der Kategorie für junges Publikum, ausgezeichnet – siehe Link am Ende des Beitrages. Mittlerweile wurde das Stück schon auf mehreren Bühnen Deutschlands in unterschiedlichen Inszenierungen aufgeführt. Nun feierte es seine vielumjubelte österreichische Uraufführung im Theater im Zentrum, der kleineren Spielstädte des Theaters der Jugend in Wien (Regie: Karin Drechsel). Zwischendurch gab es sogar einmal Szenen-Applaus.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Funken“ im Theater im Zentrum (Theater der Jugend, Wien): Paul Winkler als Shaniqua van de Pol

Junge, punktgenau besetzte, Schauspieler:innen

In mitunter rasend schnellem Tempo verkörpern die vier jungen Schauspieler:innen ihre Figuren – und dazu hin und wieder noch weitere der jugendlichen Camp-Teilnehmer:innen, die wichtige, aber doch Nebendarsteller:innen sind. Mino Dreier, gar noch in der Ausbildung ist der wandlungsfähige Durchschnitts-Weltmeister, der zunehmend über sich hinauswächst, Paul Winkler der Paradiesvogel mit dem urlangen Künstlernamen. Una Nowak überzeugt als Wissenschafts-Nerd und Olivia Marie Purka die Kämpferin, die sich mit einer Art Schleier von Geheimnis umgibt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Funken“ im Theater im Zentrum (Theater der Jugend, Wien): Ensemble

Zynische Erwachsene

Gegenspieler ist eine Stimme aus dem Off, die Frank Engelhardt gehört und die er dem Großunternehmer Arthur McPush leiht, der auch das Camp betreibt. Und das mit einem gewissen Zynismus mit heftigen Wendepunkten in der Geschichte. Bei einem Bootsausflug stirbt Twinkle fast, wobei die Versuche von Arthur Hilfe zu erbitten, von diesem abgeschmettert werden – ihr müsst alleine zurechtkommen. Als dann noch dessen eMail an Shawns Eltern auftaucht, woraus sich ergibt, dass diese den Sohn an den Unternehmer verkauft haben – unter dem Motto fordern und fördern -, scheint die Geschichte in eine Art Boot-Camp zu kippen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Funken“ im Theater im Zentrum (Theater der Jugend, Wien): Olivia Purka als Isilda, Paul Winkler als Shawn Baker

Selbst-Befreiung

Unterstützt von anderen Protagonistinnen aus dem Camp, nicht zuletzt von Ariana Tuktuganov, die 38 Sprachen fließend beherrscht und im Camp eine neue, sehr einfach zu lernende entwickelt, die letztlich als eine von Arthur nicht verstandene (was allerdings angesichts von Sätzen wie „planare fu ein Revolutiono“ angezweifelt werdn darf) Geheimsprache untereinander dient, rauschen die Jugendlichen in eine eigene, ungewissen, aber selbstbestimmte Zukunft: „Zum ersten Mal, können wir uns dazu entscheiden, zu sein, wer oder was auch immer wir sein wollen. Wir können das Ende der Geschichte selbst erzählen und behaupten, es sei der Anfang und alles vorher nur ein Missverständnis. Die Erwachsenen haben sich geirrt – in allem was sie uns über die Welt und wie sie funktioniert erzählt hatten“, lässt der Autor seine Figur Malte gegen Ende resümieren.

Raum und Projektionen

Neben dem starken Schauspiel der vier genannten Darsteller:innen, die in einer Szene, in der es um die eigenständige, widerständige Haltung gegenüber den Vorstellungen der Erwachsenen geht, gleichsam zu vier Gretas (Thunberg) werden, spielt das flexible Bühnenbild (Ausstattung: Christine Grimm) eine große Rolle. Milchigglasige Vitrinen mit Pflanzen wirken wie nicht ganz reale Glashäuser und ergeben durch diverse Verschiebungen Schlafräume ebenso wie den See auf dem sie zu viert im Kanu paddeln. Außerdem dienen sie immer wieder als Projektionsflächen für Videos (Video- und Sounddesign: Jonathan Heidorn).

Ein starkes Stück über – freiwillige und erzwungene Abnabelung Jugendlicher einer-, sowie den Diskurs, was denn schon normal sei, andererseits, das in seinem Wort- („Glanz oder gar nicht. Für schlimmer und ewig“) und Spielwitz sowie der starken Körperlichkeit der Schauspieler:innen junges Publikum auch direkt bei ihren eigenen Gefühlen und Fragen packen kann.

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Zu einem Interview mit dem Stück-Autor geht es hier unten

Morton- Rhue, u.a. Autor von Boot-Camp, im Gespräch mit Kinder-KURIER

Doppelseite aus dem Bilderbuch "Wenn sich zwei streiten"

Löwe oder Tiger: Wer ist der Stärkste?

Auch wenn der Löwe von den Menschen König der Tiere genannt wird, vielleicht finden Tiere selber das ganz anders. Immerhin wurden und werden ja alle Geschichten, in denen auch die Tiere den Löwen für „ihren“ König halten von Menschen geschrieben, gemalt, verfilmt…

Für das Bilderbuch „Wenn zwei sich streiten“ dachte sich die studierte Sprachwissenschafterin, Psychologin und Pädagogin Britta Sabbag aus, dass auch ein Tiger sich erhaben, ja sogar stärker fühlte.

Viele Wettkämpfe

Der Tiger, also jener aus dem Buch, und seine Co-Hauptfigur, der Löwe, hörten voneinander, wollten sich treffen, um dann ein für alle Mal die Vormachtstellung zu klären. Gedacht, aufeinander zu bewegt, dann ging’s los: Sie maßen Stärke, Schnelligkeit, Sprungkraft, diese sowohl in der Weite als auch in der Höhe, Balancieren… Ja, sie checkten obendrein, wer mehr fressen konnte – doch überall gab’s keinen oder eben zwei sozusagen ex aequo-Sieger.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Wenn sich zwei streiten“ – auf in Richtung Treffen und Konkurrenzkampf

Und das in üppigen Bildern, die Igor Lange malte und zeichnete. Über ihn schreibt der Verlag: „Schon in ganz jungen Jahren malte der kleine Igor auf den Tischen oder Wänden. Eigene Geschichten, Superhelden und Abenteuer sollten es sein. Bloß keine Langeweile. Heute sind es Bücher und keine Wände.“

Überraschung

Nach dem Fress-Duell lagen beide ermattet auf dem Boden. Aber dann… kam alles ganz anders – wie, das sei jetzt hier sicher nicht gespoilert.

Lediglich so viel sei verraten, das Ergebnis war/ ist kein Liger, wie die Kreuzung eines männlichen Löwen und einem weiblichen Tiger genannt wird. Denn es war ja auch keine Tigerin – das wer ist stärker, größer, mächtiger und so weiter ist ja (fast) immer so ein Buben- oder Männerdings.

Probenfoto aus
Probenfoto aus „Wenn sich zwei streiten“ im Linzer Theater des Kindes

Theaterversion kommt

Achja, eines sei schon noch verraten, das Linzer „Theater des Kindes“ hat aus der Geschichte dieses Bilderbuchs ein Stück gemacht, das ab knapp nach Mitte Oktober zu sehen sein wird und fügte dem Buch- und Stücktitel einen Untertitel hinzu: „Ein tierischer Wettkampf mit einem überraschenden Ausgang“ und dem Hinweis auf das klassische Sprichwort, dessen erste Hälfte „Wenn sich zwei streiten“ ist.

PS: Der Verlag bietet auf seiner Website zum Buch auch pädagogische Begleitmaterial an. Hintergründe, Spielvorschläge und sogar zum Ausdrucken geeignete Masken von Tiger und Löwe, allerdings nicht des überraschenden dritten Tieres. Und kleine Vorsicht: Beim Klick auf „mehr zum Buch“ finden sich „nur“ interessante andere Bücher des Verlags.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Wenn sich zwei streiten“
Szenenfoto aus "Astoria oder: Geh‘ ma halt ein bisserl unter" im Wiener Schubert Theater

Schau-, Puppenspiel und Livemusik über Fake-Utopia

Ungewöhnlich beginnt die Inszenierung „Astoria“ – mit dem Zusatztitel „oder: Geh‘ ma halt ein bisserl unter“ – in dem auf Figurentheater spezialisierten Schubert Theater in der Wiener Währinger Straße: Markus-Peter Gössler als Pistoletti und Angelo Konzett als Hupka treten als Schauspieler ganz ohne Puppen neben den Publikumsreihen auf. Der Winter naht, klagen die beiden im Sprechgesang. Was sollen sie tun. Ersterer schlägt vor, in einem Krankenhaus zu überwintern, zweiterer meint: „Auf so etwas kann ich mich nicht einlassen. Ich bin ein kranker Mensch. Ich muss übern Winter ins Gefängnis.“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Astoria oder: Geh‘ ma halt ein bisserl unter“ im Wiener Schubert Theater

So trennen sich ihre Wege – im Frühjahr würden sie sicher wieder treffen. Hupka spekuliert damit, einem gesuchten Gewaltverbrecher ähnlich zu schauen. Doch der Gendarm (früher Polizei auf dem Land) ist total höflich, nett und nimmt Hupka nicht ab, ein Verbrecher zu sein. Und dann beginnt die zentrale Story, die sich Jura Soyfer (1912 – 1939, im Nazi-Konzentrationslager Buchenwald zu Tode gekommen), für sein drittes Theaterstück ausgedacht hat – und die nun hier im Wechselspiel von Schau- und Puppenspiel mit Livemusik (Jana Schulz) wunderbar satirisch über die Bühne geht (Regie & Textfassung: Christine Wipplinger).

Erfundener Staat

Vor Kilian Hupka taucht wie aus dem Nichts – oder auch „nur“ in seiner Fantasie – Gräfin Gwendolyn Buckelburg-Marasquino auf. Die will ihrem Ehemann einen Staat schenken – zum 88. Geburtstag (Jahrzehnte später ein Code der Neonazis für zwei Mal H). Hupka bietet Hilfe an, es brauche doch gar keinen wirklichen Staat, sie könne ihn doch als Staatsbürger des neuen Staates, für den er den klingenden Namen Astoria findet, engagieren. Und wenn schon, dann als Nummer 1 und damit gleichzeitig als hochrangigen Beamten. Der sich auch verdient macht, den neuen Staat in schillerndsten Farben zu verkaufen – PR-Profi sozusagen: Keine Arbeitslosigkeit, keine Armut – obwohl Obdachlosigkeit dürfte es wohl geben, weil der Ruhm durch die Lande eilt, die Straßen Astorias seien beheizt, damit Obdachlose nicht frieren müssen 😉

Kleine Größenwahnsinnige

Der Graf übrigens ein kleines Männchen in blau mit Schlumpf-Mütze und Gesicht, das ein wenig an Henry Kissinger, den legendären Außenminister der USA erinnert (Puppenbau: Annemarie Arzberger; Kostüm: Lisa Zingerle). Und dem kommentierenden Spruch, dass immer die Kleinen Größenwahnsinnigen am gefährlichsten seien.

In viele Sprachfärbungen switchen

Die Kunde von Astoria verbreitet sich, als wäre sie nicht – wie es „neudeutsch“ heißt Fake News, sondern Fakt. Sehr amüsant die Szene einer Konferenz, in der Diplomaten über das neue Land reden – die beiden Schau- und Puppenspieler schlüpfen mit verschiedensten Sprachfärbungen – vom nasalen Diplomatensprech bis zum ursteirischen Idiom in Sekundenschnell in die verschiedenen Rollen, recken nur ihre Köpfe – mit verschiedensten Haarkränzen umrankt – durch Fotowand-Löcher.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Astoria oder: Geh‘ ma halt ein bisserl unter“ im Wiener Schubert Theater

Alten Freund nicht „erkannt“

Viele Menschen streben in dieses Art Utopia. Doch „leider“ immer fehlt dem führenden Beamten zufolge das eine oder andere Papier – erinnert an so manchen Hürdenlauf von Jüd:innen, die in der beginnenden Nazizeit von Ländern wie beispielsweise der Schweiz nicht einreisen durften, ebenso wie an Menschen, die in Österreich Asyl beantragen oder um die Staatsbürgerschaft ansuchen. Die Hartherzigkeit Hupkas gegenüber Einreisewilligen führt ihn sogar dazu, seinen alten Freund Pistoletti nicht zu erkennen – oder erkennen zu wollen.

Bitterböse Lach-Momente

So bitterernst die Geschichte, so ist sie im klassischen Jura-Soyfer-Stil verfasst – satirisch setzt er seine Kritik so um, dass viel Raum für Lachen bleibt. Mitunter auch solches, das im Hals stecken bleibt.

Inserate statt Nachrichten

Wäre das Stück nicht original 1937 auf der Kleinkunstbühne ABC im Regenbogen (Wien-Alsergrund) mit auch jener Szene in einer Zeitungsredaktion uraufgeführt worden, könnte diese Passage aus jüngerer Vergangenheit stammen. Irgendwann besinnt sich Hupka, mit der Wahrheit rauszurücken:

Hupka: Herr Redakteur, ich möchte Sie um die Publikation einer sehr wichtigen Nachricht bitten.
Journalist: Sehr wichtig? Schon gefährlich. Aber bitte, wenn Sie in der Montagnummer ganzseitig inserieren …
Hupka: Es handelt sich, bittschön, nicht um ein Inserat, sondern darum, dass Astoria nicht existiert!
Journalist: Für so eine fette Lüge müssen Sie schon drei Inserate aufgeben.
Hupka: Aber – das ist wahr.
Journalist: Wahr? Na, das kostet noch viel mehr! Das werden Sie gar nicht bezahlen können, Herr…

Leider zeitlos

Ob „Weltuntergang“ – vor einem Jahr u.a. im Theater Arche, vor zwei Jahren durch Wiener Plätze und Gemeindebauhöfe tourend vom Utopia Theater – übrigens mit Elementen aus „Astoria“ angereichert – oder eben das aktuelle Stück oder aber auch „Der Lechner Edi schaut ins Paradies“, das Fragment „So starb eine Partei“ … der im heutigen Charkiw geborene Soyfer, der in Wien das Gymnasium Hagenmüllergasse besuchte, schaffte es mit seinen satirischen, punktgenauen gesellschaftskritischen Stücken leider Zeitloses. Wie schön wäre es, wären es rein historische Stücke und kritisierte Ungleichheiten in der Welt ebenso wie der sorglose Umgang der Menschheit mit dem eigenen Planeten, (längst) überwunden.

Dazu kommt einem vielleicht der oftmals – mitunter abgewandelt – zitierte Satz von Ingeborg Bachmann aus ihrem Roman „Malina“ in den Sinn: „Die Geschichte lehrt, aber sie hat keine Schüler.“ Den sie sich übrigens bei Antonio Gramsci ausgeborgt hat, der schon 1921 in „Ordine Nuovo“ schrieb: „Die Illusion ist das zäheste Unkraut des Kollektivbewusstseins; die Geschichte lehrt, aber sie hat keine Schüler.“ (Dieser Absatz stand hier auf KiJuKU.at ähnlich schon in der Besprechung eines Stücks im Theater Arche, „Das Lebewohl.Wolken.Heim Und dann nach Hause“ von Elfriede Jelinek; Februar 2024)

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Großer Beliebtheit freuten sich auch analoge Spiele

Wiener Rathaus: Drei Tage Spielzentrale

Das Wiener Rathaus öffnet seine Tore und Säle seit gut zwei Jahrzehnten mehrmals im Jahr vor allem für Kinder und Jugendliche. Nachdem in der vorletzten Sommerferienwoche Kinder ihre eigene Stadt in der Volkshalle und im Arkadenhof bei „Rein ins Rathaus“ regierten, gehört dieses Wochenende den Spielerinnen und Spielern. In kürzeren Ferien gibt es u.a. das Ramba-Zamba-Spielfest (Winter) oder die Märchentage (Frühjahr) bei denen Kinder das Rathaus zu ihrem Spielplatz machen dürfen.

Zum 15. Mal steigt die Game City. Computer-, Konsolen-, Tablet-, Video- und Brettspiele können in Volkshalle, Festsaal und Nebenräumen getestet und / oder bewerbsmäßig gespielt werden. Und nicht nur nebenbei gibt es jede Menge an Infos rund um empfehlenswerte Spiele und mehr.

Cosplay

Nicht zuletzt tummeln sich Menschen in Kostümen – aus Computerspielen und Anime zwischen den Spielewelten. Samstagmittag wandern sogar Hunderte Cosplayer:innen in ihren meist liebevoll detailverliebten Kostümen – gemeinsam mit Vienna Comix bei ihrer Parade durch die Wiener Innenstadt und das MuseumsQuartier zum Rathaus. Anführen wird diese Parade Vanessa Radosztics alias Vanesh. Online wählte sie die Community zur Game-City-Bürgermeisterin. Im Kostüm von Zelda aus dem berühmten Spiel „The Legends of Zelda“ eröffnete sie gemeinsam mit Wiens Vizebürgermeister und Stadtrat für die Bereiche Kinder, Jugend, Bildung, Integration die Spielstadt im Rathaus, die seit einigen Jahren auch ein eigenes Ortsschild hat – mit dem Hinweis, dass die – im Vorjahr – 70.000 Besucher:innen somit die 7.größte Stadt Österreichs ergeben (Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt). „Es ist eine Ehre, diese Position als Verbindungsstück zwischen der Gaming und Cosplay-Community zu übernehmen und gemeinsam mit meinen Freund:innen hier auf der Game City eine großartige Zeit zu erleben. Ich bin jedes Jahr dabei, und nachdem ich letztes Jahr schon kandidiert habe, freue ich mich umso mehr, dass ich dieses Jahr die Wahl gewonnen habe!“, wird sie in der Aussendung von wienXtra zitiert.

Harry Potter und Super Mario-Neuheiten

Bei der Game City erwartet die Besucher:innen die Österreich-Premiere von Super Mario Party Jamboree, das am Nintendo-Stand vor der offiziellen Veröffentlichung gespielt werden kann. Warner Bros bringt das magische Hogwarts-Feeling mit Spielen rund um Harry Potter in die Rathaushallen. In der FM4 Indie-Area gibt es zudem spannende Nachwuchs-Games von heimischen Entwickler:innen zu entdecken. In der Volkshalle geht’s e-sportlich zu – es ist der Ort der Turniere in digitalen Spielen. Auf der Bühne im Arkadenhof finden ebenfalls eSports-Wettkämpfe statt.

Sehr beliebt: Analoge Spiele

Neben dem Ausprobieren oder gar wettkampfmäßigem Spielen bietet die wienXtra-Spielebox aber auch jede Menge Brett-, Karten- und Ratespiele an – wovon beim Lokalaugenschein von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… am ersten Vormittag, den vor allem Schulklassen nutzten, viel Gebrauch gemacht wurde. So saßen vier Jugendliche um einen Tisch – jede von ihnen hatte an einer Art Stirnband eine Karte befestigt, die sie vorher nicht sehen durfte. Über Fragen an andere muss jede erst draufkommen, was sie da trägt – und das reicht von einem Paradeiser (Tomate) bis zu einem Zug. Und sie hatten – nicht nur auf die Frage des Reporters – sondern offensichtlich nach ihren lächelnden bis lachenden, jedenfalls entspannten Gesichtern mindestens so viel Spaß wie bei Bewegungsspielen vor Monitoren oder beim Gaming mit Tastatur, Maus oder Controller.

Viele Infos

In den Gängen und kleineren Räumen des Rathauses warteten aber auch viele Info-Stände mit Wissenswertem zu Ernährung, Bewegung, mentaler Gesundheit oder auch Jobs und Ausbildungen. Suchtprävention – auch in Bezog auf digitale Medien durfte ebenso wenig fehlen wie Listen empfehlenswerter Spiele in verschiedenen Alterskategorien. Empfehlen statt verbieten ist das Motto der Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von digitalen Spielen (BuPP.at) – und genau solche gab es auf den Tablets bzw. Computern oder Konsolen auch gleich zu testen. Gemeinsam ist vielen dieser Spiele: Förderung und Herausforderung eigener Kreativität – komponieren, Städte bauen.

Fachmesse und -diskussionen

Traditionell gehört zur Game City auch die internationale Fachtagung FROG (Future and Reality of Gaming). Das Thema der parallel laufenden Fachmesse lautet „Gaming the Apocalypse“. Diskutiert wird unter anderem darüber, welche Fähigkeiten man in Spielen lernen kann, um besser mit den Herausforderungen der Zukunft umzugehen oder ob Games als Bildungstool eingesetzt werden können, um über Krisen zu informieren.

Miteinander

„Im Mittelpunkt der Game City steht das Gemeinsame – miteinander zu reden, zuzuhören, Zeit zu verbringen und einfach Spaß und Freude zu teilen“, meinte wienXtra-Geschäftsführer Vučko Schüchner. „Gerade in Zeiten, in denen oft Trennendes betont wird, ist es umso wichtiger, das Verbindende zu stärken. Als Veranstalter der Game City legen wir großen Wert darauf, die Freude am gemeinsamen und verantwortungsvollen Spielen zu fördern. Dass die Stadt Wien dieses Event im Rathaus ermöglicht – und das alles bei freiem Eintritt – macht die Game City zu einem ganz besonderen Erlebnis.“

Kriegerisch?

Ein wenig befremdlich wirken dann allerdings doch viele Figuren mit martialischen Waffen oder auch das lustvolle Nachstellen von Szenen mit Schatten-Kriegern, war doch noch dazu am Freitag der Tag, an dem der Friedensnobelpreis vergeben wurde. Ohne allerdings in die falsche Kausalkette einzustimmen, Gewalt in Spielen würde Gewalt im wirklichen Leben auslösen, oft – richtig dosiert – hilft sie sogar, Aggressionen im Spiel abbauen zu können und nicht im echten Leben rauszulassen.

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Doppelseite aus "Immer wenn wir..."

Weltreise zuhause, Glücksgläser und andere (neue) Rituale

(Bilder-)Bücher über Feste auch aus verschiedensten Kulturen – von Weihnachten bis Geburtstag, Chanukka (Judentum) bis Bayram (Islam) – gibt es mittlerweile eine ganze Reihe. Das mit bunten Collagen der preisgekrönten Illustratorin Yulia Drobova bebilderte Buch „immer wenn wir…“ versammelt aber ganz besondere Feste und Feierlichkeiten in Familien. Solche, die sich die Protagonist:innen des Buches sozusagen selber ausgedacht haben.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Immer wenn wir…“

Gemeinsames Essen – trotz großer Entfernung

Jeweils ein Kind stellt sich und die jeweilige Familie kurz vor, um dann das jeweilige Fest zu schildern. In einer der letzten Geschichten des 40-seitigen Buches – jeweils eine Doppelseite ist einem der Feste gewidmet – schildert Joana (9), dass ein Teil ihrer großen Familie weit weg in einem anderen Land wohnt „und wir können uns nicht so oft sehen, wie ich das gerne hätte“. Und so dachten sich Joana, ihre Schwester Julia, Mama Malwina und Papa Pavel sowie Tante Niki, die gemeinsam in der Stadt wohnen das gemeinsame Essen mit Cousinen und Cousins via Laptops aus: „Seitdem haben wir uns angewöhnt, jeden Donnerstagabend per Videokonferenz mit unseren Verwandten zu essen. Es ist zwar nicht so toll, wie wenn wir uns wirklich sehen, aber trotzdem können wir einander Neuigkeiten erzählen…“

Gut, dass offenbar alle in einer ähnlichen Zeitzone leben, sonst wär’s vielleicht doch ein wenig schwierig;)

Weltreise – im Wohnzimmer

Apropos weltweit: Rahmin lebt mit seiner Schwester Ada, dem jüngeren Bruder Omar und den Eltern Nael und Mira in einem Haus am Land. „Unsere gemeinsame Lieblingsroutine: unsere monatliche Weltreise!“

Die findet nicht echt, sondern im Wohnzimmer statt. Eines der Kinder darf jeweils mit verbundenen Augen auf dem in Drehung versetzten Globus mit dem Finger auf ein Land zeigen. Dann beginnen alle möglichst viel über dieses Land zu recherchieren – nicht zuletzt, was dort vorwiegend gegessen wird – und das wird dann zum Abendessen gekocht oder zubereitet.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Immer wenn wir…“

Geteilte Glücksmomente

Die achtjährige Clara, die mit Mama Lotte und deren neuem Freund Holger sowie dessen Tochter Frida zusammen wohnt feiert mit diesen und ihrem Papa Karlo den Jahreswechsel besonders. Während des Jahres sammelt jede und jeder auf kleine Zettel aufgeschriebene Glücksmoment in einem eigenen Glas. Zu Silvester kommen sie alle zusammen und jede und jeder zieht einen Zettel nach dem anderen, um die Glücksmomente in Erinnerung zu rufen und mit den anderen zu teilen.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Immer wenn wir…“

Tägliche Rituale

Kleine alltägliche Überraschungen unter der Türmatte oder in der Jausenbox, gemeinsames Einsetzen von Pflanzen oder Putzen der Wohnung sind andere Rituale, die die jeweiligen Familien gemeinsam begehen. Und diese Familien sind ganz unterschiedlich: Mal mehr oder weniger Geschwister, mal Mutter und Vater, dann wieder Alleinerzieher:in oder bei Großeltern lebend bzw. zwei Müttern, Patchwork mit Bonus-Papa und Bonus-Geschwistern… Und ebenso divers sind die beteiligten Personen gezeichnet, ausgeschnitten und collagiert – verschiedene Hautfarben gehören ganz selbstverständlich ebenso dazu wie ein Kind im Rollstuhl.

Vielleicht erfindets du – allein oder mit deiner Familie – ja auch ein eigenes Fest, Ritual oder eine ausgefallene gemeinsame Aktivität…

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Titelseite von
Titelseite von „Immer wenn wir…“
Szenenfoto aus "Emil und die Detektive" im Renaissancetheater / Theater der Jugend Wien: Ensemble, Jonas Graber als Emil Tischbein

Auftritt von Erich Kästner und Riesenköpfe in Emils Albträumen  

Zwar gab es nicht – wie bei einer anderen Version mit musicalartigen Songs im St. Pöltner Landestheater – am Ende „Zugabe!“-Rufe. Aber dennoch großen, fast nicht enden wollenden Jubel nach der Premiere von Erich Kästners „Emil und die Detektive“ im großen Haus des Theaters der Jugend in der Wiener Neubaugasse (Renaissancetheater). Rund zwei Stunden (eine Pause) spielte das Ensemble eine Fassung von Sarah Caliciotti und Frank Panhans (letzterer hatte auch bei der St. Pöltner Version mitgewirkt).

Mitreißend

Flott und mitreißend spielt das großartige Ensemble die Geschichte von Emil, dem Buben aus der eher ländlichen Kleinstadt, der ins große Berlin fährt und im Zug vom „feinen“ Herrn Grundeis, der später unter noch weiteren Namen in Erscheinung tritt, beklaut wird. Und auf der Suche nach diesem in der Großstadt, um wieder an sein Geld zu kommen, Freund:innen findet, die natürlich den Dieb überführen und so ein Happy End – durch den Zusammenhalt der Kinder aus der Groß- und der ländlichen Kleinstadt samt Verfolgungsjagd durch das ganze Theater – herbeiführen.

Kästner himself tritt auf

Zwei Besonderheiten weist die Wiener Inszenierung (Regie: Frank Panhans, Dramaturgie: Sarah Caliciotti) auf. Erich Kästner (1899 – 1974), der Autor des Romans – und vieler anderer Kinderbücher (u.a. „Pünktchen und Anton“ – in der vorigen Saison vom Theater der Jugend gespielt; „Das fliegende Klassenzimmer“ – Neuverfilmung vor einem Jahr im Kino; „Konferenz der Tiere“ – im Vorjahr vom Linzer Theater des Kindes gespielt) – tritt in Erscheinung. Uwe Achilles, spielt diesen und erzählt, er hätte eigentlich ganz was anderes schreiben wollen und sei sozusagen zufällig in diese Geschichte gestolpert… Wie alle anderen – außer Jonas Graber, der durchgehend den Emil Tischbein spielt und sein Gegenspieler, der ihn beklaut (Frank Engelhardt), schlüpft Achilles in mehrere Rollen. Lachstürme löst er mit der karikierten in Berlin auf Emil wartenden Großmutter aus – da erinnert er irgendwie an die filmische Mrs. Doubtfire.

Riesige Albtraum-Köpfe

Zweite Besonderheit: Wenn Emil schläft, plagen ihn Albträume, weil er in Neustadt als Mutprobe einem großherzöglichem Denkmal eine rote Nase aufgesetzt und einen Schnurrbart gemalt hat. Die Figuren, die in diesen Träumen auftauchen, zeichnen sich durch riesige Köpfe aus – mit vergrößerten Gesichtern vom Polizisten und den anderen Mitspieler:innen. Designt von Kostümbildnerin Anna Katharina Jaritz, haben Paoletta Chalupar und Katrin Vogler aus der Kostümabteilung des Theaters der Jugend diese Riesenhäupter gebaut – mehr dazu in einer eigenen Story, unten verlinkt.

Kostüm- und Bühnenbild

Mit diesen Köpfen zu spielen und manches Mal auch zu tanzen war für die Schauspieler:innen eine ordentliche Herausforderung, wie einige von ihnen nach der Premiere im Small-Talk mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… gestehen. Aber, so fügen die kürzest Befragten auch an, „wir hatten gutes Training dazu“ – von Wieda Shirzadeh, die das Bewegungs-Coaching leitete.

Und wenn wir schon bei den Dingen sind: Beachtlich und ebenfalls teils riesig sind die Bauten des Bühnenbilds – ob’s der Zug, der Bahnhof, dessen oberer Stock später zur Straßenbahn wird oder das Hotel sind (Bühnenbild und Video: Ulv Jakobsen).

Wandlungsfähige Schauspieler:innen

Sehr beachtlich ist auch die Wandlungsfähigkeit der Schauspieler:innen, die in ihren jeweiligen Rollen oft ziemlich gegensätzlich agieren und kostümmäßig ausstaffiert sind. Das gilt insbesondere für Tara Michelsen, die einerseits die freche, quirlige Cousine Emils, Pony Hütchen ebenso verkörpert wie die eher voluminöse Dauerquasslerin im Zugabteil von Emil und Grundeis; ebenso aber für Benita Martins, die einen ähnlichen Spagat spielen darf – die Professorin genannte zurückhaltende Schlaueste der Detektivband sowie die Bäckerin Wirth, die bei Friseurin Ida Tischbein, jedes rechtspopulistische Gerücht gegen die Großstadt Berlin auskotzt – mit Anleihe von Trumps Katzen- und Hundefresser-Sager. Steigende Kosten und geringe Einnahmen der Friseurin werfen „nebenbei“ Schlaglichter auf vergangene und aktuelle Ungleichheiten.

Vier bzw. drei Rollen

Gar auf vier Rollen bringt es Stefan Rosenthal als Neustadts Wachtmeister Jeschke, Zug-Schaffner, „Kleiner Dienstag“, der bei den Detektiven den Telefondienst zu Hause machen muss – alte Zeiten, kein Handy, nur Festnetz mit Wählscheiben-Apparat und ganz wenigen Fernsprechern – und schließlich als verkleideter Page im Hotel, damit die Detektiv:innen an den Dieb herankommen können.

Von der gluckhennen-artigen Mutter Ida Tischbein über eine recht grantige Berliner Kellnerin bis zur toughen Bank-Kassiererin reicht der Bogen, den Sophie Aujesky spielt. Zwischen jeweils drei Rollen switchen auch Marko Kerezović (Detektiv Gustav mit der Hupe, einer der Jungs in Neustadt und dort auch Bahnhofsvorsteher), Konstantin Mues Bœuf (Detektiv Mittenzwey, Junge in Neustadt, Polizist) sowie Nikolaus Lessky (Detektiv Mittendrei, Junge in Neustadt, Beamter am Bahnhof Friedrichstraße).

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Mitarbeiterinnen der Kostümabteilung Paoletta Chalupar und Katrin Vogler zeigen dem Reporter zwei der Riesenköpfe, die sie gebaut haben

Making of Riesenköpfe für „Emil und die Detektive“

In zwei Szenen der „Emil und die Detektive“-Version im Wiener Theater der Jugend treten Schauspieler:innen mit beeindruckend großen aufgesetzten Köpfen auf – und tanzen sogar damit in den Albträumen von Emil Tischbein. Entworfen hat die Köpfe Kostümbildnerin Anna Katharina Jaritz, gebaut wurden sie von Paoletta Chalupar und Katrin Vogler aus der Kostümabteilung des Theaters der Jugend.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Emil und die Detektive“ im Renaissancetheater / Theater der Jugend Wien: Jonas Graber als Emil Tischbein und Ensemble

Trotz ihrer Größe seien die Köpfe gar nicht so schwer, aber auch nicht gerade leicht, so sagen einige der Schauspieler:innen, die in diesen beiden Szenen sich mit diesen bewegten und sogar tanzten. Wie sie diese überdimensionalen Kopien der Häupter der Schauspieler:innen bauten, verraten die beiden Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…: Inneres Gerüst ist Hasendraht und darüber viel Pappmaschee, das wir außen dann bemalt haben. Damit die Spieler:innen die Köpfe sicher tragen können, sitzt in der Mitte ein Skaterhelm, über diesem mehrere Schaumstoff-Schichten. Die Augen sind Plexiglaskugeln, die wir bemalt haben.“

Und dann zeigen die beiden zwei spezielle Stellen an den Wangen der großen Köpfe: Dünner Gitterstoff. „Da können die Schauspieler:innen durchschauen und sie kriegen so auch genug Luft!“

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Doppelseite aus "Patti packts an"

„Warum geht das nicht???“

Natürlich verrät schon das Titelbild und der Untertitel des Bilderbuchs „Patti packts an“ mehr oder minder ein Happy End: Das Mädchen lächelt beim Klettern auf der Stange und in der sternförmigen Sprechblase steht „Ich schaff das!“

Und dennoch ist es für Patti alles andere als easy. Herzhaft schreit und tobt sie auf der ersten Seite der Geschichte von Edith Schachinger (Text) und Dani Remen (Bilder): „Warum geht das nicht?“

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Patti packts an“

Natürlich schafft sie zu Beginn das ganz und gar nicht, auf die Stange im Turnsaal raufzuklettern. Was wäre das denn auch für eine Geschichte, wenn das Ende gleich am Anfang stünde – was sollte sich denn dann zwei Dutzend Seiten lang tun?

Und so lassen die beiden in ihrem Buch die Hauptfigur zunächst scheitern, wütend, zornig und ungeduldig sein.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Patti packts an“

Doch, um etwas letztlich doch zu schaffen, braucht es mitunter auch Helfer:innen. In diesem Fall haben sich Autorin und Illustratorin eine Lehrerin einfallen lassen, die Patti Mut macht, nicht aufzugeben. Anhand des Beispiels eines Super-Kletterers, der auch zunächst ganz schwach war, bringt die Pädagogin ein mögliches Vorbild ins Spiel und …

Wie und wodurch Pattis Geschichte weitergeht und wie diese, letztlich doch ein wenig überraschend, endet, sodass sie in deinem Kopf dennoch weitergeht, sei nicht verraten.

Warum im Titel ein Apostroph fehlt – eigentlich müsste es ja „packt’s“ heißen – bleibt allerdings ein Rätsel.

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Titelseite von
Titelseite von „Patti packts an“
Schauspielerin Sophie Berger mit Mr. Neugierig-Puppe und Taube Frida - gestellt auf einem Dachboden

Spielfreudige Animation für Wissbegierde und Forschungsgeist

Eine große, hohe stehende Kartonkiste. Links und rechts davon mysteriöse von weißen Tüchern verhüllte Objekte. In der Mitte der Bühne an einer Metallstange ein Schlüsselloch plus Türschnalle. Allein schon dieses Bühnenbild löst so manche Fragezeichen aus. Passt, heißt doch das Stück für sehr junge Kinder (ab 2 Jahren) „?Neugierig?“ gleich mit zwei Fragezeichen im Titel. Vor Mitte Oktober beginnt eine Tour durch niederösterreichische Städte, ein Monat später wird auch in Wien gespielt.

Und dann springt die quirlige Schauspielerin (Sophie Berger) mit einem Netz-Rucksack in dem eine Riesenlupe steckt, vor diese Ansammlung der neugierig machenden Dinge – fragt Kinder, ob sie schon einmal etwas entdecken, erforschen wollten. Zieht aus diversen Säcken ihrer Hose Taschenlampen und andere Gegenstände, von denen sie wissen will, ob irgendwer im jungen Publikum das eine oder andere Ding kennt – weswegen es hier sicher nicht gespoilert werden soll, worum es sich handelt.

Schauspielerin Sophie Berger mit Mr. Neugierig-Puppe und Taube Frida - gestellt auf einem Dachboden
Schauspielerin Sophie Berger mit Mr. Neugierig-Puppe und Taube Frida – gestellt auf einem Dachboden

Mr. Men – Miss Little

Sie, im Spiel namenlos bleibend, fragt auch, ob und wie sie hinter die Tür kommen könnte… – und schafft das natürlich, so viel sei schon verraten. Letztlich enthüllt sie in dem rund ½-stündigen Spiel auch das, was unter den Tüchern steckt. Da auf den vorab gestellten Fotos für die Medien die Schauspielerin aber schon mit zwei Figuren zu sehen ist, darf hier wohl preisgegeben werden: Unter einer der Decken befindet sich eine große grüne Stoff-Figur mit urlaaaanger Nase. Es handelt sich um eine der Dutzenden Figuren aus den Bilderbüchern von Roger Hargreaves aus der Serie Mr. Men – Buchbesprechungen unten verlinkt.

Neugier hier positiv im Gegensatz zu den Büchern

Der Autor und Illustrator hat sich zu verschiedensten Eigenschaften und Gefühlen Bilderbücher einfallen lassen. In einem früheren Stück – „Mit Gefühl(t)“ – hat sich Olivia productions schon solche ausgeborgt. Im Fall des aktuellen Neugier-Stücks hat die Theatergruppe zum Glück nur um die Rechte für die Verwendung der Figuren angefragt und nicht der Buch-Geschichten. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Büchern der Serie verstört die Neugier-Story Hargreaves. Mr. Neugierig ist kein Wissbegieriger, sondern ein Schnüffler, der etwa Briefe andere Leute öffnet und sich ständig in (private) Angelegenheiten anderer einmischt. Hargreaves Gegenstück „Miss Neugierig“ ist zwar insgesamt positiver gehalten, die Frau aus dem Fragezeichenhaus mit einer Frisur in diesem Satzzeichen ist wissbegierig. In der Bücherei wird sie dennoch bei ihren Fragen in die Schranken gewiesen.

Schauspielerin Sophie Berger mit Mr. Neugierig-Puppe und Taube Frida - gestellt auf einem Dachboden
Schauspielerin Sophie Berger mit Mr. Neugierig-Puppe und Taube Frida – gestellt auf einem Dachboden

Neugier wird gefeiert

Ganz anders das Stück. Das Schauspiel – hin und wieder um Musik und Tanzeinlagen bereichert (Musik & Komposition: Philipp Erasmus) – nimmt Kinder mit auf eine Gedankenreise voller Entdeckungslust und Forschungsdrang. Einige von Miss Neugierigs (Scherz-)Fragen borgt sich Sophie Berger fürs Stück aus – warum der Himmel blau ist oder Ein Tisch Beine hat und dennoch nicht Fußball spiel kann.

Im Laufe des Stücks werden natürlich die Gegenstände wie oben schon erwähnt, alle enthüllt – und so manches verwandelt sich mit wenigen Handgriffen in anderes, das hier natürlich geheim bleiben soll. Nur so viel noch: Diese „Verzauberungen“ können auch anregend sein, um aus dem einen oder anderen Möbelstück und Tüchern im eigenen Kinderzimmer oder einem Teil des Kindergartens so manch Abenteuerliches zu bauen.

Ach ja, wie die Fotos zeigen, kommt auch eine Taube vor. Die wird von Sophie Berger auch benamst – Frida. Die kommt übrigens nicht in den Büchern von Roger Hargreaves vor – und die beiden Stoffpuppen wurden von Ursula Stich gebaut und genäht.

Kinderuni: Gelöbnis, immer Fragen zu stellen

Übrigens: Am Ende der Kinderuni Wien im großen ehrwürdigen Festsaal des Universitätsgebäude an der Wiener Ringstraße werden die Kinder gefragt: „Wer von euch verspricht (gelobt), dass er oder sie nie aufhören wird, Fragen zu stellen, hebe die Hand.“ Gleich danach werden die Jung- und Jüngststudierenden gefragt, ob sie auch nie aufhören werden, Antworten auf die Fragen zu suchen. Wer beides beantwortet wird mit dem Titel Magistra oder Magister universitatis iuvenum (der Kinderuni) belohnt.

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Zu Besprechungen der Bilderbücher Mr. und Miss Neugier

Besprechung des Stücks „Mit Gefühl(t)“ <- damals noch im Kinder-KURIER

Sujetfoto und Plakat zum Stück
Sujetfoto und Plakat zum Stück „? Neugierig ?“
Doppelseite aus "Mr. Neugierig"

Zwei Bilderbücher, die Fragen als nervig abtun

Kinder wollen, müssen die Welt entdecken, um sich Schritt für Schritt zurecht zu finden. Sobald sie sprechen können, stellen sie Fragen. Davor tun sie das auch schon – mit zeigen, fragenden Blicken usw. Neugier hat der Autor und Illustrator Roger Hargreaves ebenso zwei Bilderbücher gewidmet wie Dutzenden anderen Eigenschaften und Gefühlen in den Serien „Mr. Men Little Miss“.

Warum auch immer, die Wissbegierde kommt in diesen Büchern mehr als schlecht weg. Beim Herren, also „Mr. Neugierig“, wird diese ausschließlich als Herumschnüffelei dargestellt. Er steckt seine Nase sozusagen in private Angelegenheiten anderer Leute. Die beginnen sich dann zur Wehr zu setzen. Der Maler lässt einen Farbklecks auf die große Nase von Mr. Neugierig tropfen, die Wäschereibesitzerin zwickt ihm eine Kluppe drauf und so weiter.

Die Stimmung dieses Büchleins fällt eher in die Kategorie jener Eltern und / oder Pädgog:innen, die sich von Kinderfragen mehr als genervt fühlen – nach dem Motto „du fragst Löcher in den Bauch…“

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Miss Neugierig“

Frau Fragezeichen – doch positiver

Das weibliche Gegenstück kommt anfangs im Bilderbuch „Miss Neugierig“ weit besser weg. Allein schon ihr Haus, die Bäume im Garten und ihre Frisur – jeweils bunte Fragezeichen. Auch die Formulierungen sind positiver, „sie sieht ziemlich interessant aus. Und sie ist von Natur aus an allem interessiert. Sie will immer wissen, wie? Warum? Und was? Alles passiert…“

Als die Fragezeichenfrau allerdings in der Bibliothek sich nach Büchern erkundigt, in denen sie Antworten darauf bekommen könnte, warum der Himmel blau ist oder in Kamm Zähne hat und dennoch nicht beißen kann, herrscht sie die Bibliothekarin an: „Das reicht jetzt!“, schrie Frau Seite. „Der Nächste bitte!“

Aber immerhin endet dieses Büchlein mit der Feststellung, von der Neugier angesteckt worden zu sein. „Wir sind jetzt genauso neugierig wie du!“

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Sophie Zheng und ihr Stoff gewordener Entwurf

Ausgefallene, kreative Mode-Designs aus Kinder- und Jugendhand

„Da hab ich eine Blume gefaltet und in die Mitte vom Entwurf des Kleides geklebt. Es soll eine Art Seerose sein – nur in blau. Bei diesem Entwurf hab ich mich nicht besonders bemüht, bei anderen hab ich mich viel mehr angestrengt und manche gefallen mir viel besser. Aber die Jury hat dann eben genau diesen ausgewählt, der nicht mein bester war. So hab ich jetzt schon zum achten Mal gewonnen, neun Mal hab ich mitgemacht“, freut sich die 15-jährige Sophie Zheng im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – übrigens nicht ihrem ersten. In manchen Jahren landete sie mit einem ihrer Mode-Designs sogar schon auf dem sprichwörtlichen Treppchen, unter den drei Hauptpreisträger:innen bei Kids in Fashion (gewertet wird in drei Altersgruppen 4 – 10, 11 – 14 sowie 15 – 21 Jahre).

Drei Phasen

Dieser riesige kreative Mode-Entwurfsbewerb für Kinder und Jugendliche, veranstaltet von den Wiener Jugendzentren, fand in diesem Jahr bereits zum 30. Mal statt. Aus den – in den vergangenen Jahren immer mehr als 2000 – Einsendungen – wählt eine Jury jeweils rund 60 aus. Diese besonders außergewöhnlichen kreativen, schrägen, ver-rückten, aus dem Rahmen fallenden Designs, die sich vor renommierten weltbekannten Designer:innen nicht verstecken brauchen, werden in den Sommerferien in Werkstätten von Mode-Schüler:innen geschneidert und sollen möglichst nahe an die Zeichnung, die nicht selten auch eine Collage mit unterschiedlichen Materialien ist, herankommen. Dritter Akt im Bewerb: Jugendliche Model tragen in einer Show zu Musik diese Kleidungsstücke und „laufen“ damit über den Laufsteg. Nachdem alle Kreationen präsentiert worden sind, gibt’s einen weiteren Durchgang, bei dem die jungen Designer:innen, die an diesem Abend anwesend sein können, mit ihren Models über den Laufsteg wandern, manche liefen dieses Mal ihren Models fast davon.

Im Rathaus

Bei runden Jubiläen stieg die Gala, die immer wieder in andren Locations stattfand, meist im Wiener Rathaus, dieses Mal im überdachten Teil des Arkadenhofes. Wer mit welchen Entwürfen Hauptpreisträgerin oder -träger geworden ist, findest du in einem eigenen übersichtlichen Beitrag mit den dazu passenden Fotos. Dort gibt es auch eine Galerie aller realisierten Designs und – nach Altersgruppen unterteilt – aller Gewinner:innen, die die Entwürfe dafür eingeschickt haben. Diese knapp mehr als 50 Gewinner:innen (außer den neun Hauptpreisträger:innen) allerdings in der Liste nur mit Vornamen – so wollen es die Jugendzentren.

Hakerln für den Weihnachtsbaum

So wie die eingangs zitierte Sophie Zheng machen viele Kinder und Jugendliche (fast) jedes Jahr bei Kids in Fashion mit. Aber auch für diese war einmal die Premiere. Zum ersten Mal hatte Annelie Schmid (14) im Vorjahr Mode-Entwürfe für den Bewerb gezeichnet. „Da war ich sehr aufgeregt“. Heuer hat sie nicht nur mit Farben Gewänder gestaltet. „Ich weiß es nicht mehr genau, aber so acht bis zehn Zeichnungen hab ich schon eingeschickt. Mit dem, der ausgewählt worden ist, bin ich schon zufrieden.“ Das grün gemalte Kleid wird von goldenen S-förmigen Kurven durchzogen – aufgeklebt hat die Jungdesignerin jene Hakerln mit denen Kugeln und anderer Schmuck bzw. Süßigkeiten an die Zweige von Weihnachtsbäumen gehängt werden. Im echten Kleid gib das so natürlich nicht, da wurden metallene Ketten eingenäht.

Regenbogenbunter Umhang

Zum allerersten Mal hat Mia Kujovič mitgemacht. „Unsere Werklehrerin hat uns in einer Supplierstunde von Kids in Fashion erzählt, wir haben alle was dafür gezeichnet. Dass mein Entwurf ausgewählt worden ist, war doch eine Überraschung für mich“, lacht die 14-Jährige strahlend in die Kamera neben ihre Zeichnung eines regenbogenbunten Umhangs, an dessen unteren Ende sich auch Streifen in unterschiedlichen Grautönen finden.

Zerlegte und neu gestaltete Blume

„Ich hab eine Blume gebastelt, die dann zerschnitten und als Kleid auf ein Blatt geklebt“, erinnert sich Miloude Amgalantuul an den Entstehungsprozess für seinen mit der Verwirklichung ausgezeichneten Entwurf. „Es war das erste Mal, dass ich gewonnen habe, mitgemacht hab ich schon so ungefähr vier Mal.“ Nach der Gala läuft der Neunjährige mit dem großen Oberteil des Entwurfs neben dem Laufsteg her, ein Freund trägt den unteren Teil des Kleides in einem Sackerl. Die Designer:innen können gegen einen Unkostenbeitrag für das Material ihre umgesetzten Kreationen immer erwerben.

Unterschiedliche Stoffe…

… hat Melisa Gjocaj auf den prämierten Entwurf geklebt. „Ich hab mich einfach von den vielen Stoffen, die da herumgelegen sind, inspirieren lassen und daraus verschiedene Teil des Kleides collagiert. Und bin zufrieden, dass dieser Entwurf genommen worden ist“, vertraut sie dem Journalisten an.

Von Mina Kulbaya (14) wurde auch eine Collage genommen. „Eingeschickt hab ich mindestens drei Entwürfe, einen von den anderen fand ich schon schöner. Aber es freut mich trotzdem, dass wenigstens einer genommen wurde.“ Sie möchte übrigens nicht beim Modedesign bleiben, sondern „ich will entweder Kindergärtnerin oder Ärztin werden“. Und vielleicht modische Kleidung für Mediziner:innen entwerfen? „Vielleicht, aber jedenfalls muss es trotzdem praktisch und hygienisch sein!“

Designte jenes Gewand, das er selbst als Model vorführte: Tobias Vorwahlner
Designte jenes Gewand, das er selbst als Model vorführte: Tobias Vorwahlner

Doppelrollen

Unter den jugendlichen Models hatten in diesem Jahr zwei davon Doppelrollen. Der 18-jährige Tobias Vorwahlner war im Vorjahr schon Model, kam damals sozusagen auf den Geschmack des Bewerbs und schickte heuer einen eigenen Entwurf ein. Der wurde genommen. Und genau dieses verwirklichte Design durfte er dann am Laufsteg präsentierten. Derzeit besucht er eine HAK (Handelsakadmie), „aber ich will später schon was mit Mode machen, wollte aber keine längere Schule besuchen, sondern so schnell wie möglich die Matura machen und dann im Ausland Modedesign studieren“, verrät der KiJuKU.at

Auch Leon Moder (16) trat sowohl als Model als auch als Designer in Erscheinung. Wobei gleich zwei seiner Entwürfe ausgewählt – und noch dazu mit einem Hauptpreis bedacht worden sind. Er gewann die Kategorie der Ältesten (15 – 21 Jahre). Wobei er selber durchaus auch andere seiner eingereichten Design favorisiert hätte, wie er dem Reporter verrät. Seit drei Jahren zeichnet der Schüler eines Gymnasiums in Hollabrunn Mode-Entwürfe und möchte nach der Matura auch im Ausland einschlägig studieren – „am liebsten in Paris – oder in Antwerpen“.

Zeitungs-Latzhose

In einer Latzhose im Design aus Zeitungs-Ausschnitten wartet Morrison Osayi in der Volkshalle des Wiener Rathauses hinter (oder vor – je nach Sichtweise) des Arkadenhofes darauf, noch geschminkt und zurecht frisiert zu werden. Das alles passiert im Backstage-Bereich mit rund einem Dutzend Arbeitsplätzen für die Meister:innen der Fächer Frisuren und Make-Up. Der HTL-Schüler aus der Donaustadt (Elektrotechnik) posiert zunächst mit seinem Model-Kumpel Florian Lenger, der schon eine Wuschelkopf-Perücke trägt – und dann mit einem speziellen Gast der Jubiläums-Gala: Andreas Posch hatte bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren jahrzehntelang Kids in Fashion für die Wiener Jugendzentren organisiert.

Tragbare Geometrie

Würfel, Quader und andere dreidimensionale geometrische Figuren trägt das Model Paula Rauscher. „Ist das nicht schwer?“, fragt KiJuKU. „Nein, die Teile nicht, die sind recht leicht, das Schwierig ist der enge, schwere Lederbody“, verrät die junge Frau. An diesem doch recht festen Kleid sind die vielen kleinen und großen bunt überzogenen Kartonformen fixiert. „Aber es macht Spaß so etwas Kreatives tragen zu dürfen, was sich ein zehnjähriges Kind ausgedacht hat!“

Maya Florentina Filimon - modelte nciht nur, sondern sang umwerfend eine Opern-Arie
Maya Florentina Filimon – modelte nciht nur, sondern sang umwerfend eine Opern-Arie

Opern-Arie im Rosenkleid

In einem Kleid voller Stoffrosen wanderte Maya Florentina Filimon nicht nur über den Laufsteg. Sie hob unvermittelt zu singen an. Und wie. Mit ihrer Live-Stimme füllte sie den großen Arkadenhof des Wiener Rathauses. Es waren Momente, in denen fast sämtliche Tuscheleien und Tratschereien im Publikum aufhörten als die 12-Jährige Giacomo Puccinis „O mio babbino caro“ (Oh, mein lieber Vater“ in den Nachhimmel losließ – zart, zärtlich und doch so kräftig. Kids-in-Fashion-Mastermind, der dieses Projekt während seiner Zivildienstzeit in einer Einrichtung der Jugendzentren (Bassena Am Schöpfwerk) erfunden hatte) war auf die junge Sängerin bei der ORF-Sendung „Die große Chance“ aufmerksam geworden – und engagierte sie für die 30-Jahr-Gala.

Tanz-Act

Aus einer der Einrichtungen der Wiener Jugendzentren, dem Musischen Zentrum, kam eine Art Vorband zur Gala. Junge Jugendliche tanzten „L‘officina della danza“ (Tanz-Workshop), eine Choreografie, die ihre Workshopleiterin Alessandra Tirendi gestaltet hatte.

Um auch von weiter hinten gut sehen zu können - Schulterplatz
Um auch von weiter hinten gut sehen zu können – Schulterplatz

Schnappschüsse

Damit Kinder auch in hinteren Reihen gut sehen konnten, nahmen manche auf den Schultern Erwachsener Platz.

TV-Interviews

Die Wiener Jugendzentren bespielen – gemeinsam mit Jugendlichen – seit vielen Jahren eine eigene Sendung auf dem Community-Sender Okto-TV. CU televison (gesprochen see you!) covert unter anderem jedes Jahr Kids in Fashion. Drei Jungreporter:innen (Kamera: Zeynep Büjüktanir), Tonmeister Salawat Barakanov und Moderatorin Jasmin Ledum führten zahlreiche Interviews – und schnappten sich auch den KiJuKU-Journalisten, „weil Sie doch Kids in Fashion schon so lange, von Anfang an, begleiten“.

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Zu einer Überblicks-Story über alle Gewinner:innen und Hauptpreisträger:innen

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Von Kindern und Jugendlichen gezeichnet, von Modeschüler:innen geschneidert - realisierte beste Designs - von jugendlichen Models auf dem Laufsteg vorgeführt

And the winners are…

Neben jeweils drei Hauptpreisträger:innen in den drei Altersgruppen haben weitere 51 Kinder und Jugendliche gewonnen – aus ihren Entwürfen wurden Kleidungsstücke für den Laufsteg. Hier Die Fotos davon – bei den Hauptpreisträger:innen mit ihren Designer:innen, die bei der Gala dabei sein konnten; und danach alle von den jugendlichen Models vorgeführten Gewänder in der Reihenfolge ihres Auftritts.

Top 3 bei den Jüngsten 4 – 10 Jahre

Hamdya Ahmed (8 Jahre)

Neila Krasniqi (9) – konnte bei der Gala nicht dabei sein, wurde aber von ihrer Schwester vertreten

Sahin Khan (10) – konnte bei der Gala nicht dabei sein

Der umgesetzte Entwurf von Sahin Khan (10), bei der Gala verhindert
Der umgesetzte Entwurf von Sahin Khan (10), bei der Gala verhindert

Hauptpreisträger:innen bei den 11- bis 14-Jährigen

Aseel Najm (14)

Theo Ellinger (12)

Selma Yusein (11)

Die ältesten Hauptpreisträger:innen (15 – 21 Jahre)

Leon Moder (16), von dem gleich zwei Entwürfe ausgewählt und umgesetzt worden sind und der selbst als Model einen anderen umgesetzten Entwurf vorgeführt hat

Maya Kofler (16)

Ylvie Stockinger (15)

Die weiteren Gewinner:innen

In der Kategorie 4 – 10 Jahre
Adea, Anna, Conor, Constantin, Fozid, Hermine Maria, Isabella, Karim, Laurent, Lena, Leonardo, Leonie, Louis, Melisa, Miep, Miloude, Mina, Naca, Samuel, Sophie, Valentin, Zoe

In der Kategorie 11 – 14 Jahre
Amelie, Anneli, Ariana, Artur, Arthur, David, Dominik, Edema, Elida, Ema, Havin, Helene Katinka, Jonathan, Julia, Kathi, Lee, Leo, Limar, Klara, Mayar, Mia, Marie, Sumeja

In der Kategorie 15 – 21 Jahre
Alma, Elena, Floria, Ivanna, Sara, Selina, Sophie, Tobias

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Zu einer Story samt Interviews geht’s hier unten

Galerie der Models mit den realisierten Entwürfen aller Gewinner:innen – viiiiiiiele Fotos

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Die Insel"

Wenn eine Insel erzählt…

Taucht da ein graugesichtiger Mensch mit großen Augen und ein paar Blumen auf dem Kopf aus dem Wasser auf?
Nein, es handelt sich um eine Mini-Insel – mit Augen. Sie erzählt von ihrer Einsamkeit, manchen Besucher:innen, die mitunter nicht nur nett sind – so kackt ein Vogel auf einem der ersten Bilder der Doppelseiten.

Doch eines Tages lässt Autor und Illustrator Bruno Nunes Coelho einen bärtigen Mann mit kleinem Segelboot landen und für längere Zeit bleiben. Doch dann, … – aber…“

So schnell sich die ganze Geschichte erzählen würde, so soll doch den Leserinnen und Leser – und jenen, die vielleicht „nur“ die Bilder ausführlich betrachten – noch die Überraschung bleiben für dieses Bilderbuch mit der außergewöhnlichen Erzählerin – so wie das Buch heißt: Die Insel.

Neben dem was du siehst und liest – oder dir vorlesen lässt – kannst du deinen Gedanken und Fantasien zu Einsamkeit bzw. Freundschaft sehr gut nachhängen.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Die Insel“
Bild aus einer der virtuellen Welten

Was soll danach bleiben?

VR-Brillen ermöglichen unter anderem detailliertere Ansichten, ein Reinzoomen in bestehende Gebäude, Körper, die Erde, das Planetensystem, also reale Umgebungen mit unheimlichem Reinzoomen. Sie können aber auch in künstlerisch gestaltete Fantasiewelten eintauchen lassen. Und sie stürzen ihre Benutzer:innen damit oft in fast eigenartig erscheinende Widersprüche: Du weißt, dass du auf einer ebenen Fläche stehst, rundum genügend Platz, keine gefährlichen Abgründe oder was auch immer. Und während du das weißt und dir das durch den Kopf geht, kommt Angst auf, auch nur den kleinsten Schritt zu wagen, wenn du über die Brille eine selbst gar nicht so perfekte dreidimensionale Welt mit Abhängen, schmalen Stegen oder gar Fluten vorgespiegelt kriegst.

Bild aus einer der virtuellen Welten
Bild aus einer der virtuellen Welten

Du tauchst ein

Soweit eine Art allgemeiner Einordnung 😉 Noch bis 6. Oktober ist im brut studio eine rund eineinhalbstündige Reise in eine solche virtuelle Welt möglich. Das Kollektiv DARUM, das schon etliche digitale künstlerische Projekte umgesetzt hat, baute mit  [EOL]. End of Life eine Welt, die dich sehr in den Bann zieht. Du wirst mit eben einer solchen Brille und Kopfhörern gebeten, für einen fiktiven Konzern namens IRL 2.0 verschiedene Räume zu begutachten. Und zu entscheiden, sollen die gelöscht oder sozusagen ewig archiviert werden. Jedes Speichern kostet Energie samt negativen Umweltfolgen.

Hochwertigstes, aber nicht nur

Vieles in dieser virtuellen Welt ist sehr elaboriert digital gestaltet, wirkt fast echt. Wenn du in den Lift steigst, hast du tatsächlich das Gefühl rauf oder runter zu fahren – obwohl du weißt, dass du auf einer ebenen Fläche stehts. Gleiches gilt etwa für eine Floßfahrt, auch wenn das Wasser rundum keine Ähnlichkeit mit einem solchen aufweist und wirkt, als wäre es in den Anfangszeiten digital produzierter Bilder gestaltet worden. Dafür wirken wiederum die Menschen, denen du begegnest teils ziemlich perfekt programmiert, sogar das Mädchen Lisa, das dich in viele Räume mitnimmt und sich viel bewegt.

VR-Brille und Spielfeld
VR-Brille und Spielfeld

Nachwirkungen

Und scheinbar „nebenbei“ machst du dir vielleicht sogar danach Gedanken, was wäre es wirklich wert, aus der digitalen, aber auch der realen (ILR – In Real Life; zufällig landest du im Netz mit der Adresse aus dem Folder tatsächlich auf einer Site, die sich mit künstlicher und realer Welt im Metaversum auseinandersetzt) Welt wert, für künftige Generationen erhalten zu bleiben. Während Archäolog:innen heute Artefakte, die einige Tausend Jahre alt sind, ausgraben und so erforschen (können), wie Menschen in der jeweiligen Zeit gelebt haben, bleibt im Internet einiges scheinbar ewig, anderes verschwindet rasch…

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Gezeichnete Bilder von Liam im Film seiner Schwester „Die neue genererzion der Welt“

Danke für „sowas Oarges“…

„Ich bin dir sehr dankbar, dass du mit mir sowas Oarges machst… – eine coole Dokumentation über das Leben und wie sie denken die Elfjährigen“, ist zu Beginn des knapp mehr als vierminütigen Films „Die neue genererzion der Welt“ die Stimme des Protagonisten Liam zu hören. In einem Mix aus dokumentarischen Szenen und handgezeichneten Bildern, die zu Collagen zusammengefügt werden, erzählt er über seinen Heimatort Edlitz (891 Einwohner:innen im Bezirk Neunkirchen, Niederösterreich). Seine 22-jährige Schwester Vanessa Pichler hat ihn, seine teils schon sehr abgeklärten Gedanken über die Welt und ihr gemeinsames Heimatdorf portraitiert. Damit wurden die 28. Video- und Filmtage im Wiener Cinemagic, dem Kinder- und Jugendkino in der Urania am Donaukanal eröffnet.

Künstlerisches Sujet für die 28. Video- und Filmtage
Künstlerisches Sujet für die 28. Video- und Filmtage

Fast fünf Dutzend Filme

59 Kurzfilme – Animationen, Schauspiel, Tanz… – sind bis einschließlich Sonntag, 6. Oktober zu sehen. Das Spezielle an diesem Festival des jungen und jüngsten Films: Es werden die Werke nicht nur abgespielt. Nach jedem zu Themen zusammengefassten Block finden im Kino live Gespräche mit den Filmemacher:innen statt. Sowohl das Publikum als auch eine Jury aus erwachsenen Profis kann Fragen stellen und Feedback geben.

Blick in den Kinosaal bei den Video- und Filmtagen eines vergangenen Jahres
Blick in den Kinosaal bei den Video- und Filmtagen eines vergangenen Jahres

Der elfjährige Protagonist konnte selber nicht teilnehmen, weil er natürlich am nächsten frühen Morgen Schule hatte, die filmende Schwester hatte für eine Arbeit im Kolleg an der Grafischen ein Portrait zu drehen. Mit 22 ist sie an der oberen Altersgrenze für die Teilnahme mit Werken bei den Video- und Filmtagen, die nunmehr seit fast drei Jahrzehnten vom wienXtra Medienzentrum organisiert werden. So manche der Kurzfilme, die noch zu sehen sein werden, wurden übrigens mit Unterstützung bzw. sogar in den Räumlichkeiten dieses Kompetenzzentrums für (außerschulische) mediale Arbeit von Kindern und Jugendlichen realisiert.

„Radia“-Trio beim Filmgespräch im Kino

Dystopie

In diesem Jahr gibt es recht wenige Beiträge von (sehr) jungen Kindern – was nicht immer so ist, sondern schwerpunktmäßig von Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen. Wie die Filmerin des ersten Beitrages, so kommen auch die Macher des zweiten gezeigten Films aus einer Schule mit kreativem Schwerpunkt. Mathis Gibon und Laurin Schmidle hatten im BORG Hegelgasse 12 maturiert, bei dem Film, Theater und andere Kunstsparten auf dem Stundenplan stehen. Mit „Radia“  – gemeinsam mit Martin Kofler – produzierten sie einen arg dystopischen nicht ganz dreiminütigen Film.

Ein Teil des Teams von „Shitty Liking“
Ein Teil des Teams von „Shitty Liking“

Toxische Beziehung

Viel zu oft würden große Altersunterschiede in queeren Beziehungen romantisiert. Dem wollten Linua Land, Elli Leeb, Leah Hochedlinger, Sophia Hochedlinger, Elena Wolff und Sophie Rabmer mit „Shitty Liking“ etwas entgegensetzen. Die 19-jährige Sophie und die 29-jährige Lilian zeigen durchaus toxische Machtgefälle bei großen Altersunterschieden in ihrem rund 12-minütigen Spielfilm.

Ein Teil des Teams von
Ein Teil des Teams von „strohfrau“ beim Filmgespräch im Kino

Von Eifersucht bis …

Ebenfalls rund zwölf Minuten dauert der extrem schauspielstarke Film „strohfrau“ von Fanny Marie Berghofer, Paul Müller (Kamera Luca Selberherr). Das Paar Marlene (Katharina Settele) und Ben (Jakob Benesch) streiten lautstark darüber, dass er ständig mit Laura, die noch im Nebenzimmer ist, intensiv redet, mehr auf sie als auf Marlene eingeht… Was anfangs wie Eifersucht wirkt, wendet sich im Laufe der heftigen Dialoge schrittweise in eine Bewunderung Marlenes für Laura. Ist gar sie in die andere „strohfrau“) verliebt? Die heftigen verbalen Auseinandersetzungen sind extrem authentisch und glaubhaft gespielt, als wären sie voll echt. Ein wenig hätten – meiner Meinung nach – die Filmemamcher:innen auf die schon spürbare Wendung im Streit und darauf vertrauen können, dass das Publikum dies gleich checkt. Wenn gegen Ende Marlene fast eine hymnische Verklärung Lauras von sich gibt, ist es, als würde noch mit dem Zeigefinger darauf hingewiesen, was sein könnte.

Musikvideos

Im Rahmen der Video- und Filmtage werden immer wieder qualitativ hochwertige künstlerische Musikvideos eingereicht – eine Vorab-Jury wählt aus allen Einreichungen die rund fünf Dutzend Filme, die beim Festival gezeigt werden. Gleich am ersten Abend waren mehrere – ganz unterschiedliche – zu erleben. Laura Sole Hanser, Stefanie Knebel, Rosa Reiter und weitere Mitarbeiterinnen drehten „von jetzt an“. Zu einem Song schafft es Anna aus der zunächst grauen, in einen engen Rahmen gepressten Welt, diese in ein farbenfrohes Leben – nicht nur – für sich zu verwandeln.

Kleinabaoho…

… nennt sich die Linzer Singer-Songwriterin, für die und mit der Leonie Zettl das nicht ganz vierminütige Video „grüne augen lügen nicht“ drehte. Ein Roadmovie mit signalrotem Auto und uraltem Kassettenspieler, in den die Musikerin eben eine Kassette mit der Musik zu ihrem Song einlegt. Wohin die Reise geht? Eher immer sozusagen im Kreis.

Tanzende Elemente

Eine Top-Tanztruppe – eingebettet in eine Story auf der Suche Elemente und Gefühlswelten darzustellen, professionell durchchoreografiert und mit bekannten Musiknummern unterlegt – das ist der 22-minütige Film „It Girl Project“; hier mit kleinem t geschrieben, das große T im Originaltitel führte zur Anmoderation als IT-Girl und würde vielleicht auch beim Lesen dazu verleiten an Informations-Technologie zu denken. Immerhin ist es natürlich ein digitaler Film mit so manchen virtuellen Bildwelten. Ein mitreißendes, bewegendes Stück Film – samt einem Maler, der stimmungsadäquate Bilder dazu anfertigte, das sicher auch gut live auf Bühnen funktionieren könnte. Tanzcoach, Choreografie und Regie: Niklas Zesar; Filmproduzentin: Leona Marie Baucek; Kamera: Luca Horak; Montage: Rafaël Lesage; Tänzer:innen und (Mit-)Chreograf:innen: Olivia Haas, Victoria Ressl, Juliana Maehlich, Rafaël Lesage, Niklas Zesar; Maler: Daniel Schießwald sowie eine große Crew an zwei Dutzend Background-Täner:innen.

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Szenenfoto aus "Molk Schweigen - Über uns der Himmel" im Dschungel Wien

Mit „Molk Schweigen“ hoffentlich genau dieses durchbrechen

Drei Tage nach der jüngsten Nationalratswahl ließ – nach vorherigen Aufführungen in Kärnten (Pfarrkirche St. Veit im Jauntal / Farna cerkev Šentvid v Podjuni) und an der Außenmauer der Wotrubakirche in Wien – „Molk Schweigen – Über uns der Himmel“ von Theater ISKRA nun im Dschungel Wien im MuseumsQuartier immer wieder den Atem stocken. Drei junge Schauspielerinnen und eine ebensolche Musikerin ließen die Gedanken und Gefühle zweier Frauen durch den Raum schweben, die vor fast 80 Jahren ermordet wurden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Molk Schweigen – Über uns der Himmel“ im Dschungel Wien

Theatrales Denk- und Mahnmal

Die beiden Kärntner Sloweninnen Terezija und Terezija Mičej, Mutter (61 Jahre, geborene geb. Gregorič) und Tochter (22½ Jahre), wurden am 12. Jänner 1945 vom faschistischen Nazi-Regime nach einem Urteil des berüchtigten Blutrichters Roland Freisler geköpft. Regisseurin und Leiterin der Gruppe „Theater für alle – ISKRA“, Nika Sommeregger, hat den beiden Frauen mit dieser Performance ein berührendes zweisprachiges Denkmal gesetzt. Sie, die beschuldigt worden waren, Widerstandskämpfer:innen beherbergt zu haben, waren im Juni 1944 von der Gestapo (Geheime Staatspolizei der Nazis) verhaftet, eingesperrt, gefoltert worden. Und verrieten dennoch niemanden. Nicht einmal eine Woche nach dem Schandurteil wurden sie ermordet. Das Unrechtsurteil wurde übrigens erst vor rund 20 Jahren von der Republik Österreich aufgehoben.

Die Performance aus Schauspiel, Live-Musik und Live-Malerei mit Projektion könnte nicht nur als Denk-, sondern sozusagen auch als ein Mahnmal aufgefasst werden – unter dem Motto „Nie wieder!“. Wobei Letzteres zunehmend in Europa ins Wanken gerät, wenn offen (neo-)faschistische Gruppierungen bei Wahlen sehr viel Zustimmung erfahren.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Molk Schweigen – Über uns der Himmel“ im Dschungel Wien

Zarte und doch starke Geigentöne

Unaufgeregt, meist langsam, bedächtig betritt nach der Geigerin (Lena Kolter;
Komposition: Florijan Loernitzo) eine Schauspielerin nach der anderen (Linnea Jonasson, Katharina Pajenk, Hannah Rederlechner) die weiße Tanz- und Performancefläche. Klänge zwischen zart und schmerzhaft und dennoch mit einer Prise Lebensfreude lässt die Musikerin mit ihrem Geigenspiel ertönen. Später wird sie sogar ganz ohne Bogen nur mit ihrem in das Instrument geblasenen Atem Gänsehautmoment erzeugen.

Abschiedsbrief

An authentischem Zeugnis der beiden Terezijas gibt es nur den Abschiedsbrief der Tochter an den Vater. Aus diesem zitiert die Autorin des Stücks – und auf der Bühne zwei der Schauspielerinnen: „Če sem ti, dragi oče, kdaj povzročila trplenje, mi oprosti“ / „Lieber Vater, verzeih mir bitte, wenn ich dir in meinem Leben Leid

zugefügt habe. Sehr kurz war mein Leben. … verzeih mir bitte, wenn ich durch das Todesurteil Schande über dich bringe… ich habe getan, wozu du und Mutter mich erzogen habt. Ich bin dem Ruf meines Glaubens gefolgt… Und dem Ruf meines Gewissens… Wir sehen uns im Himmel wieder.“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Molk Schweigen – Über uns der Himmel“ im Dschungel Wien

Lebenslustig

Aus diesem Brief, einigen Eckpunkte aus dem Leben der beiden bzw. aus – angenommenen – Vorlieben der 22-Jährigen – „sie ist eine junge Frau. Tochter, zumeist. Singt gerne, spielt gerne Theater, geht tanzen. Manchmal läuft sie frühmorgens barfuß über das Feld. Unter ihren Füßen spürt sie eine angenehme Kühle. Dann hält

sie inne und lauscht den vielen Liedern dieser Welt zu – lassen die drei Schauspielerinnen und die Musikerin die beiden Frauen in ihren letzten Stunden und Minuten lebendig werden – mit deren Wissen, dass sie demnächst getötet werden.

Live-Pinselstriche

Zu dem Spiel der vier Frauen auf der Bühne gesellen sich phasenweise live hinter der Bühne gemalte starke Pinselstriche (Ulrich Plieschnig; bei Aufführungen in Kärnten: Simona Krajger), die auf die Leinwand in der Mitte des Bühnenhintergrundes projiziert werden – und damit auch über die Rücken der Spielerinnen, die davor stehen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Molk Schweigen – Über uns der Himmel“ im Dschungel Wien

Lange Recherchen und Beschäftigung

Die Regisseurin und Verfasserin der Bühnentext-Collage Nika Marie Sommeregger war auf die beiden ermordeten Frauen aus einem benachbarten Dorf ihres eigenen Heimatortes vor zwölf Jahren durch die Initiative der Historikerin Adele Polluk aufmerksam geworden. Diese hatte sich in ihrer Diplomarbeit ausführlich mit Mutter und Tochter Terezija Mičej beschäftigt und recherchiert. Danach wurde auf deren Initiative – unterstützt von einem Projektteam – eine Gedenktafel auf dem Friedhof von Dorf St.Veit  im Jauntal / Šentvid v Podjuni errichtet. Das war der Start für Sommereggers Recherchen und erste Gedanken, das Schicksal der beiden künstlerisch zu bearbeiten.

Text-Collage

In vielen Jahren reifte das, was nun noch einmal im Dschungel Wien zu erleben ist – nach der letzten Aufführung Freitagabend schließt sich übrigens eine Diskussion über „zivilen Ungehorsam und Widerstand heute“ an (Details zum Stück und zur Diskussion in der Info-Box ganz am Ende). Und ist damit nicht nur ein Stück über die beiden Frauen, es schwingt das Schicksal aller anderen ermordeten Widerstandskämpfer:innen mit – samt der Bloßlegung autoritärer, faschistischer Systeme, die Ihre Gegner:innen umbringen.

In den poetischen zweisprachigen (Deutsch und Slowenisch) Text hat Sommeregger neben Auszügen aus dem Brief Terezija Mičej an ihren Vater, den sie übrigens auf Deutsch schreiben musste, weil Slowenisch untr den Nazis verboten war, auch Passagen von Milka Hartmann, Rainer Maria Rilke, Wolfgang Goethe (Iphigenie), Heinrich Heine, Joseph Eichendorff sowie aus einem slowenischen Volkslied passgenau montiert.

Zwei Zitate aus dem Text sollen hier nicht vorenthalten werden: „Und nun singt diese Flöte/ Lieder dieser Landschaft; / bis an mein Ende wird sie klingen, / bis deine Hand sie zerbricht.“ (Milka Hartman)

„Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, / flog durch die stillen Lande, als flöge sie nachhaus.“ (Joseph Eichendorff) setzt die Regisseurin und Verfasserin des Stücktextes so fort: „Stopiš na sprejem v spomine zavest zbledi v vsemirje.“ Samt der sinngemäßen Übertragung ins Deutsche mit „Die Zeit für uns bleibt einfach stehen. Ein neues Lied ist zu beginnen.“

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Molk Schweigen – Über uns der Himmel“ im Dschungel Wien
Anziehbare bunte "Farbkleckse"

Verspielte Kunst – künstlerische Spiele

„Schau, was ich entdeckt hab: Da unten in der Höhle kannst du mit deinen Nägeln was schreiben oder zeichnen!“, verrät ein Mädchen einem anderen fast geheimnisvoll. Kinder einer dritten Klasse der Volksschule Pfeilgasse sind die ersten die die neue Mitmach-Ausstellung „Kunst & Spiel“ im Zoom Kindermuseum im Wiener MQ austesten dürfen.

Während die Direktorin (Andrea Zsutty) und Stadträt:innen (Kultur: Veronica Kaup-Hasler; Bildung / Jugend / Integration: Christoph Wiederkehr) in einem Mediengespräch darüber erzählen – und über das 30-Jahr-Jubiläum dieses Hands-On-Kunst-Erlebnisortes, begleitet Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schon die Kinder. Die erobern und entdecken von der besagten Höhle gleich nach dem Eingang über ein auf dieser „Kinsel“ gestrandetes Schiff die vielen unterschiedlichen künstlerischen Spielstationen.

Kegel -> Muster -> Bilder

Wie schon in den vorangegangenen 47 Mitmachausstellungen in diesen drei Jahrzehnten (insgesamt rund 2,5 Millionen Besucher:innen) laden von Künstler:innen gestaltete Stationen zum Spielen und spielerischen Umgang mit Kunst ein. So ergibt das Muster der in der Bowlingbahn getroffenen Kegel ein fotografiertes Bild, das in der Folge automatisch digital bearbeitet weitere künstlerische Fotos ergibt die in kleinen Monitoren an der Wand erscheinen.

Bruegel-Gemälde als Suchbild

Auf einem Tisch wartet auf drei Monitoren das digitale Ebenbild des berühmten Gemäldes „Kinderspiele“ von Pieter Bruegel (dem Älteren), das in echt im Kunsthistorischen Museum hängt. Hier kann fast ewig ins Bild reingezoomt werden. Dies erleichtert die Suche nach Detailausschnitten, die es zu finden gilt. „Wo ist das Steckenpferd“ ist etwa eine Rätselaufgabe. Samt Diskussion der Kinder untereinander „was ist ein Steckenpferd?“ Dieses alte Spielzeug ist heute vielen längst nicht mehr bekannt.

Ein seit Generationen bekanntes Spiel, eine Art „4 gewinnt“, führt auf einem der Spieltische zunächst zur Verwirrung. Auf der Tischplatte gibt es nur vier mal drei Felder – in einer Richtung könnten also schon vier Kreise oder X aufgemalt werden, aber in die andere Richtung oder gar diagonal? Nun, der Tisch hat links und rechts senkrechte Spiegel – da gilt es zu tüfteln, in welches Feld malst du dein Zeichen, um doch auf eine 4er-Folge zu kommen.

Kleiner Raum wird riesengroß

Apropos Spiegel: Der allerletzte große Raum mit seinen weißen und schwarzen Feldern wirkt aufs erste fast wie ein Labyrinth oder etwas ohne Anfang und / oder Ende. Und ganz innen drinnen versteckt findet sich eine Tür, hinter der du in ein Spiegelkabinett gelangst. Der kleinste Raum in der Ausstellung wird damit scheinbar zu einem riesengroßen in dem du dich vielfach siehst. „Wowh, ich hab so viele Freundinnen, die so ausschauen wie ich!“, entfährt Fatima spontan ein freudiger Schrei des Erstaunens. Um sich gleich danach auf den Boden zu legen und eine Brücke zu machen – also viele Brücken sozusagen. Und wenn du die Tür von innen zuziehst, „vergrößert“ sich der Raum gar zu einem schier unendlichen.

Vor dem Gebäude mit Spiegelkabinett kannst du auf mehreren Tischen verschiedene Kreisel bauen und mit ihnen spielen – die dicken bunten Stifte malen sozusagen selber, wenn du sie in Drehungen versetzt. An einem anderen Tisch spitzt du ein Holzstaberl, lochst eine runde Kartonscheibe und baust do einen Kreisel. Die Kartonscheibe kannst du vorher – auf einer drehenden Scheibe kunterbunt anmalen – Auch so bringst du und deine jungen Kolleg:innen Farbe in diesen schwarz-weiß ausgekleideten Raum.

Zeitreise-Spiel

Das Jubiläum samt Eintauchen in vergangene Ausstellungen der 30 Jahre spielt sich in einem Glücksrad-Würfelspieltisch ab. Mit dem Glücksrad fällt ein kleiner Ball auf Jahreszahlen. Spielkarten aus einem Regal an der Wand und Würfel mit unterschiedlich vielen Feldern sowie projizierte Fotos der jeweiligen Ausstellungen lassen dich die eine oder andere Zeitreise erspielen, für die auch eigene 1-Zoomi-Münzen angefertigt wurden, die im Würfelspiel gesetzt werden können.

Nudelmaschinen

Fast wie ein Kunstküche wirkt eine weitere Insel. Beim Eingang warten drei spitze Berge aus Knetmasse: Gelb, blau, rot. Mit verschiedenstem Werkzeug schaben oder schneiden Kinder eine gewisse Menge ab. Auf dem Tisch stehen Nudelmaschinen – Knetmasse rein – „Teigplatten“ oder die Masse in Form dünnerer oder breiterer Nudeln am anderen Ende heraus nehmen. Aus diesen „Teigwaren“ verarbeiten manche diese weiter, formen Figuren oder was auch immer daraus. Fatima, die wir schon aus dem Spiegelkabinett kennen, zeigt dem Reporter „meine Schneefrau“ und Yevgenii eine bunte Figur.

Erstere beantwortet die Frage, was ihr in der Ausstellung am besten gefalle, mit „alles“, da stimmt auch Larissa ein. Emir hat es die kleine Bowlingbahn am meisten angetan. Ferdinand war am meisten vom großen Schiff fasziniert. Ram taugten in einem Raum dieses Schiffs „die beiden Sportgeräte (ein Fahrrad-Ergometer und eine Rudermaschine) am meisten, aber auch die Bowlingbahn und die Interviews mit den Medienleuten“.

Ein „verspielter“ Gag am Rande: Das aus großen und auch klitzekleinen Buchstaben geschriebene Wort Kunst im ersten, dem großen Ausstellungsraum, praktisch nur von einem eng begrenzten Punkt aus als Ganzes richtig wahrgenommen und gelesen werden 😉

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Sie haben aus Nöstlingers „Jeden Morgen um 10“ Kindern zweier Volksschulen vorgelesen: David Beraha (Erzähler / Deutsch), Wessam Al Omar (Schneiderin / Arabisch), Toby McManus (Pfarrer / Englisch), Elcin Ererdal (Gemüsefrau / Türkisch) Jelena Pekez (Bäcker / BKS – Bosnisch / Kroatisch / Serbisch), Natalie Kosch (Wirtin / Polnisch), Peter Haunschmied (Baumeister / Albanisch), Elena Spirea (Wanderin / Rumänisch), Atiyeh Mohitiasli (Hund Max / Farsi); Moderation: Kathrin Lipowec (Deutsch)

Nöstlinger in neun Sprachen vorgelesen

„Jeden Morgen um 10“ – hieß es Anfang Oktober im Amtshaus in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus. Kinder der Volksschulen Johnstraße und Selzergasse kamen in den Genuss, aus diesem Buch vorgelesen zu bekommen. Die Erzählung erfolgte auf Deutsch, die Charaktere der Geschichte hingegen traten in acht weiteren Sprachen auf. Was Hund Max sagt, wurde auf Farsi vorgelesen, die Wirtin sprach Polnisch und der Pfarrer drückte sich auf Englisch aus. Weiters zu hören waren Albanisch, Arabisch, BKS (bosnisch / kroatisch / Serbisch), Rumänisch und Türkisch

Acht mehrsprachige Lesepat:innen der Stadt Wien waren es, die den Figuren des Kinderbuchs von Christine Nöstlinger ihre Stimmen borgten – und Sprachen benutzten, die auch so manche der Kinder – neben Deutsch – mitbrachten.

„Jeden Morgen um 10 Uhr“

Das 2016 erschienene Kinderbuch „Jeden Morgen um 10“ wurde von Christine Nöstlingers Buchstabenfabrik auf Anregung von „Was steht da?“, dem Collective Impact Netzwerk, zur frühen Leseförderung auch mehrsprachig veröffentlicht. Die mehrsprachigen Ausgaben des Buches enthalten neben dem deutschen Text noch zusätzlich zwei weitere Sprachen und wurden für die Lesung zur Verfügung gestellt.

Vielsprachige Kenntnisse

„Das Besondere an dieser mehrsprachigen Lesung war, dass sich allen teilnehmenden Kindern die gesamte Geschichte nur gemeinsam erschlossen hat und alle Kinder ihre unterschiedlichen Sprachkenntnisse einbringen konnten“, erläutert David Beraha von der Abteilung Integration und Diversität der Stadt Wien, die die Lesung als Teil des Projekts „Muttersprachliche Lesepat*innen“ organisiert hat.

„Es ist von großer Bedeutung, die unterschiedlichen Sprachkompetenzen der Kinder so früh wie möglich zu fördern und zu festigen. Das Projekt leistet dazu einen wichtigen Beitrag“, sagte Wiens Vizebürgermeister und Integrationsstadtrat Christoph Wiederkehr zu der Aktion. „Mehrsprachig aufwachsen zu können, ist eine tolle Chance, die einem gegeben wird. Mehrere Sprachen zu können, fördert das Miteinander und das Verständnis. Wien als Sitz der UNO ist eine weltoffene und internationale Stadt, wo Sprachvielfalt gelebt wird“, zeigte sich der Vorsteher des 15. Bezirks, Dietmar Baurecht, erfreut. Und hob damit den Vorzug von Mehrsprachigkeit hervor, die häufig in der öffentlichen, medialen Debatte eher als Defizit bezeichnet wird – außer wenn es um teure bilinguale oder fremdsprachige Privatschulen geht.

Erstsprachliche Lesepat:innen

Bei dem Projekt lesen Wiener:innen ehrenamtlich Volksschulkindern in ihren Erstsprachen vor. Es wird von der Abteilung Integration und Diversität in Kooperation mit der Bildungsdirektion Wien und den Büchereien Wien durchgeführt. „Neben den Sprachkompetenzen geht es in dem Projekt auch um das Sichtbarmachen der Mehrsprachigkeit. Mehrsprachigkeit ist für uns eine Bereicherung. Kinder und Jugendliche, die mit zwei oder mehr Sprachen aufwachsen, erlernen meistens leichter weitere Sprachen und sind tendenziell toleranter und weltoffener als Gleichaltrige“, erklärt Kathrin Lipowec, Leiterin des Projekts „Muttersprachliche Lesepat*innen“.

Fast 80 Wiener:innen bringen sich in diesem Projekt ehrenamtlich ein. Die Lesepat*innen sind derzeit in 20 Volksschulen im Einsatz. Vorgelesen wird je nach Bedarf in 19 unterschiedlichen Sprachen, von Arabisch über Polnisch bis Vietnamesisch. „Die Wertschätzung und Förderung der Herkunftssprache ist ein großer Vorteil für die Entwicklung eines Kindes. Ein solides Fundament in der Erstsprache fördert das schnelle Erlernen der Bildungssprache Deutsch und erleichtert das Erlernen weiterer Sprachen. Es freut mich, als Lesepatin einen Beitrag dazu leisten zu können”, sagt Natalie Kosch. Die Sprachwissenschafterin ist Lektorin an der Universität Wien und ehrenamtlich als Lesepatin tätig. Bei der besagten Lesung verlieh sie der Wirtin ihre polnische Erzählstimme.

Die Künstlerin hält - auf Bitte von KiJuKU - eine Doppelseite in die Kamera

Augenblicke – nicht (nur) festhalten, sondern weitergeben

Viele Lob„lieder“ auf Momente – in Bild und konzentrierten gedichtartigen Zeilen – das beinhaltet das Büchlein „Today, Tomorrow, Everywhere“ (Heute, morgen, überall) von Xi Zhao, einer 33-jährigen Wiener Künstlerin. Es handelt sich um ihre erste Buch-Veröffentlichung – siehe Info-Box. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… trifft die Malerin und Dichterin im Innenhof eines Cafés in Wien-Neubau. Neben dem Interview zeichnet und malt Xi Zhao später noch ein Bild und lässt sich dabei fotografieren.

Momente des Glücks weitergeben – in Bild und Wort

In ihrem Buch verbindet sie gemalte Bilder mit wenigen, kurzen, präzisen Zeilen – der Großteil auf Englisch, gegen Ende auch einige Seiten auf Deutsch. Immer geht es um Momente, die sie festhält – und gleichzeitig in den Texten wieder loslässt, um sie mit ihren Leser:innen zu teilen. Ob es um den Geruch des Meeres, den Anblick von wilden Blumen, die Gedanken beim Schauen in den Sternenhimmel oder solche geht, in denen sich ein Kätzchen an die Schulter einer älteren Frau kuschelt… stets sind es Augenblicke des Glücks – mitunter auch solche, die „nur“ sehnsüchtig erwartet werden.

Für solche spricht sie gleich, bevor das Buch startet, ein dreifaches „Thank you“ (danke) aus – für Liebe, die sie empfangen hat und die sie weitergeben durfte / darf. Als Letzteres versteht sich ihr nicht ganz 60-seitiges Büchlein.

Viele Techniken

Die dreisprachige Künstlerin kann von ihrer Leidenschaft und Kunst noch lange nicht leben. Bis vor kurzem hat sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Verlages und Unternehmens Datenerhebung – auf Deutsch und Englisch – als Brotberuf erledigt. Wie sie am Randes des Interviews beim Malen und Zeichnen gleich unter Beweis stellt, greift sie zu verschiedensten Farben: Buntstifte, Öl- und Wachskreiden, Pinselstiften und Gouache (auf den ersten Blick erinnern diese an Wasserfarben, bestehen aber aus vermahlenen Farbpigmenten plus Kreide und als Bindemittel Gummi arabicum) sowie sehr selten auch Acrylfarben.

„Zeichnen war – wie bei den vielen Kindern, aber viel länger – meine absolute Lieblingsaktivität als Kind – Ölkreiden, Filzstifte … in der Schule habe ich immer auch in den Pausen gezeichnet und gemalt. Nach der Oberstufe nicht mehr so sehr, aber im letzten Uni-Jahr (kein Kunststudium) habe ich wieder begonnen und sogar einen Kurs in Farbtheorie gemacht, der auch sehr praktisch angelegt war.“

Ungarn – China – Wien

Xi Zhao wurde in Ungarn geboren, „aber Ungarisch kann ich nicht, weil ich dann schon als sehr kleines Kind nach China (in der Provinz Shandong) gekommen bin und dort auch noch in die Vorschule und die erste Klasse gegangen bin. Von da an, so ab 7 Jahren, war ich dann in Wien, wo meine Eltern ein Geschäft in der Westbahnstraße eröffnet haben.“

In Wien besuchte sie dann noch einmal die erste Klasse Volksschule, „weil ich noch nicht Deutsch konnte. Es war halt ein bisschen komisch für mich, weil ich schon ein Jahr älter war als meine Mitschülerinnen und -schüler. Von Mehrstufenklassen wussten meine Eltern leider nichts.“

Während sie sich in der Volksschule, wie sie erzählt, „sehr wohl gefühlt“ habe, sei es in den weiterführenden Schulen – zuerst Boerhaavegasse und dann Parhammerplatz – weniger gut gelaufen. Und das bezog sich nicht aus Lernen und den Schulerfolg.  „Die Stimmung zwischen mir und den Mitschüler:innen war ein bisschen sehr kühl, besser befreundet war ich in der zweiten Schule, wo der Unterricht besser war, vor allem mit anderen asiatischen Mitschüler:innen. Obwohl eine beste österreichische Freundin hatte auch auch in meiner Klasse.“

USA und Portugal

Nach der Matura „wusste ich nicht, was ich studieren soll. Ich wollte etwas Geisteswissenschaftliches, meine Mutter meinte, ich solle eher etwas wählen das bessere Job-Chancen verspricht und empfahl mir Betriebswirtschaft. So studierte ich in Massachusetts (USA) International Affairs (internationale Beziehungen). Schon in der Oberstufe hatte Xi Zhao ein Austauschjahr in den USA eine High School in Iowa besucht.

Nach dem Studium begann Xi Zhao zunächst in Wien zu arbeiten, dann in Shanghai und schließlich wieder in Wien. Und dann startete sie 2020 – und damit großteils über distance Learning in den Pandemie-Lockdowns – ein Masterstudium in Portugal. In Präsenzphasen in Lissabon aber hat sie parallel zum Studium einen Zeichenkurs besucht, „das hat mir großen Spaß gemacht und mich ziemlich entspannt“.

Lockdown

In den Lockdown-Phasen „hab ich erst wieder so richtig zu zeichnen und malen begonnen. Ich war verwirrt, dass so etwas wie diese Pandemie passieren konnte, hab viel nachgedacht und auch gegrübelt, was ich mit meiner Zeit machen könnte. Dann ist mir eingefallen, dass ich ja gerne zeichne und male und mir das große Freude bereitet. So bin ich auf die Idee gekommen, das könnte vielleicht anderen auch Freude machen und so habe ich angefangen, Freundinnen und Freunde zu zeichnen und ihnen die Bilder zu schicken.“

Außerdem klinkte sich Xi Zhao in Instagram-Drawing-Challenges ein. Teilnehmer:innen posteten nicht nur Gezeichnetes, sondern kommentierten auch die Online gestellten Bilder. Irgendwann erfuhr sie dann von der großen Self-Publishing-Community über Story.one und so startete die leidenschaftliche Malerin und Zeichnerin auch auch Texte zu den Bildern einfallen zu lassen. Manchmal schießen ihr aber auch zuerst Textzeilen in den Kopf und es „tauchen dann Gefühle auf, wie ich welche Bilder und Texte zusammenfädeln kann“.

Englisch und Deutsch

Ursprünglich wollte sie – zumindest einige – Texte auch in chinesischen Schriftzeichen veröffentlichen; Xi Zhao hat in der Schulzeit auch die chinesische Schule am Wochenende besucht, um ihre Sprache und nicht zuletzt Schreiben und Lesen gut zu erlernen. „Doch der Versuch, Text in diesen Schriftzeichen hochzuladen, scheiterte – so hab ich fast alles auf Englisch geschrieben. Stimmungen, die eher meinen Erfahrungen in Wien entsprochen haben, dort bin ich zu Deutsch ge-switcht.“

Die letzten beiden Seiten sind sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch – und setzen den Titel des Buches – fort; wie, das sei natürlich hier nicht verraten.

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Doppelseite aus "Book Rebels – 75 Heldinnen aus der Literatur"

Es gibt weit mehr Buch-Heldinnen als Pippi Langstrumpf

Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf dürfte wohl wirklich (fast) allen Kindern – und das seit Generationen – als Heldin bekannt sein. Ein starkes Kind, das selbstständig ist und so manche Regeln von Erwachsenen hinterfragt und durcheinander bringt. Auch wenn – in Büchern, Filmen, Computerspielen und auf Theaterbühnen sehr oft männliche Helden dominieren, gibt es sie gar nicht so selten: Mädchen und Frauen, die in unterschiedlichsten Bereichen Stärke zeigen.

Knapp mehr als sechs Dutzend starke Mädchen und Frauen aus der Literatur versammelt dieses Buch „Book Rebels – 75 Heldinnen aus der Literatur; Von Pippi Langstrumpf bis Katness Everdeen“. Auf 180 Seiten sind ihre geschriebenen Abenteuer in kurzen Texten und jeweils ganzseitigen eigens dazu angefertigten Illustrationen (Illustration: Felicitas Horstschäfer) dargestellt. Herausgegeben von Annette Pehnt haben 32 Autor:innen die jeweiligen – meist – Titelheldinnen aus Büchern beschrieben, den Inhalt der jeweiligen Werke leicht fasslich zusammengefasst. Hin und wieder streuten die einen und anderen auch Zitate aus den entsprechenden Büchern ein.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Book Rebels – 75 Heldinnen aus der Literatur“

Berühmte und weniger bekannte Heldinnen

Und so kannst du mit diesem Buch so manche dir schon bekannte Heldin in Kürzest-Präsentation wieder treffen und vielleicht noch mehr dir bisher unbekannte Vorbilder kennenlernen. Vielleicht greifst du dann zum jeweiligen Buch, um mehr über Celie und Sofia aus „Die Farbe Lila“ oder Kambili aus „Blauer Hibiskus“, das in Nigeria spielt, erfahren. Oder über Mariam aus „Tausend strahlende Sonnen“ und den anderen Büchern von Khaled Hosseini, die dieses Mädchen bis zur Frau und Mutter in Afghanistan begleitet. Katniss Everdeen aus dem untertitel des Buches könnte dir möglicherweise schon aus „Die Tribute von Panem“ bekannt vorkommen.

Manches Mal – wie im Abschnitt über „Coraline“ dürfte allerdings eher der Film rezensiert worden sein, der sich in manchen Abschnitten doch von der Buchvorlage unterscheidet.
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Titelseite von
Titelseite von „Book Rebels – 75 Heldinnen aus der Literatur“
Bernhard Fibich spielt einige seiner Kinderlieder - und viele Kinder singen mit

Kinderlieder fördern glückliche Kindheit

Was macht die Kindheit von jungen Menschen in Österreich zu einer „glücklichen Kindheit“ und wie kann Musik zur Verwirklichung von Kinderrechten beitragen? Die Österreich-Sektion des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Unicef, hat dazu eine Studie erstellen lassen. Mehr als acht von zehn Befragten, sind „überzeugt, dass Kinderlieder den Alltag positiv prägen“.

1000 Menschen zwischen 14 und 75 Jahren aus ganz Österreich – repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ausgewählt – wurden anlässlich des Weltmusiktages am 1. Oktober vom Marketagent Institut befragt – zwischen 28. August und 4. September 2024. 1975 hat der Internationale Musikrat und seinem damaligen Präsidenten Yehudi Menuhin diesen Tag ins Leben gerufen, „m Musik in allen Bevölkerungsgruppen zu fördern und entsprechend den Idealen der UNESCO (Friede und Freundschaft der Völker) eine gegenseitige Anerkennung der künstlerischen Werte sicherzustellen sowie den internationalen Erfahrungsaustausch im Bereich der Musik zu fördern“ (Wikipedia).

Kinder der 3c der VS Irenäusgasse singen in ihrer Klasse für den Reporter ein Zahlenlied...
Kinder der 3c der VS Irenäusgasse singen in ihrer Klasse für den Reporter ein Zahlenlied…

Trost, Sicherheit, Zusammenhalt

In schwierigen Zeiten spielen kreative Aktivitäten, speziell das Singen von Kinderliedern, eine wichtige Rolle – sie spenden Trost in schweren Zeiten und stärken den Zusammenhalt in der Familie ergab die Studie. Neben der schon eingangs genannten Zahl – genauer 83,6 % – sehen mehr als ¾ (76,3%) „im Singen eine starke Verbindung zur familiären Bindung“.

Mehr als die Hälfte (59,2%) der 1000 Befragten „glauben, dass Kinder es heute schwerer haben“.

„Musik und Gesang können vor allem zu einem gestärkten Sicherheitsempfinden von Kindern beitragen“, kommentierte Christoph Jünger, Geschäftsführer von UNICEF Österreich, die Umfrage-Ergebnisse.

„Weltweit verstummen Kinderlieder leider viel zu oft. Statt zu singen, müssen Kinder aufgrund von Kriegen und Umweltkatastrophen fliehen, hungern oder ums Überleben kämpfen. Das darf nicht sein! Jedes Kind hat das Recht auf Überleben, Gesundheit, Bildung und persönliche Entfaltung – eine Kindheit in Sicherheit“, so Unicef-Österreich.

Mirado, UNICEF-Goodwill-Botschafter, spielt und singt ein ermutigendes Lied für Kinder der Antavy-Nord-Sekundarschule in Androy, Madagaskar.
Mirado, UNICEF-Goodwill-Botschafter, spielt und singt ein ermutigendes Lied für Kinder der Antavy-Nord-Sekundarschule in Androy, Madagaskar.

Kreativität als „echte Energiequelle“ für Junge

Besonders bei Jugendlichen werden kreative Aktivitäten wie Singen, Malen oder Basteln als tröstend empfunden – die Hälfte (50 %) der 14- bis 19-Jährigen glaubt, dass solche Tätigkeiten Kindern in schwierigen Zeiten helfen, im Gegensatz dazu ist es bei den Babyboomern nur etwa ein Drittel (35,1 %). Dabei scheint Musik eine besondere Rolle in der Erinnerung an die Kindheit einzunehmen. Fast die Hälfte (48,5 %) der Jugendlichen sieht darin eine Möglichkeit, Kindern Geborgenheit zu geben, während nur 32,6 % der Babyboomer diese Ansicht teilen.

„Kreativität ist für Kinder und Jugendliche eine Energiequelle und kann ihre mentale Gesundheit positiv unterstützen – oft unterschätzen wir das als Erwachsene. Malen, Basteln und Musik helfen ihnen, Erlebtes zu verarbeiten und Gefühle auszudrücken. Kreativ zu sein, gibt jungen Menschen Kraft, um schwierige Zeiten zu bewältigen“, erklärt der Geschäftsführer von UNICEF Österreich.

Mango, Kiwi, Ananas, Banane - kinder singen sozusagen einen Obstsalat
Mango, Kiwi, Ananas, Banane – kinder singen sozusagen einen Obstsalat

Kinder haben es heute schwerer

Die Ergebnisse zeigen, dass für ein Drittel der Befragten (33,2 %) das Gefühl, geliebt zu werden, eine stabile, harmonische Familienumgebung (22,4 %) und das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit (21,2 %) die wichtigsten Aspekte einer glücklichen Kindheit sind. Die meisten Menschen in Österreich hatten das Glück, diese erleben zu können: 83,6 % der Befragten geben an, eine glückliche Kindheit gehabt zu haben und 83 % erinnern sich gerne an diese Zeit zurück. Männer (87,7 %) erinnern sich dabei lieber an ihre Kindheit zurück als Frauen (78,1 %). Gleichzeitig glauben sechs von zehn der Befragten (59,2 %), dass Kinder es heute schwerer haben als sie selbst – besonders bei den Millennials teilen fast zwei Drittel (64,2 %) diese Ansicht, während 54,4 % der Babyboomer dem zustimmen.

Mit Ukulele lud die Autorin zum gemeinsamen Singen von
Mit Ukulele lud die Autorin zum gemeinsamen Singen von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ mit neuen Strophen, die sich auf Szenen ihres Buches beziehen

Top: „Alle meine Entchen“ & „Bruder Jakob“

Im Rahmen der Umfrage wurde auch die Beliebtheit bzw. die Bekanntheit von Kinderliedern in Österreich erhoben. Die Umfrage zeigt, dass traditionelle Lieder nach wie vor fester Bestandteil der Kindheitserfahrungen in Österreich sind. Das beliebteste Kinderlied in Österreich ist „Alle meine Entchen“ (15,7 %), gefolgt von „Bruder Jakob“ (10,4 %) und „Backe, backe Kuchen“ (9,2 %).

„Alle meine Entchen“ ist mit 86,7 % das bekannteste Kinderlied in Österreich, gefolgt von „Schlaf Kindlein, schlaf“ (85 %) und „Bruder Jakob“ (77,5 %). Besonders „Bruder Jakob“ wird oft und gerne als Kinderlied gesungen, da es durch das Singen im Kanon das Gemeinschaftsgefühl stärkt.

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Szenenfoto aus "Erdmännchen" von Theater Foxxfire! im Dschungel Wien

Immer wieder grüßen die Erdmännchen…

„Erdmännchen?“, „Erdmännchen!“ – fragend, bestimmt und in so manch anderen Tonarten kommt dieses Wort im gleichnamigen Stück von Theater Foxxfire! derzeit im Dschungel Wien gefühlt Hunderte Male in der einen Stunde vor. Erdmännchen gibt es in der Natur wirklich, es handelt sich um Klein-Raubtiere im Süden Afrikas ( ¼ Meter, ¾ Kilo), die in Gruppen, angeführt von einem Weibchen, leben. Weil sie sich oft auf ihre Hinterbeine stellen, um so besser die Umgebung auf Nahrung und/ oder Fressfeinde absuchen zu können, wirken sie oft sehr niedlich.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Erdmännchen“ von Theater Foxxfire! im Dschungel Wien

Uniförmigkeit

Das Stück von „Erdmännchen“ (Text: Max Smirzitz; Regie, Textbearbeitung: Alexandra Koch) ist alles andere als eine Biologie-Stunde mit theatralen Mitteln. Die rhythmische, tänzerische Performance (Choreografie: Anna Winter) nimmt „nur“ Anleihe bei der großen Gruppen-Zusammengehörigkeit dieser Tiere. Und ihrer großen Lust, zu graben. Oft in ziemlichem Dunklen spielen die sieben Darsteller:innen – Profis und Laien spielen die sieben „Erdmännchen“, die Jüngste ist zehn Jahre, die älteste 70 – und das macht keinen Unterschied. Meist machen alle das Gleiche, laufen im Rudel hintereinander her, versuchen ja nichts von den anderen Abweichendes zu tun.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Erdmännchen“ von Theater Foxxfire! im Dschungel Wien

Fließband

Außer graben geben die menschlichen Erdmännchen sich noch die Aufgabe zu forschen. Beiden tun sie nicht zuletzt mit und in ihren luftigen quaderförmigen Kästen („Little Boxes“ – auch samt dem Song der Liedermacherin und Politaktivistin Malvina Reynolds, vor allem durch die Interpretation von Pete Seeger bekannt geworden), die bei der Premiere am Vorabend der aktuellen Nationalratswahl fast an Wahlkabinen erinnern. Als dritten möglichen Job werken sie im „Büro“ – hier ein wenig arbeitsteiliger im Fließbandarbeits-Stil.

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Szenenfoto aus „Erdmännchen“ von Theater Foxxfire! im Dschungel Wien

Eine bricht aus

Alle in ihren Bewegungen, ihren Haltungen, ihren Gedanken, in ihren „Boxes“ uniformiert / einförmig. Bis eine – Iris Schmid – ausschert. Während alle anderen „Erde“ als ihr allumfassendes Element sehen und erleben, sagt sie „Wasser“. „Was????“ – die Ordnung der „Erdmännchen“ gerät ins Wanken. „Problem!“ ist die Reaktion. Von Erstaunen bis zu aggressivem Brüllen reicht das, womit „Wasser“-Weibchen konfrontiert ist. Aber schon bei zuvor ganz anders festgestellten „Problemen“ heißt es immer wieder, es muss eine Lösung gesucht und gefunden werden. „ich nicht!“ – keine der sieben will sich daran beteiligen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Erdmännchen“ von Theater Foxxfire! im Dschungel Wien

„Kreis“lauf

Das Problem müsse gelöst werden, heißt es. Und wie? Weitergraben – da macht auch die Außenseiterin frisch wieder mit. Die Sache dreht sich im Kreis, wiederholt sich. In drei Kreisen, die sich im Bühnenbild (Bühne, Ausstattung: Karoline Hogl, Sophie Eidenberger) widerspiegeln, spulen die „Erdmännchen“ – mit geringen Variationen – Text und (Bewegungs-)Spiel ab.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Erdmännchen“ von Theater Foxxfire! im Dschungel Wien

Kurzfristige Individualität

Nur in einer Szene gegen Ende – da beweisen alle sieben in ihren „Little Boxes“ Individualität – vom Stricken übers Kochen bis zum Tauchen in der Dusche oder Klimmzügen und Boxen blitzen Individualität auf. Doch schon kurz danach „grüßt“ sozusagen „täglich das Murmeltier“ – an diesen bekannten US-amerikanischen Kinofilm (1993; Regie: Harold Ramis) erinnert der Zwang zur Wiederholung. Oder an politische Vorgänge, wo aus der Geschichte wenig bis nichts gelernt wird. Hamsterrad-mäßige Wiederholungen was als Problem benannt wird und wofür es heißt „es müsse dafür eine Lösung gefunden werden“ – für die niemand Verantwortung übernehmen will.

Gefühlt Hunderte Male wird im Stück „Erdmännchen“ gesagt – am Abend nach der Premiere wurde über die Idee eines Gewinnspiels diskutiert: Wie oft kommt das Wort im Stück vor? Ob was daraus wird – vielleicht muss da noch danach gegraben werden 😉

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Bild aus dem Film "Tomorrow" (morgen)

Viele Menschen arbeiten an Lösungen für die Probleme der Welt

Zugegeben, rosig schauen die Perspektiven gerade für Kinder und Jugendliche nicht aus. Klimakrise und Maßnahmen dagegen, die nicht immer auf allgemeine Zustimmung stoßen. Vieles von dem, das die Erd-Erhitzung stoppen oder gar rückgängig machen könnte, wird gar nicht erst ergriffen. Kriege, die näher rücken. Eskalationen in Konflikten, die weitere Kriege heraufbeschwören. Steigende Arbeitslosigkeit, Teuerung, die das Leben für viele immer unleistbarer werden lässt. Rassismus, Ausgrenzung. Erstwähler:innen-Aktionen, die auch viele ausschließen – Jugendliche, die (fast) ihr ganzes Leben in Österreich verbringen / verbracht haben und dennoch nicht mitstimmen dürfen, weil sie den „falschen“ oder gar keinen Pass haben…

Bild aus dem Film
Bild aus dem Film „Tomorrow“ (morgen)

Beispielhaft

Um der Ohnmacht ein bisschen etwas entgegen zu setzen, lud wienXtra am Nachmittag vor der aktuellen Nationalratswahl (September 2024) ins Kinder- und Jugend-Kino Cinemagic in der Urania am Donaukanal ein und zeigte den Film „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“. Der vor rund zehn Jahren in vielen Ecken und Enden der Welt gedrehte Kinofilm zeigt lokale und regionale Initiativen von Menschen, die in ihrem unmittelbaren Umfeld das eine oder andere zum Besseren ändern konnten.

Sogar in Großstädten gelang es engagierten Menschen so viele Lebensmittel anzupflanzen, dass sich viele davon ernähren können. Gesund und preiswert – und letztlich sogar ertragreicher als in industrieller Landwirtschaft.

Oder sogar im stark auf Erdöl setzenden Texas ist es gelungen über Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern mehr Windräder zur Energie-Gewinnung aufzustellen als in anderen US-Bundesstaaten.

Mehr Platz für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen statt neuer Straßen für Autos ließen im dänischen Kopenhagen den Anteil der umweltfreundlicheren Fortbewegungsarten stark steigen.

Bild aus dem Film
Bild aus dem Film „Tomorrow“ (morgen)

Mehr Demokratie

Zwei engagierte Menschen aus Indien stehen für zwei unterschiedliche Initiativen. Die Quantenphysikerin Vandana Shiva startete eine Initiative sowohl für mehr Biodiversität und ökologische Landwirtschaft als auch zur Stärkung von Frauen(rechten).

Elango Rangaswamy aus der Kaste der „Unberührbaren“ wurde zwei Mal zum Bürgermeister von Kutthambakkam gewählt, wo er einerseits die Armut bekämpfte und andererseits auch die Barrieren zwischen den Kasten durchbrach und nach der zweiten Amtszeit begann, Hunderte (künftige) Bürgermeister:innen mit diesen Modell-Ideen „anzustecken“.

Einige Beispiele, wo zufällig ausgeloste Bürger:innen neben gewählten Abgeordneten demokratische Prozesse ergänzen – wie es in Österreich etwa der Klimarat war -, finden sich in diesem Film ebenso wie die Stärkung nachhaltiger, sehr regionaler Wirtschaftskreisläufe durch eigene nur in diesen engen Grenzen geltenden Währungen.

Ankündigung der
Ankündigung der „Get-active“-Workshops der der Kino-Leinwand

Workshops in den Herbstferien

Unter dem Titel „Get active“ bietet wienXtra in den Herbstferien Ende Oktober einige Workshops an, die ebenfalls engagierte Jugendliche stärken wollen/sollen bzw. wo sie Neues erkunden und entdecken können. Die eigenen Rechte kennen zu lernen und dazu Videos zu drehen, Auseinandersetzung mit Demokratie, Aktivitäten gegen Rassismus und für Zivilcourage bis hin zu vegan kochen lernen – die Palette der Angebote ist breit – Link in der Info-Box am Ende.

Zwei Aktivist:innen

Nach dem Film, der spannend aber mit zwei Stunden doch recht lang war, harrten nur mehr wenige Jugendliche im Kino aus, um mit der Schüler:innen-Vertreterin Miriam Messinger, die auch im Wiener Jugendparlament aktiv ist und Alexander Arndt vom MiLa (Mitmach-Supermarkt) ins Gespräch zu kommen. Erstere gestand, vor zwei Jahren habe sie eher noch den Klimawandel geleugnet, heute engagiere sie sich an allen Ecken und Enden, vor allem, um Schule zu einem cool(er)en Lernort zu machen.

Mitbestimmen

Neben Kinder- und Jugendparlament haben in Wien alle Kinder und Jugendlichen – unabhängig von der Staatsbürger:innenschaft – auch die Möglichkeit, Projekte für die Kinder- und Jugendmillion einzureichen. Und im zweiten Schritt über die eingereichten auch abzustimmen. Und bis 18. Oktober kannst du deine Ideen, Forderungen und Wünsche bei der Umfrage für die neuen Kinde- und Jugendstrategie einbringen – Link zu junges Wien ebenfalls in der Infobox am Ende des Beitrages.

Charity-Heroes

Unabhängig von der wienXtra-Aktion tummelten sich am Samstag vor der Wahl im Bildungshaus Urania als Märchen- und Anime-Figuren verkleidete junge Menschen herum. Sie versammelten sich zu einem Treffen der Charity-Heroes: Ehrenamtlich besuchen sie im Normalfall vor allem kranke Kinder, die einmal die Schneekönigin, Spiderman oder wen auch immer treffen wollen. Und machen als „Held*innen für benachteiligte Kinder“ so auch zumindest für einige Menschen die Welt schon heute zu einem besseren Ort – Link in der Info-Box am Ende.

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Screenshot aus dem Video von Teil 1 des Konzerts von EsRap und Marino Formenti

So verletzlich und so kämpferisch

„Du hast Privilegien, ich hab Freunde dabei…“ ist mindestens so eine Hymne wie „OTK“ oder „Der Tschusch ist da!“ Das Duo Esra und Enes rappt seit eineinhalb Jahrzehnten kraftvoll und gibt Kraft – nicht zuletzt dem multikulturellem Wien. Die Rapper:innen haben aber immer wieder auch sanfte, leise Nummern. In der Woche vor der Nationalratswahl 2024 veröffentlichten sie eine neue Nummer, in der sie gestehen, nicht immer so stark zu sein: „Es tut so weh, anders zu sein“.

Im Rahmen eines Konzerts gemeinsam mit dem italienischen Pianisten Marino Formenti gaben sie die auf der Bühne des Wiener Volkstheaters zum ersten Mal zum Besten. Und dennoch war es letztlich ein ausgelassenes, Mut machendes Fest mit der neuen sanften vom Pianisten ins Mikro gehauchten ergänzenden Schluss-zeile: „Es ist so schön, anders zu sein!“

Das Konzert stand am Beginn der Reihe „Drei Tage für Österreich“, die am Wahltag selbst unter dem Motto „Bangen, wetten, hoffen“ zunächst im Café Liebig am Vormittag beginnen (ab 11 Uhr) und am Nachmittag mit einer „Wahlparty“ samt gemeinsam Hochrechnung schauen über di Bühne gehen werden, moderiert von Michael Ostrowski.

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volkstheater -> drei-tage-fuer-oesterreich

Szenenfoto aus "Der kleine Eisbär" vom NÖ Landestheater in der Bühne im Hof, St. Pölten

Ängstlich und allein – wie kommst du da raus?

Die vielen dunkelweiß-grauen Pölster (Bühne & Kostüme: Michael Lindner) auf der Bühne deuten zwar schon auf die Heimat der Hauptfigur des Theatervormittags hin – „Der kleine Eisbär“, eine Produktion des niederösterreichischen Landestheaters wird in der Bühne im Hof St. Pölten gespielt. Doch der erste – und nicht nur dieser – Auftritt gehört einem anderen tierischen Wesen; natürlich in menschlicher Schauspiel-Gestalt. Als schriller Florian Maria, später auch als Flora Mario, rückt sich ein Flamingo ins Rampenlicht. Seine Show wäre das, vermeint die pink-grelle Erscheinung. Auch das ein nicht unwichtiges Element in dieser Inszenierung (Regie: Paola Aguilera): Wer drängt sich in den Vordergrund. Und bleibt dabei noch Platz für andere?

Und der bleibt durchaus. So raumgreifend führt sich Sven Kaschte als dieser Vogel nicht auf 😉 Der Schauspieler kann übrigens auch viel dezenter, wie er später in der Rolle des Hundes Nanuk beweisen wird.

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Szenenfoto aus „Der kleine Eisbär“ vom NÖ Landestheater in der Bühne im Hof, St. Pölten

Titelfigur von 12 Bilderbüchern

Natürlich bekommt der Titelheld Lars, dem Hans de Beer mittlerweile ein Dutzend „Kleiner Eisbär“-Bilderbücher gewidmet hat, seine – nicht zu geringe – Bühnenzeit. In dieser flotten Stunde ist er zu Beginn noch sehr jung, sein Vater will ihn dazu bewegen, schwimmen zu lernen. Immer passt dem Sohn irgendwas aber nicht, um ins Wasser zu springen. Auch so kann Angst dargestellt werden. Außerdem brauche er es gar nicht lernen, er könne es sowieso – verbreitet Lars – in Gestalt der Schauspielerin Katharina Rose, die nachvollziehbar die Wandlung von Lars im Laufe des Stücks verkörpert.

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Szenenfoto aus „Der kleine Eisbär“ vom NÖ Landestheater in der Bühne im Hof, St. Pölten

Reisegefährten

Doch bevor Lars mutig wird, muss er noch Abenteuer erleben, die seine Veränderung plausibel machen. Er schläft auf einer Eisscholle ein, diese driftet vom Rest der gefrorenen Landschaft weg. Irgendwo im Süden trifft Lars auf Häsin Leni, den sich der Autor der Stück-Fassung von einer Braunbärin aus den Büchern von Hans de Beer ausgesucht hat, die zur Freundin von Lars wird. Beide – Hase und kleiner Eisbär – ängstlich und allein. Allein? Jetzt sind sie doch zu zweit – was die Angst ein wenig mindert. Später gesellen sich noch Hund Nanuk und Papagei Pedro zur Reisegesellschaft. Wobei Hase und Papagei nie gleichzeitig auftreten können, werden beide doch – so wie Lars’s Vater – vom wandlungsfähigen Florian Haslinger gespielt.

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Szenenfoto aus „Der kleine Eisbär“ vom NÖ Landestheater in der Bühne im Hof, St. Pölten

Angst überwinden

Zwischenzeitlich spielt sich das Abenteuer der Gefangenschaft beim Tierhändler ab – Flamingo und kleiner Eisbär in vergitterten Zelten – und dem mutig werdenden Hasen der sie befreit. Ein zweites wichtiges Element der Bühnenfassung: Ängstliche erleben Situationen, in denen sie mutig werden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der kleine Eisbär“ vom NÖ Landestheater in der Bühne im Hof, St. Pölten

Letztlich muss Lars etwas ganz anderes lernen – schwimmen kann er wirklich wie sich herausstellt, wenn er’s braucht: Um nach Hause in den hohen Norden zu kommen – mittlerweile vermisst er seinen Vater sehr – muss er um Hilfe fragen / bitten; das ist die dritte Lehre aus dem meist kurzweiligen Stück für ein sehr junges Publikum (ab 4 Jahren): Es ist eine Stärke, um Hilfe fragen bzw. bitten zu können, nicht wie oft verklickert wird, eine Schwäche.

An manchen Stellen wird das gespielte Stück dann doch hin und wieder zu einer Art Show – mit Liedern und Tänzchen (Musik: Thorsten Drücker).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der kleine Eisbär“ vom NÖ Landestheater in der Bühne im Hof, St. Pölten

Was ist spielbar?!

Der Autor der Stückfassung Raoul Biltgen wurde vom Landestheater, das dieses Stück für die Aufführungen in der Bühne im Hof produziert hat, für die Materialmappe für Pädagog:innen gefragt, wie er aus den Bilderbuchgeschichten den Bühnentext verfasst hat.

„Keine leichte Aufgabe“, sagt er diesem Interview zufolge, „denn auf der einen Seite will ich ja den ursprünglichen Geschichten von Hans de Beer gerecht werden, auf der anderen Seite geht es natürlich darum, ein eigenständiges Theaterstück zu schreiben, das auf einer Bühne funktioniert, wo ich weiß, ich habe nur eine gewisse Anzahl von Schauspieler*innen zur Verfügung usw. … Für dieses Theaterstück habe ich mir die (ersten) 10 Lars-Geschichten von Hans de Beer ganz genau durchgelesen und analysiert: Was passiert? Wem begegnet Lars? Was steckt hinter der Geschichte? Worum geht‘s? Und dann picke ich mir manchmal auch nur einzelne Elemente raus, die ich benutzen kann, so wie zum Beispiel Nanuk, den Hund, der eigentlich sein eigenes Abenteuer mit Lars hat. Ich setze ihn aber in den Hinterhof des Tierhändlers, der in einer anderen Geschichte vorkommt, und lass ihn dann in einem Heißluftballon aus noch einer anderen Geschichte zusammen mit Lars und Pedro, dem Papagei, der bei Hans de Beer Yuri, der Papageientaucher ist, davonfahren.“

An einer anderen Stelle dieses Materials wird genau aufgelistet, dass Geschichten aus Band 1, 3, 4, 6 und 7 von Hans de Beers „Kleiner Eisbär“-Bilderbüchern verarbeitet worden sind – aber leider nur mehr fünf Mal in dieser Saison (bis 29. März 2025) gespielt wird.

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Lars trifft auf Pandas <- damals noch im Kinder-KURIER

Doppelseite aus den Sammelbänden "Kleiner Eisbär"

Lars und seine Entdeckungsreisen in Sammelbänden

Seit fast 40 Jahren wandert Hans de Beers „kleiner Eisbär“ – gezeichnet und beschrieben – durch Hunderte Bilderbuchseiten; und auch über Kino-Leinwände, TV-Monitore, hin und wieder auch über Theaterbühnen – wie in dieser Saison (2024/25) im niederösterreichsichen St. Pölten. Erfunden hatte der Künstler den neugierigen, entdeckungslustigen und reisefreudigen Lars für seine Abschluss-Arbeit an der Rietveld Art Academie in Amsterdam. Und wegen großen Erfolges erfand der Autor und Illustrator in Personalunion mittlerweile elf weitere Abenteuer in Buchform für den Schweizer NordSüd Verlag. Dessen Co-Gründerin Brigitte Sidjanski hatte Hans de Beer 1986 bei der vor allem auf Illustration spezialisierten Kinderbuchmesse im italienischen Bologna sozusagen vom Fleck weg für seine Eisbär-Bildergeschichten engagiert.

Neben den Einzelbänden veröffentlichte der Verlag auch zwei Sammelbände – einer mit fünf und einer mit zehn der Lars-Geschichten, die mittlerweile schon in vielfacher Auflage nachgedruckt werden mussten.

Tiere helfen Tieren

Fast immer lässt der Lars-„Vater“ seinen kleinen Eisbären anderen Tieren helfen, die sich entweder auf den Nordpol verirrt haben. Oder er selbst ist meist auf nicht freiwillige Art irgendwo weitab von seiner Heimat gelandet und kommt – mit Hilfe anderer Tiere – doch wieder ins Weiß von ewigem Schnee und Eis. Und so kommen Tiger, Hündchen, Braunbären, Rentiere, Flusspferd, Beluga-Wale, Moschus-Ochsen, Kamele, Papageientaucher in den beiden Bänden, die ältere Geschichten versammeln. In einem der jüngsten – in den Sammel-Ausgaben nicht enthalten – trifft Lars sogar auf Pandas – und die chinesische Mauer.

Klimakrise

Natürlich sind Veränderungen wie die Klimakrise, die gerade auch die Heimat der Eisbären trifft, nicht spurlos an den Lars-Geschichten vorbeigegangen. „Bücher über einen Eisbären zu machen und diese Themen auszuklammern, fände Hans de Beer sonderbar. Er gibt ihnen zunehmend Gewicht, jedoch ohne zu moralisieren, denn das Belehrende schätzte er schon als Kind nicht“, heißt es dazu in einem ausführlichen Nachwort in „Das große Buch vom kleinen Eisbären“, in dem ausführlich der Werdegang und die Sichtweisen von Hans de Beere geschildert werden.

Kinderperspektive

„Die moralischen Ansprüche stellt er lieber an sich selber als Erzähler und als Zeichner“, heißt es dort weiter, Bezug nehmend auf die Darstellung der Polareis-Schmelze durch die Erd-Erhitzung. „Zum Beispiel bewegt sich Lars oft klein und ein wenig verloren in einer großen Landschaft. Nach üblichen Marketingüberlegungen müsste der flauschige Bär viel größer ins Bild, vor allem auf dem Cover. Doch weil dies nicht der Situation eines Kindes entspricht, weder real noch emotional, hat sich Hans de Beer nie dazu überreden lassen. So hat das Freundliche seiner Bilder stets einen leichten Zug ins Subversive oder sogar ins Störrische. Hans de Beer verteidigt die Kinderperspektive kompromisslos und erlaubt sich gerne kleine Späße in seinen Bildern, aber nie auf Kosten des Gefühls.“

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Szenenfoto aus "Jekyll & Hyde & alle ängstlichen Bedenken" im Wiener Theater Drachengasse

Gut oder / und Böse – aus eins mach zwei

Gut und Böse – unversöhnliche, unüberwindliche Gegensätze. Wer will schon die / der Böse sein? Einerseits. Aber sind nicht gerade die Bösen die für Bühne, Film, Literatur oder in Erzählungen die viel spannenderen Persönlichkeiten? Sowohl für Publikum als auch für Künstler:innen, die in diese Rollen schlüpfen (dürfen)?

Trägt nicht aber jede/r Elemente von beiden Seiten in sich? Wenn schon nicht ausgelebt möglicherweise „nur“ in Gedanken, in der Fantasie, vielleicht in Träumen?

Diese – und wahrscheinlich noch viel mehr Frage(n) könnten nach, eventuell sogar schon vor dem Besuch von „Jekyll & Hyde & alle ängstlichen Bedenken“ (Dorn ° Bering) im Theater Drachengasse in der Wiener Innenstadt durch den Kopf gehen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Jekyll & Hyde & alle ängstlichen Bedenken“ im Wiener Theater Drachengasse

Gegensätze

Klar, schon allein aufgrund der beiden Namen im Titel schießt jene (welt-)berühmt gewordene vielfach auf Bühnen und in Filmen dramatisierte Novelle von Robert Louis Stevenson ein: „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Der hochangesehene, gut- und offenherzige Arzt, der nächtens zum monsterhaften Mörder wird, war natürlich die Inspirationsquelle für das Duo, das schon mit anderen Projekten in diesem Theater gastierte. Mit „Anti-Storch“ über den „Punk der Lüfte“, den Waldrapp als Gegensatz zum weißen, „Babybringer“ Storch hatten sie 2018 den Nachwuchsbewerb gewonnen und vor zwei Jahren spielten sie hier „Fliegen ist die beste Superkraft“.

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Szenenfoto aus „Jekyll & Hyde & alle ängstlichen Bedenken“ im Wiener Theater Drachengasse

Nun also zerlegt das Duo die gespaltene Persönlichkeit. In schwarz-weißen Gewändern (Kostüme, Bühne: Mira König), die ein wenig an Schuluniformen erinnern, agieren Gesa Bering und Stephan Dorn auf einer minimalistisch ausgestatteten Bühne meist in Düsternis – und mit viel Humor (Dramaturgie: Benedikt Grubel). Das beginnt schon bei der Schilderung der drei Mal wöchentlichen Einladungen des 3-fach Doktors Jekyll in sein Haus. Am liebsten sei ihm, wenn sie wieder alle weg sind.

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Szenenfoto aus „Jekyll & Hyde & alle ängstlichen Bedenken“ im Wiener Theater Drachengasse

BöWeMa

Die Verwandlung erfolge im Labor mit Hilfe eines rötlich, fruchtig wirkenden Saftes, zwischen sich und das Publikum, das im größeren Saal des Theaters Drachengasse auf zwei getrennten Tribünenhälften sitzt, klappen die beiden hin und wieder durchscheinende Wände aus. Legt sich da etwa eine Art Schleier der Wahrnehmung dazwischen, wenn es um Seiten einer Persönlichkeit geht, die nicht so gern gesehen werden (wollen)? Oder sollen diese einfach zum Verschwinden gebracht werden – mittels einer BöWeMa (Böses-Wegmach-Maschine) wie gegen Ende der kurzweiligen einstündigen Performance gewünscht wird. Oder geht es eher darum, dass das Böse zwar da ist, aber nicht gezeigt / gesehen werden soll?

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Szenenfoto aus „Jekyll & Hyde & alle ängstlichen Bedenken“ im Wiener Theater Drachengasse

„Radikale Hoffnung“ …

… ist das Motto der neuen Spielzeit in diesem engagierten Innenstadt-Theater. Ist es die humorvolle, eher positive Stimmung, die das Spiel um Gut und Böse dieses Duos vermitteln will? Wie auch immer, unter anderem wird das Solo „Glückskind“ von Melike Yağız-Baxant, mit dem sie mittlerweile sogar in New York reüssierte, wieder aufgenommen. Über die weiteren Produktionen wird hier natürlich laufend berichtet werden.

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differenziertes-spiel-ueber-weiss-und-schwarz <- damals noch im KiKU

Szenenfoto aus "Die Nase" von Nikolaj Gogol im Theater Nestroyhof / Hamakom

Flache Mitte im Gesicht – wo ist das Sinnesorgan?

Ist die – hierzulande – vielleicht bekannteste Komödie Nikolai Gogols, „Der Revisor“, eine recht offenkundige Satire auf Korruption vor allem der Beamtenschaft im zaristischen Russland, so ist die Kurzgeschichte „Die Nase“ in ihrer Absurdität viel subtiler. Aber herrlich schräg.

Obwohl schon der Text selbst von der ver-rückten Geschichte und viel Situationskomik lebt und doch so – unausgesprochen – Vielschichtiges kritisiert, toppt die aktuell im Theater Nestroyhof / Hamakom laufende Inszenierung dies noch. Und wie!

In einer von Nicolas Charaux (Regie) und Barbara Noth (Dramaturgie) geschriebenen Fassung spielen Okan Cömert, Jakob Immervoll und Lena Kalisch, clownesk geschminkt und kostümiert (Bühne und Kostüm: Ali Frühstück) die Gogol’sche Erzählung, schlüpfen wechselnd in die Rolle der handelnden Personen, vor allem des Barbiers Iwan Jakowlewitsch und des Kollegien-Assessors Kowaljow, der gern ranghöher wäre und sich immer als Major ausgibt. Und werden akustisch stimmungsmäßig entsprechend und mindestens genauso schräg vom Live-Musiker Sixtus Preiss begleitend unterstützt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Nase“ von Nikolaj Gogol im Theater Nestroyhof / Hamakom

Die Story

Der Bart-Rasierer findet eines Morgens zu Hause im gebackenen Brot eine Nase, die er als jene von Zweiterem erkennt. Und dieser wacht eben eines Morgens ohne sein Riechorgan auf. Fehlende Mitte im Gesicht, pfannkuchenglatte Fläche. Solchermaßen beeinträchtigt – wie kannst du unter Leute gehen? Absoluter gesellschaftlicher Ausschluss droht. Und dann – auf der Suche nach seiner Nase, entdeckt er diese in Uniform-Rock – die, nein seine, Nase als Staatsrat! Er stellt sie (ihn?) zur Rede. Abstreiten.

Zur Polizei gehen und den Verlust / Diebstahl anzeigen? Da würde doch der Nasen-Staatsrat auch nicht zugeben, dass…
Zur Zeitung. Hier wird der Nasenlose voll verar… Diese im Stück in der gleichsam als Greenbox ausgekleideten Garage spielende Szene ist vielleicht der Gipfel des Genusses an absurder Ironie – die ist fast unbeschreiblich und muss einfach erlebt werden!

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Nase“ von Nikolaj Gogol im Theater Nestroyhof / Hamakom

Kurzweilig und viel zu lachen

In den kurzweiligst verfliegenden von Lachattacken gespickten knapp mehr als 1¼ Stunden wird die eine oder andere in der Novelle kurz angetippte Passage ausgespielt. Außerdem tritt die Nase einmal als Art Ganz-Gesichts-Maske auf dem Kopf von Lena Kalisch und ein weiteres Mal als überdimensionales Ganzkörper-Kostüm getragen von Jakob Immervoll in Erscheinung.

„Bomben“-Gespräch

In der zuletzt genannten Szene baut der Schauspieler eine Gogol-fremde Passage ein, die während er Proben beim Improvisieren entstanden ist. Es handelt sich dabei um einen Mix aus einer Art Manifest für die Freiheit von Nasen und deren Drang nach Eigen- und Selbstständigkeit einerseits. Andererseits schildert er komprimiert den schrägen Plot der Science-Fiction-Filmparodie „Dark Star – Finsterer Stern“ von Regisseur John Carpenter (1973). Mit wenigen Mitteln (60.000 US-Dollar) gedreht, wurde der zum Kultfilm, nicht zuletzt wegen einer Art philosophischem Diskurs zwischen dem diensthabenden Raumschiff-Kommandanten und der Bombe Nummer 20, deren Explosion in wenigen Augenblicken ansteht.

Doolittle spricht mit der Bombe über den Satz „ich denke, also bin ich“. Die Bombe pausiert, um darüber nachzudenken, aber… – eine Fremd-Passage, die in ihrer Absurdität gut zu Gogol passt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Nase“ von Nikolaj Gogol im Theater Nestroyhof / Hamakom

Ausgrenzung von nicht-Normalem

Ohne Nase entsprichst du nicht der Norm – drohende Ausgrenzung von Menschen, die der „Normalität“ nicht entsprechen – das ist eine der (fast) zeitlosen kritischen Fragen, die Gogols Text anstößt. Hierarchien, Uniform-Träger und nebenbei Korruption nimmt er ebenso aufs Korn. Des Weiteren wird in einer kurzen Passage die Verbreitung von Gerüchten – heute Fake News – angesprochen. Es wird erwähnt, dass es immer wieder zu Massenaufläufen rund um die Nase im Uniformrock kommt, die da, dort und eigentlich fast überall aufgetaucht sein soll.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Nase“ von Nikolaj Gogol im Theater Nestroyhof / Hamakom

Selbst in Frage stellen

Gogol wendet sich als Autor in der Kurzgeschichte mehrmals an seine Leser:innenschaft, um das eine oder andere zu erklären oder gegen Ende seinen eigenen Text in Frage zu stellen: „Was ich aber am allerwenigsten verstehe, ist, dass sich ein Autor ein solches Thema wählen kann. Ich finde es, offen gestanden, ganz unbegreiflich! Das ist wirklich … Nein, nein, ich kann es nicht verstehen! Erstens bringt es auch nicht den geringsten Nutzen dem Vaterlande, zweitens … aber auch zweitens bringt es keinen Nutzen. Ich weiß einfach nicht, was es ist. Und doch, wenn man das eine, das andere und das dritte auch zugeben kann, sogar dass… und wo gibt es keinen Unsinn? …“

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Na so was, wer war das?"

Herrlich chaotisch-farbenfrohe Ausreden

Kunterbuntes Chaos – sowohl von den Bildern her als auch in der höchst fantasievollen Geschichte – dies bietet das Bilderbuch „Na so was, wer war das?“.

Hauptfigur ist das Mädchen Niki das urgerne malte. Und eines Tages darf sie sich wie wild austoben in einem Kunsthaus namens „Kunterbunt“. „Lasst die Farben raus!“ stand auf dem Schild. Damit beginnt die Erzählung von Martin Klein, dem Autor dieses Buches. Wie wild beginnt sie tatsächlich zu zeichnen und malen – und sich Geschichten auszudenken.

Abenteuerliche Schuldzuweisungen, oder?

Und ab der zweiten Doppelseite tauchst du – nun sogar ohne sie – in die abenteuerlichsten Geschichten ein. Von umgestoßenen Farbtöpfen und dem größten, aber doch recht charmant wirkenden Chaos ist die Schreibe. Da taucht ein Bär auf, ein paar Seiten weiter sind es Außerirdische. Immer passiert etwas – und die Frage aus dem Titel „wer war das?“ wird recht ungewöhnlich beantwortet. Eine Ausrede fantasievoller als die andere – oder waren’s etwa wirklich in einem Fall Wichtelmännchen?

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Na so was, wer war das?“

Eins gibt das andere – und du liest nicht nur den Fortgang der Geschichte sondern viele lautmalerische Begriffe wie du sie vielleicht aus Comics kennst wie „zong“, „bamm“, „plong“ und viele mehr. Und diese Buchstabenfolgen hat Sabine Kranz, die Illustratorin, genauso bunt und kreativ gemalt wie all die abenteuerlich-chaotischen Szenen.

Anspielungen

Der Autor liebt offenbar auch Anspielungen auf – eher deinen Eltern und Großeltern bekannte Persönlichkeiten bzw. Figuren aus Filmen. So heißt der Lehrer im Kunsthaus Friedenstag Tausendsee womit er wohl den Künstler Friedensreich Hundertwasser (1928 – 2000) meint. Und in der Klasse, in der das Chaos ausbricht, nachdem Außerirdische mit ihrem Raumschiff gelandet sind, wimmelt’s nur so von Star-Wars-Namensspielen – Darts Vetter, Obi Vollknobi, Siezwoerzwo… Da drehen sich übrigens die Antworten auf die Frage der Lehrerin, wer für das Durcheinander verantwortlich ist, um. Da beschuldigt keine und keiner wen anderen, sondern jede und jeder will die Schuld auf sich nehmen 😉

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Na so was, wer war das?“
Szenenfoto aus "Bezahlt wird nicht" im Theater Forum Schwechat

Humorvoller Aufstand der Frauen gegen Super-Teuerung

Die in Österreich rund zwei Jahre auf negativem Rekord-Niveau gelegene Teuerung veranlassten heuer gleich zwei Theater(gruppen) die wunderbare, bitter-bös-witzige Satire des Literatur-Nobelpreisträgers (1997) Dario Fo (1926 – 2016) auf den Spielplan zu setzen. Im Sommer tourte das Utopia-Theater mit „Bezahlt wird nicht“ durch Wiener Gemeindebauhöfe und Plätze, seit Kurzem sorgt diese, vor einem halben Jahrhunderte geschriebene und doch so aktuelle Volkskomödie beim Publikum im Theater Forum Schwechat für Lach-Stürme (Neufassung, Regie und Raum: Marius R. Schiener). Solche, die mitunter im Hals stecken bleiben – wie bei vielen der fast immer komödiantischen Stücke ernster Themen von Dario Fo, von denen er viele mit der Schauspielerin Franca Rame verfasste.

Die Story

Kürzest gefasst die Geschichte: Die Preise, insbesondere für Lebensmittel, steigen ins Unermessliche. Frauen eines Supermarkts protestieren dagegen, indem sie zusammenraffen, was sie einpacken können – und eben wie der Stücktitel verrät – nicht bezahlen. Eine davon ist Antonia (Prinzipalin Manuela Seidl herself), eine der Protagonist:innen des Fo-Stücks. Ihr Ehemann Giovanni (Christian Schiesser) ist zwar auch ein Klassenkämpfer, aber ein sehr gesetzestreuer. Dass sie geklaut hat, darf er nicht wissen. So macht Antonia ihre Freundin Margeritha (Amy Parteli) zur unfreiwilligen Komplizin. Sie muss sich Säcke mit Lebensmittel unters Gewand schieben, um sie aus der Wohnung ins Gartenhaus von Antonias Schwiegervater zu transportieren. „Schwanger“ sozusagen. Wovon deren Ehemann Luigi (David Nagl) aber nichts weiß.

Das führt natürlich zu den wildesten und absurdestens Verwicklungs-Dialogen mit immer wieder fast slapstickartiger Situationskomik.

Umsetzung

Sorgen die vier genannten Darsteller:innen der Hauptfiguren schon für dieses spielerische und sprachliche (mit hin und wieder eingestreuten italienischen Sätzen auch aus dem Original „Non si paga, non si paga!“) Pointen-Feuerwerk, so setzt dem ein, erst später ins Spiel kommender Darsteller einiger Nebenfiguren dem Bühnengeschehen sozusagen noch die Kirsche auf das Humor-Schlagobers. David Kieber spielt einen Polizisten, der sich recht offenherzig mit den Protestierenden solidarisiert. Wenige Minuten später taucht er als ein vorgesetzter Polizist, ein Carabiniere auf, der gegen gegenteiliger Meinung ist. Der Schauspieler schlüpft aber auch in die Rollen eines Leichenbestatters, von dem beim ersten Auftritt gar nur das Gesicht mit Hut zwischen den beiden Teilen des geschlossenen schwarzen (!) Vorhangs zu sehen ist – großartig köstlich! Schließlich gibt er noch Giovannis Vater, der gegen Ende auftaucht, gleichsam als Hybrid aus Demenz und Voll-ab-Checker.

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Schnappschuss vom 60. Geburtstagsfest des 5er-Hauses der Wiener Jugendzentren

Wiens ältestes Jugendzentrum feierte den 60er

Klassiker von Kinderfesten sind Kinderschminken und Hüpfburg. Auch die gab’s kürzlich in der Grünwaldgasse 4 in Wien-Margareten, nahe dem Matzleinsdorfer Platz. Dort steht Wiens ältestes Jugendzentrum – es feierte seinen 60. Geburtstag – für und mit Kindern, Jugendlichen und nicht zuletzt solchen Erwachsenen, die vor Jahrzehnten hier als Kinder und Jugendliche ein- und ausgegangen sind.

Neben den eingangs erwähnten Aktivitäten gab’s auch Palatschinken-Station, Quizrad, Fotobox und Street-Soccer, also Fußball. Auf der Bühne waren Breakdance, Rap und andere Gesangsauftritte zu bewundern.

Schnappschuss vom 60. Geburtstagsfest des 5er-Hauses der Wiener Jugendzentren
Schnappschuss vom 60. Geburtstagsfest des 5er-Hauses der Wiener Jugendzentren

Dani, Stammbesucherin der 90er Jahre, sagt laut Medieninformation des Vereins Wiener Jugendzentren: „Das 5erHaus gab uns ein Zuhause und war der größte emotionale Support in dieser Zeit.“ Auch Kemal, der das Haus schon als Kind besuchte, erzählt: „Alles, was ich jetzt mache, und den Mut, den ich jetzt habe, verdanke ich dem 5erHaus.“

Schnappschuss vom 60. Geburtstagsfest des 5er-Hauses der Wiener Jugendzentren
Schnappschuss vom 60. Geburtstagsfest des 5er-Hauses der Wiener Jugendzentren

An Gratulant:innen stellten sich die Bezirksvorsteherin Silvia (Janković), die Obfrau Marina (Hanke) sowie die Geschäftsführerin Manuela (Smertnik) des Vereins ein und nicht zuletzt Wiens für Kinder, Jugend, Bildung und Integration zuständiger Stadtrat und Vizebürgermeister Christoph (Wiederkehr) ein und hoben die Bedeutung dieser Einrichtung hervor. Auf 1.000 Quadratmetern können Kinder und Jugendliche ihre Freizeit verbringen – freiwillig, ohne Konsumzwang, begleitet von einem multiprofessionellen Team. Es gibt Kreativ- und Medienangebote, Sportaktivitäten, ein Tonstudio, Bandproberaum, Disco, Küche und ein Jugendcafé mit Tischfußball. Im Mittelpunkt stehen Spaß, Selbstorganisation, Mitbestimmung und Wertschätzung.

Schnappschuss vom 60. Geburtstagsfest des 5er-Hauses der Wiener Jugendzentren
Schnappschuss vom 60. Geburtstagsfest des 5er-Hauses der Wiener Jugendzentren

Medienschwerpunkt

Apropos Medien, das 5er-Haus bot schon früh Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, selbst Medien zu produzieren. Besonders beliebt ist etwa CUtv, die medienpädagogische Einrichtung im Haus. Die Jugendlichen gestalten Video-Beiträge für Sendungen auf Okto-TV, demnächst wieder über die Gala von Kids in Fashion, dem riesigen Modedesign-Nachwuchsbewerb der Wiener Jugendzentren – am 5. Oktober, übrigens die Jubiläums-Gala nach 30 Jahren – siehe Link unten über eine Reportage in der Schneiderei-Werkstatt in den Sommerferien.

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Szenenfoto aus "Who cares what you wear"

Von der Schnäppchenjagd zur Kritik an Fast-Fashion

Vor gut einem Dutzend vertikalen Projektionsflächen in übergroßen Handyformaten setzen sich Nele Christoph und Crispin Hausmann al Mode-Influencer:innen in Szene. Das bekannte „Unboxing“ – also auspacken von Eingekauftem – steht am Beginn – da Schnäppchen, dort günstige Klamotten. Hin und wieder gefilmt sogar in stationären Kleidungs-Geschäften und nicht nur bei Online-Händlern.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Who cares what you wear“

Rasant wechselnde Projektionen von Mini-Clips im TikTok-Style mit teils tänzelnden Bewegungen des Duos bestimmen die Szenerie und (Regie und Bühne: Bianca Thomas; Media Design: Vince Varga) von „Who cares what you wear?“ (Wen kümmert’s, was du trägst). Diese Produktion für Jugendliche – eine Produktion der Austrian Fashion Association in Koproduktion mit Dschungel Wien basierend auf einer Idee von und in Zusammenarbeit mit Fashionclash (NL) und Mayke Roels (NL) – feierte am Eröffnungstag der neuen Saison, der 20., im Dschungel Wien umjubelte Premiere.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Who cares what you wear“

Wandel

Real agiert das Duo praktisch immer im selben Outfit, die wechselnden Gewänder (Kostüme: Lisa Knoll) kommen über die eingespielten Videos. Je länger die Show dauert, desto kritischer setzen sich die beiden mit den „Fetzen“ auseinander, verklickern Infos über Arbeitsbedingungen der Näher:innen – meist in Fernost. Genauso setzen sie sich mit den umweltmäßig schädlichen Folgen von Fast Fashion auseinander und vermitteln so vielleicht gerade Mode-Fans Nachdenk-Momente in Sachen Nachhaltigkeit.

Gerade unter Jugendlichen spielen Klamotten eine nicht geringe Rolle, gleichzeitig engagieren sich viele in Sachen Klimakrise!

Kryptisch

Warum zwischendurch ein ungarischer Spruch als Begrüßungsformel „verkauft“ wird, der das nicht ist, sondern eine Mutter-Beleidigung, erschließt sich nicht wirklich. Sollte es vielleicht eine Kritik an Fake News sein, so ist sie sehr versteckt – nur für jene verständlich, die diese Sprache kennen – oder wenigstens Grußformeln ;(

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Who cares what you wear“

Kleider machen Leute

Wobei Gewänder schon in längst zu Klassikern gewordenen literarischen und auch bühnenmäßig umgesetzten Werken zentrale Rollen spielen. Ob in Gottfried Kellers Novelle „Kleider machen Leute“ (1874) oder in „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen (1837). Wobei der dänische Märchendichter in seinen Notizen schrieb, dass er dazu von Karl Eduard von Bülow und dessen Märchen „Was einem Könige mit drei Schälken begegnet“ inspiriert worden war.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Who cares what you wear“

Kids in Fashion

Apropos junge Mode. Demnächst – am 5. Oktober 2024 – steigt die Jubiläums-Gala des größten Modedesign-Nachwuchs-Bewerbs „Kids in Fashion“. Seit drei Jahrzehnten rufen die Wiener Jugendzentren Kinder und Jugendliche (4 bis 21 Jahre) auf, eigene Entwürfe einzusenden. Fast jedes Jahr landen mehr als 2000 Zeichnungen in der Zentrale der Jugendzentren. Eine Jury wählt die rund fünf Dutzend kreativsten, ver-rücktesten, innovativsten aus, die in der Folge von Modeschüler:innen geschneidert und bei der Gala von jugendlichen Models vorgeführt werden – siehe Info-Box.
Nachhaltigkeit, Re- und Upcycling spielt in vielen dieser Mode-Entwürfe eine immer größere Rolle.

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Kinder auf der Bühne im Foyer des Theaterhauses Dschungel Wien

Kinder fordern Theater für alle, später Schule und Klimaschutz

„Dschungel Wien, Dschungel Wien, Dschungel Wien, wir fordern, wir fordern, wir fordern… Nachttheater für alle…“ Aber auch Sommer- und Freilufttheater beispielsweise im Hof vor diesem Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier. Alice, Alma, Helen, Ida, Jan, Kilian, Lilo, Nawa und Zeynep (beglück-)wünschten so manches zum Jubiläum. Am Wochenende wurde die 20. Spielzeit dieses Theaterhauses, das nach vorangegangenem fast genauso langem Kampf der freien Kinder- und Jugendtheater-Szene 2004 eröffnet worden war.

Kinder auf der Bühne im Foyer des Theaterhauses Dschungel Wien
Kinder auf der Bühne im Foyer des Theaterhauses Dschungel Wien

Neben informativen und bewegenden Reden von Veteran:innen des Theaterhauses und einer (selbst-)ironisch-kabarettistischen Nummer von Magdalena Fatima Al-Ghraibawi mit so manch kritischer Anmerkung in noch längst nicht ausreichenden Diversität wurde der Reigen der Festreden von Kindern eröffnet. Die Genannten hatten in einem einwöchigen Ferien-Workshop ihre Wünsche, Forderungen und Anregungen erarbeitet und in einer Art szenischen chorischen Rede mit Solo- und Duett-Auftritten dargeboten – in voller Länge unten in dem Video zu sehen und hören.

Kinder auf der Bühne im Foyer des Theaterhauses Dschungel Wien
Kinder auf der Bühne im Foyer des Theaterhauses Dschungel Wien

Schule, Klima und mehr…

Über die eingangs zitierten Wünsche hinaus, gab es noch so manch weitere, nicht zuletzt jene, mehr Spenden zu sammeln, dass alle Kinder, unabhängig von der finanziellen Lage ihrer Familien Aufführungen besuchen und an Workshops teilnehmen können. Andere Forderungen gingen weit über Theater hinaus, etwa: späterer Schulbeginn, um ausgeschlafen in den Unterricht kommen zu können und vieles mehr. Nicht zuletzt war eine höchst engagierte Rede fast im Stile Greta Thunbergs Teil dieser performativen Geburtstags-Ansprachen: „Wie könnt ihr es wagen, unsere Erde so zu zerstören, … immer mehr Autos herzustellen…! Ich fordere von euch, dass ihr das ändert!“

Mehrmals wiesen die Kinder auch darauf hin, dass es die Kinderrechte auf Freizeit, Spiel, Erholung und Kultur gibt (in der 1989 von der UNO-Generalversammlung verabschiedeten Kinderrechte-Konvention).

„Museum“

Neben den Reden und natürlich zwei Premieren – Besprechung der Stücke, die beide allerdings für Jugendliche und nicht Kinder angesetzt waren, unten verlinkt – startete am Eröffnungs-Wochenende auch eine – teils interaktive – Ausstellung auf Bühne 3 und den Räumen davor. Künstler:innen hatten Requisiten aus Stücken – oder von Gegenständen hinter der Bühne zur Verfügung gestellt. Diese können betrachtet werden. Es gibt aber auch eine kleine Bühne mit Green-Wall – die dein Bild davor automatisch auf einer großen Projektionswand gegenüber erscheinen lässt. Und wenn du bittest, das die vor der Bühne stehende Windmaschine eingeschaltet wird, kannst du beispielsweise deine Haare im Wind flattern lassen. Auch KiJuKU wurde angeschrieben, um etwas zur Schau beizutragen – nun finden sich gedruckte 70-seitige Hefte mit Screenshots der auf kijuku.at erschienen Dutzenden Beiträge über Produktionen in diesem Theaterhaus und einige wenige noch online verfügbare aus der Zeit davor im Kinder-KURIER.
Nach-nachträgliche Anmerkung: Die Kern-Idee dieses „musée sentimentale“ sind übrigens nicht die Objekte, sondern die Beschreibungen der Leihgeber:innen dazu. Und dies geht auf eine Idee des Künstlers Daniel Spoerri und seiner Lebensgefährtin Marie-Louise Plessen zurück. Diese Zusatz-Information, die ich nicht ge-checkt hatte, wurde mir erst durch den nachträglichen Hinweis eines Dschungel-Mitarbeiters bewusst gemacht. Natürlich will ich diese Informationen und meinen Fehler / mein Versäumnis auch öffentlich machen. Die ursprüngliche Formulierung hier wurde von manchen missverständlich aufgefasst, daher diese neue Textierung.

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QR-Code zum PDF-Flipbook KiJuKU und KiKu über Dschungel Wien
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Szenenfoto aus "Zunder"

Zwischen komisch, lustig und beängstigend

Aus der Hängematte in der Kurzversion beim Wettbewerb des Nachwuchsförderprojekts Magma wurde nun in der Vollversion eine wandelbare White-Box. Oft ist sie einfach eine weiße Wand, hinter der Protagonist:innen verschwinden können, dann wieder Projektionsfläche für Textnachrichten in der Klassen-Chatgruppe. Und von den Schauspieler:innen zwischendurch um 180 Grad gedreht eröffnet sie zwei neutrale Jugendzimmer für Rika (Selina Rudlof) und Tom (Marko Jovanović).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Zunder“

Die beiden – der Programminfo nach – Elfjährigen stoßen auf dem Smartphone, das er im Überformat und mit vielen Blinklichtern aus einer Schachtel auspackt, schon aufs erste Hindernis. Eltern haben eine Kindersicherungs-Sperre installiert. Dafür landen sie plötzlich auf Videos und grafische Animationen von Menschen mit „komischen Geräuschen und Bewegungen“. Auch wer nicht vorab die Infos zu „Zunder“ gelesen hat, kriegt schnell mit, dass es um Sex, vielmehr Pornographie geht. Die Eltern haben das Smartphone auf einem „Flohmarkt“ gekauft – zumindest ist das die Info im Stück (Text und dramaturgische Beratung: Rachel Müller; Regie: Manuel Horak).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Zunder“

Sie: forsch, er: verunsichert

Während Rika, die insgesamt den forscheren Part in der Begegnung der beiden jungen Jugendlichen übernimmt und entsprechend spielt, das eher ein bissl lustig findet, fühlt sich Tom mehr als unwohl. Ihm ist das seeeehr unangenehm. Und das crasht auch die Beziehung der Schulkolleg:innen.

Dennoch suchen beide abends in ihren Zimmern im Internet nach Pornos bzw. Infos darüber. Tom beängstigt alles und er versucht, Rat und Hilfe ei seinem Bruder Mio zu finden. Und bei Rika stürmt die Mutter ins Zimmer, entreißt ihr den Laptop, kassiert obendrein das Handy ein, sagt, darüber müsse geredet werden. Um genau das nicht zu tun. Dritte Person auf der Bühne ist Fabian Tobias Huster – mitunter rasend schnell switchend zwischen Rikas Mama und Toms Bruder.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Zunder“

Noch immer mehr Schweigen als Reden

Soweit die Ausgangssituation für das einstündige Stück, in dem mitunter aus dem Off Jugendsprech-Vokal wie „LOL“ oder „chill mal“ ertönen. Zum einen dreht sich „Zunder“ um die Freundschaft, die einen (Vertrauens-)Bruch erfährt, weil Rika sich auch im Klassen-Chat gegen Tom stellt und wie sich die wieder einrenkt. Vor allem aber um die Konfrontation schon sehr junger Jugendlicher, ja eigentlich noch Kinder mit massenhaften pornographischen Darstellungen in Online-Medien. Und die noch immer große Sprachlosigkeit vieler Eltern und Pädagog:innen in Sachen (sexuelle) Aufklärung, die solch krasse Irritationen wie sie Tom erleidet, erst ermöglichen.

Dem setzt das Stück – vielleicht mit ein bisschen zu viel pädagogischem Zeigefinger – eingestreute Infos entgegen, die abwechselnd Tom zwischendurch und Rika in einem Referat in der Schule verbreitet.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Zunder“

„Zimmerpflanzen“

Gestehe, die Bedeutung der wahllos im Raum stehenden und hängenden künstlichen Zimmerpflanzen (Bühne und Kostüme: Sophie Eidenberger) hat sich mir erst aus den pädagogischen Begleitmaterialen und auch das nicht ganz erschlossen. Dort heißt es: „Durch den Raum wuchern verfremdete Zimmerpflanzen, die aus Materialien bestehen, die assoziativ mit dem Thema Porno verbunden werden (Latex, Leder, Metall,…). So findet das Thema hier Einzug in das Alltägliche. So, wie sich vielleicht gerne um ein heikles Thema herumgeschlängelt wird, gibt es auch auf der Bühne Elemente, denen auszuweichen ist oder die leicht ins Stolpern bringen.“

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Tara und Esra mit gefalteten Papier-Kranichen

300 Bilder aus 100 Ländern für den Frieden

Vorsichtig wie eine zerbrechliche Kugel hält eine linke Hand eine ganz besondere Kugel – mit viel blau und einigen grünen Flecken darin – unsere Erde; übrigens aus einem anderen Blickwinkel als dem meist (in unseren Breitengraden) üblichen. Tara (17) hat dieses Bild gemalt. Es ist eines von rund 300 Bildern von Kindern und Jugendlichen aus mehr als 100 Ländern der Welt. Und derzeit – bis 28. September 2024 – in Wien im „Erlebnis Europa“-Informationsraum der EU in der Innenstadt (siehe Infos) zu sehen.

„Pieces for Peace“ (Stücke oder auch Teile für Frieden) nennt sich die Aktion der Organisation CITYarts aus New York. Mittlerweile haben mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche in mehr als 120 Ländern solche kleinformatigen Bilder gemalt. Gerahmt und hinter Glas hängen sie an gelben Filzwänden mit der die Ausstellung über die Erde wandert.

Workshops

Die gerahmten Bilder stammen von jungen Menschen aus anderen Ländern – in 25 davon war die Ausstellung bereits. In der obersten Reihe hängen (noch) ungerahmte Bilder. Diese sind in Workshops im Juli entstanden, von denen einige in verschiedenen Schulen – von Favoriten bis zur Seestadt in der Donaustadt gezeichnet und gemalt wurden. An einem Workshop nahmen Jugendliche aus verschiedenen Ländern teil, die in Wien Zuflucht gefunden haben – organisiert vom Don Bosco Sozialwerk, wo sie Deutsch- und anderen Unterricht haben.

Bevor es ans Zeichnen und Malen geht, stehen in den Workshops Stationen-Spiele auf dem Programm. In einem großen Topf wird symbolisch für den Frieden gekocht – welche Zutaten braucht es dafür – das überlegen sich die Teilnehmer:innen, schreiben’s auf Zettel und das kommt dann rein und wird mit einem Kochlöffel umgerührt 😉 Andere Stationen beschäftigen sich puzzle-artig mit internationalen Friedenssymbol vom Ölzweig über die Taube bis zum (gefalteten) Kranich und zur Regenbogen-Fahne als Zeichnen der Vielfalt einerseits aber auch des bunten Neu-Entstehens wenn Gegensätze wie Regen und Sonne zusammenkommen.

Schon im Kopf

So wie Tara hatte auch Ahmed sein Bild bevor er zu zeichnen begann schon im Kopf, verrät er Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Hatte sie mit Buntstiften gemalt, so zeichnete er mit Bleistift Plamen am Strand, ein Segelboot auf einem von nur kleinen Wellen bewegten Wasser, sozusagen friedliches Meer unter heller Sonne und fröhlich fliegenden Vögeln.

Mirno More

Apropos friedliches Meer – so heißt übersetzt der dalmatinische Gruß unter Seefahrer:innen. Dieses „Mirno More“ hat sich eine Initiative ausgeborgt, die heuer zum 30. Mal stattgefunden hat und von einem österreichischen Skipper erfunden worden ist, der jahrelang im Damaligen Jugoslawien gearbeitet hat. Kollegen und Freunde, die jahr(zehnt)elang friedlich zusammengearbeitet hatte, waren durch den geschürten nationalistischen Hass aufeinander in dem zerfallenden Land zu Feinden geworden. Wie könnte verhindert werden, dass dieser Hass auf Kinder übergehe, die vor diesem Krieg nach Österreich geflüchtet waren, stand am Beginn der Aktion. Denn auf einem Segelboot müssen alle zusammenhelfen, damit das Schiff über die Wellen gleiten, an- und ablegen kann.

Ebenfalls in der Woche des Weltfriedenstages (21. September) fand heuer die Jubiläums-Ausgabe von Mirno More statt. Wieder segelten mehr als 1.000 Menschen, darunter Hunderte Kinder und Jugendliche aus gut zwei Dutzend Nationen mit unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und Religionen gemeinsam zwischen kroatischer Küste und Inseln. Auf 100 Booten.

Weltfriedenstag

Vor mehr als 40 Jahren (am 21. September 1981) beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen: „Dieser Tag soll offiziell benannt und gefeiert werden als Weltfriedenstag (International Day of Peace) und soll genützt werden, um die Idee des Friedens sowohl innerhalb der Länder und Völker als auch zwischen ihnen zu beobachten und zu stärken.“

Wander-Ausstellung

Zurück zu den Bildern für den Frieden, die derzeit in der Wiener Innenstadt zu sehen sind: Esra muss nach ihrem Bild einigermaßen suchen – denn so wie sie eine fliegende Taube zwischen Meer und Himmel gemalt hatte, haben das so manch andere Kinder und Jugendliche auch gemacht.

Umrahmt wurde die Eröffnung der Ausstellung am Vorabend vor dem Weltfriedenstag unter anderem von zwei Gesangsauftritten aus dem künstlerisch-kreativen Bereich der Salesianer Don Bosco Österreich. Helene Billinger, Sophie List, Isabella Rubel und Maximilian Cichra (mit Gitarre) sangen „Für die Liebe“ (Berge) sowie „Für immer Frühling“ (Soffie).

Seit 35 Jahren

CITYarts, gegründet von der in New York lebenden Künstlerin Tsipi Ben-Haim. „Wir wollen die Stimmen der Kinder und Jugendlichen dieser Welt hören und wahrnehmen. Ihre neugierigen, wissbegierigen, kreativen Fragen und Ideen, ihre Vorstellung von einer besseren zukünftigen Welt sollen die Erwachsenen mehr berücksichtigen als bisher“, ist ihr auch gegenüber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… ausgedrückter Wunsch. Dafür initiierte sie und ihre Mitstreiter:innen unterschiedlichste Projekte mit Künstler:innen. In New York waren und sind dies vor allem Wandbilder und Mosaike, die mit dazu beitragen, dass Jugendliche ihr Viertel als ihre Heimat empfinden.

Nach Nine-Eleven, also dem 11. September 2001 mit den Flugzeugattacken u.a. die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York weitete CITYarts die Projekte über die Grenzen der eigenen Stadt, ja der USA hinaus aus, um Brücken zwischen möglichst vielen Kindern und Jugendlichen der Welt zu bauen; nicht zuletzt durch die Aktion „Pieces for Peace“.

Übrigens: Während in der Ausstellung alle Bilder ohne Namen der Kinder und Jugendlichen zu sehen sind, finden sich auf der Website – siehe Info-Box – (fast) alle Bilder samt den Namen der Schöpfer:innen – sortiert nach Ländern von Afghanistan (da allerdings von geflüchteten Jugendlichen in einem Workshop des EU-Parlaments) bis Zimbabwe.

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Foto aus der neuen ORF-Serie "Demokratino"

Demokratie (nicht nur) für Kinder erklärt

Während ein derzeit häufig gesendeter Werbespot auf allen Kanälen bösartige Streitereien zwischen Vertreter:innen politischer Parteien als „Kindergarten“ scheinbar lustig zeigen will, versuchen einige Programme im ORF-Kinderfernsehen sachlich und doch spannend zu erklären, wie wichtig Wahlen und Demokratie sind.

Beginnend mit Montag, 23. September erklären fünf ZiB Zack Mini-Spezialausgaben vor der Nationalratswahl am Sonntag (29. September 2024) vieles dazu. Zwei Tage später startet eine zehnteilige fiktive Serie mit Schauspiel und Animationsfiguren namens „Demokratino“, einem vorerst unbekannten Land, in das die drei Kinder-Protagonist:innen während eines Besuches im österreichischen Parlament gebeten werden.

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte die erste Folge vorab sehen – und aus dieser hier schildern, sowie den Erfinder derselben, Thomas Brezina, per eMail einige Fragen stellen – dieses Interview in einem eigenen Beitrag – unten verlinkt.

Foto aus der neuen ORF-Serie
Fotos aus der TV-Serie „Demokratino“: Doro (Nora Riedl), Niko (Sam Göll) und Leopold (Matteo Haudeck) nehmen dich mit auf eine Entdeckungsreise durch das Parlament an der Wiener Ringstraße

Abenteuer

Zunächst sind Doro, Leopold und Niko mehr als unzufrieden. In ihrer Schulklasse hat die Lehrerin die Kinder in verschiedene Exkursions-Gruppen eingeteilt. Neben Team Tiergarten und Team Kanal gibt’s auch eine Spezialtour im Parlament. Die haben diese drei zugeteilt bekommen. Das stellen sie sich viel weniger abenteuerlich vor als das was ihre Kolleg:innen erkunden dürfen.

Natürlich kommt dann alles ganz anders. Aber mit diesem Trick startet die zehnteilige Serie im ORF-Kinder-Fernsehen. Mastermind hinter der Serie namens „Demokratino“ ist wie schon erwähnt der bekannte Autor, TV-Format-Erfinder und Ausdenker diverser Erlebniswelten Thomas Brezina. Für die drei Kinder, die durch die Geschichte führen, hat er drei unterschiedliche Rollen geschrieben. Doro (Nora Riedl) fotografiert alles – digital klarerweise. Ihr Kollege Leopold (Matteo Haudeck) schreibt die Notizen auf ein großes Tablet und Niko (Sam Göll) ist der Verträumte, der immer wieder da und dort stehen bleibt, sich Objekte in dem historischen Gebäude genauer anschaut. Und auf einmal etwas von einer bläulich schimmernden Lichtkugel erzählt. Die die anderen – natürlich – nicht sehen, du aber als Zuschauerin oder Zuschauer siehst sie sehr wohl 😉

Foto aus der neuen ORF-Serie
Foto aus der TV-Serie „Demokratino“: Magdalena Bönisch und Christian Dobler als Gurides durch das „Hohe Haus“, wie das Parlament in Wien oft auch genannt wird

Retter:innen gesucht!

Plötzlich beginnt’s aus der Kugel zu sprechen – eine animierte Zeichentrickfigur namens Max, die von ihren Kleidungsfarben ein wenig an Pinocchio erinnert -, versucht das Trio zu sich nach „Demokratino“ zu holen. Und so rasen sie wie durch eine Röhren-Rutsche in diese Welt.

Sie müssten dieses – für alle vorerst unbekannte – Land vor dem bösen Diktatos retten…

Einige dafür notwendige Informationen über das Parlament als Sitz der Demokratie in Österreich haben sie schon von den beiden Guides, gespielt von Magdalena Bönisch und Christian Dobler, erfahren. Andere werden sie in „Demokratino“ in den weiteren Folgen ausspielen können – die in Form von Rückblenden auch den Zuschauer:innen vermittelt werden – über Gesetze, Wahlen, politisch Parteien, Regierung, Abgeordnete, Opposition oder Steuern…

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Zum eMailigen Interview mit Thomas Brezina über „Demokratino“ geht es hier unten.

Foto aus der neuen ORF-Serie
Fotos aus der TV-Serie „Demokratino“: Leopold (Matteo Haudeck), Doro (Nora Riedl) und Niko (Sam Göll) sitzen auf den Stufen vor dem Parlamentsgebäude an der Wiener Ringstraße
Bildmontage aus einem Foto von Thomas Brezina bei der Vorstellung seines gereimten Buches über die Erde im Festsall der Universität Wien sowie einer Animation zur Serie "Demokratino"und das Logo dieser TV-Serie

„TV-Serie soll Demokratie erlebbar machen“

KiJuKU: Ging die Initiative zu Demokratino von dir aus oder wurdest du vom Parlament gefragt, dir etwas zum Thema einfallen zu lassen?
Thomas Brezina: Demokratino ist eine Geschichte, die ich schon vor vielen Jahren erfunden habe. Mir geht es darum, das Thema Demokratie auf eine Weise zu schildern und zu erklären, die nicht belehrend ist, sondern Demokratie erlebbar macht

KiJuKU: Wie bist du auf die Idee der „Entführung“ gekommen?
Thomas Brezina: Aus diesem Grund werden die drei Hauptpersonen in die Welt von Demokratino versetzt, wo ein Diktator versucht die Macht an sich zu reißen und sie ihre Erfahrungen von einem Besuch des Parlaments nun in diesem Land umsetzen müssen, damit es eine Demokratie bekommt und nicht Dikataturia wird. Ich freue mich, dass Demokratino jetzt auch auf den Bildschirm kommt.

KiJuKU: Wird ausgehend vom Konzipieren dieser Serie auch etwas in Buch-Form erscheinen?
Thomas Brezina: Dazu habe ich schon vor rund zehn Jahren ein Buch gemacht, es gibt aktuell Überlegungen, dass wir begleitend Demokratino auch in Buchform wieder zurückbringen – aber mehr kann ich dazu noch nicht sagen.

Einschub: Peinlich, gestehe als Journalist von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – und davor eben schon beim Kinder-KURIER – habe ich dies offenkundig versäumt – und auf Nachfrage beim Management erfahren, dass dies auch nicht mehr verfügbar ist ;(

KiJuKU: Das Parlament hat seit mehr als 15 Jahren die Demokratie-Werkstatt – hast du mit diesen Workshops bei der Arbeit an „Demokratino“ Kontakt gehabt, Erfahrungen ausgetauscht?
Thomas Brezina: Die Zusammenarbeit mit dem Parlament war großartig. In der Vergangenheit habe ich persönlich schon mehrere Videos zu verschiedenen Themen für das Informationsbüro auf Social Media gemacht.

KiJuKU: Kommen in den Folgen demokratische Möglichkeiten direkt für Kinder vor – von Klassen- über Schulsprecher:innen, Mitbestimmungsmöglichkeiten in Gemeinden und Städten wie Kinder- und Jugend-Million in Wien …?
Thomas Brezina: In diesem Jahr habe ich die Drehbücher für eine TV-Fassung geschrieben. Im Sommer wurde im Parlament und im Studio gedreht. Derzeit werden die Folgen fertiggestellt, die eine Menge Aufwand an Animation haben, da die Demokratino-Welt gezeichnet ist, die drei Hauptdarsteller aber real. Die TV-Serie soll für alle eine Möglichkeit sein, das Thema Demokratie zu erleben und zu erfassen. Daraus ergeben sich viele Möglichkeiten und ich sehe es als Aufgabe von Schulen etc. darauf aufbauend mit Schülerinnen und Schülern zu erarbeiten, was alles im eigenen Umfeld in die Tat umgesetzt werden kann.

Da das Interview nicht live – weder telefonisch noch online-video-mäßig möglich war, weil der Autor derzeit in London weilt, und dort viel am Schreiben ist, sondern es nur möglich war, Fragen per eMail über das Management zu übermitteln und auf diesem Weg auch die Antworten kamen, konnte hier nicht nachgefragt werden, weil die letzte Antwort auf einen Teil der Frage nicht eingeht – und nicht alle Folgen zur Sichtung vorlagen/ vorliegen, sondern nur die allererste.
Im Folgenden undauch schon weiter oben übrigens einige Links zu Storys über Aktionen und Möglichkeiten, wo Kinder Demokratie wirklich selber (mit-)erleben können.

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Szenenfoto aus "Ich bin Ruth"

Wienerin, 22 Jahre, „remigiriert“ und ermordet

Viele Umwege führten zu dieser stimmigen, berührenden auch aufrüttelnden theatralisch-musikalischen Performance über eine Österreicherin, die so jung – mit 22 Jahren – ermordet wurde: „Ich bin Ruth“ von drei Schauspielerinnen und zwei Live-Musikerinnen erzählt das kurze Leben der Ruth Maier: Geboren in Wien am 10. November 1920 – womit ihr 18. Geburtstag mit den Pogromen („Reichskristallnacht“) zusammenfiel. Die jüngere Schwester Julia konnte mit einem der Kindertransporte nach England der Verfolgung durch die Nazis entkommen. Ruth selbst flüchtete nach Norwegen, wurde aber nach der Machtübernahme durch die Faschisten dort gefangen genommen und mit mehr als 500 anderen Jüd:innen ins Vernichtungslager Auschwitz verfrachtet, wo sie am Ankunftstag, dem 1. Dezember 1942 ermordet wurde.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin Ruth“

Vor dem Hintergrund dieses Wissens produzieren die fünf Künstlerinnen immer wieder multimediale Gänsehaut-Momente in einem abgefuckten Teil von Wiens einstigen größten Geburtenstationen in der ehemaligen Semmelweis-Klinik von der einige Gebäude kulturell genutzt werden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin Ruth“

Tagebücher

Wie viele Jugendliche hatte Ruth Maier Tagebuch geschrieben – ab ca. 12/13 Jahren. Jahrzehnte später wurden diese Tagebücher – im Zuge der Bearbeitung des Nachlasses der norwegischen Dichterin Gunvor Hofmo, mit der Maier rund zwei Jahre in Oslo zusammengelebt hatte, durch Jan Erik Vold durchackert und transkribiert. Im Zuge seiner weiteren Recherchen konnte er die überlebende Schwester in England herausfinden, sie kontaktieren und bekam so die Briefe Ruth Maiers an sie. Waren die ersten Tagebücher auf Deutsch, so die späteren auf Norwegisch – da konstatierte Vold, dass sie bald vom Anfängerinnen-Niveau zu literarischer Qualität aufgestiegen waren. So „nebenbei“ fanden sich in den Tagebüchern, von denen nicht alle erhalten geblieben sein dürften, weil es immer wieder zeitliche große Lücken gibt, hervorragende Aquarelle – und Fotos bzw. Zeitungsausschnitte sowie Abschriften anderer literarischer Texte bzw. Kommentare zu solchen.

Titelseite des Buches mit Auszügen aus Tagebüchern und Briefen von Ruth Maier
Titelseite des Buches mit Auszügen aus Tagebüchern und Briefen von Ruth Maier

Buch

„Aus einem Material von rund 1100 Tagebuchseiten und 300 Briefseiten ist eine Lebensgeschichte auf 400 Buchseiten entstanden. Sie trug den Titel Ruth Maiers dagbok. En jødisk flyktning i Norge (Ruth Maiers Tagebuch. Ein jüdischer Flüchtling in Norwegen), als das Originalwerk 2007 in Oslo publiziert wurde – und später viele neue Auflagen erfuhr.“ (Aus dem Buch im Mandelbaum-Verlag – siehe Info-Box) Das Buch wurde in 13 Sprachen übersetzt und vor zehn Jahren in die UNESCO-Liste „Memory oft the World / Welt-Erinnerungs-Erbe) dieser Bildungsorganisation der Vereinten Nationen aufgenommen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin Ruth“

Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes hat in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Zentrum für Holocaust- und Minderheitenforschung eine Ausstellung erarbeitet, die immer wieder tourt. Bei der Recherche zu homosexuellen Frauen und ihrem Schicksal in der Nazi-Zeit stießen Anna Kramer und Claudia Kottal auf Ruth Maier – was der Zeugungsmoment für das nunmehrige Theaterprojekt war.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin Ruth“

Es sei alles andere als leicht gewesen aus den mehr als 400 Seiten Tagebuch-Aufzeichnungen und Briefen eine Stückfassung zu erarbeiten, verraten die drei Schauspielerinnen in einem Publikumsgespräch nach der zweiten Vorstellung, zu dem sie DEN Experten für Ruth Maier in Österreich, Winfried R. Garscha vom DÖW eingeladen hatten.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin Ruth“

So, nun aber…

… zum Stück: Aus einer heftig eingedampften Strichfassung ermöglichen die drei Schauspielerinnen und die beiden Musikerinnen Einblicke in das Leben und die Gedanken der jungen Ruth Maier. Neben gefühlsmäßigem Auf und Ab der Jugendlichen – weniger die aufwallenden Schwärmereien und deren Verflüchtigungen in vielen Einträgen – konzentriert sich die Performance vor allem auf Passagen, in denen Ruth Maier Persönliches mit den jeweiligen (gesellschafts-)politischen Ereignissen verknüpfte. So spürte sie schon vor dem Beginn des Weltkrieges am 1. September 1939, dass das Hitler-Regime einen solchen vorbereitet. Oder sie, die in einer eher säkularen jüdischen Familie aufgewachsen war, beschreibt, wie sie nun als ebensolche ausgegrenzt und verfolgt ihr Jüdisch-Sein erst entdeckt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin Ruth“

Multimedial

Das Trio schlüpft abwechselnd in die Rolle der Ruth Maier, die anderen manches Mal in die anderer Figuren aus den Tagebucheintragungen bzw. den Briefen, natürlich immer wieder der Geliebten Gunvor Hofmo – samt so manch heftigem Beziehungs-Wickel. „Illustriert“ durch auf Stoff gedruckte Fotos aus den Tagebüchern oder projizierte Bilder, eben auch den von Ruth gemalten, gesellen sich hin und wieder live gespielte, eigens komponierte Musik-Nummern von Clara Luzia (Keyboard, E-Gitarre, Spieluhr) und Cathi Priemer-Humpel (Schlagzeug und Hang) dazu – manches Mal als Untermalung, dann wieder als eigenständige Szenen mit gesungenen Texten von Ruth Maier.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin Ruth“

Umwege

So wie die Tagebuch-Aufzeichnungen und Briefe erst – Jahrzehnte später – das Licht der Öffentlichkeit erblickten, so kam das Theaterkollektiv auf Umwegen zum Spielort. Eigentlich suchten sie zunächst nach einer Location im 2. Wiener Bezirk (Leopoldstadt), einst blühendes, heute nur mehr Überbleibsel jüdischen Lebens. Nachdem die Künstlerinnen nicht fündig wurden, kam die Idee der kulturell genutzten Räumlichkeiten in der ehemaligen Geburtsklinik. Und dann der Aha-moment, dass Ruth Maier mit ihrer Familie vor der Deportation in eine Sammelwohnung in den zweiten Bezirk im Gemeindebau Hockegasse 2 gewohnt hatte!

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin Ruth“

Aktualität

Das Stück, ebenso die Wander-Ausstellung des DÖW, aber auch die Benennung eines Park in Wien-Leopoldstadt nach Ruth Maier entreißt diese junge ermordete Künstlerin dem Vergessen. Und sie schafft einen – subkutanen oder „nebenbei“ – Bezug zur Gegenwart. Was alles hätten Anne Frank, Jura Soyfer, Ruth Maier und Millionen anderer weniger bis nicht bekannter Menschen schaffen können, wären sie nicht vom faschistischen Regime ermordet worden?!

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin Ruth“

Und: Was anderes als „Remigration“ war denn die Verfrachtung von Ruth Maier und mehr als 500 anderen Jüd:innen aus Norwegen ins von den Nazis errichtete „Reich“ – samt anschließender Ermordung? Und wie ist es, heute Menschen in Länder wie Afghanistan oder Syrien abzuschieben, in denen extreme Islamisten wie die Taliban oder terroristische Diktatoren herrschen und (politische) Gegner umbringen (lassen)?

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Breite, junge Spitze des Demonstrationszuges am Klimastreik-Tag, 20. September 2024

Kreative Plakate und Sprüche am Klimastreik-Tag

„Hoch mit dem Klimaschutz – runter mit der Hitze“ skandierten vor allem ganz junge Teilnehmer:innen an der Spitze des Demonstrationszuges. Beim ersten Teil der Losung sprangen sie in die Höhe, beim zweiten Teil gingen sie in die Hocke. Sie und rund 13.000 andere Menschen praktisch aller Altersstufen zogen Freitagnachmittag in Wien vom Schwarzenbergplatz über die Ringstraße bis zum Maria-Theresien-Platz zwischen Kunst- und Naturhistorischem Museum.

Vorbeizug: Mehr als 17 Minuten

Unter dem Motto #EineWeltZuGewinnen hat Fridays for Future für Freitag zur Wiener Demo sowie zu solchen in Graz, Linz und Klagenfurt und für Salzburg am Samstag aufgerufen. In Wien organisierte das „Klimaprotestbündnis“ dem Demo gemeinsam mit Global 2000 und ATTAC. Gedruckte breite, große Transparente wurden ebenso in der Demonstration – dessen Vorbeizug mehr als ¼ Stunde (17 Minuten) dauerte – getragen wie viele handgeschriebene und -gemalte auf Karton. So manche kreative Losung war zu lesen, etwa „Sind die Äcker alle tot – wo wächst dann das täglich Brot?“ Auf einem anderen war das untere Drittel mit blauer Farbe angemalt – sozusagen Wasser, das recht hoch steigt – der Spruch dazu: Klima„Hysterie“ – LoL. Das bekannte Kürzel steht für „Laughing Out Loud“ (laut auflachend) bezog sich auf den Widerspruch, dass so manche Politiker:innen die Warnung vor der Klimakatastrophe als „Hysterie“ abtun – und andererseits erst vor wenigen Tagen die heftigen Regenfälle zu krassen, flächendeckenden Überschwemmungen u.a. in Niederösterreich geführt haben.

Feuerwehrmann berichtet

Übrigens Überschwemmungen: Bei der Abschluss-Kundgebung zwischen den Museen vor dem Denkmal Maria Theresias sprach unter anderem ein Feuerwehrmann aus St. Pölten (Niederösterreich). Er berichtete von den eigenen Einsätzen und davon, dass noch immer Tausende Kolleginnen und Kollegen dabei sind, Keller auszupumpen und bei Aufräumungsarbeiten nach der Hochwasserkatastrophe zu helfen sowie von der großen Solidarität der Nachbarschaftshilfe. Darüber hinaus aber haben viele Angst vor dem nächsten Mal, dass solche Naturkatastrophen, immer wieder als Jahrhundert-Hochwasser tituliert, alle paar Jahre passieren. Und da packe ihn die Wut, die Wut auf Politiker, die so tun und reden, als müsse nichts gegen die Klimakrise unternommen werden.

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Sorgenfalter"

Wenn Sorgen auf Papier gefaltet, wie ein Falter davonfliegen (können)

Mitunter kann es in sprachen ganz schön verwirrend sein, wenn ein und dasselbe Wort ganz unterschiedliche Bedeutungen hat. So wollte kürzlich eine Leserin der Wiener Wochenzeitung „Falter“ von Andrea Maria Dusl alias „Fragen Sie Frau Andrea InformationsBuereau“ oder auch Comandantina genannt, ob arm (Gegenteil von reich) und Arm (Körperteil) etwas miteinander zu tun haben.

Apropos Falter. Auch diese andere Bezeichnung für Schmetterling kann auch ganz etwas anderes bedeuten: Jemand, der etwas faltet.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Sorgenfalter“

Les- und schaubarer Song

Und genau das macht sich ein neues Bilderbuch zunutze. „Sorgenfalter“ ist vielleicht das erste Bilderbuch, das sich einen Song zum Vorbild genommen hat, um darum herum eine Geschichte zu bauen, stricken, basteln oder welches Verb (Zeitwort) dir am besten angebracht erscheint. Die vor mehr als einem ¼ Jahrhundert damals als Schulband – immerhin im John-Lennon-Gymnasium – gegründete Berliner Musikgruppe MiA (Musik ist Alles, Menschen in Aufruhr, ursprünglich Me in Affairs) hat unter anderem einen Song des oben genannten Namens.

Darin lauten vier Zeilen: „Lass mich dein Sorgenfalter sein, / ich falte große Sorgen klein, / und wie ein Flugzeug aus Papier / fliegt alles weg von dir.“

Blatt und Blatt

Das inspirierte die Autorin Magda Hassan dazu, eine ganze Geschichte darum herum zu erfinden. In genialer Zusammenarbeit mit der Illustratorin Sonja Stangl – begleitest du die namenlose Icherzählerin, ein aufgewecktes Mädchen mit orangefarbenen mittellangen Haaren durch ihre – vielleicht auch deine – Welt. „Staunend sehe ich mir meine Welt an. Ihre vielen Seiten lassen mich immer wieder Neues entdecken.“

Wobei diese Welt vor allem aus Blättern besteht – hier kommt das zweite doppeldeutige Wort ins Spiel – die Äste der gezeichneten Blätter tragen hier nicht klassische Laubblätter, sondern Papier!

Und ein solche Blatt Papier taucht schon groß auf der zweiten Doppelseite auf, wird danach vom Wind durch die Luft gewirbelt, die Hauptfigur läuft und springt ihm nach, landet in einem „Blätterwald“, der wiederum an Stapel von Zeitungen erinnert – eine sozusagen 2 ½te Bedeutung, werden doch gedruckte Zeitungen auch oft als „Blatt“ bezeichnet.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Sorgenfalter“

Falter und Falter

Verirrt und verwirrt zwischen all dem Papier taucht in der Luft ein Schmetterling auf, der den Ausweg aus dem Labyrinth zeigt – und sich zuvor als „Sorgenfalter“ vorstellt. Auf jedem der Blätter steht eine Sorge, du kannst sie falten und wie einen Papierflieger davonschweben oder düsen lassen – so die Botschaft.

Jetzt ist ohnehin schon sehr viel aus der Geschichte verraten, die aber doch noch so manch Feinheit – in Text und Bild – bereithält.

Illustratorin Sonja Stangl mit Buch und Autorin Magda Hassan mit einem aus Papier gefaltetem Schmetterling
Illustratorin Sonja Stangl mit Buch und Autorin Magda Hassan mit einem aus Papier gefaltetem Schmetterling

Eines sei aber schon noch gespoilert: Dem Buch liegt ein quadratisches kleines Blatt Papier bei, auf das du auf die eine Seite deine Sorge(n) schreiben kannst und auf einer der letzten Doppelseiten findest du eine Falt-Anleitung, wie du daraus eine Art Schmetterling faltest 😉

Über einen QR-Code kommst du auch zu dem gleichnamigen MiA-Song; die App, die du runterladen kannst, um sie auf die Buch-Titelseite zu halten, lässt dann aber nur den wolkigen Hintergrund animiert vorbeziehen.

PS: In der Info-Box gibt’s Links auch zur Band MiA sowie zu Andreas Informationsbureau bzw. jenem „Falter“-morgen-mail mit der Frage und den Antworten zu arm / Arm.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Sorgenfalter“
Eda vor dem Premierenkino

Vielsprachige junge Film-Protagonist:innen im Interview

Zur offiziellen Premiere des Films „Favoriten“ von Ruth Beckermann ins größte Kino Wiens, das Gartenbaukino gegenüber dem Stadtpark kamen neben Promis wie Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Justizministerin Alma Zadić, Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler natürlich auch die Regisseurin und fast ihr gesamtes Filmteam. Aber natürlich auch Lehrerin Ilkay Idiskut sowie einige ihrer ehemaligen Schüler:innen – Eda Dzhemal, Hafsa Polat, Manessa Lakhal, Majeda Alshammaa, Ibrahim Ibrahimovič und Dani Crnkić.

Vier davon gaben Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… kurze Interviews. Zunächst wollte KiJuKU von allen wissen, wie dies war, so häufig im Unterricht und bei Exkursionen gefilmt zu werden – und dann ein bisschen über ihre weitere schulische Laufbahn sowie ihre Pläne für danach.

Eda antwortete auf die Frage nach der (fast) ständigen Kamera-Begleitung so: „Das hat sehr viel Spaß gemacht. Die waren bis zu drei Mal pro Woche bei uns.

KiJuKU: Wenn ihr beim Lernen oder bei Prüfungen gefilmt wurdet, war das auch so einfach?
Eda: Manchmal war es schon schwierig, auch weil wir nicht genau in die Kamera schauen durften. Wir mussten so tun, als wenn die Kamera nicht da wäre. Manchmal konnte ich mich dann nicht so gut konzentrieren, wenn sie uns gefilmt haben. Und ich war so schüchtern und konnte dann nicht alles sagen, wenn die Kamera da war.

KiJuKU: Wurde es mit der Zeit leichter, weil sie – wie du gesagt hast – ja so oft da waren?
Eda: Schon, weil wir uns dann gut kennengelernt haben, die sind auch voll nett und ich mag sie alle.

KiJuKU: Was machst du jetzt?
Eda: Ich gehe ins Laaerberg Gymnasium, schon in die zweite Klasse.

KiJuKU: War die Umstellung von Volksschule auf Gymnasium schwierig?
Eda: Nein, ich hatte alles 1er nur einen 2er.

KiJuKU: Welche Gegenstände magst du am liebsten?
Eda: Werken, Sport und Biologie.

KiJuKU: Gibt’s auch Fächer, die du weniger magst?
Eda: Deutsch – ich mag es, Deutsch zu sprechen, aber naja … – der Rest sei vom Mantel des Schweigens verhüllt.

KiJuKU: Sprichst du außer Deutsch noch andere Sprachen?
Eda: Türkisch und Bulgarisch, aber weniger Bulgarisch. Meine Schwester kann da mehr – sie hat sich sogar die Schrift selber beigebracht. Meine Eltern kommen aus Bulgarien aus einem Dorf, in dem Türkisch gesprochen wird. Sie haben oft Bulgarisch gesprochen, wenn sie etwas zueinander gesagt haben, das wir nicht hören sollten. Deswegen haben wir begonnen, es auch zu lernen, aber ich kann viel besser Türkisch als Bulgarisch.

Nach der Schule möchte Eda „entweder Make-Up-Artistin oder Tierärztin werden“

Interviewpartnterin Hafsa
Interviewpartnterin Hafsa

Wissenschafterin

Auf die Frage nach der Kamera-Begleitung antwortete Hafsa: „Es war spannend, weil ich die ganze Zeit gewusst habe, dass wir in einem Film sein werden. Aber bei Prüfungen hat es schon ein bisschen nervös gemacht. Falls ich was falsch mache oder sage, dann könnte das im Film sein!“

Befragt nach der weiteren Schullaufbahn erzählte Hafsa: „Ich gehe jetzt in die zweite Klasse im Gymnasium Waltergasse.“

KiJuKU: Wie war die Umstellung?
Hafsa: Es war ein ganz anderes Level.

KiJuKU: Schwieriger?
Hafsa: Volksschule war im Vergleich dazu ein kleines Teil, am Anfang war’s schon schwieriger, aber jetzt bin ich’s schon gewohnt.

KiJuKU: Was sind die Lieblingsfächer?
Hafsa: Sport, Deutsch mag ich nicht so sehr.

KiJuKU: Hast du noch mehrere Sprachen?
Hafsa: Ja, neben Deutsch kann ich noch Türkisch und Englisch.

KiJuKU: Was ist der Traumjob nach der Schule?
Hafsa: Mein Traumjob ist, Wissenschafterin zu werden.

KiJuKU: Und in welchem Bereich?
Hafsa: Physik und Chemie.

Interview-Duo Ibro und Dani
Interview-Duo Ibro und Dani

Manchmal peinliche Situationen

Dani erinnert sich an die drei Jahre Volksschule mit Kamera so: „Manchmal hat es schon nervös gemacht. Es gibt natürlich immer wieder peinliche Situationen und wenn du dabei gefilmt wirst und die Kamera sehr nahe kommt, ist das nicht nur angenehm.“

KiJuKU: jetzt besuchst du welche Schule?
Dani: Das Joseph-Haydn-Gymnasium im 5. Bezirk.

KiJuKU: Wie war der Umstieg?
Dani: Ein bisschen schwierig, weil man neue Freunde finden musste. Die Umstellung auf mehrere Lehrerinnen und Lehrer war am Anfang auch ein bisschen schwierig, aber ich hab mich schon schnell daran gewöhnt.

Büro, Polizei, Fußball

KiJuKU: Hast du schon Berufswünsche?
Dani: Ich will im Büro arbeiten oder Polizist werden.
Ibro: Ich will auch im Büro arbeiten – und Fußballer werden.

KiJuKU: Spielst du schon lange Fußball in einem Verein?
Ibro: Seit ich sechs Jahre bin und jetzt bin ich elf.

KiJuKU: Welche Position spielst du vor allem?
Ibro: Linker Flügel.

KiJuKU: Wie oft trainierst du in der Woche?
Ibro: Drei Mal – und am Wochenende hab ich noch ein Match.

KiJuKU: Das geht sich alles neben der Schule aus?
Ibro: Jaja.

KiJuKU: du gehst in welche Schule?
Ibro: Ins Gymnasium Pichelmayergasse.

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Hier unten geht es zu eienr Besprechung des Films „Favoriten“

Szenenbild aus dem Film "Favoriten"

Meist auf Augenhöhe mit den Kindern

Musik erfüllt das Klassenzimmer, alle sind in Bewegung – zu englischen Sätzen. Voll fröhlich, angespannt und doch entspannend – eine internationale Klasse in der größten Ganztags-Volksschule Wiens Quellenstraße (vormals Bernhardtstalgasse). Ein engagiertes Filmteam – Kamera fast immer auf Augenhöhe der Kinder – begleitete die rund zwei Dutzend Schüler:innen UND ihre engagierte Lehrerin über fast drei Jahre lang. – von der 2. bis zur 4. Klasse.

Szenenbild aus dem Film
Szenenbild aus dem Film „Favoriten“

Nun kommt „Favoriten“ wie der Film nach dem gleichnamigen Bezirk heißt, in dem diese Schule liegt, in die österreichischen Kinos. Premiere hatte er schon beim weltberühmten Festival in Berlin, hat aber auch das heimische Filmfestival Diagonale in Graz vor Monaten eröffnet, war bei Festivals in Argentinien, Korea, Mexico, Hong Kong, der Türkei und vielen anderen Ländern.

Lernen, spielen, Exkursionen

Fast zwei Stunden lang sind die Kinder und ihre Pädagogin beim Lernen, Spielen, bei Ausflügen ins Hallenbad, aber auch in eine Moschee ebenso wie in die größte Kirche, den Stephansdom – zu erleben. Ihre Fragen, Berufswünsche, aber auch so manche Konflikte und Reibereien wie sie in jeder Klasse bzw. Gruppe vorkommen, sind zu sehen und hören – sowie der (versuchte) Umgang das jeweilige Problem zu lösen.

Szenenbild aus dem Film
Szenenbild aus dem Film „Favoriten“

Gelobt, ja gehypt wird der Film nicht zuletzt von vielen Menschen für die diese Einblicke in eine sehr multikulturelle Klasse recht neu sind. Die solche Kinder und Klassen nicht kennen, sondern sie nur – aus medialer Bezeichnung – als „Brennpunktschulen“ bzw. -klassen „kennen“ – oder eben nicht wirklich kennen. Aber auch jene, die solche Klassen und Schulen kennen, freuen sich, weil der Film die Kinder und ihre Lehrerin nicht als Problem behandelt, sondern sie – großteils – realistisch-positiv vor die Kamera holt; und nicht über sie sondern mit ihnen filmisch erzählt.

Keine Nachfolgerin

Und so „nebenbei“ kommen so manche Probleme des Schulsystems zur Sprache – das Fehlen von Unterstützungskräften aus Bereichen wie Psychologie, Sozialarbeit aber letztlich auch Lehrkräften selbst. Monatelang ist bekannt, dass die voll-engagierte Lehrerin mit Herzblut, Ilkay Idiskut, schwanger ist und etwa drei Monate vor dem Ende der vierten Klasse in Mutterschutz geht. Dennoch steht gegen Ende des Films der tränenreiche Abschied mit dem Satz, dass sie den Kindern nicht sagen kann, wer sie ab dem folgenden Tag unterrichtet. Ganz am Schluss ein Insert, dass wenige Tage danach doch eine klassenführende Lehrkraft gefunden wurde! Und das, so ist aus der Schule mit 32 Klassen und rund 750 Schüler:innen zu hören, „wahrscheinlich auch nur, weil der Film gedreht worden ist, sonst hätt’s vielleicht bis zum Schulende keine klassenführende Lehrkraft gegeben“.

Leider beschämende Momente

Trotz aller wertschätzenden filmischen Begleitung dieser drei Jahre muss kritisiert werden, dass es einige Momente und Szenen gibt, in denen Kinder sehr beschämt werden. Klar, sie kommen / kamen sich realistischerweise im Schulalltag mitunter vor. Aber muss beispielsweise minutenlang gezeigt werden, wie ein Kind verzweifelt unter deutlichem Prüfungsstress eine mathematische Aufgabe – trotz Hilfsversuchen – nicht lösen kann? Reicht es nicht, wenn so eine Situation in der Klasse passiert? Kann sie dann nicht besser wenigstens dem Schnitt zum Opfer fallen – gab es doch aus drei Jahren sicher Gigabyte an gedrehtem Material?

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Hier unten geht es zu einem Beitrag mit kurzen Interviews mit vier der Kinder aus dem Film

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Plakat zum Film
Plakat zum Film „Favoriten“
Sujetfoto zu "Die Nase"

Gogols „Nase“, gegensätzliche Erinnerungen und Trauma mit Witz

„Am 25. März geschah in Petersburg etwas ungewöhnlich Seltsames. Der Barbier Iwan Jakowlewitsch, der auf dem Wosnessenskij-Prospekt wohnte (sein Familienname ist in Vergessenheit geraten und selbst auf seinem Ladenschilde, das einen Herrn mit einer eingeseiften Wange und der Inschrift: »Und wird auch zur Ader gelassen« darstellt, nicht erwähnt), der Barbier Iwan Jakowlewitsch erwachte ziemlich früh am Morgen und roch den Duft von warmem Brot…“ – so beginnt die Kurzgeschichte „Die Nase“ von Nikolai Wassiljewitsch Gogol.

Probenfoto zu
Probenfoto zu „Die Nase“

Und mit dieser fast absurden Erzählung des vor allem für seinen „Revisor“ berühmten ukrainisch-russischen satirischen Schriftstellers (1809 – 1852) eröffnet das Hamakom /Theater Nestroyhof seine neue Spielzeit – es ist die 15. In der Regie von Nicolas Charaux spielen Okan Cömert, Jakob Immervoll und Lena Kalisch. Die beiden zuletzt Genannten lasen erste Auszüge aus dem Text bei der Präsentation des Spielplans durch die künstlerische Leiterin des Hauses, Ingrid Lang. Kurz danach verabschiedete sich das Schauspielduo samt dem Regisseur, um zu proben – schließlich findet die Premiere schon in der kommenden Woche statt (24. September – 19. Oktober 2024).
Übrigens: Laut wikipedia soll Gogol „eine übermäßig lange, spitze Nase“ gehabt haben 😉

Wem gehört die Erinnerung und welche stimmt?

Der sonntägliche Brunch zur Vorstellung des umfangreichen Programms – auf Bühne und im Foyer für Diskussionsrunden – das hier nicht in voller Länge wiedergegeben wird, beinhaltete noch weitere „Teaser“. So erzählten Patrick Rothkegel und Hannes Starz von einem Theater-Film-Theater-Projekt, an dem sie gemeinsam mit Marianne Andrea Borowiec arbeite(te)n: „Zwischen Türen im Platanenwald“. In der Corona-Zeit als Stück geschrieben – zum Film auf der Bühne geworden fürs Streaming-Angebot im Lockdown – wurde es erweitert und so zu einem neuen Bühnenstück mit integriertem naturnahem Film – aus dem schon Ausschnitte aus einer Rohfassung gezeigt wurden. Die Geschwister Erie und Sess treffen nach Jahrzehnten wieder aufeinander und durchwandern die Wohnung ihrer Kindheit – als sie hier gemeinsam gelebt haben. Und an die sie nun komplett unterschiedliche Erinnerungen haben. (6 – 16. November 2024)

Anfänge in der Mathestunde geschrieben

Schließlich gab’s noch eine live gelesene Hörprobe aus „Langsam ohne zu zögern“ (Dialogue de survie) von Elise Hofner und Samuel Machto. Das Theaterstück mit Tanz und Musik hatte vor fünf Jahren seine Uraufführung in der Schweiz (Théâtre de l’Oriental in Vevey), vor zwei Jahren im Hamakom in Originalsprache (Französisch) und wird im März 2025 (4. – 12. 3.) in einer überarbeiteten Fassung erstmals auf Deutsch gespielt.

Noch während ihrer Schulzeit in Lausanne (Schweiz) – vor allem in den Mathestunden – hatte Elise Hofner an diesem Text zu schreiben begonnen. Ihr fehlten Geschichten über das Danach – was geht in Überlebenden von Konzentrationslagern vor, wie kommen sie mit dem Erlebten / Erlittenen zurecht? Oder geht das überhaupt? Wenige Zeitzeug:innen-Berichte (Simone Weil, Imre Kertész) hatte sie zu diesen Gedanken angeregt. Und daraus wurde die Geschichte von Eric und Margot, die einander nach der Befreiung von Auschwitz von Polen nach Paris kennenlernen. Beide sind nun allein – alle anderen Familienangehörigen waren ermordet worden. Zumindest vorübergehend leben sie in derselben Wohnung. Trotz der traumatischen Geschichte ist es der Autorin gelungen, so manch komische Szene in den neuen Alltag einzubauen. Aus diesen lasen Co-Regisseur Samuel Machto, Schauspielerin Roxana Stern und die Regie-Anweisungen Produktionsleiterin Inès Khannoussi.

(Co-)Autorin Elise Hofner betonte aber, Text und Stück sollten nicht nur auf die konkrete historische Zeit beschränkt bleiben, sondern sie will es als universelles Thema sehen.

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hamakom

SOS-Kinderstimmzettel - von KiJuKU zerlegt und die beiden Hälften nebeneinander platziert

Auch Kinder sollen abstimmen können

Erwachsene sollen Kinder nach ihrer Meinung fragen und ernst nehmen. Menschen sollen Natur, Pflanzen und Tiere schützen. Es soll draußen genug Platz für Kinder und sichere Wege geben. – dies sind drei von acht möglichen Themen, die Kinder auf einem eigenen Stimmzettel mit bunten Zeichnungen ankreuzen können. Es finden sich noch Sätze und Bilder zu Schule und lernen, Familie und Freunde, Gesundheit, Spielen und Sport sowie Handy und Computer.

Erst ab 16 und das ist schon pionierhaft

In Österreich dürfen Menschen ab 16 Jahren wählen – das gilt in Europa nur noch in Malta; und für die EU-Parlamentswahlen im Frühjahr wurde das Wahlalter auch in Belgien und Deutschland gesenkt. Viele nicht nur 16-Jährige, sondern auch viel ältere Menschen, die schon laaaaange in Österreich leben, dürfen dennoch nicht wählten, sie haben sozusagen den „falschen“ Pass, einen anderen als den österreichischen.

Alle sollen wählen dürfen

Wer – unabhängig von der Staatsbürger:innenschaft – nicht wählen darf sind jüngere Menschen. Da sind auch Wünsche und Forderungen von Kindergipfeln und Initiativen wie den „KinderRÄchTsZÄnkern“ (Deutschland), die sich für das Wahlrecht ganz unabhängig vom Alter einsetz(t)en, längst in „Vergessenheit“ geraten. Damals verlangten Kinder immer wieder „alle sollen wählen dürfen“. Und so manch beispielsweise erst 12-Jährige stellten unter Beweis, dass sie sich mindestens so viele Gedanken über ihre und die Zukunft der Gesellschaft mach(t)en wie Menschen, die schon Jah(zehnt)e älter sind.

SOS-Kinderstimmzettel
SOS-Kinderstimmzettel – oben ist er von KiJuKU zerschnitten und die beiden Teile sind nebeneinander gestellt

Aktion

So wie es die „Pass Egal“-Wahl als zivilgesellschaftliche Initiative gibt, so startete beispielsweise auch SOS Kinderdorf die Aktion „Kinderstimmen-Wahl 2024“.

Auf bunten Stimmzetteln mit Text und Zeichnungen sind acht Felder angeführt, von denen Kinder drei ankreuzen können – siehe Bild – und in einem weiteren Feld ganz anderes dazuschreiben oder -zeichnen können.

Mitbestimmung

Darüber hinaus gibt es auch andere Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche direkt in ihren Gemeinden und Städten mitbestimmen zu können – von Kindergemeinderät:innen bis zur Partizipation an der Wiener Kinder- und Jugendstrategie – siehe Link unten – oder beim Einbringen von Ideen und Abstimmen über Projekte zur Wiener Kinder- und Jugend-Million.

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Amy, Mia, Kiara (hinten von links nach rechts) sowie Noah, Alesia, Ibtisam und Michelle (vorne, v. li.) vom Gymnasium Am Augarten stellen die Idee ihres "Kultur-Balkons" vor

Alle Kinder und Jugendlichen Wiens dürfen mitreden

Seit 17 Jahren dürfen in Österreich bei allen Wahlen Jugendliche ab 16 Jahren wählen. Aber nicht alle. Selbst solche, die ihr ganzes Leben – vielleicht mit Ausnahme von Urlauben oder Sprachwochen – in Österreich verbracht haben, dürfen ihre Stimme nicht abgeben, wenn sie nicht die österreichische Staatsbürger:innenschaft haben. Und die ist nicht einfach und auch nicht billig zu kriegen.

Und wer vielleicht mit zwölf, 13 oder 14 und 15 sehr interessiert und engagiert ist, hat gar kein Wahlrecht – was übrigens schon in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts bei Kindergipfeln in Österreich vor allem im steirischen Mürzsteg – gefordert worden ist.

Großgruppenfoto der Abgeordneten des Kinder- und Jugendparlaments sowie der wienXtra-Mitarbeiter:innen und von Stadtpolitiker:innen
Großgruppenfoto der Abgeordneten des Kinder- und Jugendparlaments sowie der wienXtra-Mitarbeiter:innen und von Stadtpolitiker:innen

Seit fünf Jahren und für die nächsten fünf Jahre

Wo aber Kinder und Jugendliche sehr wohl – unabhängig von Staatszugehörigkeit und Alter – mitbestimmen können / dürfen / sollen ist unter anderem die erneuerte Kinder- und Jugendstrategie 2025 bis 2030 der Stadt bzw. des Bundeslandes Wien. Schon vor fünf Jahren hatten rund 22.500 Kinder und Jugendliche in mehr als 1300 Workshops der Aktion „Werkstatt Junges Wien“ ihre Ideen, Wünsche, Forderungen, Anregungen und Kritiken eingebracht, um die Stadt kinder- und jugendfreundlicher zu gestalten. Am 30. Geburtstag der Kinderrechtskonvention (20. November 2019) hatte die Aktion im großen Festsaal des Wiener Rathauses ihren demokratischen Abschluss gefunden.

Seither fanden als Ergebnisse und Fortsetzungen mehrmals Kinder- und Jugendparlament statt, ebenso konnten junge Menschen aus Wien über die Vergabe von jeweils insgesamt einer Million Euro bestimmen. Ebenfalls ein Ergebnis sind die Wiener Ehrenamtswochen und indirekt auch die Wiener Bildungs-Chancen.

Die Jüngsten im Kinder- udn Jugendparlament kamen aus einem Kindergarten
Die Jüngsten im Kinder- udn Jugendparlament kamen aus einem Kindergarten

Neue Gesamt-Strategie

Und nun haben alle Wiener:innen – wie schon erwähnt unabhängig von ihrem Pass – zwischen 5 und 20 Jahren die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen. Bis 18. Oktober 2024 werden über Fragebögen die Meinungen, Ideen, Anregungen und vieles mehr der Kinder und Jugendlichen zu Themen wie Freizeitangeboten, Mobilität, Klima, Sicherheit und vieles mehr erhoben – mehr dazu in der Info-Box.

Schnappschüsse am Rande des Kinder- und Jugendparlaments am 17. Oktober 2022 im Festsaal des Wiener Rathauses
Schnappschüsse am Rande des Kinder- und Jugendparlaments am 17. Oktober 2022 im Festsaal des Wiener Rathauses

Regelmäßiges Abklopfen und Ergänzungen

Die ausgewerteten Fragebögen sind dann in der zweiten Phase bei Kinder- und Jugendparlamenten die Basis für konkrete Wünsche, Forderungen, Anregungen, die in die „Kinder- und Jugendstrategie“ bis 2030 einfließen.

Dabei soll’s aber nicht bleiben – in den Folgejahren verpflichtet sich Politik und Verwaltung, „jährlich mit dem Wiener Kinder- und Jugendparlament konkrete Maßnahmen zu den in der Kinder- und Jugendstrategie formulierten Handlungsfeldern zu erarbeiten“.

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Abschluss von Werkstatt junges Wien <- damals noch im Kinder-KURIER

Screenshot der Startseite von Junges Wien zur Umfrage zur neuen Kinder- und Jugendstrategie
Screenshot der Startseite von Junges Wien zur Umfrage zur neuen Kinder- und Jugendstrategie
Szenenfoto aus "Gute Kinder" im Theater Arche

Was denkt eine vielleicht Demente?

Ungewöhnliche Bühnensituation im TheaterArche. Neben der Tribüne für das Publikum befinden sich auf der Bühnenfläche noch auf den Seiten und im Hintergrund je eine Sitzreihe. Die Bühne ist ein viereckiges Podest, umgeben von einem schmalen Wassergraben. Auf dieser – von rundum zu betrachtenden Bühne – sitze eine ältere Frau fast regungslos im Rollstuhl, links und rechts von ihr zwei dunkelblau-weiß gekleidete junge Frauen, die zu Beginn auf dem Boden links und rechts der Räder sitzen. Der einzige Mann im Schauspielensemble für „Gute Kinder“ sitzt auf einem Publikums-Sitz hinter/ vor der Bühne.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Gute Kinder“ im Theater Arche

Spannende Umsetzung

Schon da kündigt sich an, die Umsetzung dieses erst kürzlich erschienenen Romans von Andrea Heinisch – Buchbesprechung kürzlich hier erschienen, unten verlinkt – wird ungewöhnlich. Der nicht ganz 200 Seiten starke Text, der versucht, sich in die innere, höchstwahrscheinlich sehr verschlossene Gedankenwelt einer dement werdenden Person hineinzuversetzen, wird nicht banal als möglicher Monolog oder gar als Kammerspiel lebendig. Das würde der Intention des tief- und hintergründigen Textes nicht gerecht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Gute Kinder“ im Theater Arche

Mix aus leerem und wachem Blick

Carola von Herder, die Verkörperung der Inge aus dem Roman, bleibt die die nicht ganz eineinhalb Stunden fast durchgängig sprach- und bewegungslos – aber nicht ganz, alles sei aber nicht gespoilert. Selbst ihre Gesichtszüge hat sie eng unter Kontrolle – wie eingefroren. Nur die Augen strahlen einen Mix aus ins Leere starren und dennoch permanent wach sein aus – eine Art starker hintergründiger Präsenz. Margot Binder und Eszter Hollósi verleihen den Gedanken und Gefühlen von Inge ihre Stimmen und ihre Bewegungen, switchen mitunter aber auch in die Rolle von Inges Tochter Helene. Die beiden schweben immer wieder vom Bühnen-Podest neben der Publikumstribüne hoch und sprechen von dort – womit sich die Zuschauer:innen in diesen Szenen sozusagen fast im Inneren von Inges Gedankenwelt befinden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Gute Kinder“ im Theater Arche

Thyl Hanscho, der anfangs auf einem Zuschauer-Sessel sitzt, entert das Bühnenpodest als Pfleger im Heim, in dem Inge nun lebt, nachdem sie ihre eigene Wohnung angezündet hat. Manfred, immer nur Manni genannt, ist Zivildiener, taucht aber auch nach seinem Urlaub wieder im Heim auf und ist immer wieder Auslöser für Inges zärtliche Erinnerungen an ihren (verstorbenen) Ehemann Herbert.

Viele Sichtweisen

Jakub Kavin, Co-Leiter des Theaters, hat – so verrät der Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – „schon vor Monaten den Text des Romans bekommen (der erst kürzlich erschienen ist – Anm. d. Red.). Aber mir war schon bald klar, dass ich das in dieser Art umsetzen will. Für die Stückfassung und die Dramaturgie hat dann Ute Bauer gesorgt.“

Trotz der klaren Grundlinie hat sich vieles erst im Probenprozess ergeben, nicht zuletzt, dass Inge immer weniger zu sagen und zu tun hatte – mit ganz wenigen Ausnahmen. Und dennoch stark präsent bleibt. Wobei das Spiel des Quartetts auf der Bühne (Kostüm & Bühnenbild: Isabella Farkasch; hin und wieder Musik:  Florin Gorgos) nicht nur das Verschwimmen zwischen realer Welt um und der inneren Gedankenwelt Inges sowie deren zunehmende „Vergesslichkeit“ anschaulich nachvollziehbar erleben lässt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Gute Kinder“ im Theater Arche

Das Stück ließe trotz der vordergründigen Demenz-Geschichte durchaus die Interpretation von Aneinander vorbei Reden offen. Genauso aber auch das Zurecht-zimmern einer eigenen überschaubaren kleinen Welt angesichts der zunehmend komplexer werdenden rundum.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Gute Kinder“ im Theater Arche

Vielschichtig

Der neben der Geschichte auch literarisch spannende Text eröffnet in dieser Bühnenfassung und der Spielweise samt der interessanten Gestaltung viele Sichtweisen – und sorgt neben dem Ernst der Story immer wieder auch für humorvolle Elemente und nicht zuletzt Lebensfreude. Die Roman-Tutorin Andrea Heinisch hat sich nie in den Probenprozess eingemischt und das Ergebnis auch erst bei der Premiere gesehen. Ihr gefiel, wie sie KiJuKU.at anvertraute, „vor allem die Figurenzeichnung und dass bei Inge trotz allem auch etwas Widerständiges geblieben ist“.

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Autorin Andrea Heiniscch mit ihrem fast druckfrischen Buch "Gute Kinder"

In unzugängliche Gedankenwelten hineinversetzt

Wie ein Eintauchen in fremde Welten – mit doch immer wieder vertrauten Elementen und Gedanken – so lesen sich die nicht ganz 200 Seiten des Romans „Gute Kinder“ von Andrea Heinisch. Vordergründig ist Inge Heiligstetter (vielleicht?) dement. Möglicherweise aber ist sie „nur“ dabei sich aus der vordergründig sie umgebenden Welt schritt- und schubweise zurückzuziehen, sich von dieser abzugrenzen, in ihr Innerstes, ihre Gedanken zu verkriechen – um (endlich?) sie selbst sein zu dürfen? Jedenfalls in eine eigentlich praktisch unzugängliche (Gedanken-)Welt, könnte eine demente Person sie wohl so gar nicht äußern.

Die Story

Wie auch immer, zunächst kurz die äußeren Eckpunkte: Die ältere Frau zündet ihre eigene Wohnung an, wird in einem Pflegeheim untergebracht. Regelmäßig besucht ihre Tochter Helene sie mit deren beiden Kindern Alexander und Sophie. Die Mutter wirft der Tochter – in Gedanken – immer wieder Unehrlichkeit vor – und outet spät eine große Lüge in der sie selbst Helene aufwachsen hat lassen. Einzig wirklich vertraute Person ist der Pfleger Manfred, genannt Manni. Den Zivildiener, den sie manchmal neckisch-provokant als „Wehrdienstverweigerer“ bezeichnet, verknüpft sie nicht selten mit Erinnerungen an ihren Ehemann Herbert.

Odyssee

Diese äußeren Koordinaten sind aber weitgehend nur Ankerpunkte, der Autorin gelingt etwas fast Unglaubliches: Sich – und damit ihre Leser:innen – in die von außen kaum vorstellbare, unzugängliche (Gedanken-)Welt dieser Inge zu versetzen. Selbst wenn sie vordergründig wirklich dement sein sollte, heißt das ja nicht, dass solche Menschen blöd sind. Was geht in ihrem Kopf vor, was bewegt sie, wie sieht (eine wie) sie die Welt rund um sich; bzw. wie und was könnte sich in Inges – und vergleichbarer Personen – Hirn und Herz abspielen?

Das Buch zum Verkauf bei der Theaterkasse im TheaterArche, wo die Dramatisierung des Romans gespielt wird
Das Buch wird auch bei der Theaterkasse im TheaterArche verkauft, wo die Dramatisierung des Romans gespielt wird

Zitate

Ein spannendes Gedankenexperiment der Autorin – noch dazu in immer wieder beeindruckenden poetischen Formulierungen und verspielten Wortbildern wie zum Beispiel folgende Zitate:

„Lieber verrückt als alt werden. Nur mit Lügen geht das, sage ich. Den Worten einfach fremde Kinder unterschieben, Kuckuckskinder. Der Freiheit die Fesseln, den Fesseln die Freiheit. Der Liebe die Gemeinheit, der Gemeinheit die Liebe. Der Lüge die Wahrheit, der Wahrheit die Lüge. Das geht im Handumdrehen.“ (S. 72)

„Zufallen meine ich, wie die Erinnerungen ja auch nur zugefallene Türen sind, dahinter das blühende Leben, sagt man.“ (S. 142)

„Herbert, sage ich, du fehlst mir jeden Tag aufs Neue. Ich weiß, sagt er und hat so tiefe Augen, dass meine Traurigkeit hineinpasst wie in einen Brunnenschacht. Oder ist es seine Traurigkeit, die ich da sehe? Ich weiß es nicht, ich habe es vergessen.“ (S. 163)

„Was ist, wenn die Zeit kommt, in der ich nichts mehr weiß, nicht dich und nicht mich. Wenn es keine Fenster mehr gibt und die Türen verschwunden sind, sogar die zum Balkon. Alles ganz offen oder ganz zu, das kommt aufs selbe raus.“ (S. 169)

„Das, sagt sie und zeigt irgendwohin, könnte ein Spiegel sein oder das Waschbecken. Was ist schon ein Spiegel, was ist schon ein Waschbecken, was sind schon Worte, wenn sie die Zeitlöcher nicht einmal mehr notdürftig überdecken können.“ (S. 172)

Und nicht zuletzt lässt die Autorin ihre Protagonistin immer wieder tiefschürfend und allumfassend philosophieren: „Wer werde ich sein, wenn ich längst zu Ende bin.“ (S. 36)

Viel recherchiert

Sie selbst habe bei dement werdenden / gewordenen Personen in ihrem Umfeld genau hingeschaut und hingehört und viel darüber gelesen und recherchiert, meinte die Autorin am Rande der Uraufführung einer dramatisierten eigenständigen Version ihres Romans im Theater Arche zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – dazu gibt’s hier demnächst einen eigenen Beitrag.

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Titelseite des Romans
Titelseite des Romans „Gute Kinder“
Doppelseite aus dem Bilderbuch "Erinnerst du dich?"

Verblassende oder verschwommene Erinnerungen?

Die meisten der gemalten Bilder wirken eher verschwommen. Sind die Erinnerungen verblasst? Sollen/ wollen sie nie zu nahe kommen? Eher düster gehalten sind die Doppelseiten der großformatigen Köpfe von Mutter und Kind – eher nah, fast aneinander gekuschelt – und doch irgendwie von den Blicken her (weit) entfernt.

Bunter – und doch auch verschwommen – jeweils mehrere kleinere Bilder mit Wiesen-Picknick oder ersten Radfahr-Erlebnissen. Da war noch Papa mit im Spiel. Dann die Abfahrt – unausgesprochen – ohne Vater. Weite Reise, Ankunft in einer neuen Unterkunft.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Erinnerst du dich?“

Zwischen den Zeilen, da und dort angedeutet, sowie in den Bildern schwingt viel an Gefühlen mit, die nicht einfache Zeiten zuvor andeuten. „Erinnerst du dich?“ – geschrieben und gezeichnet von Sydney Smith (Übersetzung aus dem Englischen: Bernadette Ott) lässt viele Spielraum für Interpretationen, Anlass für Gespräche über Gefühle – vom Weggehen und Ankommen sowie Neu-Anfängen ohne Altes wegzuwischen oder zu vergessen. Und mit einem – sorry fürs Spoilern – doch eher hellen letzten Bild, das Zuversicht und Geborgenheit vermittelt.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Erinnerst du dich?“
Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing

„Hab nur was in Medien stand in die erfundene Mord-Geschichte verbraten“

Knapp mehr als 400 Seiten, türkiser Einband, stilisierte schneebedeckte Berggipfel, Titel „Freunderlwirtschaft“ – der Kriminalroman ist eine Art Schlüsselloch-Polit-Thriller mit so manch bekannten Versatzstücken wie berühmt gewordenen Chats. Und doch eine fiktive Geschichte, wie Autorin Petra Hartlieb schon auf der Seite bevor die Story beginnt, in drei Zeilen schreibt: „Auch wenn Sie glauben, dass Ihnen in diesem Roman einiges bekannt vorkommt, möchte ich betonen: Die Geschichte ist zur Gänze von mir ausgedacht.“

Wenngleich schon immer wieder von realen Ereignissen, Vorkommnissen und den entsprechenden Medienberichten inspiriert – wie zu lesen, die Autorin im Gespräch doch einräumt. Mitunter habe die Wirklichkeit allerdings – wie oft auch im Kabarett – die Kunst überholt. Standen da im Text Passagen von denen, sie vom Verlag hörte, das könne es doch gar nicht geben – und einige Zeit später standen ähnliche Dinge in den Medien…

Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing
Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing

Zu einer Besprechung des Buches, eines absoluten Page-Turners, geht es in einem eigenen Beitrag – Link weiter unten. Hier ein Gespräch im Hinterzimmer, eher Kämmerchen, hinter den bis an die Decke mit Büchern gefüllten Regalen der kleinen Buchhandlung der Autorin in Wien-Währing. Bevor sie die Buchhandlung übernommen hat, veröffentlichte Hartlieb schon Krimis, in der Zwischenzeit auch Kinderbücher – eines über diese Buchhandlung und zwei Krimis.

KiJuKU: Wie kam es zu „Freunderlwirtschaft“?
Petra Hartlieb: Der Dumont-Verlag hat bei mir angefragt, ob ich nicht wieder einmal was veröffentlichen wolle. Den großen Roman, den ich vorhab, konnte ich nicht anbieten – da brauch ich fünf Jahre und das geht sich neben der Buchhandlung nicht aus. Dann haben wir die Idee entwickelt, einen richtig coolen Österreich-Krimi zu machen, nicht einen Regionalkrimis, sondern einen richtigen Polit-Thriller, der in Österreich spielt.

KiJuKU: Und wie kam’s zu dem Plot?
Petra Hartlieb: Immer wenn ich nach dem Ibiza-Video auf Lesereise in Deutschland unterwegs war, haben viele Leute gefragt: Was ist denn bei euch in Österreich los? Erklär uns die Innenpolitik, was ist mit den ganzen Chats. Das hat mich so inspiriert und ich hab mir gedacht: Ich mach’s mir nicht ganz einfach und leg eine Putzfrau in den Garten. Dann hatte ich die Idee dieses toten Ministers. Am Anfang lag der in seiner Penthouse-Wohnung und ich hab mir da noch nicht so richtig überlegt, was das alles bedeutet, wenn du einen Politiker im Krimi umbringst. Das wird dann ja sehr.

Zwischendurch die Idee verflucht

KiJuKU: Inwiefern?
Petra Hartlieb: Ich hab dann wahnsinnig viel recherchiert, hab zum Glück viele Bekannte und Freund:innen in diversen Jobs – sprich Justiz, Ministerium, Polizei, Anwaltskanzleien. Die hab ich alle ausgequetscht, weil das alles Hand und Fuß haben sollte. Bei Mord im privaten Bereich ist die Kriminalpolizei zuständig, bei einem hochrangigen Politiker hast du sofort den Staatsschutz dabei, Innenminister, Polizeipräsidenten reden mit. Die nette Idee hat sich dann bald als sehr arbeitsintensiv entpuppt.

Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing
Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing

KiJuKU: Aber aufgeben war keine Option, oder?
Petra Hartlieb: Zwischendurch hab ich’s schon immer wieder einmal verflucht, dass mir das eingefallen ist. Aber aufgeben? Nein, der Anspruch war schon da, dass es so recherchiert ist, dass jemand der es liest und in der Polizei arbeitet oder einem Ministerium, sich nicht ärgert und sagt: So ein Blödsinn, das stimmt ja alles nicht.
Es war auch nicht geplant, dass der Krimi so dick wird, aber weil’s eben so komplex ist, war klar, dass es nicht auf 200 Seiten zu erzählen ist. Und ich wollt’s einfach gut machen und hab dann eben statt einem Jahr zweieinhalb Jahre dafür gebraucht.

Tausendsassa

KiJuKU: Wann hast du begonnen?
Petra Hartlieb: Ich hab den Vertrag im Frühjahr 2021 unterschrieben und das Exposé abgegeben. Aber zu meiner „Entschuldigung“ muss ich sagen, ich hab dazwischen drei Kinderbücher geschrieben.

KiJuKU: Und du hackelst in der Buchhandlung…
Petra Hartlieb: … und ich mach einen Podcast alle 14 Tage.

KiJuKU: und wie schreibst du dann?
Petra Hartlieb: Ich arbeit ja nicht jeden Tag in der Buchhandlung.

KiJuKU: Aber so anfallartig geballt?
Petra Hartlieb: Immer wieder, aber auch oft zwischendurch. Ich brauch nicht den großen leeren Schreibtisch, ich kann wahnsinnig gut im Zug schreiben oder auch in einem Notizbuch, wenn ich auf der Donauinsel sitz – nicht in jeder Schreibphase, aber es gibt solche Zeiten. Aber bei diesen zwei Erzählperspektiven dieses Buches hast du dann schon das Problem, wenn du zwei Wochen das Manuskript nicht aufmachst, dass du dann vergessen kannst, wo bist du jetzt eigentlich. Das war dann am Schluss die schwierige Arbeit, das alles richtig zusammenzubasteln – da waren schon etliche Anschluss- und Ablauffehler drinnen, die ausgebessert werden mussten.
Wenn ich nix anderes tun hätte müssen, hätte ich’s vielleicht in einem halben Jahr runtergeschrieben.

Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing
Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing

Figur hat sich ins Buch reingeschummelt

KiJuKU: Schreibst du eher chronologisch oder einzelne Passagen und Kapitel, die dir einfallen und fügst sie erst dann in die Zeitleiste?
Petra Hartlieb: Total chronologisch. Die zweite Erzählebene, diese Jessica, die mit dem Minister in der Penthouse-Wohnung lebt, hat sich so ein bissl ins Buch reingeschummelt.

Bald einmal hab ich mir überlegt, es ist so langweilig, immer nur aus der Perspektive der Kommissarin zu schreiben, weil dann weißt du ja immer nur, was die weiß. Dann geht sie alle im Ministerium befragen und so, ein bissl Privatleben hat sie zwar auch – aber das ist ja eher alles nicht füllend. So hab ich mir gedacht, ich brauch eine zweite Erzählperspektive. Dann ist diese Frau ins Spiel gekommen, die am Anfang eine normale handelnde Figur war, die immer wichtiger geworden ist. Zwischen den beiden immer hin und her zu springen hat mir total Spaß gemacht, weil das eine Abwechslung war und die einfach zwei total unterschiedliche Frauentypen hast, die beide das Gleiche wollen.
Das war nicht so geplant und hat sich beim Schreiben so entwickelt.

KiJuKU: Aber es gab sie von Anfang an?
Petra Hartlieb: Ja, als Verlobte des Ministers, aber dass sie so ein eigenständiges Profil kriegt, ist wirklich erst beim Schreiben entstanden. Das war zeitweise so, dass ich mir selber gedacht habe: Wer ist das eigentlich? Warum macht die das? Wie kommt die dazu, mit so jemandem zusammenzuleben? Ich wollt das dann selber verstehen!

Das geht auch ein bissl weg vom krimi-Plot, sondern um die Figuren – wer sind die, wo kommen die her, was treibt die an? Mich interessiert ja auch, wo so Typen wie dieser Minister herkommen. Du wirst ja nicht als Arschloch geboren. Und viel, die jung in die Politik gehen, die wollen ja irgendwas. Die haben vielleicht ein anderes Weltbild als ich, aber die wollen was verändern. Ganz viele, sicher nicht alle!

Und in welche Richtung du dich entwickelts ist ein großer Zufall: Wo bist du in die Schule gegangen, wer sind deine Freunde…

Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing
Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing

Vorgeschichte

KiJuKU: Und Idee Vorgeschichte der Kommissarin Alma Oberkofler, wie sie als Kind aus persönlichem Erleben den Vorsatz fasst, Ermittlerin zu werden – war die auch von Anfang an da?
Petra Hartlieb: Schön, dass du fragst. Ich hatte ungefähr 150 bis 200 Seiten und hab die meiner Verlegerin geschickt. Die Rückmeldung war großartig, aber sie hat gefragt: Diese Alma, die kann ich nicht fassen, die kapier ich überhaupt nicht.
ich war da gerade in Costa Rica, sitz spät am Abend am Pazifik-Strand, es war urlaut wegen der Wellen, ich konnt nicht schlafen, hatte keinen Laptop mit, sondern nur ein Notizbuch und plötzlich ist mir wie aus dem costa-ricanischen Sternenhimmel dieses Geschichte eingefallen. Ich weiß auch nicht, wo die herkommt, aber ich hab diese Vorgeschichte so plötzlich im Kopf gehabt, warum die unbedingt Polizistin werden will. Wie im Fieber hab ich in der Nacht zehn Seiten im Dunklen aufgeschrieben.

KiJuKU: Ich find die auch sehr schlüssig uns spannend, hab allerdings gewartet, dass die irgendwann im Buch auch aufgelöst wird.
Petra Hartlieb: Das ist eine Geschichte, die du nun in mehreren Bänden weitertreiben kannst.

Fortsetzung(en)?

KiJuKU: Das heißt, die Alma ermittelt in weiteren Büchern?
Petra Hartlieb: Die wird sicher fortgesetzt. Diese Geschichte begleitet Alma in ihrem Leben, sie wird sicher einmal darüber stolpern. Aber das ist die Vorgeschichte, mit der ich die Figur der Alma so ein bissl in den Griff gekriegt habe. Ich hab sie dann auch besser verstanden, warum sie so in bissi verkorkst ist.

KiJuKU: Das heißt, Fortsetzungen sind fix?
Petra Hartlieb: Der zweite Band ist schon in Arbeit.

Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing
Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing

KiJuKU: Der zweite Krimi spielt auch wieder in der Politik?
Petra Hartlieb: Der Kriminalfall wird schon wieder etwas mit Politik zu tun haben, aber natürlich nicht in dieser Blase. Aber wenn du mit so einem Polit-Thriller beginnst, würdest du die Leserinnen enttäuschen, wenn du im zweiten Band den Kriminalfall im privaten Milieu ansiedelst. Aber Politik ist ja überall – das können Verfehlungen im Altenheim sein, das kann ein Bombenattentat sein, das kann im Krankenhaussektor sein… aber es wird sicher nicht so ein „who done it“ und dann ist der Gärtner der Mörder-Krimi sein.

Alles erfunden?

KiJuKU: So ganz alles ist ja nicht – wie du in den Vorzeilen schreibst – erfunden?
Petra Hartlieb: Ich hab keine Whistle-Blower gehabt, ich hab ja nur was in Zeitungen zu lesen war in die erfundene Geschichte verbraten. In der Szene wo der Minister als er noch gelebt hat, seiner Medienabteilung sagt, wir brauchen wieder einmal eine positive Geschichte und er schaltet ein paar Inserate, damit er zu einer solchen kommt… Da hat mein befließener, braver, junger, deutscher Lektor am Rand dazugeschrieben: „Das ist ja ein Skandal, das musst du aber auserzählen.“ Und ich hab dazu geschrieben: „Nein, das ist in Österreich total normal! Und nicht nur bei dieser Blase – es gibt ja auch die Anspielung an den SPÖ-nahen Club 45, den Udo Proksch und diese Blase.

KiJuKU: Wer außen vorbleibt ist allerdings die blaue Blase mit auch so manch dubiosen Geschäften um Ideenschmiede oder diverse Korruptionsfälle.
Petra Hartlieb: Genau, vielleicht nehm ich mir dir im nächsten Krimi vor. Der zweite Band wird bläulich werden. So ganz will ich’s noch nicht verraten, aber es wird auf jeden Fall ein blauer Umschlag werden.

KiJuKU: Wirst du am zweiten Band auch so lange schreiben?
Petra Hartlieb: Da werd ich vor allem am Schluss mehr Zeit einplanen – das nehm ich mir vor. Die zwei Wochen dieses Mal in einer Stipendien-Wohnung in Venedig, um alles auszubessern, was an Anschlüssen und Übergängen nicht funktioniert hat, waren zu kurz. Da hatte ich zwei Excel-Tabellen erstellt – in der einen die Tage der Ermittlung in der anderen vor allem Jessicas Flucht mit der Zeitverschiebung. Und ganz knapp vor Drucklegung ruft der Lektor an: Du, die Jessica liest in Costa Rica etwas im Internet etwas, das zu dem Zeitpunkt in Österreich noch gar nicht passiert ist…

KiJuKU: Kam so auch auf Seite 312 die Zeitungsmeldung über den Mord am Minister am 17. März zustande, obwohl du viel weiter vorne vom 10. April als dem Tag nach dem Mord schreibst und Alma überhaupt erst am 1. April ihren Dienst in Wien angetreten hat? Ich hatte gegrübelt, ob du da eine versteckte Kritik an ungenauer Berichterstattung von Medien eingebaut hast?
Petra Hartlieb: Nein, das wäre zu sophisticated, das ist ein Fehler, den gibt’s wie alle anderen in der zweiten Auflage nicht mehr. Du bist überhaupt erst der Dritte, dem das aufgefallen ist. Dass Burgenland aber „nur“ flach ist, das bleibt als Scherz, auch wenn du zurecht sagst, es gibt das Leitha Gebirge und den Geschriebenstein…

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Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing

Der Kriminalfall ist ausgedacht – manch anderes nicht

Ein schwerer türkischer „Ziegel“. Doch die 407 Seiten von „Freunderlwirtschaft“ lesen sich sehr, sehr schnell. Ein Krimi. Nicht irgendeiner – ein Polit-Thriller. Den Mord an einem Minister in einer noblen Wiener Penthouse-Wohnung hat sich die bekannte Autorin Petra Hartlieb ausgedacht, ebenso eine Korruptionsgeschichte um die dubiose Verbauung eines Tiroler Alpengletschers.

Wobei… – so manche Szene, und das eine oder andere berühmt gewordene Zitat aus Chats – kommen österreichischen Leser:innen bekannt vor. Da brauchen sie gar nicht so besonders aufmerksam das politische Geschehen der vergangenen Jahre verfolgt haben. Meldungen und Berichte aus Medien hat Hartlieb, die schon bisher Krimis veröffentlicht hat, in der fiktiven Story „verbraten“, wie sie in einem ausführlichen Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, erzählt.

Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing
Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb in ihrem Geschäft in Wien-Währing

Zweite Erzählperspektive

In dem Gespräch verrät sie auch, wie Jessica, die vermeintliche Lebensgefährtin des Ministers, von einer Randfigur immer mehr zu einer wichtigen Person beim Schreiben ins Buch „geschummelt“ hat. Und der Roman damit eine zweite Erzählperspektive anbietet. Und über sie baut die Autorin einige Szenen aus Costa Rica ein – das Land kennt Hartlieb aus mehreren Reisen – nicht zuletzt in den „Regenwald der Österreicher“.

Manches Mal sei sie angesichts schon geschriebener Passagen sogar erschrocken, wenn wirkliche Ereignisse oder Berichte über solche fast die Fiktion überholt hätten, gesteht die Autorin im Interview – und kündigt bereits einen zweiten Band – mit blauem Einband an.

Hartlieb hat auch schon Kinderbücher – zwei Krimis und eine Version für junge Leser:innen ihres Bestsellers „Meine wunderbare Buchhandlung“ – die wahre Geschichte ihres Geschäftes in Wien-Währing – veröffentlicht.

Und apropos Kinder/ Kindheit: Die Autorin beginnt ihren Roman mit einer Vorgeschichte vor mehr als 30 Jahren. Die ermittelnde Kommissarin des Mordfalls, Alma Oberkofler ist da zwölf Jahre alt und sie beschließt – der tragische Grund in nächster Nähe sei hier nicht gespoilert – Polizistin zu werden, um später Kriminalfälle aufklären zu wollen – und können.

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Hier unten geht’s zum Interview mit der Autorin

Titelseite des Buches
Titelseite des Buches „Freunderlwirtschaft“

Per KI (künstlicher Intelligenz) erstellte Fotomontagen bei Eingabe der Titel der Stücke in dieser Saison sowie des Begriffs Theater der Jugend und Wien

Düsterem Herbst mit Zusammenhalt-Werten entgegenspielen

Als hätte der Dramaturg es inszeniert, fand das Saison-Mediengespräch des Theaters der Jugend nach dem rekordheißen Sommer am Tag des Temperatursturzes statt. Gerald Maria Bauer, auch stellvertretender künstlerischer Leiter des TdJ in Wien vertrat den erkrankten Direktor Thomas Birkmeir und begann düster: „Wir erleben gerade einen sehr dunklen Herbst: Es wurde ein Superwahljahr angekündigt, und das Resultat ist Demokratieverdrossenheit und radikalisiertes Wahlverhalten: aus Protest, aber auch aus – bewusst geschürter – Angst erwächst ein Klima der Ausgrenzung und unschöner Aggression, die bereits in unserem Alltag spürbar ist.“

Plakat zur neuen Saison und filmischer Ausschnitt
Plakat zur neuen Saison und filmischer Ausschnitt

Freiheit, Toleranz, Anders-Sein

Den laufenden Krisen mit Kriegen und Klimakatastrophen will das Theater der Jugend, das sich zunehmend auch als Theater der Generationen versteht, „besonnen darauf blicken, was im Umgang miteinander Not tut und mögliche Perspektiven eröffnet“ und programmierte so, „dass unser Theater der Generationen ein Ort des öffentlichen Diskurses ist, der öffentlichen Gewahrwerdung von Zusammenhängen und der gemeinsamen Übereinkunft, dass es sich lohnt, für Konzepte wie Vernunft, individuelle Freiheit, Toleranz und Fortschritt einzutreten“ und Werte zu vermitteln „die unumstößlich sind, damit wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen und die wir auch unseren Kindern und Kindeskindern mitgeben müssen, damit sie ein gutes Leben haben. Und wir können feststellen, dass diese Werte nicht zwangsläufig angeboren sind, sondern zusätzlich erlernt und unterstützt werden müssen. Von klein auf.“
In diesem Sinne brachte Bauer den neuen Spielplan auf die Kürzestformel: „Vielfalt ist Trumpf!“

Und so zitierte Bauer den berühmten Autor Erich Kästner, dessen „Emil und die Detektive“ als Plädoyer für Solidarität die neue Saison (ab 4. Oktober im großen Haus, Renaissancetheater) eröffnet: „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die Schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“

„Große Vielfalt“ – allerdings Werbespruch einer Backwaren-Kette

Schlüsselloch-Roman

Die weiteren sieben Stücke sind in der Folge kürzest angeführt – jeweils mit den entsprechenden vorab aufgenommenen Sujet-Fotos. Hervorzuheben sei vielleicht eine Produktion für Jugendliche, wo dem Theater der Jugend sozusagen auch ein Coup gelungen ist: Tonio Schachinger und sein Verlag gewährten die Rechte für die Umsetzung des Schlüsselloch-Romans eines privaten Wiener Elitegymnasiums „Echtzeitalter“ für die Bühne (9. Jänner bis 28. März 2025 im kleineren Haus, dem Theater im Zentrum), das übrigens ein Monat davor – ab 6. Dezember – schon in einer anderen Version im Grazer Schauspielhaus zu erleben sein wird.

Mehr Publikum

Erfreuliches konnte der kaufmännische Direktor, Ronald Hora, berichten: Die Zahl der Abonnent:innen hat sich von 20.600 in der Saison 2022/23 auf 28.344 im Vorjahr erhöht, die Gesamtzahl der Besucher:innen von 165.000 auf 184.439 gesteigert. Die Subventionen seien einigermaßen ausreichend, die Gespräche mit Stadt Wien und Bund derzeit gut. Das Theater der Jugend erwirtschaftet mit Karten und Abos einen Eigendeckungsgrad von knapp mehr als einem Drittel (34 %). Eine Schwierigkeit – neben steigenden Energie- und anderen Kosten seien auch die deutlich teurer gewordenen Busfahrten für Schüler:innen aus Niederösterreich – und die stellen immerhin rund 40 % der Besucher:innen.

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Überblick über die Saison 2024/25

Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Emil und die Detektive“

Emil und die Detektive
von Erich Kästner in einer Fassung von Sarah Caliciotti und Frank Panhans
Regie: Frank Panhans; ab 6 Jahren; 4. Oktober bis 10. November 2024 Renaissancetheater

Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Funken“

Funken
von Till Wiebel
Regie: Karin Drechsel; ab 11 Jahren; 10. Oktober bis 8. Dezember 2024
Theater im Zentrum

Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Heidi“

Heidi
nach dem Roman von Johanna Spyri von Thomas Birkmeir
Regie: Claudia Waldherr; ab 6 Jahren; 3. Dezember 2024 bis 19. Jänner 2025
Renaissancetheater

Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Echtzeitalter“

Echtzeitalter
von Tonio Schachinger in einer Bearbeitung von Gerald Maria Bauer
Regie: Gerald Maria Bauer; ab 13 Jahren; 9. Jänner bis 28. März 2025
Theater im Zentrum

Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Miranda im Spiegelland“

Miranda im Spiegelland
von Alan Ayckbourn
Regie: Nicole Claudia Weber; ab 6 Jahren; 12. Februar bis 9. März 2025
Renaissancetheater

Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Mythos Ragnarök“

Mythos Ragnarök
Gastspiel von Ed Gamester nach Sagen der nordischen Mythologie in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Regie: Ed Gamester; ab 13 Jahren; 26. März bis 28. April 2025
Renaissancetheater

Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Mitten im Gesicht“

Mitten im Gesicht
Musical von Gerald Schuller (Musik) und Peter Lund (Text)
Regie: Peter Lund; ab 11 Jahren; 26. April bis 21. Juni 2025
Theater im Zentrum

Sujetfoto zu
Sujetfoto zu „Die sieben Wünsche“

Die sieben Wünsche
von Henry Mason
Regie: Henry Mason; ab 6 Jahren; 17. Mai bis 21. Juni 2025
Renaissancetheater

Calité mit den Zwillingsbrüdern Dancho und daveybby

„Heast!“ jugendlichen Musiker:innen zu

Zwar ist das Wort heute nicht so berühmt wie „Oida“, aber es hat auch seine Wurzeln im Alt-Wienerischen: „Heast“, vor Jahrzehnten oft im Sinne von „hör (doch endlich einmal) zu“ wurde oft mit der Phrase „der Heast liegt neben dem Hallo am Zentralfriedhof“ abgeschmettert. Vor gut zehn Jahren erlebte es sozusagen eine Wiederauferstehung im positiven Sinne. Hör jungen Künstler:innen zu oder solchen, die erst auf dem Weg dorthin sind, vor allem aus der Hip*Hop- und Rap-Szene. Heute längst bekannte Größen wie das Duo EsRap gaben – und geben immer noch – ihren jungen Kolleg:innen Starthilfe mit Workshops und dem Teilen von Erfahrungsschätzen.

Geburtstags-Abend

Kürzlich feierte „Heast!“, ein Projekt von wienXtra-Soundbase, sein zehnjähriges Jubiläum im Gürtellokal B72, wo auch die monatlichen Open-Stage-Abende stattfinden. Bei diesen können musikalische Word-Artists (13 bis 26 Jahre) – nach Voranmeldung – jeweils zehn Minuten auf der Bühne performen. Und das ist immer mehr als sozusagen ein Hintereinander-Abspiel-Abend – es geht um Begegnung, Austausch, Miteinander statt Konkurrenz, voneinander lernen… Und viele von den jungen Artists repräsentieren jenen Teil der Wiener jungen Stimmen, die sonst oft gar nicht gehört werden. Vielfalt und Diversität ist hier kein Schlagwort, sondern gelebte Bühnen-Praxis. Ebenso wird der bekannte Szenespruch „Respect“ hier echt gelebt.

„Wir wollten einen Raum schaffen, in dem Hip-Hop als respektvolle Subkultur gelebt wird, der sowohl Platz für kritische Auseinandersetzungen als auch für die pure Freude am Rappen bietet“, erinnert sich Marko Marković, Projektleiter bei Wienxtra-Soundbase in der Medieninforamtion zu diesem Abend.

Diaspora-Song „Fürstenfeld“

Der Geburtstagsabend verlief ein wenig anders. Bevor am Ende die schon erwähnten Esra und Enes Özmen als EsRap ihr vielumjubeltes Konzert mit mittlerweile zu Hymnen gewordenen Nummern wie OTK oder „Du hast Privilegien, ich hab Freunde dabei!“ und einer höchst ungewöhnlichen aber sehr spannenden orientlaisch-arabesken Interpretation des STS-Hits „i wü wieda ham nach Fürstenfeld“, einem Diaspora-Song wie Enes es nannte, ablieferten, wurden junge Künstler:innen ebenso gefeiert, für die dieser Auftritte beispielsweise überhaupt erst der zweite in ihrem ganzen Leben war wie bei Calité.

Newcomer

Sie trat nicht nur Solo mit einigen zart klingenden, tiefgreifenden Songs auf, sondern auch noch gemeinsam mit den Zwillingsbrüdern Dancho und daveybby.

Schon sehr früh habe sie immer gern und gut gesungen – so erzählten es die Verwandten, berichtet Calité vor dem Konzert Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „und ich hab auch viele Gedichte und Geschichten geschrieben – auch in Richtung Krimis und düstere.“ Aber bei einem Festplatten-Crash sei alles verloren gewesen, bedauert sie einerseits, andererseits „das waren alles Geschichten über andere, jetzt schreib ich wenigstens über mich und hab das Texten zu Musik entdeckt“.

Dancho, der sehr bewegte, durch-choreografierte, mitreißende Nummern performte, studiert Architektur, sein Bruder produziert bereits Musik.

Erste Tracks von Gesamtkunstwerk

Moonverse alias Simon Nagl aus Salzburg spielte schon ab sieben Jahren Horn, das er nun in Wien neben Tonmeister studiert, verbindet liebend gern Klassik und Hip*Hop erzählt er dem Journalisten. Derzeit arbeitet er an einem umfangreichen Opus, das am Ende Musik, Lesung und Theaterstück werden soll. Im Zentrum steht ein a18-Jähriger, der im ersten Akt seine Wochenenden versauft, im zweiten dreht sich dann viel um ihn und seinen familiären und Freundes-Background im zuletzt äußert er seine gesellschaftskritischen Ansichten zur Welt. Aus dem erstgenannten Teil hat der junge Künstler schon einige Tracks releast – solche und noch unveröffentlichte gab er auf der Bühne des B72 beim 10-Jahresfest zum Besten.

Vierter Act im Bunde der Newcomer – alle übrigens supportet durch Beats von DJ B-Chill – an diesem Abend war „threeseven“ in roter Fußballdress, der „am liebsten Gefühle über Musik und ihre Texte ausdrückt – ob verliebt oder Trennungsschmerz, oft auch „Depri“, aber kaum Wut“, wie er auf der Bühne auf die Frage der einfühlsam und aufmunternden moderierenden Host Ana Ryue verriet.

Gewinner:innen

Für die regelmäßigen Besucher:innen der „Heast!“-Abende (jeden zweiten Dienstag im Monat – von Februar bis Mai und von September bis Dezember) rockten, pardon rappten und hip*hoppten dann zwei „alte Häs:innen“, Gewinner:innen des Musikwettbewerbs Podium der vergangenen beiden Jahre: 2ocke (2023) und Divided Black (2024). Erstere – rotbehandschuht – mit kämpferischen Tracks wie „fuck the patriarchat“.

Letzterer mit aufmunternden Botschaften wie „lass dich nicht unterkriegen“ verpackt im Party-Sound-Style. Und weil’s beim Ablauf des Abends keine weiteren Slots für andere Artists gegeben hat, holte er einen solchen, „Ef El O“ mit auf die Bühne!

Workshop -> Bühnenauftritt

Eröffnet aber wurde der 10-Jahres-Abend durch vier Musiker:innen, teils bekannte, teils neue Talente, die erst am Nachmittag, also wenige Stunden davor einen Workshop unter dem Titel „Community, Solidarität und Zusammenhalt“ hatten und dort eigene Nummern – unterstützt von KID PEX – erarbeitet hatten. Als Gegenstück wurde nach dem Konzert von EsRap die Bühne für Freestyle freigegeben – all jene, die wollten, konnten gemeinsam performen.

Ach ja, Vizebürgermeister und u.a. für Jugend zuständiger Stadtrat, Christoph Wiederkehr, sowie wienXtra-Geschäftsführer Vučko Schüchner, hielten auch – angenehm kurze – Dankesreden auf der Bühne.

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Buch über den Zauberwürfel und verschiedene Rubik's Cubes

Magische Bilder und Geschichten rund um den „Zauberwürfel“

Quadratisch ist das Buch – mit acht farbigen Quadraten auf der Titelseite und einem ebenfalls viereckigen Loch in der Mitte, dessen Seiten gleich lang sind. Da schaut ein Kind heraus, im Hintergrund die Andeutungen weiterer quadratischer Felder. Aufgeklappt – und dieses Kind befindet sich gleichsam im Inneren eines Würfels mit bunten Feldern – ein bisschen erinnert es an das in den Anfängen der Computerspiele weltberühmten Games „Tetris“. Dieses in der Folge Ich-erzählende Kind hält wiederum einen Würfel in der Hand. Nicht irgendeinen, sondern – klar der Buchtitel hat es schon verraten – einen „Zauberwürfel“.

Nein, um Zauberei ging es Ernő Rubik nicht. Der Architekt und Ingenieur aus Ungarn hat dieses 3D-Dreh-Puzzle vor 50 Jahren erfunden. So spannend kann ein Teil der Mathematik, das räumliche Vorstellungsvermögen, sein.

Viele Perspektiven

Das grell-bunt von Golden Cosmos (Doris Freigofas und Daniel Dolz) spannend illustrierte Buch lebt nicht zuletzt davon, dass das Duo natürlich auf 2D aber doch sehr räumlich dreidimensional gezeichnete Bilder schuf, immer wieder auch aus unterschiedlichen, manchmal ungewöhnlichen Perspektiven.

Trillionen

Mindestens ebenso spannend sind so manche der weniger bekannten Fakten, die Autor Daniel Fehr rund um die Erfindung und den Würfel selbst erzählt. Dass der Uni-Professor seinen Prototypen aus Holzwürfelchen zusammengebaut hat, findest du auch auf Wikipedia, dass sich Rubik’s „Zauberwürfel“ aber in mehr als 43 Trillionen Stellungen drehen lässt, steht nicht einmal dort. Apropos Zahlen: Fehr, der sich übrigens ganz am Ende sozusagen nach dem Buch bei Dénes Ferenc, dem Betreiber der Internet-Site ruwix mit unzähligen Infos rund um Rubik’s Cube bedankt, nennt auch Rekorde – von Menschen und Maschinen – beim Lösen des Würfels.

In der Geschichte kommt „natürlich“ irgendein Kind auf die Idee, die bunten Kleber von den Flächen abzulösen und neu – sozusagen gelöst – eine Seite aus lauter gleichen Farben – draufzupicken. Oder ihn zu zerlegen – was zu schönen Bildern aus dem Inneren des Würfels führt…

Ach ja, und am Ende findest die eine Anleitung – zumindest für einen ersten Schritt zur Lösung des Würfels – viele weitere im Internet, unter anderem auf ruwix.com

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Doppelseite aus "Ich hab da was für dich - Wortgeschenke und Gedankenstupser"

Im Alphabet wachsen Gedichte

Im Blumenbeet wachsen Blumen:
Im Gemüsebeet wächst Gemüse.
Im Kräuterbeet wachsen Kräuter.
Und im Alphabet wachsen Geschichten.“

Dies ist – gemeinsam mit einer bunten Zeichnung – eine knapp 90 Seiten aus dem brandneuen Buch „Ich hab da was für dich – Wortgeschenke und Gedankenstupser“ von Lena Raubaum (Text) und Katja Seifert (Illustrationen)

Obwohl Kinder Reime lieben – und auch leicht lernen – gibt es im deutschsprachigen Raum nicht allzu viele Autor:innen, die sich der Lyrik insgesamt sowie jener für junge Leser:innen verschrieben haben. Eine jedenfalls ist Lena Raubaum, die immer wieder herzerwärmende, mitunter hirnkitzelnde, jedenfalls sehr oft sprachverspielte Gedichte verfasst.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Ich hab da was für dich – Wortgeschenke und Gedankenstupser“

Besonderes Tun-Wort

Auch wenn vielleicht die eine oder der andere, die in Schulen unterrichten den Kopf über das Ver-rücken der Grammatik schütteln würden, aber ist es nicht herrlich, wenn es unter dem Titel „Laute Hoffnung“ heißt:
Ich hoffe / dass niemand / jemals vergisst / dass FRIEDEN / ein Tunwort ist“

Stehen die einzelnen Gedichte meist für sich, so streut die Autorin eine kleine Serie von „Es klopft“-Gedichten in das Buch. Jedes Mal steht eine andere „Persönlichkeit“ vor der Türe – Zuversicht, Zukunft, Langeweile, Streich.

Sagt erstere „ich wusste, dass du zu Hause bist“, so fragt die Langeweile: „Willst du mit mir spielen“. Was beim streich passiert? Nein, das wird hier sicher nicht gespoilert.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Ich hab da was für dich – Wortgeschenke und Gedankenstupser“

Kleine Anmerkung zu den Zeichnungen der frech-witzigen Figuren – ein wenig mehr Diversität wäre kein Fehler.

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Titelseite des illustrierten Gedichtbandes
Titelseite des illustrierten Gedichtbandes „Ich hab da was für dich – Wortgeschenke und Gedankenstupser“
Doppelseite aus "Eselherbst"

Wie Jung-Eselin Mimi zur Prinzessin wird

Mimi – so heißt die junge Eselin, von Familie Schneckberger (Oma Gundi, Opa Ludwig, Eltern sowie die Kinder Lilly und Flo) „Eselprinzessin“ tituliert. Sie alle wohnen auf einem Bauernhof. Und zur Familie gehören noch Hund Stupsi, Katze Struppi sowie einige namenlose Kühe, Hühner und Kaninchen; ach ja und Mimis Mutter – auch sie ohne Namen.

Mit dieser menschlichen und tierischen Schar erlebst du in diesem Bilderbuch den Übergang vom Sommer zum Herbst.

„Jeden Tag wird alles grauer und grauer. Und zugleich wird alles bunter und bunter.“ Letzteres gilt für die Blätter der Laubbäume und so manche Obstsorten, die Lilly und Flo von den entsprechenden Bäumen pflücken – nicht zuletzt für ein demnächst anstehenden Hoffest.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Eselherbst“

Jahreszeitenreise, namenlose Eltern

Begleitet von fotorealistischen Zeichnungen kannst du fast reichen, wie es in der Küche duftet, wenn aus so manchen Kilos Äpfel, Birnen… Marmelade eingekocht wird.

Wie und warum Mimi schließlich beim Fest aufgebrezelt zur „Prinzessin“ wird – schildern Autorin Lilo Neumayer und Illustratorin Julia Gerigk in dem Buch, in dem sie so „nebenbei“ die demnächst ins Land ziehende Jahreszeit beschreiben. (Das Duo hat Mimi – und ihre „Familie“ auch schon Frühling, Nacht und Advent erleben lassen.)

Warum allerdings zwar das Eselkind, Hund, Katze, Kinder und Großeltern Vornamen haben, die Eltern aber nur Papa und Mama „heißen“? Wirkt ein bisschen seltsam.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Eselherbst“
Szenenfoto aus "Komm her!"

Staunen in einer dunklen, magischen (Unter-)Welt voller Schatten und Licht

Der große Saal im Pförtnerhaus am Ill-Ufer, in dem bei den vorangegangenen Vorstellungen eine große Tribüne stand, ist es an diesem letzten Nachmittag ziemlich dunkel, wenn die Zuschauer:innen hereinkommen. Höchstens mit ein bisschen Licht von dezenten Taschenlampen führen zwei Puppenspieler in schwarzen Overalls die Gäste in ein aus schwarzem Stoff abgehängtes Theaterzelt – nur knapp mehr als 70m² klein – und doch werden sich hier große Welten öffnen. Der Stücktitel „Komm her!“ (im Original Kom hier) wird sozusagen schon live vorweggenommen – oder sinnlich erfahrbar eingeleitet.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Komm her!“

Welt des Staunens

Dieses „Zelt“ beherbergt eine nicht ganz halbrunde Publikumstribüne und gegenüber stehen ein paar, teils filigran wirkende, Objekte, aber auch ein paar recht massive. Hier versetzten Sven Ronsijn und Rupert Defossez vom Ultima Thule aus Gent (Belgien) ihr Publikum immer wieder mit ihrem Puppen- und vor allem Objektspiel immer wieder in fast ungläubiges Staunen mit so manchen „Aaahs“, „Ooohs“ und manchmal auch so etwas wie „Huchs“. Die Grundstory, die sie in der nicht ganz einen Stunde spielen: Zwei Kinder-Figuren – dem Programmheft zufolge Marco und Kubo (im Stück fällt kein Wort und damit auch kein Name) spielen mit einem rot-weiß-gestreiften Ball, irgendwann landet dieser unerreichbar in den Ästen eines winterlichen Baumes ohne Blätter. Nicht nur der Ball – auch die beiden Freunde verlieren sich – aber nur räumlich. In Gedanken und Herzen bleiben sie verbunden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Komm her!“

3D-Figuren und laser-ge-cuttete Häuser

Zwischen ihnen liegen aber Welten – ober und unter der Erde, von dort raucht es etwa auch durch die Häuser und ihre Rauchfänge raus – mit Hilfe einer kleinen Theater-Nebelmaschine. Letztere ist übrigens das einzige, das die Theaterleute gekauft haben. Alles andere haben sie selber nicht nur ausgedacht, sondern auch entworfen und hergestellt – vor allem tat dies Gestalterin Griet Herssens, die die meisten der bisherigen 200 Vorstellungen von „Komm her!“ auch gespielt hat – gemeinsam mit Rupert Defos. Sven Ronsijn spielte – nach kaum mehr als zwei Tagen Probenzeit – in Feldkirch das erste Mal. Allerdings hat er diese Produktion schon zuvor gecoacht und dramaturgisch begleitet – gemeinsam mit Kobe Chielens.

Inspirationsquelle aus der Literatur

Zu diesen Welten – Häuser und Objekte wie Strommasten, Schiffe, Vögel und vieles mehr aus Karton bzw. Holz per digital gesteuertem Leser ge-cuttet (ausgeschnitten), Skelette und Köpfe der Puppen 3D-gedruckt – ließ sich die Gruppe durch Italo Calvins Kurzgeschichtensammlung „Unsichtbare Städte“ anregen. Ein Abschnitt daraus findet sich auch im pädagogischen Begleitmaterial für Schulen und so manche Bilder entsprechen den Schilderungen Marco Polos über Städte und Gegenden in Kublai Khans Reich, das der Herrscher offenbar nicht selber erkunden konnte oder wollte. Weil der all das, das er in für ihn unverständlichen Sprachen gehörte hatte, nicht in einer für den Kahn wiederum unverständlichen Sprache erzählte, sondern „nicht anders als durch Gesten, Sprünge, Ausrufe der Bewunderung und des Entsetzens, Bellen und andere Tierlaute ausdrückte, oder durch Gegenstände, die er aus seinen Doppelsäcken hervorholte – Straußenfedern, Blasrohre, Quarze –, um sie dann wie Schachfiguren vor sich auszubreiten“, fand der eine Verständigungsebene mit dem Herrscher des Reiches im Osten. „Der Großkhan entzifferte diese Zeichen, doch die Verbindung zwischen ihnen und den besuchten Orten blieb ungewiss: Er wusste nie, ob Marco ein Abenteuer darstellen wollte, das ihm unterwegs widerfahren war, eine Tat des Gründers der betreffenden Stadt, die Weissagung eines Astrologen, ein Bilderrätsel oder eine Charade, um einen Namen zu nennen.“ (Italo Calvino, „Die unsichtbaren Städte“, übersetzt aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber, Hanser Verlag).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Komm her!“ – hier rechts Griet Herssens in Aktion

Vielfältige Szenerie

Das Duo, das fallweise trotz der Dunkelheit auch selber zu sehen ist, aber sich stets im Hintergrund hält – „es geht um die Figuren und Objekte, sie sind im Zentrum, auch wenn sie ohne uns nichts können“ – spielt mit klitzekleinen Objekten, von denen es so manches deutlich größere Ebenbild gibt, ebenso wie mit echt massiven. Beispielsweis betätigt Rupert Defossez mehrmals einen metallenen Kran- samt dreizackigem Greifarm – auch knapp über den Köpfen von Zuschauer:innen.

Natürlich kommen die beiden Freunde am Ende auch wieder physisch zusammen – das darf durchaus verraten werden, wenngleich dazwischen so manch durchaus gruselig anmutendes Abenteuer gespielt wird. Zum Spiel gehört noch Musik (Griet Pauwe) und nicht zuletzt dasjenige mit Licht und Schatten. So kommst du erst nach der Vorstellung, als die Puppenspieler dies erwähnen, drauf, dass die beiden Figuren keine Augen haben – sondern lediglich der Schatten den der obere Teil der beiden Löcher im Gesicht wirft, die Zuschauer:innen (!) Augen sehen lassen, weil sie dies in ihren eigenen Köpfen zusammen-Puzzlen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Komm her!“

Langer, kreativer Prozess

Rund ein Jahr lang hat die Gruppe an der Entwicklung dieses Stücks gearbeitet, erzählt das Spieler-Duo im anschließenden Gespräch mit dem Publikum. „Was ihr hier auf der Bühne sehen konntet, ist ein Viertel, höchstens ein Drittel von dem was wir gebaut haben. Aber vielleicht können wir das eine oder andere ja einmal bei einem späteren Stück verwenden.“ Auch viele dramaturgischen Ideen wurden verworfen, weil die ausgedachte Szene im weiteren Verlauf nicht schlüssig gewesen wäre. Und so fantasievoll wie sie selber „Komm her!“ erarbeitet haben, so wollen sie im Idealfall, dass auch ihr Publikum nach Hause oder in die Schule geht. Sie verstehen – dem schon erwähnten Begleitmaterial zufolge – ihre Arbeit nicht nur, aber ganz besonders dieses Stückes, als Impuls fürs fantasievolle Weiterspinnen vor allem ihres jungen Publikums.

Szenenfoto aus

Ultima Thule

Nicht von ungefähr nannte sich die Gruppe bei der Gründung (1993 aus einer Fusion des Puppentheaters Joris Jozef und Wannepoe) „Ultima Thule“ (ab 2008 in Gent, davor in Antwerpen), weil dies schon in der Antike der Name eines Ortes war, der die Fantasie anregte. „Dichter, Philosophen und Weltreisende gaben mit Ultima Thule dem nördlichsten Land einen Namen. Die am weitesten entfernte Insel.“ (zitiert aus der Homepage der Gruppe).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Komm her!“

Auf Wikipedia ist unter dem Begriff auch zu finden: „Am 26. Juli 2008 entdeckte ein Team, bestehend aus Brian Beatty, Friederike Castenow, Heinz und Lindy Fischer, Jörg Teiwes, Ken Zerbst und Peter von Sassen, eine Insel an der Position 83° 41’ 20.7” N, 31° 5’ 28” W. Sie war etwa 100 m lang, äußerst schmal und etwa 5 m hoch. Das Team errichtete einen Steinhaufen… Aus einem 2019 veröffentlichten Artikel von Ole Bennike und Jeff Shea geht hervor, dass seit 2008 offenbar keine Untersuchung der Geisterinseln vor der Küste mehr stattgefunden habe. Sie bewerten die Forschungssituation als mangelhaft, um feste Aussagen zur Beständigkeit der Inseln machen zu können, wofür vor allem genauere Beschreibungen und Untersuchungen von Gestein und Vegetation auf den Inseln nötig wären. Sie halten fest, dass die Inseln nicht dauerhaft an derselben Position liegen können, und vermuten anhand der Beobachtungen aus den letzten Jahrzehnten, dass vermutlich keine der bis 2008 beobachteten Inseln noch existiert.“ Womit der Begriff wieder der Fantasie gehört 😉

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Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde von Luaga & Losna zur Berichterstattung nach Feldkirch (Vorarlberg) eingeladen.

Doppelseite aus dem Bilderbuch "Marie und die Meerjungfrau"

Eintauchen in die verblassenden Geschichten der Oma

Wild-romantisch scheint das Zuhause von Marie und ihrer Oma zu sein. Sie leben auf einer winzigen Insel in einem Leuchtturm. Dass dies vielleicht ganz schön beengt sein könnte, lassen die Bilder und die Geschichte rund um Marie vergessen.

Übrigens, vergessen steht am Beginn des Bilderbuches. Großmutter erzählt Marie gern und viele Geschichten – die scheinen genauso weit zu reichen wie der Blick übers Meer bis zum sehr fernen Horizont. Doch nach und nach verblassen die Erinnerungen der alten Frau an die Erzählungen.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Marie und die Meerjungfrau“

Da trifft es sich gut, dass Marie eine Hauptfigur dieser Geschichten, eine Meerjungfrau, nahe der felsigen Küste im Wasser sieht und …

… so taucht sie mit dieser in die alten, vielleicht aber auch neue fantasievolle und fantastische Welten unter Wasser ein. Ob echt oder nur ausgedacht ist egal, es sind wunderschöne Bilder und ermutigende Geschichten, die sie letztlich (nicht nur) ihrer Großmutter (wieder) bringt.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Marie und die Meerjungfrau“
Szenenfoto aus "Die Entdeckung der Langsamkeit" nach dem gleichnamigen Roman Sten Nadolny

Wenn die vermeintliche Schwäche zur Stärke wird

Ein großer, leicht scheinender doch gewichtiger Tisch, eine Lichterkette mit subtilem Anklang an eine solche auf einem Segelboot. Zwei Leute betreten von hinten durch den Vorhang die Bühne im Theater am Saumarkt im Vorarlberger Feldkirch. Hier steht im Rahmen des aktuellen „Luaga & Losna“-Festivals die einzige Vorstellung auf dem Programm, die sich nicht an junge Kinder richtet. Ab 12 und nicht zuletzt für Erwachsene lassen hier Friederike Schreiber und Günther Henne von „TheaterGrueneSosse und Theaterhaus Ensemble (Frankfurt, Deutschland) einen Wesenszug der Hauptfigur in Sten Nadolnys Kult-Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ lebendig werden.

Titelbild des ErläTitleseite des Romans von Sten Nadolny
Titelbild des ErläTitleseite des Romans von Sten Nadolny „Die Entdeckung der Langsamkeit“ – Details siehe Info-Box am Ende des Beitrages

Originaltext

„John Franklin war schon 10 Jahre alt und noch immer so langsam, dass er keinen Ball fangen konnte. Er hielt für die anderen die Schnur. Vom tiefsten Ast des Baumes reichte sie herüber bis in seine empor gestreckte Hand. Er hielt sie so gut wie der Baum, er senkte den Arm nicht vor dem Ende des Spiels…“

Die echten ersten Sätze des Buches – so wie viele andere Passagen über diesen britischen Seefahrer und leidenschaftlichen Polarforscher – gepaart mit von Nadolny durchaus ausgedachten Szenen las das Duo – scheinbar, in Wahrheit hatten sie den Text – gemeinsam mit dem szenischen Spiel verinnerlicht.

Vor sich die Blätter in den ersten Minuten und immer wieder auch zwischendurch, machen sie aus dem Tisch ein Schiff (Bühnenbau: Detlef Köhler), ein Ventilator hilft bei der Darstellung von Stürmen, in die das Segelboot gerät.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Entdeckung der Langsamkeit“ nach dem gleichnamigen Roman Sten Nadolny

Langsamkeit

Kernaspekt aus dem Roman, von dem sicher viiiiiel mehr Menschen den Titel und als Inhalt oder den Text kennen, ist die Langsamkeit, die vom lange Zeit den Titelhelden in seiner Kindheit und Jugend begleitendem Nachteil zu einem Vorzug aufgrund bedächtig gefällter Entscheidungen führt(e). Nadolny, der vieles, unter anderem Geschichte studierte und sogar unterrichtet, hatte viele Unterlagen über den historischen John Franklin (1786 – 1847) durchgeackert, zu weniger bekannten Phasen dachte er sich einiges aus. Den Charakterzug der Langsamkeit, „den der wirkliche Franklin nach Auskunft der Quellen möglicherweise hatte, aus dem er aber wohl nicht systematisch eine Tugend gemacht hätte“ (Stefan Munaretto, Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny. Textanalyse und Interpretation. Königs Erläuterungen und Materialien, Band 427 – siehe Info-Box am Ende) rückte der Autor ins Zentrum.

Titelbild des Erläuterungsbandes zu Sten Nadolnys
Titelbild des Erläuterungsbandes zu Sten Nadolnys „Die Entdeckung der Langsamkeit“ – Details siehe Info-Box am Ende des Beitrages

Spürbar

Und diese verkörpern die beiden Schauspieler:innen, ohne sie je übertrieben zu zelebrieren. Selbst wenn sie einigermaßen hektisch durch die Gegend – in dem Fall die Publikumsreihen wandern, über Sitze klettern, strahlen sie keine Hektik aus (Regie: Leandro Kees, der auch mit den beiden die Textfassung aus dem Roman destilliert hatte).

Hin und wieder schlüpfen sie doch in verteilte Rollen auch anderer Protagonist:innen in John Franklins Leben, vor allem stellen sie ihn und seine Haltung, seine Suche – unausgesprochen nach dem Horizont als Fixpunkt – dar. Und selbst in den heftigen Sequenzen einer Seeschlacht mit einem Schiff der französischen Marine oder in wildesten Stürmen, strahlen sie aus: Der Typ steht zu sich und seiner damit in die Außenseiterrolle gedrängten markanten Eigenschaft. Das Schauspiel von Schreiber und Henne lässt sowohl die anfängliche Ausgegrenztheit als such die spätere Stärke spüren.

Was – so erzählen die beiden im abendlichen Inszenierungsgespräch mit Teilnehmer:innen des Symposions „Theater & Bild & Ton“ (und anderen Interessierten) – nach den ersten Vorstellungen in Frankfurt durchaus auch gegenteilige Jugendliche ge- und bestärkt habe, etwa solche bei denen ADHS – also eher Hektik – diagnostiziert wurde.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Entdeckung der Langsamkeit“ nach dem gleichnamigen Roman Sten Nadolny

Gegen den „Zeit“geist

Der vor knapp mehr als 40 Jahren erschienene Roman (mit einem Kapitel daraus hatte Nadolny drei Jahre zuvor den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen – und sein Preisgeld auf alle Teilnehmer:innen verteilt) wurde immer wieder auch als Art Statement gegen übertriebene und vor allem ungesunde Hektik, Missachtung der Lebenszyklen von Natur und Mensch interpretiert. Die Hauptfigur, die noch auf Segelschiffe setzt, während andere schon mit Raddampfer unterwegs sind. Hier bog auch Nadolny eine späte Expedition John Franklins ein wenig zurecht, dessen reale Schiffe schon maschinell ausgestattet waren.

Auch schon Michael Endes „Momo“ – zehn Jahre vor Nadolnys bekanntestem Roman erschienen – hielt ein Plädoyer für das reale Leben im hier und jetzt und gegen die grauen „Zeitdiebe“. Die Welt hat sich zwar „nur“ in der gleichen Geschwindigkeit weitergedreht, die Hektik der (allermeisten) Menschen, Zeitdruck, hat um ein Vielfaches zugenommen. Das was schon vor 50 und 40 Jahren beklagt worden war, dass damit nicht nur menschliche Beziehungen beeinträchtigt, sondern oft die Wahrnehmung der Wirklichkeit zunehmend verloren gehen könnte, hat sich potenziert. Hektische Bild- und Schnittfolge in Videos und Filmen – da setzt diese Version der Dramatisierung des Romans durch ihre Spielart viele Momente entgegen, sich auf das Loblied der Langsamkeit einzulassen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Entdeckung der Langsamkeit“ im Theater Spielraum (Wien)

Traum einer Expedition

„Wie dem – wie immer im „Spielraum“ umfangreichen, hintergründigen – Programmheft (wahrscheinlich den besten der Stadt) zu entnehmen ist, hatte das Schicksal der bei ihrer letzten Expedition im ewigen Eis verschollenen Forscher, namentlich John Franklins, Sten Nadolny schon als Schüler interessiert. Das schreibt er im Einleitungsabsatz eines Artikels für die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ Anfang 2023 anlässlich des 40. „Geburtstages“ dieses Romans. Damals träumte er davon, selber eine Expedition zu leiten, um die verschollenen Schiffe bzw. eventuelle Überreste zu finden. Um viel später daraus einen Roman zu schreiben.“ (KiJuKU, November 2023)

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Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde von Luaga & Losna zur Berichterstattung nach Feldkirch (Vorarlberg) eingeladen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Entdeckung der Langsamkeit“ nach dem gleichnamigen Roman Sten Nadolny
Doppelseite aus "Gute Frage, sagt die Buchstabensuppe"

Auf die Fragen kommt es an!

Fragen stellen – und sogar nie aufhören, solche zu stellen – ebenso wie Antworten darauf zu suchen – das müssen Kinder versprechen bzw. geloben, wen sie am Ende der Wiener Kinderuni in den Ferien bei der Sponsion (Gelöbnis). Tun sie das – und da reißen alle ihre Arme hoch, wenn die (Vize-)Rektor:innen in ihren ehrwürdigen schwarzen Talaren diese Frage stellen -, dann werden sie mit den Titeln Magistra bzw. Magister universitatis iuvenum (der Kinderuni) belohnt.

Fragen stellen – das ist der Autorin und Illustratorin Leonora Leitl (oft macht sie beides) offenbar auch sehr wichtig. Schon vor vier Jahren im Buch „Einmal wirst du…“ arbeitete sie vor allem mit Fragen. Nun ist ein neues Buch von ihr erschienen, das trägt das Anliegen sogar schon im Titel: „Gute Frage, sagt die Buchstabensuppe“.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Gute Frage, sagt die Buchstabensuppe“

Natürlich darf dann sogar bald nach dem Anfang so ein Bild nicht fehlen. Und so formt die Künstlerin in der orangefarbenen Suppe (vielleicht Kürbiscreme?) die Buchstaben zu der Frage: „Was ist dein größtes Geheimnis?“

Frage plus Zeichnung

Jede der Doppelseiten ist einer Frage gewidmet – ohne selber Antworten zu geben. Du als Leserin oder Leser bist gefragt, den Ball dieses Spiels aufzunehmen und darüber nachzudenken, weiter zu spintisieren und fantasieren, was (d)eine mögliche Antwort sein könnte. Neben der jeweiligen Frage findet sich immer ein gezeichnetes Bild. Führt es dich zu einer möglichen Antwort von Leonora Leitl? Oder will sie dich auf einen möglichen Antwortweg führen? Oder? Schon wieder eine Frage 😉

Spannend sind die Fragen allemal – und meist gar nicht leicht zu beantworten. Da kannst du ganz schön ins Grübeln und Philosophieren kommen.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Gute Frage, sagt die Buchstabensuppe“

Kniffelig

Bald nach Beginn schon stellt das Buch etwa die Frage: „Warum werden manche Menschen Freunde?“ – illustriert mit zwei offenkundig sehr befreundeten Kindern. Um gleich auf der folgenden Doppelseite zu fragen: „Und andere nicht?“

Eine spätere Doppelseite hält schon einige Antworten bereit. „Welche Sprachen sprichst du?“ ist bebildert mit Menschen-, Tier-, und einem Robotergesicht und in Sprechblasen Begrüßungs-Wörtern. Aber du hast ja vielleicht noch die eine oder andere Sprache mehr als sie auf diesem Bild zu finden ist…

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Besprechung eines früheren Leitl-Fragebuchs <- damals noch im Kinder-KURIER

Titelseite von
Titelseite von „Gute Frage, sagt die Buchstabensuppe“
Szenenfoto aus "So ein Chaos"

Und aus dem Chaos entstand – eine verbrannte Quiche…

Ach wie ist es herrlich, nach Herzenslust sich in einer Küche austoben zu dürfen! Da was reinschütten, hier raucht’s, da ein Ei reinzugatschen, zu mixen, dass es nur so staubt, irgendwo blubbert’s, schäumt’s, Dinge fliegen durch die Luft – und alle haben ihren Spaß daran – der Spieler Simon Engeli, der Stoffhund Monty, geführt, gespielt und gesprochen von Rahel Wohlgensinger. Und nicht zuletzt das Publikum, auf das die Spielfreude und -lust der beiden überspringt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „So ein Chaos“

Folgerichtig heißt das Stück von puppenspiel.ch aus der Schweiz „So ein Chaos“. Wobei sich die gute Stunde nicht allein auf das hemmungslose Produzieren von – natürlich geplantem, getimten, exakt gespielten scheinbar aus dem Ruder laufenden Momenten beschränkt (Regie: Andrea Noce Nosed).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „So ein Chaos“

Urknall und Schöpfungsmythen

„Am Anfang war das Chaos“ wird oft auch im Zusammenhang mit der Entstehung des Universums gesagt. Höchstwahrscheinlich war das was wissenschaftlich als Urknall vor knapp 14 Milliarden Jahren am Beginn stand/flog/schwebte oder was auch immer ein ziemliches Chaos. In unterschiedlichsten Regionen und Kulturen der Welt haben sich Menschen zu verschiedensten vorwissenschaftlichen Zeiten Geschichten ausgedacht, wie Menschen, Tiere, Pflanzen, die Erde, Sonne, Mond und Sterne kurz das ganze All entstanden sein könnten.

Und in einem Buch über viele Schöpfungsmythen liest Simon am Küchentisch, erzählt den einen oder anderen Mythos kürzest zusammengefasst. Rahel versucht darauf aufmerksam zu machen – ohne es direkt zu sagen -, dass heute ihr Geburtstag ist. Aber ob sie über den Kalender der Maya oder andere Zeitrechnungen reden, er hat’s schlicht vergessen und checkt’s jetzt noch immer nicht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „So ein Chaos“

Schau- und Puppenspiel

Rahel geht daher beleidigt, um sich mit einer Freundin zu treffen. Und irgendwann nachdem sie weg ist, schießt’s Simon ein, was er versäumt hat. Und so will er eine super-tolle Gemüse-Quiche für sie zubereiten. Und dabei produziert er eben – nicht zuletzt im Zusammenspiel mit der Hundepuppe – die eingangs beschriebene herzhafte geplante Unordnung in der genial dafür zurechtgezimmerten Theaterküche (Bühne: Joe Fenne).

Eine besonders humorvolle Szene richtet sich – ebenso wie viele der unausgesprochenen Zwischentöne in der Beziehung zwischen dem Paar Simon und Rahel – eher an die Erwachsenen im Publikum, ohne Kinder gar zu langweilen. Hund Monty als Psychiater, der mit Simon dessen Probleme beackert.

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Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde von Luaga & Losna zur Berichterstattung nach Feldkirch (Vorarlberg) eingeladen.

Auch beim Festival „Luaga & Losna“ zu Gast war „Vergessen: 15 Eimer Sauerkraut mit Rutsche“

KiJuKU hat dieses experimentelle Performancetheater schon vor ungefähr einem Jahr im Wiener WuK (Werkstätten- und Kulturhaus) gesehen und beschrieben – hier diese Stück-Rezension:

ArbeitsMarktService - hier kommen Kinder in ihrer Stadt zu Jobs

4 Lasuten Netto-Stundenlohn in KleinFeldkirch

Melisa zieht vorsichtig und konzentriert den Hebel des für sie ziemlich großen Dings zu ihr runter und betätigt damit die senkrecht eingespannte Bohrmaschine, um in das glänzende kupferfarbige Metall ein Loch zu kriegen. Unterstützt von einem ehrenamtlichen echten (ehemaligen) Metallarbeiter, fertigt die 7-Jährige eine „Kerzen-Rose“ an. Jetzt hat sie die Halterung für das spätere Teelicht gebohrt, später kommen – ebenfalls aus Metall – ausgeschnittene „Blütenblätter“ hinzu. „Wenn es dunkel ist stellen wir zu Hause gerne Kerzen auf“, erzählt sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… und fügt hinzu, „ich arbeite da jetzt eine halbe Stunde.“ Dafür kriegt sie bei der Bank letztlich zwei Lasuten.

Wir befinden uns in der Kinderstadt KleinFeldkirch. Im Alten Hallenbad in jenem Ortsteil namens Reichenfeld am Rande des Waldes dieser Vorarlberger Stadt heißt die Währung seit 31 Jahren Lasuten. Wie damals die Kinder auf diesen Namen gekommen sind – diese Frage des Journalisten kann heute niemand (mehr) beantworten. Alle zwei Jahre spielen, arbeiten und regieren jeweils 7- bis 12-Jährige diese ihre Klein-Stadt, heuer damit zum 15. Mal. KiJuKU nutzte die Einladung des Theaterfestivals für junges Publikum „Luaga & Losna“, um in einer Theaterpause die Kinderstadt zu besuchen. Erwachsene dürfen – mit einem Visum – höchstens eine Stunde den Aktivitäten der jungen Bürgerinnen und Bürger zuschauen, sie befragen – und diese auch höchstens von hinten oder nicht erkennbar fotografieren.

30 Stationen

„Im Moment gibt es 22 freie Jobs“, erfährt der Reporter von einer Mitarbeiterin im KleinFeldkircher ArbeitsMarktService nachdem diese die verfügbaren Arbeitsplatz-Karten durchgezählt hat. 250 Kinder kommen im Durchschnitt täglich ((viele natürlich an mehreren tagen, insgesamt aber bisher mehr als 1.100 Kinder in diesem Jahr), um hier zu arbeiten – von der Anmeldung über die schon genannte Spenglerei, eine Bäckerei, zu tischlern, Kerzen zu machen, zu nähen und vieles mehr, nicht zuletzt auch Müll zu sammeln – und zu trennen. In Summe gibt es 30 verschiedene Stationen – zum Arbeiten und zum Lernen.

Wie auch in anderen Kinderstädten wird Studieren genauso bezahlt wie arbeiten. Fünf Lasuten beträgt der Stundenlohn (brutto), eine Lasute geht als Steuer ans Rathaus der Kinderstadt, bleiben also vier netto. Besonderheit hier, es gibt sogar einen 33,5-Lasuten-Schein.

Viel Kreatives

Viele der Stationen widmen sich kreativer Betätigung. Mia, Taia, Emily wickeln Wolle um Kunststoffgriffe, Giulia hat schon aus ihrer gewickelten, verknüpften und dann aufgeschnittenen Wolle einen kunterbunten Bommel gemacht, den sie gerade noch zurecht schneidet. Die Erstgenannte sprudelt nur so drauflos, welche anderen Kunsthandwerksachen sie schon angefertig hat – „aus Salzteig, Kerzen – das ist gar nicht so schwer: Du musst nur einen Faden in das flüssige Wachs halten, das kannst du auch färben und dann in kaltes Wasser und wieder Wachs und wieder kaltes Wasser – da wird das Wachs schnell hart“.

Kunsthandwerk, beispielsweise auch gebastelte Kunstwerke wie große Rasseln aus Altkarton-Röhren im Musik-Labor können auch für den Verkaufsladen der Wirtschaftskammer angefertigt werden. Bei diesen Dingen, so hört KiJUKU dort, „können die Kinder selber den Preis festlegen, bei den Gebäcken aus der Bäckerei bestimmen wir, was die Weckerl kosten“.

Inklusion

Neu in KleinFeldkirch ist heuer ein eigener Raum, der mit „Inklusion“ angeschrieben ist. Das soll nicht ausschließen, sondern ist ein Raum zum Rückzug, so Kinder mit besonderen Bedürfnissen dies brauchen. Natürlich stehen alle Stationen auch diesen Kindern offen. Aber von hier aus geht auch die Initiative, dass Kinder ohne Behinderung, die vielleicht weder in Schule noch sonst irgendwo mit diesem Thema in Berührung kommen, sich informieren können. Unter anderem kurven drei Mädchen, die dies nicht brauchen würden, in Rollstühlen herum. „So können wir uns reinfühlen. Es ist ganz schön anstrengend für die Arme, die Räder zu drehen“, verrät eine des Trios.

Medien

Natürlich gibt es auch in dieser Kinderstadt Medien. Die „KleinFeldkircher Nachrichten“ erscheinen täglich. Nele schreibt beim Lokalaugenschein von KiJuKu (übrigens regelmäßiger Partner der Wiener Kinderstadt „Rein ins Rathaus“, um mit Kindern dort Tageszeitungen zu produzieren) fantasievolle ausgedachte Horoskope. Saira hat eine Umfrage über die beliebtesten Eissorten nicht nur der Kinder, sondern auch von erwachsenen Besucher:innen, gemacht und tippt die Ergebnisse in einen Beitrag für die nächste Ausgabe. Und Wolfgang arbeitet an einem Beitrag über die Musikstation.

Stadt-TV

Ständig ist auch ein Kamera-Team unterwegs für die tägliche „KleinFeldkirch heute“-Sendung. Während die Reporter:innen und Kameraleute herumschwirren, sitzt der elfjährige Tobias am Computer, um schon gefilmtes Material zu schneiden. „Das ist meine Lieblingsbeschäftigung, weil ich mir schon zu Hause so mit sechs, sieben Jahren das selber beigebracht habe – mit einem anderen Programm, aber so schwer war das nicht, auf dieses umzulernen. Aber wenn ein anderes Kind auch einmal diese Arbeit machen möchte, gebe ich den Platz schon gerne frei!“ Hier sind die KleinFeldkircher mehr in die Produktion eingebunden – Schnitt erledigen in Wien etwa die erwachsenen Betreuer:innen.

Mia ist mit der Kamera auf Motivsuche im Freien zwischen Sport- und Bewegungsbereich der Kinderstadt, der im Moment gerade frei ist, und dem nahegelegenen Spielplatz. Die beiden Tage zuvor standen dazwischen metallene, bespielbare Riesen, eine interaktive Installation des Theaterfestivals „Luaga & Losna“. Da hatte Julian für die TV-Nachrichten mit seinem Handy gedreht, „weil die große Kamera gerade wer anderer hatte“.

Uni

Im Raum, auf dem „Universität“ steht, arbeiten drei Student:innen mit Betreuerin Ilayda an Mindmaps zu ihren Lieblingsthemen – von einer argentinischen Sängerin bis zur Katze eines Geschwisterpaares. Themen sind jeweils das, was sich die Student:innen wünschen.

Vizebürgermeister im Gespräch mit KiJuKU - dank der ins Gesicht gerückten Kappe durfte er auch von vorne fotografiert werden
Vizebürgermeister im Gespräch mit KiJuKU – dank der ins Gesicht gerückten Kappe durfte er auch von vorne fotografiert werden

Wahlen

Knapp nach dem Besuch in der Redaktion der Kinderzeitung am Rand des ehemaligen Schwimmbeckens, kommt Wolfgang (der über die Musikstation geschrieben hat) auf Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zu. Er trägt nun eine regenbogenbunte Schärpe. Diese sind das Zeichen der Regierungsmitglieder dieser Kinderstadt. Er ist der aktuell gewählte Vizebürgermeister von KleinFeldkirch.

Die Wahlen finden immer donnerstags statt – aber nur in der ersten und zweiten der drei Wochen, denn die letzte endet schon am Freitag. „Ich hab schon vorher zwei Mal (auch vor zwei Jahren schon) kandidiert, einmal bin ich dann Stadtrat geworden und vorige Woche Vizebürgermeister. Ich hab viele Wahlversprechen gehabt, die wichtigsten sind: Mehr Gehalt und weniger Bankraube. Jetzt muss ich schauen, dass die ganze Regierung dafür ist.“

Ach ja, Regierungsmitglieder verdienen 28 Lasuten am Tag – weil sie ja sieben Stunden im Amt sind. Für andere Jobs – Wolfgang haben wir ja zuvor beim Verfassen eines Zeitungsbeitrages gesehen – gibt’s für sie natürlich kein Geld.

Enges Wahlrecht

Um kandidieren zu können müssen Kinder die Stadtbürger:innenschaft erlangen – das heißt hier vier Mal gearbeitet und ebenso oft studiert zu haben. Dieses passive

Wahlrecht ist in praktisch allen Kinderstädten daran geknüpft, dass eben schon Erfahrungen an verschiedenen Stationen gemacht worden sind. In den meisten Kinderstädte dürfen allerdings alle Kinder an Wahlen teilnehmen, nicht so in KleinFeldkirch. Hier ist auch das aktive Wahlrecht an dieselbe Bedingung geknüpft wie für eine Regierungsfunktion kandidieren zu dürfen, also ähnlich eingeschränkt wie das Wahlrecht in Österreich, wo bei der kommenden Nationalratswahl 1,5 Millionen Menschen, die im Land leben, Steuern zahlen… nicht wählen dürfen – fast ein Viertel der 6,3 Millionen wahlberechtigten Österreicher:innen.

Feldkircher Kinderstadt-Zeitungen und Mitspielheft, sozusagen der Pass
Feldkircher Kinderstadt-Zeitungen und Mitspielheft, sozusagen der Pass

Vernetzung könnte besser sein

Obwohl KleinFeldkirch damit die längste Geschichte einer Kinderstadt in Österreich hat, gibt es keine Vernetzung mit Mini-Salzburg und „Rein ins Rathaus“ (auch schon mehr als 20 Jahre – und übrigens gratis im Gegensatz zu KleinFeldkirch, wo es Eintritt kostet – siehe Infos) oder zu den steirischen Kolleg:innen von Bibongo (Graz), Dolbu (Spielberg) und Freitopia (Kapfenberg). Mini-Salzburg ist hingegen sogar international vernetzt. In der zweiten Augustwoche fand in der „Mutter“ zumindest der mitteleuropäischen Kinderstädte (Mini-München seit Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts) die 1. Internationale Konferenz statt, bei der 13 Kinder und Jugendliche aus Salzburg auf die Münchner Kinder sowie ihre Kolleg:innen aus Mini-Regensburg, FEZ-City Berlin und Mini-Bozen trafen – im Rathaus der bayrischen Metropole trafen und sich austauschen konnten – wird fortgesetzt, heißt es auf der Homepage von Mini-Salzburg.

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Früherer Bericht über KleinFeldkirch <- damals noch im Kinder-KURIER

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