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Catharina Kleber und Neel Madhav Sharma im Ashram

„Ich habe sehr viel sehr gut gegessen“

KiJuKU: Wie bist du auf die Idee zu dieser Serie gekommen?
Catharina Kleber: Vor vielen Jahren hab ich eine Ausgabe des Magazins fool.se (seit 2011) des schwedischen Paares Lotta Jorgensen und Per-Anders Jörgensen gelesen, das sich immer einem Thema rund um Essen und Ernährung widmet. Eine Ausgabe hat sich mit Religion beschäftigt. Aber meine, unsere Serie ist ganz anders. Das erste Konzept von mir war aus 2018, begonnen haben wir dann gegen Ende 2019.

KiJuKU: Da kam doch ein paar Monate später Corona und die weltweiten Lockdowns?
Catharina Kleber: Das hat einiges durcheinandergebracht. Wir mussten Reisebeschränkungen und Quarantäne-Vorschriften stets im Auge haben, um Drehs zu verschieben. März 2020 wollten wir in Spanien beginnen, Mai 2020 war geplant, in Iran zu drehen, weil wir den Ramadan drinnen haben wollten. Das mussten wir verschieben, haben aber dann dennoch darauf geachtet, dass wir religiöse Feiertage drinnen haben.

KiJuKU: Die einzelnen Folgen sind zwar knapp, aber so dicht und vielfältig, das hat sicher einiges an Vorarbeiten, Vorbereitungen gebraucht, warst du oder das Team jeweils zwei Mal vor Ort, einmal fürs Organisieren und einmal für die Drehs?
Catharina Kleber: Wir haben das meiste aus der Ferne vorbereitet, hatten aber auch lokale Unterstützung zum Beispiel in Spanien, Japan und Indien. Im Iran hat die Produzentin und Co-Regisseurin Niloufar Taghizadeh über ihre Connection die Vorarbeit geleistet; in New York war ich schon eine Woche vorher da, um Leute zu treffen und Locations ausfindig zu machen, in Deutschland hab ich’s auch selber vorbereitet.

Caharina Kleber und Paqual Fuentes machen Bagels
Caharina Kleber und Paqual Fuentes machen Bagels

KiJuKU: A propos New York, warum habt ihr über das Judentum dort und nicht in Israel gedreht so wie Islam im Iran?
Catharina Kleber: Das war eine extrem schwierige Entscheidung, eine auch sehr persönliche, die Idee, in New York über das jüdische Leben eine Sendung zu machen, trage ich schon seit Jahren mit mir herum. Für mich ist New York einfach jüdisch, das hab ich gespürt, als ich das erste Mal in dieser Stadt war. Und das war ich viel öfter, in Israel war ich erst mit 18 Jahren das erste Mal. New York ist für mich auch ein bisschen wie Heimat, ich bin die ersten 16 Jahre meines Lebens in Washington D.C. aufgewachsen. Und New York ist nicht nur ein genereller Melting Pot, wo praktisch alle Kulturen zusammenkommen, sondern hat auch in Bezug auf jüdisches Leben eine große Vielfalt – von streng-orthodox Gläubigen bis zu solchen, die koschere Regeln oder die strenge Trennung von Milch- und Fleischprodukten nicht so genau nehmen.

So erleben wir die Drehbuchautorin, Co-Regisseurin und persönlich durch die Folgen führende Kleber in der Backstube von Peter Shelsky, „der die Multikulturalität der Stadt in seine jüdische Küche einfließen lässt. Seine Bagels, die ursprünglich von osteuropäischen Einwanderern mitgebracht wurden, gelten als Klassiker in New York. Heute haben die Einflüsse verschiedener Kulturen im Schmelztiegel New York die kulinarischen Grenzen verschwimmen lassen.“

Catharina Kleber und Mönch Kensuke Sazaki vor dem Tempelmauern
Catharina Kleber und Mönch Kensuke Sazaki vor dem Tempelmauern

KiJuKU: Was waren die überraschendsten und was die herausfordernsten Begegenungen mit Menschen, Speisen und Religionen?
Catharina Kleber: Das Herausfordernste war sicher Funa Sushi in Japan, ein fermentierter Fisch. Du kannst ihn lieben oder hassen, da scheiden sich die Geister. Ich fand ihn – naja, die Schwierigkeit ist, wie sagst du das vor den Leuten und in die Kamera halbwegs diplomatisch. Ich fand ja, er schmeckt nach saurem Käse. Und dieser Dreh war noch dazu an meinem Geburtstag.

KiJuKU: Das war das einzig herausfordernde Essen?
Catharina Kleber: Ja, ansonsten habe ich sehr viele sehr gute Dinge gegessen.

KiJuKU: Und das Überraschendste?
Catharina Kleber: Es hat mich Vieles überrascht, aber das Erstaunlichste war für mich, wie gut und viel die Menschen im Iran über ihre Geschichte und Kultur Bescheid wissen – bis zum kleinen Marktstandler. Das hab ich so in den anderen Ländern nicht erlebt. In Japan hat ja sogar ein Mönch nach seiner Hingabe zu Buddha befragt nur gemeint: Ich bete halt.

KiJuKU: Du hast erwähnt, dass du bis 16 in Washington aufgewachsen bist…
Catharina Kleber: Ja, dann wurde mein Vater nach Europa versetzt, ein Jahr war ich dann in London und danach in Deutschland.

KiJuKU: Du bist bilingual aufgewachsen?
Catharina Kleber: Ich hab in den USA eine deutsche Schule besucht, aber unsere Freizeitsprache war Germish, Deutsch mit englischen Grammatikrgeln. Deutsch war eher nur die Pflichtsprache in der Schule, aber so gut, dass ich in Deutschland dann leicht das Abi gemacht habe. Zum Studium bin ich mit meiner besten Freundin, deren Mutter aus Linz war, nach Österreich gekommen: Theater-, Film- und Medienwissenschaften und Kompartistik – vergleichende Literaturwissenschaft;, ach ja und ich hab acht verschiedene Nebenfächer angefangen.

KiJuKU: Wie kam’s dann zum Fernseh-machen?
Catharina Kleber: Das war nie mein Plan, kam aber durch eine zufällige Begegnung. Hannes Rossacher suchte Assistenz für die Aufzeichnung von Theaterstücken. Ich habe ja Theaterwissenschaften studiert, selbe auch gespielt und ja so hat’s begonnen und dann kamen nach den Stück-Aufzeichnungen noch solche von Konzerten und Dokus und …

KiJuKU: Was sind die nächsten Projekte?
Catharina Kleber: Ich fahr nach Basel für eine Theatergeschichte und am meisten interessieren mich Porträts über interessante Menschen.

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Szenenfoto aus "Dr. Dr. Doktor Frankenstein" von Theater Asou

Zwischen Corona und Frankenstein

Frankenstein – DIE Geschichte schlechthin über die Erschaffung eines künstlichen Menschen, der dann zum Monster wird. Neben dem Originalroman von Mary Shelley vor mehr als 200 Jahren, jeder Menge Bühnen- und Filmfassungen gibt es diese dramatisierte Kritik an Künstlichem, das Menschen in Anflügen von Größenwahn produzieren ohne die (möglichen) Folgen zu bedenken, seit einigen Monaten eine recht witzige, teils absurde, Clowntheater-Version ohne sie zu verblödeln. Derzeit gastiert das Grazer Theater Asou mit Dr. Dr. Doktor Frankenstein“ im „erstbesten Clowntheater in Wien“, dem Theater Olé.

Bevor Michael Hofkirchner rund eineinhalb Stunden die Bühne – und zeitweise auch den Publikumsraum – bespielt, startet die Performance schon bei der „Sprechstundenhilfe“ namens Marie Schelky (!). In diese Rolle schlüpft Ursula Litschauer, die auch Regie führte und zwei Kurzauftritte auf der Bühne hat.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Dr. Dr. Doktor Frankenstein“ von Theater Asou

Ach ja, eigentlich hätte ich vorgehabt nicht zu spoilern, dass der bucklige, humpelnde Clown gar nicht der Doktor himself ist, aber schon die Ankündigung des Theaters verrät, dass es sich bei dieser Figur um Frankensteins Assistenten Zwonimir handelt. Der will aber mehr als nur vorbereiten, er eifert dem Dr. Dr. Doktor nach, nein will ihn sogar übertreffen, fühlt sich göttlich. Oder zumindest auf Zeigefinger-Höhe mit dem höheren Wesen – in einer kurzen Szene im letzten Viertel des Stücks stellt Hofkirchner den berühmten Ausschnitt aus Michelangelo Buanarottis Fresko aus der Sixtinischen Kapelle in Rom „Die Erschaffung Adams“ nach.

Ansätze von kaltem Schauer in den Szenen in denen der Arzthelfer Frankensteins O-Werk – die Erschaffung eines lebendigen Geschöpfes aus toten Stoffen – fabriziert, bricht der schauspielende Clown/clowneske Schauspieler mit exakt getimten witzigen Brüchen. Von solchen setzt er Hofkirchner insgesamt übrigens viele. Auch einen in dem möglicherweise doch der Arzt himself auftaucht. Oder doch nicht? Oder Zwonimir seinen Kopf verliert, der in einer Vitrine landet, beobachtet von einem einzelnen, einsam auf und ab wippenden Auge. Das auch das Publikum in „Augenschein“ nimmt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Dr. Dr. Doktor Frankenstein“ von Theater Asou

Ausgangspunkt für das Stück, so Hofkirchner nach dem Auftritt im Olé zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… sei Vieles rund um und aus der Pandemie-Zeit gewesen. Und das vermittelt sich in so manchen Details der mit vor allem szenischen, teils auch sprachlich dicht mit Gags gespickten Show. Etwa, wenn der Möchtegern-Doktor mit überdimensionalen Spritzen Zuschauer:innen impfen will und diese angstvoll abwehren. Hingegen die meisten anstandslos die Zunge rausstrecken, wenn ihnen der hölzerne Spatel entgegengehalten wird.

Der Abend ist so voller liebe- und kunstvoller Details (bis hin zu fast absurd wirkenden Titeln von Roman-Zeitschriften im „Wartezimmer“), dass die eine oder andere Anspielung vielleicht sogar erst bei einem Zweit-Besuch in der „Ordination“ erblickt oder erkannt wird. Würde sich jedenfalls auszahlen.

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Dr. Dr. Doktor Frankenstein“ von Theater Asou
Hin und her um die Geldtruhe

Nach den Dieben tauchen Polizisten auf und machen Ärger

Gleich hintereinander stehen die Szenen mit den Räubern und den Polizisten auf dem Probenplan des Musicals „Pippi Langstrumpf“, das ab 1. April (bis 4. Juni – siehe Info-Block ganz am Ende des Beitrages) durch Österreich tourt. Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … darf an diesem Vormittag dabei sein.

Stufen hinunter in den Proberaum der Kinderoper Papageno in Wien-Alsergrund – übrigens in der Nähe der schwedischen Botschaft, wo unlängst die Tour des Musicals vorgestellt worden ist – Link zum Bericht am Ende des Beitrages.

Viel kleiner – und vor allem deutlich niedriger als jede der Bühnen sein wird, matcht sich Anna Knott, die die frech-witzige Hauptfigur einmal mit den beiden Räubern und später mit den zwei Polizisten, die sie festnehmen und ins Kinderheim bringen wollen. Und lässt die Gegenspieler jeweils ziemlich blöd aussteigen – die schlau-witzigen Siege gegen Angehörige der Obrigkeit oder andere Widersacher sind schon in den Büchern von Astrid Lindgren so angelegt.

Am Vormittag des Lokalaugenscheins proben sogar drei Räuber. Neben Wilhelm Prainsack wechseln einander Rafael Witak und René Huget bei manchen Vorstellungen ab, wie auch nicht immer Anna Knott die Hauptfigur spielt, singt und tanzt, sondern bei manchen Aufführungen Marie-Luise Schottleitner in Pippis Rolle schlüpft – was bei dieser Probe aber nicht der Fall war. Anna Knott hatte sogar so viel Energie, dass sie die von Regisseur Edmund Emge angebotene Pause zwischen den verschiedenen Szenen ausschlug und gleich weiter drauf los tanzte, spielte und mitunter kräftige Sprünge einlegte.

So geht das mit der Geldtruhe

Zwei Mal wird die ganze Szene durchgespielt, in der auch Sarah Grassler als Herr Nilsson (Äffchen) ebenso auftaucht wie die bekannten Geschwister Tommy (Johannes Sautner) und Annika (Michaela Khom). Nur ganz selten unterbricht der Regisseur, manchmal sagen auch die Räuber „lass uns das noch einmal machen“. Hin und wieder Julika Bachmann, die Regie-Assistentin, einen vergessenen oder falsch eingelernten Satz „einflüstern“. Wobei Bachmann so ziemlich alles checkt und auch den Räubern vorzeigt, wie sie die Geldtruhe so kräftig öffnen müssen, dass nicht beim Zuklappen der Verschluss eingezwickt wird.

Dümmer als die Polizei erlaubt 😉

Kaum ist die Diebes-Szene – im Film würde gesagt werden „im Kasten“, schon kommen die Polizisten dran: Alexander Helmer (Polizist Karlsson), der den leicht Beschränkten spielt, der mitunter die Fortsetzung von Wörtern „vergisst“ und nur durch einen Schlag auf den Kopf weiterreden kann – was dann doch ein wenig naja wirkt – und Jonas Kägi als sein auf besonders cool machende Kollege Larsson.

In der Szene geht’s ganz schon rauf und runter. Die Villa Kunterbunt sind in dem Fall einige übereinander gestapelte Kisten. Und oben, sozusagen auf dem Dach, auf dem Pippi die beiden Polizisten zittern lässt, weil sie ihnen die Leiter wegnimmt, müssen sich die beiden Schauspieler, vorher auch schon die Pippi-Darstellerin ganz schön bücken, um sich nicht den Kopf an der Decke anzuhauen. Und doch wirken die Akteur:innen in der Szene nie krampfhaft. Locker meistern sie auch das.

Statt Pippis bunter Socken trägt Anna Knott bunte Schubänder
Statt Pippis bunter Socken trägt Anna Knott bunte Schubänder

Versuchte Jugendsprache

Apropos locker. Um besonders nice – das längst schon neue cool – rüber zu kommen, bringt der Regisseur Anregung aus dem eigenen Haushalt, in dem Pubertierende leben, ein: Und so spricht Anna Knott als Pippi Langstrumpf einen der Polizisten auf dem Dach als „Bro“ an. Und bei der aktuellen Probe, die kijuku.at besucht, soll sie das nun auf „Bre“ ausbessern, das sei das Angesagtere hätte sein Sohn gesagt. Wobei die eine Variante von Bra (für Bratan, die slawische Version vom englischen Brother) ist. Und Jonas Kägi als Polizist Larsson soll bei der Aufforderung an seinen Kollegen, endlich was weiterzutun in Sachen Pippi-Festnahme statt „nicht mehr länger herumalbern“ sagen „nicht mehr chillen“.

Sarah Grassler spielt Pipps Äffchen, Herrn Nilsson
Sarah Grassler spielt Pipps Äffchen, Herrn Nilsson und shat stilgerecht eine Banane dabei

Und weiter geht‘s

Und im Vorraum warten schon Christina Bahlo und Johanna Mucha auf ihre abwechselnden Probeneinsätze als „Fräulein Prysselius“ von Pippi Brusseliese genannt, die das starek, selbstbewusste Mädchen ins Kinderheim bringen lassen möchte. Auch schon in Warteposition: Andreas Ertl, diesmal als Pippis Vater Kapitän Efraim Langstrumpf, er spielt auch noch den starken Adolf im Zirkus, der natürlich von Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf übertrumpft wird.

Johanna Mucha und Christina Bahlo teilen sich die Rolle von
Johanna Mucha und Christina Bahlo teilen sich die Rolle von „Fräulein Prysselius“

Wie auch immer, bis zum 1. April – in der Kürnberghalle in Leonding (Oberösterreich) – ist ohnehin nicht mehr viel Zeit zu „chillen“. Aber die meisten der. Mitwirkenden hatten das Musical ja schon vor drei Jahren fertig geprobt. Allerdings gab’s nur eine einzige Aufführung bevor mit Mitte März 2020 der erste Lockdown einsetzte und für lange Zeit Theater, Musicals usw. nicht stattfinden konnten.

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Szenenfoto aus "HERSTORY. No more excuses. No more abuses." im Werk X Petersplatz

Kraft- und lustvolles Auseinandernehmen patriarchaler Herr-schaft

So nah und doch so fern – im ziemlichen Dunkel sind beim Betreten des Theaterraums irgendwo weit entfernt auf einer Art Sieges-Treppchen links und rechts je drei Frauen mit dem Rücken zum Publikum wahrzunehmen. Hoch oben auf der mittleren Etage – mit dem Gesicht nach vorne zwischen einer Art Pferdesattel und einem DJane-Pult die Musikerin Jana Schulz.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „HERSTORY. No more excuses. No more abuses.“ im Werk X Petersplatz

Das Licht geht an und die sechs Schauspielerinnen schreiten ins Rampenlicht. Sie spulen bekannte Vorschriften, Ge- und Verbote runter, die längst der Vergangenheit angehören sollten, es aber noch immer nicht tun – von Kleidungsvorschriften – zu aufreizend, zu kurz, zu viel, zu wenig geschminkt. Und weiteren, die sich noch direkter auf den Körper beziehen von zu dick bis zu dünn und noch viele mehr. Sie alle werden von Grace Marta Latigo, Claudia Marold, Simonida Selimović, Denise Teipel, Christina Kiesler und Lara-Fabienne Karasek nach jeweils einem Block solcher vom patriarchal-männlichen Blick getriebenen Anforderungen mit dem satten Satz mit ironisch-sarkastischem Unterton „Sei eine Frau!“ kommentiert.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „HERSTORY. No more excuses. No more abuses.“ im Werk X Petersplatz

Herr-schaft

Im Kellertheater am Wiener Petersplatz (Werk X) läuft aktuell „HERSTORY. No more excuses. No more abuses” (Keine Entschuldigungen, keine Missbräuche mehr!), ein kraft- und lustvolles, mitunter auch witziges, jedenfalls sehr engagiertes kritisches Aufzeigen patriarchaler Herr-schaft, genannt „Doku-Theaterstück“ von Sophie Benedikte Stocker, Regie: Ursula Leitner; mit kräftigen Rhythmen der Live-Musikerin.

Fakten sind in einer „Pimmel-Rad“-Quiz-Show – mit einer Art Schlappschwanz-Kunststoff-Dildo – gefragt – die in der ersten Runde immer „Frauen“ und in der zweiten immer „Männer“ als richtige Antworten hat, allerdings altbekannter Fakten von weniger verdienen bis mehr Vorstandposten besetzen. Die einzige Überraschung vielleicht: Wer hat Bier erfunden? Sumererinnen (südliches Mesopotamien). Wobei das eher eine Vermutung ist und vielleicht einfach eine Umdeutung von History zu Herstory 😉 Wobei es trotz aller Witzigkeit resignativ nur die lebenslange Mitgliedschaft im Patriarchat zu gewinnen gibt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „HERSTORY. No more excuses. No more abuses.“ im Werk X Petersplatz

Spieß umdrehen

Sehr heftig berührend Erfahrungsberichte – nicht von Frauen vor Jahrhunderten oder wenigstens Jahrzehnten sondern aus heute und hier: Männer, die sich an weiblichen Oberschenkeln in dicht gedrängten U-Bahnen reiben und Betroffenen, die lieber nichts sagen, als zu Störfaktor:innen zu werden – oder aber anderen, die sehr wohl fürs lautstarke Aufzeigen plädieren. Geschildert wird aber auch anhand des U-Bahn-Beispiels das Nicht-Reagieren der Umstehenden, das sich auf „beschämt Wegschauen“ beschränkt. Dass dies aber beim Darüber-erzählen leichter anders vorstellbar ist als in der realen Situation führen die sechs Schauspielerinnen vor, indem sie die Publikumstribünen hinaufeilen, den Spieß umdrehen und Männer mit blöden Anmachsprüchen angehen – und selbst in dieser geschützten Theatersituation niemand (einschließlich dem Rezensenten) auch nur irgendwie reagiert außer mit Gelächter.

Erlebnisse von Übergriffen bis zu Vergewaltigungen werden ebenso geschildert, wie zu schlechter Letzt: Eingesprochen und als projizierter Text über die ganze Bühne laufend: Reale Femizide, Morde an Frauen, nur weil sie Frauen sind, aus den vergangenen Monaten.

Engagiert, leider noch immer notwendig, aber die Frage, die sich aufdrängt: Werden angesichts des Publikums, das dieses Theater besucht nicht sprichwörtlich Eulen nach Athen getragen?

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Szenenfotos aus der Generalprobe von "Der Goldene Faden" der inklusiven Tantstudios "Ich bin O.K." im Theater Akzent (Wien)...

Lustvoll und bewegend getanzter schwieriger Weg zum Streit-Aus

Sarah-Ann Neugebauer und Marie Keller stehen mit fetten Kopfhörern auf den Ohren vor einer der seitlichen Türen des gerammelt vollen Publikumssaals im Theater Akzent. Als Geschwister Laskera und Lesina beginnen sie zu schwingen. Offenbar hören sie tanzbare Musik. Der große rote Bühnenvorhang ist noch zu. Nun kommt Musik – offenbar jene, die die beiden schon über ihrer Kopfhörer vernommen hatten, auch aus den Lautsprechern, die beiden tanzen durch die Gänge zwischen den Zuschauer:innen-Blöcken, nähern sich der Bühne, auf der ein gelbes Seil wie eine Schlange liegt. Die beiden betreten die Bühne, der Vorhang öffnet sich und gibt die Blicke frei.

In der Mitte auf einem Podest steht eine weißgekleidete Frau mit urururur….langen „Haaren“, goldgelben, die sich links und rechts auf der Seite der Bühne bis zum vorderen Bühnenrand über den Boden schlängeln. Sara Willnauer stellt sich als Hüterin der Zeit vor – begleitet von etlichen ebenfalls weiß gekleideten Tänzerinnen und Tänzern. Das Spiel kann nun voll beginnen. „Der Goldene Faden“ heißt die aktuelle Produktion der inklusiven Tanzstudios „Ich bin O.K.“, die am Welt-Down-SyndromTag (21. März) ihre erste Aufführung vor Publikum erlebte, die Vorpremiere vor viiiielen Schülerinnen und Schülern. Die spendeten immer wieder spontan auch zwischendurch Szenenapplaus. Und nach rund eineinhalb Stunden als manche schon das vermeintliche Ende empfanden „Zugabe! Zugabe!“-Rufe. Was die Tänzer:innen insofern gaben, weil das Stück noch eine ¼ Stunde weiterging.

Grün gegen lila – oder umgekehrt

Die beiden – eingangs genannten – Geschwister führen durch das Stück, das die Kinder und Jugendlichen in einem wochenlangen Prozess selbst entwickelt hatten. Alles dreht sich um Streit. Immer und immer wieder geraten – ausgehend von Königin (Stephanie Platzer) und König (Severin Neira) Kinder, Hofstaat und alle aneinander, mehr oder minder heftig. In einer langen, abenteuerlichen Reise gelangen die Geschwister, die selber auch anfangen zu streiten in ein Labyrinth, das sie durchqueren müssen, um den magischen Kristall zu finden. Mit dem können Streithansl und -Gretl, sprich Königin und König, sie grün, er lila gekleidet, in die Zukunft schauen, wie sie der Streit zu Gewalt und Krieg weiterentwickeln würde.

Doch so schnell lernen sie nicht daraus. Es kommt zu mehreren Rückfällen ins alte Verhaltensmuster bis sie … – natürlich gibt es ein Happy End – gefeiert mit einem Friedensball, nachdem das Monarch:innen-Duo sich zuvor noch einmal gestritten hat ob Friedensfest oder Versöhnungsball. Ach ja, und die Geschwister befreien die beiden auch von ihren Kronen, die nun reihum alle paar Augenblicke wer anderer auf dem Kopf trägt – kein herrschendes Paar mehr, sondern gemeinsam bestimmen alle mit.

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Weitere Aufführungen bis 30. März sowie zwischen 17. und 23. April 2023 im Theater Akzent – siehe im ausführlichen Info-Block, in dem auch alle Mitwirkenden auf und viele hinter der Bühne angeführt werden.

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hat schon ausführlich von einer Probe berichtet – zu diesem Bericht und einem Interview mit einer Darstellerin, die in mehrere Rollen schlüpft, hier unten.

Bildmontage aus Szenenfotos der nominierten Stücke (von links nach rechts, erst oben dann unten): "Spiel auf Zeit" (Kompanie Freispiel), "nachtschattengewächse (taO!/ Next Liberty Graz), "Future Leaks - Escape Pyatriarchy" (diverCITYLAB), "hexen" (tanz.sucht.theater) und "Mehr als alles auf der Welt" (Burgtheater)

Und nominiert für die Sterne im Kinder- und Jugendtheater sind…

Weil die Nestroy-Theaterpreise Stücke und Performances speziell für junges Publikum nicht berücksichtigen, wurden 2007 eigene Preise für diese Sparte darstellender Kunst erfunden., Die Österreich-Sektion der ASSITEJ (internationale Kinder- und Jugendtheatervereinigung) vergibt seither jedes Jahr in einem anderen Bundesland die Preise für die herausragendsten Stücke, schauspielerischen Einzelleistungen, Musik, Ausstattung und hin und wieder Sonderpreise. Jedes Jahr entscheidet eine andere Jury, anders sind auch die jeweiligen Statuen, die immer speziell – meist von Künstler:innen der Region – angefertigt werden.

Die 17. Stella-Preisverleihung wird zusammen mit dem 50. Geburtstagsfest für das Theater des Kindes in Linz gefeiert, wo auch die Tage davor das Festival stattfindet, bei dem die nominierten Stücke und Teile der Stücke aus dem Spezialpreis noch einmal zu sehen sein werden – unter anderem im Theater des Kindes, im Theater Phönix, im Central Linz, in der Tribüne Linz und im Landestheater Linz.

Die Jury – Magdalena Plöchl, Verena Koch, Bernadette Abendstein, Thomas Sobotka – hat im Vorjahr (2022) 137 Produktionen besucht und bewertet und daraus insgesamt 24 Nominierungen in 5 Kategorien sowie einer Sonderkategorie vorgenommen. 19 unterschiedliche österreichischen Theatergruppen, -häusern, -festivals aus sieben Bundesländern, kommen bei den Nominierungen vor.

Die Nominierten

Hier nun alle von der Jury Nominierten in den verschiedenen Kategorien, in jenen Fällen, die Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… schon gesehen hat die entsprechenden Stück-Besprechungen gleich dazu verlinkt.

Herausragende Produktion für Kinder
* „Vergessen: 15 Eimer Sauerkraut mit Rutsche“ von „Material für die nächste Schicht“ (Kärnten), ab 6 Jahren


* „Spiel auf Zeit“ von „Kompanie Freispiel“ (Wien) ab 7 Jahren

* „Hexen“ von „tanz.sucht.theater“ (Wien), ab 8 Jahren

* „Mehr als alles auf der Welt“ von Burgtheater (Wien), ab 8 Jahren

Herausragende Produktion für Jugendliche
* „nachtschattengewächse“ von TaO!-Graz & Next Liberty (Steiermark), ab 14 Jahren

* „King Kong Vivienne“ vom Vorarlberger Landestheater & dreizehnterjanuar Wien, ab 14 Jahren

* „The Dead Class” von toxic dreams / WUK (Wien), ab 16 Jahren

* „FutureLeaks – ESCAPE PATRIARCHY“ von diverCITYLAB (Wien), ab 16 Jahren

Herausragende darstellerische Leistung
* Christoph Steiner in Robinson Crusoe, Next Liberty (Steiermark)

* Isabella Campestrini in Bambi, Landestheater Linz/ Junges Theater (Oberösterreich)

* Felix Pacher in Tschick, Staatsoper (Wien)

* Nicola Schößler & Martin Bermoser in „Der Tiger geht über den Teppich“ Toihaus Theater (Salzburg )

Herausragende Ausstattung
* Nina Wronka für Bühne & Kostüm in „Der Grüffelo“, Salzburger Landestheater
* Paul Barritt für Animation, Video & Bühne in „Mehr als alles auf der Welt“, Burgtheater (Wien)
* Kompanie Freispiel für Ausstattung in „Spiel auf Zeit“ (Wien)
* Jenny Schleif für Ausstattung in „Ich lieb dich“, jung & jeder Salzburger Festspiele

Herausragende Musik
* Melanie Künz & Marleen Moharitsch in „Geh weg, Herr Berg“, Tiroler Landestheater
* Martin Siewert in „The Dead Class“, toxic dreams / WUK (Wien)
* KMET in „God is a band“, Wolf Collective & KMET (Wien)

* Sebastian Radon & Simon Scharinger in „Aller Anfang ist A Sebastian und das Tontelefon“, Musikverein (Wien)

Sonderpreis der Jury – Partizipative Projekte
* Dschabber, Burgtheaterstudio (Wien)

* Jugend spielt Musical | Grimm!, Landestheater Linz | Junges Theater (Oberösterreich)

* „The Pleasure of Shame“, Dschungel Wien Theater:Klub

* „Die KI schlägt zurück“, Theaterfestival SteudlTenn U21 (Tirol)

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Die drei Hauptpreisträger:innen: Barbara Müller, David Tritscher und Christian(e) Kargl

„eine idee schleicht sich aus dem kopf und geht spazieren“…

„Vor einigen jahren ist eine idee geboren. sie schleicht sich aus den kopf raus und geht spazieren… sie nannte sich: geisti. … geisti war immer in den köpfen der urwesen, die sich menschen nannten, und christian kargl eingesperrt gewesen. er wollte raus, frei sein und sich selbst verwirklichen. …“ Dies ist ein kurzer Auszug aus dem knappen, fantasievollen, schrägen Text mit einem Schuss Witz von Christian(e) Kargl. Er/sie wurde von der namhaften Jury, der unter anderem Felix Mitterer, Eva Nagl-Jancak, Heinz Janisch oder Barbara Rett angehören unter die aktuellen drei Hauptpreisträger:innen des Literaturpreises „Ohrenschmaus“ eingereiht – von 142 Autor:innen, die Beiträge eingereicht hatten.

Bei der 16. Preisverleihung gewannen weiters Barbara Müller und David Tritscher die mit je 1000 € dotierten anderen beiden Hauptpreise. Müller hatte ein berührendes Gedicht über den tod ihres Vaters eingereicht, den sie mit „Dann war ́s zu Ende./ Danke!/ Baba, Papa.“ beendete.

David Tritscher, der vor fünf Jahren zum ersten Mal einen der Hauptpreise gewann und damit zum jüngsten aller Preisträger:innen geworden war (da war er 17) hatte dieses Mal mit einem kritischen Text in Sachen Werkstätten gewonnen. „warum machen sie nicht mal was kreatives mit uns“, nannte er sein Gedicht, in dem er stupide Arbeiten beschreibt, zu denen Menschen mit Behinderungen herangezogen werden – überschrieben mit dem Titel „kreativwerkstatt“: „dann darf man doch diese werkstatt nicht kreativwerkstatt nennen, sondern werkstatt für dumme!/ es ist so traurig, was sie mit uns tun.“

Zu einem Interview mit David Tritscher geht es hier unten

Frieden

Seit vielen Jahren begleitet eine Doppelschokolade diesen Literaturpreis. Josef Zotter sucht zwei Schoko-Sorten aus und lässt die Papierschleife dieser Labooko mit Gedichten bedrucken. Der „Ohrenschmaus“-Verein gibt dazu ein Thema vor. Im Vorjahr hatte sich „Frieden“ aufgdrängt. Eines der drei Gedichte – jenes von Martin Kogler – hatte es am Poesie-Tag sogar in die ZIB2 geschafft – alle drei Texte, auch die von Agnes Zenz und Johanna Veith, finden sich hier auf dieser Homepage – im Bereich „Einfach“, weil die Autor:innen es schaffen, in einfacher oder leichter Sprache mitunter sehr Kompliziertes auf den Punkt zu bringen. Die Texte in voller Länge gibt es in einer Anthologie – siehe Info-Block am Ende des Artikels.

Ehrenliste

Auszüge aus den oben schon genannten Hauptpreis-Texten finden sich dort ebenso wie aus jenen elf Beiträgen, die es auf die Ehrenliste geschafft haben. Da spannt sich der Bogen von Lebensberichten, die nicht selten die Situation des Ausgegrenzt-Werdens, aber zum Glück auch das Gegenteil von Inklusion treffsicher beschreiben bis zu allgemeinen Betrachtungen mit persönlicher Not über Liebe, Zusammenleben, Sexualität, sterben und grundsätzliche Abhandlungen über „normal“ und „behindert“.

„Normal“?

So nannte Micha Zeiger seinen Text „Wer oder was ist normal?“ und startet mit den Fragen: „Warum werden Menschen, die anders sind, von vielen als „nicht normal“ bezeichnet? Kann „anders sein“ nicht auch „normal“ sein? Heißt „normal“ so viel wie „gleich“? Müssen alle Menschen gleich sein, sich gleich verhalten? Ist hier alles gleich? Wo und wie wir leben? Wo wir gerade sind?… Was macht Euch sicher, dass Ihr „normal“ seid? Was macht Euch sicher, dass Ihr „normal bleibt“?

Um – sicher nicht nur – seinen Wunsch so zu formulieren: „Wäre es nicht schön, wenn sich jeder Mensch, jede Pflanze und jedes Tier auf dieser Welt wohlfühlen und geborgen fühlen könnte und eine aufrichtige, wertschätzende und wohltuende Wärme untereinander herrscht?!“

„Behinderung“

Gitti Zettl beschreibt knapp aber treffend, was – nicht nur – ihr nicht selten passiert: „Wie mein Name ist, ist egal. Aber ich bin ein „Mensch mit einer Behinderung“, wie die Leute sagen.“

Schauspieler:innen und Tanz

Die Texte wurden auch bei dieser, der 16. Preisverleihung von einem prominenten Schauspiel-Duo teils theatralisch vorgetragen und damit noch mehr zum Leben erweckt; wie seit vielen Jahren wieder Chris Pichler und Gregor Seberg.

Und um eine weitere Kunstsparte in die Preisverleihung zu integrieren, gibt’s jährilich entweder musikalische oder tänzerische Beiträge. Diesmal berührten Sophie Waldstein und Alexander Stuchlick von den inklusiven Tanzstudios „Ich bin O.K.“ mit einer experimentellen Ballett-Aufführung von „Enamorado“. Die beiden hatten übrigens schon am Vormittag gemeinsam mit rund 60 ihrer Kolleg:innen das knapp mehr als eineinhalb-stündige Stück „Der Goldene Faden“ getanzt.

Initiator

„Ohrenschmaus“ 2023 wurde am Welttag der Poesie, dem 21. März (übrigens auch der Welt-Down-Syndrom-Tag) zum 16. Mal vergeben, diesmal im Raiffeisenhaus am Wiener Donaukanal. Ins Leben gerufen hatte ihn Franz-Joseph-Huainigg, aktuell im ORF u.a. für Inklusion zuständig und auch Initiator der Inklusiven Lehrredaktion, die unter Mithilfe vom Kinder-KURIER in diesem Medienhaus gegründet worden und dann hinausgekickt worden war, allerdings vom ORF übernommen wurde.

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Auszüge aus den Hauptpreis-Texten

Die drei Friedens-Gedichte für die Schoko-Schleife

Auszüge aus den elf Ehrenlisten-Texten

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Ohrenschmaus-Preisverleihung 2017 – > noch im KiKU

Ohrenschmaus-Preisverleihung -> noch im KiKu

Ohrenschmaus-Preisverleihung 2016 -> noch im KiKu

Ohrenschmaus-Preisverleihung 2015 – noch im KiKu

Ohrenschmaus-Preisverleihung 2014 – > noch im KiKu

Auf der Bühne: Die drei Friedensdichter:innen Agnes Zenz, Martin Kogler, Johanna Veith sowie Moderatorinnen u.a..

Drei Texte über Frieden

Der Frieden in mir

Für mich ist Frieden,

wenn ich klassische Musik höre

und Schlager.

Und er riecht

nach Honig, Zimt und Vanille.

Und sehen kann ich ihn auch

in der schönen Natur.

Aber spüren tu ich

meinen eigenen Frieden

im Herzen.

Mein eigener Friede

schmeckt auch

nach guter Schokolade,

aber auch

Trinkschokolade.

Agnes Zenz

Groß eingeblendet: Die Freidensgedichte - auf der Schokoladen-Verpackung
Groß eingeblendet: Die Freidensgedichte – auf der Schokoladen-Verpackung

Frieden ist gut.

Weiß nicht wie man Frieden macht.

Vielleicht ohne Lärm?

Vielleicht mehr helfen?

Vielleicht die Menschen mögen?

Vielleicht mehr lesen?

So kann man Frieden machen!

Martin Kogler

Auf der Bühne: Die drei Friedensdichter:innen Agnes Zenz, Martin Kogler, Johanna Veith sowie Moderatorinnen u.a..
Auf der Bühne (rechts): Die drei Friedensdichter:innen Agnes Zenz, Martin Kogler, Johanna Veith sowie Moderatorinnen u.a..

Frieden ist lustig, freudig.

Man muss fröhlich sein!

Friedensglocken läuten, läuten auf der ganzen Welt, jetzt!

Hört jetzt, horch, horch einmal!

Da passiert was, Glockengeläute.

Macht Frieden…jetzt!

Johanna Veith

Hier unten geht’s zu einem Überblicks-Bericht über die „Ohrensschmaus“-Preisverleihung 2023

David Tritscher, heuer zum 2. Mal Preisträger, war Stipendiat und hat ein Buch veröffentlicht

jeder mensch ist etwas besonderes auf unserer welt

Tag für Tag ein Kübel voller rostiger Schrauben, die zu säubern sind – so beschreibt David Tritscher in seinem in kurzen Sätzen, die sofort Bilder im Kopf entstehen lassen die Arbeit, nein Beschäftigungstherapie in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Warum aber so seine Kritik, dann der Etikettenschwindel, immerhin wurde diese – und werden andere ähnlich funktionierende Einrichtungen „Kreativwerkstatt“ genannt.

„warum machen sie nicht mal was kreatives mit uns“, nannte der 23-Jährige sein Gedicht mit dem er bei der aktuellen, der 16. Verleihung des Literaturpreises „Ohrenschmaus“ einen der drei – gleichwertig je mit 1000 Euro belohnten – Hauptpreise gewonnen hat – Link zum ausführlichen Bericht und damit auch zu Auszügen aus allen ausgezeichneten Texten unten am Ende dieses Bereichts.

„dann darf man doch diese werkstatt nicht kreativwerkstatt nennen, sondern werkstatt für dumme!/ … es ist so traurig, was sie mit uns tun.“

Praktikum in einem Kindergarten

„Nein, dort bin ich zum Glück schon länger nicht mehr“, lächelt er im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …, das wir vor der Preisverleihung führen. Schon vor fünf Jahren hatte David Tritscher einen der drei Hauptpreise gewonnen – mit „gefangene gedanken“ – Link auch zu diesem Beitrag, damals noch im Kinder-KURIER – unten am Ende des Beitrages.

David Tritscher, heuer zum 2. Mal Preisträger, war Stipendiat und hat ein Buch veröffentlicht
David Tritscher, heuer zum 2. Mal Preisträger, hat ein ganzes Buch veröffentlicht

Übrigens hat er, so gesteht Tritscher, „in den Jahren dazwischen gar keinen Text eingereicht, aber einmal hab ich dafür die Preisverleihung moderiert und ich hab in der Zwischenzeit ein ganzes Buch veröffentlicht“. „bergschreiber – gedichte und gedanken“ heißt es und hat rund 90 Seiten.

Teifschürfende und hochfliegende Gedanken

Auf die Frage nach dem Titel, erzählt der Autor: „Ich war da ungefähr zwei Wochen in Kals in Osttirol mit Blick auf den Großglockner und konnte dort in Ruhe schreiben. Viele der Gedichte sind alles andere als Naturbetrachtungen, sondern tiefschürfende und doch immer in kurzen, knappen Sätzen gefasste Gedanken über sein und das Leben im Allgemeinen, über Gefühle einer- und Verstand andererseits. Übrigens hat der bekannte österreichische vor allem Theaterdichter Peter Turrini ein Vorwort für David Tritschers Buch geschrieben und der nicht minder bekannte Theater- und Film- sowie TV-Schauspieler Cornelius Obonya liest die Hörbuch-Fassung, zu der ein QR-Code am Ende des gedruckten Buches führt.

Zurück zu David Tritscher und seinem Schreiben. „Ich schreib immer, wenn ich eine Idee hab und dann muss ich’s meistens gleich aufschreiben“, schildert er seinen kreativen Prozess. „Derzeit mach ich ein Praktikum in einem Kindergarten. Nach dem Schulabschluss hab ich eine Praxis als Koch begonnen aber das ist doch nicht meins.“

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Zum Abschluss noch eines der vielen starken Gedichte von David Tritscher aus dem schon genannten Buch „bergschreiber“, die er alle in konsequenter Kleinschreibung verfasst:

jeder
du denkst, weil du etwas nicht kannst,
bist du nichts besonderes auf dieser welt.
doch jeder, ja, wirklich
jeder mensch
ist etwas besonderes auf unserer welt.
ja, auf unserer
welt.

Hier unten geht es zu Auszügen aus David Tritschers diesmal ausgzeichnetem Text

Hier unten geht’s zu einem Überblicks-Bericht über die „Ohrensschmaus“-Preisverleihung 2023

Über „Ohrenschmaus“-Preisverelihung 2017 und David Tritscher damals – noch im Kinder-KURIER

Titelseite des Buches von David Tritscher
Titelseite des Buches von David Tritscher „bergschreiber“
Kinder schöpfen Wasser aus dem Brunnen in Dedougou, im Westen Burkina Fasos

Kein sauberes Wasser: Täglich sterben 1000 Kinder unter 5 Jahren

Mehr als 1000 Kinder unter fünf Jahren sterben an Krankheiten, die durch dreckiges Wasser, fehlende Sanitäreinrichtungen oder mangelnde Hygiene-Möglichkeiten verursacht werden. Um sich das vielleicht vorstellen zu können: Das wären bei – sagen wir 20 Kindern pro Gruppe – also 50 Kindergartengruppen. Und das jeden Tag!

Wir leben in einer privilegierten Gegend dieser Welt, wir drehen den Wasserhahn auf und  haben sauberes Wasser, spülen sogar Klos damit, haben Seife und so weiter. Aber in vielen Ländern und Gegenden der Welt ist das nicht so, soll aber bis 2030 – und das sind nur mehr sieben Jahre – anders sein, so das Ziel der vom 22 bis 24. März in New York am Sitz des UNO-Hauptquartiers stattfindenden Wasserkonferenz.

Darauf weist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, in einer Aussendung zum bevorstehenden Weltwassertag hin. Diesen hat die UNO vor 30 Jahren ausgerufen, um auf die Wichtigkeit von sauberem Wasser aufmerksam zu machen. Unicef schreibt in der aktuellen Medien-Ausendung, dass der Klimawandel das Wasserproblem verstärkt.

Aus den REsten eines ausgetrocknetes Flusses in Dollow (Somalia) sammelt ein Bub ein bisschen Wasser
Aus den Resten eines ausgetrocknetes Flusses in Dollow (Somalia) sammelt ein Bub ein bisschen Wasser

„Afrika steht vor einer Wasserkatastrophe“

190 Millionen Kinder in zehn afrikanischen Ländern sind laut einer neuen Unicef-Analyse durch eine dreifache Wasserkrise besonders gefährdet. Bei ihnen kommen eine unzureichende Versorgung mit Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene (WASH), eine hohe Last an durch schmutziges Wasser verursachte Krankheiten und hohe Risiken durch den Klimawandel zusammen. Die dreifache Bedrohung ist in Benin, Burkina Faso, Kamerun, Tschad, Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste), Guinea, Mali, Niger, Nigeria und Somalia am dringendsten. Damit gehört West- und Zentralafrika zu den Regionen mit der größten Wasser- und Klima-Unsicherheit der Welt. Viele der am schlimmsten betroffenen Länder, insbesondere in der Sahelzone, leiden unter Instabilität und bewaffneten Konflikten, was den Zugang von Kindern zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zusätzlich erschwert.

„Afrika steht vor einer Wasserkatastrophe. Während klima- und wasserbedingte Schocks weltweit zunehmen, verschärfen sich die Risiken für Kinder nirgendwo sonst auf der Welt so stark wie in Afrika“, sagt Unicef-Programmdirektor Sanjay Wijesekera. „Verheerende Stürme, Überschwemmungen und historische Dürren zerstören bereits jetzt Einrichtungen und Häuser, kontaminieren Wasserquellen, verursachen Hungerkrisen und verbreiten Krankheiten. Aber so herausfordernd die gegenwärtigen Bedingungen auch sind, ohne massive Gegenmaßnahmen könnte die Zukunft noch viel düsterer aussehen.“

In diesen Kanistern tragen Kinder schon von der Unicef gefiltertes Wasser von außerhalb des Dorfes Sami Mahmood Hami (Sudan) in ihren Ort Rosaries
In diesen Kanistern tragen Kinder schon von der Unicef gefiltertes Wasser von außerhalb des Dorfes Sami Mahmood Hami (Sudan) in ihren Ort Rosaries

Für den Bericht hat das UNO-Kinderhilfswerk analysiert, welchen Zugang weltweit Haushalte zur Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung haben, wie viele Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten sterben, die im Zusammenhang mit verschmutztem Wasser stehen, und wie hoch die Klima- und Umweltgefahren sind. Dadurch wird sichtbar, in welchen Ländern und Regionen Kinder am stärksten gefährdet sind und wo dringend in Lösungen investiert werden muss, um unnötige Todesfälle zu vermeiden.

In den zehn Hotspot-Ländern hat fast ein Drittel der Kinder zu Hause keinen Zugang zu wenigstens einer Basis-Versorgung mit sauberem Wasser, und zwei Drittel haben nicht einmal einfache sanitäre Einrichtungen. Ein Viertel der Kinder hat keine andere Wahl, als die freie Natur als Toilette zu benutzen. Auch die Hygiene ist eingeschränkt, da drei Viertel der Kinder sich zu Hause die Hände nicht mit Wasser und Seife waschen können.

In der Folge tragen diese Länder auch die größte Last an Todesfällen bei Kindern aufgrund von Krankheiten wie Durchfallerkrankungen, die durch unzureichende Wasser- und Sanitärversorgung und Hygiene verursacht werden. Beispielsweise waren sechs der zehn Hotspot-Länder im vergangenen Jahr mit Cholera-Ausbrüchen konfrontiert.

Klimawandel und Konflikte verschärfen Wasserkrise

Diese Hotspots gehören zu den Ländern mit besonders hohem Risiko, Klima- und Umweltbedrohungen ausgesetzt zu sein. Die Temperaturen steigen in Teilen West- und Zentralafrikas noch schneller an als im globalen Durchschnitt. Auch der Grundwasserspiegel sinkt, was einige Gemeinden dazu zwingt, doppelt so tiefe Brunnen zu graben wie noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig sind die Regenfälle unregelmäßiger und intensiver geworden, was zu Überschwemmungen führt, die die knappen Wasservorräte verseuchen.

„Es ist ungefähr 3 Monate her, seit wir das Standrohr bekommen haben. Früher mussten wir Wasser aus einem Fluss holen, der 3 Kilometer von hier entfernt ist. Heute gibt es Wasser nur zwei Minuten vom Haus entfernt“, sagt Chantale Akelo, die am 1. Februar 2023 das Wasser trägt, das sie aus dem von UNICEF installierten Wasserhahn der Mbunya Primary School in Lengabo, Provinz Ituri, DR Kongo, gezapft hat.
„Es ist ungefähr 3 Monate her, seit wir das Standrohr bekommen haben. Früher mussten wir Wasser aus einem Fluss holen, der 3 Kilometer von hier entfernt ist. Heute gibt es Wasser nur zwei Minuten vom Haus entfernt“, sagt Chantale Akelo, die am 1. Februar 2023 das Wasser trägt, das sie aus dem von UNICEF installierten Wasserhahn der Mbunya Primary School in Lengabo, Provinz Ituri, DR Kongo, gezapft hat.

Die Belastungen durch bewaffnete Konflikte drohen in einigen Ländern, bisherige Fortschritte bei sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zunichte zu machen. Beispielsweise haben in Burkina Faso Angriffe auf Wasseranlagen als Taktik zur Vertreibung von Menschen zugenommen. 2022 wurden 58 Wasserstellen angegriffen, im Vergleich zu 21 im Jahr 2021 und drei im Jahr 2020. In der Folge verloren mehr als 830.000 Menschen – mehr als die Hälfte davon Kinder – im letzten Jahr den Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Eine Trinkwasserversorgungs- samt Photovoltaik-Anlage verhilft Kindern der Schule und den Menschen der Gemeinde Ngoura im Osten Kaermuns zu sauberem Wasser
Eine Trinkwasserversorgungs- samt Photovoltaik-Anlage verhilft Kindern der Schule und den Menschen der Gemeinde Ngoura im Osten Kaermuns zu sauberem Wasser

UNICEF-Forderungen zur UN-Wasserkonferenz

Bei der oben schon genannten Welt-Wasserkonferenz kommen übrigens zum ersten Mal seit 46 Jahren führende Politiker:innen und wichtige Vertreter:innen von Organisationen zusammen, um die Fortschritte beim Ziel des Zugangs zu Wasser und sanitären Einrichtungen für alle zu überprüfen. UNICEF fordert dabei

Hier im Westen Tschads hat Unicef auf dem Spielplatz der Schule in Bol für sauberes Wasser gesorgt
Hier im Westen Tschads hat Unicef auf dem Spielplatz der Schule in Bol für sauberes Wasser gesorgt

„Investitionen in klimaverträgliche Wasser-, Sanitär- und Hygienedienste sind nicht nur eine Frage des Schutzes der Gesundheit von Kindern heute, sondern auch der Sicherung einer nachhaltigen Zukunft für kommende Generationen“, sagt Unicef-Programmdirektor Sanjay Wijesekera.

Mit der Kampagne „Be the change you want to see in the world“ werden alle Menschen zum Handeln aufgefordert – jede und jeder könne durch kleine Veränderungen im Umgang mit Wasser etwas bewirken, allerdings nicht die globalen Wasserprobleme lösen.

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Bildmontage aus zwei Fotos: Vom Drachensteigen und einem der Newroz-Tänze im Garten der Begegnung in Traiskirchen nahe dem Erstaufnahmezentrum vulgo Flüchtlingslager

Drachen bauen und fliegen lassen – zum Neujahrstag

Vorbei am umgitterten Gelände des Traiskirchner Erstaufnahmezentrums für geflüchtete Menschen mit durchaus einer großen Wiese – aber da darf niemand von außen hinein – einige Gehminuten weiter liegen freie Wiesen links und rechts des Weges. Links liegt der „Garten der Begegnung“, ein „öko-soziales Integrationsprojekt. Im hinteren Teil haben Interessierte – Asylsuchende ebenso wie Bewohner:innen dieser niederösterreichischen Stadt Beete und kleiner Felder angelegt, Bäume gepflanzt für Obst, Gemüse und Kräuter. Seit mehr als fünf Jahren gibt es diesen rund ein Hektar großen Garten.

Im vorderen Teil stehen Rutschen und Schaukeln, Bänke und Tische – und eine große Hütte, in der wird Essen zubereitet und verteilt – Suppe, Gemüse, Falafel, Humus. Rouken, Helen, Shaha und Riva befüllen die Papp-Teller mit geschnittenen Gurken, Paradeisern, Paprika und Falafel, Herr Rudi schneidet Unmengen an dünnem afghanischen Brot für die gemischten Teller. Am Herd köchelt weiße Bohnensuppe. Ab 12 Uhr, vielmehr schon einige Minuten davor, bildet sich eine lange Schlange der Gäst:innen an diesem Samstag vor Frühlingsbeginn. Es gibt keine Drängerei, kein Ruf nach „zweiter Kassa!“. Flott gehen von drinnen die Teller über den Tresen. Es sind übrigens bei den Asylsuchenden vor allem Familien mit Kindern, teils sogar sehr jungen, auf die hier eingesessene Traiskirchner:innen treffen, unter ihnen auch Bürgermeister Andreas Babler.

Neujahr

Nach dem Essen erschallt aus Lautsprechern vor allem kurdische und persische Musik. Immer wieder finden sich kleine und größere Gruppen zu Tanzkreisen zusammen. Bei einer langen Tanzschlange postierten sich kleine Mädchen mit Handys vor den Tanzenden, um diese zu filmen. Frühlingsbeginn ist auch der Beginn eines neuen Jahres im kurdisch-persischen-afghanischen Kulturkreis – Newroz bzw. Nouruz (übersetzt: Neuer Tag).

Die fünfjährige Hewi tanzt sogar in einem traditionellen Kleid, in dem sich kesk (grün), ser (gelb) und sor (rot), die Farben der kurdischen Flaggen finden und wirft sich vor der Kamera in Positur, irgendwie will sie ihren Bruder Aisa (4) auch auf dem Foto haben.

Drachenbau

An diesem Samstag ist der 1. Wiener Drachenbau- und Flugverein Raffler (ein Altwiener Ausdruck für Flugdrachen) zu Gast. Ältere Leute, die teils seit Jahrzehnten wie sie in Varianten sagen „vom Virus Drachenbau angesteckt“ sind. An einem Tisch hobeln Männer an den Innenseiten gespaltener Bambusstangen die abstehenden Teile weg, am anderen Tisch werden dünne große Kunststoff-Säcke ausgeteilt und immer wieder vorgezeigt, wie mit den aufgeschnittenen Folien, zwei über Kreuz gelegten Bambus-Halbstangen und ein paar Stückerln Klebestreifen ziemlich schnell ein Flugdrache entsteht.

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Einige der Asylsuchenden, die aus Afghanistan flüchten mussten – bekanntlich haben vor mehr als eineinhalb Jahren erneut die Taliban die Macht erobert – brauchen nur das Material und bauen auch die eine oder andere Variante eines Flugdrachens, ist das doch ein seit ewig weit verbreiteter Volkssport mit ausgetüftelten Wettbewerben in ihrer Heimat, die sie verlassen mussten.

Die „Baufläche“ verlagert sich immer mehr auch auf den Boden, die einen, die’s schon gelernt haben, zeigen’s anderen vor, darunter immer wieder auch Daniela Gruber-Pruner, Bundesgeschäftsführerin der österreichischen Kinderfreunde und Bundesrätin im Parlament. Und dann geht’s los – meist aus dem Garten der Begegnung hinaus auf die andere Wiese rechts des Weges. Und ab in die Höhe. Nicht jeder Drache will gleich fliegen, dann geht’s oft zurück zur Bastelstation, um die Fluggeräte zu verbessern, damit sie doch hochkommen.

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Regelmäßiger Betrieb

Neu ist ein roter Container knapp nach dem Eingang zu diesem Garten – für Beratungsgespräche. „Jeden Dienstag und Donnerstag und Samstag von März bis Oktober können alle herkommen, die wollen, oft sind auch Schulklassen da, um zu garteln“, erzählt Isabelle vom Verein, der den Garten der Begegnung betreut, dem Reporter und auch davon, dass ein Imker mehrere Bienenstöcke auf dem Gelände hat. Außerdem erklärt sie, dass die kleine Holzhütte gleich nach dem Eingang auf der Schneiderei steht nur eine Verkaufshütte der Nähwerkstatt ist, die auch schon früh in der Stadt eingerichtet worden ist, nachdem etliche geflüchtete Männer nach Nähmaschinen gefragt hatten.

Neu ist ein roter Container auch glich beim Eingang, er wird zu einer Beratungsstelle für Fragen aller Art für Menschen, die nach meist sehr langwieriger Flucht hier im nahegelegenen Erstaufnahmezentrum ihre erste Anlauf-Unterkunft haben, bevor sie aus dem Großlager in kleinere Unterkünfte im Land verteilt werden. Wobei manche auch schonziemlich lange darauf warten.

300 Millionen feiern Newroz/Nouruz

Die UNO nennt rund 300 Millionen Menschen, die seit mehr als 3000 Jahren – von der Balkanhalbinsel über die Schwarzmeerregion, den Kaukasus, bis Zentralasien und im Nahen Osten den Beginn des Aufblühens am 21. März feiern. Für viele, wenn nicht sogar die meisten der auf 30 bis an die 50 Millionen geschätzten Kurd:innen ist das Newroz-Fest aber nicht nur Feier-, sondern auch Kampftag. Das übers Feuer springen besiegt bei ihnen mehr als „nur“ die kalte Jahreszeit.

Schmied gegen Tyrann

Der Legende nach soll an diesem Tag im Jahr 612 v. u. Z., also vor fast 2650 Jahren, ein Schmied namens Kava (Kaveh) sich dem Tyrannen Dehok widersetzt haben. Feuer auf Berggipfeln gaben das Signal zum Aufstand gegen die Willkürherrschaft. Und weil Kurd:innen auch heute noch in den meisten Ländern ihres Siedlungsgebietes (Türkei, Syrien, Irak, Iran, Aserbeidschan…) unterdrückt sind (nur im Irak Autonomie haben), ist für sie auch heute noch Newroz ein Tag des politischen Widerstandes.

Sieben Sachen mit S

„Haft Sin“ (Sieben S) steht für sieben Dinge, die mit (Sīn – persisches S) beginnen traditionell zu Nouruz: Sekke – Münzen; Sib – Apfel; Somach – ein persisches Gewürz (Sumach); Sombol – Hyazinthen; Sir – Knoblauch; Sabseh – ‚Grünzeug‘, typischerweise keimender Weizen, Gerste, Kresse oder Ähnliches; und Serke – Essig.

Ebenso wichtig ist das aus sieben Früchten bestehende Neujahrsgetränk „Haft Mewa“. Es werden sieben Speisen zubereitet, die möglichst mit dem Buchstaben „S“ beginnen sollten und die sieben Tugenden des Zoroastrismus symbolisieren, und zusammen mit Samanak (Keimlinge aus sieben Getreidesorten), einem Spiegel, einer Kerze und einem heiligen oder wichtigen Buch (dem Koran bei Muslimen, der Bibel bei Christen, der Avesta oder einem Bild Zarathustras bei Zoroastriern oder einem Gedichtsbuch) auf einem Tisch gedeckt.

gartenderbegegnung

raffler

kinderfreunde -> connect-traiskirchen

Kinder-KURIER -> Newroz-Fest 2019

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Tänzer:innen von "ich bin O.K." in Aktion zum Welt-Down-Syndrom-Tag auf dem Wiener Stephansplatz

Gemeinsam voller Lebensfreude tanzen

Am Vormittag tanzten sie die Vorpremiere des Stücks „Der Golden Faden“ im Theater Akzent und rissen die vollbesetzte Hütte zu Beifallsstürmen und „Zugabe!“-Rufe hin, am Nachmittag traten manche von ihnen auf dem Wiener Stephansplatz auf: Tänzer:innen der inklusiven Studios „Ich bin O.K.“ nutzten den Welt-Down-Syndrom-Tag am ersten Tag des Frühlings um zu zeigen was sie drauf haben, unter anderem zeigten sie Choreografien aus dem eingangs genannten Stück.

Der Welttag in diesem Jahr (2023) steht unter dem Motto: „Mit uns nicht für uns“ – und das strahlen die Tänzer:innen sowohl auf der Bühne als auch in der Mitte der Stadt aus.

World DownSyndrom-Day

Diesen Welttag gibt es seit 2005, sieben Jahre später wurde er von der UNO offiziell anerkannt und er ist nicht zufällig gewählt. Trisomie 21, der Fachbegriff für Down Syndrom steht dafür, dass Menschen im 21. von 23 der menschlichen Chromosomenpaare eines mehr, ein drittes haben – daher 21. März (drittes Monat für drittes Chromosom).

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worlddownsyndromeday

Doppelsiete aus dem Bilderbuch "Vincent und ich"

Hase und Nashorn – Freundschaft um jeden Preis?

Das Ich-erzählende, namenlos bleibende Kind würde sich als scheuen, stillen Hasen „mit Augen, denen nichts entgeht“, sehen wenn es ein Tier wäre. So schreibt und zeichnet Stefan Karch es auf der ersten Doppelseite des Bilderbuchs „Vincent und ich“.

Ein allerdings sehr oft unsichtbarer und Außenseiter-Hase. Kaum wer fragt ihn, mitzuspielen, die anderen „übersehen“ ihn.

Doch dann wird alles anders: Ein Neuer kommt in die Klasse. Vincent heißt er und – Sensation – ausgerechnet mit dem scheuen, stillen Hasen will er befreundet sein. Das gefällt, fühlt sich gut an. Endlich nicht immer ausgegrenzt, endlich auch für alle anderen sichtbar. Eines Tages lässt Autor und Illustrator den Ich-Erzähler fragen, welches Tier denn Vincent sein wollen würde. „Ein Nashorn, wie mein Vater.“

Übrigens ein abwesender Vater, der die Familie verlassen hat, was Vincent nicht sehr stört, „jetzt gibt es wenigstens keine Kopfnüsse mehr“.

Standfest, bullig, dicke Haut – mit Vincent erlebt das Hasen-ich so manch wilde Spiele, fühlt sich stark, ja irgendwie unbesiegbar. Manchmal allerdings erzeugt Vincents auch gewalttätiges Verhalten Angst.

Was tun?

Und eine solche Situation wird ganz brenzlig. Unterwegs mit Vincent kommt Paul, Schüler aus der Nebenklasse, entgegen. Vincent rempelt den Mitschüler an, schlägt ihn zu Boden. Was tun? Steh ich zu meinem Freund? Und was ist, wenn ich dann wieder ganz allein bin? Oder?

„Plötzlich will ich nicht mehr mit Vincent befreundet sein“, steht dann da bevor eine Doppelseite kommt in der – nur mit gezeichneten Augen – das „Ich“ sich ausmalt, was es alles Gutes tun würde: Paul aufhelfen… Umgeblättert und dann steht da: „Doch das alles tue ich nicht.“ Er geht mit Vincent weiter. „Es fühlt sich komisch an …“

Und daraus folgt aber, ein Blick zurück, zu Paul. „Und da passiert es. Der Hase schlägt einen Haken. Ich mache mich los und kehre um…“

Noch ist das Ende des Buchs nicht erreicht. Was es nicht gibt, ohne zu spoilern: Vincent kommt nicht mehr vor. Ob die Abwendung des Hasen vom Nashorn bei Letzterem was auslöst?

Stefan Karch, der vorweg im Buch kleingedruckt schreibt, dass er als Kind Chef einer Bande war, „die durchaus mit Stöcken bewaffnet durch die Wälder streifte“, beschreibt mit wenigen Worten in knappen Sätzen ein gefühlsmäßiges Auf und Ab wie es in ähnlicher Form sicher vielen Kindern geht. Wer will nicht ständig im Abseits stehen, übersehen werden, Freund:innen haben, noch dazu starke.

Seine skizzen-artigen Zeichnungen für die er – wie es in den Notizen steht -, schon auch mal verdünnten Kaffee neben Stiften auf Öl-Basis verwendet, untermalen die auf den Punkt gebrachten Situationen; mitunter ergänzen sie diese auch. „Vincent und ich“ thematisiert Freundschaft, Dazu-gehören-wollen, aber auch Gewalt und sich davon abwenden auf leicht fassliche und doch tiefgehende Art. Und gerade das – zumindest auf Vincent bezogen – offene Ende lädt zu vielleicht auch heftigen Diskussionen ein.

Follow@kiJuKUheinz

Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Vincent und ich“
Interview der Moderatorin Cornelia Pfeiffer mit dem Hauptpreisträger David Tritscher

warum machen sie nicht mal was kreatives mit uns

ich komme tagtäglich in die werkstatt

zu meinem arbeitsplatz hin

und sehe immer das gleiche bild:

einen kübel voller rostiger schrauben

und ich frage mich, warum machen sie nicht mal mit uns etwas kreatives?

das ergibt doch keinen sinn, dieses entrosten von schrauben.

dann darf man doch diese werkstatt nicht kreativwerkstatt nennen, sondern werkstatt für dumme!

es ist so traurig, was sie mit uns tun.

David Tritscher

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Eine der Hauptpreisträger:innen: Barbara Müller

Der Papa ist gestorben

Der Papa ist gestorben – an einem Hirnschlag.

Dann ham ́s ihn ins Bett geführt. Die Mama war auch da – z ́haus.

Ich war auch da.

Ich war traurig.

Die Mama auch.

Die Männer waren da. Schön angezogen.

Die Männer haben ihn mitgenommen.

Dann war ́s zu Ende.

Danke!

Baba, Papa.

Barbara Müller

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Preisträger:in Christian(e) Kargl

Die Idee ist müde

Vor einigen jahren ist eine idee geboren. sie schleicht sich aus den kopf raus und geht spazieren. Sie trank ein bißchen was, sie aß ein bißchen was und spritzte sich heroin. sie nannte sich: geisti.

geisti war immer in den köpfen der urwesen, die sich menschen nannten, und christian kargl

eingesperrt gewesen. er wollte raus, frei sein und sich selbst verwirklichen. …

Christian(e) Kargl

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Preisverleihung an die Autor:innen, deren Texte es dieses Mal auf die Ehrenliste geschafft haben

Wer oder was ist normal?

Warum werden Menschen, die anders sind, von vielen als „nicht normal“ bezeichnet? Kann „anders sein“ nicht auch „normal“ sein? Heißt „normal“ soviel wie „gleich“?

Müssen alle Menschen gleich sein, sich gleich verhalten? Ist hier alles gleich? Wo und wie wir leben? Wo wir gerade sind?

Manche Menschen, die sich als die „Normalen“ oder „Normalos“ bezeichnen, sagen: „Du kannst doch nicht mehr normal sein …“ Sie sagen weiter: „So verhält sich kein normaler Mensch!“ Oder sie sagen: „Du bist doch nicht ganz normal!“

Was macht Euch sicher, dass Ihr „normal“ seid? Was macht Euch sicher, dass Ihr „normal bleibt“?

Wäre es nicht schön, wenn sich jeder Mensch, jede Pflanze und jedes Tier auf dieser Welt wohlfühlen und geborgen fühlen könnte und eine aufrichtige, wertschätzende und wohltuende Wärme untereinander herrscht?!

Hand aufs Herz: Wer wünscht sich das nicht!?

Bleibt fair und menschenwürdig zu euch, dann könnt Ihr es auch zu uns sein. Seid so wertvoll zu uns, wie ihr es auch für euch selber wünscht. Schafft uns eine schöne, gemütliche, liebevolle Umgebung.

Wir haben Gewohnheiten, Wünsche – habt ihr die nicht auch? Wir brauchen Zuwendung,

Geborgenheit und Zeit. Wir brauchen Unterstützung und Begleitung im Alltag.

Oft werden Menschen in Schubladen gepackt, oft wird nach Leistung und Schnelligkeit geschaut. Oft wird gesagt, das Besondere geht verloren, die Welt wird grau und nicht mehr bunt gesehen. Man wünscht sich Schnelligkeit, aber sagt, die Zeit geht so zu schnell vorbei.

Ich glaube, wer sich mit sich und in seiner andersartigen Normalität wohlfühlt, kann auch die

andersartige Normalität Anderer besser akzeptieren, wertschätzen und verstehen.

Wir Menschen brauche Euch und Ihr braucht uns. Achtet uns, das wünscht ihr euch doch auch!

Gebt uns die Chance, integriert zu sein, bezieht uns mit ein. …

Micha Zeiger

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Preisverleihung an die Autor:innen, deren Texte es dieses Mal auf die Ehrenliste geschafft haben

Eine Maschine gehört geölt, ein Mensch gehört in den Arm genommen

Wie mein Name ist, ist egal. Aber ich bin ein „Mensch mit einer Behinderung“, wie die Leute sagen. Aber ich bin ein Mensch, der sehr viel vergessen tut. Wenn ich in der Früh aufstehe, muss ich über alles nachdenken. Weil ich möchte keine Fehler machen. Aber ich muss erst lernen, das Fehlermachen ist menschlich.

Von mir kann man sehr viel haben, aber man muss viel Geduld haben. Aber jedes Mal, wenn ich aufstehe, merke ich, dass es leider Menschen gibt, die mich nicht verstehen.

Meine Pflegemama hat immer gesagt: „Mach dir nicht so viele Gedanken“. Wie ich meiner

Pflegemama gesagt habe, dass ich lesbisch bin, hat sie mich auch so liebgehabt. Aber sie wollte immer Tiere um sich haben – und das hatte sie auch.

Das, was meine leibliche Mama gemacht hat, ist nicht okay. Aber meine Pflegemama war für mich die Beste. …

Gitti Zettl

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Mit einem Text auf der aktuellen Ehrenlist und ausgewählt fürs aktuelle Literaturstipendium: Peter Gstöttmaier

Drüba da Doana!

Dort wohnt Rudi und sei Familie auf an Bauernhof in Neustadl.

Rudi is mei guata, liaba Freund, nimmt mih ernst, gspia ih. Wia a Vota! Geduldig hört er mir zua. Hobi des Gfüh Rudi is a Gaudimocha, ähnli wia Walter, mei Bruada. Fühli wohl nebm eahm. Rudi hot Lisabeth und mih einglond zu Erntedonkfeier. Derfi a mitfeian. Hobi a mitgoarbeit.

Um Viere nochmittag (16h) is losgonga. 19 Leut worn ma do. Erscht homa amoi Möhran, Pedasü, Erbsn, Bohnen, Kartoffin füa Suppm kloa hergschnittn, donn in Häfa gschmissn, Wossa dazua, soizn, pfeffan, siadn lossn. Vawondte von Rudi, Nochbarn a, hom Kuchn und Tortn brocht, Baunkropfan a.

Um holba Zehne (21.30h) homa uns pfiat. Lisabeth und ih san donn wieda ogrissn – umi -zruck üba de Doana, hoam noch Grein.

Liaba Rudi, liabe Anna, sogi DANKE für mit euch feiern derfa hob. Hobts mih gonz, gonz freundli aufgnumma, mitgnumma!

Derfi oiweu höfa bei euch, Kraut einhobin, Erpan (Kartoffi) klaubm, Adventkronz bindn, im Juni Sunniwendn feian und Coronamaskn vabrenna a nu. Fia Ernte danke sogn is a schena Brauch, des is Zomhoidn!

Heidi sogt des ist INKLUSION! und sogt a DANKE!

Peter Gstöttmaier

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Preisverleihung an die Autor:innen, deren Texte es dieses Mal auf die Ehrenliste geschafft haben

Wenn die ERFAHRUNG mein LEBEN behindert

Die ERFAHRUNG sagt zu mir: „Habe Bauchweh!“

Die ERFAHRUNG sagt zu mir: „Fühle dich schlecht!“

Die ERFAHRUNG sagt zu mir: „Schlafe nicht!“

Die ERFAHRUNG sagt zu mir: „Habe ein ungutes Gefühl!“

Die ERFAHRUNG sagt zu mir: „Sei unsicher!“

Das „HIER und JETZT“ sagt zu mir: „Habe kein Bauchweh mehr!“

Das „HIER und JETZT“ sagt zu mir: „Fühle dich gut!“

Das „HIER und JETZT“ sagt zu mir: „Schlafe wieder gut!“

Das „HIER und JETZT“ sagt zu mir: „Habe ein gutes Gefühl!“

Das „HIER und JETZT“ sagt zu mir: „Fühle dich wieder sicher!“

Daniela Schultes

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Preisverleihung an die Autor:innen, deren Texte es dieses Mal auf die Ehrenliste geschafft haben

Die alte Schreibmaschine

Brief schreiben.

Einen Liebesbrief.

Auf der Schreibmaschine getippt

von der Sekretärin.

Ein anderer Brief

an die Polizei.

Es geht um einen Mörder.

Ein Brief:

Ein Glückwunsch zum Geburtstag.

Die alte Schreibmaschine.

Sie hat in vielen Jahren

viele Briefe getippt.

Die alte Schreibmaschine,

die schreibt sehr gut,

Danke!

Robert Eder

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Preisverleihung an die Autor:innen, deren Texte es dieses Mal auf die Ehrenliste geschafft haben

Liebe und Sexualität

Liebe gehört zur Sexualität und wenn keiner Sexualität zulässt werden Menschen dick.

Oliver Strouhal

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Preisverleihung an die Autor:innen, deren Texte es dieses Mal auf die Ehrenliste geschafft haben

Sterben

Da müssen wir langsam runtergehen.

Die Stiege runter,

Sternchen ist oben.

Meine Oma ist ein Sternzeichen.

Claudia Robnig

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Preisverleihung an die Autor:innen, deren Texte es dieses Mal auf die Ehrenliste geschafft haben

CLUB 21

„Gehen wir in den 21er Club?“, mauzt der Pumabub.

„Schreib ma für den Ohrenschmaus?“, fragt die Spitzmaus.

„Was sollen wir schreiben?“, meinen die Weihen.

„Vom Leben?“; meinen die Rehe.

„Von Kirschen“, röhren die Hirschen.

„Von Käse und Speck!“, schreit der Eichelhäher und fliegt weg.

„Von der Disco“, meint der Gecko.

„Vom Tanzen und Singen“, spricht die Vogelspinne.

„Jeder schreibt auf seine Art“, mauzt der Gepard.

Gerlinde Planinger

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Preisverleihung an die Autor:innen, deren Texte es dieses Mal auf die Ehrenliste geschafft haben

Mein Leben

Ich bin 38 Jahre alt, bin in Wels geboren und aufgewachsen. Meine Hobbys sind: Kochen, Basteln, Backen, mit den Katzen spielen.

An einen Teil meiner Kindheit kann ich mich erinnern: Ich war anderes als die normalen Kinder, ich wurde ausgespottet, geärgert von den anderen Nachbarskindern, ich durfte nicht mitspielen. Einmal hatten sie mir einen großen Stein auf den Kopf geschlagen, und ich musste ins Krankenhaus, um genäht zu werden.

Meine Geschwister mochten mich nicht, weil ich anders war. Ich musste alles tun zuhause: Wäschewaschen, Wäsche aufhängen, Einkaufen gehen, meinen jüngeren Bruder zur Schule bringen und wieder abholen.

Ich bin in einen ganz normalen Kindergarten gegangen, zusammen mit meinem Bruder.

Ich bin in eine Vorschule gegangen, aber die Lehrerin hatte bemerkt, dass ich mit dem Lernen Schwierigkeiten habe. Ich habe das nicht so bemerkt. Eines Tages kam eine Dame vom Jugendamt zusammen mit meiner Mutter und sie haben mich von der Schule genommen. Und in einer Sonderschule angemeldet, wo andere Kinder mit Beeinträchtigungen sind.

In der Sonderschule war ich bis zu meinen 10. Lebensjahr, dann brachte mich die Dame vom Jugendamt ins Heim. Meine 2 anderen Brüder sind in einem Kinderdorf untergebracht worden. Meine Schwester war die älteste und blieb zuhause.

Das Leben im Heim war nicht so schön. …

Seit 2021 Schreibe ich für die Lebenshilfe Zeitung in Einfacher Sprache. Und bin ich freiwillige Mitarbeiterin in der Lebenshilfe Wels in einem Wohnhaus, wo Menschen mit Beeinträchtigungen leben.

Meine Aufgabe ist eine demenzerkrankte Person in der Freizeit zu betreuen. Kinobesuch, Schwimmen gehen, Essen gehen, Kaffeehaus Besuch, Ausflüge machen.

Isabella Massner

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Wie meine Lebensgefährtin und ich zusammengezogen sind

Einige Wochen nachdem Helga in der Zeitungsgruppe begonnen hatte, fragte ich sie, ob wir

gemeinsam Nachhause fahren. Sie sagte ja. Ich dachte es wird ein schöner Nachmittag mit Kaffee und Kuchen und hatte auch schon eine Ausrede parat. Aber es hat beim ersten Mal nicht so funktioniert wie ich wollte. Mir kamen die Tränen. Sie sah es. Am nächsten Tag funktionierte es.

Wir sind sehr glücklich miteinander. Wir verstehen uns gut. … Da ich meine Helga Liebe und sie auch für mich da ist, achten wir gegenseitig auf unsere Bedürfnisse. Wir sind füreinander da.

Robert Saugspier

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So viele Schrauben hatte ich noch nie

Schrauben finde ich schon immer interessant.

Sie sind wertvoll und praktisch.

Sie gefallen mir gut und mein Papa kann sie brauchen.

Er verschraubt damit Vogelhäuser oder Nistkästchen.

Wir haben dafür schon viele Schrauben verwendet.

Und die Vögel kommen auch so gerne.

Schrauben suche und sammle ich gerne.

Bei dieser Firma sortiere ich

mit meinen Kollegen den Montage-Müll.

Dabei finde ich immer wieder Schrauben.

Und das ist für mich eine große Freude.

Diese Schrauben kann ich einfach nicht wegwerfen.

Das bringe ich nicht übers Herz.

Sie sind viel zu schön und auch zu wertvoll.

Aber mit dem herkömmlichen Schraubenzieher

braucht es viel Anstrengung.

Da kann man auch richtige Blasen bei den Händen bekommen…

Ist aber eine Schraube bis zum Anschlag versenkt,

dann taugt mir das so richtig.

Rene Glößl

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David Faraco als Qualcksalver

Witzige Entzauberung von Wundermitteln

Mit einer Art fahrenden Jahr- und anderem Marktstand – auf dem Gestell eines alten Puppenwagens mit vielen ausziehbaren Laden und Klappen – preist der Verkäufer seine kleinen Fläschchen mit „Wonder Tonic“ an. Wer auch immer welche Beschwerden, Schmerzen oder Sorgen hat – das Zaubermittel würde helfen. „The Quacksalver“ heißt das Stück, das zum Abschluss des diesjährigen Internationalen Figurenfestivals im Wiener Schubert Theater zu sehen war.

die beiden kannibalischen Wesen
Die beiden kannibalischen Wesen

David Faraco spielte den Anpreiser des Wunder-Saftes, bediente die Figuren – einen gar leidenden Glückspilz, der in den Genuss von „Wonder Tonic“ kommen darf, zwei furchterregende kannibalische Wesen, Fabeltiere (alle gebaut von Sofie Krog – nach der auch dieses dänische Figurentheater benannt ist) und nicht zuletzt den fast magischen Verkaufs-Schrank. Der Figuren- und auch Schauspieler setzt aber auch seinen Körper ein, um die angebliche Wirkung zu demonstrieren – und zunehmend auch zu demaskieren, dass sie immer weniger bis gar nicht hilft.

So soll Wonder Tonic wirken
So soll Wonder Tonic wirken

Das Stück ist eine witzig-sarkastische, leider zutiefst ernste Auseinandersetzung mit einem aktuellen Phänomen – erinnert sei nicht zuletzt an Politiker, die Entwurmungsmitteln eine heilende Wirkung bei Corona andichteten oder andere die Glückspillen auf den Markt brachten.

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https://schuberttheater.at/internationales-figurenfestival-2023/
Doppelseite aus dem Bilderbuch "Schlaf Schaf"

Können auch Schäfchen müde werden?

„Ich bin aber noch nicht müde!“, „Ich kann gar nicht einschlafen!“ – Auf den so oder ähnlich gesagten Satz eines Kindes kommt nicht selten die elterliche Anregung, sich Schäfchen vorzustellen und sie zu zählen, beispielsweise wenn sie über einen Zaun springen.

Wie aber ist dies nur für Schafe, bzw. Lämmer wie die Kinder der wolligen Verbeiner genannt werden?

Lucy Ruth Cummins hat sich dazu eine Geschichte ausgedacht, die Pete Oswald gezeichnet hat – „Schlaf Schaf“ heißt das Bilderbuch das daraus entstanden ist; das heißt vielmehr heißt es im US-amerikanischen Original „Sleepy Sheepy“ (Übersetzung Gerda M. Pum). Quietschmunter turnt und spielt Klein-Schäfchen und in großen Buchstaben sehen wir: „war nicht müde!“ – und das über viele Doppelseiten hinweg mehrmals. „Null Bock“ sich nach der elterlichen Vorgabe und einer Uhrzeit zu halten, die Schlafenszeit anzeigte.

Was natürlich nicht so bleibt, denn irgendwann wird auch einmal ein kleines energiegeladenes Schaf müü…, wenigstens ein bisschen 😉

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Schlaf Schaf“
Szenenfoto aus "Happy Hype" zum Abschluss des Skin #4-Festivals im Dschungel Wien

Ausgelassene Lebensfreude als Energie-Boost

Gehupe vor dem Theaterhaus im Wiener MuseumsQuartier. Schräge, bunte, diverse Typ:innen* sorgen fast für Kreischalarm beim Publikum. Und Aufregung bei einem Mitglied des MQ-Wachdienstes, der die Künstler:innen gar nicht weiterfahren lassen will. Wobei, die haben ihr Ziel erreicht, steigen, nein eher springen aus dem Auto, tanzen, wälzen sich tänzerisch über den Boden, laden die Zuschauer:innen ein, gleich mitzuswingen…

Bevor sie im großen Saal die Hütte zum Kochen bringen. In teils unglaublichen never ending akrobatischen Tanzbewegungen schütteln sie pure Lebensfreude und schier endlose Kraft aus ihren Körpern. Energie, die sie – immer wieder Einzelnen aus dem auf dem Boden umsitzenden, später -stehenden direkt senden.

Zu den fünf Tänzer:innen von Collectif Ouinch Ouinch – Marius Barthaux, Karine Dahouindji, Elie Autin, Adél Juhász, Collin Cabanis – muss mindestens noch die Live-Djane Maud Hala Chami aka Mulah genannt werden, die nicht nur die Regler bedient, sondern wie eine Dirigentin einerseits agiert und andererseits nicht selten auch hinter ihrem Elektronik-Pult mittanzt.

Die gute Stunde mitreißender Tanzperformance geht übrigens nahtlos in eine Mittanz-Party über, die den Abschluss des Festivals Skin #4 im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum, bildete – und sehr ansteckend und kraftspendend ist.

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Szenenfoto aus "The Big Picture"

Ein „Lehr“Stück in Sachen „utopischer Realismus“

Elegant schwarz gekleidet betreten die beiden Akteurinnen die Bühne, auf der ein klassisches Redepult und an der Seite ein kleiner Tisch mit zwei Sesseln steht. Sie werden kein Stück spielen, bestätigen sie die Info aus dem Programmzettel, dass es sich bei „The Big Picture“ der Gruppe „Fetter Fisch“ (Münster, Deutschland) um eine „Lecture Peformance“ handelt; sozusagen eine Vorlesung mit eingestreuten theatralischen Mitteln – und vielen Bildern, das heißt an die Wand projizierten Fotos.

Szenenfoto aus
Cornelia Kuperschmied lässt sich von diesem Foto einer offenbar laut schreienden jungen Frau inspirieren und erschallt den Theaterraum mit einem herzhaften Schrei

Das große Bild, das Silvia Andringa, Cornelia Kupferschmid (Regie, Choreografie: Leandro Kees) erzeugen wollen ist, Mut machen gegen die leider ja nicht unberechtigten Ängste über die Zukunft des Lebens auf diesem Planeten. Doch statt über realistische Dystopien Ohnmacht zu verstärken will „The Big Picture“ Mut machen mit vielen ganz konkreten Beispielen von Widerstand in unterschiedlichster, nicht selten auch kreativer Form, und gelungenen Gegenbeispielen.

Der Junge, der einen ganzen Wald pflanzte

Ob dies etwa Jadav Molai Payeng ist, der als Jugendlicher vor rund 40 Jahren auf einer Sandbank im großen indischen Fluss Brahmaputra die ersten Bambus-Setzlinge einpflanzte woraus bis heute ein riesiger Wald geworden ist (Link zur KiJuKU-Story über Bilderbücher über ihn gleich nach diesem Absatz), oder Great Thunbergs Schulstreik aus dem die weltweite Bewegung Fridays For Future geworden ist… „Utopischen Realismus“ nennt die Gruppe die vielen Beispiele, wo anfangs oft nur wenige, nicht selten auch nur einzelnen Menschen, Aktionen setzten, die althergebrachte Normen durchbrachen, unter denen Gruppen von Menschen diskriminiert, ausgegrenzt usw. worden sind.

So findet sich unter den Foto-Beispielen auch jenes von Kathrine Switzer mit der Nummer 261 beim Boston Marathon 1967 – sie wurde vom Renndirektor aus dem Pulk der Laufenden gefischt – Frauen durften damals (noch) nicht teilnehmen. Mit ihrer Aktion löste sie aus, dass wenige Jahre später natürlich auch Frauen in Boston Marathon laufen durften. Ein weiteres Foto zeigt eine Läuferin mit der historischen Nummer im Jahr 2017 – zum 50. Geburtstag der Protestaktion.

Vor-Lesen

Die beiden Performerinnen stellen aber auch den Münchner Friseur Danny Beuerbach vor, der vor rund fünf Jahren begonnen hatte, Kindern gratis die Haare zu schneiden, wenn sie ihm in dieser Zeit aus einem Buch vorlesen. „Ich geh aber auch raus, in Schulen oder zu Leseveranstaltungen, besonders gern in Gegenden, wo vielleicht weniger gelesen wird und die Leute nicht so viel Geld haben. Dort kriegen Kinder ihren Haarschnitt gratis, sagte er in einem Telefon-Interview – damals noch für den Kinder-KURIER (Link zur Geschichte am Ende des Beitrages) anlässlich des Kinderbuchs, das seine Aktion sowie Fantasiegeschichten umfasst.

Kinder-KURIER -> über das Buch von und über den Frisör, der Haarschnitt gegen Vorlesen tauscht

Außerdem präsentierten sie José Adolfo (13) aus Areqipa in Peru. Er hatte eine „Umwelt-Kinderbank“ gegründet als er erst sieben (7!) Jahre alt/jung war. Kinder, die sechs Kilo Müll sammeln und zu einem Zentrum bringen, in dem der Abfall getrennt und recycelt wird, bekamen ein Konto dieser Bank auf das nur sie Zugriff haben. Mehr über ihn und andere Kinder/Jugendliche die einiges auslösten und bewirkten in dem Film „Morgen gehört uns“ – Besprechung hier unten.

Ins Gespräch kommen

Die Künstler:innen hatten für die Performance, die sie 2019 fertigstellten, eine Woche lang mit Jugendlichen einer 8. Realschulklasse in Münster gearbeitet, um Themen, die diesen wichtig waren zu verhandeln. Auch ungefähr mitten in jeder Performance sprechen sie das Publikum an mit der Frage, was für jede/n Einzelne/n wichtig wäre/ist. Doch schon im nächsten Moment geht die Performance weiter, bleibt nicht wirklich Raum und Zeit dafür.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „The Big Picture“

„Aber nach jeder Aufführung sprechen wir dann genau diesen Moment an und kommen miteinander ins Gespräch“, so Silvia Andringa nach dem abendlichen Gastspielt im Rahmen von Skin #4 im Dschungel Wien zu Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… Und über das Gespräch hinaus stellen sie mit eigenem theaterpädagogischen Material Lehrer:innen Tipps für Workshops mit ihren Schüler:innen zur Verfügung und Anregung, eigene Aktionen zu starten in Bereichen, die den Jugendlichen am Herzen liegen.

Jin Jiyan Azadî, Wir wollen überleben, Just do it

An diesem Abend war dafür nicht in dieser Form, sondern in einem größeren Rahmen ein Forum. An die Vorstellung schloss sich einer der Talks – „Revolution und Zivilcourage“ des Festivals an: Neben den beiden Darstellerinnen aus „The Big Picture“ diskutierten die Künstlerin und Aktivistin Shahrzad Nazarpour („Hijab offline“, das auch beim Festival wieder zu sehen war), Evia Gabriela Jorquera Mercato (Alerta Feminista Austria, Chile despertó Viena, Feministisches* Bloco Descolonial), die bei der vorigen Ausgabe des Festivals mit der partizipativen Performance „El violador eres tu“ (Der Vergewaltiger bist du) vertreten war, sowie Jelena Saf (Aktivistin derzeit bei „Letzte Generation“).

In der Abschlussrunde bat Moderatorin Jasmin Behnava die Diskutantinnen jeweils um drei Worte. „Wir wollen überleben“ (Jelena Saf), „Just do it“ (Silvia Andringa und Cornelia Kupferschmid) sowie „Jin, Jiyan, Azadî“ (Frau Leben Freiheit), die Parole die seit dem gewaltsamen Tod der jungen iranischen Kurdin Jîna Mahsa Amini nach ihrer Verhaftung im September 2022 weltweit bekannt ist, aber unter Kurd:innen aller Länder schon seit Jahren eine bekannte Losung ist.

Verschiedene, gegensätzliche Sichtweisen

Apropos Iran und große Widerstandsbewegung seit September des Vorjahres: „The Big Picture“ hat natürlich nach 2019 aktuelle Themen in die Performance eingebaut, u.a. diese – mit einem Foto von einer Demo, bei der sich Frauen die unverhüllten Haare abschneiden. Aber auch mit dem durch die Medien gegangenen Foto des iranischen Männer-Fußballteams bei der Weltmeisterschaft Ende des Vorjahres und ihrem ersten Antreten, bei dem sie bei der Nationalhymne nicht mitgesungen haben. Während sie dafür im Westen als Helden gefeiert wurden – und das so auch in der Performance anklang, war zu diesem Zeitpunkt das Nationalteam bei allen regimekritischen Iraner:innen schon längst unten durch gewesen, weil sich so manche der Herren bei der offiziellen Verabschiedung durch Irans Präsidenten Ebrahim Raisi mehr als unterwürfig gezeigt hatten.

„Wir wissen, dass viele unserer Fotos auch immer wieder unterschiedlich gesehen werden“, meinte Silvia Andringa von kijuku.at darauf angesprochen.

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https://kijuku.at/buehne/wenn-vater-und-sohn-verspielt-tanhttps://kijuku.at/buehne/was-alles-fuer-bewegungen-moeglich-sind/zen-und-einander-ganz-nahe-sind/
Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „The Big Picture“: Der Fotograf Mehmet Genc sprach in Südamerika Menschen an, sagte ihnen „Du bist schön!“ um sie dann erst zu fotografieren
Szenenfoto aus "Bim Bam Birne"

Wie banane ist Birne

Geschickt tollpatschig versuchen die beiden Clowninnen zunächst die Publikumstribüne zu erklettern bevor sie dann doch die Bühne als ihren Spielplatz „entdecken“. Und draufkommen, dass sie vor den falschen Namensschildern zu stehen kommen. Oder umgekehrt die „falsch“ hängen. Mit der Zuordnung Helene zur größeren der beiden, zu Sandra Pelzmann und demgemäß Maya zu Martina Nowak, die ungefähr einen Kopf kleiner ist, haben sie auch schon auf lustige Art die erste Verwechslungsnummer absolviert.

Zwei gelbe Stoffbanen hängen auf dem Seil, wo auch die Namensschilder waren, zwischen einem Bild von einer Banane.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Bim Bam Birne“

Die Stoffe entpuppen sich als Stoffschläuche, in die sie umständlich hineinkriechen oder sie sich über den Kopf ziehen können. Und natürlich auch da gekonnt auf ungeschickt gespielt – zum Gaudium der sehr jungen Kinder im Publikum. Diese Zuschauer:innen erheitern sie auch mit klassischen Kasperl-Tricks des Versteckens, worauf zugerufen wird „da!“ „dort!“ „hinter dir!“. Und prompt die jeweilige Person dann genau dorthin nicht läuft oder schaut., was die Ruf-Stärke erhöht.

Wie auch immer sie die Stoffschläuche ziehen, sie finden, wie Bananen sehen sie doch nie und nimmer aus. Da fällt ihnen die Rückseite des Bananenbildes auf; auch wenn sie ein wenig damit spielen, ihre Entdeckung nicht zu verraten, drängt sich – aufgrund des Stücktitels der beiden „Bim Bam Birne“ wohl auf, was sich da verbergen könnte. Siehe da, „Überraschung“: Es ist eine Birne – mit grünem Blatt und Stängel. So sucht das Duo zumindest nach was Grünem. Kinder im Publikum „demaskieren“ die „Blätter“ nun als Strumpfhosen – aber immerhin ergibt das noch einige Bewegungs- und Schmäh-Kunststückerln.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Bim Bam Birne“

Die – wohl nur für Erwachsene – mögliche Anspielung auf die Süßspeise „Birne Helen“ lassen die beiden Clowninnen zum Glück aus. Dafür scheint – unausgesprochen – das Wortspiel „du bist banane“ (verwirrt, verrückt) nicht nur die ersten zwei Drittel des ¾-stündigen Stücks zu durchziehen.

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Bim Bam Birne“
Szenenfoto aus "Pink Unicorns" von "La Macana" aus Spanien

Wenn Vater und Sohn verspielt tanzen und einander ganz nahe sind…

Ein riesiges und mehrere kleinere schrill-bunte mit Luft gefüllte Objekte kugeln auf der Bühne herum an deren vorderem Ende zwei Darsteller, einer davon sehr jung, auf und ab rennen während das Publikum die Sitzreihen füllt. Und wie an diesem Vormittag: Knallvoll sind die Tribünen im großen Saal des Theaterhauses für junges Publikum, Dschungel Wien im MuseumsQuartier. Es ist der vorvorletzte Tag der vierten Ausgabe des Skin-Festivals. Diesmal steht ein Gastspiel aus Spanien auf dem Programm: „Pink Unicorns“ von La Macana.

Das Duo – Alexis Fernández und Mali Gabrielli – spielen Vater und Sohn. Und nein, aus den angesprochenen bunten aufgeblasenen Teilen wird die ganzen 1 ¼ Stunden kein Einhorn gebaut 😉

Die beiden erobern den gesamten Raum und immer wieder auch die angesprochenen Objekte tänzerisch, sportlich, manchmal fast akrobatisch. (Konzept, Kreation: Caterina Varela, Samir Akika, Alexis Fernández; Bühne: Tilo Schreieck) Tanz und Bewegung ist ihre (hauptsächliche) Sprache. Mit der nähern sie sich aneinander an, kommen sich sehr nahe. Aber auch wenn sie Konflikte wie sie zwischen einem Elternteil und einem pubertierenden Jugendlichen ganz natürlich sind, tragen sie diese getanzt, mitunter sehr bewegt – und bewegend – aus. Und bei Heftigem das sie sich an den Kopf werfen, schwingt ein ironischer „Ton“, der mitunter auch eine entsprechende Körperhaltung sein kann, mit.

Und das Duo ist sehr verspielt. Da wird ein Seil zu elektrischen Geräten, Tieren und viel mehr. In einem Abschnitt – die durch projizierte Schrift an die Bühnenwand markiert werden – tauschen sie die Rollen, der junge wird zum Vater und umgekehrt.

Über die mitreißenden Bewegungen hinaus zieht das Duo über die Gefühle, die sie anspielen, -tanzen und vermitteln, das Publikum in den Bann – so, dass bei der vor allem mit Jugendlichen prallvoll gefüllten Vorstellung, diese stark mitlebten und am Ende spontan standing ovations spendeten – und etliche sich nach der Vorstellung mit dem Duo um Selfies anstellten bzw. in Großgruppenfotos festhalten ließen.

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Nur einer kleinen Notiz am Programmzettel war zu entnehmen, dass Mali Gabrielli statt Paulo Fernández (wirklich Sohn von Alexis) tanzt und spielt. Der 19-Jährige hatte nur zwei Wochen Probenzeit insgesamt, davon lediglich knapp mehr als eine Woche mit seinem Bühnenkollegen. Bei so viel Miteinander agieren, Aufeinander reagieren, körperlich und emotional großer Nähe eine mehr als reife Leistung!

Foto aus dem Kinofilm "Lass mich fliegen": Raphael Kadrnoska und Johanna Ortmayer

Tänzer:innen nun in einem Kinofilm

Demnächst tanzen sie auf der Bühne des Wiener Akzent-Theaters als wilde Tiere, Mitglieder des Hofstaates, im Ballkomitee und als Teil des langen Drachenkörpers in „Der Goldenen Faden“ des inklusiven Tanztheaters „ich bin o.k.“ auf (KiJuKU berichtete über Proben daran – Link dazu am Ende des Beitrages). Ab Freitag spielen sie Hauptrollen in einem Kinofilm: Johanna Ortmayer, Raphael Kadrnoska und Magdalena Tichy. Wobei in „Lass mich fliegen“ schlüpfen sie nicht in andere Rollen, sie sind zwar auch bei Tanzproben zu sehen, aber sie wurden in erster Linie in filmischen Interviews zu sehen, wo sie über Freundschaft, Liebe, ihr Leben und ihre Zukunftswünsche gefragt werden. Die beiden Erstgenannten zum Beispiel leben seit mehreren Jahren zusammen, wollen heiraten und Kinder kriegen.

Foto aus dem Kinofilm
Foto aus dem Kinofilm „Lass mich fliegen“: Rechts im Bild Magdalena Tichy

Diva und Rampensau

Magdalena Tichy sagt darin von und über sich: „Die Bühne ist mein Leben“ und ihre Eltern würden sie „Diva oder manchmal auch Rampensau“ nennen, „ich steh gern im Mittelpunkt“. Und sie schreibt gern Gedichte, u.a. diese Zeilen:

„Mein Kopf dreht sich. Gedanke ist zerstreut. Im Sturm. Ich bin eine Feder. Der Wind dreht und wendet mich. Der Wind ist die Freiheit. Lass mich fliegen. Ich will nicht am Boden liegen bleiben.“

Daraus hat sich Drehbuchautorin und Regisseurin Evelyne Faye den Titel ausgeborgt. Zwei weitere Protagonistinnen sind Andrea Halder, ebenfalls eine junge Erwachsene, die über sich und ihr Leben, ihre Wünsche, ihre Forderungen erzählt und das sehr junge Kind Emma Lou Faye-Horak – genau der Name lässt vermuten: Sie ist Tochter der Filmerin, eines von drei ihrer Kinder.

Foto aus dem Kinofilm
Foto aus dem Kinofilm „Lass mich fliegen“: Emma Lou Faye-Horak

Selbstvertretung

Andrea Halder hat ein Zertifikat als Betreuerin älterer Menschen mit Demenz-Erkrankung. Das wolle sie auch als Beruf ausüben. „Aber keiner will mich, immer nur auf Probe oder ehrenamtlich“.

Hindernis für eine Anstellung ist eine Diskriminierung, wie sie auch die anderen genannten Protagonist:innen in verschiedenen Bereichen trifft und wogegen vor allem Magdalena Tichy kämpferisch auf- und eintritt: „Ich will, dass die Leute mich so sehen, wie sie andere Leute ansehen und nicht als „Down Syndrom Mensch“ – ich hasse diese Etikettierungen.“ Genauso die Schublade „Behinderung“. Nicht zuletzt deswegen will sie auch für eine Selbstvertretung als „Kund:innen-Rätin“ kandidieren, wo sie sich auch gegen andere Arten der Ausgrenzung und für Gleichstellung stark machen will: „Eheschließung, und auch die sexuelle Vielfalt sollte damit eingeschlossen werden, auch lesbische, schwule, polyamore Beziehungen, das wird immer tabuisiert“, sagt sie im Film in einer Besprechung.

Foto aus dem Kinofilm
Foto aus dem Kinofilm „Lass mich fliegen“: Andrea Halder

Trick-Tipp für Eltern

Die schon genannte Andrea Halder sagt auf die Frage, wie die Welt verändert werden könnte unter anderem „Wir können so viel geben, wenn uns die anderen machen ließen. Nur wegen Vorurteilen lassen sich viele nicht auf uns ein und sehen nicht das Potenzial in uns.“

Sie gibt aber auch humorvoll einen „Geheim“-Tipp, der ihren Eltern einst eingefallen ist, weil sie als Kind immer wieder von Angeboten ausgegrenzt worden ist, wenn Kurs- oder Workshop-Leiter:innen erfahren hätten, dass sie Down-Syndrom habe. Statt zu betteln oder drohen, hätten sie folgende Taktik ausgetüftelt: „Anmelden – anzahlen – abstellen – abhauen.“ Das Abhauen bezog sich auf die Eltern. Andrea konnte sie die jeweiligen Workshops, Kurse usw. besuchen – und deren Leiter:innen kamen auch rasch drauf, dass dies auch alles andere als ein Problem war.

In dem vor zehn Jahren von Erwin Wagenhofer veröffentlichten Film „Alphabet“ war übrigens einer der Protagonisten Pablo Pineda Ferrer. Der spanische Lehrer, Schauspieler und Autor war – laut Wikipedia – der erste Europäer mit Down-Syndrom, der ein universitäres Studium absolvierte.

Foto aus dem Kinofilm
Foto aus dem Kinofilm „Lass mich fliegen“: Raphael Kadrnoska und Johanna Ortmayer

Auf Augenhöhe

Im nicht ganz 1 ½-stündigen Film „Lass mich fliegen“ begegnet die Kamera (Bildgestaltung: Michael Schindegger) den genannten Protagonist:innen auf Augenhöhe. Und verwirklicht damit das, was Aktivist:innen aus unterschiedlichsten Bereichen von Menschen, die behindert werden, sagen: „Nicht ohne uns über uns!“

Trotz der seit eineinhalb Jahrzehnten gültigen UNO-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist dies übrigens – im Gegensatz zu vielen Beteuerungen von Inklusion – noch immer oft nicht der Fall.

Regisseurin Evelyne Faye
Regisseurin Evelyne Faye

Am Beginn: Eigene, private Fragen der Regisseurin

Im Medienheft zum Film erklärt die Regisseurin Evelyne Faye: „Einen wesentlichen Anstoß haben meine eigenen Fragen zu Emma Lous Leben, Zukunft und ihrer Lebensqualität geliefert. Von ihrer Geburt an war ich mit einer Dynamik konfrontiert, die ich bei meinen anderen beiden Kindern nicht erlebt habe. Seitens von Ärzt:innen oder Therapeut:innen wurde mir sehr rasch erzählt, wie sie sein wird, was sie wird machen können und vor allem was sie nicht wird machen können. Emma Lou ist nun zehn und ich habe den Eindruck, in jeder Lebensphase wird mir über sie viel erzählt, anstatt dass man zunächst einmal hinschaut, wie sie ist, welche Persönlichkeit sie hat. Als sie geboren wurde, wurde mir mitgeteilt, dass sie sich mit Down-Syndrom so und so entwickeln würde. Sie hatte noch nicht mal die Chance gehabt, sich zu zeigen, da wusste man schon über ihre Zukunft Bescheid.“

Kleine – kritische – Anmerkung: Obwohl der Film sich sehr wohltuend und durchgängig von dieser weit verbreiteten Defizit-Beschreibung total entfernt und eben genau die genannten Protagonist:innen über sich selbst – ausführlich – zu Wort kommen lässt, finden die sich auf dem Plakat zum Film NICHT genannt, sondern nur Menschen hinter der Kamera und rundum, die den Film ermöglichten und produzierten.

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Plakat zum Film
Plakat zum Film „Lass mich fliegen“
Szenenfoto aus "Ich bin alles – als mir die Stadt gehörte"

Als es in Wien einen Sommer lang kein Hasch gab…

„Tatort“ im TV – selbst wenn er spannend sein sollte -, ist nichts dagegen. Auch wenn das Ende sogar noch vor Beginn feststeht, denn das Volkstheaterstück „Ich bin alles – als mir die Stadt gehörte“ ist True Crime. Echtes Verbrechen. Aufstieg und Fall einer einstigen Groß-, was heißt Groß- einer Mega-Dealerin und nicht nur das. Auch wenn das doch männlich dominierte Unterwelt-Milieu sie „Pupperl“ nannte, war sie einige Jährchen Chefin.

Ihr Name fällt nicht, sie wird nicht einmal im Zeitungs-Ausschnitt erwähnt, der Teil des Programm-Zettels ist.

Szenenfoto aus

Im Vorspann zum 13-teiligen PodCast (der Schriftstellerin Magda Woitzuck „Shit Happens“ im Südwestrundfunk) auf dem das Theaterstück aufbaut, wird sie genannt und dazu die folgenden Fakten: „Als Andrea M. verhaftet wurde, gab es einen Sommer lang kaum Haschisch in Wien. Als Teil eines Drogenrings handelte sie im großen Stil damit und behauptete sich in einem Milieu, in dem Frauen selten sind. Alleine Andrea wird für den Handel mit knapp 1000 Kilo verurteilt. Das reicht für drei Millionen Joints. Damals, im Jahr 2000, war die Großdealerin Ende zwanzig.“ Fünf Jahre Haft brachten ihr das ein, nachdem sie – aufgrund eines Verrates aus der näheren Verwandtschaft – verhaftet und später verurteilt wurde. Und im Sommer nach ihrer Verhaftung gab es angeblich in Wien kein Hasch. Das ganze Netzwerk der Dealer war „einkassiert“.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin alles – als mir die Stadt gehörte“

Selbstbewusst

In die dramaturgisch bearbeitete Rolle dieser Unterwelts-Bossin schlüpft Sophia Mercedes Burtscher. Von Beginn weg und das ziemlich lange in einem plüschigen Ganzkörper-Rattenkostüm verborgen bis sie sich in mondänem Ball-artigen Kleid ent-puppt, erzählt sie szenisch den Werdegang dieser ungewöhnlichen, offenbar sehr selbstbewussten Frau, samt brutalen Einsätzen und Aktionen. Zwischen pinkem Mobil-Klo, das zur Kleiderkammer, zur Live-Video-Schalte usw. wird und einer kleinen Drehbühne (Bühne und Kostüm: Aleksandra Pavlović) spielt Burtscher (Regie: Charlotte Sprenger, die gemeinsam mit Calle Fuhr die Bühnenfassung geschrieben hat) auf einem schmalen Grat zwischen bewunderndem Rückblick und einer reflektierten Distanz.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin alles – als mir die Stadt gehörte“

Gefühle ausgelagert

Wenn’s um Gefühle geht, kommt die Bühnenpartnerin ins Spiel – die Musikerin Pollyester spielt eBass und singt stark und einfühlsam. Irgendwie als Alter Ego oder das Innerste der „Chefin“, die am Ende auch nichts bereut – mit Ausnahme der fünf verlorenen Jahre im Knast, an denen für sie das Schlimmste war, „die Kinder nur durch Gitter sehen zu können“.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin alles – als mir die Stadt gehörte“

Tour-Theater

Die Performance tourt seit Kurzem – und noch bis 4. April – durch Wiener Bezirke. Der Lokalaugenschein fand in der relativ neuen Spielstätte „Kulturfabrik“ in der Seestadt Aspern statt – die dortig U-Bahn-Station wäre auch der bessere Ausgangspunkt gewesen, wenngleich die von der Wiener MobilitätsApp angegebene vorherige Station näher ist. Aber der Weg führt durch so etwas wie zappendusteres Nirwana, stimmt auf die dunkle Unterwelt ein, um’s positiv umzudeuten 😉

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Ich bin alles – als mir die Stadt gehörte“
Szenenfoto aus "Dr Churz, dr Schlungg und dr Böös"

Ringkampf mit zärtlichen Momenten

Eines der Gastspiele aus der Schweiz nimmt Anleihe bei einem uralten Nationalsport, einer speziellen Form des Ringens. Ein anderes lud ein zu einem autofiktionalen Himmel- und Höllenritt; außerdem Splitter vom Performance-Parcours.

Ein großer Kreis, gut zwei Handbreit hoch mit Sägespäne ausgelegt, der an eine Zirkusmanege – ohne Begrenzung – erinnert ist die Kampftanz-Fläche für „Dr Churz, dr Schlungg und dr Böös“, eines der Gastspiele aus der Schweiz beim aktuell – noch bis 18. März 2023, das genannte Stück nur noch am 15. März, 19 Uhr – laufenden vierten Skin-Festival im Dschungel Wien.

„Schwingen“ heißt ein Kampfsport aus dem deutschsprachigen Teil der Schweiz, entstanden im 13. Jahrhundert, mit Aufschwung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die beiden Kämpfer – fast durchwegs Männer, die ersten Frauenschwingvereine wurden erst vor rund 30 Jahren gegründet – fassen dem Gegner mit einer Hand an eine spezielle kurze Überhose (der Sport wird häufig auch „Hosenlupf“ genannt) und versuchen den jeweils anderen zu Boden zu bringen – mit einem von rund 300 Würfen, die alle Namen tragen – der Titel des Stücks von Landholz Productions und Johanna Heusser , von der das Konzept und di Choreografie stammt, hat nichts mit Doktor-Titeln zu tun, sondern ist eine Schweizer Mundartversion von „der“ vor der jeweiligen Wurfbezeichnung.

David Speiser und Julian Voneschen, die beiden Performer in dem nicht ganz einstündigen Stück, führen unzählige der Hosenlupfe aus, fast tänzerisch wirken sie. Dabei habe man sich sehr wohl an die echten Würfe gehalten, so die Choreografin in einem anschließenden Talk über „kritische Männlichkeit(en)“ mit Eric Big Clit (Drag King und Performer*in) und Dorian Bonelli (Performer und Veranstalter „Queer Playfight“). „Wir wollten diesen Sport nicht parodieren oder ihm zynisch begegnen“.

Und trotz der kämpferischen Atmosphäre schwebt weder Aggression, ja nicht einmal Konkurrenz im Raum. Das Fragen, ob alles gut sei, bevor das Ringen beginnt, gehört dazu, die mitunter anklingende Zärtlichkeit ergibt sich vielleicht eher daraus, dass es doch eine Performance und kein Wettkampf ist. Und das Stück beschränkt sich nicht nur auf die „Schwinger“-Szenen. Nach etlichen ersten Würfen wird ein Schulaufsatz über die Menschheitsgeschichte aus 1975 eingesprochen – und da auf Schwyzerdütsch auch mit englischen an die Wände projizierten Untertiteln – mit einem Loblied auf Kämpfe.

Irgendwann unterbrechen die beiden Kampftänzer bzw. tänzerischen Kämpfer das „Schwingen“ und bauen aus Teilen der Unmengen an Sägespänen – eine halbe Tonne ist aufgeschüttet – eine Berg- und Tal-Landschaft durch die sie Theaterrauch wabbern lassen – idyllische Schweiz sozusagen.

Ihr stark körperliches Agieren im „Ring“, ausgehend von klassisch männlichen Klischees bot dann eine ideale Ausgangsbasis für den oben genannten Talk. Das gesamte Festival – nicht nur in seiner vierten Ausgabe – beschäftigt sich ja mit den sozusagen unter die Haut gehenden Fragen verschiedenster Identitäten, der Auseinandersetzung mit Zuschreibungen und dem „Ringen“ um das (Aus-)Brechen von/aus Rollen- und Geschlechter-Klischees.

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Beziehungsmäßige Himmel- und Höllenritte

Leider nur ein einziges Mal zu sehen, nein erleben, war ein weiteres Gastspiel aus der Schweiz beim aktuell – noch bis 18. März 2023 – laufenden Skin #4-Festival: „Pseudologia Phantastica“ von „Les Mémoires d`Helène“. Die nicht ganz zweistündige Show war ein – dem Trio auf der Bühne ebenso wie dem Publikum – offensichtlich Spaß machender Himmel- und Höllen-Ritt zwischen Beruf/Bühne und Privat-Beziehung.

Momo und Ben lernen einander bei einem Festival kennen. Er schon anerkannter, staatlich geprüfter Staatsschauspieler mit Hang zu Exzentrik und Experimental gibt einen Hamlet Globi – für das nicht mit der Schweiz vertraute Publikum wird erklärt, dass es sich bei Globi um einen bekannte – Wikipedia schreibt „die erfolgreichste“ – Kinderbuchfigur handelt – „eine Art Papagei-Mensch“ (Wikipedia). Sie, staatenlose Privatschauspielerin, ergriffen von seiner Performance zittert ihrem eigenen Auftritt entgegen. Von dem er sich sehr berührt zeigt.

Und dann spielen Martina Momo Kunz und Benjamin Spinnler – unterstützt von Live-Musik mit unterschiedlichsten Blech-Blasinstrumenten durch von und mit Victor Hege einen Mix aus Anklängen aus der Wirklichkeit mit fantasievollem Re-enactment. Fotos projiziert via Overhead-Projektoren, was einen Retro-Charme versprüht, zeigen u.a. Reisen in die Mongolei und nach Bolivien, Videos zeugen von echten Auftritten der Stücke „Highlight“ und „Ygdrasil“, die sie auf der Bühne wiederum sehr schräg, fast persiflierend inszenieren.

Verstörende Gewalt

Krasse, beängstigende Brüche stellen sich ein, wenn das Duo über die eigene Beziehung spielt – von überkommenen Geschlechterklischeerollen bis zu Gewalt, unterschiedlichste, ja gegensätzliche Erwartungen in Sachen Kinderwunsch usw. kommen dabei heftigst ins Spiel. Und zeigen, dass selbst im 21. Jahrhundert und unter ach so aufgeschlossenen und offenen Menschen uralte Beziehungsmuster noch lange nicht überwunden sind.

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Aus dem Performance-Parcours

Eine lange, schmale Papierbahn bildet die Spielfläche für Shirin Farshbaf bei ihrer Performance „Metaphor“. Laaaange liegt sie am einen Ende auf dem Rücken, den Kopf und ihre Haare in einer flachen, großen Schale mit Wasser. Am anderen Ende des Weges ein Blumenstock. In Suuuuper-Zeilupe dreht sich die Tanz- und Performance-Künstlerin um die eigene Achse, füllt den Mund mit Wasser, dreht den Kopf in Richtung Blumentopf, schlängelt sich und kriecht genau dort hin. Eeeeeewig lang dauert ihre „Reise“. Es könnten Anklänge an ihren Weg aus dem Iran nach Österreich sein. Es könnte auch die nach Wasser dürstende Pflanze sein, die endlich ein bisschen vom kostbaren Nass abbekommt.

…, aber

Auch sehr bewegend die Performance von Dejan Klement. Er nur in Unterhose auf einem Sessel, grelles Licht. Fast wie in einer argen (filmischen) Verhör-Szene. Hinter ihm kauert ein Kollege. Zu Sätzen – in englischer Sprache – wie „du bist frei, sein zu dürfen, wer du willst“, „ich möchte, dass du glücklich bist“, „so wie du bist, bist du perfekt“… kommt mal schneller dann mit mehr Abstand ein „but“ (aber) und der nächste Strumpf über den Kopf gezogen. Immer schwerer und mühsamer wird das Atmen – „so wie die passiv-aggressiven Aussagen LGBTQIA* Personen im wirklichen Leben das Atmen erschweren“ wollte/will der Künstler damit aufzeigen.

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Szenenfoto aus Gi3F (Gott ist drei Frauen)

Humorvolle Demaskierung vom Glauben an höhere Wesen

Wäre die Welt eine andere/bessere, wenn sie nicht von Gott, sondern einer Göttin, oder sogar mehreren weiblichen höheren Wesen erschaffen worden wäre? Diese Frage drängt sich beim Stücktitel „Gi3F“ (Gott ist drei Frauen) auf. Das Stück von Miru Miroslava Svolikova hat rund um den feministischen Kampftag vulgo Welt- oder internationalem Frauentag im Theater Drachengasse die österreichische Erstaufführung (nachdem es schon in etlichen deutschen Theater lief) erlebt – und ist dort (Wiener Innenstadt) bis 1. April 2023 zu sehen (Regie: Sandra Schüddekopf).

Szenenfoto aus Gi3F (Gott ist drei Frauen)
Szenenfoto aus Gi3F (Gott ist drei Frauen)

Tanz um den Vulkan

Lange verharren die Göttinnen – Maddalena Hirschal, Julia Posch und Dolores Winkler – im Dunkeln rund um einen Berg, der sich als eine Art Vulkan und gleichzeitig die ganze Erde entpuppen wird. Als möglicherweise aus dem Meer entstiegene Wesen mit Tentakeln, die an Oktopusse erinnern, philosophieren sie über Anfang und Ende. Von allem. War das jetzt schon alles, oder beginnt es erst.

Wie auch immer, irgendwann meldet sich die Erde, die sich aus dem Inneren des Vulkans erhebt, in dem Elisabeth Halikiopoulos zuvor offenkundig fast eine halbe Stunde zusammengekauert verbracht hat. Sie habe mit den ersten vier Milliarden Jahren erst die Halbzeit erreicht und daher nochmals so viele vor sich, aber… Das Karussell, zu dem der Vulkan (Bühne, Kostüme: Lisa Horvath) wird, dreht sich immer schneller, die Zeit verfliegt, sind die Milliarden Jahre jetzt gar nur mehr Stunden?

Szenenfoto aus Gi3F (Gott ist drei Frauen)
Szenenfoto aus Gi3F (Gott ist drei Frauen): Die Erde

Mensch und Einhorn

Ach ja, spät aber noch früher als in der echten Erdgeschichte, taucht ein Mensch auf – mit Sebastian Thiers ein Mann. Muss das sein? Als Abhilfe erklärt er sich zu „das Mensch“ und spricht in seiner langen Monolog-Passage über Errungenschaften von Frauen und Männern. Aber auch von Kriegen, die Mensch angezettelt, Verderben für viele seinesgleichen und die Erde insgesamt angerichtet hat. Allerdings habe Mensch sich zu besinnen begonnen – „vegan bin ich geworden…“

Als Rache für die Bösartigkeiten von „das Mensch“, senden die Göttinnen das Böse auf die Erde – ein teils glitzer-funkelndes Einhorn 😉
Apropos Funkeln – eine ganze Wand voller spigelnder Folien bewirkt gleichzeitig eine Erweiterung des Geschehens samt eben Spiegelung der Handelnden;)

Nicht nur das Einhorn, sondern viele der Dialoge, ja selbst der Monolog ist schon vom Text der Autorin her mit Ironie durchzogen, Spiel, Ausstattung und nicht zuletzt auch Musik und Sound (Rupert Derschmidt) unterstützen, unterstreichen, betonen die humorvolle Auseinandersetzung in dieser Schöpfungsgeschichte und irgendwie aller anderen auch ernster gemeinten Erzählungen, die sich Menschen zurechtgezimmert haben, wie Kosmos, Erde, Natur und letztlich auch Menschen entstanden sein könnten – jenseits aller längst bekannten naturwissenschaftlichen Fakten.

Szenenfoto aus Gi3F (Gott ist drei Frauen)
Szenenfoto aus Gi3F (Gott ist drei Frauen): Das Mensch

Göttliche Fehler

Vielleicht der größte Unterschied dieser hier weiblich gelesenen höchsten Wesen zu ihren männlich verfassten Kollegen: Die drei grübeln über mögliche eigene Verfehlungen. Irgendwie scheint ja einiges schief gelaufen zu sein.

War die eine jetzt schuld, dass sie die Orange auf dem Schreibtisch zu stark gerollt und damit den roten Knopf ausgelöst hat? (Dazu ertönt die Stimme des bekannten Ex-US-Präsidenten, der sich im Bewerb mit dem nordkoreanischen Diktator rühmte, den größeren Knopf zu haben.) Die Zweite erinnert sich an Bleistifte, die Wolken durchbohrt und in der Folge Brände ausgelöst hätten und die Dritte fürchtet, selbst das Wasser der Meere zum Kochen gebracht zu haben.

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letzte menschen, letzte worte

montag
wie wird es aussehen, das ende der welt? wird uns die erde vermissen? oder trauert sie selber schon, kreist sich selbst schon traurig um sich, seit sehr langer zeit. vielleicht weiß sie ja schon länger bescheid, länger bescheid als wir, oder länger, als wir überhaupt sind.

dienstag
im 20. jahrhundert haben wir die erde das erste mal von außen betrachtet. wir haben uns
selbst in den spiegel geschaut. war das schön? ich war ja nicht dabei, aber ich habe viel
davon gehört.

mittwoch
da laufen lauter letzte menschen herum, vielleicht, was sind ihre letzten worte, habt ihr
hingehört? ich hatte grad selber was besseres zu tun, ich hab ja auch noch ein leben.

donnerstag
wenn sich der letze mensch hinstellt und eine rede hält, dann werden so viele andere noch
immer keine stimme gehabt haben. wird jedeR etwas gesagt haben, bevor die letze person
dann spricht?

freitag
geht sich das aus? darfs ein bisschen mehr sein? sind überhaupt schon alle da? es ist
gleich vorbei mit der welt, hab ich gehört? sind überhaupt schon alle da? es beginnt gleich,
es endet, das ende, die welt. sind schon alle auf die welt gekommen, sind jetzt alle da?

samstag
es ist da, wer auch immer da ist, sonst ist keiner da. freitagsreden sind immer leicht
beduselt, tut mir leid, ich hatte noch was zu tun. die anderen sind entweder schon tot oder
nicht da, ganz einfach ist das. wohl bekommts.

sonntag
es geht zu ende, will irgendjemand noch irgendetwas sagen, oder haben jetzt alle endlich
gesprochen? hat wirklich schon jedeR etwas gesagt? ich hab wieder mal gar nichts gehört.
vielleicht fragen wir am besten die erde selbst, auf ein letztes, auf ein letztes wort. ich habe
gehört, sie ist da, sie ist dort, sie ist da irgendwo, überall, und bekommt alles mit, immer
schon. kann das sein? nein? ja? nein?

© Miru Miroslava Svolikova, Text für das Presseheft
Die fünf Rednerinnen dieses Vormittags: Rachel Levy, Rebeka Jankulovski, Rihanna Husseini, Zehra Başdoğan und Ola Burhan

Mutmachende mehrsprachige reden starker junger Frauen

Starke junge mehrsprachige Frauen rockten sozusagen die Bühne. Nein, es war keine Band und deren Konzert. Rihanna Husseini, Rebeka Jankulovski, Ola Burhan, Rachel Levy und Zehra Başdoğan hielten ihre kämpferischen und gleichzeitig berührenden-persönlichen Reden aus der Hauptrunde des aktuell laufenden, 14. mehrsprachigen Redebewerbs „SAG’S MULTI!“. Sie lösten nicht nur begeisterten Applaus bei ihren rund 200 Alterskolleginnen und -kollegen aus mehreren Wiener Schulen aus, sondern auch u.a. bei der Bereichsleiterin für Bildung der Wiener Arbeiterkammer, Ilkim Erdost. Sie, die aus der Jugendarbeit kommt und zuvor die Wiener Jugendzentren leitete, war gekommen, „um zuzuhören, von euch zu lernen. Ihr seid die Expertinnen und Experten für Vielfalt und die Unterschiedlichkeit ebenso wie die Gemeinsamkeiten“.

Nicht einmal Radfahren

Rihanna Husseini, Mittelschülerin aus der Selzergasse, nahm die Zuhörenden mit in manche Details des Lebens von Mädchen in ihrer ersten Heimat Afghanistan, aus der sie vor sieben Jahren flüchten musste. Neben den bekannten Grausamkeiten wie, dass Mädchen und Frauen unter der neuerlichen Herrschaft der Taliban von Bildung ausgeschlossen werden, ja sogar Bildungszentren gebombt werden und Todesopfer fordern, nannte sie auch „banale Wünsche“ aus „Tagebucheinträgen eines jungen Mädchens“: „Gitarre spielen, Fahrradfahren lernen, am Abend im Regen spazieren oder auch nur eine Pizza essen.“ Alles nicht möglich.
Ihre Rede hielt sie in Dari/Farsi, einer der großen Sprachen Afghanistans und natürlich auf Deutsch.

Das ist Konzept des Redebewerbs – seit drei Jahren vom ORF getragen: Deutsch und eine andere Sprache, die Erst- oder Familiensprache ebenso sein kann wie eine erlernte Fremdsprache. Und alle Sprachen sind gleichwertig – genau dafür wurde „SAG’S MULTI!“ vor nunmehr fast eineinhalb Jahrzehnten ins Leben gerufen.

Bacha posh

„In Afghanistan ist es mittlerweile oft so, dass sich zahlreiche Mädchen als Jungen verkleiden müssen, um nicht nur in die Schule zu gehen, sondern auch einkaufen zu gehen oder auf der Straße zu spielen. Das sind die sogenannten „Bacha posh“.“

Und genau darüber zu reden, viel bekannter zu machen, wie es Alterskolleg:innen und anderen Frauen in Afghanistan geht, hat sie sich mit ihrer Rede zum Ziel gesetzt. Wenn wir so viel über Menschen- und Frauenrechte reden, wieso machen wir dann nichts? … Bitte bleiben wir nicht mehr länger still und zeigen der Welt wie stark Frauen und Mädchen eigentlich sind.“

Zwangsversetzt

Unter ganz anderen Umständen landete Rebeka Jankulovski vor rund einem Jahr in Wien. Die Schülerin der 6. Klasse des Gymnasiums Albertgasse schilderte auf Kroatisch und Deutsch, das sie erst in diesem Jahr lernte und perfekter beherrscht als so mancher Politiker, der von der Deutsch-Pflicht faselt: „Vor ungefähr einem Jahr hat sich mein Leben dramatisch verändert. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein unkompliziertes und schönes Leben in Pula. Ich war ausgezeichnet in der Schule, hatte viele gute Freunde, hatte eine große Sportskarriere vor mir und ich war sehr glücklich. In diesem Jahr hatten meine Eltern aber andere Pläne für mich. Ich sollte dort alles aufgeben und nach Wien ziehen. Ich fühlte so viel Wut, wie ich nie zuvor gefühlt hatte und stellte mir viele Fragen. Warum ich? … Wie können sie mir das antun?“

Nun glücklich

Den Grund nannten ihr die Eltern erst nach den Schreckmomenten: Krebserkrankung der Mutter, Behandlung in Wien. Und Rebeka, anfangs überfordert, verschüchtert, verschlossen, begann zu kämpfen. „Es gab immer weniger schlechte Tage. Jeden Tag ging es mir besser und langsam spürte ich immer weniger Wut in mir. Die großen Steine, die ich getragen habe und die mich hinunterzogen, wurden leichter und leichter. Ich habe wieder angefangen Sport zu machen, mich mit Freunden zu treffen, all das wieder zu tun, was mich glücklich macht. … Endlich kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich jetzt am glücklichsten bin. Ich bin bereit neue Wege zu gehen und neue Sachen auszuprobieren. … Jetzt stehe ich hier, ich bin bei einem Redewettbewerb weiter gekommen, vor über einem Jahr konnte ich noch kein Wort Deutsch sprechen. Ist das nicht großartig? Bist du stolz auf dich Rebeka? I made it mom.“

Rassismus

„Einsamkeit, Verzweiflung, Sehnsucht sind, was jeder Flüchtling fühlt. Es ist aber nicht verwunderlich, dass sie Rassismus ausgesetzt sind, wenn man bedenkt, dass auch Personen mit Migrationshintergrund darunter leiden, obwohl sie schon lange in Europa leben, … Rassismus ist überall. Am Arbeitsplatz, in der Schule oder auch in den Öffentlichen Verkehrsmitteln. Und gleichzeitig frage ich mich, warum es Rassismus gegen uns gibt. Viele europäische Länder brauchen Migranten. Österreich beispielsweise wäre ohne Migranten ein Land mit einer geringeren Bevölkerung. Ohne Migranten würden Unternehmen unter Personalmangel leiden“, startete Ola Burhan aus der Floridsdorfer privaten Handelsakademie, Vienna Business School auf Arabisch und natürlich Deutsch ihre kämpferische Rede, in der sie nicht zuletzt davon berichtete, dass viele Geflüchtete oder Migrant:innen gar nicht ihre Qualifikationen und Kompetenzen einbringen können, weil diese nicht anerkannt werden.

Sehr nahe ging dann jener Teil ihrer Rede, in der sie schilderte wie so manch ungefähr 14-Jährige als jene in der Familie, die sich am besten auf Deutsch ausdrücken können und viele Spielregeln Österreichs durchschaut haben, viel zu große Verantwortung übernehmen müssen, Amtswege erledigen und mit Behörden verhandeln müssen.

Ohne Gestern kein Morgen

Von einem Schockmoment berichtete Rachel Levy (15), Schülerin der 7. Klasse der Sir-Karl-Popper-Schule am Wiedner Gymnasium in ihrer Rede (Englisch/Deutsch). „Ich möchte nun, dass Sie sich in folgende Situation hineinversetzen: Ein Großteil Ihrer Familie wurde im Holocaust ermordet. Auf einmal tätigt Ihr Lieblingsrapper folgende Aussage in einem Interview: „I like Hitler“ and „I love Jewish people, but I also love Nazis“. … Kanye West, ein einflussreicher Rapper und Modedesigner, tätigte genau diese Aussagen. Er leugnete den Holocaust und verbreitete antisemitische Stereotypen. Diese Nachrichten waren für alle Betroffenen äußerst schockierend. Menschen sprachen mich auf diese Aussagen an und ich wusste wirklich nicht, was ich sagen soll. Es schockierte mich vollkommen, dass ein so einflussreicher Mann so grausame Geschehnisse verharmloste.“

Warum solche Aussagen eines Einzelnen so gefährlich sind, erklärte Rachel Levy nicht zuletzt damit, dass er mehr als 50 Millionen Follower auch Social Media habe, während es nur mehr geschätzt knapp mehr als 15 Millionen Jüdinnen und Juden auf der Welt gibt (rund 7 Millionen in Israel).

Rachel Levy aus der Sir-Karl-Popper-Schule am Wiender Gymnasium sprach Deutsch und Englisch
Rachel Levy aus der Sir-Karl-Popper-Schule am Wiender Gymnasium sprach Deutsch und Englisch

Herdplatte

„Aufgrund der unvorstellbar großen Anzahl an Opfern im Holocaust sollten doch alle über die Verbrechen Bescheid wissen, doch das ist leider nicht der Fall. Obwohl 70% der niederländischen jüdischen Bevölkerung während des Holocausts ermordet wurden, gaben mehr als 50% der Teilnehmer (einer Studie der Jewish Claims Conference) an, dass der Holocaust niemals in den Niederlanden stattgefunden hat. …Ich möchte jetzt wieder zur eigentlichen Frage kommen: Was bringt es an die Vergangenheit zu erinnern? Ich möchte das mit einem einfachen Bild aufzeigen“ und dann nannte sie – auf Englisch das Beispiel, dass sich jemand an einer heißen Herdplatte die Finger verbrannt hätte und sich an die Schmerzen erinnert, „Wer von Ihnen würde jetzt bewusst ein zweites Mal auf eine heiße Herdplatte greifen?“

Und dennoch äußert sie die Befürchtung, dass sich die Vergangenheit wiederholen kann … Wir müssen uns immer daran erinnern: Ohne Gestern gibt es kein Morgen“.

Mut machend

„Wir müssen uns stark fühlen, um Sachen die wir uns eigentlich nicht zutrauen, ausführen zu können. Meiner Meinung nach entsteht Erfolg aus Stärke und Ausdauer. Ich glaube, dass ein Mensch immer alles erreichen kann, was er will, sowohl in der Schule als auch in der Arbeit. Wer kämpft kann erfolgreich sein!“, machte Zehra Başdoğan aus der Mittelschule Kauergasse mit ihrer Rede (Türkisch/Deutsch) voller Power allen Zuhörenden Mut, sich auf diesen Weg einzulassen.

„Wenn ich über mich selbst nachdenke, glaube ich, dass ich mittlerweile zu einer starken Persönlichkeit geworden bin. Ich bin mir sicher, dass dabei viele Faktoren eine sehr große Rolle gespielt haben.  Selbstverständlich hat mich die Schule auch stark gemacht, indem sie mir eine gute Ausbildung vermittelt hat, und mir beigebracht hat zu recherchieren und kritisch zu denken. Außerdem hatten meine Lehrer und Lehrerinnen immer ein offenes Ohr für meine Sorgen und tolle Lösungsvorschläge für mich.

Zusätzlich sind meine Freunde immer eine große Unterstützung. Wenn ich mit ihnen Zeit verbringe, viel lache  und mich unterhalte fühle ich mich als ein starkes und soziales Mädchen, das genug Anerkennung bekommt.

Zehra Başdoğan beendete ihre Rede mit einem 7-Punkte-Plan, die sie allen anderen auch empfahl:
* Wenn ich Angst habe, kann ich niemals mein Ziel erreichen!
* Wenn ich mich nie ändere, kann ich mich nicht weiter entwickeln!
* Wenn ich immer wieder neue Wege ausprobiere, kann ich Erfolg haben.
* Erst wenn ich stark genug bin, mich selbst glücklich zu machen, habe ich auch die Kraft die anderen um mich herum glücklich zu machen.
* Wenn ich viel lese, weiß ich auch viel!
* Stehe auf und bekämpfe die Hürden, die vor dir stehen!
* Ohne Vertrauen fühle ich mich klein und unwichtig!“

Viel-Leserin

Die zuletzt genannte Rednerin hatte noch etwas genannt, das sie stark mache: „Natürlich haben mich auch meine Bücher, die ich in meiner Freizeit leidenschaftlich lese, geistig und emotional gefestigt. Ich denke, einer der sichersten Wege, um auf dem Weg der Stärke voranzukommen, ist das Lesen von Büchern. Während Menschen ein Buch lesen, lernt das Gehirn und nimmt es auch als Erholung wahr. Das Lesen fördert, aber nicht nur unseren Sprachschatz, die viel wichtigere Aufgabe beim Lesen ist, dass wir unsere Fantasie und Gedankenwelt erweitern. Wir können verschiedene Persönlichkeiten als Vorbilder nehmen und uns an ihnen orientieren, unser Handeln und Denken neu gestalten. …“

Als Viel-Leserin sei sie manchmal schon eine Außenseiterin, sagte sie nach der Rede zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Aber ich kann immer wieder Erkenntnisse aus Büchern auch in Gespräche mit meinen Freundinnen und Freunden einbringen.“ Als kleines Kind hätten ihr die Eltern viel vorgelesen „auf Deutsch und auf Türkisch. Als ich dann lesen konnte, hab ich es von Anfang an geliebt. Am liebsten lese ich Fantasievolles, aber auch Comedy und manchmal Horror. Meistens lese ich auf Deutsch.“

320 Jugendliche

Die fünf genannten sind Teil der 320 Jugendlichen (mit damit insgesamt rund 40 Stunden Redezeit) die in diesem Jahr an „SAG’S MULTI!“ teilnehmen. Ab Mitte April stehen die Finalrunden – meist in den ORF-Landesstudios an. Die Finalist:innen sind alles Gewinner:innen, dennoch stehen die Juror:innen vor der Aufgabe dann noch nicht ganz zwei Dutzend Preisträger:innen – ja es gibt auch Burschen, sie sind nur in der Minderzahl – auszuwählen.

Apropos Preisträger:innen – vier solche aus früheren Jahren – moderierten die Veranstaltung im Bildungszentrum der Arbeiterkammer Wien: Tracy Cindy Agbogbe und Fatima Kandil von der Bühne aus sowie Banan Sakbani und Melisa Mete die Online-Kommentare – die Veranstaltung wurde live gestreamt – sowie mit dem Auditorium.

Modhsa Kheram/Kheli Mamnoon/Tasakkor, Hvala lepo, Shukran gazilan, Thank you very much, Tesekkür ederim, Daaaaaaanke Ihnen/ecuh allen!

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Hier noch jede Menge Fotos von der Veranstaltung und weiter unten der Link zum Video zum Nachsehen und -hören der wunderbaren Reden und Diskussionsrunden.

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Mehr Informationen

https://sagsmulti.orf.at/

Bildmontage aus zwei Standfotos aus den Filmen "Buddeln Baggern Bauen" und "Zuckerl Gurkerl Kackalarm"

Baustellen- und Verdauungs-Kinderstücke wurden zu Filmen

Klar, dass Theater ihre Stücke streamen, sozusagen als Filmformat ins world wide web stellen, das ist vor allem seit den fast drei Jahren Pandemie bekannt. Die einen taten’s besser, andere eher schlechter. Eine (kleine) Kamera in der Mitte der Bühne und … laaaangweilig wurde das meistens. Live, gleichzeitig mit den Schauspieler:innen in einem Raum sein, die Atmosphäre – gegenseitig – spüren ist weggefallen. Außerdem sind Theater und Film eben verschiedene Kunstsparten.

Damit nicht nur banal 1:1 abgefilmt wird, gab’s eine eigene Förderschiene des Bundesministeriums, in dem auch das Kunststaatssekretariat angemeldet ist ()Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport). Die Kindertheater- und -Performance-Gruppe „Grips‘n’Chips“  bewarb sich darum und engagierte professionelle Filme-Macher:innen, um die beiden bisherigen Stücke eben für dieses Medium umzusetzen. So ergeben sich für einzelne der Szenen ganz neue Perspektiven, nicht nur durch Heranzoomen. Bei „Buddeln Baggern Bauen“ beispielsweise war auch im kleinen ferngesteuerten Bagger eine kleine Kamera eingebaut!

Die beiden Filme – jeweils rund eine halbe Stunde (27 Minuten der erste, 35 Minuten der zweite) – wurden kürzlich im Wiener Top-Kino der Öffentlichkeit vorgestellt. Und sind ab sofort über die Plattform spectyou online anzusehen (ab 3 € aufwärts).

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Hier geht’s zunächst zu den Stückbesprechungen – nach Live-Erlebnissen 😉 Die Links zu den Videos in der Info-Box, wo zunächst auch die kommenden Live-Termine aufgelistet sind:

Szenenfoto aus "Die.Stunde.Shining" von "das.bernhard.ensemble" im Off-Theater, Wien-Neubau

Sehr schräge, unterhaltsame, mitunter gruselige Theater-Tour

Eine Hetz mit Gruselmomenten und vielen mehr als schrägen Begegnungen ist die jüngste „Vermanschung“ von „das.bernhard.ensemble“ im eigenen Off-Theater in Wien-Neubau. Inspiriert vom Hotel, das nebenan seinen Eingang und über dem Theater etliche Zimmerfluchten hat, wirst du glich beim Eingang von Kassenpersonal in Hotel-Livree mit Fez auf dem Kopf empfangen. Schon dieses Detail nicht zufällig; es erschließt sich im Laufe des rund zweistündigen, sehr abwechslungsreichen und kurzweiligen Abends. Hier hat Ernst Kurt Weigl, Prinzipal des Ensembles und des Theaterhauses in das Mash-Up viel Historisches zum Haus selbst und seiner Umgebung bzw. dem Untergrund reingepackt; in dem Fall Stichwort Türkenbelagerung unter Kara Mustafa mit Hauptquartier am nahegelegenen Spittelberg und Ausssichts„warte“ am Turm der Ulrichskirche.

Auf Friedhöfen gebaut

„Die.Stunde.Shining“ verknüpft einerseits den Horror-Kinoklassiker „The Shining“ (1980) von Stanley Kubrick nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King, der die Verfilmung gar nicht schätzte und fast 20 Jahre später das Drehbuch für einen mehrteiligen TV-Film schrieb, und andererseits Peter Handkes „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“. Dabei bediente sich das Mash-Up weniger an Handkes Stück selbst, sondern viel mehr an dem unsichtbaren Eindruck des Autors, der stundenlang Menschen beobachtete, die über den Platz in der Nähe Triests gingen, sich dort aufhielten, das eine oder andere verrichteten, ihnen passierte usw. Davon manifestierten sich in Handke bleibende Bilder, die so nur von dem von außen Beobachtenden gesehen, erahnt, gespürt werden konnten. Aber sozusagen etwas Bleibendes auch am Ort unsichtbar Spürbares hinterließen.

Und genau dasselbe passiert sozusagen im besagten Horrorfilm, den zu kennen das Stück-Erlebnis noch einmal stärker machen könnte. Ich muss zugeben, ich kannte/kenne ihn nicht, habe mich auch unzureichend vorbereitet und den Wikipedia-Eintrag dazu erst nachträglich gelesen. Aber auch in das – im Winter jeweils geschlossene Hotel „Overlook“ haben sich vormalige Ereignisse und Geschichten sozusagen eingeschrieben.
Übrigens sind sowohl das besagte Hotel als auch das Off-Theater in der Kirchengasse auf ehemaligen Friedhöfen gebaut!

Handke als überforderter Hausverwalter

„The Shining“ ist die Grundkonstellation entnommen. Der Hotelmanager sucht für die Schließzeit jemanden, der es mehrere Monate verwalten will/kann. Hier nicht wegen der Jahreszeit, sondern den Folgend der vielen Lockdowns. Es meldet sich ein Schriftsteller, um im leeren Hotel in Ruhe arbeiten zu können – im Film Jack, hier Peter, unschwer als Handke-Reminiszenz erkennbar – irgendwie unnahbar bis unheimlich, autoritär, gefährlich, von sich mehr als eingenommen Gerald Walsberger. Aus der Film-Wendy wird hier Winifred, irgendwie überdrehte, um ihre Unabhängigkeit kämpfende Schauspielerin – wunderbar, aufs erste gar nicht erkennbare Isabella Jeschke, die nie direkt ins Publikum blicken darf, weil sie die Gestalten – das Publikum – das aus Geistern der Toten aus dem Untergrund besteht, nicht sehen kann.

Der Film-Sohn Danny ist hier die Tochter Dani, die aber ebenso einen unsichtbaren Freund hat, den alle Tony nennen. Der wohnt in ihrem Mund und wenn die derben, vulgären Schimpfkanonaden daraus hervorbrechen, krümmt sie den Zeigefinger der rechten Hand zu einem Haken. Rina Juniku versinkt völlig in dieser wie aus dem Jenseits kommenden Figur – in beiden Seiten ihrer (Danis) Persönlichkeit.

DAS Werk 😉

Soweit das Setting der neuen Hausverwalter:innen. Peter, der nie gestört werden will, wenn er im maximal Zwei-Fings-System auf der Schreibmaschine an seinem monumentalen Werk arbeitet. Das er gegen Ende seiner Ehefrau als DAS Stück für sie antragen will. Und das diese zerfetzt. „Drei Monate für einen Satz!!!!???“

Wobei „ich möchte ein solcher werden, wie einmal ein anderer gewesen ist ich bin nur zufällig ich“ tatsächlich ein Handke-Satz ist – aus „Kaspar“ (1968) unschwer erkennbar nach Kaspar Hauser.

Nestroy’sche Figur

Teppiche – gedruckt nach dem Muster aus dem genannten Film – legen die Wege für das Publikum, das jederzeit von einem in einen anderen Raum (White und Open.Box des Off-Theaters sowie alle möglichen Nebenräume von Foyers, Garderoben, Badezimmer, Werkstatt) in einen anderen wechseln kann – wo immer wieder auch gleichzeitig Auftritte stattfinden.

Als Hausmeister und erzählender Tour-Guide in Nestroy’scher Manier fungiert der Ausdenker (nicht nur) dieses Mash-Ups und Prinzipal bis Bub für alles im Off-Theater Ernst Kurt Weigel himself. Kajetan Dick schlüpft nicht nur in die Rolle des Hotelmanagers Halorani mit kosovarischen Vorfahren (eine Anspielung auf den echten vormaligen serbischen Hausmeister des Gebäudes), sondern in etliche weitere, ziemlich schräge Figuren – vom Taubenjäger bis zum Thunfisch-Aufstrich-Verzehrer. (Die beiden eben genannten erschließen sich erst nach Lektüre des ausführlichen, sehr interessanten Programmheftes als echt in diesem Theaterhaus einst agierende Personen bzw. Begebenheiten – so erst ergibt der aus einer fast übersehenen, nun geöffneten Tür erschallende Song aus dem Musical „Cats“ Sinn.)

Bluts-Schwestern

Wiederum aus dem Film „entstiegen“ sind die Zwillingsschwestern, die viele jeweils schräge bis blutige Auftritte an unterschiedlichen Stellen der Tour haben – und die meist auf echten Anekdoten in der Geschichte des Off-Theaters, meist abseits der Bühne, basieren. Yvonne Brandstetter und Leonie Wahl (die auch das Stück choreografierte) geben diese beiden mitunter mit heftigem Körpereinsatz agierenden Figuren.

Nicht nur als Taube, sondern vor allem als Akkordeon spielender „unlieber Augustin“ ist Bernhard Jammernegg einer der bereichernden Neuzugänge in einer Produktion von „das.bernhard.ensemble“.

Märchenspiel

Das Off-Theater beherbergt auch die Märchenbühne „Der Apfelbaum“. Stephanie Troehler baute Figuren und Objekte für eine nicht jugendfreie Version von „Die drei kleinen Schweinchen“, ein Märchen, das vor allem durch die Disney-Verfilmung (aus 1933, die einen Oscar für den besten animierten Kurzfilm bekam) bekannt wurde. Albane Troheler spielt in der Werkstatt des Theaters auf engstem Raum die Geschichte: Der Wolf will zwei Schweinchen aus einer strohbedeckten Unterkunft … Sie können entkommen, suchen Unterschlupf in einer Holzhütte, und in der Folge im Steinhaus eines dritten Schweinchens. Dort will der Wolf über den Kamin hinein. Im Original stellen sie einen Topf mit heißem Wasser unter den Kamin, hier eine Tiefkühltruhe – die gegen Ende des Stücks in Großformat eine Rolle spielen wird, wenn Winifred und Dani vor dem ausrastenden Peter mit Hacke flüchten wollen.

Sängerin

Keineswegs unerwähnt bleiben sollen Tamara Stern, die als wandelnde Geisterfrau im Foyer der White.Box auf und ab wandert bevor sie die kleine Eckbühne erklimmt und in unterschiedlichsten Stilen singt, summt, teils fast tonlos aber beeindruckend; begleitet am Kontrabass, den Mathias Krispin Bucher – in manchen Vorstellungen David Dolliner – bespielt (Soundscape für die ganze zweistündige Tour: Bernhard Fleischmann); zeitweise mit Katzenkopf. Christina Berzaczy ist ein, die einzige wirklich auch mitspielende Tour-Guide in Hotel-Uniform (Ausstattung und Kostüme: Pia Stross); und sie hat auch bei Regie und Dramaturgie sowie am Konzept stark mitgewirkt.

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Hüterin der Zeit

Nicht mit halbem Ohr, sondern mit ganzem Herzen

„Wo ist denn dein Kopf?“, „Ihr könnt noch nicht gehen, ihr müsst noch tot bleiben!“, „Bist du ein Wolf oder ein Gepard?“ Sätze wie diese, die vielleicht aufs Erste verwirrend klingen würden, schwirren an diesem Sonntag durch den großen Turnsaal im Evangelischen Gymnasium in Simmering in unmittelbarer Nähe der Gasometer und der gleichnamigen U3-Station.  Die Schule, die übrigens einen neuen Zweig mit Musik- und Schauspielausbildung anbietet, öffnet derzeit über einige Wochen hindurch den Turnsaal für die Tänzer:innen der inklusiven „Ich bin O.K.“-Studios.

Mit Hochdruck, aber nie mit Drill, wird hier für das Stück „Der Goldene Faden“ geprobt. Immerhin ist schon am 21. März Premiere im Theater Akzent. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… darf an einem solchen Sonntag ein paar Stunden die Arbeit an einigen Szenen beobachten – und fotografieren bzw. filmen.

Getanzter Kampf

Zunächst steht der Krieg von Wölfen gegen Geparde auf dem Programm. Wie kommen die beiden Gruppen von den beiden Seiten der Bühne – der Rand ist mit einem Klebestreifen markiert – aufeinander zu. Welche Tanzbewegungen symbolisieren den Kampf. Wie nehmen sie die glänzenden zu Türmen aufgebauten Kartons um sie als „Waffe“ einzusetzen. „Aber Vorsicht, die dürfen dabei nicht kaputtgehen“, kommt die Warnungen von einer der Langbänke vor der Sprossenwand. Und wie „sterben“ sie gekonnt im Kampf, ohne dass sich wer wehtut…

Nach drei Probedurchläufen stellt sich Zufriedenheit bei Attila Zanin ein, der in dem Fall wegen Ausfällen selber als Wolf mitkämpfen muss.

Streit, Zeit, Kristall

Nun geht’s an Teile von Riesen-Szenen, bei denen Hana Zanin-Pauknerová, die das Stück inszeniert, den Überblick bewahrt, sacht und sanft die Tänzer:innen dirigiert: Königin und König (Stefanie Platzer und Severin Neira) streiten. Die Hüterin der Zeit (Sara Wilnauer) mit 1000 Jahre langen goldenen Haaren und ein Drache (Elena Halkias) aus. Mehreren Tänzer:innen sind die Hoffnungsträger:innen für Frieden. Aber so leicht lassen sich die Streitparteien nicht darauf ein, ziehen viele andere mit den Sog der bösartigen Auseinandersetzungen. Ein leuchtender riesiger „Kristall“ (eine Kugel, die per Fernbedienung die Farbe des Lichts ändern kann) spielt auch noch eine Rolle. Einzelne der langen Haare helfen die Zeit zurück zu drehen, die Kugel ermöglicht den Blick in die Zukunft – also das Verderben der gewaltigen Streitereien…

Da braucht’s schon einige Stunden, bis das so einigermaßen „sitzt“, das heißt viel mehr im richtigen Fluss abtanzt.

Streiten mach uns ärmer…

Viel mehr aus der Geschichte, von der einzelne Szenen in den verschiedenen Tanzgruppen erarbeitet worden sind, bevor sie zum gemeinsamen roten, pardon goldenen Faden zusammengesponnen worden sind, sei nicht verraten. Allerdings ein paar zentrale Zeilen aus einem der Lieder: Wir alle sind verschieden, wir alle sind uns gleich./ Streiten macht uns ärmer, nur Vergeben macht uns reich.“

Zaubermittel

Und der beste Weg dahin: „Damit Streit erst gar nicht entstehen kann, sollten wir versuchen, einander gegenseitig besser zu verstehen. Einander aussprechen lassen. Einander aufmerksam zuhören. Nicht mit halbem Ohr. Sondern aus ganzem Herzen.“

In einer anderen Szene, so viel darf gespoilert werden – nicht zuletzt, weil dies auch im Interview mit einer Tänzerin zur Sprache kommt -, geht’s auch um eine Art „Zauber“-Mittel bei der Streitbeilegung: „Lacht, aber bleibt respektvoll. Macht einander keine Vorwürfe. Sagt nicht, was der andere denken und fühlen sollte. Sprecht über eure eigenen Gefühle und Bedürfnisse.“

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Zu einem Interview mit Antonia Bögner, die in unterschiedlichen Rollen tanzt und spielt, geht’s hier unten – zu Infos wer was tanzt/spielt und wann und wo die Aufführungn stattfinden ganz am Ende in der großen Info-Box.

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Performance beim Drag_Lab im Rahmen von Skin#4 im Dschungel Wien

Vielfalt ist natürlich – für viele schon, andere müssen’s noch lernen!

Dritter Abend des Skin #4-Festivals im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum, das sich insgesamt – noch konzentrierter und in dem Fall im oberen Alterssegmente (Jugendliche und junge Erwachsene) – der Maxime Gleichberechtigung aller Menschen in ihrer Vielfalt, widmet, stand vor allem im Zeichen von Queerness.

Grafik zum Filmscreening von
Grafik zum Filmscreening von „Rebel Dykes“

Die recht junge Film-Doku „Rebel Dykes“ (aus 2021) spannt einen historischen Bogen, vor allem zur kämpferischen, feministischen Lesbenszene der 1980er und 90-er Jahre in und um London. (Regie: Siân A Williams und Harri Shanahan). Mit – teils recht verwackelten – Orioginalaufnahmen, rückblickenden und reflektierenden Interviews sowie Animations-Szenenl, untermalt von prominentem Sound-Track von Bands wie The Petticoats, Sister George, Poison Girls, The Brendas, Well Oiled Sisters, The Sleeze Sisters, Sluts from Outer Space, Amy and the Angels, Mouth Almighty oder den Gymslips, werden nicht zuletzt Protestaktionen geschildert, die (zu) wenig bekannt sind wie eine kurzzeitige Besetzung des renommierten Senders BBC  oder eine Abseil-Aktion im Oberhaus des britischen Parlaments House of Lords).

Talk über „queerfeministsiche Positionen“ (von lonks nach rechts): Paul*A Helfritzsch, Nathalie Rettenbacher, Kathrin Reisinger, Tino Dungl und Lena Jäger
Talk über „queerfeministsiche Positionen“ (von lonks nach rechts): Paul*A Helfritzsch, Nathalie Rettenbacher, Kathrin Reisinger, Tino Dungl und Lena Jäger

Talk: Queerfeministische Positionen

Ausgehend und anschließend an den Film im kleineren Saal des Theaterhauses diskutierten

Lena Jäger ( Projektleitung Frauen*Volksbegehren), Tino Dungl (offene Kinder- und Jugendarbeit), Nathalie Rettenbacher (Queerfeministin, Comedian) und Paul*A Helfritzsch (Philosoph*in) mit dem Publikum nicht zuletzt über die gesellschaftlichen Rückschritte in Sachen Gleichberechtigung aller Menschen. Kinder oder Jugendliche hätten noch immer nicht überall in Österreich die Möglichkeit sich zu outen, wenn sie nicht herr-schenden Normen entsprechen. Dafür brauche es mehr erreichbare Anlaufstellen und Beratungseinrichtungen. Vor allem aber müsste Vielfalt und Diversität anerkannt und akzeptiert werden – so der Tenor. Und dazu braucht es noch etlicher Kämpfe, wie auch der zuvor gesehene Film zeige.

Es sollten/dürften Streits um Begrifflichkeiten nicht überhand nehmen, sondern die gemeinsamen Ziele in den Vordergrund gerückt werden – war eine weitere Quintessenz der Diskussion.

Drag_Lab

Wieviel und welchen Anklang Vielfalt bei vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen findet, bewies übrigens anschließend Drag_Lab. Das vor zwei Jahren von Metamorkid und Dopa Mania ins Leben gerufene Format der Open Stage (offene Bühne) für Menschen, sich selbst vor Publikum in einer kurzen Performance zu präsentieren so wie sie wollen, sprengte nicht nur fast den Rahmen des großen Saals im Dschungel Wien. Knallvoll – nicht nur die Publikumsreihen, viele Zuschauer:innen bevölkerten selbst die seitlichen Bühnenränder. Und enthusiastischer Applaus – nicht nur nach den Auftritten, oft auch dazwischen und Kreisch-Alarm wie er sonst nur von Pop-Konzerten bekannt ist. Die Hütte drohte immer wieder fast zu Platzen angesichts der Freude über die Diversität der Performances/Performer:innen*.

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Bunte, freidlich-fröhliche Tänzer:innen können die "grantige" Antonia letztlich mit Lachen anstecken

Mehr Körpergefühl, fitter und es macht Spaß

KiJuKU: Seit wann tanzt du bei und mit „Ich bin o.k.“?
Antonia Bögner: Seit 2010 – eigentlich, aber das war lange so eine Art hop on – hop off. Ab 2019 aber dann ständig und regelmäßig

KiJuKU: Da kam dann ja leider bald Corona und Lockdowns; wie war das in dieser Zeit?
Antonia Bögner: Sehr anstrengend.

KiJuKU: Habt ihr dann über Online-Videos getanzt?
Antonia Bögner: Ja, und Zoom-Meetings. War halt nicht schön.

KiJuKU: Was war das Nicht-Schöne daran?
Antonia Bögner: Das Zusammenkommen im Studio ist mir sehr abgegangen. Bei uns ist es normalerweise so, dass wir uns am Anfang alle fest umarmen, das konnten wir so ja nicht. Das Persönliche hat dann einfach gefehlt.

Jede Gruppe hat Geschichten entwickelt

KiJuKU: Wie kam’s zum jetzigen Stück?
Antonia Bögner: Am Anfang hieß es noch „Geschichtenbaum“. Jede Gruppe hat sich ein Thema ausgesucht. Das war dann zuerst ziemlich riesig und wurde dann zusammengefasst und auf „Der goldenen Faden“ umbenannt.

KiJuKU: Du spielst wen oder was?
Antonia Bögner: Die Königin – in der einen Gruppe. Wir haben zwei, eine orangene und eine rote, die jede ein paar Vorstellungen spielt und tanzt.

KiJuKU: Hast du dich dafür gemeldet oder wurdest du für diese Rolle gefragt?
Antonia Bögner: Das war lustig, weil der Christoph und ich haben ja bei der Opernball-Eröffnung mitgetanzt. Dadurch hat sich gezeigt, dass wir tänzerisch eh gut harmonieren und so sind wir das Königs-Königinnen-Paar geworden.

Springerin und Grantlerin

KiJuKU: Du spielst und tanzt aber auch mit der andere, der roten, Gruppe, heute hab ich dich bei den Proben als Raubtier gesehen?
Antonia Bögner: Es gibt den Krieg zwischen den Wölfen und Geparden. Ich bin Springerin, das heißt, wenn wer ausfällt, spiel ich einen der Geparde. Und ich spiel auch noch in der Humor-Szene mit. Da spiel ich zuerst, dass ich grantig bin. In dieser Szene wird uns Grantigen aber gezeigt, dass wir das Leben auch mit Humor nehmen können, sollen, dürfen, müssen.

KiJuKU: Ist das Switchen von zuerst grantig und dann fröhlich spielen leicht oder schwierig oder was ist das Leichtere?
Antonia Bögner: Das Leichtere ist das Fröhlich-Sein.

KiJuKU: Wie und was musst du machen, um auch das Grantige gut zu spielen?
Antonia Bögner: Das ist schon schwer. Ich muss halt überlegen und im Kopf an eine Situation denken, in der ich echt grantig war.

KiJuKU: Das Rauskommen ist dann einfach?
Antonia Bögner: Durch das Lachen aller rundum komm ich dann raus aus meinem Grant-Spiel.

Humor

KiJuKU: Gibt es Szenen, die dir besonders wichtig sind?
Antonia Bögner: Dass man das Leben mit Humor nimmt und nicht immer grantig ist.

KiJuKU: Machst du selbst das im echten Leben sowieso?
Antonia Bögner: Kommt drauf an.

KiJuKU: Gibt’s Situationen, wo du jetzt eher mit Humor drangehst?
Antonia Bögner: Glaub ich eher nicht.

Proben für den getanzten Kampf von Wölfen und Geparden
Im Kampf geschlagen, aber noch nicht „gestorben“ …

Mehr als ein Hobby

KiJuKU: Du tanzt jetzt schon einige Jahre, was bedeutet Tanz für dich? Ist es nur ein nettes Hobby oder mehr?
Antonia Bögner: Es ist definitiv mehr.

KiJuKU: Und zwar?
Antonia Bögner: Ich mach’s hobbymäßig sehr, aber will auch tiefer eintauchen, mich tänzerisch auch weiterentwickeln.

KiJuKU: Hat das Tanzen auch Auswirkungen für dein Alltagsleben?
Antonia Bögner: Erstens ist es sehr gut für das Körperliche, weil ich da meinen Körper besser wahrnehme, verstehe, wie sich der Körper bewegt. Für die Fitness ist es auch gut. Und es macht Spaß. Wenn ich zum Beispiel grantig oder wütend bin, kann sich das durch Tanzen lösen.

Und im Alltag?

KiJuKU: Gibt’s dann in deinem Alltagsleben Situationen, in denen du grantig bist und es in deinem Kopf Click macht und du dir sagst, jetzt könnt ich eigentlich tanzen?
Antonia Bögner: Das gibt’s oft. Ich hör gern und oft Musik. Und in so einer Situation stell ich mir dann vor, wie ich da jetzt tanzen würde.

KiJuKU: Das heißt, du musst dann gar nicht tanzen, sondern die Vorstellung allein hilft schon?
Antonia Bögner: Genau.

KiJuKU: Neben Tanz machst du aber bei „Ich bin O.K.“ auch noch etwas?
Antonia Bögner: Ja, ich betreue Social Media und betreibe den Instagram-Account gemeinsam mit Werner Schuster. Ich versuch, jeden Tag was zu posten, geht nicht immer. Ich bin hauptsächlich auf Storys und Reels fokussiert, weil es dadurch Persönlicher ist als nur Fotos zu posten.

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Hier unten geht’s zu einer Reportage vom Probenbesuch – mit mehr als 150 Fotos und drei Videos.

Doppelseite aus dem Bilderbuch "Der kluge Keks"

Anfangs „Brösel“ in der Schule…

Spaziert ein Kreis mit Gesicht und bunten kurzen Haaren durch die „Süße Straße“… Nein, so beginnt kein Witz, sondern dieses Bilderbuch. Der Kreis ist nicht nur ein solcher, sondern wie schon der Titel und die Illustration auf dem Buchcover nahelegt, auf dem der Kreis einen Bleistift in einer Hand hält, ein Keks.

Dieser Keks – dem Bilderbuchtitel zufolge noch dazu ein kluger – war nicht immer schlau. Oder eigentlich schon. Nur hat er’s nicht geglaubt.

In Gedanken woanders

Wie es dazu kam, dass er weniger verunsichert, mutiger geworden ist und Selbstvertrauen gewonnen hat, – das erzählen Autor Jory John (Übersetzung: Luise Richter) und Illustrator Pete Oswald auf den drei Dutzend bunt bebilderten Seiten. Die Welt ist sozusagen eine Bäckerei. Unser Keks hält alle für viel schlauer, weil sie in der Schule in einem Lebkuchenhaus viel schneller die Fragen von Lehrerin Biscotti beantworten konnten. Manchmal wusste Keks es, war aber mit seinen Gedanken ganz woanders – verträumt fantasierte sich die Hauptfigur in ganz andere Szenarien.

Und genau das kam Keks zugute als die Lehrerin die neueste Aufgabe verteilte: „Ich möchte, dass ihr heute Abend etwas erschafft, das total einzigartig ist… Bitte bringt es morgen mit in den Unterricht.“

Und damit die Geschichte nicht so schnell zu Ende geht, lässt das Duo von „Der kluge Keks“ den Protagonisten mit einigem, das er erschaffen möchte, vorerst noch scheitern. Doch dann… – ja dann fiel Keks ein, ein Gedicht zu verfassen: „Meine krümeligen Tage“.

Noch hatte Keks richtig Angst, als Frau Biscotti ihn bat, sein Gedicht vorzutragen. „Schluck!“ Ich seufzte. Ich dachte, ich würde wahrscheinlich unter dem ganzen Druck zerkrümeln.“

Zerbrösel-Gefahr

War natürlich nicht so, schließlich neigt das Bilderbuch sich schon seinem Ende zu. Applaus. Erfolg. Selbstvertrauen. „Schule war danach ein bisschen anders.“ Davor gab’s sozusagen eher immer wieder „Brösel“ – wie ein Wiener Dialektausdruck für Wickel, Zoff, Streit heißt. Solchen hatte Keks mit sich selbst. Und drohte daran soagr zu zerbröseln.

Ein wahrhaftes „Lehr“-Buch – vor allem für Lehrer:innen. Aber auch du kannst daraus Mut schöpfen, solltest du dich fühlen wie Keks zu Beginn. Denn sicher findest auch du etwas, worin du gut bist! Oder wie es in diesem Bilderbuch auf der vorvorletzten Seite heißt: „Du musst nicht die Antwort auf jede Frage haben oder plötzlich perfekt in allem sein. Du brauchst nur eine Chance, alle möglichen Dinge auszuprobieren, um herauszufinden, wer du bist und was du gerne machst.“

Auch wenn diese Gebrauchsanleitung fast ein bisschen zu zeigefingermäßig daherkommmt – denn darauf wärest du bei dieser Bilderbuchgeschichte sicher selber draufgekommen 😉

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Der kluge Keks“
Eröffnung der Ausstellung und des Skin-FEstivals #4

Versuch, Körper von Bewertungen zu befreien

Fotos, Animationen, Objekte aus geflochtenen Haaren, TikTok-Videos, gefilmte Performances bearbeitet mit Computerprogrammen, Schrift-Installationen – alles rund ums Thema menschlicher Körper. Die Ausstellung „Body was made“ (Körper werden gemacht) im Foyer von Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier, sowie in den Studioräumen vor der Bühne 3 begleitet das aktuelle Festival Skin #4. Wie auch die drei vorangegangen Ausgaben drehen sich Theater, Tanz, Performance, Diskussionen und nicht zuletzt die Ausstellung rund um Diversität, Geschlecht (Sex /Gender), Feminismus, Queerness… – kuratiert von Justina Špeirokaitė und Ale Zapata der Diversität fördernden Initiative „Question Me & Answer“.

Eröffnung der Ausstellung und des Skin-FEstivals #4
Schnappschuss von einem der TikTok-Beiträg von Sarah Tasha Hauber

Klassische Bilder verändern

So auch die Objekte unterschiedlichster Formen bildender Kunst. In Fotos von Gemälden aus dem Kunsthistorischen Museum Wien sind zentrale Figuren durch Fotos von Sarah Tasha Hauber ersetzt. Im Vorjahr durfte sie ein Monat lang den TikTok-Kanal des Museums übernehmen (takeover), um so für Irritationen eingelernter Betrachtungen klassischer Gemälde zu sorgen.

Wie beeinflusst KI?

.:.::.Sisi.:.::.. bespielt eine ganze Wand mit der Projektion eines via Computer-Software sich verändernden menschlichen Körpers. Die Künstler:in * arbeitete mit einer auf Künstlicher Intelligenz basierenden Software will in einem Forschungsprojekt den Einfluss von Bilderkennungssystemen von Instagram-Fotos auf die ungleichgewichtige Repräsentation von Menschen untersuchen.

Eröffnung der Ausstellung und des Skin-FEstivals #4
Ciwan Veysel (Bildmitte) mit Freund:innen vor seinen Fotos – zu sehen übrigens auf dem T-Shirt von Leyla der seit Monaten bekannte Spruch „Jin Jiyan Azadi“ (Frau Leben Freiheit), der unter Kurd:innen schon viel länger eine bekannte Parole ist.

Natürlich

Wie ein reines Naturfoto wirkt eines der großformatigen Bilder Ciwan Veysel – bis sich bei längerer Betrachtung herausstellt, dass da ein nacktes Hinterteil im Wasser – und dessen Sonnenlichtbrechungen und -spiegelungen – fotografiert wurde. „Mir ist es um die Akzeptanz eines queeren Körpers gegangen. Sehr viele Jahre hatte ich Schwierigkeiten und Probleme, bis ich Frieden damit schließen konnte, wie ich bin. Und das wollte ich in Fotos festhalten.“ Mit der Verbindung des Wasserlaufs im einen sowie des Gesichts und Oberkörpers zwischen Büschen am zweiten Foto stellte der Künstler das auch sozusagen in einen natürlichen Rahmen.

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Szenenfoto aus "Audienz"

Wenn ein Machtspiel ins Absurde kippt

„Möchten Sie Bier?“
„Nein, danke.“
„Warum nicht? Nehmen Sie doch…“

Schon dieser Dialog in den allerersten Momenten des Einakters „Audienz“ von Václav Havel deutet die absurde Situation an – und die Machtverhältnisse. Denn Vaněk, der Angestellte in der Brauerei, muss entgegen seinem Willen, trinken. Gegenspieler ist im Original sein Chef, der Braumeister. In der Version, die im Rahmen des Festivals „Europa in Szene“ in den Wr. Neustädter Kasematten (bis 1. April 2023, jeweils Nach(t)gedanken mit anschließenden bekannten Gesprächspartner:innen) fulminant gespielt wird, ist es eine Braumeisterin -immerhin sind seit dem Original 34 Jahre vergangen. Und Regisseur Florian Thiel lässt in dieser Inszenierung noch eine dritte Figur erscheinen, „Die Bohdalová“, eine Schauspielerin von der die beiden oft sprechen.

Der Plot

Die Ausgangssituation: Vaněk hat einen Termin bei der – diesfalls – Chefin. Neben dem Aufdrängen von Bier an den Untergebenen, der das eigentlich nicht will, geht es um einen Deal. Statt im kalten, feuchten Lager könne er Verwaltungsarbeit in einem Büro verrichten, wenn er Spitzelberichte verfasse – über sich selbst. Die Braumeisterin müsse „denen“ immer wieder etwas über Vaněk berichten, sie wisse gar nicht so viel und so könne er wenigstens selber bestimmen, was „die“ über ihn zu wissen kriegen. Lässt sich Vaněk, der eigentlich Theaterautor ist, aber weil politisch missliebig, auf den Job in der Brauerei strafversetzt wurde, auf diesen Handel ein? Bleibt er seiner Überzeugung treu?

Meister:innen-haft

Diese in wenigen Sätzen zu beschreibende Ausgangssituation hat schon der Autor (Übersetzung ins Deutsche: Gabriel Laub) absurd überhöht, indem die Dialoge sich in nur geringer Variation wiederholen. Vaněk wird immer und immer wieder das Selbe gefragt. Hört der Chef/die Chefin nicht zu, ignoriert die Antworten des Untergebenen?

Fast parabelhaft als verdichtete Kritik an Macht-Situationen vieler Institutionen versteht (nicht nur) der Regisseur Havels „Audienz“.

In der Wr. Neustädter Inszenierung überhöhen die beiden jungen Darsteller:innen Alexandra Schmidt (Braumeisterin) und Nico Dorigatti (Vaněk) die an sich schon absurde Ausgangssituation durch intensives, körperliches, an die Grenze und teils sogar darüber hinausgehendes Schauspiel. Es fließt Bier (alkoholfreies, aber doch) in sprichwörtlichen Strömen. Innen und außen nass, alles pickt – was im ganzen Raum deutlich hör- und riechbar wird. Sie spielen sich einen eine rasch und immer rascher nach unten führenden Strudel, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint.

Phasenweise reißt es dich, im Publikum sitzend, ob der Tatsache der über den Tisch rutschenden, herabstürzenden, gekonnt hinfallenden Darsteller:innen. Wowh! Es wirkt schier unglaublich, dass die beiden Schauspieler:innen überhaupt noch die Kontrolle über ihre Handlungen haben könn(t)en. Und dennoch durchzieht die gute Stunde eine ironische, fast karikaturhafter Humor.

Geisterhaft

Dazu gesellt sich in wenigen, aber punktgenauen Auftritten das Erscheinen „der Bohdalová“. Sophie Borchhardt verleiht dieser Figur den vom Regisseur geplanten Hauch des Geisterhaften, ist sie – die Hinzugefügte zum Original (nur körperlich agierend, der Text hält sich an Havel) – doch eine Art Traum Vaněks an seine frühere Zeit am Theater oder auch daran, dass vielleicht doch noch ein anderes Leben möglich wäre/sein könnte.

Interviews mit Regisseur und den drei Schauspieler:innen in eigenen Beiträgen, die in diesem Artikel verlinkt sind.

Über den Autor

Havel, regimekritischer Autor in der ČSSR (Tschechoslowakische Sozialistische Republik), dessen Werke damals praktisch nur im Ausland publiziert und aufgeführt wurden, war nach der „samtenen Revolution“ 1989 auch letzter Präsident des gemeinsamen und später erster Präsident der dann getrennten Tschechischen Republik. Audienz ist Teil der Vaněk-Trilogie zu den „Vernissage“ und „Protest“ gehören.

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Audienz“
Szenenfoto aus "Audienz"

Einlassen auf einen Strudel, der abwärts zieht

KiJuKU: Frau Braumeisterin, wie bist du zu dieser Rolle gekommen und was ist für dich das Spannende an ihr?
Alexandra Schmidt (spielt die Braumeisterin): Zur Rolle bin ich gekommen, weil wir alle gemeinsam studieren und ich Zeit gehabt habe. Ich hab dann das Stück gelesen und gedacht: Komisch, sind ja zwei Männer, bin ich dann die Bohdalová, aber die kommt ja gar nicht im Stück vor, auch wenn die beiden öfter über sie sprechen. Dann hat der Flo (Regisseur) gesagt, er würde mich als Braumeisterin statt des Braumeisters im Original besetzen. Das find ich sowieso schon interessant. Dadurch, dass ich eine Frau bin, macht das was Komplett anderes auf. Jetzt ist es eben eine Chefin und der Angestellte ist ein Mann.

KiJuKU: Was ist für dich das Spannende an der Rolle?
Alexandra Schmidt: Spannend an ihr finde ich, dass sie extrem ambivalent ist und sie viele Gesichter hat. Vor ihm muss sie diese Chefinnen-Position wahren, ist in dieser Position gefangen und teilweise bricht es auf, diese ihre Maske fällt. Dieses Hin und Her zwischen diesen Extremen find ich sehr spannend. Trotz dessen, dass sie so hart und verhärmt ist, hat sie dennoch verletzliche Seiten, die gezeigt werden.
Auch spannend ist, dass es eigentlich für sie eine ausweglose Situation ist. Der Vaněk ist für sie ein neuer Lichtblick, sie glaubt, dass er die Situation für sie verändern kann. Deshalb kämpft sie so darum, es ist schwierig, ihm das zu erklären. Außerdem weiß sie gar nicht, ob sie ihm vertrauen kann. Deshalb dauert das Gespräch auch so lang, sie muss erst einmal ab-checken, was der weiß und wo der dazugehört.

Bis zur Auflösung

KiJuKU: Ja, Vaněk, das heißt, Nico, wie ist das für dich, diesen Vaněk zu spielen – unter anderem, weil der anfangs immer wieder sagt, er mag kein Bier und dann muss er dauernd trinken. Und auf einem Abschiebe-Posten werkt als regimekritischer Theater-Autor in der Brauerei im Lager arbeiten muss/ „darf“?
Nico Dorigatti (spielt Vaněk): Das Spannende an der Figur in dieser Situation ist, dass er aus dieser ausweglosen Lage, aus dieser Sackgasse in der er sich zu Beginn des Stückes befindet, zunehmend in einen Strudel der Desorientierung hineingezogen wird. Auch wie wir das sehr körperlich spielen, wo ich ja wirklich dann nur mehr rund um den Tisch schlittere, weil der Boden so nass ist von dem vielen verschütteten Bier.

Es ist diese völlige Machtlosigkeit gegenüber dem System. Das Wunderbare an diesem Stück ist auch, dass es sich nur in einem Raum abspielt und doch so große universale Räume geöffnet werden. Man hat nicht das Gefühl, dass ist nur ein Gespräch zwischen zwei Personen an einem Tisch. Es ist ein freier Fall in einen bodenlosen Schlund aus Machtlosigkeit und Verzweiflung, Sehnsucht. Dazu kommt noch der für diese Figur ungewohnte Alkoholkonsum, der fast zu einer Auflösung dieser Figur, des eigenen Ich und einem sich in all dem Verlieren führt.

Spannend ist dann aber, dass sich die Figur am Ende trotzdem entscheiden muss, ob sie zu den eigenen Werten steht oder diesem Sog vollends nachzugeben. Das ist für mich der Punkt, worauf dieses Stück hinausläuft.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Audienz“

Reinfallen lassen

KiJuKU: Wie schwierig ist es – auch wenn es „nur“ alkoholfreies Bier ist, so Unmengen in sich hinein zu schütten, damit herumzuspucken, -spritzen, sich selber voll zu schütten. Alles ist nass, rutschig, pickig, grauslich?
Nico Dorigatti (spielt Vaněk): Ich hab die Erfahrung gemacht, du musst einmal damit anfangen. Ab da entwickelt sich dieser Strudel, es passiert alles so schnell, es folgt alles Schlag auf Schlag. Es macht ja auch mit einem selber etwas als Schauspieler, wenn du völlig durchnässt bist, innen und außen alles nach Bier stinkt. Bei mir verkleben immer die Augen. Du kannst nicht mehr gehen, du wirst erschöpft, es tut alles weh durch diese Stürze. Es entwickelt eine ganz starke Dynamik, die einen als Schauspieler UND als Figur da hineinzieht, vollkommen verwurstet, herumschleudert.
Alexandra Schmidt: Und es hilft das Trinken auch, find ich. Auch wenn es alkoholfrei ist, kann man sich trotzdem reinfallen lassen in das Gefühl, immer alkoholisierter zu werden und damit andere Emotionen zeigt, anders spricht. Wie’s halt im echten Leben oft auch ist, dass man was sagt, was man nicht wirklich wollte. Oder, es zeigen sich halt andere Gesichter. Man kann sich dadurch noch lichter reinkippen lassen.
Nico Dorigatti: Wenn alles grauslich ist, senkt das auch die Hemmschwelle, was man machen kann. Wenn eh beide Personen völlig versaut und nass sind, sinkt die Schwelle dessen, was man miteinander machen kann.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Audienz“

Musik und Licht helfen

KiJuKU: Du spielst die nur selten auftretende Schauspielerin Bohdalová, die dem Vaněk sozusagen mehrmals im Wachtraum erscheint. Wie ist es so lange immer hinter oder neben der Bühne warten zu müssen, bis du dran bist, dann auf zack präsent sein zu müssen und in eine fremde Welt einzutauchen?
Sophie Borchhardt: Das Warten fühlt sich gar nicht so lang an, weil du trotzdem die ganze Zeit natürlich dabei und wach sein musst. Die Energie ist dann klarerweise voll da. Für meine Rolle helfen natürlich die Musik und das Licht. Dadurch merkt sie, dass sie sich da in einer anderen Welt bewegt und trotzdem mit Vaněk in Kontakt tritt, eigentlich auch mit der Braumeisterin, auch wenn diese sie nie wahrnimmt.
Sie ist im Stück ja nicht vorgesehen. Flo hat sie als diesen Geist der Erinnerung, diesen Traum an die Zeit an das freiere künstlerische Leben und den Ruhm eingebaut. Durch ihr Erscheinen hilft sie ihm immer wieder, sich aufzurichten. Und ihm in manchen Übergängen auch die Szene baut. Sie stellt die beiden zueinander oder am Ende, wenn sie die Sessel wieder auf Ausgangsposition bringt, eine neuerliche – sozusagen: Jetzt hast du einen zweiten Versuch, mach’s jetzt besser.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Audienz“

Zum Theater, zur Schauspielerei

Alexandra Schmid: Ich hab im taO, dem Theater am Ortweinplatz angefangen und schon voll früh gewusst, ich will das machen. Ich war dann in dem Kollektiv Planenteparty Prinzip…
KiJuKU: Dann hab ich dich sicher schon auf der Bühne und in Aktion in den Simulationsspielen erlebt?
Alexandra Schmid: Wir haben uns schon voll oft gesehen…
KiJuKU: Das ist mir jetzt urpeinlich, dass ich dich nicht erkannt hab…
Alexandra Schmid: Kein Thema, das war ja noch im Jugendtheater und schon lange, mehr als zehn Jahre her. Dann hab ich ein paar Filme gemacht und jetzt, voll spät, bin ich auf der Schauspielschule gnommen word’n. Jetzt studier ich Schauspiel und das ist voll cool.

Nico Dorigatti: ich bin da in Wr. Neustadt in die Schule gegangen, ins Gymnasium Babenberger Ring. Und ich hab dort, nein schon früher, in der Volksschule, die ersten Theatererfahrungen gesammelt und gemerkt, dass mir das taugt. Ich hab aber nie einen Gedanken daran verschwendet, das beruflich zu machen, weil in diesen Kreisen nicht diese Möglichkeit gefördert wurde. Aber nebenbei hab ich’s immer gemacht, es hat mich interessiert. Am Ende meiner Schulzeit hab ich begonnen, selber zu inszenieren hier in Wr. Neustadt, hab dann einige Jahre hier im Neukloster gespielt. Nach meiner Matura und dem Zivildienst hab ich mir gesagt: Gut, einmal muss ich’s versuchen, mich an einer Schauspielschule zu bewerben und es hat dann gleich beim ersten Versuch am Max-Reinhardt-Seminar geklappt.

Sophie Borchhardt: Bei mir war’s so, dass ich schon al kleines Kind gern mit meinen Schwestern verschiedene Rollen gespielt habe. Aber mehr verfolgt hab ich’s nicht, hatte auch andere große Leidenschaften wie das Reiten oder… na eigentlich das Reiten und die Natur. Dann bin ich von Wien aufs Land gezogen, nach Klagenfurt und dann hatte ich das nicht mehr am Schirm. Dann mit 15 wurde ich in der Schule spontan gefragt, ob ich Lust hätte, für eine kurze Szenen auf den Tisch zu springen und zu tanzen. Ich hab beschlossen, was hab ich zu verlieren und zugestimmt. Und so hab ich dann angefangen, Theater zu spielen, dann war eine längere Pause, es kam ja auch Corona. Nach der Matura hab ich’s probiert und bin jetzt am Max-Reinhardt-Seminar. Und so schließt sich der Kreis, weil ich hier in meinem ersten Stück ja in einer Szene auch auf dem Tisch tanze.

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Regisseur Florian Thiel

„Es soll egal sein, wer wen spielt“

KiJuKU: Wurdest du als Regisseur für dieses Stück geholt oder warst du schon bei der Stückauswahl dabei?
Florian Thiel: Ich hab „Audienz“ damals als Anriss im Max-Reinhardt-Seminar inszeniert, Anna Maria Krassnigg (Leiterin der Wortwiege und Lehrende an dieser renommierten Theater-Schule) hat es gesehen und mich gebeten, es für das Festival zu machen.

KiJuKU: Was hat dich an diesem Stück gereizt?
Florian Thiel: Es wurde mir von einer Freundin empfohlen, weil ich mich über Strukturen in Institutionen gewundert habe. Dann hab ich das gelesen und gedacht: „Mein Gott, das ist wie in allen Institutionen, wie diese Machtmenschen oft ambivalent agieren: Ich will zwar lieb und nett sein, hab aber immer Hintergedanken. Ich muss meine Stellung behaupten und dann bin ich doch wieder ganz anders. Das ist der Theaterbetrieb in einer Person.

KiJuKU: Nicht nur der Theaterbetrieb, oder?
Florian Thiel: Ja, ich glaub das gilt für fast alle Institutionen.

Wechsel von Braumeister zu Braumeisterin

KiJuKU: War von Anfang an klar, dass Havels Braumeister hier eine Braumeisterin sein wird was ja noch eine weitere Ebene, ein anderes zwischenmenschlichen Spiel der beiden eröffnet?
Florian Thiel: Ich hatte nach Schauspieler:innen gesucht, die Zeit hatten und mit denen ich Lust hatte zu arbeiten. Und ich hab generell ein bisschen die Haltung, dass es egal sein sollte, wer was spielt.

KiJuKU: Schon, aber es ergibt sich da ja noch eine andere mitschwingende Ebene zwischen Frau und Mann?
Florian Thiel: Dass wir das dann so körperlich inszeniert haben und sich plötzlich ganz andere Situationen ergeben, war nicht von vornherein geplant.

KiJuKU: Wie kam’s zur dritte Figur, die bei Havel ja nicht vorkommt?
Florian Thiel: Sie ist sein Traum von der Schauspielerin Bohdalová. Er sitzt da in seiner Zwangssituation und im Rausch erinnert er sich immer an die alten Zeiten am Theater – wie eine Art Fata Morgana. Und es steckt natürlich auch ein bisschen drin, dass auch die Braumeisterin ein ganz anderes Leben hätte haben können. Sie ist in dieser Struktur gefangen, aber sie hätte auch andere Entscheidungen treffen können.

Für immer unten?

KiJuKU: Vom Stück her aber nur, wenn sie noch mehr Menschen an die Obrigkeit verraten hätte?
Florian Thiel: Aber sie beklagt sich ja, dass die Werktätigen immer nur unten bleiben, die Anerkennung gibt’s aber für die Intellektuellen und Künstler:innen. Aber sie hat ja nie den Mut gehabt, zu sagen, sie möchte was anderes.

KiJuKU: Wobei das ja von Havel noch mal eine weitere Kritik ist – war doch damals immer die Rede von der führenden Rolle der Arbeiterklasse.
Florian Thiel: Was aber dann doch wieder wahrscheinlich nirgends so war.

KiJuKU: Wie bist du zum Theater gekommen?
Florian Thiel: Ich bin von Münster nach Wien zum Studieren gegangen, habe Theater-, Film- und Medienwissenschaften gewählt, weil ich dachte, irgend etwas interessantes wird da schon dabei sein. Dann hab ich früh begonnen an Theatern zu hospitieren und mich dann irgendwann am Seminar beworben.

KiJuKU: Und immer Regie oder war die Bühne selbst auch ein Thema?
Florian Thiel: Wäre vielleicht schön, aber ich würde dann doch immer andere vorschicken.

KiJuKU: In diesem Fall vielleicht besonders, wo sich die drei körperlich sehr einsetzen, insbesondere die beiden – Braumeisterin und Vaněk viel Bier trinken und herumschütten bis alles rutschig und pickig ist?
Florian Thiel: Niemand wird von mir zu etwas gezwungen. Ich hab das nur angeboten und die Schauspieler:innen haben sofort gesagt: Klar machen wir das mit alkoholfreiem Bier. Wir hätten das auch mit leeren Flaschen spielen können. Aber so durch das fliegende Gespritze entstehen halt auch ganz andere Bilder – und es wird noch zu einem olkfaktorischen Stück.

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Bildmontage aus je einem Szenenfoto von "Vis Motrix" sowie "Demain est annulé - Morgen ist abgesagt"

Was alles für Bewegungen möglich sind ;)

Bewegungen! Und was für welche! Beinahe unglaubliches Bewegungstheater zeigten zwei Produktionen nach der offiziellen Eröffnung der vierten Ausgabe des Skin-Festivals im Dschungel Wien.

Gleich nach Eröffnung der Ausstellung – die noch bis zum Ende des Festivals (18. März 2023) läuft – sowie Reden, u.a. der Schweizerischen Botschafterin, legten Fa-Hsuan Chen, Martina De Dominicis, Tanja Marín Friðjónsdóttir und Susanne Schneider mit ihrem Stück „Vis Motrix“ (Latein, übersetzt: treibende Kraft). Das heißt lange Zeit bewegten sie sich nicht viel. Klitzkleineste, fast unmerklich hoben sie die eine oder andere Körperpartie vom Tanzboden ab, auf die sie lagen. Um dann in den Vierfüßler-Stand zu gehen – allerdings rücklings.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Vis Motrix“

Robo-Mensch

Ihre Fortbewegungen erinnern an Roboter, die einer Art vierbeinigem Tier nachgebildet sind – ein Mix aus menschlichen und mechanisch-maschinellen Abläufen. So eroberten sie – oft synchron, dann wieder gegenläufig, die gesamte Tanzfläche (Choreografie: Rafaële Giovanola). Lange, als müssten sie gegen vom Boden ausgehende Widerstände sich in Bewegung setzen, dann diese Energie nutzend kreuz und quer fast zu rasen.

Die meisten Szenen der rund 40-minütigen Performance tanzte das Quartett immer mit beiden Armen und Beinen im Bodenkontakt. Erst in den letzten Minuten versuchten sie sich in aufrechte Position zu begeben, um das kurzzeitige Aufbäumen ebenso rasch zu beenden und wieder in den extrem unbequemen „Vier-Füßler“-Stand zu gehen und so bis zu Ende zu tanzen und das zu erzeugen, was die Gruppe CocoonDance (Deutschland) im Programmzettel „Bilder einer posthumanen Zukunft“ nennt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Demain est annulé – Morgen ist abgesagt“

Gegen alles und jede/n

Ein paar Cans stehen einsam auf dem weißen Tanzboden. Von oben hängen einige Mikrophone. Dann kommt sie, erobert den Raum – und das Publikum: Tamara Gvozdenović, schnappt sich die erste Dose und sprüht (mit Kreide-Spray) einen schwarzen Pfeil zu einer der Zuschauer:innen, die u-förmig angeordnet vor den Wänden sitzen. „Against Richard III., Michelangelo, Sigmund Freud, Vanille-Eis, Bubble-Tea, Muppet Shows und Rotkäppchen…”

Gegen alle, alles, jede und jeden – berühmte Persönlichkeiten, Gruppen von Menschen, Gewohnheiten, Dinge. Es fällt dir kaum etwas oder wer ein, gegen die/den/das die Tänzerin in unglaublicher Körperbeherrschung den Raum durchrasend, tanzend, mitunter auch langsam auftritt, ankämpft, auf den Boden sprayt, sich selbst besprüht (Choreografie: Tabea Martin).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Demain est annulé – Morgen ist abgesagt“

Aus Nein wird jetzt

Im letzten Viertel ihrer rund ¾-stündigen Performance sprayt sie ein großes rotes NO auf den Boden, dann „Time“ (Zeit) – um dem No ein W anzufügen und dazwischen „it is“ worauf wir den Spruch lesen können: Jetzt ist es Zeit. Also ist „morgen“ doch nicht „abgesagt“, wie der Stücktitel „Demain est annulé“ nahelegen würde.

Oder doch? Gegen Ende des Stücks schwemmt die Tänzerin, die immer wieder auch fast Beatboxend die von der Decke hängenden Mikrophone be-spricht, -schreit, mit Hilfe eines langen Wasserschlauchs so manches von dem weg, das sie zuvor auf den Boden gesprayt hatte. Und duscht sich komplett, sodass ihr Gewand waschelnass ist – wie auch ein Teil des Tanzbodens, auf dem sie dennoch nach wie vor die Balance meisterinnenhaft hält – selbst den widrigen Verhältnissen zum Trotz, die sie selber geschaffen hat.

Widerstand für ein mögliches Morgen ist also doch möglich. Es bedarf allerdings einiger Anstrengungen 😉

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Demain est annulé – Morgen ist abgesagt“
Aus dem Film "Die Eiche - Mein Zuhause"

Nah ran ans Leben rund um die 200-jährige Hauptdarstellerin

Die Hauptdarstellerin ist mehr als 210 Jahre alt, 9000 Kilo schwer, fast 20 Meter hoch, einmal rund herum an ihrer dicksten Stelle: 11 Meter. Und sie ist Heimat für viele Tiere. Und du kommst ihnen mitunter ganz ganz nah, hörst (nicht nur) ihre Geräusche. Sie, das ist eine um 1810 gekeimte Stiel- oder auch Sommer- bzw. Deutsche Eiche.

Aus dem Film
Aus dem Film „Die Eiche – Mein Zuhause“

In „Die Eiche – Mein Zuhause“, einem knapp mehr als 1 ¼-stündigen Film (81 Minuten) aus Frankreich kommt die Kamera ganz nahe an Eichhörnchen, Rüsselkäfer, Eichelhäher und andere Tiere heran, die in und rundum diesem Baum leben bzw. sich von dessen Früchten, den Eicheln ernähren. Die kannst du von ihrem Knospen bis zum Reifen und auf den Boden fallen erleben und in Großaufnahmen, wie sich manche der Tiere so eine Frucht schnappen, sie mit dem Schnabel aufzuhacken versuchen oder dem einen oder anderen so eine Beute wieder entgleitet und im nahen Wasser landet.

Aus dem Film
Aus dem Film „Die Eiche – Mein Zuhause“

Es gibt aber auch abenteuerliche Verfolgungsjagden in der Luft, Angst auslösende Momente als Tiere vor dem vermeintlichen Angriff einer Schlange (Äskulapnatter) zittern, Coming-of-Age-Geschichten zu beschwingter Musik im Frühling wenn da und dort junge Vögelchen ihre Schnäbel aufreißen, um gefüttert zu werden oder die noch gestreiften Wildschweinkinder verspielt raufen.

Aus dem Film
Aus dem Film „Die Eiche – Mein Zuhause“

Apropos Wasser: Ein wunderschönes, fast unglaubliches Bild ist der Blick auf zwei Schwäne, die nach dem Landeanflug auf einen See nahe dieser Eiche auf der Wasseroberfläche laufend dahingleiten bevor sie zu schwimmen beginnen.

Aus dem Film
Aus dem Film „Die Eiche – Mein Zuhause“

Der Film – mit langer Vorbereitungszeit, genauen Recherchen, ja sogar Storyboards – zeigt das Leben an, im und rund um diese eine Eiche (von diesem Baum gibt es Hunderte Arten, in Europa rund 20) und natürlich des Baumes selbst. Außer den – speziell aufgenommenen – Originalgeräuschen gibt es „nur“ Musik, kein gesprochenes Wort. Was einerseits ein staunendes Eindringen in diese faszinierende kleine, große Welt bedeutet, die es zu schützen gilt. Andererseits wäre es hin und wieder nicht schlecht, Infos über das eine oder andere Tier gleich mit zu erfahren.

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Szenenfoto aus "Riot im Oikos"

Aufstand (nicht nur) im (Gewächs-)Haus

„Riot im Oikos“ (Aufstand im Haus(halt) ist die erste der Performances beim aktuell laufenden vierten Skin-Festival im Theaterhaus für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier, dem Dschungel Wien. Sieben Künstlerinnen laden ein auf eine kompakte, performative Zeitreise durch rund 2500 Jahre Kampf von Frauen* gegen ihre Unterdrückung – und damit aber auch für allgemeine Menschenrechte und immer wieder auch gegen Krieg(e).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Riot im Oikos“

Die Bühne „wächst“ sich auch auf die Publikums-Tribünen im Saal 3 des Theaterhauses aus (Bühne: Caro Wiltschek). Hier stehen viele Bäumchen, Kräuter und andere Pflanzen in Blumentöpfen. Zentral auf der Bühne eine Art Gewächshaus – als Symbol für ein enges Häuschen in das Frauen oft gesperrt, reduziert werden. Das dann ganz unironisch oftmals noch als ihr „Reich“ bezeichnet wird. Noch sind die meisten drinnen. Davor beginnt Anna Gaberscik in der Rolle einer antiken griechischen Magd – und später durchgängige zeitreisende Erzählerin – die Anekdote vom berühmten Philosophen Thales von Milet zum Besten zu geben. Er hatte seinen Blick in den Himmel auf die Sterne gerichtet und sei angeblich dabei gestolpert und in einen Brunnen gefallen. Männer hätten sozusagen den Blick fürs Große, aber nicht für das Naheliegende, das Leben.

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Szenenfoto aus „Riot im Oikos“

Präsentation von Vorkämpferinnen

Dass Frauen aber sich nicht nur ins Haus oder den Garten drängen ließen und ebenso sich mit großen Gedanken beschäftigten, auch wenn viel zu viele dieser nicht so bekannt werden durften/wurden – diese Bildungslücken schließen die Genannte sowie ihre Kolleginnen Guadelupe Aldrete, Shahrzad Nazarpour, Berenice Pahl und Julischka Stengele, die in Rollen von Kämpferinnen der Epochen Antike, Mittelalter, erster feministischer Welle (um 1900), zweiter Welle (ausgehend von den 68er:innen) schlüpfen: Ninon de l’Enclose/ Sojourner Truth/ Marcela Lagarde/ Lysistrate; Myrina/ Nawal El Saadawi/ Jane Austen/ Chadidscha bint Chuwailid, Aspasia von Milet/ Betty Friedan/ Olympe de Gouges/ Emmeline Pankhurst sowie Katharina die Große/ Sappho/ Simone de Beauvoir/ Clara Zetkin. Mal von der Bühne rund um das Häuserl, dann wieder in verschiedenen Ecken des gesamten Raumes – an vier Stellen gleichzeitig für jeweils kleine Publikumsgruppen, zu denen die Zuschauer:innen per Farbpunkt zu Beginn eingeteilt werden (nicht wie im Programmheft nach eigener Wahl; auch das dort angekündigte Eingreifen ins Geschehen findet nicht statt).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Riot im Oikos“

Humor, Ironie

Xéna N.C., queere Rapperin und Olivia Jacques, die gemeinsam mit Berenice Pahl (von ihr stammt auch das Konzept) Regie führte, leiten die jeweiligen Epochen und zentralen Themen rappend und singend ein. Nicht nur dadurch lockert sich die Geschichtsstunde in Sachen Feminismus auf. Immer wieder sorgen die Performerinnen auch durch ihr Spiel, durch ihre Art der Vermittlung der Anliegen auch für humorvolle, ironische Elemente. Nicht zufällig nennt das Regie-Duo die eigene Gruppe „love2laugh“ (Liebe zu lachen).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Riot im Oikos“

International und Selbstbestimmung

Wenn‘s zur Gegenwart kommt, lösen sich die Rollen auf und das Kollektiv der sieben Performer:innen nennt zumindest schlagwortartig noch weniger bekannte feministisch Kämpferinnen in Lateinamerika, China, Indien – allerdings nicht in Afrika. Und es werden auch Differenzen aus dem feministischen Diskurs angesprochen. Als die Sprache auf die aktuellen Proteste im Iran kommt, fällt bald die Bewunderung dafür, dass Frauen Kopftücher abnehmen und verbrennen. Bis dies als doch sehr weißer, westlicher Standpunkt demaskiert wird. Die im Iran aufgewachsene Shahrzad Nazarpour weist darauf hin, dass es in Wahrheit um die Frage der Selbstbestimmung gehe. Frauen, die sich wohler fühlen mit Hijab oder ihn aus religiöser Überzeugung tragen wollen, sollen das auch tun dürfen, ohne von anderen Frauen dafür gescholten zu werden. Und dieses kurze Statement führte zu kräftigem, spontanem Beifall der mit Schüler:innen vollbesetzten Vorstellung, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… besuchte – am Vormittag des 8. März, des feministischen Kampftages, wie er in jüngster Vergangenheit öfter auch bezeichnet wird, weil „Frauentag“ A) häufig schon zum Marketingtool von Supermärkten und anderen Unternehmen benutzt wird. Und B) Der Stern hinter „Frauen*“ bewusst gewählt wurde, weil zwar schon Simone de Beauvoir geschrieben „man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“, aber in der aktuellen Diskussion sich unter die vom Patriarchat Unterdrückten auch „Flinta*“ einreihen (Frauen, Lesben, Intersexuelle, Nicht-Binäre, Transgender, Agender – und auch da nochmals ein Stern für all jene die sich unter keinem der in den Buchstaben genannten Gruppen wiederfinden).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Riot im Oikos“

Am Ende stand der skandierte Spruch „No means No!“ – Nein heißt Nein – als deutlicher Sager gegen (sexuelle) Übergriffe. Und ein „Yes to togetherness!“ (Ja zu Zusammengehörigkeit).

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Der Schauspieler Werner Mössler gebärdet - in drei Bildern - die drei Worte: Vergangenheit und Zukunft

Mit vier Sinnen über „Die Vergangenheit und die Zukunft“

Sie ist – wie viele Frauen (nicht nur) in der Kultur – in Vergessenheit geraten: Die Dichterin Mary Ann Moore (1843-1918). Sie verfügte über Tast-, Geruchs- und Geschmackssinn. Ihr vierter Sinn, das Hören, war beeinträchtigt. Und sie hat nichts gesehen. Zu ihrer Zeit war sie als Dichterin recht bekannt. Ihren literarisch größten Erfolg landete sie als Autorin des Buches „Musings“, ins Deutsche zu übersetzen mit „Träumereien“ oder „Grübeleien“ oder „Nachsinnen“ oder „Überlegungen“ oder „Sinnieren“.

Um sie der heutigen Vergessenheit zu entreißen, inszenierte Arbos, die Gesellschaft für Musik und Theater eine Performance auf der Basis des eben genannten Buches. In dieser spielen der gehörlose Schauspieler Werner Mössler und sein hörender Kollege, der auch die Gebärdensprache beherrscht, Markus Rupert Texte der genannten Dichterin (Regie und Produktion: Herbert Gantschacher).

Gedicht „Die Vergangenheit und die Zukunft“

Vergangen, Vergangenes ist vorbei für immer,
Ob mit Bedacht verbracht oder nicht;
Die Zukunft ist nicht, vielleicht nie,
Gebunden an unser irdisch Leben.

Vergangenes war voller Eindrücke
Gedacht zum Erneuern;
Die Zukunft, sollten wir sie erleben,
Kann uns Benachteiligten das beweisen.

Vergangenes war durchsetzt Freud und Leid,
Gut und Böse, Hoffnung und Furcht;
Die Zukunft wird gleich vermischt
Mit anderen Änderungen da.

Vergangenes können wir nicht mehr zurückholen,
Unser Tun können wir jedoch bereuen;
Die Zukunft kann Geschehenes nie ersetzen,
Fehler aus der Vergangenheit bleiben.

Vergangenes ist vorbei, und vorbei für immer,
Verbunden mit verbrauchter Macht;
Die Zukunft ist für uns unsicher,
Die Gegenwart allein ist unser.

(Ins Deutsche übertragen von Herbert Gantschacher)

Tommy (Johannes Sautner), Pippi (Anna Knott) und Äffchen Herr Nilsson (Sarah Grassler)

Das starke, Mut machende Mädchen, tanzt über Österreichs Bühnen

Sie ist selbstständig – nicht ganz freiwillig ist doch die Mutter tot und der Vater auf den Weltmeeren unterwegs. Aber sie macht was draus, lebt selbstbestimmt, ist stark und gestaltet sich die Welt so wie sie will. Aber nie rücksichtslos. Heftig geht sie nur mit jenen um, die gemein zu ihr sind, ihr ziemlich blöd kommen oder sie maßregeln wollen. Und sie stellt vermeintliche immer schon gültige Regeln einfach in Frage.

Selbst wenn’s nicht ohnehin schon im Titel stehen würde, bzw. aus dem Foto mit der Darstellerin mit den roten, abstehenden Zöpfen ersichtlich gewesen wäre, hätten jetzt aller Wahrscheinlichkeit nach die meisten die beschriebene Figur erkannt: Pippilotta Viktualia Rullgardina Krusmynta Efraimsdotter Långstrump wie sie im schwedischen Original, geschrieben von Astrid Lindgren heißt; erschienen vor fast 80 Jahren (1945; auf Deutsch dann vier Jahre später).

Pippi Langstrumpf wurde damit für viele Generationen von Kindern zu einer Mutmacherin – geh deinen eigenen Weg, hinterfrag vieles/alles, was dir Erwachsene aufs Aug drücken wollen. Das alles aber mit sehr viel Mitgefühl für andere (Kinder). Und hab Spaß im Leben. Auch wenn das so manche Erwachsene bis vor nicht allzu langer Zeit als Vorbereitung auf Anarchie gebrandmarkt haben.

Zu Gast: Die erste Annika-Filmdarstellerin

Am Tag vor dem internationalen Frauentag wurde die neue Tournee einer Familien-Musical-Version von „Pippi Langstrumpf“ (1. April bis 4. Juni 2023, siehe weiter unten und Info-Box) in der schwedischen Botschaft in Wien präsentiert – mit etlichen der Darsteller:innen; UND mit Maria Ann-Christin Persson. Sie hatte Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre die Annika Settergren im Kinofilm und der TV-Serie gespielt – während rund dreieinhalb Jahren. Und sich die Rolle fast in Pippi-Langstrumpf-Manier erobert.

Als Siebenjährige schrieb sie, als sie davon über Medien erfahren hatte, dass Pippi Langstrumpf verfilmt werden sollte, einen Brief, dass sie da unbedingt mitspielen wolle. Aus 8000 Bewerberinnen wurde sie ausgewählt.

Die Mutigere

„Und ich war eigentlich die mutigere, während Inger (Nilsson, die dann die Pippi spielte) eher schüchtern war“, plauderte sie auf der kleinen Bühne der Botschaft aus. „In Kontakt sind wir nach wie vor – in einer WhatsApp-Gruppe.“

Mit 21 Jahren übersiedelte sie nach Mallorca: „Ich liebe die Menschen in Spanien, sie sind so offen.“ Gedreht hat sie nicht mehr, sondern alle möglichen Jobs ausgeübt, „in meiner Umgebung weiß auch niemand, dass ich als Kind eine bekannte Darstellerin war“.

Als der Moderator sie fragte, ob sie für die jetzige Annika-Musicaldarstellerin (Michaela Khom) einen Tipp habe, meinte Persson nur: „Sie sollen nur sie selbst sein!“

Strenge Figur

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … bat zwei Darstellerinnen, die sich bei der Tournee eine Nebenrolle teilen zum kurzen Gespräch: Christina Bahlo hatte „Fräulein Prysselius“ schon vor drei Jahren einstudiert und einmal gespielt. An fünf Terminen in der Aufführungsserie übernimmt Johanna Mucha die Rolle jener Frau, die Pippi in ein Kinderheim stecken will. Was dem starken Mädchen so natürlich gar nicht gefällt und sie sogar ihren Namen verballhornt als „Prusseliese“. Mit diesem, nein nicht Prüsseliese, sondern als Prysselis, wurde sie übrigens erst in den Verfilmungen eingeführt. Das Vorbild dafür war die Rosenblom in den Büchern.

Mehrschichtig

„Naja, sie ist ja gar nicht so böse, sie will Pippi, die allein aufwächst nur helfen und meint es gut mit ihr. Und irgendwie lässt sie sich von dem Mädchen ja doch auch um den Finger wickeln“, meinte Christina Bahlo. Ähnlich sieht ihre Kollegin diese Figur, in deren Rolle sie fünf Mal schlüpfen wird. „Ich hab mir die Videos angeschaut, meine Kollegin hat das ja schon gespielt und ich kann daraus viel lernen, auch wenn ich vielleicht schon Eigenes einbringen darf und kann“, so Johanna Mucha, die zu sprudeln beginnt als sie sich an ihre Kindheit erinnert, „bei meiner Oma hab ich die damaligen Verfilmungen auf Video-Kassetten oft geschaut. Zu Hause bei den Eltern hatten wir keinen Fernseher. Viele Kassetten hat die Oma auch nicht gehabt – König der Löwen und eben Pippi Langstrumpf.“

Fast ganz Österreich

Aus den drei Büchern (Pippi Langstrumpf, Pippi Langstrumpf geht an Bord, Pippi in Taka-Tuka-Land), die in fast 80 Sprachen übersetzt worden sind, wurden unzählige Theaterstücke, Filme und Musicals. Eine österreichische Musical-Version fiel nach einer einzigen Aufführung vor drei Jahren dem ersten Lockdown zum Opfer. Nun, wird daran angeknüpft. Nächste Woche beginnenden dreiwöchigen Wideraufnahme-Proben tourt „Pippi Langstrumpf“ zwischen 1. April und 4. Juni durch Österreich (mit Ausnahme von Vorarlberg und Salzburg in allen Bundesländern – siehe Info-Block am Ende des Beitrages.

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KiJuKU-heinz im Gespräch mit Katharina Schrott und das Plakat zum aktuellen BimBam-Festival

Tanz der Dinge für das jüngste Publikum

Anlässlich des Besuchs von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… beim BimBam-Theaterfestival für Klein(st)Kinder gab es auch ein Interview mit der künstlerischen Leiterin, Katharina Schrott.
KiJuKU: Ihr stellt das aktuelle Festival unter das Motto: „Tanz der Dinge“. Ich kenn ja nur zwei Stücke, die ich auf eure Einladung hin gesehen habe, sag bitte mehr zu eurem Motto.
Katharina Schrott (künstlerische Leiterin): Wir haben dieses Mal sehr viele choreografische Stücke in denen viel mit Bewegungssprache gearbeitet wird.

KiJuKU: Wie wählst du die Stücke aus?
Katharina Schrott: An erster Stelle steht natürlich, dass sie sehr gut geeignet sein müssen für die allerjüngsten Kinder. Und da wird eben international sehr viel mit Tanz und mit Materialien gearbeitet.
Heuer hat sich später dann auch herausgestellt, dass mehrere Gruppen gegen Ende ihrer Stücke auch die Kinder auf die Bühne lassen, sie mit ihren Materialien zum miteinander spielen einladen.

KiJuKU: Magst du etwas über weitere Produktionen erzählen?
Katharina Schrott: Besonders beeindruckend ist „La serpillère de Monsieur Mutt“ (Der Wisch-Mopp des Herrn Mutt) von und mit Marc Lacourt. Dieser Alltagsgegenstand, der eben zum Putzen verwendet wird, fährt magisch auf der Bühne herum, wird zum mechanischen Kunstwerk. Andere Gegenstände, wie eine Jacke, die zu Boden fällt und weiteres suchen und finden ihren Platz auf der Bühne als Kunst-Objekte, die letztlich gemeinsam zu einer Ausstellung werden (siehe Info-Block).
Oder Isabelle Schad, die für „Ernte“ ein Stück mit Weidenstöcken erdacht hat, wo erst das Material erkundet wird und dieses dann zu Figuren wird.

KiJuKU: Obwohl BimBam für sehr junge Kinder gedacht ist, habt ihr auch ein Stück für ab 6-Jährige, „Other World“ (Eine andere Welt)…
Katharina Schrott: Das ist eine Ausnahme, passt aber zur Arbeit mit den Materialien. Alfredo Zinola baut in „Other World“ (Eine andere Welt) sozusagen ein Klassenzimmer um. Allein durch Umstellen der Möbel und Bespielen derselben verwandeln die Tänzer:innen das Zimmer – immer in einer echten Schule.
Wann und wo die drei genannten Stücke zus ehen sind – siehe Info-Block am Ende des Beitrages.

Aus
Aus „Other World“ von Alfredo Zinola

KiJuKU: Das Festival breitet sich räumlich immer mehr aus…
Katharina Schrott: Wir haben neue Veranstaltungs-Partner:innen in der Stadt, aber auch regional versuchen wir immer, mehr Kinder zu erreichen, die selber nicht so leicht in ein Theater kommen. Und aus München kam die Anfrage vom dortigen Kuckuck-Festival an uns.

KiJuKU: BimBam ist ein internationales Festival, dazu spielt ihr Eigenproduktionen aus dem Toihaus Theater, aber sonst kommt niemand aus Österreich?
Katharina Schrott: Wir waren in Gesprächen, das hat sich leider diesmal dann doch nicht ergeben, aber es gibt in Österreich auch nicht so viele Stücke, die sich schon an sehr junge Kinder richten.

KiJuKU: Wir sitzen vor zwei Wänden mit Illustrationen wie sie aus Kinderbüchern stammen könnten, haben die etwas mit den gezeigten Produktionen zu tun?
Katharina Schrott: Diese 31 Illustrationen sind Teil des EU-Projektes „Mapping – A Map on the Aesthetics of Performing Arts for Early Years“, das wissenschaftlich die darstellende Kunst für jüngste Kinder erforscht. Es geht darum, wie sich Stücke, Performances auf die Wahrnehmung von Kindern auswirken und umgekehrt, wie deren Wahrnehmung sich in künstlerischer Produktion niederschlägt. Und Teil des Projekts war das Ersuchen an Kinderbuch-Illustrator:innen dazu Bilder zu gestalten.

KiJuKU: Das vergangene Festival ist ja leider dem ersten Lockdown zum Opfer gefallen?
Katharina Schrott: Aber wir zählen es dennoch mit, weil es ja fix fertig programmiert war, und einige Stücke konnten wir dann ja Monate später doch spielen. Und außerdem steht dann beim nächsten Festival das runde Jubiläum an 😉

KiJuKU: Was hat sich in diesen Jahren seit 2007 verändert?
Katharina Schrott: Die größte Veränderung ist, dass BimBam ein Projekt des ganzen Toihaus-Teams geworden ist.
Helga Gruber – die das Festival für das jüngste Publikum ins Leben gerufen hat und nun zum Gespräch dazugestoßen ist: „Da haben alle immer gesagt: „Das ist ja dein Festival!“

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Compliance-Hinweis: Das Toihaus Theater übernahm die Fahrtkosten von Wien nach Salzburg und zurück sowie den eineinhalbtägigen Aufenthalt.

Doppelseite aus dem Kinderroman "Kaiserschmarrn - Mein grandioser Sommer mit Ziege"

Wenn eine Ziege spricht und noch dazu Kaiser ist

Es wäre eine ganz normale Geschichte von Neuankömmlingen in einem kleinen Dorf. Arthur, der Erzähler, muss mit dem älteren Bruder Ossi und seinen Eltern in eine vom Vater entworfenes schachtelförmiges Haus an einem Waldrand übersiedeln. Der Architekt liebt die Natur, sagt er.

Arthur, aus dessen Sicht und Gedanken wir diesen Kinderroman lesen, ja verschlingen, erlebt gleich im ersten Kapitel einen Schock. Ein „Waldmensch“ erschreckt ihn. Das – so erfahren die Leser:innen in der Folge – ist der Vater von Fanny und Freddy, die am anderen Ende des Waldes wohnen.

Zwischen den beiden Vätern wird es noch einen argen Streit geben, der sich um ein geplantes Riesen-Baumhaus dreht. Aber keine Details. Die knapp mehr als 200 Seiten lesen sich nicht nur flott, sondern immer wieder taucht die eine oder andere kleine oder größere Überraschung auf, die der Geschichte eine spannende Wendung gibt.

Die allergrößte kündigt die Autorin und Illustratorin in Personalunion, Leonora Leitl, schon im Titel an: „Kaiserschmarrn – Mein grandioser Sommer mit Ziege“. Diese, im Taufnamen Seppi, kann von einem Moment auf den anderen sprechen und stellt sich als Kaiser namens „Cäsar Napoleon Alexander der Größere“ vor. Auch das darf schon verraten werden, begrüßt er doch als solcher das lesende Publikum gleich auf der ersten Seite in einer Art Vorwort vor.

Und so schräg dies wirkt, der sprechende Bock passt wunderbar in die an sich eher normale Geschichte, sorgt für das eine oder andere Abenteuer, aber im Kern geht’s um die Freundschaft der Kinder. Den sich aufbauenden oben angesprochenen Streit. Und der dreht sich wiederum im Wesentlichen um den Umgang mit den Bäumen des Waldes. „Natürlich“ samt Happy End – und das mit Kaiserschmarrn-Rezept – mit „kaiserlichen“ Wortspielen 😉

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Titelseite des Kinderromans
Titelseite des Kinderromans „Kaiserschmarrn – Mein grandioser Sommer mit Ziege“
Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" von Schüler:innen des Polyästhetik-Zweiges des BORG Hegelgasse 12

Puck mal 3 – Schüler:innen spielen Shakespeares Sommernachtstraum

Lysander muss heute ersetzt werden. Die Spielerin dieser Rolle fehlt an diesem Nachmittag, das heißt eine der beiden. Denn diese Figur wird von zwei Darsteller:innen verkörpert, ebenso wie die der Hermia, in die er verliebt ist. „Dafür sind alle drei Puks da!“, frohlocken die Schüler:innen der 7D des BORG (BundesOberstufenRealGymnasiums) für Musik und Kunst Hegelgasse 12 (Wien) gegenüber dem Regisseur.

Jakub Kavin ist kein Lehrer, sondern Co-Leiter von Theater Arche. Die Schule, die u.a. den Zweig Polyästhetik hat, in dem vielfältige Kunstsparten kombiniert und unterrichtet werden, hat seit dem vergangenen Schuljahr eine Kooperation mit dem genannten Theater in der Mariahilfer Münzwardeingasse, das jahrzehntelang als Theaterbrett bekannt war.

Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares
Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ von Schüler:innen des Polyästhetik-Zweiges des BORG Hegelgasse 12

Zweisprachig

Die Aufführungen von „Ein Sommernachtstraum“ werden auch dort über die Bühne gehen. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte eine der Proben im Festsaal der Schule besuchen. Bis zu den Aufführungen sind noch viele Wochen. Und dennoch flutscht die Durchlaufprobe schon einigermaßen. Mal sind da Sätze zu leise, zu schwach, dann kommen dort Passagen zu schnell herausgesprudelt. Letzteres mitunter im Englischen. Gespielt wird diese Parade-Verwirrungskomödie mit mehreren Handlungsebenen (unter anderem ein Theaterstück im Stück, gespielt von schauspielenden Handwerkern) von William Shakespeare zwar vorwiegend auf Deutsch, aber immer wieder sind auch Sätze in der Sprache DES Theaterautors, dessen Stücke auch fast 400 Jahre später noch zu den wohl meistgespielten auf den Bühnen der Welt gehören.

Besonders spielfreudig – und damit offenkundig die Idealbesetzungen – die Pucks. Dieser Kobold, soll mit magischen Mitteln die Pläne seines Chefs, des Elfenkönigs Oberon verwirklichen, die dieser im Clinch mit seiner Ehefrau Titania ausheckt.

Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares
Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ von Schüler:innen des Polyästhetik-Zweiges des BORG Hegelgasse 12

Lustig, einen Macho zu spielen

Nach der Probe durfte kijuku.at fünf der jugendlichen Schauspieler:innen interviewen.
Elizabeth Dorner, spielt Demetrius. Auf die Frage, ob sie sich diese Rolle ausgesucht habe oder die zugeteilt worden wäre, antwortet sie: „Ein bisschen von beidem. Am Anfang wollte ich eher Helena oder Hermia spielen. Die waren schon vergeben und Demetrius ist auch eine coole Rolle wegen seinem Mach-mäßigen Gehabe.

KiJuKU: Wieso finden Sie das cool?
Elizabeth Dorner: Ich bin eine sehr liebe Person, aber ich hab halt oft diesen „Resting Bitch Face“ (ungewollt herablassenden Gesichtsausdruck) und es gibt heutzutage auch noch genug Jungs mit dieser Haltung, zuerst nehm ich die eine, dann die andere… Es ist auch lustig zu spielen.

KiJuKU: Warum haben Sie sich überhaupt für den Theaterzweig entschieden?
Elizabeth Dorner: In meiner alten Schule wusste ich in der vierten, ich muss dort unbedingt weg. Ich hab damals schon in einem Chor gesungen und bei der Sommeroper Klosterneuburg mitgemacht. Es hat mir sehr gut gefallen, auf der Bühne zu stehen. Dann hab ich eine Schule gesucht und diese gefunden und die taugt mir sehr.

KiJuKU: Das ist auch Ihre Berufspersektive?
Elizabeth Dorner: Ja, ich will auf jeden Fall probieren ins Reinhardt-Seminar für Schauspiel zu kommen und wenn das nicht klappt, eine andere Schauspielschule besuchen. Bühne oder Film. Wenn ich auf der Bühne bin, bin ich in meiner Rolle und mein Privatleben und alles andere ist ausgeblendet und ich kann mich in der Rolle ausleben.

Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares
Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ von Schüler:innen des Polyästhetik-Zweiges des BORG Hegelgasse 12

Auf der Bühne und im Leben …

Kieran Foglar-Deinhardstein, spielt „ein Drittel vom Puck“.
KiJuKU: Was heißt, ein Drittel vom Puck?
Kieran Foglar-Deinhardstein: Das heißt, dass wir drei immer gleichzeitig auf der Bühne stehen und eine Rolle verkörpern aber in drei verschiedenen Ausprägungen. Wir haben uns den Text aufgeteilt, so dass jede und jeder von uns immer nur einen Teil, ein, zwei Sätze hintereinander sagen. Wir sind eine Rolle, aber drei verschiedene Personen.

KiJuKU: Sie haben sich dieses Drittel Puck ausgesucht, oder war das überhaupt von Anfang an klar, dass diese Figur sozusagen dreifach auftritt?
Kieran Foglar-Deinhardstein: Nein. Wir wurden der Reihe nach durchgefragt, welche Rolle wir am liebsten spielen würden. Zuerst mussten wir jede und jeder jeweils drei Rollen aufschreiben, die wir gerne spielen würden. Es wurde uns versprochen, dass wir eine davon bekommen. Als wir gefragt wurden, welche wir am liebsten spielen würden, haben wir alle drei den Puck gewählt. Dann gab’s die Entscheidung, weil das ohnehin eine große Rolle ist, dass die eben aufgeteilt wurde. Dadurch, dass diese Szenen ja im Feenwald spielen, kann auch ein bisschen weg von Realität gespielt werden.

KiJuKU: War Puck Ihre erste Wahl – und wenn ja, warum?
Kieran Foglar-Deinhardstein: Ja, ich weiß nicht genau. Ich hab den Sommernachtstraum schon vorher gekannt und ich fand den Charakter vom Puck, dieses komplett Verrückt-Sein sehr lustig zu spielen. Ich hab den Text dann noch einmal durchgelesen und es war die Rolle, die mich am meisten angesprochen hat, weil man da die Realität komplett wegschmeißen kann, komplett herumspringen und wahnsinnig sein darf. Das find ich sehr faszinierend.

KiJuKU: Ist das etwas, das Ihrem Naturell entspricht oder genau nicht?
(Alle Umstehenden lachen teils heftig.) Kieran Foglar-Deinhardstein: Naja, schon, ich bin vielleicht nicht ganz so extrem, aber ich bin schon eher ein bisschen ein Springinkerl. Außerdem spiele ich gerne extreme Rollen.

KiJuKU: Nur auf der Bühne?
(Hörbares Schmunzeln des Umfeldes.) Kieran Foglar-Deinhardstein: Auf der Bühne geh ich sehr gerne in das Übertriebene. Aber ich bin auch im echten Leben ein bisschen eine überdrehte Person, rede gern und viel auch mit meinen Händen, habe lila Haare und gelbe Augenbrauen. Dadurch, dass ich auch von meiner Persönlichkeit sehr präsent bin, ist es auch auf der Bühne einfacher für mich, das zu übertragen.

Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares
Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ von Schüler:innen des Polyästhetik-Zweiges des BORG Hegelgasse 12

KiJuKU: Hatten Sie das schon immer, dass sie Rollen spielen wollten – auf der Bühne und im realen Leben?
Kieran Foglar-Deinhardstein: Unterbewusst ja. Aber in der Volksschule wollte ich Delfin-Forscherin werden bis ich draufgekommen bin, dass ich Angst davor habe, unter Wasser zu sein. Dann ist mir relativ schnell klar geworden, dass Schauspielen etwas ist, das ich gern mag. Ich hab meine kleinen Geschwister immer wieder dazu gezwungen, mit mir Theaterstücke aufzuführen.

KiJuKU: Gezwungen?
Kieran Foglar-Deinhardstein: Naja, ich wollte halt, sie sind jünger und ich hab halt gesagt: Wir machen jetzt ein Theaterstück.

KiJuKU: Das waren eigene, selber erfundene Stück?
Kieran Foglar-Deinhardstein: Ja, die hab ich mir immer ausgedacht. Ich weiß nicht, wie gut die waren, aber wir haben halt gespielt. Ab der 1. Klasse Gymnasium hab ich gewusst, dass ich auf eine Schule wechseln will mit Schauspiel-Schwerpunkt.

KiJuKU: Und es ist auch Ihr Berufswunsch?
Kieran Foglar-Deinhardstein: Jahaa, ich weiß nicht, wie viel ich schon sagen darf, aber ich hab schon für nach der Matura ein bisschen was in diese Richtung und das wäre jedenfalls der Weg, den ich gerne gehen würde – alles mit Schauspiel.

Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares
Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ von Schüler:innen des Polyästhetik-Zweiges des BORG Hegelgasse 12

Und noch ein Drittel Puck

Theresa Gerstbach spielt ein zweites Drittel Puck.

KiJuKU: War das auch Ihre erste Wahl?
Theresa Gerstbach: Ja.

KiJuKU: War das anfangs gewöhnungsbedürftig – eine Rolle von drei Leuten gleichzeitig gespielt?
Theresa Gerstbach: Wir waren alle drei am Anfang ein bisschen skeptisch. Dann waren wir – die ganze Klasse – auf einer Projektwoche für unser Stück. Da haben wir zum ersten Mal dann zu dritt diese Rolle gespielt, uns eingewöhnt und gemerkt, dass das eigentlich gut funktioniert. Wir haben einen Weg gefunden, uns da alle einzubringen – jede/r den eigenen Charakter reinzubringen und trotzdem zusammen diesen Puck zu spielen. Nach ein paar Tagen hat es mir ur-Spaß gemacht, mit den anderen gemeinsam diese Rolle zu spielen und ich find’s jetzt sehr cool.

KiJuKU: Warum haben Sie sich den Puck ausgewählt?
Theresa Gerstbach: Am Anfang war ich mir gar nicht sicher, wen ich spielen will, habe Puck, Hermia und Helena aufgeschrieben, den Puck aber an erster Stelle, weil ich find, das ist so eine interessante Rolle. Diese Figur hat so viele Seiten, macht das was er will.

KiJuKU: Sie wollten auch schon immer auf der Bühne sein?
Theresa Gerstbach: Meine Mama hat schon früh gesagt, dass ich auf die Bühne gehe, weil ich immer so laut war und mich dargestellt habe. In meiner Unterstufe hatten wir Schulspiel und Stücke gespielt. Das hat mir extrem Spaß gemacht, ich konnte mich da voll reinleben und dann wusste ich, das möchte ich einmal auch als Beruf machen. Deshalb hab ich nach einer Schule gesucht, die das fördert.

Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares
Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ von Schüler:innen des Polyästhetik-Zweiges des BORG Hegelgasse 12

Komm vom Tanzen und Singen

Vicencia Amon-Lavnick spielt eine zweite Hermia.

KiJuKU: Ist das so wie es drei Pucks gibt?
Vicencia Amon-Lavnick: Nein, das ist eine Doppelbesetzung wie Helena, die werden abwechselnd gespielt.

KiJuKU: Und diese Rolle war Ihre erste Wahl?
Vicencia Amon-Lavnick: Ich glaub ich hatte Helena, Hermia und weiß nicht mehr wen noch. Dann gab’s sogar schon drei für Helena, dann dachte ich, ich nehm die Hermia.

KiJuKU: Sind Sie zufrieden damit und auch damit, dass sie nur jede zweite Vorstellung spielen?
Vicencia Amon-Lavnick: Nicht hundertprozentig, weil man ja mit allen alles spielen würde, aber doch, dass ich überhaupt spielen kann.

KiJuKU: Hatten Sie auch schon sehr früh Lust auf Schauspiel?
Vicencia Amon-Lavnick: Bei mir hat das zuerst mit dem Tanzen und dann mit dem Singen begonnen. Ich bin auch schon sehr früh in Film- und Schauspielkurse gegangen. Ich wurde in meiner alten Freundesgruppe auch immer als die kindischere angesehen, weil ich verschiedene Rollen spielen wollte.

KiJuKU: War Bühne sozusagen ein früher Wunschtraum?
Vicencia Amon-Lavnick: Ich würd sagen eher Film, aber auf jeden Fall Schauspiel. Für Filme war ich schon bei einigen Castings und einmal konnte ich auch schon in einer Szene wirklich spielen. Auf der Bühne bin ich schon das fünfte Jahr bei der Youth Company vom Performing Center Austria und dieses Jahr haben wir auch ein Konzert. Was mir besonders an der Youth Company gefällt ist, dass sie in Englisch singen. Ich fühl mich generell im Englischen wohler.

Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares
Szenenfoto aus Proben zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ von Schüler:innen des Polyästhetik-Zweiges des BORG Hegelgasse 12

Macht Spaß, schlimme Seite und Macht rauszulassen

Yannic Schober spielt Oberon

KiJuKU: Warum haben Sie sich den Feenkönig ausgesucht?
Yannic Schober: Er ist der Böse in dem Stück und ich wollte einen Bösen spielen.

KiJuKU: Warum?
Yannic Schober: Weil’s Spaß macht, die schlimme Seite rauszulassen, so richtig die Wut zu spüren – das mag ich.

KiJuKU: Sind das Dinge, wo Sie sich manches Mal denken, ich würde jetzt gerne wütend sein und nun hab ich auf der Bühne die Möglichkeit, das zu dürfen?
Yannic Schober: Es fällt mir auch gar nicht schwer, die Energie dann so raufzubringen und das rauszulassen. Außerdem hat es schon etwas, so einen Hof-Status zu haben wie der Oberon. Ich mag es auch, diese Macht zu spielen.

KiJuKU: Auch an Sie diese Frage, ob Sie schon immer Theater spielen wollten?
Yannic Schober: Auch, weil meine Eltern das machen und damit schon immer von Klein auf im Theater war.

KiJuKU: Aber geht einem das nicht genau deswegen vielleicht auch auf die Nerven, weil das schon die Eltern gemacht haben oder machen?
Yannic Schober: Gibt es auch, aber ich mag das eben, ich hab schon als Kind gern Theater gespielt und mir Stücke ausgedacht.

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Szenenfoto aus "Das rote Fahrrad"

Quoten-Queen und ihr Geheimnis

Die toughe, Quoten bringende, TV-Moderatorin eine mondäne Business-Lady. Immer unter Strom. Immer wichtig. Chefin nach herkömmlich-patriarchalem Muster: So behandelt sie die Sekretärin, mit der sie nur per Telefon kommuniziert, als wäre die ihre Sklavin.

Eeendlich Feierabend, sie will zu einem – wichtig scheinenden – privaten Date. Da erinnert Lisa sie noch an einen Termin, eine Bewerberin. Widerwillig empfängt sie die vermeintliche Job-Kandidatin, behandelt sie als wär’s eine weitere Dienerin.

Freundschafts-Bruch

Soweit die ersten Minuten des Stücks „Das rote Fahrrad“ in der Theater Arche Wien. Geschrieben von Fred Apke, einem Deutschen, der in Polen lebt, wo das Stück als Hörspiel im Radio gelaufen ist, reißt es in den folgenden 1 ¼ Stunden tiefe Wunden zwischen den beiden Frauen auf. Die Bewerberin ist keine solche, sondern eine einstige Freundin aus Kindertagen in einem Sozialbau am Rande einer Stadt. 37 Jahre liegt der Bruch von Daria und Sylwia zurück. Letztere wunderbar die meiste Zeit kalt und abweisend verkörpert von Eszter Hollósi will sich lange angeblich gar nicht erinnern. Doch Daria lässt nicht locker, Heide Maria Hager spielt diese hartnäckige Kämpferin, die immer auch den Grat zu wissen geht, um doch nicht von Sylwia aus ihrem Büro geschmissen zu werden.

Schrittweise wieder näher

Schritt für Schritt gelingt es ihr, die wahren Hintergründe für den Bruch, zur Sprache zu bringen. Vordergründig – und für Sylwia noch immer – war’s dazu gekommen, weil Daria der Freundin das rote Fahrrad, ein Geschenk vom Vater zum 13. Geburtstag, gestohlen hatte.

Worum’s wirklich geht, enthüllt Daria nach und nach, immer mehr gelingt es ihr auch die Abwehrhaltung Sylwias zu lockern, bis diese doch ihren Eispanzer schmelzen lässt.

Im Detail sei hier die Geschichte nicht verraten, vorweggenommen. Nur grob skizziert.

Missbraucht und verraten

Daria hatte jahrelange sexuelle Ausbeutung von frühen Kinderjahren an erlitten. Sylwia war ihre emotionale und psychische Rettungs-Insel. Aus der auch mehr geworden ist. Wozu die Freundin aber nicht nur nicht stehen wollte, sondern Daria schändlich verraten hatte – erst um die Schuld von sich zu weisen und den eigenen Vater zu besänftigen – wofür sie dann das Rad bekam – und später um der Karriere willen. Und dennoch – ohne Details zu spoilern – ist das Stück noch vielschichtiger, ist auch Daria nicht nur Opfer. Was sie aber erkennt.

Zusatztexte per Stimme aus dem Off

Neben den beiden Antagonistinnen, die sich doch (wieder) annähern, kommt immer wieder noch aus dem Off eine zarte und doch starke sehr betroffen machende Stimme aus dem Off – gesprochen von Amélie Persché. Sie bringt die Stimmung, ein zentrales Gefühl von Kindern und Jugendlichen, die missbraucht worden sind/werden, zu Gehör: „Ich kann so gut still sein… laut still sein … ich möchte gehört werden!“

Diese gesprochenen kurzen Texte sind Teil einer viel längeren literarischen Reflexion von  Heide Maria Hager über sexuelle Gewalt, die sich schon lange vorher geschrieben hatte. Aus kleinen Lautsprecherboxen im Foyer des Theaters werden sie abgespielt.

Regisseur Nagy Vilmos hat eben einige der markantesten Zitate über die Stimme aus dem Off in das Stück eingebaut – um sozusagen die junge Daria und ihre Gefühle noch anders in das Stück einzubauen als die reflektierte Erzählung der längst erwachsenen Frau aus dem Rückblick.

Ausstattung und Überraschungs-Schauspiel

Unbedingt noch zu erwähnen ist die Ausstattung der Bühne von Helena May Heber mit manche fast subtilen Details – etwa dem weißen, plüschigen Teppich unter dem mittigen Tisch, den Sylwia stets vermeidet zu betreten. Er steht, das heißt liegt, für die Unschuld die sie nicht antasten will. Ein wenig offensichtlicher hat sie den Schreibtisch Sylwias aus per Heißluftföhn gebogenen durchsichtigen Kunststoffteilen gestaltet. Im richtigen Moment als die TV-„Göttin“ erkennt, dass ihr Leben im Moment nicht so stabil sei, reicht eine fast unmerkliche Bewegung, um auch den Tisch ins Wackeln zu bringen.

Die Ausstatterin selbst spielt auch die eingangs erwähnte nur in dieser einen Szene im Hintergrund agierende Sekretärin. Die Mittzwanzigerin ist als doch mindestens zehn Jahre ältere Figur kaum bis nicht zu erkennen. Und das macht nicht nur die Perücke. Du nimmst ihr die schon sichtlich abgearbeitete „Sklavin“ definitiv ab. Sie rundet damit – auch wenn nur kurz – die vielschichtig bewegende Inszenierung von „Das rote Fahrrad“ ab.

Wahrer Kern

Zumindest die Grundsituation – zwei Frauen, die einander nach 37 Jahren zum ersten Mal wieder treffen/sprechen und es vordergründig um ein rotes Fahrrad geht ist nicht erfunden, erzählt der Autor des Stücks, Fred Apke, Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nach der vielumjubelten bewegenden Premiere. Die habe er aus dem Leben in seinem unmittelbaren privaten Umfeld gegriffen. Die Details dessen, was die beiden Frauen dann besprochen – und aufgeschrieben – haben, kenne er nicht. Aber diese Ausgangssituation habe ihn zu diesem Stück inspiriert. Das sich in Polen niemand traute aufzuführen, selbst das Hörspiel ins Radio zu bringen sei keine leichte Sache gewesen. Da herrsche (noch?) zu viel Scheinheiligkeit in seiner sehr katholisch dominierten zweiten Heimat, so Fred Apke im Gespräch mit dem Journalisten. Der Schluss-Satz des Stückes – nein er bleibt hier ein Geheimnis – ist auch eher an die Situation in Polen gerichtet, wo die angesprochenen Themen noch weit eher tabuisiert sind als hier.

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Das rote Fahrrad“
Proben-Szenenfoto aus "Unisono" von makemake produktionen

Getanzter vielstimmiger Einklang

Bevor die vier Akteur:innen den schwarz-glänzenden Tanzboden erobern, spielen sie abseits im Hintergrund mit Bällen. Jede und jeder peppelt einen eigenen Ball hörbar auf den Boden. So lange bis sie einen gemeinsamen Rhythmus finden, sozusagen Gleichklang herstellen. Ein Quartett im Einklang. „Unisono“ heißt die jüngste Performance des Kollektivs makemake produktionen. In Kooperation mit WuK performing arts tanzen und spielen die Künstler:innen im Projektraum des Werkstätten- und Kulturhauses in einem der schon renovierten Trakte mit neuem Eingang.

Barca Baxant, Kajetan Uranitsch, Steffi Wieser und Martina Rösler, die kürzestfristig für die erkrankte Emmy Steiner eingesprungen ist, was ihr nahtlos gelingt, zeichnet sie doch immerhin für die Choreografie verantwortlich. Zu Musik von Katharina Ernst verhandeln die vier nicht nur die nicht immer einfachen Wege zu Einklang, zu einem Miteinander, hin und wieder auch Gegeneinander – etwa wenn für die vier nur drei Äpfeln und eine Zwiebel da sind.

Sie setzen sich – die meiste Zeit ganz ohne Worte, ausschließlich durch ihre Bewegungen intensiv auch mit dem Gegenteil auseinander. Wie gelingt es, nicht in der Masse aufzugehen, sich aus dieser hervorzuheben – das wird auch verbalisiert: „Wir befreien uns aus der grauen Masse und die Masse aus sich selbst.“ (Texte: Theresa Seraphin).

Dennoch ist das Tanzstück „Unisono“ (ab 12 Jahren angegeben, bei der Vorstellung, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… besuchte, saßen oder bewegten sich auch viel jüngere Kinder im Publikum, von denen die meisten aber recht fasziniert den Bewegungen auf der Bühne folgten) alles andere als ein Plädoyer für Vereinzelung – und schon gar nicht für egoistisches Ellenbogen ausfahren. Die eigene Persönlichkeit finden, bewahren und dennoch zu einer Gemeinschaft, zu einem Miteinander in immer wieder neuen Formen kommen, ohne in einem Einheitsbrei aufzugehen – das vermittelt „Unisono“ – sozusagen eine Art vielstimmiger Einklang 😉 Geht ein wenig in die Richtung von „Ubuntu“ – dem aus der südafrikanischen Sprache Zulu kommenden Wort (übersetzt mit Menschlichkeit ebenso wie Nächstenliebe und Gemeinsinn), das Begriff für eine ganze Lebensphilosophie wurde für den engen Zusammenhang zwischen dem „ich“ und dem „wir“.

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KiJuKU-Interview mit Choreografin und Tänzerinnen von de Stilte (Niederlande)

Am Anfang war die Idee von einem Klavier…

KiJuKU: Wie kam’s zu diesem Stück (Link zur Stück-Besprechung am Ende des Interviews) – fast ganz in Weiß und mit den Falt-Möbeln? Wurde das gemeinsam von Ihnen entwickelt, aber hatte wer schon ein fertiges Konzept?
Femke Somerwil: Wir haben das für dieses gemeinsame EU-Projekt „Mapping – a Map on the aesthetics of performing arts for early years”, kofinanziert durch das Programm „Kreatives Europa der Europäischen Union“ gemacht.

KiJuKU: Aber was war die erste Idee dafür?
Femke Somerwil: Wir, meine Kollegin Gertien Bergstra und ich hatten die Stück-Idee. Ganz am Anfang stand ein Klavier.

KiJuKU: Mit einem echten Klavier?
Femke Somerwil: nein, nein, nein – „nur“ mit der Idee von einem Klavier. Meine Kollegin hat als Kind Klavier gespielt. Für sie war das auch mit zu Hause, sich heimisch, geborgen fühlen, stark verbunden. Am Beginn haben wir schon mit einem echten Klavier Musik gespielt. Und dann kamen wir auf den Gedanken, das Stück, also die Szenerie sollte zu einem Ort werden, wo Kinder sich zu Hause fühlen können.

Die beiden Tänzerinnen im Interview: Eduarda Santos und Catarina Paiva
Die beiden Tänzerinnen im Interview: Eduarda Santos und Catarina Paiva

KiJuKU (an die beiden Tänzerinnen): Sie haben das Stück mitentwickelt oder war es fertig schon und Sie haben „nur“ mehr die Choreografie einstudiert?
Catarina Paiva: Ich habe es sogar zuerst mit anderen Tänzerinnen gesehen und dann einstudiert. Es gibt noch andere, die das gleiche Stück tanzen und spielen.
Eduarda Santos: Ich bin noch später zu De Stilte gekommen.
Femke Somerwil: Wir haben sogar drei Duos, die Wacht ’s even“/ Wait a Minute/ Moment mal tanzen, wir sind viele damit unterwegs – in mehreren Ländern aber auch in den Niederlanden in ganz kleinen Orten, wo Kinder sonst nie zu Theater für ihre Altersgruppe kommen würden.
Aber mit einem der drei Duos haben wir das Stück gemeinsam entwickelt.

KiJuKU: Wie kam’s von der Idee Klavier und Zu-Hause-sein zum Stück, das wir jetzt erlebt haben?
Femke Somerwil: Es sollten Teile sein, die nicht fertig sind, die immer und immer wieder unterschiedlich betrachtet werden können, aber schon eine Idee davon zeigen, was sie werden könnten.
Catarina Paiva: Wir haben dann die Choreografie einstudiert. Aber obwohl die Ablauffolge feststeht, haben wir die Freiheit, unsere eigenen Persönlichkeiten einzubringen. Die Aufführungen sollen ja authentisch sein und so macht jede und jeder es dann doch ein bisschen anders, zu ihrem oder seinem Eigenen.

Tanzen Sie nur dieses oder auch andere Stücke?
Beide Tänzerinnen: Wir tanzen mehrere Stücke.
Femke Somerwil: De Stilte ist ein Repertoire-Theater, daher haben wir immer mehrere Stücke im Angebot und spielen die dann oft auch jahrelang.

KiJuKU-Interview mit Choreografin und Tänzerinnen von de Stilte (Niederlande)
KiJuKU-Interview mit Choreografin und Tänzerinnen von de Stilte (Niederlande)

KiJuKU: Wie lange tanzen sie schon für DeStilte?
Catarina Paiva: Seit drei Jahren
Eudarda Santos: Das ist meine erste Saison.

KiJuKU: Das heißt, Catarina, Sie haben das Stück zuvor mit wem anderen getanzt, war das schwierig, sich auf eine neue Tanzpartnerin einzustellen?
Catarina Paiva: Nein, gar nicht.

KiJuKU: Würden Sie gern jeweils den anderen Part, die andere Rolle tanzen?
Eduarda Santos und Catarina Paiva praktisch gleichzeitig: Neieiein.
Catarina Paiva: Ich denke, die Auswahl ist ziemlich natürlich erfolgt.
Eduarda Santos: Sie ist die größere.
Femke Somerwil: Wir haben uns von Anfang an gedacht, die Rolle vom „Schaf“ kann von einer kleineren Person leichter gespielt und getanzt werden. Aber es wäre interessant, das mal zu ändern.

KiJuKU: Aber wenn die Tänzerinnen das nicht wollen?!
Femke Somerwil: Aber wenn wir’s entscheiden würden…

KiJuKU: Also keine demokratische Gruppe?
Femke Somerwil: nein, ich würde natürlich nie wen in eine Rolle zwingen oder auch nur fragen, wenn wer signalisiert, das will ich nicht.

Haben Sie dieses Stück schon oft gespielt?
Femke Somerwil: Das haben wir schon seit zwei Jahren im Programm.
Eduarda Santos: Wir haben es vor Kurzem in Italien getanzt, auch schon in Spanien, jetzt beim Festival.
Femke Somerwil: Wir waren damit auch schon in Polen.
Catarina Paiva: Wir spielen es aber auch in den Niederlanden sogar in kleinen Dörfern, wo Kinder nicht so leicht die Möglichkeit haben, in ein Theater zu kommen.

KiJuKU-Interview mit Choreografin und Tänzerinnen von de Stilte (Niederlande)
KiJuKU-Interview mit Choreografin und Tänzerinnen von de Stilte (Niederlande)

KiJuKU: Wenn Sie an so unterschiedlichen Orten und in verschiedenen Ländern spielen Unterschiede bei den Reaktionen des Publikums?
Catarina Paiva: Bei Ländern jedenfalls, aber Femke hat sicher mehr Überblick, weil sie auch mit den anderen Tänzer:innen unterwegs ist und außerdem die Sicht von außen hat.
Femke Somerwil: Kinder sind Kinder. Aber speziell in Frankreich erleben wir eine große Disziplinierung. Die Pädagog:innen ermahnen dort die Kinder immer mit dauernden „pscht!“. Das ist unglaublich und schrecklich. Ich mein, Kinder müssen reagieren können und dürfen.

KiJuKU: Sie müssten vielleicht die Pädagog:innen lehren, dass dieses „pscht!“ die Vorstellung stört.
Femke Somerwil: Genau, das ist es. Ja, wir müssten die Pädagog:innen erziehen! Aber andererseits sehen wir in den Niederlanden oft, dass Kinder gar keine Theaterregeln kennen und sich im ersten Teil nicht aufs Zuschauen konzentrieren können. Hier in Österreich waren sie sehr konzentriert – auch was das Musik-Hören betrifft.

KiJuKU: Gibt es im zweiten, interaktiven Teil Unterschiede?
Femke Somerwil: In den größeren Städten überwinden sie die Grenze zwischen Publikumsbereich und Bühne oft schneller als in kleinen Dörfern.

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Compliance-Hinweis: Das Toihaus Theater übernahm die Fahrtkosten von Wien nach Salzburg und zurück sowie den eineinhalb-tägigen Aufenthalt.
Fortsetzung folgt

Bildmontage aus den Titelseiten der vier preisgekrönten Kinderbücher: "Superglitzer", "Schneelöwe", "Ein Baum kommt selten allein" und "wer als erster"

Glitzernde Schneelöwen als erste bei Bäumen…

„Wenn man in diesen Büchern blättert, gerät man leicht ins Schwärmen, denn jedes der zehn ist auf seine ganz besondere Weise einzigartig“, ist Österreichs Kunst- und Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer fasziniert über die diesjährige Auswahl der Jury für die österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreise. Die Verleihung findet am 23. Mai in Eisenstadt statt.

„Da wird mit grellen Neonfarben genauso gearbeitet wie mit blauem Kugelschreiber gezeichnet, da kann man sein ‚inneres Tier‘ entdecken, sprachspielerischen Gedichten inmitten wunderbarer Illustrationen begegnen oder geballtes Wissen über den Wald finden, aufregend aufbereitet und liebevoll illustriert. Unsere Jury (Veronika Kyral, Heidi Lexe, Klaus Nowak, Simone Weiss, Elisabeth Wildberger) hat heuer … besonderes Augenmerk auf Bücher für das junge Leserpublikum gelegt. Das sind Bücher zum Lesen und Vorlesen, Betrachten und Nachdenken, zum Staunen, Mitmachen und Spaß haben. Große Kunst für junge Leserinnen und Leser!“

Und nun die Auswahl – die meisten dieser Bücher sind auf dieser Seite schon besprochen worden – dazu die jeweiligen Links; die anderen folgen noch

Die vier Hauptpreise

Schneelöwe
Heinz Janisch und Michael Roher
Tyrolia Verlag 2022

Ein Baum kommt selten allein
Elisabeth Etz und Nini Spagl
Leykam Verlag 2022

wer als erster
Michael Hammerschmid und María José de Tellería
Jungbrunnen Verlag 2022

Dafür gab’s auch schon den Preis der Stadt Wien

Superglitzer
Melanie Laibl, Nele Brönner
Luftschacht Verlag 2022

Sechs Bücher für die Kollektion

Das Wort mit Sch…
Nadine Kappacher
Tyrolia Verlag 2022

Das kleine Unsichtbar
Lena Hesse
Edition Nilpferd im G&G Verlag 2022

Piepmatz macht Wald aus euch
Michael Stavarič und Stella Dreis
Leykam Verlag 2022

Worauf wartest du noch?
Lena Raubaum und Clara Frühwirth
Tyrolia Verlag 2022

Kaiserschmarrn. Mein genialer Sommer mit Ziege
Leonora Leitl
Kunstanstifter 2022

Planetenspatzen
Andrea Karimé, Raffaela Schöbitz
Picus Verlag 2022

Kinder-und Jugendbuchpreis

Seit 1955 werden die gelungensten Kinder- und Jugendbücher des vergangenen Jahres mit diesem Preis der Republik Österreich ausgezeichnet. Wechselnde Jurys wählen in der Regel vier Bücher als Hauptpreise und weitere sechs für die Kollektion aus österreichischen Verlagen beziehungsweise unter Beteiligung österreichischer Urheberinnen oder Urheber in anderen Verlagen.
Die vier Hauptpreise sind – derzeit – mit je 6.000 Euro dotiert sind.

Bücherkoffer für Schulen

Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport stellt der Buchklub jährlich 40 Bücherkoffer mit allen ausgezeichneten Büchern des „Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreises“ und den passenden Unterrichtsmaterialien zusammen, die im folgenden Schuljahr gratis zum Ausleihen für Schulen zur Verfügung stehen.

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buchklub -> buecherkoffer

Doppelseite aus dem Bilderbuch "Piepmatz macht Wald aus euch!"

Nehmt das, ihr kopflistigen Menschkauzigen!

„Klimakleber pfui!“, schrei(b)en alle möglichen Leute, nur weil sich ein paar – meistens – junge Menschen kurzzeitig auf der Straße festsetzen und so den Autoverkehr kurzfristig zum Stehen bringen. Ein Stau mehr.

„Aber“, so sagen diejenigen, die wie sprichwörtliche Rohrspatzen schimpfen, für die Umwelt wären sie ohnehin und für den Klimaschutz sowieso. Ach, was würden die erst sagen, wenn der Eichelhäher aus dem Buch von Michael Stavarič und Stella Dreis in der Wirklichkeit machen würde, was in starken, explosiven Bildern und sprachverspieltem Text ankündigt?

„Piepmatz macht Wald aus euch!“ rückt die „Maschine gegen den Klimawandel“ ins Zentrum der Geschichte. So nennt „Plant for the Planet“, die von Kindern und Jugendlichen ausgehende und getragene Initiative, Bäume. Also, mit der Hauptperson des Bilderbuches, einem Vogel der Art der Eichelhäher, kannst du dich ärgern, dass aus Wäldern Autobahnen, Einkaufszentren und sonst noch alles mögliche wird, das Menschkauzige, Aufrechtgestaltige, Kopflistige aushecken. Mit solchen und weiteren Wortschöpfungen lässt der Autor den „Piepmatz“ die angebliche Krone der Schöpfung bezeichnen.

Was wächst denn da?

Das führt übrigens zu ganz schön absurd anmutenden Bildern, die sich Stella Dreis ausgedacht hat: Etwa ein Reh, das durch einen „Wald“ wandert, der nur mehr aus Baumstümpfen besteht, auf denen verschiedenste TV- und Computermonitore thronen. Das und all die anderen oft fantasievollen Bilder – mitunter mit „Spreng“kraft -, die zeigen, was Menschen mit der Natur anrichten, bringt den Eichelhäher dazu, nach Rache zu sinnen.

Und die findet er just in Auswüchsen von Abfällen, die Menschen im Wald vergraben haben. Per Zufall fällt eine Eichel in die Flüssigkeit einer solch verbuddelten Tonne – und die rausgefischt und gepflanzt lässt Monsterbäume rasend schnell wachsen.

Soweit die Story. Stavarič lässt den Eichelhöher in einer eigenen – in Wörtern und Satzstellungen verspielten Sprache reden, die ein wenig an Christine Nöstlingers legendäre Radiofigur Dschi Dsche-i Wischer Dschunior erinnert. Und warum sollen nur Menschen verschiedene Sprachen haben? So variiert er die Sprachspielereien, wenn er andere Waldbewohner:innen zu Wort kommen lässt 😉

Das kunterbunte Kunstwerk aus Sprache und Bildern ist übrigens jüngst in die Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis gewählt worden. Und die Illustratorin ist außerdem für den Astrid Lindgren Memorial Award nominiert.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Piepmatz macht Wald aus euch!“
Bildmontage aus zwei Szenenfotos der beiden Zirkusgruppen DaDa Zirkus und Akrosphäre

DaDaSphäre: Akrobatik, Jonglage, Musik und Witz

Musik fliegt durch die Luft, erfüllt den Raum. Sogar den großen, hohen im Odeon-Theater an der Taborstraße, unweit vom Übergang über den Donaukanal in die Wiener Innenstadt. Im ersten Teil des Doppel-Abends (DaDaSphäre) sorgt Roxanne Szankovich mit ihrer elektronischen Geige sowie Effektpedalen und Loopstation für klassische melodiöse Nummern ebenso wie völlig schräge Töne und Geräusche, die sie hervor„zaubert“. Dabei ist sie nur kurz selber mit ihrem Klanginstrumentarium im Fokus.

Denn der Großteil ihres Auftritts dient „nur“ als Untermalung für „Das Sein verwirrt das Bewusstsein“, eine der ältesten Nummern von DaDa-Zirkus. Ein schwabbeliges (Arno Uhl) sowie ein ballettöses (André Reitter) Wesen treffen aufeinander – mal eher zugetan, dann konkurrierend oder auch einander bekämpfend. Und sie brachten ein kleines wie seine „Eltern“ schwarz-weiß-quergestreiftes (Kostüm: Petra Sacher) Stoff-Püppchen hervor, das sie in einen Blumentopf setzten und gossen. Dazwischen tanzen, hüpfen, jonglieren sie und zeigen akrobatische Kunststückerln.

Spiel am, unterm, überm und mit Klavier

Nach einer kürzesten Umbaupause erobern Yasmine Heyer & Uwe Sattelkow (Akrosphäre) die große Bühne – mit ihrer Klaviatur in „Xpect“. In unglaublichen Körperstellungen spielt – die meiste Zeit – Uwe Sattelkow, während Yasmine Heyer auf und mit ihm akrobatische Turnübungen absolviert. Um gegen Ende unter Beweis zu stellen, dass auch sie das musikalische Spiel auf den schwarzen und weißen Tasten beherrscht. In manchen Phasen wirkt das Klavier fast der Dritte im Bunde des Duos.

Übrigens stellt sich im letzten Viertel ihres Auftritts auch heraus, dass das Klavier-Stockerl selbst auch ein Instrument ist – Percussions und auf der Unterseite der Sitzfläche gar mit einem elektronisch-musikalischen Innenleben.

Beide modernen Zirkusgruppen zeigen nicht nur artistische und musikalische Top-Leistungen, die Shows sind auch von durchgängigem Humor durchzogen – für ein fast ständiges Lächeln, hin und wieder werden zusätzlich heftige Lacher hervorgerufen.

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Szenenfoto aus "Wait a Minute" von "De Stilte" (Niederlande), zu Gast beim BimBam-Festival

Viele schöne, poetische, spannende, immer wieder überraschende Momente

Nach Grau am letzten Februartag, dominierte Weiß am 1. März – im Salzburger Toihaus Theater, dem Zentrum des BimBam-Festivals für junges und jüngstes Publikum. (Link zur Besprechung von „Hvad er det?“ /Was ist das? aus Dänemark siehe Link am Ende dieses Beitrages.)

Weiß, (fast) nichts als Weiß: Boden, darauf liegende faltbare Teile und eine große Tür im Hintergrund. Auch ein Großteil der Sitzflächen – weiße, weiche Schaffelle. Nur Catarina Paiva tanzte aus diesem Rahmen – in einem bunten, vielfarbigen Jump-Suit, einem großen „Strampler“. Groß auch ihre Augen. Sie nimmt die auf dem Boden liegenden Teile in Augenschein – auch mit ihren Händen. Faltet ein großes Ding fast auseinander, die aufgemalten Tasten eines Klaviers werden sichtbar. Doch nein. Sie stellt es nicht auf – die Musik (Jeroen van Vliet) kommt ohnehin aus den Lautsprechern, abgespielt über einen Laptop. Der Faltflügel wird wieder zugeklappt.

Szenenfoto aus Wacht 's even / Wait a Minute/ Moment mal von De Stilte (Niederlande) - mit Catarina Paiva und Eduarda Santos
Szenenfoto aus Wacht ’s even / Wait a Minute/ Moment mal von De Stilte (Niederlande) – mit Catarina Paiva und Eduarda Santos – in beim BimBam-Festival spielen udn tanzen

Nicht auf den Boden steigen

Die meiste Zeit versucht die Tänzerin den Boden nicht direkt zu berühren, sondern nur auf die herumliegenden Teile (Bühnenbild: Bert Vogels) zu steigen. Das erinnert an Pippi Langstrumpf, die Tommy und Annika in der Villa Kunterbunt zu diesem Bewegungsspiel einlud, nur auf Kästen, Tische, Betten oder was auch immer zu steigen oder zu springen und sich durch den Raum zu bewegen, ohne den Boden zu berühren.

Szenenfoto aus Wacht 's even / Wait a Minute/ Moment mal von De Stilte (Niederlande) - allerdings in einer anderen Besetzung
Szenenfoto aus Wacht ’s even / Wait a Minute/ Moment mal von De Stilte (Niederlande) – allerdings in einer anderen Besetzung

Paiva streckt sich dazu immer wieder, um mit den Händen so ein Teil zu greifen, näher zu schieben, um darauf ihre Füße abzustellen. Aber immer nur kurzfristig. Denn weiter geht’s, springt’s, tanzt’s. Immer wieder klappt sie dazwischen das eine oder andere dieser Teile auseinander. Das eine könnte ein Zimmer sein, das andere ein ganzes Häuschen, die kreisrunde Scheibe vielleicht eine Tischplatte. Dann wieder scheint es eine Sonne sein zu wollen. Oder was auch immer. „Wacht ’s even“ („Wait a Minute“, Moment mal) ist ein rund halbstündiges Tanztheaterstück für das allerjüngste Publikum – erschaffen von der niederländischen Gruppe „De Stilte“ (Die Stille) aus Breda, choreografiert von Femke Somerwil und Gertien Bergstra. Funktioniert alles auch ganz wunderbar ganz ohne Worte. Klassische Musik begleitet die Tänzerin.

Szenenfoto aus Wacht 's even / Wait a Minute/ Moment mal von De Stilte (Niederlande) - mit Catarina Paiva und Eduarda Santos
Szenenfoto aus Wacht ’s even / Wait a Minute/ Moment mal von De Stilte (Niederlande) – mit Catarina Paiva und Eduarda Santos – in beim BimBam-Festival spielen udn tanzen

Spielgefährtin

Die beschriebene Tänzerin bekommt ungefähr in Halbzeit eine Kollegin- zunächst versteckt unter einem großen weißen Fell (Kostüme: Czakon). Ist’s ein Schaf? Oder ein großer Hund? Oder ein Fatansiewesen? Jedenfalls wird Eduarda Santos zu einer Spielgefährtin. Einer, die sich anfangs nur ganz selten zeigt – und da mit ähnlich großen Augen wie die Kollegin vor allem mit den nahe sitzenden Kindern Blickkontakt aufnimmt. Und ihre Bühnenkollegin immer wieder neckt. Kaum meint die Tänzerin im bunten Overall das tierische Wesen zu fassen zu kriegen, ist die auch schon wieder weg, hinter ihr oder am anderen Ende des Raums. Und wieder nimmt die Kollegin ein Teil nach dem anderen, um einen Weg zur „Vierbeinerin“ zu bauen.

Natürlich erreichen die beiden einander, das Fellkostüm mit seiner wiesengrünen Innenseite fällt und die beiden tanzen nun miteinander, bauen die Teile auf, zu einer Inneneinrichtung einer Wohnung – oder was auch immer, bauen wieder ab und um. Obwohl die beiden nur rund ein halbes Dutzend Teile zur Verfügung haben, könnten (Erwachsene) vielleicht deren Spiel noch viel länger zuschauen.

Szenenfoto aus Wacht 's even / Wait a Minute/ Moment mal von De Stilte (Niederlande) - allerdings in einer anderen Besetzung
Szenenfoto aus Wacht ’s even / Wait a Minute/ Moment mal von De Stilte (Niederlande) – allerdings in einer anderen Besetzung

Ständig dran

Viele Erwachsene sagen „gleich“, „sofort“, „in ein paar Sekunden/Minuten“, um dann Kinder „ewig“ auf das Versprochene warten zu lassen. Ein wenig ließe dieser Stücktitel solches befürchten. Ist aber mitnichten so. Kein Vertrösten. Ständig spielt sich was auf der Bühne ab – wenngleich nicht rasant und actionmäßig, sondern mit sehr viele Ruhe und Geduld – aber immer wieder so, dass die so jungen Besucher:innen praktisch ständig dranbleiben.

Szenenfoto aus Wacht 's even / Wait a Minute/ Moment mal von De Stilte (Niederlande) - allerdings in einer anderen Besetzung
Szenenfoto aus Wacht ’s even / Wait a Minute/ Moment mal von De Stilte (Niederlande) – allerdings in einer anderen Besetzung

Miteinander

Nach knapp mehr als einer halben Stunde verschwinden die Tänzerinnen abwechselnd kurz hinter der oben genannten großen Türe und kommen mit großen – weißen – Taschen zurück aus denen sie große und kleinere Steck-Teile an den Rand der Bühne legen, um – ganz ohne Worte – die Kinder rundherum einzuladen, mit ihnen oder noch viel lieber miteinander diverse Gebilde zu bauen.

Boten die beiden Tänzer:innen aus Dänemark den jüngsten Theaterbesucher:innen – und natürlich ihren schon älteren Begleitpersonen 😉 – am letzten Februartag beim BimBam-Festival (nicht nur) in Salzburg eine graue Teppichlandschaft – Link zur Besprechung von „Hvad er det?“ (Was ist das?)
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Compliance-Hinweis: Das Toihaus Theater übernahm die Fahrtkosten von Wien nach Salzburg und zurück sowie den eineinhalb-tägigen Aufenthalt.
Fortsetzung folgt

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus Wacht ’s even / Wait a Minute/ Moment mal von De Stilte (Niederlande) – allerdings in einer anderen Besetzung
Szenenfoto aus „Hvad er det?“ (Was ist das?)

Entdeckungen beim Tanz auf und mit Teppichen

Eine Teppichlandschaft. Grau in Grau, umgrenzt von ebenfalls aufgerollten Teppichstücken.  Ebenfalls grau. Lediglich dunkler – so wie die noch weiter an den Wänden liegenden Teppichrollen, die als Sitzreihen dienen. Nur zwei – entrindete – Baumstücke und einige gerippte große helle Rollen dienen – zunächst – als Farbtupfer auf der Bühne.

In hellerem Grau gekleidet die beiden Tänzer:innen – Ole Birger Hansen, Antoinette Helbing. Schritt für Schritt erkunden sie den Boden unter ihren Füßen. Sie bücken sich, um auch mit ihren Händen den Filz zu entdeckten. Zu spüren. Dabei bleibt es nicht, nach und nach, mal ganz langsam und sanft, dann eher heftiger versuchen sie die (Teppich-)Böden mit möglichst vielen Teilen ihrer Körper wahrzunehmen.

Szenenfoto aus „Hvad er det?“ (Was ist das?)
Szenenfoto aus „Hvad er det?“ (Was ist das?)

13 Stücke, 7 Länder, 62 Vorstellungen

„Hvad er det?“ (Was ist das?) heißt diese Performance von Aaben Dans aus Dänemark (Konzept / Choreografie / Inszenierung: Thomas Eisenhardt, Kamilla Wargo Brekling). Sie gastieren damit beim BimBam-Festival – unter anderem im Toihaus Theater in der Stadt Salzburg. Von hier nimmt dieses zweijährlich stattfindende Theaterfestival für Klein(st)Kinder – und zieht immer weitere Kreise. Bei der aktuellen Ausgabe, von der Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auf Einladung der Veranstalter:innen zwei Tage lang berichtet, werden Aufführungen nicht nur im Land Salzburg, sondern auch in Oberösterreich und Oberbayern gespielt (insgesamt 62 Vorstellungen 13 verschiedener Stücken aus sieben Ländern) noch bis 19. März 2023 gespielt – siehe Info-Block.

Zurück zum fast durchgängig fast wortlosen Tanz zur Erforschung des Untergrundes – aber auch der eigenen Beine, Arme – und der des/der anderen. Bis hin zum ineinander verknüpft sein mit den Armen wie bei großen Ringen von Magier:innen. Nach und nach schauen sie auch unter den einen oder anderen Teppichteil – und finden rote, blaue Vierecke – meist aus Filz, auch noch in weiteren Farben. Aus der einen oder anderen Teppichrolle fischen oder schieben sie Schlangen aus Stoffteilen – und bringen so immer mehr Farbe ins Spiel.

Szenenfoto aus „Hvad er det?“ (Was ist das?)
Szenenfoto aus „Hvad er det?“ (Was ist das?)

Tanz, Objekte, Licht, Musik

Wobei Farben auch von anderen Objekten kommen, die Teil des choreografierten Spiels sind – vom Licht – aus Lampen, aber auch aus mindestens einem der Röhren-Objekte (Licht/ Technik / Produktion: Elke Laleman; Bühnenbild / Kostüm: KASPERSOPHIE). Zu den Bewegungen der Tänzer:innen, den Objekten und den wechselnden Lichtstimmungen gesellt sich die Musik (Fredrik Lundin) eine weitere Dimension hinzu – die das Stück der Gruppe aus Roskilde (vor allem für das große Musikfestival auf der Ostseeinsel Sjælland, nahe Kopenhagen bekannt) zu einer sehr runden Sache macht.

Interaktiver Teil

Irgendwann nach rund einer halben Stunde (mit dieser Länge wird das Stück angegeben) laden die Tänzer:innen die umsitzenden, liegenden, stehenden, gehenden, hin und her schwingenden Kinder ein, die Bühne in der Mitte endlich auch erobern zu dürfen. So manche von ihnen wollten das ohnehin schon längst, was aber weder beabsichtigt und obendrein aufgrund vieler sehr schwungvoller Bewegungen des Duos auch zu riskant wäre.

Fast gleich viel Zeit wie für das Stück selbst wird dieser Phase des gemeinsamen Spiels eingeräumt. Apropos einräumen: Die Animierung, gemeinsam schön langsam all die bunten und grauen kleinen Filz-Vierecke in eine der kurzen, aufgestellten Röhren hineinzuwerfen ist der Übergang zum Ende auch dieses interaktiven Abschnitts.

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Zu einem Interview mit den Tänzer:innen und der Produzentin/Lichtdesignerin und Technikerin geht es hier unten

Compliance-Hinweis: Das Toihaus Theater übernahm die Fahrtkosten von Wien nach Salzburg und zurück sowie den eineinhalb-tägigen Aufenthalt.
Fortsetzung folgt

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Szenenfoto aus „Hvad er det?“ (Was ist das?)
Szenenfoto aus „Hvad er det?“ (Was ist das?)
Screenshot aus dem Video-Trailer des Tanztheaterstücks " Hvad er det? (Was ist das?"

Lass uns ganz elementar beginnen

KiJuKU: Wie kam’s zu diesem Stück – Link zur Stückbesprechung am Ende dieses Interviews -, war erst das Thema da oder das Material, die Teppiche und Rollen?
Antoinette Helbing (Tänzerin): Erst war das Thema da, die künstlerische Leitung entscheidet das.
Ole Birger Hansen (Tänzer): Gestartet haben wir dann mit dem Körper – mit den Händen…
Elke Laleman (Licht/ Technik / Produktion): Die Szenografie hat früh mitgespielt und mit dem Choreografen früh entschieden, Teppiche zu verwenden. Am Anfang wurde nur mit vielen Rollen gearbeitet. Bei allem, was neu in den Proberaum gekommen ist, tauchte immer sofort die Frage auf „Was ist das?“ – und das wurde ja dann immerhin der Stücktitel.

KiJuKU: War es von Anfang an klar, dass mehr als die Hälfte fast nur mit Grau gespielt und getanzt wird und Farben erst sehr spät ins Spiel kommen?
Elke Laleman: Auch das wurde sehr früh entschieden. Wir haben uns viele Stücke für Kinder angeschaut. Oft scheint es so zu sein: Wenn es für Kinder ist, muss es viele Farben haben. Wir haben gesagt: Lass uns lange nur mit grau spielen, sozusagen „basic basic“, eben ganz elementar.
Antoinette Helbing: Außerdem lernen wir als Babys ja erst nach und nach Farben zu sehen.

KiJuKU: Die Gruppe Aabens Dans gibt es schon länger…
Ole Birger Hansen: … ja seit 2008. Aber wir spielen und tanzen für verschiedene Altersgruppen.
Antoinette Helbing: Einmal im Jahr machen wir ein Stück für Kinder – aber da auch für unterschiedliche Altersgruppen, manchmal wie jetzt für ganz junge Kinder, dann wieder für Teenager. Mit „Hvad er det?“ (Was ist das?), das wir schon mehr als 100 Mal gespielt haben, waren wir kürzlich in Barcelona, jetzt hier und dann touren wir in Dänemark.

KiJuKU: Obwohl so manche Kinder schon sehr früh auf die Spielfläche wollen, dürfen sie hier erst sehr spät mitspielen.
Ole Birger Hansen: Es ist bei unseren Stücken immer anders, es gab auch schon welche, wo Kinder sehr früh interaktiv mitmachen konnten, hier wäre es in der ersten halben Stunde aufgrund unserer Bewegungen viel zu riskant.

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Compliance-Hinweis: Das Toihaus Theater übernahm die Fahrtkosten von Wien nach Salzburg und zurück sowie den eineinhalbtägigen Aufenthalt.
Fortsetzung folgt

Szenenfoto aus "Gaia rettet die Welt" im Wiener Kosmos Theater

Mutter Erde im Schwimmbad

Die Welt ist – ein Schwimmbad. In diesem tauchen – ohne Wasser – Gaia (Aline-Sarah Kunisch), die personifizierte Erde, der griechischen Mythologie zufolge eine der ersten Gottheiten – hervorgegangen aus dem Wasser(gott) Hydros (Wikipedia) – oder wie andere es interpretieren/meinen „aus der Paarung von Luft und Tag entsprangen Mutter Erde, der Himmel und das Meer“ (aus dem Programmzettel). Doch im Zentrum steht, nein vielmehr rückt sich, Mythos (Karola Niederhuber). Im weiten – mit vielen Buchstaben (allerdings keinen griechischen) – bedruckten Hosenanzug gibt sie die Weltenerklärerin. Es existiert sozusagen nur, was Medien berichten.

Herbeigeredet

Nach einem streckenweisen humorvoll-verwirrenden philosophischen Monolog über Anfang und Nichts zu Beginn von „Gaia rettet die Welt, sich selbst…“ von Nele Stuhler (Regie: Maria Sendlhofer) erzählt sie weitere personifizierte Gottheiten herbei: Die Sonne, die „nichts als scheinen kann“ (Hannah Joe Huberty), Athene (Helena Vogel), und zuvor noch Zeus. Im Wechselspiel mit dessen Darsteller (Thomas Frank) schildern die beiden szenisch die diversen Verwandlungen des Obergottes, um praktisch bei jedem weiblichen Wesen „ein Päckchen Samen“ abgeben zu können.

Gaia, die sich ein Ripperl aus dem Leib spricht, zaubert aus diesem so allerhand Natur hervor, irgendwie auch Leute aus Seifenblasen, die wiederum Zeus recht langweilig findet und sie am liebsten schnell sterben lässt. Bevor Prometheus (Martin Hemmer) auftaucht und aus Tonerde solche zu basteln beginnt. Irgendwie schwebt von Anbeginn neben dem Hauch des Todes für diese auch mit, dass sie vielleicht die ganze Schöpfung durcheinander bringen könnten.

Leute tauchen auf/ein/ab

Leute, sprich Menschen, tauchen zunächst in Form eines von Anfang an im Publikum sitzenden Schauspielers (Okan Cömert) auf, zu dem sich nach und nach jene Kolleg:innen gesellen, die zuvor Sonne, Athene, Zeus und Prometheus gespielt haben. Und die Frage aufwerfen, ob nicht sie als Menschen es gewesen seien, die erst die Gött:innen – und zwar einschließlich Gaia und die erzählende Mythos geschaffen hätten.

Was ihr aber aus der Welt, oder vielmehr der Erde gemacht habt, wie ihr damit umgeht, wie ihr sie zerstört – damit konfrontieren die beiden in ihren Rollen verbliebenen nun nicht nur die zu Menschen gewordenen vormaligen Gottheiten, sondern auch das Publikum – nicht nur auf den Tribünensitzen. Denn etliche sind dem nicht ganz dezenten Aufruf gefolgt am Beckenrand des Bühnen-Bades (Bühne & Kostüm: Tanja Maderner) Platz zu nehmen.

Näher dran

So richtig einbezogen wird das Publikum nicht, die einen sind nur jetzt näher dran. Fühlen sich vielleicht noch mehr angesprochen von den – nicht anklagendem, sondern im Tonfall eher ironisch-fragendem aufgezeigten Umgang dieser angeblich so hochintelligenten Wesen mit „Mutter Erde“, die diese – in Person der Gaia – sehr traurig machen. Und zu einem Schluss-Monolog veranlassen – der zwar sprachspielerisch mit Veränderung bekannter Worte streckenweise interessant klingt, aber ein wenig wie ein zu lang geratener Leitartikel schulmeistert. Als hätte das Publikum nicht schon vorher aus dem durchaus lustvollen, teils lustigen Spiel des Ensembles mit der Apokalypse für die Menschheit – Insekten werden höchstwahrscheinlich überleben – die Botschaft verstanden.

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Eine der Doppelseiten, jene über Madonna, aus "Elvis, Kate & Ziggy" von Matthäus Bär und Jacqueline Kaulfersch

Bunt-illustriertes Lexikon großer Pop-Musiker:innen

Er selbst rockte fast ein Jahrzehnt Bühnen mit eben rockig-popigen Liedern (nicht nur) für Kinder: Matthäus Bär. Aus diesem Metier hat er sich (vorläufig?) zurückgezogen und konzentriert sich nun aufs Schreiben von (Kurz-)Geschichten für junge Leser:innen. „Die Wasserschweine und das Mehr“ erscheint – Bärs Homepage zufolge heuer bei dtv. Für eine erste Entwurfsfassung hatte er 2019 den Dixi-Kinderliteraturpreis bekommen, der Erst-Autor:innen und -Illustrator:innen mit coachenden Tutor:innen fördert.

Vor wenigen Monaten veröffentlichte Matthäus Bär ein kleines – von Jacqueline Kaulfersch bunt in einer Art Comic-Stil illustriertes Büchlein über berühmte Popmusiker:innen. „Elvis, Kate & Ziggy“ versteht sich dem Untertitel zufolge als „Kleines Alphabet der Popmusik“. In jeweils wenigen, knappen Sätzen fasst der Autor Leben und vor allem Stil und Inhalte der Songs der jeweiligen Künstler:innen zusammen. Und jedem Abschnitt widmet Mattäus Bär einen gereimten Titel.

Da er für jeden Buchstaben immer nur jeweils eine Person ausgewählt hat, könnten so manche Leser:innen die eine oder den anderen vermissen. Die Auswahl scheint sich vor allem an (Groß-)Eltern zu richten. Kindern ist Hans Peter Baxter von der Band Scooter „How much ist the fish?“ (Was kostet der Fisch) ziemlich sicher weniger bekannt als Harry Styles ebenso wie Ed Sheeran eher wie Elvis Presley – auch wenn der Titel zu ihm sich wunderbar nahört: Die Hüfte kreist/ es schwinden die Sinne, /  denn Elvis hat/ die schönste Stimme.

Aber so lernen Kindern kennen, zu welchen Songs vielleicht ihre (Groß-)Eltern getanzt haben könnten 😉

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Titelseite des
Titelseite des „kleinen Alphabets der Popmusik“
Pauala stellt sich vor, sie würde Erwin mit seiner Haltung - aber nur ihr gegenüber - konfrontieren und ihn in eine Zwangsjacke stecken

Hitler ließ eigene Großcousine ermorden

Noch läuft allabendlich im Theater Forum Schwechat das Satirefestival mit vielen bekannten Stars aus der heimischen Kabarett-Szene. Unter tags probt ein Schauspiel-Quartett – mit Regisseurin und einer Mitarbeiterin – am nächsten Stück, einer Eigenproduktion. Dafür gräbt – meist Manuela Seidl, die künstlerische Leiterin des wenige Gehminuten von der Schnellbahnstation entfernten Theaters selbst – oft ziemlich unbekannte, oft zuvor nur selten bis gar nie gespielte Stücktexte aus. „Paulas Kampf“, geschrieben von Isa Hochgerner. Hier wird der Stücktitel um den Zusatz „das falsche Bild“ erweitert.

Ein Durchlauf

Das Stück hat am 8. März, dem internationalen Frauentag, Premiere. Beim Lokalaugenschein von Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… steht ein sogenannter Durchlauf auf dem Probenplan. Es werden also nicht einzelne Szenen geprobt, gestoppt, da oder dort was verändert, sondern das Stück grob durchgespielt – noch nicht in den vorgesehenen Kostümen. Auch die geplanten Projektionen werden erst angefertigt und eingespielte Sounds sind erst noch eine Annäherung. „Ich will heute den Bogen sehen, den Rhythmus eures Spiels spüren“, ist die Anforderung von Regisseurin Rita Dummer.

Der Plot

Die ersten beiden Wörter des Titels und obendrein die Frakturschrift auf den Plakaten stellt gedankliche Verbindungen her. Und ja, diese Paula hieß eigentlich Hitler. Sie war die Schwester des Faschistenführers der mit seiner Partei die Menschheit in den zweiten Weltkrieg gestürzt hat. Und weil der nach außen keine Familie zeigen wollte, musste die Schwester einen anderen Namen annehmen: Wolf im Stück, laut Wikipedia mit einem zweiten f hinten dran. Und er hatte auch noch eine Großcousine – Aloisia Veit. Wegen angeblich diagnostizierter Schizophrenie wurde sie eines der vielen Mordopfer durch ärztlichen Bescheid (Euthanasie), getötet in der Gaskammer von Hartheim, beschlossen von Dr. Erwin Jekelius, dem Leiter der vormaligen Jugendfürsorgeanstalt Spiegelgrund auf der Baumgartner Höhe, die in der Nazizeit zur Tötungsanstalt für kranke, behinderte und „nicht erziehbare“ Kinder wurde – mit rund 800 Opfern. Die Fakten im Stück entsprechen den echten Tatsachen, lediglich Details – wie dass sich Paula und Erwin Am Spiegelgrund kennen gelernt hätten, weil sie die Großcousine retten hätte wollen – ist von der Stückautorin erfunden.

Zwischen Ärger und Schönfärberei

Intendantin Seidl, die selbst meist mitspielt, schlüpft in die Rolle der Paula. Die hackt in die alte unkaputtbare Schreibmaschine. Eine Art Rehabilitation für ihren Bruder, der doch jetzt nach dem Krieg von allen so verteufelt wird, will sie als Buch verfassen. Und gleitet dabei immer wieder in Traumbilder ab – aus ihrer Kindheit, aus dem späteren Leben. Stets hat die Mutter den „Dolferl“ bevorzugt, sie zählte weniger bis nichts. Der Bruder hat sogar ihre Verlobung verhindert. Der Möchte-gern-Bräutigam: Genau jener Dr. Jekelius (aalglatt und gefühlskalt gespielt von Felix Krasser). Von dem sie übrigens rückblickend davon ausgeht, dass der sich für sie nur wegen ihres Bruders interessiert habe. Paula ist zwar wütend auf den Bruder, weil er ihr privates Leben zerstört hat, aber im Prinzip will sie ihn mit ihrem Buchprojekt ja sozusagen rehabilitieren, auf einen Sockel heben

Eine zentrale Rolle nimmt die ermordete Groß-Cousine Aloisia ein. Immer wieder taucht sie in den Erinnerungen Paulas auf. Iris Maria Stromberger verleiht ihr eine Gratwanderung zwischen Leben und Geist – und in Wirklichkeit die einzige Gegenfigur zum mörderischen Wahnsinn. Und sie spielt zwar diese eine konkrete ermordete Person lässt aber immer wieder mit anklingen, dass sie eben „nur“ eine von vielen war.

Schatten

Als vierte im schauspielerischen Bunde agiert Benita Martins, zunächst als Verleger von Paulas Buch samt Diskussionen, ob nicht auch der Besuch bei den Olympischen propaganda-Spielen 1936 in Berlin ein Kapitel sein sollte oder eben auch die Verlobung. Im weiteren Verlauf schlüpft Martins in verschiedenen Schattenfiguren – vor allem Aloisias Halluzinationen. Und symbolisiert damit immer wieder auch die sogenannten Schatten der Vergangenheit.

Überrascht

Nach eineinhalb Stunden mit teils sehr heftigen, atemstockenden Momenten, ist die Regisseurin überrascht: „Das ist eine sehr deutliche Steigerung gegenüber gestern. Und sogar um zehn Minuten kürzer.“

Der Durchlauf-Versuch am Tag davor sei aber auch der erste seit langem gewesen, wo wieder alle gleichzeitig dabei sein konnten, erklären die vier Schauspieler:innen, die sich selbst durch mehrmals auftauchende heftige Geräusche technischer Geräte nicht stören hatten lassen, dem journalistischen Gast die merkliche Steigerung. Und somit deutet alles darauf hin, dass es in eineinhalb Wochen eine gelungene Premiere sein wird.

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Sujetfoto für die Ankü+ndigung des Stücks
Sujetfoto für die Ankü+ndigung des Stücks „Paulas Kampf“ im Theater Forum Schwechat
Szenenfoto aus "Thor - die Geschichte mit dem Hammer"

Wenn Männer zeigen wollen, wo der Hammer hängt …

Höchstwahrscheinlich war die Wahl des Premierentags kein Zufall. An einem Donnerstag startete im Wiener Rabenhoftheater „Thor – Die Geschichte mit dem Hammer“. Seit vielen Jahren inszeniert Hausherr Roman Freigaßner-Hauser hier für das Theater der Jugend alljährlich eine Adaptierung eines klassischen Stoffes – flott, rasant, oft fast comic-haft und actionreich rocken antike Stoffe knapp verdichtet spielfreudig von einem immer sehr kleinen Ensemble gespielt über die Bühne (Thomas Garvie).

Das kleine Ensemble bedingt/führt zu Doppelrollen. Das Spannende daran ist, dass die Schauspieler:innen damit sehr oft die jeweiligen Gegenspieler:innen verkörpern (müssen). Also die Feind:innen sind sie sozusagen selbst. Der nordische Göttervater Odin ist somit gleichzeitig – im Schauspiel natürlich immer abwechselnd – der Oberste der Eis-Riesen Thrym (Bernhard Majcen). Die haben den Göttern den magischen Donnerhammer Mjölnir entwendet. Für die Rückgabe verlangen sie, dass Göttin Freya (Saskia Klar, die auch in die Rolle von Thryms Tochter Angeboda schlüpft) ausgeliefert werden sollte. Auf dieses Ansinnen scheint Odin sogar eingehen zu wollen. Doch die kriegslüsternen Männer beider Seiten haben nicht mit der selbstbewussten Art dieser Frau gerechnet!

Wie überhaupt die Lust, Kriege zu führen, Macht auszuüben und sich in Szenen setzen zu wollen, das eigene Image zu pflegen – auch Ingo Paulik als Loki und Lennart Lemster als Thor (Sohn des Odin, kampfeslustigst, aber wenig Grips und für Blitz und Donner zuständig) – stets mit einem Schuss Überdrehtheit versetzt, der Lächerlichkeit Preis gegeben wird. Und damit zum Statement zu aktueller (Kriegs-)Politik wird. Und das mit nicht zu wenig Humor – und doch einem tiefergehenden Ernst.

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Szenenfoto aus "Der Wald von dem wir träumen"

Schafe melken Kühe, tierische Pflanzen gebären die Beatles

Bizarre Pflanzen schienen aus dem Boden zu wachsen, erinnern irgendwie an lebendig gewordene auf Papier gekritzelte Fabelwesen, die sich nicht so wirklich entscheiden können, ob sie Bäume oder Tiere werden woll(t)en. In ihren bizarren, fantasievollen Formen laden sie ein, sie in ihrem Detailreichtum auch lange anzusehen. Könnte eine spannende Ausstellung sein. Sind aber „nur“ Kulisse für das nicht minder schräge Stück des kunstvollen Puppenspielers Christoph Bochdansky – vor allem. Wobei er hier nicht allein bleibt. In „Der Wald von dem wir träumen“ möchte auch eine Mitspielerin in diese ver-rückte Traumlandschaft: Andrea Köhler schlüpft in die Rolle einer Radio-Reporterin, die den Bewohner dieses „Waldes“ interviewen möchte. Hat sogar einen bestätigten Termin. Was der so völlig von sich weist. Nein, hier darf keine und keiner rein. Ist sein Territorium, in dem er traumtänzerisch wandelt (Choreografie: Rose Breuss).

Szenenfoto aus
Die vier Beatles als Puppen in Bochdanskys Traumwald

John, Paul, Ringo, George

Er allein darf mit den sich bewegenden, sprechenden Pflanz-Tieren leben. Oder den aus ihren Wurzeln wachsenden vier Beatles-Figuren (John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr und George Harrison) kommunizieren und spielen. Melodien einiger ihrer bekanntesten Songs werden im Hintergrund leise angespielt, während Bochdansky deutsche Übersetzungen der Texte spricht.

Was ist Traum, was Wirklichkeit? Wie beeinflusst das eine das andere? Und funktioniert die Abgrenzung zur rationalen Welt außerhalb – in Gestalt der verstandesmäßig agierenden und sprechenden Reporterin – gegenüber dem fast psychedelischen Traum und seiner sprachspielerischen und poetischen Sätze, Nonsensgedichten („Tausende von Schafen melken eine Kuh, da drüben im Wald steht ein Wolf und schaut zu“) und Fragestellungen überhaupt?

Die rund einstündige Vorstellung – noch im Theater Nestroyhof/Hamakom und dann Mitte März im Schubert Theater (beide in Wien) – ist ein optisches und gedankliches Fest mit auch vielen sehr heiteren Momenten in dieser mitunter fast düster wirkenden Landschaft.

Bücher

Manche der „Bäume“ in diesem Traum-Theaterwald erinnern an handgezeichnete Figuren mit denen er seine mindestens genauso schrägen Bücher „Lieder vom Horizont“ (Comic, Bucher Verlag) oder das „Anmerkungen zur Umgebung“ illustrierte (Verlag wortreich). Die dort abgedruckte Geschichte „brüllen“ darüber, wie jemand die Seele aus dem Leib brüllen möchte, um deren Existenz zu beweisen, spielt auf derselben Ebene wie die Passagen über Sigmund Freuds Traumdeutungen im „Wald“-Stück und die dortige Zeichnung könnte Skizze für einen der Bäume gewesen sein 😉

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Empofangs-Spalier für die Gäst:innen

Speisen- und Kulturgenuss für gute Zwecke

Eeeendlich – nach zwei Jahren Zwangspause (aus den bekannten Gründen, die mit P beginnen und .andemie aufhören) – öffnete „dastheaterhotel“ am letzten Februar-Samstag (25. 2. 2023) wieder seine Pforten. Und wie: Gut zwei Dutzend Jugendliche standen in weißen Hemden/Blusenl, roten Halstüchern und ebensolchen Gastro-Schürzen Spalier beim Haupteingang zum großen Veranstaltungssaal des Hotels Savoyen am Rennweg in den Räumen, wo einst lange die Wiener Zeitung residierte. Nach und nach löste sich das Spalier auf, die Jugendlichen geleiteten die Gäst:innen zu ihren runden 8er-Tischen.

800 Gäst:innen

Bei der wohl größten Schul-Charity konnten diesmal insgesamt rund 800  Besucher:innen wieder Kultur und hochwertige – auch optisch kunstvoll angerichtete – Kulinarik genießen. Letztere wurde von Schüler:innen der Höheren Lehranstalt für Tourismus und Wirtschaft (HLTW13) in der Bergheidengasse gekocht, zubereitet, serviert. Das Kulturprogramm von bekannten Profis aus unterschiedlichen Sparten wurde ebenfalls von den Schüler:innen auf die Beine gestellt (u.a. Trio Lepschi, Schmetterlinge, Agnes Palmisano, Erwin Steinhauer – moderiert von Mercedes Echerer) – mit Unterstützung eines mittlerweile pensionierten Lehrers. Doch Helmut Kuchernig ließ es sich nicht nehmen, seine über viele Jahre hinweg aufgebauten Kontakte zu Künstler:innen zu nutzen, die er mit dem einstigen Burgtheater-Schauspieler, Regisseur, (Drehbuch-)Autor Otto Tausig aufbauen konnte. Mit ihm hatte er vor eineinhalb Jahrzehnten das Projekt erfunden.

Ausbildungskompetenz plus soziales Engagement

Tausig, der als Kind mit einem der bekannten Kindertransporte nach England, also als minderjähriger Flüchtling der Verfolgung durch das Nazi-Regime entkommen konnte, hatte sich zeitlebens (er starb leider vor mehr als elf Jahren) über seine Kunst hinaus gesellschaftspolitisch engagiert. Und so kam’s zu diesem großartigen Projekt, in dem Jugendliche dieser Schule ihre Ausbildungsschwerpunkte praktisch in großem Rahmen umsetzen können/dürfen/müssen: Behirnen, berechnen, kochen, zubereiten, servieren, organisieren… Und die Einnahmen guten Zwecken zugute kommen. Otto Tausig hatte vorgeschlagen, Projekte des Entwicklungshilfeklubs zu unterstützen. Und so werden mittlerweile Menschen in rund 100 Dörfern in Guntur im indischen Bundesstaat Andrha Pradesh, vor allem Angehörige ausgegrenzter Minderheiten, dabei geholfen, fixe Behausungen zu bekommen, mit den heurigen Einnahmen vor allem in Vedullapalli Colony. Darüber hinaus werden immer wieder noch andere Projekte im Aus-, aber auch im Inland unterstützt. Aus aktuellem Anlass wandert ein Teil der diesjährigen Einnahmen in die Erbebengebiete in der Türkei und in Syrien.

Interview über die Projekte vor Ort – damals noch im Kinder-KURIER

Obwohl nicht wenige der weit mehr als 100 Schülerinnen und Schüler, die an diesem Tag im Einsatz sind – das Kernteam natürlich bereits seit Monaten – schon seit rund 6 Uhr früh auf denen Beinen sind, fällt das strahlende Lachen oder Lächeln der meisten Mitarbeiter:innen auf. Selbst hinter den Kulissen, in den Gängen und Küchen wirken die meisten trotz des zu merkenden, in Wellen anfallenden Stresses, recht freundlich, sehr kontrolliert und voll einsatzbereit. Wo ist was zu tun? Wo kann ich mitanpacken?

Brot schneiden, Reis-Chips „bespritzen“

An einer Stelle wird massenweise Brot händisch mit einem Messer geschnitten und fein in große Stoffservietten auf Teller geschlichtet. An langen Tischen gleich hinter einer der Türen zum Saal stehen Hunderte Teller, Schüler:innen hatten zuvor schon Reis-Chips daraufgelegt, nun drücken etliche Jugendliche aus Spritzsäcken Beef Tartar bzw. für die egetarische Variante Pilzcreme drauf. Danach streuen andere Kolleg:innen noch ein wenig Schnittlauch drüber.

Laaaange Vorbereitung

Am Rande der Brotschneidestation erzählen Emina Stürzer und Duncan Moser, dass die Arbeit am diesjährigen Theaterhotel schon im Mai des vorigen Jahres begonnen hat. „Da fangen wir an, uns zu überlegen, was wir kochen werden – es muss qualitativ sehr gut sein, sich aber auch mit dem Budget ausgehen. Also Trüffel kommen nicht in Frage, es soll ja auch möglichst viel für die sozialen Projekte übrigbleiben. Außerdem muss alles in großen Mengen dann doch in brauchbarer Zeit gekocht und zubereitet werden können“, erfährt der Journalist – und damit jetzt auch du, liebe Leserin, lieber Leser. „Wir haben auch insgesamt gut 1500 Ravioli – natürlich aus selbstgemachtem Teig – befüllt und gefaltet“, so Emina Stürzer. „Und wir haben auch eine vegane Variante – statt Ei verwenden wir da für den Teig Semola (gemahlener Hartweizen) und Wasser“, ergänzt ihr Kollege Duncan Moser

150 Schüler:innen insgesamt im Einsatz

So ab Ende September, Anfang Oktober gehe die konkrete Vorbereitung an – nicht zuletzt das Organisieren der zwei großen Veranstaltungen – Kultur.Brunch vom Vor- bis knapp nach Mittag und unter dem Titel „A Tribute to Otto Tausig“ das Abendprogramm. Das Kernteam ist jeweils aus der Maturaklasse, dazu sind aber viele weitere Schüler:innen praktisch aller Klassen – in Summe gut 150 – im Einsatz, um zufriedene, glückliche Gäst:innen zu bewirten und mit Bühnenprogramm zu versorgen.

Einige der Mitarbeiter:innen haben den berühmten Knopf im Ohr mit Spiralkabel – immer erreichbar und sicherer als Handy – nicht überall ist in den Gängen hinter dem Veranstaltungssaal und vor allem nicht auf allen Ebenen Empfang. Zwei dieser Ober-Checker:innen sind Betül Saglam und Hanna Schlögl, beide haben die Gesamtkoordination in verschiedenen Bereichen über, erstere kommt aus dem Wirtschafts-, zweitere aus dem Tourismuszweig der Schule. Ständig langen Anfragen bei den beiden ein. „Ist der Steinhauer schon da? Der muss gleich auf die Bühne!“, ist eine solche, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … am Rande mitkriegt, während ein wenig der Einsatz vor der Veranstaltung geschildert wird: „Schon am Donnerstag waren die ersten von uns so ungefähr fünf Stunden da, am Freitag wurde hier 14 Stunden gearbeitet und heute (Samstag, Tag der Veranstaltungen) ab 6 Uhr.

Wie dann all die Freundlich- und Fröhlichkeit möglich ist? „Natürlich gibt’s auch Ärger-Momente. Aber die dürfen nicht an den Gästen ausgelassen werden!“, wird die Professionalität der jungen Ober-Checkerinnen erläutert.

Heuer: 20.000 € Spendenerlös

Beim diesjährigen, dem 15. Theaterhotel, blieben nach Abzug aller Kosten von den Einnahmen 20.000 € als Erlös übrig, die für die genannten sozialen Projekte verwendet werden. Schon in den ersten 14 Theaterhotels konnten 600.000 € aus den Ticketverkäufen und noch einmal 50.000 € aus „Hut“- und Bierdeckel-Spenden für gute, soziale Zwecke lukriert werden.

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KiKu-Bericht über Das Theaterhotel 2020

KiKu-Berichte über Theaterhotel 2015

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Michelle Haydn, Monika Kutter und Birgit Oswald in "Ein Stück Wasser" im THEO Perchtoldsdorf (NÖ)

Wasser ist (nicht nur) zum Waschen da…

Nun, dieser Zufall wird wohl nicht so oft vorkommen. Während Birgit Oswald und ihre Kollegin Michelle Haydn beide in blauer Arbeitsmontur Rohre abklopfen, schauen und hören, wo es undicht ist und tropft, klopfen tatsächlich noch dazu sehr viele Wassertropfen an die Fensterscheiben. Es regnet. Doch so gut kann auch ein Theater nicht planen!

Bei (fast) allen weiteren Vorstellungen (bis knapp nach dem Weltwassertag am 22. März) im Perchtoldsdorfer THEO (Theaterort im Kulturzentrum) müssen sich die Zuschauer:innen von „Ein Stück Wassere“ die ersten „Platsch“ dann einfach vorstellen.  Ein paar andere in der folgenden Stunde werden sie aber ganz in echt und live hören.

Das Schauspielduo auf der Bühne – unterstützt von der Live-Musikerin Monika Kutter (Zither, Xylophon, Akkordeon) – erzählt nicht nur szenisch und singt rund um Wasser, sondern experimentiert dazwischen immer wieder auch mit echtem Wasser. Samt den dazugehörigen leicht verständlichen naturwissenschaftlichen Gründen warum etwa eine Postkarte – auf ein randvoll mit Wasser befülltes Glas angedrückt – auch noch, zumindest kurzfristig, hält, wenn das Glas umgedreht wird. Sicherheitshalber dann doch über einem Kübel, wenn’s nicht glich auf Anhieb klappt. Dieser und andere Versuche auch mehrmals zum Nachmachen zu Hause empfohlen.

Wasser-Musik und -Lieder

Einmal verlässt sogar die Live-Musiker ihren Arbeitsplatz hinter ihren Instrumenten um mit Hilfe von unterschiedlich mit Wasser befüllten Gläsern zu musizieren. Ansonsten untermalt sie akustisch und musikalisch viele der Szenen, lädt ihre Schauspiel-Kolleg:innen mitunter zum Rätselraten ein, was sie mit erzeugten Geräuschen darstellen will. Und begleitet sie bei deren vielen Liedern, die mit Wasser zu tun haben.

Ansonsten werden Wasserkreislauf – natürlicher ebenso wie der von Menschen fabrizierte – szenisch erklärt, darauf hingewiesen, dass nicht überall auf der Welt einfach sauberes Trinkwasser aus der Leitung fließt und mit Hilfe verschiedenster Verkleidungen und Stoffbahnen und -tiere Rundreisen um die Welt gespielt, um das Publikum einzuladen, gedanklich mitzufahren, schwimmen, schweben, rudern…

Grafik für den Wasser-Video-Bewerb: Zu sehen ist ein riesiger Wassertropfen, der aus einem Wasserhahn kommt
Grafik für den Wasser-Video-Bewerb: Zu sehen ist ein riesiger Wassertropfen, der aus einem Wasserhahn kommt

Übrigens: Schüler:innen-Wettbewerb „Wasser ist Leben“

Noch bis zum 17. März 2023 können Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen und Schularten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz Videos zum Thema „Wasser ist Leben“ drehen und online einreichen – Link in der Info-Box.

Der TV-Sender „The HISTORY Channel „hat zusammen mit Ralph Caspers und Emilia Flint, die die Schirmherrschaft übernommen haben, dazu aufgerufen. Die Videos sollten zwischen fünf und zehn Minuten sein – egal ob mit Super-Kamera oder irgendeinem Handy. Was zählt ist der Inhalt des Videos, das die kreative Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser und seiner gesellschaftlichen Bedeutung. Warum und wofür ist Wasser wichtig? Was macht Wasser zu einem so kostbaren Gut und warum kann es ebenso zur Bedrohung oder Waffe werden? Was wären frühe Hochkulturen ohne Wasser? Was lernen wir aus früheren „Sintfluten“ oder heutigen Hochwasserkatastrophen?

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Fahnen von Völkern, die unter russischer Herrschaft leiden/litten

Von Tschetschenien bis zur Ukraine: Schwarzer Februar

Beim Stiegenaufgang zum Veranstaltungssaal in der Volkshochschule und dem Haus der Begegnung in der Per-Albin-Hansson-Siedlung in Wien-Favoriten hängen eine ukrainische und eine tschetschenische Flagge. Der 23. Februar ist nicht nur der Vorabend des jüngsten nun ein Jahr dauernden Krieges der von Wladimir Putin entsandten russischen Armee in der Ukraine. Es handelt sich auch um den Jahrestag der großen Verschleppung (Deportation) von Tschetschenen und Inguschen.

Chaibach

Rund eine halbe Million Menschen wurden 1944 ab diesem Tag aus den beiden nordkaukasischen Autonomiegebieten innerhalb der Sowjetunion nach Kasachstan in Viehwaggons abtransportiert. Mehr als 12.000 Menschen starben schon auf dem Transport, viele weitere in den ersten vier Jahren. Über die besonders grausame Ermordung von rund 700 Menschen im Dorf Chaibach, die in einer Scheune zusammengetrieben und diese in Brand gesteckt wurde, gibt es einen Film. Ein kleiner Bub konnte versteckt außerhalb der Scheune überleben.

Musa Itaev

Ausschnitte aus einem Spielfilm, der dieses Massaker nachstellte, wurden bei der Veranstaltung zum Jahrestag der Deportation ebenso gezeigt, wie ein Interview mit Musa Itaev, einem Überlebenden der Vertreibung (die erst ab 1957 unter Nikita Chruschtschow beendet wurde) in Frankreich. Jugendliche aus der tschetschenischen Community äußerten auf der Bühne ihre emotionalen Gedanken zum Schicksal ihres Volkes, ältere Zeitzeugen stellten immer wieder die Gemeinsamkeit der imperialen Ansprüche der Führungen in Moskau und der Unterdrückung von Völkern in der Nachbarschaft her. Nicht zuletzt zum Krieg in der Ukraine. Tschetschenien hatte in der jüngeren Vergangenheit auch zwei Besatzungskriege durch die Russische Föderation erlebt (1994 und 1999), 2008 erlitt Georgien ein ähnliches Schicksal, 2014 die Krim – und dort waren insbesondere Angehörige der tatarischen Minderheit Opfer der russischen Okkupation. Und nun seit dem Vorjahr weite Teile der Ukraine.

Kunst und Kultur aus der Ukraine

Die stand sogar eher im Zentrum dieser Veranstaltung. Zahlreiche Künstler:innen boten ein mehrstündiges Kulturprogramm auf der großen Bühne des Saals. Der Bogen reichte von Kindertanzgruppen über jugendliche Ballett-Tänzerinen, ein musikalisches Zwillingsduo bis zum „Freedom-Quartett“ von vier klassischen Streicherinnen, einer Pop- und Opernsängerin, die auch Saxofon spielte und einem jungen Pianisten, der sowohl Sängerinnen als auch eine Geigerin begleitete. Die ukrainische Community – nicht nur Geflüchtete der vergangenen Monate – war auch mit zahlreichen Kunsthandwerksständen präsent. So bot der 13-jährige Sviatoslav, der vor neun Monaten aus Ternopil geflüchtet war, vor allem Stoff-Figuren, die meisten mit verschiedenem Getreide aber auch anderen körnigen Lebensmitteln gefüllt sind, an. „Die wurden in einer Manufaktur in meiner Heimatstadt händisch hergestellt. Manche riechen auch – nach Kakao oder Vanille zum Beispiel.“

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Juri aus Odessa

Zwischen den Kunsthandwerksständen, dem Veranstaltungssaal und den Essens-Stationen – von deftigem Fleischspeisen bis zu Süßigkeiten aus der tschetschenischen Community zubereitet und mitgebracht – wuselte ein älterer Mann herum. „Ich bin Juri aus Odessa und schien einige Jahre in Wien. Ich liebe „Ein echter Wiener geht nicht unter. Leider ist der Mundl-Schauspieler Karl Merkatz ja vor ein paar Monaten gestorben. Und ich liebe es, hier unter den Tschetschenen zu sein und mit ihnen von ihren Speisen zu essen.“

Juri, der Wiener aus Odessa
Juri, der Wiener aus Odessa

So gesellte er sich auch auf die diversen Gruppenfotos mit Fahnen von Völkern, die ähnliche Schicksale erlitten haben/erleiden – neben ukrainischen und tschetschenischen auch jene von Georgien oder der Krimtataren.

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Als der Krieg nach Rondo kam"

Die Dunkelheit mit Licht besiegen

Ein kleines, von innen heraus leuchtendes weißes Figürchen namens Danko, das vielleicht aus Glas sein könnte, ein pinkfarbener Hund, der wirkt als wäre er aus einer langen Luftballonschlange geformt worden (Fabian) und das aus bemaltem Papier gefaltete Vögelchen Sirka sind die Hauptfiguren in dem Bilderbuch „Als der Krieg nach Rondo kam“.

Ihre Heimat ist – wie der Name nahelegt – kreis- oder auch kugelrund und bunt. Viele Pflanzen, sogar solche, die in einem Gewächshaus fröhlich singen, kennzeichnen die Landschaft dieser Stadt. Sirka, das Vögelchen, zieht es in die weite Welt hinaus und bringt für seine Freund:innen viele Geschichten mit.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Als der Krieg nach Rondo kam“

Verletzlich

Die jüngsten Erzählungen Sirkas sind – niederschmetternd. Die nächste Doppelseite grau bis schwarz, düster, Panzer rollen und eine furchterregende Schrift: „Der Krieg kommt in die Stadt“. Obwohl klein, zart und zerbrechlich versuchte das Trio sich dem Ungeheuer entgegenzustellen, mit ihm zu reden, doch „ein Stein traf Danko in der Brust, genau da, wo sein Herz war, und sein Körper überzog sich mit Rissen. Feuerfunken flogen gegen Sirka, und die Ränder ihrer Papierflügel verbrannten. Direkt vor Fabian wuchs eine schwarze Blume und durchbohrte seinen Fuß. Der Krieg verschonte niemanden“.

Mit Waffen nicht zu stoppen

Nun versuchten die drei Freund:innen mit gleicher Münze heimzuzahlen, mit Steinen und Nägeln auf den Krieg zu schießen… Das beeindruckte diesen genau gar nicht. Da hatte Danko eine Idee: Er ging zum Gewächshaus, strahlte die letzten noch nicht verwelkten Blumen mit der Lampe seines Fahrrades an. Die Pflanzen reckten und streckten sich, wuchsen schnell und als Danko kräftig in die Pedale trat, um das Licht ja nicht ausgehen zu lassen immer höher und stärker. Und als ein Lichtstrahl auf den Krieg fiel, erstarrte der kurz.

„Plötzlich ging Danko ein Licht auf: Der Krieg bekam Angst, weil er und die Blumen trotz allem gesungen hatten, weil selbst der kleinste Lichtstrahl die Dunkelheit vertreiben konnte…“

Die beiden Künstler:innen Andrij LessiwRomana und Romanyschyn, die das Bilderbuch
Die beiden Künstler:innen Andrij LessiwRomana und Romanyschyn, die das Bilderbuch „Als der Krieg nach Rondo kam“ gestaltet haben

Kein Buch über den Krieg in der Ukraine

„Als der Krieg nach Rondo kam von Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw ist bereits 2015 in der Ukraine erschienen. Obwohl als Reaktion auf den ein Jahr zuvor begonnen Krieg Russlands – Krim und Ostukraine – „handelt es nicht vom Krieg in der Ukraine“, sagen die beiden Künstler:innen in einem Interview, das auszugsweise übersetzt vom Gerstenberg Verlag veröffentlicht wurde. „Es geht um Krieg als Volkskrankheit der Welt. Es sagt Kindern, wie wichtig es ist, keine Angst zu haben, stark zu bleiben, mit Freunden und deinem eigenen Volk zusammenzubleiben und die Hoffnung zu bewahren.“

Bewussten haben sie die drei Hauptfiguren – so weiter in dem Interview – „aus empfindlichen Materialien gefertigt. Es ist leicht, sie zu verletzten – ihre Welt zu zerstören“.

Arabischer Spruch, der besagt, dass Wissen Licht bedeutet und Unwissenheit zu Finsternis führt
Dieser arabische Spruch – annäherend im lateinischen Alphabet transkribiert: El Elmu Nur Wel Shechlu Zalam besagt: Wissen ist Licht, Unsissenheit/Ignoranz beudetet Finsternis.

Hell und dunkel

Darin erläutern sie auch ihr Farbkonzept: „Es beginnt mit hellen Farben, mit viel Licht, zeigt das friedliche Leben der Stadt… Dann ändert es sich unerwartet; die Farben werden dunkler; das Licht ist ausgeschaltet. Wir haben sogar weißen Text diagonal auf dunklen Hintergründen platziert, um das Lesen unbequem zu machen, so wie der Krieg unser Leben unbequem macht.

Und am Ende des Buches, wenn der Krieg vorbei ist, kehrt das Licht zurück. Hell und dunkel sind hier die Hauptsymbole; die Dunkelheit des Krieges wird durch das Licht besiegt, das von der Bevölkerung von Rondo erzeugt wird. Das Licht ist ein Symbol für Bildung, Kultur und gute Ideen.“

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Als der Krieg nach Rondo kam“
Margaryta in ihrer Schule in Borodianka

Generator brachte nach elf Monaten Strom für Kindergarten und Schule

24. Januar 2023, Borodianka, Ukraine. Die 7-jährige Margaryta und ihre Mitschüler:innen haben endlich wieder Strom. Unicef hat einen Generator geliefert. Neben sauberem (Trink-)Wasser, Lebensmittel und unmittelbar lebensnotweniger Hilfe unterstützt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen auch bei der Instandsetzung von Schulen, Kindergärten und Gesundheitseinrichtungen.

Ein Monat später, also heute, jährt sich der Einmarsch russischer Truppen ins ganze Nachbarland (Teile wie die Krim oder im Osten des Landes sind schon seit 2014 besetzt). Sirenen, Alarm, ab in den Keller, um Schutz vor Bombenangriffe aus der Luft zu suchen und finden, sind leider fast schon Routine.

Mediengespräch von UNICEF und HEMAYAT anlässlich des aktuellen Krieges in der Ukraine mit Nora Ramirez Castillo  und Christoph Jünger
Mediengespräch von UNICEF und HEMAYAT anlässlich des aktuellen Krieges in der Ukraine mit Nora Ramirez Castillo  und Christoph Jünger

Ständiger Beschuss

„Ich weiß noch, wie ich mich für die Schule fertig machte, als der Krieg begann“, erzählt Margaryta UNICEF-Helfer:innen. „Ich habe meine Mutter gefragt, was das bedeutet, und sie hat gesagt, dass Krieg ständigen Beschuss bedeutet.“

Inmitten von Stromausfällen und eisigen Wintertemperaturen verändern neue Generatoren das Leben der Kinder und Erzieher:innen. Ohne eine stabile Stromversorgung könnte der Heizungsraum des Kindergartens nicht betrieben werden.

Neben der Grundversorgung mit Kleidung, Stiefeln und Decken bietet das Programm auch Bargeld für Familien in schwierigen Situationen. Schulen und Kinderkrankenhäuser haben im Rahmen der Initiative auch Generatoren und Heizgeräte erhalten.

Zugeschaltet via Online-Video auch James Elder, der Mediensprecher von UNICEF-International
Zugeschaltet via Online-Video auch James Elder, der Mediensprecher von UNICEF-International

Fast 500 getötete und an die 1000 verletzte Kinder

Geschichten wie die von Margaryta und ihren Mitschüler:innen zeigen, wie selbst im Krieg geholfen werden kann. Auch wenn es davon viele – nicht nur durch die Hilfe von UNICEF – viele gibt, ist allen Helfer:innen klar: Es sind viel zu wenige. Und vielen Kindern kann (nicht mehr) geholfen werden. Den jüngsten Opferbilanzen zufolge sind 487 Kinder in diesem Krieg getötet worden, 954 Kinder wurden verletzt, mehr als vier Millionen Kinder brauchen in der Ukraine dringende humanitäre Hilfe, eineinhalb Millionen Kinder und Jugendliche sind durch den Krieg traumatisiert, zwei von drei Schüler:innen – in und als geflüchtete in und außerhalb der Ukraine – sind derzeit nicht im jeweiligen Bildungssystem.

Psychische Folgen

Diese und weitere heftige Fakten nannten rund um den Jahrestag des Einmarsches der russischen Armee in die Ukraine der Österreich-Geschäftsführer von UNICEF, Christoph Jünger, der – via Online-Video aus Lwiw (Westukraine) zugeschaltete internationale Mediensprecher James Elder. Die vor allem psychischen Auswirkungen schilderte Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Nora Ramirez Castillo vom Verein Hemayat. Unter anderem, dass Kinder, Jugendliche und ihre Mütter, die Zuflucht in Österreich gefunden haben, anfangs eher gerechnet/gehofft hatte, rasch wieder in die Heimat zurückkehren zu können und erst nach und nach sich damit abzufinden beginnen, hier zumindest vorläufig ein neues Leben aufbauen zu müssen. 40 Anmeldungen zu Traumtherapien von Menschen, die aus der Ukraine Zuflucht in Österreich gefunden haben, seien nun bei Hemayat eingelangt, so Ramirez Castillo.

Außerdem könne und würde der aktuelle – und medial sehr präsente – Krieg, andere, die vor ein paar Jahren aus Kriegsgebieten flüchten mussten (Syrien beispielsweise), erneut re-traumatisieren.

Zugeschaltet via Online-Video auch Mustapha Ben Messaoud, UNICEF-Notfall-Koordinator in der Ukraine
Zugeschaltet via Online-Video auch Mustapha Ben Messaoud, UNICEF-Notfall-Koordinator in der Ukraine

16 Millionen haben kein sauberes Wasser

Was und wie vor Ort, in der Ukraine selbst, geholfen werden muss und kann berichtete ansatzweise auch der ebenfalls online zum Mediengespräch zugeschaltete UNICEF-Notfall-Koordinator für und in der Ukraine, Mustapha Ben Messaoud. Allein 16 Millionen Menschen (vor dem Krieg hatte das Land etwas mehr als 40 Millionen Einwohner:innen, acht davon sind ins Ausland geflüchtet) haben akut keinen Zugang zu sauberem (Trink-)Wasser und Hygiene-Einrichtungen. 2.400 Schulen sind zerstört oder beschädigt, Gleiches gilt für 1000 Gesundheitseinrichtungen. Unicef konnte für die Hilfe vor Ort das Team der Mitarbeiter:innen von 60 auf 250 – praktisch alles lokale Kräfte – ausbauen. Und doch ist alles immer zu wenig, bedauern alle Beteiligten und fordern deswegen vor allem:

Was die Kinder nun dringend brauchen, ist Frieden! Aber auch im Krie
* einen prinzipiellen und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe
* ein Ende der Angriffe auf Kinder und die Infrastruktur, auf die sie angewiesen sind, einschließlich Schulen, Krankenhäuser und kritische Wasser- und Lebensmittelinfrastruktur
* die Beendigung des Einsatzes von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten, die direkt für die Tötung und Verstümmelung von Hunderten Kindern verantwortlich sind
* vorrangige Behandlung psychischer Gesundheit und psychosozialer Bedürfnisse

Pola im
Pola im „Blue Dot“-Zentrum an der polnischen Grenze

Drei Jahre jung – ein Jahr – zwei Mal Flucht

Die dreijährige Pola musste innerhalb eines Jahres sogar zwei Mal fliehen. Nachdem ihre Heimatstadt Sumy heftigen Angriffen ausgesetzt war, flüchtete die Familie nach Kyiv (Kiew). Kinder wie Pola müssen jedoch auch dort mit einer harten Realität und häufigen Stromausfällen kämpfen. Als Polas Mutter krank wurde und sich nicht ausreichend um ihre Tochter kümmern konnte, beschloss die Familie, das Land zu verlassen. Erleichtert erreichten sie die polnische Grenze, wo Pola und ihre Mutter Ina sich in einem sogenannten Blue Dot Zentrum, einer UNICEF-Anlaufstelle, erholen konnten. 

„Endlich sind wir in einem sicheren Raum, in dem wir keine Angst haben müssen, in dem mein Kind sich nicht im Flur verstecken muss, um die Raketen nicht zu sehen, die über unser Haus fliegen“, zitiert die Hilfsorganisation Mutter Ina, während sie ihre Tochter beim Spielen mit einem Mitarbeiter beobachtet.

Blue Dot Zentren

Jeden Tag kommen vier Züge aus verschiedenen Teilen der Ukraine in Przemysl, Polen, an. Das Blue-Dot-Zentrum bietet einen sicheren und einladenden Raum für Menschen, die ihre Heimat in der Ukraine und alles Vertraute zurücklassen mussten und sich in einer neuen und unbekannten Situation wiederfinden. Die Mitarbeiter:innen in den Zentren sprechen Polnisch, Ukrainisch, Russisch und Englisch, um sicherzustellen, dass sie sich leicht verständigen können und in der Lage sind, denjenigen, die ihre Unterstützung brauchen, alle notwendigen Informationen zu geben.

In Polen haben die Blue-Dot-Zentren seit April bis Ende 2022 mehr als 400.000 Erwachsenen und Kindern geholfen. In Zusammenarbeit mit UNHCR (der Flüchtlingsorganisation der UNO) wurden und werden weitere Blue Dots, wie der im Bahnhof von Przemysl, eingerichtet, um zu helfen und sofort zu reagieren.

Mytkyta, der in Polen Zuflucht fand
Mytkyta fand im polnischen Krakau Zuflucht

Fußball in Krakau

Mytkyta ist fünf Jahre alt als der Krieg in der Ukraine ausbricht. Eine Woche nach Kriegsbeginn verlassen er, seine Mutter und sein kleiner Bruder die die Hauptstadt. Die Sicherheit und Schutz ihrer Kinder steht für Kateryna an erster Stelle. Mit wenigen Habseligkeiten flieht die junge Familie nach Polen.

In Krakau finden sie Zuflucht und Unterstützung von UNICEF. Ein Neuanfang. Weit weg von den Bomben, der Zerstörung und dem Krieg in ihrer Heimat. 

Der kleine Mytkyta tritt einem Fußballverein bei, der von Oleksandr, einem ukrainischen Flüchtling, gegründet wurde. „Ich möchte den Kindern aus der Ukraine dabei helfen, einfach Freunde zu finden. Fußball als Teamsport ist eine gute Möglichkeit“, erklärt der Trainer.

UNICEF sorgt für eine medizinische Versorgung der flüchtigen Kinder aus der Ukraine. In einem Gesundheitszentrum werden Mytkyta und sein kleiner Bruder mit den notwendigen Impfungen versorgt, um Krankheiten vorzubeugen.

Mit Hilfe von UNICEF kann er, nunmehr sechs Jahre, eine der drei neuen Schulen in Polen besuchen, die von einer Stiftung „Unbreakable Ukraine“ eingerichtet wurde. Unterrichtet wird auf Ukrainisch. Bildung ist der Schlüssel, um den Kindern aus der Ukraine eine normale Zukunft zu ermöglichen.

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Der Frieden ist ausgebrochen"

Der Friede und seine Freund:innen

Eigentlich sollte, so schreibt der Autor im Nachwort, ein lustiger Text entstehen rund um eine Figur, die durch sein neues Bilderbuch hüpft und auf jeder Seite andere Schuhe trägt. Dann aber kam der 24. Februar 2022, der Tag an dem der russische Machthaber Wladimir Putin seinen Soldaten befahl, das Nachbarland Ukraine zu überfallen. Zwei Jahre vorher hatte Willi Weitzel in diesem Land einen Film für die Sternsinger gedreht – „Willi in der Ukraine“.

In diesem nennen Anja und Marta in einem Kinderschutzhaus auf die Frage nach ihren drei größten Wünschen unter anderem: „Dass endlich der Krieg aufhört.“ Den gab es nämlich nicht erst seit dem Vorjahr, schon 2014 besetzten russische Soldaten die Halbinsel Krim, außerdem wurden die zwei Oblaste (Bezirke) Luhansk und Donzek versucht aus der ukraine rauszulösen.

Also, weg mit der ersten Idee und hin zu einem Bilderbuch über Krieg – und vor allem das Gegenteil, nämlich Frieden – für schon sehr junge Kinder. Und das noch dazu mit dem aufs Erste vielleicht sogar verwirrenden Titel, wird doch „ist ausgebrochen“ im allgemeinen Sprachgebrauch eher eben für Krieg verwendet. Mit der gegenteiligen Formulierung, die das kleine Mädchen vom Spielplatz mit nach Hause genommen hat, beginnt das Frage-Antwortspiel zwischen einem Kind und dessen Vater.

Und als sie ihn danach fragt, wo denn der Friede ausgebrochen wäre, meint der Vater: „Höchstwahrscheinlich in irgendeinem Menschen. Denn der Frieden sitzt in uns Menschen drin.“ Als „Freundinnen“ nennt er noch „Freiheit, Gerechtigkeit und Liebe“.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Der Frieden ist ausgebrochen“

In der Folge wird noch versucht den in Ländern angestachelten Hass auf Nachbarvölkern als Erklärung für Krieg heranzuziehen. Und der Autor baut den Spruch des früheren deutschen Bundeskanzlers (1974 bis 1982) Helmut Schmidt (SPD, Sozialdemokratische Partei Deutschlands) in die Geschichte ein: „Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln, als eine Minute schießen.“

Das Bilderbuch lebt mindestens genauso stark von den großen bunten – oder auch beim Gegenteil, wenn’s um Krieg geht, düsteren – Bildern von Verena Wugeditsch. Vor allem die Stimmungen der Augen von Tochter und Vater beeindrucken sehr.

Auch wenn das Ziel war/ist, angesichts gerade des Kriegs in der Ukraine das rundum in Medien ständig präsenten Thema selbst für jüngste Kinder aufzubereiten, so ist der Erklärungsbogen vom Streit auf dem Spielplatz bis zum Krieg doch ein wenig zu grob gezeichnet.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Der Frieden ist ausgebrochen“
Szenenfoto aus "Herbstsonate" im Theater Spielraum

Heftiges Spiel um dramatische Mutter-Tochter-Beziehung

Eine große runde Scheibe schwebt im Hintergrund über dem Geschehen. Zwei gemalte f-Löcher (die Form der Schalllöcher von Streichinstrumenten) erinnern hier in ihrem Zusammenspiel entfernt vielleicht an ein Herz. Oder die Flügel eines Schmetterlings. Darunter begrenzen zwei gebogene Wände die kleine große Welt von Eva, ihrem nur fallweise in Erscheinung tretenden und doch präsenten Ehemann Viktor. Und vor allem Evas Mutter, Charlotte Andergast.

Letztere kommt – nach sieben Jahren erstmals – ihre Tochter besuchen. Und wie. Sie fährt glich mit einem riesigen Koffer, der gleichzeitig zum Bett und einer Art liegendern Telefonzelle wird (Bühne: Raoul Rettberg, Produktions-Assistenz: Alice Gonzalez-Martin) auf. Durchgestylt (Kostüme: Anna Pollack) ist die weltberühmte Konzertpianistin Andergast (Brigitte West) eine Erscheinung. Alles ist Bühne für sie. Die Tochter (Dana Proetsch) eher Statistin.

Erstmals hier ein Stück nach einem Film

Das Verhältnis zwischen den beiden ist das bestimmende Thema von „Herbstsonate“. Erstmals ist dies nun als Stück im Wiener Theater Spielraum zu erleben. Grundlage ist das literarische Drehbuch von Ingmar Bergman, dessen gleichnamiger Film vor 45 Jahren erstmals im Kino zu sehen war – es war der letzte Film, in dem Ingrid Bergman (Charlotte) spielte, in der Rolle ihrer Tochter Eva war Liv Ullmann zu sehen, die übrigens eine Zeitlang mit dem Filmregisseur verheiratet war.

Als Gerhard Werdeker, Co-Leiter des Theaters Spielraum (Wien-Neubau), den Film damals sah, „wusste ich, daraus will ich einmal ein Stück machen. Manche Idee brauchen Zeit für die Umsetzung. Und die richtigen Schauspieler:innen, in dem Fall vor allem für die Rolle der Charlotte“, verriet er am Rande einer der letzten Proben Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Es ist übrigens das erste Mal, dass dieses Theater ein Stück nach einem Film produziert. Ansonsten sind es vorhandene, oft ein wenig in Vergessenheit geratene, Theaterstücke oder literarische Texte, die die Basis für die Stücke hier bilden – praktisch immer mit einem auch in die Gegenwart reichenden wichtigen gesellschaftspolitischem oder gesellschaftlichem Thema. Hier nahm sich Werdeker, der das Stück inszenierte, übrigens die englische Übersetzung des Drehbuchs und das schwedische Original her, um daraus die viel getreuere Spielfassung als die vorhandene deutsche Übersetzung, zu schreiben.

Echte und gespielte Freude

Charlotte rauscht an nachdem ihr Lebensgefährte Leonardo gestorben ist. Die Tochter hat zwar Angst vor dem Zusammentreffen nach so langer Zeit, freut sich aber trotzdem. Freude auch bei der Mutter, aber nur gespielte. Gleichzeitig strahlt sie aus, dass ihr dieser Besuch lästig ist. Zuhören kann und will sie ohnehin schwer. Gibt es überhaupt jemanden außer ihr?

Sehr krass auch jene Szene relativ zu Beginn des Besuchs, in der Charlotte ihre Tochter bittet, am Klavier zu spielen. Während – aus dem Off – Frédéric Chopins Prélude Nr. 2 in a-moll ertönt, schafft es Brigitte West in der Rolle der Charlotte mit allerhand Grimassen mehr als überdeutlich zu signalisieren, wie ihr das Spiel der Tochter missfällt. Aber auch jede andere nur halbwegs bemüht nette Floskel konterkariert sie durch ihre Körpersprache und Mimik. Einfach arg, fast unerträglich spielt West das – wenngleich doch mit einer leichten Nuance von Distanzierung. Aber doch so heftig, dass sich insbesondere die Mitspielerin nach der gelungenen Hauptprobe, die der Journalist besuchen durfte, bemüßigt sah, zu versichern: „In Wahrheit ist die Brigitte wirklich eine ganz liebe Kollegin“. Und alle anderen – vom Regisseur bis zur Theater-Co-Leiterin Nicole Metzger, die in diesem Fall das – wie immer umfangreiche, hintergründige – Programmheft gestaltet hat, pflichteten ihr bei.

„Weiß nicht, was schlimmer war…“

Allein schon die Tatsache, dass Eva ihre Schwester Helena aus dem Behindertenheim nach Hause geholt hat, nervt die Mutter. Diese Tochter tritt übrigens immer nur indirekt – durch den leuchtenden Mond – das Licht (Tom Barcal) verwandelt den eingangs beschriebenen Kreis zu einem solchen sowie den Erzähler auf. Den verkörpert – ebenso wie Evas Ehemann Viktor -, Christian Kohlhofer.

Natürlich schaukelt sich die Situation auf. Nach und nach ringt sich Eva durch, zu sagen, wie sie als kleines Kind und später als Teenager die Mutter erlebt hat. In einer Szene sagt sie klipp und klar: „Ich weiß nicht, was schlimmer war: die Zeit, die du zu Hause warst und Ehefrau und Mutter gespielt hast oder die Zeit, wenn du auf Tournee warst.“

Zunehmend traut sich die Tochter die Mutter dafür anzuklagen, was sie erleiden musste – und dabei leidet sie die Ignoranz, die psychische Vernachlässigung nochmals durch, was Dana Proetsch insbesondere in einem der längeren Monologe auch definitiv spüren lässt.

Abhauen

Doch wirklich berühren lässt sich die Mutter davon nicht. Es wird ihr nur zunehmend unangenehm, so dass sie einfach früher wieder abhauen will. Dafür ruft sie ihren Agenten an, der möge doch ein Telegramm schicken, in dem ein gaaaanz wichtiger neuer Termin für die Pianistin anstehe. Und obwohl Eva offensichtlich dieses Telefonat unabsichtlich mitbekommt, fühlt sie sich am Ende schuldig, die Mutter vertrieben zu haben – fast das Drama eines begabten Kindes, wie es die populärwissenschaftliche Psychologin und Autorin Alice Miller immer wieder nannte, wenn Kinder zwanghaft unausgesprochen Wünsche ihrer Eltern (über-)erfüllen.

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"Störfall Kassandra" nach Christa Wolf in der Dunkelkammer im Volkstheater (Wien)

Wollen wir die Tatsachen nicht sehen?

Die Dunkelkammer des Volkstheaters ist vielleicht sogar der ideale Ort für die monologische Performance „Störfall Kassandra“. Nach den beiden gleichnamigen Bücher der widerständigen DDR-Schriftstellerin Christa Wolf hat Gitte Reppin den rund einstündigen Text des Abends kombiniert und verdichtet. Und sie rezitiert und spielt ihn auch. An manchen Stellen gespenstisch, beängstigend leider fast zeitlos.

Von radioaktiven Wolken und anderen Winden

Obwohl sich die Textstellen aus „Störfall“ historisch den katastrophalen Unfall im AKW Tschernobyl (26. April 1986, Ukraine, damals Teil der Sowjetunion) abarbeiten, lassen sie sich auch generelle Kritik daran lesen, dass Warnungen vor Gefahren für Menschen, jedwedes Leben und die Natur oftmals in den Wind geschlagen werden.

„Störfall Kassandra“ nach Christa Wolf in der Dunkelkammer im Volkstheater (Wien)

Und von „Winden“ und dem Transport radioaktiver Wolken durch diese schlägt der kombinierte Text die Brücke zu den Winden für die Segelschiffe der Griechen, die gegen Troja zogen. Und damit zu Kassandra, der blinden Frau mit der Gabe – durch Analyse der Gegenwart künftige Gefahren zu sehen. Der aber niemand glaubt.

„Kassandra, das ist kein Name, das ist eine Kampfansage, entschlossen, die Gemütlichkeit zu stören. Kassandra – das ist mein Kampfname, meinen anderen habe ich vergessen. Ich schrumpfe dahinter zusammen. Kassandra ist kein Mensch, Kassandra ist ein Programm. Kassandra zerstört auch mich. Mit jeder Prophezeiung zerstört sie mich.“

„Störfall Kassandra“ nach Christa Wolf in der Dunkelkammer im Volkstheater (Wien)

Dichte Texte

Im Zentrum eines Halbkreises aus vielen kleinen weißen Steinen – an den Seiten eng belegt, immer spärlicher werdend und schließlich nur mehr mit gedachter Schließung des Bogens (Raum: Jane Zandonai) – lässt die Schauspielerin (Regiemitarbeit: Barbara Seidl, Dramaturgie: Ulf Frötzschner) die Texte lebendig werden. Wenige, spärliche, dezent gesetzte Bewegungen, eingeblendete atmosphärische Bilder und Video-Sequenzen (Ulrike Schild) und eine „Verwandlung“ mit Umkleidung in einen goldglänzenden Overall sowie ebensolcher Schminke von Gesicht, Händen, Füßen und Haaren (Kostüm: Tina Prichenfried) unterstreichen lediglich das Gesagte, den dichten Text, der in diesem Fall eingebettet ist in einen fiktiven Dialog mit dem sterbenden Zwillingsbruder.

Mit-geteilt?!

Vielleicht eine – für viele – überraschende textliche, aber vor allem gedankliche Erkenntnis: Sowohl Atom als auch Individuum, ersteres aus dem Griechischen, das andere Wort lateinischen Ursprungs, bedeuten auf Deutsch unteil- oder wie es im Stücktext heißt „unspaltbar. Die diese Wörter erfanden, haben weder die Kernspaltung noch die Schizophrenie gekannt…“

Und nicht im Text, aber weitergesponnen: Was passiert eben, wenn Erkenntnisse nicht weiter (mit-)geteilt werden?!

„Störfall Kassandra“ nach Christa Wolf in der Dunkelkammer im Volkstheater (Wien)

Richtige Belichtung

Mahnung, Erkenntnisse von „Seher:innen“ und deren Warnungen vor fast schon mit Händen greifbaren auf die Menschheit und den Planeten zukommende Gefahren, eben nicht zu ignorieren. „Aus irgendwelchen Gründen steht der Glaube, dass es für alles und jedes eine technische Lösung gibt, immer wieder auf.“ Kommt das vielleicht bekannt vor?

Und der Text ist von globaler Betrachtung gekennzeichnet, so heißt es u.a.: „Das ist doch alles krank. Oder was muss noch passieren, als dass die Milch weggekippt wird, tausendliterweis, und man sich fürchten muss, mit den besonders gesunden Nahrungsmitteln die Kinder besonders schnell zu vergiften. Und auf der anderen Seite des Erdballs gehen die Kinder zugrunde, weil ihnen genau diese Nahrungsmittel fehlen.“

Und darum passt vielleicht auch die Dunkelkammer so gut: Erst mit der richtigen, wohldosierten Belichtung werden die – noch analog – fotografierten Bilder sichtbar.

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„Störfall Kassandra“ nach Christa Wolf in der Dunkelkammer im Volkstheater (Wien)
Die vier Interviewpartner:innen von KiJuKU

Von „zocken“ und „petzen“ über „Štrudle“ bis „Šekspir“

Dass „petzen“, „zocken“, „Knast“ und ein paar andere Wörter, die die meisten kannten/kennen aus dem Jiddischen stammen – verblüffte (nicht nur) die Jugendlichen, die am Tag der Muttersprache(n) in den Veranstaltungssaal der Volkshochschule Rudolfsheim-Fünfhaus im gleichnamigen Bezirk gekommen waren. Die Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klasse der nahe gelegenen Mittelschule Kauergasse brachten selber gut ein halbes Dutzend verschiedener Sprachen mit – neben denen, die sie in der Schule lernen.

Jiddisch – sowohl Sprache als auch Schrift und Kultur vermittelte Eidel, eine ehemalige Preisträgerin des mehrsprachigen Redewettbewerbs „SAG’S MULTI!“

Einen Tisch weiter führten Banan und Baraa, ebenfalls „SAG’S-MULTI!“-Preisträgerinnen, in die arabische Sprache und orientalische Kultur ein. Da war einiges manchen der Jugendlichen vertraut. Dass hier von rechts nach links geschrieben wird, wussten viele. Dass dies auch fürs Jiddisch gilt – und dieses wiederum eine andere Sprache wie Hebräisch ist, war hingegen für die meisten neu.

Schriften sammeln

Neben diesen beiden Schriften – in der einen schrieb vor allem Baraa die runden Schriftzeichen, bei Jiddisch versuchten die meisten Buchstaben für Buchstaben aus einer Tabelle zu finden, um den eigenen Vornamen selbst zu schreiben/zeichnen. Ähnliches erfolgte an der BKS-Station, wo mehrsprachige Redetalente mit bosnischem, kroatischem und serbischen Wurzeln die Gemeinsamkeiten sowie die – wenigen – Unterschiede dieser drei Sprachen vermittelten. Serbisch wird sowohl im lateinischen als auch im kyrillischen Alphabet geschrieben – und so versuchten alle ihre Namen in dieser Schrift auf ihre bunten Kärtchen zu malen. Daneben aber – und damit wurden praktisch alle Teilnehmer:innen wie andere Besucher:innen verblüfft, gibt es eine alte kroatische Schrift, genannt Glagoljica, die vor allem noch in kirchlichem Zusammenhang verwendet wird – und wieder ganz anders aussieht – mit vielen Rundungen.

Und so sammelten die Jugendlichen, die intensiv und aktiv stundenlang mit kaum einer Pause am Wissenserwerb dran blieben nach und nach ihre Vornamen in drei, vier, fünf verschiedenen Schriften. Manches versuchten sie selbst aus Tabellen abzumalen, anderes wurde ihnen von den Vermittlerinnen schön auf ihre bunten Kärtchen kalligrafiert. Sie tauchten ein in für sie teils neue Sprachen – und Schriften – ein, erfuhren ein bisschen über die Kulturen, nicht zuletzt Speisen – Naschsachen standen auf den Tischen – aus Italien, Ungarn, der Türkei und dazu den arabischen Sprachraum, jenen von BKS (Bosnisch, Kroatisch, Serbisch) sowie Jiddisch.

Verblüffendes

Ähnlich wie die Verblüffung beim jiddischen Ursprung der eingangs genannten Wörter war jene beispielsweise beim Aufdruck Štrudle auf einer Packung mit kleinen mit Marmelade gefüllten Strüdelchen in einer der Süßigkeiten-Packungen. Für noch viel mehr Staunen sorgte ein ganz spezieller Unterschied zwischen den BKS-Sprachen: Währen der vielleicht größte Theaterdichter aller Zeiten auf Kroatisch wie im englischen original William Shakespeare geschrieben wird, wirkt das Schriftbild auf Bosnisch und Serbisch sehr gewöhnungsbedürftig: Vilijam Šekspir – doch für alle, die die Sprachen wenigstens ein bisschen kennen ist’s sozusagen einfach die Lautschrift, wie der Name eben ausgesprochen wird 😉

Vielsprachig

Als Vermittlerinnen – es waren tatsächlich ausschließlich junge Frauen – traten ehemalige Preisträgerinnen des mehrsprachigen Redewettbewerbs „SAG’S MULTI!“ in Aktion. Der Alumni-Club der mehrsprachigen Redetalente organisierte diesen Vormittag und noch dazu einen Abend mit einem eigenen Theaterstück. Die schon oben erwähnte Banan etwa kann übrigens ganze sieben (7!) Sprachen – Arabisch, Türkisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Latein, spielt Gitarre, Klavier, Ukulele – und Theater.

Vier, die an diesem Vormittag eine der intensiven Arbeitsgruppen gebildet haben waren Kevser, Medine, Irem und Rohat. Neben Deutsch beherrschen sie noch Türkisch, Kurdisch und Englisch. Und „obwohl wir aus unserer Klasse (3C) und der Schule schon viel über andere Sprachen und Kulturen wissen, haben wir hier heute doch noch einiges neues gelernt. Besonders war auch, dass hier sehr viel Wert auf Mehrsprachigkeit gelegt worden ist und es gut und wichtig ist, wenn es viele verschiedene Sprachen und Kulturen gibt, alle gleich viel Wert sind und keine diskriminiert werden soll.“

Hintergrund

Seit fast einem Viertel-Jahrhundert wird der Tag der Muttersprachen begangen – ausgerufen von der UNESCO, der Bildungsorganisation der Vereinten Nationen. Warum am 21. Februar?
An diesem Tag im Jahr 1952 protestierte die Bevölkerung der pakistanischen Provinz Bengalen gegen die Einführung von Urdu als Amtssprache. Das in der Bevölkerung weit verbreitete Bengali sollte hingegen zurückgedrängt werden. Fast 20 Jahre später wurde Ost-Bengalen als Bangladesch unabhängig und führte Bengali als Amtssprache ein.

Übrigens ist nach Untersuchungen der UNESCO fast die Hälfte der mehr als 6.500 Sprachen auf der Welt vom Aussterben bedroht. Die Mehrheit dieser bedrohten Sprachen wird von indigenen Völkern verwendet, von denen sich viele auch mit der Bedrohung ihres eigenen Lebensraumes konfrontiert sehen.

Vortragsschwerpunkt in Wien

Wie ein fortschrittlicher Umgang mit Mehrsprachigkeit aussehen kann – damit setzt sich auch eine Vortragsreihe der Stadt Wien auseinander. Begonnen wurde damit ebenfalls an diesem internationalen Tag rund um die 14 Thesen aus dem Buch „Fokus Mehrsprachigkeit“ – siehe dazu auch link hier unten

Die Stadt Wien bietet diverse mehrsprachige Angebote an. So helfen etwa Erklär-Videos in unterschiedlichen Sprachen Neuzugewanderten bei ihrem Start in Wien, Videodolmetsch erleichtert die Kommunikation mit Behörden und muttersprachliche Lesepat:innen unterstützen Kinder beim Lesen in der Erstsprache. Auch die Dialogreihe mit den Communities „Dein Wien. Deine Stadt“ befasst sich dieses Jahr mit der Frage der Mehrsprachigkeit – siehe Info-Box.

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Vielfältige Stadt, Mehrsprachigkeit Vor- und nicht Nachteil

Vizebürgermeister und Integrationsstadtrat Christoph Wiederkehr ließ anlässlich des Muttersprachen-Tages aussenden: „Wien ist eine vielfältige Stadt, immerhin leben hier Menschen aus rund 180 Nationen. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in unserer Gesellschaft wider, so sprechen etwa über 50 % der Schüler*innen in Wien zwei Sprachen oder mehr. Natürlich ist es von zentraler Bedeutung, Deutsch zu lernen, wenn man in Österreich lebt und hier aufwächst. Es ist jedoch auch wichtig, Mehrsprachigkeit als Ressource anzuerkennen und zu fördern. Mehrsprachig aufzuwachsen muss eine Chance und kein Hindernis sein, um in der weiteren Bildungslaufbahn erfolgreich zu sein.“

Kemal Boztepe, stellvertretender Leiter der Abteilung Integration und Diversität der Stadt Wien, stellte fest: „Deutsch zu können bzw. Deutsch zu lernen steht nicht in Widerspruch zum Beherrschen der Muttersprache, wie es oft missverständlich debattiert wird. Es ist evident, dass Mehrsprachigkeit nie ein Nachteil sein kann. Mehrsprachigkeit ist ein wichtiges Kapital, dieses ungenutzt zu lassen, käme einer Ressourcen-Vergeudung nahe. Mit zahlreichen Projekten versucht die Abteilung Integration und Diversität daher dieses Potenzial in den Vordergrund zu rücken.“

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Die Tiere aus "Die Villa Federfell"

Ob Feder oder Fell – wir alle sind das Waldhaus

Schon der Name des Hauses ist Programm: „Die Villa Federfell“, das neuestes Stück im Figurentheater Lilarum (Wien-Landstraße) beheimatet Bär, Fuchs, Katze, Maus, Eule, Eichhörnchen und ein kleines gelbes Vogerl. Egal ob Fell oder Federn: Wir alle sind der Wald, oder wenigstens die Bewohner:innen dieses ungewöhnlichen Baumhauses. Und das obwohl in freier Natur manche davon andere eher sprichwörtlich zum Fressen gern hätten.

Das Vogerl aus dem Figurentheaterstück
Kleines Vögelchen, großes Herz …

Wenig Streitereien

Viel mehr als ein wenig Streitereien zwischen Katze und Maus stört das friedliche Zusammenleben nicht. Und das auch nur, weil erstere meint, das kleine Nagetier aus der Nachbars-Wohnhöhle hätte sich bei ihr in der Vorratskammer bedient. Dabei hält die Maus der Katze vor, dass diese dort ja gar nichts von ihrer Lieblingsspeise – Käse – eingelagert habe.

Die Katze aus dem Figurentheaterstück
Katze lebt sogar mit Maus und Vögeln gut zusammen …

Das Lilarum produziert seit mehr als 40 Jahren künstlerisch anspruchsvolles Figurentheater vor allem für junge und jüngste Kinder. Sowohl vom Puppenspiel – diesmal wie meistens: Paula Belická, Carlos Delgado-Betancourt, Silence Conrad, Jo Demian Proksch, Evgenia Stavropoulou-Traska – als auch von den eigens für jedes Stück produzierten Figuren und Kulissen (Andrea Gergely) – bis hin zur voraufgenommenen und dann eingespielten Musik (Klemens Lendl & David Müller – Die Strottern) sowie den Schauspielstimmen – diesmal: Anna Böck, Theresa Eipeldauer, Annette Holzmann, Sven Kaschte, Karl Ferdinand Kratzl, Laura Laufenberg, Martin Schwab, Christian Strasser legt das Theater Wert auf künstlerische Qualität. Und vermittelt dennoch (pädagogische) Botschaften – siehe oben.

Ein Haus, hinter dem sich einiges versteckt

Für „Die Villa Federfell“ beauftragte das Lilarum den freischaffenden Figurenspieler, Erfinder fantasievoller Geschichten Christoph Bochdansky, ein Stück zu schreiben. Sein Ausgangspunkt – so erzählt er im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – „war das Bild von einem Haus, das von außen wie ein solches ausschaut, sich dahinter aber öffnet zu einer Waldlandschaft, in der eben die unterschiedlichsten auch gegensätzlichen Tiere gut zusammenleben – stellvertretend für die Gesellschaft.“ Bochdansky spielt übrigens demnächst erst im Theater Hamakom, dann im Schubert Theater ein eigenes fantasievolles Waldstück – „Der Wald von dem wir träumen – Ein Traumspiel über wirre und vernünftige Welten“.

Fürchterliche Gewitterwolke

Und weil’s dramaturgisch mehr braucht als den oben beschriebenen Streit zwischen Katze und Maus und ein paar anderen wie der strengen Eule, die drauf schaut, ob das Eichhörnchen schon seine Rechen-Hausübung gemacht hat, braut sich am Himmel eine furchtbar dicke, schwere Gewitterwolke zusammen. Die könnte das Baumhaus – das von vorne eine wahre Hausfassade hat – gefährden. Das kleine gelbe Vogerl wird auserkoren, mit der Wolke zu verhandeln. Dazwischen trifft es – hochgetragen von einer kleinen, sanften Wolke – auf ziemlich grantige Wolken. Die sind auch grausam: Verschwind, du bist nicht von hier schreien sie aufs Vogerl „häusl“-mäßig ein.

Kleines Herz, großer Mut – obwohl’s auch die Gewitterwolke gar fürchterlich zwickt und sie gern das viele Wasser loswerden will, lässt sie sich dazu bewegen, erst über See abzuregnen.

„Wir wollten dieses Mal auch die Höhe der Bühne ausnutzen. Darum spielt sich einiges oben bei der Gewitterwolke ab“, so Paul Kossatz, Lilarum-Leiter, der schon als junger Jugendlicher (ab 12 Jahren) selber als Puppenspieler Figuren bewegt hat. Und er verrät, wie die Puppenspieler:innen da auch hinauf kommen. Hinter der Bühne ist in dem Fall eine Tribüne aufgebaut, auf der sie in der Höhe agieren.

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Bildmontage aus einem Standbild des Animationsfilms und einem Bild aus der Graphic Novel "Wo ist Anne Frank"

Kitty aus Annes Tagebuch wird lebendig und eigenständig

Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den bekanntesten Büchern der Welt, es ist in mehr als 70 Sprachen übersetzt worden. Die Aufzeichnungen stammen von der 13- bis 15-jährigen Annelies Marie Frank. Den Großteil hat sie zwischen Juli 1942 und August 1944 geschrieben als sie mit ihrer Schwester, den Eltern und einer weiteren Familie in einer geheimen Wohnung im Hinterhaus des Büros ihres Vaters auf engstem Raum und tagsüber ganz, ganz leise leben musste. Dort konnten sie sich vor der (Juden-)Verfolgung durch die Faschisten, die auch die Niederlande besetzt hatten, verstecken.

Aus der Graphic Novel
Aus der Graphic Novel „Wo ist Anne Frank“

In so manchen Tagebucheintragungen schildert sie die schrittweise Diskriminierung, Ausgrenzung, Verfolgung, das Untertauchen, den Weltkrieg. Vor allem aber beschreibt sie das Leben unter solch beengten Verhältnissen, ihre Gefühle, auch die Wickel mit ihrer Mutter sowie erste Verliebtheit, die sich zwischen ihr und Peter, dem Sohn der anderen Familie entwickelte. Und das alles auf hohem literarischem Niveau.

Titelseite der Graphic Novel
Aus der Graphic Novel „Wo ist Anne Frank“

Einen Teil selbst überarbeitet

Wobei Anne wie sie sich lieber nannte einen Teil der Tagebucheintragungen nochmals überarbeitet hat, nachdem sie im Radio die Ansprache des niederländischen Ministers Gerrit Bolkestein aus dem Exil in London gehört hatte. Er hatte seine Landsleute aufgefordert, Briefe, Tagebücher und anderes zu sammeln und aufzuheben, um nach einem hoffentlich baldigen Kriegsende den schrecklichen Alltag dieser Zeit dokumentieren zu können.

Anne hatte von Beginn an sich vorgestellt, das Tagebuch wäre eine sehr enge Freundin, der sie alles anvertrauen könne. Und sie nannte es Kitty – so hätte sie gern geheißen, schreibt sie in einem Eintrag. In anderen beschreibt sie, wie diese Kitty aussieht und ihre Persönlichkeit.

Kitty live

Das inspirierte Ari Folman, der schon zuvor möglichst nah am Original Annes Tagebuch in eine graphische Erzählung gepackt hatte, zu der Idee, diese Kitty zum Leben zu erwecken, sie in der Gegenwart aus dem Buch entsteigen zu lassen. In der Zusammenarbeit mit Lena Guberman wurde daraus die Graphic Novel „Wo ist Anne Frank“ – und die sozusagen „nur“ begleitend zum Animationsfilm. Für den lieferten Künstler:innen aus 15 verschiedenen Ländern die rund 159.000 einzelnen Zeichnungen, die zu den bewegten – und bewegenden – Bildern wurden. Der Film ist das Ergebnis einer umfangreichen rund zehnjährigen intensiven Arbeit – sehr getreu am Tagebuch der viel zu früh in einem KZ zu Tode gekommenen jungen, vielleicht jüngsten weltbekannten Schriftstellerin. Und dennoch mit den in Anne Franks Sinn ausgedachten Szenen und Gedanken ihres sozusagen zweiten Ichs, Kitty. Und auch in ihrem Geist hergestellten Bezüge zu Kindern und Jugendlichen, die heute verfolgt werden.

Im Anne-Frank-Haus – das einstige Versteck ist seit Jahrzehnten ein Museum, in dem u.a. das Original-Tagebuch liegt -, ist sie für alle anderen unsichtbar. Doch das wird ihr zu eng, sie flüchtet auf die Straße, vor allem sucht sie nach Anne. Die ist ja nicht mehr im Haus – und im Tagebuch kann Kitty natürlich nicht finden, was mit ihr nach der Verhaftung der beiden Familien im Hinterhaus passiert ist.

In die Stadt trifft Kitty nicht zuletzt auf Menschen, die in der Jetztzeit verfolgt werden, flüchten mussten, unter anderem aus Ländern in denen Krieg herrscht. Vor allem mit Awa, einem jüngeren Mädchen, ist sofort eine tiefe Verbindung da.

Hin und her „reisen“

Immer wieder switcht die Geschichte zurück ins Tagebuch, aus dem dann auch Anne selbst lebendig wird und mit Kitty spricht, ihr Herz ausschüttet. In einer Szene beginnt Kitty mit ihrer Erfinderin zu streiten, warum Anne ihr rote Haare ausgedacht hat und überhaupt habe sie das Gefühl, sie sei nicht so schön wie ihre (Be-)Schreiberin.

Und dann switcht Kitty wieder in die Jetztzeit. Lange Zeit weiß sie übrigens nicht, dass Anne wie ihre Schwester Margot und die Mutter Edith im Konzentrationslager Bergen-Belsen ums Leben gekommen ist. Das konnte ja nicht im Tagebuch stehen, das bei der Festnahme der Versteckten durch die Nazis im Hinterhaus übrig geblieben ist und von einer Helferinnen, Miep Gies gerettet werden konnte.

In die Gegenwart holen und Brücken schlagen

Zum einen wollte Ari Folman wie er im Nachwort zu dieser Graphic Novel schreibt, die Geschichte von Anne Frank sowie des Holocaust, der systematischen Verfolgung von Jüd:innen durch die Nazis, der 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche zum Opfer gefallen sind, in die Gegenwart holen. Und gleichzeitig auch die Brücke schlagen zu Menschen, die heute verfolgt werden, flüchten müssen – und immer wieder auch in den scheinbar sicheren Ländern gar nicht sicher sind, sondern nicht selten auch wieder abgeschoben werden. Dafür lassen sich Buch und Film einen besonderen dramaturgischen Kniff einfallen: Kitty stiehlt das Original-Tagebuch und droht: Entweder Awa und die anderen dürfen bleiben oder sie werde das Tagebuch vernichten, denn, so sagt Kitty: „Anne hat das Tagebuch nicht geschrieben, damit ihr sie verehrt oder Brücken, Theater, Schulen und Krankenhäuser nach ihr benennt. Nein, die einzelnen Seiten sind nicht wichtig. Wichtig ist die Botschaft an Millionen von Kindern, die das Tagebuch lesen: tut was ihr könnt, um eine einzige Seele vor Unheil zu bewahren. Schon eine einzige Seele, eine einzige Kinderseele ist so viel wert wie ein ganzes Leben!“

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Doppelseite aus dem Taschenbuch "133 spannende Quizfragen für schlaue Grundschulkinder"

133 Quizfragen – nicht nur für Kinder

Entsteht Popcorn aus Reis, Mais oder Bohnen? Kam der erste Mensch im Weltraum aus den USA, Russland oder China? Ernährt sich der Blauwal von Fisch, Plankton oder Muscheln? Diese – und 130 weitere Quizfragen, die manchmal auch für Menschen nach dem Grundschulalter ein wenig kniffelig sein könn(t)en versammelt dieses handliche Taschenbuch aus dem Duden-Verlag. Rund die Hälfte der 133 Seiten ist den – teils auch grafisch aufgelockerten Fragen gewidmet, die andere den Lösungen.

(Fast) jede und jeder kann bei den 133 Fragen – und deren Lösungen – auch das eine oder andere bisher noch nicht gekanntes Wissen sammeln – in den Bereichen Allgemeinwissen, Mathe, Deutsch, Sport, Kunst und Musik.

Notrufnummern – nur für Deutschland

Kleines Manko: Das Buch ist bei manchen Fragen zu sehr auf Deutschland konzentriert, da hätte sich ein Blick über den Tellerrand der Landesgrenzen hinaus auf andere deutschsprachige Länder angeboten, etwa bei der Frage nach der Notrufnummer für die Feuerwehr, denn 112 (was übrigens durchaus auch der europäische Notruf ist) ist sie nur in Deutschland, in Österreich: 133 und in der Schweiz: 118.

Unterschiedliche Angaben über Kontinent-Zahlen

Und bei der Anzahl der Kontinente hätte die Redaktion durchaus drauf schauen können, dass nicht einmal die Zahl von fünf (Afrika, Amerika, Asien, Australien und Europa), und ein anderes Mal jene von sieben (da werden Nord- und Südamerika als zwei Erdteile gezählt und dazu die Antarktis) verwendet wird; und vielleicht auch noch gleich die anderen gängigen Rechnungen wie beispielsweise auch nur vier (Antarktis, Amerika, Eurasien, Ozeanien) genannt werden.

80 oder nicht

Und bei der Anzahl der Buchstaben des längsten Alphabets nennt die Antwort auf die Frage 21 das thailändische mit 80 Buchstaben, Wikipedia kennt 48 Konsonanten und 16 Vokal-Zeichen, andere Websiten kommen auf höchstens 72 und nennt das damit verwandte Khmer-Alphabet mit 74 als das längste. Also Frage an eine Fachkraft mit Thailändisch als Erstsprache, eine Person, die in Wien diese Sprache auch lehrt und hier Antwort: von Thankon Tiwawong „Es gibt 44 Konsonanten und 32 Vokalen. Zusammen sind es 76. Wir haben noch 4 Tonzeichen. Zusammen sind es dann 80. So sind die Buchstaben 80 nach der Berechnung von Duden. Unter Thai-Linguist:innen gibt es immer noch Diskussionen, wie viele Vokale es gibt. Manche Vokale sind veraltet und nicht mehr im alltäglichen Gebrauch. Manche sind auch die Kombination zwischen mehreren Vokalen“, so der Interkulturelle Trainer, Dolmetscher und staatlich geprüfte Fremdenführer in Österreich auf die Frage des Journalisten. Außerdem verweist Thankon Tiwaong, der unter anderem an der VHS-Brigittenau diese Sprache lehrt, darauf, dass das Alphabet auf Deutsch gar keine Tonzeichen kennt. „Deswegen kommt es darauf an wie man das Alphabet definiert. Meist sagen wir, dass es 44 Buchstaben auf Thailändisch gibt, was ja auch stimmt, wenn man nur die Konsonanten berechnet. Es sind einfach zwei verschiedene Sprachsysteme.“

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Titelseite des Taschenbuchs
Titelseite des Taschenbuchs „133 spannende Quizfragen für schlaue Grundschulkinder“
Szenenfoto aus 1/01/-Robots von "manufaktor" BErlin

Kann KI helfen, Utopien zu verwirklichen?

Fahrende Roboter, die immer umfallen, wenn sie die Balance verlieren, die aber aufeinander reagieren und immer wieder gemeinsam fast tänzerische Choreografien ausführen – das war teilweise in dem dokumentarischen Film 1/0/1 von „manufaktor“ aus Berlin zu sehen, der im Rahmen des Future Lab-Festivals im Wiener Schuberttheater über die Leinwand flimmerte.

Wege zu einer besseren Welt?

Als Mittelding aus Live- und Streaming-Performance hatten die Figurentheater-Künstler:innen aus der deutschen Hauptstadt in einem zweieinhalbjährigen Prozess das Zusammenspiel von Menschen und Robotern erarbeitet. Aber nicht nur das, ihnen ging’s/geht’s – wie sie in im Film eingebauten Interviews und einem anschließenden Online-Video-Talk erzählten – auch darum im Theater und der Gesellschaft herr-schende Normen zu hinterfragen, „auszuhebeln“ in Richtung einer vorurteils- und hierarchiefreien Gesellschaft. Dazu arbeiten die Künstler:innen selbst immer kollektiv – was mitunter auch mühsam sei, aber den eigenen Zielen, Utopien eben durch viel Kommunikation, Ausdiskutieren usw. näher komme.

Szenenfoto aus 1/01/-Robots von
Szenenfoto aus 1/0/1 – Robots von „manufaktor“ Berlin

„Utopie-Maschine“ nennen sie ihre Bühne, den Auftrittsraum für Roboter und Menschen, die teils robotermäßig android-artig kostümiert sind. In Künstlicher Intelligenz zeige sich immer wieder ein sogenannter Bias – u.a. Diskriminierung nicht-weißer Menschen, weil hauptsächlich von weißen Cis-Männern programmiert ;(

Virtuelle Rundgänge im digitalen Museum

Das Schuberttheater selbst experimentiert auch schon länger mit dem Zusammenspiel von analog und digital und lädt unter anderem zu virtuellen Rundgängen – mit vor Ort ausleihbaren VR-Brillen – im digitalen Puppenmuseum ein. Für dies aktuelle Ausgabe des Zukunfts-Labors wurde dafür ein eigener, zusätzlicher Raum geschaffen, z. B. „Insight:Aaron Swartz”. Der viel zu früh verstorbene (1986 – 2013) US-amerikanische Programmierer oft auch als Hacktivist bezeichnet, verstand das Internet als eine demokratische Plattform und war auch federführend mitbeteiligt an der Entwicklung von Creative Commons, nicht profitorientierter Gemeinschafts-Urheberrechten.

Im Rahmen des Festivals noch zu sehen sind „Blade Runner – Das Märchen Mensch“, ein hauseigenes Figurentheater das von dem gleichnamigen (ersten Teil des Stücktitels) Roman und Filmklassiker ausgeht – Link zu einer Stückbesprechung auf dieser Homepage weiter unten. Außerdem noch zu erleben die VR-Installation „Echtzeitkunstwelt“ und ein VR-Circus sowie vor Ort die Museumsführung mit VR-Brille  und die Puppenserie „En Würstelstand auf Weltreise“ – siehe Infobox.

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Szenenfoto aus "Frau Zucke will die Weltherrschaft" im Theater der Jugend, Wien

Wenn niemand dem wachen, energiegeladenen Mädchen glaubt…

Schwungvoll Rad schlagend entert Ursula Anna Baumgartner als Meg die Bühne. Der erste Auftritt, eher -sprung kraftvoll, energie-geladen. Und die hält sie die knapp mehr als zwei Stunden (eine Pause) auch durch. Und damit DEN Kern der Geschichte, der sich um Energie dreht.

Mit ebenso viel Power beginnt sie die arge Geschichte zu erzählen – im Schnellst-Sprech beginnt sie dem Publikum zu erzählen. „Mit wem redest du da?!“, schimpft die Mutter. Zweites Kernproblem angesprochen: Selbst die eigenen Eltern glauben der Tochter nicht, wenn sie ihr überhaupt zuhören.

Die Grundstory

Die böse Frau Zucker (sehr lustvoll gespielt von Isabel Weiken) hasst Kinder, „kocht“ sie aber mit Süßspeisen ein, so dass vernachlässigte Kinder gern diese Nachbarin aufsuchen. Und diese Person hat DIE Idee schlechthin, ein großes Problem der Welt(wirtschaft) zu lösen: Energie. Beides verbindet sie: Kinder haben – vielen Erwachsenen zufolge – zu viel davon. Die Welt(wirtschaft) zu wenig.

Die Kinderhasserin hat in Frau Dr. Giftig jene Wissenschafterin gefunden, die das Problem löst: In einer Art Duschkabine wird Kindern Energie abgesaugt. Dabei sterben diese nicht, sie werden „nur“ zu antriebs- und empathielosen Erwachsenen. So weit der Kern der Story – sehr frei nach „Hänsel und Gretel“ der Gebrüder Grimm – des 2011 in Berlin uraufgeführten Musicals, das nun im großen Haus des Wiener Theaters der Jugend seine vielumjubelte Österreich-Premiere feierte, aktuell angefeuert durch die seit einem Jahr massive Energie(preis)-Krise.

Einzige Seherin

Meg – von Margarete, sprich Gretel – leidet nicht nur daran, dass sie alles sieht, erkennt und ihr die Eltern (sehr glaubhaft Kathrin Hanak und Frank Engelhardt) nicht glauben. Selbst die anderen Kinder – Hansi (wunderbar tollpatschig und ignorant gespielt von Markus Törk) und Tinchen, die erstes Opfer der Verwandlung wird (sowohl als Kind als auch dann als Erwachsene: Beate Korntner) – scheinen nicht mitzukriegen, was da abläuft. Meg sozusagen als eine Art Kassandra (dazu übrigens eine wunderbare Inszenierung von Christa Wolfs Text im nahegelegenen Volkstheater/Dunkelkammer). Oder sie wollen’s nicht wahrhaben, ist Frau Zucker doch viel liebevoller zu ihm als er’s von seinem schlagenden Elternhaus gewohnt ist.

Weil sie niemand mitspielen ließ

Im weiteren Verlauf der Geschichte stellt sich heraus, dass Tinchen nicht wirklich das erste Opfer ist, schon davor wurde aus Kevin Zuckers und Doktorin Giftigs Helfer Herr Braasch (Uwe Achilles), der hin und wieder auch in seine Kinderrolle zurückfindet – vor allem als es Meg gelingt, die Tabletten, die fürs Vergessen zuständig sind, gegen einfache Zuckerln auszutauschen. Die Wissenschafterin Giftig, die ihren eigenen Hass auf Kinder damit speist, dass sie als hochbegabte Zehnjährige nie mitspielen durfte, wird übrigens gekonnt bitterböse von jener Nadine Aßmann gespielt, die sie schon vor mehr als zwölf Jahren die zu schnell erwachsen Gewordene verkörpert hatte.

Bleiben noch zu nennen: Martina Dorothea Sommersguter als Darstellerin der schlappen, überforderten, depressiven Mutter von Tinchen sowie Simon Stockinger als Pauli, „Babysitter“ von Meg, der als einziger ansatzweise an deren Geschichte glaubt, auch wenn er sie bei der Begrüßung stets despektierlich „Kröte“ nennt und sie ihm eher lästig zu sein scheint. Und der eine affärenartige Szene mit Megs Mutter Tessa kriegt – die vor allem fürs erwachsene Publikum gedacht ist. Aber wie alle Figuren – außer den Gegenspielerinnen Meg und Zucker – erlebt auch er eine Entwicklung zum Positiven. Wenngleich das Ende kein glattes „happy“ ist.

Raus aus den Rollen, rein ins Tanzen und Singen

Immer wieder treten die Protagonist:innen kurzfristig aus ihren Rollen heraus um mitreißend in gemeinsamen Choreografien auf den mehreren Ebenen der Bühne (Ausstattung: Daria Kornysheva) die mehr als ein Dutzend Songs (Musik: Wolfgang Böhmer, Leitung Orchesteraufnahme: Gerald Schuller, musikalische Einstudierung: Ursula Wögerer, Choreo: Nina Tatzber) zu singen und tanzen. Wofür es praktisch nach jeder Nummer Szenen-Applaus gibt – leider selbst beim inbrünstigen Kinderhasser-Song.

Gedankenblitz

Peter Lund, der sich die Geschichte ausgedacht hat und sie in Berlin an der Uni der Künste, wo er lehrt, mit Absolvent:innen gemeinsam entwickelte, hat auch in Wien Regie geführt. Ausgangspunkt für seine Geschichte sei wie er rund um die Premiere Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… erzählt „tatsächlich dieser Gedankenblitz gewesen: Kinder haben so viel Energie und die Welt hat ein Problem mit Energie. Da waren wir damals schon sehr prophetisch.“ Im Stück lässt er Meg sagen: „In jedem Kind steckt so viel Energie wie in 400 Millionen Tonnen Roh-Öl.“

Kleine kritische Anmerkung: Im Gegensatz zur Berliner Version lässt er in der Wiener Inszenierung leider mehrmals bei Frau Zucker die Anspielung „Hexe“ einbauen. Womit wieder einmal die weisen, starken, verfolgten Frauen diskreditiert werden. Was ihm eigentlich gar nicht entspricht, war doch sein erstes Musical (1991) „Hexen“, das diese alles andere als böse sieht.

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Sie lesen viel - nicht nur dieses Buch ;)

Kinder reisten gedanklich mit Thomas Brezina durchs Rätseltor

Sechs Stapel des neuesten Werks von Thomas Brezina lagen auf dem Tisch. So viele „Bunte Hände – Geschichten über das Zusammenfinden“ warteten darauf am Ende der Stunde an jedes einzelne Kind der vierten Klassen der Volksschule Kleistgasse verteilt zu werden. Davor aber lud der Autor die Kinder ein, in die vierte der Geschichten dieses Buches einzutauchen, sich in eines der vier Tiere von „Im Turnsaal steht ein Rätseltor“ hineinzuversetzen, mitzudenken und -rätseln, wie Pinguin, Tiger, Pony und Adler die vier Schlüssel finden, um das Rätseltor wieder aufsperren zu können. Dazu verwendete er vergrößerte, folierte Bilder aus dem Buch, gezeichnet von Anna-Mariya Rakhmankina.

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Jung-Thomas

Bevor der bekannte Viel- und Schnellschreiber – rund 600 Bücher hat er schon veröffentlicht – die Kinder zum Mitmachen einlud, gestand er, zwar ein guter Schüler aber zwei Schwachpunkte gehabt zu haben: Turnen und Deutsch. Aber mit ungefähr neun Jahren habe er seine erste Geschichte „Die Maus auf dem Jupiter“ geschrieben – rund 30 Seiten mit der Hand, zwar mit Rechtschreib- und Beistrichfehlern, aber eben mit der Lust zu schreiben, sich Geschichten auszudenken. Und damit beschenkt er Tausende von Kindern.

Happy Birthday…

Er selbst wurde an diesem Tag allerdings zunächst selbst beschenkt: Chantal Ikechukwu und Toni Morić entrollten ein langes Plakat mit bunten Buchstaben. Nach und nach wurde der Schriftzug „Happy Birthday“ sichtbar und alle stimmten das gleichnamige Lied an. Brezina hatte kürzlich seinen 60. Geburtstag: „Ich hab viele Glückwünsche bekommen, aber das ist eindeutig der allerlängste“, freute sich der Jubilar sichtlich. Obendrein überreichte ihm Direktorin Elke Zach noch eine Schoko-glasierte Torte – nicht mit 60 Kerzen, aber einer sprühenden.

Zusammenfinden

Die festliche, interaktive Vorstellung dieses Buches, das neben der genannten Rätselgeschichte vor allem drei Episoden aus schulischem Alltag beinhaltet, in denen es ums Zusammenfinden von alteingesessenen und neu zugewanderten Kinder geht – Link zu einer Besprechung des Buches am Ende dieses Beitrages -, fand auf Einladung der Initiative Zusammen:Österreich des Integrationsfonds (ÖIF) statt. Für letzteren organisiert federführend Fitore Morina viele Schulbesuche – meist ab der fünften Schulstufe – mit Integrations-Botschafter:innen. Dabei handelt es sich um – sehr häufig junge – Menschen, die selbst mit mehreren Sprachen und Kulturen aufgewachsen sind, nicht selten auch Fluchterfahrung haben. Es geht darum, Mehrsprachigkeit als Schatz zu begreifen, aber auch über Diskriminierung, Zurücksetzung, Verletzungen daraus zu reden, sprich Integration als einen Prozess aller Beteiligten zu besprechen und begreifen.

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Doppelseite aus dem bibilderten Buch "Bunte Hände - Geschichten über das Zusammenfinden"

Puppe & Dino und ein Rätseltor sowie gemeinsam kochen ergeben „Bunte Hände“

Neue Kinder in der Klasse. Solche für die Deutsch völlig neu und fremd, mitunter sogar die dritte oder vierte Sprache ist. Die noch dazu mit schweren unsichtbaren Rucksäcken gekommen sind, weil sie vielleicht Krieg erlebt, Verwandte und Freund:innen verloren oder zumindestens verlassen musste und nur ganz wenig mitnehmen konnten. Zwar in Sicherheit, aber nicht immer auch nur nett und freundlich aufgenommen – Sorgen, Nöte, Ängste…

Vielleicht kommt’s sogar zu Missverständnissen beim Versuch von Kindern sich an die neuen Mitschüler:innen in der Klasse anzunähern.

Das sind die Hintergründe für einige der Geschichten in „Bunte Hände – Geschichten über das Zusammenfinden“ des bekannten Viel- und Schnellschreibers Thomas Brezina. In der ersten Geschichte, die letztlich auch zum Titel des ganzen rund 170-seitigen Buches wurde, ist der Ausgangspunkt ein Klassenchor. Das Lied, das sich die Lehrerin ausgedacht hat, finden viele Kinder fad. Langweilig finden viele auch ihre neuen Mitschüler:innen Anastasia und Nazar. Natürlich gibt’s einen Wendepunkt – beim gemeinsamen Malen – und wie? Na, das legt schon der Titel nahe.

Der Autor stellte sein jüngstes Buch – von rund 600 Werken – küzrlich in einer Wiener Volksschule vor, wo er die Schüler:innen der 4. Klasse zum Mitdenken und -machen bei einer der Geschichten einlud. Zum Bericht über diese Aktion in der VS Kleistgasse (Wien-Landstraße) geht es hier im Link unten.

Nicht immer eine glatte Sache

Streits und sogar Raufereien sind der Ausgangspunkt für Direktor Grübchen in der zweiten Geschichte. „Das Kochfest“ lässt auch schon erahnen, was sich der Schulleiter für einen wichtigen Schritt zum Miteinander überlegt hat.

In der dritten Geschichte haben Samira einer- und Tim andererseits jeweils ein Geheimnis vor allen (anderen) Kindern in der Klasse. Nur du als Leserin/Leser kennst Basima und Rexi, die Puppe und den plüschigen Saurier von Anfang an. Auch da ist die Annäherung keine glatte, einfache Sache. Wie in Wirklichkeit – und für eine Geschichte braucht’s erst recht einen Spannungsbogen.

Doppelseite aus dem bibilderten Buch
Doppelseite aus dem bibilderten Buch „Bunte Hände – Geschichten über das Zusammenfinden“

Krimi-artig

Die vierte Geschichte geht das Über-Thema wenige offensichtlich an und erinnert stärker noch fast an Brezinas mitunter sehr fantasievolle Krimis. In „Im Turnsaal steht ein Rätseltor“ wirst du selbst in die Story reingezogen, triffst auf einen Adler, ein Pony, einen Tiger und einen Pinguin. Immer wieder bittet der Autor die Leser:innen, sich mal in die Rolle des einen, dann eines der anderen Tiere hineinzudenken und fühlen. Und es geht letztlich darum, vier verschiedene – auf der Welt verstreute – Schlüssel zu finden, um das zugefallene Tor wieder von innen öffnen zu können.

Bunt illustriert sind die vier unterschiedlichen Geschichten alle von Anna-Mariya Rakhmankina, die als Illustratorin und Grafikdesignerin in Wien arbeitet, wohin sie vor drei Jahren aus der Ukraine gekommen ist. Schräges Highlight der Zeichnungen ist vielleicht die zu Brezinas Idee, dass sich der Tiger als Elefant verkleidet, um in den Tempel der grauen Riesen zu gelangen, wo er einen der Schlüssel vermutet. Und „versteckt“ in dieser Verkleidung die Botschaft: Wenn du vorgibst, wer anderer zu sein, kommst du erst recht nicht ans Ziel – der Tiger kann seine Stärken – beispielsweise sich leise anzuschleichen – gar nicht mehr ausspielen. Erst als er die ablegt und auch – wieder – hoch hinaufspringen kann, klappt’s…

Letztlich passt natürlich auch diese Geschichte zum Motto miteinander, denn nur wenn alle vier Schlüssel – von den vier Tieren – gefunden sind…

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Titelseite des bibilderten Buches
Titelseite des bibilderten Buches „Bunte Hände – Geschichten über das Zusammenfinden“
Doppelseite aus dem Bilderbuch "Zwei auf dem Everest - Ein gemeinsamer Traum"

Wurscht wer Erster war, es ging nur gemeinsam bergauf

Höher, weiter, schneller, größer, gescheiter. Nicht selten auch mehr oder „schöner“ – was immer das auch sein soll!? Menschen treten oft in Konkurrenz, in Wettbewerben gegeneinander an. Doch vieles lässt sich oft eher gemeinsam als gegeneinander erreichen. Und so ist auch Geschichte der ersten Menschen, die den höchsten Berggipfel der Erde bestiegen haben, eigentlich eine solche.

Im Bilderbuch „Zwei auf dem Everest – ein gemeinsamer Traum“ schildert die indisch-kanadische Autorin Uma Krishnaswami mit gezeichneten Bildern des Engländers Christopher Corr wie es den Sherpa Sardar Tenzing Norgay und den Neuseeländer Edmund Hillary schon als kleine Kinder unabhängig voneinander stets auf Berge, am besten, die höchsten in ihrer Umgebung hinaufzog. Davon ist zum Teil, so gibt die Autorin in den erklärenden vier Seiten nach der Bilderbuchgeschichte auch zu, so manches ausgedacht. Aber dass beide dann 1953 Teil einer großen Expedition (400 Personen) auf den Mount Everest wie er auf Englisch genannt wird, waren, das ist verbürgt. Und sie waren die ersten und einzigen aus dieser Seilschaft, die auf den höchsten der Gipfel dieses Berges klettern konnten.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Zwei auf dem Everest – Ein gemeinsamer Traum“

Lange stritten sich international alle möglichen Leute, wer denn nun von beiden, der erste gewesen sei. Beide sagten immer wieder, es war eine Teamleistung, ein Gemeinschaftswerk – und sie bleiben auch, obwohl sie weit von einander entfernt lebten – und es damals weder Internet noch Social Media gab, bis zuletzt befreundet.

Yaks und Bienen

Das Bilderbuch (Übersetzung aus dem Englischen: Jochen Hemmleb) schildert auch ihre Liebe und den sorgsamen Umgang der beiden mit Tieren, der eine mit Yaks (Rinderart), der andere mit Bienen. Die linke Buchseite zeigt und beschreibt immer das heranwachsen und immer höhere Steigen von Tensing, die gegenüberliegende jene von Edmund. Rundherum schildern Autorin und Illustrator auch ein wenig von der Umgebung der beiden und ihren Kulturen. Und auch, dass der besagte Berg auch noch einen anderen Namen hat: Chomolungma (Mutter des Universums oder auch benannt nach einer Göttin, die den Himmel berührt). Da hätte sich in den vier Erklär-Seiten am Ende durchaus auch angeboten, dass es neben diesem Tibetischen Namen auch doch die nepalesische Bezeichnung Sagarmāthā (Stirn des Himmels) gibt.

Wie sie einander begegneten und wie schwierig das Hinaufklettern im ewigen Eis und Schnee war, wird im letzten Drittel des Bilderbuchs gezeigt und beschrieben. Und da kommen die beiden gezeichneten Charaktere erstmals auch am Mittelbug der Doppelseite einander sehr nahe; auf der folgenden Doppelseite geht erstmals der knappe Text von der linken auch auf der rechten Seite weiter: „Und wir horchten, horchten – nach dem Donnern der nächsten Lawine.“

Auf den beiden letzten Doppelseiten der Bilderbuchgeschichte sind beide auch von der linken auf die rechte Seite mit einem Seil direkt verbunden. Die Gemeinsamkeit, die sie am 29. Mai 1953 zum Gipfel brachte, ist damit mehr als deutlich zu Bild gebracht.

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titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Zwei auf dem Everest – Ein gemeinsamer Traum“
Doppelseite aus dem neu aufgelegten Kinderbuch "Ingo und Drago"

Buntes Ei statt Ball – das ungewöhnlichste Haustier

Ingo, ein Bub im Vorschulalter, spielt im Park allein mit seinem Fußball. Schießt ihn weit weg, hinter die Büsche am Rande des Spielplatzes. Kriecht hinein, um den Ball zu suchen. Findet ihn nicht. Dafür aber ein buntes, rundes Ding. Das ist nicht sein Ball bemerkt er schnell, es ist nicht kugel-, sondern anders-rund – wie ein Ei. Um ein solches handelt es sich auch.

Der Ball ist vergessen, das Ei wie ein geheimnisvoller Schatz. Sachte, sanft unter T-Shirt verborgen trägt Ingo es nach Hause. Tage später schlüpft ein Lebewesen heraus. Anfangs graust dem Buben und seiner Schwester Marion richtiggehend davor. Doch nach und nach wird es ein ungewöhnliches, aber niedliches Tierchen. Bewundert von allen, ganz fest ins Herz geschlossen von Ingo.

Und wieder ließ sich die Autorin, die bekannte Mira Lobe – 1913, am 17. September, geboren als Hilde Mirjam Rosenthal, 1995, am 6. Februar, gestorben – eine Wendung einfallen: Drago, wie Ingo das Tier nennt, das ihn an Dinosaurier erinnert, wird groß und größer, wild und wilder. Die Wohnung zu klein, das Futter zu wenig, Kaum auszuhalten. So viel zerstört er. Doch weggeben, wie die Eltern sagen? Nein, das will er keinesfalls.

Tante Slatka wiß übrigens, dass dies in einer anderen Sprache lieb und teuer heißt (wird auf Bosnisch, Kroatisch, Serbisch oft als Ansprache verwendet: sozusagen Drago Drago wäre Lieber Drago). Die Familie meint, dass Drago mittlerweile eher teuer als lieb geworden wäre.

Hin und her gerissen zwischen der Liebe zu Drago und dem Angefressensein, dass der kleine Drache so viel kaputtmacht, lässt Mira Lobe im Text – untermalt von Bildern ihrer jahrzehntelangen kongenialen Illustratorin Susi Weigel – den kleinen Buben einen Ausweg suchen – und finden. Immerhin scheint sich sein Liebling ja doch auch in der Beengtheit einer Stadtwohnung auch nicht wohlzufühlen. Aber verkauft oder im Zoo abgegeben – nein, das kommt nicht in Frage. Dazu ist Ingo zu gefühlvoll. Und darum ging’s der Autorin sicher in dem vor fast 50 Jahren (1975) erstmals erschienen Buch, das nun neu, leicht überarbeitet, aufgelegt wurde – sozusagen zum zweifachen 100er: der Verlag Jungbrunnen feiert heuer ebenfalls sein erstes Jahrhundert. Und Mira Lobe hat fast 100 Bücher geschrieben; ihr Geburtstag jährt sich heuer zum 110. Mal

Ach ja, Drago – ob es ihn wirklich gibt oder er vielleicht auch nur in Ingos Fantasie lebt, wer weiß – liefert am Ende eine ganz schöne Überraschung: Ach nein, kein Spoilern des Endes 😉

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Titelseite des neu aufgelegten Kinderbuchs
Titelseite des neu aufgelegten Kinderbuchs „Ingo und Drago“
Schnappschuss von der "One Billion Rising"-Aktion auf dem Wiener Platz der Menschenrechte

Inklusive Tanzperformance und Haare ab

Der 14. Februar ist schon seit einigen Jahren NICHT nur Valentinstag, sondern auch Aktionstag gegen Gewalt an Frauen bzw. Trans*weiblichkeiten bzw. Menschen, die weiblich sozialisiert worden sind. Unter dem Titel „One Billion Rising“ finden weltweit unterschiedlichste Aktionen statt, oft auch mit Tanz-Performances, „weil Tanz Kraft gibt, weil Tanz im öffentlichen Raum ein Statement ist – und weil Frauen*, die durch Gewalt traumatisiert worden sind, über den Tanz zu ihrem Körper zurückfinden können“, wie es in den Aufrufen und bei den Aktionen heißt/hieß.

In Wien – Aktionen fanden weltweit, aber auch an fast einem Dutzend österreichischer Orte und Städte statt – gab es vor dem MuseumsQuartier eine besondere Variante des Tanzes zu „Break the Chain“ – einmal in der Originalversion mit der Choreografie von Debbie Allen. Davor aber waren schon alle eingeladen die inklusive „All-Ability-Version“ mit „DanceAbility“ mitzutanzen – darunter eben auch einige Tänzer:innen in ihren Rollstühlen.

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Femizide

Hier hatten sich Dutzende Aktivist*innen und so manche Passant:innen am Platz der Menschenrechte vor dem Wiener MuseumsQuartier beim Denkmal gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit für den auf einem Abschiebeflug verklebt verstorbenen Asylwerber Marcus Omofuma versammelt. An einer Schnur zwischen zwei Bäumen vor dem MQ baumelten Gewandstücke im Wind – versehen mit Traueranzeigen für die schon heuer ermordeten Frauen. Anklage gegen Femizide – trotz Gewaltschutzgesetzen -, war/ist immer ein Thema der Aktionen. Ein anderes war in diesem Jahr vor allem die Solidarität mit den mutigen, kämpfenden Frauen im Iran.

Kahl rasiert

Dazu hatte sich eine der federführenden Aktivist:innen der ersten Stunde, Aiko Kazuko Kurosaki, eine besondere Performance einfallen lassen. Unter dem Titel „Blank“ begann sie sich zu Gitarrenklängen und -geräuschen von Tahereh Nourani ihre langen weißen Haare abzuschneiden und danach den Kopf ganz kahl zu rasieren. Eine Aktion für die demonstrierenden, kämpferischen Schwestern im Iran, die dem Mullah-Regime seit Monaten, seit dem gewaltsamen Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini, trotz schärfster Repressionen trotzen.

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Dazu sprach auch Negár Javadimand von der Initiative Hamrah, wonach der mittlerweile weltweit bekannte Ruf „Jin Jiyan Azadi – Frauen – Leben – Freiheit“ vielfach immer wieder auch recht lautstark aus mehr als hundert Kehlen erschallte.

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Eine Milliarde

„One Billion Rising“ (eine Milliarde erhebt sich) geht auf UNO-Statistiken zurück, wonach ungefähr  ein Drittel aller Frauen* und Mädchen* weltweit in ihrem Leben Opfer von Gewalt werden. Die aktionistische Kampagne entwickelte sich 2012 aus der V-Day-Bewegung – einer globale Bewegung, die 1998 von der New Yorker Künstlerin Eve Ensler ins Leben gerufen worden war. Seitdem ist der 14. Februar nicht nur Valentinstag, sondern auch V-Day. Das „V“ in V-Day steht für Victory (Sieg), Valentine (Valentinstag) und Vagina.

Am und rund um den 14. Februar erlebt die Bewegung mit der Kampagne One Billion Rising einen Aktionshöhepunkt. Seit 2013 sind weltweit Aktivist:innen singend und tanzend gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen* aktiv.

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One Billion Rising Austria

One Billion Rising weltweit

Szenenfoto aus "Höllenangst - No Enlightenment please!" im TAG (Wien)

Posse um die Angst vor der Aufklärung

Umgeben von drei Wänden mit unzählbaren grünen Oen und 1ern auf schwarzem Hintergrund spielt sich im TAG, dem Theater an der Gumpendorfer Straße in Wien das Nestroy’sche bitterböse satirische Stück „Höllenangst“ in einer Überschreibung (Text und Regie: Bernd Liepold-Mosser) ab – mit dem Zusatztitel „No enlightenment please!“ (also keine Aufklärung). Die Kritik am kriminellen Geschäftemacher Stromberg (Jens Claßen), der seine Nichte Adele (Lisa Schrammel, die dann auch ihre eigene Zofe Rosalie spielt) um deren Erbe bringen möchte und dafür deren aufrichtigen anderen Onkel Reichthal (Georg Schubert, gestylt als wäre er dem einen oder anderen Gott-Gemälde entstiegen) hinter Gitter bringt, findet sozusagen im digitalen Zeitalter ab.

In einem früheren Stadium des binären Code-Systems irgendwie. Die grünen Ziffern auf schwarzem Hintergrund erinnern an Computergenerationen des vorigen Jahrhunderts, das Setting postuliert einen aktuelleren Zeitraum, pendelt das Geschehen doch zwischen realer, analoger und digitaler, virtueller Welt. In dieser scheint der rettende Held Wendelin (Andreas Gaida) fast als Kämpfer gegen Windmühlen und Verschwörungstheorien, verbündet sich scheinbar mit dem Teufel, hier stets als Windows-Mann tituliert.

Die Nestroy’schen Couplets gibt’s hier als eigene, neugeschriebene Songs – meist im Duett eines wechselnden Solisten/einer Solistin mit den anderen Ensemble-Mitgliedern (neben den schon genannten noch Petra Strasser und Emanuel Fellmer). Die Texte und Songs pendeln zwischen einer Art Kärntnertlied und Protestsong. Thematisch spannen sie den Bogen vom Erheben über den Durchschnitt, über kein-Opfer-sein-wollen, Parallel-Universum bis zur Anklage „Des System måcht uns krånk“. Musikalisch begleitet werden nicht nur die Songs von Oliver Welter, dem Gitarristen der Band „Naked Lunch“, vielleicht DEM Überraschungs-Highlight des Abends.

Übrigens: Der Name des Bösewichts aus „Höllenangst“ hat sich schon lange sozusagen verselbstständigt, unter anderem geisterte Stromberg als Titelfigur fast ein Jahrzehnt in einer TV-Comedy-Serie als windiger Versicherungsheini über die Bildschirme.

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Ludwig und das Nashorn"

Beweis, dass da kein Nashorn ist ;)

Es ist Schlafenszeit, der kleine Ludwig sitzt vor seinem Schreibtisch, unterhält sich angeregt mit einem neben ihm hockenden großen Nashorn. Vater kommt zur Tür herein und fragt, mit wem der Bub gerade geredet hat. Und glaubt „natürlich“ nicht an das Nashorn, das er auch nirgends sehen kann.

Auf den folgenden Bilderbuchseiten ist Vaters Suche mitunter recht witzig gezeichnet zu sehen samt der Überzeugung und Bestimmtheit des Erwachsenen: Da ist kein Nashorn. Und der entwaffnenden Frage des Sohnes: „Kannst du das beweisen?“

„Ich sehe kein Nashorn. Es gibt hier kein Nashorn“, antwortet der Vater.

Was der Bub mit der Frage kontert: „Siehst du den Mond?“ Den kann der Vater vom Fenster des Kinderzimmers aus nicht sehen. Und dennoch gibt es ihn, sagt/ behauptet/ weiß er…

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Ludwig und das Nashorn“

Ludwig ist kein Zufall

Dass der Bub in diesem Bilderbuch – geschrieben von Noemi Schneider – Ludwig heißt, ist kein Zufall. Es gab den Philosophen und Sprachlogiker Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951), von dem der Satz stammt: „Es lässt sich schlechterdings nicht beweisen, dass KEIN Nashorn im Raum ist.“

Und so lädt das Buch dazu ein, darüber (nicht nur) mit Kindern zu philosophieren, was es gibt und was nicht, ob nur existiert, was zu sehen ist… – wie das in so manchen anderen (Bilderbuch-)Geschichten schon der Fall war – ob in „Ungeheuerlich“, dem ersten Buch von Klaus Baumgart, der später vor allem mit den Laura-Geschichten sehr bekannt wurde oder etwa in Alan Ayckbourns „Unsichtbare Freunde“.

Bastelanleitung für Nas-Horn

Und nicht zuletzt, um solche Diskussionen und Gespräche auch noch ein wenige anzuregen, hat der Verlag zu diesem Bilderbuch eine Bastelanleitung für ein papierenes Horn online gestellt und einen Foto-Wettbewerb ausgeschrieben – Links dazu in der Info-Box.

Nord-Süd-Verlagsleiter herwig Bitsche (rechts) und KiJuKU-Journalist Heinz Wagner (links) mit den Nas-
Nord-Süd-Verlagsleiter Herwig Bitsche (rechts) und KiJuKU-Journalist Heinz Wagner (links) mit den Nas-„Hörnern“ bei der Buch Wien

Den Satz von Ludwig Wittgenstein hat(te) die Autorin immer wieder in ihrer eMail-Signatur, erzählte der Leiter des Nord-Süd-Verlages, Herwig Bitsche, bei der vergangenen Buch Wien im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… „Dann hab ich sie einfach angefragt, ob sie nicht ausgehend von diesem Satz ein Buch machen möchte.“

Aus drei mach sieben

Und hier ist es nun, teils leuchtend bunt illustriert von Golden Cosmos (Doris Freigofas und Daniel Dolz). Dabei wurden, so steht’s am Ende des Buches, nur drei leuchtkräftige Sonderfarben verwendet, „die sich durch Überdrucken miteinander mischen. So entstehen aus den drei Farben sieben. Wir haben analoge Zeichnungen auf Papier, digitale Zeichnungen am Computer und Druckgrafik miteinander kombiniert“, erklärt das Illustrationsduo.

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Ludwig und das Nashorn“
Unterschiedlichst verkleidet kamen Kinder - und so manche Erwachsene zum Faschings-Umzug

Ärztin und Wölfin, Feuerwehrleute, Dinos, Hexen und Einhörner

Jüngste Feuerwehrleute – meist hoch zu Schulter – war die häufigst gesehen Verkleidung beim gar nicht groß geplanten aber riesig gewordenen Faschingsumzug der Wiener Kinderfreunde am letzten Tag der Semesterferien (für Wien und Niederösterreich, in den meisten anderen Bundesländern sind sie eine Woche später, in der Steiermark sogar zwei Wochen danach). Tierkostüme waren auch beliebt – von Raubkatzen bis zu zumindest einer Wölfin – namens Lanea, neben die sich Hannah, eine „Ärztin für Menschen UND Tiere“, platzierte, um sich von KiJuKU fotografieren zu lassen. Bei tierischen Verkleidungen durften natürlich weder Dinosaurier noch Einhörner fehlen.

Auch fruchtige Kostüme

Eine Familie ging sozusagen als Obstsalat – Vater als Ananas, Mutter als Orange und die Tochter als Wassermelone. Apropos Obst, selbst Daniel Schemy Bohmann, der Geschäftsführer der Wiener Kinderfreunde, die den Umzug schon fürs Vorjahr als Ersatz für große Indoor-Veranstaltungen geplant und dann doch wieder wegen steigender Infektionszahlen abgesagt hatten, trat als „Baniel“ im Banananenkostüm ans Megaphon. Seine Kollegin Alexandra Fischer im Ganzkörper-Affenkostüme animierte viele zum Mittanzen und Bundesgeschäftsführerin Daniela Gruber-Pruner, die auch als Bundesrätin im Parlament sitzt, half als Zauberin verkleidet, Kindern beim Faschingshüte-Basteln. Neben den genannten Kinderfreund:innen-Promis, die sich in die ehrenamtliche Tätigkeit einreihten sorgten vor allem einige Dutzend weitere Mitarbeiter:innen und Funktionär:innen ebenfalls ehrenamtlich dafür, dass Hunderte Kinder ihren Spaß hatten und auch ihre Eltern das Gewurrl in dem fröhlichen Treiben genießen konnten.

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Spiel- und Bastelstationen

Bunt und vielfältig – verkleidet und darüber hinaus – ging’s an diesem Nachmittag zunächst bei den (Geschicklichkeits-)Spiel- und Bastelstationen zwischen Riesenrad, Autodrom und Madame Tussauds zu. Vom Dosenschießen übers Papierhüte-basteln, bemalen und mit Verzierungen bekleben bis zum Boden bemalen mit bunten Straßenkreiden reichten die Betätigungsfelder.

(Fast) nicht enden wollender Zug…

Langsam formierten sich die meisten der mehr als 3000 Gäste bim milden Wetter zu einem Zug hinter einer Liliput-Lok auf Gummirädern zum angekündigten rund einstündigen Umzug durch den Wurstelprater. Der laaaaaaange, fast nicht endenden Zug, kann hier als Video nur im Zeitraffer veröffentlicht werden, sonst würde er den Speicherplatz – und die Geduld beim Zuschauen – sprengen 😉

Und nächste Woche – Sonntag, 19. Februar 2023 – laden die Kinderfreunde zur großen Indoor-Faschingsparty ins Wiener Rathaus – siehe Info-Box

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Szenenfoto aus "Cosma Superheldin" im Dschungel Wien

Lehrerschreck 2.0 und andere Erfindungen verleihen Cosma Superkräfte

Na bumm. Ein spannender Turmbau aus Bretter, Sofas, Kasten- die zu Wohnungstüren werden, einem dicken Schlauch, Rohren, die wie der Weg eines Labyrinths über die verschiedenen Stockwerke der Bühne führen (Ausstattung aus viel Recycling-Material: Karoline Hogl). Ein altes, breites Sofa auf der mittleren Ebene. Ziemliches Chaos dazwischen und rundherum.

Noch viel größer ist das Chaos, dem sich die zentrale Protagonistin in „Cosma Superheldin“ ausgesetzt sieht. Das nicht Sichtbare ist viel heftiger. Cosma – irgendwo zwischen Kind und Jugendlicher angesiedelt – hat eine Mutter, die ständig beruflich tourt. Und vielleicht noch heftiger, nicht wirklich da ist, wenn sie sich rein körperlich in der gemeinsamen Wohnung aufhält. Fragen an die Tochter stellt, doch nie auch nur ansatzweise Raum lässt für eine Antwort. Der Vater ist zwar bemühter, schon präsenter, aber taumelt zwischen hochfliegenden Erfindungs-Experimenten und Phasen, in denen er sich als französischer König Ludwig XIV. (römische Ziffern für 14) fühlt. Was abfärbt, weil auch Cosma immer wieder (halb-)französische Floskeln in ihre Sätze einflicht. Drittes Vater-Daseins-Element: Verzweiflung, Depressionen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Cosma Superheldin“ im Dschungel Wien

Fantasie

Und das alles soll das Mädchen aushalten. Sie muss die Erwachsenen-Rolle übernehmen, die Verantwortungsvolle sein. Klingt mega-heftig. Ist es auch. Und dennoch wurde aus dieser Grundkonstellation ein starkes, immer wieder auch recht lustiges Stück der Gruppe „Theater foXXfire!“. Wie das Vorgängerstück „Cosmo Superheld“ hat Alexandra Ava Koch den Text geschrieben und Richard Schmetterer Regie geführt.

Gleich ist auch, dass die Superheld:innen-Kraft die Fantasie ist. Cosma rettet sich in den Begegnungen mit der Nachbarin, die sich nur Hexe nennen lässt, bei der sie ein bisschen ihr Herz ausschütten kann und vor allem Ernst genommen wird. Ob es diese in echt gibt oder sie nur in der Vorstellungswelt Cosmas existiert? Nicht so wichtig. Wie auch immer, hier holt sich Cosma die Kraft und Energie. Vielleicht stellt sie sich auch die anfangs blöd, fast karikaturhaft mobbenden Mitschüler:innen auch „nur“ vor.

Diese beiden eröffnen aber auch dem Vater-Darsteller Franz Quitt eine weitere andere Rolle und der Spielerin der Mutter, Lisa Kärcher, noch eine dritte Figur, denn sie switcht von der abwesenden Mutter immer wieder in die sehr präsente „Hexe“.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Cosma Superheldin“ im Dschungel Wien

Erfindungsreichtum

Die Fantasie beflügelt ihre Sinne – angesteckt von ihrem Vater wird sie auch zur Erfinderin, bringt nur – auch wenn wie beim lehrerschreck 2.0 nicht alles auf Anhieb so funktioniert wie geplant – doch einiges mehr weiter als der in seiner eigenen Welt lebende Herr Papa.

Grandios die erst 14-jährige Emma Filipović, die mit überzeugender, ziemlicher Leichtigkeit die schwere Last der Cosma trägt. Viel Text und den noch zwischen all dem Herumturnen auf den vielen Ebenen der Chaos-Wohnung. Dabei gelingen ihr auch die Gratwanderungen zwischen der an sich überfordernden Situation, der Meisterung dieser und dem nötigen Schuss Humor, Witz, Ironie und das nie auch nur annähernd irgendwie aufgesetzt.

Schon immer…

… wollt Emma Filipović singen, tanzen, schauspielen, erzählt sie nach der umjubelten Premiere des beschriebenen Stücks im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… Vor fast vier Jahren hat sie dann erstmals bei einem der X-Mas-Musicals des Performing Center Austria die Bühne erobert, „später hab ich dann im English Theatre gespielt, aber das hier ist meine erste Hauptrolle – mit so viel Text. Das war schon aufregend und gleichzeitig herausfordernd, so viel zu sprechen, auf der Bühne herumzuturnen ohne zu erschöpft zu wirken.“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Cosma Superheldin“ im Dschungel Wien

Der starke Applaus am Ende so wie die vielen Gratulationen im Foyer des Theaters, vor allem von einer sehr jungen Fanin, die sie sichtlich anhimmelte, lassen die 14-Jährige ziemlich entspannt im Interview wirken.

Vielsprachig

Die französischen Wörter und Floskeln kamen ihr leicht über die Lippen, habe ich in meiner Schule, dem AKG (Akademisches Gymnasium in der Wiener Innenstadt), diese Sprache schon seit der ersten Klasse. Außerdem bin ich – in Wien – zuerst mit Bosnisch aufgewachsen, dann hab ich im Kindergarten, wo nur Englisch gesprochen wurde, diese Sprache gelernt. Mit Deutsch hab ich erst in der Volksschule angefangen. Und in der Schule lernen wir auch noch Latein.“

Schauspiel, Gesang und Tanz ist ihre Leidenschaft, das will sie später auch einmal zum Beruf machen, „am liebsten beim Film, aber Theater find ich auch sehr gut“, verrät Emma Filipović dem Journalisten ihre – fast naheliegenden – Träume.

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Cosma Superheldin“ im Dschungel Wien
Sie alle und noch fast 200 weitere studieren hier in der usbekischen Hauptstadt in Kooperation mit der IMC Krems

Deutsch als vierte Sprache öffnet Tor nach Europa

Neben der großen Humo-Arena, der größten Eis(hockey)Halle Zentralasiens, wenige Gehminuten von der Metro-Station O’zebekiston entfernt, befindet sich einer der von vielen Studierenden benutzen Zugänge zum weitläufigen Park-ähnlichen Gelände der staatlichen Wirtschaftsuniversität von Taschkent. Für den Besucher aus Österreich doch einigermaßen überraschend hängt am Torgitter ein großes blaues Transparent der IMC Krems, der Fachhochschule dieser niederösterreichischen Stadt. (Die Abkürzung stand einst für Internationales Management Center; wird heute so nicht mehr verwendet, nur mehr die drei Buchstaben, die Internationalität ausstrahlen, Untertitel heute: University of Applied Sciences/ Uni für Angewandte Wissenschaften.)

Bildmontage aus dem vergrößerten Transparent der IMC Krems, das ganz hinten am Gitter beim Eingang neben der großen Eishockeyhalle hängt
Bildmontage aus dem vergrößerten Transparent der IMC Krems, das ganz hinten am Gitter beim Eingang neben der großen Eishockeyhalle hängt

Doppel-Bachelor

Rund 200 junge Erwachsene studieren hier entweder Tourismus- und Freizeit- oder exportorientiertes Management – in Kooperation mit der international ausgerichteten FH Krems. Gelehrt und gelernt werden (fast) alle Fächer auf Englisch. Dazu aber gibt es noch Deutsch-Lehrveranstaltungen. Untergebracht ist dieser Studiengang in einem der neu gebauten Gebäude des Areals. Die Kooperation gibt es seit drei Jahren, der erste Studiengang startete im Herbst 2019 – und fiel prompt schon im zweiten Semester in die Pandemie-Zeit. Die ersten 50 Studierenden hatten im Vorjahr mit dem Bachelor of Arts in Business abgeschlossen – ihre Fotos mit vor allem aus US-Filmen bekannten schwarzen, viereckigen Hüten hängen in der Eingangshalle des Uni-Gebäudes. Und dazu gab’s natürlich auch den usbekischen Hochschul-Abschluss. Der internationale Bac. Berechtigt, weltweit ein Masterstudium zu beginnen.

Rektor der staatlichen Wirtschaftsuni Taschkent, Kongratbay Avezimbetovich Sharipov
Rektor der staatlichen Wirtschaftsuni Taschkent, Kongratbay Avezimbetovich Sharipov

Schon vor Corona Onlineplattform

Letzteres war hier nicht das große Problem, weil die gesamte staatliche Wirtschaftsuni (22.000 Studierende) – wie viele andere Hochschulen des Landes -, so Rektor Kongratbay Avezimbetovich Sharipov im Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „schon ab 2018 auf einer Online-Plattform vielfach auch von extern studierenden besucht wurde, die nur vor den Prüfungen noch ein Monat Präsent-Studium absolvieren mussten“.

Österreichishce und usbekische Fahnen
Österreichishce und usbekische Fahnen im Büro der Studiengänge mit der IMC Krems

Warum Krems, weshalb Deutsch

Zwei Studentinnen sprechen Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auf dem Weg zur Reportage über einen Deutschkurs in der Fakultät für Fremdsprachen an – wir vereinbaren für danach ein Interview vor den IMC-Krems-Lehrsälen. Und bevor die beiden noch auftauchen, stellt sich eine aufgeweckte Schar Studierender ein, gegenseitig werden Fotos geschossen und vier Studierende geben kurze Interviews, in denen sie vor allem die Frage beantworten, weshalb sie sich entschlossen hatten, ausgerechnet den Studiengang mit der FH Krems zu wählen.

Asad Saidakhmadov, Studierendenvertreter im Interview
Asad Saidakhmadov, Studierendenvertreter im Interview

„Aber bitte, können wir die Interviews lieber auf Englisch führen, in Deutsch sind wir erst Anfängerinnen und Anfänger beginnt der gewählte Studierenden-Vertreter, Asad Saidakhmadov. „Ich studiere hier seit September 2022, jetzt haben wir grad Stress mit Prüfungen. Ich sehe dieses Studium als große Chance für mich, weil es auch Austauschprogramme gibt, die Weiter-Studieren in Österreich ermöglichen. Und ich meine, Österreich bedeutet Europa. Und das ist eine große Chance, sich weiterzuentwickeln und eben auch neue Sprachen zu lernen.“

Andere switchen in den Interviews zwischen Englisch und Deutsch hin und her.

Elina Kashimova im KiJuKU-Interview
Elina Kashimova im KiJuKU-Interview

Reisen, daher Tourismus-Studium

Elina Kashimova platzt vor Freude, kundzutun: „Mein großer Wunsch ist es zu reisen, die Welt zu sehen und natürlich auch Europa. Deswegen hab ich Tourismus-Management als Studium gewählt. Klar, es gibt an der Wirtschaftsuniversität hier auch internationale Programme mit mehreren Ländern, aber das Studium mit Krems hab ich wegen Europa und auch wegen Österreich gewählt. Ich mag die deutsche Sprache, ich finde sie schön.“

Kamila Raimova im Interview
Kamila Raimova im Interview

Kamila Raimova meint, „es war eine gut, nein die beste Wahl, weil wir nicht nur sehr gut Englisch lernen – es wird ja fast alles in dieser Sprache unterrichtet -, sondern eben auch Deutsch lernen – und da die meisten neben Usbekisch auch Russisch können, haben wir dann schon vier Sprachen.“

Layla Yarasheva im Interview mit KiJuKU
Layla Yarasheva im Interview mit KiJuKU

Layla Yarasheva macht’s schnell noch kurz und bündig, weil alle los müssen zur nächsten Lehrveranstaltung: „Dieses Studium ist eine sehr gute Gelegenheit, zu reisen und mehr und mehr und mehr zu lernen, und hoffentlich zumindest ein Jahr in Österreich zu studieren.“

Dr. Drlshodjon Rakhmonov, Leiter der Taschkenter Kooperationsstudiengänge mit der FH Krems
Dr. Drlshodjon Rakhmonov, Leiter der Taschkenter Kooperationsstudiengänge mit der FH Krems

Viele Lehrende aus Österreich

Fast die Hälfte der Lehrenden (40 bis 45% – „IMC Flying Faculty“) stellt die IMC Krems, die Studierenden absolvieren sozusagen einen Doppel-Bachelor – einen usbekischen und einen in Österreich anerkannten, sagt der Abteilungsleiter dieser Studiengänge Dr. Drlshodjon Rakhmonov zum Journalisten aus Österreich. „Künftige Studierende müssen sich bewerben – mit einem Aufsatz, einem Motivationsschreiben und wenn diese beiden entsprechen, gibt’s noch ein Prüfungs- bzw. Aufnahmegespräch mit dem Team, in dem auch Vertreter von Krems dabei sind“, beschreibt der Studiengangsleiter die Zugangsbeschränkungen.

Und dann kommen noch Studiengebühren dazu, die mit umgerechnet rund 2.300 Euro (28 Millionen Sum, wie die Währung Usbekistans heißt) nicht gerade billig sind (Durchschnittseinkommen in Usbekistan ca. 6000 Euro – jährlich). „Aber wir vergeben Stipendien.“ Wie viele Studierende ein Stipendium erhalten, konnte er nicht sagen.

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Durdona Bahodirova, Dozentin und für so manch Administratives der Studiengänge zuständig

Usbekische Dozentin: „Deutsche Sprache war Liebe auf den ersten Blick“

Im Büro der Leitung der beiden internationalen Studiengänge Tourismus und Export-Management an der staatlichen Wirtschaftsuni Taschkent (Usbekistan), die gemeinsam mit der IMC Krems geführt werden, arbeitet unter anderem Durdona Bahodirova. Die 27-Jährige ist auch Deutsch-Dozentin und erzählt in einem Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… dass sie seit drei Jahren diese Sprache hier lehrt.

KiJuKU: Wie und warum kamen Sie dazu, gerade Deutsch zu lernen und lehren?
Durdona Bahodirova: Bereits während meiner Schulzeit habe ich bei mir die Neigung zu den geisteswissenschaftlichen Fächern entdeckt und zwar zum Sprachenlernen, was mich dazu bewogen hat, die feste Entscheidung zu treffen, Germanistik als Hauptfach meines Studiums zu wählen. Sowohl meinen Bachelor als auch meinen Master habe ich erfolgreich an der Nationalen Universität Usbekistan abgeschlossen. Ich hatte und habe immer noch große Leidenschaft für Deutsch, denn diese Sprache hat aus meiner Sicht was Besonderes, was andere Sprachen der Welt nicht haben. Die deutsche Sprache hat mir ermöglicht, die Welt von einer total anderen Perspektive zu entdecken.

KiJuKU: Was ist für Sie das Besondere an der deutschen Sprache?
Durdona Bahodirova: Diese Frage zu beantworten ist ein bisschen kompliziert. Ich weiß nicht genau, was dieses Besondere ist. Ich glaube das liegt darin, dass Deutsch die erste Sprache damals war, die ich gelernt habe, deshalb sage ich Liebe auf den ersten Blick 🙂

Durdona Bahodirova, Dozentin und für so manch Administratives der Studiengänge zuständig
Durdona Bahodirova, Dozentin und für so manch Administratives der Studiengänge zuständig

KiJuKU: Weshalb unterrichten Sie gerade an dieser Uni?
Durdona Bahodirova: Da wir schon mit der Fachhochschule Krems seit 4 Jahren erfolgreich kooperieren, haben wir positive Beziehungen zu Österreich. Ich möchte feststellen, dass es dabei viele Herausforderungen gibt, aber trotzdem machen wir miteinander sehr gute Erfahrungen. Das Ziel dieses Gemeinsamen Programms besteht darin, den usbekischen Studierenden europäische Bildung zu ermöglichen. Unsere Studierende profitieren sehr sowohl von österreichischen als auch von lokalen Dozenten und Dozentinnen sowie Professor:innen und genießen ihr Studentenleben an der IMC Krems.

KiJuKU: Sie haben kurz vorher erzählt, dass Sie auch mit einem Blog starten wollen, bezieht sich der auf diese Uni und Ihre Dozentinnen-Tätigkeit?
Durdona Bahodirova: Nein, ganz etwas anderes, nicht nur für mich Wichtiges: Leider gibt es in keiner Gesellschaft Gleichberechtigung, wo Männer und Frauen gleich behandelt werden. Usbekistan ist dabei keine Ausnahme. Jeden Tag werden Tausende usbekische Frauen von Gewalt und Diskriminierung betroffen. Durch meinen Blog möchte ich Menschen auf diese sozialen Probleme aufmerksam machen und Stereotypen aufbrechen. Ich möchte jedem und jeder, der/die ganz konservativ und traditionell denkt, erklären, dass Frauen gleichberechtigte Teilnehmerinnen der Gesellschaft wie Männer sind – oder sein sollten!

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Linda Waolfsgruber und Uwe-Michael Gutzschhahn stellten ihr Bilderbuch "Der kleine Eiskönig" in der STUBE (Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur) vor, wo deren Leiterin, Heidi Lexe (Mitte), den Abend moderierte

Geschichte in der nicht viel passiert, lag lange in der Schublade

Er hat mehr als zwei Dutzend (Kinder-)Bücher veröffentlicht, noch mehr aus dem Englischen übersetzt und gut ein Dutzend weitere herausgegeben und dann wurde er bei einer Fortbildung zu Kinder- und Jugendbüchern gefragt, ober er auch die eine oder andere habe, die noch nicht veröffentlicht, ja vielleicht sogar schon lange in einer Schublade liege, erzählte Uwe-Michael Gutzschhahn über die Anfänge, wie „Der kleine Eiskönig“ dann doch noch das Licht der Buchwelt erblickte. – Link zur Buchbesprechung hier unten:

Viele Möglichkeiten

Im Gespräch mit Lektorin und Verlags-Programmleiterin Natalie Tornai sei dann die Idee entstanden, Linda Wolfsgruber, die gut mehr als drei Dutzend Kinderbücher illustriert und einige auch selbst geschrieben hat, zu fragen. Die, so erzählt sie bei der Buchpräsentation in der STUBE (Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur) gleich beim Stephansdom, stellte zunächst bei dem doch recht üppigen Text fest: „Da passiert aber nicht viel.“ Und das eröffnete für sie die Möglichkeit, ihrer Fantasie bei der Bebilderung freien Lauf zu lassen. Wobei sie so manchen Gedanken auch schnell wieder verworfen hat, beispielsweise mögliche verbeiziehende Landschaften zu zeichnen und malen. Und so konzentrierte sie ihre Darstellungen auf den Eisberg, der Doppelseite für Doppelseite kleiner und kleiner – und im Gegenzug dafür die Möwe größer und größer wird.

Warme Kälte

Den Text packte sie jeweils auf die linke Seite und unterlegte ihn mit einem zarten, hellen Gelb, das an sanfte Sonnenstrahlen erinnern mag. Aber auch das Blau von Himmel und Wasser, das völlig grenzenlos miteinander „verschmilzt“ ist – selbst im Norden – nicht krass kalt.

Die Bilder lassen – so wie der für ein Bilderbuch sogar ungewöhnlich lange Text – wie schon in der Buchbesprechung geschrieben, doch recht viel Raum für eigene Bilder und Fantasiereisen wie sie auch die Geschichte, die zwischen Traum und Wirklichkeit pendelt, nahelegt.

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Der keline Eiskönig"

Eine Möwe lässt sich auf einem schwimmenden Eisberg kutschieren

Zwischen Traum und Wirklichkeit, sonnengelb, himmel- sowie wasserblau und möwen- und eis-weiß spielen sich die Bilder (Linda Wolfsgruber) – und die Geschichte (Uwe-Michael Gutzschhahn) in „Der kleine Eiskönig“ ab. Für ein Bilderbuch mit doch ungewöhnlich viel Text – der allerdings, da er jeweils auf der Seite neben den Bildern platziert ist, diese nie erdrückt, erleben wir die Reise einer Möwe vom hohen Norden in den Süden. Und das mit vielen (Sprach-)Bildern, die aber sehr viel Raum für eigene Kopfreisen der Leser:innen bzw. Zuhörer:innen lassen – und für Momente des Staunens.

Eine höchst außergewöhnliche Reise. Die Möwe fliegt – weder in Text noch in Bildern. Der Vogel thront aut einem riesigen Eisberg, der wiederum im Schlepptau eines großen Schiffes – in dünklerem (sonnen-)gelb durch die Meere gezogen wird. Um – so der Plan – in Blöcke geschnitten zu kühlen – in einer Zeit als es noch keine Kühlschränke gab.

(Ver-)Schmelzen

Genau: Natürlich wird je wärmer die Gegend umso kleiner der Eisberg, -hügel, -brocken. So wie das Eis schmilzt, so verschmelzen die Schilderung der namenlosen und geschlechtsneutralen erzählenden Figur ihres Traumes und der gesehenen, erlebten Wirklichkeit miteinander. Was ist ausgedacht, was real? „Wenn du mir nicht sagst, dass ich wach bin, kann ich glauben, was ich will. Es macht keinen Unterschied.“

Beides ist für diese Person echt. So wie für viele Kinder und Jugendliche heute längst analoge und digitale Welt zwei Elemente ihres echten Lebens sind.

Obendrein hat das Buch am Ende eine (brand-)aktuelle Botschaft, die hier so noch nicht verraten sein, wenngleich sie sich nach und nach über den schrumpfenden Eisberg wohl schon andeutet.

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Titelseite des Bilderbuchs „Der keline Eiskönig“

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Bild-Montage aus drei Fotos: Humo-Arena in Taschkent, vergrößertes IMC-Transparent vom Eingang der Wirtschaftsuni sowie einer Österreich- und eienr Usbekistan-Fahne

Wie kam’s zur Kooperation Krems – Taschkent?

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… stieß bei einer Recherchereise in der usbekischen Hauptstadt Taschkent an der staatlichen Wirtschaftsuniversität zufällig auf die Kooperation zweier Studienzweige mit der Fachhochschule Krems. Da Dr. Drlshodjon Rakhmonov in Taschkent erst seit Kurzem die Studiengänge leitete, bat er den Journalisten in Krems nachzufragen, wie es zur Aufnahme der Kooperation gekommen ist. Dort antwortete Geschäftsführer Dr. Karl C. Ennsfellner, der in der Hochschulleitung für Internationalisierung zuständig ist auf die eMailig gestellten Fragen: „Die Kontaktaufnahme mit der Tashkent State University of Economics (TSUE) erfolgte im Rahmen einer Delegationsreise nach Usbekistan. Bei einem Besuch einer Delegation der TSUE an der IMC Fachhochschule Krems wurden die Verträge nur wenige Wochen nach dem Erstkontakt unterzeichnet.“

KiJuKU: Sucht die IMC Krems immer wieder nach – vielen internationalen Partner-Unis? Oder kommen umgekehrt diese auf Krems zu?
Karl Ennsfellner: Die IMC FH Krems ist die internationalste Fachhochschule in Österreich und entwickelt Partnerhochschulnetzwerk kontinuierlich qualitativ und quantitativ weiter. Dabei kommen mögliche Partneruniversitäten auf uns zu. Wir suchen aber auch aktiv nach neuen Partnern, die wir dann entsprechend kontaktieren. Aktuell verfügen wir über 170 Partneruniversitäten in 52 Ländern. Diese Partnerhochschulen stehen für Studierenden-Austausch, für Lehrenden-Austausch sowie für Mitarbeiter*innen-Austausch zur Verfügung.

KiJuKU: Wie viele internationale Studiengänge in wie vielen Ländern gibt es derzeit?
Karl Ennsfellner: Aktuell bietet die IMC Fachhochschule Krems 10 internationale Studiengänge in China, Vietnam, Usbekistan und Aserbaidschan an. Zielgruppe dieser Studiengänge sind Studierende, die in einem internationalen Studiengang studieren möchten, aber das Heimatland beispielsweise aufgrund von beruflichen oder familiären Verpflichtungen nicht verlassen können.

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Blick auf den Campus der IMC Krems
Blick auf den Campus der IMC Krems
Die beiden Sindbad-Tandems in der Prater Hauptallee, bevor's zum Bowling geht

Schub für den eigenen weiteren (Aus-)Bildungsweg

Vorbei am riesigen Gold eingefärbten sitzenden Affen geht’s in der Prater Hauptallee rein in eine Bowlinghalle. Dort greifen sich zwei Saras, eine Sarah und Randa die Kugeln mit den Grifflöchern, um Kegel am Ende der langen Bahn umzuscheiben. Für die meisten der vier ist das eine neue Freizeitbeschäftigung. Jakob hingegen, der den Journalisten hierher gelotst hat, agiert fast professionell. Und dennoch kommen einige der Neulinge in der Trefferanzahl ganz schön nah an ihn heran.

Dieser Bowling-Wochenend-Nachmittag ist eine der gemeinsamen Freizeitaktivitäten von Mentor:innen und Mentees der Initiative „Sindbad“, einem Sozialunternehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat durch unterstützende Begleitung bei (Suche nach) weiterführender Bildung mehr Chancengerechtigkeit in der Gesellschaft herzustellen.

Sowohl Mentee als auch Mentorin heißen Sara - ohne h
Sara und Sara …

IT-Auskennerin

Die erste, die gleich mit ihrem allerersten Kugel-Schub für Erstaunen und Überraschung – auch für sich selbst – sorgt ist die 15-jährige Informatik-Mittelschülerin Sara Mohamed. „Computer haben mich schon immer interessiert und als wir mit der Volksschule damals beim Tag der offenen Tür diese Mittelschule angeschaut haben, hab ich mit entschieden, dort hin zu gehen.“ Jetzt besucht sie die vierte Klasse, „ab Herbst werde ich in die HTL Rennweg zuerst in die Fachschule für IT gehen, danach möchte ich den Aufbaulehrgang und dann dort weitergehen und Matura machen“, erzählt sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Bei der Wahl des weiteren Bildungsweges – „dass ich eine weiterführende Schule machen werde, wusste ich, aber damals noch nicht welche“ – half ihr das Sindbad-Mentoring-programm, „und auch bei Deutsch hat mir Sara (die Mentorin trägt den selben Vornamen) geholfen. Ich bin erst 2015 aus Damaskus nach Österreich gekommen, als kleines Kind kann ich mich nur mehr an den Krieg erinnern (ab 2011). Ich konnte nicht einmal zu meiner Tante gehen, weil auf einem Hausdach dazwischen Scharfschützen gestanden sind. Mein Onkel ist gestorben, mein Vater war im Gefängnis. Als ich nach Österreich gekommen bin, hab ich zuerst geglaubt, ich bin in einer anderen syrischen Stadt und mich gewundert, dass ich gar nichts verstehe. Die ersten Tage in der Schule waren so schlimm, weil ich nichts verstanden habe.“ Heute ist sie in ihrer Familie die Auskennerin in Sachen Computer und Handy.

Hilft gerne

Ihre Mentorin, Sara Janisch, studiert Soziologie, beschäftigt sich in ihrer Abschlussarbeit mit Social Media und arbeitet nebenbei bei World Vision, wo sie das Projekt des Wasserlaufs im Mai betreut: Global 6 K – laufend oder gehend im Mai sechs Kilometer zurücklegen – die durchschnittliche Distanz, die Menschen im globalen Süden zu sauberem Wasser zurücklegen müssen – täglich! „Ich bin eine Person, die sehr gerne hilft, und als ich von Sindbad erfahren habe, war ich sofort dabei. Ich bin privilegiert aufgewachsen und möchte davon etwas weitergeben“, erklärt sie ihre Beweggründe, sich als Mentorin gemeldet zu haben. „Wir treffen uns regelmäßig so alle zwei Wochen, waren immer wieder Kaffee trinken mit Laptop, um zum Beispiel nach passenden weiterführenden Schulen zu suchen“, nennt sie die Art der Aktivitäten. Bowling an diesem Nachmittag ist mal was anderes, was Neues.

„Wobei“, gesteht Janisch im Gespräch mit dem Journalisten, „eigentlich lern ich von Sara vielleicht viel mehr als sie von mir. Sie ist so eine tolle, mutige, starke Persönlichkeit und mit ihren 15 Jahren so weltoffen!“

Sarah und Randa
In diesem Tandem sind beide vielsprachig …

Vielsprachigkeit für den Beruf nutzen

Sarah Al Saadi, die zweite Mentee bei diesem Treffen mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… besucht derzeit auch die vierte Klasse einer Wiener Mittelschule. „Ab Herbst möchte ich eine lehre mit Matura in einem Hotel machen“, nennt sie ihren weiteren (Aus-)Bildungsweg. „Für Hotel und Tourismus interessiere ich mich, weil ich da gut meine Sprachen einbringen kann“, so die 15-Jährige, die die ersten Lebensjahre im irakischen Basra mit Arabisch und ab dann in Wien auch mit Deutsch aufgewachsen ist. „In der Schule hab ich dann noch Englisch und Französisch gelernt. Außerdem kann ich Türkisch, das hab ich dadurch gelernt, dass ich gern türkische Serien und Filme schau.“

Schnappschüsse vom Bowling-Nachmittag
Weiß nun, welchen (Aus-)Bildungsweg sie gehen wird – und brachte die Kugel auf unterschiedliche Art ins Laufen …

So nebenbei“ erzählt die Jugendliche: „Ich schreibe auch an einem Buch – mit Zitaten und Sprüchen – auch eigene.“ Außerdem sang sie zwei Jahre in einem Chor, „aber ich würde gern auf Arabisch singen, da hab ich bisher noch keinen Chor in Wien gefunden.“

Psychologische Unterstützerin

Ihre Mentorin ist Randa Emara, eine Psychologie-Studentin. „Zuerst wollte ich Journalistin werden, aber das Studium war mir zu trocken, so die 23-Jährige, die in Wien-Brigittenau im Gymnasium Am Augarten maturiert hat. „Weil sich viele aus meinem Verwandten- und Bekanntenkreis bei Problemen immer an mich gewendet haben, dachte ich dann, Psychologie könnte das richtige Studium für mich sein.“

Schnappschüsse vom Bowling-Nachmittag
Kennt die Schwierigkeit, den eigenen weiteren Bildungsweg zu finden, aus eigener Erfahrung …

Diese Hilfsbereitschaft und der Hang, andere zu unterstützen waren auch der Beweggrund, sich als Mentorin bei Sindbad zu engagieren. „Ich selber hab mir mit 14 schwergetan, zu entscheiden, welchen Bildungsweg ich weitergehen soll. Meine Eltern konnten mir dabei nicht helfen. Und so will ich, die sich da durchgekämpft hat, anderen helfen, den für sie richtigen Weg zu finden.“

Neben dem Studium arbeitet Emara, die übrigens mit Deutsch und Arabisch – in zwei verschiedenen Dialekten (Marokko mütter- und Ägypten väterlicherseits) aufgewachsen ist, in einer Wirtschaftskanzlei. „Ich hab gleich mit Studienbeginn auch zu arbeiten begonnen, zuerst als Billeteurin in der Staatsoper, aber ich wollte dann doch etwas machen, wo ich mehr Arbeitserfahrung sammeln kann.“

Auch Randa Emara ist vielsprachig – zu den genannten beiden Sprachen gesellen sich noch die schulisch erlernten Englisch, Spanisch, Französisch und Latein hinzu.

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Doppelseite aus dem Kinderbuch "Hier hat jeder einen Platz!"

Lob der Vielfalt und Fragen, die verletzen können

Byrek (bei uns eher als Börek bekannt), Dolmades und andere Speisen werden von Kindern der zweiten Klassen der Volksschule am Alten Postweg mit ihren Kolleginnen und Kollegen geteilt. Die einen mögen’s sehr, andere sind anfangs ziemlich skeptisch – bis ablehnend.

Bunt und vielfältig sind die Kinder dieser ausgedachten wie vieler echten Schulen. Edon, Anton, Astrid, Paul, Marta, Malika, Buket, Manik, Vadim, Argiris, Mark, Sylvia, Laura, Esma, Romina, Luka, Georg, Lupa, Nino und Frederik sind die handelnden Kinder in dem bebilderten rund 80-seitigen Sachbuch über Alltagsrassismus „Hier hat jeder einen Platz!“, übrigens auch „jede“. Und in kleinen Häppchen werden Speisen und das eine oder andere Kulturelle aus vielen verschiedenen Ländern geschildert. Ein bisschen irritierend wirkt nur, dass bei Ukraine der seit fast einem Jahr laufende Krieg nicht erwähnt wird.

In zahlreichen kleinen Episoden schildert die Autorin Alexandra Ndolo etliche sehr freundschaftliche Begegnungen zwischen Kindern, deren Eltern aus den unterschiedlichsten Ländern nach Deutschland gekommen sind. In der einen oder anderen Szene kommt’s auch zu Aufeinandertreffen, die verletzend sind. Und das natürlich bewusst gewählt/erfunden, um anhand solcher Szenen erklären, was Vorurteile sind und wie sie (nicht nur) Kinder kränken können.

Erklär-Abschnitte

An die eine oder andere geschilderte – vielfach bunt illustriert von Daniela Kunkel – Episode schließt die Autorin einfach geschrieben, verständliche Erklärungen zum jeweiligen Thema an. Eine wichtige Anregung: „Denke immer erst nach, ob du die andere Person mit deiner Frage traurig machen könntest.“

Ndolo, selber mit polnischer Mutter und Vater aus Kenia aufgewachsen, ist übrigens Fecht-Vizeweltmeisterin und mehrfache EM-Medaillengewinnerin mit dem Degen und ist erst für Deutschland und später für Kenia bei Bewerben angetreten. Im Anhang enthält das Buch noch eine Doppelseite mit Tipps für Eltern und Pädagog*innen sowie Adressen und Telefonnummern von Hilfs- und Beratungseinrichtungen.

Wär fein, wenn Politiker:innen, die Kindern/Jugendlichen das Recht absprechen, hier sein zu dürfen, so ein Buch lesen und wenigstens ein bisschen was daraus lernen könnten 😉

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Titelseite des Kinderbuchs
Titelseite des Kinderbuchs „Hier hat jeder einen Platz!“