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Für die Jury verlas Vanja König Auszüge aus den Begründungen für die drei Erstplatzierten UND eine Würdigung für alle (Final-)Texte; neben ihr die Moderatorin des Abends, Hannah Oppolzer

Talente im Frühstadium entdecken

Die Texte der jungen Literat:innen werden zweifach be- und gewertet – zum einen in einem offenen Online-Voting und zum anderen von einer Jury, Profis im schreibenden Gewerbe (Schriftsteller:innen, Journalist:innen) sowie aus der Pädagogik (Lehrer:innen) – siehe auch Infobox beim Hauptartikel zum diesjährigen Bewerb.

Für die Jury las Vanja König aus den Begründungen für die Preisvergabe:
„Mittlerweile findet der Preis zum 11. Mal statt und anhand der Anzahl an Texten, 825 Einreichungen waren es heuer insgesamt, kann man erkennen, dass dieser Talente fördernde Wettbewerb auch durchaus fordernd für uns als Jury ist. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen betrachtet die Jury diese durchaus fordernde Teilnahme an „Junge Texte“ als Privileg, da sie es uns ermöglicht, Texten junger Menschen zu begegnen, deren Talent im Frühstadium seiner Entfaltung zwischen schierer Begeisterung, sprachlicher Begabung und künstlerischem Ausdruckswillen steckt.

Platz 3 und 2

Der dritte Platz ging heuer an „Traumfängerbasteln“ – ein wundervoll geschriebener, malerischer Text über ein Enkelkind, welches sich zum ersten Mal mit dem Thema Tod und Sterben befasst und den Lesenden auf seine naive, und doch herzerwärmende gedankliche Reise mitnimmt.

Im Gegenzug dazu, der zweite Platz – Das Dilemma mit „die Lämmer“ – ein unglaublich witziger Text und dabei so vielschichtig, frisch und voller Sprachlust. Es war eine Freude diesen Text zu lesen, diesen Text immer wieder zu lesen, und dabei jedes Mal über etwas anderes zu schmunzeln.

Platz 1

Trotz dieser und anderer, ausgesprochen guter Beiträge auch im diesjährigen Finale, haben wir uns für „Transitkind“ entschieden, weil wir beim Lesen dieses Textes das Gefühl gehabt haben, ein bisschen was davon zu verstehen, was sein Protagonist, seine Protagonistin durchmacht. Wir wissen nicht, ob das Geschriebene auf Erlebtem basiert. Wir wissen nicht, ob hier aus dem Leben von jemandem berichtet wird. Aber das ist auch nicht wichtig, steckt doch in uns allen etwas vom drohenden Verlorengehen zwischen den Orten vermeintlicher Geborgenheit – genauso wie wir häufig daran scheitern, sie jemandem zu geben. Die Ich-Figur in „Transitkind“ schildert, wie mit ihr verfahren wird mit einer Gelassenheit, die uns an eine urtümliche Weisheit glauben lässt, die sich im Strudel „zivilisierten“ Lebens allmählich zurückbildet… Die Jury gratuliert herzlichst zu diesem tollen Text und zum wohlverdienten ersten Platz!“

Foto vom Auftritt der Band "The VoiceBreakers" aus Salzburg

Die „Stimmbrecher“ rockten Jung-Literaturveranstaltung

Mehr als eine Umrahmung oder Untermalung lieferte in diesem Jahr beim Gala-Finale des Jung-Literaturbewerbs texte.wien die Band „The VoiceBrakers“ aus Salzburg. Dass zwei von ihnen mit Schlagzeug und Gitarre sozusagen einen Gong ersetzten, um nach jeweils nicht ganz zwei Minuten (1.50) den professionellen Vortrag von Auszügen aus den 25 Finaltexten zu stoppen, ist (auch) im Hauptartikel über den Bewerb zu lesen (Link am Ende dieses Beitrages).

Die vier Jungs, die sich aus dem Musischen Gymnasium Salzburg kennen, rockten mit ganzen Nummern mehrmals zwischendurch, vor allem aber am Ende – wo Zugabe-Rufe ihren Auftritt verlängerten. Außerdem gab es für das Publikum eine exklusive Vorab-Präsentation der neuesten Nummer, die dann erst um Mitternacht online released wurde – „Running out of Time“.

Die vier Musiker sind: Der erst 13-jährige Gustav Lepka am Schlagzeug, sein Bruder Lewin (16, Bass, E-Gitarre, Klavier und Vocals), Bernhard Zenker (16) sowie Zemmari Bloomfield (Gitarre und ebenfalls Stimme). Letzterer, zweisprachig (Englisch/Deutsch) aufgewachsen, hat die Schule mit einer Lehre als Veranstaltungstechniker gewechselt. „Ich bin im zweiten Lehrjahr in der Szene Salzburg“, womit er noch dazu recht nahe an seinem Metier als Musiker arbeiten kann.

Der junge Schlagzeuger spielt schon gut zwei Drittel seines Lebens die Drums. „ich hab mit fünf Jahren angefangen, da hab ich zum Geburtstag eine Cachon (hölzernes quaderförmiges Perkussionsinstrument) bekommen, weil ich schon vorher gesagt hab, dass ich Schlagzeug spielen will. Meine Eltern haben gemeint, ich solle erst ein Jahr Klavier lernen, dann hab ich eben die Cachon gekriegt und fast gleichzeitig auch mit dem Schlagzeugunterricht begonnen.“

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Szenenfoto aus "Die Insel" der Company Two in One im Dschungel Wien

Tanz mit und um den Müll

Was wäre, wenn wir einen Tag lang den ganzen Mist den wir produzieren, eigentlich meistens „nur“ kaufen – als Verpackung von Lebensmitteln und Konsumgütern, nicht wegwerfen, sondern mit uns rumschleppen müssten? Dieses Gedankenexperiment setzte einst der US-amerikanische Aktivist für eine (klima-)gerechtere Welt Rob Greenfield (so heißt er wirklich!) in eine Aktion um. Er sammelte den Müll eines Monats, reinigte ihn und band ihn sich rund um seinen Körper. Damit wanderte er durch Städte, um die großen Mengen Abfall jeder und jedes Einzelnen innerhalb von 30 Tagen anschaulich zu machen.

Trashformer

Dieses Bild eines Trashman, Trashformer bringt die Tanz-Company Two in One auf die Bühne des Kinder- und Jugendtheaterhauses Dschungel Wien. In „Die Insel“, ausgedacht und inszeniert von Ákos Hargitay tanzt Łukasz Czapski in solch einem Müll-Anzug. Und das schaut ganz arg monströs aus, schränkt ihn auch kräftig in seiner Bewegungsfreiheit ein. Hin und wieder verliert er im Tanz, der fast an eine Art Roboter erinnert, das eine oder andere (gereinigte) Mist-Stück auf der Tanzfläche. Dass diese ausschließlich von seiner Tanzpartnerin Elda Gallo, die nicht so voluminös, sondern „nur“ aus umgeschneiderten Werbeanner gekleidet ist, eingesammelt werden…? Im besten Fall eine kritische Darstellung, dass (noch immer) oft Frauen für die Aufräumarbeiten hinter Männer-Mist zum Einsatz kommen.

Unsere verletzliche Heimat

Die Tanz-Passage in Re- und Upcyling-Kostümen (Norma Fülöp) ist der zentrale Teil des Stücks, das ansonsten noch so manches an Informationen – und Poetisch-Atmosphärischem (Musik, Klanginstallation: Gammon; Dramaturgie, Assistenz: Michaela Hargitay) umfasst. Da sind vor allem auch die beeindruckenden Foto- und Video-Einblendungen: Vom futzi-winzig kleinen blauen Punkt im großen Universum, der sich beim heran-Zoomen natürlich als unsere Heimat, der Planet Erde, entpuppt bis zu Blicken in ferne Galaxien, oder auf die erschreckende Temperatur-Anstiegs-Grafik. Oder ein Graffiti der berühmtesten Jugendlichen der Welt, Greta Thunberg – zu Zitaten von ihr.

Seien wir achtsam

Über Bilder – jene, die zu sehen sind aber auch die, die sich in den Köpfen der Zuschauer:innen ergeben – vermittelt die mehr als ¾-stündige Performance Wissen und Gefühl: Wir sollten dringend achtsam(er) mit der Welt umgehen. Da hätte es das Einleitungs-Video von Mastermind Ákos Hargitay – jedenfalls nicht in dieser Länge – gebraucht. In diesem sinniert er beim Nassrasieren (übrigens in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts in der Öl-Krise wieder populär geworden), dass in den Pandemie-bedingten Lockdowns ein Runterfahren von Vielem wie Fliegen, Verkehr usw. möglich wurde, und … Highlight in diesem Schwarz-Weiß-Video vor Spiegeln, in denen der Protagonist praktisch isoliert mit sich selbst redet ist allerdings die Selbstironie. Durch einen Anruf seiner Frau kommt er drauf, dass er schon Unmengen Wasser vergeudet hat, da er beim Rasieren die Leitung laufen hat lassen 😉

Ergänzt „Fridays for Future“ durch „Everyday for Future“ ist die Botschaft des – streckenweise auf Englisch gespielten Stücks – weitere Aufführungsserie im April 2022.

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Die Insel“ …