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Doppelseite aus dem Kinderbuch "Jukli oder wie ich einen kleinen Esel an der Backe hatte und nicht mehr loswurde"

Zwei junge Sturköpfe auf Abenteuerreise

Flora, ungefähr 10 Jahre, hat’s ziemlich schwer im Leben. Die beiden älteren Brüder Patrick und Vincent haben sie ständig auf der Schaufel, in der Schule mag sie niemand. Die Mama mag ihre Tochter sehr, die unter anderem daran leidet, dass sie ihrer Mutter immer wieder traurige Momente beschert, weil sie von der Lehrerin vorgeladen wird. Flora ist stur. Tut sich aber nicht leicht, ihren eigenen Weg zu gehen. Immer zweifelt sie. Kein Selbstbewusstsein. Angesichts der Umstände, die eingangs hier knapp angerissen worden sind, auch kein Wunder.

Natürlich muss in einem Kinderbuch doch eine Wende eintreten. Noch dazu, wenn es 200 Seiten hat – leicht und flott zu lesen, sehr oft an den Kapitelenden (35) mit einem sogenannten Cliffhanger, also einer aufgebauten Spannung, die einlädt: Ich will wissen, wie’s weitergeht.

Kleiner Esel

So genug der Vorrede, schnell zum Kern der Geschichte von Corinna C. Poetter, dem Erstlingswerk der studierten Germanistin und Filmwissenschafterin, der ja schon im Titel mehr als nur angedeutet wird: Der groß und rot geschriebene Name Jukli erhält bereits auf dem Buchcover die Ergänzung „oder wie ich einen kleinen Esel an der Backe hatte und nicht mehr loswurde“.

Also, Flora verletzt sich gleich im ersten Kapitel als sie wieder mal davonrennt, an einem Stacheldraht. Wird von einer alten Frau, die sich als Mamou vorstellt, verarztet, trifft bei ihr auf die titelgebende Figur des Romans, Jukli. Dabei handelt es sich um ein junges Eselchen, das eigentlich Žukli heißt.

Mit Mamou, einer Romni, taucht Flora – und damit die Leser:innenschaft – ein bisschen in einige Facetten der Kultur der Roma und Sinti ein. Und so nebenbei auch deren Verfolgung und systematische Ermordung durch die Nazis, aber auch die schon davor und danach bestehende Diskriminierung dieser Volksgruppen, die oft mit dem Z-Wort beschimpft werden.

Abenteuerreise

Mamou bietet Flora an, mit ihr und Jukli in den Sommerferien zu einem berühmten Fest für diese spezielle Esel-Art zu fahren, damit das Fohlen dort einen Impfausweis, Eintrag ins Zuchtbuch und sozusagen einen Esel-EU-Pass bekommt. Das wird Floras Geheimnis. Zu Hause erzählt sie nichts von ihren (neuen) Freund:innen, denkt sich eine Geschichte der Reise mit einer Mitschülerin aus und…

… dann beginnt das mehr als aufregende Abenteuer. Mamou muss am Abend vor der Abreise ohnmächtig ins Krankenhaus, Flora macht sich allein auf den Weg, sie will, dass Jukli diese Bestätigungen kriegt. Und natürlich gibt es alle möglichen und unmöglichen Hindernisse, Schwierigkeiten, Probleme. Und genauso klar, Happy End – auf Umwegen und mit überraschenden Begegnungen.

Hund

Übrigens Žukli, das die Autorin im Buch als „störrisches Mädchen auf Romanes“, der Sprache der Roma, anführt, heißt eigentlich Hund – steht zwar nirgends direkt im Buch, aber insofern indirekt, als eine Frau an einem französischen Bahnhof für Flora und Jukli Tickets kauft – und das Tier als großen Hund ausgibt, weil das Mädchen ihren Schützling sonst nicht mitnehmen hätte können.

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Titelseite des Kinderbuchs
Titelseite des Kinderbuchs „Jukli oder wie ich einen kleinen Esel an der Backe hatte und nicht mehr loswurde“
Adrian am Klavier und Slagean am Saxofon begleiten Jasmin bei Bésame Mucho

Musik be-greifen statt stur Noten lernen

In einem der vielen Häuser in der Mariahilfer Straße, hinter deren Eingang sich etliche Höfe auftun, befindet sich auch eine kleine Bühne mit Publikumsraum und Foyer. Einige Jahre lang hieß es „Blaues Theater“, nun „MusikQuartier“. Hier fand kürzlich ein kleines, aber sehr feines Konzert einiger talentierter junger Menschen statt – der, verspätete in die Ferien verlegte, Abschluss des Studienjahres bzw. Semesters der „Improvison Academy“.

Der Name ist Programm, selbst Anfänger:innen spielen nicht stur Note für Note auf dem jeweiligen Instrument, sondern beherrschen ihre Stücke nicht als auswendig abgespulte Partituren, sondern auch so, dass sie zwischendurch oder mal auch schon zu Beginn rund um ihre Nummer improvisieren.

Multi-Instrumentalist

Das galt/gilt insbesondere für den jüngsten der Schüler:innen, den 15-jährigen Slagean Jurj, der DEN Klassiker für Klavier-Eleven, Ludwig van Beethovens „Für Elise“ gleich mal in seinem Stil einleitete bevor er die Melodie so über die weißen und schwarzen Tasten zauberte wie si allgemein bekannt ist. Er ist DAS Multitalent der von Adrian Gaspar gegründeten und geleiteten Musikschule besonderer Art. Er selbst hatte schon mit 16 seine erste kleine Band („Gipsy Diamonds“) gegründet, trat bereits zwei Jahre später mit 32-köpfiger junger Big Band auf, komponiert und stellt immer wieder diverse Formationen zusammen.

Slagean Jurj spielte aber nicht nur am Klavier, sondern auch auf seinem Erst-Instrument, der Trompete, auf der er schon mit sechs Jahre zu spielen begann. Bei diesem Konzert begleitete er auf der Trompete Adrian Gaspar (36) bei dessen, wie er es nannte, Lieblingslied, der Hymne des Fußballklubs Real Madrid, „Hala Madrid Y Nada Mas“ (So, Madrid und nichts anderes; geschrieben von RedOne und Manuel Jabois) – FunFact, wenige Tage später organisierte Gaspar ein Fußballturnier im Kaiserpark (Wien-Neubau), bei dem er mit einem Real-Madrid-Fanklub antrat.

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Der jüngste Academy-Schüler blies aber nicht nur diese Hymne, sondern begleitete den Lehrer und Leiter auch bei dessen Eigenkomposition „BalkanFever“, die dieser bereits vor 17 Jahren für das gleichnamige Festival geschrieben hatte, und die er nun am Klavier spielte.

Trompete ist nur eines von mehreren Blasinstrumenten, die Slagean Jurj spielt, vor zwei Jahren begann er mit Klarinette auf der er zwei traditionelle türkische Stücke „Kütahya’nın Pınarları“ und „Şurmat“ sowie das Jazz Standard-„Beautiful Love“ von Victor Young zum Besten gab. Außerdem griff er noch zum Saxofon, mit dem er vor nicht ganz zwei Jahren noch zusätzlich begonnen hatte und Kenny Garretts „Happy People“ spielte sowie die Sängerin Jasmin Azócar bei ihrem „Bésame Mucho“ der mexikanischen Komponistin Consuelo Velázquez – neben Adrian Gaspar am Klavier – begleitete.

Zahlenmethode

Die Vielzahl der Instrumente, die er leicht erlernte, baut nicht zuletzt auf der Philosophie des Unterrichts von Gaspar auf, einer wie er es nennt „Zahlenmethode. Nicht Note für Note, sondern das Verhältnis, die Harmonien der jeweiligen Musik zu hören, spüren, begreifen – denn dann ersparst du dir mühsames Transponieren, du kannst das jeweilige Stück mühelos auf einem anderen Instrument umsetzen“, so der Improvision-Academy-Leiter, der auch bereits zwei Contests, den letzten im Vorjahr fast zeitgleich zum Eurovison-Songcontest, organisiert hat (KiJuKU berichtete)

Sängerinnen

Zur schon genannten Sängerin Jasmin Azócar (19), die beim ebenfalls schon erwähnten weltberühmten Küss-mich-oft-Song insbesondere gegen Ende unzählige Variationen improvisierte. Im abgelaufenen Studienjahr hat sie mit einem Semester-Stipendium, das sie beim genannten Improvision Contest im Vorjahr gewonnen hatte, erstmals (Gesangs-)Unterricht genommen. Singen ist ihre Leidenschaft, über den sie zuvor aber nur in Chile in einem Kirchenchor ausgeübt hatte. Azócar sang noch „I Love You“ von Billie Eilish sowie „Best Part“ von „H.E.R.“ und Daniel Caesar, wobei sie sich beim zuletzt genannten Lied selber auf der Gitarre begleitete.

Eigene Songs

Gesang – und vor allem Eigenkompositionen und -Dichtungen ist die Sache der 17-jährigen Luna Gehart, die aber auch schon mehr als ihr halbes Leben Klavier spielt („mit 8 hab ich begonnen), den Musikzweig im Gymnasium Boerhaavegasse besucht und zum Auftakt Wolfgang Amadeus Mozarts „Türkischen Marsch“ aus dem Flügel fliegen ließ. Als sie vors Mikro wechselte, setzte sich Adrian Gaspar ans Klavier, um sie bei zwei ihrer eigenen Lieder zu begleiten – „Mein Problem“ und einem noch titellosen Song.

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„Bei mir entstehen meist Melodie und Text gleichzeitig“, antwortet sie auf die KiJuKU-Frage, wie sie komponiere bzw. dichte. „Jedenfalls muss mir etwas sehr wichtig sein, dass ich darüber einen Song mache, es muss von Herzen kommen.“

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Diese Logik hat mich angesprochen

Last but not least zu nennen ist der Alexandru Spataru, der das Konzert sogar eröffnete mit „Kleines Präludium in c-Moll“ von Johann Sebastian Bach. Warum er hier erst am Ende genannt ist? Der 21-jährige ist mehr als schüchtern, wollte keinesfalls auf ein Foto und hatte kaum Zutrauen zu seinem eigenen Können. Klavier spielt er „erst seit ungefähr März, eigentlich hab ich mit Saxofon angefangen, aber dann wollte ich doch lieber wieder Klavier spielen.“ Warum er dennoch schon so ein Stück vorspielen konnte? „Weil wir hier wirklich zwei Stunden in der Woche Unterricht haben, in den meisten anderen Musikschulen ist es oft nicht einmal eine halbe Stunde“, meint Alex, wie er gerne genannt werden möchte. „Schon mit sechs Jahren hab ich, aber nur einige Monate, Klavier gespielt, dann später ein bisschen Cello, Flöte und eben Saxofon – nie wirklich viel, aber hier hat mich diese Zahlenmethode angesprochen, weil sie eine logische Systematik hat. Und das liegt mir mehr.“

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adriangaspar

Finalnummer über eine Anarchistin und einen Polizeikomissär, die sich ineinander verliebt haben

Weltreise in der Ottakringer Hasnerstraße

Rot-weiß-rote hölzerne Scherengitter, eines davon an einem Ende bunt bemalt, zeigen bei einem Abschnitt der Ottakringer Hasnerstraße an, ab hier ist die Straße – wenigstens für den Autoverkehr – gesperrt. Zwischen Habicher- und Haymerlegasse/Richard-Wagner-Platz. Da steht zwischen den Hausnummern 57 und 57a ein alter Anhänger mit Planken aus Holzleisten, der Theaterwagen. Auf dem steht in Kreiseschrift „Egon & Erika“.

Daher ist knapp vor 18 Uhr, für dann ist „Eine Reise um die Welt“ angesetzt, schon leicht zu erkennen, die ältere Frau, die scheinbar verwirrt – mit ebensolchen Haaren – in weißem ärmellosen Arbeitsmantel über ihrem roten Kleid herumirrt, ist wohl die Schauspielerin. „Erika“ – im echten Leben Ingeborg Schwab – sucht nach „Egon“, ihrem Kollegen RRemi (Raimund) Brandner. In ähnlich clownesker Manier tattert auch er rund um den Wagen, der sich natürlich zur Bühne öffnen wird. Nicht wird – die beiden klappen in Slapstick-Einlagen nach etlichen Minuten der gekonnt gespielten Ungeschicklichkeit die zur Straßenseite schauende Seitenwand runter, erweitern die Ladefläche damit zur Bühne. Und sorgen mit diesem Auftritt in der beschriebenen Art schon für die ersten Lacher der gegenüber auf Bänken, Sesseln und Liegestühlen sitzenden Zuschauer:innen.

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Schauspiel, Gesang, Clownerie

In der folgenden Stunde erzählen sie über ihre – ausgedachten – Weltreisen mit dem Theaterwagen, Auftritte vor Massenpublikum in den unterschiedlichsten Ländern, deren Umrisse sie mit Kreide auf die Innenseite der zweiten Seitenwand, die zur Kulisse samt Requisiten-Regal wird, malen. Und sich dabei immer wieder vom Publikum korrigieren lassen was die Lage des einen oder anderen Landes betrifft.

Zwischen Schauspiel, Gesang und immer wieder clownesken Einlagen wechseln sie zwischen gespielten grandiosen Auftritten und scheinbar patschertem Scheitern, holen ein bisschen Weltflair in die Hasnerstraße, sorgen für manch gespieltem Angs-Kitzel bei einer „Messerwerfer“-Nummer und Wildheit mit „Born tob e wild“ auf der E-Gitarre.

Sommeroase

Bereits zum dritten Mal ist das oben schon genannte Stück der Hasnerstraße in den Sommerferienwoche autofrei. Der Verein „O.N.E.16 – Ottakringer Nachbar*innenschafts Engagement für mehr Platz im öffentlichen Raum und ein besseres Mikroklima“ hat dies erreicht und bietet kulturelles Programm, vor allem für Kinder – von Theater bis zu bilingualem Geschichten-Erzählen, Anfang August beispielsweise auf Arabisch/Deutsch sowie Deutsch und BKS (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) – siehe Infobox ganz am Ende. Darüber hinaus gibt’s auch – wie das oben beschriebene „Egon und Erika – Eine Reise um die Welt“ Programm für alle Altersgruppen. Bühne ist immer der Theaterwagen.

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Doppelseite aus "Josch der Frosch"

Königstochter hat einen Namen und spielt Fußball

Märchen-Adaptionen boomen wieder. Diverse Rotkäppchen- und Wolf-Geschichten neu interpretiert wuseln über Theaterbühnen, eine bemühte Schneeweißchen- und Rosenrot-Version spielte u.a. beim Wiener Kultursommer, der Märchensommer Poysbrunn knüpft sich seit Jahren bekannte Erzählungen – meist aus der Grimm’schen Sammlung vor, teatro, eine Company, bei der sehr viele äußerst talentierte Kinder und Jugendliche mit Profis die Bühne teilen, nimmt hin und wieder auch Märchen als Basis für deren Musicals, heuer beispielsweise Cinderella nach Schneewittchen im Vorjahr.

Und nach „Rotkäppchen rettet den Wolf“, legt nun das Duo Petra Piuk (Text) und Gemma Palacio (Illustration) ein zweites gelungenes „Nicht-Märchen“ vor: „Josch der Froschkönig“.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Josch der Frosch“

Fußball

Jessica König – so heißt die (menschliche) Hauptfigur – im Gegensatz zum Märchen hat sie immerhin einen Namen, dort ist sie ja nur die jüngste Königstochter. Und als die Autorin beginnt, das Original in wenigen Sätzen zusammenzufassen, macht sich Jessica nach den ersten beiden Sätzen schon einmal mit einem „Stopp… können Märchen nicht einmal anders anfangen?“ Und so beginnt nach einer Stammbuchseite über Jessica, auf der du erfährst, dass sie Prinzessinnen-Märchen NICHT mag und Profi-Fußballerin beim FC St. Pauli (Hamburg, Deutschland) werden will, die Geschichte mit „Es ist… heute. Genau jetzt.“ (Ein paar Seiten weiter gibt’s für jene die das Märchen „Der Froschkönig“ aus der Grimm’schen Sammlung nicht kennen, doch eine Zusammenfassung.)

Also, passend zur aktuellen Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland (Sommer 2023), geht Jessica mit ihrem Fußball aus der Wohnung auf einen Hügel im Park. Und plötzlich springt der Ball bergab, landet in einem kleinen Teich und dort hüpft ein Frosch auf diese Kugel. Er beginnt mit ihr zu reden, sie versteht ihn! Angeblich, so erzählt er ihr, war sein Ur-ur und so weiter, sieben Generationen zurück der bekannte Märchenfrosch. Aber so wie Jessica ist auch Josch, so stellt er sich vor, kein Freund solcher Geschichten. Und außerdem scheint er sich in den Märchenwelten auszukennen, die besagte Prinzessin hätte wollen eigentlich Goldschmiedin werden und aus der berühmten Kugel Schmuckstücke herstellen wollen…

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Josch der Frosch“

Spielplan

Wie auch immer, die beiden freunden sich an, Jessica wird vorübergehend zur Fröschin und wandert mit ihm zur Moor-Blubber-Party, wo die verschiedensten Frösche aus aller Welt antanzen. Im wahrsten Sinn des Wortes, denn dort steigt wirklich Party mit DJane Katja aka Frog Queen. Dazu gibt’s im Buch eine Doppelseite einen Spielplan. Diesen findest du nochmals vergrößert als Beilage zu diesem Bilderbuch mit Zeichnungen im Comic-Stil, du checkst dir Würfel und Spielfiguren und kannst so mit anderen gleich dazwischen oder erst nachdem du das Buch durchhast den Weg zur Party mitspielen.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Josch der Frosch“

Ansatzweise Froschkunde

Auf den Seiten rund um die Party werden – in Form der Gäst:innen – so manche spannenden und oft wenig bekannten Froscharten vorgestellt – vom pfefenden aus Puerto Rico über den weitest springenden aus Südafrika, einen fliegenden aus Thailand bis zum riesigen Goliath aus Kamerun (Zentralafrika) bis zum winzigsten („siebenkommairgendwas Millimeter“) aus Papua-Neuguinea (Pazifik wird zum australischen Kontinent gezählt). An dieser Stelle – oder im Anhang – hätten die genannten Arten schon noch ein wenig mehr an Sachinformation vertragen.

Natürlich kommt Jessica wieder zurück – aus ihren Träumen (?) und landet in Menschengestalt auf dem Ausgangshügel. Jetzt hat sie den Mut, die anderen Fußballspielenden Kinder zu fragen, ob sie mitkicken darf.

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Titelseite von
Titelseite von „Josch der Frosch“
Die neue Unicef-Österreich-Ehrenbeauftragte in Malawi

Sauberes Wasser und Drohnen für Malawi

„Die Zustände in Malawi nach dem Zyklon Freddy Anfang 2023 mit eigenen Augen zu sehen war ein einschneidendes Erlebnis für mich. Doch die großartigen Projekte von UNICEF, sei es die ADDA (African Drone and Data Academy) oder die Wasser und Hygiene Projekte schenken mir große Hoffnung in eine bessere, gerechtere Zukunft für alle, die von Armut, Hunger und den Auswirkungen des Klimawandels bedroht sind,“ sagte die Schauspielerin, Sängerin und Dokumentarfilmerin Valerie Huber anlässlich eines Besuchs mit Unicef-Österreich in diesem südostafrikanischen Land im Mai dieses Jahres. Nun, Ende Juli 2023, wurde sie Ehrenbeauftragte der heimischen Abteilung des UNO-Kinderhilfswerks.

Solarbetriebene Wasserpumpen

Durch den Wirbelsturm zu Beginn dieses Jahres starben mehr als 1000 Menschen, 800.000 verloren ihr Zuhause, Cholera-Ausbrüche gefährdeten das Leben von Kindern und ihren Familien. In Malawi ist der fehlende Zugang zu sauberem Wasser ein zentrales Problem. Viele Kinder können deshalb nicht in die Schule gehen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Weil sie an Durchfallerkrankungen oder anderen Infektionen leiden, oder weil sie für das zeitaufwändige Wasserholen zuständig sind. Letzteres betrifft vor allem Mädchen. Die Versorgung von Schulen mit sauberem Trinkwasser ist entscheidend um einerseits Krankheitsfälle zur verringern und andererseits Mädchen wie Buben gleichermaßen durch Zugang zu Bildung eine selbstbestimmte Zukunft zu ermöglichen.

UNICEF fördert Wasserversorgungssysteme mit tieferen Bohrlöchern, die aus Grundwasser gespeist und mit Solarenergie betrieben werden. Damit werden sowohl periodische Schwankungen des Grundwasserspiegels ausgeglichen als auch die Abhängigkeit vom klimakrisenbedingten Absinken des Grundwassers verringert.

Die neue Unicef-Österreich-Ehrenbeauftragte in Malawi
Die neue Unicef-Österreich-Ehrenbeauftragte in Malawi legt Hand an eine der Drohnen

Medikamente per Drohnen

Über das eingangs genannte Drohnenprojekt, bei dem Studierende aus mehreren afrikanischen Ländern den Bau und Betrieb samt Wartung solcher Flugkörper erlernen, können nicht nur für die Landwirtschaft wichtige Daten leicht gesammelt, sondern auch beispielsweise kleine Mengen von Medikamenten transportiert werden. Gerade im Zuge der Zerstörung auch von Verkehrswegen durch den Zyklon eine wichtige Sache.

In Afrika aufgewachsen

Valerie Huber, die ihre ersten sieben Lebensjahre in Uganda und der Elfenbeinküste aufwuchs, weil ihre Eltern für Entwicklungshilfeprojekte Deutschlands gearbeitet haben, beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit den bedrohlichen Folgen der Klimakrise und setzt sich bereits seit mehr als einem Jahr für die Arbeit von UNICEF Österreich und die Kinderrechte ein, u.a. im Rahmen vom „Kinderrechte-Picknick“ 2022. Sie persönlich fühlt sich vor allem mit Afrika und den Menschen dort verbunden: „Durch die zunehmende globale Ungleichheit ist die Arbeit von Unicef heute wichtiger denn je. Der Klimawandel stellt die Länder im globalen Süden vor noch größere Herausforderungen als bisher: Extreme Hitze, Dürren, Wasser- und Lebensmittelknappheit nehmen immer mehr Menschen die Lebensgrundlage. Und alles fängt bei den Kleinsten an. Bildung und Förderung von Kindern und Frauen sind die Grundlage für ein besseres Leben und oftmals der Schlüssel aus der Armut. Es ist eine große Ehre für mich als Ehrenbeauftragte zu agieren, da wir als Gesellschaft Themen wie soziale Ungleichheit in unsere täglichen Debatten und Gedanken einbetten müssen, um Ungerechtigkeit und möglichen katastrophalen Zukunftsszenarien entgegenzuwirken. Die Arbeit von Unicef ist absolut essentiell und deshalb braucht es höhere Finanzierung von allen reichen Ländern und von Konzernen, um Armut und Hunger effektiv bekämpfen zu können.“ 

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Die neue Unicef-Österreich-Ehrenbeauftragte mit dem Geschäftsführer der heimischen Sektion des UNO-Kinderhilfswerks
Die neue Unicef-Österreich-Ehrenbeauftragte Valerie Huber (rechts) mit dem Geschäftsführer der heimischen Sektion des UNO-Kinderhilfswerks, Christoph Jünger
Szenenfoto aus "Wild wild Roses" beim Wiener Kultursommer

Wilde Rosen gehören nur sich selbst…

Was aber ist hinter dem Wald? Oder, was war davor und was kommt danach – nicht in Sachen Wald, sondern vor dem erzählten Märchen, also vor dem „es war einmal“ und was vielleicht danach – zwischen Happy End und dem vielleicht noch heute leben?

Viele Märchen sind weit verbreitet, so manche werden – zumindest seit Jahrzehnten – interpretiert, meist psychologisch oder psychotherapeutisch. Und immer wieder hinterfragt, nicht zuletzt was die transportierten Rollenklischees betrifft.

Neu frisiert, gestrickt, gedichtet…

Am vielleicht am kürzesten und einprägsamsten fragt die mittlerweile bekannte Kabarettistin Malarina in einem ihrer Programme: Wenn Rapunzels Haare so stark sind, dass sie daran einen Mann raufklettern lassen kann, um von ihm befreit zu werden, warum hat sie dann nicht ihre starken lange Haare verwendet, um die Enden oben in der Turmstube festzubinden und sie als Kletterseile zu verwenden, um die Turmmauer hinab auf den Boden zu gelangen, die Haare abzuschneiden und sich damit selber zu befreien?!

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wild wild Roses“ beim Wiener Kultursommer
Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Wild wild Roses“ beim Wiener Kultursommer

Kellergeheimnisse, wilde Rosen

Beim Wiener Kultursommer trat das Kollektiv WienMaschin mit seiner neuesten freien Märchenadaption „Wild wild Roses“ auf – gesehen neben dem Fußballplatz des ASK Erlaa in der Liesinger Meischlgasse – auf: „Wild wild Roses“ hat sich nach „Max & Moritz -Kellergeheimnisse“ nun „Schneeweißchen und Rosenrot“ aus der Grimm’schen Sammlung vorgeknöpft. Nach anfänglichem, streckenweise ein wenig abgehobenem, Philosophieren über Nichts und den Wald, schlüpfen nach und nach Anna-Eva Köck in die Rolle des Schneeweißchens, Johanna Hainz in die der Schwester Rosenrot sowie Sonja Kreibich in jene der Mutter (Regie und Text: Aline Sarah Kunisch, die in dem Fall auch für Musik, die Thomas Käfer zusammengestellt hatte, eingesprungen ist und die vom hinter Handtüchern versteckten Computer abspielte).

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Immer wieder hinterfragt vor allem Schneeweißchen ihre Rolle, die ganze Geschichte, tanzt mitunter sozusagen auch aus der Reihe und von der Bühne ins Publikum – auf der Suche nach dem Sinn, sich selbst und wer weiß was noch. „Ich fühl’s nicht!“ als Feststellung, zweifelnd, ja ärgerlich bis zum Auszucken. Als Basis, aus den Märchenrollen auszubrechen.

Ich gehör nur mir

Und doch die fast einstündige Aufführung ein wenig entrückt – nicht zuletzt von den wenigen Kindern im Publikum. Aber mit einer Party mit Konfetti- und einer roten Rauchbombe am Ende rund um den Hit „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“, dessen erste Zeilen lauten: „Ich will nicht gehorsam, gezähmt und gezogen sein/ Ich will nicht bescheiden, beliebt und betrogen sein/ Ich bin nicht das Eigentum von dir/ Denn ich gehör‘ nur mir…“

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Kinderuni-Vorlesung im Hyblerpark (Wien-Simmering)

Im Park der Umwelt auf der Spur

Unter den Bäumen hier im oberen Teil des Hyblerparks gleich bei der U3-Station Zippererstraße liegen die Matten aus quadratischen Steck-Teilen, daneben stehen Kisten mit den Zutaten für Experimente und Spiele. Auf Plakatständern steht, was an welchem Platz im Angebot ist. Bei einer Station sitzen die Kinder im Kreis und greifen in Kübel mit Erde. Hier basteln sie Blumenbälle mit Lena. Bei Nour können sie wählen, ob sie tüfteln wollen, was in welchen Gegenständen drinnen steckt – Metall, Papier, Kunststoff usw. oder ob sie „einkaufen“ spielen.

Was hinterlassen wir nach dem Picknick

Bei Letzteren liegen Kärtchen mit Brot, Gebäck, Obst, Gemüse, Süßigkeiten und vielen anderen Dingen des täglichen Bedarfs in der Mitte. Marija, Hewin, Nevin, Nadine, Heda, Heman, Carolina, Matea, Fouad, Mosavi und noch viele andere haben hier schon jeweils fünf Kärtchen ausgewählt. Kriterium für den „Einkauf für ein Picknick“: Möglichst wenig Verpackung und damit Müll soll mitgebracht werden. Beim Besprechen in der Runde wird thematisiert, welche Verpackungsmaterialien wie laaaaange brauchen, bis sie sich aufgelöst haben.

Während die natürlichen Bananenschalen schon nach zwei Jahren zersetzt sind, kugeln die Plastikfolien, in die Gurken, die ja ohnehin eine Schale haben, gut 120 Jahre irgendwo auf der Welt herum. Das Aluminium de Getränkedose hat sogar eine Haltbarkeit von 700 Jahren.

Irgendwie dreht sich hier – nicht nur an diesem Nachmittag – alles um Umwelt. Von der dritten Station bei Mona schwärmen Kinder als Umfrager:innen aus, um die anderen Jung- und Jüngst-Studierenden der Kinderuni on Tour, aber auch andere Menschen im Park zu befragen, ob sie Müll trennen, welche Mittel sie zur Fortbewegung verwenden, ob Öffis, Fahrrad oder Auto…

Vorlesung

Klima steht auch auf der Tagesordnung der Vorlesung an diesem Tag, gehalten von der schon genannten Lena sowie Maja. Vor dem Plakat mit dem großen Foto eines Universitäts-Hörsaals sprechen sie – sehr im Dialog mit ihren Studierenden über die größten Klimakiller, aber auch darüber, was jede und jeder selber beitragen kann, um nicht die Erd-Erwärmung anzuheizen. Sowie über die „Maschinen“ gegen den Klimawandel, die Bäume und Pflanzen.

Bewegungsdrang

So manche Kinder verspüren darüber hinaus starken Bewegungsdrang und Lust auf actionreichere Spiele. Bälle fliegen durch die Luft und eines der Spielgeräte, eine Art mehrstöckiges Ringelspiel ist überhaupt ein Anziehungspunkt: Immerhin lässt sich so manches physikalische Gesetz wie die Fliehkraft hier praktisch und hautnah erleben 😉

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Szenenfoto aus "Cinderella" von teatro

Cinderella ist hier selber recht stark

„Cinderella“ ist die jüngste, flotte, junge, streckenweise mitreißende Musicalproduktion von „teatro“ im Mödlinger Stadttheater. Eine Woche nach der furiosen Premiere des hierzulande zu wenig bekannten Stoffes „Anne of Green Gables“ nun für das noch jüngere Publikum eine Adaption eines der bekanntesten Grimm’schen Märchens, das allerdings auch auf anderen Sammlungen beruht. Bei Grimm heißt es Aschenputtel, in älteren Versionen Aschenbrödel; es gibt – wie das umfangreiche, informative Programmheft (stets Teil von teatro-Produktionen) kundtut, auch die neapolitanische Sammlung Pentameron von Giambattista Basile (16. Jahrhundert) sowie Charles Perraults Cendrillon ou la Petite Pantoufle de verre (Aschenputtel oder der kleine Glasschuh).

Die reichlich anachronistisch Grundgeschichte – böse Stiefmutter samt ihren vielleicht noch bösartigeren Töchtern, die die Hauptfigur mobben, demütigen und die diesem Martyrium nur durch die Heirat mit dem Prinzen entkommt – wird hier doch ein bisschen moderner frisiert: Buch: Norbert Holoubek, Regie, Buch-Ergänzungen: Peter Faerber, Musik: Norberto Bertassi

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Cinderella“ von teatro: Die Konflikt-Parteien Cinderella und die „Böslinge“

Neu frisiert

Erstens ist das „böse“ Trio angeführt vom Hausdrachen Corinna Schaupp zur Karikatur überzeichnet, insbesondere die Stiefschwestern (Clarissa: Carolina Murg, Celestine: Sophie Rosenitsch) geben sich brillant ständig der Lächerlichkeit Preis. Zweitens ist Cinderella (Emily Fisher) nicht ganz allein, hat hier sieben starke Freund:innen und Helfer:innen – vier bunte Tauben (Konstantin Pichler, Anastasia Mila Krstić, Lydia Kodym und Leonhard Schwaiger) und drei groß(artig)e Mäuse (Cati Rachoner, Kaela Hitsch, Hanna Auerböck), die tragende Rollen mit eigenen unterschiedlichen Persönlichkeiten, spielen. Und drittens hat sich Cinderella selbst wenigstens ein bisschen Widerstandsgeist bewahrt. Die anonyme Begegnung mit dem Prinzen (David Mannhart) am Ball verleiht ihr zwar Auftrieb, gibt ihr aber „nur“ mehr Kraft im Kampf gegen die Tyrannei des Trios. Was vielleicht am treffendsten in einem der Dialoge gegen Ende gipfelt, als die Stiefmutter giftig fragt: „Was ist denn bloß in dich gefahren“ und Cinderella kontert: „Ich bin in mich gefahren!“

Szenenfoto aus
Aus 20 Meter Stoff „zauberte“ die Kostümbildnerin 180 Meter Saum – schwer, aber doch leicht zu drehen, so die Cinderella-Darstellerin

180 Meter

Eine besondere Erwähnung verdient – eigentlich bei jedem teatro-Stück – die Kostümbildnerin. Brigitte Huber tüftelt jeweils an einem Gesamtkonzept für alle Kleidungsstücke der Figuren im jeweiligen Stück und schafft darüber hinaus immer wieder auch totale Gustostückerln. So tanzt Emily Fisher als Cinderella auf dem Ball in einer himmelblauen Robe mit vielen Rüschenreihen. Aus den 20 Meter Stoff schneiderte die Kostümbildnerin so 180 (!) Meter Saum. Und sie bemerkte sofort, dass beim ersten Auftritt Fishers bei der Premiere, eine der Rüschen aufgegangen war, was durchaus Stolpergefahr beim Tanz bedeuten hätte können. Ruckzuck fixierte Brigitte Huber das im Bühnenhintergrund, bevor es auf zum Ball-Tanz ging. „Ein bisschen schwer ist das Kleid schon, aber es dreht wunderbar“, so Emily zu KiJuKU.at

Zu einem ausführlichen Interview mit ihr geht es hier unten:

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Cinderella“ von teatro im Stadttheater Mödling – das „böse“ Trio überzeugte durch viel Spielfreude

Böse zu spielen macht unheimlichen Spaß

Gegenspielerinnen Cinderellas (Emily Fisher – ein eigenes Interview mit ihr ist unten verlinkt) sind – gemeinsam mit ihrer autoritären Mutter (Corinna Schaupp) – die beiden Stiefschwestern Clarissa (Carolina Murg) und Celestine (Sophie Rosenitsch). Sie sind nicht nur – wie es das Märchen vorgibt böse und gemein, sondern auch mehr als tollpatschig., bereiten beim Ball dem Prinzen (David Mannhart) „schmerzhafte Begegnungen“ mit versuchten Tanzschritten mit denen sie ihm auf die Füße trampeln und noch hinpurzeln.

Letztere ist neu in der „teatro“-Familie, „fühl mich da aber von Anfang an sehr wohl. Ich hab mich beworben und diese Rolle macht mir viel Spaß, weil sie so witzig ist.“ Ihre „Schwester“ war schon in teatro-Produktionen („Peter Pan“ sowie „Anne Frank“) zu erleben und hatte genau so viel Freude daran, die Böse zu mimen. „Das Lustige ist, dass wir beide mit Emily (Cinderella) privat befreundet sind und ihr gleich als wir für diese Rollen eingeteilt waren, geschrieben haben, dass wir uns freuen, sie im Musical „ärgern“ zu dürfen!“, vertrauen sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … an.

Starke „Neben“figuren

Cinderella hat in dieser Musical-Versionen von teatro gleich mehr als zwei – hier bunt gefiederte – Tauben als Freund:innen und Helfer:innen und dazu noch drei Mäuse, jedes der „Tiere“ mit eigenem Namen und eigener persönlicher Note. Alle sieben verwandeln sich für die Fahrt zum und beim Ball in Lakaien (Diener:innen), der nun prächtig gewandeten Cinderella. Und dieses Septett spielt mehr als nur Nebenrollen, sie verleihen den insgesamt nicht ganz zwei Stunden (einschließlich einer längeren Pause) sehr humorvolle Würze und lassen die gemobbte Cinderella praktisch nie allein und im Stich.

Eine dieser Mäuse, die namens Stubs spielt Kaela Hitsch – „13, fast schon 14!“. Seit sieben Jahren ist sie bei „teatro“, „zuerst in der MAB – Musical Academy Brigittenau – und seit „Bambi“ (2021) bei den großen Sommerproduktionen. Ich mag mein Rolle sehr, obwohl’s im Mauskostüm schon sehr heiß ist. Als Lakai tanzen wir in der sicher schwierigsten Choreografie des ganzen Stücks am Ball, da müssen wir die drei Bösen von Cinderella und dem Prinzen fernhalten. Und in dieser Choreo haben wir auch Bocksprünge drinnen. Das ist wirklich cool.“ Wie viele andere ihrer Kolleg:innen, die schon lange, manche auch, die erst kurz dabei sind, „möchte ich Musical-Darstellerin werden.“ Sie besucht den Musikzweig des Wiener Gymnasiums Boerhaavegasse, spielt Geige und Klavier.

Dialekt, frech

Taube Ringel gespielt von Leonhard Schwaiger, findet „vor allem cool, dass wir als Tauben im Dialekt sprechen dürfen, das liebe ich auch an dieser Rolle“, sagt er in der Pause, schon im Lakaien-Kostüme, in dem die sieben Diener:innen am Beginn des zweiten Aktes zunächst Cinderella in der schon knapp davor zur Kutsche umgebauten Ofen (in Form eines riesigen Fasses) zum Schloss begleiten. „So richtig bin ich hier erst seit zwei Jahren, war aber schon vorher ungefähr zwei Jahre auf Bühnen und bei Workshops“, so der 12-Jährige zu Kinder I Jugend I Kultur I und mehr…
Auch er will „jedenfalls später was mit Musical machen“.

Schorschi ist der Figurenname der frechsten unter den vier Tauben. In diese Rolle schlüpft der 13-jährige Konstantin Pichler. Und hat sichtlich und hörbar auch außerhalb der Bühne große Freude damit. „Obwohl zu Hause bin ich nicht frech, sondern nur aufgeweckt, würde ich sagen“, meint er von KiJuKU darauf angesprochen, ob das auch seinem Naturell entspreche. „Seit ich acht bin, mach ich bei teatro mit, in Mödling auf der Stadttheaterbühne erst seit Bambi (2021), wo ich ein Streifenhörnchen war.“

Seit eben auch dieser Produktion ist Anastasia Mila Krstić mit dabei, „zwar erst das dritte Jahr, aber schon mein fünftes Stück“, so die Darstellerin der Taube Wickerl zum Reporter. „Ich mag diese Rolle und bin überhaupt dankbar, dass ich seit Bambi in jedem der Musicals – Bambi, Schneewittchen, heuer Cinderella und zwei Mal bei der Weihnachtsgeschichte – mitspielen, -singen und -tanzen durfte.“

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Für KiJuKU interviewte die Schülerin Stefanie Kadlec die Hauptdarstellerin im teatro-Musical Cinderella, Emily Fisher

„Nicht aufgeben, dann gehen Träume schon in Erfüllung“

Nach der vielumjubelten Premiere von „Cinderella“ der Musiktheatergruppe „teatro“ im Stadttheater von Mödling mit standing ovations, konnte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… ein ausführliches Interview mit der Hauptdarstellerin Emily Fisher führen. Zu einer Stückbesprechung und mehreren kurzen Interviews geht es in einem Link am Ende dieses Interviews.

KiJuKU: Ich habe gelesen, du bist sehr musikalisch und nimmst schon seit Jahren Klavier- und Gesangsunterricht. Welche Rolle spielt Musik in deinem Leben?
Emily Fisher: Eine riesige Rolle. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zu singen begonnen habe, aber ich habe immer schon gerne gesungen. Zuerst in Schul-Chören und habe dann irgendwann, das war schon relativ spät, mit 16, mir gedacht: Ich möchte mehr machen, denn ich liebe es so sehr. Dann habe ich das erste richtige Kindermusical gemacht und ich dachte mir: Das ist es. Ich habe seitdem auch nichts anderes mehr verfolgt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Cinderella“ von teatro im Stadttheater Mödling im schweren, aber leicht drehenden Kleid

KiJuKU: Also bist du durch die Musik zu „teatro“ gekommen, könnte man das so sagen?
Emily Fisher: Ja voll. Es war eigentlich ein lustiger Zufall. Ein Freund von mir, mit dem ich das erste Kinder- und Jugendmusical gespielt habe, war bei „teatro“ und hat eine Rolle nicht spielen können, weil er etwas anderes gespielt hat. Dann hat er mich gefragt, ob ich einspringen könnte. Der Norberto (Bertassi, Begründer dieses Musiktheaters für junges Publikum) hat mich irgendwann angerufen , ich kannte ihn nicht. Er hat mich gefragt, ob wir uns treffen können. Dann hat er mir alles gezeigt und ich habe innerhalb von so drei Tagen das Ganze, das war eine Rolle in „Pinocchio“ (der Volkshochschule Brigittenau) schnell gelernt. Im gleichen Jahr habe ich die Audition für „Alice“ gemacht. Ja, so war das.

KiJuKU: Dann habe ich noch gelesen, du studierst Pädagogik und arbeitest auch als Volksschullehrerin, stimmt das? Wieso gerade Pädagogik?
Emily Fisher: Ja, das stimmt. Ich hätte auch Logopädie studieren können, denn ich wurde bei beidem aufgenommen und habe mir beides angeschaut. Als Plan B ist es sehr schön. Man kann sich kreativ ausleben. Ich singe jetzt schon ganz viel mit den Kids und versuche Musik so oft es geht, in den Unterricht zu integrieren.

Für KiJuKU interviewte die Schülerin Stefanie Kadlec die Hauptdarstellerin im teatro-Musical Cinderella, Emily Fisher
Für KiJuKU interviewte die Schülerin Stefanie Kadlec die Hauptdarstellerin im teatro-Musical Cinderella, Emily Fisher

KiJuKU: Das wäre eigentlich auch meine nächste Frage gewesen, ob du beides verbindest…
Emily Fisher: Bei „teatro“ ist es ganz leicht, weil wir haben unsere Kinder im Ensemble. Das ist schön, mit Kindern zu arbeiten, denn sie sind immer ehrlich und faken nicht. Sie haben meistens einfach total viel Freude, keine Hemmungen und sind total verrückt, manchmal. Das ist so, wenn du das Schulhaus betrittst. Du wirst sofort mit hundert Emotionen überflutet und das ist hier auch so.

KiJuKU: Cinderella hält an ihren Träumen trotz aller Schwierigkeiten fest. Manchmal zweifelt sie auch und manchmal ist sie hoffnungslos, aber im Großen und Ganzen hält sie daran fest. Was sind deine Träume für die Zukunft, beruflich wie privat?
Emily Fisher: Mein großer Traum ist, dass ich weiterhin auf der Bühne stehen darf und Theater machen darf. Solange ich das machen kann, bin ich glücklich.

KiJuKU: Es gibt beim Ball im Stück diese Szene, wo alle beginnen, voll Freude zu tanzen. Ist das Tanzen auch eine Leidenschaft von dir?
Emily Fisher: Ich liebes es zu tanzen. Es macht so viel Spaß. Ich bin eine von diesen Menschen, wenn ich mal mies drauf bin, drehe ich meine Lieblingsmusik auf und tanze wild. Das ist pure Freude.

KiJuKU: Welche Figur bzw. Figuren außer Cinderella gefallen dir sehr?
Emily Fisher: Ich finde die Mäuse und Tauben ganz großartig. Sie zeigen einfach, wie es ist, wenn man zusammenhält und den Kopf auch nicht hängen lässt. Man tendiert ja manchmal dazu, sich selbst ein bisschen zu sehr leid zu tun. Die Tauben sagen: „Lass dich nicht so owezahn (runterziehen), du musst die Traurigkeit wegtanzen!“ Da haben sie voll recht.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Cinderella“ von teatro im Stadttheater Mödling – Cinderella mit ihren Freund:innen und hewlfer:innen, den Mäusen und den Tauben

KiJuKU: Hast du irgendein künstlerisches Vorbild?
Emily Fisher: Eigentlich jede Person, die ich treffe, die diesen Beruf auslebt, wird für mich sofort ein Vorbild, weil ich bewundere das so, dass man seinen Träumen nachgeht. Man kann diesen Beruf nicht ausüben, wenn man es nicht liebt und wenn man nicht die größte Leidenschaft dafür hat. Ich habe zum Beispiel beim „Glöckner“ mitspielen dürfen im Chor und alle, sowohl die Hauptdarsteller als auch die Ensemble-Leute, habe ich angehimmelt, weil ich dachte mir so „Wowh, ihr macht das, wovon ich träume“:

KiJuKU: Denkst du, dass alle Wünsche wahr werden können und wenn ja, welche Kriterien müssen erfüllt werden? Braucht man da wirklich eine gute Fee oder wie genau ist die Figur der guten Fee im echten Leben?
Emily Fisher: Ich glaube, es müssen nicht einmal alle Wünsche erfüllt werden. Aber im echten Leben braucht man definitiv manchmal eine gute Fee. Das kann eine Freundin sein, die dich aufbaut, wenn du gerade einen tiefen Moment hast, ein Haustier oder ein Lied, das gerade im Radio läuft, und du denkst „O mein Gott, genau dieses Lied habe ich gerade hören müssen“. Dann kriegst du neuen Mut und neue Hoffnung. Ich glaube, wenn man versucht, sich in seinem Leben treu zu bleiben, ehrlich zu sein und nicht aufzugeben, dann gehen die Träume schon in Erfüllung.

Das Interview führte Stefanie Kadlec, 17, die derzeit bei KiJuKU in den Journalismus hineinschnuppert.

Schnappschuss vom ersten World Child Forum in Davos (Schweiz)

Schatzkiste mit vielen Fragen und „unseren Ideen für unsere Zukunft“

Seit mehr als 50 Jahren ist der Schweizer Luftkurort Davos noch mehr bekannt für sein jährliches Treffen des Weltwirtschaftsforums. Die Mitgliedsunternehmen sind weltweit tätig und ziemlich reich, laut Wikipedia allesamt mit einem Umsatz von jeweils mehr als 4,5 Milliarden Euro. Aufgrund dieses – ökonomischen – Gewichts kommen beim Forum immer auch wichtige Politiker:innen, Wissenschafter:innen und nicht zuletzt Medien-Vertreter:innen in den Kanton Graubünden, in dem Davos liegt. Umwelt- und soziale Fragen wurden in den vergangenen Jahren auch hier zunehmend zum Thema.

Erstes Welt-Kinder-Forum

Da gerade diese beiden für heutige Kinder und Jugendliche für ihr weiteres Leben bestimmend sind, ja dieses geradezu gefährden, fand kürzlich an ebendiesem Ort das erste „World Child Forum“ (WCF, Welt Kind Treffen) statt. Rund 120 junge Menschen aus 20 Ländern aus Europa, Afrika, Süd- und Nordamerika sowie Antarktis (Pazifik) kamen zusammen. „Die Jüngsten waren so sechs, sieben Jahre, die ältesten 20 und ein bisschen darüber, die meisten so um die 15 oder 16 Jahre“, so die für Medienkontakte zuständige Kathrin Klass zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Wir wollten natürlich auch mit einigen der Teilnehmer:innen selber reden. Trotz all der Hektik dieses Treffens, in dem die Kinder und Jugendlichen in sehr flexiblen, offenen, intensiven Workshops sowohl kreativ als auch inhaltlich arbeiteten, diskutierten, Forderungen, Wünsche und viele Fragen formulierten, gelang dies. Hier drei kurze verschriftlichte Versionen der Online-Video-Gespräche.

Shirin Makonda - Screenshot aus dem Video-Online-Interview
Shirin Makonda – Screenshot aus dem Video-Online-Interview

Eigene Ideen für unsere Zukunft

Shirin Makonda ist 15 und kommt aus Morogoro (Tansania, ca. 200 km westlich der Hauptstadt Daressalam). Sie kam gemeinsam mit 15 anderen Jugendlichen ihrer Schule. Zunächst schwärmte sie davon, dass „es hier ganz anders zugeht als bei anderen Kongressen. Sonst sind es immer eher eine Art von Seminaren, du hörst etwas, und fährst wieder. Hier war es ganz anders – so viele unterschiedliche Menschen konnten wirklich miteinander leben, wir konnten uns intensiv austauschen und echte Freundschaften knüpfen.“

In der Sache selbst berichtet sie „vor allem konnten wir Ideen und Beiträge für unsere eigene Zukunft entwickeln und gestalten. Ich habe – wie auch die anderen – die Chance bekommen, an unserer eigenen Zukunft zu arbeiten. Dazu haben wir unter anderem die wichtigsten Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, benannt und in einer Box gesammelt (genannt Schatzkiste). Dazu gehört natürlich, wie der Planet geschützt werden kann – sowohl was das Klima betrifft als auch wie Frieden gemacht werden könnte. Diese Fragen, Probleme und Ideen sollen dann beim nächsten Weltwirtschaftsforum präsentiert werden.“

Shirin Makonda und KiJuKU-heinz -  Screenshot aus dem Video-Online-Interview
Shirin Makonda und KiJuKU-heinz –  Screenshot aus dem Video-Online-Interview

„Die Gruppe aus Tansania hat gleich zu Beginn mit Trommeln, Gesängen und Tänzen die Stimmung bei unserem Treffen gerockt“, ergänzt die Medien-Verantwortliche gegenüber dem Journalisten.

Gaia Hoshen - Screenshot aus dem Video-Online-Interview
Gaia Hoshen – Screenshot aus dem Video-Online-Interview

So könnte Frieden funktionieren

Gaia Hoshen reiste aus Tel Aviv (Israel) an. Sie ist freiwilliges Mitglied der NGO „Combatants for Peace“ (KämpferInnen für den Frieden), die sich für ein friedliches Miteinander von Israel und Palästina in einer 2-Staaten-Lösung einsetzt. „Ich kam dazu, weil ich bei Demonstrationen für den Frieden dabei war. So ist für mich bei dem World Child Forum auch das Wichtigste, neue Leute zu treffen, miteinander zu diskutieren, um Toleranz rund um die Welt zu fördern. Und anderen Perspektiven zu eröffnen mit positiven Beispielen, wie friedliches Miteinander funktionieren kann und könnte.

Die 22-jährige arbeitet in einem Start-Up-Unternehmen im Medizinbereich.

Julius Bismarck - Screenshot aus dem Video-Online-Interview
Julius Bismarck – Screenshot aus dem Video-Online-Interview

Einprägsam aus dem echten Leben zu erfahren

Julius von Bismarck aus Deutschland, hatte von einem Bekannten und seiner Tochter vom World Child Forum gehört, „dann hab ich mir das Programm angeschaut, die vielen offenen Räume, in denen selbst viel zu gestalten war samt eigenen Beiträgen und Begegnungen haben mich überzeugt, hierher zu kommen. Und es hat sich bewahrheitet“, strahlt er im Online-Video-Interview.

„Ich bin Teil der Students for Future und bei einer Vereinigung, die sich für nachhaltige Lehre gerade in der Ökonomie einsetzt“, berichtet der Student einer speziellen Kombination von Philosophie, Politik und Ökonomie an der Universität von Witten/ Herdecke. Über das Umweltthema hinaus habe sich sein Blick bei dem Treffen in Davos erweitert. Als ein Beispiel nennt er „die Begegnung mit einem Teilnehmenden aus der Elfenbeinküste über die Rolle des Internationalen Währungsfonds. Theoretisch hatte ich mich damit zwar schon beschäftigt, aber seine konkreten Erzählungen der Auswirkungen der IWF-Politik waren für mich eine sehr einprägsame Erfahrung.“

Peace, not pieces

Eines der Videos auf dem Insta-Account des WCF zeigt viele der Zettel, die die Teilnehmer:innen für die „Schatzkiste“ geschrieben haben. Auf vielen haben sie Fragen an Erwachsene (nicht nur) des Weltwirtschaftsforums gestellt: Ob der Präsident gut schlafen könne, warum es so enorm Reiche und so viele Arme auf der Welt gibt. Wie können wir die Welt schützen, eine bessere Zukunft erkämpfen…? Warum wird so viel Geld in Kriege gesteckt, wenn doch damit Arme unterstützt werden könnten? Die meisten auf Englisch, manche auf Deutsch, andere auf Arabisch. Einer der Wünsche funktioniert als (akustisches) Wortspiel nur im Englischen: „Make Peace, not pieces!“ (Macht Frieden, nicht Stückwerk!)

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insta -> WCF-Video

„Denk dir die Welt“- Unicef- Ideenbewerb bis Ende Juli

Übrigens , nur noch bis 31. Juli 2023 haben Kinder und Jugendliche beim Kreativwettbewerb „Denk dir die Welt“ von Unicef-Österreich die Möglichkeit mitzumachen – mehr dazu in diesem KiJuKU-Beitrag hier unten:

Doppelseite aus "Der Wolfspelz"

Tarnen, um sich sicherer zu fühlen?

Wölfe sind derzeit in unseren Breitengraden wieder die Ur-Bösen. Während es als völlig normal verteidigt wird, dass Menschen Tiere töten, um sie zu essen, sollen die Hunde-Vorfahren, die ihren Hunger stillen, gleich zum Abschuss freigegeben werden. Dabei sind Wölfe intelligente und soziale, in Rudeln lebende Tiere, die in West-, Mittel-Europa und Japan im vorvorigen Jahrhundert fast ausgerottet worden waren. In den vergangenen Jahrzehnten wurden sie unter Schutz gestellt und wieder angesiedelt.

Und schon wurden sie wieder zu den Bösen schlechthin, in den meisten Märchen sind sie’s, in manchen greifen sie sogar zu verschiedensten Listen – so verkleidet sich in Rotkäppchen der Wolf, der die Oma verschlungen hat, als solche, um auch noch die Enkelin zu verspeisen. Bei den sieben Geißlein, taucht er das Fell in weißes Mehl und frisst Kreide, um die Stimme zu erhöhen und so die Ziegenkinder zu verspeisen. Für die Verkleidungen, Verstellungen hat sich der Begriff vom „Wolf im Schafspelz“ eingebürgert. Er geht auf sowohl auf Fabeln des altgriechischen Dichters Äsop als auch eine Jesus-Predigt im Neuen Testament zurück.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Der Wolfspelz“

Ein menschliches Schaf

Nun ist ein üppiges Bilderbuch, eigentlich schon eine Graphic Novel erschienen, die die Kern-Idee umdreht: „Der Wolfspelz“, geschrieben und gemalt von Sid Sharp, vom Englischen ins Deutsche übersetzt von Alexandra Rak.

Bellwidder Rückwelzer heißt das Schaf, das ziemlich einzelgängerisch und eher menschlich lebt, in einem Haus, in dem es sich zu Beginn aus dem Bett räkelt und sich selbst genügt. Nur die Brombeeren, die neigten sich zu Ende. Und so wollte die Hauptfigur dieser nicht ganz 130 Seiten in den Wald, um welche zu holen. Wenige Sätze pro Seite auf – meist – in düsteren, und doch nicht wirklich Angst erzeugenden Farben (viel davon ist schwarze Tinte) bilden die Hintergründe für die stark an Comichafte Zeichnungen erinnernden Figuren. Von letzteren gibt es außer dem Schaf nicht allzu viele.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Der Wolfspelz“

Tarnanzug

Den Wald mochte unser Schaf auch sehr gern, an den Blumen reichen, die Vögel zwitschern hören. Nur, es hatte fürchterliche Angst vor dem bösen Wolf. Da Bellwidder Rückwelzer aber sehr geschickt war und äußerst gut nähen konnte, da – dachte es sich aus: Ein Wolfskostüm zu schneidern und in dieses zu schlüpfen!

Nun fühlte sich das Schaf im Wald sicher, allerdings konnte es wegen der unter der Wolfsschnauze versteckten eigene Nase die Blumen nicht mehr riechen und die Ohren waren auch nimmer frei, weswegen der Protagonist der Geschichte auf die geleibten Gesänge der gefiederten, fliegenden Waldbewohner:innen verzichten musste. Und überhaupt war’s nicht so angenehm in dem Vollkörperkostüm, das auch noch da und dort zu reißen begann…

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Der Wolfspelz“

Sein und Schein

Aber sicher war’s trotzdem. Und Bellwidder Rückwelzer stieß auf andere Wölf:innen, von denen manche von der Form her schon ein bisschen, naja… – alles sei sicher nicht verraten, höchstens so viel, wie auch in der Verlags-Ankündigung schon steht: „Keiner der anderen Wölfe ist, was er zu sein vorgibt.“

Also eine Art Plädoyer, zu sich und seinen Eigenheiten zu stehen und sich nicht zu verstellen, um sich an- und vorgeblich sicherer zu fühlen.

Angeblich ist Sid Sharp übrigens die erste Idee, die später erst zu diesem Kinderbuch geführt hat, im Traum erschienen, wie they im Interview mit dem Verlag erzählt: „Absolut! In meinem Traum war ich ein Schaf, das versuchte, den Tag zu überstehen, ohne gefressen zu werden. Es war schrecklich! Danach habe ich viele Zeichnungen und Comics dazu gemacht.“

Und als Schlussfolgerung heißt es später in dem Interview – Link zum gesamten am Ende des Beitrages: „Bellwidder leidet ziemlich unter seinem Wolfsanzug, auch wenn er ihm vermeintlich Sicherheit gibt. Der Anzug passt einfach nicht, obwohl er sehr gut gemacht ist. Sich zu verstellen funktioniert also nie. Und trotzdem tun wir es so oft. »Sich anpassen« und »sich nicht anpassen« ist also nicht so einfach, wie es manchmal scheint. Das ist ein zentraler Punkt, den wir in meiner Geschichte untersuchen.“

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Zum Interview auf der Verlagsseite

Titelseite von
Titelseite von „Der Wolfspelz“
Doppelseite aus "Qualle im Sommercamp"

„Freuvösig“ vor der Ferienwoche im Zelt-Camp

Die besten Geschichten schreibt das Leben. Gehört vielleicht zu den meist-zitierten Sprüchen. Original-Quelle unbekannt. Gute Autor:innen können hervorragend beobachten und zuhören sowie daraus eigene Geschichten literarisch anspruchsvoll, spannend, interessant bauen samt Würze mit eigener Fantasie, nicht selten auch sprachspielerisch.

Zu diesen gehört Lena Raubaum, die sowohl lyrisch – in Gedichtform – als auch Prosa flott zu lesende, sozusagen zu verschlingende, Bücher schreibt. Für eine mittlerweile zu einer kleinen Serie angewachsene Episodensammlung hat sie sich als Erzähler den 9 ½-jährigen Max Kallinger ausgedacht, weil sich daraus so schön der Spitzname Qualle ableiten hat lassen. Zu dessen bestem Freund Öner lässt die Autorin für den Band „Qualle im Sommercamp“ noch ein Zwillingspaar ins engere Universum einsteigen. Nora und Aron. Diese Kombi hat sie, wie sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… verraten hat auch aus der Wirklichkeit ausgeborgt. „Bei einer Lesung in einer Klasse hat sich tatsächlich eine Nora gemeldet, die sich als Zwillingshälfte vorgestellt hat und sagte, ihr Bruder heiße Aron.“

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Qualle im Sommercamp“

Tiere, Spital, Küche und …

Also, nach Tierheim, Krankenhaus, Küche – und einem kleinen Zwischenbüchlein als Cor-Öner-Tagebuch geht’s im vierten richtigen Qualle-Buch also in ein Feriencamp – mit Zelt, Wald und Lagerfeuer. Und natürlich darf so manches Abenteuer nicht fehlen. So verliert Qualle, der die Obhut über das Camp-Maskottchen, eine Stoff-Fledermaus namens Adelheid, übernommen hat, diese eines Tages. Klar, sie taucht wieder auf.

Das größere Problem für Qualle reißt Raubaum gleich im allerersten Satz des Buches an: „Sag … sind wir eh noch beste Freunde?“, um das Gefühl der Eifersucht schon im nächsten anzudeuten. Als ich dem Öner diese Frage stellte, spürte ich einen Kloß im Hals…“ Natürlich können wir davon ausgehen, dass … – aber die Autorin lässt über seeeehr viiiiiiele Seiten offen, wie Öner wirklich reagiert. In einer Serie, die Zuschauer:innen süchtig nach der nächsten Folge machen will, würde das Cliffhanger genannt – sozusagen, kann sich die Heldin, die da an der Klippe hängt, retten oder…?

Lustiges und Unangenehmes (Gelsen etwa oder Heimweh – natürlich von wem anderen) aus so einer Camp-Woche reihen sich flott lesbar abwechselnd mit Zeichnungen von Sabine Kranz Kapitel um Kapitel aneinander. Und ruck-zuck hast du dich durch die rund 90 Seiten gelesen. Vielleicht bleibst du an manchen erfundenen Wörtern hängen wie „freuvösig“ („Ich war also nervös, hibbelig und kribbelig“ oder „freurig“ („freudig und traurig zugleich“), letzteres zum Abschied der Camp-Ferienwoche, und denkst dir: Das muss ich mir merken!

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Qualle und Cor-Öner -> damals noch im Kinder-KURIER

Titelseite von
Titelseite von „Qualle im Sommercamp“
Blick durch die Urkundenröhre

Am besten waren eigene Experimente

Gleich bei der ersten von mehreren Sponsionsdurchgängen, mit denen die 21. Kinderuni Wien am Samstag (22. Juli 2023) abgeschlossen wurde, tauchten Doktor:innen-Hüte auf. Einen großen trug der achtjährige Maximilian auf dem Kopf, der den Infopoint der Kinderuni in der Aula des altehrwürdigen Gebäudes der Universität Wien an der Ringstraße als Hintergrund für ein Foto wählte. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… vertraute er an, dass ihn besonders zwei Lehrveransaltungen beeindruckt hatten: „Uhu, Kauz & Co – die geheimnisvolle Welt der Eulen“ an der Veterinärmedizinischen Uni sowie „Das Klima und ich – kann man das malen?“ im Universitätszentrum Althanstraße (ehemalige Wirtschaftsuniversität). In der laaaangen Schlange in jenem Gang des Arkadenhofes von dem aus es hinauf in den großen Festsaal geht, war auch eine Jungstudentin mit einem Haarband mit fast winzig kleinem Dotori:innen-Hütchen zu sehen.

Maximilian mit
Maximilian brachte gleich einen „Doktor“-Hut mit

Medizin

Nach der feierlichen Sponsion, zu der wir ein, zwei Absätze später kommen, leuchten die Augen der 12-jährigen Jasmin als sie von ihrer Lieblings-Lehrveranstaltung bei der heurigen, ihrer immerhin fünften Kinderuni, schwärmt: „Das war eindeutig eine über Gentechnik, weil wir da selber im Labor Experimente durchführen durften, wir haben Gene einer Tomate untersucht.“

Serena mit ihrer Urkunde
Serena mit ihrer Urkunde

Genauso euphorisch schildert Clara (11) vom „Grundkurs Chirurgie, wo wir selber eine Wunde vernähen konnten – mit einer wirklichen Operationsnadel aber auf einem Schaumstoff“.  Serena (13) hatte es ebenfalls die Medizin besonders angetan, das Krankenhaus für Kuscheltiere nennt sie, die ihre fünfte Kinderuni hinter sich hat, gegenüber dem Reporter.

Doppeltes Versprechen, neugierig zu bleiben

Clara, eine der freiwilligen Helfer:innen in den gelben T-Shirts hielt das Schild mit der 10-Uhr-Sponsion hoch und dann bewegte sich hinter dieser Schilderträgerin die schon genannte laaaaange Schlange der Kinderuni-Studient:innen – in 4er-Reihen – hinauf zum großen ehrwürdigen Festsaal mit seiner tribünenartigen Kanzel. Hier erhalten auch erwachsene Studierende Ihre Sponsions- bzw. Promotionsurkunde. Vor dem Eingang zum Festsaal bekam noch jede und jeder je eine papierene Rolle – die Urkunde, die später nach der feierlichen Zeremonie in der „Schreibstube“ ausgefüllt werden sollte.

Im Saal warteten schon (Groß-)Eltern, Geschwister und andere Begleitpersonen auf den Sesseln auf den Einzug der Kinderuni-Studierenden. Und als die alle auf dem Boden vor den Sesseln gemütlich Platz genommen hatten, ertönten Fanfarenklängen des Musik-Quartetts für die Vertreter:innen aller sieben an der diesjährigen Kinderuni Wien beteiligten Hochschulen: Sebastian Schütze (Rektor Uni Wien), Kurt Matyas (Vizerektor TU), Doris Damyanović (Vizerektorin Boku – BodenKultur), Jürgen Rehage (Vizerektor VetMed), Michael König (WU – Wirtschaftsuniversität), Franz Kainberger (MedUni) sowie Elisabeth Haslinger-Baumann (Vizerektorin FH – Fachhochschul-Campus Wien) sowie als Zeremonienmeisterin Sonja Schreiner von der Uni Wien und von Anfang an Lehrende auch bei der Kinderuni.

Jede und jeder der Würdenträger:innen hielt sich in den Reden äußerst kurz und doch immer inhaltsreich, so wurde betont, dass sich alle beteiligten Uni-Lehrer:innen über die Neugier, Wissbegierde, aber auch die Fröhlichkeit und das Lachen dieser jungen und jüngsten Studierenden gefreut haben.

Lacher garantiert

Und dann ging’s um die Sponsion, das sich vom lateinischen Wort für geloben bzw. versprechen ableitet. Die Kinderuni-Student:innen wurden gebeten, aufzuzeigen, wenn sie versprechen, nie aufzuhören, Fragen zu stellen. Und noch ein zweites Mal, ob sie auch immer weiter nach Antworten auf diese Fragen suchen wollen.

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Dafür wurden/werden sie jedes Jahr mit dem Titel Magistra bzw. Magister universitatis iuvenum (der Kinderuniversität) ausgezeichnet. Und – der durch die Reihen der Erwachsenen gehende Lacher ist DER sichere Wett-Tipp – wer schon zum zweiten Mal bei der Kinderuni war, kriegt ein „zum Quadrat“ an diesen Titel angehängt. Die dreifach-Studierenden erhalten den Zusatz „multiplex“ und darüber geht nicht mehr – außer eine Fanfare 😉

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Übrigens: Der erste Durchgang der Kinderuni-wien-Sponsion wird traditionellerweise simultan in Gebärdensprache übersetzt. Dolmetscherin Elke Schaumberger stellt davor extra für die KiJuKU-Kamera die Worte Kinder-Uni und Sponsion dar – siehe Video.

Sieben Mal

Bereits zum fünften Mal steht in seiner Urkunde neben dem genannten Titel das auch schon erwähnte multiplex, denn Tobias war in diesen Sommerferien zum siebenten – und damit zum letzten Mal (6 bis 12 Jahre) – Kinderuni-Student. Mittlerweile ist er 13 geworden und damit für weitere Kinderunis zu alt. Von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… befragt, was in all diesen sieben Jahren das Spannendste war, nennt er „einen Workshop heuer an der FH, da durften wir echt löten – einen elektronischen Würfel“.

Dieser Workshop gefiel auch dem elfjährigen Riad am besten, der zum vierten Mal studiert hat. Er ergänzt aber noch: „Sehr gut hat mir auch „Chemie macht Spaß“, wo wir echte Experimente machen durften, am besten war das mit einem echten Feuerball.“

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Bildmontage aus drei Fotos: Die beiden Jungdesignerinnen mit dem Kids-in-Fashion-Erfinder sowie Monia mit einer der extra angefertigten Federn und Nadine mit ihrem schon umgesetzten Design des bunten Federnkleides

Bunte Federn, Heißklebemuster und Wattekreise…

Wer gerne in Bergen von Stoff wühlen würde, fände hier eine Art Paradies. Hier ist in einer Ecke des großen Raumes im J.A.M., einem der Standorte der Wiener Jugendzentren liegen sie ballenweise. Die „Jugendräume am Muhrhoferweg“ in Wien-Simmering fast schon am Rande der Stadt verwandeln sich einige Wochen der Sommerferien Jahr für Jahr in eine kreative Schneider:innen-Werkstatt. Meister:innen ihres Faches sowie Mode-Schüler:innen, die hier Praktikumswochen absolvieren, bilden die zweite Phase von „Kids in Fashion“ (KiF) dem wohl kreativsten Modedesign-Nachwuchsbewerb (nicht nur) in Österreich.

Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… durfte die Werkstatt besuchen – und dabei zwei der jungen Designer:innen treffen, deren Entwürfe verwirklicht und bei der Gala im Oktober von jugendlichen Models am Cat-Walk vorgeführt werden: Nadine Zarrougui und Monia Fattoum. Die beiden 12-Jährigen hatten im 5er-Haus, dem Jugendzentrum in der Grünwaldgasse (Wien-Margareten), ihre Modedesigns gestaltet – nicht zum ersten Mal. Beide haben im Vorjahr und auch heuer jeweils gut ein halbes Dutzend Entwürfe für den Bewerb eingeschickt, erzählen sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Und fanden andere Entwürfe fast noch besser als jene, die verwirklicht wurden/werden.

Dreidimensional

Sowohl Zarrougui als auch Fattoum zeichneten weniger, sondern arbeiteten mit Material und erstellten somit dreidimensionale Entwürfe. Erstere klebte auf eines der Blätter bunte Federn. Und siehe da, der bereits Kleid gewordene Entwurf ist beim Lokalaugenschein fast schon fertig, die Schneidermeisterin Elisabeth „Lisi“ Kappel tauchte mit dem Kleid aus vielen Lagen eines feinen, durchscheinenden, gitterartigen Stoffes (Organza) auf. Da entfuhr der Designerin ein „wowh, das ist ja sogar mehr als ich erwartet habe“, zollte sie den Schneiderinnen (in diesem Jahr werken ausschließlich Frauen in der Werkstatt) großes Lob, wie sie aus dem Entwurf ein wirkliches Kleid angefertigt haben.

Das war auch viel Arbeit, mehrere Tage werkten einige daran aus Stoff diese vielen Federn herzustellen. Wie solche Federn gestaltet werden, zeigte Lisi später selber an einer der Nähmaschinen und anschließend mit Schere und Messer. Dafür durften sich die beiden Jung-Designerinnen eine Farbe aussuchen, beide wählten schwarz.

Making of Federn

Zwei solcher Organza-Lagen legte Lisi übereinander nähte sie an zwei Stellen in der Mitte knapp nebeneinander zusammen, sodass eine Art Schlauch entstand. Durch diesen fädelte sie einen umwickelten Draht, der oben und unten raussteht, um Schlingen bilden zu können. Nun schnitt sie aus dem viereckigen ganzen Stücke eine ovale Form aus, die an ein Baumblatt oder eben eine Feder erinnert, legte das Ding auf eine starke Kartonunterlage und schnitt mit einem scharfen Messer heftig und rasant jede Menge Streifen von der Mitte weg hinein. Hochgenommen und schon ergibt sich – noch dazu bei ein bisschen Bewegung – das Bild wehender Federn.

Frech

Monia Fattoum schildert: „Ich hab vor allem Entwürfe mit viel Glitzer gemacht und viel wo ich einfach Zeugs draufgeklebt hab auf die Zeichnungen“. Darunter hat ihr der eine oder andere besser gefallen als jener, den die Jury ausgewählt hat. „Der ist schon ein bisschen frech“, schmunzelt sie ein wenig verschämt vor dem großen Tisch, auf dem Entwürfe auf Stoff übertragen werden, Modeschülerinnen aus unterschiedlichsten Stoffen Teile für die verschiedensten Gewandstücke schneiden.

Das „Freche“: „Ich hab mit Heißkleber nur viele Kurven und Linien auf die Zeichnung der Figur aufgetragen, darunter gar kein Kleid gezeichnet, also auf die nackte Haut“ sozusagen, beschreibt die Modeschöpferin ihren Entwurf. Die schon genannte Werkstätten-Co-Leiterin – neben Alice Schanovsky, die demnächst eine weitere Meisterinnen-Ausbildung (Herrenschneiderei) angeht, gesteht, „dass wir dem Model aber schon ein – weißes – Kleid anziehen“, das kann sie auch schon herzeigen. Darauf wird dann Monia Fattoums Design in einer schillernden Silikonmasse aufgetragen – nach dem Muster des Entwurfs.

Schule für Freund:innen, Sport und Bio

An Schule gefällt den beiden „vor allem Freundinnen und Freunde treffen“, Nadine findet darüberhinaus „Biologie ist schon geil“, ihre Schulkollegin Monia mag „vor allem Sport und wieder Sport“. Erstere spielt auch liebend gern mit Freundinnen und Freunden Volleyball, Monia daneben auch Fußball. Und beide tanzen gerne.

Watte, keine Sägespäne…

Bella Neller (16) schneidet einen Kreis nach dem anderen aus einem nicht leicht zu schneidenden Stoff aus Dacronwatte (wie sie in Pölstern oder auch Kuscheltieren zu finden ist). „Die werden dann mit Farbe besprüht“, erklärt die Herbststraßen-Modeschülerin und zeigt dem Journalisten den Entwurf von Fabienne Linke. Diese vielen bunten Wattekreise werden dann zwischen zwei durchsichtige Schichten eingeschlichtet und dieses dann zum Kleid, das der Einsendung der 12-jährigen Designerin entspricht.

Weiters werken am Tisch die 16-jährige Wilhelmine Kohlmayr und Verena Draxler, erste jugendliche Schülerin, Zweitgenannte macht ihre Ausbildung im Kolleg, nachdem sie zuvor Kultur- und Sozialanthropologie studiert hatte, „aber das war mir alles zu theoretisch und ich wollte nun was Praktisch-Handwerklich-Kreatives lernen“, verrät sie dem Reporter. Sie schneidet Zacken in einen Karton – und der wird die Basis für Elemente im von der Jury ebenfalls ausgewählten Entwurf des zehnjährigen Theodor Adevuysi. Diese Streifen werden mit hellbraunem Stoff beklebt oder überzogen, erläutert der künstlerische Leiter von Kids in Fashion, Leo Oswald, die folgenden Schritte. Der Jungdesigner hatte zwar handschriftlich angemerkt, dass die hellbraune Farbe aus Sägespänen sein sollte, aber das wäre doch kaum realisierbar, meint der Erfinder des Mode-Bewerbs der Wiener Jugendzentren; ein Interview mit ihm, geführt von Stefanie Kadlec, die derzeit bei Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… in den Journalismus schnuppert, ist hier unten verlinkt.

Mehr als 3000 Einsendungen

Zum 29. Mal haben Hunderte Kinder und Jugendliche Zeichnungen mit Mode-Entwürfen an die Zentrale der Jugendzentren geschickt. In diesem Jahr langten mehr als 3000 Designs ein, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren wo es immer so rund um die 2.200 Entwürfe aus Kinder- und Jugendhänden (4 bis 21 Jahre – in drei Alterskategorien) waren. Eine Jury wählt dann immer rund fünf Dutzend Designs aus, heuer genau 63. Damit gewinnen weit mehr junge Modeschöpfer:innen als nur die jeweils drei Erstplatzierten der Kategorien 4 bis 10 Jahre, 11 bis 15, sowie 16 bis 21 plus zwei Sonderpreise, die nach München gehen, wo es seit vielen Jahren eine Kooperation mit gleichsam einer Schwesterorganisation der Wiener Jugendzentren gibt. Apropos Ausland, Leo Oswald, der KiF-Erfinder und selbst seit Jahrzehnten Modekünstler, verriet Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, dass „heuer eine Klasse aus Hamburg (im Norden Deutschlands) Entwürfe eingeschickt hat und die wollen sogar extra zur Gala nach Wien in die Mensa der WU (Wirtschaftsuniversität) kommen“.

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Jungdesignerinnen, KiF-Erfinder und Werkstätten-Co-Leiterin

„Kinder können wahnsinnig kreativ sein“

KiJuKU: Wie würden Sie den Designwettbewerb „Kids in Fashion“ beschreiben, den Sie für Kinder und Jugendliche erfunden haben und nun für die Wiener Jugendzentren künstlerisch leiten?
Leo Oswald: Das Projekt hat eine lange Geschichte. Ich habe vor circa 40 Jahren bei den Wiener Jugendzentren begonnen als hauptberuflicher Modemacher im Zivildienst. Dort habe ich meinen eigenen Beruf natürlich sehr gut einbringen können. Ich habe schon viel mit Kindern und Jugendlichen für Modeshows gearbeitet und verschiedene Veranstaltungen gemacht. Dann kam mir die Idee, meine beruflichen Kontakte, Friseure und professionelle Leute aus dem Make-Up Bereich, zusammenzubringen und in dieses Projekt zu involvieren. Eigentlich waren alle ziemlich schnell begeistert.
Was mir als Grundidee so gut gefallen hat – man sieht es ja auch oft in der Kunst – , war, dass Kinderzeichnungen manchmal so toll wie die eines modernen Künstlers sind und dasselbe habe ich mir auch bei der Mode gedacht. Manchmal haben Kinder Ideen, die sind so kreativ und frei, dass es im Endeffekt, wenn es professionell umgesetzt wird, ausschauen könnte als wäre es irgendein verrückter großartiger Designer in Paris. Das ist die Idee dahinter, die mir da am meisten Spaß macht.

Die beiden Designerinnen mit dem Kids-in-Fashion-Erfinder und den schwarzen Federn
Die beiden Designerinnen mit dem Kids-in-Fashion-Erfinder und den schwarzen Federn

KiJuKU: Sie haben gesagt, dass Sie verschiedene Kontakte haben, um die Entwürfe der Kinder und Jugendlichen umzusetzen. Wie genau sieht Ihr Team aus?
Leo Oswald: In der Werkstätte in Simmering sind meistens zwei oder drei MeisterInnen. Das sind meistens AbsolventInnen der Bühnenklasse der Modeschule Herbststraße und dann kommen auch einige ModeschülerInnen dazu, die ein Pflichtpraktikum für ihre Ausbildung machen müssen. Wir sind jetzt im Moment mit zwei Meisterinnen und drei Praktikantinnen da. In nächster Zeit kommt noch eine Meisterin dazu und im August noch mal drei Praktikantinnen. Heuer nur weiblich besetzt. Der einzige angemeldete Männliche ist leider ausgefallen.

KiJuKU: Was ist die Kernbotschaft, die Sie mit ihrem Wettbewerb vermitteln möchten?
Leo Oswald: Die Kernbotschaft ist eigentlich genau das, dass Kinder wahnsinnig kreativ sein können und dass das mit professioneller Unterstützung extrem High Fashion sein kann. Das ist das Lustige daran.

Leo zeigt, wie Theodors Entwurf umgesetzt werden könnte
Leo zeigt, wie Theodors Entwurf umgesetzt werden könnte

KiJuKU: Ein Teil des Wettbewerbs ist die Fertigung der Entwürfe und der andere ist die Show. Was gibt es Wichtiges, zu der Show zu wissen?
Leo Oswald: Bei der Show geht es darum, dass junge Leute eine Chance bekommen. Das können halbprofessionelle Jungmodels sein, die noch nie auf einem Laufsteg waren, das können Mädchen und Burschen von der Straße sein, die sich einfach mal selbstbewusst zeigen wollen in lustiger und kreativer Mode. Wichtig dabei ist auch die professionelle Unterstützung bei der Frisur und dem Make-Up. Wir proben dann ein bisschen und machen einen Catwalk mit leichter Choreografie. Es ist dann ganz spannend, diese Show zu beobachten, und die Kinder sind wahnsinnig stolz, wenn sie die Jungmodels mit Make-Up und Haaren fertig gestylt auf dem Laufsteg bewundern können.

KiJuKU: Wann findet die Show statt?
Leo Oswald: Die Show findet am 7. Oktober statt in der WU-Mensa (Wirtuscahftsuniversität, sozusagen das Restaurant dort). Einlass ist um 18.30, da gibt es die Ausstellung der Zeichnungen und um 19.30 ist dann die Show.

Das Interview führte Stefanie Kadlec, 17, die derzeit bei KiJuKU in den Journalismus hineinschnuppert.

Demo junger Klima-Aktivist:innen mit rund einer Viertelmillion Teilnehmer:innen in New York – am 20. September 2019 – am selben Tag fanden Aktionen und Demonstrationen in 150 Städten der Welt statt.

New York – Simbabwe – Indien – und Österreich

Auch wenn – natürlich – die noch immer rekordverdächtig steigenden Preise die wichtigste Sorge Jugendlicher in Österreich ist, wie eine kürzlich vorgestellte Studie, ergab, so fand sich auch dort Klimawandel und Umweltschutz weiterhin im Spitzenfeld er Themen junger Menschen. Seit Monaten polarisieren manche Aktionen von Klima-Aktivist:innen. So manche politische Entscheidungsträger:innen versteigen sich angesichts Aufsehen erregender aber dennoch vollkommen friedlicher Aktionen zu Begriffen wie Terror zu greifen. Und gleichzeitig stöhnen und leiden Menschen unter den Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels.

Die Österreich-Sektion des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Unicef, veröffentlichte dieser Tage einen ausführlichen Blog-Beitrag, in dem u.a. auf die abgewiesene Klage von zwölf Kindern und Jugendlichen eingegangen wird.

Klage

„Franzi (17) und Smilla (15), zwei der engagierten Jugendlichen, fühlen sich von der Politik nicht ausreichend gehört und vertreten. Sie betonen die Unterrepräsentation von Kindern und Jugendlichen in der politischen Landschaft und fordern eine stärkere Berücksichtigung ihrer Meinungen und Beteiligung.

Die Klimakrise wird von ihnen als eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung betrachtet, bei der alle Generationen zusammenarbeiten müssen, um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Ihr Aufruf zur Teilnahme am nächsten Klimastreik ist eine Einladung an alle, gemeinsam für den Klimaschutz einzutreten.“

Zum ausführlichen Interview von Unice-Österreich mit den beiden Jugendlichen geht es hier

Der 18-jährige Nkosilathi Nyath aus Simbabwe ist UNICEF-Jugend-Klimaaktivistin.
Der 18-jährige Nkosilathi Nyath aus Simbabwe ist UNICEF-Jugend-Klimaaktivistin.

Simbabwe

Nkosilathi Nyathi ist ein engagierter 18-jähriger UNICEF-Klimaaktivist in Simbabwe (Afrika). Vor allem will er unter Altersgenoss:innen das Bewusstsein für die dringende Notwendigkeit von Maßnahmen zur Verhinderung der globalen Erwärmung erhöhen.

Schüler:innen der ZP-Schule im Bezirk Phalghar in Maharashtra (Indien) präsentieren ihre Pflanzen, die sie im Rahmen von Umweltaktivitäten ihrer Schule gesät hatten.
Schüler:innen der ZP-Schule im Bezirk Phalghar in Maharashtra (Indien) präsentieren ihre Pflanzen, die sie im Rahmen von Umweltaktivitäten ihrer Schule gesät hatten.

Indien

Im Zuge von Umweltaktivitäten an der ZP-Schule in der Kolonie Taps im Bezirk Phalghar in Maharashtra (Indien), bewässern Kinder und Jugendliche Pflanzen in einem Schulgewächshaus. Dort haben sie eine kleine Baumschule eingerichtet, in der verschiedene Pflanzenarten gedeihen. Im Rahmen außerschulischer Aktivitäten säen sie Samen aus und pflegen Setzlinge liebevoll in der schuleigenen Baumschule heran.

Mehr zu jugendlichen Aktivitäten weltweit hier

Übrigens erinnert Unicef-Österreich daran, dass noch bis 31. Juli 2023 Kinder und Jugendliche beim Kreativwettbewerb „Denk dir die Welt“ mitmachen können – mehr dazu in diesem KiJuKU-Beitrag hier unten:

Markus Rupert, Rita Luksch und Werner Mössler in Aktion

Besondere Salzburger Festspiele Nummer 3: „Dududerdudu“ als visuelles Musiktheater

Am Samstag, 22. Juli, steigen im Turnsaal der Volksschule Hüttschlag in Salzburg besondere Salzburger Festspiele. Am Tag der Eröffnung der großen, weltberühmten Festspiele in der Landeshauptstadt, findet zum dritten Mal ein visuelles Konzert mit Übersetzung in Österreichische Gebärdensprache statt.

Nach „Störung“ bei der Premiere im Jahre 2021 und „In Ewigkeit amen“ von Anton Wildgans als bilinguale Inszenierung in Österreichischer Gebärdensprache und Deutscher Lautsprache, organisierte „Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater“ für dieses Jahr „Dududerdudu“ als visuelles Musiktheater in Österreichischer Gebärdensprache. Es sind dies Kompositionen von Otto M. Zykan – Details was gespielt wird, wann und wo in der ausführlichen Info-Box unten.

Markus Rupert, Rita Luksch und Werner Mössler in Aktion
Markus Rupert, Rita Luksch und Werner Mössler in Aktion
Antol, Tristan, Leyla und Nora haben ein spannendes Foto-Motiv gesucht und im Skelett eines Stegosauriers im Uni-Zentrum Althanstraße gefunden

Das Interessanteste berichten und Video-Interviews führen

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… traf vier der mehr als vier Dutzend Kinderuni-Jungreporter:innen zum Interview.An den Wiener Universitäten tummeln sich unter den neugierigen, wissbegierigen Kinderuni-Student:innen auch rund vier Dutzend, die noch ein bisschen neugieriger sind, junge Reporterinnen und Reporter. Sie befüllen mit Fotos, Zeichnungen und kurzen Texten Padlet-Seiten, die unten am Ende dieses Beitrages verlinkt sind.

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … durfte nach der Vorlesung „Cyberheld:innen aufgepasst!“ vier Jung- und Jüngst-Kolleg:innen treffen und sie interviewen: Nora und Leyla (beide 8) sowie Anatol (11) und Tristan (9).

Leyla und Nora, zwei der Kinderuni-Reporter:innen
Leyla und Nora, zwei der Kinderuni-Reporter:innen

KiJuKU: Warum habt ihr euch für diese Aufgabe gemeldet und was habt ihr dabei bisher gemacht und erfahren?

Nora: Ich war schon im Vorjahr Reporterin und das hat mir sehr viel Spaß gemacht.
KiJuKU: Was hat dir Spaß daran gemacht?
Nora: Ich fand’s einfach cool, weil wir dabei auch zum Beispiel auch kleine Computerspiele programmiert haben. Als Reporterin waren wir in Vorlesungen, machen Fotos, Videos, Interviews und schreiben darüber. Das wird dann auf eine Website hochgeladen. Leyla und ich haben was über die Vorlesung „Coole Kekse und spannende Radieschen“ etwas geschrieben. Wir haben abwechselnd geschrieben.
Jetzt gerade bei den „Cyberheld:innen“ fand ich die Fragen am Spannendsten, ich mach selber gerne so Quize.

Leyla: Ich fand vor allem das mit den Passwörtern spannend, dass man zu schwierigen Passwörtern kommt, die man sich aber selber licht merken kann. Cool ist es, eine Reporterin zu sein, weil die wichtigste Aufgabe ist, den Tag ein bisschen festzuhalten.
KiJuKU: ist es dann schwierig, aus der Fülle einer Vorlesung von ungefähr einer Stunde das rauszufinden, worüber du schreibst?
Leyla: Es ist schon schwierig, aber ich suche halt dann die spannendsten Sachen heraus und auch die besten, die viele interessieren würden.

Anatol: ich fand diese Lehrveranstaltung eben (Cyberheld:innen …) auch sehr gut, vor allem die Fragen. Reporter war ich auch schon voriges Jahr. Das fand ich schön, im Vorjahr haben wir auch Kinder-Studierende interviewt. Das war schon sehr spannend. Wir haben Video-Interviews gemacht.

Tristan: Im Vorjahr haben wir auch den Thomas, der heute die Vorlesung mitgehalten hat, interviewt. Das fand ich recht spannend.

KiJuKU: Weil ihr alle schon zum zweiten Mal Reporter:innen wart, ist das ein möglicher Beruf, der euch interessieren würde?
Nora:Ich könnt’s mir schon vorstellen, aber als Videofilmerin.
Leyla: Ich könnt’s mir vielleicht auch vorstellen, aber dann nicht als Hauptberuf, sondern so quasi als Hobby nebenbei.
Anatol: Das gilt für mich auch, eher als Hobby, hauptarbeiten würde ich lieber was anderes und Reporter:innen-Tätigkeit würd ich dann eher so zum Spaß machen.
Tristan: Ich könnt mir das eher schon auch als Hauptberuf vorstellen, und ich glaub eher so Fotos machen.

Leyla und Nora mit ihrer Klassenzeitung
Leyla und Nora mit ihrer Klassenzeitung

Die beiden Erstgenannten, die in Wien gemeinsam eine Volksschule besuchen, brachten auch eine weitere Vorerfahrung mit, die sie aber erst am Ende des Gesprächs „verrieten“. Gemeinsam mit einer dritten Kollegin ihrer zweiten Klasse, Laura, haben sie eine eigene Zeitung zum Abschluss des Schuljahres gestaltet, „Die schlauen Kids“. Ein Exemplar übergaben sie sogar an KiJuKU.at – die beiden mit der Zeitung in der Hand – und damit sichtbar dem gemalten Titelblatt – sind daher noch extra in Fotos festgehalten.

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Kinderuni-Reporter-innen 1

Kinderuni-Reporter:innen 2

Schnappschuss aus der Vorlesung "Cyberheld:innen aufgepasst!"

MFuisaT7S! – wie geht’s zu sicheren Passwörtern?!

Recht rasch füllt sich der große Hörsaal im Unizentrum Althanstraße (Wien-Alsergrund) bei der Vorlesung „Cyberheld:innen aufgepasst – Wie verändern digitale Medien deine Welt?“ Ausnahmsweise wird die Lehrveranstaltung nicht von Uni-Leherer:innen gehalten, sondern von zwei Gästen. Thomas und Gilbert sind vom Groß-Sponsor der Kinderuni, von der Telekom Austria A1. Ersterer – mit Nachnamen Arnoldner ist dort der Chef, zweiterer, Wondracek, leitet die Abteilung „Security“ (Sicherheit der Daten, der Verbindungen, Abwehr von Hacker-Angriffen und ähnliches).

Nach einem schnellen Ritt durch rund 150 Jahre Nachrichtenübermittlung – von der Pferdekutsche über Züge, Festnetz-Telefonie, erste kiloschwere Mobiltelefone bis zu aktuellsten Smartphones – dreht sich fast alles um die Sicherheit. Da spielt sich viel im Frage-Antwort-Modus ab, viele der Jung- und Jüngststudierenden wissen, warum sie nicht allzu viel private Daten ins Internet stellen (sollen), über Bösewichte, aber auch Unternehmen, die mit vielen privaten Daten sehr viel Geschäft machen, ist die Rede.

Ein „Trick“ für sichere Passwörter

Und dann gibt’s den Tipp, wie sichere Passwörter gewählt werden können, die nicht leicht zu knacken, aber selber doch leicht zu merken sind. Als Beispiel nennen die beiden Vortragenden das oben hier im Titel dieses Artikels schon genannte MFuisaT7S! Aha, und wie soll sich das wer merken, ohne es sich wohin zu schreiben – was erst recht wieder nicht so sicher sein könnte?

Nun, der Trick kommt von der anderen Seite: Einen Satz ausdenken und davon die Anfangsbuchstaben nehmen, in diesem Fall: „Meine Freunde und ich spielen am Tag 7 Spiele!“. Sollte jetzt natürlich niemand mehr verwenden, aber das Prinzip ist damit klar. Und das war für Nastasia und Emilia neu und zählte zu den Dingen, die ihnen an der Vorlesung am besten gefallen haben, berichten sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… als sie in der Warteschlange für den Stempel in ihrem Kinderuni-Ausweis warten. „Der Uni-Applaus mit dem Fingerknöcheln auf die Tische klopfen war für uns auch neu und interessant war auch, weshalb Google und andere Firmen so viel über uns wissen“, ergänzen die beiden Studentinnen, die heuer vor allem an der Medizinuni Lehrveranstaltungen besuchten, „weil wir beide gern Ärztinnen werden wollen“.

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Mit im Hörsaal waren auch viele der Kinder-Reporter:innen, vier von ihnen gaben KiJuKU.at ausführlichere Interviews. Dieser Beitrag erscheint dann in den nächsten Tagen.

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Szenenfoto aus "Anne of Green Gables"

Rote Haare und das Herz auf der Zunge

Das Musical „Anne of Green Gables“ unter der Regie von Norbert Holoubek entführt Alt und Jung in die turbulente Welt einer fantasievollen Außenseiterin. Mitte Juli 2023 bei der Voraufführung der „teatro“ Sommerproduktion im Stadttheater Mödling (Niederösterreich) zeichneten sich die jungen SchauspielerInnen durch Professionalität und vielseitige Talente aus.

Die diesjährige Produktion ist dem Kinderbuch der kanadischen Autorin „Lucy Maud Montgomery“ nachempfunden, das erstmals 1908 erschienen ist – mehr über den Inhalt in einem Bericht über Proben eine Woche vor der Premiere in dem Bericht hier unten:

Anfängliche Enttäuschung über das Mädchen

Zunächst ist das ältere Geschwisterpaar Cuthbert bei der Ankunft des Waisenkindes „Anne“, das von Lili Beetz gespielt wird, enttäuscht. Sie wollten einen Jungen, der ihnen auf dem Hof hilft. Auch anderen BewohnerInnen des Dorfes „Avonlea“ sind dem Mädchen, das durch seine roten Haare und die lyrischen Ausschmückungen in seiner Sprache auffällt, anfangs gegenüber skeptisch. Doch Anne lässt sich nicht unterkriegen und stellt sich allen Hürden, die auf sie zukommen. In der Mitschülerin „Diana Barry“ (Anna Fleischhacker) findet sie eine Seelenverwandte, im Geschwisterpaar Matthew Cuthbert (Norberto Bertassi) und Marilla Cuthbert (Katharina Lochmann) eine Familie und vom gutaussehenden Gilbert Blythe (Nicolas Vinzenz) wird sie angehimmelt. Aber weil er sie wegen ihrer roten Haare Karotte nennt, schwört sie ihm „ewige Feindschaft“. Nach und nach erobert das Mädchen die Herzen der DorfbewohnerInnen, die des Publikums noch früher.

Rundum gelungen

Die Projektionen von Moritz Mausser und das liebevoll gestaltete Kostümbild von Brigitte Huber versetzen einen in das Dorfleben „Avonleas“. Nicolas Vinzenz, der das Oberstufenrealgymnasium der Sängerknaben besucht hat, sorgt mit seiner feinen Stimme („Wir könnten Freunde doch sein“) für gefühlvolle Momente im Stück, während die erfrischenden Dialoge zwischen Norberto Bertassi und Lili Beetz in den Anfangsszenen einen zum Schmunzeln bringen. Lili Beetz stellt als „Anne“ eine große Bandbreite an Emotionen zur Schau und die Rolle der Minnie (Pauline Faerber) bleibt durch ihre prägnanten Szenen in Erinnerung. Die Tanzeinlagen (Choreografie: Katharina Strohmayer) verleihen dem Musical durchgängig hervorragende Bewegung und das Finale („Hinter der Biegung“) weist darauf hin, dass „alles Veränderung sei“, wie es in einer der Liedzeilen heißt. Die Geschichte der Anne beweist, wie wichtig Fantasie und der Mut, man selbst zu sein trotz aller Widerstände, sind.

Stefanie Kadlec, 17, die derzeit bei KiJuKU in den Journalismus hineinschnuppert.

Zu Interviews mit Norberto Bertassi und Pauline Faerber geht es hier unten:

Pauline Faerber als Minnie May Barry in "Anne of Green Gables" von "teatro" mit Lili Beetz als Anne

Es ist mir egal, wie alt oder groß die anderen sind

KiJuKU: Erstens Gratulation zu deiner Leistung. Du spielst ja nicht nur sozusagen am Rande, sondern hast auch Szenen, in denen zu im Zentrum stehst. Zunächst einmal als du als die erste Annes rote Haare schön findest. Nun zur Frage: Du bist die deutlich Jüngste im diesjährigen Ensemble. War das schwierig?
Pauline Faerber: Nein, eigentlich nicht. Ich hab’s von meinem Papa (Peter, der heuer bei „Cinderella“ Regie führt, Anm. d. Red.), der auch Schauspieler ist, dass ich den Mut habe, auf der Bühne zu stehen. Eigentlich ist es mir egal, wie alt und groß die anderen sind, weil ich bleib einfach so wie ich bin und so schaff ich es dann auch genau so auf die Bühne zu kommen.

KiJuKU: Du bist sehr oft in diesem Stück auf der Bühne – auch in unterschiedlichen Stimmungslagen, ist dieses Switchen zwischen fröhlich, traurig und insbesondere in der Szene, wo du die fast todkranke Minnie May spielst, die dann von Anne gerettet wird, war das schwierig zu spielen?
Pauline Faerber: Naja, das Husten konnte ich von allein nicht von Anfang an spielen. Ich hab’s halt sehr oft geübt und irgendwann hab ich mich dann darauf eingewöhnt in diese Fast-Sterbens-Gefühl-Rolle und dann konnte ich’s.

Die kranke kleine Minnie May Barry
Pauline Faerber als kranke kleine Minnie May Barry (Mitte) – Foto von einer Probe

KiJuKU: War das anstrengend?
Pauline Faerber: Also, dir ist natürlich sehr heiß, weil du vorher schon die ganze Zeit auf der Bühne warst, aber du denkst einfach, dass es eine Probe ist und einfach das tust, was du gelernt hast.

KiJuKU: War das aber dann heute anders, vor dem vollbesetzten Saal?
Pauline Faerber: Ja schon, ich war ein bisschen aufgeregter, aber ich hab in dieser Szene einfach meine Augen zugedrückt und hab’s durchgespielt.

KiJuKU: Hast du eine Lieblingsszene?
Pauline Faerber: Eigentlich sind alle Szenen Lieblingsszenen für mich.

Interview mit der Darstellerin des Schneewittchen-Kindes, Pauline Faerber
Interview mit der Darstellerin des Schneewittchen-Kindes, Pauline Faerber, im Sommer 2022

KiJuKU: Es ist nicht das erste Mal, dass du auf der großen Bühne stehst?
Pauline Faerber: Ich war schon bei Schneewittchen das kleine, das junge Schneewittchen.

KiJuKU: Ist Bühne auch das, was du später einmal zum Beruf machen wollen würdest?
Pauline Faerber: Ich weiß es noch nicht so genau, aber ich möchte es als Nebenberuf oder als ganzen Beruf nehmen, jedenfalls wird es Teil meines Lebens bleiben.

KiJuKU: Was wäre ein anderer Teil deines (Berufs-)Lebens?
Pauline Faerber: Zum Beispiel eine Schule leiten.

KiJuKU: Wie findest du die Figur der Anne?
Pauline Faerber: Sie ist eine Vielsprecherin, ich finde sie sehr sympathisch. Sie ist am Anfang sehr bedrückt, was ich nicht sehr cool finde, weil Bedrückt-Sein ist nie cool. Aber insgesamt ist diese Rolle sehr sympathisch.

KiJuKU: Deine wirkliche Meinung zu roten Haaren?
Pauline Faerber: So rote Haare wie die Anne sie hat, find ich sehr schön, aber ganz knallrote Haare fände ich irgendwie langweilig.

KiJuKU: Gibt es schon eine nächste Produktion, bei der du weißt, welche Rolle du spielen wirst?
Pauline Faerber: Ich werde auf jeden Fall wieder bei der „Weihnachtsgeschichte“ dabei sein, wahrscheinlich bei Pinocchio und was anderes weiß ich noch nicht.

KiJuKU: Hast du Vorlieben – singen, tanzen oder schauspielen?
Pauline Faerber: Ich find singen, tanzen und schauspielen sehr cool, Ballett bin ich gegangen aber das geht jetzt dann nicht mehr, weil ich im Herbst ins Gymnasium komme und das geht sich dann nicht mehr aus, aber ich geh dann dort in einen Tanzkurs, also Hip*Hop und so.

KiJuKU: In der Schule, ist das ein Gymnasium mit musikalischem Schwerpunkt?
Pauline Faerber: Nein, es ist eines mit Sprachenschwerpunkt in Wr. Neustadt. Als Wahlfach würd ich dann wahrscheinlich Spanisch nehmen, aber da hab ich noch vier Jahre Zeit.

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Mitarbeit: Stefanie Kadlec, 17, die derzeit bei KiJuKU in den Journalismus hineinschnuppert.

Szenenfoto aus "Anne of Green Gables"

„Meine Aufgabe ist es, Talente zu entdecken und zu fördern“

Nach der Voraufführung vor Publikum am Vorabend der Premiere bat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… den Gründer von „teatro“, Norberto Bertassi, der immer auch selbst eine kleine, in diesem Jahr sogar eine größere Rolle im jeweiligen Musical spielt, zum Gespräch.

KiJuKU: Ich habe gehört, dass Sie ein Begründer der Theatergruppe „teatro“ sind. Wie kam Ihnen die Idee dazu?
Norberto Bertassi: Ich habe immer schon gerne mit Kindern Theater gemacht. Man hat mir, wie ich selber jung war, gesagt: „Du wirst einmal, wenn du groß bist, viel mit Kindern arbeiten. Der Wahrsager hat das anscheinend wirklich vorausgesagt. Ich bin damals schwer krank geworden zu der Zeit, wo ich gerade in „Elisabeth“ bei den Vereinigten Bühnen gespielt habe. Plötzlich war ich in einer Lebenskrise und habe nicht mehr gewusst, was ich machen soll. Mir wurde aber ein Kompositionsstudium finanziert. Während ich studiert habe, habe ich in Mariensee am Wechsel (Niederösterreich) auf einem Bio-Bauernhof gewohnt, weil ich Asthmatiker bin, was auch der Grund war, wieso ich nicht mehr auf der Bühne stehen konnte. Und da ist mir die Idee gekommen. Ich habe dem Bauern vom Theater mit Kindern erzählt und er hat vorgeschlagen, es gleich hier auf dem Bauernhof zu machen. Die Theaterwerkstatt ist entstanden, die Gruppe gewachsen und wir sind von Mariensee zu anderen Spielorten näher nach Wien gekommen. Am Schluss sind wir dann in Mödling gelandet.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Anne of Green Gables“: Katharina Lohmann als Marilla Cuthbert und Norberto Bertassi (rechts) als ihr Bruder Matthew Cuthbert

KiJuKU: Was ist das Besondere an der Arbeit mit Kindern?
Norberto Bertassi: Erstens einmal sehe ich es als meine Aufgabe, Talente zu entdecken und zu fördern. Nicht nur von mir, sondern auch von „teatro“. Wir haben schon viele wirklich tolle Leute entdeckt. Zum Beispiel ist der kommende „Falco“, ein ehemaliges Kind von uns – Moritz Mausser. Das war die größte Leistung unserer ehemaligen Kinder. Gleich einmal eine riesige Hauptrolle in einem großen Theater. Es gibt aber auch andere, die in Deutschland spielen. Wir wollen ja – viele von uns (Kernteam) sind schon bisschen älter -, weitergeben, was wir gelernt haben und am besten gibt man es den Kindern weiter. Die sollen es dann auch wieder weitergeben.
Und uns ist wichtig, jetzt in dieser Zeit, wo alles online ist, dass wir Live-Theater fördern. Denn das ist ein wunderschönes Medium, gerade für Kinder, weil sie können ihre Emotionen viel leichter zeigen als am Computer oder im Kino. Im Theater spürt man einfach den Menschen mehr.

KiJuKU:  Glauben Sie, dass sich viele junge Menschen in der Figur der „Anne“ wiederfinden können?
Norberto Bertassi: Ich glaube schon. Vor allem Ausgegrenzte, Andersfarbige und Menschen anderer Religionen oder aus einem anderen Land. Also alle, die nicht traditionell Österreicher sind, werden sich schon identifizieren. Obwohl wir eigentlich in einer Welt leben, wo jeder von allem alles weiß, und trotzdem versucht man, bestimmte Vergangenheiten aufrechtzuerhalten Das eine Lied „Alles ist Veränderung“ haben wir gerade gehört.

KiJuKU: Wie würden Sie „teatro“ mit einem Satz oder einem Wort beschreiben?
Norberto Bertassi: Herzlichkeit/ mit offenem Herzen.

Das Interview führte Stefanie Kadlec, 17, die derzeit bei KiJuKU in den Journalismus hineinschnuppert.

Das Preisträger:innen-Duo

Selbstbewusste junge Zauberin und ein Goldfisch

„Rosa Famosa lebt im fünften Stock im fünften Haus in der Dackelmann-Allee. Rosa ist fest überzeugt, dass hier mal ein berühmter Dackel gewohnt hat. Vielleicht konnte der sogar sprechen. Das wäre was. So wie ihr Goldfisch Robert -aber das darf niemand wissen.

Rosa ist nämlich eine Zauberin. … Woher Rosa also ihre Zauberkräfte hat, weiß keiner so genau.“ So beginnt die Leseprobe aus „Rosa Famosa und der Mutmachzauber“, die deren Autorin Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… zur Verfügung gestellt hat – die ganze Leseprobe in einem eigenen Beitrag, der am Ende dieses Artikels verlinkt ist.

Die Autorin heißt Katharina Fohringer-Hackl  ist AHS-Lehrerin, schreibt erst seit einem Jahr literarisch – und hat mit dem genannten – längeren – Text den diesjährigen Dixi-Kinderliteraturpreis in der Kategorie Text gewonnen.

Seit dem Jahr 2000 zeichnet das Institut für Jugendliteratur damit Nachwuchskünstler:innen im Bereich Text, Illustration und fallweise auch eigens noch Lyrik aus; anstelle eines Preisgeldes gibt es ein einjähriges Coaching durch Profis aus den jeweiligen Sparten – und in der Folge zahlreiche Veröffentlichungen der vormaligen Preisträger:innen. Und der Name des Preises ist dem Sponsor geschuldet.

Die Preisträgerin liest aus ihrem Text
Die Preisträgerin liest aus ihrem Text

Viele Anregungen von Kindern

Seit sieben Jahren unterrichtet Katharina Fohringer-Hackl, bislang im Stiftsgymnasium Melk, nun in Pressbaum, wo sie und ihre Familie auch in der Nähe wohnt. „Vor einem Jahr hab ich zum Spaß mit ein paar Writers-Studio-Kursen begonnen. Das hat mir großen Spaß gemacht und in der Karenzzeit hab ich mir gedacht, ich probier eine längere Geschichte.“

„Was davon stand am Beginn des Textes“, will Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wissen.

„Ein sehr selbstbewusstes, unbeschwertes Mädchen, eingebettet in eine große Familie, in der alle aneinander kleben“, antwortet die Preisträgerin im Telefon-Interview. „Dass sie zaubern kann war als Grundidee auch schon drinnen“, ergänzt sie auf Nachfrage.

Das erste Kapitel habe sie dann ihren beiden Kindern vorgelesen und nachdem diese davon angetan waren, „hab ich da nicht mehr dazugetan und es als ich die Ausschreibung für diesen Preis gesehen habe, eingeschickt“.

Die Preisträgerin bei handschriftlichen Notizen
Die Preisträgerin bei handschriftlichen Notizen

Der Name war zuerst da

Mittlerweile hat sie zwei Kapitel fertiggeschrieben und „drei weitere so ungefähr zur Hälfte“. Das Buch werde sich aus Episoden zusammensetzen, die nicht alle voneinander ab- oder zusammenhängen, als Lehrerin habe sie ja ständig über ihre eigenen Kinder hinaus Kontakt mit vielen Kindern, ihr Mann als Volksschullehrer ebenso. Und aus Erzählungen ergeben sich viele Inspirationsquellen für Abenteuer und Episoden rund um Rosa Famosa. „Dieser Name war übrigens als allererstes da“, so Katharina Fohringer-Hackl.

Übrigens liefern nicht nur Kinder Anregungen für ihr Schreiben. „Wir haben einen Hund, die Susi, die frisst sehr viel und war Vorbild für Sir Winston“, verrät die Autorin wie der Hund dieses Namens in ihrer Geschichte zu seiner Eigenschaft gekommen ist. „Fische haben wir zwar keine, aber ich wollte unbedingt eine Geschichte mit Goldfisch schreiben.“

Das Preisträger:innen-Duo
Das Preisträger:innen-Duo

Handy- und handschriftliche Notizen

Gefragt nach der Art, wie sie schreibt, schildert Fohringer-Hackl: „Zwischendurch aber mach ich mir Notizen für Ideen in einer Handy-App, manchmal auch ganze Sätze oder Phrasen, alles was mir einfällt und sich im Kopf gut anhört. Aber auch handschriftliche Notizen. Habe ich dann genug davon gesammelt, setz ich mich an den Laptop. Und wenn mir Ideen fehlen, probier ich’s mit free writing.“

Letzteres ist eine Methode sozusagen auf einem leeren Blatt drauflos zu schreiben, ohne das Geschriebene zu überdenken, hinterfragen oder zu bewerten.

Anlass: Schulbeginn der Tochter

Der Illustrationspreis ging in diesem Jahr an Linus Baumschlager, der in Wien und London studierte und jetzt wieder in seiner Heimat Vorarlberg, als Grafikdesigner „schaffat“. Neben Buchgestaltung zählt die Illustration zu seinen Leidenschaften. Den Anstoß zum eingereichten Projekt „A wie Affe“, ein Arbeitstitel für ein mögliches Bilderbuch, gab der Schuleintritt seiner Tochter Yolanda. Von ihr wurde er hierbei tatkräftig unterstützt, motiviert und kritisiert.

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kinderliteraturpreis

Die Preisträgerin liest aus ihrem Text

Rosa Famosa und der Mutmach-Zauber

Rosa Famosa lebt im fünften Stock im fünften Haus in der Dackelmann-Allee. Rosa ist fest überzeugt, dass hier mal ein berühmter Dackel gewohnt hat. Vielleicht konnte der sogar sprechen. Das wäre was. So wie ihr Goldfisch Robert -aber das darf niemand wissen.
Rosa ist nämlich eine Zauberin.
Ihre Mama und ihr Papa können gar nicht zaubern. Woher Rosa also ihre Zauberkräfte hat, weiß keiner so genau. Opa geht davon aus, dass Mama ihr als Baby zu viel Kürbis gegeben hat. Tante Brigitte ist sich sicher, dass Papa ein falsches Waschmittel für die Babysachen genommen hat. Sie erzählt dann immer was von einem Weichspüler.
Rosas Goldfisch Robert sind die Gründe für Rosas Zauberkraft egal. Er ist froh, dass er dank Rosas schrecklichem Niesanfall vor zwei Jahren eine menschliche Stimme bekommen hat. Und wie schön er nun redet! Mit ganz tiefer, wohlklingender Stimme wie ein Opernsänger. Er singt auch gerne wie einer, besonders in der Früh, damit Rosa gut aufwacht. Rosa findet das sehr schön. Mama, Papa, Oma und Opa und Tante Brigitte nicht.
„Oh, Rosa, Rosa, Rosa. Ein Lieedchen träller ich dirrr“, plärrt Robert lauthals aus seinem Glas. Es ist Montag – Rosas erster Schultag. Obwohl sie sich sonst sehr über Roberts Aufwecklied freut, ist sie heute schon seit Stunden hellwach. Sie putzt sich sogar zwei Mal die Zähne. Das ist auch gar nicht schlimm. Rosas Zahnpasta schmeckt nämlich nach Schokokuchen. Diesen Einfall hatte sie vor einer Woche – und der Zauberspruch dafür ist ihr ganz allein eingefallen.
„Wickel, wackel, wuckel wäh, die Zahnpasta schmeckt jetzt nach Schokolade, olé!“ Und bitte. Das hat so gut funktioniert, dass Rosa schon überlegt, mehr Sachen mit Schokokuchengeschmack zu zaubern. Brokkoli zum Beispiel. Aber damit muss sie sich noch Zeit lassen. Mama soll nicht misstrauisch werden, wenn Rosa auf einmal Brokkoli auf ihrem Teller zulässt. Beim Zaubern ist die Mama nämlich sehr streng. Es ist nicht leicht, so als einzige Zauberin im Haus.
„Roooosaaa Famooosaaa. Frühstück ist fertig!“, ruft Mama aus der Küche und Rosa entscheidet sich blitzschnell gegen einen Hier-Weg-Dorthin-Bitte-Zauber. Das letzte Mal, als sie Papa damit überrascht hat, hat er die Pfanne mit den Spiegeleiern fallen gelassen. Die musste dann Sir Winston, der kugelrunde Familienhund, fressen. Und Sir Winston mag nicht mal Spiegeleier. „Ich fress sie nur, damit ihr sie nicht wegwerft. Ihr Kostverächter!“, hat er gejault und sie dann verschlungen.
Opa und Oma sitzen schon beim Frühstück und Tante Brigitte ist auch da. Opa und Oma wohnen zwar im vierten Stock und Tante Brigitte im dritten, aber irgendwie sind immer alle bei Rosa zuhause im fünften Stock und essen ihr Lieblingsjoghurt und reden viel zu viel.
„Oooohhhh Rosa! Da bist du ja endlich!“, rufen alle im Chor, als sie in die Küche stürmt. Und dann, so schnell kann Rosa gar nicht schauen, wird sie von allen gedrückt und mit Küssen übersät. Pfui. Und das schon in aller Früh.
„Unsere große Rosa fängt in die Schule an. Ich kann mich noch erinnern, da war sie noch so klein wie Sir Winston“, schluchzt Tante Brigitte und tut so, als würde sie eine Träne wegwischen. Dabei weint sie gar nicht und außerdem war Sir Winston nie klein. Er war schon als Baby so groß wie ein Pony. Aber so ist die Tante Brigitte eben. Immer ein bisschen laut und sehr dramatisch. Rosa schaut zu Sir Winston und der wedelt mit dem Schwanz und hechelt aufmunternd.
Oma und Opa laden Rosas Teller voll mit Essen. Eine Marmeladensemmel, ein weiches Ei, ein Käsebrot, eine Banane. Halt, stopp! Wer soll denn das alles essen? Rosa schaut wieder zu Sir Winston, der prompt aufhört zu hecheln. „Sicher nicht!“, bellt er empört. „Ich hab heut schon den grauslichen Haferbrei vom Opa essen müssen. Genug ist genug!“
„Psssssst“, brummt Opa und schaut streng zu Sir Winston. Rosa seufzt und hält ihm unter dem Tisch ein Stück Speck hin. „Das soll die Oma doch nicht wissen, Sir Winston“, flüstert sie ihm zu. Obwohl es nur richtig wäre, dass die Oma erfährt, was der Opa mit dem Haferbrei macht, den sie extra gekocht hat. Für Sir Winston aber gibt es nichts Schöneres als Speck. Und so macht er klapp, sein großes Maul zu und verschlingt ganz heimlich und leise unterm Tisch den Speck.
„Bist du schon sehr aufgeregt?“, will Mama schließlich wissen, als Rosa auf ihren Sessel rutscht und am Käsebrot knabbert.
Natürlich nicht. Erstens ist Rosa eine Zauberin. Wenn ihr in der Schule etwas nicht gefällt, wird sie es sich einfach anders zaubern. Bitte, Problem gelöst. Und zweitens, hat sie ja Odi, ihren besten Freund. Und gemeinsam werden sie das schon schaffen, die Schule…

Szenenfoto aus "krimi da Mur" der Musical Akademie Murtal

Diesmal durften wir uns Charaktere aussuchen

Von Fohnsdorf nach New York pendelt das im Untertitel als „Thriller“-Muscial angekündigte Stück „Krimi da Mur“ auf der Bühne im Arbeiterheim dieser einstigen Bergbaustadt hin und her. Und switcht szenenweise zwischen wirklicher Bühnen- und dortiger Traumwelt. Über weite Strecken doch recht verwirrend mit überraschendem Ende, spielen sich Kriminalgeschichten mit (verdeckten) Ermittlungen samt Verrat – in Reihen der Polizei sowie auch bei den Gangstern – ab.

Immer wieder wechselt die Geschichte recht abrupt zu Songs und/ oder Tänzen samt davor oft (kritischen) vor allem aber witzigen Diskursen um dieses Bühnen-Genre generell. Manches Mal spielen sich im Musical auch perfekt inszenierte und ausgeführte Proben-Szenen ab.

Örtliche Polizist:innen und US-Cops, Mafia, Nachtklub, Modedesinger:innen, eine Sushi-Laden-Chefin und nicht zuletzt immer wieder die Musical Akademie Murtal in Fohnsdorf selbst – eine Fülle von „Tatorten“ spielen auch eine Rolle. In dem rund zweistündigen Musical – mit einer laaaangen Pause – gab es zumindest bei der Premiere zu der Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… eingeladen worden war, immer wieder Szenen-Applaus fast nach jeder Nummer, die Anleihe bei verschiedenen bekannten Musicals nimmt.

Neben diesen internationalen Anspielungen erfolgen so manche auch auf örtliche Persönlichkeiten – und nicht zuletzt auch die Lehrenden der hier seit 16 Jahren existierenden von Gernot Kranner gegründeten und geleiteten Musical-Akademie. Das ganze Schuljahr über kommen an jeweils einem der Wochenendtage für je fünf Stunden rund 30 bis 40 Kinder Jugendliche hierher, um mit Profis Gesang, Tanz und Schauspiel zu er- und/oder  weiter zu lernen. Seit einigen Jahren besteht die Abschluss-Aufführung aus einem eigens dafür geschriebenen Musical – von Charlotte der Stern, die auch Regie führt.

Alle durften sich Charaktere aussuchen

„Krimi da Mur“ spielt einerseits mit dem bekannten steirischen Fluss und andererseits mit dem akustisch sehr ähnlichen d’Amour, also einem Liebenskrimi, und andererseits mit dem Pendeln zwischen Traum und Wirklichkeit. „Eigentlich war Krimi da Mur schon fürs Vorjahr geplant“, so die Autorin, Regisseurin und Schauspiellehrerin Charlotte derStern (Künstler:innen-Name), als erstes auf die Frage von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …, was ihr Ausgangspunkt für die Geschichte war. Wegen einiger Corona-Fälle musste die Show dann auf heuer vertagt werden.

„Im vorigen Jahr hätten wir ja mit 15 Jahren ein Jubiläum gehabt und dazu hab ich mir als Thema überlegt: „Lebe deinen Traum“. Dafür hab ich sämtliche Kids gefragt, welche Art von Rollen sie gerne spielen würden. Und dann kamen Vorschläge wie Psychopath:in, grantiger Polizist, Sushi-Bar-Betreiberin, die gut mit Reis umgehen kann, richtige ungute Typen. Elisa Gladik und Kerstin Haider, die bisher immer Gegenspieler:innen gespielt haben, wollten endlich einmal als Team spielen.

Und dann hab ich zwei Parallelwelten – Realität und Traum – geschaffen, wo es in ersterer darum geht, überhaupt draufzukommen, was der eigentliche eigene Traum ist. Die Lotti flüchtet ja richtig in die Traumwelt, um mit der Wirklichkeit zurecht zu kommen.“

Wollte einmal eine dümmliche Figur spielen

In der Pause bzw. nach der langanhaltenden, enthusiastisch bejubelten Premiere nutzt KiJuKU.at die Gelegenheit einige der Mitwirkenden auf der Bühne sowie den „Vater“ der MAM (Musical Akademie Murtal) zu befragen. Keine leichte Sache, denn in der Pause waren insbesondere die jungen Darsteller:innen mit dem Verkauf von Tombola-Losen im Einsatz und danach war’s für sie echt schon ziemlich spät.

Mit vier Jahren hat Judith Rarej begonnen Klavier zu spielen, in der 2. Klasse Volksschule kam Geige dazu und jetzt spielt sie noch Gitarre. Die 17-Jährige ist seit vielen Jahren Teil dieser Musical-Akademie. In „Krimi da Mur“ spielt die sehr schlanke Schülerin „Fat Andy“, einen der allesamt unterschiedlich dümmlichen vier Schergen des Mafiabosses Vito Corleone (gespielt von Andreas Gruber, einem der Absolvent:innen der Musical Akademie Murtal, der in seiner zweiten Rolle deren künstlerischen Leiter Gernot Kranner spielt). „Für dieses Musical durften wir uns alle ja Charaktere aussuchen und ich wollte endlich einmal eine sehr dümmliche Figur spielen.“

Von der Lehrerin motiviert, die selber mitspielt

„Eigentlich wollte ich schon länger mitspielen, motiviert hat mich meine Volksschullehrerin – die auch selber mitspielt (Kerstin Haider – Doppelrolle als gespaltene Persönlichkeit – Inspektor Lotti Leitner in der realen und Detective Mary Myders in der Traumwelt) aber ich bin erst das zweite Jahr bei der Musical-Akademie und darf schon eine der Dozentinnen spielen, die Schauspiellehrerin sowie Musical-Autorin und Regisseurin Charlotte“, freut sich Greta Schlapschy (13). „Eigentlich wollte ich schon länger, aber erst im Vorjahr war ich dann zum ersten Mal dabei. Ich fühle mich sehr geehrt, finde es großartig, dass ich so eine große Rolle bekommen habe, obwohl ich erst so kurz dabei bin. Es ist richtig toll und ich kann mich gut mit dieser Rolle identifizieren.“

Schon ihr halbes Leben

Diese von Greta Schlapschy genannte Lehrerin ist Kerstin Haider – jetzt in einer Volksschule in Zeltweg (Steiermark). Sie ist mittlerweile ihr halbes Leben Teil der Musical Akademie Murtal. Über ihre Schwester, eine Journalistin, hat sie als Jugendliche mit 16 davon erfahren. In den ersten Jahren seien die Abschluss-Aufführungen immer so eine Art „best-of“ aus verschiedenen Musicals gewesen, erst seit einigen Jahren schreibt Charlotte der Stern eigene Musicals für die Akademie. „Am Anfang hatte ich Neben-, später breitere Neben- oder kleinere Hauptrollen. Heuer ist das mein erstes Mal in einer wirklichen Hauptrolle.

Und für dieses Musical durften wir erstmals sehr viel mitbestimmen und sagen, welche Eigenschaften unsere Figur haben sollte. Weil ich bisher immer sehr klare Rollen hatte, Figuren, die wussten, was sie wollten, hab ich gesagt, ich würde gern eine Figur sein, die lange gar nicht weiß, was mit ihr passiert, die sich durch die ganze Geschichte treiben lässt.“ Und das ist die schlechte Polizistin Lotti Leitner, die deswegen von Bezirksinspektor Gschwendtner (Roland Giersing) in die Musical-Akademie geschickt wird, um dort verdeckt zu ermitteln. Das ist die eine der beiden Figuren, die die heutige Volksschullehrerin (seit zehn Jahren in ihrer nunmehr siebenten Schule) verkörpert. Die andere ist – in der sozusagen Traumebene des Stücks – Detective Mary Myers, die den Mafiaboss Vito Corleone zur Strecke bringen will.

Weite Anreise

Neben den aktuellen Kindern und Jugendlichen des Akademie-Jahres spielen eben immer auch „Absolvis“ – wie die eben zitierte Lehrerin – im jeweiligen Musical mit, also junge Erwachsene, die in ihren Kinder- und/oder Jugendjahren die regelmäßigen Ausbildungen in Schauspiel, Gesang und Tanz absolviert haben. Zusätzlich wirken Absolvent:innen einer eigenen Ü18-Erwachsenengruppe mit. Ein weiterer der „Absolvis“ ist Lukas Angermann (20), heute Sprachstudent – Französisch und Russisch – in Wien. Er kam erst spät zu dieser Musical-Akademie. Und hat nicht nur jetzt, sondern auch schon mit 17 Jahren beim ersten Mal eine jeweils längere Anreise, damals aus Tamsweg in Salzburg (mehr als eine Stunde). „Ich hab in unserer Schule schon so ab 14 Jahren Musical gespielt, dann zufällig von dieser Akademie erfahren, das hat mich sehr angesprochen, ich hab mir dann die Aufführung vom „Zauberer von Oz“ angeschaut und seither mach ich hier mit.“

Heuer spielt er zwei Axels, einmal das karikierende Ebenbild des Korrepetitors (für Krimi da Mur hat die Autorin und Regisseurin alle Dozent:innen der Akademie ins Stück geschrieben) und ein andermal einen gleichnamigen Barkeeper. „Für dieses Stück durften wir uns Rollen-Charaktere wünschen und ich hab angegeben, einen arroganten A… spielen zu wollen, weil ich selber eher schüchtern bin. Und so mal Schlimmes rauslassen konnte. Im ersten Jahr hab ich eh einen eher schüchternen Nerd in „Grease“ gespielt.“

Kurzfristig eingesprungen

Mit dickem Bauch, der das Original so gar nicht hat, spielt Mara Köck den musikalischen Leiter und Live-Pianisten Bernd. „Schwer ist der Polster nicht, aber nass ist’s drunter“, beantwortet die 20-Jährige die erste Frage nach dem Spiel mit ungewohntem „Rucksack“ im Bauchbereich. „Ich bin nur ganz spontan vor zwei Wochen eingesprungen, weil kurzfristig wer ausgefallen ist, aber ich hab vier, fünf Jahre bei der Musical-Akademie mitgemacht, darum war’s zu schaffen.“
Mit ungefähr vier Jahren stand Mara Köck das erste Mal auf einer Bühne, „da hab ich gesungen und gespielt. Hier bei den Musicals war ich unter anderem die Sandy in „Grease“.“
Heute studiert sie Medien und Kommunikationswissenschaften.

Eigene Musicals mit Geschwisterschar

Dajana Acra ist neun und eine sehr aufgeweckte Person – nicht nur auf der Bühne, wo sie die Sushi-Bar-Chefin Nakamura Takahasi spielt. Sushi-Laden-Betreiberin, die den Reis gut rollen kann war ihr Wunschtraum. Dass ihr die Autorin dann einen klischeehaften Text mit chinesischem Akzent, in dem jedes r durch ein l ersetzt wird, in die Rolle geschrieben hat, was andere Figuren dann wiederum kritisieren dürfen, „war am Anfang schon schwierig“, gesteht die redegewandte Jungdarstellerin, die zum zweiten Mal bei der Abschlussproduktion der MAM auf der Bühne spielt, singt und tanzt. „I mog Musicals, i hob a scho öfta söba wöche gmocht”, verrät sie dem Journalisten aus Wien – nur für zu Hause. Ihre fünf Geschwister und zwei Stiefschwestern schlüpften dann in die Rollen, die sich Dajana ausgedacht hatte, um sie den Eltern vorzuspielen. „Es geht immer um Kummer, Liebe und Leid“, erklärt sie auf die entsprechende KiJuKU-Nachfrage.

„I wü a!“

Immer dann wenn ihre Schwester Stella Tomaselli als eine der acht „Neuen“ und „Kleinen“, die Polizistinnen, Detektive und FBI-Agentinnen spielten, auf der Bühne auftauchte, war die sechsjährige Schwester Lina, die insgesamt die lange Aufführung sehr aktiv miterlebte, besonders aufgeregt. Nach der langen Pause, kurz bevor der zweite, rund halbstündige Teil startete, vertraute sie dem schräg vor ihr sitzenden Journalisten an: „I wü a auf die Bühne, vielleicht derf i nächst Joar scho mitmochn!“

Einmal „mitgeschleppt“ und schon hängen geblieben

Vanessa Steinwidder (13) spielte dieses Jahr Donna Karen, eine Mode-Designerin und ist das vierte Jahr dabei. Wie es dazu kam, schildert sie so: „Meine Mama hat mich damals in den Zauberer von Oz geschleppt und das hat mir so gefallen, dass ich ab da dann immer selber mitspielen wollte.“

Vor Jahrzehnten als Bub hier auf der Bühne

Gernot Kranner, der künstlerische Leiter und Erfinder der Musical Akademie Murtal sagt in seiner Begrüßung auf der Bühne im Arbeiterheim, dass er mit sechs Jahren (1968) schon auf dieser Bühne gestanden ist. Da will Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… natürlich später mehr wissen. Und so erzählt der mit eigenen kleinen Musik-Theatergeschichten durch Schulen und Kindergärten tourende aber auch in großen Musicals auf großen Bühnen auftretende Star, der in Fohnsdorf aufgewachsen ist, dass er damals beim Abschlusskonzert der Musikschule Blockflöte gespielt habe. Viel stolzer aber schildert er von seinen Ballett-Auftritten hier als er 13 war und den Prinzen im Schwanensee tanzte. Sein Bruder Reinwald, ebenso längst ein Musical-Star war der Mäusekönig.

Talenteförderung brachte auch bekannte Größen hervor

Vor 17 Jahren als er schon Star war und in seiner Heimat ein Konzert gab, habe ihn der Bürgermeister nach seinem Werdegang gefragt und „ob ich glaube, dass es auch heute (also damals) auch noch Talente geben würde. Und dann hab ich ihm vorgeschlagen, wir könnten’s ja ausprobieren. So kam’s zur Akademie, in der bis heute – selbst in der schwierigen Corona-Zeit mit allen Abstands und sonstigen Regeln – jedes Jahr 30 bis 40 Kinder und Jugendliche mitmachen und bei der Abschlussaufführung den Eltern und anderen Gästen ihr Talent zeigen. Wobei für mich der Weg eher das Ziel ist, die Workshops mit den Dozentinnen und Dozenten, in denen diese jungen Talente wachsen. Aber es sind auch schon heute bekannte Darstellerinnen und Darstellerin hier hervorgegangen, zum Beispiel Conny Mooswalder, Rebecca Richter, Lilly Rottensteiner.

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Compliance-Hinweis: Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … wurde zur Berichterstattung nach Fohnsdorf eingeladen.

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Ignacio Giovanetti an der Gitarre und Fabricio Ferrari mit dem hölzernen Maul des Krokodils

Die tierischen Figuren entstehen im Laufe des Spiels

Eine Art clowneskes Duo – ohne rote Nasen – erscheint auf der Kultursommer-Bühne im Währinger Park. Zeitgleich wollen sie sich selbst ankündigen, der eine sein Gitarrenkonzert, der andere die eigene Kunstausstellung. Doch schon der Schuss Humor, den sie in diesen „Streit“ legen – und nicht zuletzt natürlich die Ankündigung – legen nahe: Das ist sozusagen ein Vorspiel zum gemeinsamen Stück „KonstukTIER“ der Theatergruppe „Die Kurbel“. Damit gastierten sie nun beim Wiener Kultursommer, leider nur ein Mal, aber im Herbst gibt es andernorts die Gelegenheit diese fantasievolle, kreative Geschichte zu erleben – Termine im Info-Block am Ende des Beitrages

Ignacio Giovanetti nimmt mit seiner Gitarre Platz vor dem Notenständer, Fabricio Ferrari stellt nach und nach einige zunächst wenige künstlerische Objekte auf die fünf weißen Podeste. Nach der „blauen Rakete“ präsentiert er eine „denkende Mandarine“ sowie einen „gestohlenen Weihnachtsbaum“. Fantasievoll und schräg geht es die folgende ¾ Stunde weiter.

Die Story

Die Geschichte nimmt Anleihe bei der Fabel „Die Strümpfe der Flamingos („Las medias de los flamencos“, 1918) des uruguayisch-argentinischen Schriftstellers Horacio Quiroga. Kürzest die Grundstory: Nattern (Schlangen) laden die Tiere des Urwaldes zum Fest am Flussufer. Alle machen sich auf den Weg. Die Flamingos suchen noch nach schicken Strümpfen…

Steck-Objekte aus Holz

Die schon genannten beiden Tierarten, aber auch Flamingos, Frösche, Krokodil, sogar ein Gürteltier – obwohl der Musiker spielt, daran zu zweifeln, dass ein solches gelingen könnte und alle anderen entstehen erst im Figurenspiel. Die eingangs genannten Objekte und viele weitere – alle aus Holz, gesägt und bunt bemalt von Susanne Richter & Emanuela Semlitsch, die auch Regie führte – werden erst durch Zusammenstecken im teils fast tänzerischen Figurenspiel zu den jeweiligen Wesen der Geschichte. Verwandeln sich mitunter dann nochmals. Erinnert ein wenig an die bunten blumenartigen Kunststoff-Steckteile. Die Objekte sind gleichsam Spielzeug aus Holz. Ein paar Mal baut Fabricio Ferrari auch den Titel der Theatergruppe ein, und treibt Musik oder Figurenspiel mit einer Art Kurbel voran.

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Zusammen-Spiel

So manche der Verwandlungen greifen ineinander mit der Livemusik des Gitarristen, der vor allem Tänze (vom Tango über Rag bis Mazurka) von Komponist:innen aus Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und nicht zuletzt Spanien, hier eine Polka (!) von Francisco Tárrega spielt – letztere beispielsweise bei der Entstehung des Krokodils.

Die beiden Akteure auf der Bühne, die schon lange in Wien leben und hier künstlerisch tätig sind, kommen ursprünglich beide aus Uruguay und kannten das Ausgangsmärchen natürlich schon als Kinder – wie sehr viele in Südamerika. Und lassen mit ihrem Stück sowohl durch die Musik als auch die Elementen der Fabel das Publikum weit reisen – wenngleich es bei der Aufführung immer wieder durch lärmende stadtgärtnerische Maschinen im Park rausgerissen worden ist.

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Kinder gestalten kunterbunte Riesen-Lampions

Jungstudentin macht aus ihrem Kunstobjekt ein Lehrmittel

Leopold klebt Unmengen der bunten, kuscheligen kleinen und größeren Bommeln auf seinen zuvor in Streifen bemalten weißen großen papierenen Lampion. Hinter ihm hat Amalia ihr Objekt in diesem Workshop der kinderuniKunst vor allem mit farbenfrohen Schmetterlingen und zwei großen A bemalt – drei davon kommen in ihrem Vornamen vor.

Neben Maja liegen die beiden Schwestern Johanna und Lotti fast ständig in scherzhaftem Streit, wer von wem welche der Ideen geklaut hat. Sie liefern gleichsam ein witziges Dauerkabarett. Ohne in ihrer kreativen Arbeit inne zu halten.

Johanna hat ihren Lampion mit den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde bemalt – nun wo Golmaz und Lisa mit den Material-Sackerln durch die Reihen wandern, klaubt Johanna zunächst vor allem orangefarbene Bommeln heraus, um die züngelnden Funken ihrer gemalten Flammen dreidimensional zu verstärken. „Damit kann ich dann zu Hause meinem kleinen Bruder die vier Elemente erklären“, erklärt sie dem Journalisten ihre Beweggründe für die Gestaltung ihres Kunstobjektes.

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Bernhard Heinzlmaier und eines der Charts der aktuellen Jugendwertestudie 2023

Jugendliche: Teuerung und Krieg verdrängen Klimawandel

Die ständig steigenden Preise sind auch die größten Sorgen junger Menschen in Österreich zwischen 16 und 29 Jahren. Danach kommt die Angst vor Krieg und an vierter Stelle der Klimawandel. Das sind die zentralen Ergebnisse der aktuellen Jugendwertestudie unter der Leitung von Bernhard Heinzlmaier und Natali Gferer, die Ersterer diese Woche bei einem Mediengespräch vorstellte. Befragt wurden – online – 800 junge Menschen im Frühjahr 2023, gewichtet nach Geschlecht, Alter, Bildung – und auf Nachfrage von KiJuKU auch nach Migrationshintergrund.

Umwelt ist bei Jugend viel wichtiger

Bei den schon genannten – und weiteren – wichtigsten Zukunftssorgen zeigen sich mit Ausnahme von Teuerung, Inflation und Krieg schon in der Reihenfolge deutliche Unterschiede zwischen jungen und älteren Menschen. Während die Jugend (gilt in vielen Bereichen bis 30 Jahre) Klimawandel und Umweltkatastrophen als viertes bzw. sechstes Problem, das sie sorgt, nennen, rangieren diese Themen in der Gesamtbevölkerung auf Platz 8 und 9 unter den Top-10. Die Älteren sind über Zuwanderung und Flüchtlinge mehr besorgt, was bei den 16- bis 29-Jährigen eine untergeordnete Rolle spielt.

Zukunftswünsche Jugendlicher
Zukunftswünsche Jugendlicher

Psychische Gesundheit nannten die Älteren gar nicht als vorranging, während diese den Jüngeren Sorgen im Spitzenfeld bereiten – interessantes Detail: Fast doppelt so viele junge Frauen nannten mental health als großes Problemfeld. Übrigens auch den Klimawandel nannte fast die Hälfte der weiblichen Jugend als wichtige Sorgen, während es bei ihren männlichen Alterskollegen nur ein Drittel sind.

Heinzlmaier liest aus den vielen Zahlen der Studie einen Widerspruch zwischen Anspruch und realem Verhalten heraus, weil viele Jüngere zwar der Umwelt hohen Stellenwert beimessen, aber auf die Frage nach dem Fortbewegungsmittel für Urlaubsreisen mehr als sechs von zehn (61,2%) als wichtigste Entscheidungsgrundlage „preisgünstig“ nannten. Wenn aber die Teuerung die größte Sorge ist, weil immer mehr mit dem eigenen Einkommen nicht auskommen, dann liegt wohl diese Wahl auf der Hand.

Rangfolge der Freizeitbeschäftigungen
Rangfolge der Freizeitbeschäftigungen der 16- bis 29-Jährigen

Arbeitsklima wichtiger als Bezahlung, Wohnen unleistbarer

Neben den größten Sorgen erhebt die regelmäßige Jugendwertestudie die Einstellungen junger Menschen in etlichen Bereichen, so ist jungen Menschen ein gutes Arbeitsklima im Job wichtiger als gute Bezahlung, dass Lehre eine gute Berufsperspektive biete, glaubt hingegen nur ein Drittel, obwohl aufgrund des Fachkräftemangels die Chancen sicher gut stünden. Die Teuerung schlägt sich auch in den Antworten zu Fragen rund ums Wohnen nieder. Fast zwei Drittel der befragten 800 jungen Menschen meinen, dass es für sie „immer schwerer wird, eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus zu kaufen“ bzw. „für junge Familien wird es immer schwieriger, leistbaren Wohnraum zu finden“.

Bernhard Heinzlmaier und eines der Charts der aktuellen Jugendwertestudie 2023
Bernhard Heinzlmaier und das Chart über die Sorgen aus der aktuellen Jugendwertestudie 2023

„Medienrevolution“

Seit 30 Jahren forscht Bernhard Heinzlmaier im Bereich Jugend, das habe sich anfangs nach dem Studium rein zufällig ergeben, verrät er Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… in einem kurzen Interview. Abseits der Zahlen der Jugendwertestudie die er als einen Hang junger Leute zu einem starken Pragmatismus interpretiert, wollten wir folgendes wissen:

KiJuKU: Was hat dich in diesen drei Jahrzehnten am meisten überrascht hat, wie sich Werte Jugendlicher verändert haben?
Bernhard Heinlzmaier (B.H.): „Wenn ich zurückblicke, ist eigentlich die massivste Veränderung die Medienrevolution. Am Anfang kamen auf die Frage, wer benutzt das Internet vielleicht 14 Prozent und jetzt ist es das wichtigste, das bestimmende Medium.
Fragen wie Elternbindung und andere schwanken in einem gewissen Korridor, aber der Medienkonsum ist natürlich ganz anders geworden.

KiJuKU: Da gab es ja anfangs die Hoffnung, dieses Medium könnte ein Weg zu viel mehr Demokratie sein – mit der Aufhebung zwischen Medienproduzent:innen und -Konsument:innen?
B.H.: Musste sich als Illusion erweisen, denn wer nimmt denn dann in Anspruch, selber zu produzieren. Das ist dann wiederum eine Elite, so ungefähr zehn Prozent, der Großteil konsumiert auch hier passiv. Da wurde das Potenzial der kreativen Menschen wie so oft überschätzt.  

KiJuKU: Naja, es gibt schon viele Jugendliche, die eigene YouTube- oder TikTok-Clips produzieren und ins Netz stellen.
B.H.: Sicher größer, weil es technisch einfacher und kostengünstiger geworden ist, aber nach wie vor eine Minderheit.

KiJuKu: Was wäre kurz gefasst aus der Jugendwertestudie dein Tipp an die Politik?
B.H.: Jetzt gibt’s ja diese große Diskussion um „normale“ Menschen was sicher ein unglücklicher Begriff ist, aber es ginge schon darum, sich mehr um die Probleme der gesellschaftlichen Mitte zu kümmern. Da spielen Teuerung, Inflation, Krieg, Armut eine große Rolle und auf das sollte man sich mehr ausrichten. Und das wird zu wenig gemacht und deswegen ist die Politikverdrossenheit groß.

Nutzung von zeitungen und Magazinen
Nutzung von Zeitungen und Magazinen – Vergleich Gesamtbevölkerung und Jugendliche

Medien-Nutzung

Weil im kurzen Interview Mediennutzung eine zentrale Rolle spielten hier auch noch einige Daten aus der Online-Umfrage unter den 16- bis 29-Jährigen:

Fast neun von zehn (87,9 %) gaben auf die Frage nach regelmäßigen Freizeitbeschäftigungen „im Internet surfen“ an, gefolgt von Musik hören (83,8 %). Fernsehen nannten immerhin noch fast sechs von zehn der befragten 800 jungen Menschen. Einige weitere ausgewählte Nennungen: Bücher lesen (31,5%), eBooks lesen (19,9%); Tageszeitungen las knapp ein Viertel online (23,3 Prozent), gedruckt nur 17,5 % was immerhin noch vor Hörbüchern (14,9 %) rangierte gefolgt von gedruckten Magazinen bzw. Zeitschriften (13,9%).

Präsentiert wurden aus der um rund 3000 Euro (ohne Mehrwertsteuer) erhältlichen Vollversion der Studie von T-Factory Trendagentur in Kooperation mit dem Institut für Jugendkulturforschung auch noch Zahlen zur Nutzung von Zeitungen und Magazinen – hier im Vergleich zwischen Gesamt- und junger Bevölkerung und bei letzterer aufgegliedert in mit niedriger/mittlerer bzw. höherer formaler Bildung (Abschlüsse). Während bei den über 30-Jährigen mehr als vier von zehn zur Kronenzeitung greifen, ist es bei der Generation Z nur ein Viertel, beim Standard fast ein Drittel (31,7% – bei höherer Bildung sogar 36,9%). Zu Profil und Falter greifen jeweils 16 bzw. 15,3 Prozent der 16- bis 29-Jährigen, wobei jeweils überraschenderweise ein bisschen mehr mit niedrigerem formalem Bildungsabschluss.

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Jugendwertestudie2023

jugendkulturforschung

Nach dem ersten Ukulele-Auftritt von Adi "stielt" die Menschen-Maschine das Saiteninstrument

Zehn Tage PeaceTopia – mit nachhaltiger Wirkung

Dunkel. fast absolut finster. Zappenduster. Im Hintergrund der Bühne aber tut sich was, Schritte sind zu hören, leise, zart. Noch immer kaum was zu sehen. Die ersten Stimmen erklingen. Sanft. Zaghaft. Es sind Tierlaute. Miauen, bellen. Die werden lauter, irgendwie auch aggressiver. Sozusagen das Sprichwörtliche „wie Hund und Katz“, die als Symbol für Feindschaft schlechthin herhalten müssen.

So beginnt die Show4Peace im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier. Es ist der Abschluss des nach der durch die Pandemie erzwungenen Pause des PeaceCamp, einer von Österreich ausgehenden Friedensinitiative mit – heuer 27 – jüdischen und arabischen Jugendlichen aus Israel sowie Alterskolleg:innen aus Österreich und Ungarn. Zehn Tage haben sie gemeinsam im niederösterreichischen Lackenhof (heftig) diskutiert, gemeinsam in kreativen Workshops getanzt, viel Spiel und Spaß miteinander gehabt – und nicht zuletzt die Abschluss-Show entwickelt, erarbeitet, geprobt und zuletzt eben zwei Mal – einmal am Ort des FriedensCamps und an ihrem (vorerst) letzten gemeinsamen Abend im schon genannten Theaterhaus aufgeführt.

Menschen-Maschine

In der Show werden sie fast alle zu einer gemeinsamen „PeaceTopia-Maschine“ mit mehreren einzelnen Szenen – in einem Kaffeehaus, in der Schule, sowie etlichen Solo-Auftritten – gesungen, rezitiert bzw. Statements abgegeben. Womit auch der Abend einerseits einzelnen Persönlichkeiten in den Fokus rückt und andererseits bzw. meist auch noch gleichzeitig das gemeinsame Ineinandergreifen darstellt. In einem Solo fiel der Satz: „Jede und jeder hatte beim PeaceCamp die Freiheit, die eigene Ver-rücktheit zu leben!“

Die Café-Szene dreht sich um Rassismus – und so wird die „Maschine“ ergänzt, umgebaut und „spuckt“ nun nur mehr Menschen aus, die keine Rassist:innen sind. In der Schulszene ignoriert der auf besonders lässig spielende Lehrer alle jene, die als Mädchen gelesen werden, nimmt nur Jungs dran, die allerdings kaum Antworten geben können. Und so folgt ein Statement gegen Geschlechter- und überhaupt jedwede Diskriminierung.

Auf die Menschen kommt es an

Dass eine Maschine dieses wichtige sozial- und gesellschaftspolitische Lernen nicht leisten kann, führen dann Szenen vor, in denen der Auftrag zu einem „Peace-Roboter“ erteilt wird, einer der Jugendlichen mit Karton über dem Kopf klassisch robotermäßig ausschaut und sich als „Piss“-Roboter vorstellt, ein Wortspiel, das eben nur in der englischen Sprache funktioniert, aber hier wohl ohne weitere Erklärung auch kalr ist. Englisch war für die zehn Tage die gemeinsame Sprache aller Teilnehmer:innen und Workshopleiter:innen.

Zu Interviews mit vier Teilnehmer:innen geht es hier unten:

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Rasch Brücken gebaut

Eingestreut in die rund ¾-stündige Performance sowie den anschließend gezeigten vor Ort aufgenommenen und geschnittenen ½-stündigen Film waren immer wieder Szenen und Sätze, die zeigten, wie die Jugendlichen binnen kürzester Zeit Vorurteile abbauen, ihre Gemeinsamkeiten in den Vordergrund rücken, die Gegensätze überbrücken bis überwinden können. Noch dazu gerade in der aktuellen hoch-explosiven Situation in Israel bzw. zwischen diesem Staat und den benachbarten Palästinenser:innen in besetzten Gebieten.

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Fast 20 Jahre, Zukunft gesichert

Das galt übrigens praktisch immer auch für die Vorgänger-PeaceCamps, die 2004 begonnen haben, ins Leben gerufen von Evelyn Böhmer-Laufer. Damals noch ohne ungarische Teilnehmer:innen. Mit dabei übrigens beim ersten PeaceCamp war Lia Böhmer, Tochter der Initiatorin und deren stark unterstützendem Mann Ronny Böhmer, als 14-Jährige Teil der österreichischen Delegation. Die Sozialarbeiterin in der Wiener mobilen Jugendarbeit leitete heuer – gemeinsam mit AnnPhie Fritz und Lukas Hauptfeld dieses großartige Friedensprojekt, das nun auch stärker alle vormaligen Teilnehmer:innen vernetzen will – beispielsweise in einer längeren Online-Konferenz im Herbst dieses Jahres.

„Wegen euch wunderbaren jungen Menschen verliere ich nicht die Hoffnung auf eine bessere Zukunft dieser Welt“, sagte die Erfinderin des PeaceCamps, das heuer übrigens unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Alexander van der Bellen stand – und über das Programm Erasmus Plus zumindest für die nächsten fünf Jahre gesichert ist.

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Zur – neuen – Homepage der Initaitive PeaceCamp geht es hier

Das neue PeaceCamp-Logo
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Das Interview-Quartett: Ami, Ehab, Hanna und Ido

Jenseits politischer Differenzen als Menschen respektiert

Mitte der Woche (12. Juli 2023) ging das 17. PeaceCamp, das erste nach den Pandemiejahren, zu Ende. Zehn Tage lang hatten Jugendliche aus Israel – jüdische und arabische -, Ungarn und Österreich gemeinsam Spiel, Spaß. Kreative Workshops und (heftige) Diskussionen. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… war bei der abschließenden Show4Peace im Dschungel Wien – zu einem Bericht darüber gibt’s den Link unten am Ende dieses Beitrages. Vier der Teilnehmer:innen erzählten dem Reporter über ihre Eindrücke: Ido (16) aus Kfar-Hasidim (Israel), Ehab (16) aus Nazareth (Israel), Hanna (16) aus Budapest (Ungarn) und Ami (17) aus Wien (Österreich).

Ido: Ich war vor den zehn Tagen sehr aufgeregt. Und kurz gefasst, das PeaceCamp brachte mehr als ich erwartet habe mit all diesen wundervollen Menschen und jetzt ist es wenige Stunden vor dem Abschiednehmen.

Natürlich spielte der Konflikt zwischen Israel und Palästina eine große Rolle, es war Platz und Zeit, darüber intensiv zu diskutieren. Aber aufgrund der vielen gemeinsamen Aktivitäten haben wir nicht zu viel darüber geredet. Und selbst dann, wenn wir intensiv diskutiert haben, waren wir alle freundlich und nett zueinander. Das ist mein Eindruck von dem, was PeaceCamp kann. Als Kids, als Jugendliche ist es vielleicht noch leichter zu begreifen: Wir sind alle Menschen.

Ehab: Die ersten beiden Tage hatten wir nur Spaß, konnten Teenager sein. So war es einfach, den Kontakt zueinander zu knüpfen. Ja, und dann kamen die großen Runden dazu, in denen wir ernsthaft diskutierten. Was ich am PeaceCamp mochte und mag, ist wie intensiv auch immer die Diskussionen waren, gleich danach waren wir einfach die Teenager wie in den ersten beiden Nur-Spaß-Tagen. Wir haben nie politischen Fragen vermischt mit dem, wer wir als Menschen sind. Wie unterschiedlich auch unsere Standpunkte waren oder sind, wir respektieren und mögen einander einfach als Menschen.

Hanna: In den zehn Tagen habe ich all die anderen Jugendlichen als Menschen kennengelernt, sie sind nun alle meine Freund:innen. Und es ist jetzt ein paar Stunden vor dem Ende echt schwer, Abschied zu nehmen. Aber ich hoffe, dass wir weiter alle in Kontakt bleiben können, um miteinander zu reden. Wir haben gemeinsame Erfahrungen gemacht und die sind sehr wichtig.

Ami: Die Menschen, die ich hier getroffen habe, haben wirklich mein Leben verändert, weil ich viel über alle anderen hier, über sie und ihre Kultur, gelernt habe. Ich habe auch an Aktivitäten anderer Religionen teilgenommen. Ich habe gelernt, Probleme auf unterschiedliche Art zu lösen. Und ich bin glücklich“, strahlt die Wiener Schülerin, die im Gegensatz zu ihren drei anderen Interview-Kolleg:innen die Information über das PeaceCamp nicht in ihrer Schule, sondern im Jugendzentrum bekommen hat. „Ich plane eine Reihe von Video-Calls mit Teilnehmer:innen, ich will ständig in Kontakt mit ihnen bleiben, weil die zehn Tage zu schnell vergangen sind. Aber ich habe viele Erinnerungen, viele Bilder und ich bin glücklich und weiß, in vielen Monaten oder Jahren werde ich zurückblicken und sicher nicht bereuen, mich auf diese zehn Tage eingelassen zu haben.“

Das Interview-Quartett: Ami, Ehab, Hanna und Ido - mit Lia in der Mitte, die heuer im Leitungsteam - und 2004 als Jugendliche beim allerersten PeceCamp dabei war
Das Interview-Quartett: Ami, Ehab, Hanna und Ido – mit Lia in der Mitte, die heuer im Leitungsteam – und 2004 als Jugendliche beim allerersten PeceCamp dabei war

Großartige Gelegenheit, raus aus der Komfortzone

Ido erfuhr in der Schule und ist einer von acht, die teilnehmen durften, Ehab hat’s auch in der Schule erfahren. Hanna wurde nur vom Englisch-Lehrer informiert und findet es einen Fehler, dass es nicht in der Schule allgemein verbreitet wurde, dass es diese Chance gibt. „Zuerst hab ich mich nicht getraut, aber dann hat mich meine Mutter ermutigt, aus meiner Komfortzone rauszugehen und mich doch für die Teilnahme anzumelden. Ich bereue es auf keinen Fall!“ Ami besucht seit 2019 ein Jugendzentrum in Wien, das von Lia Böhmer geleitet wird. Sie ist die Tochter der beiden Gründer:innen von PeaceCamp. „Sie hat mir das empfohlen und weil ich ihr vertraue, bin ich da.“

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Doppelseite aus " Mücke, Zebra und die wilde Rettung"

Hoppla, ein Zebra im Gebüsch

Mücke liebt es, wild zu schaukeln. Nicht nur das. Und Mücke heißt irgendwie anders, wie das verrät das ausgedehnte Bilderbuch (60 Seiten) gar nicht, weil das Mädchen den eigenen Namen gar nicht mag. Aber Mücken findet sie faszinierend – so klein diese Tierchen auch sind, so können sie sich gegen viel, viel Größere zur Wehr setzen. Naja, (Tot-)Schlägen mit Hand, Zeitung, Fliegenpracker oder Insektensprays fallen sie schon oft zum Opfer – das verheimlicht Autorin Katherine Rundell (Übersetzung aus dem Englischen: Nadine Mannchen).

Aber darum geht’s auch gar nicht wirklich. Hier ist sie eben Mücke. Und die fällt beim wilden Schaukeln eines Abends kopfüber in ein Gebüsch, nachdem sie zuvor von einer langen Zunge abgeschleckt wurde. Und so landet Mücke bei einem Zebra-Kind, das sich später als Gabriel vorstellt.

Auf Anhieb kann Mücke verstehen, was Gabriel sagt, naja, sie kann’s fühlen und vor sich in bunten Farben sehen. Mücke kann auch andere Tiere verstehen – und umgekehrt mit ihnen reden.

Gabriel ist traurig, er vermisst seine Eltern. Und die sehen wir schon in einer Art Parallel-Handlung davor. Ein Mann hat zwei ausgewachsene Zebras gefangen und eingesperrt. Und genau die sind Gabriels Eltern – lässt sich vermuten. Hier darf’s deswegen auch schon verraten werden.

Mücke aktiviert nun tierische Freunde, die wiederum die Information weiterreichen und letztlich … genau: Happy End.

Die Illustrationen von Sara Ogilvie, einerseits in naturalistischen Bildern und andererseits in fantasievollen, farbenfrohen Elementen für die Kommunikation zwischen Mücke und den Tieren, ergänzen die in knappen Sätzen erzählte Geschichte eines Kindes, das sich für Tiere einsetzt und durch nichts vom durchaus schwierigen Unterfangen abhalten lässt.

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Am 22. Februar 2023 hält Sabna Mohamed ihre 9 Monate alte Tochter Fatuma auf dem Schoß, während sie sie in ihrem Haus im Dorf Wager im Norddelta im Bundesstaat Kassala im Sudan mit Linsen füttert.

Hunger in der Welt nimmt jetzt wieder zu

Corona-Pandemie, Wetterkatastrophen, (lokale und regionale Konflikte und der Ukraine-Krieg haben die Zahl hungernder Menschen innerhalb von drei Jahren deutlich wieder ansteigen lassen. Litten 2019 etwa 613 Millionen Menschen Hunger, so hat sich deren Zahl durchschnittlich auf 735 Millionen erhöht, was einer Steigerung um ein Fünftel (19,9 Prozent) entspricht und mehr als eineinhalb Mal der gesamten Bevölkerung der EU – zum rein zahlenmäßigen Vergleich!

Diese Zahlen präsentierten am Mittwoch (12. Juli 2023) die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF), das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem Bericht „The State of Food Security and Nutrition in the World“ (SOFI, Der Stand der Ernährungssicherheit und Ernährung in der Welt).

Maria Malele, eine Gemeindekrankenschwester, verwendet am Montag, den 27. März 2023, ein Muac-Band, um die Unterernährung der einjährigen Obadia Andrea im Cholera-Zelt des Queen Elizabeth Hospital in Blantyre im Süden Malawis zu beurteilen
Maria Malele, eine Gemeindekrankenschwester, verwendet am Montag, den 27. März 2023, ein Muac-Band, um die Unterernährung der einjährigen Obadia Andrea im Cholera-Zelt des Queen Elizabeth Hospital in Blantyre im Süden Malawis zu beurteilen

Fort- und Rückschritte

Obwohl die Zahl der Hungernden weltweit dann zwischen 2021 und 2022 annähernd glich geblieben ist, verschärfen sich Hungerkrisen an vielen Orten der Welt. Fortschritte bei der Bewältigung des Hungers waren in Asien und Lateinamerika zu beobachten. In Westasien, der Karibik und in allen Regionen Afrikas stieg der Hunger im Jahr 2022. Afrika ist nach wie vor die am stärksten betroffene Region: Jeder fünfte Mensch auf dem Kontinent ist von Hunger betroffen, mehr als doppelt so viele Menschen wie im weltweiten Durchschnitt.

„Es gibt Lichtblicke: Manche Regionen sind auf dem Weg, einige der Ernährungsziele bis 2030 zu erreichen. Jedoch braucht es eine intensive und sofortige globale Anstrengung, um die nachhaltigen Entwicklungsziele zu retten. Wir müssen die Widerstandsfähigkeit gegen die Krisen und Schocks stärken, die zu Ernährungsunsicherheit führen – von Konflikten bis zum Klima“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres in einer Videobotschaft bei der Vorstellung des Berichts am UN-Hauptsitz in New York.

Ebtihal Muhammad, 7 Monate, mit seiner Mutter beim Essen einer energiereiche Paste aus Erdnussbutter in der Al Aman Health Unit – Gouvernement Hajjah im Jemen.
Dieses Kind hat eben eine energiereiche Paste aus Erdnussbutter in der Gesundheitseinrichrtung von Al Aman im Bezirk Hajjah im Jemen bekommen.

„Zweifellos stellt die Verwirklichung des nachhaltigen Entwicklungszieles, den Hunger bis 2030 zu beenden, eine gewaltige Herausforderung dar. Tatsächlich wird prognostiziert, dass im Jahr 2030 noch immer rund 600 Millionen Menschen von Hunger betroffen sein werden. Die Hauptursachen für Ernährungsunsicherheit und Unterernährung sind unsere „neue Normalität“, und wir haben keine andere Wahl, als unsere Anstrengungen zu verdoppeln, um die Agrar- und Ernährungssysteme umzugestalten und sie für die Erreichung des zweiten Ziels für nachhaltige Entwicklung zu nutzen“, schreiben die Leitungen der fünf UN-Organisationen im Vorwort des diesjährigen Berichts.

Obendrein weniger gesunde Ernährung

Die Lage in Bezug auf die Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit war auch im Jahr 2022 düster. Dem Bericht zufolge hatten etwa 29,6 Prozent der Weltbevölkerung, d. h. 2,4 Milliarden Menschen, keinen steten Zugang zu Nahrungsmitteln. Darunter waren rund 900 Millionen Menschen von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen.

Währenddessen haben sich die Möglichkeiten, sich gesund zu ernähren, weltweit verschlechtert: Mehr als 3,1 Milliarden Menschen auf der Welt – oder 42 Prozent – fehlten die finanziellen Mittel für eine gesunde Ernährung im Jahr 2021. Dies entspricht einem Anstieg von 134 Millionen Menschen im Vergleich zu 2019.

Messung des Umfangs des Oberarms - das zeigt den Grad an Unternährung an - hier in einer spezialisierten Einrichtung von Unicef in Cité Soleil in Haiti
Messung des Umfangs des Oberarms – das zeigt den Grad an Unternährung an – hier in einer spezialisierten Einrichtung von Unicef in Cité Soleil in Haiti

45 Millionen hungernde, 37 Millionen übergewichtige Kinder

Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden weiterhin an Mangelernährung: Im Jahr 2022 waren 148 Millionen Kinder unter fünf Jahren (22,3 Prozent) wachstumsverzögert, 45 Millionen (6,8 Prozent) waren akut mangelernährt und 37 Millionen (5,6 Prozent) waren übergewichtig.

Fortschritt wurde im Bereich des ausschließlichen Stillens verzeichnet: 48 Prozent der Kinder unter sechs Monaten wurden ausschließlich gestillt, was dem Ziel für 2025 nahe kommt. Nichtsdestotrotz sind weitere konzertierte Anstrengungen erforderlich, um die für 2030 gesteckten Ziele in Bezug auf Mangelernährung zu erreichen.

Am 3. Juli isst der 15 Monate alte Mahdi aufpäppelnde therapeutische Nahrung, nachdem er im Wad Madani (Sudan) Kinderkrankenhaus auf Unterernährung untersucht wurde. Seine Familie wurde aus Khartum vertrieben.
Am 3. Juli 2023 isst der 15 Monate alte Mahdi aufpäppelnde therapeutische Nahrung, nachdem er im Wad Madani (Sudan) Kinderkrankenhaus auf Unterernährung untersucht wurde. Seine Familie wurde aus Khartum vertrieben.

Wandel der Agrar- und Ernährungssysteme

Der Bericht befasst sich auch mit der zunehmenden Urbanisierung als einem „Megatrend“, der sich darauf auswirkt, wie und was Menschen essen. Bis 2050 werden voraussichtlich fast sieben von zehn Menschen in Städten leben. Regierungen und andere Akteur:innen, die sich im Kampf gegen den Hunger, Nahrungsunsicherheit und Mangelernährung einsetzen, sollten daher versuchen, diese Urbanisierungstrends besser zu verstehen und sie bei ihren politischen Entscheidungen berücksichtigen.

Die Exekutivdirektorin des UNO-Kinderhilfswerks (Unicef) Catherine Russell sagte bei der umfangreichen Studienpräsentation: „Mangelernährung ist eine große Bedrohung für das Überleben, das Wachstum und die Entwicklung von Kindern. Das Ausmaß der Ernährungskrise erfordert deutlichere, auf Kinder ausgerichtete Antworten. Dazu gehören der vorrangige Zugang zu nährstoffreichen und erschwinglichen Nahrungsmitteln und grundlegenden Ernährungsdienstleistungen, der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor nährstoffarmen, stark verarbeiteten Lebensmitteln und die Stärkung der Lebensmittel- und Nahrungsversorgungsketten, einschließlich angereicherter und therapeutischer Nahrung für Kinder.“

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) meinte: „Die Zahl der Kinder, die an schwerer akuter Mangelernährung leiden, ist nach wie vor inakzeptabel hoch, und bei der Verringerung von Übergewicht bei Kindern wurden keine Fortschritte erzielt. Wir brauchen gezielte öffentliche Maßnahmen, Investitionen und Aktionen, um ein gesünderes Ernährungsumfeld für alle zu schaffen.“

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Zum vollständigen Bericht geht es hier

Die Stützpfeiler müssen weg gezwickt bzw. gefeilt werden

„Hier dürfen wir malen und basteln, was uns einfällt!“

Wer bin ich? Bin ich vielleicht wie du? Oder gibt’s mich gar doppelt – einmal in klein, aus Schokolade oder als Eiswürfel? Beim künstlerischen Schaffen tauchen Jung- und Jüngst-Studierende an der kinderunikunst „nebenbei“ auch ins Philosophieren ein.

Klingt, pardon liest sich der Anfang vielleicht ein wenig verwirrend, so wird das natürlich hier in diesem Beitrag – mit vielen Fotos und einigen Videos – doch aufgelöst. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … besuchte nach dem Auftakt der Kinderuni Wien auch das kreative Gegenstück an der Universität für Angewandte Kunst am Oskar-Kokoschka-Platz, wo sich das künstlerische Schaffen der jungen Student:innen in der zweiten Woche konzentrierte. In der Woche davor waren andere Kunst-Unis und -Einrichtungen in Wien und Niederösterreich „Spiel“Orte der kinderunikunst – mit insgesamt rund 3000 Plätzen in 153 Kursen, Workshops, Ateliers plus vier Online-Lehrveranstaltungen.

Unsichtbarer Vorhang

Nun also zunächst zu den ersten Fragen. „Vorhang auf!“ heißt es die ganze Woche in einem Theater-Workshop. Mira Lobes und Susi Weigels „Das kleine ich bin ich“, das es auch in vier-, drei- und zweisprachigen Versionen gibt (zuletzt im Vorjahr auf Deutsch und Ukrainisch erschienen) bildet die Basis für das Stück, das die Kinder mit den Lehrenden (Anne und Julija) erarbeiten. Aber nur die Grundlage. Nilpferd wollte niemand sein und so dachten sich die Student:innen für diese Begegnung des Wesens das alle Tiere fragt, wer es sein könnte, Schildkröten aus. Statt Kühen gibt es Füchse und aus den Fischen wurden Orcas. UND es gibt zwei Wesen, die gemeinsam das kleine ich bin ich spielen: Frederica und Emma. Erstere erzählt Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… : „ich spiel gern Theater, wegen Corona sind in der Schule die Aufführungen jahrelang ausgefallen, in der vierten Klasse ist dann nicht mehr viel übrig geblieben. Hier hab ich die Chance gehabt, endlich eine Rolle mit viel Text spielen zu können. Das wollten auch andere, am Anfang waren’s sogar drei, aber jetzt spielen die Emma und ich die Hauptfigur, die auf andere Tiere trifft.“

Bei den anderen springen und laufen bei der Probe, die der Reporter sehen, filmen und fotografieren darf, vor allem die Pferde – Nora, Meta, Carla, Grete und Nives – lustvoll im Kreis. Bevor sie den beiden Suchenden sagen, dass diese keine Pferde sind. Am Ende – so viel darf schon verraten werden, weil es ohnehin keine Abschlussveranstaltung mit Präsentationen gibt, rufen alle laut, selbstbewusst und voller Lust, die Erkenntnis: Ich bin ich. Vielleicht sogar in mehreren Sprachen 😉

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Miniatur-„Zwilling“

„Oder gibt’s mich sogar doppelt?“ – diese am Anfang gestellt dritte Frage bezieht sich nicht darauf, dass es zwei kleine Ich bin ichs gibt, sondern auf einen ganz anderen Workshop, einen aus dem Bereich Architektur namens „Gemacht aus Schokolade“. Bence, Janna und Luca scannen die einzelnen kinderunikunst-Student:innen dreidimensional, lassen die Köpfe aus weißem Filament ausdrucken. Und dann arbeiten die Kinder mit kleinen Zangen und Feilen, um die Stützpfeiler des 3D-Drucks weg zu zwicken, -feilen und den kleinen Kopf, dessen Gesichter wirklich gut zu erkennen sind, freizulegen. Ob das nicht ein komisches Gefühl sei, sozusagen am Ebenbild des eigenen Kopfes herumzufeilen, will der Journalist wissen. „Irgendwie fühlt sich der kleine Kopf wie ein Zwilling von mir an und ich hätte nicht gern, dass meine Schwester auf meinem Kopf herumfeilt“, lächelt Johanna Lani und schickt noch gleich die Erklärung nach, dass ihr zweiter Vorname Hawainisch sei und Himmel bedeute. Während sie und Flora ihre Gesichter freikriegen, suchen die Lehrenden mit dem letzten ausgedruckten Kopf, zu wem der kinderunikunst-Studenten der gehört, denn dass es sich um einen Bubenkopf handelt, haben sie schon herausgefunden.

Schoko, Eis oder wie auch immer

Die kleinen Köpfe sind aber gar nicht das Endprodukt des Workshops, erklärt Bence. In der Mittagspause sägt er von einem langen Rohr lauter kleine Stücke ab und baut sie auf einer Platte auf. Mittlerweile pickt in jeder der kurzen Rohr-Stücke je ein Kopf, er rührt lebensmittelechtes Silikon mit einem „Vernetzer“ an, zwei der Kinder-Studentinnen lösen ihn beim Rühren ab. Die zähe Flüssigkeit wird in die Rohre rund um die 3D-Köpfe gegossen. Und muss über Nacht trocken und fest werden. Dann können die Kinder die Abguss-Formen ihrer Köpfe selber mit flüssiger Schokolade füllen oder zu Hause mit Wasser und ins Tiefkühlfach stellen um Eiswürfel, natürlich nicht-würfel, sondern Eis-Köpfe zu haben – oder was auch immer – jedenfalls mit ihrem eigenen Antlitz 😉

Gips, Holz, Metall, Farben …

Fast klassisch, aber in ihren eigenen Fantasiewelten malen die Kinder mit Golnaz in „Faszination Illustration“ – mit abstrakten Wellen- oder Kreisformen erschaffen sie ihre Bilderwelten, die in den „warmen“ Farben sind schon fertig und liegen zum Trocknen auf dem Boden, nun sind die kälteren, die Blautöne dran…

Im Raum daneben spielt Farbe auch eine Rolle, aber nur eine unter vielen. Hier sind Mina, Livia, Sebastian und ihre Mitstudent:innen an der „Materialerkundung durch Malerei“. Mina hat vor sich einen aus Gips gegossenen kreisförmigen Hügel, den sie bemalt. Sie freut sich vor allem, „dass wir hier machen können, was uns einfällt und nicht wie in der Schule, was uns gesagt wird und dann schauen alle Bilder gleich aus. Kunst ist doch, wenn jede und jeder was Eigenes schafft!“ Und so werken die einen einfach drauflos und schauen, was dabei rauskommt, andere gehen nach Plan vor. Sebastian, der seine Kreativität auch schon vorher bei seinem kinderunikunst-T-Shirt ausgelebt hat, in dem er einen der Kurzärmel zerschnitten, verflochten und verziert hat, schneidet nun an einem Hasengitter, das er an eine kreisrunde Holzscheibe montiert hat und erklärt: „Das wird ein Vogelhaus. Ich bastle gerne, auch wenn ich finde, dass das nicht meine Stärke ist“, was angesichts seiner Geschicktheit doch verblüfft.

Zwei Tische bohren abwechselnd zwei der Kinder – der eine an einem Holzwürfel, damit er ihn bei seinem aus Holz und Gips gebauten Objekt auf ein wegstehendes Teil draufstecken kann, der andere an einem geringelten Kunststoffschlauch, der aus seiner Holz-Gips-Ablagefläche „wächst“.

Farb-Berge

Viel gemalt – aber ohne direkt mit Pinsel – wird auch noch in einem weiteren Workshop, in den Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… kurz hineinschaut. „Ich brauch doch keinen Pinsel“ läuft übrigens zweisprachig – Deutsch und Ukrainisch – ab. Pinsel werden höchstens dazu verwendet, Farbe aufs Papier zu spritzen, aber ansonsten wird viel mit in Farbe getunkten Fingern oder kräftigen Farbtuben selbst gearbeitet, sodass teils dreidimensionale Farbberge entstehen.

Digital

Die Bandbreite der künstlerischen Betätigungsmöglichkeiten bei der kinderunikunst ist riesig. Da dürfen natürlich Computer nicht fehlen. Vor großen Bildschirmen programmieren bei „Kunst mit Code“ die Student:innen meist kleine Spiele mit Scratch. Für die meisten ist diese bausteinartige Programmier-Tool schon aus der Schule bekannt – aus Informatik, digitaler Grundbildung oder wie in der Schule von Oskar und Nils wo es sogar ein Freifach Coding gibt. Nils erzählt dem Reporter: „Ich hab schon 76 Spiele programmiert, aber nur zwei hab ich veröffentlicht – als Nilgra.“ Haibecken und ein Geschicklichkeitsspiel kannst du auf der Scratch-Site finden und spielen.

Während die meisten zu Figuren und Objekten aus dem großen Angebot von Scratch greifen, zeichnet Oskar auf dem Computer Figur sowie Werkzeuge für sein Spiel „Hau den Putin“ selbst. Während des KiJuKU-Lokalaugenscheins arbeitet er gerade in einer stark vergrößerten Ansicht an dunkle- und hellgrauen Pixel für einen Schlaghammer.

Am Computer vor ihm programmiert die viersprachige Jana – Ukrainisch, Russisch, Englisch und Deutsch – ein Spiel, in dem eine Katze möglichst die durch die Luft fliegenden roten Herzen fangen muss/soll/kann/darf 😉

Aus Alt mach Neu

Wieder zurück zu handfesteren Materialien. Stolz hält Max dem Reporter, der auch fotografiert, seine Halskette in die Kamera, die er hier im Workshop „Aus Alt mach neu“, der jeden Tag unter einem anderen Motto steht, gebastelt hat. An diesem Tag stand Schmuck auf dem Programm. Knöpfe, Kügelchen, Schnüre, Draht und viele andere Materialien standen den Kindern zur Verfügung. Nachdem Max den Bann gebrochen hatte, kommen viele der Kinder-Student:innen und präsentieren Ohrringe aus alten Kaffeekapseln, Ringe, Armbänder, Ketten – und immer wieder eigenhändig aus Papier gefaltete Schuck-Schachteln – mitunter mit sauberen Putzschwämmen ausgelegt, in die sie die Drähte der kreierten Ohrringe einhängen. Manche Schmuck-Teile haben sie aus lackiertem Draht angefertigt, den sie sich nun von Claudia-Eva, der Workshopleiterin mit einem Heißkleber beispielsweise auf kleine Kunststoff-Schmetterlinge picken lassen, die wiederum auf Haarspangen oder andere ihrer hergestellten Schmuckteile draufkommen.

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Die Lehrenden haben unterschiedlichstes Kunststoff-Zeugs mitgebracht

Wissbegierige und lernfreudige Kinder in den Sommerferien

Um 10 Uhr soll’s endlich losgehen. Hunderte wissbegierige und lernfreudige Kinder – die meisten in den aktuellen dunkelblauen T-Shirts – warten schon, dass die Kinderuni 2023 startet. Gut ein Dutzend dieser Jung- und Jüngst-Studierenden halten das große orangefarbene Transparent mit der weißen Schrift; unter anderem dem Spruch, der nun im 21. Jahr an den beteiligten Hochschulen für Schmunzeln sorgt: „Wir stellen die uni auf den Kopf!“ Wobei das letztgenannte Wort tatsächlich sozusagen auf dem Kopf steht 😉

Nun kommt eine Herausforderung in der ersten Reihe hinzu: Ein rotes Band, das durschnitten werden soll, um den Start zu symbolisieren. Beim schon traditionellen Durchschneiden des Bandes helfen Lehrende sowie die Vizerektorin der Uni Wien ihren nunmehr für zwei Wochen jüngsten Student:innen.

Das ist für den Eröffnungsakt noch immer nicht alles. Denn einige der Fotograf:innen hätten jetzt noch gern, dass alle in einen Jubel ausbrechen und die Arme in die Höhe reißen. Womit dann natürlich das Transparent zu Boden sinkt. Aber es ist somit auch ein praktisches Lernen in Medienkunde – wie so manche Fotos inszeniert werden 😉

Klimafit

Weil sich ohnehin viele Kinder für Themen rund um Umwelt und Klima(schutz) interessieren, es das wohl weltweit brennendste (Zukunfts-)Thema ist, widmen sich mehr als ein Zehntel aller 317 Lehrveranstaltungen unterschiedlichsten Aspekten und Wissenschaftsdisziplinen Forschungsfragen dazu – markiert mit einem kleinen Windrad und dem Begriff „klimafit“. Dazu zählte auch die Auftakt-Vorlesung „Plastik überall!“

Die beiden Lehrenden Thilo Hofmann und Charlotte Henkel hatten zuvor einen Teil des Vortragstisches mit allerlei Zeugs vollgeräumt – von Turnschuhen über Spielzeug, einen Rad-Helm, einen Autoreifen und vieles mehr. Die beiden stellen so manche Schätzfrage an ihre Hörer:innen, die übrigens vom ersten Augenblick an – im Gegensatz zu so manchen erwachsenen Studierenden – voll aktiv mit dabei sind. Keine der Fragen vom Podium aus, wo nicht viele Arme in die Höhe schnellen. Umgekehrt kommen auch von den Kindern viele Fragen an die Vortragenden. Es ist eine sehr lebendige interaktive Vorlesung.

Nicht alles Plastik ist schlecht, erklärt Charlotte Henkel, die sich zu Zersetzung von Kunststoffen im Wasser forscht. Folien über Äcker beispielsweise bedeuten weniger Wasserverbrauch für die Bewässerung der Felder – und weniger Spritzmittel gegen Schädlinge.

Aber insgesamt und insbesondere im Meer – oder auch die fein zerstäubten Nano-Teilchen (noch kleiner als Mikroplastik) – richtet Plastik, das nicht biologisch abbaubar ist, viel Schaden an. Das wissen die meisten der Kinder schon vorher, aber so manche Fakten haben sie hier erfahren. Manche sind verblüffend: So gibt’s die höchste Konzentration von Plastik im Meer weder in den großen Müllinseln im Pazifik, auch nicht im Atlantik, sondern im Mittelmeer.

„Weil es wichtig ist“

„Weil das ein wichtiges Thema ist, darum hab ich mir diese Vorlesung ausgesucht“, sagt die 8-jährige Leila nach der Lehrveranstaltung zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… und ergänzt auch noch, dass „ich drauf schau, nicht zu viel Plastik zu verwenden, das macht auch meine Familie. Wir kaufen zum Beispiel nur Äpfel, die nicht mit Plastik verpackt sind.“ Lisa-Marie findet’s „wichtig, weil zu viel Plastik der Umwelt schadet. Wir schauen darauf, dass wir Flaschen immer wieder mit Leitungswasser anfüllen.“

Die neunjährige Elena „fand es interessant zu wissen, wie viel Plastik überall auf der Welt verwendet wird. Wir schauen auch, dass wir Falschen immer wieder verwenden.“ Hatice (8): „Ich hab mir diese Vorlesung ausgesucht, weil ich mir gedacht habe, vielleicht wird das spannend. Und das war’s jetzt auch. Ich finde, dass wir alle viel mehr auf unsere Umwelt aufpassen und was tun müssen!“

Der von Hatice zuletzt genannte Aspekt war auch wichtiger Teil der beiden Vortragenden. In einer ihrer beiden Folien mit Pyramiden stand als Wichtigstes: „nutzen, was man hat“ als breites Fundament von nachhaltigem Konsum, gefolgt von „machen“ (womit gemeint ist, beispielsweise aus Kunststoffdingen neue, brauchbare Gegenstände basteln), dann tauschen, leihen, gebraucht und erst zuletzt (neu) kaufen.

Ex-Kinderuni-Kinder

Neben den Checker:innen in roten T-Shirts bevölkern viele Volunteers in gelben T-Shirts den Raum vor und in den Unis. Sie bringen die Kinder zu ihren Lehrveranstaltungen und wieder zurück. Bei Sammelpunkt halten sie Schilder mit den Titeln der jeweiligen Lehrveranstaltungen. Manche von ihnen waren schon als Kinder selbst Jung- und Jüngst-Studierende. Eine von ihnen ist Annamarie (17). Von KiJuKU gefragt, erinnert sie sich, „ziemlich viel an der MedUni besucht zu haben, Sachen vor denen ich mich gefürchtet habe, die aber doch lustig waren“. Da will der Journalist natürlich wissen, was die furchterregenden Dinge waren. „Naja, Blut, das kann ich auch heute noch nicht sehen, aber die Lehrveranstaltungen waren sehr spannend. Und ich hab auch viel mit Natur und Umwelt besucht.“ Sechs Jahre lang hat sie die Kinderuni besucht – womit sie vierfache „Magistra universitatis iuvenum“ multiplex ist.

Bei der Kinderuni-Sponsion nach den beiden Wochen werden die Titel Magister bzw. Magistra der Kinderuniversität verliehen. Wer zum zweiten Mal dabei ist, kriegt ein „zum Quadrat“ angehängt – was, darauf kannst du wetten, bei jeder der Sponsionen zu viel Lachen der erwachsenen Begleiter:innen führt. Und ab der dritten Kinderuni gibt’s eben den Zusatz „multiplex“.

Sie, die heuer maturiert hat, und ihre Kollegin, die in Niederösterreich eine berufsbildende Schule besucht, freuen sich nun bei ihrer freiwilligen Arbeit hier „so viele wissbegierige Kinder und das noch dazu in den Sommerferien begleiten zu dürfen“.

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Probe der Freude über den Wiederbeginn der Schule

Sture unerwünschte Außenseiterin erkämpft sich große Anerkennung

Draußen drückende Hitze, drinnen im Saal des Mödlinger Stadttheaters wohltemperierte Kühle. Mitten zwischen den Publikumsreihen ein riesiges Technik-Pult mit Monitoren, Reglern und Knöpfen. Noch ist Probe. Auch wenn in wenigen Tagen die Premieren – zuerst jene von „Anne of Green Gables“ und eine Woche später die von „Cinderella“ – beides von der Kinder- und Jugend-Musical-Company teatro – über die Bühne spielen, tanzen und singen werden.

Bewegungen exakter setzen

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… darf bei einer Probe fürs erstgenannte Stück dabei sein. Was schon als kompletter Durchlauf angekündigt war, erweist sich dann doch „nur“ als Probe für den zweiten Teil nach der Pause. Und das ist für den zuschauenden, fotografierenden und filmenden Reporter noch viel spannender. Da sitzt noch so manches nicht. Unterbrechung. Choreografin Katharina Strohmayer unterbreitet Änderungsvorschläge bei der Szene, in der Anne und ihre Kolleg:innen sich freuen, dass nach den Ferien endlich die Schule wieder losgeht – sie einander treffen und die eine oder andere Party machen können. „Setzt mit euren Köpfen scharfe, große Akzente bei den Bewegungen am Anfang“, ist einer von vielen Tipps, um die Szene exakter zu tanzen.

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„Verkauft mir eure Sätze“

Regisseur und Stückfassungs-Autor Norbert Holoubek ergänzt: „Gerade die, die weniger Sätze haben, bitte kämpft um eure kurzen Solos, setzt eure kurzen Auftritte, verkauft mir eure Sätze!“ Manchmal unterbricht er, um eben bei der Probe ausgedachte neue Sätze ins Textbuch einzufügen, um einzelne Szenen klarer, zugespitzter zu gestalten. Etwa die schon angesprochene, in der es um die Freude am Wiedersehen zu Schulbeginn geht. „Jetzt geht‘s los! Endlich wieder Schule!“ wird nun die Szene neu eingeläutet!

Die Choreografie danach mit einer Art Räderschlagen der ersten und auf die Würfel springenden Tänzer:innen der zweiten Reihe wird – mal ohne und dann wieder mit Live-Musikbegleitung durch Walter Lochmann am Klavier – mehrmals wiederholt. Von Mal zu Mal hat sie mehr Drive, wird exakter. Bis sie sitzt.

Von Mal zu Mal geschmeidiger

Die angesprochenen Würfel müssen übrigens von den Akteur:innen auf der Bühne immer selber hergeholt und wieder weggeräumt werden – und das natürlich voll in die Bewegung der entsprechenden Nummer eingebaut. In einer anderen Szene mit der Waisen-Jugendlichen Anne (Lili Beetz) und dem sie adoptierenden älteren Geschwisterpaar Marilla Cuthbert (Katharina Lochmann) und Matthew (Norberto Bertassi) checkt Letzterer, teatro-Intendant und Komponist, „ach ja, ich hab vergessen den Würfel umzustellen“. Was für die Mitwirkenden der folgenden Szene wichtig wäre. Bei der Wiederholung klappt’s – natürlich.

Je länger die Proben dauern, desto mehr flutschen die Szenen über die Bühne – hin und wieder kommt auch Applaus von den wenigen im Saal, die gerade eben nicht auf der Bühne sind. Mittlerweile sind einige der digital produzierten Hintergründe, die projiziert das Bühnenbild gestalten, eingelangt und werden vom Techniker eingespielt. Die Projektionen stammen übrigens von Moritz Mausser, der jahrelang in teatro-Musicals selber mitgespielt hat und nun ab Oktober 2023 im Wiener Ronacher Hans Hölzel alias Falco spielen, singen und tanzen wird.

Die Story – kurz gefasst

Da das Original (1908 erschienen) – und viele Übersetzungen – zwar in vielen Ländern, natürlich im Ursprungsland Kanada, wo die Autorin Lucy Maud Montgomery lebte, aber auch in Dutzenden anderen sehe, bei uns weniger bekannt, ist, hier eine knappe Zusammenfassung des Inhalts:

Das ältere Geschwisterpaar und Matthew und Marilla Cuthbert leben in der (ausgedachten) Kleinstadt Avonlea auf Prince Edward Island (wo ach die Autorin aufwuchs) auf einem Hof dessen Dach grüne Giebeln hat (daher der Name). Sie erhoffen sich Hilfe von einem Buben aus einem Waisenhaus, stattdessen kommt Anne Shirley am Bahnhof an. Nach erstem Zögern finden sie sich mit dem Mädchen ab, Matthew warmherziger, seine Schwester strenger.

Anne ist ein viel redendes, fantasievolles und stures Kind und leidet unter ihren roten Haaren was ihr von Mitschüler Gilbert Blythe den Spottnamen Karotte – und diesem „ewige“ Feindschaft mit Anne – einbringt. Was sich natürlich am Ende wendet. Außerdem rettet Anne, weil sie im Waisenhaus viel praktische Lebenshilfe gelernt hat, der kleinen Schwester von Diane, der besten Freundin, deren Mutter jedoch den Umgang der beiden verbietet, das Leben.

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Die Autorin war durch einen Zeitungsartikel über ein Paar, das irrtümlich ein Waisenmädchen statt eines Jungen geschickt bekommen hatte, zu ihrem ersten Band des Buches inspiriert worden, der im Wesentlichen das Leben Annes von 11 bis 16 Jahre umfasst. Wegen des großen Erfolges schrieb sie Fortsetzung um Fortsetzung, ab Band sechs drehen sich die Geschichten um Annes Kinder.

Angeblich war Anne of Green Gables das Lieblingsbuch von Astrid Lindgren, was diese zu einigen Elementen ihrer Pippi Langstrumpf angeregt haben könnte – von den roten Haaren bis zur Sturheit.

Geigenprobe
Geigenprobe

Interviews

Bevor die Proben auf der Bühne losgehen, übt Léna Sophie Lochmann, die Julia Bell, eine Mitschülerin Annes spielt und im Ensemble tanzt, einen Song auf der Geige – begleitet von ihrem Vater Walter auf dem Klavier. Die 12-Jährige spielt seit vier Jahren dieses Instrument, zum ersten Mal dann live in dem Musical. „teatro-Musicals kenn ich schon lange, weil ich immer zugeschaut habe, wenn mein Vater die Musik gespielt hat. Mit der Geige hab ich bisher immer nur kleinere Konzerte gespielt.“

Essen motiviert

Der Beginn auf der Violine sei ihr leicht gefallen, „aber da ist es ja noch einfach, weil du bald Melodien kannst und dir am Anfang alle auch Fehler verzeihen. So nach zwei Jahren war’s dann schon schwieriger. Da werden die Stücke schwerer und die Nachsicht ist vorbei. Da war’s nicht immer leicht mich selber zu motivieren“, gesteht sie im Interview. Auf die Nachfrage, wie es doch immer wieder gelungen sei, lächelt die Geigerin „meine Mama hat mir Nutella-Brote gemacht. Oder Eis versprochen. Mit Essen kann man mich leicht motivieren.“

Ob die Geige zu ihrem Berufswerkzeug wird, weiß Léna Sophie Lochmann noch nicht, „aber sicher irgendetwas auf der Bühne, Schauspiel und Musik“.

Lange bei teatro, aber erstmals auf der großen Bühne

Auch eine Newcomerin auf der Mödlinger Bühne sind Tanja Marie Rathbauer (17) und Elea Rupprich (15). Erstere schlüpft in die Rolle des Waisenhausmädchens Jilly, Letztere in die einer Schulkollegin Annes, Gertie Pye. Neu ist für beide aber nur die große Bühne samt dem großen richtigen Theatersaal. Denn beide singen, spielen und tanzen schon seit jeweils gut sieben Jahren, also ein Drittel bzw. die Hälfte ihres Lebens mit teatro – in der „musical academy brigittenau (mab – in Wien, im 20. Bezirk). Bei den großen Produktionen im Mödling „haben wir fast jedes Jahr zugeschaut und wollten wenigstens einmal auf der großen Bühne spielen“, erzählen Rathbauer und Rupprich Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… heuer hat’s endlich geklappt.

„Ich hab zwar nur eine Szene“, so die Darstellerin des Waisenhausmädchens Jilly, „die Proben waren aber trotzdem schon anstrengender als in der mab, aber es ist sehr schön, hier spielen zu dürfen“. Dennoch ist Bühne nicht ihr Berufswunsch, „sondern lieber Synchronsprecherin, ich mag es, mit der Stimme zu spielen“.

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Ihre mab-Kollegin Elea Rupprich, die ein Schulkind spielt, „mag die Lieder und die Szenen sehr. Ich glaube, ich will weitermachen und später auf der Bühne stehen.“

Regisseur seit Jugendtage davon bezaubert

Norbert Holoubek, der – nicht nur hier – Regie führt(e) und das Textbuch geschrieben hat, wollte „das Stück schon immer machen“. Heuer ist es so weit. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wollte natürlich wissen, weshalb Holoubek „Anne of Green Gables“ so ein Herzensanliegen ist. „Ich war so ungefähr 15 Jahre als im Fernsehen bei uns eine kleine Serie gelaufen ist (1985 mit Megan Follows in der Hauptrolle). Meine Clique aus dem Gymnasium und ich haben uns die angeschaut. Ich war tief berührt, hin und weg von dieser Figur. Übrigens auch die ganze Clique in der Schule.

Ich war total verzaubert von ihr – wir alle natürlich auch von der Schauspielerin. Aber wie sie da in diesen Ort kommt und eigentlich sollte ja ein Junge von den beiden Cuthberts aufgenommen werden, wie sie sich ausdrückt, alles schönredet und doch unabsichtlich immer wieder in Fettnäpfchen tritt, aber trotzdem um sich kämpft. Ja und dann ihre Sprache, sie redet ja fast nur in Lyrikform. Auch die Landschaftsaufnahmen in Kanada haben mich sehr beeindruckt. Deshalb wollte ich das schon immer machen. Dann hab ich das Buch gelesen. Und war so erstaunt, dass fast niemand bei uns diese Geschichte kennt. Darum wollte ich, dass wir es mit teatro machen, damit mehr Leute diese wunderbare Geschichte kennen lernen.“

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Titelseite einer der Ausgaben von
Titelseite einer der Ausgaben von „Anne auf Green Gables“
Bildmontage aus zwei Fotos der Jurys der jungen Leser*innen, Logo der Literaturbagage und Schriftzug

Junge Leser:innen wählten Einblicke in nahe „fremde“ Welten zu ihren Buchfavoriten

„Weil es eine tolle Geschichte ist, mir hat alles daran gefallen. Meine Lieblingsstelle ist, wo Jukli und Flora einen Wettbewerb im Blinzeln machen. Es war einfach schön“, so begründete Carla Steiner ihre Wahl bei der Präsentation der Lieblingsbücher der „Literaturbagage“, einer Jury von jungen (Buch-)Leserinnen und Lesern knapp vor Schulschluss im Wiener WuK (Werkstätten- und Kulturhaus).

Zwei Gruppen von Leser:innen – jüngere und ältere – treffen einander regelmäßig und diskutieren über Bücher, die sie gelesen haben. Beide Gruppen haben auf ihren gemeinsamen Leseliste je 13 Bücher – alle finden sich unten in der Info-Box.

Foto von der Preisverleihung der Jury der jungen Leser*innen
Die Jury der Jüngern, also der Kinder, lesen aus ihrem Preisbuch

Die Jüngeren (8 bis 10 Jahre) entschieden sich für „Jukli oder wie ich einen Esel an der Backe hatte und nicht mehr loswurde“ von Corinna C. Poetter, ihre älteren Kolleg:innen (13 bis 15 Jahre) wählten „Dazwischen: Wir“ von Julya Rabinowich zu ihrem Buchfavoriten.

Da Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nicht dabei sein konnte und auch kein Termin für einen Besuch der Treffen der Lesefans zustande gekommen ist, seien hier nur die Informationen veröffentlicht, die Literaturbagage übermittelt hat und sich auf dem Folder zur Preisverleihung finden.

Foto von der Preisverleihung der Jury der jungen Leser*innen
Auszeichnung für die Autorin des Buchfavoriten der jüngeren Jury, Corinna C. Poetter

Zunächst zurück zu den Jüngeren: Suren Leo Paydar beeindurckte am auserwählten Buch, „weil ur-oft das Wort „Scheiße“ vorkommt und es ein tolles Buch ist“, sein Jury-Kollege Casper Alram hat „das Buch … ausgewählt, weil es um einen Esel … und eine Reise in ein anderes Land geht“.

Foto von der Preisverleihung der Jury der jungen Leser*innen
Die Jury der Älteren, also der Jugendlichen, lesen aus ihrem Preisbuch

Julya Rabinowich

Zur Gruppe der älteren Viel-Leser:innen gehört u.a. Adam Elkist, der seit Jahren auf diversen Social-Media-Plattformen über Bücher bloggt, zuletzt vor allem auf Instagram – infos.teilen.mit.adam. Er sowie Amelie Herold, Mia Mende, Flora Mosleh-Nitsch und Emma Willer kürten „Dazwischen: Wir“ von Julya Rabinowich zu ihrem besten Buch dieses – nun abgelaufenen – Schuljahres.

Foto von der Preisverleihung der Jury der jungen Leser*innen
Die ältere Jury mit der Autorin ihres Buchfavoriten, Julya Rabinowich

„Es ist sehr locker geschrieben, man kann es gut lesen, es ist nicht anstrengend und man muss sich nicht überwinden. Die Dinge sind so spannend erzählt, dass man es einfach weiterlesen möchte, selbst wenn‘s um ein zaches Thema geht“, fasste Emma Willer das Ergebnis der jugendlichen Juror:innen in knappe Sätze als Begründung.

Foto von der Preisverleihung der Jury der jungen Leser*innen
Lilly Axster bei ihrer Festrede für die jungen Leser:innen und gleichzeitig Kritiker:innen

Festrede

Die Organisatorinnen der „Literaturbagage“, Anna und Kathi Pech, Sara Schausberger, und Greta Egle, die selber als Kinder Teil der „Jury der jungen LeserInnen“ (initiiert und bis zu ihrem Tod von Mirjam Morad gleitet), hatten für die Preisverleihung auch eine Festrednerin eingeladen. Lilly Axster, die erst Anfang Mai selber eine und zwar den Christine-Nöstlinger-Preis bekommen hatte, sagte unter anderem: „Danke euch allen, dass ihr lest, …, dass ihr so genau lest. Dass ihr überlegt, wieso euch ein Buch fasziniert und ein anderes weniger. Danke

euch für euer Interesse und euer großes Wissen als Literaturbagage, als junge und jugendliche Kritiker:innen. Wenn ich keine Bücher gelesen hätte, seit ich Kind bin, und wenn ich aktuell keine lesen würde, würde ich keine Bücher schreiben. Es gehört zusammen. Für mich… Lesen und Schreiben macht mich glücklich. Eintauchen in den Rhythmus von Sprache. In Wiederholungen. In den Klang von Worten und

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Szene mit Pferd und Einhorn

Rapunzel mit Kurzhaar, (junge) Zauberblumen und Gnom:innen

Die neue Frisur ist – urkurz und glatt. Die langen zu Zöpfen geflochtenen Haare sind fast allgegenwärtig am und im Schloss. Gleich einmal beim Turm in dem die namensgebende Figur eingesperrt ist und an vielen Wänden und im Bühnenbild der Schluss-Szenen gar als ganze Vorhänge. „Rapunzel – neu frisiert“ heißt die Jubiläumsproduktion des Märchensommers im Weinviertler Schloss Poysbrunn. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… war bei der Premiere (6. Juli 2023), sprach davor mit einigen der Kinder-Darsteller:innen von Zauberblumen und Gnom:innen und konnte/musste – wie der Großteil des Publikums – bei etlichen Szenen wegen des Spiel- und so mancher Wortwitze viel lachen.

Märchenschloss

Gibt es ein Gebäude, das als Kulisse für ein altes Märchenschloss hergerichtet werden müsste, könnte die Bühnenbauer:innen getrost Anleihe bei dem von Poysbrunn im niederösterreichischen Weinviertel nehmen. Das dachte sich vor mehr als eineinhalb Jahrzehnten auch die Intendantin des Märchensommers und Regisseurin der Stücke (Nina Blum) und pflanzte ihre neuen bzw. neuen – frei bearbeiteten – Märchen-Theaterstücke mit Musik einfach hierher.

Die Mauern weitgehend von Grünpflanzen bewachsen, ein kleines Wäldchen im Garten, Hügel, ein Turm und so weiter. Seit einigen Jahren wird – wegen des großen Andrangs – neben dem Schloss noch ein riesiges Zelt aufgebaut. Auf der dortigen großen (Dreh-)Bühne steigen einige der Szenen – für das gesamte Publikum auf einmal. Denn dazwischen machen sich Zuschauer:innen jeweils mit einer/einem der Protagonist:innen auf interessante Wanderschaft durch Räumlichkeiten des Schlosses wo einzelne Szenen stattfinden. Dazu gilt es auch so manche, teils hohe, Stufen und Stiegen zu überwinden, womit – kleiner Wermutstropfen – das Stationen-Theater allerdings nicht barrierefrei ist.

Die Story

Ins Zelt geht es nach der ersten Szene, die rund um einen Turm-Balkon startet. Den Turm – und nicht nur diesen, sondern viele Teile im Schloss zieren prall gefüllte zu „Zöpfen“ geflochtene Stoffbahnen. Rapunzel (Patrizia Leitsoni) selbst erscheint aus dem Turmzimmer auf dem Balkon – mit Kurzhaarfrisur. Sie muss immer wieder ihre Haare schneiden und für die „haarfee“ spenden. Und nicht allein, sondern in Begleitung eines grünen, großen Haustieres namens Lucy, einem Chamäleon (Adriana Zartl, bei einigen Vorstellung speilt diese Rolle Veronika Rivó). Onkel Tim (Daniel Ogris) besucht sie, bringt ihr Limonade und Kuchen, säuselt, wie lieb er die Nichte hat, schärft ihr aber ein, weder den Turm zu verlassen noch Besuch zu empfangen.

Da tauchen Prinz Felix (Johannes Kemetter) und sein Pferd (Christian Kohlhofer, manches Mal auch Bernhard Viktorin) auf. Dieses stellt sich als stolzer Ferdinand, der Dritte aus uraltem Lipizzaner-Adel vor und betont obendrein mit Kleiner Onkel, dem bekannten Pferd von Pippi Langstrumpf, verwandt zu sein. Eben frisch lackierte Hufe, kann er den Prinzen aber gar nicht tragen, umgekehrt muss der den Gaul huckepack transportieren – auf der Wanderschaft bettelte er Zuschauer:innen an, dass diese ihn tragen.

Die beiden Duos kommen ins Gespräch. Warum auch immer, hatte sich Rapunzel an Tims strenge Auflagen gehalten, wollte nie selber die engen Mauern jenseits des Balkons verlassen. Selbst das aufmüpfig-freche Chamäleon ließ sich gefangen halten. Da müssen erst die beiden Männer – Prinz und Pferd – daherkommen, um ihr von der Freiheit der Welt vorzuschwärmen und in ihr die Sehnsucht nach Freiheit zu erwecken.

Bleibt ja auch rätselhaft, wieso im Original Rapunzel zwar so starke Haare auf ihrem Kopf hat, dass der rettende Prinz daran hinaufsteigen kann, sie aber nicht selbst an ihrem langen Haar den Turm hinunter klettert.

Wie auch immer: Ab nun – also wenn Rapunzel und Lucy mit Felix und Ferdinand auf Entdeckung der Welt gehen -, passiert Abenteuerliches. Zwei Gnomenkinder entführen den Prinzen und das Publikum muss nun mit der/dem jeweiligen Protagnoist:in – Rapunzel, Chamäleon oder Pferd – auf der Schlosstour herausfinden, wo sich der Prinz befindet und sich bemühen, draufzukommen, wie er befreit und rückverwandelt werden kann.

Viel mehr sei nicht verraten (Text: Michaela Riedl-Schlosser, Musik: Andreas Radovan). Nur so viel, es gibt noch einen bösen Zauberer, eine Gnomin (Gudrun Nikodem-Eichenhardt) und einen Gnom (Tobias Eiselt, der auch große Zauberblume spielt), viele Gnomenkinder, Zauberblumenkinder (bei den vielen Vorstellungen kommen viele verschiedene Kinder dran) – und ein Einhorn (gespielt von der Darstellerin der Gnomin, die übrigens auch alle Liedtexte geschrieben hat). Ach ja, natürlich endet auch dieses neu geschriebene Märchen – nach knapp mehr als 1 ¼ Stunden – happy.

Cool, verbotene Wörter sagen zu dürfen

Ziemlich unaufgeregt, gar nicht nervös stellen sich einige der Kinder, die Zauberblumen bzw. Gnom:innen spielen den Interviews mit Kinder I Jugend I Kultur I und mehr…

Die Gnom:innen, die rund eine Stunde bevor das Stück wirklich anfängt – bei der Premiere halten einige, manche sogar sehr lange Eröffnungsreden – schon voll verkleidet kommen sind in echt Linus (6), Oskar (6), Mattis  (7), Finn (5) und die neunjährige Johann. Die spielt in manchen Vorstellungen statt einer Gnomin eine der Zauberblumen. Übereinstimmend sagen alle spontan, „Gnom spielen macht Spaß“. Auf die Nachfrage des Reporters, was an dieser Rolle so viel Freude bereitet, meinen manche „dass wir den Prinzen entführen dürfen“. Das gilt allerdings immer nur für zwei der jungen Gnom:innen. Bei der Premiere durften die beiden erstgenannten jungen Gnomen-Darsteller diese Aufgabe übernehmen. Aber was nicht nur die beiden, sondern auch ihre Kolleg:innen, mit einem Lächeln bis lustvollem Lachen an ihren Rollen unbändigen Spaß macht: „Wir haben einen Spruch, den wir sagen mit Wörtern, die wir sonst nie sagen dürfen.“ Natürlich will Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… den Spruch wissen. Auch wenn er später bei der Aufführung natürlich mehr-, nein vielfach fällt, verraten die fünf Gnom:innen ihn schon jetzt. Und wir ihn hier – auch für jene, die die Aufführung vielleicht gar nicht sehen werden: „Krötenschleim und Furzendreck, Ochsenhirn und Vogelpipi“.

Mehr zu tun

Zwei Valeries (7 und 11 Jahre) und Elsa (noch 6) finden ihre Rollen als Zauberblumen – und damit natürlich auf der Seite der Guten – „viel cooler als die von Gnomen“. Was sie daran besser finden, will daraufhin natürlich der Journalist wissen. „Als Zauberblumen haben wir viel mehr zu tun“, sagen sie fast im Chor. Alle drei sind nicht zum ersten Mal bei einem Stück des Märchensommers im Einsatz, die beiden Jüngeren zum zweiten, die Elfjährige sogar schon zum vierten Mal. Valerie, Valerie und Elsa gefällt an den Zauberblumen aber nicht nur, dass sie mehr zu tun haben, sondern „das Gemeinsame, dass wir alle miteinander tanzen“.

Märchenfiguren

Die Märchenstücke im Schloss strahlen seit einigen Jahren schon auf den ganzen Ort Poysbrunn aus, das sich seit zwölf Jahren „Märchendorf“ nennt. Viele Bewohner:innen haben Märchenfiguren gebastelt, ausgesägt, gebaut und vor die Häuser in den Garten oder auch an den Straßenrand gestellt. Selbst auf dem Weg vom Schloss zum abseits gelegenen Gäst:innen-Parkplatz finden sich zwei – eines für den „gestiefelten Kater“, der Ausgangspunkt fürs nächstjährige Märchen wird, und eine besonders aufwändige Installation zum „tapferen Schneiderlein“ samt sogar altem Nähmaschinen-Tisch in einer offenen Holzhütte.
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Älterer Märchensommer-Bericht, damals noch im Kinder-KURIER

Die bunte Beleuchtung lässt sich per Klatschen einschalten

Lieblingsort: Dach der eigenhändig gebauten Hütte

Durchs Gittertor an einer Straße in Wien-Leopoldstadt zwischen Donaukanal und Grünem Prater hinein. Neben und hinter dem Wohnhaus liegt ein kleiner begrünter Hof, eigentlich ein Garten. Und in diesem steht neben einem großen Trampolin eine feine Holzhütte. Seit gut zwei Jahren treffen hier einander ein paar Kinder und Jugendliche. Das Besondere: Sie haben die Holzhütte auch selber gebaut. Da waren Albin und Keke 14 bzw. elf Jahre. Die beiden zeigen dem Journalisten ihr Bauwerk und erzählen Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… wie’s dazu gekommen ist.

Es war im zweiten Corona-Jahr – im Frühjahr und Sommer“, beginnt Albin an die Anfänge zu erinnern. „Das Schwierigste war das Beginnen und es dann auch wirklich zu machen“, fügt er gleich noch ein wenig verschmitzt hinzu. Und beide erzählen, dass sie schon davor einmal im Keller einen Jugendraum einrichten wollten, „aber der ist gefailed; das wurde nix.“

Alle gefragt

Also, zunächst war die Idee da. „Dann haben wir Zettel geschrieben und an alle Hausbewohnerinnen und -bewohner gefragt, ob sie dafür sind, dass wir da so was bauen dürfen“, erinnert sich Keke. Alle waren dafür.

Und dann ging’s los. „Zuerst haben wir aus Leisten einen Würfel gebaut“, schildert Albin den Kern des Gebäudes. Im Keller – des Wohnhauses – lagen alte Holzleisten herum – Daraus wurde die erste Wand. „Dann haben wir auf >will haben< gesehene, dass jemand Holz herschenkt.“ Dazu wurden Eltern engagiert, das mit dem Auto abzuholen.

Die Bretter schnitten sie mit einer Stichsäge zurecht und dann zimmerten die beiden und „hauptsächlich der Maxi, aber der ist jetzt im Sommer am Neusiedlersee, und mehr oder weniger auch noch Anton, Joni, Sami, Tarek und Malaz“ die anderen Wände.

„Ich hab noch den Tennisverein gegenüber gefragt, ob wir zwei Holzpaletten haben können“, setzt Albin fort. „Wir wollten, dass das Haus nicht direkt auf der Wiese steht, die ja auch feucht werden kann.“

Viele Details

Je länger die Besichtigung der kleinen Hütte dauert, umso mehr Details fallen dem Reporter auf. Ein hölzernes Schild mit der Aufschrift „Post“ lässt sich hochklappen, darunter befindet sich ein Schlitz – eben um Briefe einwerfen zu können. Und drinnen kann im Briefkasten wiederum ein Holzstück weggeschoben werden, damit beispielsweise reine Werbeprospekte gleich in den Kübel darunter fallen. Unter einer der Sitzbänke steht eine Kühltasche, die sich per Holzleiste und Schloss versperren lässt.

„Als die Hütte schon fertig war, habe sie doch gewackelt“, gesteht Albin und zeigt auf schräg zurecht gesägte Leisten in den Ecken, die die Winkel des Grund-Würfels dann stabilisierten. Erneuerungsbedürftig ist nur mehr die Schrift „Betreten auf eigene Gefahr“ auf dem Holzschild vor der Hütte. Die ist so verwittert, dass sie praktisch nicht mehr lesbar ist.

Platz bietet die Hütte – einigermaßen gemütlich – sicher drei, vier Leuten – innen drin. Aber der liebste Platz für die Erbauer ist eindeutig das Dach, leicht zu erklimmen durch Sprossen, die sie an einer der Seitenwände angeschraubt haben. Schnell noch den einen oder anderen Liegestuhl oder Sessel raufgehoben und schon lässt sich’s unter den Zweigen des Kriecherlbaumes chillen, der heuer ziemlich dicht Früchte trägt.

Glasfenster

Nicht alles Material konnten sie kostenlos bekommen, teils wurde auch eigenes Taschengeld eingesetzt – beispielsweise für eine Glasscheibe an der Vorderfront neben der Tür. Das Werkzeug kam von Albins Großeltern, bzw. erfragte er dort noch Geld für einen Akkuschrauber. Was das Zusammenschrauben schon einigermaßen erleichtert 😉

Der heute 16-jährige Albin besucht die Sir-Karl-Popper-Schule und blickt im abgelaufenen Schuljahr unter anderem auf ein größeres Tanzprojekt zurück, Keke (13) ist im Musik-Zweig des Gymnasiums Boerhaavegasse. Vor allem Albin steht auf handwerkliche Freizeitaktivitäten, zeigt auf dem Handy Fotos eines Pizza-ofens, den er aus einer alten Metalltonne gebaut hatte, die die Hitze dann doch nicht sehr lange ausgehalten hat. „Aber ein neuer Pizzaofen vielleicht aus Ziegel ist ein Projekt möglicherweise noch in diesen Sommerferien“, macht er schon auf Neues neugierig.

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Karikatur von KiJuKU-heinz

„Ein Dirndlausschnitt provoziert ja auch kein Zupacken, oder?“

„Ein Dirndlausschnitt provoziert ja auch kein Zupacken, oder? Und Dirndl werden bei allen möglichen Gelegenheiten als angemessene Kleidung angesehen: bei den Festspielen, im Bierzelt oder bei der Arbeit“, schrieb der 15-jährige Arthur Pichler in einem Leserbrief an die Salzburger Nachrichten (SN). Nach Rücksprache mit ihm, darf Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… sein Schreiben, das am Montag, 3. Juli 2023 in der besagten Regionalzeitung erschienen ist, ebenfalls veröffentlichten.

Damit hat der Schüler des Akademischen Gymnasiums Salzburg wohl die treffendste Antwort auf den Brief der Direktorin einer Salzburger Mittelschule an Eltern von – ausschließlich – Mädchen gegeben. Sie hatte die Eltern ersucht „um Ihre Mithilfe bzgl. Bekleidung der Mädchen. Bauchfreie Shirts, Trägershirts sowie extrem kurze Shorts sind in der Schule (Arbeitsplatz) unerwünscht, diese Bekleidungsstücke sind unangebracht und bergen das Risiko einer übermäßigen Sexualisierung… Für alle derartigen unangemessenen Bekleidungs-Pannen haben wir neutrale XXL-Shirts angekauft, welche im Falle von Uneinsichtigkeit der Mädchen (also bei erneuter Ermahnung) während des Unterrichts überzuziehen sind…“

Unzulässige Anordnung

Sowohl Gewerkschaft als auch die Bildungsdirektion kritisierten die Vorgangsweise der Direktorin; Bildungsdirektor Rudolf Mair: „Das Hauptproblem ist, dass suggeriert wird, dass Frauen oder Mädchen in diesem Fall dafür verantwortlich sind, wie sich Männer verhalten, abhängig von ihrem Kleidungsstil.“ Laut ORF erachte er die Ankündigung, T-Shirts in Übergröße tragen zu müssen, „ als rechtlich unzulässig“, wolle den Fall nun aber auch durch die Rechtsabteilung seiner Behörde prüfen lassen.

Wenige Tage später erschien der Leserbrief des besagten Schülers, in dem er beginnt: „Ich bin selbst ein 15-jähriger Schüler am Akademischen Gymnasium Salzburg und in meiner Klasse tragen die meisten Mädchen im Sommer ein bauchfreies Top und Shorts.

Ich habe den Stimmbruch hinter mir, ich bin also mitten in der hormonellen Umstellung. Trotzdem weckt ein weiblicher Bauchnabel in mir nicht das unbeherrschbare Bedürfnis, diesen direkt berühren zu müssen.“ Dann folgt das schon oben zitierte Dirndl-Beispiel, das wohl das schlagendste Argument gegen die – alle paar Jahre an irgendeiner anderen Schule aufflammende Anordnung ist.

Unterstellung an Männer

Schließlich endet der Jugendliche mit: „Ich verwahre mich gegen die Unterstellung, als (zukünftiger) Mann nicht Herr meiner Sinne zu sein! Das ist eine Frechheit, genauso wie die Unterstellung, Mädchen würden mit „freizügiger“ Kleidung sexuelle Übergriffe provozieren. Das kommt aus derselben Geisteshaltung.

Wenn wir diese Gedanken zu Ende denken, kommen wir dazu, dass Frauen sich unter allen Umständen verstecken müssen. In so einer Welt möchte ich nicht leben.“

Zu wenig und zu viel Stoff

Wobei wahrscheinlich dieselben Personen, die gegen die knappen T-Shirts und kurzen Hosen wettern, dies genauso gegen Frauen tun, die ihr Kopfhaar verhüllen 😉

Flash back

Wobei mich persönlich diese wiederkehrende Debatte jedes Mal um Jahrzehnte zurückversetzt: Erste Klasse Gymnasium, irgendwann im Dezember: Lautsprecher-Durchsage des Schuldirektors in der er mitteilt, ab dem folgenden Tag dürfen, weil es kalt ist, auch Mädchen in Hosen kommen.

Schande über mich als 10-Jährigen: Mir war bis dahin gar nicht aufgefallen, dass in unserer Schule – Wien-Brigittenau – Mädchen bis dahin nicht in Hosen kamen/ kommen hätten dürfen.

Und im Frühjahr drauf – Hosenanzüge waren gerade in Mode – schickte der Direktor die stellvertretende Schulsprecherin durch die Klassen, um zu kontrollieren, ob diese Kleidungsstücke nicht „zu auffällige Applikationen“ besäßen. Und so ließ er tatsächlich mindestens eine Schülerin, deren Hosenanzug mit großen, bunten Blumen gemustert war, nach Hause schicken, damit sie sich zwangsweise umzuziehe. Ein oder zwei Jahre später dasselbe „Spiel“ mit den dann aktuellen kurzen Hosen, genannt „Hot Pants“.

Das war aber in der zweiten Hälfte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, also vor mehr als 55 Jahren!

Buben

Um der „Gerechtigkeit“ die Ehre zu geben: Hin und wieder sind auch Burschen und Männer von einschränkenden Kleidungsvorschriften betroffen, aber eher selten. Es betraf etwa weit unten sitzende Hosen oder Kopfbedeckungen. „Runter mit den Kappen!“, meinte im Frühjahr – 2023 (!) – bei Projektpräsentationen in Klagenfurt ein Lehrer. Ließ aber seinen eigenen Hut auf. Darauf von KiJuKu angesprochen, meinte er nur, er hätte sich das eh auch überlegt – aber das war’s dann auch schon. Zweierlei Maß in der Praxis.

PS: Die Chefredakteurin eines Wiener Medienhauses erlaubte vor ein paar Jahren bei allergrößter Hitze Männern ausnahmsweise doch in kurzen Hosen kommen zu dürfen, obwohl sie das ja gar nicht goutiere.

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Einige Ergebnisse der Studie "Zusammenleben in Wien" von SORA im Auftrag der Stadt Wien

Je Grätzl, desto besser das Zusammenleben

Fast die Hälfte der Wiener Bevölkerung beurteilt das Zusammenleben zwischen Alteingesessenen und Zugewanderten sehr (12 Prozent) bis ziemlich gut (36 %). Diesen 48 Prozent stehen 37 % (wenig) plus 12 % gegenüber, die finden, es funktioniere gar nicht gut – also 48 : 49 % – 3 Prozent der 1.104 Befragten machten keine Angaben.

Die Sozialwissenschafter:innen des Meinungsforschungsinstituts SORA wollten von den Befragten aber auch wissen, wie empfinden sie das Zusammenleben in ihrem Bezirk bzw. sogar in noch näherem Umfeld, dem sogenannten Grätzl. Und da stellt sich heraus, je näher, desto besser funktioniert das Miteinander. Auf Bezirksebene verändert sich das oben genannte ungefähr ausgewogene Verhältnis auf 58:38, im Grätzel sogar auf 65 (21 + 44) gut zu 39 (21 wenig + 8 gar nicht gut).

Teuerung, Wohnen, Klimawandel und erst dann Zuwanderung

Diese – und viele andere – Zahlen und Daten stellten Dienstagvormittag (4. Juli 2023) Wiens Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr und Christian Glantschnigg für Sora vor, um Grundlagen für faktenbasierte Maßnahmen zu haben. Befragt worden waren – zwischen Ende Februar und Ende März per Telefon und Online die schon genannten 1.104 Menschen ab 16 Jahren, die in Wien wohnen, knapp mehr als ein Drittel der Befragten hat Migrationshintergrund (105 Türkei, 152 Nachfolgestaaten Jugoslawiens und weitere 101 verschiedenster eigener oder elterlicher Herkünfte). Wobei die 61-seitige Studie – Link zur ganzen Umfrage am Ende dieses Beitrages – noch viel mehr Fakten enthält.

So wurde auch abgefragt, was die Menschen überhaupt als Problem wahrnehmen. Und da stand/steht – nicht ganz überraschend – an allererster Stelle: Teuerung, die von fast zwei Dritteln (64 %) als sehr großes und weitere 28 % als ziemliches Problem, also 92 Prozent, angesehen wurden. Wohnen (74 %), Klimawandel (69 %) folgen in der Liste, bevor überhaupt Zuwanderung (67%) sowie Aufnahme und Unterbringung geflüchteter Menschen (66%) genannt wurden.

Mehrsprachigkeit

Übrigens fand knapp mehr als eine Woche vor dieser Studienpräsentation in der Volkshalle des Wiener Rathauses zwei Stockwerke darüber im großen Festsaal die Abschlussveranstaltung des mehrsprachigen Redewettbewerbs „SAG’S MULTI!“ statt. Und siehe da, nicht nur diese eloquenten Jugendlichen, mittlerweile auch ein Gutteil der Wiener Bevölkerung ist nicht mehr nur einsprachig. Fast die Hälfte der Befragten kann alltägliche Unterhaltungen in zwei Sprachen führen (49 %), etwas mehr als ein Drittel sogar in drei oder mehr Sprachen. Unter Wiener:innen mit Migrationshintergrund können sich 38 Prozent in zwei und weitere 54 % in drei und mehr Sprachen unterhalten. Wiener:innen ohne Migrationshintergrund sind zu einem Fünftel (22 %) einsprachig, mehr als die Hälfte kann in zwei und weitere 19 % in drei und mehr Sprachen kommunizieren.

Dass Mehrsprachigkeit von Vorteil ist, sehen mittlerweile rund zwei Drittel so. 67 Prozent der Befragten sehen Mehrsprachigkeit in Kindergärten und Schulen als eine wichtige Integrationsmaßnahme (40% sehr wichtig, 27% ziemlich wichtig). 64% finden es darüber hinaus auch wichtig, dass der Arbeitsmarkt für Menschen im Asylverfahren geöffnet wird (30% sehr wichtig, 34% ziemlich wichtig). Förderung und Unterstützung beim Deutschlernen finden noch mehr für wichtig: 90 Prozent nennen Unterstützung für Kinder, die nicht gut Deutsch sprechen als erste Maßnahme für gelungene Integration (67% sehr + 23 % ziemlich wichtig) sowie leistbare Deutschkurse für zugewanderte Menschen (64 + 24 %).

Einige Ergebnisse der Studie

Zweites verpflichtendes Kindergartenjahr

Daraus leitete Vizebürgermeister Wiederkehr die Forderung nach einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr ab. Und nannte Bildungsminister Martin Polaschek, der sich dagegenstellt, gemeinsam mit der für Integration zuständigen Ministerin Susanne Raab sowie Innenminister Gerhard Karner „Achse der Unwilligen“, die in Integrationsfragen ebenso wie Wiens VP-Chef Karl Mahrer wenig zu Lösungen beitrügen statt vielmehr Öl ins Feuer von Spaltung und Auseinanderdividieren schütteten.

Zu viel Zuwanderung?

Eine absolute Mehrheit von 53% der Wiener:innen fand laut dieser Studie, es gäbe zu viel Zuwanderung in Wien, knapp mehr als ein Drittel findet das Ausmaß von Migration in Ordnung, acht von zehn meinen, Wien könnte mehr Migrant:innen vertragen. Im Großen und Ganzen gelten diese Prozentzahlen sowohl für alle, also auch die Befragten mit (51/35/10 Prozent) bzw. ohne Migrationshintergrund (54/36/7 %).

Bei dieser Frage stellten sich allerdings große Unterschiede heraus: So sind junge Wiener:innen (bis 29 Jahre) häufiger der Ansicht, dass der bestehende Anteil an Zuwanderung in Ordnung ist (45%) oder die Stadt noch mehr Zuwanderung vertragen könnte (13%), während die 45- bis 59-Jährigen zu zwei Drittel ein Zuviel an Zuwanderung nach Wien empfinden, ebenso wie Pflichtschul-Absolvent:innen (67%) oder Arbeitssuchende (67%).

Wiener:innen in einer guten (47%) oder mittelmäßigen (41%) ökonomischen Lage finden das Ausmaß an Zuwanderung okay; Menschen in schlechterer ökonomischer Lage sehen häufiger zu viel Zuwanderung (72%).

Aus weiteren Fragen ergibt sich übrigens laut Studie: „Selbst unter jenen Befragten, die die Zuwanderung nach Wien als (sehr oder ziemlich) problematisch wahrnehmen, gibt es eine Mehrheit von 60%,die die positiven Auswirkungen von Restaurants, Geschäften, Veranstaltungen… von zugewanderten Wiener*innen auf die Lebensqualität in der Stadt sieht. Unter jenen, die in der Zuwanderung nach Wien kein Problem erkennen, sind es sogar acht von zehn (81%), die dieser Ansicht sind.“ (Seite 40)

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Zur ganzen Studie geht es hier

Kundgebung des österreichischen Klimarates und der Initiative Klima-Volksbegehren

Lautstark für Umsetzung der Klimarats-Vorschläge

Es ist nicht 5 vor 12, sondern genau um 12 Uhr Mittag, also sozusagen high noon, erklangen am Dienstag (4. Juli 2023) vor dem Parlament in Wien Trillerpfeifen, Trommelschläge – auf Kochtöpfen und die Rufe, wie sie von Fridyas-for-Future-Demos bekannt sind: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“

Zur Kundgebung hatten der Klimarat und Initiator:innen des Klima-Volksbegehrens aufgerufen – praktisch nur intern und so blieb die Kundgebung von der Teilnehmer:innen-Zahl recht überschaubar. Grund und Anlass zugleich: Vor einem Jahr hatten die Klimarät:innen – zufällig vom Klimaschutzministerium eingeladene Bürger:innen, die sich monatelang in Wochenend-Diskussionen Maßnahmen überlegt hatten, diese an die Politik übergeben. 93 konkrete Vorschläge wurden von Klimaministerin Leonore Gewessler sowie Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher entgegen genommen – mit dem Versprechen, möglichst vieles davon umzusetzen.

Weil bislang davon wenig zu sehen, hören und erleben war/ist, gab’s am Dienstagmittag diese Unmutskundgebung mit den zentralen Forderungen „Wissenschaft und Klimarat ernst nehmen!“ sowie „Klimaschutz blockieren ist ein Verbrechen!“. Auf dem erstgenannten Transparent hatten auch Kinder und Jugendliche unterschrieben wie an deren Geburtsdaten ersichtlich – Magda, 2013; Aimé, 2011; Sebastian, 2007; Alba, 2011.

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Klimarat

klimarat -> Endbericht

Szenenfoto aus "Der Stoff, aus dem man Träume macht"

Träume – aus (Märchen-)Stoffen – über Armut und Reichtum

Bevor „Der Stoff, aus dem man Träume macht“ sich in knapp 1 ¼ Stunden dem übertragenen Sinn widmet, präsentiert sich die spätere gleichnamige Vorstellung von Zenith Productions für Theater und Musik sozusagen im wahrsten Sinn des Wortes verträumt-stofflich: Zwischen den Publikumsreihen vor der Holz-Tribüne unter dem großen alten Baum im kleineren Innenhof des Wiener Volkskundemuseums stehen fahrbare Holzteile mit lilafarbenen Stoffen umwickelt, die sozusagen jeweils kleine Zellen bilden.

Das ganze Gebilde wiederum ist von zarten, durchsichtigen gitterartigen Stoffbahnen umhüllt. In diese „Zellen“ begeben sich als es dann wirklich (fast) losgeht, die meisten der Schauspieler:innen, schminken sich dort, führen letzte Aufwärmübungen durch und reden wie sie sonst vielleicht auch vor dem Aufritt bei den letzten Handgriffen an Kostüm und Maske.

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen

Wer sich kurz umdreht, sieht im Eingangsbereich des Museums-Hofes einen gebückten, alten Mann in weitem Mantel mit dickem Buch unterm Arm. Der kommt langsam auf die Menschen unter den Vorhängen zu. Diese öffnen ihre „Verschläge“, wandern mit den fahrbaren Holzteilen in Richtung Bühne. Ebenso der Mann mit dem Buch.

Dieser, Kari Rakkola, von dem das Konzept und die Regie sowie – gemeinsam mit Roland Bonimair – die Bühnenfassung zu dieser Märchenstunde stammt, beginnt aus dänischem Original des Dichters Hans Christian Andersen zu lesen, teils mit Schwedisch gespickt. Und es taucht die verbindende Figur des Abends auf, eine junge Frau in weißem Kleid und nur in Socken – „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen“ (Linda Pichler). Natürlich mit riesigen Streichhölzern in der Hand. Und sonst nichts – bis ihr die sterbende Großmutter (Deborah Gzesh, die wie alle ihre Kolleg:innen mit Ausnahme Pichlers) in gefühlt mindestens ein Dutzend verschiedener Rollen schlüpft), überdimensionale Stoff-Schlapfen überlässt.

Armut und Reichtum

Wohlhabendere Bürger:innen, die sie um milde Gaben bittet, wimmeln sie mit häufig gehörten, gängigen ab: „Geb dir nix, das wäre gar nicht gut für dich“, „gemein, dass dich deine Eltern betteln schicken“…  – ausgerechnet von jenen werden ihr solche Sätze an den Kopf geworfen, die ihr gerade noch die Schlapfen weggenommen haben! Die schon genannte Gzesh verwandelt sich nun in eine Sängerin, die mit einem bekannten jiddischen Lied über bitterste Armut, die Atmosphäre des Mädchens mit den Schwefelhölzern vom Einzelschicksal auf ein gesellschaftlich verbreitetes Phänomen erweitert.

Das Andersen-Märchen über das Mädchen mit den Schwefelhölzern wird zum Türöffner anderer Märchen. Jedes Mal, wenn die zu ebener Erd auf den kalten Steinen wandernde Schauspielerin ein Streichholz anzündet, öffnen sich oben auf der Bühne zwei der fahrbaren Holzwände. Vinzent Gebesmair, Deborah Gzesh, Kari Rakkola und Karoline Sachslehner spielen Kürzestversionen oder zentrale Szenen eines von mehreren Andersen-Märchens. Dazu zählen die bekannten vom „standhaften Zinnsoldaten“ mit nur einem Bein und natürlich „Des Kaisers neue Kleider“, in dem Betrüger dem aufgeblasenen Herrscher ein Nichts von Gewand als das prachtvollste verkauften, der Hofstaat sich nicht traute, die Wahrheit zu sagen. Das Kind aus Andersen Märchens ist in dem Fall das Mädchen mit den Schwefelhölzern, das „aber der ist ja nackt“ als Einzige zu sagen wagt.

Musik

Wie in einigen der Jahre zuvor, in denen Zenith Productions für Theater und Musik diesen idyllischen Hof bespielte – das Museum soll renoviert werden und der Hof damit für einige Jahre nicht zur Verfügung stehen – wird das schauspielerische Geschehen, immer wieder auch mit Stoffpuppen-Szenen, auf und rund um die Bühne mehr als nur untermalt von Live-Musik. Muamer Budimlić spielt praktisch durchgängig atmosphärische Klänge, die von schon genannten jiddischen Liedern über finnischem schamanistischem Rock bis zu Johann Sebastian Bach, Dada und Tango reichen. Und heuer bedient er, wenn er nicht mit Tasten und Knöpfen seines Akkordeons Melodien erzeugt, per kleiner Fernbedienung noch eine „Traummaschine“. Paul Skrepek hatte eine skurrile aus unterschiedlichsten Elementen bestehende fahrbare mechanische Klangmaschine mit Walzen und Nägel, Federn und Blaseblag und noch allem Möglichem gebaut, die klimpert und bläst, trommelt und pfeift – und das Traumthema wunderbar ergänzt.

Auch unbekanntere Märchen

Der Abend bringt darüberhinau weniger bekannte Märchen – „Der Tannenbaum“, der endlich groß sein will, um ein Schiffsmast oder in dieser Version ein Maibaum werden zu können und sich freut, wenigstens als Weihnachtsbaum gefällt zu werden. Aber bald nach dem Fest aussortiert wird. Rakkola griff auch Motive aus „Ove Lukøje“ (Ole Luk-Oie) auf und baute als einziges Grimm’sche Märchen „Die Sterntaler“ ein.

Letzteres ist die einzige Szene, in der sich das Schwefelholz-Mädchen in eine andere Protagonistin verwandelt – und aus der Armut kommt indem es die vom Himmel fallenden Sterne als Taler auffängt. Als himmlischen Lohn dafür, dass es zuvor als armes Mädchen das letzte Stück Brot mit anderen Armen ebenso teilt, wie Mütze, Hemd und Rock. Während es als Mädchen mit den Schwefelhölzern von Wohlhabenderen ja sogar um die eigenen großen Filzpantoffel gebracht wurde wie oben beschrieben. Mit diesem Bogen entkommt der traumwandlerisch-märchenhafte Abend auch der Gefahr der Romantisierung von Armut, weil das Mädchen ja mit jedem Feuerchen aus einem der Streichhölzer eine neue farbenfrohe Geschichte gesehen hat. Zu sehen – meist rund ums Wochenende bis 23. Juli 2023 – Details, siehe Info-Box unten am Ende des Beitrages.

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Doppelseite aus dem Buch "Vanessa 2 - Ohne Mädchen keine Kerle", Sonderband der Reihe "Die Wilden Kerle" von Joachim Masannek

Die wildeste der wilden Kerle

In drei Wochen startet die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August 2023). Das wäre nicht das Ziel der meisterhaften Kickerin Vanessa im Team der „Wilden Kerle“. Sie will als erste Frau im nationalen Männerteam spielen. Doch selbst in der deutschen Nachwuchs-Meisterschaft der Zehn- und Elfjährigen wollen drei Funktionäre Vanessa nicht mitspielen lassen.

Dabei hat ausgerechnet Vanessa, die Unerschrockene, nach dem unentschiedenen Finale im Vorturnier im 9-Meter-Schießen (in diesen Jugend-Turnieren wird auf kleineren Feldern gespielt) trotz – oder vielleicht sogar wegen – der Schmährufe, weil sie ein Mädchen ist, den Ball zum entscheidenden Treffer im Netz versenkt.

Seit einigen Jahren neu aufgelegt und illustriert

„Vanessa 2 – Ohne Mädchen keine Kerle“ ist der aktuelle Sonderband der sehr beliebten, vielgelesenen und leicht lesbaren, ja zu verschlingenden, Serie über „Die Wilden Fußballkerle“. Vor rund 20 Jahren veröffentlichte der Erfinder dieses Fußballteams und Autor dieser und vieler anderer Buchserien sowie Drehbuchautor der mittlerweile sechs „WK“-Filme Joachim Masannek, 13 Bände dieser Truppe – jeder Band einem, einer anderen dieses wilden, fast magischen Teams gewidmet. Seit drei Jahren hat ein anderer Verlag die Rechte erworben und veröffentlicht die Bücher neu und überarbeitet – mit bunten Illustrationen auch auf den Innenseiten – von Jan Birck.

Verbot für Mädchen

Der seit Frühjahr erhältlich genannte Sonderband beginnt mit Vanessas verwandeltem 9-Meter im bayrischen Finale, der „Die Wilden Kerle“ damit in die gesamtdeutsche U11-Meisterschaft brachte. Dort dürfe kein Mädchen mitspielen, legten die schon oben genannten Funktionäre fest. Das führt zu einer Zerreißprobe im Team. Sollen sie auf Vanessa verzichten, um die Chane zu haben, um diesen Titel zu spielen oder nicht.

Natürlich braucht ein Buch einen Spannungsbogen und es geht nicht immer alles glatt und so – so viel darf schon verraten werden – beschließt die Mehrheit: Lieber ohne Vanessa, nachdem diese den Vorschlag, als Bub verkleidet zu spielen, ablehnt. So nicht! Und so gibt sie sich geschlagen, tritt in Kontakt mit Fußballklubs und deren Mädchen-Teams. Obwohl sie allen ja beweisen will, sie schafft’s auch unter den Jungs!

Doppelseite aus dem Buch
Eine der Doppelseiten am Ende des Buchs „Vanessa 2 – Ohne Mädchen keine Kerle“, Sonderband der Reihe „Die Wilden Kerle“ von Joachim Masannek, auf denen alle Teammitglieder vorgestellt werden

Spannende Wendungen

Ebenso klar, irgendwie wird’s letzten Endes doch klappen – das darf gespoilert werden, wie aber – das soll nicht vorweggenommen werden, denn die in viele kurze Kapitel geteilte Geschichte weist etliche spannende Wendungen auf. Und dieses Lesevergnügen soll sicher nicht getrübt werden.

Ein echter Jahrhundert-Torschuss in Österreich

Übrigens: In Österreich dürfen Mädchen wenigstens bis zum Alter von 12 Jahren auch in gemischten Teams mit Burschen spielen – und 2016 gewann die heute 20-jährige Lara Sophie Felix und mittlerweile Nationalteamspielerin als 13-Jährige sowohl mit den Mädchen als auch im Mixed-Team mit den Buben die Schülerliga. Und in beiden Finali erzielte sie Tore. Im gemischten Team sogar eines, das es bis in die nationale Abendnachrichtensendung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die Zeit im Bild im ORF geschafft hatte. Von außerhalb des Strafraums schoss sie den Ball derart knallhart an die Querlatte, dass dieser unten auf der Linie aufschlug, noch so viel Kraft hatte, nochmals auf die Querlatte zu pendeln und dort von der Innenkante im Tor zu landen. Glück für den jungen Tormann – der wahrscheinlich, hätte er den Ball gefangen, samt diesem ins Tor geflogen wäre.

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Link zur Geschichte über Lara Sophie Felix‘ Tor – samt einem Interview mit ihr – damals noch im Kinder-KURIER hier, weiter unten Link zu einem akteulleren Interview mit ihr – anlässlich ihrer ersten Einberufung ins Nationalteam.

Titelseite des Buches
Titelseite des Buches „Vanessa 2 – Ohne Mädchen keine Kerle“, Sonderband der Reihe „Die Wilden Kerle“ von Joachim Masannek
Mehrsprachige Begrüßungen

Start zu buntem, vielfältigem Programm für Kinder in den Wiener Sommerferien

Ein großer Liftbogen empfängt Tausende Kinder und ihre erwachsenen Begleiter:innen beim Zugang zum Wiener Donaupark in vielen Sprache. Das Startfest des Wiener Ferienspiels spiegelt die Vielfalt und Buntheit der Stadt und ihrer Kinder – und drückt das eben auch in mehrsprachigen Begrüßungen – und Verabschiedungen am anderen Ende – aus.

Traditionell steht das erste Wochenende nach Schulschluss (in Ostösterreich) dieses zweitägige Startfest rund um und mit dem Ferienspielmaskottchen Holli auf dem Programm – mit fast drei Dutzend Spiel-, Bewegungs- und Kreativ-Stationen. Von Basketballkörben, Fußball-Torwänden, Football-Zielwerfen über Kletterwände, eine Kinderbaustelle – kein Zutritt für Erwachsene – über Malen auf Papier oder mit Kreide auf den Gehweg. Asja beispielsweise versank fast völlig in die Zeichnung eines Characters aus der von ihr beliebten Welt der Mangas. Alles malte sie in blau – bis sie nur mehr ein Stummelchen dieser Kreide dem Reporter von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… in die Kamera hielt.

Kinder bewegen sich aber auch abseits der schon genannten Stationen, so schlug Elisa mir nichts dir nichts aus dem Stand heraus auf dem Gehweg – wenn gerade niemand vorbeihuschte – Räder – und stützte sich dabei jeweils nur mit einer Hand auf.

'Großer Andrang bei der Schrei-Box

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Schrei-Box

Zu finden waren und sind – das Starfest steigt auch Sonntag, 2. Juli zwischen 14 und 19 Uhr: Spielerische Quiz zu Wasser bzw. Abfall, Bühnenprogramm, ein Fahrsimulator im großen Bus der Wiener Linien schon vor dem Eingang. Eine der längsten Schlangen bildete sich beim Lokalaugenschein von kijuku.at vor der Schrei-Box. Ja wirklich, kein SchreiBfehler: In diesem Zelt geht’s tatsächlich um die Lust am (lauten) Schreien – samt Druck auf den Foto-Knopf um Bilder von den fröhlichen Gesichtern dabei mitnehmen zu können.

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Verschiedenste Einrichtungen von wienXtra, dem Verein unter dessen Dach es Dutzende Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche – das ganze Jahr und speziell auch in den Ferien – gibt, bieten sozusagen Kostproben ihrer Aktivitäten. Dazu gesellen sich städtische Abteilungen – Wiener Wasser, MA 48, aber auch Kinderfreunde, Samariterbund und Polizei oder die „Helfer Wiens“, die alle neben Spielstationen auch brauchbare Alltagstipps und -Hilfen selbst für brenzlige Situationen geben.

Mehr als 140 verschiedene Ferienaktionen

All diese – und noch viel mehr Vereine, Organisationen und Einrichtungen bieten all die neun Sommerferien mehr als 140 verschiedene Aktionen (und die natürlich mehrmals) in- und outdoor an – für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren. Alle Schulkinder in Wien haben den Ferienspielpass bekommen. Beim Startfest gibt’s für jene, die keinen bekommen haben oder die – wie so manche auch aus anderen Bundesländern am Samstag schon gekommen sind –, Pässe vor Ort.

Außerdem warten bei einigen Stationen QR-Codes um mit dem Handy im Rahmen einer digitalen Schnitzeljagd gescannt zu werden.

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Szenenfoto aus Zvezdana Prašina / Sternenstaub

Wer mit wem und warum nicht oder doch?

Jelena (Zorica Simić) und Marko (Aleksandar Kostić) haben eine Affäre – miteinander, obwohl sie in der ersten Szene von Zvezdana Prašina / Sternenstaub in einer Art Tanzcafé so tun, als würden sie sich erst einander näher kommen. Doch schon nach wenigen Minuten dreht sich ihr Dialog darum, ob sie’s endlich ihren jeweiligen Partner:innen – Ivan (Veselin Rafailović) bzw. Kaća (Aleksandra Miladinov) – beichten/verklickern. Denn immerhin wollen sie nun offen zueinander stehen und miteinander leben.

Kommt vor. Sozusagen in den besten Familien. Und ist – in der Regel – kompliziert. Aber in Zvezdana Prašina (zu Deutsch: Sternenstaub), einer fast surrealistischen Beziehungskomödie von Dušan Kovačević ist alles ein bisschen auch skurril.

Originalsprache

So scheint Ivan gar nicht zu checken, was ihm Jelena da mitteilt. Und Kaća ist mehr beleidigt darüber, dass Marko den zubereiteten wilden Fisch nicht mag. Eben auseinandergelebt, einander nicht mehr wirklich was zu Sagen – auch wenn viele Worte fallen. Drei Mal spielte das Jugendtheater & die Schauspielakademie Stanislavski dieses Stück kürzlich im Wiener Atelier Theater – auf BKS (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch; die Regisseurin, Marina Đorđević, lieferte dem Schreiber dieser Zeilen eine deutsche Übersetzung). Diese Stadt hat eben mehr als English Theatre 😉 Erst kürzlich berichtete Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… über Aufführungen eines Stücks sowohl in deutscher als auch in polnischer Sprache „Hier liegt der Hund begraben“/ „Tu leży pies pogrzebany“ im Theater Spielraum.

Noch schräger ist das Ende, wenn das neue Paar schon nach kurzer Zeit der nunmehr ausgelebten Beziehung überdrüssig ist und – ja, genau. Aber um die genauen Konstellationen – inklusive da eine Tante (Larisa Černe) und dort ein Patenonkel (Dorian Bakos-Dodek) geht es ohnehin weniger. Die Komödie dreht sich um eingefahrene Beziehungsmuster und wie diese – von außen – stets völlig daneben wirken, längst zum Scheitern verurteilt. Die darin Steckenden aber – naja, nicht immer alle wahrhaben wollen.

Lachen über sich selber?

Die sich daraus ergebende Komik spielten die Genannten, die fast allesamt von ganz anderen Jobs leben (müssen), Theater aber als Leidenschaft leben (wollen). Zu ihnen gesellten sich noch Danijel Živković, der im Café den Kellner im Hintergrund mit einem besonderen Schmäh – Sie können die Aschenbecher ruhig stehlen, damit machen Sie nur Werbung für unser Hotel – gibt, Nikola Prerad als Straßenmusiker (Akkordeon), der „natürlich“ auch die bekannte „Stardust“ (Sternenstaub)-melodie spielt, die dem Stück den Namen gab – oder umgekehrt 😉 – sowie Marija Gajić, eine Frau, die auch Jelena heißt und ebenfalls nach einem, ihrem, Ivan sucht. Wenngleich an jenem Abend, die kijuku.at besuchte, ein wenig die Spielfreude abzugehen schien, wie sie im Vorjahr im Vogelweidpark bei einem anderen Stück – „Die kahle Sängerin“ von Eugène Ionesco auf BKS – Ćelava pevačica – beim Birdie15-Festival zu erleben war.

So manche der Lacher, die laut schallend aus dem Publikum kommen, dürften im Übrigen nicht nur im Spiel- und Wortwitz ihren Grund haben, sondern aus dem Erkennen gespiegelter eigener Erfahrungen.

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Gefühle"

Wohin mit all den unangenehmen Gefühlen?

„Warum können Skelette so schlecht lügen?“
„Weil sie so leicht zu durchschauen sind!“

Dieser „gruselige Witz“ ist das zweite Bild samt Sprechblasen im jüngsten – übersetzten – Buch von Deborah Marcero. Wieder lässt sie die Leser:innen und natürlich nicht zuletzt Schauer:innen – es ist ja ein sehr üppig illustriertes Bilderbuch mit wenigen Textzeilen – eintauchen in das (Gefühls-)Leben von Leander, einem hasenartigen Wesen.

Wie schon in ihrem vorigen Werk „Freunde“ – Link zu dieser Buchbesprechung unten am Ende des Beitrages – spielen auch Gläser mit Schraubverschluss eine große Rolle. Sammelte er im ersten alle möglichen Gegenstände, die so auf dem Weg lagen und ihm zumindest ein Schmunzeln ins Gesicht zauberten, so sind hier die Inhalte nicht so greifbar.

Zurück zum Beginn dieses neuen Buches – das übrigens im Original „Out of a jar“ (Raus aus einem Glas) heißt: Leander liebt – das hat sich die Autorin und Illustratorin eben so ausgedacht – Gruseliges: Bücher, Witze, Filme. „Aber“ – so findet es sich gleich auf der zweiten Seite neben seinen geschilderten Vorlieben – „Leander mochte es überhaupt nicht, selbst Angst zu haben.“

Angst-los, aber…

Er versuchte dieses Gefühl unter seinem Bett zu verstecken, unter den Teppich zu kehren und so weiter. Nach zwei Seiten, in denen er die Angst wegzupacken trachtete kam er – natürlich, eh klar – auf die Idee, sie in ein Glas zu verfrachten.

Ab dem Moment war er angst-los. Dann aber tauchten andere Gefühle auf, die ihm Sorgen bereiteten: Traurigkeit, Aufregung, Wut, Einsamkeit und noch viele mehr. Aber Leander wusste sich ja zu helfen: Ab damit in das eine, ein anderes und noch ein weiteres Glas… Bis er „fast nichts mehr fühlte“.

Klar, dass die Autorin, die ihre Bilderbücher mit Bleistift, Wasserfarben, Tinte und digitalen Werkzeugen zeichnet und malt, es dabei nicht bewenden lässt. Und so zerbrechen eines Tages alle Gläser – und all die weggesperrten Gefühle überrollten Leander. Natürlich war das in diesen Augenblicken alles andere als leicht für ihn, aber er lernte rasch, den Mut zu haben, zu fühlen…

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Bilderbuch-Titelseite
Bilderbuch-Titelseite „Gefühle“
Hier entsteht ein Schulweg-Labyrinth ;)

Kinder coden: In den meisten Games geht’s um Meeressäuberung

Die Schildkrötenmutter muss ihr Baby davor retten, mit dem vielen im Meer herumschwimmenden Müll in Berührung zu kommen. Jedes Anstreifen bedeutet ein Leben weniger. So erklären Milada und Mia dem Reporter ihr kleines Computerspiel, da sie später „Mamas Mission“ nennen. Sie und 42 andere Mädchen der 5. und 6. Schulstufen aus vier Wiener Schulen (Gymnasien Pichelmayer- und Maroltingergasse, sowie den Mittelschule Leipziger Platz und Wiesberggasse) programmierten an zwei Tagen beim dritten Girls Hackathon kleine Games – der Link zu allen 15, die kostenlos gespielt werden können – ist unten am Ende des Beitrages zu finden.

Während des Lokalaugenscheins von Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… rufen die beiden Jüngst-Coderinnen eine der Mentor:innen: „Wir wollen, dass Game Over erscheint, wenn sie alle ihre drei Leben verloren hat. Den Screen mit der Schrift, dass das Spiel aus ist, haben wir schon, aber was müssen wir machen, dass er auch auftaucht?“ Die beiden kriegen die Hilfe, die sie brauchen, müssen vor dem Auftauchen des Game-Over-Screens noch ein Element in den digitalen Bausteinkasten dieses Coding-Werkzeugs einbauen.

Bausteine inspirierten die Scratch-Entwickler:innen

Vielen Kindern und Jugendlichen ist Scratch, mit dem die Mädchen hier programmieren bekannt. In bunten Blöcken und dem System des An- und Ineinanderfügens von Befehlen und Aufgaben an den Computer, das an genoppte analoge Bausteine erinnert, kann anschaulich in das System von Coding wie Programmieren auf englisch heißt, eingestiegen werden. Die Abteilung des Media Labs am renommierten Massachussets Institute of Technology, das Scratch entwickelt hat, nennt sich übrigens Lifelong Kindergarten Group (lebenslange Kindergarten-Gruppe). Bei einer Tagung in Hamburg vor fast 20 Jahren (Dezember 2003) als deren Leiter Mitchel Resnick erstmals davon erzählte, dass sie an einem Programmier-Spiel für Kinder arbeiten, zeigte er Fotos wie er und seine Mitarbeiter:innen tatsächlich mit einem Haufen Lego-Steinen spielten und sich dabei Inspirationen für das spätere Scratch holten.

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KI für die Spielanleitung

Anna, Mentorin vom DaVinciLab (neben Kathrin und Patrick), die bei ersten Spiel half, switcht nun zu Leonie, Magda und Anastasia, genannt Ani, am Nebentisch. Für deren Spiel („Müllheld“), in dem es gilt, einen Mistkübel hin und her zu schieben, damit der Müll reinfällt, aber ja nicht Lebensmittel, fehlt noch die Spielanleitung. Anna wird zur Sekretärin, die in den Laptop tippt, was ihr die Spieleentwicklerinnen sagen. Und schickt das Geschriebene an die Künstliche Intelligenz Chat GPT, um nun daraus eine knappe, gut strukturierte, leicht lesbare Anleitung zu „basteln“.

Hannah – so heißt die Figur, die sich Emily, Maryam und Emilia für ihr Spiel „Der Sauerstoff-Marathon“ ausgedacht haben. Sie startet in der Wüste, bloß ein riesiger Kaktus wächst hier. In der Luft schwirren Sauerstoff und Kohlendioxid-Blasen. Natürlich muss Hannah nur erstere fangen, aber zweiteren ausweichen. Nicht ganz leicht, weil die Blasen immer sehr knapp neben und teils fast ineinander schweben.

Viel Platz für Mädchen

Umwelt bzw. Nachhaltigkeit war das Thema dieses dritten Hackathons ausschließlich für Mädchen, weil in vielen technischen Bereichen, nicht zuletzt in der IT deren Anteil immer noch verschwindend gering ist. Im Lehrberuf Coding ist nicht einmal eine von fünf Lehrlingen ein Mädchen (116 von 716 = 16,2 %); in allen IT (InformationsTechnologie)-Berufen sind von rund dreieinhalb Tausend Lehrlingen (3596) laut Wirtschaftskammer Österreich 778 und damit 21,6 % weiblich. Und in all diesen Berufen fehlen in Österreich sehr viele Fachkräfte.

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Viel unter Wasser

Die meisten der jungen Spiele-Entwicklerinnen wählten als Setting Unterwasser und die Verschmutzung der Meere mit vor allem Plastikmüll. Alina, Ronja und Mavie wählten als Spielfigur einen Fisch, der dem Mist ausweichen, aber Pflanzen sammeln muss und fünf Leben hat. Berührt er aber in „Fish Run“ ein besonderes Miststück, nämlich eine Giftflasche, ist er gleich mit einem Mal „Game Over“.

Sehr ambitioniert starteten Anna, Julia und Mona: „Wir wollen bei >Lolli saves the World< fünf Levels programmieren, ob wir alle schaffen, wissen wir noch nicht“, gestehen sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Lolli muss jeweils fünf Plastikflaschen einsammeln und sie in die richtige Tonne werfen. In jedem Level kommen Hindernisse dazu. Für das letzte, das Bonuslevel hat sich das Trio noch eine besondere Herausforderung einfallen lassen: Da regnet es sehr stark, alles wird überschwemmt und Lolli muss es trotzdem schaffen. Nur dann geht sie sozusagen nicht im Hochwasser unter.

Eslem, Dilan und Anna konfrontieren ihre Spielfigur, die Meerjungfrau Lena, die auch verschiedensten Müll sammeln muss, obendrein mit mehreren Haien, denen Lena natürlich auch noch ausweichen muss.

Ihre drei Fische müssen den Netzen ausweichen, die sie fangen wollen, außerdem müssen sie sich Nahrung bei Korallen holen. „Noch funktioniert es nicht, dass die Fische mehrere Leben haben“, gestehen Sophia, Naomi und Mia dem Journalisten zum Zeitpunkt als sie ihr Spiel „Ocean Escape“ erklären und zeigen.

Manche mit Vorwissen

Teodora und Benina haben schon Vorwissen, wie sie erzählen: „Wir haben auch schon in der Volksschule kleine Spiele programmiert“. Hier bauen sie gemeinsam mit Maryam daran, dass ihr Spielcharakter, das Mädchen Jenny vor einem Monster-Skelett davonrennen und gleichzeitig auch noch zehn Müllstücke einsammeln muss.

Ein Hai, ein Clownfisch und dessen Kind sind die Spielfiguren, die sich Donia, Elnaz und Laura ausgedacht haben. Zwischen diesen spielt sich ein Eifersuchtsdrama ab.

Fürs Säubern der Unterwasserwelt ist im Spiel von Belquees, Mobina und Lea ein kleiner Zeichentrick-Roboter, dem sie den Namen Luis gaben, zuständig. Zu seiner Stärkung, sozusagen Energie-Aufladung, muss er hin und wieder einen Seestern berühren.

„Die Meeressäuberung ist uns wichtig, weil der viele Abfall nicht gut fürs Klima ist“, beginnen Leona, Anila und Lea dem Journalisten ihr kleines Game zu erklären. Dafür haben sie einen Taucher in ihre Spielewelt gesetzt, der die zehn Müllteile einsammeln, dabei aber auch einem Hai und einem Netz ausweichen muss.

Von einem Boot aus muss der Angler Tobias den Fischen helfen – nicht sie fangen, sondern verfaulte Bananen, damit sich die Fische nicht ihre Mägen verderben – dieses Spiel haben Selina und Leona programmiert.

Spielend für die Wirklichkeit lernen

Richtige Mülltrennung ist die Aufgabe im Computerspiel von Aleks, Tini und Lea. Der herabfallende Mist muss in die jeweils passenden Bio-, Plastik- bzw. Restmist-Tonnen rein. Wenn’s passt, gibt’s jeweils einen Punkt. Auf die Nachfrage, wie’s um Mülltrennung im wirklichen Leben steht, erzählen die drei: „Bei uns in der Klasse haben wir auch in echt drei Kübel für die drei Mist-Sorten. Alle Kinder und eine Lehrerin halten sich gut daran. Manche Lehrer und Lehrerinnen können’s noch nicht immer!“ Worauf der Reporter anregt: „Vielleicht solltet ihr denen euer Spiel zeigen, damit sie’s lernen können!“

Lara und Maren wollten Müttern eine Art digitales Denkmal setzen, schildern sie im Rahmen der Präsentation aller Gruppen gegen Ende des zweiten Tages des Digital Girls Hackathon im Hauptquartier von A1 in Wien-Leopoldstadt. Kleinkind Rosi wirft immer Lebensmittel auf den Boden, Mutter Mila hebt sie auf. Dafür gibt es eine besondere Form von Punkten, nämliche Geldbeträge. Zwei Spieler:innen können gleichzeitig auf einer (Computer-)Tastatur gegeneinander spielen: Mit den Pfeiltasten agierst du als Rosi, mit den Buchstabentasten WASD als Mila. Passenderweise haben die beiden ihr Spiel „Räum auf!?“ genannt.

Labyrinth zur Schule

Einen ganz anderen Inhalt dachten sich Sarah, Ashley und Jasmin aus. Weil es für sehr viele Kinder auf der Welt noch immer schwer bis oft unmöglich ist, Bildung zu genießen und eine Schule zu besuchen – besonders für Mädchen etwa in Ländern wie aktuell Afghanistan – haben sie ein digitales Labyrinth gebaut. Emilija, so nannten sie ihre Spielfigur, will gern in die Schule, soll im Spiel „Der Weg zur Schule“ Stifte einsammeln, darf aber keine der Mauern berühren – und vor allem muss sie dem gefährlich schnell hin und her rasenden Auto obendrein noch ausweichen. Fünf Leben, also Versuche, hat sie. Hat sie’s, also du beim Spielen, geschafft, erscheint ein pinkfarbenes Schild mit der Schrift „Viel Spaß beim Lernen“ und – sollte ich mich nicht verzählt haben – elf riesigen Rufzeichen.

Sie selbst lieben in der Schule Mathe, Informatik, Zeichnen, Naturwissenschaften, Englisch zählen sie gegenüber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auf.

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Mehrsprachig

Apropos Afghanistan: Einige der Mädchen dieses Hackathons haben ihre familiären Wurzeln dort, aber auch sonst brachten viele mehr als nur die Sprache Deutsch mit, gut ein halbes Dutzend verschiedener Sprachen konnten diese jungen Neu-Coderinnen.

Jedes der beteiligten 44 Mädchen bekam nicht nur eine Teilnahem-Urkunde sondern ein, wie es die DaVinciLab-Chefin Anna verkündete, überhaupt zum allerersten Mal verliehenes offizielles Zertifikat, das DigiComp 2.3 AT nach dem Digitalen Kompetenzmodell im Europäischen Referenzrahmen.

Anna gehörte übrigens ebenso wie führende Vertreter:innen der Stadt Wien, urban innovation vienna, der Klima- und Innovationsagentur Wiens und nicht zuletzt vom Gastgeber A1 der Jury an, die von allen 15 Spiele-Präsentationen – ebenso wie jeweils alle anderen Schülerinnen – begeistert waren. Im Rahmen der Digital Days 2023 im Technischen Museum Wien im Herbst werden übrigens die besten der 15 Spiele noch extra ausgezeichnet.

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Zur Youth-Hackathon-Website mit all diesen 15 – und noch viel mehr (aus früheren Projekten) kleinen – kostenlosen – Spielen geht es hier -Achtung, auf der verlinkten Site ziemlich weit hinunter scrollen!

Weitere Fotos und Videos

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Start-Screen für die Kürzestfilme des Landjäger-Filmfestivals

Auf die Kürze kommt es an

Roter Teppich – aus Besenbürsten, gestaltet von der Künstlerin Claudia Larcher -, Comedy-Host, Festival-Band, Zaubershow und die besten 12 Sekunden-Filme – das ist das sogenannte „Landjäger“ Kürzest-Filmfestival am vorletzten Juniabend im Wiener Gartenbaukino.

Trotz Kürze und „nur“ mit Smartphones gedreht, achtet die Jury bei den Einsendungen für das Festival auf künstlerische, kreative, innovative Qualität. Wobei auf der eigenen Website ist der Trailer fast drei Mal so lang wie die Vorgabe für die eingereichten Filme 😉

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Szenenfoto aus "Marie"

Nicht alles aber auch nicht nix

Unter einem riesigen Goldhimmel (55 Quadratmeter Folie) und mit an einem Ventilator flatternden, glitzernden Streifen präsentiert sich die weiße, noch leere Bühne von „Marie“. Naja – neben den beiden genannten Objekten findet sich noch ein Keyboard auf einem Bügelbrett-Ständer. Der „Himmel“ aus vergoldeten Folien könnte auf das Märchen von der Pech- und der Goldmarie hinweisen. Ob daher die Bezeichnung „Marie“ dafür kommt, was auch Zaster, Kohle, Riesen, Mäuse, Kröten und noch viele andere, nicht so wirklich erklärbare Begriffe bekommen hat. Und sooooo wichtig wurde/ist: Cash, Money, Geld.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Marie“

Darum – aber nicht nur (!) – dreht sich das jüngste Stück der „schallundrauch agency“ im Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier, dem Dschungel Wien. Wie immer verknüpfen auch in „Marie“ (die Mitwirkenden – und das sind bei Weitem mehr als die auf der Bühne spielenden – eigene Erfahrungen, Erlebnisse, Gedanken mit solchen, die sie in umfangreichen, tiefgründigen Recherchen zutage gefördert haben. Aus diesen „Materialien“ baut die Gruppe in vielen Improvisationen eine schwungvolle Performance mit viel Musik und mindestens ebenso viel Witz und Humor – jedoch ohne sich darüber lustig zu machen oder hinweg zu blödeln (dieses Mal Regie: Gabriele Wappel; künstlerische Mitarbeit: Janina Sollmann).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Marie“

Ungerechtigkeiten

Milano Leeb, Bernhard Georg Rusch und Martin Wax switchen zwischen Konkurrenz und Kooperation wenn’s um Geld oder Dinge (Bühne, Kostüm, Lichtdesign: Albert Frühstück) geht – letztere sind fast alle aus Schaumgummi – ob eGitarre, Bass oder Schlagzeug – die Sounds der echten Instrumente (Komposition und Arrangements Playbacks: Elina Lautamäki, Sebastian Radon) sind voraufgenommen und kommen aus den Lautsprechern. Mal streiten sie, wer mehr hat, dann finden sie wieder zusammen und unterhalten sich über Ungerechtigkeiten – die sie mit Fakten untermauern. Dass viele durch viele und wichtige Arbeit wenig verdienen und andere durch bloßes Erben viel einsacken. Oder Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen als Männer und, und, und…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Marie“

Kompliziertes einfach dargestellt

Mit einem einfachen Tänzchen stellen die drei den offenbar Nicht-Zusammenhang zwischen Leit-, Kredit- und Sparzinsen dar. Hebt die EZB (Europäische Zentralbank) wie in den vergangenen Monaten immer wieder den Leitzins-Satz, so steigen die Kreditzinsen rasch und hoch, die sogenannten Haben-Zinsen (Sparbücher usw.) bleiben derzeit knapp über 0 (null).

Schallundrauch agency-Stücke vermitteln praktisch immer auch informative, lehrreiche Teile so „nebenbei“ und verspielt. So auch nach einem ziemlichen Chaos auf dem Boden und dem (elterlichen) Sager: Was ist denn das für eine Wirtschaft“ – und schon geht’s zum Tauschhandel und die Entstehung des Geldes als allgemeines Zahlungsmittel – samt anachronistischen Elementen mit einem augenzwinkernden Charme; so hat es zu Zeiten des Tauschhandels sicher noch keine Bücher gegeben.

Natürlich wird immer wieder auch angespielt, dass zwischen menschlichen Werten und Geld nicht selten riesige Lücken klaffen. Aber von einer geldlosen, gerechten Gesellschaft sind wir noch weit entfernt. Und so lautet der Schluss-Song: „Marie ist nicht alles, Marie ist nicht nix, sie ist nur manchmal nützlich, nicht alles – das ist fix.“

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Szenenfoto aus "Mauern" im Schauspielhaus Graz

Wenn abgebaute Mauern dann doch in Köpfen „wachsen“

Vor einem projizierten Zitat der vor drei Jahren verstorbenen vor allem für ihre Kinder- und Jugendbücher bekannten Autorin Gudrun Pausewang aus „Die letzten Kinder von Schewenborn“ sitzt eine Frau am Schreibtisch an ihrem Rechner. So startet „Mauern“ der Gruppe She She Pop – in Zusammenarbeit mit etlichen Theatern und einzelnen Künstler:innen – siehe Infobox.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Mauern“ im Schauspielhaus Graz

In dem Pausewang-Roman (erschienen 1983) geht es um einen Atomkrieg mitten in (West-)Deutschland, erinnert im Nachklang vielleicht auch „nur“ an einen Super-GAU, einen Größtmögliche anzunehmenden Reaktor-Unfall. Aber dies ist „nur“ eine Erinnerung. Wir steigen ein ins Zeitalter nach dem Kalten Krieg. Die Protagonist:innen sehen sich mit einem Haufen an Büchern konfrontiert.

Mauern sind nicht nur gebaute Gebilde!

Welche sollen sie aufheben, welche sozusagen zum Altpapier geben, schlicht aussortieren. Und was ist für die Zukunft sinnvoll, brauchbar, bringt sie weiter? Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl. Aus der DDR – weg damit? Sämtliche tote Autor:innen – weg? Oder braucht’s nicht vielleicht doch auch historische Bezüge?

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Mauern“ im Schauspielhaus Graz

Immer wieder kommen die Schauspieler:innen zusammen und sortieren sich und ihre Kriterien ein wenig neu, adaptieren vor allem ihre – gemeinsamen – Entscheidungsfindungen. Und beziehen via (voraufgezeichneter?) Video-Meetings weitere Spieler:innen aus ihrem Kollektiv ein – inklusive anderer Sprachen, etwa Koreanisch, das sie im Raum auch so unübersetzt stehen lassen. Ja selbst in der gleichen Sprache ist ja nicht immer alles (leicht) verständlich.

So ernst das Thema klingt, so (selbst-)ironisch und humorvoll – gespeist aus Spiel- und Wortwitz – ist der Abend – Gastspiel während des jüngsten Dramatiker:innen-Festivals – im Schauspielhaus Graz gespickt.

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Compliance-Hinweis: Das Dramatiker:innen-Festival in Graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für drei Tage zur Berichterstattung eingeladen.

Szenenfoto aus "Shallow Water"

Nichts zu trinken, aber zu verschwenden

Diesmal hat die Bühne eine kniehohe Begrenzung. Dahinter Berge, Hügel und irgendwie Unmengen von etwas das vielleicht Wüstensand darstellen könnte. Ist es aber nicht. Erde vielleicht? Auch nicht, jedenfalls stellt es sofort das Bild einer ziemlich ausgetrockneten Landschaft dar. Der große Würfelförmige Wasserkanister in der hinteren Ecke scheint offenbar längst leer zu sein. Wie dürre, fast verdorrte Reste von Bäumen wirken auch die beiden sehr gebeugt in der Landschaft stehenden Menschen. Vor dem Mäuerchen eine ebenso fast verdorrte Frau mit Kinderwagen. Hilfe, was droht dem Kind? Lebt es überhaupt noch?

„Shallow Waters“ (seichtes Wasser) – ein Gastspiel eines internationalen Teams (Schweiz, Finnland, Litauen, Niederlande) – ist/war nur in zwei Aufführungen im Dschungel zu erleben. Eine extrem körperlich, sinnliche Tanzperformance (ab 14 Jahren) die sich erfahr- und erlebbar der Knappheit der (über-)lebenswichtigen Ressource sauberes (Trink-)Wasser widmet – fast durchgängig die ganze Stunde wortlos, aber mit viel Bewegung, Musik, Geräuschen, Gegen- und Miteinander.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Shallow Water“

Sinnlich erlebbar was uns allen droht

Unter der Regie und Choreografie von Sebastian Zuber tanzen, springen, kriechen, trippeln, in manchen Szenen schleppen sich Jefta Tanate, Anna Virkkunen, Gotautė Kalmatavičiūtė, Elina Lindfors, Victor Rottier, Jordan Gigout zwischen, auf, unter, in den vier Kubikmetern verstreuten, zu Hügeln und Furchen gebautem recyceltem Korkgranulat. Und hin und wieder mit „Ausflügen“ in die Mitteltreppe zwischen den Publikumsreihen. Es ist eben nicht „nur“ eine Bühnen-Show, sondern ein reales Problem der Menschheit. Eine Stunde, in der sich die sechs Tänzer:innen voll einsetzen, mitreißen, bewegen, berühren, nachdenklich machen -ohne auch nur im Geringsten zu belehren.

Die Tänzer:innen, die bei ihren Proben am Sandstrand von Korsika improvisierten und ihre Premiere in der Schweiz auf Sand in einer ehemaligen Wasserfilteranlage spielten, symbolisieren sowohl das fast schon Verdursten, den Kampf ums Wasser einerseits und dann wiederum das Verschwenden desselben andererseits als plötzlich doch noch ein bisschen davon im großen Kanister zu finden ist – und durch große Spielzeug-Spritzgewehre gejagt wird. Einer der Mitwirkenden verwandelt übrigens den Riesenkanister in eine wahre Drum-Maschine  und entlockt ihr die wildeste Schlagzeug-Passage, die gleichzeitig mitreißt und unbändige Wut angesichts des Umganges der Menschheit mit den Ressourcen des Planeten spürbar werden lässt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Shallow Water“

Inspiration aus einem Buch

Manches in der Szenerie ist inspiriert von „Die Geschichte des Wassers“ der norwegischen (Dreh-)Buchautorin Maja Lunde. Angesiedelt in rund 20 Jahren flüchten Menschen aus der Dürre Frankreichs u.a. nach Norwegen, wo die Protagonisten – David und seine Tochter Lou Überreste eines alten Segelbootes finden, mit dem fast ¼ Jahrhundert davor, also vor wenigen Jahren die alte Umweltaktivistin Signe von Norwegen aus Frankreich erreichen wollte.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Shallow Water“

Schweizer Kulturgut

Und dann vermittelt das Stück, dessen Titel vielleicht noch zu hoffnungsvoll ist, ein Stück Schweizer Kultur mit dem auf Berndeutsch gesungen Lied „Dr Alpeflug“ von Mani Matter (Hans Peter Matter: 1936 bis 1972). In dem Lied geht es um ein kleines Sportflugzeug. Der Passagier will die ganze Zeit dem Piloten sagen, dass der Treibstoff zur Neige geht und es dringend an der Zeit wäre zu landen. Der Pilot ruft nur, es sei zu laut und er könne nicht hören, was der andere sage.

„Da, auf einmal, wird’s ganz still,
weil nämlich das Benzin ausgeht …
…. Und jetzt da man es verstanden hätte,
haben sie beide nichts mehr gesagt.“

„In der Schweiz kennt jedes Kind seine Lieder im Dialekt, die immer ganze Kurzgeschichten erzählen und eine Botschaft transportieren“, erklärt Produktions-Assistent Mathias Stich und die (noch) künstlerische Leiterin des Dschungel Wien, die Schweizer Migrationshintergrund hat, bestätigt das sofort vollauf. Eine hochdeutsche Übersetzung – vom Team des Stücks – flimmert im Hintergrund über die Projektionswand und ist dankenswerterweise auf dem Programmzettel zum Stück abgedruckt. Link zum Original – Text und Hörbeispiel – in der Info-Box.

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Shallow Water“
Szenenfoto aus "Linie Q"

Mit Linie Q in den Tunnel abwärts…

Während noch gehörig an der selbstfahrenden, vollautomatischen Linie U5 in Wien gewerkt wird (ab 2026), gibt es kurzzeitig die „Linie Q“. Die führt in den Abgrund – oder Abgründe? Es handelt sich bei ihr um einen Mix aus Schauspiel, Performance, digitaler Schnitzeljagd, Elementen aus Escape-Room-Spielen, bezeichnet sich selbst aber – zu Recht – als „No-Escape-Room“ – mit ziemlich doppelbödiger Bedeutung.

Weg-Weiser

Die erste Challenge für die interaktive Performance ist, den Veranstaltungsort zu finden. Die reine Ortsangabe würde schon eine ziemliche Herausforderung sein: In einem Teil der alten Wirtschaftsuni zwischen Spittelau (U4/U6) und dem Franz-Josephs-Bahnhof, dem sogenannten Magazin, steigt „Linie Q“ noch bis einschließlich 1. Juli 2023. Dieses erste Problem lösen die Veranstalter:innen mit einer Skizze auf der Homepage sowie vor Ort mit Plakaten und gelben Klebezetteln mit Pfeilchen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Linie Q“

Challenge Nummer 2: Der einzuscannende QR-Code, der für das erste Level des „No-Escape-Room“-Games erforderlich ist, um mitmachen zu können, führt nicht in jedem Browser zum Ziel. Aber auch da schaffen die Mitarbeiter:innen der Koproduktion von „Over 10.000“ und WuK performing arts Abhilfe: Sie unterstützen im Empfangsbereich beim Switchen bzw. Installieren der erforderlichen Ressourcen. Und wenn’s gar nicht klappen sollte oder jemand ohne Smartphone kommt, so gibt es eigens dafür bereitgehaltene Leihhandys.

Digitale Nachrichtenjagd

Und dann geht’s auf. Oder doch nicht. Alle – die Teilnehmer:innen-Zahl ist auf knapp zwei Dutzend begrenzt – sind startbereit, die Spielleiterin Victoria Halper im schwarzen Arbeitsoverall kommt mit einem bedauernden Lächeln auf den Lippen: „Sorry, we are closed“, es gäbe Probleme mit dem Strom. Doch das glaubt ihr keine und keiner. Also geht’s doch los. In den ersten großen sehr dunklen Raum. Nun treten die Smartphones und das installierte Spielzeug in Aktion. Mit diesem gilt es megagroße QR-Codes zu scannen – die führen dich jeweils zu einem „Ticket“ für eine der Linien – rot, grün, braun… mit einer grafischen Streckenführung. Aber die ist nebensächlich. Nun gilt es, kleinere QR-Codes der jeweiligen Farbe zu finden. Damit landest du auf deinem Screen bei Fotos oder (Online-)Zeitungsartikeln über aktuelle Umwelt- und andere Probleme – von der Ölindustrie, die die Klimakonferenz COP27 im ägyptischen Scharm al-Scheich mit mehr als 600 Vertreter:innen gleichsam gekapert hat über gestiegene Energiepreise, die Inflation generell und viele mehr bis zu Gefahren Künstlicher Intelligenz.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Linie Q“

Vieles mit Künstlicher Intelligenz

Und die ist generell Teil der gesamten Performance. Denn Teile der Texte in den nicht ganz zwei Stunden haben sich die Künstler:innen (Konzept & Regie: Kai Krösche, Konzept & Ausstattung: Matthias Krische) von Chat GPT schreiben lassen. Übrigens auch einen Großteil des nachträglich verteilten Programm-Heftes; andere Texte stammen von Emre Akal bzw.  James Stanson. Über Künstliche Intelligenzen ließen sich die Künstler:innen aber auch Bilder und Videosequenzen bauen sowie Entwürfe für die Kostüme erstellen. Und mit einer dieser Tools, die in den vergangenen Monaten rasant weiter entwickelt worden sind – was das Konzept dazwischen stark verändert hat – werden sogar Texte, die der Schauspieler und Musiker Simon Dietersdorfer eingesprochen hat in den Stimmen eines alten Mannes, zweier Frauen und eines Kindes.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Linie Q“

Kein Ende des Tunnels

Nach diesem Exkurs über das Zusammenspiel von kreativen Menschen und digitalen Werkzeugen auf der Höhe der Zeit zurück zur Performance. Neben der Informations-Schnitzeljagd über QR-Codes entlang der verschieden-farbigen Linien spielt sich auf dieser ersten Ebene in den Monitoren ein filmisches kleines Drama ab: Die U-Bahn fährt und fährt und der Protagonist als Fahrgast sollte schon längst am Ziel sein, tut es aber nicht. Zu dieser Story ließen sich die Macher:innen von Friedrich Dürrenmatts dystopischer, absurder Kurzgeschichte „Der Tunnel“ inspirieren – wie sich im Programmheft anmerken. In dieser checkt ein 24-jähriger Student, dass der Tunnel auf der Strecke, die er oft benutzt, an sich sehr kurz ist, an diesem Tag aber nicht und nicht enden will. Er kämpft sich vor bis zum Zugführer und mit diesem zur Lokomotive, die fahrerlos in den dunklen Abgrund rast. Dürrenmatt ließ in der ursprünglichen Fassung (1952) die Geschichte mit dem Satz enden: „Was sollen wir tun“ – „Nichts (…) Gott ließ uns fallen, und so stürzen wir denn auf ihn zu.“ In einer zweiten, 1978 veröffentlichten und mittlerweile verbreiteteren Fassung fehlt der letzte Satz; die Geschichte endet mit: „Nichts.“ (Quelle: wikipedia).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Linie Q“

Es ist vorbei…

Hier führt das Rasen in den Abgrund zunächst nur die Stufen eine Ebene hinunter – die Performance ist – überall aber auch angekündigt – nicht barrierefrei. Hier finden sich Zelte und Zeltwände als mehr als halboffene Unterschlüpfe. Natürlich mit weiteren QR-Codes und Video- und Audio-Erzählungen – mit den oben schon erwähnten künstlichen, aber natürlich klingenden, Stimm-Verzerrungen, aber halbwegs gemütlichem Verweilen mit einem Mittelding aus Camping- und Notausrüstung bis der Satz fällt: „Die Zeit der Menschen ist vorbei!“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Linie Q“

Predigen vs. handeln

Worauf es nochmals abwärts geht, noch ein Stockwerk runter: In einer Art düsterer Großraum-Disco „predigt“ ein Mensch mit glitzernder Maske in rhythmischer, teils fast rappender Sprache an einem DJ-Pult die (Umwelt-)Sünden der Menschen wie in einer Art Jüngstem Gericht. Allerdings ist der Raum selbst an Wänden und Decke – nur der Boden nicht – mit Unmengen von Alufolie ausgekleidet. Vielleicht der sichtbare Ausdruck dafür, wie Anspruch und Wirklichkeit in Sachen Umweltschutz oft sehr weit auseinanderklaffen?

Wobei der Text in diesem Abschnitt aus Menschenhirn und -hand und nicht von einer KI stammt 😉

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Symbolisches Motiv zu Linie Q
Symbolisches Motiv zu Linie Q
Gruppenbild der Preisträger:innen in der jüngsten Kategorie

Vielfalt und Mehrsprachigkeit statt Einfalt und Einsprachigkeit

Der vollbesetzte große Festsaal im Wiener Rathaus feierte Sonntagmittag Mehrsprachigkeit und Vielfalt. Der Abschluss mit Preisverleihung der 14. Runde von „SAG’S MULTI!“ stand auf dem Programm. 30 jener Jugendlichen, die es ins Finale dieses mehrsprachigen Redewettbewerbs mit 172 Teilnehmer:innen mit 39 verschiedenen Sprachen geschafft hatten, wurden bejubelt, beklatscht, mit Statuen ausgezeichnet und extra für die Bühne gebeten. Sie alle werden hier – der Übersichtlichkeit halber aufgeteilt auf mehrere Beiträge nach den drei Altersgruppen – mit Kürzest-Auszügen aus ihren Reden vorgestellt.

Aber schon vor der Verleihung der Preise baten die beiden Alumnis (ehemaligen Preisträger:innen) Tereza Machova und David Popescu musikalisch alle anwesend Finalist:innen auf die Bühne – passend zum Song „True Colors (Billy Steinberg/Tom Kelly) – Video verlinkt im Teil über die Presiträger:innen der mittleren Alterskategorie.

Vielfalt auch an Themen

Stellvertretend für alle Finalist:innen und Preisträger:innen hielten neun der Jugendlichen gekürzte Versionen ihrer Reden am Pult auf der Bühne des Festsaals. Und rissen das Publikum mit, rüttelten es auf, berührten es und ließen manches Mal auch den Atem stocken – etwa wenn sehr Persönliches in Sachen Mental Health preisgegeben wurde. Und Jugendliche scheuten auch nicht vor kämpferischen Auftritten, kritisierten, dass neue Landesregierungen Deutsch als einzige Pausenhofsprache verordnen wollen, noch immer nicht alle i Bildungssystem die gleichen Chancen haben oder wir hier in privilegierten Positionen Schicksale von Millionen Menschen in anderen Weltgegenden arrogant ignorieren. Oder viel zu wenig wirklich in Sachen Klimaschutz tun…

Hier nun die Preisträger:innen der jüngsten Kategorie (7. und 8. Schulstufe), zunächst jene drei, die stellvertretend auf der Bühne sprachen

Maya Enyangaro Schad, 14 Jahre
AHS Rahlgasse Wien 6
Englisch erlernt/Deutsch

Es geht darum, zuzuhören. Es geht darum, Stimmen hörbar zu machen, die unterdrückt wurden. Es geht darum, den Diskurs über Rassismus und Diskriminierung in Österreich zu führen. Und wenn ich einen Teil dazu beitragen kann, dann werde ich das tun.
Damit Vielfalt uns stärker machen kann, müssen wir Vielfalt stärken.

Rihanna Husseini, 16 Jahre
MS Selzergasse Wien 15
Dari/Deutsch

Wir sind alle Farkhonda, Mahsa, und Malala. Wir sind alle die Frauen und Mädchen aus Afghanistan.  Dafür möchte ich stark sein. 

Elisa Rodia, 13 Jahre
BG St. Ursula Wien 23
Italienisch/Deutsch
Auf der einen Seite Wasserknappheit und Dürren, auf der anderen Seite Flüsse, die über die Ufer treten und dafür sorgen, dass vielen Menschen das Wasser bald wortwörtlich bis zum Hals steht. Wird es in Wien jemals wieder weiße Weihnachten geben? Können wir noch etwas tun oder ist es schon zu spät? Nein, denn solange es Hoffnung gibt, ist es nie zu spät! Die Hoffnung ist unser Motor auf dem Weg in eine bessere Zukunft.

Eçrin Baraşı, 15 Jahre
Mittelschule Garsten (Oberösterreich),
Türkisch/Deutsch

Mein Wunsch ist, dass unsere Welt zu einem Ort wird, an dem Frauen nicht das Recht auf Bildung genommen wird, an dem sie die gleichen Chancen am Arbeitsmarkt haben, an dem sie nicht in jungen Jahren zur Ehe gezwungen werden, an dem ihre Ehre und Moral nicht eingeschränkt werden zu ihrem Körper, wo sie keine körperliche, psychische oder verbale Gewalt erleiden, wo sie keine Mütter oder Schwestern sein müssen, um Respekt und Liebe zu erhalten, und wo sie nicht getötet werden

Zehra Başdoğan, 14 Jahre
WMS Kauergasse Wien 15
Türkisch/Deutsch

Wenn ich heute hier vor Ihnen stehe, liegt es an der Kraft, die mir meine Schule gegeben hat. Ich begann mein Schulleben als schüchternes, ruhiges, ängstliches Mädchen, das die deutsche Sprache und ihre Muttersprache nicht ausreichend beherrschte, und setze heute mein Schulleben als junges Mädchen fort, das mit selbstbewussten Zielen und Träumen in beiden Sprachen sprechen und diskutieren kann.                                                                                

Sharon Ikekhua, 14Jahre
MS Ilse-Brüll-Gasse Innsbruck (Tirol)
Englisch/Deutsch
Weil ohne Erinnerungen von Menschen würden die Dinge, von denen wir täglich umgeben sind, nicht existieren. Gestern, heute und morgen hängen zusammen wie ein Netz. Die Dinge, die wir tun – mit all unseren Fehlern – sie machen uns zu dem was wir sind.
Aufgrund dessen möchte ich alles tun, was ich kann: damit ich eine bessere Version von mir selbst bin.

Tris Karner, 14 Jahre
GRG 21 „Bertha von Suttner“ – Schulschiff Wien 21
Englisch erlernt/Deutsch
Jeder Mensch hat etwas, was ihn einzigartig macht. Jede Person unterscheidet sich von der anderen, auch wenn es nur im kleinsten Sinne ist. Vielfalt kann verschiedene Religionen, Hautfarben, Sexualitäten und so viel mehr bedeuten.
Ich jedoch fokussiere mich heute auf die Vielfalt von queeren Personen überall auf der Welt, da ich der Meinung bin, dass wir alle, die in einem freien Land leben, für andere kämpfen sollten, die sich nicht verteidigen können.

Ina Postica, 12 Jahre
MS 12 Kneippgasse Klagenfurt (Kärnten)
Rumänisch/Deutsch

Obwohl ich mich manchmal in meine alte Heimat träume, um meiner Oma nahe zu sein, bin ich im nächsten Moment wieder froh, dass meine Eltern den Schritt der Auswanderung gewagt haben. Ich bewundere sie für ihren Mut, denn ein Leben in einer neuen Heimat aufzubauen, ist sehr schwierig. Mit ihrem Fleiß und ihrem Mut sind meine Eltern meine größten Vorbilder, die wie Löwen für das Wohl ihrer Kinder kämpfen. 

Lara Salem, 14 Jahre
Technische Naturwissenschaftliche Mittelschule 2, Grieskirchen (OÖ)
Arabisch/Deutsch

Wenn wir uns ausschließlich auf unsere negativen Erfahrungen konzentrieren, lähmt uns das und hindert uns daran, unser Leben bewusst und selbstbestimmt zu gestalten.

Sara Scarapazzi, 13 Jahre
BG Fichtnergasse Wien 13
Italienisch/Deutsch

In der Schule habe ich gelernt, dass man mit Mühe und starker Arbeit eine Niederlage in einen Erfolg verwandeln kann.
In der Schule habe ich gelernt, dass Vielfalt uns reicher macht, und dass die Welt schöner ist, wenn sie bunt ist.
In der Schule habe ich gelernt, dass Träume, Ziele werden können.

Insert mit allen Preisträeger:innen der jüngsten Kategorei - 7. und 8. Schulstufe
Insert mit allen Preisträeger:innen der jüngsten Kategorei – 7. und 8. Schulstufe

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Die Preisträger:innen der beiden älteren Kategorien folgen in zwei eigenen Beiträgen – hier unten.

Weitere Fotos

Gruppenfoto der Preisträger:innen in der mittleren Alterskategorie - 9. und 10. Schulstufe

Wann wird endliche nicht auf die Herkunft geschaut?!

Wie schon bei den Jüngsten – den Jugendlichen aus 7. und 8. Schulstufen – stellten auch in den folgenden beiden Altersgruppen fünf ehemalige Preisträger:innen, also Alumnis und zwar Arkadi Jeghiazarian, Melisa Mete, Sabiha Moradi, Tracy-Cindy Agbogbe und Banan Sakbani, die neuen Preisträger:innen vor, also jene jeweils zehn Redner:innen, die von den Jurys – immer mindestens eine Person, die jeweils auf Muttersprachen-Niveau die Sprache der Teilnehmer:innen beherrscht – die meisten Punkte bekommen hatten, auch hier wieder zunächst jene – in diesem Fall zwei, die stellvertretend gekürzte Versionen ihrer Finalreden nochmals vor vollem Festsaal hielten.

Defne Bikakçı, 15 Jahre
Maygasse Business Academy Wien 13
Türkisch/Deutsch
Stellen Sie sich vor, dass Ihr ganzes Leben lang, niemand an Sie glaubt. Jeder vermittelt Ihnen das Gefühl, dass Sie niemals mehr erreichen können als Ihre Eltern. Irgendwann glauben Sie selbst nicht daran, dass Sie in Österreich eine Chance auf eine Welt haben, in welcher sie für ihre persönlichen Fähigkeiten und nicht für ihre Herkunft beurteilt werden. Wären Sie als Kind einer Familie mit Migrationshintergrund in Österreich geboren wäre Ihnen möglicherweise genau das passiert.


Anaïs Leschanz, 15 Jahre
Europagymnasium Klagenfurt (Kärnten)
Französisch/Deutsch
Ich glaube nicht, dass Fremdenfeindlichkeit immer von Angst vor dem Unbekannten bedingt wird, sondern eher, dass solche Menschen denken, sie – und nur sie – hätten das Recht auf ein komfortables Leben. Sie wollen den Kuchen eben nicht mit anderen teilen. Wenn jemand anderes ein noch so kleines Stück bekommt, dann fürchten sie, dass ihr Stück kleiner ausfällt. Aber das System geht von einem unfairen Ausgangspunkt aus: Manche Menschen haben jetzt schon ein großes Kuchenstück, während andere nichts bekommen.

Anna Michaela Bota, 15 Jahre
BG/BRG Klosterneuburg (NÖ)
Rumänisch/Deutsch

Wenn ich an Europa denke, denke ich an all die Familien und Freundschaften, die trotz vieler tausender Kilometer trotzdem funktionieren und lebenslange, starke Verbindungen zwischen Menschen kreieren.

Hanna Brčić, 14 Jahre
Akademisches Gymnasium Graz (Steiermark)
Kroatisch/Deutsch
Wir müssen aus unserer Komfortzone raus, wenn wir uns verbessern wollen. Es ist egal ob und wie viele Fehler man macht, denn nur so kann man etwas Neues dazulernen. Vielleicht sieht man die Fortschritte nicht gleich, es dauert lange oder länger als man sich erhofft hätte. Trotzdem ist es wichtig, dass man nicht einfach so aufgibt und dass man dranbleibt, wenn man sich irgendwo schwer tut.

Leonita Fetaj, 15 Jahre
BG Kapfenberg (Steiermark)
Albanisch/Deutsch

Wir sind in der Lage, unsere Lebensart und unseren Konsum zu ändern. Wir sind in der Lage uns für Nachhaltigkeit und somit für unseren Lebensraum zu entscheiden. Denn wenn wir so handeln wie bisher – nämlich gar nicht – werden wir die Auswirkungen des Klimawandels deutlicher zu spüren bekommen als je zuvor.

Kimaya Ganatra, 14 Jahre
Gymnasium Sacré Coeur Wien 3
Englisch/Deutsch

Feminismus ist nicht, zu sagen, dass Männer und Frauen gleich sind. Feminismus ist, dass Männer und Frauen und alle Menschen dieser Welt gleich viel Wert sind. Feminismus ist, zu erkennen, dass unsere Unterschiede etwas Gutes sind.

Rebeka Jankulovski, 17 Jahre
BRG 8 Albertgasse, Wien
Kroatisch/Deutsch

Es gibt kein Wachstum, bis man in den Spiegel schaut und erkennt, dass der einzige Feind man selber ist. Es ist Zeit für mich, in Frieden in der Gegenwart zu leben. Ich habe mich von einer Raupe in einen wunderschönen Schmetterling verwandelt, der fliegen kann. Es ist ein großartiges Gefühl, so etwas sagen zu können und auch wirklich zu fühlen. Ich bin bereit, meine Flügel zu öffnen, bist du es auch?

Angela Pereppadan, 16 Jahre
Gymnasium Sacré Coeur Wien 3
Englisch/Deutsch

Ich bin multikulturell aufgewaschen und muss mich nicht für eine Kultur entscheiden oder gar schämen. Jede Kultur ist einzigartig und unersetzbar und wenn wir der kommenden Generation die richtigen Werte mitgeben wollen, sollte genau das jedem Kind schon von klein auf beigebracht werden.

Viktoria Pirzl, 15 Jahre
BG/BRG Neunkirchen (NÖ)
Englisch erlernt/Deutsch

Mir ist aufgefallen, dass Licht erst dann wirklich wichtig ist, wenn es dunkel ist. Und um bei dieser Metapher zu bleiben, fallen mir gleich mehrere negative Entwicklungen ein, die einen Schatten auf unsere und somit auch auf meine eigentlich so strahlende Zukunft werfen: Verlust der Artenvielfalt, Zerstörung der Umwelt, Klimakrise, Krieg, Inflation und Armut, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Aber anscheinend ist es für viele Mitmenschen noch nicht dunkel genug. Vielleicht wachen sie erst dann auf, wenn sie den Weg zum Lichtschalter in der Dunkelheit nicht mehr finden.

Stella Vanin, 15 Jahre
GRG/ORG Heustadelgasse Wien 22
Italienisch/Deutsch

Wissen Sie noch die Frage die ich vorhin gestellt habe? Ob die Welt perfekt wäre wenn niemand Fehler machen würde? Ich finde nicht. Fehler machen, heißt den Mut und die Hoffnung zu haben etwas auszuprobieren und nur wer etwas ausprobiert und keine Angst davor hat, kann eine bessere Zukunft erreichen.

Insert aller Preisträger:innen der mittleren Altersgruppe - 9. und 10. Schulstufe
Insert aller Preisträger:innen der mittleren Altersgruppe – 9. und 10. Schulstufe

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Die Preisträger:innen der beiden anderen Alters-Kategorien folgen in zwei eigenen Beiträgen – hier unten.

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Gruppenfoto der ältesten Preisträger:innen - 11. bis 13. Schulstufe

Bis ihr uns endlich zuhört!

Neben den fünf schon – bei den Preisträger:innen der mittleren Altersgruppe – genannten Alumnis, sprachen über diese (Selbst-)Organisation der Ausgezeichneten der vergangenen 13 Jahre die Obfrau Yasmin Maatouk und Tekla Scharwaschidze, ein weiteres Vorstandsmitglied. Erstere hielt ein knappes, starkes Plädoyer dafür, dass sich (junge) Mehr- und Vielsprachige, Räume erkämpfen. Dabei sei „SAG’S MULTI!“ eine große Hilfe und Unterstützung.
Und hier nun Sätze aus den zehn mehrsprachigen Reden – hier immer nur auf Deutsch – der Jugendlichen aus den (vor-)letzten Schuljahren.

Lilly Freiheim, 17 Jahre
BHAK Korneuburg (NÖ)
Englisch/Deutsch

Das Bildungs- und Schulsystem. Es ist krank. Man muss ganz schnell etwas daran ändern und wenn ich jetzt schon die Chance habe, meinen Beitrag zur Veränderung zu leisten, dann helfe und unterstütze ich das so gut ich kann. Vertretungsarbeit ist etwas, was ich sehr gerne mache, es ist ein Herzensthema.

Mohid Singh, 19 Jahre
Gymnasium am Augarten Wien 20
Hindi/Deutsch

Fragen Sie Ihre Großeltern, welche Rolle Sie in beiden Weltkriegen gespielt haben. Fragen Sie die Briten, die Franzosen, die Deutschen, die Portugiesen, die Niederländer, die Spanier, die Italienier, ob sie wirklich unzivilisierte Völker Afrikas und Asiens zivilisiert haben. Fragen Sie sie, ob Sie auch heute noch auf ihre imperialistische Vergangenheit stolz sind.

Fleta Rexhaj, 17 Jahre
GRG 10, Ettenreichgymnasium, Wien
Albanisch/Deutsch

Gestern bin ich noch im AKH behandelt worden, heute behandelt meine Schwester im Rahmen ihres Medizinstudiums Kinder, die dasselbe Schicksal teilen wie ich. Gestern liefen meine Eltern noch mit einem Deutsch-Albanisch Wörterbuch in der Tasche durch Wien und heute hören sie hier meine Rede.               

Zoé Mauchamp Feßl, 17 Jahre
BG / BRG Brucknerstraße Wels (OÖ)
Französisch/Deutsch

Würden wir die Wichtigkeit und Schönheit unserer Verschiedenheiten in einer Gemeinschaft als Menschen erkennen, feiern, tolerieren, akzeptieren, schützen – und so weiter – würde es uns definitiv helfen bei so vielem, da wir zum Beispiel-
– unsere Mitmenschen, deren Unterschied ist, dass sie wo anders leben, doch nicht ausbeuten wollen
– oder die neue Nachbarsfamilie, deren Unterschied es ist, dass sie zuvor ihr Zuhause verloren hat, doch nicht im Stich lassen oder gar abschieben wollen
– oder die Existenz einiger oder auch vieler für unser billiges Steak, doch nicht gefährden oder gar zerstören wollen

Ola Burhan, 18 Jahre
Vienna Business School Floridsdorf Wien 21
Arabisch/Deutsch

Ich brauche Ihnen die Bedeutung von Freiheit nicht zu erklären, oder vielleicht sollte ich das doch tun? In Ländern wie Österreich versteht man unter Freiheit Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Eigentumsfreiheit. Aber in Ländern wie Syrien sind wir davon noch entfernt. Denn das, wofür wir kämpfen, ist nicht plötzlich bei einem Bombeneinschlag zu sterben oder verhaftet zu werden, nur weil wir unsere Meinungen etwas zu laut äußern.

Sara Čošabić, 17 Jahre
Musisches Gymnasium Salzburg
Bosnisch/Deutsch

Was ich Ihnen damit sagen möchte, ist Folgendes: Die Zukunft ist etwas Ungewisses, etwas, was wir nicht sehen können.
Denn das, was wir sehen können, ist das Heute. Und auf diesem Wissen von Heute bauen wir einen neuen Legostein, und damit setzen wir Schritte, um in die Zukunft zu gelangen, die wieder einmal unser Heute sein wird, auf dem wir wieder einen neuen Legostein bauen würden.

Jazz Feichtinger, 19 Jahre
BHAK/BHAS Stegersbach (Burgenland)
Englisch/Deutsch

Solange keiner von euch sich darum kümmert, was meine Generation zu sagen hat. Solange keiner von euch zuhört, was wir zu sagen haben.
Solange keiner von euch verstehen will, was wir schon so lange verstanden haben. So lange wird sich die Geschichte immer und immer wieder wiederholen und jede Tragödie wird zur Farce und jede Farce wird wieder zur Tragödie und das alles so lange…
Bis ihr uns endlich zuhört.  

Joud Nimr, 18 Jahre
BORG Monsberger Graz (Steiermark)
Arabisch/Deutsch

Denn ich bin hier mehr als nur eine Muslimin in Österreich. Ich bin eine Schülerin, die sich dafür bereit macht, das Land mitzugestalten, bis keine/keiner mehr diskriminiert wird. Ich werde später erfolgreich meinen Job ausüben und daneben eine Mutter sein, die ihren Kindern beibringt, wie wertvoll ihre Religion und Kultur ist, aber auch gleichzeitig, wie sie sich in die Gesellschaft integrieren können und immer dort zur Stelle sind, wo Hilfe benötigt wird.

Somya Rathee, 17 Jahre
HTL Spengergasse, Wien
Hindi/Deutsch

Ich denke, dass ohne innovative Technologie sich unsere Probleme nicht ändern werden und wir die Menschheit gegen die Wand fahren.

Polina Ruda, 17 Jahre
VBS Schönborngasse Wien 8
Ukrainisch/Deutsch

Auch wenn ich zurzeit nicht zuhause bin und auch somit nicht viele Möglichkeiten habe zur Unterstützung als in einem anderen Land lebende Schülerin, leiste ich meinen Beitrag zur Stärke der Ukraine, indem ich hier stehe und mit Ihnen darüber spreche. Ich will für mich und meine Heimat stark sein.

Insert aller Presiträger:innen der ältesten Kategorie - 11. bis 13. Schulstufe
Insert aller Presiträger:innen der ältesten Kategorie – 11. bis 13. Schulstufe

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Die Preisträger:innen der beiden anderen Alters-Kategorien folgen in zwei eigenen Beiträgen – hier unten

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Jugendliche Schauspieler:innen mit Tiermasken kommen aus dem Wald auf den Tour-Bus zu...

Eintagsfliegen, Waldtiere, Grönlandhaie bis ins Innere von Gehirn und Seele

Würden nicht alle hier beim Hinterausgang des erst wenige Jahrzehnte jungen, aber schon dem Abriss preisgegebenen Unigebäudes der Grazer „Vorklinik“ hier darauf warten, in den kleinen Bus zu einer szenischen Tour einzusteigen, könnte das Geschehen tatsächlich Verwirrung stiften. Ein Mann mit großer, breiter weißer Halskrause tobt ein wenig herum, bettelt und schreit um ein Ticket. Natürlich ist allen klar: Das muss dann wohl Teil der szenischen Tour sein. Ist es auch. Der Halskrause-Mann spielt den Mond in „Luna Volante. Die Nacht, in der der Mond verschwand“. Die Stimme einer KI, also Künstlichen Intelligenz, meldet sich auch noch aus einem Lautsprecher.

Im Bus selber folgen auf einer Tour bis in den Wald oberhalb von Graz fünf weitere – und danach kreuz und quer durch das Vorklinik-Gebäude noch sechs Szenen mit dem Ende im großen, steil ansteigenden Hörsaal. In dem wurde auch Tage zuvor das siebente Dramatiker:innen-Festival eröffnet. Alle zwölf Szenen sind Kürzest-Auszüge aus den nominierten Beiträgen für den diesjährigen Retzhofer Dramapreis für junges Publikum. Am Ende des Beitrages in der Infobox sind alle Szenen, ihre Autor:innen sowie die Darsteller:innen angeführt.

„Fellmonster“ als Illustration zur Hör-Szene „Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“

Dramapreise

Alle zwei Jahre wird der mittlerweile sehr renommierte Retzhofer Dramapreis – für szenisches Schreiben an Nachwuchs-Autor:innen – vergeben, heuer zum elften Mal. Zum zweiten Mal gibt es auch einen solchen Preis im Bereich junges Publikum. Dafür waren aus den Einsendungen zwölf Autor:innen ausgewählt worden. Im Verlauf mehrerer Monate konnten sie die eingereichten Szenen in gemeinsamen Workshops mit Profis zu fertigen Stücktexten be- und ausarbeiten. Und daraus wiederum haben Vertreter:innen der beiden Grazer Jugendtheater – taO! (Theater am ortweinplatz) und Next Liberty – Kürzest-Auszüge szenisch eingerichtet.

Im Rahmen des Dramatiker:innen-Festivals an dessen Ende die Jury ihre Entscheidungen über Preisträger:innen bekannt gibt, gab es eine Bus- sowie eine Tour durch das diesjährige Festivalzentrum in der „Vorklinik“, bei denen je sechs Szenen bzw. szenische Lesungen knappe Einblicke in die zur Auswahl stehenden Texte lieferten.

Jugendliche Schauspieler:innen mit Tiermasken kommen aus dem Wald auf den Tour-Bus zu...
Jugendliche Schauspieler:innen mit Tiermasken kommen aus dem Wald auf den Tour-Bus zu…

Tierisch

Im Bus selber steig dann eine jugendliche Schauspielerin auf einen Sitz und erklärte dass sie – als Emily – einfach keine Gefühle habe, noch nie gehabt habe und das für sie – eigentlich – auch kein Problem wäre. Mehrere der Texte der zwölf Autor:innen drehen sich um Tiere bzw. das Verhältnis dieser zu Menschen, vor allem deren nachteilige Veränderungen für die Lebensräume Ersterer. Manche Geschichten fließen über Kopfhörer in die Ohren der Busgäst:innen, andere erfolgen wieder in Szenen – etwa am Rande eines Waldweges oberhalb von Graz in den de Bus einfährt. Zwischen den Bäumen tauchen junge Schauspieler:innen mit Tiermasken auf, andere sprechen deren Stimmen direkt in die Ohren. So unterhalten sich Maulwurf, Eichelhäher und andere, wie das mit der an den Wald immer näher heranrückenden Stadt sei…

Fast aufgelegt ist eine wieder neue Version „Wer hat Angst vorm bösen Wolf“ und wohl sozusagen am „Rande“ der Tierwelt angesiedelt, spielt in einer der Geschichten Drachen eine Rolle, der auf einem Hochhaus lebt.

„Tier“ auch im Bus

Medizinisch und psychologisch

In der Vorklinik selber drehen sich manche der Szenen um Medizin bzw. Psychologie. In „Wundertütenhirnmagie“ wandern zwei Protagonist:innen vorbei an länglichen mit Jahreszahlen beklebten Kästen – ungeordnet. Eine Stimme aus dem Off vermittelt, dass sie – und damit auch die mitwandernden Zuschauer:innen – sich im Inneren eines Gehirns befinden, in Erinnerungen kramen und so eine sprunghafte Zeitreise machen. Hin und wieder eine Lautsprecherdurchsage, u.a. „Bitte nichts anfassen, es könnte zu Langzeitschäden kommen“.

Ins Innere – aber auf andere Art – dringt ein Video, das der junge Darsteller des Protagonisten per Beamer über die Wände tanzen lässt. Die Schauspielerin im Video spricht als wäre sie eine Computerstimmer, also wieder einmal eine KI. Er fühlt sich mehr und mehr getestet. Wofür? Sie wolle wissen, ob er sich für einen Langzeitflug zur Erkundung anderer Planeten eignen würde – „Space Explorers“.

Kurz und lang

Das Publikum wird später – im Foyer der Vorklinik – i einen Sesselkreis gebeten, eingeladen zu einer Gruppentherapiesitzung mit zwei jungen Protagonist:innen – hier wird’s ein bissl heftig, bevor es in den schon genannten Hörsaal geht, wo zwei Szenen auf dem Programm stehen. In „Hektor und die Fliegen“ dozieren zwei Professor:innen über ihre ziemlich gegensätzlichen – und doch verbindenden – Forschungsgebiete: Eintagsfliegen einer- und Grönlandhaie andererseits. Sehr kurzes (keine Stunde, wenige Tage) vs. sehr langes (400 und mehr Jahre) Leben und so „nebenbei“ auch noch immer herr-schende strukturelle Machtgefälle und -gehabe zwischen forschenden Frauen und Männern verhandelt werden.

Schulsituation

Last but not least spielen im oberen Teil der Hörsaalreihen jungen Schauspieler:innen in „SagdochmalLuca“ die Szene einer Klasse, in der eine/r der Jugendlichen sich als non-binär outet und wie eine Lehrerin darauf unsensibel reagiert, sich aber anschließend (angeblich) entschuldigt hätte…

Die Preise

Zum Abschluss des aktuellen Dramatiker:innenFestivals in Graz wurden die eingangs hier genannten Retzhofer Dramapreise vergeben – im Bereich für junges Publikum zum zweiten Mal und da auch wieder zwei Preise. Diese gingen an Lena Gorelik für „SagdochmalLuca“ und an Marisa Wendt für „Emily weint doch nie“.

Außerdem wurde natürlich auch der – seit 2003 vergebene Retzhofer Dramapreis für einen Stücktext für Erwachsene vergeben – an Leonie Lorena Wyss für „Wie von Mutterhand“.

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Compliance-Hinweis: Das Dramatiker:innen-Festival in Graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für drei Tage zur Berichterstattung eingeladen.

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Jugendliche Schauspieler:innen mit Tiermasken kommen aus dem Wald auf den Tour-Bus zu…
15. steirischer Kindergipfel in Fernitz-Mellach

Jeder Samen verändert die Welt – Kinder wollen heldenhaft die Umwelt schützen

Jährlich treffen einander engagierte Kinder und Jugendliche aus steirischen Gemeinden zu einem „Gipfel“, um einerseits Erfahrungen auszutauschen und andererseits gemeinsame Forderungen an Politik und Gesellschaft zu erarbeiten. Dieses Mal war es der 15. Kindergipfel – sozusagen der Neuzeit, denn Anfang der 90er Jahre gab es, ebenfalls in der Steiermark und zwar in Mürzsteg, bereits österreichweite Kindergipfel, wo unter anderem die heute längst verwirkliche Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre gefordert worden ist.

Die 150 Kinder sind in ihren Gemeinden – Bruck an der Mur, Eibiswald, Eisenerz, Feldkirchen bei Graz, Fernitz-Mellach, Fohnsdorf, Graz, Hart bei Graz, Kapfenberg, Lebring-St.Margarethen, (Kinderwerkstätte) Leoben, Obdach, Raaba-Grambach, St. Stefan im Rosental, Wildon und Weiz – in Kindergemeinderäten aktiv. Vor Ort stoßen sie für Verbesserungen für die jungen und jüngsten Gemeindebürger:innen an – Reportagen einiger Kinder- und Jugendgemeinderäte (nicht nur in der Steiermark) sind am Ende dieses Beitrages verlinkt.

15. steirischer Kindergipfel in Fernitz-Mellach
15. steirischer Kindergipfel in Fernitz-Mellach

Umweltfragen im Zentrum, aber nicht nur

Beim nunmehrigen 15. Gipfel ging es vor allem um die weltweiten Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der UNO. Motto der Kindergemeinderät:innen: „Guten Morgen Zukunft! Gemeinsam packen wir´s an!“ Kinder engagieren sich überall immer wieder in Umweltfragen – und sie haben noch viel länger auf dieser Welt zu leben, sind also viel betroffener, wenn nicht nachhaltig gewerkt wird, sondern die Klima-Kipppunkte überschritten werden. So „nebenbei“ steht schon seit mehr als 30 Jahren (seit 20. 11. 1989) in der UN-Kinderrechtskonvention, dass Kinder u.a. das Recht auf saubere Umwelt, gleichen Zugang zu Bildung und Mitgestaltung ihres Lebensumfelds haben.

Die Forderungen der 150 Kinder

15. steirischer Kindergipfel in Fernitz-Mellach
15. steirischer Kindergipfel in Fernitz-Mellach

Kreative Workshops

Die Themen wurden beim Kindergipfel auf kreative Weise bearbeitet, u.a. in Theater-Workshops, einer SDG- Schnitzeljagd, der Herstellung von Samenkugeln bis zur kreativen Gestaltung von. Begleitet und organisiert wurde das steirische Gipfeltreffen von beteiligung.st, der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Bürger:innenbeteiligung in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Fernitz-Mellach sowie dem Kindergemeinderat Fernitz-Mellach. Die Botschaften der Kinder zum Thema SDGs werden in Fernitz-Mellach auf großen Fahnen sichtbar bleiben und sollen Passant:innen zum Nachdenken anregen.

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Szenenfoto aus "Kids"

WG-Party mit Videoschauen, Musik und Erinnerungen an die 90er-Jahre

Einladung zu einer Art erweiterter WG-Party mit Video-Schauen und Hintergrundmusik. Neben den Stühlen in U-Form befindet sich in der Mitte dieser Wohngemeinschaft ein großer Teppich mit Sitzpolstern, Knabbergebäck und Getränkedosen. So das Ambiente für „Kids – eine dramatische Animation am Rande des Millenniums“ im Theater am Lend im Rahmen des aktuellen, siebenten Dramatiker:innen-Festivals in Graz.
Links – vom Publikum aus gesehen – ein Stehpult aus Bierkisten, auf dem Notenständer darauf Textseiten. Rechts der Live-Musiker mit eBass und analogem Kontrabass. Dazwischen die große Projektionswand. Und zwischen Publikum und den genannten Akteuren ein jugendliches Paar, das sich laaaaangsam, eng umschlungen im Kreis dreht. Und das schon geraume Zeit bevor die zuvor genannten Künstler die Bühne betreten. Eingeblendet ein Countdown, der gut ¼ Stunde läuft. Erst dann beginnt der Textperformer aus seiner Jugend in den 90ern des vorigen Jahrhunderts zu erzählen. Könnte echt sein. Definitiv echt jedenfalls sind die Nachrichten aus der wirklichen Welt – vermittelt über alte „Tagesschau“-Ausschnitte (Nachrichten eines deutschen öffentlich-rechtlichen Senders).

Y2K

Erste: Die Aufregung um den möglichen sogenannten Millenniums-Bug (Y2K), wonach befürchtet worden war, das (sämtliche) Computersystem mit der Jahrhundert- und diesmal gleichzeitig Jahrtausendumstellung verrückt spielen würden. War dann nix.

Später: Der – für die meisten – sehr überraschende Rücktritt des damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin samt Inthronisierung von Wladimir Putin als Nachfolger. Ausführlich ist Jelzins Rücktrittsrede zu hören und sehen – mit deutschen Übertiteln.

Die 90er, das waren hoffnungsvolle Zeiten sozusagen: Mauerfall, Ende des Kalten Krieges; Anmerkung: Ausgeblendet, dass es gleichzeitig mit dem kriegerischen Zerfall Jugoslawiens deutliche Anzeichen eines neu aufkommenden Nationalismus gab.

Poetisch-atmosphärisches Neben- und Miteinander

Der Abend „Kids – eine dramatische Animation am Rande des Millenniums“ (Drama Forum von uniT) wollte aber gar keine Geschichtsstunde sein, sondern ein wenig – oder mehr – das Lebensgefühl dieses Jahrzehnts in einem Teil Mitteleuropas vermitteln. Dazu diente die Kombination aus Texten (Pedro Martins Beja), die neben konkreter Schilderungen von Episoden, Gedanken in experimentellen Fragmenten mit der Live-Musik (Micha Kaplan) sowie filmischen Elementen (Video und Animation: Katharina Jabs) als eigenständige Elemente und doch ein gemeinsames atmosphärisches immer wieder auch sehr poetischen Ineinandergreifen ergaben. Dazu noch das schon erwähnte jugendliche Tanzpaar (Emily Kreuzer & Ennio Resnik), das einerseits so etwas wie eine Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart herstellt, andererseits durch das schier unglaubliche und damit auch so „nebenbei“ bewundernswerte deutlich mehr als einstündige gleichmäßige sich Drehen einen Ruhepol erzeugte aber auch wie die Zeiger einer Uhr dennoch das Fortschreiten der Zeit symbolisiert.

Nix mehr zu sagen?

In den teils experimentellen Videoausschnitten fanden sich u.a. Ausschnitte aus einem Computerspiel mit Lara Croft sowie später einem Song von „Smashing Pumpkins“ in Karaoke-Version, in dem es zu Beginn heißt: „Nothing left to say/ And all I’ve left to do/ Is run away“ (Es gibt nichts mehr zu sagen/ Und alles, was ich noch tun muss/ Ist weggelaufen). Was einerseits an einer Episode des Texters anknüpft, dass er eigentlich gar nicht singen kann, aber so gern wollte und andererseits an Passagen über die Gefahr des Falls in tiefe Löcher… Nicht zuletzt erinnern diese Zeilen vielleicht auch an das berühmte Zituat des US-Politikwissenschafters und Autors Francis Fukuyama vom „Ende der Geschichte“ nach dem Zerfall der Sowjetunion und der mit ihr zwangsweise verbündeten Staaten. Und Jelzins Abschiedsrede, in der er u.a. den schlichten Satz sagt: „Ich gehe“.

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Compliance-Hinweis: Das Dramatiker:innen-Festival in Graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für drei Tage zur Berichterstattung eingeladen.

Alexandra Pâzgu, Rhea Krčmářová, Patty Kim Hamilton und Thomas Perle

Vom Mundhimmel und der Strandcreme

Zwei Tage vor der Preisverleihung der 14. Auflage des mehrsprachigen Redewettbewerbs „SAG’S MULTI!“ für Schüler:innen aus ganz Österreich im Wiener Rathaus, widmete sich auch das Dramatiker:innen-Festival in Graz der Vielsprachigkeit. Zur Diskussion und Vorstellung von Texten lud der mit Rumänisch, Ungarisch und Deutsch – und zwar einem „teitschen“ Dialekt, dem Wischaudeutsch – aufgewachsene Autor Thomas Perle seine Kolleginnen Patty Kim Hamilton, Rhea Krcmárová und Alexandra Pâzgu ein.

Letztere ist mit dem Text „Blauer Zug“ für den diesjährigen Retzhofer Dramapreis, der am Ende des genannten Festivals in Graz vergeben wird, nominiert. Ersterer feierte mit seinem Stück „karpatenflecken“, in dem „seine“ drei Sprachen vorkommen, beim vorjährigen Festival seine Österreich-Premiere.

Alexandra Pâzgu, Rhea Krčmářová, Patty Kim Hamilton und Thomas Perle
Alexandra Pâzgu, Rhea Krčmářová, Patty Kim Hamilton und Thomas Perle

Patty Kim Hamilton schreibt am liebsten auf Englisch, aber auch Deutsch wobei sie schon in die Diskussion den Aspekt einbrachte, dass sich nicht alles immer übersetzen lässt, jede Sprache andere Farben, Melodien und auch Rhythmen hat. Elterlicherseits bringt sie Koreanisch und Irisch mit. Mit Ersterer verstand sie im Stück „mauern“ von She She Pop im Grazer Schauspielhaus die Original-Video-Passagen von Jahye Khoo als eine der ganz wenigen im Publikum, aber sie könne es nicht sonderlich gut sprechen, meinte die Autorin, die einen abwechselnd Englischen und Deutschen Auszug aus ihrem nächsten Stücktext „Schmerz Camp“ fürs Theater Bremen las.

Rhea Krčmářová näherte sich dem Tschechischen und Slowakischen erst später wieder an, nachdem sie die Sprache als junges Kind in Wien ablehnte. Mit ihren Eltern, Mit ihren Eltern, die sich im Umfeld der Charta 77 für demokratische Reformen in der damaligen Tschechoslowakei den Rauswurf aus dem Land einhandelten, blieb als Antwort auf die Ablehnung eben die Ablehung der Sprache(n) dieses Landes. Sie las aus ihrem Erzählband „Böhmen ist der Ozean“, in dem sie sich auf die Suche nach Spuren ihrer Vergangenheit macht.

Alexandra Pâzgu, Rhea Krčmářová, Patty Kim Hamilton und Thomas Perle
Alexandra Pâzgu, Rhea Krčmářová, Patty Kim Hamilton und Thomas Perle und Edith Draxl, künstlerische Co-Leiterin des Dramatiekr:innen-Festivals

Inszenieren mit Übertiteln, alles übersetzen? Vielleicht auch Einflüsse der einen auf andere Sprache, die manche als Fehler bezeichnen würden, die aber ungemein viel Poesie enthalten, doch beibehalten. Alexandra Pâzgu nannte als Beispiel „Strandcreme, weil Sonnencreme so im Rumänischen heißt“ und Thomas Perle zitierte die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und ihr Wort vom „Mundhimmel“, das in vielen Beiträgen über diese Autorin genannt wird. Um wieviel mehr eröffnet dieses doch als jenes Wort, das sonst dafür im Deutschen verwendet wird „Gaumen“?!

Aber es ist ja auch so, dass in der ureigenen Sprache nicht immer alles verstanden wird. Ist Mehrsprachigkeit überhaupt wirklich schon im Theaterbetreib anerkannt. Gibt es nicht immer noch eine Hierarchie von Sprachen? Diese und noch viel mehr Fragen wurden aufgeworfen, angerissen – jedenfalls aber mit dieser Diskussionsveranstaltung immerhin thematisiert.

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Compliance-Hinweis: Das Dramatiker:innen-Festival in Graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für drei Tage zur Berichterstattung eingeladen.

Die FEstivalgäste schießen ihre Papierflieger mit Wünschen, Ideen usw. in Richtung Vortragendenpulte

Zukunftsideen per Papierflieger

Teils recht ungewöhnlich wurde das mittlerweile siebenten Dramatiker:innen-Festival in Graz eröffnet. Erstens mauserte sich ein altes Unigebäude, bei dem die Buchstaben schon abbröckeln und das abgerissen wird, die sogenannte Vorklinik, mit einem steil ansteigenden Hörsaal zum Auftakt-Raum; etliche weitere Veranstaltungen stehen hier noch bis zum Ende am Sonntag, 25. Juni 2023 auf dem Programm.

Wie Studierende saßen Autor:innen, die selbst so manche der Programmpunkte bestreiten, und „nur“ kulturkonsumierende Gäst:innen, in den engen Reihen. Vor sich auf den Pulten bunte A4-Blätter und kleine weiße A5-Zettel mit der Gebrauchsanleitung fürs Basteln von Papierfliegern. Aber nein, die sollten noch nicht fliegen, ermahnte die künstlerische Festival-Leiterin Edith Draxl, denn die Flieger sollten noch für eine Überraschungsaktion dienen.

Hölderlin

Davor eröffnete sie mit Zitaten des romantischen, nicht immer leicht zu verstehenden Dichters Johann Christian Friedrich Hölderlin, von dem auch das aktuelle Festivalmotto „Ins Offene“ entliehen ist.

Berührender Gesang, tiefschürfende Reden

Künstlerisch-gesellschaftspolitische Beiträge lieferten Nina Eba mit Gesang und Tanz auf einem der Lehrenden-Pulte im Hörsaal, die Autorin Ada Diagne mit Gedanken aus einem ihrer Essays in ihrem Buch „Menschen. Life is a Story“ zu „dark heritage“ (dunkles Erbe), dem praktisch völligen Ausblenden der Geschichte und Lebensrealitäten Schwarzer Menschen abseits kolonialer Geschichts(schreibung). Schließlich spannte noch die Politikwissenschafterin und Rechtsextremismus-Expertin Natascha Strobl den Bogen von wissenschaftlichen Analysen gegenwärtiger (autoritärer) Entwicklungen zum Festivalmotto.

Mitreißende Klänge

Und dann brachte das Masala Bras Kollektiv mit seinen vor allem Blasinstrumenten die Festivalgäste zumindest zum Swingen und „Tanzen“ auf den Sitzen. Nun, so der Wunsch der Festivalleiterin, sollten alle ihre Gedanken, Wünsche, Vorschläge, Forderungen daran, was in und für die Zukunft zu reparieren wäre, auf die Papierflieger schreiben. Und dann auf 3, 2, 1 – Gong zischten oder schwebten die papierenen Fluggeräte von den Hörsaalreihen in Richtung Podium. Damit war das Festival offiziell eröffnet. Und versprochen, alles Aufgeschriebene auf den Fliegern zu sammeln und – so es das Festival selbst betrifft möglichst umzusetzen – als Basis fürs Festival 2024 sozusagen.

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Ausstellung von geschriebenen und gezeichneten Gedanken Jugendlicher zum Thema Grenzen - in Kooperation mit dem Dramatiker:innenfestival in Graz

Grenzenlos über Grenzen nachgedacht

Spinnen die da unten. Die, die sich als die Krone der Schöpfung und sich für die Schlauesten auf dem Planeten Erde halten. Diese Gedanken schossen durch den Kopf als Yara Nußbaumer ihren ersten Text vor der Installation von ihr und ihren Mitschüler:innen aus der fünften Klasse der Modellschule Graz – in der es u.a. die ersten sechs Schuljahre keine Noten gibt – vortrug. Sie lässt die Zuhörer:innen in den Kopf eines Vogels schlüpfen, der bei seinen Höhenflügen keine Grenzen kennt. Und die da unten…? – Ihren ganzen Text dürfen wir veröffentlichen – er ist in einem eigenen Beitrag, der unten am Ende dieses Artikels verlinkt ist.

Als Schüler:innen sind sie viel freier, hier wollen sie den Blick auf ihre Werke freigeben ;)
Als Schüler:innen sind sie viel freier, hier wollen sie den Blick auf ihre Werke freigeben 😉

Die Jugendlichen hatten sich – in Zusammenarbeit mit dem Dramatiker:innen-Festival (Projektleitung: Leitung: Lisa Höllebauer) in der steierischen Landeshauptstadt – Gedanken zum Thema „meine Grenze“ gemacht. Und dazu auch den Text einer Szene aus dem Stück „Am Hafen mit Vogel“ als eine der Inspirationsquellen bekommen. Zeichnungen – unter anderem ein weit geöffnetes Fenster – aber auch eine Malerei, in der die Grenzen ziemlich verschwimmen, sowie Texte – nicht nur der schon genannte und dazu ein ganzer Podcast sind entstanden.

Natürlich fanden die Jugendlichen auch durchaus sinnvolle Grenzen, die es zu wahren gilt, beispielsweise die der eigenen körperlichen Unversehrtheit, wo es gilt, frühzeitig Nein und Stopp sagen zu lernen…

Die Arbeiten sind/waren als Installation an einer Baustellengitter-Wand zu sehen (zum Podcast führte ein QR-Code); in der Vorklinik – einem ehemaligen Unigebäude, das zwischenzeitlich vom Festival genutzt werden kann, bevor es abgerissen wird. Besucher:innen wurden gebeten mit Klebezettel eigene Gedanken und vielleicht auch eigene Wörter zum Thema zu erfinden.

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Yara Nußbaumer las ihre und andere Text vor

Die Freiheit des Vogels

Was denke ich, fragen sie mich, wenn ich da oben kreise. Was mache ich, wenn Schranken und Pässe sie stoppen, wenn Linien auf Papier und Namen auf Karten ihr Leben verändern?
Ich denke, Papier ist wertlos, genau wie zwei Hände, wenn ich doch Flügel habe. Ich denke, Namen sind ein Kompass, keine Wände, Mauern, Zäune. Ich denke, die eine Seite des Schranken sieht gleich aus wie die andere. Ich denke, ich kann solange weiterfliegen bis meine Flügel schmerzen und mein Bauch vor Hunger schreit.
Ich sehe, und sehe nur die Grenze wie ein Baum, ein Stein, ein Meer. Ein Ding wie alle Anderen. Hier und da, bedeutungslos.
Aber sie sehen nicht wie wir in der Luft es tun.
Wenn die Möwe an der Küste streift, die Krähen auf den Bäumen krächzen, der Bussard über Felder kreist, dann fliegen, krächzen, kreisen sie und leben wie sie leben, hier und dort, bis sie es nicht mehr tun. Und der Vogel sieht einen anderen und erkennt ihn als Gleiches, als Lebewesen, wie sie alle sind und er sucht nicht nach Namen auf Karten, nach Linien auf Papier um zu urteilen. Warum sie das dort unten tun?
Ich fliege und fliege und als ich an ihnen vorbeiziehe, fängt sich der Wind in meinen Federn und die Sonne ist meine Kompassnadel, die einzige Karte die ich brauche und ich habe kein Papier, kein Geld, keinen Namen.
Ich bin hier und dann dort. Über ihre Linien, Namen, Leben. Und ich spüre keine Mauer, keinen Zaun, kein Netz das mich fängt, kein gar Nichts, nur den Wind in meinen Federn.
Wie sie dort unten stolpernd, gehen, wandern, flügellos und sie haben nicht mal die halbe Welt als ihre Heimat und dann die Linien, Linien, Linien, keiner raus, keiner rein. Und mir gehört der Himmel und die Erde und Papier ist wertlos.

Yara Nußbaumer

Blick ins Zelt von "Wunderland" Regie & Buch des VR-Fiulms: Kurdwin Ayub

Du bist eine Kleinkind-Alice mit zwei Künstler:innen als Eltern

Einigermaßen versteckt, aber mit Pfeilen im Festival-Rosa doch zu finden, stand in einer Nische bei der Landesdruckerei ums Eck von Schauspielhaus 2 (in Graz) ein Zelt mit etlichen herumliegenden und hängenden Kuscheltieren, bunten Lampen und zwei bequemen, drehbaren Stühlen. Platz eben für jeweils genau zwei Zuschauer:innen. Für jeweils ¼ Stunde bekamen diese eine VR-Brille – und später auch Kopfhörer.

Blick ins Zelt von
Blick ins Zelt von „Wunderland“ Regie & Buch des VR-Fiulms: Kurdwin Ayub

So tauchten sie ein in den VR-Film „Wunderland“ von Kurdwin Ayub. Die versetzt die Zuschauerin/den Zuschauer in die Rolle eines Kleinkindes namens Alice (!). Die Mutter, gespielt von Maresi Riegner, ist eine erfolgreiche Malerin – und dreht so manch schräge Handy-Videos zu Hause. Der Vater (Valentin Postlmayr) kümmert sich um dich, den Haushalt und hadert damit, dass er mit seiner Kunst nicht annähernd so erfolgreich ist wie seine Lebenspartnerin. Außerdem haben die beiden einander wenig wirklich zu sagen.

Blick ins Zelt von
Blick ins Zelt von „Wunderland“ Regie & Buch des VR-Fiulms: Kurdwin Ayub

Du kannst dich mit dem Sessel im Kreis drehen und so jeweils alle Ecken und Winkeln der Küche oder des Wohnzimmers genau betrachten, dich vielleicht damit ein wenig von der immer wieder auch angespannten Atmosphäre deiner Eltern ausklinken. Und entdeckst einige der Kuscheltiere aus dem realen Zelt vor deinen Augen in dem Gehäuse der VR-Brille.

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Schwangere lehrerin und neuer Lehrer in der Klasse

Sternstunden für eine Schulklasse

Eine Lehrerin ist schwanger, demnächst tritt sie ihren Mutterschutz an, die 3A muss daher von wem anderen unterrichtet werden. Gabriel Stern meldet sich als neuer Lehrer in dieser Volksschule namens Grauboden. Direktorin Schacherl bereitet ihn auf eine „schwierige“ Klasse vor. Da kontert der Neue schon einmal, dass er bei Kindern eher drauf schaue, welche Probleme sie haben und weniger, welche sie machen.

Das ist seine Grundhaltung. Und zieht sich damit durch das Stück „Ein Stern für die 3A“, für das Kinder einer gleichnamigen Klasse der privaten De La Salle-Volksschule Marianum in Wien-Währing im Turnsaal proben. Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… durfte bei einer Probe dabei sein – die Aufführungen finden knapp vor Ende dieses Schuljahres statt.

Turn- wird Festsaal

Der Turnsaal lässt sich relativ leicht in einen Festsaal verwandeln. An einer der Breitseiten findet sich hinter dem Basketballkorb eine aus mehreren Teilen bestehende Metallwand, die sich auf die Seite schieben lässt – und den Blick auf eine Bühne sogar mit mehreren „Gassen“ freigibt, aus denen Spieler:innen zu ihren Auftritten kommen können. Der Basketballkorb lässt sich übrigens per Fernbedienung ebenso hochklappen wie die Rollos runterlassen, um die starke Sonneneinstrahlung ein wenig zu verringern.

Am hinteren Ende der Bühne steht ein hölzernes Gerüst, das zu einer Tür findet, aus der die „Direktorin“ (Mathilde Luzia Pötz) herab- und ins Geschehen einsteigt. Aus dem Hohlraum unter der Bühne ziehen einige Schüler:innen und die pensionierte Lehrerin Christine Schubert, die das Theaterprojekt betreut, eine hölzerne Treppe hervor. So können alle vom Turnsaalboden aus auf die Spielfläche kommen, um natürlich – so die szenische Vorgabe – eine chaotische Klasse zu spielen. Dazu gehören natürlich auch so manchen Streitereien. Ebenso wie Wege aus dem negativen Gefühls-Schlamassel zu einem besseren Miteinander, das vom jungen engagierten Lehrer (Leon Ballerini-Onderka) ausgeht, der dem Stück bzw. dem Buch – siehe nächster Absatz – den Titel gab – oder umgekehrt 😉

Probenbesuch

An diesem Probentag ist aber nicht nur kijuku.at dabei, um zu hören und zu schauen, was da entsteht, Fotos und Videos sowie Interviews zu machen, sondern auch die Autorin Elfriede Wimmer. Aus ihrem gleichnamigen Buch hat die weiter oben schon genannte Pädagogin einen Stücktext gemacht. Wobei die Autorin nach einigen Szenen meint, sie könnte gern auch den Text noch ein wenig kürzen oder vereinfachen, auf durchaus spielbarer umschreiben.

Wenngleich schon das Buch leicht lesbar geschrieben ist, um die wichtigen Botschaft – verkürzt zusammengefasst gewaltfreie Kommunikation nach dem US-Psychologen Marshall Bertram Rosenberg (1934 bis 2015) – schon jungen und jüngsten Leser:innen zu vermitteln, ist es natürlich kein Theatertext.

Sprechtechnik

Noch aber steht beim Probenbesuch eher die „Technik“ im Vordergrund, nicht die wirkliche, es stehen keine Mikrophone zur Verfügung, sondern die Sprechtechnik. Nicht zu hudeln beim Reden, langsam, deutlich und vor allem laut! Nach Möglichkeit dem Publikum nicht den Rücken zukehren, sondern – selbst wenn’s die Szene eher verlangen würde – doch ein wenig nach vorne wenden. So wie volle Ruhe abseits des gerade zu Sehenden und Hörenden, also des Geschehens in der Szene. Und selbst dort, wo es ums wirkliche Durcheinander geht, müssen die einzelnen Sätze knapp hintereinander kommen, damit sie auch von den Zuschauer:innen vernommen werden können.

Und so muss – wie auch im echten, sogar professionellen, Theaterleben die eine oder andere Szene – oder ein Teil daraus – wieder und wieder wiederholt werden. Aber von Mal zu Mal ist auch einige Meter von der Bühne entfernt zu verstehen, was wer gerade in der Theater-3A von sich gibt.

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… bat die jungen Schauspieler:innen nach der Probe zu Interviews. Die finden sich in einem eigenen Beitrag – zu diesem geht es hier unten:

Lieder

Christine Schubert hat sich für die Stückversion auch Lieder einfallen lassen. Das erste ziemlich zu Beginn schildert die triste Lage der – von der Autorin nicht zufällig – Grauboden genannten Schule:
Wenn in der Klasse
das Chaos herrscht
und du dich kaum
dagegen wehrst…
denn keiner hört
dem anderen zu,
du findest niemals
deine Ruh..,
Dann könnte es sein, auch wenn’s ein Mist,
dass die Grauboden deine Schule ist…

Natürlich schlägt sich die Veränderung auch in einem weiteren Songtext nieder und so singen die Kinder viel später unter anderem:
Unser Lehrer Stern, ja wir hab’n ihn gern.
Unser Lehrer Stern, der ist uns nicht fern…
Er hat ein großes Herz, nimmt uns jeden Schmerz.

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Mehr Informationen

Zum Projekt einer anderen Wiener Volksschule rund um dieses Buch -> damals noch im Kinder-KURIER berichtet

Alle jungen Schauspieler:innen am Bühnenrand und auf der Treppe

Alle jüngsten Schauspieler:innen meldeten sich zu Wort

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wollte am Ende der Proben noch Interviews führen. Üblicherweise melden sich bei solchen Gelegenheiten wenige oder ein paar Kinder. Hier wollten alle drankommen. Und so reihten sich alle Schüler:innen in zwei Sitzreihen hintereinander am Bühnenrand auf. Und das Smartphone ging mit einer Audio-App im Aufnahmemodus reihum. Die meisten sagten zumindest, welche Rolle oder Rollen sie spielen werden und deren Texte sie schon auswendig gelernt haben. Der Einfachheit und der Übersichtlichkeit halber stehen diese alle unten in der Infobox. Das eine oder andere ausführlichere Interview sei hier aber schon extra wiedergegeben.

Leon Ballerini-Onderka, der den neuen, engagierten Lehrer Gabriel Stern spielt, wollte gar nicht mehr aus seinem Kostüm, einem hellbraunen Mantel, schlüpfen oder seine Umhänge-Aktentasche abgeben. Er ging in seiner Rolle auf.

KiJuKU: Wieso bist du der Lehrer Stern?
Leon Ballerini-Onderka: Christine hat einige Kinder ausgesucht, die sehr gut lernen konnten, einige davon wollten nicht oder haben sich nicht getraut und dann wurde ich gefragt. Da hab ich gesagt: Ja, das ist ok. Christine hat dann gesagt: Oh, das ist aber extrem viel Text.
KiJuKU: War das schwierig, so viel Text zu lernen?
Leon Ballerini-Onderka: Nööö! Es hat mir sogar sehr viel Spaß gemacht. Mir war Wurst, wieviel Text es war. Die Hauptsache für mich war, dass es Spaß macht. Es war schon manches Mal schwierig. Für den Anfang hab ich lang gebraucht. Aber dann am Ende Good Game – GG. Easy.
KiJuKU: Kannst du dir selber vorstellen, einmal Lehrer zu werden?
Leon Ballerini-Onderka:  Nein, ich will nicht Lehrer werden, sondern YouTuber und Schauspieler.

Alle jungen Schauspieler:innen sitzen am Bühnenrand
Alle am Bühnenrand und auf der Treppe und davor die Regisseurin, eine ehemalige Lehrerin

Reihum

KiJuKU: So, bitte nun der Reihe nach jeweils den Rollen- und dann den echten Namen.
Valentin Laurenz Kadiqi: Ich spiel den Flo, einen Schüler.
KiJuKU: Was zeichnet den Flo aus.
Valentin Laurenz: Naja, er ist sehr schüchtern.
KiJuKU: Und bist du das in echt auch?
Valentin Laurenz: Naja, schon ein bisschen. Ich hab Schule gewechselt und am Anfang hier hat’s gut gepasst.
KiJuKU: Und jetzt?
Valentin Laurenz: Naja, jetzt nicht mehr so, eigentlich fast gar nicht mehr.

Annabelle Dukatarov spielt eine von mehreren Erzählerinnen für die verbindenden Texte, die auch jeweils das folgende Szenario erklären. Und wie manch andere ihrer Kolleginnen in dieser Funktion schlüpft sie aber auch in eine Spiel-Rolle, sie zum Beispiel in die einer Mutter – der Schülerin Amelie (Hannah Wiesnagrotzki). Auf die Frage, ob sie mit beiden zufrieden sei, meinte sie: Ja, weil beides kurze Texte sind.

Viele Rollen

Malachi Mc Cowan: Schüler, Briefträger, Bühnenarbeiter spielt „einen Einsager und ich laufe in den Schulwart, den Herrn Krauser hinein“.
KiJuKU: Wie ist das, absichtlich und doch nicht verletztend in einer Szene in eine andere Mitspielerin (Arina Polozhintseva spielt diesen Schulwart) reinlaufen zu sollen/müssen?
Malachi Mc Cowan: Das ist gar nicht schwierig.

Tussig

Alena Lisa Verdianz: Ichspiel Leonie, eine tussige Mitschülerin – wie einige andere auch. Wir finden uns halt sehr cool.
KiJuKU: Ist das peinlich, ein solches Mädchen zu spielen?
Alena Lisa Verdianz: Mir macht das viel Spaß, ich mach das auch zu Hause gerne.
KiJuKU: Bist du tussig oder du spielst es gerne?
Alena Lisa Verdianz: Ich spiel das – für mich ganz alleine.
KiJuKU: Schlüpfst du auch sonst gern in andere Rollen?
Alena Lisa Verdianz: Ja!

Elisabetta Viktoria Markiša-Reinertsen: Ich spiel die Rosemarie Rosenklee und das macht mir sehr großen Spaß.
KiJuKU: Was gefällt dir an ihrer Rolle?
Elisabetta Viktoria Markiša-Reinertsen: Sie ist eine Lehrerin und ich möchte auch selber gern Lehrerin und, oder eine Ärztin werden. Und ihre Rolle macht mir Spaß, weil sie ein wenig schüchtern ist. Und das bin ich in echt auch ein bisschen.

Lehrer, Direktorin, Schulwart, Kind - gespielt von den Kindern
Lehrer, Direktorin, Schulwart, Kind – gespielt von den Kindern

Direktorin

Ich spiel die Direktorin Schacherl und in echt ist meine Name Mathilde Luzia Pötz. Ich hab nicht zu viel und nicht zu wenig Spaß, drum macht mir die Rolle Spaß.
KiJuKU: Hängt es nur von der Menge des Textes ab, wieso dir die Rolle Spaß macht?
Mathilde Luzia Pötz: Nein, eigentlich nicht, es ist schon so eine witzige Rolle. Ich darf da ein bisschen streng spielen. Man fühlt sich manches Mal so, als könnte man über alle drüberschauen.

Paul Arthur Zinterhof: Ich bin der Turnlehrer Friedrich Fitt. Mir macht Spaß, dass ich an verschiedenen Stellen drankomm. Das ist nicht so leicht zu merken. Ich hab nicht so viel Text, das ist schon gut, aber ich muss mir sehr viel merken, wann genau ich dran bin.
KiJuKU: Hast du dann Tricks, wie du dir das leicht(er) merken kannst?
Paul Arthur Zinterhof: Trick hab ich nicht, aber ich hab alles gelernt und merk mir dann immer den letzten Satz, den wer anderer sagt, bevor ich auftrete.

Ich spiel die Patrizia und in echt heiß ich Lena Grujić.
KiJuKU: Was für eine Schülerin ist die Patrizia?
Lena Grujić: Eine zickige und ich mag, dass ich im Unterricht, in dem Stück, nicht zuhören muss.
KiJuKU: Würdest du auch gern in echt zickig sein?
Lena Grujić: Nein, ich glaub nicht.

Also ich bin eigentlich nur Erzählerin und ich heiße Marie Sophie Zeindlhofer. „Es ist halt nicht so viel Text, aber ich bin zufrieden.“

Lisette Theresa Dorn: Ich bin die Susanne, die schwangere Lehrerin, die macht mir sehr viel Spaß, weil sie so eine Helferin ist. Die Klasse ist ja irgendwie chaotisch. Und in echt helfe ich auch sehr gerne.
KiJuKU: Spielst du gern eine Lehrerin?
Lisette Theresa Dorn: Ja.
KiJuKU: Würdest du gern eine werden?
Lisette Theresa Dorn: Ja.

Genügend Text

Ich spiel die Amelie und heiße Hannah Wiesnagrotzki.
KiJuKU: Die Amelie ist welche Art von Schülerin?
Hannah Wiesnagrotzki: Eine schüchterne, die sich fast nie was zu sagen traut.
KiJuKU: Fällt dir das schwer, so eine Schüchterne zu spielen?
Hannah Wiesnagrotzki: Eigentlich nicht, ich muss nur schauen, immer denselben Gesichtsausdruck zu haben und nur ganz selten was zu sagen. Aber es ist schon genügend Text für mich.

Sophie Katharina Weinzerl: Meine Rollen sind Erzählerin und die Mutter vom Olli.
KiJuKU: Wie ist das, als junges Kind eine Mutter zu spielen?
Sophie Katharina Weinzerl: Komisch, irgendwie aber auch cool, denn ich hab auch viel Text und das mag ich.

Mutter zweier verschiedener Kinder

Laura Čošković: Ich hab drei verschiedene Rollen, einmal bin ich Erzählerin, außerdem die Mutter von Tom und auch die von Max.
KiJuKU: Wie ist das, gleich zwei verschiedene Mütter zu spielen?
Laura Čošković: Irgendwie lustig und irgendwie auch komisch.
KiJuKU: Ist es schwierig, die Rollen der beiden verschiedenen Mütter auseinander zu halten?
Laura Čošković: Nein, nicht wirklich. Nur muss ich aufpassen, wann ich immer drankomm. Und ich find’s echt cool, dass wir jetzt dann eine echte Aufführung machen.

Ich bin Erzählerin und die Musiklehrerin Clara, mein echter Name ist Yasmin Zhamaaui. Ich hab nicht zu wenig und nicht zu viel Text. Für mich ist es gut, aber Lehrerin will ich nicht werden, sondern eine Ingenieurin.

Valerie Enzenhofer-Glaser: ich spiele eine der Erzählerinnen und die Mutter und den Vater vom Flo.
KiJuKU: Wie ist das, sowohl die Mutter als auch den Vater von einem der Schüler zu spielen?
Valerie Enzenhofer-Glaser: Gut. Ich kann mir das beim Spielen gut vorstellen.

Schulwart und eines der Kinder

Schulwart

Also ich bin der Schulwart, sagt Arina Arisha Polozhintseva, also ein Böser, der hasst die Kinder, weil sie immer Schmutz machen und er droht ihnen immer, sie zur Frau Direktorin zu bringen.
KiJuKU: Ich stell mir das schwierig vor, ein Kind zu sein und jemanden zu spielen, der Kinder nicht mag. Wie war/ist das für dich?
Arina Arisha Polozhintseva beginnt herzhaft zu lachen: Ich mag es sehr, weil ich muss drohen und das ist irgendwie im Stück ganz lustig.

Ich spiel Max und wie du in der Rolle gehört hast, bin ich immer der Anführer. Mein echter Name ist Christoph Rupert Wienerroither.
KiJuKU: Bist du in echt auch so ein Anschaffertyp?
Christoph Rupert Wienerroither: Ja.
KiJuKU: Da werden vielleicht aber nicht immer alle anderen zufrieden sein, oder?
Christoph Rupert Wienerroither: Irgendwie schon, aber irgendwie auch wieder nicht.

Trommler

Ich spiel Tom, mein echter Name ist Mischa, eigentlich richtig Mykhailo Kornitskyi. Tom ist ein Schüler.
KiJuKU: Was ist das Besondere am Schüler Tom?
Mykhailo Kornitskyi: Er ist ein Drummer, ich spiel mit der Trommel.
KiJuKU: Spielst du in echt auch Trommel oder ein anderes Instrument?
Mykhailo Kornitskyi: Nein, aber hier macht es trotzdem Spaß.

Ich spiel den Schüler Lukas und heiße in echt Max Benedict Tröscher.
KiJuKU: Was ist das Charakteristische für diesen Lukas?
Max Benedict Tröscher:Der Lukas verändert sich im Stück nicht und bleibt so wie er am Anfang war bevor der Lehrer Stern gekommen ist.

Leon Rajić: ich spiel den Schüler Oliver (Olli). Er, Lukas und Max glauben, sie sind die Obergescheiten und Obercoolen. Wir machen halt immer Unsinn. Ich mag diese Rolle schon gern.

Dominik Paul Trost: Ich spiel den Herrn Kauz.
KiJuKU: Der ist wer, ein Lehrer?
Dominik Paul Trost: Der ist der älteste Lehrer der ganzen Schule.
KiJuKU: Wie ist das, als Kind den Ältesten zu spielen?
Dominik Paul Trost: Nicht os schwierig und angenehm, es macht mir Spaß.

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Zu einem Bericht über den Probenbesuch geht es hier unten.

Bildmontage aus einem Foto von den Proben für "familiar strangers" und einem der Sujetbilder dafür

Bekannte Fremde – Text-Musik-Performance im Regionalzug

Eine Ecke des Turnsaals in der ehemaligen Wiener Schule, die seit Jahren von Künstler:innen als „Creative Cluster“ bespielt wird, verwandelt sich sozusagen in den Teil eines Waggons. Hier proben die meisterhafte junge Poetry Slammerin Elif Duygu und der Musiker Uwe Felchle das Zusammenspiel der Wortkunst und der musikalischen sowie elektronischen Klänge. Die Performances selber unter dem Titel „Familiar strangers“ (bekannte bzw. vertraute Fremde) werden demnächst in echten Zügen – in der oberösterreichischen Summerauerbahn – beim diesjährigen Festival der Regionen sozusagen über die Bühne gehen. Fahrgäste können sie über ausgeteilte Kopfhörer mitverfolgen.

Mitmachmöglichkeit an den Bahnhöfen

An Bahnhöfen erweitert sich die Performance von diverCITYLAB um Menschen, die vor Ort von Zuhörer:innen zu Mitmacher:innen werden (können), wofür ein open mic – ein offenes Mikrophon – zur Verfügung steht. Der Aufruf an mögliche Mitwirkende lautet in etwa: „Was bewegt dich? Welche Geschichte möchtest Du erzählen? Das Micro gehört Dir!“ Die Performer:innen werden dann vor Ort live vom Bassisten Uwe Felchle begleitet, der – inspiriert von den jeweiligen Texten – jammt. Die Performance wird als Audio aufgenommen und bleibt so der Nachwelt erhalten.

Zurück zur Probe

Mit an Bord bei der Probe, die Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… besuchen durfte, waren die Regisseurin Aslı Kışlal, die Dramaturgin Anna Schober und last but definitly not least Phillipp Pettauer. Er ist der, der Mikrophone, Kopfhörer, Soundeffekte steuert, koordiniert und im Griff hat. Und so „nebenbei“: Jackson, der Hund, der der Regisseurin aufs Wort folgt.

Elif Duygu, die noch als Schülerin eines Gymnasiums in Wien-Simmering sich unter die Preisträger:innen des mehrsprachigen Redewettbewerbs „SAG’S MULTI!“ (mit Deutsch und Türkisch) einreihte, Englische und Amerikanische Kultur und Literatur im Master studiert, etliche Poetry-Slam-Bewerbe und -Meisterschaften gewann, hat sich Geschichten für die Zugfahrt ausgedacht.
Schon die Einleitung eröffnet die große, weite Welt im kleinen Waggon:
Züge verbinden die verschiedensten Städte,
sie bringen uns in andere Länder und sogar andere Kontinente.
Es gibt Züge, die stehen oder kommen und gehen.
In den Waggons, fremde Gesichter, die wir zum ersten Mal sehen.

Selma verbindet

Als zentrale verbindende Figur hat sich die Autorin die immer wieder auftauchende 30-jährige Schaffnerin Selma Çelik, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, ausgedacht. Bruchstücke und Gedanken aus ihrem Leben erzählt Elif Duygu – in „familiar strangers“ weniger im Slam-Stil, sondern eher in Form einer szenischen Lesung, mehr theatral. Immer wieder kommt es zu Begegnung der Zugbegleiterin mit Fahrgästen, die sie nach deren Tickets fragt.

Auf diesem Weg gelingt es der Autorin unterschiedlichste Leben(swelten) in diese nicht ganz ¾-stündige einzubauen.

Vielfalt

Da ist die alte (75 Jahre) Susanne Schmidt mit so manch körperlichem Leiden, das ihren Sohn Hansi im Telefonat aber nicht wirklich zu interessieren scheint. Oder Matthias Roulette, der unter Depressionen und Panikattacken leidet, aber sich immerhin aufraffen konnte, nun mit dem Zug zu einer Freundin zu fahren, mit der er reden kann, weil die nächste Therapiesitzung erst in einigen Wochen stattfinden kann. Wir tauchen auch kurz ein in Momente des gegenwärtigen Lebens von Adrijana Stefanović, die – unglücklich über ihren jetzigen zwar besser bezahlten Job – gern an den vorigen in einem Coffee Shop und an die Kindheit in Serbien denkt.

Computerspiel

Alles soll hier nicht verraten werden, aber noch kurze Schlaglichter auf die Begegnung Selma Çeliks mit dem13-jährigen Florian Moser. Der nimmt die Schaffnerin lange Zeit nicht wahr, weil er so in sein Konsolenspiel vertieft ist. Der Text – und die begleitende Live-Musik Uwe Felchles am eBass sowie die von ihm am Computer programmierten Spiele-Sounds lassen die Zuhörer:innen mit in seine Game-Welt eintauchen. Aus der ihn die Hand der Schaffnerin vor dem kleinen Monitor rausreißt. Und uns mitnimmt in gegensätzliche materielle Welten. Denn während Florian Moser so alles kriegen kann, was er sich wünscht, muss Selma Çelik nun Sonderschichten schieben, hat sie doch ihrem elfjährigen Sohn Ali genau solch eine handliche, transportabel Konsole samt dem Spiel mit dem berühmten Installateur (Klempner) versprochen, wenn er das Schuljahr mit ausgezeichnetem Erfolg abschließt. Was sie ihm offenbar nicht zugetraut hatte 😉

„Natürlich sind viele der Episoden frei erfunden, aber wie in fast allen meinen Texten fließen echte Erlebnisse von mir oder anderen, die ich aus Erzählungen kenne, ein“, meint Elif Duygu zu kijuku.at

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Aaaah, diese Menschen!"

Vogeleltern haben gar keine Freud über den neuen Freund des eigenen Kindes

Die Eltern finden es gar nicht so toll, dass die Hauptfigur in diesem Bilderbuch sich mit dem Kind aus dem Nachbarhaus anfreunden. Mika heißt dieses Kind. Die Eltern des namenlos bleibenden Vögelchens aber können nur ihre Köpfe schütteln. „Naja, das ist eben ein Mensch!“

Und das mit den Menschen sei „so eine Sache“, sie seine jung auf der Erde, was Vögelchen kommentiert: „Naja, nur dass sie jung sind, spricht doch nicht gegen sie, oder?“

Aber was die alles aufführen, verbauen Wiesen, holzen Wälder ab. Fast jede Idee, die sie hatten und haben zerstört Natur, Lebensraum von Tieren… – in „Aaah, diese Menschen! – Und wie sie mit ihren Ideen fast alles versaut hätten…“ von Miro Poferl, die sich die Geschichte sowohl ausgedacht als auch getextet UND illustriert hat.

Hoffnung?

Vögelchen versteht, ist aber trotzdem traurig, Mika scheint doch so nett zu sein. UND das Kind hat auch viele Ideen – die in eine ganz andere Richtung gehen – Blumen und andere Pflanzen setzen. Andere folgen und pflanzen Bäume… worauf die Eltern zwitschern: „Du, da tut sich gerade was – die kriegen ja glatt noch die Kurve“ und den eigenen Nachwuchs bitten, doch das befreundete Menschenkind kennenlernen zu wollen.

Dieses Bilderbuch vermittelt – und das ganz und gar nicht belehrend – das wohl drängendste Problem, vor dem die Menschheit steht. Klimawandel, vielmehr -krise – das weltweit insgesamt drängendste Problem. Für die Erde? Ja und Nein, auch wenn die Menschheit den Planeten krass zerstört, wenn es kein Umdenken und vielmehr -handeln gibt, werden die Menschen viele Tier- und Pflanzenarten vernichten und sich selbst ausrotten. Die Natur wird sich danach erholen und sehr wohl überleben.

Weltuntergang

Wobei das mit der Hoffnung auf Änderung, weltverträglichem Verhalten der Menschheit so eine Sache ist. Schon vor fast 90 Jahren hat der jung im Konzentrationslager Buchenwald an Typhus verstorbene scharf analysierende und formulierende Schriftsteller Jura Soyfer in „Der Weltuntergang oder die Welt steht auf kein‘ Fall mehr lang“ bei einer Zusammenkunft unseres Planetensystems mit der Sonne geschrieben, das Problem der Erde sei, dass sie Menschen hat. (Übrigens ab 12. September 2023 im Theater Arche in Wien-Mariahilf.)

Und im „Lied des einfachen Menschen“ schrieb Soyfer: „Wir sind das schlecht entworf’ne Skizzenbild/ Des Menschen, den es erst zu zeichnen gilt…“

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Titelseite vom Bilderbuch
Titelseite vom Bilderbuch „Aaaah, diese Menschen!“
Szenenfoto aus "Pixelzimmer"

Wenn der Wahn zur Volltechnisierung zur Falle wird…

Wie ein altes Ehepaar – nicht an Lebens-, aber an Beziehungsjahren – sitzen Simon Schober und Kajetan Uranitsch auf der Couch, lesen Zeitung, schauen Fern. Und das fast durchgängig ohne Worte. Das bleibt auch so die gesamten 70 Minuten. Blicken, Handgriffe, Bewegungen reichen, um die Geschichte(n) zu erzählen.

Vielleicht sind sie auch langjährige WG-Bewohner oder Brüder. Egal. Mal kocht der eine Kaffee und schreibt der andere auf einer elektrischen Schreibmaschine. Immer irgendwie ein bissl patschert. Alles spielt sich – von den Tapeten bis zu den Lampen und nicht zuletzt dem Orange der Schreibmaschine, dem Grün des Tastentelefons in einem Ambiente rund um den Beginn des letzten Drittels des vorigen Jahrhunderts ab.

Alles muss raus

Bis, ja bis die beiden im TV offenbar einen Werbespot sehen und telefonisch ein Paket bestellen. Es wird geliefert. Was da wohl drin ist? Tatatata… – ein Saugroboter. Und damit hat der Staubsauger ausgedient. Mit ihm hatten sie zuvor ohnedies wegen eines zu kurzen Kabels nicht alles erwischt – manch übriggebliebene Brösel kehrten sie unter den Teppich. Fenster auf und raus dem alten Trumm. Schepper, schepper.

Das Fenster mit irgendwie milchigen Gläsern und Wolken dahinter, die an die früheren grafischen Symbole eines sehr weit verbreiteten Computersystems erinnern, das nach dem englischen Wort für Fenster heißt, geht öfter auf und zu. Denn der Reihe nach bestellen die beiden nun munter drauflos. Bald nicht mehr via TV und Telefon, weil eines der nächsten digitalen Geräte ein Laptop ist, weshalb Schreibmaschine, Festnetztelefon und auch die Zeitungen aus dem Fenster fliegen. Bei letzteren deutlich sichtbar auch das Amtsblatt und die Wiener Zeitung, die älteste noch existierende Tageszeitung der Welt. Ihr bereitet diese Bundesregierung übrigens den echten Tod – mit Ende dieses Monats (Juni 2023) ist deren Print- und überhaupt Tageszeitungs-Leben zu Ende.

Der dritte „Freispieler“ als Bild

Mit einem großen allseitigen Getränke- und Fruchtautomaten kommt später auch das Foto des Dritten im Bunde der „Kompanie Freispiel“, Siruan Darbandi, der derzeit als Musiker in Spanien unterwegs ist, ins „Pixelzimmer“, wie dieses ihr Stück – ohne ihn – heißt (Ausstattung: Anouk Friedmann). Die Geräte beginnen sich zu verselbstständigen, ihr Eigenleben zu entwickeln, Gießkanne, Kastl und Getränkeautomat rollen und fahren durchs Zimmer, ebenso wie das Bügeleisen auf seinem -Brett. Leuchtende, summende und andere Geräusche von sich gebende Kunststoffdinger werden zu elektronischen Helferleins. An der Tür montiert reicht ein „Tür auf!“, damit sich diese öffnet. Als beide hinausgehen und den Befehl zum Schließen geben, liegt auf der Hand was folgt: Sie haben sich ausgesperrt.

Opfer der Technik

Sehr sehens- und erlebenswert – wie das ganze Stück, aber dies ein Gustostückerl – ist die folgende Szene, wie es dem Duo gelingt, doch wieder in die Wohnung zu gelangen. Der Teleshopping-Konsumrausch, dem gute alte analoge Geräte wie die obendrein wunderschöne Espressomaschine zum Opfer fallen und die Maschinen, die sozusagen die Herrschaft übernehmen lösen ganz zwangslos so manches „Hoppla, muss ich wirklich so handeln?“ aus.

Als wahre Heldin des Abends müssen unbedingt noch Anna Schmid und Matthias Duffner genannt werden, die hinter und an anderen Ecken und Enden der Bühne für so manche der geheimnisvollen Bewegungen sorgen.

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Foto einer der Doppelseiten aus "Vollmondlegenden - Das Geheimnis der Vampire"

Mit vier Jugendlichen tauchst du hier in die Welt der Vampire ein

Düster-gruselig wirkt schon das Äußere des Buches, das Auftakt für eine Serie zu sein scheint: „Vollmondlegenden“, Untertitel „Das Geheimnis der Vampire“: Stark in schwarz gehalten mit dunkelroter Schrift, nur die Buchstaben von Vollmond sind weiß; ebenso wie die Umrandung eines Kopfes, in dem sich die Schrift und die Gesichter von vier Kindern/Jugendlichen finden. Obendrein sind strahlen dir die Seiten des zugeklappten Buches rot entgegen.

Dabei startet das Buch noch gar nicht gruselig – im klassischen Sinn. In einem anderen durchaus. Felix, einer der vier jungen Protagonist:innen, erlebt ein unerträgliches Zuhause, Eltern die im Dauerstreit liegen, auch wenn sie sich bemühen, die verbalen Kämpfe nicht direkt vor Felix auszutragen. Aber unüberhörbar und vor allem dauernd spürbar.

Vier Kids auf Reifen und Rollen

Er so wie Mila, Emily und Daniel sind in ihrem Heimatort Eschenfeld meist auf Rädern bzw. Rollen unterwegs – Fahrräder bzw. Skateboard. Und alle vier lieben Gruselfilme. An Vollmond-Abenden treffen sie einander um bei Daniel, dessen Eltern ein luxuriöses Haus mit eigenem Kinozimmer besitzen, einen derartigen Film gemeinsam anzuschauen.

Foto einer der Doppelseiten aus
Foto einer der Doppelseiten aus „Vollmondlegenden – Das Geheimnis der Vampire“

Natürlich muss sich was abspielen, das darüber hinaus geht. Und so hat sich Autor Matthias Bauer einfallen lassen, dass die vier beim aktuellen Treff noch eine Runde spazieren gehen. Felix hat dabei den Eindruck, ein am Rande der Stadt auf einem Hügel stehendes – seit ewig unbewohntes – altes Haus hätte ihm lichtsignalmäßig zugezwinkert.

Mehr als Grusel

Hat es auch wirklich. Als ihre Runde daran vorbeiführt, werden sie sozusagen schon erwartet, landen in einer großen, spannenden Bibliothek. Mit einer sehr umfangreichen Sammlung über alle möglichen Spielarten von Vampiren und anderen Blutsaugern in verschiedensten Gegenden der Welt. Und die wird sozusagen lebendig. Sie rasen durch diese Welten, erleben, erzittern, schlottern vor Angst im alten Griechenland mit seinen Lamien, Empusen und Vrykolakas ebenso wie vor Baobhan-Sith in Schottland, Ghulen mit hundeähnlichen Gesichtern im alten Arabien, fledermausähnlichen Dämonen namens Baital-Pachisi und da wiederum besonders Rákshasas. Rumäniens Dracula darf natürlich nicht fehlen.

Foto der Seitenränder des Buches
Foto der Seitenränder des Buches „Vollmondlegenden – Das Geheimnis der Vampire“

Weltreise

So schafft es der Autor neben der Page-Turner-artigen Geschichte noch so manch Wissenswertes über Vampir-Mythen in verschiedenen Kulturen zu vermitteln; nur schade, dass an zwei Stellen (S. 57 und 73) Rumänien und Ungarn scheinbar in den „slawischen Raum“ eingemeindet worden sind – ein zu weit verbreitetes Missverständnis, dabei würde ja schon der Name Rumänien nahelegen, dass es sich um ein romanisch-sprachiges Land (wie Italien, Spanien, Frankreich…) handelt. Und Ungarn ist wiederum eine völlig andere (Sprach-)Kultur. Darauf vom Rezensenten angesprochen, pardon angeschrieben, meinte der Autor gegenüber KiJuKU: „Sie haben natürlich völlig recht. „aus dem slawischen und osteuropäischen Raum“ wäre sicher glücklicher formuliert gewesen…“

Herr Hoffmann und seine Tochter Leonore, die – offenbar nur zeitweisen – Bewohner:innen dieses Hauses wollen die vier jungen Jugendlichen aber nicht erschrecken. Sie beabsichtig(t)en – das deutet Leonore nach dem Besuch des Quartetts dem Vater gegenüber kurz an – einen praktischen Lehr-/Lern-Effekt.

Das Grauen kommt sehr nahe

Das stellt sich im zweiten Teil des Buches, der das letzte Drittel umfasst, heraus. Denn in Eschenfeld macht sich echtes Grauen breit: Der Hund des Pfarrers kommt auf seltsame Weise auf dem Friedhof ums Leben, bleibt blutleer liegen. Und es wird noch gruseliger, kommt ganz nahe auf die Felix und seine Freund:innen zu…

Nein, nein – da ist jetzt schon sehr viel aus dem spannenden, leicht zu lesenden, ja richtiggehend zu verschlingenden Buch, für das Chris Scheuer etliche düsteren, comicartigen Zeichnungen beigesteuert hat, verraten…
Verraten darf hier auch schon werden, dass dieses Buch der Auftakt zu einer geplanten Reihe ist.

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Szenenfoto aus "Diorama"

Wer hat die Sonne eckig geschnitten ;)

Eine Uralt-Theaterform erlebte sozusagen magische Auferstehung beim zwölften Schäxpir-Festival in Linz. „Hanafubuki‘“ aus Belgien gab der eigenen ca. halbstündigen Performance – mit anschließenden spielerischen Entdeckungsmöglichkeiten für Kinder – gleich den Titel diesr Form: „Diorama“.

In einer schier unendlichen hintereinander steckbaren Schattenkulissen-welten lassen Sari Veroustraete und Lies Vandeburie Karton-Tiere aus allen Ecken und Enden der Welt auftreten, -fliegen, -flattern und sich an ihrer Umgebung erfreuen. Und an der in wenigen Sätzen erzählten Geschichte (Text: Tiemen Hiemstra), nicht zuletzt an der auf- und untergehenden Sonne und ihrem gelben, orangefarbenen und roten Licht.

Was passiert dann?

Natürlich bleibt’s nicht dabei. Auch wenn sich das Miniaturgeschehen auf der kleinen Bühne mit den vielen Ebenen sowie den vielen von den Spielerinnen erzeugten Tönen und Klängen schon faszinierend ansieht und -hört, so braucht’s noch einen dramatischen Bogen. Und der ergibt sich, indem der Gruppe (Konzept: Hanne Holvoet, Sari Veroustraete und Samuel Baidoo) einfiel, dass sie eines Tages die Sonne als Quadrat aufgehen lässt. Was natürlich zur Verwunderung der tierischen Erdenbewohner:innen führt. Ihre Gedanken – samt Veränderung vieler Kulissenteile von rund auf eckig – bringen Spannung ins Spiel.

Denn, was folgt als Nächstes? Wird das Zentralgestirn unseres Planetensystems dann wieder rund am Firmament erscheinen?
Nun, da „Diorama“ nur an zwei Tagen in Linz gespielt wurde und die schon vorbei sind, kann es ja auch gleich verraten werden: Am Ende taucht sie als Dreieck – und das in der kleinen Bühnenmitte am Boden auf 😉

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Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für die ersten vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus "Experiment Monstaschule"

Hapschu, Monstaaa

Wurden kürzlich in Wien Schüler:innen einer Handelsakademie mit einer Merkur-Statue dafür belohnt, dass sie einen Escape-Room entwickelten, aus dem nur das gemeinsame Lösen schulischer Aufgaben den Weg zum Schlüssel der verschlossenen Türe freimachten – zu diesem Artikel geht es hier -, so wurde im Rahmen des Schäxpir-Festivals der Großteil einer ganzen Schule zum Escape-Room.

Das Tor des (Real-)Gymnasiums in der Fadingerstraße war zwar in „Experiment Monsterschule“ immer offen, aber Schlosskombinationen mussten eine ganze Reihe herausgefunden werden, um Licht, Wasser und CO2 (Kohlenstoffdioxid, das für die Photosynthese wichtig ist (Pflanzen wandeln dieses in den lebenswichtigen Sauerstoff um; im Übermaß aber beim Klimawandel eine zentrale Rolle spielt) für Plata Planeta aufzutreiben. Denn diese Art Mischwesen aus Pflanze, Mensch und Monster im dunklen EDV-Raum auf dessen Monitoren Blätter und Wassertropfen zu sehen waren, drohte zu vertrocknen – und damit letztlich die Lebensgrundlagen für alle Wesen.

Viele Aufgaben

In drei Gruppen – geführt von Monstaaa mit eigener Sprache, von der die Besucher:innen, die damit zu Mitspieler:innen des einstündigen Games wurden, einiges lernen konnten/ sollten /mussten – ging’s durch Physiksaal, Bibliothek und andere Räume der Schule nahe dem Linzer Ursulinenhof und O.K.-Platz (Offenes Kulturhaus). Beispielsweise waren im Physiksaal sowohl ein Planetensystem aufgebaut als auch das Periodensystem in Form von Karton-Quadern. Die zentralen chemischen Elemente der Sonne – Wasserstoff und Helium – gaben beispielsweise den Hinweis auf Ziffern bei einem Nummernschloss. Die richtige Farbkombination führte auf einem Keyboard zu Tönen, deren Buchstabenbezeichnung das Schloss einer Box (schuss auf Monstarisch) öffnete, in dem sich eine stilisierte, gebastelte Sonne – und damit das Licht – für Plata Planeta befand: Schlüssel heißt in der Kunstsprache kiki, und versperrt loca loca.

Kunstkollektiv + lokale Künstler:innen + Kinder

Die aus der Schweiz kommende Künstler:innen-Gruppe Futur2 brachte das Konzept für das szenische Spiel (Konzept, Gamedesign: Melisa Su Taşkıran; Konzept, Regie: Stephan Q. Eberhard; Szenografie: Marie-Isabel Vogel; Kostüme: Karolína Jansová; Theaterpädagogik: Milena Kaute) mit. Und obendrein die Sprachen (Schweizer-)Deutsch, Französisch, Türkisch, Englisch, Spanisch, Tschechisch, Albanisch, Polnisch und Moré (die größte Sprachgruppe in Burkina Faso).

Zehn Tag vor dem Theaterfestival für junges Publikum in Linz reisten die Genannten und dazu noch Antonio Ramón Luque, Sabahet Meta an. Hier bei „Schäxpir“, übrigens tatsächlich nach Gehör geschrieben, wie es etwa auch in den Sprachen Bosnisch und Serbisch der Fall ist, dort halt mit den Sonderzeichen (Glyphen): Vilijam Šekspir – entwickelten sie mit den lokalen (erwachsenen) Künstler:innen Leonie Jacobs und Leni Plöchl (Schauspiel), Shuting Wang (Tanz) sowie Yaxin Wang (Flöte) und den jüngeren Kolleg:innen, den Kindern Johanna Lef (Bibliothekarin), Malak Yousef (Kunstlehrerin), Natalie Hofmann (Direktorin – bei jener Vorstellung, die kijuku.at besucht hat) sowie bei anderen Vorstellungen Arthur Dorn-Fussenegger, Karina Pavelescu, Lea Cena, Simon Wallner, Victoria Auberger die Details des Spiels UND vor allem die Sprache „Monstarisch“ – mit einer eigenen Schrift – aus verdrehten Buchstaben des lateinischen Alphabets und Fantasie-Zeichen. Die Zuschauer:innen, die gleichzeitig ja Mitspieler:innen sind, bekommen eine „Übersetzungs“-Scheibe.

Von hapschu bis schgutsi

So steht „hapschu“ im Titel dieses Beitrages für „hallo“. Monster heißen übrigens „monstaaa“ mit drei a; drei f alleine stehen wiederum für Direktorin, in deren Rolle beim KiJuKu-Besuch Natalie Hofmann geschlüpft war. Die begrüßte nicht nur die Gäste auf den Treppen nach dem Schultor sondern hielt nach Lösen aller Rätsel und der wieder erblühten Plata Planeta (Melisa Su Taşkıran) alle Mitspielenden im Festsaal, dessen Boden fast zu einem Bällebad wurden, die kurze abschließende Rede – mit der Erkenntnis, dass so unterschiedliche Wesen wie Menschen und Monster offenbar zusammenarbeiten können. Und wenn dies gelinge, dann könne wohl alles erreicht werden!

Danke, pardon schgutsi, sowie natürlich Thank’s a lot, Merci beaucoup, Gracias, teşekkür ederim, Falemenderit, Dziękuję, Děkuji, Barka wusgo

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Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für die ersten vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus "Panzerschloss"

Panzerketten werden Blumen, Vögel, Kronenbögen

Zwischen der großen Außenrunde in der das Publikum auf Pölstern und manche dahinter auf Sesseln sitzen und einem acht-eckigen Kobel mit metallenen Querstreben bewegen sich zwei Tänzerinnen- Christine Maria Krenn und Jolanda Lülsdorf -, klauben mal da dann wieder dort schmale, biegsame Metallstreifen auf, ordnen sie neu an, beginnen damit zu spielen, basteln Gürtel, Schnäbel, Vogelflügeln, vieles mehr und einen Geigenbogen – just in dem Moment als die dritte im Bunde (Judith Koblmüller) tatsächlich einen Geigenbogen in dem Gefängnis oder Baumhaus (?) in der Mitte bedient und damit auf der Violine zu spielen anfängt.

Oje, was wird denn das?

Zu dieser sowie zu Musik aus einer Blockflöte verwandeln sich die Tänzerinnen in spielende Kinder, wobei Christine Maria Krenn, die auch für Regie und Choreografie verantwortlich ist, immer die Prinzessin spielen will – im Bilderbuch, auf dem dieses Stück basiert, heißt sie Lamia. Die andere darf höchstens Räuber sein, obwohl sie auch so gern einmal gekrönt wäre. Irgendwann biegen die beiden zwei Metallstreifen zu länglichen Ovalen und platzieren dazwischen eine lange runde Stange.

Da das Stück – so wie das Bilderbuch von Lisa Aigelsperger – „Panzerschloss“ heißt, liegt nahe, was das gebastelte Objekt darstellt. Nun schiebt die Musikerin aus ihrem „Bunker“ ein noch längeres Rohr über die Oberkante und zitiert aus dem Buch, das die Künstlerinnen sehr frei umsetzen konnten: „Ihr lieben Kinder, das hier macht BUMM BUMM, und dann fallen alle Um“ (Buchbesprechung am Ende des Beitrages verlinkt).

In der Stückentwicklung Workshops mit Kindern

Krieg. Bedrohung in wenigen, einfachen Mitteln dargestellt schon für sehr junge Kinder. Bedrohung von außen? Helfen da Zäune und Mauern? Also werden die Umsitzenden eingeladen, aufzustehen, eine menschliche Mauer zu bauen, gemeinsam aus den herumliegenden Metallteilen – es sind die Elemente von Rollos wie sie auch den „Bunker“, das Baumhaus (?) verbarrikadieren – eine Art Zaun zu bilden.

Aber kam nicht die Bedrohung von innen? Dort rollten doch die Panzer, aus dem Zentrum kam das ganz große Kanonenrohr. Und sind nicht die stilisierten „Soldat:innen“ aus den Metallgestellen für große Mistkübel auch von innen gekommen?

Diese sich szenisch aufdrängenden gar nicht ausgesprochene Fragen sowie aus dem Off eingespielte Gedanken von Kindern, die im Probenprozess in Theater-, Musik- und Bau-Workshops von den Bühnenkünstlerinnen eingebunden worden sind, und natürlich die Grundgeschichte des Bilderbuchs lassen aus dem Bunker, dessen Teile nun zu Toren werden, und dem Panzer ein Schloss werden, in dem gemeinsam gefeiert und gespielt wird. Gemeinsam lassen sich sozusagen Mauern und Zäune niederreißen und ein fröhliches Miteinander entstehen…

Variables Bühnenbild: Upcycling

Die Arbeit der Künstlerinnen mit den Kindern in den genannten Werkstätten führten nicht nur zu aufgenommenen und eingespielten Sagern über Regeln, Mitsprache und den Umgang der Menschen mit der Natur, sondern führte zu vielen Inspirationen für Szenen und nicht zuletzt auch Bühnenbild. Übrigens, die Metallstreifen – Lamellen der Rollos – stammen ebenso aus dem Gebäude der alten Linzer Kunstuni, sozusagen einem Abbruchhaus wie die feuerfest imprägnierten Vorhänge, die sowohl zu Umhängen für die Prinzessin als auch zu Soldatenröcken werden (Bühnenbau: Birgitta Kunsch). Die Rollos in den hölzernen Türrahmen des anfänglichen Bunkers ergeben somit variable Situationen: Blickdicht verschlossen, dann wieder wenigstens Blicke freigeben, die Kipp-Elemente in den Rahmen lassen die im ersten Teil verschanzte Musikerin später doch den Kontakt mit der Umgebung aufnehmen. Diese Lamellen sind aber auch die Elemente für die Prinzessinnen-Krone bzw. Blumen rund um das doch irgendwie auch heimelige Ambiente im Foyer des ersten Stocks im Linzer Musiktheater, wo „Panzerschloss“ beim Schäxpir-Theaterfestival für junges Publikum gespielt wurde/wird.

Wenngleich das Musiktheater bei Vermietung von Räumlichkeiten vielleicht darauf achten könnte, nicht zeitgleich im Stock darunter eine private Hochzeit einzubuchen, wo Jubel aufbrandet, während einen Stock drüber sich gerade eher ruhige Szenen abspielen.

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Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für die ersten vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus "Wald - ein interaktives Hörerlebnis"

Eintauchen ins Wood (!) Wide Web

Auf der Hinterbühne des Linzer Schauspielhauses Eintauchen in einen Wald samt „sprechender“ auch „weinender“ Bäume – das ermöglicht die rund einstündige Performance „Wald – ein interaktives Hörerlebnis“ von Diana Rojas-Feile aus der Schweiz (mit dem Weg vom Treffpunkt zum Performance-Ort und Schuhe-Ausziehen usw. ca. ¼ Stunde mehr. Und dafür hat sie natürlich keine Topfpflanzen in den Raum gestellt und ihnen Mikrophone umgehängt 😉

Dennoch kommt dir die Welt der Bäume vielleicht so nahe wie sonst „nur“ noch bei einem Ausflug in einen echten Wald. Mit Kopfhörern ausgestattet und in Überzieh-Socken wanderst du in dem – meist – sehr dunklen Raum nein, auch nicht auf einem aufgeschütteten Waldboden, sondern mit Ausnahme einer kleinen Kiesgrube über glatten Boden – entlang oranger Linien, die wiederum plüschige kleine Inselchen verbinden, sozusagen stilisiertes Moos (Raumkonzept, Kostüme & Licht: Theres Indermaur).

Fühl dich in einen Baum rein

Und du wirst zu einem der nun vielen Bäume, die entlang der genannten Linien miteinander vernetzt sind – im Wood Wide World. Mit Bewegungen, wenn der Wind durchs Gehölz rauscht, du mit anderen Bäumen in wortlosen Austausch trittst, Schmerzen empfindest…

Gedanken – von Kindern und von den professionellen Künstler:innen – live von Diana Rojas-Feile, von der die Texte stammen und die Regie führte, sowie von Victor Moser, der Musik und Sounddesign einbrachte, beide mitunter mit verzerrten Stimmen – fließen über deine Ohren in dein Gehirn. Gedanken, die mögliche Gefühle von Bäumen ausdrücken, die die meisten von uns in ihrer überheblichen westlich angeblich zivilisierten Welt kaum bis nicht wahrnehmen. Im Gegensatz zu Menschen, die sich viel mehr als Teil der Natur und des Universums fühlen. Und so hat die Stück-Autorin auch mit Indigenen aus dem brasilianischen Amazonas gesprochen und deren Sichtweisen einfließen lassen. Ohne die Performance auch nur im Geringsten ins Belehrende kippen zu lassen.

Die beiden Künstler:innen führen unter anderem mögliche Dialoge zwischen Mensch und Baum. Auf die Frage, wie es für Zweiteren ist, wenn Ersterer ein Blatt ausreißt: „Wie ist es für dich, wenn dir ein Haar ausgerissen wird?“ Beispielsweise.

„Eine westliche Frage“

Auf die Frage an die Indigenen aus dem Regenwald, ob sich die Natur vielleicht an der Menschheit rächen könnte, erntete die Stück-Autorin Unverständnis samt dem Sager, dies sei westliches Denken. Sie und jene Menschen, die im Einklang mit der Natur leben kennen solche Gedankengänge und Sichtweisen nicht: „Wir kennen diese Trennung, diese Widersprüche nicht – wir sind doch gleichwertige Teile des gemeinsamen Ganzen wie Bäume, Flüsse usw.“ Und selbst das kommt weder esoterisch noch belehrend daher – einfach ein bisschen den größeren Zusammenhang mehr beachten wird so „nebenbei“ vermittelt, eben Wood Wide World – so wie auch Bäume über ihre Wurzeln unter- und miteinander vernetzt sind 😉

Und dem Hinweis, dass die Natur, trotz Zerstörungen durch die Menschheit, sicher auch ohne Menschen leben können und werden. Umgekehrt hingegen nicht, noch dazu wo die Bäume sozusagen die (natürlichen) „Maschinen“ gegen den Klimawandel sind, wie die von Kindern und Jugendlichen vor mehr als 15 Jahren (2007) gegründete längst weltweite Initiative „Plant fort he Planet“ hinweist.

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Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für die ersten vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Szenenfoto aus "Elefanten in Blutadern"

Sich in die (eigene) Kindheit tanzen

In einem alten Haus am Linzer Pfarrplatz mit leicht abgefuckt, aber irgendwie heimelig wirkenden Wänden, dem sogenannten „Raumschiff“ führen sich Edith Buttingsrud Pedersen und Sarah Plattner im kleinen Performanceraum auf dem weißen Tanzboden mehr und mehr auf. Was sie mit zeitgenössischem, akrobatischem Tanz beginnen, lassen sie gekonnt, geplant und manches doch sehr improvisiert ausschauen lassend, in wildes Spiel „eskalieren“.

Wand

Der Titel der Performance „Elefanten in Blutadern“ deutet schon das Schräge, Ver-rückt-verspielte an. Beginnt Sarah Plattner bald nach dem Start – ineinander „verknotet“ – ihre Tanz-Kollegin Edith Buttingsrud Pedersen sozusagen an die Wand zu drücken, drängt sich das sprichwörtliche elterliche Diktum von „manchmal könnt ich dich an die Wand picken“ auf. Was die Vorab-Beschreibung ankündigt, dass die Performance sich um den Versuch dreht, als Erwachsene sich wenigstens einige Stückerln Kindheit zurückzuholen, „zaubern“ die beiden in der nicht ganz ¾-Stunde mit wenigen dosierten Sätzen auf die Tanzfläche.

Wind

Sarah Plattner erzählt, dass ihre Kollegin sozusagen in die Rolle einer Frau schlüpft, die ein Rabenmädchen war, das von allen bewundert wurde, sie sich aber beschloss, ein Wind zu werden. Und so spielen neben dem Tanz der beiden auch Ventilatoren immer wieder eine gewisse Rolle. Wie Wind beginnen daraufhin die beiden eng aneinander zu tanzen ohne einander direkt zu berühren, sondern wie ein Windhauch aneinander vorbei zu fliegen. In dieser Phase – so am Beginn des zweiten Drittels, agiert auch die Technikerin ähnlich und lässt ihre Finger berührungslos über die Regler „tanzen“.

Rutschpartie

Die Technikerin macht danach kurzfristig einen Schritt auf die Bühne, um einen Zahnputzbecher zu reichen. Die Kinder werden sozusagen schlafen geschickt – und beginnen beim Zähneputzen damit ausgedehnt zu spielen, die Zahnpasta als Mittel zu nutzen, um sich Bärtchen und anderes zu schminken. In den letzten Minuten spielen die beiden mit bunten Wackelpuddings, „bauen“ daraus samt Wasser eine Art Rutschbahn, auf der die zuvor eher den zurückhaltenderen Part tanzende Sarah Plattner ärgstens ausgelassen dahinschlittert. Die beiden sind spätestens in diesen Momenten zu wilden Kindern geworden.

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Szenenfoto aus „From Zero to Zack Prack! Oder heroisch in die Katastrophe“

Bringen’s Superheld:innen und braucht es solche?

Mit sehr vielen Wortspielen, Anspielungen auf Held:innen und extrem viel Spielfreude rocken Sarah Baum, Julia Frisch, Stefan Parzer, Felix Rank als (selbst-)ironische Held:innen die Bühne des Linzer Theaters Phönix in „From Zero to Zack Prack! Oder heroisch in die Katastrophe“. Zwei der vier Schauspieler:innen – Julia Frisch, Stefan Parzer – und dazu die Regisseurin Stefanie Altenhofer haben das lust- und kraftvolle Stück geschrieben, in dem die tickende Bombe entschärft werden soll/muss. Wer auch immer sie in Händen hält, gibt sie jedoch möglichst schleunigst weiter…

Also braucht es mindestens eine Heldin oder einen Helden. Die vier Bühnenfiguren wissen jede und jeder die besten Argumente dafür, warum gerade sie/er es jeweils genau nicht sein kann. Also her mit so richtigen Heroes 😉 In parodierten Super-, Spider- und sonst welchen (Wo-)Man-Kostümen erleben wir in den darauffolgenden Szenen A, Y, V und Q – Angstman, die superschlaue Doktorin Wy oder Why (?), also nur für den englischen Buchstaben Ypsilon oder doch gleich für warum auf Englisch?, die Frau mit Visionen und den super Quick (schnell)-Man. Tollpatschigkeit scheint deren zweiter Vorname zu sein. Und so spielt das Quartett verschiedenste Held:innen-Mythen ins Lächerliche.

Powermittelchen, Einheitsbrei…

Dann wiederum verwandeln sich der Reihe nach alle in Ebenbildern eines von ihnen. Aber egal ob mit oder ohne aufputschende Mittelchen – natürlich können sie allesamt weder Erde noch das Multiversum (und da ist sicher nicht das gleichnamige Veranstaltungszentrum in Schwechat mit all seinen mysteriösen Finanzgeschichten gemeint) retten…

Es kommt sozusagen auf vielfältige Held:innen des Alltags und ihr möglichstes Zusammenwirken an, um – und so weiter. Womit „From Zero to Zack Prack!” sich einreiht in jene „magischen“ Geschichten, die lustvoll und spielfreudig die wichtigen vor der Menschheit stehenden Troubles anspielen und nie auch nur als „Lehrstück“ oder mit erhobenem (pädagogischen) Zeigefinger daherkommen. Denn wie schon vor mehr als einem Vierteljahrhundert der damalige Direktor des Theaters der Jugend (Reinhard Urbach) vielfach sagte und schrieb: Wer Jugendlichen mit dem Zeigefinger komme, brauche sich nicht wundern, wenn sie den Mittelfinger als Antwort bekommen.

Gebärdensprache

„From Zero to Zack Prack!” bietet ein zusätzliches Goodie: Vorstellungen dieses Stücks werden live, analog und simultan in Österreichische Gebärdensprache mit Einsprengseln im oberösterreichischen Dialekt übersetzt. Vom Publikum aus gesehen links neben der Bühne steht Pam Eden, die bilingual – Laut- und österreichische Gebärdensprache -, die gesprochene, gerufene, geschriene Texte mit ihren Händen gebärdet, womit auch gehörlose Zuschauer:innen diese fulminante Aufführung miterleben können.

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Szenenfoto aus "Do the Calimero"

Musst du wer anderer werden, um die Welt zu retten?

Großartig sein wollen und draufkommen, dass da vielleicht doch nicht alles so hinhaut? Eigen- und Fremdbild möglicherweise nicht übereinstimmen? Oder gern wer anderer sein wollen -von Jean Paul Sartre über John Lennon bis zur Dorothy im Zauberer von Oz…

Na wenn schon, dann Fasching – da schlüpfen doch viele organisiert in Kostüme und/oder Rollen anderer! Tun sie auch im Theater. Warum nicht beides verbinden 😉

Die Musiker Dag Taeldeman und Andrew Van Ostade sowie die Schauspieler:innen Marjan De Schutter, Olga Kunicka, Mick Galliot Fabré und Amalia Daems Keereman von LOD muziektheater & hetpaleis und dazu noch die beiden Tänzerinnen Doris und Nathalie Bokongo Nkumu (Les Mybalés) aus Belgien mischten mit „Do the Calimero“ am Abend der Eröffnung in zwei Stunden die Bühne – und den Saal auf. Irritierten auch so manche im Publikum. Hatten allerdings bereits zu Beginn mit Einblendungen getriggert, dass ihre Aufführung kein „safe space“ werden würde.

Hochschaubahn der Gefühle

Von ruhigeren Momenten, in denen die Gehirne auf Hochtouren geschaltet werden mussten, um den gedanklichen Wendungen folgen zu können bis zu explosiv-chaotischen grellbunten Sequenzen, die ein Loslassen auslösten, spannte sich der Bogen des interdisziplinären, vielfältigen Auftritts der genannten Künstler:innen. Darunter ein kein 10-jähriges Mädchen, das dunkle Gedanken rund um Tod ins Mikro sagte – auf Flämisch (Übertitel auf Englisch und Deutsch), ließ den Atem stocken. Denn die fulminante Show war trotz ihres Karnevals-Settings ernsten Themen gewidmet – wie viele Stücke beim aktuellen Schäxpir-Festival in Linz unter dem Titel „magic“ zentrale Fragen, vielmehr Probleme der Menschheit und der möglichen Rettung der Welt auf vielfältigste, fast nie schwere Art und Weise aufgreifen, ansprechen, spielerisch be- und verarbeiten.
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Gestelltes Vorab-Foto zu "Putsch"

Du wirst Praktikant:in mit sinnentleertem Job

Handy abgeben, eine seltsame gelbe – schwere – Krawatte (in ihr ist Elektronik versteckt) um den Hals gebunden, nach einem Fake-Sehtest mit verschwommenen Buchstaben auf einem Tablet gelbliche Brillen übergestülpt und Kopfhörer aufgesetzt. So doch ein wenig eigenartig adjustiert, wandern an den Schäxpir-Festivaltagen Besucher:innen durch Gänge des Büros der Kulturdirektion des Landes Oberösterreich. Übrigens nicht am Wochenende, denn die Büros sind nicht „nur“ Kulisse oder Ambiente. Die echt hier Beschäftigten verrichten ihren Job trotz dieser wahrscheinlich irritierenden „Störungen“. Die Besucher:innen des „immersiven Theatergames“ mit dem Titel „Putsch“ schlüpfen in die Rollen von „Praktikant:innen“.

Stumpfsinnige Aufträge

Und führen Aufträge aus, die sie via Kopfhörer oder analog direkt von Mitspieler:innen – Profis bzw. Laiendarsteller:innen – erhalten. Sinnlose, langweilige Jobs: Stempeln vieler zerschnittener, bedruckter Seiten, Kartons von A nach B tragen, Mitarbeiter:innen da oder dort sagen, dass sie mit ihrem Auto den Parkplatz der Chefin/des Chefs verstellen. Und dabei die Antwort kriegen, dass die „Beschuldigten“ in Wahrheit mit dem Fahrrad anreisen…

Hin und wieder „träufeln“ eher poesievolle Sätze über eintönige Arbeit über die Kopfhörer in die Ohren und damit ins Hirn. „Ich kann mich denken hören“ wollen die Sätze vermitteln. So manch andere Sätze aber auch Szenen bedienen eher überkommene Klischees über (Nicht-)Arbeit von „Beamt:innen“. Wobei so manch Praktikant:innen in verschiedenen Einrichtungen und Unternehmen oft mit wenig befriedigenden Aufgaben beauftragt werden. Und Bezahlung gibt’s mitunter nicht einmal für schulische Pflicht-Praktika – im wirklichen österreichischen Leben.

Gegen‘s Schreddern der Feedback-Bögen

Im Gegensatz zu den bisherigen Theaterspielen („Part of the Game Game“ und „Spaze Maze Game“) der Gruppe „Das Planetenparty Prinzip“ – diesmal in Kooperation mit Landestheater Linz, Schäxpir, La Strada Graz – halten sich hier die aktivierenden Elemente in recht engen Grenzen – und könnten daher auch doch deutlich kürzer sind als gut zwei Stunden. Selbst der Bogen zum Stücktitel ist eng vorgegeben. Ließe sich vielleicht vermuten, dass sich die besuchenden Mitspieler:innen selber aktivieren (können) und den Aufstand gegen die sinnlosen, öden Arbeiten wagen, anzetteln, wird von den jeweiligen Spielleiter:innen in starren Bahnen angeleiert und endet „nur“ darin, Kuchen nicht nur für der Chefin/des Chefs Geburtstag zu fordern.

Immerhin aber wird dagegen protestiert, dass die Boss:innen zuvor das Schreddern der immer wieder eingeworfenen Feedback-Bögen angeordnet hatten. Kein Job ohne Feedback!, lautet sinngemäß die Forderung. Da wär aber noch ein wenig mehr drin 😉

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Blicke in die "Men in Trouble"-Film-Installation

Rosa Videos schauen im Pink-Salon

In a pink, pink World kannst du an vielen Stunden beim Festivalzentrum auf dem OK-Platz eintauchen: rosa Wände, ebensolcher Teppichboden und obendrein noch die passenden Sitz-Pölster (Installation: Katharina Pia Schütz und Jovana Reisinger) auf denen du dich vor insgesamt sechs Monitoren niederlassen oder gemütlich einrichten kannst. Die sechs – jeweils rund 15-minütigen – Epsioden lassen da fast die Grenzen verschwimmen. Denn im nämlichen Ambiente – Vorhänge, Stiegengeländer und ihre Kleidung empfängt die Moderatorin – „irgendeine Frau“ (Julia Riedler) ihre Talk-Gäst:innen.

Auf leicht amüsant-süffisante Weise bespricht sie in der (Video-)Installation die Themen Glück, Geld, Schönheit, Liebe, Sex, Glaube.

Weshalb die Filme von Jovana Reisinger „Men in Trouble“ heißen erschließt sich dabei nicht wirklich. Wie und was bei den Themen verhandelt wird sind – oft mit einem ironischen (Unter-)Ton Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, die das Patriarchat zwischen unterschiedlichen Gruppen, nicht zuletzt den Geschlechtern, schafft. Also wenn, dann schon eher: Men make Troubles.

Der Titel selbst wird lediglich in einer der sechs Talk-Episoden thematisiert, wenn Mann 1 – so wie die Moderatorin namenlos bleibt, so kriegen die Gäst:innen nur Nummern – ein Lamento loslässt, dass er sich unglücklich fühlt, weil Frauen nicht mehr so untertan sind wie es seine Mutter noch war.

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Szenenfoto aus "Die Konferenz der Tiere" im Theater des Kindes /Linz

Magische Tiere kämpfen um (nicht nur) ihr Überleben

Die 86. Konferenz ist ergebnislos zu Ende gegangen, viel Papier. Wichtiges Papier. Das muss aufgehoben werden. Per Rohrpost landen die Unterlagen im Keller, wo ein, nein das wichtigste Archiv untergebracht ist. Die drei Archivar:innen haben es eigentlich satt. Wofür müssen sie das zu Papier gebrachte Geschwätz sortieren und aufheben, wenn die Politiker:innen, die sich zu den Konferenzen treffen, ohnehin nichts am Zustand der Welt zum Besseren verändern.

Kästner + Fridays For Future

In diesem Setting beginnt die aktualisierte Fassung von „Die Konferenz der Tiere“ im Linzer Theater des Kindes, die am Vormittag des zweiten Schäxpir-Festivaltages umjubelte Premiere feierte. Frei nach – und erschreckend sehr ähnlich Erich Kästners Klassiker aus dem Jahre 1949. Damals ging’s – wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg – um Frieden. Denn trotz der schrecklichen Erfahrungen gab’s weiter in verschiedenen Ecken und Enden der Welt Kriege sowie einen enormen Rüstungswettlauf. Kästners „Trick“: Die Tiere der Welt berufen eine eigene Konferenz ein, richten Forderungen an die Menschheit. Und weil die nicht draufeingeht, verkriechen sich alle Kinder der Welt. Erst dann …

Zauberhaft fantsievoll

„Natür“lich geht’s heute neben Krieg ebenso um die Zerstörung der Umwelt und die Abschaffung von (Kinder-)Armut. Am Plott selber, ja sogar an vielen Textpassagen musste nicht sehr viel geändert werden. Was die Inszenierung in Linz – Regie & Raumkonzept: Henry Mason – so spannend macht sind vor allem die „Figuren“, Kulissen, Objekte bis ins kleinste Detail von Rebekah Wild und das blitzschnell sich verwandelnde Schauspiel von Simone Neumayr, David Baldessari (der auch die Musik beisteuert) und Katharina Schraml in den Kostümen von Anna Katharina Jaritz.

Da wird ein aufgeklappter alter Aktenordner zu den Ohren der Elefantin Oli, zwei Hälften eines alten Telefonhörers zu Ohren der Giraffe Yuki und ein zackig gefalteter Maßstab eine Löwenmähne, auch wenn diese sich Luana, eine Löwin aufsetzt 😉 Rebekah Wild hat so fast unendlich viele Details in das Archiv-Ambiente eingebaut, dass wahrscheinlich fünf Besuche der Vorstellung nicht ausreichen würden, um die zauberhaften fantasievollen tierischen und anderen Anspielungen alle entdeckt zu haben. Ein Locher wird Frosch, eine Klebeband-halterung mit Abriss-Vorrichtung zur Schnecke, die über ein schmales ausgezogenes Maßband kriecht, der Vogel Strauß steckt seinen Spagatknäuel-Kopf in den Mistkübel und lässt einen Staubwedel als Schwanzfedern in die Höhe recken…

Flugscham

In die Anreisen der Tiere bauen die Schauspieler:innen Aktuelles in ihre Texte ein – aus Umweltgründen eher nicht mit dem Flugzeug, lieber mit einem Wal. Klarerweise schrumpft der Eisberg, mit dem der Eisbär anschwimmt – seine Rettung erfolgt mit einem fliegenden Teppich.

So viel Zeit ist nicht mehr

Und wie bei Kästner erwecken die Forderungen der Tiere bei den Menschen wenig Eindruck, nicht einmal als die Motten die Uniformen der Konferenzteilnehmer:innen und Militärs auffressen. „Wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“ – diesen Spruch der Fridays For Future-Bewegen borgt sich das Theater des Kindes aus – doch selbst das lauteste Rufen, Schreien, Kreischen der Kinder im Publikum lässt die Menschen-Konferenz’ler:innen nicht umdenken. Also doch der letzte Ausweg à la Erich Kästner: Alle Kinder verschwinden. Immerhin ist sogar Weltpräsident Ärgerhuber, pardon Zornmüller, Vater…

Wird es noch einmal 74 dauern, bis die Menschheit notwenigem Umdenken auch entsprechendes Handeln folgen lässt? So viel Zeit ist nicht mehr!

Aktualisierung

Übrigens praktisch zeitgleich mit dieser Version von „Die Konferenz der Tiere“ im Linzer Theater des Kindes blockierten Klimaaktivist:innen in Tirol die Brenner-Autobahn!

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Compliance-Hinweise: Das Festival Schäxpir hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für die ersten vier Tage dieses Theaterfestivals für junges Publikum nach Linz eingeladen.

Festivaleröffnung mit der Artistin Sophie Duncan und Moderatorin Nora Jacobs alias "Starlet"

Bühnen-Magie mit Selbstironie

Als Möchtegern-Zauberin mit perfekt eingebauten Ungeschicklichkeiten und einer gehörigen Portion Selbstironie sorgte Nora Jacobs, die Moderatorin des Auftakts zum zwölften „Schäxpir“ – Theaterfestival für junges Publikum in Linz für Schmunzeln bis Lachen und ein wenig Verunsicherung bei einigen ihrer Interviewpartner:innen auf der Bühne – außer den drei Festivalleiterinnen Julia Ransmayr, Sara Ostertag und Anja Lang. Den eigentlichen Auftakt-Act lieferte jedoch Sophie Duncan als Aerial Pole – artistische Kunststücke, die aus Zirkussen bekannt, dort aber meist an Seilen oder Tüchern ausgeführt werden, vollführte sie an einer Stange. Das sollte ein wenig und auf eher ungewohnte Art für das Theaterfestival das Motto des diesjährigen Festivals „magic – die Geschichte der Geschichten“ sinnlich erfahrbar machen.

Bis 24. Juni 2023 stehen zweieinhalb Dutzend verschiedene und recht unterschiedliche Produktionen mit rund 300 beteiligten Künstler:innen aus elf Ländern auf dem Programm des Festivals – in Theatern und anderen Spielorten. Compliance-Hinweise: Das Festival hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… für die ersten vier Tage eingeladen – alle Stücke dieser Tage werden hier gefeatured.

Moderatorin
Moderatorin „Starlet“ (Nora Jacobs) im Gespräch mit den Festivalleiterinnen Sara Ostertag, Anja Lang und Julia Ransmayr

Das wirkliche Eröffnungsstück „Do the Calimero“ von LOD muziektheater & hetpaleis aus Belgien, eine Koproduktion mit dem Festival, das zwischen stillen, sehr persönlich-berührenden, offenherzigen Momenten und wildem choreografiertem Chaos pendelt, ist – wie alle folgenden Stücke – jeweils in einem eigenen Beitrage beschrieben – Links folgen laufend unten; außerdem Links zu Stückbesprechungen, die KiJuKU schon vorher andernorts gesehen hat.

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Schon andernorts gesehen

Beim Theaterfestival Schäxpir werden auch einige Stücke gezeigt, über die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schon anlässlich früherer Aufführungen andernorts geschrieben hat, hier die Links

The Milky Way

Rangeln

Hexen

Iwein

Mein AllesaufderWelt

Rosa – Ersatz für einige der ausgefallenen Termine von dÄmonen

Szenenfoto aus "Eulenspiegel Till Freedom"

Wenn Narreteien zum befreiten Aufspielen animieren

Hinter bzw. zwischen sieben senkrechten Bannern kriechen, hopsen, springen sieben Schauspieler:innen irgendwie hervor – und folgen einem zuvor mitten auf die Bühne geschmissenem weißen Styroporkopf, streiten sich um diesen. Immer ist der Kopf irgendwie präsent. Ist er aus einer der 96 vor 500 Jahren aufgeschriebenen „Historien, die besagen, wie Eulenspiegel…“ dies, das und jenes ausgeheckt hat? Vielleicht aus der 31. Episode, in welcher der „Narr“, „Schalk“ – mitunter auch Gauner genannte – berühmte Till (Dil, Dyl) mit einem Totenkopf durch die Lande zog, um den „Gläubigen“ Geld aus der Tasche zog, dafür, dass sie die „Reliquie“ berühren durften.

Befreites Aufspielen

Viele seiner Narrenstücke ranken sich darum, wie er mit Schmäh und Tricks zu Geld gekommen sein soll. Und einige davon – und andere – spielen, tanzen und turnen sieben Studierende des zweiten Schauspieljahrgangs der MuK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) derzeit im Dschungel Wien „Eulenspiegel Till Freedom“ (Regie: Frank Panhans, Choreografie: Sunčica Bandić, Akrobatik: André Reitter, Kostüme: Anna Schall). Befreit und verspielt spielen sie lust- und kraftvoll auf, bringen das Publikum oftmals zum Lachen – und hin und wieder zum Innehalten. Oder auch zum Staunen darüber, dass aus ganz anderen Geschichten bekannte „Streiche“ viel älter sind, schon von Till Eulenspiegel angewandt wurden und nicht erst von „Max & Moritz“ (Wilhelm Busch) etwa die Brotstückern an Fäden, mit denen die Hühner sekkiert werden (8. Historie Tills).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Eulenspiegel Till Freedom“

Tills unsichtbare Bilder 😉

Oder wenn er anbietet, eine weiße Wand so kunstvoll zu bemalen wie es davor noch nie wer gekonnt hat. Das Gemälde würde allerdings nur von wirklichen Kunstkenner:innen gesehen  – im Original ist die Rede, pardon Schreibe davon, dass nur ehelich Geborene es sehen 😉 Erinnert doch stark an Hans Christian Andersen „Des Kaisers neue Kleider“.

Von diesen Geschichten inspiriert dachten sich Elias Eisold, Amrito Geiser, Samira Kossebau, Fabia Matuschek, Minou Mehdizadeh-Baghbani, Paula Carbonell Spörk, Laetitia Toursarkissian und dazu noch als Achter im Bunde Fabian Cabak, der allerdings kurz vor den Aufführungen erkrankt ausfiel, und die anderen seine Parts mitübernahmen, neue „Streiche“ aus, von denen so manche um Werbung kreisten – von Produkten, die gegen jedwedes leiden helfen und alles Glück der Welt versprechen. So manche könnte sozusagen von einem heutigen Till – nicht dem, der derzeit dauerpräsent ist – stammen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Eulenspiegel Till Freedom“

Arbeit?!

Eine der ersten Episoden, die die Studierenden spielen ist jene, in denen Eulenspiegel sich an die Menge wendet und sie auffordert, ihre Schuhe wegzuwerfen. Kaum macht er das mit Nachdruck, schon folgen die Bürger:innen – und geraten beim nachfolgenden Versuch, sich ihre Fußbekleidungen wieder zu holen in furchtbaren Streit. Worauf er ihnen verklickert, er hoffe, das sei ihnen vielleicht eine Lehre, nicht immer zu tun, was aufgetragen wird. Und so hält Till Eulenspiegel auch dem „gemeinen Volk“ den Spiegel vor, sagt nicht nur – wie Hofnarren – Herrschenden zu deren Amüsement die Wahrheit. Und wurde vielleicht deswegen immer auch als Verbrecher diffamiert?

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Eulenspiegel Till Freedom“

Sein Freigeistsein nehmen die angehenden Schauspiel-Student:innen auch zum Anlass, um Gedanken und Diskussionen über Arbeit und Freizeit anzustoßen. Das Thema aus dem verspielten Stücktitel findet gegen Ende der Stunde in der Rezitation von Georg Danzers Songtext „Die Freiheit“ mit dem Ausflug in den Zoo mit seinem leeren Gehege einen Höhepunkt, der auch gut ein Abschluss sein hätte können:
„Ich sehe nichts, der Käfig ist doch leer
Das ist ja gerade, sagte er, der Gag
Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg
Die Freiheit ist ein wundersames Tier
Und manche Menschen haben Angst vor ihr
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein
Denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Eulenspiegel Till Freedom“

Historisches

„Narren“ – pendeln zwischen Dummheit, Betrug und Freigeist. Viele Geschichten ranken sich um einen der berühmtesten – zumindest im mitteleuropäischen Raum: Till Eulenspiegel. Vieles deutet darauf hin, dass es eine Figur in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gegeben hat, auf die einige der erzählten Geschichten zurückgehen. Wie auch immer, aus dem ersten Fünftel des 16. Jahrhunderts stammt von Hermann Bote die Sammlung der 96 Streiche – 150 unter dem Titel „Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel geboren uß dem Land zu Brunßwick, wie er sein leben vollbracht hat“ (laut Wikipedia). Und sollte zum Bestseller werden. Allein in dem besagten Jahrhundert gab es 35 weitere Ausgaben.

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Der Flaschen- sowie der Dosen-Clip

Mach deine Flasche oder Dose zu – mit tragbaren Dosen- und Flaschen-Clips

Wenn’s warm ist und du ein Getränk, noch dazu ein süßes, im Freien nicht auf einen Sitz austrinken willst, gibt’s nicht selten das Problem: Auf einmal austrinken oder ständig die Sorge, dass vielleicht ein Insekt in die offene Flasche, so sie keinen Schraubverschluss hat, vor allem aber in die geöffnete Dose fliegt. Oder was anderes.

Unter dem Verschluss einhängen und drehen ...
Unter dem Verschluss einhängen und drehen …

Für beides gibt es einfache, transportable Abhilfe, die die einfach in den Hosensack, ein Schlüsseltascherl oder ähnliches einstecken und immer bei dir haben kannst. Im Finale des diesjährigen Junior-Firmen-Wettbewerbs gewannen Lena Malzner, Ismar Selimović, Pia Gassenbauer, Hannes Ferstl, Emma Laßl und Jasmina Kajtazović aus der HTL Vöcklabruck mit Clip ’N Sip, dem temporären, mobilen Dosenverschluss (à 2,99 €) den Sonderpreis Innovation und belegten in der Gesamtwertung der 457 Schüler:innen-Firmen dieses Jahr den dritten Platz.

Sie hatten dazu eine eigene Spritzgussform in der schuleigenen Werkstatt hergestellt – mehr dazu in diesem Überblicksartikel hier

Für Flaschen

Schon im Vorjahr hatte ein professionelles Unternehmen für Flaschen – mit und ohne Gewinde, ob aus Glas oder PET mit kleiner Öffnung – den patentierten eigenen Verschluss – wenn die Flasche keine Drehkappe (mehr) hat – auf den Markt gebracht „Billy the Clip“ öffnet sich (meist) beim An-den-Mund-Führen selbst und schließt sich dank des Gewichts (eine Metallkugel) am Ende beim Absetzen wieder – meistens 😉

Diese Clips gibt es in 5er-Sets (16,99 €) in verschiedenen Farben – und mit Stickern zum Aufkleben – auch um Getränkeflaschen sozusagen zu kennzeichnen und nicht zu verwechseln.

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clipnsip -> shop

Billy the Clip

Doppelseite aus "Die Hochhaus-Detektive"

MIA – Mesut, Isha und Anton – die neuen Jung-Detektiv:innen

„Heute war Freitag, 33. Tag der Sommerferien … und mittlerweile kam Anton jeder Ferientag vor wie einer dieser runden, bunten Kaugummis … Am Anfang dachte man noch: lecker! Aber dann schmeckten sie einfach nur öde und langweilig.“

So steht’s in der Mitte von Seite 2 des Kinderromans „Die Hochhausdetektive“. Auch wann die Autorin Johanna Lindemann im obigen Zitat fad sozusagen gleich einmal verdoppeln muss, werden die restlichen Ferientage natürlich alles andere als das. Eh kloar!

Schluss mit fad

Der Trick viele Kinder- und/oder Jugendbücher mit der gleichen Thematik – meist allerdings schon zu Beginn der Ferien: Neue Spielgefährt:innen tauchen auf. In dem Fall ist es Isha, die neu in dieses Stadtviertel zieht, eine Ansammlung hoher und noch höherer Häuser meist von Familien mit geringem Einkommen. Und bei vielen anderen in der Stadt – und den Medien – irgendwie verrucht, sozusagen „sozialer Brennpunkt“. Und dann gibt’s a noch Mesut, den langjährigen Mitbewohner Antons in dieser Wohnsiedlung, den aber bisher meist als Art „babysch“ abgetan hat, weil der – um rund ein Jahr jünger ist.

Die drei finden dennoch zueinander und werden zu einer verschworenen Detektiv-gemeinschaft – wie ja schon der Titel des Buches vermuten lässt 😉

Zufällig entdeckt

Und das kam zufällig: Anton zockt gern Detektivspiel am Computer oder Handy und hat die Idee, am Dach des Hochhauses ein Detektivbüro einzurichten. Mesut bringt das heimlich ausgeborgte Fernglas seines Opas mit – und sie beobachten zufällig, naja nicht ganz, die Autorin hat sich’s ja so ausgedacht, einen Trickdieb in einem der Reichen-Häuser beim Park in der Nähe.

Aber der Polizei wollen sie nix sagen, sie möchten natürlich den Fall alleine lösen – was zwischendurch zu Problemen führt – immerhin sollen ja 180 Seiten spannend mit Auf und Abs gefüllt werden 😉

Doppelseite aus
Erste Doppelseite aus „Die Hochhaus-Detektive“ mit Charakterisierung der drei Hauptfiguren und Inhaltsverzeichnis

So „nebenbei“

In die Krimigeschichte verpackt die Autorin immer wieder auch das Thema Vorurteile – nicht nur die Polizei verdächtigt den vorbestraften Bruder Mesuts, der mögliche Dieb zu sein, die Nichte der bestohlenen findet sowieso alle „Ausländer“ suspekt und die Kinder-Detektiv:innen sowieso. Aber auch soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten kommen eingebettet in die – mit einigen Zeichnungen von Elli Bruder aufgelockerte – Geschichte. Die beiden genannten Themen wirken jedoch nicht verkrampft und aufgesetzt, sondern kommen so „beiläufig“ eingestreut daher.

Stärken und Schwächen

Obendrein hat Lindemann das Trio so „gebaut“, dass jede und jeder von den drei Kindern etliche Stärken, aber auch Schwächen, hat und sie einander – trotz mancher Wickel – im Wesentlichen positiv motivieren und vor allem letztlich immer wieder zusammenhalten.

Isha ist ein viellesendes, logik-kombinierendes Super-Hirn, Anton ein Internet-Auskenner und genialer Bastler und Mesut neben seinen Schachkenntnissen ein überzeugender Schauspieler im Alltag, der bald wen überzeugen kann.

42 😉

Die Autorin dürfte auch noch etwas in den sehr flott zu lesenden Roman, sozusagen einen Page-Turner, das bei Computerprogrammen Easter-Egg genannt wird, einen kleinen Gag am Rande – der sicher eher für erwachsene Leser:innen gedacht ist: Die Hochhausdetektiv:innen nennen sich HD 42 – nach der Hausnummer. Die hat sich natürlich die Autorin ausgedacht. Und 42 ist die Antwort auf alle Fragen des Lebens nach der Romanreihe „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams.

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Titelseite des Kinderromans
Titelseite des Kinderromans „Die Hochhaus-Detektive“
Die Puppen des "Spaziergangs III" mit einer ihrer Schöpfer:innen und Spielerin

Triff Hedy Lamarr, Nikola Tesla und andere, die ihrer Zeit voraus waren

Vorhersagen sind immer ungewiss, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. So oder ähnlich lautet ein häufiges Zitat. Und da traut sich das Wiener Schubert Theater „DAS Figurentheater für Erwachsene in Wien“ den aktuellen – mittlerweile dritten – Spaziergang für die Figur „Der Zeit voraus“ nennen. Mit einem Augenzwinkern – ohne das (falsche) Zitat, dass in Wien alles später stattfindet und daher im Falle eines Weltuntergangs dies der beste Zufluchtsort wäre, direkt zu nennen.

Aber es gibt diese Typ:innen, die ihrer Zeit voraus sind. Zu ihrer Zeit vielleicht als Spinner:innen abgetan, waren sie es. Und solcher nehmen sich die Künstler:innen in dem Fall an. Manche von ihnen sind heute einigermaßen bekannt, andere noch immer zu wenig. Oder nicht immer für ihre schlauen Erkenntnisse.

Vom Theater in den Park

Das gilt vor allem für Hedy Lamarr, die noch (fast) immer mit dem Sager über ihr Aussehen vorgestellt wird – und nicht für ihre technische Erfindung, u.a. der Funkfernsteuerung. Sie als Puppe, gebaut von Kai-Anne Schuhmacher und geführt von Soffi Povo beginnt das Stationentheater in den Publikusmreihen sitzend nicht zuletzt mit dem Wort- und Gedankenspiel, dass sie sich oft vorkam als würde sie wie eine Puppe behandelt 😉 Ihr ist übrigens in diesem Theater immer wieder ein ganzes abendfüllendes Programm gewidmet.

Schauspieler Markus-Peter Gössler, der den Guide bei diesem nicht ganz 1 ½-stündigen Spaziergang (Text & Regie: Simon Meusburger und Lisa Zingerle von der auch das Konzept stammt und die das Projekt leitet) gibt, führt danach aus dem Hof des Theaters hinüber in den Arne-Karlsson-Park wo Angelo Konzett mit der Oberkörperpuppe von Nikola Tesla auf einem Hügelchen wartet. Der vielfache Erfinder vor allem im Bereich der Elektrotechnik (fast 300 Patente), der acht Sprachen beherrschte, galt lange Zeit auch als verschroben und dürfte tatsächlich auch bedenkenswerte Ansichten in Bezug auf „Züchtung“ nur schlauer Menschen gehabt haben.

Fun Fact: Die MA48, die auf ihren Mistkübeln so manch witzige Sprüche klebt, hat jenen beim Park-Eingang gegenüber dem Schuberttheater mit „Schwarzes Loch sucht Restmaterie“ gepickt 😉

Reale und virtuelle (Puppen-)Köpfe

Der Weg führt zurück in die Höfe des Hauses in dem das Theater liegt. In der letzten Ecke dreht sich der Kopf von „Nexus 3“, einer der Figuren aus dem Stück „Bladerunner – Das Märchen Mensch“ nach dem Roman des Science-Fiction-Autors Philip K. Dick, der darin auch anspricht, dass die Menschen ihren, also unseren, Planeten mehr oder minder unbewohnbar machen.

Im Hof davor müssen – selten in einem Theater – alle möglichst ihre SmartPhones zücken, einen QR-Code scannen und einen VR-Viewer (App zum Betrachten Virtueller Realitys), um den digitalen Kopf von Aaron Swartz zu sehen, in diesen hineinzuschlüpfen. Über ihn gibt es seit ein paar Manaten einiges im digitalen Puppenmuseum des Theaters wo in „Insight:Aaron Swartz” dem vor zehn Jahren viel zu früh verstorbene (1986 – 2013) US-amerikanischen Programmierer sozusagen ein virtuelles Denkmal gesetzt wird. Der „Hacktivist“ setzt sich aktiv und in einem Manifest dafür ein, das Internet als eine demokratische Plattform zu sehen und nicht als „Goldgrube“ für Geschäftemacher. Er war auch federführend mitbeteiligt an der Entwicklung von Creative Commons, nicht profitorientierter Gemeinschafts-Urheberrechte.

„Kaffeehaus“

„Und jetzt auf ins Kaffeehaus“ lädt der Guide die Theater-Spaziergänger:innen ein – die letzte Station auf einem Absatz der nahegelegenen berühmten Strudlhofstiege zu erleben: Erzählungen der langjährigen Chefin der berühmten Konditorei Demel (K.u.K Hofzuckerbäckerei), namens Anna Demel und die Kellnerinnen als (Fast-)Orden der Demelinerinnen.

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Szenenfoto aus
Schauspieler und Puppenspieler:innen mit dem – realen – Puppenkopf von Aaron Swartz
Szenenfoto aus "Ein bescheidenerer Vorschlag"

Bitterböse zynische Satire auf herr-schende Verhältnisse

Gewöhnungsbedürftig ist das Setting anfangs schon. Eine Truppe auf sogenannte Freaks hergerichtet, ausgestopfte, überdimensionale Körperteile, hinten, vorne, an Schultern und so weiter, aufgesteckte schräge Zähne bzw. bemalte, so dass die Münder voller Zahnlücken wirken. Geht das, über solche Figuren zu lachen? Ist das nicht ein sich lustig machen über Behinderungen? Über Andersartigkeiten?

Erst mit den ersten Gags, dass sich die fünf Darsteller:innen über die Gegenseite – das Publikum – und so manche (sehr) aktuelle polit-mediale Verhältnisse lustig machen, ist einigen (unter anderem mir) das Lachen möglich. Anderen schon früher. Doch andere lachen auch, als gegen Ende die fünf Schauspieler:innen in „Ein bescheidenerer Vorschlag“ die Geschichte brechen, darauf bauen, dass hier das Lachen im Halse stecken bleiben und ersticken sollte.

Wirkt ein wenig kryptisch, oder?

Riesenerfolg

Nun, in dem genannten Stück des Herminentheaters – im Vorjahr mit dem Nestroy für die beste Off-Theater-Produktion ausgezeichnet -, das fast 30 Mal quer durch Österreich und im Theater An der Gumpendorferstraße (TAG, Wien), mit dem es koproduziert wurde, ausverkauft die Hütte zum Toben brachte – zwei Mal noch im Sommer beim Festival „Hin & Weg“ in Litschau zu erleben -, spielen fünf Bouffons. Aus den ursprünglich der Lächerlichkeit preisgegebenen sogenannten Freaks wurden seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts von der Pariser Theater- und Clown-Schule von Jacques Lecoq diese zu Figuren, die sich über die Zuschauer:innen und die Gesellschaft lustig machen.

Geniales Schauspiel

Und wie diese spielen: Ambra Berger, Peter Bocek, Ida Golda, Kristóf Szimán und Thomas Toppler (der gemeinsam mit Hannelore Schmid das Stück geschrieben hat) bringen sozusagen die Verhältnisse zum Tanzen. Als „Legi“ (Peter Bocek), „Exi“ (Thomas Toppler), „Justy“ (Ambra Berger) und „Medi“ (Ida Golda) nehmen sie bekannte heimische Auswüchse der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart von Verhaberung und Korruptheit von legislativer, exekutiver Staaatsgewalt, Justiz und Medien aufs Korn. Fünfter im Bunde ist „der Ausländer“: Kristóf Szimán durchlebt, satirisch überhöht, das was so manchen bei der MA35 oder anderen heimischen Behörden widerfährt, wenn sie um Aufenthaltsgenehmigung ansuchen – sie werden abgekanzelt. Zwischenzeitlich dient er wiederum als Parade-Integrierter für nette Fotos eines Politikers in einem der bunten Medien.

Drei Mal Shakespeare

Aber nicht nur, sie bauen ihre Truppe auch ein in drei verschiedene Shakespeare-Szenen: Hamlet, Othello und Der Kaufmann von Venedig. Und sie nehmen – schon im Stücktitel – Anleihe beim irischen satirischen Schriftsteller Jonathan Swift. Der schlägt in seinem „A Modest Proposal“ – Ein bescheidener Vorschlag: Um zu verhindern, dass die Kinder der Armen ihren Eltern oder dem Staat zur Last fallen, und um sie nutzbringend für die Allgemeinheit zu verwenden; 1729) vor, Wohlhabende vor dem Anblick Armer zu schützen, indem Tausende arme Kinder kannibalisch verfüttert werden. Nicht die Armut, sondern die Armen bekämpfen sozusagen.

Diesen bitterbösen satirisch auf die Spitze gegriffenen zynischen „bescheidenen Vorschlag“ greift die Bouffon-Truppe auf und „opfert“ den „Migranten“, um hier auch den Spaß drastisch enden zu lassen.

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Szenenfoto aus (Gehäuse) G'Spinst

Philosophisch-poetischer Text verwoben mit Musik, Puppenspiel und KI

Philosophisch-poetische Gedanken zu Arbeit – und Vernetzung – deklamiert bis sie – in Kombination mit live erzeugter Musik und ebensolchen Geräuschen wie im Klang einer Maschine „verschwinden“ – das erleben jeweils wenige Zuschauer:innen (der Platz ist sehr begrenzt) in „(GEHÄUSE) G’Spinst“ der Gruppe „spitzwegerich“.

Am Ende der Sackgasse, knapp vor dem Eingang zu einem – in dieser Gegend ganz schön großen Park (Alois Drasche) findet sich einer der wenigen in der Stadt noch anzutreffenden Rollbalken. Das Schild darüber deutet auf eine alte Hand-Webe-Teppiche-Produktionsstätte eines gewissen Jakob Himmelspach. Seit Jahren ist es Werkstatt für Künstler:innen der genannten Gruppe und an zwei Tagen auch Spielort dieser – in Kooperation mit anderen Kunstschaffenden – oben genannten und kurz beschriebenen Performance. Die ist wiederum Teil eines Zyklusses unter dem Übertitel (Gehäuse). Der jeweilige Ort gibt sozusagen das Thema vor. Waren’s bei „Eau-O“ in einer ehemaligen Parfumerie Gerüche, so ist es hier Arbeit.

Größer und weiter denken

Autorin Natascha Gangl hatte dafür einen ihrer oft sehr assoziativen Texte verfasst, der ausgehend von dem Raum einen viel größeren eröffnet, der tiefgründig und weitreichend grundsätzliche Dimensionen von Arbeit thematisiert oder wenigstens da und dort antippt – durchaus zum eigenen Weiterdenken danach anregt. Während ihn Anna Hauf performativ rezitiert, mitunter in einer Art Maschinengeräusch übergehen lässt, werden Stoff-Streifen zerrissen, ertönen Klänge aus einer Mini-Drehorgel (Spieluhr). Parallel stanzt Manfred Engelmayr einen Lochstreifen für das kleine Instrument. Und der Text dreht sich um Lochkarten für Webstühle – sozusagen Vorläufer für automatisierte, computergesteuerte Maschinen. Und in Punktschrift wird das Wort Loch in Großbuchstaben an die Wand projiziert. Gleich daneben wiederum befüllt Christian Schlechter mit einer gelblichen Flüssigkeit einige Blasen einer riesigen Luftpolsterfolie so, dass sich nach und nach die Buchstaben URL ergeben (Uniform Resource Locator – Website-Adresse). Um in der nächsten „Zeile“ um AUB ergänzt zu werden ;). Einige der Text-Passagen schallen – teils durch ein Megaphon – auf Spanisch von Norma Espejel.

Einbau von KI-Text

Nach einer Puppenspiel-Einlage mit den Ebenbildern auf Hampelfrauen und -männern aller am Projekt beteiligten Künstler:innen, die an Fäden gezogen einen an der Wand hängenden 2D-Tanz vollführen, bemachen wollige (Blut-)Egel die Rezitatorin bevor eine neue Dimension der Performance eröffnet wird. Die Autorin hat – das wird transparent gemacht – von einer der derzeit gehypten Künstlichen Intelligenzen gebeten: „Schreib mir einen Theatertext im Stil von Natascha Gangl (also ihrem eigenen) über Jakob Himmelspach (den einstigen Werkstatt-Herren hier).

Und dieser – in den die KI auch die Autorin als Figur einbaut, die in einer Art Zeitreise den alten Webermeister trifft – wird als Mini-Figurentheater in einer Miniatur-Guckkastenbühne mit fast einem Dutzend Kulissen-Ebenen gespielt. Und die KI baut sich auch gleich selbst ein, denn sie textete u.a. „Jakob Himmelspach schuf eine Zukunft, in der die Textilherstellung durch die Automatisierung modernisiert und verbessert wurde. … Und nicht nur das. Jakob Himmelspachs Innovationen dienten als Inspiration für die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz…“

Gewebe

Die Betrachtungen zu „Arbeit“ einerseits und dem Dialog zwischen Performer:innen und Publikum rundet – diesmal die menschlichen – Autorin mit den Sätzen ab: „Meine Arbeit heißt: Euch Eure Arbeit vergessen zu lassen und ein Gewebe in Zeit und Raum herzustellen, das Euch herausfischt aus Eurer Routine oder Eurem Marathon. Ein Gewebe, das uns auffängt, gemeinsam jetzt hier.“

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Szenenfoto aus "Konrad oder das Kind aus der Konservendose" im Theater der Jugend (Wien)

Lieber wild und lebendig als ein Instant-Kind

Die Inszenierung eines Kinderbuchklassikers fegt derzeit rasant über die Bühne des Renaissancetheaters, der großen Spielstätte des Theaters der Jugend in Wien: „Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“ – wieder einmal. Aber nach fast 20 Jahren (Herbst 2004) in einer neuen Fassung, auch wenn schon das vor fast 50 Jahren (1975) erschienene Buch von Christine Nöstlinger, deren Todestag sich Ende Juni (28.) zum fünften Mal jährt, schon sowohl denselben Humor wie auch die gleichgebliebene Botschaft ausstrahlte: Lieber ein lebendiges Kind mit Ecken, Kanten und Wildheit als ein genormtes aus der Fabrik.

Die Story

Kürzest zusammengefasst der Plot für jene, die weder Buch noch eine der Theaterversionen (spielte in dieser Saison auch im Tiroler Landestheater) bzw. den Film kennen: Die schräge, irgendwie chaotische Frau Berti Bartolotti, die alles mögliche – damals noch nicht online aber immerhin per Versandhandelt bestellt, kriegt eines Tages ein riesiges, schweres Paket. Eine Große Konservendose. Inhalt: Ein Kind aus der Fabrik – samt Instant-Nahrung. Ein siebenjähriger sogenannter Musterknabe, brav, voll zuvorkommen, nett, neunmal klug …

Erst fühlt sie sich mehr als überfordert, kann sich auch echt nicht erinnern, dies bestellt zu haben. Ihr Freund, ein eher geschniegelter Typ findet sofort Gefallen an Konrad, wie das Kind heißt und streitet nun, sein Vater sein zu wollen/dürfen. Das Mädchen Kitti, das im selben Haus wohnt nimmt sich Konrads an, beschützt ihn auch vor den in der Schule vor den anderen Kindern, die ihn mobben und schlagen. Aber, so findet sie, er müsste sich halt auch lernen, sich zu wehren.

Auf Seiten unangepasster Kinder

Shirina Granmayeh als Kitti tritt in dieser Bühnenfassung von Britta Kampert und Yüksel Yolcu, der auch Regie führte, zudem als Erzählerin auf. Und sie besticht in ihrem Kampf für Konrad, der sozusagen auch an das Engagement der Autorin Christine Nöstlinger erinnert, die sich in ihren Werken stets auf die Seite von (benachteiligten, ausgegrenzten) Kindern stellte, um diesen – und allen anderen Mut zu machen, das aber nie „pädagogisch“, sondern stets künstlerisch, literarisch, spannend und meist mit einer gehörigen Portion Witz machte.

Diesen Humor bringt vor allem Ursula Anna Baumgartner sozusagen als Art hippiemäßige als Alt-68erin herzhaft ins Spiel.

Humor

Wer auch für so manchen Gag sorgt ist Jakob Egger vor allem als Postler, der das schwere Paket zu seinem Bestimmungsort hochwuchtet, der aber auch in etliche andere Rollen schlüpft. Unter anderem in die einer der hellblauen comic-artigen angelegten Spitzel aus der Fabrik, die erst kontrollieren, wie mit ihrem „Produkt“ umgegangen wird und es schließlich zurückfordern, weil es sich um eine Fehllieferung handelte und die rechtmäßigen Besitzerin es haben will. Bis sie am nunmehr so gar nicht braven Konrad verzweifelt und gern verzichtet, ja die Fabriksherren gar zweifeln, dass das Kind aus ihrer Produktion kommen kann.

Den für Konrad so gar nicht einfachen Lernprozess vom superbraven Normkind, das noch mehr wie ein Roboter in Menschengestalt wirkt, zu einem lebendigen, aufgeweckten, durchaus frechen Wesen – auch mit den Hemmungen, dies wirklich ausleben zu können – lässt Stefan Rosenthal sehr nachvollziehbar miterleben.

Mitreißend

Valentin Späth als der Freund Berti Bartolottis und Möchtegern-Vater sowie die sehr wandlungsfähige Lilian Jane Gartner in vielen Rollen – vom mobbenden Mitschüler Michi über die Schuldirektorin bis zur rechtmäßigen Instant-Kind-Käuferin – und Erik Bartoš (auch in mehreren Rollen) runden die sehr gelungene Enembleleistung auf der flexiblen Bühne (Ausstattung: Ulv Jakobsen) ab, die das Publikum mitreißt – und das bei einer Vorstellung rund eine Woche nach der Premiere, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… besuchte.

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Szenenfoto aus "Alle guten Dinge sind drei"

Ein Stück in mehreren Varianten

Das geflügelte Wort von drei Dingen, die gut, ja das beste sind, wird in diesem eineinhalb-stündigen Stück in Frage gestellt. Und das (mindestens) drei Mal. Nach einer Aufführungsserie im Kleinen Theater Salzburg spielt „Theater der Mitte“ das Stück „Alle guten Dinge sind drei“ heute, am Feiertag (8. Juni 2023), noch ein Mal im Wiener Theater Arche – siehe Info-Box.

Mit der Zahl spielt das kleine Team auch fast durchgängig auf der Bühne (Bühne: Hannes Öhlböck; Ausstattung: Nora Fankhauser). So fällt gleich vor Beginn auf, dass drei rote breite Teppichstreifen ein Dreieck bilden. Und 3-Ecks-Beziehungen – diese Assoziation, die sich aufdrängt, sind ja auch keine so glatte, jedenfalls keine runde Sache 😉

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Alle guten Dinge sind drei“

Drei-Faltigkeit 😉

Drei – das ist auch die Anzahl der Spieler:innen auf der Bühne – eine Schauspielerin, ein Schauspieler und ein multiinstrumentaler Musiker. Florian Sighartner spielt im Hintergrund auf Querflöte, Geige, wobei er die mitunter wie eine Gitarre bedient, und Cachon. Ist der stabile Part in den wechselvollen Beziehungsdramen des Paares im Vordergrund.

Raphael Steiner, Darsteller des Sascha, macht sich schon bei seinem ersten Auftritt mehr als unbeliebt, als der klassische Macho-Erklärbär mit dem Versuch eines philosophisch-alternativen Anstrichs zwischen Entscheidungen und Möglichkeiten. Aber, „anders als andere Paare“ sein zu wollen in einer „offenen Beziehung“, das sei auch jenes Muster gewesen, das Stefanie, verkörpert von Helena May Heber, gewollt – und wie sich im Verlauf des Stücks, insbesondere gegen Ende herausstellt -, auch gelebt hätte.

Obwohl in der ersten Variante als das unterbutterte Opfer, wird Stefanie von Version zu Version stärker, Helena May Heber kann über ihr schauspielerisches Können auch noch ihre bildnerisch-künstlerische Seite ansatzweise ausspielen durch Bemalen und Besprayen einer Matratze bzw. ihres Gesichtes.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Alle guten Dinge sind drei“

Wendepunkt

„Alle guten Dinge sind drei“, geschrieben und inszeniert von Benjamin Blaikner, lässt das Paar in wenigen liebevollen, hauptsächlich konfrontativen Szenen aufeinander treffen, nicht selten übereinander bzw. aneinander vorbei kommunizieren und agieren. Kulminationspunkt. Eines Tages sagt Steffi den Satz: „Ich bin schwanger!“ – Tiefer Fall bei ihm, „noch nicht bereit“ als geschönte Version für „ich will mein bisherigen Leben ohne jegliche Verantwortung weiterführen“ ist eine der Reaktionen.

Die Szene wird mit wechselnden Stimmungen und Reaktionen zwei Mal wiederholt. In der dritten Version – oder im ebensovielten Anlauf (?) – freut sich Sascha und es kommt von der offenen Beziehung zum Kleinfamilien-Idyll. Das nun wiederum – anders – bricht, wie, das sei hier definitiv nicht verraten. Obwohl es wenige um die Spannung als vielmehr um die Varianten einer Beziehung geht, die (mangelnde) emotionale Intelligenz und Empathie. Berührend, mitnehmend, teils so gespielt, dass manche im Publikum fast wütend auf den Sascha-Darsteller in seiner – meist – toxischen Männlichkeit waren, die er mehr als glaubhaft auf der Bühne darstellt.

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(Fast) Alle Finalist:innen samt Lerhpersonen, Juror:innen und Organisator:innen

200 Kilo Brot vor dem Wegschmeißen gerettet

So überwältigt und überrascht – samt Tränen, Kreischen, Springen, einander in die Arme fallen, Pendeln zwischen Unglauben, Fassungslosigkeit und Freude plus Abfallen von Anspannung – war selten bei einer Preisverleihung zu erleben wie vor dem Fronleichnamstag beim diesjährigen Bundesfinale der Junior-Companys aus österreichischen Schulen. Der Sieg ging an „Scherzl mit Herzl“ aus der Innsbrucker HLW (höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe) Ferrari-Schule.

13 Jugendliche dieser Schule hatten von Bäckereien insgesamt 200 Kilo Altbrot, das weggeschmissen worden wäre – gesammelt und daraus in der schuleigenen Küche Brot-Chips hergestellt. Linda-Maria Kaltenhauser, Sarah Sauerschnig, Clara Nagiller, Philomena Larch, Patrick Fischer, die diese für einige Schulmonate gegründete Firma in Wien beim Finale in der Zentrale der Wirtschaftskammer Österreich (wko) vertraten erklärten Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auch das Prozedere: „Wir haben das Brot abgeholt, in Scheiben geschnitten, vorgebacken, dann mit unterschiedlichen Gewürz- bzw. Kräutermischungen in drei Geschmacksrichtungen – Knoblauch, Kräuter sowie Chili/Honig – versehen, kleingeteilt und nochmals gebacken.“ Tausend Packungen solcher Brot-Chips haben sie hergestellt und davon mittlerweile 970 verkauft. Als heimischer Sieger – der 457 Schüler:innen-Firmen in diesem Schuljahr – vertreten damit „Scherzl mit Herzl“ Österreich Mitte Juli beim internationalen Wettbewerb, der diesmal in Istanbul stattfindet.

Nachhaltigkeit

Was übrigens schon beim Bundesfinale von Jugend Innovativ vor zwei Wochen, bei dem mehr als drei Dutzend Jugendliche ihre Schulprojekte in insgesamt sieben Kategorien präsentierten (Links dazu am Ende dieses Beitrages) – auffiel: Nicht nur in der dortigen Kategorie Sustainability (Nachhaltigkeit) denken UND handeln immer mehr Schüler:innen in Projekten nach diesem Grundsatz. Denn auch andere der neun Finalist:innen, die jeweils ihren Bundesland-Bewerb gewonnen hatten, haben sich diesem Gedanken verschrieben.

Einschub: Junior Companys

Seit fast 30 Jahren (Pilotphase im Schuljahr 1995/96) gibt es dieses aus den USA kommende Projekt auch in Österreich. Nach dem Motto „Learning business by doing business“ (Hintergründigeres in der ausführlichen Info-Box ganz unten) gründen Schülerinnen und Schüler für einige Monate im Schuljahr ein Unternehmen, das mit echten Produkten und/oder Dienstleistungen handelt, im Gegensatz zu den virtuellen Übungsfirmen in Handelakademien und -schulen.

Zweites Leben für alte Kerzen

Zurück zur Nachhaltigkeit im diesjährigen Finale, wo die besten der insgesamt 457 Junior-Firmen dieses Schuljahres im Wettbewerb standen. Mit „ReCandles“ aus der HAK Feldkirch sammelten – wie Vinzenz Lercher, Lukas Rosenberger, Luca Waismaier, Samantha Manco, Sarah Zörer schilderten, die Schüler:innen mehrere Kilo Altwachs, vor allem aus dem Dom dieser Vorarlberger Stadt, daraus gossen sie in – ebenfalls gesammelten – Gläsern neue Kerzen. 250 Stück haben sie produziert, 200 davon schon verkauft.

Um ihre reycelten Kerzen besser bekannt zu machen haben sich die HAK-Schüler:innen noch zwei gezeichneten Maskottchen – Kerze und Kerzin – und dazu eine ganze Comicgeschcihte einfallen lassen: „Kendall und der Angriff der Rüpelkerzen“.

Regional

Nachhaltig muss nicht immer nur Verarbeitung von Altmaterial bedeuten. Regionalität ist ein anderes wichtiges Element dabei, mit Ressourcen schonend umzugehen, eben lange Transportwege und damit CO2-Ausstoß zu vermeiden.

SchülerInnen des BG/BRG Stainach in der Steiermark backen aus Mehl von Bäuer:innen der Umgebung (nicht mehr als 20 Kilometer) Crackers – in fünf noch verfügbaren – Geschmacksrichtungen. „Mit Salty bites“ haben wir begonnen, dann experimentiert, Kund:innen via Social Media abstimmen lassen, was wir dann tatsächlich massenweise herstellen sollen, berichten Sebastian Huber, Hanna Brandstätter, Julian Komatz, Emilia Auth, Lilli Weitgasser, Sarah Stocker, Sarah Fluch, Alina Gruber von „Gsund.Guad.G’snackt“ dem Journalisten.

„Einmal im Monat haben wir einen Backtermin, wo wir aus 40 Kilo Mehl den Teig und dann die Crackers herstellen. Bisher haben wir 2400 Sackerln zu je 100 Gramm befüllt und davon 1800 Packungen verkauft“, sagt Sarah Stocker auf Nachfrage von kijuku.at

Diese steirische Junior-Firma gewann den Sonderpreis Essen & Trinken, und ihr betreuender Lehrer Julian Pachler jenen für die beste Lehrperson.

Mehlwürmer

Nahrungsmittel aus oder mit Zugabe aus Insekten ist seit einigen Jahren auch ein zukunftsträchtiges Thema: Massenhaft verfügbar, hoher Proteingehalt, deutlich weniger Flächen und anderer Ressourcenverbrauch wie bei – anderem – tierischem Fleisch. Damit handelten Jugendliche der Landwirtschaftlichen FachSchule (LFS) Hollabrunn (Niederösterreich). 31 Schüler:innen der ganzen vierten Klasse im Zweig Kleintierhaltung (Repitilien, Vögel usw.)  gründeten „InsecToGrain“, recherchierten die besten Backmischung mit Zugabe von Mehlwürmern. „Wir haben zwar auch mit einer Übungszucht experimentiert, aber da der Lebenszyklus dieser Tiere von null weg bis zum fertigen Wurm sechs Monate dauert und sich das für die Laufdauer einer Junior-Firma nicht ausgeht, haben wir gefriergetrocknete Mehlwürmer von einem Biobauern eingekauft“, erzählen Ilo Buschbacher, Angelina Lobenhofer, Marlene Eichinger, Julia Hager, Jennifer Skorpis, Salvador Huber und Nina Fichtinger an ihrem Messestand, an dem sie Crackers, Muffins und Kekse zum Kosten anbieten. Ihr Business aber ist die Befüllung von Gläsern mit fertigen Backmischungen für diese. 94 solcher großer Gläser mit Backmischungen hat InsecToGrain bisher verkauft und weiters 74 Packungen mit selbst hergestellten Crackern.

Dafür gab’s den Sonderpreis für Nachhaltigkeit.

In zwei Finali

Bleiben wir noch sozusagen bei der Natur. Johanna Gruber, Stefan Piereder, Celine Kraus, Adam Rainer und Barbara Langwieder aus der HBLA Ursprung (Salzburg) präsentierten „Growledge“. KiJuKU-Leser:innen kommt das vielleicht schon bekannt vor. Mit dieser hölzernen Pflanzenkiste mit einer Klarsicht-Seite, die mit Erde, Steinen, Samen in Säcken und Sackerln geliefert wird, ist ein praktisches Unterrichtsmaterial für Volksschulen und schaffte es auch ins Bundesfinale von Jugend Innovativ – siehe Links am Ende des Beitrages. Dort hatten sie einen der Anerkennungspreise dafür eingeheimst, dass die besagte Kiste, die von den Kindern dann selbst befüllt und beobachtet wird samt umfangreicher Arbeitsblätter, Rätsel- und anderer Aufgaben, früh Verständnis für Pflanzen-Setzen bietet.

Nochmals regional

„Blau moch’n“ – mit diesem Dialektbegriff dafür, die Arbeit ruhen zu lassen – spielte die aus dem Burgenland kommenden Junior Company gleichen Namens bei der Präsentation auf der Bühne. In Wahrheit aber stellten Donjet Hasani, Jakob Lorenz, Sarah Halper und Sophia Bair aus der HLW „ecole“ Güssing Produkte vor, die auf einem kulturellen Erbe der Region beruhen: Dem sogenannten Blaudruck, einem speziellen Verfahren zur Stofffärbung in einem sehr tiefen blau. Aus solchen Stoffen stellten die Schüler:innen selber Bienenwachstücher her – die Lebensmittel natürlich und gesund frisch halten – sowie Überzüge für Kirschkernpölsterchen. Neben diesen Stoff-Verkaufsschlagern produzierten sie und sieben Schulkolleg:innen aber auch noch drei verschiedene Gewürzmischungen und zwei Ölsorten her (Knoblauch bzw. Chili).

Dosen-Verschluss

Eine Flasche kannst du wieder zustöpseln, schraubverschließen, aber was ist bei einer geöffneten Dose? Wenn ein Insekt hineinfliegt, ist das (Rest)Getränk nur mehr zum Wegschütten.  Nicht mehr, dank einer Erfindung von sechs Jugendlichen aus der HTL Vöcklabruck (Oberösterreich). Lena Malzner, Ismar Selimović, Pia Gassenbauer, Hannes Ferstl, Emma Laßl und Jasmina Kajtazović tüftelten an einem flexiblen Verschluss, experimentierten mit verschiedenen Materialien und Verfahren. Es gäbe Ähnliches – aber nicht universal für alle Dosengrößen passend – schon, sagen die ersten fünf Genannten, die beim Junior-Bewerbsfinale in Wien ihr Produkt präsentierten und verkauften.

Nachdem die aufsetz- und drehbaren Verschlüsse aus recyclebarem Material aus dem 3D-Drucker nicht stabil genug schienen, verlegten sich die Jugendlichen auf Spritzgussverfahren, das sie in den schuleigenen Werkstätten anwenden konnten. Die entsprechende Form produzierten sie selbst. Clip ’N Sip befindet sich derzeit in der Phase der Patenteinreichung.

Und wurden gleich mit zwei Preisen belohnt – dem dritten Platz insgesamt sowie dem Sonderpreis Innovation.

Silberfux im Wald als szenisches Spiel

Den szenisch auffallendsten Bühnenauftritt legten Theresa Tschernig, Julia Bachmayer, Leona Gratzer, Jana Bergmoser, Eva Wotawa und Yannick Hudelist aus der HTL Ferlach (Kärnten) hin. Sie, die Schmuck eigenhändig produzierten und verkauften, verkleideten sich als Fuchs, Erzählerin, Prinzessin und Nadelbaum und verpackten die Produkte ihrer Firma „Silberfux“ – Armbänder und Ohrringe aus Silber – in ein kleines Theaterstück.

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Die Baumverkleidung sollte auch darauf hinweisen, dass dieses Unternehmen mit einem Teil der Einnahmen Bäume pflanzt – Mitte April – so verkünden sie auf ihrer Homepage – „haben wir 100 Tannen, Fichten und Buchen gepflanzt“. Und das bauten sie am Ende ihrer szenischen Bühnenpräsentation ein, wonach die Prinzessin, die so gerne Schmuck designen möchte sich mit dem Füchslein, das den Weg zur HTL Ferlach für die Umsetzung wies, nicht mehr auf dem Kummerhügel treffen muss, sondern im neugepflanzten Wald. „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schmieden sie noch heute“, heißt es am Ende.

Die Jury vergab Platz 2 für diese Junior-Company aus den sieben Schüler:innen der ganzen Klasse.

Manga

Eine Bücherreihe – von rechts nach links zu blättern wie im Arabischen oder Hebräischem – das kennen Kinder und Jugendliche von Mangas. Ein solcher – mit buntem Cover und innen schwarz-weiß-Zeichnungen – ist das Produkt des Wiener Landessieger-Unternehmens, der Junior-Company Gecko.Inc von Jugendlichen aus der W@lz, einer privaten, alternativen Oberstufenschule, in der schwerpunktmäßig in – kreativen – Projekten gearbeitet und gelernt wird.

Xavier Prinzhorn hatte in Lockdown-Zeiten die Basis für die Geschichte, die im Diebesmilieu spielt, gelegt. „Da hab ich zu zeichnen begonnen. Die Diebe handeln alle nach dem Vorbild von Robin Hood, den Reichen nehmen und die Beute Armen geben“, erzählt der Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… Der Vater der Hauptfigur, Per, hat aus Langeweile Bücher über alle Tierarten der Welt und ihre jeweiligen Kräfte geschrieben. Per hat sich dann die eines Chamäleons genommen, weil er sich so gut tarnen und mit seiner langen Zunge die Beute schnappen kann…“

Gemeinsam mit Leonhard Harter, Linus Krenn, Hugo Taxis, Luis Dustdar sowie Ivan Gruber, Lillie Kiennast und Moritz Fehr haben die Schüler:innen dann aus den Bleistiftskizzen des Zeichners mit Finelinern die Druckvorlagen hergestellt, sich um den Druck und Vertrieb gekümmert. 165 Exemplare der 200 produzierten Mangas sind mittlerweile verkauft, berichten die fünf Erstgenannten, die die Firma beim Finale vertreten haben.

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Besuch aus Slowenien

Den nachmittäglichen Bühnenpräsentationen sowie der Preisverleihung wohnten auch Jugendliche aus verschiedenen Städten Sloweniens bei, die in ihrer Heimat Junior Companys erfolgreich betreiben/betreiben haben. Einer davon, Tine Jereb aus dem Gimnazija Jurija Vege Idrija erzählte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… von jener Schüler:innen-Firma an der er federführend beteiligt war, ABOTS (Accessible robotics/leicht zugängliche Roboter). „Mit diesen Robotern sollen schon sehr junge Kinder Programmieren lernen können“, beginn er zu schildern. Es handelt sich dabei nicht so wie die bekannten Bee-Bots und ähnliche nur um die Grundbegriffe des Codens. „Das Ziel meines Projekts ist, einen kleinen Industrieroboter zu entwerfen, der den Benutzer:innen einfache Automatisierungsprozesse ermöglicht. Robot verfügt außerdem über eine vereinfachte Programmiersoftware, genannt Blockly. Und an den Roboter können verschiedene Sensoren und Geräte angeschlossen werden.“ Die meisten der Teile dieses sozusagen auch pädagogischen Roboters stellt Tine Jereb mit einem 3D-Drucker her.

Und er kündigte im Gespräch mit dem Journalisten noch an: „Ich werde auch nach der Junior Company noch weiter daran arbeiten und versuchen solche Systeme an Schulen oder bzw. und Klein-Unternehmen zu verkaufen.“ Ein kleines Video dazu hier

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Junior 2023 – die Preisverleihung

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Doppelseite aus "Lollo" von Mira Lobe und Susi Weigel

Puppendoktorin aus der Müllhalde

Nachhaltigkeit – davon reden viele. So manche tun auch was dafür – so präsentierten bei zwei großen Bewerben (Jugend Innovativ und Junior Companys) ältere Schüler:innen – Oberstufe – ganz handfeste, konkrete Projekte, mit denen sie Müll vermeiden bzw. Dinge recyclen: Zweites Leben für alte Akkus beispielsweise (ReCell), ein schulübergreifendes Netzwerk zum Kleidertausch und mehr, Verarbeitung von Brotrestln, die weggeworfen worden wären zu köstlichen Crackers (Scherzl mit Herzl)… – Links zu Ersteren unten am Ende des Beitrages, die Reportage über die Junior-Firmen von Schüler:innen folgt am 8. Juni 2023.

So wichtig der Gedanke der Nachhaltigkeit gerade heute ist, einige Menschen haben schon vor Jahrzehnten darauf hingewiesen, etwa die (leider längst verstorbenen) Kinderbuchmacherinnen Mira Lobe und Susi Weigel (bekannt nicht zuletzt für „Das kleine Ich bin ich“ oder „Die Geggis). In „Lollo“ – das noch, vertont und mit interaktiven Workshops für Kinder – am 7. Juni 2023 im Dschungel Wien läuft. Dort ist auch schon kurz das Bilderbuch erwähnt, auf dem die Geschichte aufbaut.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Lollo“ von Mira Lobe und Susi Weigel

Schwarze Puppe

Es ist übrigens ein für Bilderbücher ganz schön dickes – 72 Seiten Inhalt mit – wie es für die Bilderbücher dieses Duos praktisch immer der Fall war Reimen. Lollo ist eine – auch das eher für die Entstehungszeit ungewöhnlich in Österreich (1987) schwarze Puppe mit der damals üblichen N-Wort-Bezeichnung, die in der Neuauflage 2013 erklärt wird, weshalb dieses Wort eigentlich vermieden werden sollte, weil es für die Betreffenden abwertend verwendet wird.

Also, diese Lollo kämpft sich aus der Müllhalde heraus, sucht sich dort Stoff, aus dem sie sich ein Kleid anfertigen kann. Stoff verwendet sie sozusagen als Puppendoktorin nun auch, um anderen Spielzeugfiguren und -tieren zu helfen, sie zu verarzten. Aus Weggeworfenem, weil da und dort was fehlt, wird wieder vollwertiges Spielzeug.

Freundschaft, Zusammenhalt

Neben diesem Re- oder Upcycling spielt Zusammenhalt und Freundschaft – wie in praktisch allen Mira-Lobe- und Susi-Weigel-Büchern eine große Rolle. Sogar die kleinen Mäuse, die zu Dieben werden und den wertvollen Stoff stehlen, der als Bandagen bei den Verletzungen dient, werden zwar gestellt, aber nicht ausgeschlossen, sondern einbezogen – sozusagen resozialisiert 😉

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Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „Lollo“ von Mira Lobe und Susi Weigel
Bildmontage aus Szenenfotos der vier Kurz-Stücke im Finale des Nachwuchsbewerbs des Theaters Drachengasse (Wien)

Düstere und skurrile Kurzstücke zu „gestohlener Zukunft“

Zwischen einer Art verschmierter Scheiben, auf die sich später schön Zitate kritzeln lassen unterhalten sich auf abgehoben-philosophisch wirkende Art drei Protagonist:innen, die ihre Diversität schon im angehängten x an ihre Figurennamen zum Ausdruck bringen: Dantx, Beatrix und Virgilix. Erst- und Letztgenannte* unschwer erkennbar, angelehnt an Vorbilder. Der live an zwei der Scheiben geschriebene Spruch „Durch mich geht man zur Stadt der Schmerzen ein“, Beginn des Verses, der mit „durch mich geht man hinein zur ewgen Qual;

durch mich geht man zu den Verlorenen“ fortgesetzt wäre, stammt aus Dante Alighieris „Göttliche Komödie“. Und ist jetzt aktuell Teil von „Warum wurden wir in dieser lächerlich schönen Welt geboren und nicht in einer anderen?“, einer der vier Kurzfassungen von Stücken, die für den Nachwuchsbewerb im Theater Drachengasse (Wien) ausgewählt worden sind.

Die nunmehrige 15. Runde dieses Bewerbs stand/steht unter dem Motto „Die gestohlene Zukunft“. 53 Projekte mit insgesamt 192 Beteiligten (fast zwei Drittel Frauen, 2 % Divers) hatten sich mitunterschiedlichste Konzepten zu dieser Frage beworben. Jedes Jahr dürfen aus der Schar der Bewerber:innen vier Projekte 20-minütige Fassungen vor Publikum spielen – das übrigens einen mit 1000 € dotierten Preis vergibt. Die professionelle Jury kürt ebenfalls ein Stück, das den zehnfachen Betrag bekommt, um eine abendfüllende Version zu erarbeiten, die in der Folge-Saison aufgeführt wird.

Ausstellung überschwemmt

Zurück zur oben beschriebenen Produktion eines Kollektivs von dem wie bei den meisten anderen Projekten nicht leicht zu durchschauen ist, wer auf der Bühne und wer im Hintergrund aktiv ist. Im ersten der vier kurzen Stücke mit dem oben genannten langen Titel haben Paula Kläy, Max Lamperti, Emma Meyer, Max Oravin, Alma Luise Rothacker, Ruben Sabel, Laura Schroeder, Guido Wertheimer und Basil Zecchinel ein düsteres Szenario eines eher philosophischen Diskurses geschaffen, in den die reale Umweltkrise über die Erzählung einer weggeschwemmten Ausstellung in ihr Leben bricht.

Titanic

Viel zu viel Wasser im Schiff, das auseinanderbricht – aber nicht aus Umweltgründen – bringt „Titanic oder wie tief kann man sinken“ Ausgehend von der filmischen Umsetzung des Dramas vor 111 Jahren zeigt Alicia Peckelsen mit wenigen Mitteln auf der Bühne – vor allem kurzen (Halb-)Sätzen, die via Overheadprojektor an die Leinwand projiziert werden -, vermeintliche Gedanken der zentralen Crew 21, 22, und so weiter Minuten nach dem Zusammenprall des „unsinkbaren“ Schiffes mit dem Eisberg. Eine Arbeit der Schauspielerin gemeinsam mit Lea Marlen Balzer und Sarah Heinzel (Regie und Dramaturgie). Die filmische zentrale Liebesgeschichte wird hier humorvoll persifliert.

Newton fällt der Apfel nicht auf den Kopf…

Das skurrilste Stück des Abends mit sehr vielen Lach-momenten liefert das Projekt „anti.aging.apfel“ von Juli Mahid Carly, Julian Moritz, Sar Adina Scheer, Dominik Tippelt. Ein Kosmetikkonzern – irgendwie in der Zukunft angesiedelt und doch wieder gar nicht so futuristisch forscht an „ewiger Verjüngung“ – oder will diese vielmehr verkaufen. Im Drag-Milieu angesiedelt mit Figurennamen, die an bekannte heutige Makren- und Produktbezeichnungen erinnern (Masc for Mascara) erfinden sie die „Wundermaschine“ – schaut aus wie ein heutiger Mikrowellenherd – und irgendwas läuft schief. Das Ding entpuppt sich als Zeitmaschine in die Vergangenheit. Die beeinflussen sie und Newton fällt der berühmte Apfel nicht auf den Kopf, weshalb er die Schwerkraft nicht entdecken kann…

Sehende Kassandras

Als Art – sehende – Kassandras agieren drei Frauen im vierten Kurz-Stück des Nachwuchsbewerbes. Sie hätten es schon immer gewarnt – vor der Umweltkatastrophe – sagen die drei in „Zu Küsten oder: Wir standen uns die Beine in den Arsch“ (von Carolina Braun, Marie Eick-Kerssenbrock, Anna Suzuki, Laetitia Toursarkissian, Leni von der Waydbrink). Vermeintlich aus Nordmexico, Usbekistan und aus der Sahara machen sie auf Wasserknappheit oder Waldbrände aufmerksam. Und irgendwie scheint ihnen niemand wirklich zuzuhören – oder ernst zu nehmen, was sie wissen – wobei allerdings Usbekistan, das als Binnenland obendrein nur von Binnenländern umgeben ist, weit weg von einer Küste liegt – aber vielleicht ist auch die jenes Teils des Aralsees gemeint, der in diesem Land liegt. Und der Aralsee ist ein Sinnbild menschengemachten Klimawandels, der zur Austrocknung weiter Teile dieses bis vor rund 50 Jahren viertgrößten Binnensees der Erde geführt hat, der längst nicht einmal mehr ein zusammenhängender See ist.

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Ergänzung am 8. Juni 2023: And the Winner is…

In diesem Jahr waren sich Publikum und Jury einig: „Titanic oder wie tief kann man sinken“ gewannen beide Preise. Die Begründung der Jury: „So schwer uns die Auswahl für ein Gewinner*innen-Projekt fiel, freuen wir uns Lea Marlen Balzer, Sarah Heinzel und Alicia Peckelsen und ihrem Projekt Titanic oder wie tief kann man sinken den diesjährigen Jurypreis übermitteln zu dürfen.
Die mit feinem Humor inszenierte Arbeit überzeugt durch eine vielschichtige Erzählung, die es schafft, durch kleine Gesten, Gedanken und Referenzen auf große Zusammenhänge blicken zu lassen. Die in diesem Aufriss skizzierte gestohlene Zukunft stellt das private Schicksal zweier Kunstfiguren in den Mittelpunkt und verweist dabei pointenreich und klug auf eine Menschheit, die ihr gemeinsames Prestigeprojekt mit Höchstgeschwindigkeit voraus gegen den Eisberg fährt. Die bemerkenswerte schauspielerische Darstellung verzichtet auf große Gesten und ist sich dennoch der Größe der thematischen Spann- und Tragweite bewusst. Die vielen aufgeworfenen Momente dieses Entwurfs machen Lust auf ein abendfüllendes Solo mit Kate und Jack und einem Wunderwerk menschlichen Schaffens, dessen Untergang kaum vorstellbar und dennoch vorgezeichnet ist.“

Plakat-Sujet für den diesjährigen Drachengassen-Bewerb
Plakat-Sujet für den diesjährigen Drachengassen-Bewerb unter dem Motto „Die gestohlene Zukunft“
Szenenfoto aus "Made in Austria"

Jugendliche stellen szenisch viele Fragen zur österreichischen Zeitgeschichte

Was ist Geschichte, noch dazu die Österreichs? Lernen Menschen aus der Geschichte? Wer macht sie…. Fragen, Fragen, Fragen schallen durch den kleinen Innenhof des Gebäudekomplexes der Österreichischen Nationalbibliothek aus dem hinauf eine späte, neugebaute Eisentreppe hinauf ins Haus der Geschichte Österreich (hdgö) führt. Die Fragen kommen aus Lautsprechern, sind voraufgenommen – von 13 Jugendlichen eines der Theater:Klubs vom Dschungel Wien.

Am – vielleicht geschichtsträchtigen Abend jenes Tages an dem die SPÖ in einer Kampfabstimmung ihren neuen Parteivorsitzenden in Linz gewählt hat-, stieg die Premiere von „Made in Austria“ nach dem Treppenaufstieg in verschiedenen Ecken des kleinen, dichten, vollgeräumten hdgö, das als Kooperationspartner fungierte. Erste Station im Museum jene Ecke, in der Besucher:innen auf gelben, grünen, pinken Post-Ist Antwortenafu die Frage „Wofür lohnt es sich zu kämpfen?“ hinterlassen können. Anknüpfend an die Hof-Szene, werfen auch hier die 13 Jugendlichen viele, viele Frage in den Raum – und sozusagen als Hausaufgabe ans Publikum.

Zentrale Themen

Die eineinhalb Geschichtsstunden in Performance-Sequenzen greifen einige (nicht nur den Jugendlichen) wichtige Fragen auf – von Heimat und ob die Stimmung im Lande allen hier Lebenden die Chance eröffnet Österreich als solche zu erleben, den Umgang mit Geflüchteten, Zugewanderten aber auch seit jeher ansäßigen Minderheiten etwa Roma über Meilensteine der Umweltbewegung – vom Atomkraftwerk Zwentendorf über die Hainburger Au bis zu Fridays For Future und Klimakleber – und nicht zuletzt die noch immer bestehende Ungerechtigkeit der Entlohnung von Frauen und Männern sowie die hohe Zahl an Femiziden – so ist Österreich das einzige EU-Land, in dem mehr Frauen als Männer ermordet werden…

In knackigen, teils berührenden gespielten Szenen verpacken Anais Andresen, Antonia Brandl, Nikolay Chulev, Lena Djebri, Lucia Dorner, Jakob Eder, Magdalena Frauenberger, Pauline Hagg, Flora Lasinger, Laurenz Lindtner, Lina Mairhofer, Emilia Mihellyes und Morty Schneider historische Fakten nicht als Aneinanderreihung von Jahreszahlen. Große Linien, Strukturen hinter Einzelereignissen, Fragen nach dem warum ebenso wie danach, ob und wie Geschichte „gemacht“ werden kann ziehen sich durch die eineinhalb Stunden, die unter Leitung von Jonathan Achtsnit gemeinsam im Theater:Klub erarbeitet worden sind. Und letztlich mit der Frage enden, was in der Zukunft wohl über die Gegenwart als Geschichte erzählt werden wird.

Leider müssen die Performances außerhalb der Öffnungszeiten – und damit auch weit jenseits von Schulstunden stattfinden, obwohl gerade so vielleicht mehr Interesse für Geschichte geweckt werden könnte.

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Szenenfoto aus "Lollo" im Dschungel Wien

Maxerl mit einem Haxerl – und Chirurgin „Lollo“

Es muss nicht alles weggeschmissen werden. Selbst wenn dem Kuschelhasen ein Ohr, dem Spielzeug-Elefanten der Rüssel oder einfach der Puppe ihr Kleid fehlt. So könnte sich kürzest zusammengefasst die Geschichte „Lollo“ beschreiben lassen. Vor mehr als 35 Jahren erschien sie als Bilderbuch vom berühmten Duo Mira Lobe und Susi Weigel, deren bekannteste Werke wohl „Das kleine Ich bin ich“ und „Die Geggis“ sind.

Die Puppe Lollo klettert aus einer riesigen Müllhalde am Rande der Stadt, davor aber – sie entdeckt, dass sie nackt ist, sucht sie sich hier ein passendes Stück Stoff, aus dem sie sich in Kleid macht. Und sie findet ein Maxerl, dem fehlt ein Haxerl, einen Spielzeug-Elefanten, der seinen Rüssel vermisst, einen Kuschelhasen mit nur einem Ohr… Lollo wird sozusagen zur Chirurgin, verarztet die Spieltiere und -Figuren – mit lauter Zeug aus dem Mist. …

Vertonte Bilderbuchreime

Das und den späteren Bau einer Schachtelstadt gibt es nun in einer knapp mehr als 1 ½ -stündigen Bühnen-Mitmachversion für Kinder zwischen 5 und 9 Jahren. Gespielt, gesungen und musiziert wird im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier – und zwar in einer Kooperation mit dem im selben MQW-Hof angesiedelten Kindermuseum Zoom. Dort gab’s schon vor einigen Jahren eine kleinere Version von „Lollo“ vom Verein Metterschling. Elisabeth Naske hat sich gemeinsam mit Ela Baumann (Regie) die Umsetzung mit Musik und Workshops ausgedacht und die Reime Mira Lobes vertont.

Workshop eingebaut

Eingebettet ins Stück bauen die Kinder Musikinstrumente – knapp nach Beginn in rund einer halben Stunde – und gegen Ende aus Kartons eine Schachtelstadt. Dabei werden sie von ZOOM-Vermittler:innen – Perihan Seifried, Werner Moebius, Johannes Franz Figeac, Sepehr Sarabchi – angeleitet und unterstützt, um aus Schachteln, Röhren, Flaschen, Gummiringern und anderen Utensilien Gitarren, Trommeln, Xylophone usw. zu basteln.

Profimusiker:innen plus Kinder-Orchester

Die Opernsängerin Marie-Christiane Nishimwe singt die Geschichte – im Wesentlichen die Reime von Mira Lobe – und wird zur Dirigentin für das Kinder-Orchester mit seinen neuen Instrumenten aus altem Zeug. Florian Fennes auf verschiedenen Klarinetten unterstützt die Sängerin und die musizierenden Kinder. Für die Ausstattung und die visuelle Livegestaltung zuständig ist Raimund Pleschberger, der vor allem im Müllberg gräbt und der Reihe nach die verletzten Spielsachen herauskramt sowie den Haufen später zu einem Fantasiebaum für die Schachtelstadt umbaut. Uta Knittel gestaltete die Kostüme – unter anderem als Art Logo einen Teil des Buchcovers von Lollo auf den T-Shirts der Zoom-Vermittler:innen und das Kleid für die Sängerin – ebenfalls sehr angelehnt an die Titelzeichnung des Bilderbuchs.

Früh in der Kinderliteratur

Wissenschafter:innen waren seit Jahrzehnten, dass die Menschheit die Ressourcen des Planeten zu rasch verbraucht, das Klima kippen könnte…, Künstler:innen greifen immer wieder recht früh solche – und andere Themen auf. Nachhaltigkeit, Re- und Upcycling ist seit Jahren ein boomendes Thema. Wie Felix Mitterer in seiner „Superhenne Hanna“ schon 1977 Legehennen-Batterien in einer Kinderbuchgeschichte thematisiert, so griffen auch schon früh Mira Lobe und Susi Weigel in ihrem Bilderbuch „Lollo“ (1987, Verlag Jungbrunnen) Müllberge und Wegwerfen – in dem Fall vor allem von Spielzeug – auf.

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Deborah Eze aus der WMS (Wiener Mittelschule) Kauergasse (Wien 15, Rudolfsheim-Fünfhaus) mit Englisch als Erstsprache

Junge Redner:innen beweisen – und machen – Mut

Dass Lernen und Schulbesuch ein Privileg in dieser Welt ist, wie aber Schule auch hierzulande besser, weniger diskriminierend funktionieren sollte ebenso wie engagierte Plädoyers für einen anderen Umgang mit der Umwelt sowie Mitmenschen – vielfältig wie die Sprachen waren auch die Themen, die 172 Jugendliche zwischen 11 und 20 Jahren in den Finalrunden beim 14. Durchgang des mehrsprachigen Redewettbewerbs „Sag’s Multi!“ dem Publikum zu Gehör brachten. Kürzlich wurden diese Finalrunden abgeschlossen – im Wiener Funkhaus, zuvor in mehreren Landesstudios bzw. in Niederösterreich sogar im Landtags-Sitzungssaal. In den Bewerb waren im Herbst 406 Schüler:innen gestartet, die 39 verschiedene Sprachen mitgebracht hatten und diese jeweils mit Deutsch kombinierten. Seit Beginn von „Sag’s Multi!“ im Schuljahr 2009/10 – lange Jahre vom Verein Wirtschaft für Integration organisiert durchgeführt von EduCult, seit drei Jahren ist der ORF Träger des Bewerbs – waren bisher 89 Sprachen zu hören bzw. sehen, denn mehrmals haben auch Jugendliche mit österreichischer Gebärden- und deutscher Lautsprache teilgenommen.

Dafür will ich stark sein

Vielfalt macht uns stärker war eines der Unterthemen des diesjährigen Bewerbs, Überthema: „Dafür will ich stark sein“. 406 Jugendliche zwischen 11 und 20 Jahren waren im Herbst in den Bewerb gestartet, bei dem sie jeweils in Deutsch und einer anderen Sprache ihre Reden halten. Die andere kann sowohl eine Erst- als auch eine erlernte Fremdsprache sein. Auch viele jener, die eine andere Familiensprache mitbringen, wählen einer erlernte neue Sprache. Und andere müssen sich oft für eine ihrer Sprachen, mit denen sie aufgewachsen sind, entscheiden.

Für die eigene Sprache beschämt

Wobei so eine Entscheidung nicht immer ganz freiwillig erfolgt. So schilderte Deborah Eze (WMS Kauergasse (Wien 15, Rudolfsheim-Fünfhaus), in Wien aufgewachsen, im Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Edo war meine Muttersprache, die ich als kleines Kind fließend sprechen konnte, aber wenn meine Mutter und ich die in der Öffentlichkeit verwendet haben, wurden wir immer sehr blöd angeschaut. Ich hab begonnen mich für meine Sprache (eine der größeren der mehr als 200 Sprachen Nigerias, Westafrika) zu schämen und hab dann nur mehr Deutsch und Englisch gesprochen. Außerdem werde ich sehr, sehr oft als Ausländerin angesprochen, angesehen, obwohl ich eben hier geboren und aufgewachsen bin. Erst jetzt in der WMS (Wiener Mittelschule) Kauergasse habe ich eher das Gefühl dazuzugehören.“

Klassenfoto der WMS Kauergasse mit ihren beiden Bewerbs-Rednerinnen
Klassenfoto der WMS Kauergasse mit ihren beiden Bewerbs-Rednerinnen

Unterstützer:innen ermutigen sie

Weil sie sehr oft aber als Schwarze Jugendliche das gegenteilige Gefühl vermittelt bekommt, sagte sie in ihrer Rede – auf Deutsch und Englisch „Obwohl Nigeria politisch und gesellschaftlich nicht das fortschrittlichste Land ist, fühle ich mich in Nigeria wohl. Meine mentale Gesundheit ist in bester Verfassung, wenn ich dort bin. Von anderen umgeben zu sein, die mich lieben und gut behandeln, unabhängig von meinem Alter.“

Sie würde, sagte sie in ihrer Rede, schön langsam müde werden, gegen rassistische Vorurteile und Angriffe zu argumentieren und eher aufzugeben – woraufhin sie mit starkem Beifall und in etlichen Gesprächen danach bestärkt wurde, nicht aufzugeben, U ru ẹse/danke, liebe Deborah Eze!

International

Ihre Klasse, die 4b, ist sozusagen eine der vielen international schools in Wien, in ihr bringen die Jugendlichen neben Deutsch noch die Sprachen Englisch, Ukrainisch, Russisch, Türkisch, Kurdisch, Rumänisch, Spanisch, Kroatisch, Serbisch, Polnisch mit. Wobei manche es dabei nicht belassen, so lernt Atimeea Daria wie sie dem Journalisten in einer Pause erzählt, „seit ein paar Jahren Koreanisch, weil ich gern K-Dramas in Originalsprache mit englischen Untertiteln anschaue. Aber ich hab früher auch Englisch durch viele Serien und Filme im Original gelernt“. Sie allerdings trat nicht bei „Sag’s Multi!“ an, sondern war „nur“ mit der ganzen Klasse gekommen, um die bereits genannte Mitschülerin Deborah Eze und eine weitere moralisch zu unterstützen, die den Mut gefasst hatten, ihre Rede vor analogem Live-Publikum im Radiokulturhaus und Online-Zuseher:innen im Livestream zu halten.

Schule kann stark machen

Bei der weiteren handelt es sich um Zehra Başdoğan, die auf Türkisch – und natürlich – Deutsch sprach und gemeinsam mit ihrer Klassenkollegin Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… ein Interview gab. Ihr Türkisch konnte sie, so erzählt sie im Gespräch, „auch stark verbessern, seit wir in der Schule eine unverbindliche Übung in dieser Sprache haben“. Für ihre Rede hatte sie sich das Unterthema „So macht Schule stark“ gewählt und sagte unter anderem: „Diese Schule hat mir gezeigt wie wichtig es, für mein weiteres Leben ist, an sich selbst zu glauben und seine eigenen Talente und Fähigkeiten zu kennen.  In mir wurde Neugierde geweckt und damit die Freude am Lernen. … Es ist wichtig, dass in der Schule die Möglichkeit geboten wird, dass Schülerinnen und Schüler sich aktiv am Lernprozess beteiligen können. Nur wenn wir engagiert und motiviert sind, können wir unsere Potenziale besser entfalten und unsere Fähigkeiten stärker entwickeln.“

Motivieren

Bereits zum zweiten Mal trat Julia Shoppmeier aus dem Döblinger Gymnasium in der Wiener Gymnasiumstraße an – mit Ungarisch und natürlich Deutsch, das muss aber jetzt in der Folge nicht jedes Mal noch dazugeschrieben werden 😉 Auch sie widmete sich der Schule. „Ich schätze die Möglichkeit, die Schule besuchen zu dürfen. Krieg, Diktatur, Armut, Hunger oder dass ich als Kind arbeiten müsste, verhindern nicht, dass ich in die Schule gehe.“ Aber sie schilderte auch so manch negatives Erlebnis in der Schule – von der per eMail erhaltenen Absage ihres Referats – am selben Tag um 6.30 Uhr früh etwa. Oder weniger motivierten Lehrpersonen. Und wünschte sich: „Ich möchte, dass die Lehrkräfte mich informiert, motiviert und offen machen. Ich möchte erreichbare Ziele genannt bekommen. Ich möchte, dass die Chancenlosen eine oder mehrere Chancen bekommen. Dass die Talentierten entdeckt und betreut werden. Dass die Engagierten gelobt werden.“

Aber die Schülerin der 4b der genannten AHS betrieb keinesfalls beliebtes Lehrer:innen-Bashing, sondern sagte auch: „Ich merke, dass die Gesellschaft den Beruf Lehrer teilweise nicht besonders cool findet. Andere Werte scheinen wichtiger… Ich bitte auch alle Lehrerinnen und Lehrer, zu unserer Verstärkung, dass sie es wagen, cool zu sein. Weil eine starke Schule kann nur auf starke Lehrkräfte gebaut werden. Und nur eine starke Schule kann uns Schüler und Schülerinnen so stärken, wie wir es benötigen.

Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … konnte in diesem Jahr nur einige Redner:innen lang bei „Sag’s Multi!“ live zuhören. Hier sind sie – in Bild und Kürzest-Auszügen aus ihren Reden:

Umwelt

Adrienne Elbeshausen aus der Theresianischen Akademie (Wien 4, Wieden) begann ihre Rede auf Englisch als erlernter Fremdsprache fast in der Art eines Märchens: „Once upon a time there was a blue planet. …“, um dann über „diese lustig aussehenden Kreaturen“ zu sprechen, die wir Menschen sind. „Wir sind der unachtsame Konsument eines Medikaments, der die Packungsbeilage nicht richtig gelesen hat. Risiken und Nebenwirkungen unserer Kreativität werden uns oft erst viel zu spät bewusst. Denken Sie an Sprengstoff, denken Sie an Waldrodung, denken Sie an Atomkraftwerke. Viele unserer Erfindungen führen zu Veränderungen, die wir nie wieder rückgängig machen können.“

Gewalt in der Familie

Damaris Benta, 14 und aus der Modularen Mittelstufe Aspern (Wien 22, Donaustadt) wählte „Frieden – mehr als Sehnsucht nach Sicherheit?“ über das sie auf Rumänisch sprach und heftig begann: „Es gibt Krieg in Österreich – jeden Tag. Kriege finden nicht nur auf der Weltbühne statt, sondern auch in unserem zu Hause. Auch in einem friedlichen Land wie Österreich. Wisst ihr eigentlich wie viele Kinder von Gewalt in der Familie betroffen sind? Jedes 10. Kind in Österreich!“, um dann ein konkretes Beispiel einer Freundin zu schildern, das (nicht nur ihr) sehr nahe ging.

Erfahrungen, Erinnerungen, Zukunft

Nina Isailović vom Schulschiff, der AHS Bertha von Suttner in Wien-Floridsdorf an der Donauinsel widmete sich in ihrer Rede auf Serbisch „Erinnerungen – ohne Gestern kein Morgen“ um eingangs eigene, persönliche Erinnerungen zu schildern, dabei aber nicht stehen zu bleiben.

„Jeder und jede von uns ist von Erinnerungen geprägt. Wir treffen viele Entscheidungen, basierend auf unseren Erfahrungen. Unsere Vergangenheit belehrt uns. Einerseits können wir versuchen unsere Fehler aus der Vergangenheit nicht zu wiederholen, andererseits hüten wir unsere guten Erinnerungen und lassen sie dank Traditionen weiterleben. … Oft ist zu hören: Lebt nicht in der Vergangenheit. Dem stimme ich zwar zu. Aber ohne Erinnerungen gibt es auch keine Zukunft. …

Zukunft ist nicht etwas, was ohne uns entsteht. Wir sind die Zukunft und wir werden sie nach unseren Vorstellungen gestalten. Wir sind Erfahrungen und Erinnerungen. Wir wissen insgeheim, was wir wollen und was nicht.“

Eigene Meinung bilden

Teona Popa (GRG Rosasgasse, Wien 12, Meidling) begann den deutschsprachigen Part ihrer Rede (Rumänisch) mit „Bildung ist wichtig!“, das sagen uns unsere Eltern. Natürlich wollen dem nicht alle Kinder zustimmen, denn sie wissen nicht, was das Leben für sie bereithält. … Die Welt ist groß und sie entspricht genau dem Gegenteil davon, wie es sich Kinder in jungen Jahren vorstellen. In meinem Fall war das genauso. Ich konnte es kaum erwarten, erwachsen zu werden und endlich arbeiten zu gehen. Ich wollte nicht jeden Tag zur Schule gehen, weil ich dachte, dass es viel leichter wäre zu arbeiten als zu lernen. … Wenn man arbeitet, hat man nicht nur den Stress der Arbeit, sondern das Leben wird ebenso stressiger. Rechnungen zahlen, genügend Geld verdienen, wenig Freizeit und sehr viel zu tun, sind typische Merkmale eines erwachsenen Menschen. Da bleibe ich lieber in der Schule und bereite mich auf mein Erwachsenenleben vor.

… Bildung ist jedoch nicht nur für unsere Zukunft wichtig. Für Anne Frank war Bildung eine Ablenkung. Sie hat durch Bildung sehr viel überwinden können, da sie während sie sich im zweiten Weltkrieg vor den Nazis versteckte, mit dem Lernen beschäftigt war. Damals war ihre Situation nahezu unvorstellbar und das Lesen von Büchern gab ihr Stärke. Schulen spielen eine entscheidende Rolle dabei, Kinder zu stärken, um sie auf ihre Zukunft, auf das Leben als Erwachsene vorzubereiten. Das Bildungssystem ermöglicht ihnen die Entwicklung wertvoller Fähigkeiten und die Entdeckung ihrer Talente.

… Ich bin also stark, weil ich meine eigene Meinung bilden kann. Bildung ist jedoch nicht für alle gleich. Manche Kinder haben keine Chance auf Bildung, weil sie es sich nicht leisten können. Andere haben kein Recht auf Bildung, weil in einigen Ländern Kinderrechte in Füßen getreten werden.

Vielfalt

Tris Karner (GRG 21 Bertha v. Suttner) sprach auf Englisch über „Vielfalt macht uns stark“: „Jeder Mensch hat etwas, was ihn einzigartig macht. Jede Person unterscheidet sich von der anderen, auch wenn es nur im kleinsten Sinne ist. Vielfalt kann verschiedene Religionen, Hautfarben, Sexualitäten und so viel mehr bedeuten. Ich jedoch fokussiere mich heute auf die Vielfalt von queeren Personen überall auf der Welt, da ich der Meinung bin, dass wir alle, die in einem freien Land leben, für andere kämpfen sollten, die sich nicht verteidigen können. Das Thema Vielfalt im Bereich von Sexualität und Gender ist mir sehr wichtig, da ich selber queer und trans bin. Ich persönlich hatte glücklicherweise noch keine schlechten Erfahrungen mit dem Thema Transgender. In der Schule werde ich Tris genannt, meine Pronomen werden respektiert und ich werde gleich wie alle meine MitschülerInnen behandelt. Doch nicht jeder hat diese Privilegien. Viele andere Trans-Personen werden täglich diskriminiert, ihre Rechte werden ihnen weggenommen.“

Genau deswegen widmete Tris Karner sich diesem Thema und berichtete von zahlreichen diskriminierenden Gesetzesvorhaben in US-Bundesstaaten, aber auch in Österreichs Nachbarland Ungarn, immerhin Mitglied der EU.

„Wir können durch Vielfalt lernen und akzeptieren, dass andere eben anders sind als einer selbst. Und in diesem Sinne macht Vielfalt alle Menschen viel stärker, als wenn alle gegeneinander sind. Nur müssen alle beginnen, sich gegenseitig zu akzeptieren, denn das ist der erste Schritt auf dem Weg der Besserung. Ohne Akzeptanz sind wir und werden wir nie gemeinsam stark sein.“

Juror:innen
Jurorin Judith Weissenböck und „Sag’s-Multi!“-Vater Peter Wesely

Mut machen

„Kein Wohlfühl-, sondern ein Mutmacherprojekt“ sei „Sag’s Multi“, meinte in einer der Pausen am vorletzten Finaltag der Erfinder des Bewerbs und Jury-Vorsitzende Peter Wesely. Mut beweisen die jugendlichen Redner:innen – und sie machen Tausenden anderen Mut, ebenfalls ihre Stimmen zu erheben.

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Doppelseite aus dem Bilderbuch "Heut, da bin ich eine Maus"

Von Maus bis Elefant – du kannst alles sein

Seit mehr als 50 Jahren wandert ein kleines, buntes Wesen in Reimform durch eines der wohl bekanntesten Bilderbücher Österreichs und sucht – auch in vielen verschiedenen Sprache – wer es ist: „Das kleine Ich bin ich“ (Verlag Jungbrunnen). Vor einigen Monaten ist ein anderes Bilderbuch erschienen, das auch damit endet, dass du sozusagen du bist – sprich, die Hauptfigur ich!

Davor aber schlüpft sie in die verschiedensten (Tier-)Rollen und Stimmungen bzw. Gefühle, ist sozusagen jeden Tag anders. Klein und schnell auf der ersten Doppelseite, die dem Buch auch den Titel gab: „Heut, da bin ich eine Maus“ (Edition 5Haus), Giraffe, Affe, Flamingo – als das fühlt sich die Hauptfigur auf den folgenden jeweils Doppelseiten – immer mit sechs Gedichtzeilen und bunten computergenerierten Illustrationen. Später mal ein Wal ebenso wie danach ein kleines Fischlein und gegen Ende ein Elefant. Doch halt, nicht ganz.

Kiri Rakete & Franziska Höllbacher
Kinderliedermacherin Kiri Rakete & Autorin/Illustratorin Franziska Höllbacher

Denn auf der letzten Doppelseite versammelt die Autorin und Illustratorin in Personalunion, Franziska Höllbacher noch einmal alle zuvor aufgetauchten Tiere, in die sich ihre Hauptfigur – ein Kind mit lila Leiberl und roter Brille -, verwandelt, um zu enden „Heut, da bin ich ich allein.“

Niemand?

Wobei die gereimten Zeilen hier leider damit beginnen „Heut, da will ich niemand sein…“ Und der Schluss, „ich bin niemand“ scheint ja doch nicht in der Absicht der Autorin und Illustratorin zu liegen – da wurde wohl dem Reimen zuliebe nach „niemand“ so etwas wie „anderer“ geopfert worden zu sein.

Song

Höllbachers Bilderbuch regte die Kinderliedermacherin Kiri Rakete an, daraus einen eigenen Song zu machen. In den baut sie nicht nur die Gedichtzeilen und Geschichten aus dem Buch ein, sondern erweitert das Lied noch um andere Geschichterln. „Gleich beim ersten Lesen und Staunen hörte ich ein Lied – nein, eigentlich einen Beat! Ein Buch, das tanzt und singt: Probier dich aus!“, zitiert der Verlag sie.

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Buchcover des Bilderbuchs
Buchcover des Bilderbuchs „Heut, da bin ich eine Maus“
Szenenfoto aus "Morbus Hysteria - Wir haben alle Recht" vom aktionstheater ensemble

Gespielter, getanzter, ironischer Kampf ums Rechthaben

Die Welt ist diesmal im jüngsten Stück vom aktionstheater ensemble ziemlich düster, vor allem ins schwarz-weiß-Tönen gehalten – von den projizierten Kulissen bis zu den Gewändern (Bühne/Kostüme: Valerie Lutz, Video: Resa Lut). Die Welt ist zersplittert, denn „Wir alle haben Recht“ wie es im Untertitel von „Morbus Hysteria“ heißt – noch bis 4. Juni im Werk-X-Wien-Meidling und ab Mitte Juni im Bregenzer Theater Kosmos, siehe Info-Box; übrigens Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… hatte schon vor eingier Zeit über eine probe des Stücks berichtet – Link am Ende des Beitrages.

Wobei „wir alle“ keine Gemeinschaft ist, eher jede und jeder für sich – in eigenen Bubbles, wie es sich in der wirklichen Welt vor allem im digitalen Raum abspielt 😉 Da prallen die rechthaberischen Positionen aufeinander, nicht um sie auszutauschen, zu diskutieren, sondern zu postulieren, hinzukleschen, mitunter sogar recht gewaltsam.

Fast alle Themen

Von versuchter, bemühter Interkulturalität bis zur Zur-Schau-Stellung wie wichtig einer/einem Diversität sei bis zum Zweifel daran, ob wirklich jede und jeder sich als das sehen können dürfe als was sie/er/they sich fühle, beispielsweise als Wal, Hase oder Wolf sowie vermeintlich schulterklopfendem „ja, der jüdische Humor…“ spannt sich der Bogen der angeschnitten, angespielten, (selbst-)ironisch durch den Kakao gezogenen Positionen des „Rechthabens“.

Das Team – schauspielend auf der Bühne Michaela Bilgeri, Thomas Kolle, Kirstin Schwab, Tamara Stern, Benjamin Vanyek und musizierend dieses Mal hinter dem Publikum, was den Dialog zwischen den unterschiedlichen Tönen über die Zuschauer:innen hinweg-schwabben lässt, – und Regisseur Martin Gruber entwickelt das Stück ja jeweils miteinander. Die Beteiligten bringen persönliche Erlebnisse und Erfahrungen ein, die in der gemeinsamen Arbeit zu einer runden Sache werden. Die übrigens fast immer sehr spontan wirkt, obwohl praktisch jedes Wort – samt seiner Betonung, jeder Schritt perfekt einstudiert sind – und trotzdem nichts an dieser Spritzigkeit verliert. Natürlich lebt – wie generell bei guten Theater – auch und gerade beim aktionstheater ensemble jeder Abend von der Durchbrechung der vierten Wand zum Publikum, bestimmt dessen Reaktion die Energie, den Flow der Aufführung, weshalb es hier – Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… erlebte genau diese – keine sogenannte Zweite gibt. Dies ist ein Phänomen so mancher Theater, dass nach der darauf konzentrierten tollen Premiere die nachfolgende Vorstellung abflacht.

Alle wechselnd gegeneinander, eine Außenseiterin

Wechselnde Koalitionen der Streitenden spielen sich ebenso ab wie die fast durchwegs die Außenseiterin gebende Kirstin Schwab, die oft suchend, herumirrend und vor allem in einem fast durchgehenden 1 ¼-stündigen Workout auf und mit dem schwarz-grau lackierten Sitzball auf und ab springt, ob sitzend oder liegend.

Vielleicht ein wenig untypisch für das aktionstheater ensemble (das übrigens mit einer übersetzten Version von „Pension Europa“ im Sommer zu einem Gastspiel in London eingeladen ist), das mit der Art und Weise seiner Stücke zwar Haltungen vermittelt aber Positionen fast immer in Frage stellt und das Publikum damit anregen will, selber Antworten zu suchen, endet „Morbus Hysteria – Wir haben alle Recht“ mit dem letzten konsumkritischen Abschnitt mit einer rasant getanzten, gesungenen, gespielten Version des mehr als 50 Jahre alten7jungen Songs der Band Ton Steine Scherben „Macht kaputt, was euch kaputt macht“.

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Szenenfoto aus "A forest to grow people"

Mix aus Live-Malerei und Tanz über ein wahrhaftiges Aufforstungsprojekt

Ein auf den Kopf gestellter Baum, der Strich für Strich live auf der Bühne weitergezeichnet und groß auf die halbrunde Leinwand projiziert wird, entpuppt sich bald als so etwas wie Lungenflügel. Mit Wasserfarben „zaubert“ Luciana Bencivenga diese Bild in „A forest to grow people“ auf Papier. Den rechten Lungenflügel – aus der Sicht der Malerin und somit der Betrachter:innen – malt sie vor allem grün zu einem Wald aus – auch mit bunten Blüten. Der zweite wird grau und gräulicher, als würde dieser Mensch rauchen. Tut es auch – aus Schloten und Rauchfängen kantiger unpersönlicher Wolkenkratzer-Klötze. Auf der anderen Seite wächst ein junger Mensch heran.

Getanztes Bilderbuch

Und damit wird das erste – ständig erweiterte Bild zum Symbol für die Wirklichkeit, in der Shalev Anandi Rozin ab 2008 aufgewachsen ist. Sie kommt spät von hinter dem Publikum auf die Bühne und beginnt zu tanzen, teils tanzen auch die projizierten Bilder auf ihrem Körper. Die beiden erzählen live – vor allem in Bildern und Bewegungen, hin und wieder auch gesprochen (auf Englisch) und wie eine ganz andere Art von untertiteln – als deutscher Text in einer Bilderbuchversion vom Wieder-Aufforstungsprojekt Sadhana-Forest in Südindien.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „A forest to grow people“

1300 km2 (ungefähr drei Mal die Fläche Wiens) riesiger Wald wurde in der besagten Gegend vor rund 200 Jahren von den Kolonialbesitzern abzuholzen begonnen. Übrig blieb – nichts. Leere, Ödland, trockene Erde. Shalev Anandi Rozins Eltern zogen aus Israel in diese Gegend, wo sie in einer Gemeinschaft mit einer Handvoll anderer Menschen begannen, die ersten neuen Bäume zu pflanzen. Als die nunmehrige 15-jährige Tänzerin geboren wurde, gab es bereits 11.000 Bäume, heute sind es 150.000 „Maschinen gegen den Klimawandel“.

Zufall

Choreografin Elda Gallo war vor einigen Jahren zufällig in Indien auf dieses Projekt gestoßen und hatte die Idee geboren, daraus ein Stück zu machen. Diess schaffte es im Vorjahr ins Finale des Dschungel-Wien-Nachwuchsbewerbs „Try Out!“. Dort gewann es zwar nicht, konnte aber dennoch vom Team zu einer Vollversion weiterentwickelte werden, die nun im Theaterhaus für junges Publikum im Wiener MuseumsQaurtier in seiner rund ¾-stündigen Vollversion eine Aufführungsserie bis 7. Juni 2023 erlebt – Details siehe Infobox.

Gebannte Jugendliche

Das Zusammenspiel von Live-Malerei und Tanz entlang der wahren Geschichte verschmilzt und verschwimmt zu einer berührenden Einheit, die Freitagvormittag als Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… die Aufführung besuchte, die voller Jugendlicher war, dieses junge Publikum völlig in den Bann gezogen hat. Im anschließenden Publikumsgespräch wollte abschließend Elda Gallo von den Jugendlichen wissen, was ihnen spontan zu dem Stück einfalle. Nach vielen „super“ und „perfekt“ meinte eine Schülerin, das erste Wort das ihr dazu einfalle sei „Wahrheit“.

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „A forest to grow people“
Szenenfoto aus "Cabaret der alten Neuigkeiten"

Alles schon mal dagewesen ;)

Eine kleine Varieté-Bühne auf der großen Bühne im Dschungel Wien. Der Großteil dieser großen Bühne hergerichtet auf altes Kaffeehaus mit Schachbrett-Bodenmuster, Piano in der Ecke, zu dessen Pianist:innen sich noch Musiker:innen an Kontrabass, Geige und Klarinette gesellen. „Cabaret der alten Neuigkeiten“ war ein Stück, das nun mehrmals im Theaterhaus für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier aufgeführt worden ist, eine Produktion der MUK (Musik- und Kunstuniversität, vormals Konservatroum der Stadt Wien). Gemeinsam von Studierenden – und Schüler:innen der 6d der AHS de la Salle Strebersdorf.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Cabaret der alten Neuigkeiten“

Einerseits gibt’s den Satz, dass nichts so alt ist wie die Zeitung von gestern – und der stammt schon aus vor-Internet-Zeiten, seither erst recht. Und andererseits scheinen sich viele Dinge zu wiederholen – nicht nur was die Mode betrifft. Andererseits… – siehe gegen Ende des Beitrages 😉

Nach einer launigen Revue mit klassisch-klischeehaften Outfits aus den 20ern des vorigen Jahrhunderts und Liedern von vor rund 100 Jahren kommt’s gegen Ende zu so etwas wie einem Showdown: Zehn Freiwillige aus dem Publikum treten in einer Quizshow gegeneinander an. Schlagzeilen werden vorgelesen und eingeblendet – neutral, also nicht in alter oder neuer Schrift – und es gilt draufzukommen oder zu erraten, aus 19- oder 2020ern.

Liest sich einfacher als es ist. Galoppierende Inflation, Windenergie, weil Öl knapp wird usw. könnten aktuell sein, stammten aber aus dem ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts – beispielsweise.

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In vielen Liedern sind auch Bewegungsübungen eingebaut

Tribüne wird zur Riesen-Bühne

Singen aus vollen Kehlen und mit Herzenslust und Freude. Das schaffte das Projekte Monsterfreunde schon in den vergangenen Jahren. Klein begonnen in der Volksschule Haebergasse von Michael Wagenthaler vor rund zehn Jahren wuchs sich das Projekt aus. Immer mehr Schulen beteiligten sich mit ihren Kindern. Vor fünf Jahren schon jubelten die „Monsterfreunde“ – so nennt sich das sangesfreudige Projekt rund um sieben Kuschelfiguren zu den italienischen Bezeichnungen der Tonleiter: Do, Re, Mi, Fa, So, La, Ti.

Wasser, Umwelt, Kraft in dir

Einige der Lieder stellen Verbindungen zu – anderen – schulischen Inhalten her: zur Sprache sowieso, aber auch zu Themen wie Wasser, altes Ägypten, sorgsamen Umgang mit der Umwelt und zur Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins.

Wenn du etwas noch nicht kannst,
entsteht oft ein Gefühl von Angst.
In diesem Moment fühlst du dich klein
und eine Stimme sagt dir: lass es sein.
Doch mit diesem Lied sammelst du Mut,
du wirst es schaffen: Mut tut gut! 
Denn du weißt:
Refrain 2x:
Egal wie hoch, egal wie weit,
egal wie schnell, ich bin bereit!
Ich spür die Kraft, ich spür den Mut,
ich spür es in mir: Mut tut gut!

Text und Musik: Michael Wagenthaler

Wenngleich der Spruch „Glaub an dich“ ein wichtiger ist, in der präsentierten Form als „Verkauf“ an den Werbespruch einer Bank ist er aber dann doch ein wenig naja… wenngleich solche Projekte Sponsoren brauchen.

In diesem Jahr nahmen/nehmen (noch bis 2. Juni 2023) 16.000 Kinder aus Wiener Schulen an den Konzerten teil – in den Klassen selber waren noch 1000 weitere Kinder beteiligt. Und dennoch wäre die Bühne der Wiener Stadthalle (erstmals) viel zu klein. Und so bevölkern die singenden Kinder die ganze zentrale Tribüne und singen von dort aus. U-förmig sitzt das Publikum zu ebener Erd sowie auf Nord- und Südtribüne, um zu lauschen und zu jubeln, bzw. nach Aufforderung der Moderatorin Christina Karnicnik, mit ihren Handys zu leuchten – was ein Glitzermeer in der Halle ergab. Der Großteil – zu Recht -stolze Eltern von denen so manche allerdings ihre Kinder ein wenig irritieren, indem sie ihnen fordernd zuwinken, sie mögen doch auch Zeichen geben.

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Physik und Technik-Lied

Für ein physikalisches Spektakel sorgte Bernhard Weingartner, der mit seinem Lastenfahrrad Physikmobil die Bühne erradelte, um dort Flüssigen Stickstoff – minus 220 Grad Celsius und heißes Wasser zusammen zu leeren. Folge: Eine riesige senkrechte Wolke – bis zum Hallendach. Und doch war dieses „Spektakel“ nur das Vorprogramm für eines der Lieder der Kinder „Technik für alle“.

Starmania-Sieger

Einen Gastauftritt hatte auch der Gewinner der vorjährigen Starmania-Staffel, Stefan Eigner. Er performte aber nicht nur seinen damaligen Song „Es End is no fern“, sondern verkleidete sich davor, um das Ägypten-Lied der Monsterfreunde „Singender Sand“ anzustimmen.

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An diesem Nachmittag als Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… das Konzert besuchte, sangen die Kinder aus den Volksschulen Am Hundsturm, Attemsgasse, Haebergasse, Donaucity, evangelische Volksschule Leopoldstadt, Alma-Seidler-Weg, Köhlergasse, Johnstraße, Greiseneckergasse, Laaerberg Straße, Astrid-Lindgren in der Sonnenuhrgase, Wichtelgasse, Ada-Christen-Gasse, Mira-Lobe-Weg und Oberlaaer Platz.

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Monsterfreunde

Die Award-Trophäe lässt sich auch umbauen

Flexible Statue zum neu Zusammenbauen

Die Treppen an die Spitze – was die seit dem Relaunch vor ein paar Jahren die neue Statue für die Preisträger:innen von Jugend Innovativ darstellt – sind flexibel. As orangefarbenen Legosteinen zusammengesetzt, passierte es passenderweise bei der Übergabe an die Sieger:innen der Kategorie Design – die Trophäe fiel auseinander – und wurde von den Schüler:innen vom BG/BRG Lienz (Osttirol) live auf der Bühne neu zusammengesetzt.

Nach den Berichten aus den Gesprächen mit allen 38 Finalteams und jenen beiden, die zusätzlich noch aus dem Halbfinale für den Special Award Vorarlberg in der Stage 3 in Wien-St. Marx ausgestellt haben, gibt’s hier nun als kleinen „Nachschlag“ Fotos der Preisverleihung, die launig und teils mit kleinen szenischen Einlagen gewürzt von Ana Ryue und Fabian Unger moderiert wurde. Als Überreicher der oben schon beschriebenen Statuen trat wieder „Mr. Cube“ in Erscheinung.

Design

1. Preis: „Was haben Fußbälle mit Nanotechnologie und Architektur zu tun?C –  BG/BRG Lienz (Ost-Tirol)
2. Preis ex-aequo:
Körper als Medium – die Graphische (Wien)
Ganzkörpersportgerät – HTBLVA St. Pölten (Niederösterreich)
Anerkennungspreise:
Konstruktion und Design eines Jetboards – HTBLVA St. Pölten (Niederösterreich)
„Der Topf rührt um? – Theorien zur Entstehung sozialer Bewegungen“- HTBLuVA Salzburg

Engineering I

1. Preis: „Research and development of a slat to improve the flight characteristic for a highperformance glider” – HTBLA Eisenstadt (Burgenland)
2. Preis: Lock N Ride – HTL Rennweg (Wien)
3. Preis: KEBA Spritzguss-Simulator – HTBLA Neufelden (Oberösterreich)
Anerkennungspreise:
„ModuStat – Das modulare Messstationen Mesh-Netzwerk“ – HTL Rennweg (Wien)
„Entwicklung eines Exoskeletts für gehbehinderte Menschen im Rahmen der Rehabilitation“ – HTBLuVA Salzburg

Engineering II

1. Preis: Automatischer Schikantenschleifer – HTL Mössingerstraße (Kärnten)
2. Preis: Bandsägewerk – HTBLA Eisenstadt (Burgenland)
3. Preis: LEVI – Levitating Scale   – HTBLuVA Salzburg
Anerkennungspreise:
Drone Landing and Maintenance System (DLMS) – HTL Mössingerstraße (Kärnten)
Blackout-Simulator  – HTL Mössingerstraße (Kärnten)
Smarth Agriculture Observation System  – HTL Mödling (Niederösterreich)

Entrepreneurship (unternehmerisches Denken)

1. Preis: RefurbMe   – HTBLVA Spengergasse   (Wien)
2. Preis: Coming Home Safe – HTL Wien West
3. Preis: KEYTAR – HTL Dornbirn (Vorarlberg)
Anerkennungspreise:
Growledge – HBLA Ursprung (Salzburg)
Felerfrei – Holztechnikum Kuchl (Salzburg)
Helpers – connect and help – HTL Dornbirn (Vorarlberg)

ICT & Digital

1. Preis: HeartChart – BHAK/BHAS Feldkirch (Vorarlberg)
2. Preis: MatchYourPet – In wenigen Swipes zum Wunschtier – BHAK/BHAS Waidhofen/Thaya (Niederösterreich)
3. Preis: Document Dataset Synthesizer – HTBLA Grieskirchen (Oberösterreich)
Anerkennungspreise:
Trailer Buddy – HTL Mössingerstraße (Kärnten)
Neurologie – TGM – Die Schule der Technik (Wien)
Coll.E.W – COLLECT E-WASTE  – TGM – Die Schule der Technik (Wien)

Science (Wissenschaft)

1. Preis: Hidden Agenda: TFA, die lauernde Gefahr in unserem Wasser – HLUW Yspertal (Niederösterreich)
2. Preis: Synthese und Analyse von Yttrium-Barium-Kupferoxid (YBCO) – Wiedner Gymnasium – Sir Karl Popper Schule (Wien)
3. Preis: Digital Tendon Scoring Tool – HTBLuVA Salzburg
Anerkennungspreise
A bogus fish  (veganer Lachsersatz) – HTL für Lebensmitteltechnologie Wels (Oberösterreich)
Auswirkung von verschiedenen Musikrichtungen auf das Wohlbefinden und die Legeleistung von Hühnern – BG Vöcklabruck (Oberösterreich)

Sustainability (Nachhaltigkeit)

1. Preis: ReCell – HTL Dornbirn (Vorarlberg)
2. Preis: Erhöhung der Effizienz von Photovoltaikzellen mittels fluoreszierender Beschichtung – HTL Dornbirn (Vorarlberg)
3. Preis: Schulübergreifendes Nachhaltigkeitsgremium – BHAK Bad Ischl, BG/BRG Bad Ischl und International School St. Gilgen (Oberösterreich)
Anerkennungspreise
Nachhaltiges Dämmmaterial aus Pilzen  – HTL Braunau (Oberösterreich)
Farbmittel aus Hapalopilus nidulans – HTL Braunau (Oberösterreich)

Publikumspreis

Coming Home Safe – HTL Wien West

Special Award Vorarlberg

1. Preis: Erhöhung der Effizienz von Photovoltaikzellen mittels fluoreszierender Beschichtung – HTL Dornbirn
2. Preis: ReCell – HTL Dornbirn
3. Preis: Ceres Plantory – HTBLVA Rankweil
Anerkennungspreis: Foody me – HTBLVA Rankweil

BeatBoxer

Obendrein gab es in diesem Jahr noch einen Show-Act, der weltweit erfolgreiche BeatBoxer FII, mit bürgerlichem Namen Michael Krappel, animierte die Festgäst:innen zum mittanzen – im Sitzen – und zu einem schrägen Mix, indem er aus zugerufenen Worten und Musikstilen eine mitreißende Performance bot: Leberkas – Bandsägewerk – Erhöhung der Effizienz von Photovoltaikzellen 😉

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Noch einige Schnappschüsse vom Finaltag

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